Quellen der Menschheit

Bṛhad-Āraṇyaka

Kapitel 14: Śatapatha-Brāhmaṇa 14,3,2 (Kaṇḍikā 1-8) Sühnehandlung bei zerbrochenem Gharma-Gefäß: die Pūrṇāhuti und die Heilungsreihe durch Geist, Erde/Agni, Luftraum/Vāyu, Himmel

Dieses Kapitel beginnt den letzten Abschnitt der verfügbaren Quelle, ŚB 14,3,2 (Kaṇḍikā 1-8 von 22 — dieser Abschnitt bricht in der GRETIL-Transkription bei Kaṇḍikā 22 mitten im Wort ab, siehe Vorwort dieser division). Behandelt: die Sühnehandlung (prāyaścitti) für den Fall, dass das Gharma-Gefäß während des Ritus zerbricht, mit der 'vollen Opfergabe' (Pūrṇāhuti) und einer Reihe von Svāhā-Güssen, die eine kosmologische Heilungskette entfalten: Geist als Oberherr der Atemkräfte, dann jeweils Paare von 'Sitz' (āyatana) und 'Selbst' (ātman) aller Götter — Erde/Agni, Luftraum/Vāyu, Himmel/[vermutlich Āditya, folgt in Kaṇḍikā 9]. TEXTKRITISCHER HINWEIS: Die Quelle kürzt ab Kaṇḍikā 6 die wiederkehrende Formel 'tat sarvābhir evaitad devatābhir bhiṣajyati yat kiṃ ca vivṛḍhaṃ yajñasya' mit einem Verweiszeichen ('>') ab, statt sie auszuschreiben; sie wurde hier nach dem in Kaṇḍikā 4-5 vollständig belegten Muster ergänzt.

sarveṣām vā eṣa bhūtānām sarveṣāṃ devānām ātmā yad yajñas tasya samṛddhim anu yajamānaḥ prajayā paśubhir ṛdhyate vi vā eṣa prajayā paśubhir ṛdhyate yasya gharmo vidīryate tatra prāyaścittiḥ || pūrṇāhutiṃ juhoti sarvaṃ vai pūrṇaṃ sarveṇaivaitad bhiṣajyati yat kiṃ ca vivṛḍhaṃ yajñasya

Dieses Opfer ist das Selbst aller Wesen, aller Götter; entsprechend seinem Gedeihen gedeiht der Opferherr an Nachkommenschaft und Vieh; geschmälert aber wird dieser an Nachkommenschaft und Vieh, dessen Gharma-Gefäß zerbricht; dafür [gibt es] eine Sühnehandlung. Er opfert die Pūrṇāhuti, die „volle Opfergabe“: Alles nämlich ist das Volle; mit eben diesem Ganzen heilt er, was auch immer am Opfer beschädigt worden ist.

Wort für Wort
sarveṣāṃ bhūtānām ātmā
das Selbst aller Wesen
prāyaścittiḥ
die Sühnehandlung
gharmo vidīryate
das Gharma-Gefäß zerbricht
pūrṇāhutiḥ
die volle Opfergabe
vivṛḍham
beschädigt/verletzt

Dieser Abschnitt markiert einen deutlichen Neueinsatz: nach dem Abschluss des regulären Pravargya-Vollzugs (14,3,1) behandelt 14,3,2 den Sonderfall eines rituellen Missgeschicks (zerbrechendes Gefäß) und seine Behebung.

svāhā prāṇebhyaḥ sādhipatikebhya iti mano vai prāṇānām adhipatir manasi hi sarve prāṇāḥ pratiṣṭhitās tan manasaivaitad bhiṣajyati yat kiṃ ca vivṛḍhaṃ yajñasya || pṛthivyai svāhā iti pṛthivī vai sarveṣāṃ devānām āyatanaṃ tat sarvābhir evaitad devatābhir bhiṣajyati yat kiṃ ca vivṛḍhaṃ yajñasya || agnaye svāhā iti agnir vai sarveṣāṃ devānām ātmā tat sarvābhir evaitad devatābhir bhiṣajyati yat kiṃ ca vivṛḍhaṃ yajñasya

„Svāhā den Atemkräften mit ihrem Oberherrn!“ — der Geist (manas) nämlich ist der Oberherr der Atemkräfte, denn im Geist sind alle Atemkräfte gegründet; eben durch den Geist heilt er damit, was auch immer am Opfer beschädigt worden ist. „Svāhā der Erde!“ — die Erde nämlich ist der Sitz aller Götter; eben durch alle Gottheiten heilt er damit, was auch immer am Opfer beschädigt worden ist. „Svāhā dem Agni!“ — Agni nämlich ist das Selbst aller Götter; eben durch alle Gottheiten heilt er damit, was auch immer am Opfer beschädigt worden ist.

Wort für Wort
manaḥ
der Geist/Verstand
prāṇānām adhipatiḥ
der Oberherr der Atemkräfte
pṛthivī āyatanam
die Erde als Sitz [aller Götter]
agniḥ ātmā
Agni als Selbst [aller Götter]

Es zeichnet sich ein Muster von Paaren ab: die Erde als 'Sitz' (āyatana), Agni als 'Selbst' (ātman) aller Götter — ein Muster, das sich in den folgenden Kaṇḍikās für Luftraum/Vāyu und vermutlich Himmel/Āditya fortsetzt.

antarikṣāya svāhā iti antarikṣam vai sarveṣāṃ devānām āyatanaṃ tat sarvābhir evaitad devatābhir bhiṣajyati yat kiṃ ca vivṛḍhaṃ yajñasya || vāyave svāhā iti vāyur vai sarveṣāṃ devānām ātmā tat sarvābhir evaitad devatābhir bhiṣajyati yat kiṃ ca vivṛḍhaṃ yajñasya || dive svāhā iti dyaur vai sarveṣāṃ devānām āyatanaṃ tat sarvābhir evaitad devatābhir bhiṣajyati yat kiṃ ca vivṛḍhaṃ yajñasya

„Svāhā dem Luftraum!“ — der Luftraum nämlich ist der Sitz aller Götter; eben durch alle Gottheiten heilt er damit, was auch immer am Opfer beschädigt worden ist. „Svāhā dem Vāyu!“ — Vāyu nämlich ist das Selbst aller Götter; eben durch alle Gottheiten heilt er damit, was auch immer am Opfer beschädigt worden ist. „Svāhā dem Himmel!“ — der Himmel nämlich ist der Sitz aller Götter; eben durch alle Gottheiten heilt er damit, was auch immer am Opfer beschädigt worden ist. [Anm.: Die wiederholte Schlussformel ist in Kaṇḍikā 6-8 im Quelltext durch ein Verweiszeichen abgekürzt und wurde hier nach dem Muster von Kaṇḍikā 4-5 ergänzt.]

Wort für Wort
antarikṣam āyatanam
der Luftraum als Sitz
vāyuḥ ātmā
Vāyu als Selbst
dyauḥ āyatanam
der Himmel als Sitz

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