Quellen der Menschheit

Bṛhad-Āraṇyaka

Kapitel 3: śatapathabrāhmaṇam · caturdaśakāṇḍe prathamādhyāye tṛtīyaṃ brāhmaṇam (14,1,3) Die eigentliche Pravargya-Vollzugshandlung: Pfosten, Thronbank, Salbung, Sand- und Gold-Vergrabung gegen Unholde, die fünf Schutzherren, Entzündung des Gharma und das Glanz-Omen (ŚB 14,1,3)

Das dritte Brāhmaṇa führt vom Vorbereitungsstadium (Kap.1-2) zur eigentlichen Vollzugshandlung des Pravargya über: Aufstellung von Pfosten und der 'Herrscher-Thronbank' (samrāḍ-āsandī), Salbung des Mahāvīra-Topfes mit Ghee (Savitṛ-Formel), das doppelte Vergraben von Silber unter Sand (gegen Unholde von unten, mit Erd-Beruhigungsformel) und von Gold obenauf (gegen Unholde von oben, mit Himmel-Beruhigungsformel) - jeweils mit der eindrücklichen Vorstellung, dass Erde und Himmel selbst Angst vor der Hitze des Topfes haben und deshalb 'beruhigt' werden müssen. Es folgt eine Serie von fünf Anrufungen an 'Schutzherren' (Agni/Indra/Savitṛ/Dhātṛ/Bṛhaspati) für je einen Segen (Lebensdauer/Nachkommenschaft/Sehkraft/Reichtum/Kraft), die Entzündung des Topfes mit brennenden Mauñja-Gras-Büscheln (während die Gattin des Opferherrn ihr Gesicht verhüllt, aus Furcht vor dem Blick des Glühenden), rhythmisches Anfächeln mit Atem-Symbolik, und schließlich das berühmte GLANZ-OMEN: leuchtet der Gharma-Topf hell auf, gilt dies als gutes Vorzeichen für den Opferherrn, andernfalls als schlechtes. Kaṇḍikā 34 bricht am Ende mit auffälligen Transkriptionsstörungen (Pipe-Zeichen im GRETIL-Digitalisat) ab; der Sinn ist dort nur noch bruchstückhaft erschließbar.

sa yadaitadātithyena pracarati atha pravargyeṇa cariṣyanpuropasado'greṇa gārhapatyam prācaḥ kuśāntsaṃstīrya dvandvam pātrāṇyupasādayatyupayamanīm mahāvīram parīṣāsau pinvane rauhiṇakapāle rauhiṇahavanyau srucau yadu cānyadbhavati taddaśa daśākṣarā vai virāḍvirāḍvai yajñastadvirājamevaitadyajñamabhisampādayatyatha yaddvandvamdvandvam vai vīryam yadā vai dvau saṃrabhete atha tau vīryaṃ kuruto dvandvam vai mithunam prajananam mithunenaivainametatprajananena samardhayati kṛtsnaṃ karoti || athādhvaryuḥ prokṣaṇīrādāyopottiṣṭhannāha brahmanpracariṣyāmo hotarabhiṣṭuhīti brahmā vai yajñasya dakṣiṇata āste'bhigoptā tamevaitadāhāpramatta āssva yajñasya śiraḥ pratidhāsyāma iti hotarabhiṣṭuhīti yajño vai hotā tamevaitadāha yajñasya śiraḥ pratidhehīti pratipadyate hotā || brahma jajñānam prathamam purastāditi asau vā ādityo brahmāharahaḥ purastājjāyata eṣa u pravargyastadetamevaitatprīṇāti tasmādāha brahma jajñānam prathamam purastādityatha prokṣatyasāveva bandhuḥ || sa prokṣati yamāya tvetyeṣa vai yamo ya eṣa tapatyeṣa hīdaṃ sarvaṃ yamayatyetenedaṃ sarvaṃ yatameṣa u pravargyastadetamevaitatprīṇāti tasmādāha yamāya tveti || makhāya tveti eṣa vai makho ya eṣa tapatyeṣa u pravargyastadetamevaitatprīṇāti tasmādāha makhāya tveti || sūryasya tvā tapasa iti eṣa vai sūryo ya eṣa tapatyeṣa pravargyastadetamevaitatprīṇāti tasmādāha sūryasya tvā tapasa iti || (ŚB 14,1,3,1-6)

Wenn er dies mit dem Ātithya-Opfer [des Somapressungstages] vollzieht und dann mit dem Pravargya fortfahren will, breitet er, noch vor den Puroḍāśa-Opfergaben, östlich des Gārhapatya-Feuers Darbha-Gras aus und stellt paarweise die Gefäße bereit: das Upayamanī-Gefäß, den Mahāvīra, das [?, 'Pariṣāsu', Gefäßname unsicher], den Pinvana-Behälter, die Rauhiṇa-Schale, die beiden Rauhiṇa-Opferlöffel, und was sonst noch dazugehört — das sind zehn; zehn Silben hat die Virāj, und die Virāj ist das Opfer — damit bringt er eben das Opfer zur Virāj-Vollendung. Was aber paarweise aufgestellt ist — paarweise ist Heldenkraft, denn wenn zwei sich zum Kampf fassen, dann üben sie Heldenkraft; paarweise ist zugleich das Erzeugungspaar — durch das Erzeugungspaar selbst vervollständigt er ihm dies. Sodann ergreift der Adhvaryu-Priester das Sprengwasser, erhebt sich und spricht: 'Brahman-Priester, wir werden fortfahren; Hotṛ, preise!' Der Brahman-Priester sitzt nämlich zur Rechten des Opfers als dessen Beschützer; ihm eben sagt er damit: 'Sitze unabgelenkt, wir werden das Haupt des Opfers wieder aufsetzen.' 'Hotṛ, preise!' — das Opfer nämlich ist der Hotṛ; ihm eben sagt er damit: 'Setze das Haupt des Opfers wieder auf!' Der Hotṛ stimmt zu. '[Rezitationsformel:] Das Brahman, das erstgeboren wurde, zuvorderst' — jene Sonne dort, das Brahman, wird ja Tag für Tag zuvorderst [im Osten] geboren, und er ist eben der Pravargya; damit erfreut man eben diesen; deshalb spricht er: 'Das Brahman, das erstgeboren wurde, zuvorderst.' Dann besprengt er das Gefäß — das ist eben jene Entsprechung. Er besprengt mit den Worten: 'Dich für Yama' — dieser Topf nämlich ist Yama, der da glüht, denn er bezähmt ja alles dies, durch ihn ist alles dies gebändigt, und er ist eben der Pravargya; damit erfreut man eben diesen. 'Dich für Makha' — dieser Topf nämlich ist Makha, der da glüht, und er ist eben der Pravargya. 'Dich, Erzeugnis der Glut der Sonne' — dieser Topf nämlich ist die Sonne, die da glüht, und er ist der Pravargya; damit erfreut man eben diesen.

Wort für Wort
puroḍāśa-Opfergaben (im Text implizit)
vor den festen Opferkuchen [zeitliche Einordnung des Pravargya im Tagesablauf]
daśākṣarā vai virāḍ, virāḍvai yajñaḥ
zehn Silben hat die Virāj, die Virāj ist das Opfer
brahmanpracariṣyāmo hotarabhiṣṭuhi
'Brahman-Priester, wir fahren fort; Hotṛ, preise!'
yajñasya śiraḥ pratidhāsyāmaḥ
'wir werden das Haupt des Opfers wieder aufsetzen'
brahma jajñānam prathamam purastāt
'das Brahman, das erstgeboren wurde, zuvorderst' [Rezitationsformel]
yamāya tvā, makhāya tvā, sūryasya tvā tapasaḥ
'dich für Yama' / 'für Makha' / 'für die Sonnenglut' [Besprengungsformeln]

Übergang vom Vorbereitungs- zum Vollzugsstadium: Zehn-Gefäße-Virāj-Symbolik (K.1), formelhafter Brahman-Hotṛ-Dialog zur Legitimierung der 'Wiederaufsetzung des Opferhauptes' (K.2, direkter Rückbezug auf den Ursprungsmythos aus Kap.1), erste Besprengungsserie mit vier Identifikationen des glühenden Topfes (Brahman/Yama/Makha/Sūrya, K.3-6). Gefäßname 'pariṣāsu' (K.1) unsicher.

pūrvayā dvārā sthūṇāṃ nirhṛtya dakṣiṇato niminvanti yathaināṃ hotābhiṣṭuvanparāpaśyedyajño vai hotā sa evāsyāmetadyajñam pratidadhāti tathaiṣā gharmam pinvate || agreṇāhavanīyam samrāḍāsandīm paryāhṛtya dakṣiṇataḥ prācīmāsādayatyuttarāṃ rājāsandyai || audumbarī bhavati ūrgvai rasa udumbara ūrjaivainametadrasena samardhayati kṛtsnaṃ karoti || aṃsadaghnā bhavati aṃsayorvā idaṃ śiraḥ pratiṣṭhitam tadaṃsayorevaitaciraḥ pratiṣṭhāpayati || bālvajībhī rajjubhirvyutā bhavati yajñasya śīrṣacinnasya raso vyakṣarattata etā oṣadhayo jajñire tenaivainametadrasena samardhayati kṛtsnam karoti || atha yaduttarata āsādayati yajño vai somaḥ śiraḥ pravargya uttaram vai śirastasmāduttarata āsādayatyatho rājā vai somaḥ samrāṭ pravargya uttaram vai rājyātsāmrājyaṃ tasmāduttarata āsādayati || (ŚB 14,1,3,7-12)

Nachdem sie den Zeltpfosten durch die östliche Tür herausgebracht haben, senken sie ihn nach Süden hin ein, so dass der Hotṛ, während er den Vers preist, ihn im Vorbeigehen sehen kann; der Hotṛ nämlich ist das Opfer, er eben setzt damit der Anlage das Opfer wieder auf; so bringt diese Anlage den Gharma zum Gedeihen. Vor dem Āhavanīya-Feuer bringen sie die 'Herrscher-Thronbank' herbei und stellen sie, nach Osten ausgerichtet, südlich auf — nördlich der entsprechenden 'Königs-Sitzbank'. Sie ist aus Udumbara-Holz: Nahrungskraft nämlich ist der Udumbara-Saft — durch die Nahrungskraft vervollständigt er ihm dies. Sie reicht bis zur Schulterhöhe: auf den Schultern nämlich ist das Haupt gegründet — damit gründet er eben dieses Haupt auf die Schultern. Sie ist mit Bālvaja-Grasschnüren bespannt: als das Haupt des Opfers abgetrennt wurde, floss dessen Saft aus, daraus entstanden diese Pflanzen — durch eben diesen Saft vervollständigt er ihm dies. Dass er sie nördlich aufstellt: das Opfer nämlich ist Soma, das Haupt ist der Pravargya — nördlich gilt als höher als das Haupt; deshalb stellt er sie nördlich auf. Und auch: Soma ist ein König, der Pravargya ist Sammrāṭ (Oberherrscher) — Sāmrājya (Oberherrschaft) steht höher als gewöhnliches Königtum (rājya); deshalb stellt er sie nördlich auf.

Wort für Wort
sthūṇāṃ nirhṛtya dakṣiṇato niminvanti
sie senken den Pfosten nach Süden hin ein
samrāḍāsandīm ... rājāsandyai uttarām
die Herrscher-Thronbank nördlich der Königs-Sitzbank
aṃsadaghnā bhavati
sie reicht bis zur Schulterhöhe
bālvajībhī rajjubhirvyutā
mit Bālvaja-Grasschnüren bespannt
yajño vai somaḥ śiraḥ pravargyaḥ
das Opfer ist Soma, das Haupt ist der Pravargya
sāmrājyaṃ ... uttaram rājyāt
die Oberherrschaft steht höher als das [gewöhnliche] Königtum

Aufbau von Pfosten und der symbolisch aufgeladenen 'Herrscher-Thronbank' (samrāḍ-āsandī, benannt nach dem Pravargya-Beinamen Sammrāṭ). Erneute Udumbara-Deutung (K.9, wörtliche Wiederholung der Formel aus Kap.2 K.4). Wortspiel Sāmrājya/Rājya (K.12) begründet die Nord-Ausrichtung.

sa yatraitāṃ hotānvāha añjanti yam prathayanto na viprā iti tadetam pracaraṇīyam mahāvīramājyena samanakti devastvā savitā madhvānaktviti savitā vai devānām prasavitā sarvamvā idam madhu yadidaṃ kiṃ ca tadenamanena sarveṇa samanakti tadasmai savitā prasavitā prasauti tasmādāha devastvā savitā madhvānaktviti || athottarataḥ sikatā upakīrṇā bhavanti tadrajatam hiraṇyamadhastādupāsyati pṛthivyāḥ saṃspṛśaspāhītyetadvai devā abibhayuryadvai na imamadhastādrakṣāṃsi nāṣṭrā na hanyurityagnervā etadreto yaddhiraṇyaṃ nāṣṭrāṇāṃ rakṣasāmapahatyā atho pṛthivyu ha vā etasmādbibhayāṃ cakāra yadvai māyaṃ taptaḥ śuśucāno na hiṃsyāditi tadevāsyā etadantardadhāti rajatam bhavati rajataiva hīyam pṛthivī || sa yatraitāṃ hotānvāha saṃsīdasva mahām mahām asīti tadubhayata ādīptā mauñjāḥ pralavā bhavanti tānupāsya teṣu pravṛṇakti yajñasya śīrṣacinnasya raso vyakṣarattata etā oṣadhayo jajñire tenaivainametadrasena samardhayati kṛtsnaṃ karoti || atha yadubhayata ādīptā bhavanti sarvābhya evaitaddigbhyo rakṣāṃsi nāṣṭrā apahanti tasminpravṛjyamāne patnī śiraḥ prorṇute tapto vā eṣa śuśucāno bhavati nenme'yaṃ taptaḥ śuśucānaścakṣuḥ pramuṣṇāditi || (ŚB 14,1,3,13-16)

Wenn der Hotṛ diesen Vers anstimmt: 'Sie salben ihn, den die Sänger ausbreitend, die Weisen' — dann salbt er diesen zur Verwendung bestimmten Mahāvīra mit Ghee: 'Der Gott Savitṛ salbe dich mit Honig' — Savitṛ nämlich ist der Antreiber der Götter; alles, was es auch gibt, ist Honig — damit salbt er ihn mit diesem ganzen Honig; damit treibt ihn Savitṛ, der Antreiber, an. Sodann wird nördlich Sand ausgestreut; darunter legt er Silber mit den Worten: 'Berühre die Erde, du Beschützer' — die Götter nämlich fürchteten sich mit dem Gedanken: 'Dass uns hier nicht von unten Unholde oder Zauberer schädigen mögen'; denn Gold [bzw. Silber] ist der Same Agnis, zur Abwehr der Zauberer und Unholde. Und ferner: die Erde selbst hatte davor Angst, mit dem Gedanken: 'Dieser Glühende, Erhitzte möchte mich nicht verletzen' — eben dies legt er zwischen sie. Es ist Silber, denn diese Erde ist ja gleichsam silberfarben. Wenn der Hotṛ diesen Vers anstimmt: 'Setze dich nieder, du bist groß, groß' — dann sind auf beiden Seiten entzündete Mauñja-Grasbüschel-Abschnitte bereit; nachdem er diese hingelegt hat, entzündet er den Gharma daran; als das Haupt des Opfers abgetrennt wurde, floss dessen Saft aus, daraus entstanden diese Pflanzen — durch eben diesen Saft vervollständigt er ihm dies. Dass sie auf beiden Seiten entzündet sind: damit schlägt er die Unholde und Zauberer von allen Richtungen zugleich ab. Während dies entzündet wird, verhüllt die Gattin [des Opferherrn] ihr Haupt; denn er wird nun glühend, erhitzt — mit dem Gedanken: 'Dass mir dieser Glühende, Erhitzte nicht das Augenlicht raube.'

Wort für Wort
devastvā savitā madhvānaktu
'der Gott Savitṛ salbe dich mit Honig'
rajatam hiraṇyamadhastādupāsyati
er legt Silber darunter
pṛthivī ... bibhayāṃ cakāra
die Erde selbst geriet in Furcht [personifizierte Erd-Angst vor der Hitze]
mauñjāḥ pralavā ādīptāḥ
entzündete Mauñja-Grasbüschel-Abschnitte
patnī śiraḥ prorṇute
die Gattin verhüllt ihr Haupt
nenme'yaṃ taptaḥ śuśucānaścakṣuḥ pramuṣṇāt
'dass mir dieser Glühende nicht das Augenlicht raube'

Eindrückliche Passage: die personifiziert gedachte Erde 'fürchtet sich' vor der Hitze des Topfes und wird durch das darunter vergrabene Silber beruhigt (K.14) — Parallelmotiv zum Himmel/Gold in K.29. Die Gattin des Opferherrn verhüllt beim Entzünden ihr Gesicht aus Furcht vor Erblindung (K.16) — ein praktischer Sicherheitshinweis (Blendung durch grelles Glühen) in mythologischer Einkleidung.

sa pravṛṇakti arcirasi śocirasi tapo'sītyeṣa vai gharmo ya eṣa tapati sarvam vā etadeṣa tadetamevaitatprīṇāti tasmādāhārcirasi śocirasi tapo'sīti || athāsyāmāśiṣa āśāsta iyam vai yajño'syāmevaitadāśiṣa āśāste tā asmā iyaṃ sarvāḥ samardhayati || anādhṛṣṭā purastāditi anādhṛṣṭā hyeṣā purastādrakṣobhirnāṣṭrābhiragnerādhipatya ityagnimevāsyā adhipatiṃ karoti nāṣṭrāṇāṃ rakṣasāmapahatyā āyurme dā ityāyurevātmandhatte tatho sarvamāyureti || putravatī dakṣiṇata iti nātra tirohitamivāstīndrasyādhipatya itīndramevāsyā adhipatiṃ karoti nāṣṭrāṇāṃ rakṣasāmapahatyai prajām me dā iti prajāmeva paśūnātmandhatte tatho ha putrī paśumānbhavati || suṣadā paścādivti nātra tirohitamivāsti devasya saviturādhipatya iti devamevāsyai savitāramadhipatiṃ karoti nāṣṭrāṇāṃ rakṣasāmapahatyai cakṣurme dā iti cakṣurevātmandhatte tatho ha cakṣuṣmānbhavati || āśrutiruttarata iti āśrāvayannuttarata ityevaitadāha dhāturādhipatya iti dhātāramevāsyā adhipatiṃ karoti nāṣṭrāṇāṃ rakṣasāmapahatyai rāyaspoṣam me dā iti rayimeva puṣṭimātmandhatte tatho ha rayimānpuṣṭimānbhavati || vidhṛtirupariṣṭāditi vidhārayannupariṣṭādityevaitadāha bṛhaspaterādhipatya iti bṛhaspatimevāsyā adhipatiṃ karoti nāṣṭrāṇāṃ rakṣasāmapahatyā ojo me dā ityoja evātmandhatte tathaujasvī balavānbhavati || (ŚB 14,1,3,17-23)

Er entzündet den Topf mit den Worten: 'Du bist Flammenschein, du bist Glutschein, du bist Glut' — dieser Topf nämlich, der da glüht, ist der Gharma, und er ist all dies zugleich; damit erfreut man eben diesen. Sodann spricht er an dieser Erde Segenswünsche: diese Erde nämlich ist das Opfer — an ihr eben spricht er diese Segenswünsche; diese Erde erfüllt ihm all diese Wünsche. 'Unangreifbar im Osten' — unangreifbar ist sie ja im Osten von Unholden und Zauberern; 'unter der Oberherrschaft Agnis' — damit macht er Agni zu ihrem Oberherrn, zur Abwehr der Zauberer und Unholde; 'gib mir Lebensdauer' — damit legt er sich Lebensdauer in sich selbst; so [erlangt er] volle Lebensdauer. 'Kinderreich im Süden' — hier ist nichts verhüllt; 'unter der Oberherrschaft Indras' — damit macht er Indra zu ihrem Oberherrn; 'gib mir Nachkommenschaft' — damit legt er sich Nachkommenschaft und Vieh in sich selbst; so wird er kinderreich und viehreich. 'Gut gesetzt im Westen' — hier ist nichts verhüllt; 'unter der Oberherrschaft des Gottes Savitṛ' — damit macht er Savitṛ zu ihrem Oberherrn; 'gib mir Sehkraft' — damit legt er sich Sehkraft in sich selbst; so erhält er gutes Augenlicht. 'Verkündend im Norden' — 'verkündend im Norden', so eben sagt er damit; 'unter der Oberherrschaft Dhātṛs' — damit macht er Dhātṛ zu ihrem Oberherrn; 'gib mir Reichtums-Gedeihen' — damit legt er sich Reichtum und Gedeihen in sich selbst; so wird er reich und wohlhabend. 'Stütze von oben her' — 'stützend von oben', so eben sagt er damit; 'unter der Oberherrschaft Bṛhaspatis' — damit macht er Bṛhaspati zu ihrem Oberherrn; 'gib mir Kraft' — damit legt er sich Kraft in sich selbst; so wird er kraftvoll und stark.

Wort für Wort
arcirasi śocirasi tapo'si
'du bist Flammenschein, du bist Glutschein, du bist Glut' [Entzündungsformel]
anādhṛṣṭā purastāt, agnerādhipatyam, āyurme dāḥ
Osten/Agni/'gib mir Lebensdauer'
putravatī dakṣiṇataḥ, indrasyādhipatyam, prajām me dāḥ
Süden/Indra/'gib mir Nachkommenschaft'
suṣadā paścāt, saviturādhipatyam, cakṣurme dāḥ
Westen/Savitṛ/'gib mir Sehkraft'
āśrutiruttarataḥ, dhāturādhipatyam, rāyaspoṣam me dāḥ
Norden/Dhātṛ/'gib mir Reichtums-Gedeihen'
vidhṛtirupariṣṭāt, bṛhaspaterādhipatyam, ojo me dāḥ
Oben/Bṛhaspati/'gib mir Kraft'

Die berühmte FÜNF-RICHTUNGEN-FÜNF-SCHUTZHERREN-Segensreihe: Osten/Agni/Lebensdauer, Süden/Indra/Nachkommenschaft, Westen/Savitṛ/Sehkraft, Norden/Dhātṛ/Reichtum, Oben/Bṛhaspati/Kraft — ein systematisches Korrespondenzschema, das die Erde selbst zum Segensspender macht, mit ständigem Refrain 'zur Abwehr der Zauberer und Unholde' (nāṣṭrāṇāṃ rakṣasāmapahatyai).

atha dakṣiṇata uttānena pāṇinā nihnute viśvābhyo mā nāṣṭrābhyaspāhīti sarvābhyo mārtibhyo gopāyetyevaitadāha yajñasya śīrṣacinnasya [raso vyakṣaratsa] pitṝ!nagacattrayā vai pitarastairevainametatsamardhayati kṛtsnaṃ karoti || athemāmabhimṛśya japati manoraśvāsītyaśvā ha vā iyam bhūtvā manumuvāha so'syāḥ patiḥ prajāpatistenaivainametanmithunena priyeṇa dhāmnā samardhayati kṛtsnaṃ karoti || atha vaikaṅkatau śakalau pariśrayati prāñcau svāhā marudbhiḥ pariśrīyasvetyavaraṃ svāhākāraṃ karoti parāṃ devatāmeṣa vai svāhākāro ya eṣa tapatyeṣa u pravargyastadetamevaitatprīṇāti tasmādavaraṃ svāhākāraṃ karoti darāṃ devatām || marudbhiḥ pariśrīyasveti viśo vai maruto viśaivaitatkṣatram paribṛṃhati tadidaṃ kṣatramubhayato viśā paribṛḍhaṃ tūṣṇīmudañcau tūṣṇīm prāñcau tūṣṇīmudañcau tūṣṇīm prāñcau || trayodaśa sampādayati trayodaśa vai māsāḥ samvatsarasya samvatsara eṣa ya eṣa tapatyeṣa u pravargyastadetamevaitatprīṇāti tasmāttrayodaśa sampādayati || (ŚB 14,1,3,24-28)

Sodann streicht er von der rechten Seite mit der geöffneten Handfläche darüber, mit den Worten: 'Beschütze mich vor allen Zauberern' — 'behüte mich vor allem Unheil', so eben sagt er damit. Als das Haupt des Opfers abgetrennt wurde, floss dessen Saft aus, [er] gelangte zu den Vätern (Pitṛs); dreifach nämlich sind die Väter — durch eben diese vervollständigt er ihm dies. Sodann berührt er die Bank/Erde und murmelt: 'Du warst die Stute des Manu' — sie nämlich trug einst, zur Stute geworden, den Manu; er, Prajāpati, ist ihr Gatte — durch eben dieses liebe Ehepaar-Wesen vervollständigt er ihm dies. Sodann legt er zwei Vikaṅkata-Holzspäne, nach vorn gerichtet, ringsherum, mit den Worten: 'Svāhā! Von den Marut umschlossen werdest du' — er macht dabei den Svāhā-Ruf zu einem geringeren Akt, die Gottheit zu einem höheren; dieser Topf nämlich, der da glüht, ist der Svāhā-Ruf, und er ist eben der Pravargya; damit erfreut man eben diesen; deshalb macht er den Svāhā-Ruf zum geringeren, die Gottheit zum höheren [Akt]. 'Von den Marut umschlossen werdest du' — die gewöhnlichen Stämme nämlich sind die Marut; durch den gewöhnlichen Stamm stärkt er eben die Kriegermacht; so ist diese Kriegermacht von beiden Seiten gestärkt. Schweigend [wiederholt er dies] nach Norden gerichtet, schweigend nach Süden gerichtet. Er bringt die Zahl dreizehn zustande: dreizehn nämlich sind die Monate des Jahres [mit Schaltmonat] — das Jahr ist dieser Glühende, und er ist eben der Pravargya; damit erfreut man eben diesen; deshalb bringt er die Dreizehnzahl zustande.

Wort für Wort
viśvābhyo mā nāṣṭrābhyaspāhi
'beschütze mich vor allen Zauberern'
manoraśvāsīt
'du warst die Stute des Manu' [Erde-Prajāpati-Ehepaar-Motiv]
vaikaṅkatau śakalau pariśrayati
er legt zwei Vikaṅkata-Holzspäne ringsherum
svāhā marudbhiḥ pariśrīyasva
'Svāhā! Von den Marut umschlossen werdest du'
viśo vai marutaḥ, viśā kṣatram paribṛṃhati
die [gewöhnlichen] Stämme sind die Marut; durch sie stärkt er die Kriegermacht
trayodaśa sampādayati
er bringt die Dreizehnzahl [Monate] zustande

Erneutes Auftauchen des Erde-als-Gattin-des-Manu/Prajāpati-Motivs (K.25, Variante des Mare-Mythos aus Kap.1 Vikaṅkata-Passage). Svāhā-Vaikaṅkata-Umhüllung mit Marut/Viś-Kṣatra-Wortspiel (K.26-27). Dreizehn-Monate-Jahressymbolik (K.28, Schaltmonat-Berücksichtigung).

atha suvarṇaṃ hiraṇyamupariṣṭānnidadhāti divaḥ saṃspṛśaspāhītyetadvai devā abibhayuryadvai na imamupariṣṭādrakṣāṃsi nāṣṭrā na hanyurityagnervā etadreto yaddhiraṇyaṃ nāṣṭrāṇāṃ rakṣasāmapahatyā atho dyaurha vā etasmādbibhayāṃ cakāra yadvai māyaṃ taptaḥ śuśucāno na hiṃsyāditi tadevāsyā etadantardadhāti haritam bhavati hariṇīva hi dyauḥ || atha dhavitrairādhūnoti madhu madhviti triḥ prāṇo vai madhu prāṇamevāsminnetaddadhāti trīṇi bhavanti trayo vai prāṇāḥ prāṇa udāno vyānastānevāsminnetaddadhāti || athāpasalavi trirdhūnvanti yajñasya śīrṣacinnasya [raso vyakṣaratsa] pitṝ!nagacattrayā vai pitarastairevainametatsamīrayati || apa vā etebhyaḥ prāṇāḥ krāmanti ye yajñe dhuvanaṃ tanvate punaḥ prasalavi trirdhūnvanti ṣaṭ sampadyante ṣaḍvā ime śīrṣanprāṇāstānevāsminnetaddadhāti śrapayanti rauhiṇau sa yadārcirjāyate atha hiraṇyamādatte || (ŚB 14,1,3,29-32)

Sodann legt er goldfarbenes Gold obenauf, mit den Worten: 'Berühre den Himmel, du Beschützer' — die Götter nämlich fürchteten sich mit dem Gedanken: 'Dass uns hier nicht von oben Unholde oder Zauberer schädigen mögen'; denn Gold ist der Same Agnis, zur Abwehr der Zauberer und Unholde. Und ferner: der Himmel selbst hatte davor Angst, mit dem Gedanken: 'Dieser Glühende, Erhitzte möchte mich nicht verletzen' — eben dies legt er zwischen sie. Es ist goldfarben, denn der Himmel ist ja gleichsam goldgelb. Sodann fächelt er das Feuer mit den Wedeln an, mit den Worten: 'Honig, Honig' — dreimal; Atem-Lebenskraft nämlich ist Honig — damit legt er ihm den Atem hinein. Es geschieht dreimal, denn drei sind die Atem-Arten: Prāṇa, Udāna, Vyāna — eben diese legt er ihm damit hinein. Sodann fächeln sie dreimal in gegenläufiger Richtung; als das Haupt des Opfers abgetrennt wurde, floss dessen Saft aus, [er] gelangte zu den Vätern; dreifach nämlich sind die Väter — durch eben diese belebt er ihm dies. Der Atem entweicht nämlich denen, die beim Opfer das Fächeln vollziehen; deshalb fächeln sie noch einmal dreimal in [Vorwärts-]Richtung; so ergeben sich insgesamt sechs Fächelungen: sechs nämlich sind diese Atem-Kräfte im Haupt — eben diese legt er ihm damit hinein. Sie erhitzen die beiden Rauhiṇa-Kuchen. Sobald die Flamme entsteht, nimmt er das Gold wieder heraus.

Wort für Wort
suvarṇaṃ hiraṇyamupariṣṭānnidadhāti
er legt goldfarbenes Gold obenauf
dyauḥ ... bibhayāṃ cakāra
der Himmel selbst geriet in Furcht
haritam bhavati, hariṇīva hi dyauḥ
es ist goldfarben, denn der Himmel ist gleichsam goldgelb
dhavitrairādhūnoti, madhu madhviti triḥ
er fächelt mit den Wedeln an, dreimal 'Honig, Honig'
trayo vai prāṇāḥ, prāṇa udāno vyānaḥ
drei sind die Atemarten: Prāṇa, Udāna, Vyāna
ṣaḍvā ime śīrṣanprāṇāḥ
sechs sind diese Atemkräfte im Haupt

Spiegelbildliches Gegenstück zu K.14 (Silber/Erde): Gold obenauf beruhigt den ängstlichen Himmel ('goldgelb wie der Himmel'). Sechsfache Atem-Symbolik beim Anfächeln (3+3=6 'Atemkräfte im Haupt', K.30-32) — eine der zahlreichen physiologisch-kosmologischen Korrespondenzen des Pravargya-Rituals.

sa yatraitāṃ hotānvāha apnasvatīmaśvinā vācamasme iti tadadhvaryurupottiṣṭhannāha rucito gharma iti sa yadi rucitaḥ syācreyānyajamāno bhaviṣyatīti vidyādatha yadyarucitaḥ pāpīyānbhaviṣyatīti vidyādatha yadi naiva rucito nārucito naiva śreyanna pāpīyānbhaviṣyatīti vidyādyathā nveva rucitaḥ syāttathā dhavitavyaḥ || athaitadvai āyuretajjyotiḥ praviśati ya etamanuvā brūte bhakṣayati vā tasya vratacaryā yā sṛṣṭau [?, Quelle bricht hier mit Transkriptionsstörungen ab] || (ŚB 14,1,3,33-34, unvollständig überliefert)

Wenn der Hotṛ diesen Vers anstimmt: 'Eine wirkungsvolle Rede, ihr beiden Aśvin, gewähret uns' — dann erhebt sich der Adhvaryu und spricht: 'Der Gharma glänzt.' Wenn er glänzend ist, so soll er wissen: der Opferherr wird dadurch besser gestellt sein; wenn er nicht glänzend ist, so soll er wissen: er wird schlechter gestellt sein; wenn er aber weder glänzend noch nicht-glänzend ist, so soll er wissen: er wird weder besser noch schlechter gestellt sein. Man soll das Feuer jedenfalls so anfächeln, dass es möglichst glänzt. Auch hier gilt: dieses Lebensalter, dieses Licht geht in den ein, der ihm nachspricht oder es genießt; dessen Gelübde-Vollzug betrifft [?, der weitere Satz bricht im Digitalisat unvermittelt ab — die letzten Worte 'yā sṛṣṭau' sind ohne Fortsetzung überliefert, vermutlich eine Lücke oder ein Fehler im vorliegenden GRETIL-Digitalisat, nicht notwendig ein echter Bruch im Originaltext].

Wort für Wort
apnasvatīmaśvinā vācamasme
'eine wirkungsvolle Rede, ihr Aśvin, gewähret uns'
rucito gharma
'der Gharma glänzt' [Omen-Ausruf]
yadi rucitaḥ syāt, śreyān yajamāno bhaviṣyati
wenn er glänzend ist, wird der Opferherr bessergestellt sein
yathā nveva rucitaḥ syāt tathā dhavitavyaḥ
man soll so anfächeln, dass er möglichst glänzt
etajjyotiḥ praviśati ya etamanu brūte
dieses Licht geht in den ein, der ihm nachspricht

Das berühmte GLANZ-OMEN (rucito gharma): der Glanzgrad des glühenden Topfes wird direkt als Vorzeichen für das Wohlergehen des Opferherrn gedeutet — ein seltener Fall von explizit erwähnter Divination innerhalb des Pravargya-Rituals. K.34 (Wiederaufnahme der Åyus/Jyotis-Formel aus 14,1,1,33) bricht in der vorliegenden Quelle abrupt und mit sichtbaren Transkriptionsstörungen ab, ohne dass dies im Digitalisat als bewusster Kapitelschluss gekennzeichnet wäre.

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