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Bṛhad-Āraṇyaka

Kapitel 9: Śatapatha-Brāhmaṇa 14,2,2 (Kaṇḍikā 49-55, Abschluss) Warum bestimmte Elemente anderer Opfer beim Pravargya fehlen — und warum das Gefäß aus Ton besteht

Abschluss von ŚB 14,2,2 (Kaṇḍikā 49-55, letzter Abschnitt dieses langen Brāhmaṇa-Kapitels). Eine Reihe scholastischer Frage-Antwort-Passagen erklärt, warum beim Pravargya bestimmte, sonst übliche Ritualelemente (Praṇītā-Wassergefäße, Prayāja/Anuyāja-Vor-/Nachopfer, Ājyabhāga-Spenden) fehlen: jeweils weil sie funktional bereits durch den Pravargya selbst vertreten sind (als 'Haupt', 'Atem' bzw. 'Auge' des Opfers) und eine Verdopplung vermieden werden soll. Den Abschluss bildet die Erklärung, warum das Mahāvīra-Gefäß ausschließlich aus Ton besteht (Herkunft aus dem Saft des enthaupteten Opfers, der zu Erde und Wasser wurde) und keinem anderen Material standhält, sowie die wiederkehrende Lebensalter-Licht-Schlussformel.

atho āhuḥ yajñasya śīrṣacinnasya śira etad devāḥ pratyadadhur yad ātithyaṃ na ha vā asyāpaśīrṣṇā kena cana yajñeneṣṭam bhavati ya evam etad veda || tad āhuḥ yat praṇītāḥ praṇayanti yajñe 'tha kasmād atra na praṇayatīti śiro vā etad yajñasya yat praṇītāḥ śiraḥ pravargyo nec chirasā śiro 'bhyārohayāṇīti

Und ferner sagt man: Dies [der Pravargya] ist das Haupt, das die Götter dem enthaupteten Opfer wieder ansetzten, [nämlich] die Ātithya[-Gastopferung für Soma]; denn ohne Haupt kann für ihn, der dies so weiß, mit keinerlei Opfer [wirklich] geopfert werden. Dazu sagt man: Da man sonst beim Opfer die Praṇītā-Wassergefäße herbeiträgt, warum trägt man sie hier nicht herbei? — Denn diese Praṇītā-Wasser sind [ebenfalls] das Haupt des Opfers, und [auch] der Pravargya ist das Haupt; „damit ich nicht Haupt auf Haupt setze“ [ist der Grund].

Wort für Wort
śīrṣacinnasya śiraḥ
das Haupt des Enthaupteten [wiederangesetzt]
ātithyam
die Ātithya-Gastopferung
praṇītāḥ
die Praṇītā-Wassergefäße
śiro 'bhyārohayāṇīti
'damit ich nicht Haupt auf Haupt setze'

Das durchgehende Erklärungsmuster dieses Abschnitts: ein sonst übliches Ritualelement fehlt beim Pravargya jeweils deshalb, weil es dieselbe symbolische Funktion (Haupt/Atem/Auge) wie der Pravargya selbst erfüllt und eine Verdopplung als unangemessen gilt.

tad āhuḥ yat prayājānuyājā anyatra bhavanty atha kasmād atra na bhavantīti prāṇā vai prayājānuyājāḥ prāṇā avakāśāḥ prāṇāḥ śākalā net prāṇaiḥ prāṇān abhyārohayāṇīti || tad āhuḥ yad ājyabhāgāv anyatra juhvaty atha kasmād atra na juhotīti cakṣuṣī vā ete yajñasya yad ājyabhāgau cakṣuṣī rauhiṇau nec cakṣuṣā cakṣur abhyārohayāṇīti

Dazu sagt man: Da es sonst die Vor- und Nachopfer (Prayāja, Anuyāja) gibt, warum gibt es sie hier nicht? — Atemkräfte nämlich sind die Vor- und Nachopfer, Atemkräfte sind die [Kopf-]Öffnungen, Atemkräfte sind [auch] die Śākala-Bruchstücke; „damit ich nicht Atem auf Atem setze“ [ist der Grund]. Dazu sagt man: Da man sonst die beiden Ājya-Anteile opfert, warum opfert man sie hier nicht? — Denn diese beiden Ājya-Anteile sind die Augen des Opfers, und [auch] die Rohiṇī-Spenden sind die Augen; „damit ich nicht Auge auf Auge setze“ [ist der Grund].

Wort für Wort
prayājānuyājāḥ
die Vor- und Nachopfer
avakāśāḥ
die [Kopf-]Öffnungen
ājyabhāgau
die beiden Ājya-Anteile
cakṣuṣī rauhiṇau
die Rohiṇī-Spenden als Augen
cakṣur abhyārohayāṇīti
'damit ich nicht Auge auf Auge setze'

tad āhuḥ yad vānaspatyair devebhyo juhvaty atha kasmād etam mṛnmayenaiva juhotīti yajñasya śīrṣacinnasya raso vyakṣarat sa ime dyāvāpṛthivī agacchad yan mṛd iyaṃ tad yad āpo 'sau tan mṛdaś cāpāṃ ca mahāvīrāḥ kṛtā bhavanti tenaivainam etad rasena samardhayati kṛtsnaṃ karoti || sa yad vānaspatyaḥ syāt pradahyeta yad dhiraṇmayaḥ syāt pralīyeta yal lohamayaḥ syāt prasicyeta yad ayasmayaḥ syāt pradahet parīśāsāv atha eṣa eva etasmā atiṣṭhata tasmād etam mṛnmayenaiva juhoti || athaitad vai āyur etaj jyotiḥ praviśati ya etam anu vā brūte bhakṣayati vā tasya vratacaryā yā sṛṣṭau

Dazu sagt man: Da man sonst mit [Gefäßen] aus Holz den Göttern opfert, warum opfert man mit diesem [Gefäß] hier nur aus Ton? — Als dem enthaupteten Opfer der Saft entströmte, gelangte er zu diesen beiden, Himmel und Erde; was davon Erde wurde, das ist dieser [irdische] Ton hier; was davon Wasser wurde, das ist jenes [himmlische] Wasser dort; aus Ton und aus Wasser werden die Mahāvīra-Gefäße gemacht; eben durch diesen Saft heilt/vervollständigt er ihn damit, macht ihn ganz. Wäre es aus Holz, würde es verbrennen; wäre es aus Gold, würde es zerschmelzen; wäre es aus Kupfer, würde es sich verflüssigen; wäre es aus Eisen, würde es verbrennen [und sich verformen] — in jedem Fall würde es jenen [glühenden Trank] nicht unversehrt umschließen; nur dieser [Ton] hielt eben diesem [Hitzegrad] stand; deshalb opfert man mit diesem nur aus Ton [Gemachten]. — Dies nämlich ist das Lebensalter, dies ist das Licht, das eingeht; wer diesem [Spruch] nachspricht oder [den Gharma] genießt, für den gilt die Gelübde-Observanz, die zur Entlassung [des Ritus] gehört. [Anm.: Mit dieser wiederholten Schlussformel (vgl. 14,2,1,[22] und 14,2,2,[26]) endet Kaṇḍikā 14,2,2, der längste Abschnitt dieses Adhyāya.]

Wort für Wort
vānaspatyaiḥ
mit hölzernen [Gefäßen]
mṛnmayena
aus Ton [gemacht]
dyāvāpṛthivī
Himmel und Erde
hiraṇmayaḥ, lohamayaḥ, ayasmayaḥ
aus Gold, Kupfer, Eisen
pradahyeta, pralīyeta, prasicyeta
würde verbrennen, zerschmelzen, sich verflüssigen

Die Materialprobe-Aufzählung (Holz/Gold/Kupfer/Eisen scheitern jeweils an der Hitze) liest sich wie eine implizite ätiologische Erklärung dafür, dass gebrannter Ton als einziges Material den extremen Temperaturen des Gharma-Gefäßes standhält — ein seltenes Beispiel praktisch-materialkundlicher Begründung innerhalb der sonst rein mythisch-symbolischen Deutungskette.

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