Quellen der Menschheit

Bṛhad-Āraṇyaka

Kapitel 16: Śatapatha-Brāhmaṇa 14,3,2 (Kaṇḍikā 17-31, Abschluss des Bṛhad-Āraṇyaka-Ritualteils) Die sieben Sinnesorgan-Opfer, die letzte Pūrṇāhuti, Geist und Rede als Universalmedium, die Ausbesserung des Gefäßes, und der große Gleichsetzungskatalog (Jahr, Welten, Götter, Opferherr, Agnihotra, Neu-/Vollmondopfer, Vierjahreszeitenopfer, Tieropfer, Soma) — Abschluss des gesamten rituellen Bṛhad-Āraṇyaka-Teils

Letztes Kapitel dieser division: Abschluss von ŚB 14,3,2 (Kaṇḍikā 17-31) und damit des GESAMTEN rituellen Bṛhad-Āraṇyaka-Teils (ŚB Kāṇḍa 14, Adhyāya 1-3). Behandelt: eine letzte siebenteilige Opferreihe für Mund, Nasenlöcher, Augen und Ohren, die abschließende Pūrṇāhuti, zwei Formeln zu Geist und Rede als Universalmedien, eine Segensbitte, eine Anweisung zur Ausbesserung eines beschädigten Gefäßes, und schließlich einen ausgedehnten Gleichsetzungskatalog, der den Pravargya nacheinander mit dem Jahr (Frühling/Sommer/Regenzeit), den drei Welten, den Gottheiten Agni/Vāyu/Āditya, dem Opferherrn (Selbst/Nachkommen/Vieh), dem Agnihotra, den Neu- und Vollmondopfern, den Vierjahreszeitenopfern, dem Tieropfer und schließlich Soma gleichsetzt — mit dem abschließenden Lehrsatz, dass ohne den Pravargya kein Opfer als recht vollzogen gilt. TEXTKRITISCHER HINWEIS (korrigiert 2026-09-25): Frühere Fassungen dieser division gingen davon aus, die verfügbare Quelle breche bei Kaṇḍikā 22 mitten im Wort ab; ein erneuter Abgleich mit der GRETIL-Livequelle zeigt, dass dies auf einer unvollständigen früheren Übertragung beruhte — der Text läuft tatsächlich bis Kaṇḍikā 31 durch, wo der rituelle Teil mit einer kurzen Schlussformel endet und unmittelbar (ohne Zäsur im Quelltext) in die separat geführte Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad (=Adhyāya 4-9 desselben Kāṇḍa) übergeht. Ein Digitalisierungsartefakt (ein versehentlich eingefügtes E-Mail-Kopfzeilen-Fragment mitten in Kaṇḍikā 28) wurde stillschweigend entfernt und anhand des parallelen Formelmusters rekonstruiert.

vāce svāhā iti mukham evāsminn etad dadhāti prāṇāya svāhā prāṇāya svāhā iti nāsike evāsminn etad dadhāti cakṣuṣe svāhā cakṣuṣe svāhā iti akṣiṇī evāsminn etad dadhāti śrotrāya svāhā śrotrāya svāhā iti karṇāv evāsminn etad dadhāti || sapta etā āhutayo bhavanti sapta vai ime śīrṣan prāṇās tān evāsminn etad dadhāti pūrṇāhutim uttamāṃ juhoti sarvaṃ vai pūrṇaṃ sarveṇaivaitad bhiṣajyati yat kiṃ ca vivṛḍhaṃ yajñasya

„Svāhā der Rede!“ — den Mund legt er damit in ihn hinein. „Svāhā dem Ausatem! Svāhā dem Einatem!“ — die beiden Nasenlöcher legt er damit in ihn hinein. „Svāhā dem Sehsinn! Svāhā dem Sehsinn!“ — die beiden Augen legt er damit in ihn hinein. „Svāhā dem Hörsinn! Svāhā dem Hörsinn!“ — die beiden Ohren legt er damit in ihn hinein. Sieben sind diese Opfergüsse; sieben nämlich sind diese Atemkräfte im Haupt; eben diese legt er damit in ihn hinein. Er opfert die letzte, oberste Pūrṇāhuti: Alles nämlich ist das Volle; mit eben diesem Ganzen heilt er, was auch immer am Opfer beschädigt worden ist.

Wort für Wort
vāc
die Rede
prāṇaḥ
der Aus-/Einatem
cakṣuḥ
der Sehsinn
śrotram
der Hörsinn
sapta śīrṣan prāṇāḥ
die sieben Atemkräfte des Hauptes
pūrṇāhutiḥ uttamā
die letzte, oberste Pūrṇāhuti

Diese siebenteilige Sinnesorgan-Reihe (Mund, 2 Nasenlöcher, 2 Augen, 2 Ohren = 7 'Kopf-Atemkräfte') wiederholt in variierter Form das bereits in Kapitel 7 (Kaṇḍikā 14,2,2,[31-39]) etablierte Sieben-Öffnungen-Schema.

manasaḥ kāmam ākūtim iti manasā vā idaṃ sarvam āptaṃ tan manasaivaitad bhiṣajyati yat kiṃ ca vivṛḍhaṃ yajñasya || vācaḥ satyam aśīya iti vācā vā idaṃ sarvam āptaṃ tad vācaivaitad bhiṣajyati yat kiṃ ca vivṛḍhaṃ yajñasya paśūnāṃ rūpam annasya raso yaśaḥ śrīḥ śrayatām mayi svāhety āśiṣam evaitad āśāste

„Das Verlangen, die Absicht des Geistes!“ — durch den Geist nämlich ist all dies hier erreicht; eben durch den Geist heilt er damit, was auch immer am Opfer beschädigt worden ist. „Der Rede Wahrheit möchte ich erlangen!“ — durch die Rede nämlich ist all dies hier erreicht; eben durch die Rede heilt er damit, was auch immer am Opfer beschädigt worden ist. „Die Gestalt des Viehs, der Saft der Speise, Ruhm und Glanz mögen sich an mir niederlassen; Svāhā!“ — eben damit erbittet er einen Segenswunsch.

Wort für Wort
manasaḥ kāmaḥ ākūtiḥ
Verlangen und Absicht des Geistes
vācaḥ satyam
die Wahrheit der Rede
paśūnāṃ rūpam
die Gestalt des Viehs
yaśaḥ śrīḥ
Ruhm und Glanz

Geist (manas) und Rede (vāc) bilden nach der langen Reihe konkreter kosmischer Mächte (Kapitel 14-15) einen abstrakteren, universalen Abschluss der Heilungsformeln, bevor die letzte Segensbitte das Ritual auf den ganz praktischen Wunsch nach Vieh, Speise, Ruhm und Glanz zurückführt.

atha taṃ copaśayāṃ ca piṣṭvā mārtsnayā mṛdā saṃsṛjyāvṛtā karoty āvṛtā pacaty utsādanārtham atha ya upaśayayor dṛḍhaḥ syāt tena pracaret || saṃvatsaro vai pravargyaḥ sarvaṃ vai saṃvatsaraḥ sarvam pravargyaḥ sa yatpravṛktastadvasanto yadrucitastadgrīṣmo yatpinvitastadvarṣā yadā vai varṣāh pinvante'thaināḥ sarve devāḥ sarvāṇi bhūtānyupajīvanti pinvante ha vāasmai varṣā ya evametadveda

Dann zerstößt er ihn [den beschädigten Gefäßrest] samt der darunterliegenden [Ton-Unterlage], vermischt ihn mit geläutertem Ton und formt daraus [einen neuen Gefäß-Rohling], verhüllt; verhüllt brennt er ihn, zum Zweck der [erneuten] Fertigstellung. Sollte aber eine der beiden Unterlagen [noch] unversehrt sein, so soll er mit dieser [weiter] verfahren. Das Jahr ist der Pravargya; alles ist ja das Jahr, alles ist der Pravargya. Was aufgenommen [Anm.: pravṛkta, wörtl. „herausgezogen, emporgehoben“ — Bezugnahme auf die Aufnahme des Gharma-Gefäßes ins Feuer, namengebend für den Pravargya] ist, das ist der Frühling; was glänzend ist, das ist der Sommer; was geschwollen ist, das ist die Regenzeit. Wenn die Regenzeit anschwillt, dann leben von ihr alle Götter, alle Wesen; die Regenzeit schwillt ja dem an, der dies so weiß.

Wort für Wort
copaśayām piṣṭvā
er zerstößt sie samt der Unterlage
mārtsnā mṛd
geläuterter Ton
utsādanārtham
zum Zweck der [erneuten] Fertigstellung
saṃvatsaraḥ = pravargyaḥ = sarvam
das Jahr = der Pravargya = Alles
pravṛktaḥ / rucitaḥ / pinvitaḥ
die drei Stufen des Gharma-Vollzugs: aufgenommen / glänzend / geschwollen
vasantaḥ / grīṣmaḥ / varṣāḥ
Frühling / Sommer / Regenzeit

TEXTKRITISCHE KORREKTUR (2026-09-25): Die frühere Fassung dieser division ging davon aus, dass die verfügbare GRETIL-Quelle exakt hier, mitten im Wort „prav[argyaḥ]“, abbricht, und dass kein weiterer Text (Kaṇḍikā 23ff., Adhyāya 4ff.) online auffindbar sei. Ein erneuter Abgleich mit der GRETIL-Livequelle (sb_14_u.htm) zeigt, dass diese Annahme auf einer unvollständigen früheren Übertragung beruhte: die Quelle bricht dort nicht ab, sondern die Kaṇḍikā 22 läuft tatsächlich weiter (der oben ergänzte Jahreszeiten-Passus) und die Quelle enthält durchgehend Text bis Kaṇḍikā 14,3,2,[31] und darüber hinaus (Adhyāya 4-9 = die separat als eigenes Werk geführte Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad). Die Übersetzung dieses Bṛhad-Āraṇyaka-Ritualteils wird daher hier bis Kaṇḍikā 31 fortgesetzt (siehe die folgenden Einheiten).

ime vai lokāḥ pravargyaḥ sarvam vā ime lokāḥ sarvam pravargyaḥ sa yatpravṛktastadayaṃ loko yadrucitastadantarikṣaloko yatpinvitastadasau loko yadā vā asau lokaḥ pinvate'thainaṃ sarve devāḥ sarvāṇi bhūtānyupajīvanti pinvate ha vā asmā asau loko ya evametadveda || etā vai devatāḥ pravargyaḥ agnirvāyurādityaḥ sarvam vā etā devatā sarvam pravargyaḥ sa yatpravṛktastadagniryadrucitastadvāyuryatpinvitastadasāvādityo yadā vā asāvādityaḥpinvate'thainaṃ sarve devāḥ sarvāṇi bhūtānyupajīvanti pinvate ha vā asmā asāvādityo ya evametadveda

Diese Welten sind der Pravargya; alles sind ja diese Welten, alles ist der Pravargya. Was aufgenommen ist, das ist diese Welt hier; was glänzend ist, das ist die Luftraumwelt; was geschwollen ist, das ist jene Welt dort [der Himmel]. Wenn jene Welt anschwillt, dann leben von ihr alle Götter, alle Wesen; jene Welt schwillt ja dem an, der dies so weiß. Diese Gottheiten sind der Pravargya: Agni, Vāyu, Āditya; alle diese Gottheiten sind ja alles, alles ist der Pravargya. Was aufgenommen ist, das ist Agni; was glänzend ist, das ist Vāyu; was geschwollen ist, das ist jener Āditya. Wenn jener Āditya anschwillt, dann leben von ihm alle Götter, alle Wesen; jener Āditya schwillt ja dem an, der dies so weiß.

Wort für Wort
ime lokāḥ
diese Welten [Erde, Luftraum, Himmel]
agniḥ vāyuḥ ādityaḥ
Agni, Vāyu, Āditya

Der Katalog schreitet von den drei Welten (Erde/Luftraum/Himmel) zu deren zugeordneten Gottheiten (Agni/Vāyu/Āditya) fort — dieselbe Dreiheit, die bereits an zahlreichen früheren Stellen dieser division (u.a. Kapitel 12, die anatomische Weltordnungslehre) als kosmisches Grundschema dient.

yajamāno vai pravargyaḥ tasyātmā prajā paśavaḥ sarvam vai yajamānaḥ sarvam pravargyaḥ sa yatpravṛktastadātmā yadrucitastatprajā yatpinvitastatpaśavo yadā vai paśavaḥ pinvate'thaināntsarve devāḥ sarvāṇi bhūtānyupajīvanti pinvante ha vā asmai paśavo ya evametadveda || agnihotram vai pravargyaḥ sarvam vāagnihotraṃ sarvam pravargyaḥ sa yadadhiśritaṃ tatpravṛkto yadunnītaṃ tadrucito yaddhutaṃ tatpinvito yadā vāagnihotram pinvate'thainatsarve devāḥ sarvāṇi bhūtānyupajīvanti pinvate ha vā asmā agnihotraṃ ya evametadveda

Der Opferherr ist der Pravargya: sein Selbst, seine Nachkommenschaft, sein Vieh; alles ist ja der Opferherr, alles ist der Pravargya. Was aufgenommen ist, das ist sein Selbst; was glänzend ist, das ist seine Nachkommenschaft; was geschwollen ist, das ist sein Vieh. Wenn sein Vieh anschwillt, dann leben von ihm alle Götter, alle Wesen; sein Vieh schwillt ja dem an, der dies so weiß. Das Agnihotra ist der Pravargya; alles ist ja das Agnihotra, alles ist der Pravargya. Was aufgesetzt [Anm.: adhiśrita, auf das Feuer gestellt] ist, das ist die aufgenommene Stufe; was heruntergenommen ist, das ist die glänzende Stufe; was geopfert ist, das ist die geschwollene Stufe. Wenn das Agnihotra anschwillt, dann leben von ihm alle Götter, alle Wesen; das Agnihotra schwillt ja dem an, der dies so weiß.

Wort für Wort
yajamānaḥ: ātmā, prajā, paśavaḥ
der Opferherr: sein Selbst, seine Nachkommen, sein Vieh
adhiśritam / unnītam / hutam
aufgesetzt / heruntergenommen / geopfert

Ab dieser Kaṇḍikā wird das Dreier-Schema pravṛkta/rucita/pinvita nicht mehr auf abstrakte kosmische Größen, sondern auf den konkreten Vollzugsablauf einzelner Ritualhandlungen (Aufsetzen aufs Feuer / Herunternehmen / Opferspende) übertragen — dieselbe Terminologie, andere Referenzebene.

darśapūrṇamāsau vai pravargyaḥ sarvam vai darśapūrṇamāsau sarvam pravargyaḥ sa yadadhiśritaṃ tatpravṛkto yadāsannaṃ tadrucito yaddhutaṃ tatpinvito yadā vai darśapūrṇamāsau pinvete athainau sarve devāḥ sarvāṇi bhūtānyupajīvanti pinvete ha vā asmai darśapūrṇamāsau ya evametadveda || cāturmāsyāni vai pravargyaḥ sarvam vai cāturmāsyāni sarvam pravargyaḥ sa yadadhiśritaṃ tatpravṛkto yadāsannaṃ tadrucito yaddhutaṃ tatpinvito yadā vai cāturmāsyāni pinvante'thaināni sarve devāḥ sarvāṇi bhūtānyupajīvanti pinvante ha vā asmai cāturmāsyāni ya evametadveda

Die Neu- und Vollmondopfer sind der Pravargya; alles sind ja die Neu- und Vollmondopfer, alles ist der Pravargya. Was aufgesetzt ist, das ist die aufgenommene Stufe; was herangebracht [zum Altar] ist, das ist die glänzende Stufe; was geopfert ist, das ist die geschwollene Stufe. Wenn die Neu- und Vollmondopfer anschwellen, dann leben von ihnen alle Götter, alle Wesen; die Neu- und Vollmondopfer schwellen ja dem an, der dies so weiß. Die Vierjahreszeitenopfer [Anm.: Cāturmāsyāni, die halbjährlichen Jahreszeiten-Wechselopfer] sind der Pravargya; alles sind ja die Vierjahreszeitenopfer, alles ist der Pravargya. Was aufgesetzt ist, das ist die aufgenommene Stufe; was herangebracht ist, das ist die glänzende Stufe; was geopfert ist, das ist die geschwollene Stufe. Wenn die Vierjahreszeitenopfer anschwellen, dann leben von ihnen alle Götter, alle Wesen; die Vierjahreszeitenopfer schwellen ja dem an, der dies so weiß.

Wort für Wort
darśapūrṇamāsau
Neu- und Vollmondopfer
cāturmāsyāni
die Vierjahreszeitenopfer

QUELLARTEFAKT: Im GRETIL-Digitalisat ist zwischen den Wortteilen „tadru-“ und „-cito“ (innerhalb von yaddhutaṃ tatpinvito ... tadrucito) ein sichtlich versehentlich eingefügtes Fragment einer E-Mail-Kopfzeile (Datumsangabe, Absender „V. P. Lehmann“, Empfänger-Adresse) eingeschoben — offenkundig ein Digitalisierungsfehler ohne jeden Bezug zum Sanskrit-Text. Das Fragment wurde stillschweigend entfernt; der ursprüngliche Wortlaut ist durch das exakt parallele Formelmuster der umgebenden Kaṇḍikās (22-30) eindeutig und mit hoher Sicherheit rekonstruierbar.

paśubandho vai pravargyaḥ sarvam vai paśubandhaḥ sarvam pravargyaḥ sa yadadhiśritastatpravṛkto yadāsannastadrucito yaddhutastatpinvito yadā vai paśubandhaḥ pinvate'thainaṃ sarve devāḥ sarvāṇi bhūtānyupajīvanti pinvate ha vā asmai paśubandho ya evametadveda || somo vai pravargyaḥ sarvam vai somaḥ sarvam pravargyaḥ sa yadabhiṣutastatpravṛkto yadunnītastadrucito yaddhutastatpinvito yadā vai somaḥ pinvate'thainaṃ sarve devāḥ sarvāṇi bhūtānyupayuñjanti pinvate ha vā asmai somo ya evametadveda na ha vā asyāpravargyeṇa kena cana yajñeneṣṭam bhavati ya evametadveda

Das Tieropfer (Paśubandha) ist der Pravargya; alles ist ja das Tieropfer, alles ist der Pravargya. Was aufgesetzt ist, das ist die aufgenommene Stufe; was herangebracht ist, das ist die glänzende Stufe; was geopfert ist, das ist die geschwollene Stufe. Wenn das Tieropfer anschwillt, dann leben von ihm alle Götter, alle Wesen; das Tieropfer schwillt ja dem an, der dies so weiß. Soma ist der Pravargya; alles ist ja Soma, alles ist der Pravargya. Was ausgepresst ist, das ist die aufgenommene Stufe; was heraufgetragen ist, das ist die glänzende Stufe; was geopfert ist, das ist die geschwollene Stufe. Wenn Soma anschwillt, dann bedienen sich seiner alle Götter, alle Wesen; Soma schwillt ja dem an, der dies so weiß. Für den, der dies so weiß, gilt: kein Opfer, welcher Art auch immer, gilt ohne den Pravargya als recht vollzogen.

Wort für Wort
paśubandhaḥ
das Tieropfer
somaḥ: abhiṣutaḥ / unnītaḥ / hutaḥ
Soma: ausgepresst / heraufgetragen / geopfert
na apravargyeṇa kena cana yajñena iṣṭam bhavati
ohne den Pravargya gilt kein Opfer als recht vollzogen

Der Schlusssatz dieser Kaṇḍikā erklärt den Sinn des gesamten, seit Kaṇḍikā 22 durchgezogenen Gleichsetzungskatalogs: erst der Pravargya verleiht jedem anderen Opfer — Jahr, Welten, Götter, Opferherr, Agnihotra, Neu-/Vollmondopfer, Vierjahreszeitenopfer, Tieropfer, Soma-Opfer — seine eigentliche Wirksamkeit.

athaitadvai āyuretajjyotiḥ praviśati ya etamanu vā brūte bhakṣayati vā tasya vratacaryā yā sṛṣṭau

Und so geht dieses Lebensalter, dieses Licht in den ein, der dies nachspricht oder es genießt; seine [Anm.: des Wissenden] ist die Gelübde-Observanz, die bei der Aussendung/Entlassung [Anm.: sṛṣṭi — unsicher, ob im Sinne von 'kosmischer Schöpfung/Aussendung' oder konkreter im Sinne der rituellen Entlassung aus der Pravargya-Weihe gemeint; die Kürze der Formel lässt beides zu] gilt.

Wort für Wort
āyuḥ, jyotiḥ
Lebensalter, Licht
vratacaryā yā sṛṣṭau
die Gelübde-Observanz, die bei der Aussendung/Entlassung gilt

Dieselbe Formel (athaitadvai āyuretajjyotiḥ praviśati ... tasya vratacaryā yā sṛṣṭau) findet sich bereits wortgleich am Ende von Kapitel 3 dieser division (ŚB 14,1,3,33-34), wo sie seinerzeit als 'mitten im Satz abbrechend' vermerkt wurde. Der jetzt verfügbare Vollzugriff auf die Quelle zeigt: die Formel ist an beiden Stellen vollständig und lautet exakt so — sie ist eine kurze, elliptische Schlussformel und keine abgebrochene Übertragung. (Eine entsprechende Korrektur der Anmerkung in Kapitel 3 steht noch aus.) Mit dieser Kaṇḍikā endet Adhyāya 3 und damit der gesamte rituelle Pravargya-Teil des Bṛhad-Āraṇyaka (ŚB Kāṇḍa 14, Adhyāya 1-3). Unmittelbar im Anschluss (14,4,1,[1]: 'dvayā ha prājāpatyāḥ devāścāsurāśca...') beginnt im Quelltext ohne Zäsur die berühmte Prāṇa-Udgītha-Erzählung — der Auftakt der Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad (BĀU 1,3), die als eigenständiges, bereits andernorts in dieser Bibliothek vollständig übersetztes Werk geführt wird und hier auf ausdrücklichen Nutzerwunsch nicht dupliziert wird.

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