Quellen der Menschheit

Bṛhad-Āraṇyaka

Kapitel 2: śatapathabrāhmaṇam · caturdaśakāṇḍe prathamādhyāye dvitīyaṃ brāhmaṇam (14,1,2) Die Herstellung des Mahāvīra-Gefäßes: schwarzes Antilopenfell, Vikaṅkata-Schaufel, Erdklumpen von Himmel-und-Erde und Ameisenhügel, der Varāha-Eber-Mythos, Formung und Weihung des Tontopfs (ŚB 14,1,2)

Detaillierte rituelle Anleitung zur Herstellung des Mahāvīra-Tontopfes (des zentralen Pravargya-Geräts, das nach dem Ursprungsmythos aus Kap.1 das abgetrennte Haupt Viṣṇu-Makhas verkörpert). Jede einzelne Zutat und Handlung wird nach dem typischen Brāhmaṇa-Verfahren mit einer kosmologischen 'Entsprechung' (bandhu) gedeutet - u.a. mit dem bekannten Varāha-Eber-Mythos (Kaṇḍikā 11: der Eber Emūṣa gräbt die anfangs nur spannengroße Erde aus den Urgewässern - Vorform des späteren Varāha-Avatāra-Mythos, vgl. Taittirīya-Saṃhitā 7,1,5,1). Die formelhaften Begleitsprüche ('makhāya tvā makhasya tvā śīrṣṇa' u.ä.) wiederholen sich häufig wörtlich; ab Kaṇḍikā 9 werden sie in den Übersetzungen der folgenden Einheiten nicht mehr jedes Mal neu übersetzt, sondern nur beim ersten Auftreten voll erläutert, danach mit Verweis wiederholt.

sa vai sambhārāntsambharati sa yadvā enānitthāccetthācca sambharati tatsambhārāṇāṃ sambhāratvaṃ sa vai yatra-yatra yajñasya nyaktaṃ tatastataḥ sambharati || kṛṣṇājinaṃ sambharati yajño vai kṛṣṇajinaṃ yajña evainametatsambharati lomataścandāṃsi vai lomāni candaḥsvevainametatsambharatyuttarata udīcī hi manuṣyāṇāṃ dikprācīnagrīve taddhi devatrā || abhryā vajro vā abhrirvīryam vai vajro vīryeṇaivainametatsamardhayati kṛtsnaṃ karoti || audumbarī bhavati ūrgvai rasa udumbara ūrjaivainametadrasena samardhayati kṛtsnaṃ karoti || atho vaikaṅkatī prajāpatiryām prathamāmāhutimajuhotsa hutvā yatra nyamṛṣṭa tato vikaṅkataḥ samabhavadyajño vā āhutiryajño vikaṅkato yajñenaivainametatsamardhayati kṛtsnam karoti || aratnimātrī bhavati bāhurvā aratnirbāhuno vai vīryaṃ kriyate vīryasammitaiva tadbhavati vīryeṇaivainametatsamardhayati kṛtsnaṃ karoti || (ŚB 14,1,2,1-6)

[Übergangsvers, wiederholt den Schluss von 14,1,1: 'Er sammelt nämlich die Ritual-Zutaten ein...'] Er sammelt das schwarze Antilopenfell: das Opfer nämlich ist das schwarze Fell — durch das Opfer selbst sammelt er ihm dies ein. [Er legt es] mit dem Haar [nach oben]: die Versmaße nämlich sind die Haare — in den Versmaßen selbst sammelt er ihm dies ein. [Er legt es] mit dem Nacken nach Norden, denn Norden ist die Richtung der Menschen, [während] Osten [die Richtung] der Götter [ist]. Mit der Hacke — die Hacke nämlich ist der Vajra [Donnerkeil]; Heldenkraft ist der Vajra —, mit eben der Heldenkraft vervollständigt er ihm dies. [Die Schaufel] ist aus Udumbara-Holz [Feigenbaum]: Nahrungskraft nämlich ist der [Udumbara-]Saft — durch die Nahrungskraft vervollständigt er ihm dies. Ferner [ist sie] aus Vikaṅkata-Holz: die erste Opfergabe, die Prajāpati darbrachte — dort, wo er, nachdem er dargebracht hatte, [den Opferlöffel] abwischte, daraus entstand der Vikaṅkata[-Baum]; die Opfergabe nämlich ist das Opfer, der Vikaṅkata ist das Opfer — durch das Opfer selbst vervollständigt er ihm dies. [Sie] hat die Länge einer Elle: die Elle nämlich ist der Arm; des Armes Heldenkraft wird [damit] gewirkt — durch die Heldenkraft selbst vervollständigt er ihm dies.

Wort für Wort
kṛṣṇājinaṃ sambharati
er sammelt das schwarze Antilopenfell ein
abhryā vajro vā abhriḥ
mit der Hacke — die Hacke ist der Vajra
audumbarī bhavati, ūrgvai rasa udumbaraḥ
[die Schaufel] ist aus Udumbara-Holz — Nahrungskraft ist der Udumbara-Saft
vaikaṅkatī, tato vikaṅkataḥ samabhavat
aus Vikaṅkata-Holz — daraus entstand der Vikaṅkata-Baum
aratnimātrī bhavati, bāhurvā aratniḥ
sie hat Ellenlänge — die Elle ist der Arm
samardhayati kṛtsnaṃ karoti
er vervollständigt es ihm, macht es vollständig [wiederkehrende Deutungsformel]

Beginn der Zutaten-Sammlung mit dem typischen Brāhmaṇa-Deutungsmuster 'X ist Y — durch Y vervollständigt er ihm dies' (samardhayati kṛtsnaṃ karoti), hier durchgehend als 'vervollständigt er ihm dies' übersetzt. Vikaṅkata-Baum-Ursprungsmythos (K.5) als eigenständige kleine Ätiologie.

tāmādatte devasya tvā savituḥ prasave'śvinorbāhubhyām pūṣṇo hastābhyāmādade nārirasītyasāveva bandhuḥ || tāṃ savye pāṇau kṛtvā dakṣiṇenābhimṛśya japati yuñjate mana uta yuñjate dhiyo viprā viprasya bṛhato vipaścitaḥ vi hotrā dadhe vayunāvideka inmahī devasya savituḥ pariṣṭutirityasāveva bandhuḥ || atha mṛtpiṇḍam pavrigṛhṇāti abhryā ca dakṣiṇato hastena ca hastenaivottarato devī dyāvāpṛthivī iti yajñasya śīrṣacinnasya raso vyakṣaratsa ime dyāvāpṛthivī agacadyanmṛdiyaṃ tadyadāpo'sau tanmṛdaścāpāṃ ca mahāvīrāḥ kṛtā bhavanti tenaivainametadrasena samardhayati kṛtsnaṃ karoti tasmādāha devī dyāvāpṛthivī iti makhasya vāmadya śiro rādhyāsamiti yajño vai makho yajñasya vāmadya śiro rādhyāsamityevaitadāha devayajane pṛthivyā iti devayajane hi pṛthivyai sambharati makhāya tvā makhasya tvā śīrṣṇa iti yajño vai makho yajñāya tvā yajñasya tvā śīrṣṇa ityevaitadāha || (ŚB 14,1,2,7-9)

Er ergreift sie [die Schaufel] mit den Worten: 'Durch den Antrieb des Gottes Savitṛ, mit den Armen der beiden Aśvin, mit den Händen des Pūṣan ergreife ich [dich], du Unversehrte' — das ist eben jene [übliche] Entsprechung. Nachdem er sie in die linke Hand genommen und mit der rechten berührt hat, murmelt er [den Vers]: 'Ihren Geist spannen an, und auch ihre Gedanken spannen an die Weisen des großen, weisheitskundigen Weisen [Savitṛ]; er allein, der Kundige der Ordnung, hat die Opferanteile verteilt — groß ist das Lob des Gottes Savitṛ' [Anm.: = ṚV 5,81,1, der berühmte Savitṛ-Hymnus] — das ist eben jene Entsprechung. Sodann nimmt er den Klumpen Erde — mit der Hacke von der rechten Seite, und mit der Hand von der nördlichen Seite — mit den Worten: 'Ihr beiden Göttinnen, Himmel und Erde.' Als das Haupt des Opfers abgetrennt wurde, floss dessen Saft aus; er gelangte zu diesen beiden, Himmel und Erde; was davon Erde war, das [wurde zu] Erde, was Wasser [war, das wurde zu] jenem [Wasser dort] — aus Erde und Wasser werden die Mahāvīra-[Gefäße] gemacht. Durch eben diesen Saft vervollständigt er ihm dies. Deshalb spricht er: 'Ihr beiden Göttinnen, Himmel und Erde.' [Mit den Worten] 'Möge ich heute das Haupt des Makha bereiten' — das Opfer nämlich ist Makha —, sagt er eben damit: 'Möge ich heute das Haupt des Opfers bereiten.' [Mit den Worten] 'An der Opferstätte der Erde' [meint er dies], denn an der Opferstätte sammelt er es für die Erde ein. [Mit den Worten] 'Dich für Makha, dich für das Haupt des Makha' — das Opfer nämlich ist Makha —, sagt er eben damit: 'Dich für das Opfer, dich für das Haupt des Opfers.'

Wort für Wort
devasya tvā savituḥ prasave
durch den Antrieb des Gottes Savitṛ [Ergreifungsformel]
yuñjate mana uta yuñjate dhiyo viprāḥ
ihren Geist spannen an, und auch ihre Gedanken die Weisen [=ṚV 5,81,1]
mṛtpiṇḍam ... devī dyāvāpṛthivī iti
den Erdklumpen [nimmt er] mit den Worten 'ihr beiden Göttinnen, Himmel und Erde'
yajñasya śīrṣacinnasya raso vyakṣarat
als das Opferhaupt abgetrennt wurde, floss dessen Saft aus
mṛdaścāpāṃ ca mahāvīrāḥ kṛtā bhavanti
aus Erde und Wasser werden die Mahāvīra-Gefäße gemacht
makhāya tvā makhasya tvā śīrṣṇa
'dich für Makha, dich für das Haupt des Makha' [wiederkehrende Formel]

Ergreifen der Schaufel mit dem Savitṛ-Vers ṚV 5,81,1 ('yuñjate mana uta yuñjate dhiyaḥ') — direkter, wörtlicher Ṛgveda-Zitatnachweis. Der Erdklumpen-Mythos: die Mahāvīra-Materie (Erde+Wasser) stammt aus Viṣṇus ausgeflossenem Opfersaft, der zu Himmel und Erde gelangte. Einführung der formelhaften Begleitsprüche 'makhasya ... śiro rādhyāsam' und 'makhāya tvā makhasya tvā śīrṣṇa' ('dich für Makha, dich für das Haupt des Makha'), die ab hier in den folgenden Einheiten wiederkehren.

atha valmīkavapām devyo vamrya ityetā vā etadakurvata yathā-yathaitadyajñasya śiro'cidyata tābhirevainametatsamardhayati kṛtsnaṃ karoti bhūtasya prathamajā itīyam vai pṛthivī bhūtasya prathamajā tadanayaivainametatsamardhayati kṛtsnaṃ karoti makhasya vo'dya śiro rādhyāsaṃ devayajane pṛthivyā makhāya tvā makhasya tvā śīrṣṇa ityasāveva bandhuḥ || atha varāhavihatam iyatyagra āsīditīyatī ha vā iyamagre pṛthivyāsa prādeśamātrī tāmemūṣa iti varāha ujjaghāna so'syāḥ patiḥ prajāpatistenaivainametanmithunena priyeṇa dhāmnā samardhayati kṛtsnaṃ karoti makhasya te'dya śiro rādhyāsaṃ devayajane pṛthivyā makhāya tvā makhasya tvā śīrṣṇa ityasāveva bandhuḥ || athādārān indrasyauja stheti yatra vā enamindra ojasā paryagṛhṇāttadasya parigṛhītasya raso vyakṣaratsa pūyannivāśeta so'bravīdādīryeva bata ma eṣa raso'stauṣīditi tasmādādārā atha yatpūyannivāśeta tasmātpūtīkāstasmādagnāvāhutirivābhyāhitā jvalanti tasmādu surabhayo yajñasya hi rasātsambhūtā atha yadenaṃ tadindra ojasā paryagṛhṇāttasmādāhendrasyauja stheti makhasya vo'dya śiro rādhyāsaṃ devayajane pṛthivyā makhāya tvā makhasya tvā śīrṣṇa ityasāveva bandhuḥ || athājākṣīram yajñasya śīrṣacinnasya śugudakrāmattato'jā samabhavattayaivainametacucā samardhayati kṛtsnaṃ karoti makhāya tvā makhasya tvā śīrṣṇa ityasāveva bandhuḥ || (ŚB 14,1,2,10-13)

Sodann [nimmt er] Erde vom Ameisenhügel mit den Worten: 'Ihr göttlichen Ameisen' — diese waren es ja, die dies vollbrachten, als das Haupt des Opfers abgetrennt wurde; durch eben diese vervollständigt er ihm dies. [Mit den Worten] 'Der Erstgeborenen des Seienden' — diese Erde nämlich ist die Erstgeborene des Seienden; damit eben vervollständigt er ihm dies. 'Möge ich heute euer Haupt des Makha bereiten, an der Opferstätte der Erde, dich für Makha, dich für das Haupt des Makha' — das ist eben jene Entsprechung. Sodann [nimmt er] Erde, die vom Eber aufgewühlt wurde, mit den Worten: 'So groß war [die Erde] anfangs' — so groß nämlich war diese Erde anfangs, [nur] von der Größe einer Spanne; diese grub der Eber Emūṣa aus; er, der Eber, ist ihr Gatte, Prajāpati — durch eben dieses liebe Ehepaar-Wesen vervollständigt er ihm dies. [Anm.: DER VARĀHA-EBER-MYTHOS in einer seiner ältesten überlieferten Fassungen — der Eber (später mit Prajāpati, noch später mit Viṣṇu identifiziert und zum Varāha-Avatāra) gräbt die anfangs nur spannengroße Erde aus den Urgewässern; eine nahezu wortgleiche Fassung findet sich in Taittirīya-Saṃhitā 7,1,5,1.] Sodann [nimmt er] die Ādāra-[Pflanzen] mit den Worten: 'Ihr seid die Kraft Indras' — denn dort, wo Indra ihn [das Opfer] mit Kraft umfasste, floss von diesem Umfassten Saft aus; dieser lag [dort] gleichsam übelriechend; er sprach: 'Fürwahr, dieser mein Saft hat gleichsam laut aufgestöhnt' [?] — daher [der Name] Ādāra. Und weil er gleichsam übelriechend dalag, daher [heißen sie] Pūtīka ['die Stinkenden']; deshalb brennen sie, ins Feuer geworfen, gleichsam wie eine Opfergabe; deshalb [sind sie doch] wohlriechend, denn sie sind aus dem Saft des Opfers entstanden. Und weil Indra ihn mit Kraft umfasste, deshalb sagt man: 'Ihr seid die Kraft Indras.' 'Möge ich heute euer Haupt des Makha bereiten...' — das ist eben jene Entsprechung. Sodann [nimmt er] Ziegenmilch: als das Haupt des Opfers abgetrennt wurde, stieg [aus ihm] Glut/Kummer auf [?]; daraus entstand die Ziege; durch eben diese [mit dieser Glut/diesem Kummer, Wortspiel unsicher] vervollständigt er ihm dies. 'Dich für Makha, dich für das Haupt des Makha' — das ist eben jene Entsprechung.

Wort für Wort
valmīkavapām, devyo vamrya iti
Erde vom Ameisenhügel, mit den Worten 'ihr göttlichen Ameisen'
varāhavihatam, iyatyagra āsīt
vom Eber aufgewühlte Erde, 'so groß war sie anfangs'
tāmemūṣa iti varāha ujjaghāna
diese grub der Eber [namens] Emūṣa aus [Varāha-Mythos]
so'syāḥ patiḥ prajāpatiḥ
er ist ihr Gatte, Prajāpati
ādārān indrasyauja stheti
die Ādāra-Pflanzen, 'ihr seid die Kraft Indras'
tasmātpūtīkāḥ
daher [der Name] Pūtīka, 'die Stinkenden'

BEDEUTSAMER FUND: eine der ältesten belegten Fassungen des VARĀHA-EBER-MYTHOS (K.11, Eber Emūṣa gräbt die Urerde aus den Wassern — Vorform des späteren Viṣṇu-Varāha-Avatāra, Parallelstelle Tāitt.Saṃh. 7,1,5,1). Etymologische Wortspiele Ādāra/'adīrya' (aufstöhnen) und Pūtīka/'pūyat' (verwesend/übelriechend) in K.12 [?]. Ziegenmilch-Ätiologie (K.13) mit unsicherem 'śuc'-Wortspiel [?].

tānvā etānpañca sambhārānsambharati pāṅkto yajñaḥ pāṅktaḥ paśuḥ pañcartavaḥ samvatsarasya samvatsara eṣa ya eṣa tapatyeṣa u pravargyastadetamevaitatprīṇāti tāntsambhṛtānabhimṛśati makhāya tvā makhasya tvā śīrṣṇa ityasāveva bandhuḥ || athottarataḥ pariśritam bhavati tadabhiprayanto japanti praitu brahmaṇaspatirityeṣa vai brahmaṇaspatirya eṣa tapatyeṣa u pravargyastadetamevaitatprīṇāti tasmādāha praitu brahmaṇaspatiriti pradevyetu sūnṛteti devī hyeṣā sūnṛtācā vīraṃ naryam paṅktirādhasamityupastautyevainametanmahayatyeva devā yajñaṃ nayantu na iti sarvānevāsmā etaddevānabhigoptṝnkaroti || pariśritam bhavati etadvai devā abibhayuryadvai na imamiha rakṣāṃsi nāṣṭrā na hanyuriti tasmā etām puram paryaśrayaṃtathaivāsmā ayametām puram pariṣrayati || (ŚB 14,1,2,14-16)

Diese fünf [genannten] Zutaten sammelt er ein: fünfteilig ist das Opfer, fünfteilig das Opfertier, fünf sind die Jahreszeiten des Jahres — das Jahr ist dieser glühende Topf, und er ist eben der Pravargya; damit erfreut man eben diesen. Er berührt die eingesammelten [Zutaten] mit den Worten: 'Dich für Makha, dich für das Haupt des Makha' — das ist eben jene Entsprechung. Sodann befindet sich im Norden ein umflochtenes Gehege; indem sie sich diesem nähern, murmeln sie: 'Es trete hervor, Brahmaṇaspati' — dieser nämlich ist dieser glühende Topf, und er ist eben der Pravargya; damit erfreut man eben diesen; deshalb sagt er: 'Es trete hervor, Brahmaṇaspati.' 'Es trete hervor die göttliche Sūnṛtā [Wahrhaftigkeits-Göttin]' — diese Göttin nämlich ist die Wahrhaftige; '[sie gebe uns] einen mannhaften, heldenkräftigen Sohn, fünffache Belohnung' — damit eben preist und ehrt er ihn. 'Die Götter mögen uns zum Opfer geleiten' — damit macht er sich eben alle Götter zu Beschützern. Es gibt [also] ein umflochtenes Gehege: die Götter fürchteten sich nämlich [mit dem Gedanken]: 'Dass uns hier nicht die Unholde oder [böse] Zauberer [?] schädigen mögen' — deshalb umgaben sie ihn mit dieser Burg; ebenso umgibt auch dieser Opferer ihn jetzt mit dieser Burg.

Wort für Wort
pāṅkto yajñaḥ pāṅktaḥ paśuḥ pañcartavaḥ
fünfteilig das Opfer, fünfteilig das Opfertier, fünf die Jahreszeiten
praitu brahmaṇaspatiḥ
'es trete hervor, Brahmaṇaspati' [Ritualvers]
pradevyetu sūnṛteti
'es trete hervor die göttliche Sūnṛtā [Wahrhaftigkeit]'
devā yajñaṃ nayantu naḥ
'die Götter mögen uns zum Opfer geleiten'
etadvai devā abibhayuḥ
die Götter fürchteten sich davor
etām puram paryaśrayan
sie umgaben [den Opferplatz] mit dieser Burg

Fünfzahl-Symbolik (Opfer/Opfertier/Jahreszeiten, K.14). Das umflochtene Schutzgehege (pariśrita) mit Brahmaṇaspati- und Sūnṛtā-Anrufungsversen (K.15) und seiner apotropäischen Begründung gegen Unholde/Rakṣas (K.16). 'nāṣṭrā' (K.16) philologisch unsicher, sinngemäß als '[böse] Zauberer' übersetzt.

atha khare sādayati makhāya tvā makhasya tvā śīrṣṇa ityasāveva bandhuratha mṛtpiṇḍamapādāya mahāvīraṃ karoti makhāya tvā makhasya tvā śīrṣṇa ityasāveva bandhuḥ prādeśamātram prādeśamātramiva hi śiro madhye saṅgṛhītam madhye saṅgṛhītamiva hi śiro'thāsyopariṣṭāttryaṅgulam mukhamunnayati nāsikāmevāsminnetaddadhāti taṃ niṣṭhitamabhimṛśati makhasya śiro'sīti makhasya hyetatsaumyasya śira evamitarau tūṣṇīm pinvane tūṣṇīṃ rauhiṇakapāle || prajāpatirvā eṣa yajño bhavati ubhayam vā etatprajāpatirniruktaścāniruktaśca parimitaścāparimitaśca tadyadyajuṣā karoti yadevāsya niruktam parimitaṃ rūpaṃ tadasya tena saṃskarotyatha yattūṣṇīṃ yadevāsyāniruktamaparimitaṃ rūpaṃ tadasya tena saṃskaroti sa ha vā etaṃ sarvaṃ kṛtsnam prajāpatiṃ saṃskaroti ya evam vidvānetadevaṃ karotyathopaśayāyai piṇḍam pariśinaṣṭi prāyaścittibhyaḥ || atha gavedhukābhirhinvati yajñasya śīrṣacinnasya raso vyakṣarattata etā oṣadhayo jajñire tenaivainametadrasena samardhayati kṛtsnaṃ karoti makhāya tvā makhasya tvā śīrṣṇa ityasāveva bandhurevamitarau tūṣṇīm pinvane tūṣṇīṃ rauhiṇakapāle || athaināndhūpayati aśvasya tvā vṛṣṇaḥ śaknā dhūpayāmīti vṛṣā vā aśvo vīryam vai vṛṣā vīryeṇaivainametatsamardhayati kṛtsnaṃ karoti devayajane pṛthivyā makhāya tvā makhasya tvā śīrṣṇa ityasāveva bandhurevamitarau tūṣṇīm pinvane tūṣnīṃ rauhiṇakapāle || (ŚB 14,1,2,17-20)

Sodann setzt er [den Klumpen] auf die Matte, mit den Worten: 'Dich für Makha, dich für das Haupt des Makha' — das ist eben jene Entsprechung. Dann formt er aus dem Erdklumpen das Mahāvīra-[Gefäß], mit denselben Worten. [Es hat] die Länge einer Spanne, denn spannenlang gleichsam ist ein Haupt; in der Mitte verengt, denn in der Mitte verengt gleichsam ist ein Haupt. Dann zieht er oben daran eine drei Finger [breite] Mündung hoch; damit legt er ihm gleichsam eine Nase an. Das fertiggestellte [Gefäß] berührt er mit den Worten: 'Du bist das Haupt des Makha' — dies ist ja das Haupt jenes somahaften Makha. So [geschieht es] beim ersten [Gefäß]; bei den beiden anderen [Gefäßen, Pinvana und Rauhiṇa-Schale] [geschieht es jeweils] schweigend. Dieses Opfer nämlich ist Prajāpati; Prajāpati ist beides zugleich: benannt und unbenannt, begrenzt und unbegrenzt. Was er also mit einem Yajus-Spruch [begleitend] macht, damit gestaltet er dessen benannte, begrenzte Form; was er aber schweigend [macht], damit gestaltet er dessen unbenannte, unbegrenzte Form. Wer, dies wissend, so verfährt, der gestaltet damit fürwahr diesen ganzen, vollständigen Prajāpati. Sodann formt er zur Sühne noch einen weiteren Klumpen für die 'Beiliegende' [ein Ersatzgefäß für etwaige Ausführungsfehler]. Sodann besprengt er [das Gefäß] mit Gavedhukā-Gräsern: als das Haupt des Opfers abgetrennt wurde, floss dessen Saft aus, daraus entstanden diese Pflanzen; durch eben diesen Saft vervollständigt er ihm dies. 'Dich für Makha, dich für das Haupt des Makha' — das ist eben jene Entsprechung; so [geschieht es] bei den beiden anderen schweigend. Sodann beräuchert er sie mit den Worten: 'Mit dem Dung des Hengstpferdes beräuchere ich dich' — ein Hengst nämlich ist das Pferd; Heldenkraft ist der Hengst — durch eben die Heldenkraft vervollständigt er ihm dies. 'An der Opferstätte der Erde, dich für Makha, dich für das Haupt des Makha' — das ist eben jene Entsprechung; so [geschieht es] bei den beiden anderen schweigend.

Wort für Wort
prādeśamātram, madhye saṅgṛhītam
spannenlang, in der Mitte verengt [Kopfmaß des Gefäßes]
tryaṅgulam mukhamunnayati, nāsikāmevāsminnetaddadhāti
er zieht eine dreifingerbreite Mündung — legt gleichsam eine Nase an
prajāpatiḥ niruktaścāniruktaśca parimitaścāparimitaśca
Prajāpati ist benannt und unbenannt, begrenzt und unbegrenzt
yadyajuṣā karoti ... yattūṣṇīṃ
was er mit Spruch tut [=benannte Form] ... was er schweigend [tut, =unbenannte Form]
gavedhukābhirhinvati
er besprengt es mit Gavedhukā-Gräsern
aśvasya tvā vṛṣṇaḥ śaknā dhūpayāmi
'mit dem Dung des Hengstpferdes beräuchere ich dich'

Handwerkliche Formung des Mahāvīra-Topfes nach dem Maß eines menschlichen Hauptes (K.17), gefolgt von der bedeutsamen PRAJĀPATI-DOPPELNATUR-LEHRE (K.18: nirukta/anirukta, parimita/aparimita — benannt/unbenannt, begrenzt/unbegrenzt — je nachdem ob eine Handlung von einem Spruch begleitet wird oder schweigend geschieht), ein wichtiger theologischer Grundsatz der Brāhmaṇa-Ritualtheorie. Abschluss mit Gavedhukā-Besprengung und Pferdedung-Beräucherung (K.19-20).

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