Quellen der Menschheit

Jaiminīya-Brāhmaṇa · Kāṇḍa 2

Kapitel 2 Der Thron der Sonne: Weihe und der Mensch im Auge

Der Feigenholz-Thron Audumbarī-Rājāsandī wird zum kosmischen Körper: Bṛhat und Rathantara seine Füße, die Sāmans seine Polsterung, und auf ihm empfängt Āditya von den sechs Himmelsrichtungen Weihegaben, bis er sich schließlich 'das ganze All' selbst einverleibt. Śāṭyāyani lehrt, dass nicht der Mensch, sondern Atem und Ausatem die eigentlichen 'Sattra-Sitzenden' seien, und hier erscheint zum ersten Mal die durchgehend wiederkehrende Lehre vom 'Mann im Auge, in der Sonne, im Mond' samt dem Vers 'Von mir allein geht die Sonne auf' – eine frühe Vorform der berühmten Identitätslehre der Chāndogya-Upaniṣad. Die sechs Pṛṣṭha-Stomas werden zugleich der ständischen Ordnung zugeordnet, vom Trivṛt des Brahmanen bis zu den Waldtieren des Trayastriṃśa, während Śāṭyāyani mehrere numerisch bequeme, aber theologisch unbegründete Vereinfachungen der Praxis zurückweist.

tad āhur naudhasam evaitasyāhno brahmasāma kāryam iti. tad dha tat pakṣam anuvadati. rathantaram eva śyaitam eva kāryam iti. tad u ha tat pakṣam evānuvadati. bṛhad eva pañcanidhanam eva vāmadevyaṃ kāryam iti. ātmānaṃ haiva tad anuvadati. śrāyantīyam eva kāryam iti. na ha vai kiṃ cana śrāyantīyam anuvadati. mahāvaiṣṭambham eva kāryam. tad diṅnidhanaṃ bhavati. diśo vai pṛṣṭhāni. iyam eva prācī dig rathantaram iyaṃ bṛhad iyaṃ vairūpam iyaṃ vairājam amūr maha nāmnīr imā revatayaḥ. digbhyo vā etasmā annādyaṃ haranti. digbhyo vā asmā annādyaṃ hriyate ya evaṃ veda. atho haiṣām etenaiva sarvāṇi pṛṣṭhāni brahmasāmavanti bhavanti. tasmād u haitat sāmaitasmād ahno nāntarityam. tad u satobṛhatīṣu bhavaty utkrāntyā evānapabhraṃśāya

Dazu sagt man: Das Naudhasa solle man zum Brahma-Sāman dieses Tages machen. Das aber bekräftigt nur jene schon genannte Seite. Das Rathantara, ja das Śyaita solle man machen. Auch das bekräftigt nur eben jene Seite. Das Bṛhat, ja das fünf-Nidhana-Vāmadevya solle man machen. Auch das bekräftigt nur eben den Rumpf. Das Śrāyantīya solle man machen. Das Śrāyantīya aber bekräftigt gar nichts Vorheriges. Das Mahāvaiṣṭambha solle man machen. Dieses hat ein Richtungs-Nidhana. Die Richtungen nämlich sind die Pṛṣṭhas. Diese östliche Richtung hier ist das Rathantara, diese das Bṛhat, diese das Vairūpa, diese das Vairāja, jene dort, die »Großnamigen«, sind die Revatīs. Von den Richtungen her bringt man diesem Opferherrn Speise. Von den Richtungen her wird ihm Speise gebracht, der dies weiß. Und eben dadurch werden für sie alle Pṛṣṭhas mit einem Brahma-Sāman versehen. Deshalb ist dieses Sāman an diesem Tag nicht auszulassen. Dies geschieht bei den Satobṛhatī-Versen, eben zum Aufsteigen, damit kein Abgleiten erfolgt.

[Anm.: Śrāyantīya ist bereits aus 1.352 bekannt. Die Zuordnung der sechs Pṛṣṭhas zu den Himmelsrichtungen bleibt im Sanskrit-Text an dieser Stelle unvollständig ausgeführt; Śakvarī erscheint hier offenbar nur mittelbar unter dem Beinamen ›die Großnamige‹, während für die übrigen Richtungen keine weiteren Namen genannt werden. Die Übersetzung folgt dem Wortlaut, ohne die Lücke zu schließen.]

tad āhur ilāndam evaitasyāhno agniṣṭomasāma kāryam iti. tasyaiṣā kalyāṇy eva praśaṃsā. atiricyate yad vyavacchindyurā(?)maṇīya tad yad adaḥ pakṣam. ilāndaṃ tad ārbhavasya pavamānasyānuṣṭubhi kāryaṃ, yad abhyuditaṃ tan ned antarayāmeti. vāravantīyam eva kāryam iti. tasyaiṣā kalyāṇy eva praśaṃsā. niṣiddham iva tu yāvad dhaiva kṛtvo yajate tāvad bubhūṣati tāvat kāmayate -- śreyān syāṃ śreyān syām iti. tad ārbhavasyaiva pavamānasya gāyatryāṃ kāryaṃ, yad abhyuditaṃ tan ned antarayāmeti. tad u vā āhur yad vāvānyā vāṅ nātivadati tad etasyāhno ’gniṣṭomasāma kāryam. yajñāyajñīyaṃ vāvānyā vāṅ nātivadati. vāg vai yajñāyajñīyam. kuto hi vāg vācam ativadiṣyati. tasmād etasyāhno yajñāyajñīyam evāgniṣṭomasāma kāryam iti. athaitac catustriṃśa - saṃmitam anuṣṭubhi kurvanti. trayastriṃśad vai devatāḥ. prajāpatiś catustriṃśaḥ. saprajāpatikā evaitena devā ṛdhnuvanti. atha yad ārambhaṇīye ’haṃs trayastriṃśatsaṃmitam bhavati devatā eva tenardhnuvanti. athaitena saprajāpatikā evaitena devatā antata ṛddhvāptvottiṣṭhanti

Dazu sagt man: Das Iḷānda solle man zum Agniṣṭoma-Sāman dieses Tages machen. Dies hat eine schöne Empfehlung für sich. Doch geht es darüber hinaus, wenn man abschneiden würde – das betrifft jenen fernen Flügel. Das Iḷānda soll man in der Anuṣṭubh des Ārbhava-Pavamāna verwenden – »da es schon erwähnt ist, wollen wir es nicht auslassen«. Das Vāravantīya solle man machen. Dies hat eine schöne Empfehlung für sich. Doch ist es gleichsam untersagt: Solange man nämlich opfert, so lange begehrt man, mehr zu werden, so lange verlangt man: »Möge ich der Bessere sein, möge ich der Bessere sein!« Dies soll man in der Gāyatrī des Ārbhava-Pavamāna verwenden – »da es schon erwähnt ist, wollen wir es nicht auslassen«. Man sagt aber auch: Was seine Rede betrifft, so übertrifft keine andere Rede sie – eben das solle man zum Agniṣṭoma-Sāman dieses Tages machen. Das Yajñāyajñīya nämlich ist das, dessen Rede keine andere Rede übertrifft. Rede nämlich ist das Yajñāyajñīya. Wie sollte denn Rede die Rede übertreffen? Deshalb solle man für diesen Tag eben das Yajñāyajñīya zum Agniṣṭoma-Sāman machen. Und dies machen sie vierunddreißigfach, gemessen in der Anuṣṭubh. Dreiunddreißig nämlich sind die Gottheiten. Prajāpati ist der Vierunddreißigste. Zusammen mit Prajāpati eben gedeihen dadurch die Götter. Wenn es aber am Ārambhaṇīya-Tag dreiunddreißigfach gemessen ist, gedeihen eben nur die Gottheiten allein dadurch. Durch dieses vierunddreißigfache aber, zusammen mit Prajāpati, stehen die Gottheiten, am Ende gediehen und ihr Ziel erlangt, auf.

[Anm.: Der Satz »atiricyate yad vyavacchindyur« ist im überlieferten Sanskrit-Text selbst mit einem Fragezeichen als unsicher markiert; die Übersetzung gibt nur den ungefähren Sinn wieder. Das Vāravantīya wird hier, trotz seiner ›schönen Empfehlung‹, mit einer gewissen Zurückhaltung behandelt, da es mit rastlosem Übertreffen-Wollen assoziiert wird – ein seltenes Beispiel für eine ethisch grundierte Bewertung innerhalb dieser sonst rein liturgischen Abwägung.]

tad āhuḥ kāṃ devatāṃ dīkṣamāṇā anuniṣīdanti kām anūttiṣṭhantīti. sa brūyād agniṃ devatānāṃ dīkṣamāṇā anuniṣīdanty ādityam anūttiṣṭhantīti. tasmād dīkṣitān sata āhur āsata iti, yady api te śayīrann athottiṣṭheyuḥ. agnir hi devānām āsīnānāṃ śreṣṭhaḥ. agnidevatyā hi tarhi bhavanti. tasmād utthitān sata āhur udasthur iti, yady api ta āsīrann atho śayīran. ādityo hi devānām utthitānāṃ śreṣṭhaḥ. ādityadevatyā ha tarhi bhavanti. tad āhuḥ ke bhūtvottiṣṭhantīti. sa brūyān manuṣyā bhūtā dīkṣante devā bhūtvottiṣṭhantīti. ta etad ṛgretasaṃ yajūretasaṃ brahmaṇi yonau reto dadhato yanti. agnāv eva tad āhutībhir abhijuhvato yanti. tasmād dīkṣopasatsu vīva glāyanti. taruṇam iva tarhi reto bhavati. tasmād u strī durhṛdinī vīva glāyati. taruṇam iva hi tarhi reto bhavati. tān stutiśastrais trir vardhayanto ’bhiśṛṇvanto yanti. tasmād garbhā anaśnatas saṃbhavanti

Dazu fragt man: Welcher Gottheit nähern sich die zur Weihe Schreitenden im Sitzen, welcher im Aufstehen? Man sollte antworten: Agni nähern sich die zur Weihe Schreitenden unter den Gottheiten im Sitzen, Āditya im Aufstehen. Deshalb sagt man von den Geweihten, die sitzen: »sie sitzen« – auch wenn sie sich hinlegen und dann wieder aufstehen sollten. Agni nämlich ist der Vornehmste der sitzenden Götter. Sie gehören dann eben Agni als Gottheit zu. Deshalb sagt man von denen, die aufgestanden sind: »sie sind aufgestanden« – auch wenn sie sich hinsetzen oder hinlegen sollten. Āditya nämlich ist der Vornehmste der aufgestandenen Götter. Sie gehören dann eben Āditya als Gottheit zu. Dazu fragt man: Als was geworden stehen sie auf? Man sollte antworten: Als Menschen geworden empfangen sie die Weihe; als Götter geworden stehen sie auf. Diese gehen, indem sie diesen aus Ṛc-und-Yajus-Samen bestehenden Samen in den Schoß des heiligen Wortes legen. Sie gehen, indem sie ihn mit Opferspenden eben ins Feuer gießen. Deshalb werden sie während der Weihe- und Upasad-Tage gleichsam matt. Denn zart, jung, ist der Same dann. Deshalb wird auch eine unpässliche Frau gleichsam matt. Denn zart, jung, ist die Leibesfrucht dann. Diese gehen, indem sie ihn durch Lobgesang und Rezitation dreifach anwachsen lassen, ihm aufmerksam lauschend. Deshalb entstehen Leibesfrüchte, ohne zu essen.

[Anm.: »Durhṛdinī«, wörtlich ›die Übelherzige‹, wird hier versuchsweise als Bezeichnung für eine schwangere Frau in einem Zustand der Unpässlichkeit gedeutet, in Entsprechung zur ›zarten, jungen‹ Leibesfrucht; die genaue medizinisch-begriffliche Bedeutung des Wortes ist unsicher. Der ganze Abschnitt entfaltet eine Analogie zwischen der Weihe und einer Schwangerschaft, die in 2.24 mit der Geburt eines aus den Veden selbst bestehenden Wesens fortgeführt wird.]

ta ṛṅmayā yajurmayās sāmamayā brahmamayā hiraṇmayā amṛtās saṃbhavanti. ṛṅmayo ha vai yajurmayas sāmamayo brahmamayo hiraṇmayo ’mṛtas saṃbhavati, ṛṅmayāny asyāsthāni bhavanti ya evaṃ veda. tān udgātā purastāt saṃvatsarasya janayitvā hotre prayacchati. tān hotā sūktais sūte. tat sūktānāṃ sūktatvam. tāñ chastraiḥ praśāsti. tac chastrāṇāṃ śastratvam. tān ukthair utthāpayati. tad ukthānāṃ ukthatvam. tebhya etad devyaṃ madhv aśītīr annādyaṃ prayacchati. madhu hāsyāsmiṃś ca loke ’muṣmiṃś cānnaṃ bhavati ya evaṃ veda. akṣareṇākṣareṇo hāsmai vidyās sarvān kāmān duhre. tasmāt saṃvatsara eva śasyaṃ saṃvatsare procyam. tasmād brāhmaṇo hato na stāyādbhavati. tasmād retas siktaṃ na stāyādbhavati. tasmād u haivaṃ vidvān na stāyādbhavati. aśītibhir vai devā imān lokān imān adhvan āśnuvata. tad aśītīnām aśītitvam. tisṛbhir evemaṃ lokam āśnuvata, tisṛbhir antarikṣaṃ, tisṛbhir amuṃ, catasṛbhir eva diśa āśnuvata, catasṛbhir avāntaradeśān, ekayāmūm ūrdhvā, dvānavāśītayo ’bhavan. nava prāṇāḥ. aśnute prāṇān. saprāṇas saṃbhavati. sarvam āyur eti. nākāmo mriyate

Diese werden Ṛc-haft, Yajus-haft, Sāman-haft, Brahman-haft, goldhaft, unsterblich. Ṛc-haft, Yajus-haft, Sāman-haft, Brahman-haft, goldhaft, unsterblich wird, dessen Knochen Ṛc-haft werden, wer dies weiß. Diese erzeugt der Udgātṛ vor Beginn des Jahres und übergibt sie dem Hotṛ. Diese bringt der Hotṛ mit den Sūktas zur Welt. Das ist die Sūkta-Natur der Sūktas. Diese unterweist er mit den Śastras. Das ist die Śastra-Natur der Śastras. Diese richtet er mit den Uktha-Rezitationen auf. Das ist die Uktha-Natur der Uktha-Rezitationen. Ihnen gibt er diese göttliche Süße, die achtzig Einheiten Speise. Süße wird ihm, sowohl in dieser Welt als auch in jener, zur Speise, wer dies weiß. Silbe für Silbe melken sie ihm alle Wünsche, dem, der dies weiß. Deshalb ist eben innerhalb des Jahres zu rezitieren, innerhalb des Jahres zu verkünden. Deshalb bleibt ein erschlagener Brahmane nicht ungerächt. Deshalb bleibt vergossener Same nicht ungerächt. Deshalb bleibt, wer dies so weiß, nicht ungerächt. Mit Achtzigern erlangten die Götter diese Welten, diesen Weg. Das ist die Achtziger-Natur der Achtziger. Mit dreien erlangten sie diese Welt hier, mit dreien den Zwischenraum, mit dreien jene dort; mit vieren erlangten sie die Himmelsrichtungen, mit vieren die Zwischenrichtungen, mit einem jene obere – so wurden es zweiundneunzig. Neun sind die Atemkräfte. Er erlangt die Atemkräfte, wird atemversehen, erreicht die volle Lebenszeit, stirbt nicht, ohne sein Ziel erreicht zu haben.

[Anm.: Die Wendung »na stāyādbhavati« (wörtlich etwa ›wird nicht zum Gestohlenen‹) ist unsicher; sie wird hier im Sinne von ›bleibt nicht ungerächt, nicht folgenlos‹ gedeutet. Die abschließende Achtziger-Rechnung lässt sich mit den genannten Einzelposten (3+3+3+4+4+1 = 18) nicht auf die im Text selbst genannte Summe zweiundneunzig zurückführen; vermutlich bezeichnen die einzelnen Zahlwörter hier nicht schlicht die Anzahl der Achtziger-Einheiten, sondern einen komplexeren, im Text nicht weiter erläuterten Multiplikationsschlüssel. Die Übersetzung gibt die Rechnung wieder, ohne die Diskrepanz zu glätten.]

athaiṣaudumbarī rājāsandī. tasyai bṛhadrathantare pūrvau pādau, vairūpavairāje aparau, śākvararaivate anūcyāni, ṛcaḥ prācīnam ātānā, yajūṃṣi tiraścīnaṃ, sāmāny āstaraṇaṃ, vākovākyam atīrokā, śrīr upabarhaṇam. tasyai prajāpatiś ca bṛhaspatiśa ca pūrvau pādāv adhārayetāṃ, somaś ca varuṇaś cāparau. tasyām etam ādityam abhyaṣiñcanta. vasavo rājyāya rudrā vairājyāyādityā svārājyāya viśve devās sāmrājyāya marutas sārvavaśyāya sādhyāś cāptyāś ca pārameṣṭhyāya. tan na haitāvat kayācana devatayā jitaṃ yāvad ādityena. ye hi sutā devānām āsaṃs ta enam asuvata. tasmin diśo apitvam aicchanta yathā rājani vijitiny apitvam icchanta evam. tā abravīt -- pradānaṃ me prayacchateti. seyaṃ prācī dik prāyacchan mad udayety ahaś ca satyaṃ ca. mām abhy udayety ūrdhvā dik prāyacchat kṣatraṃ ca rāṣṭraṃ ca. mām abhy apakrāmeti dakṣiṇā dik prāyacchad annaṃ ca rathaṃ ca. mām abhy apakrāmety udīcī dik prāyacchad rūpaṃ ca varṇaṃ ca. samayā mām ayety antarikṣaṃ prāyacchat prakāśaṃ cāsaṃbādhaṃ ca. mām abhy astam ayeti pratīcī dik prāyacchad ṛtaṃ ca rātriṃ ca. anu mām ā tapeti pṛthivī prāyacchat --

Nun ist diese Audumbarī-Rājāsandī, der Feigenholz-Königsthron. Für ihn sind Bṛhat-und-Rathantara die beiden vorderen Füße, Vairūpa-und-Vairāja die beiden hinteren, Śākvara-und-Raivata die Seitenleisten; die Ṛc-Verse sind die Längsschnur, die Yajus-Sprüche die Querschnur, die Sāmans die Polsterauflage, das Streitgespräch ist der Rahmen, der Glanz das Kopfkissen. Für ihn hielten Prajāpati und Bṛhaspati die beiden vorderen Füße, Soma und Varuṇa die beiden hinteren. Auf ihm weihten sie diesen Āditya. Die Vasus weihten ihn zur Königsherrschaft, die Rudras zur Oberherrschaft, die Ādityas zur Selbstherrschaft, die Alle-Götter zur Kaiserherrschaft, die Maruts zur Allgewalt, die Sādhyas und Āptyas zur höchsten Würde. Dies wurde von keiner Gottheit in solchem Maße errungen wie von Āditya. Die nämlich, die als Auspressungen den Göttern dargebracht wurden, die eben regten ihn an. Ihm gegenüber begehrten die Himmelsrichtungen Zugehörigkeit, so wie man gegenüber einem siegreichen König Zugehörigkeit begehrt. Er sprach zu ihnen: »Gewährt mir eine Gabe.« Da sprach diese östliche Richtung hier: »Geh auf, von mir aus«, und gewährte Tag und Wahrheit. »Geh auf, mir zu«, sprach die obere Richtung, und gewährte Herrschermacht und Reich. »Nahe dich mir«, sprach die südliche Richtung, und gewährte Speise und Wagen. »Nahe dich mir«, sprach die nördliche Richtung, und gewährte Gestalt und Farbe. »Geh mit mir zugleich«, sprach der Zwischenraum, und gewährte Helligkeit und Unbedrängtheit. »Geh unter, mir zu«, sprach die westliche Richtung, und gewährte Weltordnung und Nacht. »Erwärme mich fortwährend«, sprach die Erde, und gewährte –

[Anm.: Das Wort »atīrokā« (hier versuchsweise als ›Rahmen‹ gedeutet) ist unsicher. Die Reihe der Weihungen – Königsherrschaft, Oberherrschaft, Selbstherrschaft, Kaiserherrschaft, Allgewalt, höchste Würde –, jeweils einer eigenen Gruppe von Gottheiten zugeordnet, entspricht der aus dem Aitareya-Brāhmaṇa (8,14–17) bekannten klassischen Stufenfolge königlicher Weihetitel, hier im Rahmen einer Sonnen-Thronbesteigung neu entfaltet. Die Wendung »ye sutā devānām« bleibt in ihrer genauen Bedeutung unsicher; sie wird hier versuchsweise auf die den Göttern dargebrachten Soma-Auspressungen bezogen.]

-- kṣemaṃ ca vimokaṃ ca. atha hāpa śreyasīr menire. tāḥ prati tvā vayam ātapāma iti yātrāṃ ca prayāṃ ca prāyacchan. adbhira ha vā eṣa etad ety apām evāyanena. tāsām etāsām ūrdhvāś chāyāḥ, prati hainaṃ tad ātapanti. sa evam etā diśa upāpnoti. asyai prācyai diśa udeti. abhy udetīmām ūrdhvāṃ diśam. ṣaḍ itthaṃ māsa eti, ṣaḍ ittha(m). samayāntarikṣam eti. abhy astam etīmām aparāṃ diśam. anv imāṃ pṛthivīm ātapati. tad yathā patir jāyā anusaṃcared evam evainā eṣa etad anusaṃcarati. sa aikṣatāham evedaṃ sarvaṃ saṃvṛṇajā iti. sa vaśam eva diva ādatta, kṣatraṃ nakṣatrāṇām, ātmānam antarikṣasya, rūpaṃ vāyor, ājñāṃ manuṣyāṇāṃ, cakṣaḥ paśūnām, ūrjam apāṃ, rasam oṣadhīnāṃ, carathaṃ vanaspatīnāṃ, śiśnaṃ vayasām, arciṣam agner, hṛdayaṃ pṛthivyai, gandhaṃ hiraṇyasya, stanayitnuṃ vācas, saṅgamaṃ pitṝṇāṃ, bhāṃ candramasaḥ. tad yad eteṣāṃ bhūtānām ādatta, tad ādityasyādityatvam. sa ya etad evaṃ vedaiṣa evādityo bhūtvaitasyāṃ rājāsandyām āste

– Sicherheit und Erlösung. Da nun hielten sich die Gewässer für die Besseren. Sie sprachen: »Wir wollen dir entgegen-erwärmen«, und gewährten Wanderung und Vorwärtsschreiten. Mit den Gewässern eben geht dieser hier, eben auf dem Pfad der Gewässer. Von diesen steigen die Schatten aufwärts; damit erwärmen sie ihn zurück. So gelangt er zu diesen Richtungen. Für diese östliche Richtung geht er auf. Zu dieser oberen Richtung hin geht er auf. Sechs Monate lang geht er so, sechs Monate so. Gleichmäßig durchquert er den Zwischenraum. Zu dieser westlichen Richtung hin geht er unter. Dieser Erde entlang erwärmt er. So wie ein Gatte mit seiner Gattin umherzöge, ebenso zieht dieser mit diesen umher. Er dachte bei sich: »Lass mich dies ganze All für mich selbst umfassen.« Da nahm er die Verfügungsgewalt des Himmels, die Herrschermacht der Sternbilder, das Selbst des Zwischenraums, die Gestalt des Windes, den Befehl der Menschen, das Sehvermögen der Tiere, die Kraft der Gewässer, den Saft der Pflanzen, die Beweglichkeit der Bäume, die Zeugungskraft der Vögel, den Feuerschein Agnis, das Herz der Erde, den Duft des Goldes, das Donnern der Rede, die Vereinigung der Ahnen, den Glanz des Mondes. Dass er dies von diesen Wesenheiten nahm, das ist die Āditya-Natur des Āditya. Wer dies so weiß, der sitzt, selbst zu diesem Āditya geworden, auf dieser Rājāsandī.

[Anm.: Die abschließende Aufzählung, in der die Sonne von sechzehn Bereichen des Kosmos je deren Wesenskern an sich nimmt, ist eine der umfassendsten Totalisierungs-Aufzählungen des Jaiminīya-Brāhmaṇa; die Schlussformel geht dabei über die übliche Wissens-Belohnung hinaus, indem der Wissende nicht nur etwas erlangt, sondern selbst zu Āditya wird und dessen kosmischen Thron besteigt.]

na ha brūyāt -- sattram āsiṣya iti. śramiṣyāmīty eva vaktavyam. dve ha vāva devate sattram āsāte prāṇāpānāv eva. tayos so ’bhyārohaḥ. tad yat tāv idaṃ sattrāyete tasmāt tau sattrasadau. tasmād u śramiṣyāmīty eva vaktavyam. tasyaiṣa ślokaḥ -- saptarṣayaḥ pratihitās subhūte sapta paśyanti bahudhā niviṣṭau. saptaitaṃ lokam upayanty āpo ’svapnajau sattrasadau yatra devā. iti. saptarṣayaḥ pratihitās subhūta iti puruṣo vai subhūtam. ta ime saptarṣayaḥ pratihitāḥ prāṇā eva. sapta paśyanti bahudhā niviṣṭāv iti bahudhā hy etau niviṣṭau paśyanti yat prāṇāpānau. saptaitaṃ lokam upayanty āpa itīmā dvayīr āpa imā dvayīr imā ekā imā dvayīr avācīḥ. asvapnajau sattrasadau yatra devā ity ete eva te devate. sa ya etad evaṃ veda --

Man sollte nicht sagen: »Ich werde im Sattra sitzen.« Vielmehr sollte man sagen: »Ich werde mich abmühen.« Zwei Gottheiten nämlich sind es, die im Sattra sitzen: eben Atem-und-Ausatem. Jenes bloße Sitzen-Sagen wäre ein Übergriff auf die beiden. Weil eben diese beiden hier das Sattra vollziehen, deshalb sind sie die Sattra-Sitzenden. Deshalb eben sollte man nur sagen: »Ich werde mich abmühen.« Dazu gibt es diesen Vers: »Die sieben Seher, gegründet in Subhūta, sehen vielfach, die beiden mannigfach eingelassen. Sieben-fach gehen die Gewässer in diese Welt ein, die beiden schlaflosen Sattra-Sitzenden, wo die Götter sind.« »Die sieben Seher, gegründet in Subhūta« – Subhūta nämlich ist der Mensch. Diese sieben Seher, so gegründet, sind eben die Atemkräfte. »Sie sehen vielfach, die beiden mannigfach eingelassen« – denn vielfach eingelassen sehen diese beiden, Atem-und-Ausatem. »Sieben-fach gehen die Gewässer in diese Welt ein« – das sind diese zwei-und-zwei Gewässer, diese eine, diese zwei-und-zwei nach unten gerichteten. »Die beiden schlaflosen Sattra-Sitzenden, wo die Götter sind« – eben diese beiden Gottheiten sind das. Wer dies so weiß –

[Anm.: Die sieben ›Seher‹ sind, wie schon in der Anmerkung zu 1.131 erläutert, die sieben Öffnungen des Kopfes – zwei Augen, zwei Ohren, zwei Nasenlöcher, ein Mund; die als ›Gewässer‹ bezeichneten Flüssigkeiten dieser Öffnungen werden hier in der Zählung zwei-zwei-eins-zwei auf die Sieben-Zahl verteilt. »Subhūta«, wörtlich ›der Wohlseiende‹, ist hier ein Beiname des Menschen als kosmischen Puruṣa.]

--yadi ca sa ha sattram āste yadi ca nātha hāsyāsitam eva sattraṃ bhavati. ya u evaṃ vidvāñ chramam upaparaity ete evāsya devate bhāgās sattram āsāte so ’nārtas saṃvatsarasyodṛcaṃ gacchati. asāv eva saṃvatsaro yo ’sau tapati. tasya yad bhāti tat saṃvad, yan madhye kṛṣṇaṃ maṇḍalaṃ tat sara ity adhidevatam. athādhyātmam. ayam eva saṃvatsaro yo ’yaṃ cakṣuṣi puruṣaḥ. tasya yac chuklaṃ tat saṃvad, yan madhye kṛṣṇaṃ maṇḍalaṃ tat saraḥ. tasyaiṣa ślokaḥ -- mad evodeti sūryo ’staṃ mad u ca gacchati. māṃ sarve devā anvāyattā mām u nātyeti kiṃ cana. iti. mad evodeti sūrya ity evaṃvido ha vāva sūrya udeti. astaṃ mad u ca gacchatīty evaṃvido ha vāvāstam eti. māṃ sarve devā anvāyattā ity evaṃvidaṃ ha vāva sarve devā anvāyattā. mām u nātyeti kiṃ canety evaṃvidaṃ ha vāva na kiṃ canātyeti

– ob er nun im Sattra sitzt oder nicht, für ihn wird das Sattra gleichsam zu einem Ungesessenen. Wer aber, dies wissend, sich der Mühe zuwendet, für den sitzen eben diese beiden Gottheiten als seine Anteile das Sattra; unversehrt gelangt er zum Schlussvers des Jahres. Jene Sonne dort, die brennt, ist eben das Jahr. Was an ihr leuchtet, das ist das »Saṃ«; was in der Mitte die dunkle Scheibe ist, das ist das »Sara« – so auf die Gottheit bezogen. Nun auf den eigenen Leib bezogen: Eben dieser Mensch hier im Auge ist das Jahr. Was an ihm weiß ist, das ist das »Saṃ«; was in der Mitte die dunkle Scheibe ist, das ist das »Sara«. Dazu gibt es diesen Vers: »Von mir allein geht die Sonne auf, zu mir geht sie auch unter. Von mir hängen alle Götter ab, und mich übertrifft nichts, was immer es sei.« »Von mir allein geht die Sonne auf« – für den, der dies so weiß, geht die Sonne wahrhaftig auf. »Zu mir geht sie auch unter« – für den, der dies so weiß, geht sie wahrhaftig unter. »Von mir hängen alle Götter ab« – von dem, der dies so weiß, hängen wahrhaftig alle Götter ab. »Und mich übertrifft nichts, was immer es sei« – den, der dies so weiß, übertrifft wahrhaftig nichts, was immer es sei.

[Anm.: Die Lehre vom ›Menschen im Auge‹, dem winzigen Spiegelbild, das man in der Pupille eines anderen sieht, der hier mit dem Jahr und in der zitierten Ich-Rede geradezu mit dem höchsten Prinzip selbst gleichgesetzt wird, ist eine frühe Ausprägung eines Motivs, das in der ebenfalls sāmavedischen Chāndogya-Upaniṣad (4,15) zu einer der berühmtesten Identifikationslehren der Upaniṣaden ausgebaut wird. Die volksetymologische Aufspaltung von »saṃvatsara« in »saṃ« (das Leuchtende) und »sara« (die dunkle Scheibe/Pupille) verbindet Sonnenscheibe und Augapfel zu einem einzigen Bild.]

tad āhuḥ kiṃ saṃvat kiṃ saraṃ kim ayanam iti. sa brūyāt trayy eva vidyā saṃvat. tāṃ hi sarve devās saṃvāntāḥ. ahorātre eva saraḥ. te hīdaṃ sarvaṃ sarataḥ. āditya evāyanam. sa hy eṣu lokeṣv eti. ity adhidevatam. athādhyātmam. annam eva saṃvat. tad dhīdaṃ sarvaṃ saṃvāntam. vāg eva saraḥ. vācā hi puruṣas sarati. prāṇa evāyanam. sa hy asmin sarvasminn eti. sa ya evam etad adhidevataṃ cādhyātmaṃ ca saṃvatsarāyaṇaṃ vedānārta eva saṃvatsarasyodṛcaṃ gacchati. tad āhuḥ kathaṃ saṃvatsara ekacchandā bārhato bhavatīti--

Dazu fragt man: Was ist das »Saṃ«, was das »Sara«, was der »Lauf«? Man sollte antworten: Die dreifache Wissenschaft ist das »Saṃ«. Sie nämlich umwehen alle Götter. Tag-und-Nacht sind das »Sara«. Diese nämlich durchfließen dieses Ganze. Āditya eben ist der »Lauf«. Er nämlich geht durch diese Welten. So auf die Gottheit bezogen. Nun auf den eigenen Leib bezogen: Speise eben ist das »Saṃ«. Diese nämlich umgibt dieses Ganze wie ein Windhauch. Rede eben ist das »Sara«. Durch die Rede nämlich bewegt sich der Mensch. Atem eben ist der »Lauf«. Er nämlich durchläuft dieses Ganze. Wer so dieses »Jahres-Laufes« Gottheits-Bezug und Leibes-Bezug kennt, gelangt unversehrt zum Schlussvers des Jahres. Dazu fragt man: Wie wird das Jahr »einmaßig«, dem Bṛhat zugehörig? –

[Anm.: Die Wendung »saṃ umwehen« gibt eine Volksetymologie wieder, die »saṃvat« mit dem Verb saṃ-vā (›zusammen wehen, anwehen‹) verknüpft. Das Kapitel entfaltet damit eine weitere Zerlegung von »saṃvatsara« – hier nicht wie in 2.28 in zwei, sondern in drei Bestandteile: saṃ, sara und ayana, den ›Lauf‹.]

--ahobhir iti brūyāt. katham ahobhir iti. atirātrāv, ārambhaṇīya mahāvratīye ahanī, pṛṣṭhyābhiplāvāv, abhiji(t), traya svarasāmānaḥ, pratyañcas traya svarasāmāno, viśvajid, goāyuṣī, daśarātro, vaiṣuvatam eva saptatriṃśam etasmin svarge loke ’dhyūḍham. tasyaiṣa ślokaḥ -- tāṃ viṃśati(s) saptaśatāni cāhu(ṣ) ṣaṭtriṃśinīṃ bṛhatīṃ kalpamānām. sānuṣṭub bhūtvā paśubhis sayonir devān pitṝn dadate manuṣyāṃś ca. iti. tāṃ viṃśatis saptaśatāni cāhur ity ahorātrā eva te. ṣaṭtriṃśinīṃ bṛhatīṃ kalpamānām ity evaṃ ha tad ahobhi(ṣ) ṣaṭtriṃśinī bṛhatī kalpate. sānuṣṭub bhūtvā paśubhis sayonir itīyam eva dig gām āharad iyam aśvam iyam ajām iyam avim. anuṣṭubhe vā etasyai satyai diśaś śulkam āharann ity evaṃ ha tat. devān pitṝn dadate manuṣyāṃś ceti. vāga vā anuṣṭup. vāco vā idaṃ sarvaṃ yatam. evaṃ vai saṃvatsara ekacchandā bārhato bhavatīti

– Durch die Tage, sollte man antworten. Wie durch die Tage? Die beiden Atirātras, der Ārambhaṇīya-und-Mahāvratīya-Tag, das Pṛṣṭhya-und-Abhiplava-Paar, der Abhijit, die drei vorwärtsgerichteten Svara-Sāmans, die drei rückwärtsgerichteten Svara-Sāmans, der Viśvajit, das Go-und-Āyus-Paar, das Zehnnächte-Opfer, und eben der Viṣuvant selbst – siebenunddreißig Einheiten, in dieser Himmelswelt aufgeschichtet. Dazu gibt es diesen Vers: »Zwanzig und siebenhundert nennen sie die sechsunddreißigfache Bṛhatī, die sich formt. Zur Anuṣṭubh geworden, von gleichem Ursprung mit dem Vieh, gewährt sie Göttern, Ahnen und Menschen ihre Gaben.« »Zwanzig und siebenhundert nennen sie« – das eben sind Tag-und-Nacht zusammen. »Die sechsunddreißigfache Bṛhatī, die sich formt« – so eben formt sich durch die Tage die sechsunddreißigfache Bṛhatī. »Zur Anuṣṭubh geworden, von gleichem Ursprung mit dem Vieh« – diese Richtung hier brachte eine Kuh, diese ein Pferd, diese eine Ziege, diese ein Schaf. Der Anuṣṭubh, dieser wahrhaftigen, brachten die Richtungen eben ihren Brautpreis dar – so ist dies zu verstehen. »Sie gewährt Göttern, Ahnen und Menschen ihre Gaben« – Rede nämlich ist die Anuṣṭubh. Durch Rede nämlich ist dieses Ganze gelenkt. So eben wird das Jahr »einmaßig«, dem Bṛhat zugehörig.

[Anm.: Die Zahl »zwanzig und siebenhundert« (720) für Tag-und-Nacht des Jahres ist dieselbe berühmte Zahlenformel, die im großen Rätsel-Hymnus Ṛgveda 1,164 (Vers 11: »sapta śatāni viṃśatiś ca«) das Jahresrad beschreibt; das Jaiminīya-Brāhmaṇa greift hier auf dieselbe traditionelle Zählweise zurück. Die Aufzählung der siebenunddreißig Tages-Einheiten des Jahres-Sattra lässt sich im Einzelnen nicht mehr lückenlos nachvollziehen; die Übersetzung folgt dem Wortlaut.]

ayam eva spṛṣṭyo yo ’yaṃ pavate. etena hīdaṃ sarvaṃ spṛṣṭam. spṛṣṭyo ha vai nāmaiṣaḥ. taṃ pṛṣṭhya iti parokṣam ācakṣate. sarvān kāmān spṛśati ya evaṃ veda. asāv evābhiplavo yo ’sau tapati. eṣa hīdaṃ sarvam abhiplavate. tad āhur yat pṛṣṭhyābhiplavāva ity ācakṣate ’bhiplavam u vai pūrvam upayanti. kathaṃ pṛṣṭhyaḥ pūrva upeto bhavatīti. sa brūyād yad evāyam avaro vāyuḥ pavate para ādityas teneti. atho yat paraṃ santam abhiplavam avaram upayanti vyatiṣaṃgāyānirmārgāya sarvāyuṣṭāyai. tad āhur yac catvāro ’bhiplavasya stomāṣ ṣaṭ pṛṣṭhyasya kathaṃ tat sabhāram iti. sa brūyād yad evaite sadṛśi devate vāyuś cādityaśa ca tena sabhāram iti. atho yad brahmābhiplavaḥ kṣatraṃ pṛṣṭhyas teno eveti

Dieser eben, der weht, ist der »Berührende« (spṛṣṭya). Durch ihn nämlich ist dieses Ganze berührt. »Spṛṣṭya« ist wahrhaftig sein eigentlicher Name. Ihn nennt man verhüllt »Pṛṣṭhya«. Alle Wünsche erlangt, wer dies weiß. Jener eben, der dort brennt, ist der Abhiplava. Dieser nämlich überflutet dieses Ganze. Dazu fragt man: Wenn man vom »Pṛṣṭhya-und-Abhiplava« spricht, obwohl man doch den Abhiplava zuerst vollzieht – wie kommt es, dass der Pṛṣṭhya als der zuerst Herangeführte gilt? Man sollte antworten: Weil eben dieser niedrigere Vāyu hier weht, während der höhere Āditya dort scheint – deshalb. Und auch, weil sie den Abhiplava, der doch der höhere ist, als den niedrigeren zuerst vollziehen, zur Verflechtung, zum ungehinderten Weg, zur vollen Lebensspanne. Dazu fragt man: Da der Abhiplava vier Stomas hat, der Pṛṣṭhya sechs – wie ist dies ausgewogen? Man sollte antworten: Weil eben diese beiden Gottheiten, Vāyu und Āditya, einander gleichrangig sind – dadurch ist es ausgewogen. Und auch, weil der Abhiplava das heilige Wort, der Pṛṣṭhya die Kṣatra-Macht ist – auch dadurch eben.

[Anm.: Die Deutung von »Pṛṣṭhya« als verhüllende Umschreibung von »Spṛṣṭya«, ›der Berührende‹ (der alles durchdringende Vāyu), folgt dem verbreiteten vedischen Grundsatz, dass die Götter das Verhüllte, Indirekte lieben. Das Wort »anirmārgāya« bleibt in seiner genauen Bedeutung unsicher; die Übersetzung deutet es als ›zum ungehinderten Weg‹.]

tad āhur yad ete pṛṣṭhyasya viṣamā stomās trivṛt pañcada(śa)s saptadaśa ekaviṃśas triṇavas trayastriṃśa iti, katham etat samāt samam upetaṃ bhavatīti. sa brūyād brahma vai trivṛt. kṣatraṃ pañcadaśaḥ. brahma vai kṣatrā(j) jyāyaḥ. tena samāt samam upetaṃ bhavati. viṭ saptadaśaḥ. kṣatram u vai viśo jyāyaḥ. tena samāt samam upetaṃ bhavati. ekaviṃśaṃ stomam anu śūdraḥ. vaiśyo vai śūdrāj jyāyān. tena samāt samam upetaṃ bhavati. triṇavaṃ stomam anu grāmyāḥ paśavaḥ. śūdro vai grāmyebhyaḥ paśubhya śreyān. attā hi sa teṣām. tena samāt samam upetaṃ bhavati. trayastriṃśaṃ stomam anva āraṇyāḥ paśavaḥ. grāmyā vai paśava āraṇyebhyaḥ paśubhya śreyāṃsaḥ. bibhyata itare caranty adhigantetareṣāṃ hantā. tena samāt samam upetaṃ bhavati. tad āhuḥ kasmād ekarūpo ’bhiplavo dvirūpaḥ pṛṣṭhyas samāna eva san vyūḍhaś ca samūḍhaś ceti. sa brūyād yasmād idaṃ brahma brahmaiva. atha yasmād u kṣatriyas san brāhmaṇo bhavati tasmād ekarūpo ’bhiplavo dvirūpaḥ pṛṣṭhya iti. tad dhaitad eke ’bhiplavasya ṣaṣṭham ahar ukthyaṃ kurvanty evaṃ sabhāram iti. tad u hovāca śāṭyāyanir mohayanti te ’bhiplavaṃ ye tathā kurvanti. abrahma tarhi bhavati. tasmāt tathā na kāryam iti. atha haike pṛṣṭhyasya ṣaṣṭhād ahno dvipada uddharanty evaṃ sabhāram iti. tad u hovāca śāṭyāyani svarga eṣa loko yat pṛṣṭhyaṣ ṣaḍahaḥ. yajamāna eṣa nidānena yad dvipadaḥ. tam āyatanāc cyāvayanti. sa ya enāṃs tathā cakruṣo brūyād āyatanād vā cyoṣyante ’smād vā lokād iti. tathā haiva syuḥ. tasmāt tathā na kāryam iti

Dazu fragt man: Da diese Stomas des Pṛṣṭhya ungleich sind – der Trivṛt, der Fünfzehnfache, der Siebzehnfache, der Einundzwanzigfache, der Siebenundzwanzigfache, der Dreiunddreißigfache –, wie kommt hier Gleiches zu Gleichem? Man sollte antworten: Das heilige Wort ist der Trivṛt. Die Kṣatra-Macht ist der Fünfzehnfache. Das heilige Wort ist ja größer als die Kṣatra-Macht. Dadurch kommt Gleiches zu Gleichem. Der Vaiśya-Stand ist der Siebzehnfache. Die Kṣatra-Macht ist ja größer als der Vaiśya-Stand. Dadurch kommt Gleiches zu Gleichem. Dem Einundzwanzigfachen Stoma entspricht der Śūdra. Der Vaiśya ist ja größer als der Śūdra. Dadurch kommt Gleiches zu Gleichem. Dem Siebenundzwanzigfachen Stoma entsprechen die Dorftiere. Der Śūdra ist ja besser als die Dorftiere – er ist ja ihr Verzehrer. Dadurch kommt Gleiches zu Gleichem. Dem Dreiunddreißigfachen Stoma entsprechen die Waldtiere. Die Dorftiere sind ja besser als die Waldtiere: Die einen streifen furchtsam umher, während der andere sie erlangt, ihr Töter ist. Dadurch kommt Gleiches zu Gleichem. Dazu fragt man: Warum ist der Abhiplava einförmig, der Pṛṣṭhya zweiförmig, obwohl beide gleichrangig sind – der eine auseinandergelegt, der andere zusammengefügt? Man sollte antworten: Weil dieses heilige Wort eben nur heiliges Wort ist. Weil aber, wer Kṣatriya ist, auch Brahmane werden kann, deshalb ist der Abhiplava einförmig, der Pṛṣṭhya zweiförmig. Manche machen dazu den sechsten Tag des Abhiplava zu einem Ukthya-Tag, mit der Begründung, so werde es ausgewogen. Dazu aber sagte Śāṭyāyani: Die, die so verfahren, verwirren den Abhiplava. Er wird dadurch »ohne heiliges Wort«. Deshalb soll man so nicht verfahren. Manche nun entfernen vom sechsten Tag des Pṛṣṭhya die zweifüßigen Verse, mit der Begründung, so werde es ausgewogen. Dazu aber sagte Śāṭyāyani: Diese Welt hier ist die Himmelswelt, nämlich der sechstägige Pṛṣṭhya. Der Opferherr ist, durch diese Ursache, eben die zweifüßigen Verse. Man verdrängt ihn damit aus seiner Wohnstätte. Wer so verfährt, dem sollte man sagen: »Ihr werdet entweder aus eurer Wohnstätte oder aus dieser Welt verdrängt werden.« Und genauso würde es geschehen. Deshalb soll man so nicht verfahren.

[Anm.: Die Begründung für die ›Einförmigkeit‹ des Abhiplava gegenüber der ›Zweiförmigkeit‹ des Pṛṣṭhya bleibt im Sanskrit-Text knapp: Gemeint ist offenbar, dass das heilige Wort in sich unveränderlich eine einzige Wesenheit bleibt, während die Kṣatra-Macht – wie ein Kṣatriya, der zum Brahmanen aufsteigen kann – zwei mögliche Zustände in sich vereint. Die beiden hier verworfenen Praktiken zeigen exemplarisch, wie Śāṭyāyani numerisch bequeme, aber ritualtheoretisch unbegründete ›Ausgleichs‹-Lösungen ablehnt.]

tad āhur yad idaṃ prāyaṇīyam ahas trivṛd ācakṣate, prāyaṇīyam ity adaś caturviṃśaṃ, katham etat trivṛtā prayataṃ bhavatīti. sa brūyād yad evaite catvāriṃśat trivṛtas saṃpadyante tena trivṛtā prayataṃ bhavatīti. sa brūyād yad evaite catvāriṃśat trivṛtas saṃpadyante tena trivṛtā prayataṃ bhavatīti. atho yac caturviṃśatyakṣarā gāyatrī teno eveti. tad āhuḥ katham etad vaiṣuvatīyam ahaś chandomyaṃ bhavatīti. sa brūyād yāvanti saptānāṃ caturuttarāṇāṃ chandasām akṣarāṇi tāvaty etasyāhna stotriyāḥ. tena chandomyaṃ bhavatīti. tad āhur yad upariṣṭād viṣuvataś chandomān upayanti kathaṃ purastād viṣuvataś chandomā upetā bhavantīti. sa brūyād ya evaiṣa ārambhaṇīyasyāhnaś caturviṃśa(ś) chāndomikastomas tena purastād viṣuvataś chandomā upetā bhavantīti. atho yad eva pṛṣṭhyasya dve dve ahanī samaste chandomās saṃpadyante teno eveti

Dazu fragt man: Wenn man diesen Prāyaṇīya-Tag als »dreifach« bezeichnet, jenen Prāyaṇīya-Bezug aber als vierundzwanzigfach – wie kommt es, dass dieser durch das Dreifache ausgedehnt wird? Man sollte antworten: Weil eben diese vierzig Dreifache ergeben, dadurch wird er durch das Dreifache ausgedehnt. Und auch, weil die Gāyatrī vierundzwanzig Silben hat – auch dadurch eben. Dazu fragt man: Wie wird dieser Viṣuvant-Tag »versmaßreich«? Man sollte antworten: So viele Silben die sieben, je um vier zunehmenden Versmaße haben, so viele Stotriya-Verse hat dieser Tag. Dadurch wird er versmaßreich. Dazu fragt man: Wenn man die Chandoma-Tage doch erst nach dem Viṣuvant vollzieht, wie kommt es, dass die Chandomas auch schon vor dem Viṣuvant vollzogen werden? Man sollte antworten: Weil es eben diesen vierundzwanzigfachen versmaßreichen Stoma des Ārambhaṇīya-Tages gibt, deshalb werden die Chandomas auch schon vor dem Viṣuvant vollzogen. Und auch, weil je zwei Tage des Pṛṣṭhya zusammen die Chandomas vollständig ergeben – auch dadurch eben.

[Anm.: Der Antwortsatz »sa brūyād yad evaite catvāriṃśat trivṛtas saṃpadyante…« erscheint im überlieferten Sanskrit-Text wortgleich zweimal hintereinander; die Übersetzung gibt ihn, wie im Original belassen, nur einmal wieder, da es sich vermutlich um eine Verdopplung in der Textüberlieferung handelt. Die »sieben, je um vier zunehmenden Versmaße« sind die Standardreihe Gāyatrī (24 Silben), Uṣṇih (28), Anuṣṭubh (32), Bṛhatī (36), Paṅkti (40), Triṣṭubh (44) und Jagatī (48), zusammen 252 Silben.]

tad āhur yat ṣaṭkṛtvaḥ purastād viṣuvataḥ pṛṣṭhyāny upayanti viśvajiti saptamam upariṣṭāt kathaṃ tat sabhāram iti. sa brūyād yad vā arvācīnaṃ viṣuvatas tad ayaṃ loko, yad ūrdhvaṃ viṣuvatas tad asau lokaḥ. āsanna iva vā ayaṃ lokaḥ. prarikta ivāsāv anyaḥ. dvitīyo hy ayaṃ lokaḥ. tad yad viśvajiti saptamam upariṣṭāt pṛṣṭhyāny upayanty evaṃ sabhāram iti. atho ya evam u ya eva viśvajit pṛṣṭhamayam eva. gaur vai rathantaram aśvo bṛhad ajā vairūpam avir vairājaṃ vrīhayaś śakvaryo yavā revatayaḥ. sa eṣa rasas saṃsikto yat pṛṣṭhāni. tasyaiṣo ’kṣo yad gāyatrīṣu bṛhad agniṣṭomasāma bhavaty etasya rasasyānapavardāya. atha ya etan nirhṛtapṛṣṭham upayanti viṣiktarasaṃ te viśvajitaṃ śūnyaṃ upayanti. te na kiṃ cana vyaśnuvate. tasmāt pṛṣṭhamaya eva viśvajit kārya iti

Dazu fragt man: Wenn man die Pṛṣṭhas sechsmal vor dem Viṣuvant vollzieht, den Viśvajit als siebten danach – wie ist das ausgewogen? Man sollte antworten: Was diesseits des Viṣuvant liegt, das ist diese Welt hier; was jenseits des Viṣuvant liegt, das ist jene Welt dort. Diese Welt hier ist gleichsam die nahe. Jene andere dort ist gleichsam die übrige. Diese Welt hier nämlich ist die zweite, wiederholte. Dass man also die Pṛṣṭhas mit dem Viśvajit als siebtem, danach, vollzieht – so ist es ausgewogen. Und wer so verfährt, für den wird der Viśvajit ganz aus Pṛṣṭha gemacht. Die Kuh nämlich ist das Rathantara, das Pferd das Bṛhat, die Ziege das Vairūpa, das Schaf das Vairāja, der Reis die Śakvarīs, die Gerste die Revatīs. Dies ist der zusammengeflossene Saft, der die Pṛṣṭhas sind. Dessen Achse ist es, dass das Bṛhat unter den Gāyatrī-Versen zum Agniṣṭoma-Sāman wird, damit dieser Saft nicht verlorengeht. Wer aber diesen Viśvajit mit entferntem Pṛṣṭha, mit vergossenem Saft vollzieht, der vollzieht einen leeren Viśvajit. Solche erlangen gar nichts. Deshalb soll der Viśvajit ganz aus Pṛṣṭha gemacht werden.

[Anm.: Die Zuordnung der sechs Pṛṣṭhas zu Kuh, Pferd, Ziege, Schaf, Reis und Gerste ist eine weitere von mehreren im Jaiminīya-Brāhmaṇa nebeneinanderstehenden Deutungsschichten der Pṛṣṭhas, neben der Zuordnung zu kosmischen Prinzipien in 2.16 und zu den Himmelsrichtungen in 2.21.]

tad dhaitad eke svarasāmnāṃ svarāṇy eva pṛṣṭhāni kurvanti. pṛṣṭhena vā ahar ākhyāyate, svarasāmāna ityeta ākhyāyante. tasmāt svarasāmnāṃ svarāṇy eva pṛṣṭhāni kāryāṇīti. te cet svarāṇi pṛṣṭhāni kuryur yāni ṣṭaṃ(?) bhavanti tāny ekabṛhatīṣu kuryuḥ. tad u hovāca śāṭyāyanir vayaṃ vāva pratyakṣaṃ svarāṇi pṛṣṭhāni kurmo ye bṛhadrathantare kurmaḥ. idaṃ vai rathanataram ado bṛhat. ābhyām u vai lokābhyām idaṃ sarvaṃ spṛtam. tasmād bṛhadrathantare eva pṛṣṭhe kāryaṃ iti. atho haite vicchinnān svarasāmna upayanti ye trīṇy upayanti. sarvāṇy eva kāryāṇi. tathā dvābhyāṃ dvābhyām ahas tāyate. evaṃ saṃgṛhītā svarasāmāno bhavanty avicchinnā, atho pāpavasyasasya vyāvṛttyā iti. tad dhaitad eke viṣuvato bṛhatīṣv eva bṛhat pṛṣṭhaṃ kurvanti --

Dazu machen manche die Svaras der Svara-Sāmans selbst zu den Pṛṣṭhas. Durch »Pṛṣṭha« nämlich wird der Tag benannt; »Svara-Sāmans« – auch damit wird er benannt. Deshalb sollten die Svaras der Svara-Sāmans selbst zu den Pṛṣṭhas gemacht werden – so meinen sie. Würden sie die Svaras zu Pṛṣṭhas machen, sollten sie das, was daraus entsteht, in Einzel-Bṛhatīs verwenden. Dazu aber sagte Śāṭyāyani: Wir machen ja unmittelbar sichtbar die Svaras zu Pṛṣṭhas, indem wir Bṛhat-und-Rathantara dazu machen. Diese Welt hier nämlich ist das Rathantara, jene dort das Bṛhat. Durch diese beiden Welten ist dieses Ganze berührt. Deshalb soll das Pṛṣṭha eben mit Bṛhat-und-Rathantara gemacht werden. Und diejenigen, die drei Svara-Sāmans in einem bestimmten Zusammenhang vollziehen, vollziehen sie getrennt. Alle sollten vielmehr vollzogen werden. So wird der Tag, je zwei und zwei, ausgedehnt. So werden die Svara-Sāmans gesammelt, ungetrennt – und auch zur Abkehr von Übel-und-Gut. Dazu machen manche das Bṛhat-Pṛṣṭha des Viṣuvant eigens innerhalb der Bṛhatī-Verse –

[Anm.: Die Form »ṣṭaṃ« ist im überlieferten Sanskrit-Text selbst mit einem Fragezeichen als unsicher markiert; die Übersetzung gibt nur den ungefähren Sinn wieder.]

--bārhato viṣuvān, bārhato vāsāv ādityaḥ. bṛhatyām eṣa etad adhyūḍhas tapati. tasmād bṛhatīṣv eva bṛhat pṛṣṭhaṃ kāryam iti. atha haike bṛhatīṣv eva divākīrtyaṃ pṛṣṭhaṃ kurvanti. bṛhatyāyatanāni pṛṣṭhāni. idaṃ vā antarikṣaṃ bṛhatī. tasyām ayaṃ vāyur antaḥ pavate. tat pṛṣṭhaṃ, tasyā u eva yad dvādaśākṣaraṃ padaṃ tena, jagatīṣu kṛtaṃ bhavati. evaṃ tṛtīyasavanam ayātayāma kriyata iti. tad u hovāca śāṭyāyanir jāgato viṣuvān. jāgatam etat sāma. jāgato ’sāv ādityaḥ. yadā hy eṣa udety atha jagad etasyaiva prayāṇam anu praiti. tasmāj jagatīṣv eva divākīrtyaṃ pṛṣṭhaṃ kāryam iti. tato yās tisro jagatyaś catasras tā bṛhatyaḥ. tena bṛhatīṣu kṛtaṃ bhavati. tās saṃstutā aṣṭāviṃśatir bṛhatyas saṃpadyante. teno eva bṛhaty antaritā bhavati. atho haitat prāṇasyaiva reto nirmitaṃ yad divākīrtyam. prajananaṃ jagatī. so ’sāv ādityaḥ. tad yaj jagatīṣu divākīrtyaṃ pṛṣṭhaṃ kurvanti svenaivainaṃ tad āyatanena samṛddhayanti. tenaibhyas samṛddhena svāyāṃ janatāyām ṛdhukaṃ bhavati

– der Viṣuvant ist Bṛhat-zugehörig, und auch jene Sonne dort ist Bṛhat-zugehörig. Auf der Bṛhatī gegründet, brennt diese. Deshalb soll das Bṛhat-Pṛṣṭha eben innerhalb der Bṛhatī-Verse gemacht werden. Nun machen manche das Divākīrtya-Pṛṣṭha eigens innerhalb der Bṛhatī-Verse. Die Bṛhatī ist die Wohnstätte der Pṛṣṭhas. Dieser Zwischenraum hier nämlich ist die Bṛhatī. In ihm weht dieser Vāyu. Das ist das Pṛṣṭha; und durch ihr zwölfsilbiges Versviertel wird es innerhalb der Jagatī-Verse vollzogen. So wird die dritte Pressung »unabgenutzt« gemacht. Dazu aber sagte Śāṭyāyani: Der Viṣuvant ist Jagatī-zugehörig. Dieses Sāman ist Jagatī-zugehörig. Jene Sonne dort ist Jagatī-zugehörig. Denn wenn diese aufgeht, folgt die bewegte Welt ihrem Fortgang nach. Deshalb soll das Divākīrtya-Pṛṣṭha eben innerhalb der Jagatī-Verse gemacht werden. Von diesen werden drei Jagatī-Verse zu vier Bṛhatīs. Dadurch ist es innerhalb der Bṛhatīs vollzogen. Diese, zusammen gepriesen, werden zu achtundzwanzig Bṛhatīs. Dadurch eben wird die eigentliche Bṛhatī verdrängt. Und dieses Divākīrtya ist eben aus dem Samen des Atems gebildet. Zeugung ist die Jagatī. Das eben ist jene Sonne dort. Dass sie also das Divākīrtya-Pṛṣṭha innerhalb der Jagatī-Verse vollziehen, dadurch lassen sie es eben durch seine eigene Wohnstätte gedeihen. Durch dieses Gedeihen kommt ihnen unter ihren eigenen Leuten Zuwachs zu.

[Anm.: Die Umrechnung ›drei Jagatī-Verse werden zu vier Bṛhatīs‹ beruht auf einer genauen Silbengleichung: Drei Jagatī-Verse zu je achtundvierzig Silben ergeben ebenso viele Silben, nämlich 144, wie vier Bṛhatī-Verse zu je sechsunddreißig Silben – eine metrische Äquivalenz, die es erlaubt, denselben Text zugleich als ›in Jagatī‹ und als ›in Bṛhatī‹ vollzogen zu betrachten. »Unabgenutzt« gibt den technischen Begriff ayātayāma wieder, der die für die dritte Pressung geforderte Frische der verwendeten Sprüche bezeichnet.]

tad etat pṛcchanti kiṃ tad divākīrtye ’han kriyate yena prajāḥ prajanayati yena ca prajā dādhārayati. sa brūyāt prāṇasyaiva reto nirmitaṃ yad divākīrtyam. prajananaṃ jagatī. tena prajāḥ prajanayati. atha yat prāṇo bhūtvā parāṇi cāvarāṇi cāhāni dādharti teno eva prajā dādhārayati. prāṇa eva divākīrtyam. cakṣuṣī bhrājābhrāje. śrotraṃ vikarṇam. vāg daśastobham. ta ime prāṇā madhyato hitāḥ. tad dhai(ta)d eka udita evājyagrahān gṛhṇanti. udite prātaranuvākam upākurvanti. divākīrtyaṃ vai nāmaitad ahaḥ. tan na rātryā saṃsmajeyur iti. tad u hovāca śāṭyāyanis sāmabhir vā ahāny abhiṣṭutāny ṛgbhī rātrayaḥ. saiṣāṃ rātrir anabhiṣṭutā śūnyā bhavati. atho prajāpatir eṣa yat prātaranuvākaḥ. tam āyatanāc cyāvayanti. sa ya enāṃs tathā cakruṣo brūyād āyatanād vā cyoṣyante ’smād vā lokād iti, tathā haiva syuḥ. tasmād yathaivetareṣām ahnāṃ tathā kāryam. prāṇāpānāv upāṃśvantaryāmau. udite ’nyaṃ juhvaty anudite ’nyam. bahir vai santaṃ prāṇam upajīvanty antas santam apānam. tad yad udite ’nyaṃ juhvaty anudite ’nyaṃ, bahis santaṃ prāṇam upajīvāmāntas santam apānam iti. atha ya etāv udite juhvati, prāṇāpānāv utkhidanti. sa ya enāṃs tathā cakruṣo brūyāt prāṇāpānāv udakhātsur mariṣyantīti, tathā haiva syuḥ. tasmād yathaivetareṣām ahnāṃ tathā kāryam

Dazu fragt man: Was wird an diesem Divākīrtya-Tag bewirkt, wodurch er Nachkommen zeugt und wodurch er Nachkommen erhält? Man sollte antworten: Das Divākīrtya ist aus dem Samen des Atems gebildet. Zeugung ist die Jagatī. Dadurch zeugt er Nachkommen. Und weil er, zum Atem geworden, die höheren und die niederen Tage trägt, dadurch eben erhält er Nachkommen. Atem eben ist das Divākīrtya. Die beiden Augen sind die »Strahlend-und-Nichtstrahlend«-Verse. Das Gehör ist der »Ohr-Vers«. Die Rede ist der »Zehn-Stobha«. Diese Atemkräfte sind in der Mitte angesiedelt. Dazu nehmen manche die Ājya-Trankopfer erst nach Sonnenaufgang. Nach dem Aufgang beginnen sie die Morgenrezitation. »Tagesruhm« heißt ja dieser Tag. »Er soll sich nicht mit der Nacht vermischen« – so denken sie. Dazu aber sagte Śāṭyāyani: Durch die Sāmans werden ja die Tage gepriesen, durch die Ṛc-Verse die Nächte. Für diese, die so verfahren, bleibt diese Nacht ungepriesen, leer. Und Prajāpati ist ja diese Morgenrezitation. Sie verdrängen ihn aus seiner Wohnstätte. Wer so verfährt, dem sollte man sagen: »Ihr werdet entweder aus eurer Wohnstätte oder aus dieser Welt verdrängt werden« – und genauso würde es geschehen. Deshalb soll man es so machen wie an den anderen Tagen. Atem-und-Ausatem sind die beiden Becher Upāṃśu-und-Antaryāma. Nach Sonnenaufgang opfern sie den einen, vor Sonnenaufgang den anderen. Sie leben ja vom Atem, der draußen ist, und vom Ausatem, der drinnen ist. Dass sie also nach dem Aufgang den einen, vor dem Aufgang den anderen opfern, entspricht dem Gedanken: »Wir leben vom draußen befindlichen Atem, vom drinnen befindlichen Ausatem.« Wer aber diese beiden erst nach Sonnenaufgang opfert, der reißt Atem-und-Ausatem aus. Wer so verfährt, dem sollte man sagen: »Ihr habt Atem-und-Ausatem ausgerissen, ihr werdet sterben« – und genauso würde es geschehen. Deshalb soll man es so machen wie an den anderen Tagen.

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