Kapitel 4
Keśin Dārbhyas Herausforderung und die Weihe des Königs
König Keśin Dārbhya redet den zur Weihe schreitenden Sutvan Yājñasena provokant mit 'Śunī' (Hündin) an; der Gescholtene rechtfertigt sich mit seiner früheren Königswürde, und beide einigen sich auf ein Streitgespräch über die Weihe, das in die Lehre von der Unvergänglichkeit von Opfer-und-Werk (Iṣṭāpūrta) mündet – mit eigenen Gabenformeln für jeden der sieben Priester, vom Brahman (Denken/Mond) bis zu den Prasarpakas (Körperhaare/Pflanzen). Eine namentlich als Śāṭyāyanī (mit femininer Endung) bezeugte Lehrautorität fügt eine eigene Weihe-Formel mit Rathantara, Vāmadevya und Bṛhat hinzu. Es folgt die erste ausführliche Gleichsetzung von Puruṣa, Prajāpati und Jahr über eine detaillierte Körperteil-Stoma-Korrespondenz, bevor die Sonne selbst als der 'wahre Dīkṣita' erwiesen wird, dessen vier Gattinnen die Himmelsrichtungen sind – eine Deutung, die rückblickend erklärt, warum ein Geweihter jedermann, auch den König, ungezwungen ansprechen darf.
keśī ha dārbhyo darbhaparṇayor didīkṣe. atha ha sutvā yājñaseno haṃso hiraṇmayo bhūtvā yūpa upaviveśa. taṃ ha keśī śunīti nāmnābhyuvāda. sa ha cukrodha - sthaviro ’smi pañcālānāṃ rājā. sa u vai dīkṣito ’smi. ko nu mārhen nāmnaivābhivaditum iti. sa hovāca -- mā krudhaḥ. abhivaditā te tenāsmi, yad aham etasyai viśas tvatpūrvo rājāsam. abhivadito vāva te tenāsmi, yad dīkṣito ’si. iṣṭāpūrtasya tvam akṣitiṃ vettha. dīkṣām ahaṃ veda. saṃprabruvāmahā iti. sa hovāca -- agnir dīkṣitaḥ pṛthivī dīkṣā, vāyur dīkṣito ’ntarikṣaṃ dīkṣā, ādityo dīkṣito dyaura dīkṣā, prajāpatir dīkṣita mano dīkṣā. sa dīkṣeta -- yayā dīkṣayāgnir dīkṣitas tayā dīkṣayā dīkṣe, yayā dīkṣayā vāyur dīkṣitas tayā dīkṣayā dīkṣe, yayā dīkṣayādityo dīkṣitas tayā dīkṣayā dīkṣe, yayā dīkṣayā prajāpatir dīkṣitas tayā dīkṣayā dīkṣa iti
Keśin Dārbhya wollte sich bei Darbhaparṇa weihen lassen. Da nun setzte sich Sutvan Yājñasena, zur goldenen Gans geworden, nachdem er gepresst hatte, auf den Opferpfahl. Keśin redete ihn mit dem Namen »Śunī« an. Da wurde jener zornig: »Ich bin ein Alter, der König der Pañcālas. Und ich bin zudem geweiht. Wer wäre da würdig, mich bloß beim Namen anzureden?« Da sprach jener: »Zürne nicht. Ich bin befugt, dich so anzureden, weil ich vor dir König dieses Volkes war. Und ich werde von dir ebenso angeredet, weil du geweiht bist. Du kennst die Unvergänglichkeit von Opfer-und-Werk (Iṣṭāpūrta). Ich kenne die Weihe. Lass uns darüber sprechen.« Da sprach er: »Agni ist der Geweihte, die Erde die Weihe; Vāyu ist der Geweihte, der Zwischenraum die Weihe; Āditya ist der Geweihte, der Himmel die Weihe; Prajāpati ist der Geweihte, das Denken die Weihe.« Man sollte sich weihen: »Mit der Weihe, mit der Agni geweiht ist, weihe ich mich; mit der Weihe, mit der Vāyu geweiht ist, weihe ich mich; mit der Weihe, mit der Āditya geweiht ist, weihe ich mich; mit der Weihe, mit der Prajāpati geweiht ist, weihe ich mich.«
[Anm.: Keśin Dārbhya und Sutvan Yājñasena sind auch aus anderen vedischen Texten bekannte Fürstengestalten. Die Anrede »Śunī« (›Hündin‹) ist als bewusste Herabsetzung zu verstehen, die den Zorn des Angeredeten auslöst; die anschließende Rechtfertigung beruft sich auf frühere Königswürde über dasselbe Volk und auf die durch die Weihe (Dīkṣā) begründete Gleichrangigkeit. »Iṣṭāpūrta« bezeichnet die feststehende Zusammenfassung von Opferverdienst (iṣṭa) und Werkverdienst wie Brunnen- oder Teichbau (pūrta).]
atha hetara uvāca. brahmaṇe dadad brūyād brahman manas te dadāni, tad anena niṣkrīṇāni, brahmann idaṃ dadānīti -- yad dāsyan syāt. sa yan mano dadāti -- candramā vai manaś - candramasam evāsmai tad dadāti. tad yāvac candramā na kṣīyate, tāvad asya tad dattaṃ na kṣīyate. hotre dadad brūyād dhotar vācaṃ te dadāni, tām anena niṣkrīṇāni, hotar idam dadānīti - yad dāsyan syāt. sa yad vācaṃ dadāty - agnir vai vāg - agnim evāsmai tad dadāti. tad yāvad agnir na kṣīyate, tāvad asya tad dattaṃ na kṣīyate. adhvaryave dadad brūyād adhvaryo prāṇaṃ te dadāni, tam anena niṣkrīṇāny, adhvaryo idaṃ dadānīti - yad dāsyan syāt. sa yat prāṇaṃ dadāti - vāyur vai prāṇo - vāyum evāsmai tad dadāti. tad yāvad vāyur na kṣīyate, tāvad asya tad dattaṃ na kṣīyate. udgātre dadad brūyād udgātaś cakṣus te dadāni, tad anena niṣkrīṇāny, udgātar idaṃ dadānīti - yad dāsyan syāt. sa yac cakṣur dadāty - ādityo vai cakṣur - ādityam evāsmai tad dadāti. tad yāvad ādityo na kṣīyate, tāvad asya tad dattaṃ na kṣīyate. sadasyāya dadad brūyāt sadasyātmānaṃ te dadāni, tam anena niṣkrīṇāni, sadasyedaṃ dadānīti - yad dāsyan syāt. sa yad ātmānaṃ dadāty - ākāśo vā ātmā - ākāśam evāsmai tad dadāti. tad yāvad ākāśo na kṣīyate, tāvad asya tad dattaṃ na kṣīyate. hotrakebhyo dadad brūyād dhotrakā śrotraṃ vo dadāni, tad anena niṣkrīṇāni, hotrakā idaṃ dadānīti - yad dāsyan syāt. sa yac chrotraṃ dadāti - diśo vai śrotraṃ - diśa evaibhyas tad dadāti. tad yāvad diśo na kṣīyate, tāvad asya tad dattaṃ na kṣīyate. prasarpakebhyo dadad brūyāt prasarpakā lomāni vo dadāni, tāny anena niṣkrīṇāni, prasarpakā idaṃ dadānīti - yad dāsyan syāt. sa yal lomāni dadāty - oṣadhivanaspatayo vai lomāny - oṣadhivanaspatīn evaibhyas tad dadāti. tad yāvad oṣadhivanaspatayo na kṣīyante, tāvad asya tad dattaṃ na kṣīyate. saiṣeṣṭāpūrtasyākṣitiḥ. sa ya evam etām iṣṭāpūrtasyākṣitiṃ veda, na hāsyeṣṭāpūrtaṃ kṣīyate. tad u vā āhur vāg vāva dīkṣito, vāg dīkṣā, vāg idaṃ sarvaṃ kṣiyati. vāci vāvedaṃ sarvaṃ kṣitam iti vāva tau tat saṃprocāte. tad u hovāca śāṭyāyanī rathantareṇa dīkṣe, vāmadevyena dīkṣe, bṛhatā dīkṣa ity eva dīkṣeta. atha vimuñceta bṛhatā vimuñce, vāmadevyena vimuñce, rathantareṇa vimuñca iti. saiṣā dīkṣāyai yuktiś ca vimuktiś ca. sa ya evam etāṃ dīkṣāyai yuktiṃ ca vimuktiṃ ca veda, vasīyān eva bhavati
Da sprach der andere: Wenn man dem Brahman-Priester etwas gibt, sollte man sagen: »Brahman, ich gebe dir das Denken; damit löse ich mich ein; Brahman, dies gebe ich« – was auch immer man geben wollte. Indem er das Denken gibt – der Mond nämlich ist das Denken –, gibt er ihm eben damit den Mond selbst. Solange der Mond nicht schwindet, solange schwindet auch das ihm Gegebene nicht.
Wenn man dem Hotṛ etwas gibt, sollte man sagen: »Hotṛ, ich gebe dir die Rede; damit löse ich mich ein; Hotṛ, dies gebe ich« – was auch immer man geben wollte. Indem er die Rede gibt – Agni nämlich ist die Rede –, gibt er ihm eben damit Agni selbst. Solange Agni nicht schwindet, solange schwindet auch das ihm Gegebene nicht.
Wenn man dem Adhvaryu etwas gibt, sollte man sagen: »Adhvaryu, ich gebe dir den Atem; damit löse ich mich ein; Adhvaryu, dies gebe ich« – was auch immer man geben wollte. Indem er den Atem gibt – Vāyu nämlich ist der Atem –, gibt er ihm eben damit Vāyu selbst. Solange Vāyu nicht schwindet, solange schwindet auch das ihm Gegebene nicht.
Wenn man dem Udgātṛ etwas gibt, sollte man sagen: »Udgātṛ, ich gebe dir das Sehvermögen; damit löse ich mich ein; Udgātṛ, dies gebe ich« – was auch immer man geben wollte. Indem er das Sehvermögen gibt – Āditya nämlich ist das Sehvermögen –, gibt er ihm eben damit Āditya selbst. Solange Āditya nicht schwindet, solange schwindet auch das ihm Gegebene nicht.
Wenn man dem Sadasya etwas gibt, sollte man sagen: »Sadasya, ich gebe dir das Selbst; damit löse ich mich ein; Sadasya, dies gebe ich« – was auch immer man geben wollte. Indem er das Selbst gibt – der Raum (Ākāśa) nämlich ist das Selbst –, gibt er ihm eben damit den Raum selbst. Solange der Raum nicht schwindet, solange schwindet auch das ihm Gegebene nicht.
Wenn man den Hotrakas etwas gibt, sollte man sagen: »Hotrakas, ich gebe euch das Gehör; damit löse ich mich ein; Hotrakas, dies gebe ich« – was auch immer man geben wollte. Indem er das Gehör gibt – die Himmelsrichtungen nämlich sind das Gehör –, gibt er ihnen eben damit die Himmelsrichtungen selbst. Solange die Himmelsrichtungen nicht schwinden, solange schwindet auch das ihnen Gegebene nicht.
Wenn man den Prasarpakas etwas gibt, sollte man sagen: »Prasarpakas, ich gebe euch die Körperhaare; damit löse ich mich ein; Prasarpakas, dies gebe ich« – was auch immer man geben wollte. Indem er die Körperhaare gibt – Kräuter-und-Bäume nämlich sind die Körperhaare –, gibt er ihnen eben damit Kräuter-und-Bäume selbst. Solange Kräuter-und-Bäume nicht schwinden, solange schwindet auch das ihnen Gegebene nicht.
Dies eben ist die Unvergänglichkeit von Opfer-und-Werk. Wer diese Unvergänglichkeit von Opfer-und-Werk so kennt, dessen Opfer-und-Werk schwindet nicht.
Dazu sagen manche auch: Die Rede eben ist die Geweihte, die Rede die Weihe, die Rede wohnt diesem Ganzen inne. In der Rede eben wohnt dies Ganze – so besprachen sich die beiden darüber.
Dazu aber sagte Śāṭyāyanī: »Mit dem Rathantara weihe ich mich, mit dem Vāmadevya weihe ich mich, mit dem Bṛhat weihe ich mich« – so sollte man sich weihen. Und beim Entbinden von der Weihe: »Mit dem Bṛhat entbinde ich mich, mit dem Vāmadevya entbinde ich mich, mit dem Rathantara entbinde ich mich.« Dies eben ist das Anjochen und das Abjochen für die Weihe. Wer dieses Anjochen und Abjochen für die Weihe so kennt, wird eben wohlhabender.
[Anm.: Bemerkenswert ist die grammatische Form »śāṭyāyanī« (mit femininer Endung), die sich von der sonst im gesamten Jaiminīya-Brāhmaṇa durchgehend maskulinen Form »śāṭyāyaniḥ« unterscheidet – hier tritt also, wie es scheint, eine Śāṭyāyanī, eine Lehrerin aus demselben Geschlecht oder derselben Schule, als eigene Autorität auf, ein seltener Beleg einer namentlich greifbaren weiblichen Lehrmeinung in diesem Text. Die Reihenfolge Rathantara–Vāmadevya–Bṛhat beim Weihe-Antritt kehrt sich beim Entbinden bewusst um (Bṛhat–Vāmadevya–Rathantara), eine gespiegelte Struktur. Das Wortspiel zwischen »kṣīyate« (schwindet) im ersten Lehrstück und »kṣiyati« (wohnt) im zweiten ist im Deutschen nicht nachzubilden, da beide Wurzeln im Sanskrit ähnlich klingen, aber Verschiedenes bedeuten.]
hṛtsvāśayā āllakeyo dantālasya dhaumyasyāntevāsy āsa. atha ha dantālo dhaumyas trayaṃ vedam ā prapadaṃ vidāṃcakāra. tasmād dha sāmavedam anūcya vyājahāra -- saṃvatsarāya dīkṣiṣya iti. atha ha sma tataḥ puro vipṛcchamānāś caranti -- saṃvatsarāya dīkṣiṣyāmaha iti. atho ha sma samavasāyānyo’nyasya varaṇam ākrośamānā nibhṛtyam anupṛcchanta āsate. te ha sma yāvantas saṃpādayanti, te ha sma dīkṣante. śaśvad dhaiṣā tad āśīr eva. tat sattraṃ bhavati, yat tam eva brāhmaṇaṃ kṛtvottiṣṭhanti yenābrāhmaṇoktena saha dīkṣante. tasmād abrāhmaṇoktena saha dīkṣeta. tasya ha smāsya rājanyabandhoś śārdūlājinaṃ maṇiṃ hiraṇyam upāvahitaṃ bhavati. tad dha sma śrotriyāyopaprahityāha - saṃvatsarāya dīkṣiṣye, ’nu mā śādhīti. tasmai ha sma rājanyabandhave vaktavyaṃ manyante
Hṛtsvāśa Āllakeya war ein Schüler des Dantāla Dhaumya. Dantāla Dhaumya nun hatte die drei Veden bis zum Grunde durchdrungen. Deshalb erklärte er, nachdem er den Sāmaveda vorgetragen hatte: »Ich werde mich für ein Jahr weihen.« Da gingen sie von da an umher und fragten einander: »Wir werden uns für ein Jahr weihen.« Und sie pflegten sich auch, bei der Versammlung, gegenseitig laut die Wahl des anderen ausrufend, still befragend, zusammenzusetzen. Wie viele sie eben zustande brachten, so viele weihten sich. Dies ist doch immer nur ein Wunsch-Wort. Ein rechtes Sattra wird es, wenn sie eben den betreffenden zu einem Brahmanen machen und sich dann erheben – das heißt, wenn sie sich zusammen mit dem weihen, der als »kein Brahmane« bezeichnet wurde. Deshalb sollte man sich zusammen mit einem als »kein Brahmane« Bezeichneten weihen.
Nun trug dieser Verwandte eines Rājanya (Adelsmannes) ein Tigerfell, einen Edelstein und Gold an sich gebunden. Er wandte sich an einen Śrotriya (Vedaskundigen) und sprach: »Ich werde mich für ein Jahr weihen; unterweise mich demgemäß.« Zu diesem Rājanya-Verwandten, meinten sie, müsse man sagen –
[Anm.: Die Erzählung schildert das gemeinschaftliche, oft informelle Zustandekommen eines Jahres-Sattra durch gegenseitige Verabredung. Bemerkenswert ist die ausdrückliche Regel, dass auch jemand, dessen Brahmanenstatus von anderen bestritten wird (»abrāhmaṇokta«), in die gemeinsame Weihe aufgenommen werden soll – ein Beleg für die praktische Durchlässigkeit dieser Zuschreibung im Rahmen der Sattra-Gemeinschaft. Der Übergang zur Episode des Rājanya-Verwandten setzt sich unmittelbar in 2.56 fort.]
sa ha tathaiva palyayamānas somaśuṣmaṃ sātyayajñim ājagāma. taṃ hovāca prācīnayogya, saṃvatsarāya dīkṣiṣye. bhagavo ’nu naś śādhīti. tatheti taṃ ha vadann abhirādhayāṃcakāra. taṃ hopeyāya. tasmai yademāṃ klṛptiṃ provācābhyūham anujagau prastāvapratihārān vidadhāv atha hainam anuśaśāsa. ayaṃ vāva saṃvatsara iti hovāca. tasyāyam eva devayānaḥ panthā, ime vartanyāv iyaṃ gatir iti. sa yad etad evaṃ veda, anārta evaṃ saṃvatsarasyodṛcaṃ gacchati. puruṣo vai prajāpatiḥ. prajāpatis saṃvatsaraḥ. sa yo ha puruṣo, ya evāyam antarikṣa ākāśa, eṣa eva sa puruṣaḥ. tad yad dṛśvad antarikṣe na ramate pūrṇatvaitan na ramate. atho yad asmin sarvasmin antar īkṣate tasmād antarikṣam. atho yad idaṃ sarvaṃ yute tasmād vāyuḥ. atho yad idaṃ sarvaṃ vāti tasmād vātaḥ. tasyaitasyākāśasyātmā damumūḍho yad idaṃ sarvaṃ vāti tasmād vātaḥ. tasyaitasyākāśasyātmā damumūḍho yad asāv ādityaḥ. sa eṣa āditye puruṣaḥ. atha yat tataḥ para ākāśas tasyaiṣa ātmā samumūḍho yac candramāḥ. sa eṣa candramasi puruṣaḥ. sa na nānā mantavya iti ha smāha śāṭyāyaniḥ. ya evāyaṃ cakṣuṣi puruṣa, eṣa evāditya, eṣa candramasīti. tam anayaiva puruṣavidhayāpnoti
So also, weiterziehend, gelangte er zu Somaśuṣma Sātyayajñi. Zu ihm sprach er: »Prācīnayogya, ich werde mich für ein Jahr weihen. Ehrwürdiger, unterweise uns demgemäß.« »So sei es«, sprach jener zu ihm und stimmte ihn günstig. Er nahte sich ihm. Diesem nun legte er diesen Plan dar: Er lehrte ihn den Abhyūha, sang ihm nach, ordnete Prastāva-und-Pratihāra – dann unterwies er ihn weiter: »Dies eben ist das Jahr«, sprach er. »Dies eben ist sein Pfad der Götter; dies sind seine beiden Wendepunkte, dies sein Lauf.« Wer dies so weiß, gelangt unversehrt zum Schlussvers des Jahres.
Der Mensch (Puruṣa) nämlich ist Prajāpati. Prajāpati ist das Jahr. Der Mensch, der da ist – eben dieser Raum (Ākāśa), der im Zwischenraum ist, das ist eben jener Mensch. Weil das Sichtbare sich nicht im Zwischenraum ausruht, deshalb ruht es sich, aus Fülle, nicht aus. Und weil er in diesem Ganzen hinein schaut (īkṣate), deshalb heißt es »Antarikṣa« (Zwischenraum). Und weil dieses Ganze verbunden (yuta) ist, deshalb heißt es »Vāyu«. Und weil dieses Ganze weht (vāti), deshalb heißt es »Vāta«. Von diesem Ākāśa ist dessen zusammengezogenes Selbst jener Āditya dort. Dies ist der Mensch in Āditya. Und der Ākāśa, der jenseits davon ist – dessen zusammengezogenes Selbst ist der Mond. Dies ist der Mensch im Mond. »Er ist nicht als vielfach zu denken« – so sagte Śāṭyāyani. »Eben dieser Mensch, der im Auge ist – er ist derselbe, der in Āditya ist, derselbe, der im Mond ist.« Durch eben diese Weise des Menschseins erlangt man ihn.
[Anm.: Der genaue Übergang der handelnden Person von 2.55 zu 2.56 ist im Text nicht restlos eindeutig; »Prācīnayogya« erscheint hier als weiterer Name oder Beiname für Somaśuṣma Sātyayajñi. Die abschließende Lehre führt die schon in 2.28 begegnete Lehre vom ›Menschen im Auge‹ konsequent weiter, indem sie ihn ausdrücklich mit dem ›Menschen in der Sonne‹ und dem ›Menschen im Mond‹ gleichsetzt und alle drei als ein und dasselbe, nicht vielfache Prinzip erklärt – eine noch explizitere Vorform der berühmten Identifikationslehre der Chāndogya-Upaniṣad (4,15). Die volksetymologischen Deutungen von »antarikṣa«, »vāyu« und »vāta« folgen dem im Jaiminīya-Brāhmaṇa geläufigen Nirukta-Verfahren.]
prāṇa eva prāyaṇīyo ’tirātraḥ. prāṇo hīdaṃ sarvaṃ prāṇeta. tad yat prāṇeta tasmāt prāṇaḥ. vāg evārambhaṇīyam ahaḥ. vācā hi sarvas saṃvatsaras sarve yajñakratava ārabdhāḥ. tasmād ārambhaṇīye ’han sarvāṇi rūpāṇi kriyante. sarvāṇi ha rūpāṇi vāci. ayam eko ’bhiplavo ’yam eko ’yam eko ’yam ekaḥ. tasyāsyābhiplavasyedaṃ prathamam ahaḥ. tasyedam eva prātassavanam, idaṃ mādhyaṃdinaṃ savanam, idaṃ tṛtīyasavanam. idam eva dvitīyam ahaḥ. tasyedam eva prātassavanam, idaṃ mādhyaṃdinaṃ savanam, idaṃ tṛtīyasavanam. idam eva vairūpaṃ tṛtīyam ahaḥ. tasyedam eva prātassavanam, idaṃ mādhyaṃdinaṃ savanam, idaṃ tṛtīyasavanam. idam eva vairājaṃ caturtham ahaḥ. tasyedam eva prātassavanam, idaṃ mādhyaṃdinaṃ savanam, idaṃ tṛtīyasavanam. idam eva śākvaraṃ pañcamam ahaḥ. tasmād anenopasaṃgṛhya śaknoti. tasyedam eva prātassavanam, idaṃ mādhyaṃdinaṃ savanam, idaṃ tṛtīyasavanam. idam eva raivataṃ ṣaṣṭham ahaḥ. tasmād anayā prāśnāti. tasyedam eva prātassavanam, idaṃ mādhyaṃdinaṃ savanam, idaṃ tṛtīyasavanam. evam asyābhiplavasyaivam asyaivam asya. ayam evātmā pṛṣṭhyaḥ. ima eva nava prāṇāḥ. trivṛt prāyaṇīyam ahar, yat prāṇā idaṃ sarvaṃ prāṇeta. tad yat prāṇeta tasmād apy etat prāyaṇīyam ahaḥ. imā eva grīvāḥ pañcadaśam ahaḥ. ojo vai vīryam. grīvā ojaḥ. vīryaṃ pañcadaśaḥ. tasmāt paśavo grīvābhir bhāraṃ vahanti. aṣṭāv ime jatravo, ’ṣṭāv ima, ūrdhvo jatrus saptadaśaḥ. tad eva saptadaśam ahaḥ. idam evodaram ekaviṃśam ahaḥ. sarve vai stomā ekaviṃśam abhisaṃpannāḥ. sarvam annādyam udare pratiṣṭhitam
Der Atem eben ist der Prāyaṇīya-Atirātra. Der Atem nämlich durchatmet dieses Ganze hier. Weil er durchatmet, deshalb heißt er »Prāṇa«. Die Rede eben ist der Ārambhaṇīya-Tag. Durch die Rede nämlich sind das ganze Jahr, alle Opferhandlungen, begonnen worden. Deshalb werden am Ārambhaṇīya-Tag alle Gestalten hervorgebracht. Alle Gestalten nämlich sind in der Rede.
Dies ist ein Abhiplava, dies, dies, dies. Von diesem Abhiplava ist dies der erste Tag; von ihm ist dies eben die Morgenpressung, dies die Mittagspressung, dies die dritte Pressung. Dies eben ist der zweite Tag; von ihm dies die Morgenpressung, dies die Mittagspressung, dies die dritte Pressung. Dies eben ist der Vairūpa-dritte Tag; ebenso seine drei Pressungen. Dies eben ist der Vairāja-vierte Tag; ebenso seine drei Pressungen. Dies eben ist der Śākvara-fünfte Tag; deshalb vermag man (śaknoti), damit zu erfassen; ebenso seine drei Pressungen. Dies eben ist der Raivata-sechste Tag; deshalb genießt man damit; ebenso seine drei Pressungen. So bei diesem Abhiplava, so bei diesem, so bei diesem. Dies eben ist das Selbst des Pṛṣṭhya. Dies eben sind die neun Atemkräfte.
Der Prāyaṇīya-Tag ist dreifach (Trivṛt), insofern die Atemkräfte dieses Ganze durchatmen. Weil er durchatmet, deshalb ist auch dies der Prāyaṇīya-Tag. Diese hier sind die Nackenwirbel – der fünfzehnfache Tag. Ojas (Lebenssaft) nämlich ist Manneskraft. Der Nacken ist Ojas. Manneskraft ist das Fünfzehnfache. Deshalb tragen die Lasttiere ihre Last mit dem Nacken. Diese acht sind die Schlüsselbeingelenke, diese acht weiteren – das obere Schlüsselbeingelenk ist das Siebzehnfache. Das eben ist der siebzehnfache Tag. Dies eben ist der Bauch – der einundzwanzigfache Tag. Alle Stomas nämlich laufen im Einundzwanzigfachen zusammen. Alle Speise ist im Bauch gegründet.
[Anm.: Die fortlaufende Zuordnung von Körperteilen zu den Tagen und Stoma-Zahlen des Abhiplava/Pṛṣṭhya (Nacken=15, Schlüsselbeine=17, Bauch=21) setzt die Leib-Kosmos-Homologien dieses Textabschnitts fort und dürfte sich in den folgenden Abschnitten mit weiteren Körperteilen bis zu höheren Stoma-Zahlen fortsetzen. Das Wortspiel »śākvaram – śaknoti« (Śākvara-Tag/vermögen) und die Deutung des Bauches als Sitz allen Speise-Gegründetseins veranschaulichen die auch anderswo im Jaiminīya-Brāhmaṇa geläufige Verbindung von Namensdeutung und Sachaussage. Vgl. zum ›Einundzwanzigfachen als Konvergenzpunkt aller Stomas‹ bereits 2.49.]
trayodaśemāḥ pariśavas, trayodaśemā, aṇḍapariśus saptaviṃśī. tad eva triṇavam ahaḥ. trayastriṃśad imāni pṛṣṭikāṇḍāni saha kiṃkālukābhiḥ. tad eva trayastriṃśam ahaḥ. ayam abhijid ayaṃ viśvajic śuklaṃ kṛṣṇaṃ kanīnikā. ta ime traya svarasāmāna, ime trayo, ’yaṃ viṣuvān. prāṇāpānāv eva goāyuṣī. ima eva daśa prāṇā daśarātraḥ. mana eva mahāvratīyam ahaḥ. udāna evodayanīyo ’tirātraḥ. te ete daśa prāṇā daśa stomā daśa chandāṃsi. ime ha sapta mukhyāḥ prāṇā, dvāv avāñcau, nābhyāṃ daśamaḥ. ime ha pṛṣṭhyasya ṣaḍahasya stomāḥ. chandomāḥ pañcaviṃśaḥ. caturdhā imāny u ha sapta caturuttarāṇi chandāṃsi sadvipadāvirāḍaticchandāḥ. prāṇa eva gāyatrī, cakṣuṣī uṣṇikkakubhau, śrotraṃ jagatī, vāg anuṣṭub, mano bṛhaty, ātmā paṃktir, balaṃ triṣṭup. pratiṣṭhā dvipadā, māṃsāni virāṭ, śarīrāṇy aticchandāḥ. teṣām eṣāṃ saptānāṃ caturuttarāṇāṃ chandasāṃ dvādaśaikaviṃśās saṃpadyante
Diese dreizehn sind die Rippen (Pariśu), diese dreizehn weiteren – die »Ei-Rippe« ist die siebenundzwanzigste. Das eben ist der Triṇava-Tag. Diese dreiunddreißig sind die Rückenwirbel samt den Kiṃkālukā-Knöchelchen. Das eben ist der dreiunddreißigfache Tag. Dies ist der Abhijit, dies der Viśvajit – das Weiße, das Schwarze, der Augenstern. Diese drei sind die vorwärtsgerichteten Svara-Sāmans, diese drei die rückwärtsgerichteten – dies ist der Viṣuvant. Atem-und-Ausatem eben sind Go-und-Āyus. Diese zehn Atemkräfte eben sind das Zehnnächte-Opfer. Das Denken eben ist der Mahāvratīya-Tag. Der Aufwärtsatem (Udāna) eben ist der Udayanīya-Atirātra.
Diese selben zehn Atemkräfte sind zehn Stomas, zehn Versmaße. Dies sind die sieben Hauptatemkräfte, die beiden abwärtsgerichteten, und, am Nabel, die zehnte. Dies sind die Stomas des sechstägigen Pṛṣṭhya. Die Chandoma-Tage sind das Fünfundzwanzigfache. Vierfach sind auch diese sieben, je um vier zunehmenden Versmaße, samt der Dvipadā, der Virāj und dem Atichandas. Der Atem eben ist die Gāyatrī, die beiden Augen sind Uṣṇih-und-Kakubh, das Gehör ist die Jagatī, die Rede die Anuṣṭubh, das Denken die Bṛhatī, das Selbst die Paṅkti, die Kraft die Triṣṭubh. Die Grundlage ist die Dvipadā, das Fleisch die Virāj, die Leiber sind der Atichandas. Von diesen sieben, je um vier zunehmenden Versmaßen ergeben sich zwölf Einundzwanzigfache.
[Anm.: Die Zuordnung der Versmaße zu Atem, Augen, Gehör, Rede, Denken, Selbst und Kraft folgt hier nicht der Reihenfolge nach Silbenzahl, sondern einer eigenen, sachlich begründeten Zuordnung. »Kiṃkālukā« (etwa: ›Was-für-Knöchelchen‹) ist ein sonst nicht sicher bezeugter anatomischer Ausdruck für kleinere Knochen- oder Knorpelteile der Wirbelsäule.]
gāyatryā uṣṇiho ’nuṣṭubhaś caturaśītir akṣarāṇi. te catvāra ekaviṃśāḥ. paṃkteśca triṣṭubhaś ca caturaśītir akṣarāṇi. te catvāra ekaviṃśāḥ. bṛhatyai ca jagatyai ca caturaśītir akṣarāṇi. te catvāra ekaviṃśāḥ. atha trayāṇāṃ chandasāṃ daśaśatam akṣarāṇi. viṃśatyakṣarā dvipadā. triṃśadakṣarā virāṭ. ṣaṣṭyakṣarāticchandāḥ. tāni daśaśatam akṣarāṇi saṃpadyante. tato dve ādatte. atha dvādaśa trivṛtas saṃpadyante. tān imān dvādaśa trivṛto dvādaśasyaikaviṃśeṣūpadadhāti. te dvādaśa satriṃśino māsās saṃpadyante. tad etac chandāṃsi trivṛtaṃ caiva stomam abhisaṃpadyante --
Von Gāyatrī, Uṣṇih und Anuṣṭubh gibt es vierundachtzig Silben. Das sind vier Einundzwanziger. Von Paṅkti und Triṣṭubh gibt es vierundachtzig Silben. Das sind vier Einundzwanziger. Von Bṛhatī und Jagatī gibt es vierundachtzig Silben. Das sind vier Einundzwanziger. Von den drei übrigen Versmaßen aber gibt es hundertzehn Silben: Zwanzig Silben hat die Dvipadā, dreißig Silben die Virāj, sechzig Silben das Atichandas. Diese ergeben zusammen hundertzehn Silben. Davon nimmt man zwei weg. Dann ergeben sich zwölf Trivṛts. Diese zwölf Trivṛts legt man den zwölf Einundzwanzigfachen bei. Diese werden zu den zwölf, je dreißigtägigen Monaten. So kommen diese Versmaße mit dem Trivṛt-Stoma zusammen –
[Anm.: Die Rechnung geht in ihren Kernschritten auf: 24+28+32, 40+44 und 36+48 ergeben je 84 (=4×21) Silben, zusammen also 252 Silben für die sieben Grundversmaße, in Übereinstimmung mit der schon zu 2.33 notierten Standardreihe. Für die drei weiteren Versmaße Dvipadā (20), Virāj (30) und Atichandas (60) ergibt sich die Summe 110; wie die abschließenden zwölf ›Trivṛts‹ und die zwölf Monate zu je dreißig Tagen aus dieser Zahl im Einzelnen hervorgehen, lässt der Text nicht mehr in jedem Schritt nachvollziehen, doch bestätigt das Ergebnis – zwölf Monate zu dreißig Tagen – den vertrauten 360-Tage-Kalender.]
--ekaviṃśaṃ ca vā pañca prāṇaṃ cāgnīñ cādityaṃ ca. atha ye dve akṣare te bṛhadrathantare, te ahorātre. so ’rdhamāsas sa māsas sa ṛtus sa saṃvatsaraḥ. tad āhur yat prāṇāś chandāṃsi chandāṃsi stomā ity āhuḥ, kathaṃ yajamānaḥ prāṇaiś chandāṃsy apyeti. chandobhi stomān, stomair bṛhadrathantare, bṛhadrathantarābhyām ahorātre, ahorātrābhyām ardhamāsam, ardhamāsena māsaṃ, māsenartum, ṛtunā saṃvatsaram. kutas saṃvatsaro jāyate, kva pratiṣṭhita iti. sa vidyād -- aham eva saṃvatsaro ’smi, mayi pratiṣṭhita iti. evaṃvido ha vāva saṃvatsaro jāyata, evaṃvidi pratiṣṭhitaḥ. atho āhur - āditya eva saṃvatsaraḥ. etaṃ hi sarvā śrīs sarvaṃ yaśas sarve devās sametās, tasmād āditya eva saṃvatsara iti. tasya yad bhāti tat saṃvad, yan madhye kṛṣṇaṃ maṇḍalaṃ tat sara ity adhidevatam. athādhyātmam. ayam eva saṃvatsaro yo ’yaṃ cakṣuṣi puruṣaḥ. tasya yac chuklaṃ tat saṃvad, yan madhye kṛṣṇaṃ maṇḍalaṃ tat sara itya adhidevatam. athādhyātmam. ayam eva saṃvatsaro yo ’yaṃ cakṣuṣi puruṣaḥ. tasya yac chuklaṃ tat saṃvad, yan madhye kṛṣṇaṃ maṇḍalaṃ tat saraḥ. atho āhur - āditya eva saṃvac, candramās saraḥ. tam eṣa sarati. taṃ paurṇamāsyām āpnotīti. tad u vā āhuḥ - prāṇa eva saṃvad, vāk saraḥ. etābhyāṃ hi samaśnuta iti. tasya vā etasya saṃvatsarasyāgniṣṭomasāmāny eva devayānaḥ panthāḥ --
– und dem Einundzwanzigfachen, zusammen die fünf: Atem, die Feuer und Āditya. Die zwei übrigen Silben aber sind Bṛhat-und-Rathantara, sind Tag-und-Nacht. Das ist der Halbmonat, das ist der Monat, das ist die Jahreszeit, das ist das Jahr.
Dazu fragt man: Wenn man sagt, die Atemkräfte seien die Versmaße, die Versmaße die Stomas – wie geht der Opferherr durch die Atemkräfte in die Versmaße ein? Durch die Versmaße in die Stomas, durch die Stomas in Bṛhat-und-Rathantara, durch Bṛhat-und-Rathantara in Tag-und-Nacht, durch Tag-und-Nacht in den Halbmonat, durch den Halbmonat in den Monat, durch den Monat in die Jahreszeit, durch die Jahreszeit in das Jahr. Woher wird das Jahr geboren, worin ist es gegründet? Er sollte wissen: »Ich selbst bin das Jahr, in mir ist es gegründet.« Für den, der dies so weiß, wird das Jahr eben geboren, in ihm, der dies so weiß, ist es gegründet.
Und man sagt auch: Āditya eben ist das Jahr. Denn auf ihn sind aller Glanz, aller Ruhm, alle Götter zusammengekommen; deshalb ist Āditya eben das Jahr. Was an ihm leuchtet, das ist das »Saṃ«; was in der Mitte die dunkle Scheibe ist, das ist das »Sara« – so mit Bezug auf die Gottheit. Nun mit Bezug auf den eigenen Leib: Eben dieser Mensch, der im Auge ist, ist das Jahr. Was an ihm weiß ist, das ist das »Saṃ«; was in der Mitte die dunkle Scheibe ist, das ist das »Sara«. Und man sagt auch: Āditya eben ist das »Saṃ«, der Mond das »Sara«. Ihm nämlich läuft dieser nach; ihn erreicht er am Vollmondtag. Dazu sagen manche wieder: Der Atem eben ist das »Saṃ«, die Rede das »Sara«. Durch diese beiden nämlich erlangt man Vollständigkeit.
Von diesem Jahr sind die Agniṣṭoma-Sāmans eben der Pfad der Götter –
[Anm.: Die Deutung von »saṃvatsara« als »saṃ« (das Leuchtende/Weiße) und »sara« (die dunkle Scheibe) wiederholt und systematisiert die bereits in 2.28 eingeführte Lehre, hier ausdrücklich in eine kosmische (Sonnenscheibe) und eine leibliche (Auge) Fassung gegliedert, denen noch zwei weitere Anwendungen (Sonne-und-Mond; Atem-und-Rede) angefügt werden. Der Satz zur leiblichen Fassung erscheint im überlieferten Text unmittelbar danach ein zweites Mal wortgleich, mit einer offenbar verschobenen Kennzeichnung; die Übersetzung gibt ihn, wie schon in 2.33 bei einer ähnlichen Dopplung, nur einmal wieder.]
- tāni vā etāni rauhiṇakāni nāma. etair vai devā svargaṃ lokam ārohan. yad arohaṃs tasmād rohiṇakāni. tasmād vayam anvaham evāgniṣṭomasāmāni kurmaḥ. atha vartanyau bahadrathantare. etābhyāṃ ha vā eṣa etad vartate. tasmād vayam atirātra ubhe bṛhadrathantare kurmaḥ - kṛtsnaṃ nas sāma yuktaṃ yajñaṃ vahat, kṛtsnena sāmnodṛcam aśnavāmahā iti. atha gatiḥ. yaś caivāsāv āditye puruṣo yaś cāyam adhy ātman tad etat prajāpatyayanam ity evopāsitavyam. etena vā ayanena prajāpatir imām ṛddhim ārdhnod imāṃ vyaṣṭiṃ vyāśnuta. tad yām eva prajāpatir ṛddhim ārdhnod yā vyaṣṭiṃ vyāśnuta, tām evarddhim ṛdhnoti tāṃ vyaṣṭiṃ vyaśnute ya evaṃ veda
– diese nämlich heißen »Rauhiṇaka«. Durch sie stiegen die Götter zur Himmelswelt auf. Weil sie aufstiegen (arohan), deshalb heißen sie »Rohiṇaka«. Deshalb vollziehen wir Tag für Tag eben die Agniṣṭoma-Sāmans.
Die beiden Wendepunkte aber sind Bṛhat-und-Rathantara. Durch diese beiden nämlich wendet sich dies. Deshalb vollziehen wir beim Atirātra beide, Bṛhat-und-Rathantara: »Unser vollständiges, verbundenes Sāman trage das Opfer; durch das vollständige Sāman mögen wir den Schlussvers erlangen.« Nun der Lauf: Der Mensch, der dort in Āditya ist, und der, der hier im eigenen Selbst ist – dies ist der »Lauf des Prajāpati«; so eben soll man es verehren. Durch eben diesen Lauf erlangte Prajāpati dieses Gedeihen, erreichte diese eigene Ausprägung (vyaṣṭi). Eben jenes Gedeihen, das Prajāpati erlangte, jene eigene Ausprägung, die er erreichte, eben dieses Gedeihen erlangt, eben diese eigene Ausprägung erreicht, wer dies so weiß.
[Anm.: »Rauhiṇaka«/»Rohiṇaka« wird volksetymologisch von der Wurzel ruh (›steigen, aufsteigen‹) hergeleitet. »Vyaṣṭi« (›eigene, individuelle Ausprägung/Anteil‹) bildet einen begrifflichen Gegenpol zu »samaṣṭi« (›Gesamtheit‹) und bezeichnet hier den besonderen, dem Einzelnen zukommenden Anteil am kosmischen Ganzen.]
eṣa vāva dīkṣito ya eṣa tapati. sa eṣa indriyaṃ śraiṣṭhyam abhi dīkṣitaḥ. tasya ye ’rvāñco raśmayas tāni śmaśrūṇi, ya ūrdhvās te keśāḥ. ahorātre eva kṛṣṇājinasya rūpam. ahar eva śuklasya rūpaṃ, rātriḥ kṛṣṇasya. atha yad etan maṇḍalaṃ tā āpas tad annaṃ tad amṛtam. tasminn etasmin maṇḍale tejomayaś chandomayaḥ puruṣaḥ. sa prāṇas, sa indras, sa prajāpatis, sa dīkṣitaḥ. tad etad dīkṣayaiva saṃgṛhītam. tata ābhyaḥ prajābhyo ’nnādyaṃ visṛjate. tasyemā eva diśaḥ patnaya āsan. taṃ hemās tisro diśo ’ticeruḥ. iyaṃ haivāsyānuvratatamāsa yeyaṃ dakṣiṇā dik. tasmād eṣa etām evābhyupāvartate. yady apy uttarata udety athaitām evābhyupāvartate. tasmād yāsya priyā jāyā syāt tāṃ dakṣiṇārdhyāṃ kuryāt
Dies eben ist der wahre Dīkṣita: der, der dort brennt. Er ist geweiht im Hinblick auf Sinneskraft und Vorrangstellung. Seine Strahlen, die herwärtsgerichtet sind, sind sein Bart; die aufwärtsgerichteten sind sein Haupthaar. Tag-und-Nacht sind eben die Gestalt des schwarzen Antilopenfells. Der Tag ist die Gestalt des weißen Teils, die Nacht die des schwarzen. Und diese Scheibe hier – das sind die Gewässer, das ist Speise, das ist Unsterblichkeit (Amṛta). In eben dieser Scheibe ist der aus Glanz gebildete, aus Versmaßen gebildete Mensch (Puruṣa). Er ist der Atem, er ist Indra, er ist Prajāpati, er ist der Dīkṣita. Dies eben wird allein durch die Weihe erfasst. Von ihm aus wird diesen Geschöpfen die Speise zugeteilt.
Seine Gattinnen waren eben diese Himmelsrichtungen. Drei dieser Richtungen übertrafen ihn. Diese hier allein war ihm am treuesten ergeben – nämlich diese südliche Richtung. Deshalb wendet er sich eben zu ihr zurück. Auch wenn er im Norden aufgeht, wendet er sich doch eben wieder zu ihr zurück. Deshalb sollte man diejenige Gattin, die einem lieb ist, auf die rechte, südliche Seite setzen.
[Anm.: Die Zuordnung der abwärts- und aufwärtsgerichteten Sonnenstrahlen zu Bart und Haupthaar knüpft an das schon mehrfach begegnete Richtungspaar »herwärts« (arvāñc) und »aufwärts« (ūrdhva) an, hier erstmals konkret auf das Erscheinungsbild der Sonne selbst angewandt. Die Lehre vom ›Menschen in der Sonnenscheibe‹ setzt die Reihe der Puruṣa-Identifikationen aus 2.28, 2.56 und 2.60 fort. Der Schluss verbindet den Mythos von den vier Himmelsrichtungen als Sonnengattinnen, von denen die südliche ihm am treuesten bleibt, mit einer unmittelbar lebenspraktischen Nutzanwendung: der bevorzugten Gattin den rechten, südlichen Sitzplatz zuzuweisen.]
prathamāṃ saṃnahyati, prathamāṃ vācayati, prathamāṃ pūrṇapātra āgacchaty, anantaritāḥ patnaya stha. udag u yajñīyaṃ karma saṃtiṣṭhate. iti nv adhidevatam. athādhyātmam. ayam eva dīkṣito yo ’yaṃ cakṣuṣi puruṣaḥ. tasya yāny arvāñci pakṣāṇi tāni śmaśrūṇi, yāny ūrdhvāni te keśāḥ. yad eva śuklaṃ ca kṛṣṇaṃ ca tat kṛṣṇājinasya rūpam. śuklam eva śuklasya rūpaṃ, kṛṣṇaṃ kṛṣṇasya. atha yad etan maṇḍalaṃ tā āpas tad annaṃ tad amṛtam. tasminn etasmin maṇḍale tejomayaś chandomayaḥ puruṣaḥ. sa prāṇas, sa indras, sa prajāpatis, sa dīkṣitaḥ. sa haivaṃvid dīkṣamāṇo, yathaivaiṣa etad indriyaṃ jyaiṣṭhyaṃ śraiṣṭhyam abhi dīkṣita, evam evendriyaṃ jyaiṣṭhyaṃ śraiṣṭhyam abhi dīkṣito bhavati. tasmād u haivaṃvidi dīkṣita īśvaro rāṣṭrāṇi samutkampitoḥ kṣāmarandhra iva hi samābhavati. evaṃ hy etad indriyaṃ jyaiṣṭhyaṃ śraiṣṭhyam abhi dīkṣito bhavati. tasmād u sarvam evābhivadty - ācāryaṃ pitaraṃ kṣatriyam. evaṃ hy etad indriyaṃ jyaiṣṭhyaṃ śraiṣṭhyam abhi dīkṣito bhavati
Die erste bindet er, die erste lässt er sprechen, zur ersten kommt er mit dem vollen Gefäß: »Ununterbrochen seid ihr, o Gattinnen.« Und im Norden kommt die Opferhandlung zum Abschluss. So weit, mit Bezug auf die Gottheit.
Nun mit Bezug auf den eigenen Leib: Eben dieser Mensch, der im Auge ist, ist der Dīkṣita. Seine herwärtsgerichteten Seiten(-haare) sind sein Bart, die aufwärtsgerichteten sein Haupthaar. Was an ihm weiß und schwarz ist, das ist die Gestalt des schwarzen Antilopenfells. Das Weiße eben ist die Gestalt des weißen Teils, das Schwarze des schwarzen. Und diese Scheibe hier – das sind die Gewässer, das ist Speise, das ist Unsterblichkeit. In eben dieser Scheibe ist der aus Glanz gebildete, aus Versmaßen gebildete Mensch. Er ist der Atem, er ist Indra, er ist Prajāpati, er ist der Dīkṣita.
Wer, dies wissend, sich weiht: So wie jener im Hinblick auf Sinneskraft, Erstrangigkeit und Vorrangstellung geweiht ist, ebenso wird auch er im Hinblick auf Sinneskraft, Erstrangigkeit und Vorrangstellung geweiht. Deshalb wird der, der so weiß, als Geweihter zum Herrn, der Reiche zu erschüttern vermag – wie eine brennende Stelle an einer schwachen Fuge findet er überall Zugang. Denn so wird er im Hinblick auf Sinneskraft, Erstrangigkeit und Vorrangstellung geweiht. Deshalb darf er auch alle, den Lehrer, den Vater, den Kṣatriya, [ungezwungen] anreden. Denn so wird er im Hinblick auf Sinneskraft, Erstrangigkeit und Vorrangstellung geweiht.
[Anm.: Dieser Abschnitt bildet das ausdrücklich als »adhyātma« (leibbezogen) gekennzeichnete Gegenstück zur in 2.62 gegebenen »adhidevata«-Fassung (dort: die Sonne selbst als Dīkṣita) – dieselbe Struktur wie zwischen 2.28 und 2.60. Die Bemerkung, der Geweihte dürfe nun jedermann ungezwungen ansprechen, erklärt rückblickend die Eingangsszene von 2.53, in der die bloße Namensanrede eines Geweihten zunächst Anstoß erregte. Die Wendung »kṣāmarandhra iva« (etwa: ›wie an einer versengten/schwachen Stelle‹) bleibt im genauen Bildsinn unsicher.]
vicakṣaṇavatīṃ vācaṃ vadati. annaṃ vai vicakṣaṇam. annavatīm eva tad vācaṃ vadati. vicakṣaṇavatīṃ vācaṃ vadati. somo vai vicakṣaṇaḥ. annam u vai somaḥ. annavatīm eva tad vācaṃ vadati. vicakṣaṇavatīṃ vācaṃ vadati. prāṇo vai vicakṣaṇaḥ. tasya vāg eva mithunam. mithunavatīm eva tad vācaṃ vadati. vicakṣaṇavatīṃ vācaṃ vadati. annaṃ vai vicakṣaṇam. annena hīmāḥ prajā vipaśyanti. tata ābhyaḥ prajābhyo ’nnādyaṃ prayacchati. sa yadāsmai vrataṃ prayacchet, sarvam eva vratayet -- sarvasyānnādyasyāvaruddhyai. yady u pariśiṃṣyād, vratapradaṃ brūyād - aśāna vā piba veti. yady u vrataprado ’nucchiṣṭāśī vā syāt pari vā śiṃṣyāt, tad adbhir abhyukṣya chāyāyāṃ niṣektavai brūyāt. tad oṣadhībhir abhisaṃchādayitavai brūyāt. tad oṣadhīnāṃ mūlāny upasiñcati. varṣukaḥ parjanyo bhavati yatraivaṃ vidvān dīkṣate. dīkṣitā udaśuśrūṣann itīhāhuḥ. sa yadā dīkṣaṇīyeṣṭis saṃtiṣṭheta, yadainam adhvaryur abhyañjayed yadā saṃpavayed athaitam ādityam upatiṣṭheta tvaṃ devatā dīkṣitāsi. sā dīkṣamāṇasyendriyaṃ jyaiṣṭhyaṃ śraiṣṭhyaṃ yaśa ādatse. mā ma indriyaṃ jyaiṣṭhyaṃ śraiṣṭhyaṃ yaśa ādithāḥ. tava dīkṣām anu dīkṣa iti. tasyaiṣā devatā dīkṣamāṇasyendriyaṃ jyaiṣṭhyai śraiṣṭhyaṃ yaśo nādatte
Er spricht Rede, die »Vicakṣaṇa« (Scharfsicht) besitzt. Speise nämlich ist Vicakṣaṇa. Er spricht damit eben speisereiche Rede. Er spricht Rede, die Vicakṣaṇa besitzt. Soma nämlich ist Vicakṣaṇa. Und Soma ist ja Speise. Er spricht damit eben speisereiche Rede. Er spricht Rede, die Vicakṣaṇa besitzt. Der Atem nämlich ist Vicakṣaṇa. Dessen Gattenpaarung (Mithuna) eben ist die Rede. Er spricht damit eben paarungsreiche Rede. Er spricht Rede, die Vicakṣaṇa besitzt. Speise nämlich ist Vicakṣaṇa. Durch Speise nämlich sehen diese Geschöpfe deutlich (vipaśyanti). Von da aus gewährt er diesen Geschöpfen Speise.
Wenn er ihm das Gelübde (Vrata) gewährt, sollte er es ganz geloben – zur Sicherung aller Speise. Sollte aber ein Rest übrigbleiben, sollte er dem Gelübdenehmer sagen: »Iss oder trink es!« Sollte aber der Gelübdenehmer einer sein, der nichts Übriggebliebenes isst, oder sollte ein Rest übrigbleiben, so sollte er sagen, man solle es mit Wasser besprengen und im Schatten ausgießen lassen. Er sollte sagen, man solle es mit Kräutern bedecken. Das begießt dann die Wurzeln der Kräuter. Regenreich wird Parjanya, wo einer, der dies weiß, sich weiht. »Die Geweihten begehrten, dem Wasser zu dienen« – so sagt man hierzu.
Wenn das Weihe-Opfer vollendet ist, wenn der Adhvaryu ihn salbt, wenn er ihn läutert, dann sollte er sich Āditya nahen: »Du, Gottheit, bist geweiht. Du nimmst dem sich Weihenden Sinneskraft, Erstrangigkeit, Vorrangstellung und Ansehen. Nimm mir nicht Sinneskraft, Erstrangigkeit, Vorrangstellung und Ansehen! Deiner Weihe folgend weihe ich mich.« Diese Gottheit nimmt dem sich Weihenden Sinneskraft, Erstrangigkeit, Vorrangstellung und Ansehen nicht.
[Anm.: »Vicakṣaṇa« (›Scharfsicht, Unterscheidungskraft‹) wird der Reihe nach mit Speise, Soma und Atem gleichgesetzt, wobei die Volksetymologie zu »vipaśyanti« (›sie sehen deutlich‹) die Verbindung zur Wurzel cakṣ (›sehen‹) sichtbar macht. Die anschließende Regel zur Entsorgung übriggebliebener Gelübde-Speise – Übergießen mit Wasser, Bedecken mit Kräutern, Bewässerung der Pflanzenwurzeln – verbindet eine praktische, ökologisch anmutende Maßnahme mit der Zusage reichlichen Regens für den kundigen Weiheträger.]
tam adhvaryur abhyajya prapādyaudgrahaṇāni juhoti. yad audgrahṇāni juhoti yad asmā audumbaradaṇḍaṃ prayacchaty athaitam āhavanīyam upatiṣṭheta vācā me vāg dīkṣatām agnaye samaṣṭavā u, prāṇena me prāṇo dīkṣatāṃ vāyave samaṣṭavā u, cakṣuṣā me cakṣur dīkṣatāṃ sūryāya samaṣṭavā u, manasā me mano dīkṣatāṃ prajāpataye samaṣṭavā v iti. tad etābhir anārtābhir devatābhir imā svā devatā dīkṣayati. athāha agnir dīkṣitaḥ, pṛthivī dīkṣā, sā mā dīkṣā dīkṣeta, tayā dīkṣayā dīkṣe. vāyur dīkṣito, ’ntarikṣaṃ dīkṣā, sā mā dīkṣā dīkṣeta, tayā dīkṣayā dīkṣe. ādityo dīkṣito, dyaur dīkṣā, sā mā dīkṣā dīkṣeta, tayā dīkṣayā dīkṣe. prajāpatir dīkṣito, mano dīkṣā, sā mā dīkṣā dīkṣeta, tayā dīkṣayā dīkṣe. vācaṃ ma ṛco ’nu dīkṣantāṃ, mano yajūṃṣi, prāṇaṃ sāmāni. śraddhāṃ me somo rājānu dīkṣatām. ṛcā dīkṣe, yajuṣā dīkṣe, sāmnā dīkṣe, pṛthivyā dīkṣe, ’ntarikṣeṇa dīkṣe, divā dīkṣa ity atra kṛtsno dīkṣitaḥ. atha yasyādīkṣitā ime lokā adīkṣitāni chandāṃsy adīkṣitas somo rājā --
Der Adhvaryu, nachdem er ihn gesalbt und vortreten lassen hat, opfert die Udgrahaṇa-Spenden. Wenn er die Udgrahaṇas opfert, wenn er ihm den Feigenholzstab übergibt, dann sollte er sich diesem Āhavanīya-Feuer nahen: »Durch Rede möge meine Rede geweiht werden, um mit Agni gemeinsam gepriesen zu werden. Durch Atem möge mein Atem geweiht werden, um mit Vāyu gemeinsam gepriesen zu werden. Durch Sehkraft möge mein Sehvermögen geweiht werden, um mit Sūrya gemeinsam gepriesen zu werden. Durch Denken möge mein Denken geweiht werden, um mit Prajāpati gemeinsam gepriesen zu werden.« Damit weiht er, durch diese unversehrten Gottheiten, diese seine eigenen Gottheiten (seine Sinneskräfte).
Dann spricht er: »Agni ist der Geweihte, die Erde die Weihe; diese Weihe möge mich weihen, mit dieser Weihe weihe ich mich. Vāyu ist der Geweihte, der Zwischenraum die Weihe; diese Weihe möge mich weihen, mit dieser Weihe weihe ich mich. Āditya ist der Geweihte, der Himmel die Weihe; diese Weihe möge mich weihen, mit dieser Weihe weihe ich mich. Prajāpati ist der Geweihte, das Denken die Weihe; diese Weihe möge mich weihen, mit dieser Weihe weihe ich mich. Die Ṛc-Verse mögen demgemäß meine Rede weihen, die Yajus-Sprüche mein Denken, die Sāmans meinen Atem. König Soma möge demgemäß meinen Glauben weihen. Mit dem Ṛc-Vers weihe ich mich, mit dem Yajus-Spruch weihe ich mich, mit dem Sāman weihe ich mich, mit der Erde weihe ich mich, mit dem Zwischenraum weihe ich mich, mit dem Himmel weihe ich mich« – hierin ist er ganz und gar geweiht. Wessen Weihe aber so beschaffen ist, dass diese Welten ungeweiht, die Versmaße ungeweiht, König Soma ungeweiht bleiben –
[Anm.: Die Formel erweitert die bereits in 2.53 gegebene Grundform (Agni–Erde, Vāyu–Zwischenraum usw.) um eine wechselseitige Rückbindung (›diese Weihe möge mich weihen‹) und um die Einbeziehung von Ṛc, Yajus, Sāman und König Soma.]