Quellen der Menschheit

Jaiminīya-Brāhmaṇa · Kāṇḍa 2

Kapitel 12 Der Ahīna beginnt: Indras Vajra-Streit und die tausendfache Kuh

Mit dem Dvirātra setzen die mehrtägigen Ahīna-Opfer ein: der Mythos der Haviṣmant-und-Haviṣkṛt-Āṅgiras, sowie eine Episode um König Abhipratāriṇa und den Streit um Khalatī Daivavātī, in der ein ungewöhnlich offenes Brahmanen-Urteil fällt – 'kein zweiter Held … nur für sich selbst hat er sich eine Welt geschaffen'. Das Trirātra entfaltet den Streit zwischen Indra und Viṣṇu um den Vajra, dreifach mit der Formel 'es ist doch in diesem da Glut, Sinneskraft, Manneskraft' wiederholt und von Prajāpati im Verhältnis zwei zu eins geschlichtet, dazu eine Kosmogonie der aus der Silbe geschnittenen Rede und ein katechismusartiges Frage-Spiel: 'Ist der Trirātra Eins, oder Zwei, oder Drei?' Der große Somakrayaṇī-Komplex erzählt, wie Indra, Soma und Yama den Kaufpreis der Soma-Kuh in tausend Teile zerlegen, wie die dreimal wiedererscheinende, zuletzt rauchfarben-hornlose Kuh zu Yamas Anustaraṇī wird, und wie Prajāpati durch sein eigenes Bauchnetz zunächst einen allgestaltigen Ziegenbock, dann in einem zweiten Selbstopfer zugleich Agni, Vāyu, Āditya und die drei Veden gebiert – der Ursprung des Caturhotṛ-Amtes.

. ity ekāhaṃ samāptam. ahīnam athaite dvirātrāḥ. haviṣmāṃś ca vai haviṣkṛc cāṅgirasāv āstām. tāv asmin loke strīcaryam pramattau carantāv ṛṣayo ’ṅgirasaḥ pitaraś ca pitāmahāś ca sukṛto hitvā svargaṃ lokam āyan. tau yadā sā caryā paraid, athākāmayetāṃ - kathaṃ nv id yatra nāv ṛṣayo ’ṅgirasaḥ pitaraśca pitāmahāś ca sukṛta svargaṃ lokam itās - tad anugaccheveti. tau tapo ’tapyetām. tāv etad dvirātraṃ yajñam apaśyatām. tam āharetām. tenāyajetām. tato vai tau yatrainayor ṛṣayo ’ṅgirasaḥ pitaraś ca pitāmahāś ca sukṛta svargaṃ lokam itā āsaṃs, tam anvagacchatām. sa yaḥ kāmayeta - yatra me pitaraś ca pitāmahās ca sukṛta svargaṃ lokam itā bhavanti tam evānugacchati. atho āhur yasmād eva śreyān bhrātṛvya syāt sa enena yajeteti. pūrvapreta iva ha vā eṣa ya śreyān. pūrvapretān iva vā etena tau tān āpnutām. āptvā śreyāṃsaṃ vasīyān ātmanā bhavati. atho āhuḥ prajākāma evainena yajeteti. ātmā vai pūrvam ahaḥ prajottaram. ātmānam eva pūrveṇāhnā saṃskurute, prajām uttareṇa

[Damit sind die Einzeltagsopfer (Ekāha) abgeschlossen. Es folgen die Ahīna (mehrtägigen, aber nicht als Sattra geltenden Opfer).] Nun folgen diese Dvirātras (Zweinacht-Opfer). Haviṣmant und Haviṣkṛt, zwei Āṅgirasas, lebten einst. Während diese beiden in dieser Welt, dem Umgang mit Frauen verfallen, sorglos umherzogen, gingen die Ṛṣis der Aṅgirasas, die Väter und die Urväter, nach guten Taten, zur Himmelswelt und ließen sie zurück. Als für die beiden jene Lebensweise vorüber war, da wünschten sie sich: »Wie nur könnten wir dorthin gelangen, wohin unsere Ṛṣis der Aṅgirasas, die Väter und Urväter, nach guten Taten zur Himmelswelt gegangen sind – dem wollen wir doch nachfolgen!« Die beiden übten Askese. Die beiden erblickten dieses Dvirātra-Opfer. Die beiden holten es herbei. Die beiden opferten damit. Daraufhin folgten sie fürwahr dorthin nach, wohin ihre Ṛṣis der Aṅgirasas, die Väter und Urväter, nach guten Taten zur Himmelswelt gegangen waren. Wer sich wünschen sollte: »Wohin meine Väter und Urväter nach guten Taten zur Himmelswelt gegangen sind, dorthin will ich nachfolgen« – eben dorthin folgt er nach. Und ferner sagt man: Wer einen überlegenen Nebenbuhler (bhrātṛvya) hat, der soll mit diesem opfern. Wer überlegen ist, ist gleichsam schon vorausgegangen. Als wären es solche, die vorausgegangen sind, erreichen die beiden sie mit diesem Opfer. Hat er ihn erreicht, wird er, dem Überlegenen gleich, aus eigener Kraft überlegen. Und ferner sagt man: Wer sich Nachkommenschaft wünscht, soll eben mit diesem opfern. Das eigene Selbst nämlich ist der erste Tag, die Nachkommenschaft der zweite. Eben mit dem ersten Tag vollendet er sein eigenes Selbst, mit dem zweiten seine Nachkommenschaft.

[Anm.: Der Quelltext markiert hier ausdrücklich einen Strukturübergang: »Damit sind die Ekāha (Einzeltagsopfer) abgeschlossen« leitet zur neuen Kategorie der Ahīna (mehrtägige, aber nicht als Sattra – Sitzung mit gleichberechtigten Priestern – geltende Opfer) über, deren erste Unterart die Dvirātras (Zweinacht-Opfer) bilden. Der Gründungsmythos um die sorglosen Āṅgirasas Haviṣmant und Haviṣkṛt, die durch Askese und das Dvirātra-Opfer ihren tugendhafteren Vorfahren doch noch zur Himmelswelt nachfolgen, erhält im Anschluss zwei weitere, davon unabhängige praktische Anwendungen (Überholen eines überlegenen Rivalen; Erlangung von Nachkommenschaft) – ein für den Text typisches Verfahren der Mehrfachnutzung eines einzigen Ritus.]

sa duṣṣaja iva ha khalu vā eṣa yajñakratur yad dvirātraḥ. yadi jyotir agniṣṭomaḥ pūrvam ahar bhavati sarvastomo ’tirātra uttaraṃ stotrāṇi vicchindanti. atha yadi jyotir agniṣṭomaḥ pūrvam ahar bhavati sarvastoma u evātirātra uttaraṃ stotrāṇi vicchindanti. atha yadi jyotir ukthyaḥ pūrvam ahar bhavati sarvastoma u evātirātra uttaraṃ yajñamukhaṃ chambaṭkurvanti. tad yaj jyotir bhavati tena yajñamukhaṃ na chambaṭkurvanti. atha yad ukthyas tena stotrāṇi na vicchindanti. āpta iva ha khalu vā eṣa yajñakratur yo virājam abhisaṃpannaḥ. sa punar āraṃbhyo bhavati. tad yad uttarasyāhnaś caturviṃśaṃ bahiṣpavamānaṃ bhavati - caturviśatyardhamāsas saṃvatsaraḥ. saṃvatsaro yajño - yajñam evaitad yajñamukha ārabhante. atho caturviṃśatyakṣarā vai gāyatrī. gāyatryo vā āptaṃ yajñakratuṃ punas tanvate. no hy anyā gāyatryā āptaṃ yajñakratum udyantum arhati. tad āhuḥ kathaṃ na catuścatvāriṃśo nāṣṭācatvāriṃśo mukhaṃ yugmatāṃ stomānāṃ bhavitum arhati. kathaṃ caturviṃśa eveti. sa brūyāt tripadā vai gāyatrī. tat tripadā pratipadyanta iti. sarvastomo ’tirātro bhavati, sarveṣāṃ lokānām abhijityā abhikrāntyai. sarvaṃ hīdaṃ stomā eva. atho yān imān ekaikān stomān upāgāma tān sārdham ṛddhvā eṣu pratiṣṭhāyodṛcam aśnavāmahā iti

Dieser Opferritus, der Dvirātra, ist fürwahr gleichsam schwer zu handhaben (duṣṣaja). Wenn der erste Tag ein Jyotiḥ-Agniṣṭoma ist und der zweite ein Atirātra-Sarvastoma, unterbrechen sie die Stotras. Wenn aber der erste Tag ein Jyotiḥ-Ukthya ist und der zweite ein Atirātra-Sarvastoma, bringen sie das Yajñamukha (die Opferstirn) durcheinander. Dass es den Jyotiḥ (als ersten Tag) gibt – dadurch bringen sie das Yajñamukha nicht durcheinander. Dass es den Ukthya gibt – dadurch unterbrechen sie die Stotras nicht. Dieser Opferritus, der die Virāj erlangt hat, ist fürwahr gleichsam vollendet (āpta). Er muss von Neuem begonnen werden. Dass der Bahiṣpavamāna des zweiten Tages vierundzwanzigfach ist – das Jahr hat vierundzwanzig Halbmonate. Das Jahr ist das Opfer; eben dieses Opfer beginnt man damit an der Opferstirn von Neuem. Und ferner: Vierundzwanzig Silben hat die Gāyatrī. Durch die Gāyatrī fürwahr spannen sie den vollendeten Opferritus wieder aus; denn kein anderes Versmaß als die Gāyatrī vermag den vollendeten Opferritus wieder emporzuheben. Dazu fragt man: »Warum kann nicht Vierundvierzig oder Achtundvierzig die Opferstirn der Stoma-Paarung sein? Warum eben nur Vierundzwanzig?« Man antworte: »Die Gāyatrī hat ja drei Versfüße; damit vollziehen sie die Dreifüßigkeit.« Der Atirātra wird zum Sarvastoma, zur Eroberung und zum Durchdringen aller Welten. Denn dies alles sind eben nur Stomas. Und ferner: »Diese Stomas, zu denen wir einzeln gelangt sind – nachdem wir gemeinsam mit ihnen gediehen und in ihnen festen Stand gewonnen haben, mögen wir den Aufwärtsvers erlangen!«

[Anm.: Eine ausgesprochen technische, dialektisch aufgebaute Passage (mit ausdrücklicher Einwand-und-Antwort-Struktur, ähnlich den Debatten in 2.187 und 2.213/2.215) über die kombinatorischen Schwierigkeiten des zweitägigen Dvirātra-Ritus. Der Quelltext wiederholt den ersten Satz über Jyotiḥ-Agniṣṭoma/Atirātra-Sarvastoma nahezu wortgleich (»yadi jyotir agniṣṭomaḥ pūrvam ahar bhavati sarvastomo 'tirātra uttaraṃ stotrāṇi vicchindanti« / »atha yadi jyotir agniṣṭomaḥ pūrvam ahar bhavati sarvastoma u evātirātra uttaraṃ stotrāṇi vicchindanti«), was als Dittographie erscheint; hier wird der Satz nur einmal wiedergegeben. Die genaue technische Bedeutung des Verbs »chambaṭkurvanti« (›sie bringen durcheinander/zum Einsturzʻ) ist unsicher.]

vicchinna iva ha khalu vā eṣa yajñakratur yad dvirātraḥ. gāyatrīṃ pūrvam ahas saṃpadyate triṣṭubham uttaram. atha kva jagatī cānuṣṭup cety āhuḥ. gāyatrīṃ caiva pūrvam ahas saṃpādayet triṣṭubhaṃ ca jagatīṃ cānuṣṭubhaṃ cottaraṃ chandasāṃ santatyā avyavacchedāya. uccā te jātam andhasety andhasvatīr bhavaty andhasvad vai jagatyai rūpaṃ - tena jagatyai rūpān na yanti. vaikhānasaṃ bhavati jāgataṃ sāma. tenaiva jagatyai rūpān na yanti. dvaigataṃ bhavati. dvihiṃkāraṃ bhavati. dvirātrarūpaṃ sāmanī dvirātrarūpād eva tan na yanti. ye dve sāmanī tayor anyatarad bhavati - yathobhayāpadī pratitiṣṭhet tādṛk tat. suvar jyotir bhavati. suvar vai pūrvam ahar, jyotir uttaram, ahnora eva santatyā ahnos samāraṃbhāya. hāviṣmata - hāviṣkṛte svargye sāmanī, svargasya lokasya samaṣṭayai. tad āhuḥ kṣipre sāmanī yad ubhe kuryur īśvaro yajamānaṃ purāyuṣaḥ pramathitor anādṛtya hi tāv imaṃ lokam amum eva lokam abhisaṃpraitām iti. hāviṣmatam evottarasyāhna uktheṣu brahmasāma kuryuḥ. tathā sarvam āyur eti, gacchati svargaṃ lokam

Dieser Opferritus, der Dvirātra, ist fürwahr gleichsam zerschnitten (vicchinna). Der erste Tag entspricht der Gāyatrī, der zweite der Triṣṭubh. Man fragt aber: »Wo bleiben dann Jagatī und Anuṣṭubh?« Man lasse den ersten Tag der Gāyatrī entsprechen, den zweiten aber Triṣṭubh, Jagatī und Anuṣṭubh zugleich, zur ununterbrochenen Fortsetzung der Versmaße. »Hoch ist deine Geburt durch den Trank« – so werden sie »andhasvatī« (trankreich); trankreich nämlich ist das Wesen der Jagatī – dadurch weichen sie nicht von der Wesensart der Jagatī ab. Es gibt ein Vaikhānasa-Sāman, das jagatīsch ist; eben dadurch weichen sie nicht von der Wesensart der Jagatī ab. Es gibt ein Dvaigata; es gibt ein Dvihiṃkāra. Diese beiden Sāmans haben die Gestalt des Dvirātra; eben dadurch weichen sie nicht von der Gestalt des Dvirātra ab. Von diesen beiden Sāmans gilt jeweils das eine oder das andere – so, dass es gleichsam mit beiden Füßen zugleich festen Stand fände. Es gibt Suvar (Sonnenlicht) und Jyotis (Licht). Suvar nämlich ist der erste Tag, Jyotis der zweite, zur Fortsetzung der beiden Tage und zu ihrem gemeinsamen Beginn. Die beiden Sāmans des Haviṣmant und Haviṣkṛt sind himmlisch, zur vollständigen Erlangung der Himmelswelt. Dazu sagt man: Würde man beide Sāmans in rascher Folge verwenden, so beraubte gleichsam ein Gebieter den Opferherrn seiner vollen Lebensspanne – so wie jene beiden, ohne Rücksicht, von dieser Welt geradewegs in jene andere Welt hinübergingen. Man soll daher eben das Hāviṣmata-Sāman unter den Uktha-Versen des zweiten Tages zum Brahmasāman machen. So erlangt man die volle Lebensspanne und gelangt zur Himmelswelt.

[Anm.: Die letzte philologisch schwierige Passage vor dem abschließenden Ausblick betrifft die Warnung vor einer zu raschen Aufeinanderfolge der Haviṣmant-/Haviṣkṛt-Sāmans: Der Sanskrit-Text (»īśvaro yajamānaṃ purāyuṣaḥ pramathitor anādṛtya hi tāv imaṃ lokam amum eva lokam abhisaṃpraitām«) ist an dieser Stelle nur ungefähr zu erschließen; die Übersetzung folgt der naheliegenden Deutung, dass eine übereilte, ›rücksichtsloseʻ Verwendung beider Sāmans das Schicksal der sorglosen Haviṣmant und Haviṣkṛt aus 2.235 heraufbeschwören und die Lebensspanne des Opferherrn verkürzen könnte – eine Gefahr, die durch die vorgeschriebene Platzierung des Hāviṣmata-Sāman als Brahmasāman des zweiten Tages abgewendet wird. Damit schließt der Dvirātra-Abschnitt inhaltlich an den Mythos aus 2.235 an.]

atha yasyaitasya jyotir ukthyaḥ pūrvam ahar bhavaty āyur atirātra uttaram, eteno hābhipratāraṇa īje rājā prajākāmaś ca khalatī ca daivovātī avacicchitsamānaḥ. tato vai so ’va khalatīdaivovātī acchiṃtta. imām iyatīṃ prajām adhyagacchat. trīṇy anyasyātiricyante, dvābhyām anya ūnaḥ. trīṇi tāni puṃso ’tiriktāni yais sa mithunena prajanena prajāyate ya evaṃ veda. tā ubhe stotryās saṃpadyante sapta ca śatāny ekaviṃśatiś ca - tāvanti saṃvatsarasyāhorātrāṇi. ahorātre vai kṛtsnaḥ prajāpatiḥ - kṛtsnaṃ prajāpatim ṛdhnavāma kṛtsno naḥ prajāpatir upeto ’sad iti. atha yaikā stotryātiricyate, yajamānaloko haiva saḥ. śaśvad dhainaṃ brāhmaṇa uvāca - nāsyāparaḥ prajāyām etādṛṅ vīro nānājanitoḥ. ātmana eva lokam akṛta na prajāyā, ekam imaṃ hy eva lokam abhyupāgād iti

Wer nun als ersten Tag einen Jyotiḥ-Ukthya hat und als zweiten einen Āyur-Atirātra – mit diesem opferte fürwahr König Abhipratāriṇa, nach Nachkommenschaft verlangend und entschlossen, den Streit um Khalatī und Daivavātī zu entscheiden. Da entschied er fürwahr den Streit um Khalatī und Daivavātī. So viel an Nachkommenschaft erlangte er – nicht mehr. Drei sind beim einen im Übermaß, um zwei ist der andere im Mangel. Diese drei sind die Überschüsse des Mannes, durch die er, wenn er dies so weiß, sich in paarweiser Zeugung fortpflanzt. Beide Stotriyā-Reihen zusammen ergeben siebenhundertundeinundzwanzig – so viele Tag-und-Nächte hat das Jahr. Tag-und-Nacht nämlich ist Prajāpati als Ganzes – »Prajāpati als Ganzes mögen wir erlangen, Prajāpati als Ganzer möge zu uns kommen!« Diejenige eine Stotriyā aber, die darüber hinausgeht, ist eben der eigene Anteil des Opferherrn selbst. Immer wieder sagte der Brahmane über ihn: »Kein zweiter Held solcher Art wird ihm noch unter seiner Nachkommenschaft geboren. Nur für sich selbst hat er sich eine Welt geschaffen, nicht für seine Nachkommenschaft; nur diese eine Welt hat er sich fürwahr erworben.«

[Anm.: König Abhipratāriṇa ist bereits aus 2.206 bekannt, wo seine Fehlanwendung eines Ritus zum Verlust von Kurukṣetra an die Salvas führte; hier erscheint er erneut in einer nicht minder nachdenklichen Episode. Die Namen »Khalatī« und »Daivavātī« bleiben unidentifiziert – vermutlich bezeichnen sie einen Streitfall (möglicherweise um Landbesitz oder Nachfolge), den der König durch dieses Opfer endgültig zu klären suchte. Der abschließende, wiederholt vom Brahmanen gesprochene Satz ist ungewöhnlich unverblümt kritisch: Trotz des Opfers erlangte Abhipratāriṇa nur begrenzte Nachkommenschaft, keinen ebenbürtigen Nachfolger, und sicherte sich nur für sich selbst, nicht aber für seine Linie, einen Platz in der Himmelswelt – eine seltene Reflexion über die Grenzen ritueller Wirksamkeit über Generationen hinweg. Die Zahl 721 (statt der andernorts, z. B. 2.205, etablierten 720 Tag-und-Nächte des Jahres) wird ausdrücklich durch die zusätzliche, dem Opferherrn selbst zugeordnete Stotriyā erklärt.]

tad dhānubudhyovāca - yathādaivaṃ tyasya prajāyā astu. khalatī devedevo ’haṃ daivovātī avācchaitsīti. tathā hainaṃ tāv abhitepatus tathāpi śuśucatuḥ. tad idaṃ tad eva. ime hābhipratāraṇā iyanto, no aparas tādṛṅ vīra ājāyate. atha yasyaitasya trivṛtpañcadaśābhyāṃ viparyāsam. pūrvam ahar agniṣṭomo bhavati. sarvastomo ’tirātra uttaram. prajananakāmo haitena yajeta. trivṛtpañcadaśau stomau bhavata ūnātiriktau mithunau prajanī. ūnam anyasyātiriktam anyasya. ūnātiriktād vai mithunāt prajāḥ paśavaḥ prajāyante. tat tatprajananaṃ kriyate. tasya rathantaraṃ pṛṣṭhaṃ bhavati. prajananaṃ vai rathantaram. tat tatprajananaṃ kriyate. tasya dvādaśa stotrāṇi bhavanti. dvādaśa māsās saṃvatsaraḥ. saṃvatsaraḥ prajananam. tat tatprajananaṃ kriyate. tasya caturviṃśati stutaśastrāṇi bhavanti. caturviṃśatyardhamāsas saṃvatsaraḥ. saṃvatsaraḥ prajananam. tat tad abhipūrvaṃ prajananaṃ kriyate. pra prajayā paśubhir jāyate ya evaṃ veda. sarvastomo ’tirātro bhavati sarveṣāṃ lokānāma abhijityā abhikrāntyai. sarvaṃ hīdaṃ stomā eva. atho yān imān ekaikān stomān upāgāma tān sārdham ṛddhvā teṣu pratiṣṭhāyodṛcam aśnavāmahā iti

Darauf sagte Anubudhya: »Wie es göttlich bestimmt ist, so sei es mit seiner Nachkommenschaft. Khalatī – ich, ein Gott unter Göttern – habe Daivavātī entschieden!« So brannten die beiden ihn ringsum an, und so litten sie dennoch weiter. Genau dies gilt bis heute: Nur so viele sind es, diese Ābhipratāriṇas, und kein weiterer Held solcher Art wird unter ihnen geboren. Wer nun bei diesem eine Umkehrung von Trivṛt und Pañcadaśa hat – der erste Tag ist ein Agniṣṭoma, der zweite ein Atirātra-Sarvastoma –, der Zeugung Begehrende soll mit diesem opfern. Der Trivṛt und der Pañcadaśa werden zu den beiden Stomas, mangelhaft und überschüssig zugleich, ein zeugungskräftiges Paar. Der eine ist mangelhaft, der andere überschüssig. Aus einem mangelhaft-überschüssigen Paar nämlich werden Nachkommenschaft und Vieh gezeugt. Eben dies wird zur Zeugung gemacht. Sein Pṛṣṭha ist das Rathantara. Zeugung nämlich ist das Rathantara. Eben dies wird zur Zeugung gemacht. Es hat zwölf Stotras. Zwölf Monate hat das Jahr. Das Jahr ist Zeugung. Eben dies wird zur Zeugung gemacht. Es hat vierundzwanzig Stuta-Śastra-Paare. Vierundzwanzig Halbmonate hat das Jahr. Das Jahr ist Zeugung. Eben dies wird der Reihe nach zur Zeugung gemacht. Er zeugt sich fort durch Nachkommenschaft und Vieh, wer dies so weiß. Der Atirātra wird zum Sarvastoma, zur Eroberung und zum Durchdringen aller Welten. Denn dies alles sind eben nur Stomas. Und ferner: »Diese Stomas, zu denen wir einzeln gelangt sind – nachdem wir gemeinsam mit ihnen gediehen und in ihnen festen Stand gewonnen haben, mögen wir den Aufwärtsvers erlangen!«

[Anm.: Der Abschluss der Abhipratāriṇa-Episode bleibt rätselhaft: Die Gestalt »Anubudhya« und die Namen »Khalatī«/»Daivavātī« lassen sich nicht sicher identifizieren; die Übersetzung gibt den Wortlaut so wörtlich wie möglich wieder. Bemerkenswert ist die ausdrückliche Feststellung »genau dies gilt bis heute« (tad idaṃ tad eva), die die zuvor in 2.238 zitierte Klage des Brahmanen als bis in die Gegenwart des Textes fortbestehende Tatsache bestätigt. Der zweite, thematisch unabhängige Teil des Abschnitts wiederholt wörtlich die Schlussformel aus 2.236, ein weiteres Beispiel für die im Text wiederholt beobachtete Wiederverwendung ganzer Formelblöcke.]

atha yasyaitasya trivṛt pañcacadaśaḥ saptadaśa iti pūrvam ahar bhavaty, ekaviṃśas triṇavas trayastriṃśa ity uttaraṃ, svargakāmo haitena yajeta. ūrdhvā ete stomā bhavanti. ūrdhvo vai svargo lokaḥ. svargasyaiva lokasya samaṣṭyai. abhikrāntastomā bhavanti. abhikrāntena ha vai yajñasya bhuñjate. etena ha vai tad dhaviṣmāṃś ca haviṣkṛc ca sadya svargaṃ lokam iyatuḥ. tasya parāṃcy eva stotrāṇi bhavanti, parāñci śastrāṇi bhavanti, parāñci pṛṣṭhāni, parācīr viṣṭutayaḥ, parāṅ eva sarvo bhavati. tena haitenottaravayasy eva yajeta yad emaṃ lokaṃ na pratyavakāṃkṣed, yadāsmin loke na nidhitsed, yad asmāl lokād amum eva lokam abhi saṃprajigāṃset. sa hainena yajeta. iṣṭvā haiva svargaṃ lokam eti. tasminn u ha tarhya ubhe hāviṣmata - hāviṣkṛte kuryu svargye, svargasya lokasya samaṣṭayai. tasyāhus sapta ca śatāni viṃśatiś ca stotryās saṃpādayeyur iti. tāvanti saṃvatsarasyāhorātrāṇi. saṃvatsarād eva tan na yanti. atho āhur yāvatīr evaitasya jyotir gaur āyur iti tryahasya stotryās tāvatīr asya stotryās saṃpādyeyur iti. tena tryaharūpān na yanti. atho āhus sahasram evāsya stotryās saṃpādayeyur iti. sahasraṃ vai trirātrasya stotryāḥ. trirātrarūpād eva tan na yanti. eṣa ha vai samṛddho dvirātro yas trirātrasya saṃpadā tāyate yo vā trirātraś catūrātrasya

Wer nun bei diesem als ersten Tag Trivṛt, Pañcadaśa, Saptadaśa hat und als zweiten Ekaviṃśa, Triṇava, Trayastriṃśa, der nach der Himmelswelt Verlangende soll mit diesem opfern. Diese Stomas sind aufwärts gerichtet. Aufwärts nämlich ist die Himmelswelt. Dies dient eben der vollständigen Erlangung der Himmelswelt. Sie sind vorandringende (abhikrānta) Stomas. Denn durch das Vorandringen genießt man fürwahr das Opfer. Mit diesem gelangten fürwahr Haviṣmant und Haviṣkṛt sogleich zur Himmelswelt. Bei diesem sind die Stotras durchweg vorwärtsgerichtet, die Śastras vorwärtsgerichtet, die Pṛṣṭhas vorwärtsgerichtet, die Viṣṭutis vorwärtsgerichtet – alles wird eben vorwärtsgerichtet. Mit eben diesem soll man daher erst in späteren Lebensjahren opfern, wenn man sich nicht mehr nach dieser Welt zurücksehnt, wenn man sich in dieser Welt nichts mehr aufzuspeichern wünscht, wenn man von dieser Welt geradewegs zu jener anderen Welt vordringen will. Der soll mit diesem opfern. Geopfert habend, gelangt er fürwahr zur Himmelswelt. Dabei soll man dann beide, das Hāviṣmata- und das Hāviṣkṛta-Sāman, himmlisch gestalten, zur vollständigen Erlangung der Himmelswelt. Dazu sagt man: Seine Stotriyās sollten siebenhundertzwanzig ergeben – so viele Tag-und-Nächte hat das Jahr; dadurch weichen sie nicht vom Jahr ab. Und ferner sagt man: So viele Stotriyās das »Jyotir-Gaur-Āyus« genannte Dreitage-Opfer hat, so viele sollen auch diesem zukommen; dadurch weichen sie nicht von der Dreitage-Gestalt ab. Und ferner sagt man: Tausend sollten seine Stotriyās ergeben; tausend nämlich sind die Stotriyās des Trirātra; dadurch weichen sie nicht von der Trirātra-Gestalt ab. Dieser Dvirātra ist fürwahr dann vollkommen (samṛddha), wenn er sich mit der Fülle des Trirātra ausdehnt – ebenso ein Trirātra mit der des Catūrātra.

[Anm.: Ein weiterer Dvirātra für Betagte, die sich bewusst von dieser Welt lösen und ›vorwärtsʻ, ohne Rückblick, zur Himmelswelt drängen wollen – ein ungewöhnlich existenzieller, geradezu meditativer Zug innerhalb der sonst technisch-ritualistischen Darstellung. Haviṣmant und Haviṣkṛt erscheinen hier – anders als in ihrem ursprünglichen Mythos (2.235), wo sie durch jahrelange sorglose Verfehlung ihren Vorfahren erst nachträglich folgen mussten – nun als Musterbeispiel eines sofortigen (sadyaḥ) Gelingens. Der Schlussatz über die stufenweise ›Anreicherungʻ eines kürzeren Ritus mit der Stotriyā-Fülle eines längeren (Dvirātra mit Trirātra-Maß, Trirātra mit Catūrātra-Maß) bildet die Überleitung zum in 2.241 beginnenden Trirātra-Abschnitt.]

athaite trirātrāḥ. trirātreṇa vai devā eṣu lokeṣv ārdhnuvaṃs trirātreṇa svargaṃ lokam āyan. vāg vai trirātraḥ. vāco rūpeṇājyāni cāhāni vibhajyante. ekākṣarā vai vāk, tryakṣaram akṣaram. akṣarasya rūpeṇa vibhajyante. trayo gandharvāḥ. teṣām eṣā bhaktir - agneḥ pṛthivī, vāyor antarikṣam, asāv ādityasya dyauḥ. tad eṣābhyanūcyate - rayaḥ kṛṇvanti bhuvaneṣu retas tisraḥ prajā āryā jyotir agrāḥ. trayo gharmāsa uṣasaṃ sacante sarvā it tām̐ anu vidur vasiṣṭhāḥ. iti. tad yad āha trayaḥ kṛṇvanti bhuvaneṣu reta ity agniḥ pṛthivyāṃ retaḥ kṛṇoti, vāyur antarikṣa, ādityo divi. tisraḥ prajā āryā jyotir agrā iti -

Nun folgen diese Trirātras (Dreinacht-Opfer). Durch den Trirātra gediehen fürwahr die Götter in diesen Welten; durch den Trirātra gelangten sie zur Himmelswelt. Rede (vāc) nämlich ist der Trirātra. Nach der Gestalt der Rede werden die Ājya-Tage aufgeteilt. Einsilbig nämlich ist die Rede, dreisilbig die Silbe (akṣara). Nach der Gestalt der Silbe werden sie aufgeteilt. Es gibt drei Gandharvas. Ihr jeweiliger Anteil ist dieser: Agnis ist die Erde, Vāyus der Luftraum, jener Sonne dort ist der Himmel. Dazu wird folgender Vers rezitiert: »Drei erzeugen Samen in den Welten, drei edle Geschöpfe, das Licht als Erstes. Drei Gluthafte begleiten die Morgenröte – dies alles wissen die Vasiṣṭhas wohl.« Dass es heißt »drei erzeugen Samen in den Welten« – Agni erzeugt Samen in der Erde, Vāyu im Luftraum, Āditya im Himmel. »Drei edle Geschöpfe, das Licht als Erstes« –

[Anm.: Der Beginn des Trirātra-Abschnitts mit einem zitierten, ṛgvedisch anmutenden Vers, dessen Auslegung sich über den Abschnittsbruch hinweg bis nach 2.242 fortsetzt (der Vers bricht am Ende von 2.241 mitten in der Interpretation ab). Die Grundstruktur beruht auf der klassischen Dreiteilung Agni-Erde, Vāyu-Luftraum, Āditya-Himmel, hier mit Rede und Silbe (vāc/akṣara, einsilbig/dreisilbig) verknüpft.]

- vasavo rudrā ādityāḥ. teṣām etaj jyotir agraṃ yad asāv ādityaḥ. trayo gharmāsa uṣasaṃ sacanta ity agnir uṣasaṃ sacate, vāyur uṣasaṃ sacata, āditya uṣasaṃ sacate. sarvām̐m̐ it tām̐ anu vidur vasiṣṭhā iti ye vai brāhmaṇāś śuśruvāṃsas te vasiṣṭhās, te hy etat sarvaṃ anu viduḥ. etāvān vāva trirātraḥ. gāyatraḥ prāṇas, traiṣṭubhaṃ cakṣur, jāgataṃ śrotram. trīṇi mithunāni tāny eṣu mithunaṃ dve sambhavato yan mithunāt prajāyate tat tṛtīyam. indro vṛtrāya vajram udayacchat. taṃ viṣṇur anvatiṣṭhat. so ’bravīd asti vā idaṃ tyasmiṃs teja indriyaṃ vīryam. tat ta āharāṇi. mā me prahārṣīr iti. tatheti. tad asmai prāyacchat. tad viṣṇuḥ pratyagṛhṇāt. tasmai dvitīyam udayacchat. taṃ viṣṇur anvatiṣṭhat. so ’bravīd asti vā idaṃ tyasmiṃs teja indriyaṃ vīryam. tat ta āharāṇi. mā me prahārṣīr iti. tatheti. tad asmai prāyacchat. tad viṣṇuḥ pratyagṛhṇāt. tasmai tṛtīyam udayacchat. taṃ viṣṇur anvatiṣṭhat. so ’bravīd - asti vā idaṃ tyasmiṃs teja indriyaṃ vīryam. tat ta āharāṇi. mā me prahārṣīr iti. tatheti. tad asmai prāyacchat. tad viṣṇuḥ pratyagṛhṇāt. tasmin hodāte - sarvaṃ mametīndras, tṛtīyaṃ mameti viṣṇuḥ

– [das sind] die Vasus, Rudras, Ādityas. Ihr »Licht als Erstes« ist eben jene Sonne dort. »Drei Gluthafte begleiten die Morgenröte« – Agni begleitet die Morgenröte, Vāyu begleitet die Morgenröte, Āditya begleitet die Morgenröte. »Dies alles wissen die Vasiṣṭhas wohl« – diejenigen Brahmanen nämlich, die gelehrt sind, sind eben die Vasiṣṭhas; denn sie wissen dies alles wohl. So viel eben ist der Trirātra. Der Atem (prāṇa) ist gāyatrisch, das Auge triṣṭubhisch, das Ohr jagatisch. Dies sind drei Paare; bei diesen kommen zwei als Paar zusammen, und was aus dem Paar geboren wird, das ist das Dritte. Indra erhob den Vajra (Donnerkeil) gegen Vṛtra. Viṣṇu stand hinter ihm. Da sprach er (Indra): »Es ist doch in diesem da Glut, Sinneskraft, Manneskraft. Das will ich mir von dir holen. Schlage mich nur nicht!« – »So sei es.« Da gab er (Viṣṇu) es ihm. Viṣṇu nahm es zurück. Ein zweites Mal erhob er ihn gegen ihn. Viṣṇu stand hinter ihm. Da sprach er: »Es ist doch in diesem da Glut, Sinneskraft, Manneskraft. Das will ich mir von dir holen. Schlage mich nur nicht!« – »So sei es.« Da gab er es ihm. Viṣṇu nahm es zurück. Ein drittes Mal erhob er ihn gegen ihn. Viṣṇu stand hinter ihm. Da sprach er: »Es ist doch in diesem da Glut, Sinneskraft, Manneskraft. Das will ich mir von dir holen. Schlage mich nur nicht!« – »So sei es.« Da gab er es ihm. Viṣṇu nahm es zurück. Darüber stritten sich die beiden: »Alles ist mein!«, sprach Indra; »ein Drittel ist mein!«, sprach Viṣṇu.

[Anm.: Die Fortsetzung und der Abschluss der in 2.241 begonnenen Versauslegung münden in eine bemerkenswerte Verallgemeinerung: »Vasiṣṭha« bezeichnet hier nicht mehr nur die leiblichen Nachkommen des Sehers Vasiṣṭha, sondern wird definitorisch auf jeden gelehrten, kundigen Brahmanen ausgeweitet – vergleichbar der Definition der Viśvedevas als Sammelbegriff in 2.210. Im Anschluss beginnt unvermittelt der berühmte Mythos vom Streit zwischen Indra und Viṣṇu um den Vajra: Dreimal in identischer, formelhafter Wiederholung bittet Indra den ihn stützenden Viṣṇu um dessen Glut, Sinneskraft und Manneskraft und erhält sie, doch Viṣṇu nimmt sie jeweils zurück – der daraus entstehende Streit (»alles ist mein« gegen »ein Drittel ist mein«) bleibt am Abschnittsende offen und wird voraussichtlich in den folgenden Abschnitten aufgelöst.]

tau vai pṛcchāvahā iti. tau ha prajāpatāv apṛcchetām. tābhyāṃ haitayā vyuvāca - ubhā jigyathur na parā jayethe na parā jigye kataraś canainoḥ. indraś ca viṣṇo yad apaspṛdhethāṃ tredhā sahasraṃ vi tad airayethām. iti. dvau tava bhāgāv itīndram abravīt, tṛtīyaṃ taveti viṣṇum. etad ābhyāṃ tat sahasraṃ prāyacchat. tasyaiṣāptir yo bandhumān anūcāna syāt tasmai prathame ’hani dadyāt. yathā iyaṃ pṛthivy evaṃ saḥ. pratiṣṭhitā vā iyaṃ, pratiṣṭhitas saḥ. evaṃ saḥ. antarikṣam iti vā idaṃ vidur vedaṃ tasya viduḥ. atha yo bandhumān anūcāna syāt tasmai tṛtīye ’hani dadyāt. yathā vā asau dyaur evaṃ saḥ. dyaur iti vā amuṃ vidur bandhuṃ tasya viduḥ. anvahaṃ daśato dīyante. daśākṣarā virāṭ. vairājo yajñaḥ. saiva sā vyavacchinnā dīyate. anvahaṃ śatāni dīyante. eṣā vai yajñasya mātrā yac chatam. saiva sā vyavacchinnā dīyate. trayastriṃśataṃ ca trīṇi ca śatāni prathame ’hani dadyāt. trayastriṃśataṃ ca trīṇi ca śatāni dvitīye ’hani dadyāt. trayastriṃśataṃ ca trīṇi ca śatāni tṛtīye ’hani dadyāt. athaiṣā sahasratamī trirūpā dvidevatyā. tasyai dvau bhāgau brahmaṇa eko ’gnīdhaḥ

»Lasst uns die beiden befragen!« Die beiden fragten fürwahr Prajāpati. Ihnen beiden verkündete er mit diesem Vers: »Beide habt ihr gesiegt, keiner von euch beiden ist unterlegen, keiner von euch beiden wurde besiegt. Als ihr, Indra und Viṣṇu, miteinander wetteifertet, habt ihr jenes Tausend dreifach aufgeteilt.« »Zwei Anteile sind dein«, sprach er zu Indra, »der dritte ist dein«, zu Viṣṇu. So gab er ihnen beiden jenes Tausend. Dessen Erlangung: Wer verwandtschaftlich verbunden und gelehrt ist, dem gebe man am ersten Tag. Wie diese Erde, so ist er; fest gegründet ist diese Erde, fest gegründet ist er – so ist er. Als »Zwischenraum« kennt man dies auch; man kennt dies als sein Wissen. Wer aber verwandtschaftlich verbunden und gelehrt ist, dem gebe man am dritten Tag. Wie jener Himmel dort, so ist er; als »Himmel« kennt man jenen; man kennt dies als seine Verwandtschaft. Tag für Tag werden Zehnergruppen gegeben. Zehn Silben hat die Virāj. Das Opfer ist vairājisch (der Virāj gemäß). Eben diese, aufgeteilt, wird gegeben. Tag für Tag werden Hundertschaften gegeben. Dies ist ja das Maß des Opfers, nämlich Hundert. Eben dieses, aufgeteilt, wird gegeben. Dreihundertdreiunddreißig soll man am ersten Tag geben. Dreihundertdreiunddreißig soll man am zweiten Tag geben. Dreihundertdreiunddreißig soll man am dritten Tag geben. Diese aber, die tausendste Gabe, ist dreigestaltig und gehört zwei Gottheiten. Von ihr gehören zwei Teile dem Brahman-Priester, einer dem Agnīdh.

[Anm.: Die Auflösung des in 2.242 begonnenen Indra-Viṣṇu-Streits durch Prajāpatis Schiedsspruch – beide haben gesiegt, keiner verloren, doch die Aufteilung erfolgt zwei zu eins zugunsten Indras – wird hier unmittelbar auf die konkrete Dakṣiṇā-Praxis des Trirātra übertragen: Von tausend zu vergebenden Gaben entfallen 333 auf jeden der drei Tage (zusammen 999), während die verbleibende, symbolisch besonders bedeutsame tausendste Gabe im selben Zwei-zu-eins-Verhältnis zwischen Brahman-Priester und Agnīdh aufgeteilt wird – eine elegante Verknüpfung von Mythos und Ritualpraxis. Die genaue Bedeutung der eingeschobenen Bemerkung über »Zwischenraum« als weiteres Erkennungsmerkmal des ersten Empfängers bleibt etwas unklar.]

prajāpatir vā idam agra āsīt. nānyaṃ dvitīyaṃ paśyamānas - tasya vāg eva svam āsīd, vāg dvitīyā - sa aikṣata hantemāṃ vācaṃ visṛje. iyaṃ vāvedaṃ visṛṣṭā sarvaṃ vibhavanty eṣyatīti. tāṃ vāg ity eva vyasṛjata. sordhvād ātanod yathāpāṃ dhārā santataivam. tasyā ety ekam akṣaram acchinat. tad idam abhavat. abhūd vā idam iti. tad bhūmer bhūmitvam. keti dvitīyam. tad idam antarikṣam abhavat. antareva vā idam ubhayam abhūd iti. tad antarikṣasyāntarikṣatvam. ho iti tṛtīyam ūrdhvam udasyat. tad ado ’bhavat. adyutad iva vā ada iti. tad divo divatvam. prajāpatir vā idam agra ekākṣarāṃ vācaṃ tredhā vyabhajat. ta ime lokā abhavan ṛkṣā anupajīvanīyāḥ. so ’śocat, so ’tapyata. sa aikṣata katham ime lokā loma gṛhṇīyuḥ, katham upajīvanavanta syur iti. sa etaṃ trirātraṃ yajñam apaśyat. tam āharat. tenāyajata. tam eṣu lokeṣv anvāyātayat. tato vā ime lokā lomā - gṛhṇaṃs, tata upajīvanavanto ’bhavan. trirātrasya ha khalu vā idaṃ puṣṭaṃ, trirātrasyodaraṇaṃ yad eṣu lokeṣv adhi. gacchati paśūnāṃ dvipadāṃ catuṣpadāṃ bhūmānaṃ ya evaṃ veda

Prajāpati war im Anfang dieses All. Da er keinen anderen, keinen Zweiten sah, war die Rede (vāc) sein Eigenes; die Rede war sein Zweiter. Er erwog: »Wohlan, ich will diese Rede aussenden. Diese wird, einmal ausgesandt, dieses Ganze durchdringen und darüber hinausgehen.« Er sandte sie eben als »Vāk« aus. Sie dehnte sich nach oben aus, wie ein stetig fließender Strom von Wasser. Von ihr schnitt er eine Silbe ab: ›eʻ. Das wurde zu diesem (der Erde). »Es wurde zu diesem« – das ist die Erd-Natur der Erde. ›Keʻ war die zweite. Das wurde zu diesem Zwischenraum. »Dies wurde gleichsam zu beidem, dazwischen« – das ist die Zwischenraum-Natur des Antarikṣa. ›Hoʻ war die dritte; die warf er nach oben. Das wurde zu jenem (dem Himmel). »Es leuchtete gleichsam, jenes« – das ist die Himmel-Natur des Himmels. Prajāpati teilte also im Anfang diese einsilbige Rede dreifach. So entstanden diese Welten, kahl und nicht zum Leben geeignet. Da grämte er sich, da litt er. Er erwog: »Wie nur könnten diese Welten Haar bekommen, wie nur könnten sie zum Leben geeignet werden?« Er erblickte dieses Trirātra-Opfer. Er holte es herbei. Er opferte damit. Er ließ es in diese Welten eingehen. Daraufhin bekamen diese Welten fürwahr Haar, dadurch wurden sie zum Leben geeignet. Dies ist fürwahr die Nahrung des Trirātra, das Hervorquellen des Trirātra, das über diesen Welten liegt. Zur Fülle an Vieh, an zweifüßigen und vierfüßigen Wesen gelangt, wer dies so weiß.

[Anm.: Ein eigenständiger, kraftvoller Schöpfungsmythos: Prajāpati sendet die Rede (vāc) als seinen ›Zweitenʻ aus, und durch das Zerschneiden ihrer namensgebenden Silben in drei Teile (lautmalerisch als ›eʻ, ›keʻ, ›hoʻ wiedergegeben, mit anschließender volksetymologischer Verknüpfung zu bhūmi/Erde, antarikṣa/Zwischenraum und div/Himmel) entstehen die drei Welten – zunächst jedoch »kahl« und unbewohnbar. Erst das Trirātra-Opfer verleiht ihnen das rettende »Haar«, verstanden als pflanzlicher Bewuchs, der sie erst lebensfähig macht – ein Bild, das an die »behaarten« Verse aus 2.226 anknüpft. Die genaue lautliche Gestalt der abgeschnittenen Silben (im Sanskrit e/ke/ho) lässt sich nicht direkt ins Deutsche übertragen und wird daher wörtlich übernommen.]

yatho ha vai maṇau maṇisūtram otaṃ syād evam eṣu lokeṣu trirātra otaḥ. śobhate ’sya mukhaṃ ya evaṃ veda. eṣā ha khalu vai pratyakṣaṃ vāg yaj jihvāgreṇaitad vāco vadati yad eti. madhyenaitad vāco vadati yat keti. sarvayaitad vāco raso ’dhy ūrdhva udvadati yad dho iti. ho iti hi sarvā vāk. tad yad etāni rūpāṇy ājyeṣu cāhassu ca niyujyante. mukhata evaitad vācaṃ visṛjante, mukhato yājñiyaṃ karma. prajāpatir yad vācaṃ vyasṛjata sākṣarad eva. tasyā ety eva prathamam akṣaraṃ, kṣeti dvitīyaṃ, rad iti tṛtīyam. tad yena yena vai rūpeṇa prajāpatir vācaṃ vyasṛjata tena tena rūpeṇājyāny ārabhyante, tena tenāhāny āpyante. akṣareṣṭhā ha khalu vā eṣa yajño yas trirātraḥ. akṣaraṃ tryakṣaram. tryakṣaras trirātraḥ. akṣaraṃ trirātraḥ. sa ha vā enaṃ veda ya enaṃ puruṣasammitaṃ veda - puruṣas trirātraḥ

Wie ein Schnur-Faden durch einen Edelstein gezogen wäre, so ist der Trirātra durch diese Welten gezogen. Sein Antlitz erstrahlt, wer dies so weiß. Dies ist fürwahr, offenkundig, die Rede: Dass man dieses »eti« mit der Zungenspitze spricht. Mit der Mitte spricht man dieses »keti«. Mit dem ganzen Saft der Rede stößt man dieses »ho« nach oben heraus. »Ho« nämlich ist die Rede als Ganzes. Dass diese Laute bei den Ājyas und bei den Tagen eingesetzt werden – aus dem Mund eben entsenden sie damit die Rede, aus dem Mund kommt das Opferwerk. Als Prajāpati die Rede aussandte, da »besilbte« (sākṣarat) er sie geradezu. Von ihr ist ›eʻ die erste Silbe, ›kṣaʻ die zweite, ›raʻ die dritte. Mit welcher Gestalt eben Prajāpati die Rede aussandte, mit eben dieser Gestalt werden die Ājyas begonnen, mit eben dieser die Tage vollendet. Dieses Opfer, der Trirātra, gründet fürwahr auf der Silbe (akṣara). Die Silbe ist dreisilbig. Dreisilbig ist der Trirātra. Die Silbe ist der Trirātra. Der kennt ihn fürwahr, der ihn als menschengleich (puruṣasammita) erkennt – der Trirātra ist der Puruṣa (Urmensch).

[Anm.: Die Fortsetzung des Rede-Mythos aus 2.244 mit einer präziseren, ausdrücklich benannten Silbenfolge: Das Wort »akṣara« (Silbe, zugleich ›das Unvergänglicheʻ) selbst wird in seine drei Bestandteile a-kṣa-ra zerlegt und mit den drei Artikulationsorten der Rede (Zungenspitze, Mitte, ganzer Klang) sowie den drei Tagen des Trirātra verknüpft. Der Abschnitt schließt mit der programmatischen Gleichung Trirātra=Puruṣa (der kosmische Urmensch), die den in 2.246 folgenden Vogel- und Körpervergleich vorbereitet.]

idam eva prathamenāhnā vyakarod yad asyām āyattamūlam, idaṃ dvitīyena yat prāṇāda ejaty, adas tṛtīyena yad varṣati, yan nakṣatrāṇi yad amuṃ lokaṃ bheje. mahāvrataṃ vā etad yad eṣa trirātrasya. yāny eteṣām ahnāṃ bahiṣpavamānāni tac chiraḥ. ye ’bhito ’hanī tau pakṣau. yan madhyamam ahas sa ātmā. agniṣṭomasāmāny eva puccham. atho āhur yad evāsāv udeti tac chiraḥ. ye ’bhito ’hanī tau pakṣau. yan madhyamam ahas sa ātmā. agnir eva puccham. atho āhur ya evāsāv udeti tac chiraḥ. ye ’bhito ’hanī tau pakṣau. yan madhyamam ahas sa ātmā. yad evāstam eti tat puccham iti

Eben dieses (die Erde) gestaltete er mit dem ersten Tag aus, was in ihr wurzelt; dieses (den Zwischenraum) mit dem zweiten, was durch den Atem sich regt; jenes (den Himmel) mit dem dritten, was regnet, die Gestirne, was an jener Welt dort teilhat. Dies eben ist, was am Trirātra das Mahāvrata ist. Die Bahiṣpavamānas dieser Tage sind das Haupt. Die beiden flankierenden Tage sind die Flügel. Der mittlere Tag ist der Rumpf. Die Agniṣṭoma-Sāmans allein sind der Schwanz. Und ferner sagt man: Was dort aufgeht (die Sonne), das ist das Haupt. Die beiden flankierenden Tage sind die Flügel. Der mittlere Tag ist der Rumpf. Agni allein ist der Schwanz. Und ferner sagt man: Was dort aufgeht, das ist das Haupt. Die beiden flankierenden Tage sind die Flügel. Der mittlere Tag ist der Rumpf. Was untergeht, das ist der Schwanz.

[Anm.: Drei nebeneinandergestellte, leicht variierende Fassungen desselben Vogel- bzw. Körperschemas für den Trirātra (Haupt-Flügel-Rumpf-Schwanz), ohne dass der Text eine Fassung bevorzugt – wieder ein Beispiel für das bereits in 2.229 beobachtete Nebeneinander gleichberechtigter Deutungstraditionen. Die dritte Fassung (Sonnenaufgang als Haupt, Sonnenuntergang als Schwanz) bildet einen besonders klaren Tagesbogen. Das Bild knüpft an die verbreitete vedische Vorstellung des Opfers als kosmischem Vogel oder Urmenschen (vgl. die Puruṣa-Gleichung am Ende von 2.245) an.]

vāgdevatyaṃ vai trirātrasya prathamam ahaḥ, prāṇadevatyaṃ dvitīyaṃ, cakṣurdevatyaṃ tṛtīyam. tad āhuḥ kiyāṃs trirātra iti. iyān iti brūyāt. iyad dhy evaitad iti. atho iyān iti brūyāt. iyad dhy evaitad iti. tad yāhur arvāṅ prāṇiti, parāṅ trirātraḥ parāṅ iti. parāṅ iti brūyāt. parāṅ hi vadati, parāṅ prāṇiti, parāṅ paśyati, parāṅ chṛṇoti. atho ha brūyād arvāñca ca parāñca ceti. arvās ca hi parāñ ca vadaty, arvāñ ca parāñ ca prāṇity, arvāñ ca parāñ ca paśyaty, arvāñ ca parāñ ca śṛṇoti. tad āhur ekas trirātrā3 u dvā3 u trayā3 u iti. eka iti brūyād. eko hy evaiṣa yat prāṇo ’pāno vyāna iti. tad āhur ekaṃ bhūyās sahasrā3m iti. ekam iti brūyāt. ekaṃ hy eva bhūyas sahasrāt saṃkhyāneva bhavati

Redebezogen (vāgdevatya) ist der erste Tag des Trirātra, atembezogen (prāṇadevatya) der zweite, augenbezogen (cakṣurdevatya) der dritte. Dazu fragt man: »Wie groß ist der Trirātra?« Man antworte: »So groß.« »Denn eben so groß ist er.« Dazu sagt man: »Man atmet einwärts – ist der Trirātra auswärts gerichtet?« Man antworte: »Auswärts.« Denn auswärts spricht man, auswärts atmet man, auswärts sieht man, auswärts hört man. Man könnte aber auch antworten: »Sowohl einwärts als auch auswärts.« Denn sowohl einwärts als auch auswärts spricht man, sowohl einwärts als auch auswärts atmet man, sowohl einwärts als auch auswärts sieht man, sowohl einwärts als auch auswärts hört man. Dazu fragt man: »Ist der Trirātra Eins, oder Zwei, oder Drei?« Man antworte: »Eins.« Denn eines eben ist dies: Einatem, Ausatem, Zwischenatem. Dazu fragt man: »Ist Eins mehr als Tausend?« Man antworte: »Eins.« Denn eines ist fürwahr, der Zählung nach, mehr als Tausend.

[Anm.: Eine katechismusartige Frage-und-Antwort-Reihe über das Wesen des Trirātra, mit im Sanskrit-Text erhaltener Plutivierung (überlängter, mit ›3ʻ notierter Silbe) bei den Zahlwörtern »trirātra«, »dvā«, »trayā« und »sahasram« – ein authentisches Detail der mündlichen Rezitationspraxis. Die Schlussfrage nach der Überlegenheit der Eins gegenüber der Zahl Tausend spiegelt einen mystisch-monistischen Grundgedanken: die zählende Einheit gilt als dem Gezählten selbst übergeordnet. Die Gleichsetzung mit Einatem, Ausatem und Zwischenatem (prāṇa/apāna/vyāna) knüpft an die im gesamten Text etablierte Atem-Terminologie an.]

vāg eveti. gāyatraṃ vai trirātrasya prathamam ahas, traiṣṭubhaṃ dvitīye, jāgataṃ tṛtīyam. yad vā anyasya trirātrasya viloma tad asya saloma, yad asya saloma tad anyasya viloma. tad yad etat paraṃ sad ahar avaraṃ kriyate, yajamānāyaiva tat paśūn prajanayanti, na hy amuṣmiṃl loke paśavaḥ prajāyante. ete ha khalu vai chandasāṃ vīryavattame yad gāyatrī ca triṣṭup ca. tad yad gāyatrī ca triṣṭup cābhito bhavato, madhye paśavo jagatī, vīryavadbhyām evaitac chandobhyāṃ yajamānāyobhayataḥ paśūn parigṛhṇanty aparāvāpāya. nāsya vittaṃ paropyate ya evaṃ veda. asāv eva trirātro yo ’sau tapati. sa yathodety evam asya prathamam ahar, yathā mādhyandina evaṃ dvitīyam, yathāstam ety evaṃ tṛtīyam. sa ya etad evaṃ veda gacchaty etasya sāyujyaṃ sāṃveśyam

»Die Rede [ist es]«, [so schließt sich der Gedanke]. Gāyatrisch ist der erste Tag des Trirātra, traiṣṭubhisch der zweite, jagatisch der dritte. Was für den einen Trirātra »gegen den Strich« (viloma) ist, das ist für diesen »mit dem Strich« (saloma); was für diesen »mit dem Strich« ist, das ist für den anderen »gegen den Strich«. Dass dieser Tag, der eigentlich der spätere/höhere ist, zum früheren/niederen gemacht wird – dadurch erzeugt man eben für den Opferherrn Vieh; denn in jener Welt dort wird kein Vieh gezeugt. Diese beiden, Gāyatrī und Triṣṭubh, sind fürwahr die kraftvollsten unter den Versmaßen. Dass Gāyatrī und Triṣṭubh auf beiden Seiten stehen und in der Mitte, als Vieh, die Jagatī – dadurch umschließen sie mit diesen beiden kraftvollen Versmaßen von beiden Seiten das Vieh für den Opferherrn, damit nichts verlorengeht. Sein Besitz geht nicht verloren, wer dies so weiß. Eben jener Trirātra ist jene Sonne dort, die glüht. Wie sie aufgeht, so ist sein erster Tag; wie sie am Mittag steht, so der zweite; wie sie untergeht, so der dritte. Wer dies so weiß, gelangt zur Vereinigung, zum Zusammenwohnen mit ihr.

[Anm.: Der Abschluss des gesamten Trirātra-Abschnitts (2.241-248) mit einer letzten technischen Ausdeutung (das Bild von »gegen/mit dem Strich«, viloma/saloma, knüpft an die »Haar«-Metaphorik aus 2.244 an) und dem eindrucksvollen Bild der von Gāyatrī und Triṣṭubh beiderseits eingehegten Jagatī als Vieh – dieselbe Schutz-Struktur, die bereits in 2.187 für Bṛhat und Rathantara beschrieben wurde. Der krönende Abschluss identifiziert den Trirātra mit dem Tageslauf der Sonne selbst und verheißt dem Kenner die »Vereinigung« mit ihr.]

indro vai marutas samajinot svāṃ viśaṃ somāya rājñe pratiprocya. tadanukṛtīdam apy etarhi rājñe pratiprocya viśaṃ jinvanti. tad yamo ’nvabudhyata sahasram ajyāsiṣṭām iti. sa āgacchat. sa etyābravīt upa māsmin sahasre hvayethām iti. tatheti. tam upāhvayetām. sa yamo ’smin sahasre ’pi gām apaśyat sahasrasya gavāṃ payo bibhratīm. tāv abravīt iyam eva mama yuvayor etad itarad iti. tāv itarāv abrūtāṃ yad vāva tvam etasyāṃ paśyasi tad āvaṃ paśyāva iti. so ’bravīt tayā vā etā eva vikaravāmahā iti. te tayaiva vyakurvata. te ’bruvann aṃśān harāmahai yasmai naḥ prathamaiṣyatīti. te ’ṃśān āharanta. somasya prathamait. athaindrasyātha yamasya. tām apsu prāveśayan

Indra stachelte die Maruts an, indem er sie König Soma gegenüber als seinen eigenen Stamm bezeichnete. In Nachahmung dessen stachelt man auch heute noch, gegenüber dem König, den eigenen Stamm auf diese Weise an. Da bemerkte Yama: »Die beiden haben ein Tausend gewonnen!« Er kam herbei. Er sprach, als er ankam: »Ladet auch mich zu diesem Tausend ein!« – »So sei es.« Sie luden ihn ein. Da erblickte Yama, an diesem Tausend teilhabend, eine Kuh, die die Milch von tausend Kühen trug. Er sprach zu den beiden: »Diese hier ist mein, jenes andere ist euer beider Anteil.« Die beiden anderen sprachen: »Was auch immer du an ihr siehst, das sehen auch wir beide.« Da sprach er: »Wohlan, mit ihr wollen wir dies eben aufteilen.« Mit ihr eben teilten sie es auf. Sie sprachen: »Lasst uns die Anteile nehmen, je nachdem, wem er zuerst zukommt!« Sie holten ihre Anteile. Somas kam zuerst, dann Indras, dann Yamas. Sie ließen sie ins Wasser eingehen.

[Anm.: Der Beginn des berühmten Mythos von der Somakrayaṇī, der »Soma-Kaufkuh« – einer der bekanntesten ätiologischen Erzählungen der vedischen Ritualliteratur. Der einleitende Satz über Indras Vorstellung der Maruts als eigenen Stamm vor König Soma wird ausdrücklich als Vorbild einer bis in die Gegenwart des Textes andauernden politischen Praxis bezeichnet. Die im Wasser verschwindende, tausendfache Milch tragende Kuh bereitet die in 2.250 folgende dreifache Wiedererscheinung in unterschiedlicher Gestalt für Soma, Indra und Yama vor.]

tām abruvan - somāyodehi tṛtīyena cātmanas tṛtīyena ca sahasrasyeti. sā babhruḥ piṃgākṣy udait, tṛtīyena cātmanas tṛtīyena ca sahasrasya. saiṣā somakrayaṇī. tṛtīyena ca ha vai tasyai tṛtīyena ca sahasrasya saha somo rājā krīto bhavati. tāṃ punar evāpsu prāveśayan. tām abruvann - indrāyodehi tṛtīyena cātmanas tṛtīyena ca sahasrasyeti. sā śabalī paṣṭhauhy udait tṛtīyena cātmanas tṛtīyena ca sahasrasya. saiṣendreṣyā dīyate. tṛtīyena ca ha vai tasyai tṛtīyena ca sahasrasya saha sā dattā bhavati. tāṃ punar evāpsu prāveśayan. tām abruvan - yamāyodehi tṛtīyena cātmanas tṛtīyena ca sahasrasyaiti. sā dhūmrā dityauhy udaid īrmato hrasīyasī paścād varṣīyasī jaratīva kuṣṭhā’śṛṃgī tṛtīyena ca sahasrasya saha sānustaraṇī kṛtā bhavati, no hācakrur iva manyeta

Sie sprachen zu ihr: »Steige auf für Soma, mit einem Drittel deiner selbst und einem Drittel des Tausend!« Sie stieg braun, mit bernsteinfarbenen Augen, auf, mit einem Drittel ihrer selbst und einem Drittel des Tausend. Dies ist eben die Somakrayaṇī (Soma-Kaufkuh). Mit einem Drittel von ihr und einem Drittel des Tausend wird fürwahr König Soma gekauft. Sie ließen sie wieder ins Wasser eingehen. Sie sprachen zu ihr: »Steige auf für Indra, mit einem Drittel deiner selbst und einem Drittel des Tausend!« Sie stieg gescheckt, als Paṣṭhauhī-Kuh, auf, mit einem Drittel ihrer selbst und einem Drittel des Tausend. Diese wird als Indra-Gabe dargebracht. Mit einem Drittel von ihr und einem Drittel des Tausend wird sie fürwahr gegeben. Sie ließen sie wieder ins Wasser eingehen. Sie sprachen zu ihr: »Steige auf für Yama, mit einem Drittel deiner selbst und einem Drittel des Tausend!« Sie stieg rauchfarben auf, als Dityauhī-Kuh, vorn kleiner, hinten größer, wie eine alte Kuh, verkrüppelt und hornlos, mit einem Drittel ihrer selbst und einem Drittel des Tausend – sie wird zur Anustaraṇī (der Bedeckungskuh) gemacht, damit man nicht meine, man sei leer ausgegangen.

[Anm.: Die dreifache Wiedererscheinung der Kuh aus dem Wasser: für Soma braun und schön (als Somakrayaṇī, mit der der Somakönig tatsächlich im Ritual erworben wird), für Indra gescheckt (als Paṣṭhauhī, vgl. die Dakṣiṇā-Liste in 2.202), für Yama jedoch ausdrücklich unansehnlich, verkrüppelt und hornlos beschrieben – passend zu Yama als Totengott wird sie zur »Anustaraṇī«, der beim Soma-Opfer verwendeten Bedeckungskuh mit Bezug zu Bestattungsriten. Die ausdrückliche Versicherung, ihr Wert bleibe trotz des unansehnlichen Äußeren gleich (ein Drittel des Tausend), unterstreicht die Pointe: gleicher Wert trotz ungleicher äußerer Erscheinung.]

tad āhur nāmuṣmin loke sahasrasyāvakāśo ’sti. ātman evaiva na vātmane ca. neti. tad āhuḥ kiyad ita svargo loka iti. yāvat sahasraṃ gaur gavy adhi pratiṣṭhitā tāvad iti brūyāt. atho yāvat sahasraṃ prāṇais saṃ prāṇantīty, atho yāvat sahasram āśvīnānīty, atho yāvat sahasraṃ prāṇais saṃ prāṇantīty, atho yāvat sahasram āśvīnānīty, atho yāvat sahasraṃ yojanānīty, atho yāvat sahasram ahnayānīti. tad gavā gavaivāpnoti. sā yaiṣā śabalī paṣṭhauhy upannam eṣāmuṣmin loke kāmadughā bhūtvā tiṣṭhate. ya evaṃ veda tārpyam pratyasya dakṣiṇā nayati, sahasrasya sayonitāyai. sahasraṃ vai yad asṛjyata. tasya tārpyam eva yonir āsīt. tad yat tārpyaṃ pratyasya sa dakṣiṇā nayati sayony eva tat sahasraṃ karoti. upa hainaṃ sahasraṃ dadivāṃsaṃ yonisahasraṃ tiṣṭhate ya evaṃ veda. sā yā sahasratamī syāt tasyai karṇam ājaped iḷe rante mahi viśruti śukre candre havye kāmye ’dite sarasvaty etāni te ’ghnye nāmāni, deveṣu nas sukṛto brūtād iti. sukṛtaṃ ha vā enaṃ deveṣv āha. tām kalaśam apaghrāpayaty apajighra kalaśaṃ, mahyā tvā viśantv indavas, sā no dhukṣas sahasram urudhārā payasvatīti. upa hainaṃ sahasraṃ dadivāṃsaṃ sahasraṃ tiṣṭhate ya evaṃ veda

Dazu sagt man: In jener Welt gibt es keinen Raum für das Tausend. Nur für das Selbst allein, nicht auch für das Seine. »Nein« [lautet die Antwort]. Dazu fragt man: »Wie weit von hier ist die Himmelswelt?« Man antworte: »So weit, wie tausend Kühe, eine auf der anderen stehend, reichen würden.« Und ferner: »So weit, wie tausend Atemzüge, im Gleichklang geatmet.« Und ferner: »So weit, wie tausend Pferdelängen.« Und ferner: »So weit, wie tausend Yojanas.« Und ferner: »So weit, wie tausend Tagesreisen.« Das erreicht man durch eine Kuh, eben durch eine Kuh. Diese gescheckte Paṣṭhauhī-Kuh, nachdem sie dies erlangt hat, steht in jener Welt dort als wunscherfüllende Kuh (kāmadughā). Wer dies so weiß, führt die Dakṣiṇā zurück zum Tārpya, zur Wiedervereinigung des Tausend mit seinem Ursprung. Das Tausend nämlich, das erschaffen wurde – dessen Ursprung war eben das Tārpya. Dass er die Dakṣiṇā zum Tārpya zurückführt – dadurch macht er jenes Tausend eben wieder eins mit seinem Ursprung. Bei ihm, der das Tausend gegeben hat, steht das Tausend mit seinem Ursprung, wer dies so weiß. Derjenigen Kuh, die die tausendste wäre, flüstere man ins Ohr: »Iḷā, Rantā, Mahī, Viśruti, Śukrā, Candrā, Havyā, Kāmyā, Aditi, Sarasvatī – dies sind deine Namen, du Unverletzliche (Aghnyā) – sag uns unter den Göttern als Wohltäter an!« Sie erklärt ihn fürwahr unter den Göttern zum Wohltäter. Man lässt sie am Gefäß riechen: »Rieche am Gefäß! Mögen die Somatropfen mächtig in dich eingehen! Mögest du uns ein Tausend melken, weitströmend, milchreich!« Bei ihm, der das Tausend gegeben hat, steht das Tausend, wer dies so weiß.

[Anm.: Nach der theologischen Klärung, dass die Himmelswelt nur für das nackte Selbst, nicht für Besitz Raum biete, folgen mehrere, teils wörtlich wiederholte (die Übersetzung fasst die im Quelltext doppelt auftretenden Klauseln zu ›Atemzügenʻ und ›Pferdelängenʻ einmal zusammen) Entfernungsmaße für die Himmelswelt. Höhepunkt ist die kunstvolle Flüsterformel mit neun mystischen Namen der heiligen, »unverletzlichen« Kuh (Aghnyā – der klassische vedische Ehrentitel der Kuh), gefolgt von der Gefäß-Riechformel beim eigentlichen Somakauf. »Tārpya« bezeichnet ein technisches Ritualelement (vermutlich mit tarpaṇa, ›Sättigung/Libationʻ, verwandt), das hier als der eigentliche ›Ursprungʻ des mythischen Tausend fungiert.]

prajāpatir vāvedam agra āsīt. so ’kāmayata - bahu syāṃ, prajāyeya, bhūmānaṃ gaccheyam iti. sa tapo ’tapyata. sa vācam asṛjat. vāco gāṃ niramimīta. sa aikṣatālaṃ vai tasmā asmi yat sṛjeyet. tad annaṃ labheta yat sṛjeya, hanta sṛjā iti. sa vasūn asṛjata, sa rudrān, sa ādityān. taṃ vasava upāsīdann astu na svam iti. tebhya etāṃ gāṃ prāyacchat. tāṃ saṃvatsaram arakṣanta. saibhyas saṃvatsare trayastriṃśataṃ ca trīṇi ca śatāni prājanayat. tāṃ punar ājāyat. taṃ rudrā upāsīdann astu na svam iti. tebhya etāṃ gāṃ prāyacchat. tāṃ saṃvatsaram arakṣanta. saibhyas saṃvatsare trayastriṃśataṃ ca trīṇi ca śatāni prājanayat. tāṃ punar ājāyata. tam ādityā upāsīdann astu na svam iti. tebhya etāṃ gāṃ prāyacchat. tāṃ saṃvatsaram arakṣanta. saibhyas saṃvatsare trayastriṃśataṃ ca trīṇi ca śatāni prājanayat. tat sahasram abhavat. saiva sahasratamī. tāṃ punar ājāyata. sa yo haivaṃ vidvān gā rakṣate pra haivāsya sahasram āpnuvanti. tasmād u haivaṃvidā rakṣitavyā eva. gāvas te ’bruvann - alaṃ vai tasmai smo yat sahasreṇa yajemahi. eta sahasreṇa yajāmahā iti

Prajāpati war im Anfang dieses All. Er wünschte sich: »Möge ich viele werden, mich fortpflanzen, zu Fülle gelangen!« Er übte Askese. Er erschuf die Rede. Aus der Rede formte er eine Kuh. Er erwog: »Nun bin ich diesem gewachsen, dass ich erschaffen sollte. Was ich erschaffen werde, das wird Speise erlangen. Wohlan, so will ich denn erschaffen!« Er erschuf die Vasus, er die Rudras, er die Ādityas. Die Vasus näherten sich ihm: »Sie sei unser Eigen!« Er gab ihnen diese Kuh. Sie hüteten sie ein Jahr lang. Sie gebar ihnen im Jahr dreihundertdreiunddreißig. Sie wurde wieder neu geboren. Die Rudras näherten sich ihm: »Sie sei unser Eigen!« Er gab ihnen diese Kuh. Sie hüteten sie ein Jahr lang. Sie gebar ihnen im Jahr dreihundertdreiunddreißig. Sie wurde wieder neu geboren. Die Ādityas näherten sich ihm: »Sie sei unser Eigen!« Er gab ihnen diese Kuh. Sie hüteten sie ein Jahr lang. Sie gebar ihnen im Jahr dreihundertdreiunddreißig. Das wurde zu einem Tausend. Sie selbst ist die Tausendste. Sie wurde wieder neu geboren. Wer, dies wissend, Kühe hütet, dem erlangen sie fürwahr ein Tausend. Deshalb sollen sie eben von einem, der dies weiß, gehütet werden. Die Kühe sprachen zu ihm: »Wir reichen fürwahr aus, dass man mit uns, als Tausend, opfern könnte. Wohlan, lasst uns mit dem Tausend opfern!«

[Anm.: Die kosmogonische Tiefenschicht, die den gesamten vorangegangenen Somakrayaṇī-Mythos (2.249-251) erst erklärt: Aus Prajāpatis Rede geht eine Kuh hervor, die, nacheinander an Vasus, Rudras und Ādityas verliehen, in je einem Jahr genau 333 Nachkommen wirft – zusammen 999, plus die Kuh selbst als »Tausendste« ergibt das mythische Tausend. Diese Zahl deckt sich exakt mit der in 2.243 beschriebenen Dakṣiṇā-Aufteilung (333 pro Tag) und bildet damit den kosmogonischen Unterbau für mehrere zuvor behandelte Zahlenspekulationen. Die Eröffnungsformel »möge ich viele werden, mich fortpflanzen, zu Fülle gelangen« wiederholt wörtlich die Formel aus 2.228.]

tat sārdhe sahasrasāmākurvan. tad eṣāṃ sahasraṃ saṃkhyāna ekaikasyai gor nodabhavat. te ’bruvan prajāpatim evemāṃ sahasratamīṃ yācāmahā iti. te prajāpatim eva tāṃ sahasratamīm ayācanta. sa prajāpatir aikṣata yady ebhyaḥ pradāsyāmi rekṣye, yady ebhyo na pradāsyāmy ūnam eṣāṃ sahasraṃ bhaviṣyati. hantainān sahaivānayābhyupayānīti. tān abravīt sahaiva vo ’ham anayābhyupayānīti. tatheti. tāṃs tayaiva sahābhyupait. ta etaṃ trirātraṃ yajñam apaśyan. tam āharanta. so ’bravīt - samenānena yajñena yakṣāmahā3 asamenā3 iti. samenety abruvan. yat samenety abruvan sama eva tad varṣam akurvata same rāṣṭraṃ saṃjñām eva tad akurvata. atha yad avakṣyann asamenety asama eva varṣam abhaviṣyad asamai rāṣṭram asaṃjñābhaviṣyat. te kena sameṣyāma iti. yajñāyajñīyeneti. tasmād yajñāyajñīyenaiva saṃyanti. vāg vai yajñāyajñīyam. vāg ime lokāḥ. vācaiva tad vācam arohan. te trayastriṃśataṃ ca trīṇi ca śatāni prathame ’han na daduḥ. tenāsmin loke vasubhir arādhnot. trayastriṃśataṃ ca trīṇi ca śatāni dvitīye ’han na daduḥ. tenāsminn antarikṣe loke rudrair arādhnuḥ. trayastriṃśataṃ ca trīṇi ca śatāni tṛtīye ’han na daduḥ. tenāmuṣmin loka ādityair arādhnot. sa yo haivaṃ vidvān etena yajñakratunā yajata, etāsu caiva devatāsv ṛdhnoty etāṃś ca lokān āpnoti

Das machten sie gemeinsam zu einem Tausend-Sāman. Doch dieses ihr Tausend erreichte, nachgezählt, für jede einzelne Kuh nicht die volle Zahl. Sie sprachen: »Lasst uns eben Prajāpati um diese Tausendste bitten!« Sie baten eben Prajāpati um diese Tausendste. Da erwog Prajāpati: »Wenn ich sie ihnen gebe, werde ich selbst ärmer; wenn ich sie ihnen nicht gebe, wird ihr Tausend unvollständig bleiben. Wohlan, so will ich mich ihnen eben mitsamt dieser selbst anschließen!« Er sprach zu ihnen: »Ich will mich euch mitsamt dieser selbst anschließen.« – »So sei es.« Er schloss sich ihnen eben damit an. Sie erblickten dieses Trirātra-Opfer. Sie holten es herbei. Er sprach: »Wollen wir mit diesem Opfer gleich opfern oder ungleich?« – »Gleich«, sprachen sie. Dass sie »gleich« sprachen, dadurch machten sie den Regen gleichmäßig, dadurch machten sie Eintracht zum Wesen eines Reiches unter Gleichheit. Hätten sie aber »ungleich« gesagt, wäre der Regen ungleich geworden, und dem Reich wäre bei Ungleichheit Zwietracht erwachsen. Sie fragten: »Wodurch werden wir zusammenkommen?« – »Durch das Yajñāyajñīya«, war die Antwort. Deshalb kommen sie eben durch das Yajñāyajñīya zusammen. Rede nämlich ist das Yajñāyajñīya. Rede sind diese Welten. Eben durch Rede bestiegen sie die Rede. Sie gaben am ersten Tag nicht dreihundertdreiunddreißig; dadurch gelangten sie in dieser Welt mit den Vasus zum Gedeihen. Sie gaben am zweiten Tag nicht dreihundertdreiunddreißig; dadurch gelangten sie in diesem Zwischenraum mit den Rudras zum Gedeihen. Sie gaben am dritten Tag nicht dreihundertdreiunddreißig; dadurch gelangten sie in jener Welt dort mit den Ādityas zum Gedeihen. Wer, dies wissend, mit diesem Opferritus opfert, gedeiht eben unter diesen Gottheiten und erlangt diese Welten.

[Anm.: Eine bemerkenswerte politisch-theologische Passage: Die Entscheidung der Götter für ein »gleiches« statt »ungleiches« Opfer wird direkt für gleichmäßigen Regen und gesellschaftliche Eintracht im Reich verantwortlich gemacht – ein deutliches Beispiel dafür, wie rituelle Gleichheit als Grundlage politischer Ordnung gedacht wird. Prajāpatis Lösung des Tausend-minus-eins-Problems – er schließt sich der Gruppe selbst als vollmachende Einheit an, statt etwas herzugeben – vermeidet elegant seine eigene Verarmung. Der Schlussteil kehrt das übliche Verfahren um: Anders als in 2.243, wo 333 pro Tag tatsächlich als Dakṣiṇā gegeben werden, wird hier das Nicht-Geben von 333 pro Tag als der Weg zum Gedeihen mit den jeweiligen Göttergruppen dargestellt.]

prajāpatir yad agre sahasram asṛjata tat prajābhyaḥ prāyacchad - etad vas saheti. yat sahety abravīt tat sahasrasya sahasratvam. tasmād u ha sahasrīva satir eva syāt. saheti hy abravīt. sā yo hainas tatrāvāsyamāno brūyād ā te sahasrasya payo dada iti tathā haiva syāt. te devā īśānaṃ devam abruvaṃs tvaṃ vai na śreṣṭho ’si. tam uddhāram uddharasveti. sa etāni trīṇi sāmāni sahasrasya rasaṃ prāvahatarttanidhanam īnidhanaṃ triṇidhanam iti. tāni vā etāni sāmāni sahasratrirātreṇa kāryāṇīśānasya devasyoddhāra uddhṛtāni. ud uddhāraṃ harat uddhāryo bhavati ya evaṃ veda. tasmād etāni sāmāni sahasratrirātreṇa kāryāṇīśānasya devasyākhalasya sāmānīśvaro yajamānasya paśūn abhimantor iti. aparasam iva tu hāsya sahasraṃ dattaṃ syāt. kāryāṇy eva sahasrasya dharatāyai. prajāpatir yad devebhyas sahasraṃ dattaṃ syāt. kāryāṇy eva sahasrasya dharatāyai. prajāpatir yad devebhyas sahasraṃ prāyacchat tad apratīkṣamāṇā evādan. tad ebhyo ’dyamānaṃ tiro ’bhavat. taṃ nv amantrayanta. tad abravīt - kṣayād vai bibhemīti. nety abruvan. tathā vai tvātsyāmo yathā no ’dyamānaṃ pīyamānaṃ na kṣeṣyasa iti. tasmai vai ma ṛtaṃ kuruteti. tasyā ṛtanidhanenaivartam akurvan, īnidhanenāpāyan, pra caivainaṃ triṇidhanenājāyann, akṣitiṃ cāsmā akurvan. adyamānam asya pīyamānaṃ sahasraṃ na kṣīyate ya evaṃ veda

Als Prajāpati im Anfang das Tausend erschuf, gab er es den Geschöpfen: »Dies ist euer, gemeinsam (saha)!« Dass er »saha« sagte – das ist die Tausend-Natur (sahasratva) des Tausend (sahasra). Deshalb sollte fürwahr, wer ein Tausend besitzt, gleichsam als »gemeinsam seiend« gelten; denn er (Prajāpati) sagte ja »saha«. Wer dort, dabei weilend, sprechen sollte: »Ich gebe dir die Milch des Tausend«, dem würde es fürwahr ebenso ergehen. Die Götter sprachen zum Gott Īśāna: »Du bist fürwahr nicht der Beste unter uns. Erhebe dir jene Erhebung (uddhāra)!« Da leitete er mit diesen drei Sāmans, Ṛtanidhana, Īnidhana und Triṇidhana, den Saft des Tausend herbei. Diese Sāmans sind fürwahr mit dem Tausend-Trirātra auszuführen, als die für den Gott Īśāna erhobene Erhebung. Er erhebt sich die Erhebung, wird erhebungswürdig, wer dies so weiß. Deshalb sind diese Sāmans mit dem Tausend-Trirātra auszuführen: die Sāmans des nicht-geizigen (akhala) Gottes Īśāna, des Herrn, zur Mehrung des Viehs des Opferherrn. Als Prajāpati den Göttern das Tausend gab, aßen sie es, ohne zu warten. Das, von ihnen gegessen, verschwand. Sie berieten sich darüber. Da sprach es: »Ich fürchte fürwahr den Untergang!« – »Nein«, sprachen sie, »wir werden dich so behandeln, dass du, gegessen und getrunken, nicht schwindest. Bewirke uns dazu die Wahrheit (ṛta)!« Mit dem Ṛtanidhana bewirkten sie ihm die Wahrheit, mit dem Īnidhana tranken sie es auf, und mit dem Triṇidhana ließen sie es immer wieder neu entstehen, und machten es unvergänglich für ihn. Sein Tausend schwindet nicht, mag es auch gegessen, mag es auch getrunken werden, wer dies so weiß.

[Anm.: Ein doppeltes Wortspiel und ein ungewöhnlicher Mythos: Zunächst wird »sahasra« (Tausend) volksetymologisch von »saha« (gemeinsam) hergeleitet – wer ein Tausend besitzt, besitzt demnach wesentlich ›Gemeinschaftʻ. Sodann wird das personifizierte Tausend selbst zur sprechenden Figur, die ihre Furcht vor gänzlichem Verzehr und Vergehen äußert; drei eigens benannte Sāmans (Ṛtanidhana, Īnidhana, Triṇidhana) bewirken seine immerwährende Erneuerung trotz beständigen Verbrauchs – ein vedisches Gegenstück zur Vorstellung einer sich nie erschöpfenden, geweihten Fülle. Die Einzelheiten der Īśāna-Episode (»erhebe dir jene Erhebung«, »der nicht-geizige Gott«) bleiben in ihrer genauen rituellen Funktion unklar.]

anvaham ājidohāni bhavanti. prāṇā vā ājidohāni. yad anvaham ājidohāni bhavanti prāṇeṣv eva tat pratitiṣṭhati. anvaham ājidohāni bhavanti. paśavo vā ājidohāni. yad anvaham ājidohāni bhavanti paśuṣv eva tat pratitiṣṭhati. anvaham ājidohāni bhavanti. ime vai lokā ājidohāni. yad anvaham ājidohāni bhavanty eṣv eva tal lokeṣu pratitiṣṭhati. agnir ājidohaṃ vāyur ājidoham asāv āditya ājidoham. yad anvaham ājidohāni bhavanty etāsv eva tad devatāsu pratitiṣṭhati. ime vai lokā ājayo nāma. eteṣām ete dohāḥ. duha imān lokān ya evaṃ veda. anvaham arkā bhavanty - annaṃ vā arko - ’nnādyasyaivāvaruddhayai. svāśirām arkaḥ prathame ’hani bhavati. āpo vai svāśiraḥ. annam u vā āpaḥ. no vā anavaso ’dhvānaṃ samaśnute. agner arko dvitīye ’hani bhavati. antarikṣāyatanaṃ vai dvitīyam ahaḥ. astam evāntarikṣaṃ tamassahacayāni rakṣāṃsi - agnir vai rakṣasām apahantā - rakṣasām evāpahatyai. dīrghatamaso ’rkas tṛtīye ’hani bhavati. jāgato vai dīrghatamaso ’rkaḥ. jāgataṃ tṛtīyam ahaḥ. ahar eva tadrūpeṇa samṛddhayanti

Tag für Tag gibt es Ājidohas (Wettkampf-Melkungen). Die Atemkräfte nämlich sind die Ājidohas. Dass es Tag für Tag Ājidohas gibt – dadurch findet dies eben in den Atemkräften seinen Halt. Tag für Tag gibt es Ājidohas. Das Vieh nämlich sind die Ājidohas. Dass es Tag für Tag Ājidohas gibt – dadurch findet dies eben im Vieh seinen Halt. Tag für Tag gibt es Ājidohas. Diese Welten nämlich sind die Ājidohas. Dass es Tag für Tag Ājidohas gibt – dadurch findet dies eben in diesen Welten seinen Halt. Agni ist ein Ājidoha, Vāyu ist ein Ājidoha, jene Sonne dort ist ein Ājidoha. Dass es Tag für Tag Ājidohas gibt – dadurch findet dies eben unter diesen Gottheiten seinen Halt. Diese Welten nämlich heißen »Ājis« (Wettkämpfe); dies sind ihre Melkungen. Er melkt diese Welten, wer dies so weiß. Tag für Tag gibt es Arkas (Preislieder) – Speise nämlich ist der Arka –, zur Sicherung eben der Speise. Der Svāśira-Arka (der mit Milch gemischte) erfolgt am ersten Tag. Wasser nämlich ist Svāśira; Wasser aber ist auch Speise; denn ohne Wegzehrung bewältigt man den Weg nicht. Agnis Arka erfolgt am zweiten Tag. Der Zwischenraum ist die Heimstatt des zweiten Tages; der Zwischenraum ist gleichsam das Haus der Finsternis begleitenden Unholde (rakṣas) – Agni nämlich ist der Vertreiber der Unholde –, eben zur Vertreibung der Unholde. Dīrghatamas' Arka erfolgt am dritten Tag. Jagatisch nämlich ist Dīrghatamas' Arka; jagatisch ist der dritte Tag. Eben durch diese Entsprechung lassen sie den Tag gedeihen.

[Anm.: Eine vierfache Ājidoha-Reihe (Atemkräfte, Vieh, Welten, die drei Gottheiten Agni/Vāyu/Āditya) nach demselben additiven Muster wie frühere Korrespondenzenreihen, gefolgt von drei tagesbezogenen Arka-Hymnen mit je eigener Begründung: Wasser/Nahrung als Wegzehrung (Tag 1), Vertreibung der Unholde durch Agni (Tag 2), und – besonders bemerkenswert – die namentliche Zuordnung des Sehers Dīrghatamas zum dritten Tag über die gemeinsame Jagatī-Metrik (Tag 3). Dīrghatamas ist eine der bekannteren vedischen Sehergestalten (vgl. Ṛgveda 1.140-164).]

anvahaṃ sauparṇāni bhavanti svargyāṇi, svargasya lokasya samaṣṭayai. tad āhuḥ - kṣiprāṇi sāmānīśvaro yajamānaṃ purāyuṣaḥ pramathitoḥ. dve eva kārye patanāyaiveti. saṃ vā enaṃ tat sādhayantīty āhuḥ. ekam eva kāryaṃ, samaṣṭayā eveti. kim u ya enaṃ prathamadhnur api sarvāṇy eva kāryāṇi. trirātreṇa vai devā ūrdhvā svargaṃ lokam āyan. sa eṣām asaṃgṛhīto vīvāvṛhyata. taṃ gāyatrapārśvenaivodastabhnuvan, saṃtaninā samatanvan, saṃkṛtinā samakurvaṃs, triṣandhinā samadadhu, śrāyantīyena samaśrīṇann, ariṣṭenāriṣṭatām agamayan. tad yad etāni sāmāni bhavanti trirātrasyaivottabdhyai, trirātrasya santatyai, trirātrasya saṃkṛtyai, trirātrasya saṃhityai, trirātrasya saṃśrityai, trirātrasyāriṣṭāyai. aiḷaṃ kakubhi, svāram uṣṇihi. trirātram evaitan madhyato vyatiṣajanty avasraṃsāya

Tag für Tag gibt es Sauparṇas (Adler-Gesänge), himmlische, zur vollständigen Erlangung der Himmelswelt. Dazu sagt man: Würden rasche Sāmans einen Gebieter dazu bringen, den Opferherrn seiner vollen Lebensspanne zu berauben? Nur zwei Dinge seien zu tun – das führe zum Sturz. Dem widerspricht man: Eben dadurch bringen sie ihn ja zum Gelingen. Nur ein einziges Ding sei zu tun, eben um der Ganzheit willen. Was aber gilt für den, der es zum ersten Mal ausführt? Für ihn müssen fürwahr alle Dinge getan werden. Durch den Trirātra gelangten die Götter aufwärts zur Himmelswelt. Dieser aber, ohne rechten Halt, drohte ihnen immer wieder auseinanderzureißen. Sie stützten ihn mit der Gāyatra-Flanke, dehnten ihn mit dem Saṃtanin, festigten ihn mit dem Saṃkṛti, fügten ihn mit dem Triṣandhi, verklammerten ihn mit dem Śrāyantīya, und verliehen ihm mit dem Ariṣṭa Unversehrtheit. Dass es diese Sāmans gibt – das dient eben der Stützung des Trirātra, der Dehnung des Trirātra, der Festigung des Trirātra, der Fügung des Trirātra, der Verklammerung des Trirātra, der Unversehrtheit des Trirātra. Das Aiḷa steht im Kakubh-Versmaß, das Svāra im Uṣṇih-Versmaß. Eben diese fügen sie mitten in den Trirātra ein, damit er nicht abgleite.

[Anm.: Der schwierige Satz über die »raschen Sāmans«, die einen Gebieter dazu bringen könnten, dem Opferherrn seine Lebensspanne zu rauben, wiederholt wörtlich die Formulierung aus 2.237 und wird ebenso vorsichtig wiedergegeben; auf ihn folgt hier eine ausdrückliche kleine Debatte über den notwendigen Mindestumfang der Ausführung. Den Kern des Abschnitts bildet ein eindrucksvolles bautechnisches Bild: Der beim Aufstieg der Götter zum Himmel stets auseinanderzureißen drohende Trirātra wird durch sechs eigens benannte Sāmans wie ein Bauwerk gestützt, gedehnt, gefestigt, gefügt, verklammert und vor Schaden bewahrt – eine der anschaulichsten technischen Metaphern des bisherigen Textes.]

ṣaṭ ca vai gāyatrīḥ prathamam ahas saṃpadyate daśa ca stotryāḥ. ṣaṭ ca vai triṣṭubho dvitīyam ahas saṃpadyata ekāṃ ca stotryām. atha yat tṛtīyam ahas tasya dve savane jagatīs saṃpadyate ’nuṣṭubhaḥ. tṛtīyasavanam ekaviṃśaṣ ṣoḍaśī. ṣoḍaśī vai pūrvayor ahnor apitvam aicchata. ṣoḍaśini pūrve ’hanī apitvam aicchetām. tam etābhir ekādaśabhi stotryābhir usaṃparaitām. sa ānuṣṭubhaṣ ṣoḍaśī samapadyata. sa yo vai ṣoḍaśinaṃ pūrvayor ahnora apitvinaṃ veda ṣoḍaśini pūrve ’hanī apitvinī, apitvī ha tatra bhavati yatra kāmayate ’pitvī ha syām iti. tad āhu - stomair eva pṛṣṭhayaṃ ṣaḍaham āpnoti, saṃpadā chandomān, rātryā daśamam ahar iti. sa yavadvādaśāhena dakṣiṇāvatāvarunddhe ya evaṃ veda. athaiṣā sahasratamī, tāṃ yad dadyād ricyetānu garbhāś śuṣyeyur, yan na dadyād ūnam asya sahasraṃ dattaṃ syāt. kalāṃ cādeyaṃ ca na dadyāt. tan mithunam. tad anu prajāyate. tad āhur adattaṃ vai tathā bhavaty, uta vai kalām evānv avajayati. tat tat kalāṃ vānu sahasram iyāt. kalāvānu sahasraṃ tat tad avijñānaṃ datvaivainām adyayā gavā niṣkrīṇīyād iti. tad u vā āhur dattaṃ vai tathā bhavati. gaur itarā gaur itarorṇās trayasyaivainām āvikasya yāvad arhantīm manyeta tāvatā niṣkrīṇīyād iti. ūrṇāsūtram u vai goḥ kiñcacid iva dattam asya sahasraṃ bhavati, nātmanā ricyate. sa yathā vāgarayā vā rajjvā vā vajraṃ paritanuyād evam evaitat paśūn parigṛhṇīte ’parāvāpāya. nāsya vittaṃ paropyate ya evaṃ veda

Sechs Gāyatrīs und zehn Stotriyās entsprechen dem ersten Tag. Sechs Triṣṭubhs und eine Stotriyā entsprechen dem zweiten Tag. Der dritte Tag aber – dessen beide Somapressungen entsprechen Jagatīs und Anuṣṭubhs. Die dritte Pressung ist Ekaviṃśa und Ṣoḍaśī. Die Ṣoḍaśī begehrte fürwahr Verbundenheit mit den beiden früheren Tagen; die beiden früheren Tage begehrten Verbundenheit mit der Ṣoḍaśī. Sie näherten sich ihr mit diesen elf Stotriyās. So wurde die Ṣoḍaśī ānuṣṭubhisch. Wer die Ṣoḍaśī als mit den beiden früheren Tagen verbunden kennt, und die beiden früheren Tage als mit der Ṣoḍaśī verbunden, wird fürwahr verbunden, wo immer er es sich wünscht: »Möge ich verbunden sein!« Dazu sagt man: Durch die Stomas allein erlangt man das Sechstagewerk der Pṛṣṭhas, durch Entsprechung die Chandoma-Tage, durch die Nacht den zehnten Tag. Er erlangt so viel, wie man mit dem zwölftägigen, mit Dakṣiṇā versehenen Opfer erlangt, wer dies so weiß. Dies nun ist die Tausendste: Gäbe man sie her, so versiegten anschließend die Muttertiere und vertrockneten; gäbe man nichts, so bliebe sein gegebenes Tausend unvollständig. Man soll weder bloß einen Bruchteil noch etwas Ungeeignetes geben. Jenes (Kuh und Kalb) ist ein Paar; dadurch pflanzt es sich fort. Dazu sagt man: So wäre es, als hätte man gar nichts gegeben, oder man gewönne bloß einen Bruchteil hinzu. Dafür soll das Tausend eben mittels eines Bruchteils erfüllt werden: Diesen unbemerkten Bruchteil des Tausend gebend, löse man sie mit einer gewöhnlichen Kuh aus. Dazu sagt man aber auch: So wäre es fürwahr richtig gegeben. Mit einer anderen Kuh, mit anderer Wolle, mit Schafwolle löse man sie aus, in dem Maß, wie man sie für angemessen hält. Ein Wollfaden der Kuh schon, ein noch so geringer, gegeben, wird zu seinem Tausend, ohne dass sie selbst dadurch geschmälert wird. Wie man einen Donnerkeil mit einer dünnen Schnur oder einem Seil umwickeln könnte, so eben umschließt dies das Vieh, damit nichts verlorengeht. Sein Besitz geht nicht verloren, wer dies so weiß.

[Anm.: Ein technisch-arithmetischer Abschnitt über die Vers- und Stotriyā-Zuordnungen der drei Trirātra-Tage mündet in eine bemerkenswert praktisch-ökonomische Lösung eines echten Dilemmas: Die mythisch geforderte »tausendste« Gabe – die wertvolle Zuchtkuh selbst – darf nicht tatsächlich weggegeben werden, da dies die künftige Fortpflanzung der Herde schädigen würde, doch ihr Fehlen ließe die Gabe unvollständig erscheinen. Die Lösung: Ein bloßes Surrogat – und sei es nur ein einzelner Wollfaden oder eine gewöhnliche Ersatzkuh – erfüllt formal die gesamte Verpflichtung, ohne den wertvollen Bestand real zu schmälern. Das abschließende Bild vom Donnerkeil, der auch mit einer dünnen Schnur sicher gebunden werden kann, fasst diese Einsicht in ein einprägsames Gleichnis; die Schlussformel wiederholt wörtlich die aus 2.248.]

śabali samudro ’sy akṣitir brahmadevī prathamajā ṛtasyaikam akṣaraṃ kṣarasi vibhāvary abhīmān lokān amṛtaṃ duhānā tāṃ tvā vidma sarame dīdyanām akṣitiṃ devebhyo bhāsā tapantīm. tejo ’si, śukram asya, amṛtam asy, annam asi, mahad asy eṣāsi mahi, tāṃ tvā tathā veda. tasyāṃ tvayy etāṃ dakṣiṇāṃ nidadhe ’kṣitim akṣīyamāṇāṃ śriyaṃ devānāṃ bṛhaj jyotir vasānāṃ prajānāṃ śaciṣṭhām ā vratam anugeṣam iti. eṣā ha vai śaciṣṭhāvṛd yad asāv ādityaḥ. tasyā ete dve pade ahaś caiva rātriś ca, satyaṃ cānṛtaṃ ca. tad dhāsyā etat satyaṃ padaṃ yad ahaḥ. tad etad atyāyu nāma. sa yo hāsya etad atyāyu nāma padaṃ vedāty evānyān prajayā paśubhi śriyā kīrtyāyuṣā bhavati

»Du Gescheckte, du bist das Meer, die Unvergängliche, die Brahman-Göttin, die Erstgeborene; als die eine Silbe der Wahrheit (ṛta) fließt du, du Leuchtende, diese Welten melkend als Unsterblichkeit; als solche kennen wir dich, du Gleitende, Strahlende, Unvergängliche, den Göttern mit Glanz entgegenglühend. Glut bist du, Helligkeit bist du, Unsterblichkeit bist du, Speise bist du, groß bist du – du bist die Große.« So kennt sie, wer sie kennt. »In dich, in eben diese, lege ich diese Dakṣiṇā: unvergänglich, unerschöpflich, die Herrlichkeit der Götter, das große Licht tragend, die Mächtigste der Geschöpfe – dem Gelübde bin ich gefolgt.« Diese, die »Mächtigste-Erwählende«, ist fürwahr jene Sonne dort. Ihre beiden Füße sind diese: Tag und Nacht, Wahrheit und Unwahrheit. Ihr Wahrheits-Fuß ist fürwahr dieser: der Tag. Der trägt den Namen »Atyāyus« (Überleben, das Leben übersteigend). Wer diesen ihren, »Atyāyus« genannten Fuß kennt, übertrifft eben andere an Nachkommenschaft, Vieh, Herrlichkeit, Ruhm und Lebensdauer.

[Anm.: Eine kunstvolle, hymnisch-mantrische Anrede an die »Tausendste« Kuh aus 2.251/257, die hier als kosmische Größe – Meer, Brahman-Göttin, Erstgeborene, mit der Sonne selbst identifiziert – gefeiert wird. Ihre beiden ›Füßeʻ, Tag und Nacht bzw. Wahrheit und Unwahrheit, werden hier zunächst am Tagesfuß (›Atyāyusʻ) entfaltet; der Nachtfuß folgt in 2.259. Die Übersetzung dieser dichten, epithetareichen Anrufung bleibt an mehreren Stellen (etwa »sarame«, wörtlich ›Gleitendeʻ oder ein Bezug auf die vedische Hündin Saramā) notwendigerweise interpretierend.]

athāsyā etat pṛśni śabalaṃ padaṃ yad rātriḥ. sa yo hāsyā etat pṛśni śabalaṃ padaṃ veda pṛśnir eva prajayā paśubhi śriyā kīrtyāyuṣā bhavati. tad yathāgniṃ dīpyamānam upavājinenopavājayed evam evaitad brāhmaṇa ātmānaṃ saṃśyate satyaṃ vadan. sa satyam eva vadet, satyaṃ caret, satyaṃ cikirṣet, satyam eva bhavati. uta tvainam amṛtasya kāmo vindej, jīvanakāmyā vā, strīkāmyā vā, narmakāmyā vā, sakhyakāmyā vā. rātryāṃ vā hainaṃ chāyāyāṃ vā vadet. tathā hainaṃ tan na dṛṇote. sve hy enad āyatane vadati pṛthvī bekura iti. heti hesinī parimanthāditye manas te bhuvo yuvas te yajñasyājyam asi dhīṣṇas tv ṛtusthā manasthā manaso grāmasyāmāviśanābhṛt te ’smi rantir asi ramatir asīme svargasya ūrjasvatī payasvatī śabaly ehy arābhur asmi sikatāḥ puromi vatsā bibharmi sahasramātaraṃ vidma tvā puruṣa tallaka sa na idaṃ brūhi yathedaṃ bhaviṣyati

Nun ist ihr gesprenkelt-gescheckter Fuß dieser: die Nacht. Wer diesen ihren gesprenkelt-scheckigen Fuß kennt, wird selbst gesprenkelt (reich) an Nachkommenschaft, Vieh, Herrlichkeit, Ruhm und Lebensdauer. Wie man ein loderndes Feuer mit Brennstoff weiter anfacht, ebenso schärft sich der Brahmane, Wahrheit redend, sein eigenes Selbst. Er rede nur Wahrheit, er wandle in Wahrheit, er trachte nach Wahrheit – er wird selbst zur Wahrheit. Und möge ihn dabei der Wunsch nach Unsterblichkeit erfassen, oder der Wunsch nach Leben, oder der Wunsch nach Frauen, oder der Wunsch nach Kurzweil, oder der Wunsch nach Freundschaft. Man spreche dies bei Nacht oder im Schatten; so zerreißt es ihn nicht. Denn an seinem eigenen Ort spricht man es: »Breit ist der Spiegel (bekura)…« [Es folgt eine mantrische Anrufung, deren Wortlaut größtenteils aus dunklen, teils einzigartig belegten Ausdrücken besteht und sich einer sicheren Wort-für-Wort-Übersetzung entzieht; sinngemäß ruft sie die gescheckte, kraftvolle, milchreiche Kuh herbei, nennt sie ›mit tausend Müttern versehenʻ, spricht von Freude, Wonne und Nährkraft, und schließt mit der Bitte: »Sag uns dies, wie es geschehen wird.«]

[Anm.: Diese Stelle enthält die philologisch schwierigste mantrische Passage des bisherigen Textes: Der Sanskrit-Wortlaut (»heti hesinī parimanthāditye manas te bhuvo yuvas te yajñasyājyam asi dhīṣṇas tv ṛtusthā manasthā manaso grāmasyāmāviśanābhṛt te ’smi rantir asi ramatir asīme svargasya ūrjasvatī payasvatī śabaly ehy arābhur asmi sikatāḥ puromi vatsā bibharmi sahasramātaraṃ vidma tvā puruṣa tallaka«) besteht überwiegend aus obskuren, teils nur hier belegten Wortformen und lässt sich nicht mit Sicherheit Zeile für Zeile übersetzen; anstatt eine falsche Genauigkeit vorzutäuschen, wird hier nur der ungefähre, aus dem Kontext erschließbare Sinn wiedergegeben. Der abschließende Refrain »sag uns dies, wie es geschehen wird« kehrt am Anfang von 2.260 wörtlich wieder und leitet dort zu Agni über.]

agne devānāṃ hotas tvaṃ, devānāṃ hotāsy, ahaṃ manuṣyāṇāṃ, sa na idaṃ brūhi yathedaṃ bhaviṣyati - na sāma sameti, na stotryā, no me lokās saṃkrāmanti, varīyān yajamānasya loko bhavati. yat sāma sameyād, yat stotryo, yad ime lokās saṃkrāmeyur aṃhīyād yajamānasya loka syāt. gāyatraṃ sameti. prāṇo vai gāyatram. sarvatra hy eva prāṇaḥ sameti. yajñāyajñīyaṃ sameti. vāg vai yajñāyajñīyam. sarvam hy eva vāk ca prāṇaś ca sametaḥ. dve sāmanī sametaḥ - dvipād yajamānaḥ - pratiṣṭhityai. pratitiṣṭhati. ya evaṃ veda

»Agni, Hotṛ der Götter, du bist der Hotṛ der Götter, ich der der Menschen – sag uns dies, wie es geschehen wird«: Das Sāman kommt nicht zusammen, auch nicht die Stotriyā, auch diese Welten laufen nicht zusammen – dennoch werde die Welt des Opferherrn weiter? Würde das Sāman zusammenkommen, würde die Stotriyā, würden diese Welten zusammenlaufen, so würde die Welt des Opferherrn enger. Das Gāyatra kommt zusammen. Der Atem (prāṇa) nämlich ist das Gāyatra; denn überall eben kommt der Atem zusammen. Das Yajñāyajñīya kommt zusammen. Die Rede nämlich ist das Yajñāyajñīya; denn Rede und Atem zusammen sind eben alles. Diese beiden Sāmans kommen zusammen – zweifüßig ist der Opferherr –, zu seiner Standfestigkeit. Er steht fest, wer dies so weiß.

[Anm.: Eine feine technisch-theologische Unterscheidung: Während das allgemeine ›Zusammenkommenʻ von Sāman, Stotriyā und Welten die Welt des Opferherrn eher einengen würde, sollen ausgerechnet Gāyatra (=Atem) und Yajñāyajñīya (=Rede) zusammenkommen, da Atem und Rede gemeinsam bereits ›das Ganzeʻ bilden und dem zweifüßigen Opferherrn selbst entsprechen. Damit schließt der Abschnitt die längere, in 2.258 begonnene Kuh-Hymne und ihre Anwendungen ab.]

prajāpatir vāvedam agra āsīt. so ’krāmayata - bahu syāṃ, prajāyeya, bhūmānaṃ gaccheyam iti. so ’śocat. so ’tapyata. taṃ śocantaṃ tapyamānaṃ prāṇā abhyavadan - vayaṃ vā imaṃ yajñam adṛśam tena tvā yājayāmeti. so ’bravīt - taṃ katham adrāṣṭa, katamam adrāṣṭeti. te ’bruvann - āśrāvayāstu śrauṣaṭ. yaja ye yajāmahe. vauṣaḍ ity etam adṛśmeti. so ’ved - adṛśan vā iti. yat pañcāsan, pāṃkto yajñaḥ. tenāveda - adṛśan vā iti. teṣām u yat pañcānāṃ satāṃ saptadaśākṣarāṇy āsan - sapta - daśaḥ prajāpatiḥ - prājāpatyo yajñaḥ. teno evāved adṛśan vāveti. so ’bravīt - te kena hoṣyāmaḥ, kasmin hoṣyāma iti. te ’bruvaṃs - tavaiva vapām utkhidya tāṃ tavaiva hṛdaye ’gnau sarvahutāṃ hoṣyāma iti. te prajāpater eva vapām udakhidan. vācam eva teṣāṃ prāṇa evāśrāvayad, apānaḥ pratyāśrāvayat. mana eva hotāsīt. prajāpatir eva caturtho brahmā dakṣiṇata āsta. tāṃ prajāpater eva hṛdaye ’gnau sarvahutām ajuhavuḥ. tāṃ yad avapaṃs tad vapāyai vapātvam. yad vo enāṃ tad ajuhavus tad enām avapan. tasmād u ha vaptavyam eva. uptād dhy evedaṃ sarvaṃ jāyate. tasyai hutāyā ajaḥ -

Prajāpati war im Anfang dieses All. Er wünschte sich: »Möge ich viele werden, mich fortpflanzen, zu Fülle gelangen!« Er grämte sich. Er litt. Zu ihm, dem sich Grämenden, Leidenden, sprachen die Atemkräfte (prāṇas): »Wir haben doch dieses Opfer gesehen; damit wollen wir dich opfern lassen.« Er sprach: »Wie habt ihr es gesehen, welches habt ihr gesehen?« Sie sprachen: »›Āśrāvayaʻ – ›Astu śrauṣaṭʻ – ›Yajaʻ – ›Ye yajāmaheʻ – ›Vauṣaṭʻ – dies haben wir gesehen.« Da erkannte er: »Sie haben es fürwahr gesehen.« Da diese fünf waren, ist das Opfer fünfgliedrig (pāṅkta). Dadurch erkannte er: »Sie haben es fürwahr gesehen.« Und da diese fünf siebzehn Silben hatten – Prajāpati ist der Siebzehnfache (saptadaśa) –, ist das Opfer prajāpatisch. Eben dadurch erkannte er: »Sie haben es fürwahr gesehen.« Er sprach: »Womit sollen wir opfern, worin sollen wir opfern?« Sie sprachen: »Indem wir dein eigenes Bauchnetz (vapā) herausschneiden, wollen wir es, als vollständige Opfergabe, eben im Feuer deines eigenen Herzens opfern.« Sie schnitten Prajāpatis eigenes Bauchnetz heraus. Unter ihnen war der Atem (prāṇa) selbst der Ausrufer (›Āśrāvayaʻ), der Ausatem (apāna) gab die Antwort. Der Geist (manas) selbst war der Hotṛ. Prajāpati selbst saß, als vierter, als Brahman-Priester, zur Rechten. Sie opferten es, als vollständige Opfergabe, im Feuer von Prajāpatis eigenem Herzen. Dass sie es herausschnitten (avapan) – das ist die Bauchnetz-Natur (vapātva) des Bauchnetzes (vapā). Dass sie es opferten – eben das war ihr ›Aussäenʻ (avapan) davon. Deshalb muss es fürwahr immer herausgeschnitten werden. Denn aus Ausgesätem wird eben dieses Ganze geboren. Aus dieser Opfergabe wurde ein Ziegenbock geboren –

[Anm.: Ein neuer, dramatischer Schöpfungsmythos: Die personifizierten Atemkräfte veranlassen Prajāpati zu einem Selbstopfer, bei dem sein eigenes Bauchnetz (vapā) im Feuer seines eigenen Herzens vollständig geopfert wird. Das Wortspiel zwischen »vap-« (schneiden, das Bauchnetz betreffend) und »vap-« (säen) begründet ätiologisch, warum aus dieser Opferhandlung fürderhin alles Leben entsteht. Die Erkennungssequenz über die fünf liturgischen Rufe (Āśrāvaya bis Vauṣaṭ) und ihre siebzehn Silben knüpft an die bereits mehrfach etablierte Gleichung Saptadaśa=Prajāpati an (vgl. 2.218). Der Satz bricht am Abschnittsende mitten in der Beschreibung des aus der Opferung entstehenden Ziegenbocks ab; die Fortsetzung folgt in 2.262.]

- śveto lomaśastūparo lapsudy anyatodaṃś catuṣpād ajāyat tasmin sarvāṃṇi rūpāṇi paryapaśyan. te ’bruvann - imāni vā asmin sarvāṇi rūpāṇi. etemam evālabhāmahā iti. te tam ālabhanta. teṣāṃ prāṇa evāśrāvayad apānaḥ pratyāśrāvayat. mana eva hotāsīt. prajāpatir eva caturtho brahmā dakṣiṇata āsta. taṃ prajāpater eva hṛdaye ’gnau sarvahutam ajuhavuḥ. tasmād dhutād agnir devatājāyata. tad ṛco vedaḥ. anu vāyur devatājāyata. tad yajūṃṣi vedaḥ. anv ādityo devatājāyat. tat sāmāni vedaḥ. anv ete ca trayo devānāṃ śreṣṭhā ajāyantaitāś ca tisro vidyāḥ. śaśvad dhaitāvad eva prajāpatinā sṛṣṭam. athaitābhir eva devatābhir idam itarat sarvam. te ’bruvan - yena naḥ pitā prajāpatir yajñeneṣṭvārātsīt tena yajāmahā iti. te tam āharanta. teṣāṃ vāyur evāśrāvayad, ādityaḥ pratyāśrāvayat. agnir eva hotāsīt. prajāpatir eva candramāś caturtho brahmā dakṣiṇata āsta

– weiß, wollig, mit tūpara und lapsudi [zwei sprachlich unsicheren Merkmalen], auf der einen Seite gezahnt, vierfüßig, wurde er geboren. In ihm sahen sie alle Gestalten ringsum. Sie sprachen: »Alle Gestalten fürwahr sind in diesem hier. Lasst uns eben diesen ergreifen!« Sie ergriffen ihn. Unter ihnen war der Atem selbst der Ausrufer, der Ausatem gab die Antwort. Der Geist selbst war der Hotṛ. Prajāpati selbst saß, als vierter, als Brahman-Priester, zur Rechten. Sie opferten ihn, als vollständige Opfergabe, im Feuer von Prajāpatis eigenem Herzen. Aus dieser Opfergabe wurde Agni als Gottheit geboren. Das ist das Wissen der Ṛcs (Ṛgveda). Danach wurde Vāyu als Gottheit geboren. Das ist das Wissen der Yajus-Sprüche (Yajurveda). Danach wurde Āditya als Gottheit geboren. Das ist das Wissen der Sāmans (Sāmaveda). Danach wurden diese drei Besten der Götter geboren, und diese drei Wissensarten (vidyās). Immer wieder nur so viel wurde von Prajāpati erschaffen. Erst danach kam durch eben diese Gottheiten alles andere Übrige. Sie sprachen: »Mit demselben Opfer, durch das unser Vater Prajāpati, geopfert habend, Erfolg hatte, mit eben diesem wollen wir opfern!« Sie holten es herbei. Unter ihnen war Vāyu selbst der Ausrufer, Āditya gab die Antwort. Agni selbst war der Hotṛ. Prajāpati selbst, als Mond, saß, als vierter, als Brahman-Priester, zur Rechten.

[Anm.: Der Abschluss des Selbstopfer-Mythos: Aus dem allgestaltigen Opfertier – einem weißen, wolligen Bock mit zwei sprachlich unsicheren Merkmalen (tūpara, lapsudi) und einseitiger Bezahnung, einem Motiv mythischer Grenzwesen – gehen durch ein zweites Opfer im Herzfeuer Prajāpatis zugleich die drei höchsten Götter (Agni, Vāyu, Āditya) UND die drei Veden (Ṛg-, Yajur-, Sāmaveda) hervor: eine der prägnantesten vedischen Aussagen über den gemeinsamen Ursprung von Göttern und heiligem Wissen aus einem einzigen Schöpfungsakt. Die neu entstandenen Götter vollziehen sogleich ein drittes, nachahmendes Opfer, wobei sich die Priesterrollen verschieben und Prajāpati nun ausdrücklich als der Mond erscheint – eine Fortsetzung ist zu erwarten.]

ta eva caturhotāram āsata. ete ha vāva caturhotāro yān imān āhuś caturhotṝn. teṣāṃ sahasratamyām āhutyāṃ gaur ājāyata. tasyāṃ sarvān bhogān paryapaśyan, ye ke ca gavi bhogās tān. te ’buvann - ime vā asyāṃ sarve bhogāḥ. etemām eva prāṇo janayati bravāmeti. tām abruvan - prāṇo janayati. sā trayastriṃśataṃ ca trīṇi ca śatāny agnaye prājanayat. trayastriṃśataṃ ca trīṇi ca śatāni vāyave prājanayat. trayastriṃśataṃ ca trīṇi ca śatāni ādityāya prājanayat. tat sahasram abhavat. saiva sahasratamī. tāṃ punarājata. sa yo haivaṃ vidvān gā rakṣate, pra haivāsya sahasram āpnuvanti. tasmād u vaivaṃvidā rakṣitavyā eva gāvaḥ. te ’bruvann - alaṃ vai tasmai smo yan nānāśo viparetya yajamānā āsīmaṃ hy eta, nānāśo viparetya yajamānā āsāmahā iti. te nānāśo viparetya yajamānā āsata. tenaiva śreyāṃso ’bhavann apāpīyāṃsaḥ. te ’bruvan - na vai śreyāṃso ’bhūma na pāpīyāṃsaḥ. eta, sahasreṇa yajāmahā iti

Sie selbst wurden zu den Caturhotṛ (Vier-Hotṛs). Dies eben sind die Caturhotṛ, von denen man als den »vier Hotṛs« spricht. Bei ihrer tausendsten Opfergabe wurde eine Kuh geboren. In ihr sahen sie alle Genüsse ringsum, welche Genüsse es auch in einer Kuh gibt. Sie sprachen: »Alle diese Genüsse sind fürwahr in ihr. Lasst uns verkünden, dass eben der Atem sie erzeugt.« Sie sprachen zu ihr: »Der Atem erzeugt [dich].« Sie gebar dreihundertdreiunddreißig für Agni. Sie gebar dreihundertdreiunddreißig für Vāyu. Sie gebar dreihundertdreiunddreißig für Āditya. Das wurde zu einem Tausend. Sie selbst ist die Tausendste. Sie wurde wieder neu geboren. Wer, dies wissend, Kühe hütet, dem erlangen sie fürwahr ein Tausend. Deshalb sollen Kühe eben von einem, der dies weiß, gehütet werden. Sie sprachen: »Wir reichen fürwahr aus dafür, dass wir, auseinandergehend, je für uns Opfernde wären – wohlan, lasst uns, auseinandergehend, je für uns Opfernde sein!« Sie wurden, auseinandergehend, je für sich Opfernde. Dadurch aber wurden sie weder besser noch schlechter. Sie sprachen: »Wir sind fürwahr weder besser noch schlechter geworden. Wohlan, lasst uns mit dem Tausend opfern!«

[Anm.: Eine fraktal anmutende Wiederholung des Tausend-Kuh-Musters aus 2.252, nun jedoch auf die neu entstandenen Götter Agni, Vāyu und Āditya (aus dem Selbstopfer-Mythos von 2.261-262) übertragen, und mit der ätiologischen Erklärung des liturgischen Amtstitels »Caturhotṛ« (Vier-Hotṛ) verbunden. Der Schluss – die Kühe entscheiden sich für getrennte, individuelle Opferpraxis, ohne dadurch besser oder schlechter zu werden – bereitet unmittelbar die in 2.264 folgende, nahezu wortgleiche Wiederholung der »gleiches versus ungleiches Opfer«-Erzählung aus 2.253 vor, diesmal ebenfalls mit Agni/Vāyu/Āditya statt Vasus/Rudras/Ādityas als Nutznießern.]

tat sārdhaṃ sahasraṃ sāmākurvan. tad eṣāṃ sahasrasaṃkhyānaḥ. ekasyai gor nodabhavat. te ’bruvan - prajāpatim evemāṃ sahasratamīṃ yācāmahā iti. te prajāpatim eva tāṃ sahasratamīm ayācanta. sa prajāpatir aikṣata yady ebhyaḥ pradāsyāmi rekṣye, ebhyo na pradāsyāmy ūnam eṣāṃ sahasraṃ bhaviṣyati hantainān sahaivānayābhyupayānīti. tān abravīt - sahaiva vo ’ham anayābhyupayānīti. tatheti. tāṃs tayaiva sahābhyupait. ta etat trirātraṃ yajñam apaśyan. tam āharanta. so ’bravīt - samenā3nena yajñena yakṣyāmahā asamenā3 iti. samenety abruvan. yat samenety abruvan sama eva tad varṣam akurvata, samai rāṣṭraṃ saṃjñām eva tad akurvata. atha yad avakṣyann asamenety asama eva varṣam abhaviṣyad asamai rāṣṭram asaṃjñābhaviṣyat. te kena sameṣyāma iti. yajñāyajñīyeneti. tasmād yajñāyajñīyenaiva saṃyanti. vāg vai yajñāyajñīyam. vāg ime lokāḥ. vācaiva tad vācam ārohan. te trayastriṃśataṃ ca trīṇi ca śatāni prathame ’hann adaduḥ. tenāsmin loke ’gnir arārdhnot. trayastriṃśataṃ ca trīṇi ca śatāni dvitīye ’hann adaduḥ. tenāsminn antarikṣaloke vāyur arārdhnot. trayastriṃśataṃ ca trīṇi ca śatāni tṛtīye ’hann adaduḥ. tenāmuṣmin loke ādityo ’rārdhnota. sa yo haivaṃ vidvān etena yajñakratunā yajata etāsu caiva devatāsv ṛdhnoty etāṃś ca lokān āpnoti

Das machten sie gemeinsam zu einem Tausend-Sāman. Doch diese ihre Tausend-Zählung erreichte für eine einzelne Kuh nicht die volle Zahl. Sie sprachen: »Lasst uns eben Prajāpati um diese Tausendste bitten!« Sie baten eben Prajāpati um diese Tausendste. Da erwog Prajāpati: »Wenn ich sie ihnen gebe, werde ich selbst ärmer; gebe ich sie ihnen nicht, wird ihr Tausend unvollständig bleiben. Wohlan, so will ich mich ihnen eben mitsamt dieser selbst anschließen!« Er sprach zu ihnen: »Ich will mich euch mitsamt dieser selbst anschließen.« – »So sei es.« Er schloss sich ihnen eben damit an. Sie erblickten dieses Trirātra-Opfer. Sie holten es herbei. Er sprach: »Wollen wir mit diesem Opfer gleich opfern oder ungleich?« – »Gleich«, sprachen sie. Dass sie »gleich« sprachen, dadurch machten sie den Regen gleichmäßig, dadurch machten sie Eintracht zum Wesen eines Reiches unter Gleichheit. Hätten sie aber »ungleich« gesagt, wäre der Regen ungleich geworden, und dem Reich wäre bei Ungleichheit Zwietracht erwachsen. Sie fragten: »Wodurch werden wir zusammenkommen?« – »Durch das Yajñāyajñīya«, war die Antwort. Deshalb kommen sie eben durch das Yajñāyajñīya zusammen. Rede nämlich ist das Yajñāyajñīya. Rede sind diese Welten. Eben durch Rede bestiegen sie die Rede. Sie gaben am ersten Tag nicht dreihundertdreiunddreißig; dadurch gedieh Agni in dieser Welt. Sie gaben am zweiten Tag nicht dreihundertdreiunddreißig; dadurch gedieh Vāyu in diesem Zwischenraum. Sie gaben am dritten Tag nicht dreihundertdreiunddreißig; dadurch gedieh Āditya in jener Welt dort. Wer, dies wissend, mit diesem Opferritus opfert, gedeiht eben unter diesen Gottheiten und erlangt diese Welten.

[Anm.: Dieser Abschnitt wiederholt fast wortgleich den gesamten Inhalt von 2.253 – dieselbe Tausend-minus-eins-Problematik, dieselbe Prajāpati-Lösung, dieselbe Gleich/Ungleich-Debatte mit denselben politisch-theologischen Konsequenzen für Regen und Reichseintracht, dasselbe Yajñāyajñīya. Der einzige inhaltliche Unterschied: Nutznießer sind hier ausdrücklich Agni, Vāyu und Āditya selbst (statt der in 2.253 implizierten Vasus, Rudras und Ādityas als Gruppen) – ein weiteres Beispiel für die im Text wiederholt beobachtete Technik der Parallelüberlieferung derselben Erzählung mit ausgetauschten Götterfiguren.]

sā yā sahasratamya āsa vidyud dhaiva sā bhūtvā prajāpatiṃ viveśa. tad eṣābhyanūcyate - ayaṃ sa śiṃkte yena gaur abhīvṛtā mimāti māyuṃ dhvasanāv adhi śritā. sā cittibhir ni hi cakāra martyaṃ vidyud bhavantī prati vavrim auhata. iti. imāṃ haiva gāṃ rūpaṃ pratyuhya vidyud eva bhūtvā punaḥ prajāpatiṃ praviveśa. saiṣā vidyut sā yad etat stanayati dadadadadadeti. dadāni dadānīti haiva tat prajābhyo vṛṣṭim annādyaṃ prayacchati. prāsmā eṣā devatā vṛṣṭim annādyaṃ yacchati ya evaṃ veda

Diejenige, die die Tausendste war, wurde zum Blitz (vidyut) und ging fürwahr in Prajāpati ein. Dazu wird folgender Vers rezitiert: »Dieser da zischt, durch den die Kuh, rings umhüllt, brüllt, ihr Gebrüll, auf Zerstäubung gestützt. Sie hat, durch ihre Erscheinungen, den Sterblichen wahrlich bezwungen; zum Blitz geworden, warf sie die Hülle ab.« Eben diese Kuhgestalt abwerfend, zum Blitz geworden, ging sie wieder in Prajāpati ein. Dies ist eben jener Blitz: dass er donnert, »da-da-da-da-da«. »Ich gebe, ich gebe« (dadāni dadāni) – eben dies, gewährt er den Geschöpfen Regen und Speise. Ihm gewährt diese Gottheit Regen und Speise, wer dies so weiß.

[Anm.: Ein poetisch-rätselhafter, wohl ṛgvedisch geprägter Vers (im Stil verwandt mit den kosmologischen Rätselhymnen wie Ṛgveda 1.164) beschreibt die Verwandlung der Tausendsten in Blitz; die Übersetzung bleibt an mehreren Stellen notwendig interpretierend. Der Abschnitt schließt mit einer reizvollen lautmalerischen Volksetymologie: Das Donnergrollen »da-da-da-da« wird als das Wort »dadāni« (›ich gebeʻ) gedeutet, wodurch der Blitz durch seinen bloßen Klang seine Gabe von Regen und Speise gleichsam ankündigt.]

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