Quellen der Menschheit

Jaiminīya-Brāhmaṇa · Kāṇḍa 2

Kapitel 19 Der Mahāvrata-Tag: Trommeln, Ringkampf und der fünfteilige Mensch

Nach dem komplementären Ruf-Paar Krośa und Anukrośa – der eine trägt zur Himmelswelt, der andere verankert in dieser Welt – entfaltet sich der große Mahāvrata-Tag: ein Instrumentenkatalog mit Vīṇā, Kaśyapī und hundertsaitigem Vāṇa, die rituelle Paarung von Māgadha und Puṃścalī, sowie ein erzwungener Ringkampf zwischen Vertretern des Ārya- und des Śūdra-Standes, den Śāṭyāyani mit der Begründung entscheidet: 'Erst wenn etwas wirklich ist, wird es zu Recht das Erste.' Die fünf Hauptpriester werden zum kosmischen Puruṣa zusammengefügt – Adhvaryu als Haupt, Maitrāvaruṇa und Brāhmaṇācchaṃsin als die beiden Flügel, Naiṣṭha als Schwanz, Udgātṛ als Selbst –, mit der bemerkenswert frühen Formel 'nicht so, nicht so' für die Beweglichkeit des Hauptes, gefolgt vom Mythos, wie der erschöpfte Prajāpati durch Indras alleinige Treue zum Stoma und zum Mahāvrata gelangte. Mehrere namentlich geführte Debatten – Ṛjjiśvā Vātavāta gegen Āruṇi über die fünfundzwanzigfache Gliederung des Puruṣa, Kīja Vākāyana zur rechten Seite, Bhāḥ Bhāllaveya zum ausschließlichen Vortragsrecht des Udgātṛ – beschließen den Tag, dessen Ehrensitz Āsandī, Schaukel Pleṅkha und Grasbüschel Kūrca den drei Hauptämtern zugeordnet werden.

adhvaryur grahaṃ gṛhītvā dravati. sa ahopāvartadhvam iti. te hiṃkṛtyaiva prāñco niṣkramyāgreṇāgnīdhraṃ tiṣṭhanto viśveṣāṃ devānāṃ vratena stuvate. viśvebhya eva tad devebhyo nivedayante - ’rātsmeti. te prāñco ’bhikramya cātvālam avekṣamāṇāḥ krośena stuvate. devānāṃ vā antaṃ jagmuṣām indriyaṃ vīryam apākrāmat. tat krośenaivāvarundhata. antam ivaite gacchanti ya saṃvatsarasyodṛcam aśnuvate. tad yat krośena stuvata indriyasyaiva vīryasyāvaruddhyai. athānukrośam. devā vai yatra tryaheṇa svargaṃ lokam āyaṃs tad dhaiṣām etat tṛtīyam ahar vairūpaṃ vyāra. tasyaiṣa śloko - vairūpaṃ devā abhisaṃvasānās tad ātasthus tad u haiṣāṃ vyāra. te hiṃkṛtya punar āruhy sarvaṃ evādhūnvata jarasaṃ tanūnām. iti. tasyo evaiṣa śloko - yad vairūpa upahate vyadhve, hiṃkṛṇvantas samatiṣṭhanta yām antaḥ. devasthānam asṛjanta sāma tena devāso ’mṛtatvam āyan. iti. te svargaṃ lokam āyaṃs tad vidhātā putrān abravīn - mā yūyam ādadhvam, ihaivāhaṃ yuṣmān vidhāsyāmīti

Der Adhvaryu läuft, nachdem er den Soma-Becher ergriffen hat. Er ruft: »Wendet euch her!« Diese, nachdem sie den Hiṃkāra-Laut gemacht haben, schreiten nach vorne heraus und stehen vor dem Agnīdhra-Feuerplatz, preisend mit dem Gelübde der All-Götter. Den All-Göttern eben melden sie dabei: »Wir haben es erlangt.« Diese, nach vorne schreitend, zum Cātvāla hinblickend, preisen mit dem Krośa, dem Ruf. Als die Götter fürwahr ans Ende ihres Weges gelangten, entwich ihnen die Indra-Kraft, die Manneskraft. Diese sicherten sie sich eben durch den Krośa zurück. Wie ans Ende gelangen diese, die den Schlussgesang des Jahres erlangen. Dass sie mit dem Krośa preisen – dies dient eben der Sicherung der Indra-Kraft, der Manneskraft. Ferner gibt es den Anukrośa, den Echo-Ruf. Als die Götter mittels des Dreitagesopfers zur Himmelswelt gelangten, da klaffte ihnen an diesem dritten Tag das Vairūpa auf. Dazu gibt es diesen Vers: »Das Vairūpa, sich einhüllend, bestiegen die Götter; da klaffte es ihnen auf.« Diese, nachdem sie den Hiṃkāra-Laut gemacht hatten, wieder aufsteigend, schüttelten das gesamte Altern ihrer Körper ab. Dazu gibt es auch diesen Vers: »Als beim Vairūpa, zusammengeschlagen, ihr auseinandergingt, stellten sich die Hiṃkāra-Machenden zusammen auf den Weg, den sie gingen. Sie schufen den Götterstand, das Sāman; dadurch gelangten die Götter zur Unsterblichkeit.« Diese gelangten zur Himmelswelt. Da sprach Vidhātṛ zu seinen Söhnen: »Legt ihr es nicht selbst nieder – ich selbst werde euch hier zuvor zuteilen.«

[Anm.: Krośa (der laute ›Rufʻ) und Anukrośa (der leisere ›Echo-Rufʻ) werden hier als komplementäres Rufpaar eingeführt, dessen Funktionsteilung erst in 2.400 vollständig erklärt wird. Das Bild des ›aufklaffendenʻ Vairūpa-Sāman am dritten Tag und das anschließende Abschütteln des Alterns der Körper verbindet den Dreitagesopfer-Aufstieg mit einem Verjüngungsmotiv. Vidhātṛ (›der Verteiler/Ordnerʻ) leitet hier zur folgenden Himmelsrichtungs-Mythe über (2.399).]

so ’syāṃ prācyāṃ diśi puraṃ vaidhātram adadhāt. tasya prācīna āhur yāyaṇaḥ purohitaḥ. so ’syāṃ dakṣiṇāyāṃ diśy adharāhiṃ vaidhātram adadhāt. tasya dakṣiṇa āhur yāyaṇaḥ purohitaḥ. so ’syāṃ pratīcyāṃ diśi paścaṃ vaidhātram adadhāt. tasya pratīcī āhur yāyaṇaḥ purohitaḥ. so ’syām udīcyāṃ diśy uttarāhiṃ vaidhātram adadhāt. tasyodīcīna āhur yāyaṇaḥ purohitaḥ. te devā vidhātāram abruvann evam u cet tvam etad adhithās tathāsmān anvīkṣasva yathā vayaṃ svasti svargaṃ lokaṃ gacchemeti. tān etena krośenānvaikṣata

Er legte in dieser östlichen Richtung die Vaidhātra-Burg Pura nieder. Deren östlicher Purohita, sagt man, ist Yāyaṇa. Er legte in dieser südlichen Richtung die Vaidhātra-Burg Adharāhi nieder. Deren südlicher Purohita, sagt man, ist Yāyaṇa. Er legte in dieser westlichen Richtung die Vaidhātra-Burg Paśca nieder. Deren westlicher Purohita, sagt man, ist Yāyaṇa. Er legte in dieser nördlichen Richtung die Vaidhātra-Burg Uttarāhi nieder. Deren nördlicher Purohita, sagt man, ist Yāyaṇa. Diese Götter sprachen zu Vidhātṛ: »Wenn du dies so eingerichtet hast, so schau auch nach uns, dass wir wohlbehalten zur Himmelswelt gelangen.« Diese betrachtete er mit eben diesem Krośa.

[Anm.: Vidhātṛ errichtet vier gleichnamige ›Vaidhātra‹-Burgen (Pura, Adharāhi, Paśca, Uttarāhi) in den vier Himmelsrichtungen, deren Purohita jeweils identisch ›Yāyaṇaʻ genannt wird – vermutlich weniger ein einzelner Eigenname als ein feststehender Titel für den jeweiligen Regional-Purohita. Die Burgnamen selbst (etwa ›Unterschlangeʻ/adharāhi, ›Oberschlangeʻ/uttarāhi) bleiben in ihrer genauen Bedeutung unsicher.]

indrāsuteṣu someṣu hoyehūho ity evainān prasedhat. te ’bruvān - satrā vai no ’tyudasitsan. tathā no ’nvīkṣasva tathā na etasmin loke anvābhajā iti. tān etenaivānukrośenendrā ho iha veho ity evāsmin loke ’nvābhajat. tato vai ta ubhayor anyor lokayoḥ pratyatiṣṭhan. krośenaiva svargaṃ lokam agacchann anukrośenāsmin pratyatiṣṭhan. te ya evaṃ vidvāṃsaḥ krośānukrośābhyāṃ stuvata ubhayor evānayor lokayoḥ pratitiṣṭhanti - krośenaiva svargaṃ lokaṃ gacchanty, anukrośenāsmin pratitiṣṭhanti

Bei den für Indra gepressten Soma-Trünken trieb er sie mit »Hoye-hūho« eben an. Sie sprachen: »Fürwahr, das hätte uns beinahe gänzlich hinausgeschleudert. So schau stattdessen nach uns, so teile uns gerecht in dieser Welt zu.« Diese teilte er eben mit diesem Anukrośa, »Indrā ho, iha veho«, in dieser Welt zu. Von da an fanden sie fürwahr in beiden, den beiden anderen Welten, festen Stand. Mit dem Krośa gelangten sie zur Himmelswelt, mit dem Anukrośa fanden sie festen Stand in dieser Welt. Diejenigen, die dies wissend mit Krośa und Anukrośa preisen, finden festen Stand in eben diesen beiden Welten – mit dem Krośa gelangen sie zur Himmelswelt, mit dem Anukrośa finden sie festen Stand in dieser Welt.

[Anm.: Löst die in 2.398 aufgeworfene Funktionsteilung auf: Der laute Krośa trägt zur Himmelswelt, der gedämpfte Anukrośa verankert in dieser Welt – eine weitere Ausprägung des seit 2.380 (Ṛc/Sāman, Aufstieg/Abstieg) und 2.391 (die ›zwei Flügelʻ) verfolgten Grundmusters komplementärer Techniken für Aufstieg und Verwurzelung.]

agner api pakṣaṃ prati satrasyarddhyā stuvate. agnaya eva tad devebhyo nivedayante ’rātsmeti. vratapakṣābhyāṃ abhito havirdhāne. svargāya vā ete lokāya dīkṣante, ye saṃvatsarāya. tad yad vratapakṣābhyāṃ stuvate, ātmann eva tat pakṣau pratidadhate, svargasya lokasya patanāya. tasmād ātman pakṣau pratihitau. prāṇāpānābhyāṃ stuvate. prāṇena purastād apānena paścāt. tad āhur vīva vā ete prāṇāpānābhyām ṛdhyante ye yajñiyasya karmaṇo ’tipādayanti yadi vā nātipādayanti. ko hi tad veda yadi te ’ti vā pādayanti na vā. tad yat prāṇāpānābhyāṃ stuvate prāṇāpānābhyām eva tat samṛdhyante

Zu Agnis Seite hin, entsprechend dem Gedeihen des Sattra, preisen sie. Agni eben, den Göttern, melden sie dabei: »Wir haben es erlangt.« Mit Gelübde-Ruf und Flügel-Ruf nähern sie sich beidseitig den beiden Havirdhāna-Wagen. Für die Himmelswelt fürwahr weihen sich diese, die sich für das Jahr weihen. Dass sie mit Gelübde und Flügel preisen – eben am Selbst setzen sie dabei die beiden Flügel an, zum Erlangen der Himmelswelt. Deshalb sind am Selbst die beiden Flügel angesetzt. Mit Einatem und Ausatem preisen sie: mit dem Einatem vorn, mit dem Ausatem hinten. Dazu sagt man: »Deutlich fürwahr gedeihen diese durch Einatem und Ausatem, die vom vorgeschriebenen Umfang des Opferwerks abweichen, oder auch nicht abweichen.« Wer nämlich weiß das, ob sie abweichen oder nicht? Dass sie mit Einatem und Ausatem preisen – durch Einatem und Ausatem eben gedeihen sie dabei.

[Anm.: Die Formel ›am Selbst sind die beiden Flügel angesetztʻ wiederholt wörtlich 2.391. Die eingeschobene Bemerkung, niemand wisse wirklich, ob die Ausführenden vom vorgeschriebenen Ritusumfang abweichen oder nicht, ist ein weiteres seltenes Eingeständnis von Unsicherheit, vergleichbar der Wendung ›sei es nun dadurch oder nichtʻ in 2.387.]

ślokānuślokābhyāṃ stuvate. ślokena purastād anuślokena paścāt. tad yac chlokena stuvate puṇyaṃ ślokam avaruṇadhāmahā iti. atha yad anuślokena puṇyo ’nuśloka uttasthuṣo ’nūttiṣṭhād iti. nihnavābhinihnavābhyāṃ stuvate. nihnavena purastād abhinihnavena paścāt. tad āhu śreyāṃsaṃ vā ete ’bhyārohanti ye saṃvatsaram iti. tad yan nihnavena stuvate śreyasa eva tan nihnuvate, ’bhy evābhinihnavenārohanti. yad u cehākarma tad u ca māpahnoṣmahā iti. tathā haiṣāṃ tad anuṣoditaṃ bhavati. aṃgirasāṃ ṣaḍviṃśatyakṣaraṇidhanenāntassadasaṃ stuvate. jaghanenaudumbarīm aṃgirobhya etad devebhyo nivedayante ’rātsameti

Mit Śloka und Anuśloka preisen sie: mit dem Śloka vorn, mit dem Anuśloka hinten. Dass sie mit dem Śloka preisen: »Den heilsamen Śloka wollen wir uns sichern«, so denkt man. Dass sie aber mit dem Anuśloka preisen: »Heilsam möge der Anuśloka dem sich Erhebenden entsprechend nachfolgend sich erheben«, so denkt man. Mit Nihnava und Abhinihnava preisen sie: mit dem Nihnava vorn, mit dem Abhinihnava hinten. Dazu sagt man: »Zu etwas Vortrefflicherem fürwahr steigen diese empor, die das Jahr auf diese Weise durchlaufen.« Dass sie mit dem Nihnava preisen – dadurch verleugnen sie eben zunächst das Vortrefflichere; mit dem Abhinihnava eben besteigen sie es dann doch. »Was wir hier auch getan haben mögen, das wollen wir dabei auch nicht verleugnen«, so denkt man. So wird ihnen dies nachträglich bestätigt. Mit dem sechsundzwanzigsilbigen Schlussteil der Aṅgiras preisen sie das Innerhalb-der-Sitzung. Hinter der Udumbarī melden sie dies den Aṅgiras-Göttern: »Wir haben es erlangt« –

[Anm.: Nihnava (›Verleugnung, Zurückweisungʻ) und Abhinihnava (›Gegen-Verleugnungʻ) bilden ein psychologisch bemerkenswertes Techniken-Paar: Man weist das erstrebte Höhere zunächst rhetorisch von sich (Nihnava), um es dann im Gegenzug doch zu besteigen (Abhinihnava) – ergänzt durch die Klarstellung, das eigene tatsächliche Tun solle dabei nicht in Abrede gestellt werden. Dies reiht sich in die seit 2.398 entfaltete Serie komplementärer Ruf- und Verspaare (Krośa/Anukrośa, Vrata/Pakṣa, Prāṇa/Apāna, Śloka/Anuśloka, Nihnava/Abhinihnava) ein, die alle nach demselben Muster vorn/hinten bzw. Aufstieg/Verankerung gegliedert sind.]

tat pañcaviṃśaṃ kṛtvā stuvate vratasyānatiṣṭavāya, yad v eva prati bhūtecchandasāṃ vratena stuvate - harī ta indra śmaśrūṇy uto te haritā harī. taṃ tvā stuvanti kāravaḥ puruṣāso vanargavaḥ. ṛṣya sa indra bhuṅṅ iti maghavann indra bhuṅṅ iti. indras trasarapūtaḥ. - - -sphigi punaḥpunas trasarasphigir iti. etāvad dha vā anyaikam aṅgam anāstum āsa yat sphigau. anāstutenainam aṅagena stuvanti. ṛddhiṣṇavo ha bhavanty enena tuṣṭuvānāḥ. tad āhuḥ kasmai kaṃ parimādaḥ kriyanta iti. yathā ha vai śārada ukṣaivaṃ mahāvratam. sa yathā śāradam ukṣāṇaṃ vāgarābhiḥ paritatyālabherann evam evaitat parimādbhir mahāvratam ālabhante vratasyāprakṣayāya. atho yathaivedaṃ puruṣasya keśā nakhā lomāni śmaśrūṇi tathaivāsyaitad iti. atho yad evedaṃ puruṣam abhito gaur aśvo ’jāvir vrīhayo yavās tad evāsyaitad iti

Dies, nachdem sie es fünfundzwanzigfach gemacht haben, preisen sie, zur Nicht-Überschreitung des Gelübdes; oder auch, wenn sie gegenüber den Bhūtacchandas mit dem Gelübde preisen: »Falbfarben sind dir, Indra, die Barthaare, und auch falb sind dir die beiden Falben.« »Dich preisen die Sänger, die Menschen, die Waldrinder-Hüter.« »Antilopenhafter, du, Indra, genieße!« »Freigebiger Indra, genieße!« »Indra ist der durch Erschauern Geläuterte …« – […] – »am Hinterteil immer wieder der zitternd-hinterteilige.« So viel nämlich war das eine übrige, ungepriesene Körperglied, nämlich das Gesäß. Mit diesem ungepriesenen Glied preisen sie nun auch. Gedeihen-bringend fürwahr werden diejenigen, die mit diesem preisen. Dazu fragt man: »Wem zuliebe werden die Parimādas gemacht?« Wie ein herbstlicher Stier, so ist das Mahāvrata. So wie man einen herbstlichen Stier mit Fangnetzen umspannend ergreifen würde, ebenso ergreifen sie mit den Parimādas das Mahāvrata, zur Unversieglichkeit des Gelübdes. Ferner: So wie dies die Haare, Nägel, Körperhaare, Barthaare des Menschen sind, ebenso ist dies dessen Eigenes. Ferner: Was auch immer den Menschen umgibt – Rind, Pferd, Ziege und Schaf, Reis, Gerste –, das eben ist auch dieses Eigene.

[Anm.: Die Stelle mit den Bindestrichen markiert eine bereits im Sanskrit-Original erkennbare Textlücke zwischen zwei Versfragmenten über Indras ›zitternden Hinterteilʻ; die Übersetzung bildet diese Lücke nach, statt sie zu überbrücken. Parimāda (wörtl. ›ringsum Berauschendesʻ) bezeichnet die in 2.404 aufgezählten Musikinstrumente und Zusatzdarbietungen des Mahāvrata-Tags. Das Netz-Gleichnis für den herbstlichen (paarungsbereiten) Stier verbindet das Mahāvrata mit den ausgeprägt prokreativen Motiven, die den ganzen Tag durchziehen (vgl. 2.405).]

saptāśītir mahāvratasya stotryā bhavanti, trayodaśa parimādaḥ. tac chatam. śatāyur vai puruṣaś śatendriyaś śatavīryas tasyaivendriyasya vīryasyāvaruddhyai. athaitā vācaḥ pravadanti. kṣudrāḥ parimādaḥ - karkarī cālābuś ca vakrā ca kapiśīrṣṇī caiṣīkī cāpaghāṭalīkā ca vīṇā ca kaśyapī ca bhūmidundubhiś cārṣabheṇa carmaṇābhivihato vāṇaś ca śatatantrīḥ. antarikṣe dundubhayo vitatā vadanti. adhikuṃbhāḥ paryāyanti. etā vācaḥ pravadanti - sarvasyai vāco ’varuddhyai, kṛtsnāyai vācaḥ - kṛtsnāṃ vācam avaruṇadhāmahā iti. tad yad bhūmidundubhir ārṣabheṇa carmaṇābhivihato vadati - paramā vā ṛṣabho vāk - paramasyā paramasyā eva vāco ’varuddhyai. antarikṣe dundabhayo vitatā vadanti - yaivāntarikṣe vāk tām eva tenāvarundhate. adhikumbhāḥ paryāyanty - etad vai pratyakṣaṃ divo rūpaṃ yan mūrdhā - yaivāmuṣyāṃ vāk tām eva tenāvarundhate. vāṇaṃ śatatantrīm āghnanti - śatāyur vai puruṣaś śatendriyaś śatavīryas - tasyaivendriyasya vīryasyāvaruddhyai

Siebenundachtzig sind die Stotriyā-Verse des Mahāvrata, dreizehn die Parimādas. Das macht hundert. Hundert Jahre lebt ja der Mensch, hundertfache Indra-Kraft, hundertfache Manneskraft hat er – eben zur Sicherung dieser Indra-Kraft, dieser Manneskraft. Ferner lassen sie diese Instrumente ertönen. Die kleineren Parimādas: die Karkarī, die Ālābu, die Vakrā, die Kapiśīrṣṇī, die Eṣīkī, die Āpaghāṭalīkā, die Vīṇā, die Kaśyapī, die Erdtrommel, und der mit Stierleder überzogene, geschlagene Vāṇa mit seinen hundert Saiten. In der Mittelwelt ertönen ausgespannte Pauken. Krug-Trommeln gehen umher. Diese Instrumente lassen sie ertönen – zur Sicherung der gesamten Rede, der vollständigen Rede: »Die vollständige Rede wollen wir uns sichern«, so denkt man. Dass die Erdtrommel, mit Stierleder geschlagen, ertönt – der Stier ist ja die höchste Rede – eben zur Sicherung der allerhöchsten Rede. Dass in der Mittelwelt ausgespannte Pauken ertönen – welche Rede auch immer in der Mittelwelt ist, eben diese sichern sie sich dadurch. Dass Krug-Trommeln umhergehen – dies ist ja die unmittelbar sichtbare Gestalt des Himmels, nämlich das Haupt – welche Rede auch immer in jener Welt ist, eben diese sichern sie sich dadurch. Dass sie den hundertsaitigen Vāṇa schlagen – hundert Jahre lebt ja der Mensch, hundertfache Indra-Kraft, hundertfache Manneskraft hat er – eben zur Sicherung dieser Indra-Kraft, dieser Manneskraft.

[Anm.: Dieser Instrumentenkatalog des Mahāvrata-Tags gehört zu den seltenen konkreten Zeugnissen vedischer Musikpraxis: benannt werden mehrere Saiten- und Schlaginstrumente (Karkarī, Vīṇā, Kaśyapī u.a.), eine mit Stierleder bespannte ›Erdtrommelʻ (bhūmidundubhi, vermutlich eine in eine Grube geschlagene Fellmembran) und ein hundertsaitiger Vāṇa. Jedes Instrument erhält eine eigene kosmische Zuordnung (Erdtrommel=höchste Rede/Stier, Luft-Pauken=Mittelwelt-Rede, Krug-Trommeln=Himmels-Rede), sodass das gesamte Klangspektrum symbolisch ›die vollständige Redeʻ einfängt.]

māgadhaṃ ca puṃścalūṃ ca dakṣiṇe vedyante mithunī kārayanti, mithunatvāya prajananāya. pra mithunena jāyate ya evaṃ veda. āryaṃ ca varṇaṃ śaudraṃ coparyupari cātvālaṃ bastājine vyāyamanty ārṣabhe vā carmaṇi. tayor antarvedy āryo varṇo bhavati bahirvedi śaudraḥ. tayor āryeṇa varṇena śaudraṃ varṇaṃ jyapayanti. devāś ca vā asurāś cāmuṣminn āditye ’spardhanta. taṃ devā asurāṇām avṛñjata. tad yad āryeṇa varṇena śaudraṃ varṇaṃ jyāpayanty, etam eva tad dviṣato bhrātṛvyasya vṛñjate. tayor ānyaḥ krośati, prāṇyaś śaṃsati. ya ākrośati, punāty evainān saḥ. atha yaḥ praśaṃsati, pūteṣva evaiteṣu sa indriyaṃ vīryaṃ dadhāti. ājiṃ dhāvanti. paramaṃ vā etan maho yad ājiḥ - paramasyaiva mahaso ’varuddhyai. saṃnaddhā bhavanti. paramā vai saṃnaddhe tviṣiḥ. paramām eva tat tviṣim ātmasu dadhate. pūrṇakumbhā mārjālīyaṃ paryāyanti - pūrṇasyaivāvaruddhyai. hai mahā hai mahā iti - mahaso ’varuddhyai. idaṃ madhv idaṃ madhv iti - madhv iva vā etad devebhyaḥ kriyate yan mahāvratam. paramo vai madhuni rasaḥ, paramasyaiva rasasyāvaruddhyai. tad āhur - īśvarā ādyā bhavitor yad dhai mahā idaṃ madhv iti gāyantīḥ paryeyuḥ. hai mahām eva gāyantīḥ paryeyur iti. tad u hovāca śāṭyāyanir - yadā vai bhavati yadāsty, athādyo bhavati. kim asato ’dyuḥ. hai mahā idaṃ madhv ity eva gāyantīḥ paryeyur iti

Den Māgadha und die Puṃścalī [eine öffentliche Frau] lassen sie an der südlichen Seite des Altars sich paaren, zur Paarung, zur Zeugung. Durch Paarung vermehrt sich, wer dies so weiß. Den Ārya-Stand und den Śūdra-Stand vertretend, ringen zwei miteinander oberhalb des Cātvāla, auf einem Ziegenbockfell oder auf einem Stierfell. Von diesen beiden ist der innerhalb des Altars Stehende der Ārya-Stand, der außerhalb Stehende der Śūdra-Stand. Von diesen beiden lassen sie durch den Ārya-Stand den Śūdra-Stand besiegen. Die Götter und die Asuras wetteiferten einst um jene Sonne dort; diese entrissen die Götter den Asuras. Dass sie durch den Ārya-Stand den Śūdra-Stand besiegen lassen – eben dies entreißen sie dabei dem hassenden Rivalen. Von diesen beiden schreit der eine, der andere rezitiert lobpreisend. Wer schreit, der läutert eben diese Anwesenden dadurch. Wer aber preist, der legt in diese bereits Geläuterten die Indra-Kraft, die Manneskraft. Sie laufen einen Wettlauf. Der Wettlauf ist ja diese höchste Größe – eben zur Sicherung der allerhöchsten Größe. Sie werden dafür ausgerüstet. Höchste Glut ist ja im Ausgerüstetsein; die höchste Glut eben legen sie sich dabei in sich selbst. Volle Krüge tragen sie um den Mārjālīya-Feuerplatz herum – eben zur Sicherung der Fülle. »Hai mahā, hai mahā« – zur Sicherung der Größe. »Dies ist Honig, dies ist Honig« – wie Honig fürwahr wird dies den Göttern dargebracht, nämlich das Mahāvrata. Höchster Saft ist ja im Honig – eben zur Sicherung des allerhöchsten Saftes. Dazu sagt man: Es könnte geschehen, dass sie zu Unrecht als die Ersten gelten würden, sängen die Singenden beim Umgang das Ganze, »hai mahā, dies ist Honig« – nur »hai mahā« sollen die Singenden beim Umgang vortragen. Dazu sprach Śāṭyāyani: »Erst wenn etwas wirklich ist, wenn es wirklich existiert, wird es zu Recht das Erste. Was sollte man von etwas Nicht-Existierendem als Erstes nehmen? Eben ›hai mahā, dies ist Honig‹ sollen die Singenden beim Umgang vollständig vortragen.«

[Anm.: Die rituelle Paarung von Māgadha und Puṃścalī sowie das Ring-›Duellʻ zwischen Vertretern des Ārya- und des Śūdra-Standes, bei dem der Ārya-Vertreter siegen muss, gehören zu den am offensten sozial-hierarchisch geprägten Elementen des Mahāvrata-Tags; der Text deutet den erzwungenen Sieg als rituelle Wiederholung des Sonnensiegs der Götter über die Asuras und richtet ihn ausdrücklich gegen den ›hassenden Rivalenʻ (bhrātṛvya, vgl. 2.337) des Opferherrn. Śāṭyāyanis abschließendes Votum (vgl. seine weiteren Stellungnahmen in 2.11-13, 2.32-37, 2.370, 2.388) entscheidet einen Formulierungsstreit mit einem knappen Argument aus der Priorität des Wirklichen vor dem Nicht-Existierenden.]

te stoṣyanto viparāyanti. adhvaryus trivṛtā śīrṣṇā gāyatreṇa stoṣyann agreṇa havirdhāne upaviśati, maitrāvaruṇaḥ pañcadaśena pakṣeṇa bṛhatā stoṣyan dakṣiṇata upaviśati, brāhmaṇācchaṃsī saptadaśena pakṣeṇa rathantareṇa stoṣyann uttarata upaviśati, naiṣṭaikaviṃśena pucchena bhadreṇa stoṣyan patnīnāṃ madhya upaviśaty, udgātā pañcaviṃśenātmanā rājanena stoṣyann audumbarīm adhirohaty - ūrg vā annam udumbara - ūrja evānnādyasyāvaruddhyai. tām abhimantrayate - bṛhadrathantare te pūrvau pādau, vairūpavairāje ’parau, śākvararaivate ’nūcyāni, chandāṃsy āstaraṇaṃ, yajūṃṣi vivayanaṃ, syonām āsadaṃ suṣadām āsadam iti. tasyai pratyavaroho - mahī dyauḥ pṛthivī ca na imaṃ yajñaṃ mimikṣatām. pipṛtāṃ no bharīmabhiḥ. iti

Diese, im Begriff zu preisen, verteilen sich. Der Adhvaryu, der mit dem Trivṛt-Haupt, dem Gāyatra, preisen wird, setzt sich vorn bei den Havirdhāna-Wagen nieder. Der Maitrāvaruṇa, der mit dem Pañcadaśa-Flügel, dem Bṛhat, preisen wird, setzt sich südlich nieder. Der Brāhmaṇācchaṃsin, der mit dem Saptadaśa-Flügel, dem Rathantara, preisen wird, setzt sich nördlich nieder. Der Naiṣṭha, der mit dem Ekaviṃśa-Schwanz, dem Bhadra, preisen wird, setzt sich inmitten der Gattinnen nieder. Der Udgātṛ, der mit dem Pañcaviṃśa-Selbst, dem Rājana, preisen wird, besteigt die Udumbarī-Säule – die Udumbara ist ja Kraftspeise – eben zur Sicherung der Kraftspeise, der Nahrung. Diese bespricht er mit der Formel: »Bṛhat und Rathantara sind deine vorderen Füße, Vairūpa und Vairāja die hinteren, Śākvara und Raivata die Rippen, die Versmaße sind die Polsterung, die Yajus-Formeln sind das Geflecht – ein angenehmer Sitz, ein wohlsitzender Sitz.« Deren Herabstiegsformel: »Die große Himmel und Erde mögen dieses Opfer für uns befestigen. Sie mögen uns mit Gaben durchhelfen.«

[Anm.: Dieser Abschnitt konstruiert aus den fünf Hauptpriestern und ihren zugeordneten Stoma-Zahlen und Sāmans einen kosmischen Puruṣa: Adhvaryu=Haupt (Trivṛt/Gāyatra), Maitrāvaruṇa=südlicher Flügel (Pañcadaśa/Bṛhat), Brāhmaṇācchaṃsin=nördlicher Flügel (Saptadaśa/Rathantara), Naiṣṭha=Schwanz (Ekaviṃśa/Bhadra), Udgātṛ=Selbst/Rumpf (Pañcaviṃśa/Rājana). Die Udumbarī-Säule wird in der Anrede selbst zu einem aus Sāmans, Versmaßen und Formeln gebauten Sitzmöbel oder Reittier (Füße, Rippen, Polsterung, Geflecht) verdichtet – ein besonders anschauliches Beispiel der im Text verbreiteten Technik, rituelle Gegenstände durch Anrede in kosmische Körper zu verwandeln.]

te sakṛd eva sarve hiṃkurvanti. tasmāt puruṣas saṃviddho jāyate. udgātur hiṃkāram anu hiṃkurvanti. tasmād ātmano vaśam aṅgāni yanti. adhvaryus trivṛtā śīrṣṇā gāyatreṇodgāyati. idaṃ tac chiraḥ pratidadhāti. tasmād idaṃ śiraḥ pratihitam. parācībhir apunarabhyāvartam. tasmād idaṃ śiraḥ parāṅ eva neti neti. navabhir udgāyati. tasmād idaṃ śiro na medyato ’numedyati, na kṛśyato ’nukṛśyati. maitrāvaruṇaḥ pañcadaśapakṣeṇa bṛhatodgāyati. imaṃ tad bāhuṃ pratidadhāti. tasmād ayaṃ bāhuḥ pratihitaḥ. parācībhir punarabhyāvartam. tasmād idaṃ bāhuṃ saṃ cāñcati pra ca sārayati. tisras satīḥ pañcadaśa karoti. kasmād ayaṃ bāhur medyato ’numedyati, kṛśyato ’nukṛśyati. vīryaṃ vai bṛhad, vīryaṃ pañcadaśaḥ. tad yat pañcadaśena pakṣeṇa bṛhatodgāyati tasmād ayaṃ bāhvor vīryavattaraḥ. tasmād u dakṣiṇaṃ pakṣaṃ vayāṃsy anu pariplavante. puṃso vā etad rūpaṃ yad bṛhat, striyai rathantaram. tad yad ito bṛhatā stuvata, ito rathantareṇa, tasmāt pumān dakṣiṇato yoṣām upaśete. brāhmaṇācchaṃsī saptadaśena pakṣeṇa rathantareṇodgāyati. imaṃ taṃ bāhuṃ pratidadhāti. tasmād ayaṃ bāhuḥ pratihitaḥ parācībhir apunarabhyāvartam. tasmād imaṃ bāhuṃ saṃ cāñcati pra ca sārayati. tisras satīs saptadaśakaroti. tasmād ayaṃ bāhur medyato ’numedyati, kṛśyato ’nukṛśyati

Diese alle machen zugleich, auf einmal, den Hiṃkāra-Laut. Deshalb wird der Mensch als Ganzer auf einmal geboren. Dem Hiṃkāra des Udgātṛ folgend machen die anderen den Hiṃkāra-Laut. Deshalb gehorchen die Glieder dem Willen des Selbst. Der Adhvaryu singt mit dem Trivṛt-Haupt, dem Gāyatra. Dies setzt dabei das Haupt ein. Deshalb ist dieses Haupt fest angesetzt. Mit den abgewandten Versen geschieht dies als ein Nicht-wieder-Zurückkehren. Deshalb wendet sich dieses Haupt nur vorwärts: nicht so, nicht so. Mit neun Versen singt er. Deshalb wird dieses Haupt weder fett, wenn der Körper fett wird, noch mager, wenn er mager wird. Der Maitrāvaruṇa singt mit dem Pañcadaśa-Flügel, dem Bṛhat. Dies setzt dabei diesen Arm ein. Deshalb ist dieser Arm angesetzt. Mit den abgewandten Versen geschieht dies als eine Wiederkehr. Deshalb zieht man diesen Arm zusammen und streckt ihn auch aus. Er macht drei Verse, die fünfzehn ergeben. Deshalb wird dieser Arm fett, wenn der Körper fett wird, mager, wenn er mager wird. Manneskraft ist ja das Bṛhat, Manneskraft ist der Pañcadaśa. Dass er mit dem Pañcadaśa-Flügel, dem Bṛhat, singt – deshalb ist dieser von den beiden Armen der kraftvollere. Deshalb umschwirren auch die Vögel bevorzugt den rechten Flügel. Das Bṛhat ist ja die Gestalt des Mannes, das Rathantara die der Frau. Dass sie von hier mit dem Bṛhat preisen, von dort mit dem Rathantara – deshalb legt sich der Mann von der rechten Seite zur Frau. Der Brāhmaṇācchaṃsin singt mit dem Saptadaśa-Flügel, dem Rathantara. Dies setzt dabei diesen anderen Arm ein. Deshalb ist dieser Arm angesetzt, mit den abgewandten Versen als ein Nicht-wieder-Zurückkehren. Deshalb zieht man auch diesen Arm zusammen und streckt ihn aus. Er macht drei Verse, die siebzehn ergeben. Deshalb wird auch dieser Arm fett, wenn der Körper fett wird, mager, wenn er mager wird.

[Anm.: Die Formel ›nicht so, nicht so‹ (na iti na iti) für die ausschließlich vorwärtsgerichtete Beweglichkeit des Hauptes ist dieselbe Wendung, die später in der Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad (neti neti) zur berühmten negativen Bestimmung des Brahman wird – hier noch in rein anatomischem Sinn verwendet, aber ein bemerkenswert früher Beleg der Formel. Das Wortspiel dakṣiṇaṃ pakṣam (›die rechte Seite/den rechten Flügelʻ) nutzt pakṣa in seiner Doppelbedeutung als Ritual-Flanke und Vogelflügel, um den Vogelflug an die kraftvollere (Bṛhat-)Seite zu binden. Auffällig ist eine innere Spannung: Dem zweiten Arm (Brāhmaṇācchaṃsin/Rathantara) wird, wie dem Haupt, ein ›Nicht-wieder-Zurückkehrenʻ zugeschrieben – im Unterschied zum ersten Arm (Maitrāvaruṇa/Bṛhat), dem ausdrücklich eine ›Wiederkehrʻ zukommt –, doch wird ihm anschließend, wie dem ersten Arm, dieselbe Beugsamkeit und Körperabhängigkeit (Fett-/Magerwerden) zugesprochen; ob dies eine bewusste Feinabstufung oder eine Unstimmigkeit der Vorlage ist, bleibt offen. Die Bṛhat=Mann/Rathantara=Frau-Gleichung liefert eine weitere Ätiologie, hier für die rechtsseitige Lage des Mannes beim Beischlaf.]

neṣṭaikaviṃśena pucchena bhadreṇodgāyati. idaṃ tat pucchaṃ pratidadhāti. tasmād idaṃ pucchaṃ pratihitam. parācībhir punarabhyāvartam. tasmād idaṃ pucchaṃ saṃ cāñcati, pra ca sārayati. tisras satīr ekaviṃśatiṃ karoti. tasmād idaṃ pucchaṃ medyato ’numedyati kṛśyato ’nukṛśyati. udgātā pañcaviṃśenātmanā rājanenodgāyati. imaṃ tad ātmānaṃ pratidadhāti. tasmād ayam ātmā pratihitaḥ. parācībhir punarabhyāvartam. tasmād idam ātmānaṃ saṃ cāñcati, pra ca sārayati. tisras satīḥ pañcaviṃśatiṃ karoti. tasmād ayam ātmā medyato ’numedyati, kṛśyato ’nukṛśyati. ta ekaikayāstuyodgātāram upasamāyanti. tābhir udgātodgāyati. ātmann eva tad aṃgāni pratidadhāti. tasmād ātmann aṅgāni pratihitāni. ātmanyayottamayodgāyati. tasmād idam ātmana ud iva śete

Der Naiṣṭha singt mit dem einundzwanzigfachen Schwanzstück, dem Bhadra. Damit setzt er eben diesen Schwanz wieder ein. Daher ist dieser Schwanz eingesetzt. Durch die rückläufigen Verse ist er ein Wiederkehrender. Daher zieht sich dieser Schwanz zusammen und streckt sich zugleich nach vorn. Obwohl nur drei, bilden sie die Einundzwanzig. Daher wird dieser Schwanz bei einem fett werdenden [Opferer] mit fett, bei einem mager werdenden mit mager. Der Udgātṛ singt mit dem fünfundzwanzigfachen Selbst, dem Rājana. Damit setzt er eben dieses Selbst wieder ein. Daher ist dieses Selbst eingesetzt. Durch die rückläufigen Verse ist es ein Wiederkehrendes. Daher zieht sich dieses Selbst zusammen und streckt sich zugleich nach vorn. Obwohl nur drei, bilden sie die Fünfundzwanzig. Daher wird dieses Selbst bei einem fett werdenden mit fett, bei einem mager werdenden mit mager. Diese nähern sich, eine jede mit einer eigenen Lobpreisung, dem Udgātṛ. Mit diesen singt der Udgātṛ. Eben im Selbst setzt er dabei die Glieder wieder ein. Daher sind im Selbst die Glieder verankert. Im Selbst singt er mit dieser höchsten [Lobpreisung]. Daher liegt dies gleichsam vom Selbst her erhöht da.

[Anm.: Dieser Abschnitt vervollständigt das in 2.406 begonnene und in 2.407 fortgeführte fünfgliedrige Puruṣa-Schema (Kopf/Adhvaryu, zwei Arme/Maitrāvaruṇa und Brāhmaṇācchaṃsin) um die beiden letzten Glieder: Schwanz (Naiṣṭha/Ekaviṃśa-Bhadra) und Selbst bzw. Rumpf (Udgātṛ/Pañcaviṃśa-Rājana). Beide folgen demselben viergliedrigen Muster wie zuvor die Arme: Wiedereinsetzung, Klassifikation als ›Wiederkehrendesʻ, Zusammenziehen/Strecken, sowie Anpassung an den fetten oder mageren Zustand des Opferers. Die Formel ›obwohl nur drei, bilden sie 21 bzw. 25ʻ bleibt in ihrer genauen Rechenlogik unklar. Der Schlussteil beschreibt, wie die zuvor behandelten Glieder mittels einzelner Lobpreisungen im Selbst bzw. Rumpf als dem tragenden Zentrum zusammengeführt werden; das abschließende Bild vom erhöht Daliegen bleibt in seiner genauen anatomischen oder symbolischen Bedeutung offen.]

prajāpatiḥ prajās sasṛjānas sa vyasraṃsata. tasmād devatā vyudakrāman. tam indra eva devatānāṃ nājahāt. sa indram abravīt kathaṃ nv aham itaḥ punar anvābhaveyam iti. kiṃ khalu vai te ’stīty abravīt. sto nvai ma imau prāṇāpānāv iti. yat sto ma ity abravīt, tat stomasya stomatvam. stuvata enaṃ svā - ayaṃ na śreṣṭha iti ya evaṃ veda. tam abravīt sa vā etābhyām eva saṃvatsaraṃ stuṣva. taṃ tvaitābhyām eva tuṣṭuvānam upariṣṭāt saṃvatsarasya sarvā devatās samabhyavaiṣyantīti. sa etābhyām eva saṃvatsaram astuta. tam etābhyām eva tuṣṭuvānam upariṣṭāt saṃvatsarasya sarvā devatās samabhyavāyan diśāṃ rasaṃ pravṛhyāpāṃ rasaṃ vedasya rasam annasya rasaṃ, mahate vrataṃ harāmo mahate vrataṃ harāma iti vadantīḥ. tā yad abruvan - mahate vrataṃ harāma iti tan mahāvratasya mahāvratatvam. tad asmai prāyacchan. tad avratayat. tāḥ pramodanta - mahāvratayatīti, mahāvratayatīti. tasmād etasminn ahan preva modante. devatā hy asmin pramodanta. tad āhur - madhyatas saṃvatsarasya viṣuvaty upetyam -

Prajāpati, nachdem er die Geschöpfe erschaffen hatte, wurde kraftlos. Daher gingen die Götter davon, ein jeder für sich. Ihn allein, von den Göttern, verließ Indra nicht. Er sprach zu Indra: »Wie könnte ich nur von hier aus wieder zu Kräften kommen?« – »Was hast du denn noch?« sprach jener. »Diese beiden, mein Einatem und mein Ausatem, sind mir doch noch«, sprach er. Dass er sprach »sie sind mir [sto me]« – darin liegt eben die Stoma-Natur des Stoma. Von dem, der dies lobpreisend weiß, sagen die Seinen: »Dieser ist der Beste von uns!« Zu ihm sprach jener: »So besinge denn mit eben diesen beiden das Jahr! Dich, der du mit eben diesen beiden gepriesen hast, werden nach Ablauf des Jahres alle Götter gemeinsam aufsuchen.« Er besang mit eben diesen beiden das Jahr. Ihn, der mit eben diesen beiden gepriesen hatte, suchten nach Ablauf des Jahres alle Götter gemeinsam auf, nachdem sie den Saft der Himmelsrichtungen, den Saft der Gewässer, den Saft des Wissens, den Saft der Speise herausgezogen hatten, indem sie sprachen: »Wir bringen dem Großen das Gelübde dar, wir bringen dem Großen das Gelübde dar!« Dass sie sprachen »Wir bringen dem Großen das Gelübde dar [mahate vrataṃ harāma]« – darin liegt eben die Mahāvrata-Natur des Mahāvrata. Das reichten sie ihm dar. Das nahm er sich zum Gelübde. Sie freuten sich sehr: »Er vollzieht das Mahāvrata! Er vollzieht das Mahāvrata!« Daher freut man sich an diesem Tag sehr; denn die Götter freuten sich sehr an diesem [Tag]. Dazu sagt man: »In der Mitte des Jahres, am Viṣuvant, ist es anzutreten –«

[Anm.: Zentrale Mythe: der Ursprung sowohl des Stoma (via das Wortspiel sto ›sie sindʻ ~ stoma) als auch des Mahāvrata (via mahate vrataṃ harāma ›wir bringen dem Großen das Gelübde darʻ) wird hier auf Prajāpatis Erschöpfung nach der Schöpfung und Indras alleinige Treue zurückgeführt – strukturell parallel zur Prajāpati-Brahman-Mythe in 2.369–370 und zur Verdopplungs-Genese in 2.375–376, die ebenfalls rituelle Grundstrukturen auf eine Urkrise Prajāpatis zurückführen. Bemerkenswert ist, dass die abschließende Ätiologie-Formel von den Göttinnen (fem. vadantīḥ), nicht den Göttern, gesprochen wird. Diese Erzählung liefert rückwirkend die mythische Begründung für den gesamten in 2.403–408 entfalteten Mahāvrata-Tag-Komplex (Instrumente, Ringkampf, Puruṣa-Konstruktion). Der Abschnitt leitet über in die in 2.410 fortgesetzte Diskussion um die richtige zeitliche Ansetzung des Mahāvrata im Jahreslauf.]

-- annaṃ vai vratam. madhyato vā annam aśitaṃ dhinotīti. tad u vā āhur - ardhaṃ vā ete ’nnādyasyāvarundhate ye madhyatas saṃvatsarasya viṣuvati mahāvratam upayanti. saṃvatsaraḥ kṛtsnam annādyaṃ pacati. tad upariṣṭāt saṃvatsarasyopetyaṃ - kṛtsnasyaivānnādyasyāvaruddhyā iti. atha ha smāha nagarī jānaśruteya - ugro vā eṣa madhyamaśīvā yan mahāvratam. yad vā ugro madhyamaśīvā bhavati, sarvān vai so ’nyān vyavakīryāthaikaś śete. tad upariṣṭād eva saṃvatsarasyopetyaṃ kṛtsnasyaivānnādyasyāvaruddhyā iti. tat pañcaviṃśaṃ bhavati. caturviṃśatyardhamāso vai saṃvatsaraḥ. annādyaṃ pañcaviṃśy, annādyam evaitat pañcaviṃśyopadhīyate. sa yathā pūrṇodhnīm upasadya duhītaivam evaitat pañcaviṃśyānnādyaṃ duhre

»– Speise nämlich ist das Gelübde. Denn in der Mitte genossene Speise stärkt.« Man sagt aber auch: »Nur die Hälfte der Speise und Nahrung sichern sich diese, die in der Mitte des Jahres, am Viṣuvant, das Mahāvrata antreten. Das Jahr [erst] reift die gesamte Speise und Nahrung aus. Daher ist es erst nach Ablauf des Jahres anzutreten – zur Sicherung eben der gesamten Speise und Nahrung.« Ferner pflegte Nagarī Jānaśruteya zu sagen: »Furchtbar ist doch dieses [Mahāvrata], wenn es zum in der Mitte Liegenden wird. Denn wenn ein Furchtbares in der Mitte liegt, so zerstreut es alle anderen und legt sich dann allein nieder. Daher ist es eben erst nach Ablauf des Jahres anzutreten – zur Sicherung eben der gesamten Speise und Nahrung.« Dies ist dann der fünfundzwanzigste [Tag]; das Jahr nämlich hat vierundzwanzig Halbmonate. Die Pañcaviṃśī ist Speise und Nahrung; eben als Speise und Nahrung wird dies durch die Pañcaviṃśī hinzugefügt. Wie man sich einer euterprallen [Kuh] nähert und sie melkt, so eben melken sie mittels der Pañcaviṃśī diese Speise und Nahrung heraus.

[Anm.: Setzt die am Ende von 2.409 begonnene Debatte um die zeitliche Ansetzung des Mahāvrata fort – ein Doxographie-Muster ähnlich der Utsarga-Debatte in 2.393–397. Eine Position argumentiert, Speise reife erst über das volle Jahr, weshalb das Mahāvrata an dessen Ende (25. Tag) statt in der Mitte stehen müsse. Nagarī Jānaśruteya (vgl. bereits 2.397, wo dieselbe Autorität für eine Ekatrika-beschränkte Aussetzung votierte) stützt die Jahresend-Position mit dem Bild eines furchtbaren ›in der Mitte Liegendenʻ (madhyamaśīvā) – wohl ein Schakal oder ähnliches Raubtier, das eine Herde zerstreut und dann allein daliegt, hier als Warnbild gegen eine zentrale Platzierung des Mahāvrata gedeutet. Die hier genannte Pañcaviṃśī knüpft an das in 2.408 behandelte fünfundzwanzigfache Rājana-Sāman des Udgātṛ an. Das abschließende Bild der euterprallen Kuh veranschaulicht die Pañcaviṃśī als Mittel zur restlichen Gewinnung der Speise und Nahrung.]

tad āhus tavaśśāvyam evaitasyāhnaḥ pṛṣṭhaṃ kāryam iti. devā vai yad agre vrataṃ samabharaṃs tat tavaśśāvyam abhavat. tad yad etasyāhnas tavaśśāvyaṃ pṛṣṭhaṃ bhavati, vratam evaitat pratyakṣam upayanti. tad u vā āhur duṣprajñānā vai tavaśśāvyasya stobhāḥ padavṛttīḥ prastāvāḥ pratihārā devatā nidhanāni. vāmadevyam evaitasyāhnaḥ pṛṣṭhaṃ kāryam iti. ātmā vai vratasya vāmadevyam. sa yathāgatya gṛhān na vindet tādṛk tad yad etasyāhno’nyad vāmadevyāt pṛṣṭhaṃ kuryuḥ. tad āhu - svāraṃ na pṛṣṭhatāyai. tatsthānaṃ rājanam evaitasyāhnaḥ pṛṣṭhaṃ kāryam iti. rājanena vai prajāpatiḥ prajānāṃ rājyam aiśvaryam ādhipatyam agacchat. tad yena prajāpatiḥ prajānāṃ rājyam aiśvaryam ādhipatyam agacchat, tena prajānāṃ rājyam aiśvaryam ādhipatyaṃ gacchāmeti. parokṣam iva ha khalu vā etad vāmadevyaṃ yad rājanam. rājanaṃ pṛṣṭhaṃ bhavati. vāmadevyaṃ maitrāvaruṇasāma. pañcanidhanaṃ vāmadevyaṃ brahmasāma. sāmābhipūrvam evaitad vāmadevyena madhyata ātmānaṃ saṃdadhato yanti

Dazu sagen sie: »Das Tavaśśāvya eben ist zum Pṛṣṭha-Gesang dieses Tages zu machen.« Denn als die Götter zuerst das Gelübde zusammentrugen, da wurde daraus das Tavaśśāvya. Dass das Tavaśśāvya der Pṛṣṭha-Gesang dieses Tages ist – dadurch nähern sie sich eben unmittelbar dem Gelübde. Man sagt aber auch: Schwer zu durchschauen sind doch des Tavaśśāvya Stobhas, seine Versfüße, seine Prastāvas, Pratihāras, Gottheiten und Nidhanas. »Das Vāmadevya eben ist zum Pṛṣṭha dieses Tages zu machen.« Denn das Vāmadevya ist das Selbst des Gelübdes. Es wäre, wie wenn einer heimkäme und sein Haus nicht fände – ebenso wäre es, wenn man an diesem Tag ein anderes [Sāman] als das Vāmadevya zum Pṛṣṭha machte. Dazu sagt man: »[Ihm fehlt] der rechte Klang zur Pṛṣṭha-Funktion.« »Der an jener Stelle [stehende] Rājana eben ist zum Pṛṣṭha dieses Tages zu machen.« Denn durch den Rājana gelangte Prajāpati zur Königsherrschaft, zur Herrenmacht und zur Oberherrschaft über die Geschöpfe. »Wodurch Prajāpati zur Königsherrschaft, zur Herrenmacht und zur Oberherrschaft über die Geschöpfe gelangte, dadurch mögen auch wir zur Königsherrschaft, zur Herrenmacht und zur Oberherrschaft über die Geschöpfe gelangen!« Dieser Rājana ist gleichsam die verhüllte Form eben des Vāmadevya. Der Rājana wird so zum Pṛṣṭha. Das Vāmadevya ist das Sāman des Maitrāvaruṇa. Das fünf-Nidhana-fache Vāmadevya ist das Brahman-Sāman. Vom Sāman angeführt, gehen sie eben so voran, indem sie mittels des Vāmadevya das Selbst in der Mitte zusammenfügen.

[Anm.: Ein weiterer Doxographie-Abschnitt, diesmal mit unbenannten Positionen (anders als die namentlich geführte Utsarga-Debatte 2.393–397 oder der Bhāllaveya-Śāṭyāyani-Streit 2.386–388), über das rechte Pṛṣṭhastotra des Mahāvrata-Tages: Tavaśśāvya (Schöpfungs-Etymologie, aber ausdrücklich als technisch schwer durchschaubar eingeräumt), Vāmadevya (als ›Selbst des Gelübdesʻ, veranschaulicht durch das Bild der Heimkehr ins leere Haus) und Rājana (Prajāpati-Königsherrschafts-Ätiologie, am Ende als ›verhüllte Formʻ des Vāmadevya versöhnt – ein Aussöhnungsmuster wie bei Āruṇis Synthese in 2.397). Der Rājana knüpft an die in 2.406 und 2.408 etablierte Zuordnung Udgātṛ/Pañcaviṃśa-Rājana an. Die knappe Wendung ›kein rechter Klang für die Pṛṣṭha-Funktionʻ bleibt in ihrer argumentativen Stoßrichtung unklar.]

tat pañcastobhaṃ bhavati pañcapadavṛttīkaṃ pañcadevataṃ pañcapratihāraṃ pañcanidhanam. yaḥ pāṃkto yajño, ye pāṃktāḥ paśavo, yat pāṃktam annādyaṃ, ye pañcartavo, yat kiṃ ca pañca pañca tasyaiṣā sarvasyarddhis tasyopāptiḥ. pañcanidhanaṃ vāmadevyaṃ brahmasāma bhavati. pañcadheva hi vratena stuvate. tad aticchandassu bhavati trikadrukeṣu mahiṣo yavāśiram ity etāsu. ati vā eṣo ’nyāni chandāṃsi yad aticchandāḥ. aty ete ’nyān ye saṃvatsarasadaḥ. sva evaitac chandasi pratitiṣṭhanti. tad v aticchandassv eva tad ehivad ihavad bhavaty antasya rūpam. anto hy etad ahaḥ. tad āhur ilāndam evaitasyāhno ’gniṣṭomasāma kāryam iti. ilāndena vai prajāpatiḥ prajābhya irām annādyaṃ prāyacchat. tad yena prajāpatiḥ prajābhya irām annādyaṃ prāyacchat tenerām annādyam avarudhyottiṣṭhāmeti. tad v aticchandassv eva bhavati. ati vā eṣo ’nyāni chandāṃsi yad aticchandāḥ. aty ete ’nyān ye saṃvatsarasadaḥ. sva evaitac chandasi pratitiṣṭhanti

Dies ist fünffach im Stobha, fünffach im Versfuß, fünffach in der Gottheit, fünffach im Pratihāra, fünffach im Nidhana. Das Opfer, das fünfgliedrig ist, das Vieh, das fünfgliedrig ist, die Speise und Nahrung, die fünfgliedrig ist, die fünf Jahreszeiten, und was immer sonst fünf und fünf ist – von alledem ist dies das Gedeihen, die Erlangung. Das fünf-Nidhana-fache Vāmadevya ist das Brahman-Sāman; denn fünffach eben preisen sie mittels des Gelübdes. Dies findet sich unter den Aticchandas-Versen, unter den Trikadrukas, in »Der Büffel mit Gerstenmilch-Mischtrank« und diesen ähnlichen. Denn diese übertreffen die anderen Versmaße, da sie »Aticchandas« heißen. Ebenso übertreffen diese, die Jahressitzenden, die anderen. In ihrem eigenen Versmaß eben finden sie festen Halt. Und eben unter den Aticchandas ist dies gleichsam »Komm-her-artig«, »Hier-artig« – die Gestalt des Endes; denn dies ist der letzte Tag. Dazu sagt man: »Das Iḍānda eben ist zum Agniṣṭoma-Sāman dieses Tages zu machen.« Denn durch das Iḍānda reichte Prajāpati den Geschöpfen Labung [und] Speise und Nahrung dar. »Wodurch Prajāpati den Geschöpfen Labung [und] Speise und Nahrung darreichte, dadurch wollen auch wir, nachdem wir uns Labung [und] Speise und Nahrung gesichert haben, uns erheben!« Auch dies findet sich eben unter den Aticchandas. Denn diese übertreffen die anderen Versmaße, da sie »Aticchandas« heißen. Ebenso übertreffen diese, die Jahressitzenden, die anderen. In ihrem eigenen Versmaß eben finden sie festen Halt.

[Anm.: Vervollständigt das fünfgliedrige Korrespondenzschema des Vāmadevya und führt den Terminus ›Saṃvatsarasadʻ (›Jahres-Sitzenderʻ, d.h. Teilnehmer am jahrlangen Sattra) ein, der explizit mit den Aticchandas-Versmaßen (›über das Maß hinausʻ) verknüpft wird: die Sattra-Teilnehmer ›übertreffenʻ andere ebenso wie ihre Versmaße das gewöhnliche Metrum übertreffen – eine anschauliche Übertragung ritueller Dauer auf metrische Transgression. Der Refrain wiederholt sich wörtlich für das Iḍānda/Agniṣṭoma-Sāman, dessen Ätiologie (Prajāpatis Gabe von Labung und Speise an die Geschöpfe) unmittelbar an die Mahāvrata-Ursprungsmythe in 2.409 (die Götter reichen Prajāpati die herausgezogenen Säfte dar) und an den Krośa-Komplex in 2.398–400 anknüpft und damit Nahrung als durchgehendes Leitmotiv des Tages bestätigt. Die Ausdrücke ›ehivat ihavatʻ bleiben als obskure Formelwörter ungeklärt.]

tad vaiśvānarīyāsu bhavati. vaiśvānarasya hy etat stotram. aśītyakṣarāsu bhavaty aśnavāmahā iti. samudra ivākṣitam iva ha khalu vā etac chando yad aticchandās, samudra ivākṣitās tuṣṭuvānā asāmeti. tat pakṣi bhavati. pakṣi hy etasyāhno vratam. e vratam ity āha - annaṃ vai vratam - annādyasyaivāvaruddhyai. e suvar ity āha svargasyaiva lokasya samaṣṭyai. e śakunā ity āha vaya evaitac chakunā bhūtvā svargaṃ lokaṃ samaśnuvate. tad āhur vāravantīyam evaitasyāhno ’gniṣṭomasāma kāryam iti. prajāpatiḥ paśūn asṛjata. te ’smāt sṛṣṭā apākrāman. tān vāravantīyenaiva varaṇaśākhām ācchidyāvārayata. yad avārayat tad vāravantīyasya vāravantīyatvam. tasmād varuṇaṃ bhiṣajyam āhuḥ. tad yad etasyāhno vāravantīyam agniṣṭosāma bhavati, yad enena karmaṇāvārutsmahi, tan no vāravantīyena vāritam antata upatiṣṭhātā iti. tad ehivad ihavad bhavaty antasya rūpam. anto hy etad ahaḥ. tad u vā āhur yad vāvānyā vāṅ nātivadati tad etasyāhno ’gniṣṭomasāma kāryam. yajñāyajñīyaṃ vāvānyā vāṅ nātivadati. vāg vai yajñāyajñīyam. kuto hi vāg vācam ativadiṣyati. tasmād etasyāhno yajñāyajñīyam evāgniṣṭomasāma kāryam iti

Dies findet sich unter den Vaiśvānarī-Versen; denn dies ist das Stotra des Vaiśvānara. Es findet sich unter den achtzigsilbigen Versen, beginnend mit »Möchten wir erlangen«. Wie das Meer, wie das Unvergängliche ist gleichsam dieses Versmaß, das Aticchandas heißt: »Wie das Meer, unvergänglich, mögen wir sein, die wir gepriesen haben«, so denkt man. Dies ist beflügelt; denn beflügelt ist das Gelübde dieses Tages. Wenn er »e vratam« spricht – Speise nämlich ist das Gelübde –, so dient dies der Sicherung von Speise und Nahrung. Wenn er »e suvar« spricht, dient dies der Erlangung der Himmelswelt. Wenn er »e śakunā« spricht, so bedeutet dies: eben zu Vögeln geworden erlangen sie die Himmelswelt. Dazu sagt man: »Das Vāravantīya eben ist zum Agniṣṭoma-Sāman dieses Tages zu machen.« Prajāpati erschuf die Tiere. Diese, von ihm erschaffen, liefen davon. Diese hielt er eben durch das Vāravantīya zurück, nachdem er einen Varaṇa-Zweig abgeschnitten hatte. Dass er sie zurückhielt – darin liegt die Vāravantīya-Natur des Vāravantīya. Daher nennt man Varuṇa den Heiler. Dass das Vāravantīya das Agniṣṭoma-Sāman dieses Tages ist, bedeutet: »Was wir durch dieses Werk zurückgehalten haben, das möge uns, durch das Vāravantīya zurückgehalten, am Ende beistehen.« Dies ist »komm-her-artig«, »hier-artig« – die Gestalt des Endes; denn dies ist der letzte Tag. Man sagt aber auch: Das, wodurch eine Stimme die andere nicht übertönt – das ist zum Agniṣṭoma-Sāman dieses Tages zu machen. Das Yajñāyajñīya ist es, wodurch eine Stimme die andere nicht übertönt. Denn das Yajñāyajñīya ist Stimme. Wie sollte denn Stimme die Stimme übertönen? Daher ist für diesen Tag eben das Yajñāyajñīya zum Agniṣṭoma-Sāman zu machen.

[Anm.: Fortsetzung der Agniṣṭoma-Sāman-Debatte für den Mahāvrata-Tag (vgl. bereits 2.412 zum Iḍānda): das Vāravantīya wird mit einer Prajāpati-Mythe begründet (fliehende Tiere werden mittels eines Varaṇa-Zweigs zurückgehalten – ein Wortspiel vāraya-/Vāravantīya, das auch die Bezeichnung Varuṇas als ›Heilerʻ erklärt), das Yajñāyajñīya mit der selbstreferenziellen Logik, dass Stimme die Stimme nicht übertönen könne (vgl. dessen Sonderstellung in 2.379 und seine Rolle in 2.415 als ›Schwanzʻ des Gelübdes). Die Formel ›beflügeltʻ (pakṣin) für das Gelübde dieses Tages knüpft an das ›zwei Flügelʻ-Motiv aus 2.391 und 2.401 an.]

annaṃ vai vrataṃ, śrīr vai vratam. vratena vā annam adyate, vratena śrīr āpyate. tad āhur upariṣṭād eva saṃvatsarasyopetyam. dūrūpaṃ vai tato vrataṃ vijñāyate yatropajāyata iti. tat pañcaviṃśaṃ bhavati. caturviṃśatyardhamāso vai saṃvatsaro, ’nnādyaṃ pañcaviśy, annādyam evaitat pañcaviṃśyopadhīyate. pañcaviṃśo ha khalu vai puruṣaḥ. puruṣasyaitat stotram ity āhur - daśa vai puruṣasya hastyā aṃgulayo, daśa padyāś, catvāri prāṃgāṇy, ātmā pañcaviṃśaṣ, ṣaḍ imāni parvāṇi, ṣaḍ imāni, ṣaḍ imāni, ṣaḍ imāny, ātmā pañcaviṃśo, dvādaśemāḥ pariśavo, dvādaśemā, ātmaiva pañcaviṃśaḥ. puruṣaṃ vāvaitena saṃskurvanti puruṣaṃ prajanayanti. tad āhus sarvam evaitad ahaḥ pañcaviṃśam upetyam iti. pañcaviṃśam eva śira upeyuḥ, pañcaviṃśam anyaṃ pakṣaṃ, pañcaviṃśam anyaṃ, pañcaviṃśaṃ pucchaṃ, pañcaviṃśam ātmānam, evaṃ vratasyopāptir aṃgenāṅgena vratam upāpnavāmeti. tasmād atha ha smāharjjiśvā vātavāta - ekaṃ vāvaitat stotraṃ sat tat pañcadhā vihṛtya stuyuḥ - pañcabhir eva śira stuyuḥ, pañcabhir anyaṃ pakṣaṃ, pañcabhir anyaṃ, pañcabhiḥ pucchaṃ, pañcabhir ātmānam. tathaikam eva pañcaviṃśaṃ nātiricyate. evaṃ vratasyopāptir iti

Speise nämlich ist das Gelübde, Glanz ist das Gelübde. Durch das Gelübde wird die Speise gegessen, durch das Gelübde wird der Glanz erlangt. Dazu sagt man: Erst nach Ablauf des Jahres ist es anzutreten; denn ferngestaltig erkennt man das Gelübde von dort aus, wo es entsteht. Dies ist dann der fünfundzwanzigste Tag; das Jahr nämlich hat vierundzwanzig Halbmonate, die Pañcaviṃśī ist Speise und Nahrung, eben als Speise und Nahrung wird dies durch die Pañcaviṃśī hinzugefügt. Der Puruṣa selbst ist ja der Fünfundzwanzigste. Dies ist das Stotra des Puruṣa, sagt man: Zehn sind die Finger der Hand des Puruṣa, zehn die der Füße, vier die Hauptglieder, das Selbst ist der Fünfundzwanzigste. Sechs sind diese Gelenke, sechs diese, sechs diese, sechs diese, das Selbst ist der Fünfundzwanzigste. Zwölf sind diese Umläufe, zwölf diese, das Selbst allein ist der Fünfundzwanzigste. Eben dadurch vollenden sie den Puruṣa, sie erzeugen den Puruṣa. Dazu sagt man: Dieser ganze Tag ist als der Fünfundzwanzigfache anzutreten. Als den Fünfundzwanzigfachen sollen sie das Haupt antreten, als den Fünfundzwanzigfachen den einen Flügel, als den Fünfundzwanzigfachen den anderen, als den Fünfundzwanzigfachen den Schwanz, als den Fünfundzwanzigfachen das Selbst. So ist die Erlangung des Gelübdes: Glied für Glied wollen wir das Gelübde erlangen, so denkt man. Dazu pflegte nun Ṛjjiśvā Vātavāta zu sagen: »Da dieses Stotra ein einziges ist, sollen sie es fünffach verteilen und so preisen: mit fünf eben sollen sie das Haupt preisen, mit fünf den einen Flügel, mit fünf den anderen, mit fünf den Schwanz, mit fünf das Selbst. So wird das eine Fünfundzwanzigfache nicht überschritten. So ist die Erlangung des Gelübdes.«

[Anm.: Der Puruṣa (Mensch) selbst wird hier über drei verschiedene anatomische Zählweisen mit der Zahl 25 gleichgesetzt: 10 Handfinger + 10 Fußzehen + 4 Hauptglieder + 1 Selbst; 4×6 Gelenke + 1 Selbst; 2×12 Umläufe + 1 Selbst – ein Nebeneinander verschiedener Zählmodelle, die alle auf 25 hinauslaufen, ohne dass die Einzelbegriffe (prāṅga, parvan, pariśava) präzise identifizierbar sind. Ṛjjiśvā Vātavāta (neu genannte Autorität) korrigiert die zunächst vorgeschlagene Lesart – jedem der fünf Puruṣa-Glieder (Haupt, zwei Flügel, Schwanz, Selbst) eine volle Fünfundzwanzig zuzuordnen (was 125 ergäbe) – durch die Präzisierung, dass die eine Fünfundzwanzig lediglich fünffach zu je 5 auf die fünf Glieder verteilt wird, sodass die Gesamtzahl nicht überschritten wird. Dies setzt sich in 2.415 fort, wo Āruṇi diese Gleichförmigkeits-Prämisse selbst infrage stellt.]

atha ha smāhāruṇir na vā anyāny aṃgāny ātmanā samāni. no ’nyair aṃgair ātmā samaḥ. viṣameṇa vai puruṣaḥ kalpate, viṣameṇa samaḥ. tad yathāvidham evaitad evam upetyam iti. brahma vai vratasya śiro, dyāvāpṛthivī pakṣāv, antarikṣam ātmā, sāma puccham. gāyatraṃ vai vratasya śiras, tad dhi brahma. bṛhdrathantare pakṣau, te hi dyāvāpṛthivī. vāmadevyam ātmā, tad dhy antarikṣam. yajñāyajñīyam pucchaṃ, tad dhi sāma. navabhiś śira stuvanti. nava vai puruṣe prāṇāḥ. prāṇānām evaiṣā saṃmā prāṇānām ṛddhiḥ. tasmin gāyatrasāmādhyūhanti. prāṇo vai gāyatrasāma. prāṇam eva tac chīrṣan dadhati. tasmāc chīrṣan prāṇo hitaḥ. te pratyañco nisṛvyārkaśīrṣam iti tena stuvate. grīvā hi tās tad yad imān lokān anudākhyāyam iva gāyati. śiraś caiva tad ātmānaṃ ca saṃdadhāti. tasmāc chiraś cātmā ca saṃhitau. tad āhur apañcaviṃśaṃ bhavaty, atiricyate, tasmād etad atra na kāryam iti

Nun pflegte Āruṇi zu sagen: »Die anderen Glieder sind dem Selbst nicht gleich; auch ist das Selbst den anderen Gliedern nicht gleich. Durch das Ungleiche nämlich gestaltet sich der Puruṣa, durch das Ungleiche wird er gleichmäßig ganz. So, wie es beschaffen ist, eben so ist es anzutreten.« Brahman nämlich ist das Haupt des Gelübdes, Himmel und Erde die beiden Flügel, der Mittelraum das Selbst, das Sāman der Schwanz. Das Gāyatra-Sāman nämlich ist das Haupt des Gelübdes, denn das ist Brahman. Bṛhat und Rathantara sind die beiden Flügel, denn diese sind Himmel und Erde. Das Vāmadevya ist das Selbst, denn das ist der Mittelraum. Das Yajñāyajñīya ist der Schwanz, denn das ist das Sāman schlechthin. Mit neun Versen preisen sie das Haupt; neun nämlich sind die Atemzüge im Puruṣa. Dies ist eben das Vollmaß der Atemzüge, das Gedeihen der Atemzüge. Darauf legen sie das Gāyatra-Sāman. Das Gāyatra-Sāman nämlich ist Atem. Eben damit setzen sie den Atem in das Haupt. Daher ist im Haupt der Atem verankert. Diese, rückwärtsgewandt herabgeflossen, preisen damit »Lichthaupt«. Diese sind nämlich Nackenverse, da er, diese Welten gleichsam aufzeigend, singt. So fügt er das Haupt und das Selbst zusammen. Daher sind Haupt und Selbst vereint. Dazu sagt man: Dies wird ein Nicht-Fünfundzwanzigfaches, es überschreitet das Maß; daher ist dies hier nicht zu tun.

[Anm.: Āruṇi (vgl. 2.329, 2.395, 2.397) wendet sich gegen die in 2.414 vorausgesetzte Gleichförmigkeit der Puruṣa-Glieder und schlägt stattdessen ein zweites, kosmologisches Fünferschema vor: Gāyatra=Haupt/Brahman, Bṛhat+Rathantara=beide Flügel/Himmel-Erde (vgl. die Bṛhat=Mann/Rathantara=Frau-Zuordnung in 2.407), Vāmadevya=Selbst/Mittelraum, Yajñāyajñīya=Schwanz/Sāman – eine Alternative zum in 2.406–408 etablierten priesterlich-liturgischen Schema (Adhvaryu/Trivṛt-Gāyatra=Haupt usw.). Die Neun-Atemzüge-Zählung bestätigt hier explizit die 9-statt-10-Prāṇa-Zählweise (vgl. bereits 2.363 zur Diskrepanz mit der andernorts etablierten Zehnzahl). Mehrere Verbformen (nisṛvya, anudākhyāya) bleiben unsicher übersetzt. Der abschließende Einwand – dieses Schema ergebe ein Nicht-Fünfundzwanzigfaches und überschreite das Maß – wendet exakt das in 2.414 von Ṛjjiśvā formulierte Kriterium (nātiricyate, ›wird nicht überschrittenʻ) gegen Āruṇis Vorschlag und lehnt ihn ab.]

ta etena trivṛtā stomena rathantaram abhyāyanti. brahma vai trivṛd, annaṃ rathantaram. brahmaṇaiva tad annādyaṃ spṛṇvanti. tasmin pañcadaśaṃ stomam adhyūhanti. vajro vai pañcadaśo ’nnaṃ rathantaram. vajreṇaiva tad annādyaṃ parigṛhṇanti. ta etena pañcadaśena saptadaśam abhyāyanti. vajro vai pañcadaśo, viṭ saptadaśaḥ. vajreṇaiva tad viśaṃ spṛṇvanti. tasmin brahmasāmādhyūhanti. kṣatraṃ vai bṛhat. kṣatram eva tad viśy adhyūhanti. sa tasmāt kṣatriyo viśy adhyūḍhaḥ. tad āhur ito bṛhatā stotavyam, ito rathantareṇeti. prāṇam iva vā idaṃ sarvaṃ pratyudyatyā iti. tad u ha smāha kījo vākāyanaḥ - pṛṣṭhato vā ete ’nnādyaṃ kurvate, ya ito bṛhatā stuvata, ito rathantareṇa. annaṃ vai rathantaram. dakṣiṇato vā annādyam avaruddham upācarati. tasmād ita eva bṛhatā stuvata, ito rathantareṇānnādyasyāvaruddhyā iti. ya u evaiṣa pañcadaśa stomas sa u pratyudyatyā iti. tasmād u savyaṃ pakṣaṃ vayāṃsy anu pariplavante. ta etena sarveṇaikaviṃśaṃ pratiṣṭhām āyanti. dvādaśa māsāḥ, pañcartavas, traya ime lokā, asāv āditya ekaviṃśaḥ. sarvasmin vā eṣo ’sminn adhi pratiṣṭhitaḥ. tad yasminn eṣa sarvasminn adhi pratiṣṭhitas tasmin sarvasminn adhi pratitiṣṭhāmety etaṃ pratiṣṭhāpayanti

Mit diesem Trivṛt-Stoma nähern sie sich dem Rathantara. Brahman nämlich ist der Trivṛt, Speise das Rathantara. Eben durch Brahman gewinnen sie diese Speise und Nahrung. Darauf legen sie den Pañcadaśa-Stoma. Der Vajra nämlich ist der Pañcadaśa, Speise das Rathantara. Eben durch den Vajra ergreifen sie diese Speise und Nahrung ringsum. Mit diesem Pañcadaśa nähern sie sich dem Saptadaśa. Der Vajra nämlich ist der Pañcadaśa, der Saptadaśa das Volk. Eben durch den Vajra gewinnen sie dieses Volk. Darauf legen sie das Brahma-Sāman. Die Kriegermacht nämlich ist der Bṛhat. Eben die Kriegermacht legen sie damit auf das Volk. Daher ist der Krieger dem Volk aufgelegt. Dazu sagt man: »Von hier aus soll man mit dem Bṛhat preisen, von hier aus mit dem Rathantara« – denn dies alles ist gleichsam wie ein Atem, der sich durch Gegenaufstieg erhebt. Kīja Vākāyana aber pflegte zu sagen: »Diese, die von hier mit dem Bṛhat preisen, von hier mit dem Rathantara, schaffen die Speise und Nahrung auf der Rückseite. Speise nämlich ist das Rathantara. Auf der rechten Seite aber dient die gesicherte Speise und Nahrung dem weiteren Fortgang. Daher preist man eben von hier mit dem Bṛhat, von hier mit dem Rathantara, zur Sicherung der Speise und Nahrung. Und eben dieser Pañcadaśa-Stoma ist es, der durch Gegenaufstieg wirkt.« Daher umkreisen die Vögel dem linken Flügel entlang. Mit diesem Gesamten gelangen sie zum Ekaviṃśa als ihrer Grundlage: zwölf Monate, fünf Jahreszeiten, diese drei Welten, jene Sonne als der Einundzwanzigste. In diesem All nämlich ist sie gegründet. »In dem All, in dem sie gegründet ist, in eben diesem All mögen auch wir gegründet sein!« – so lassen sie dies feststehen.

[Anm.: Verknüpft eine aufsteigende Stoma-Reihe (Trivṛt-Pañcadaśa-Saptadaśa-Bṛhat) mit einer sozialkosmischen Hierarchie (Brahman-Vajra-Viś-Kṣatra) und dem einprägsamen Bild, der Krieger sei ›dem Volk aufgelegtʻ – die Kriegermacht ruht auf und in der Volksgemeinschaft. Dass hier ›Brahma-Sāmanʻ für den Bṛhat steht, während derselbe Titel in 2.411–412 dem Vāmadevya galt, zeigt, dass es sich um einen kontextabhängigen Funktionstitel handelt, nicht um einen festen Eigennamen. Kīja Vākāyana (neu genannte Autorität) ergänzt eine Richtungsregel (rechte Seite = Sicherung von Speise und Nahrung). Der Begriff ›Gegenaufstiegʻ (pratyudyati) bleibt in seiner genauen technischen Bedeutung unsicher. Die abschließende Ekaviṃśa=21-Formel (12 Monate + 5 Jahreszeiten + 3 Welten + Sonne) ist die im Text wiederholt belegte Standardformel (vgl. u.a. 2.386).]

tasmin bhadraṃ sāmādhyūhanti. prajā vai bhadram. pucchato vai prajāḥ prajāyante. pucchata evaitat prajanane prajāṃ dadhate prajātyai. tatrāpi śreyaḥ kāryam āhuḥ. prajā vai bhadraṃ, prajāyai yā prajā sā śreyaḥ. api ha prajāyai prajāṃ paśyate ya evaṃ veda. tad āhus sakṛd eva sarveṇa stotavyaṃ vayaso ’nurūpaṃ kṛtveti. yad vai vayaḥ prapatati sarvāṇy aṅgāni nāānāśo yuktvā prapatati. atha yad upaviśati sarvāṇy aṅgāny ātmānam upasamāhṛtyopaviśatīti. tad yat sakṛdeva sarveṇa stuvanti yathā vayaḥ prapatat sarvāṇy aṅgāni nānāśo yuktvā prapatet tādṛk tat. atha yad ekaikayā stutayopasamāyanti yathā vaya upaviśat sarvāṇy evāṅagāny ātmānam upasamāhṛtyopaviśet tādṛg u (ta)t. atha ha smāha bhāh bhāllaveyo - naitasminn ahann anya udgātus sāmnārtvijyaṃ kuryāt. śrīr vā etad ahaḥ, śrīr udgātā. yad etasminn ahann anya udgātus sāmnārtvijyaṃ kuryād anavavaditainān avavaded anabhyāroḍhābhyārohet, pāpavasyasaṃ syāt, sa vaivānuparisarpaṃ saṃsthāpayet, sa vaikaikayā stutayopasameyād iti. tad iva tv atra paricakṣate yan navaviṃśastomas saṃpadyate. tad āhur navaviṃśa stomas saṃpadyatevāśyamānānupatet svaṃ yūthaṃ jānamejaya gaur gās sāhasrayājina śalakāṇḍāṇi vigacchatītīva vā etā yathāyatham apiyantīti. śiva eva śīrṣann āpyeti, pakṣau pakṣe, pucchaṃ pucchyātmānam id ātmann āpyeti. navaviṃśa stomas saṃpadyate kāryam evāpy evam iti

Darauf legen sie das Bhadra-Sāman. Bhadra nämlich ist Nachkommenschaft. Vom Schwanzende her nämlich werden Nachkommen geboren. Eben vom Schwanz her setzen sie bei dieser Zeugung Nachkommenschaft ein, zum Zweck der Fortpflanzung. Auch hierbei, sagt man, ist das Bessere zu tun: Bhadra nämlich ist Nachkommenschaft; das für die Nachkommenschaft Bessere ist eben Nachkommenschaft. Wer dies weiß, dem erscheint fürwahr Nachkommenschaft für weitere Nachkommenschaft. Dazu sagt man: Man solle nur einmal mit dem Ganzen preisen, indem man es dem Vogelflug angleicht. Denn wenn ein Vogel dahinfliegt, fliegt er dahin, indem er alle Glieder zusammen, nicht einzeln, einsetzt. Wenn er sich aber niederlässt, lässt er sich nieder, indem er alle Glieder zum Selbst hin zusammenzieht. Dass sie nur einmal mit dem Ganzen preisen – das gleicht dem Vogel im Flug, der alle Glieder zusammen, nicht einzeln, einsetzt. Dass sie sich aber mit je einzelner Lobpreisung nähern – das gleicht dem Vogel beim Niederlassen, der alle Glieder zum Selbst hin zusammenzieht. Nun pflegte Bhāḥ Bhāllaveya zu sagen: »An diesem Tag soll kein anderer als der Udgātṛ selbst mit dessen Sāman das Priesteramt versehen. Glanz nämlich ist dieser Tag, Glanz ist der Udgātṛ. Würde an diesem Tag ein anderer als der Udgātṛ mit dessen Sāman das Priesteramt versehen, so sollte man diesen tadeln, auch wenn er nicht zu tadeln ist, ihn hinaufsteigen lassen, auch wenn er nicht hinaufgestiegen ist – sonst käme noch mehr Übel hinzu. Er soll es kriechend-nachfolgend zum Abschluss bringen, oder er soll sich mit je einzelner Lobpreisung nähern.« Hierzu führen sie aber an, dass ein neunundzwanzigfacher Stoma zustande kommt. Man sagt, der neunundzwanzigfache Stoma komme zustande wie eine weidende Kuh, die ihrer eigenen Herde nachfolgt – o Jānamejaya! –, wie die Kuh, die Kühe des Opferherrn mit den tausend Gaben, wie Stababschnitte auseinandergehen: so gehen diese gleichsam, ein jedes an seinen rechten Ort. Wohlgefällig eben erlangt es Erfüllung im Haupt, ebenso die beiden Flügel im Flügelteil, der Schwanz im Schwanzbezogenen, das Selbst allein im Selbst erlangt Erfüllung. Der neunundzwanzigfache Stoma kommt zustande; auch so ist es zu vollziehen.

[Anm.: Das Vogelflug-Gleichnis (Glieder gemeinsam im Flug vs. einzeln beim Landen) begründet anschaulich zwei alternative Vortragsweisen des Stotra, ganzheitlich vs. gliedweise – vgl. bereits die entsprechende Alternative in 2.414 (Ṛjjiśvās fünffache Verteilung) und 2.416 (mit je einzelner Lobpreisung). Bhāḥ Bhāllaveya (wohl ein weiterer Träger des Bhāllaveya-Patronymikons neben Indradyumna Bhāllaveya, vgl. 2.349, 2.387–388, 2.396) fordert mit ungewöhnlicher Schärfe, Tadel und erzwungenes Hinaufsteigen auch ohne tatsächliches Vergehen eingeschlossen, das ausschließliche Vortragsrecht des Udgātṛ an diesem Glanz-Tag. Der abschließende Abschnitt zum neunundzwanzigfachen Navaviṃśa-Stoma ist textlich und sprachlich stark unsicher (u.a. das vokativische ›Jānamejayaʻ, die genaue Bedeutung von śalakāṇḍāni und sāhasrayājina bleiben ungeklärt) und wird hier nur mit Vorbehalt wiedergegeben; die Grundaussage, dass die verschiedenen Teile letztlich je an ihrem eigenen Ort zur Erfüllung gelangen, scheint jedoch gesichert.]

āsandīm udgātādhirohati, pleṃkhaṃ hotā, kūrcāv adhvaryū, kūrcasada evānyā hotrā bhavanti. tad āhur na dīkṣitenāsandy adhiruhyeti. utthitā ha khalu vā etad ahar āgacchanti. yad vāvādo daśamam ahas tad evokthāni. iyam adhiruhyaivety āhuḥ. antarikṣasācy eva vai śrīḥ. evaṃ śriyā upāptir iti. vāṇaś śataśrīr bhavati. śatāyur vai puruṣaśśatendriyaś śatavīryas,tasyaivendriyasya vīryasyāvaruddhyai. tad āhur na vāṇaś śataśrīḥ kāryo, yarhi vā etasya brāhmaṇās santānam avidus sakṛt santato vā eṣa tarhi rājñāṃ samāsu praviśāmi bruvann aśayat taṃ kiṃ tat kuryur yas tathaitarhi na yathā pureti. tad u vā āhuḥ kiṃ khalu tathaitarhi yathā purā. ekasāmnā ha sma vai purā stutvā svargaṃ lokaṃ gacchanty, atho ’vabhṛthād evodetya kāryaḥ. evaṃ vāṇaś śataśrīr vācaḥ kṛtsnatvāyeti. tasyaiṣa santāno - bhūr bhuva svar vadā vadā vadī vadā vadoruḥ pṛthus sugas sugantuḥ karmaḥ karaṇaḥ karaḥ kariṣyann aindrīṃ vācaṃ bṛhatīṃ viśvarūpāṃ śatāyuṣaṃ pravada deva vāṇeti. athendraṇatayā ceṣīkayā vetasaśākhayā collikhati - mano jyotir iti, vāk satyam iti, mano bhadra iti

Der Udgātṛ besteigt die Āsandī (den Ehrensitz), der Hotṛ die Pleṅkha (die Schaukel), die beiden Adhvaryus die beiden Kūrca (Grasbüschel-Sitze); auf dem Kūrca sitzen auch die übrigen Hotra-Priester. Dazu sagt man: »Der Geweihte soll die Āsandī nicht besteigen.« Denn erst als bereits Erhobene gelangen sie an diesen Tag. Da dies der zehnte Tag ist, gehören eben dazu die Ukthas. »Eben diese ist zu besteigen«, sagt man dennoch. Dem Mittelraum eigen nämlich ist der Glanz. So erfolgt die Erlangung des Glanzes. Der Vāṇa ist hundertfach-glanzvoll. Denn der Puruṣa hat hundert Lebensjahre, hundert Sinnesvermögen, hundert Kräfte – zur Sicherung eben dieses Sinnesvermögens und dieser Kraft. Dazu sagt man aber auch: »Der Vāṇa soll nicht hundertsaitig gemacht werden.« Denn als die Brahmanen einst dessen ununterbrochene Spielweise kannten, da legte sich einer, der sie einmal ununterbrochen durchgeführt hatte, mit den Worten nieder: »Ich trete in die Versammlungen der Könige ein.« Was sollten jene nun tun, da es heute nicht mehr ist wie einst? Man sagt aber auch: Was wäre denn heute damit gewonnen, wenn es wie einst wäre? Einst gelangten sie, nachdem sie mit einem einzigen Sāman gepriesen hatten, zur Himmelswelt; jetzt aber ist es erst vom Abschlussbad an aufwärts zu vollziehen. So ist der Vāṇa hundertsaitig, zur Vollständigkeit der Rede. Dies ist seine fortlaufende Überlieferungsformel: »Erde, Luftraum, Himmel – sprich, sprich, sprechend, sprich, weitsprechend, breit, wohlgehend, wohlgangreich, wirkend, wirkkräftig, wirkend, wirken werdend – sprich die Indra-eigene, gewaltige, allgestaltige, hundertjährige Rede aus, o göttlicher Vāṇa!« Dann ritzt er mit einem Indra-gebogenen Rohrpfeil und einem Weidenzweig ein: »Der Geist ist Licht«, »Die Rede ist Wahrheit«, »Der Geist ist heilvoll«.

[Anm.: Beschreibt besondere Sitz- und Aufstiegsvorschriften für die Hauptpriester an einem der späteren Mahāvrata-Tage (Udgātṛ auf der Āsandī, dem Ehrensitz; Hotṛ auf der Pleṅkha-Schaukel; Adhvaryus und übrige Hotra-Priester auf dem Kūrca-Grasbüschel) sowie die Kontroverse, ob ein noch geweihter Dīkṣita die Āsandī besteigen darf. Der hundertsaitige Vāṇa knüpft an die in 2.404 eingeführte Instrumenten-Lebensspannen-Korrespondenz (100 Jahre/100 Saiten) an; die referierte Anekdote über einen Brahmanen, der nach ununterbrochenem Spiel der vollen Überlieferung überheblich die Königshöfe betreten wollte und sich dann niederlegte, bleibt in ihrer genauen Pointe (Strafe, Tod oder bloße Ermüdung) unausgesprochen und wird hier als Mahnung gegen unbedachten Gebrauch der vollen Technik gedeutet. Die abschließende Überlieferungsformel enthält eine Reihe klanglich verwandter, kaum wörtlich übersetzbarer vad-/kar-Ableitungen, die im Deutschen als fortlaufende Klangkette wiedergegeben werden.]

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