Quellen der Menschheit

Jaiminīya-Brāhmaṇa · Kāṇḍa 2

Kapitel 14 Die Schlacht bei Kurukṣetra und der Schüler, der seinen Lehrer belehrt

Das Ṣaḍrātra verankert sich in der Geographie der Sarasvatī und erzählt von der historischen Schlacht zwischen Trigarta und Salva, in der Dhruvagopa Sāṃkāśin die Gefallenen erkennt – Kurukṣetra wird hier ausdrücklich als Devayajana, Opferstätte der Götter, benannt, mit Abschlussbad in der Yamunā. Beim Saptarātra tritt Janaka von Videha erneut auf ('kein Brahmane ist brahmanischer als der, der mir dies zugewiesen hat'), gefolgt von der tragischen Erzählung eines Opferherrn der Kārīra-Sippe, dessen Selbstüberschätzung sich in einer erfüllten Enthauptungs-Prophezeiung rächt, und von Govarṇa Khālateya, der seinen Lehrer Babara mit einem Wagen-Reparatur-Gleichnis eines Besseren belehrt – Ursprung dafür, dass die Bābaras unter den Kurus als gering geachtet gelten. Die Saṃsaṅgya erzählt Jamadagnis Rache an seinem Rivalen Māhenas mit dem Bild des 'lückenlosen Vajra', bevor das von Bṛhaspatis Wunsch ausgehende Aṣṭarātra sich in einer ausgedehnten Kombinatorik der 'Mitte' und des 'Außen' der Opferanlage entfaltet.

athaite ṣaḍrātrāḥ. maruto vā akāmayantaujiṣṭhā baliṣṭhā bhūyiṣṭhā vīryavattamā devānāṃ syāma, jayema svargaṃ lokam iti. ta etaṃ ṣaḍrātraṃ yajñam apaśyan. tam āharan. tenāyajanta. tato vai ta ojiṣṭhā baliṣṭhā bhūyiṣṭhā vīryavattamā devānām āsann, ajayan svargaṃ lokam. ojiṣṭho baliṣṭho bhūyiṣṭho vīryavattama svānāṃ bhavati, jayati svargaṃ lokaṃ, ya evaṃ veda. pṛṣṭhyena ṣaḍahena yanti. śrīr vai varṣma pṛṣṭhāni. ojasaiva tad vīryeṇa yanti. svargo vai lokaḥ pṛṣṭhāni. svargam eva tal lokaṃ rohanto yanti. teṣāṃ sarasvatyā upamajjane dīkṣā. dakṣiṇe tīre dīkṣante

Nun, dies sind die Ṣaḍrātras (Sechs-Nächte-Opfer). Die Maruts wünschten sich: »Mögen wir die Kraftvollsten, Stärksten, Zahlreichsten, an Manneskraft Überlegensten der Götter werden; mögen wir die Himmelswelt erobern!« Sie erblickten dieses Ṣaḍrātra-Opfer. Sie holten es herbei. Mit ihm opferten sie. Daraufhin wurden sie die Kraftvollsten, Stärksten, Zahlreichsten, an Manneskraft Überlegensten der Götter, und sie eroberten die Himmelswelt. Der Kraftvollste, Stärkste, Zahlreichste, an Manneskraft Überlegenste der Seinen wird, die Himmelswelt erobert, wer dies so weiß. Mit dem Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha (dem sechstägigen Pṛṣṭha-Zyklus) schreiten sie voran. Glanz (śrī) nämlich ist die Höhe der Pṛṣṭhas; durch Kraft eben, durch diese Manneskraft, schreiten sie voran. Die Himmelswelt nämlich sind die Pṛṣṭhas; zu eben jener Himmelswelt emporsteigend schreiten sie voran. Ihre Weihe findet an der Tauchstelle (upamajjana) der Sarasvatī statt; am südlichen Ufer weihen sie sich.

[Anm.: Eröffnung des Ṣaḍrātra-Komplexes mit dem Wunsch der Maruts, der Sturm- und Kriegergötter im Gefolge Indras, nach Vorrangstellung unter den Göttern. Die abschließende geographisch-konkrete Angabe – die Weihe findet an einer bestimmten Tauchstelle der Sarasvatī, speziell am Südufer, statt – gehört zu den seltenen Stellen, die reale rituelle Ortsbezüge festhalten, und deutet auf die zentrale Rolle des Sarasvatī-Flusses im geographischen Horizont der vedischen Ritualtradition hin.]

cakravatī sadohavirdhāne bhavata, ulūkhalabudhno yūpa, utkrāntyā anapabhraṃśāya. yad dhi te tatra kurvāṇā ivāsīrann, apabhraṃśo haiṣāṃ saḥ. śamyāparāsaṃ yanti. ete ha va svargasya lokasya vikramā yac chamyāparāsāḥ. svargasyaiva tal lokasya vikramān kramamāṇā yanti. ghnanta ākrośanto yanti. etad vai balasya rūpamaṃ yad dhatam ākruṣṭam. sarasvatyā yanti. vāg vai sarasvatī. vāg u devayānaḥ panthāḥ. devayānenaiva tat pathā yanti. pratīpaṃ yanti. pratīpam iva vai svargo lokaḥ. svargam eva tal lokaṃ pratipadyante. prāñ ca udañ ca yanti. prāṅ iva ha vā idaṃ svargo lokaḥ. svargam eva tal lokaṃ rohanto yanti. ā prakṣāt prāsravaṇād yanti. eṣa u ha vai vāco ’nto yat prakṣaḥ prāsravaṇaḥ. yatro ha vai vāco ’ntas, tat svargo lokaḥ. svargam evaital lokaṃ gacchanti

Räderversehen sind Sadas und Havirdhāna, mit Mörserfuß der Opferpfahl – zum Hinausschreiten ohne Abgleiten (apabhraṃśa). Denn hätten sie dort, tätig, gleichsam gesessen, verharrt, so wäre eben dies ihr Abgleiten gewesen. Sie schreiten mit »geworfenem Jochpflock« (śamyāparāsa) voran. Dies nämlich sind die Schritte zur Himmelswelt, das Geworfene-Jochpflock-Schreiten. Eben die Schritte jener Himmelswelt schreitend, schreiten sie voran. Schlagend und aufschreiend schreiten sie voran. Dies nämlich ist die Gestalt der Kraft: das Geschlagene-und-Aufgeschriene. Entlang der Sarasvatī schreiten sie. Die Rede nämlich ist Sarasvatī; die Rede aber ist der Götterpfad (devayāna). Eben auf diesem Götterpfad schreiten sie voran. Sie schreiten stromaufwärts (pratīpa). Wie stromaufwärts nämlich ist die Himmelswelt; eben jene Himmelswelt erlangen sie so. Sie schreiten nach Osten und nach Norden. Wie ostwärts nämlich ist diese Himmelswelt; zu eben jener Himmelswelt emporsteigend schreiten sie voran. Sie schreiten bis zum Prakṣa, dem Prāsravaṇa. Dies nämlich ist das Ende der Rede, der Prakṣa, der Prāsravaṇa. Wo aber das Ende der Rede ist, dort ist die Himmelswelt. Zu eben jener Himmelswelt gelangen sie.

[Anm.: Eine technisch wie mystisch außergewöhnlich dichte Passage: Die konkreten baulichen Details (Räder an den Hütten, mörserförmiger Pfahlfuß) dienen der Vermeidung des »Abgleitens« (apabhraṃśa, vgl. bereits 2.290) durch beständige Bewegung statt Verharren. Höhepunkt ist die kühne dreifache Gleichsetzung Rede=Sarasvatī=Götterpfad (devayāna, vgl. 2.277) sowie die abschließende, geradezu mystisch-philosophische Ortsbestimmung des Himmels als das Ende der Rede – dort, wo die Sprache aufhört, beginnt die Himmelswelt. Prakṣa und Prāsravaṇa sind vermutlich konkrete Örtlichkeiten am Sarasvatī-Lauf, deren genaue geographische Identität nicht mehr sicher rekonstruierbar ist.]

tena haitena maruto yata indrāgnī īkṣāṃcakrāte ime ced vā idaṃ samāpayanti, maruta evedaṃ sarvaṃ bhavantīti. tān ha satrapariveṣaṇaṃ sahasraṃ jigyatuḥ. tad dhaiṣāṃ vimāthīcakrire. pāpmānaṃ ha vā eṣāṃ tad vimethire. tasmād u ha vimāthyasya na lipseta, net pāpmano ’pabhajā iti. tayor ha vai te ’dyānyān arāthuḥ. te hottasthur - arātsmeti. teṣām etā udṛco - yat samāpayanti, saikā. yad eṣām mriyate saikā. yad daśa gāvaś śataṃ bhavanti, saikā. yac chataṃ gāvas sahasraṃ bhavanti, saikā. tena haitena purāyu sthūragṛhapatayaḥ. tāna ha trikartānāṃ vā salvānāṃ vā vyādhinīḥ paryutthāya jigyuḥ. tad dhaiṣāṃ gṛhapatiṃ jaghnuḥ. taṃ hemaṃ gṛhapatiṃ hatam abhitaḥ kṛpayamāṇā niṣeduḥ. tam u ha dhruvagopaḥ sāṃkāśinenaiva dravantaṃ nijajñau. sa āhavanīyād evordhva svargaṃ lokam ācakrame. sa hovāca - mā kṛpayadhvai. yaṃ vā imaṃ kṛpayadhve, ’yaṃ vai sa āhavanīyād evordhvaṃ svargaṃ lokam ākrāṃsteti. teṣāṃ yāṃs tatra jaghnus, te svargaṃ lokam īyuḥ. atha ye pariśiśiṣire, ta ima etarhi paṇāyyatarā iva sthūrāṇām. pāpagrāmatarā iva hi tataḥ purāsuḥ. tasmād u sthauryaṃ śamyāparāsinetya ākhyāpayanti

Mit eben diesem Opfer opferten die Maruts, die Indra und Agni beobachteten: »Wenn diese hier dies zum Abschluss bringen, werden die Maruts allein all dies hier sein!« Sie gewannen von ihnen tausend als »Sitzungs-Umlage« (satrapariveṣaṇa). Damit entrissen sie ihnen dies. Ihr Übel (pāpman) nämlich entrissen sie ihnen damit. Deshalb sollte man nicht nach dem Entrissenen trachten, damit man nicht am Übel des anderen teilhabe. Von diesen beiden, Indra und Agni, erhielten sie damals andere Dinge. Sie standen auf und sprachen: »Wir haben gegeben!« Für sie gibt es diese Udṛc-Verse: »Was sie vollenden, das ist um eins zu wenig.« »Was von ihnen stirbt, das ist um eins.« »Wenn zehn Kühe hundert werden, ist es um eins zu wenig.« »Wenn hundert Kühe tausend werden, ist es um eins zu wenig.« Mit eben diesem lebten einst die kraftvollen Sthūra-Hausherren. Sie wurden von den Raubscharen (vyādhinī) der Trigartas oder der Salvas überfallen und besiegt. Diese erschlugen ihren Hausherrn. Um ihn, den Erschlagenen, setzten sie sich ringsum klagend nieder. Doch Dhruvagopa aus dem Geschlecht der Sāṃkāśins erkannte ihn, wie er dahineilte. Er, der Hausherr, schritt vom Āhavanīya-Feuer selbst aufwärts zur Himmelswelt empor. Er sprach: »Klagt nicht! Den ihr da beklagt – eben er ist vom Āhavanīya-Feuer selbst aufwärts zur Himmelswelt emporgeschritten!« Diejenigen von ihnen, die dort erschlagen wurden, gelangten zur Himmelswelt. Diejenigen aber, die übrigblieben, sind noch heute gleichsam die Ärmeren unter den Sthūras; denn seither lebten sie gleichsam als die Schlechter-Gestellten. Deshalb verkünden sie ihre Stattlichkeit (sthaurya), indem sie zur Śamyāparāsinī-Formel schreiten.

[Anm.: Eine dramatische Erzählung, die den in 2.297-298 begonnenen Ṣaḍrātra-Komplex mit einem konkreten historisch-ethnographischen Kern verbindet: Trigartas und Salvas sind reale, auch aus der späteren Epik (Mahābhārata) bekannte nordindische Völkerschaften. Bemerkenswert ist die tröstliche Umdeutung des Kriegstods als Aufstieg zur Himmelswelt über das Āhavanīya-Feuer sowie die abschließende »noch-heute«-Bemerkung über den geminderten sozialen Status der Überlebenden gegenüber den im Kampf Gefallenen – ein weiteres Beispiel der bereits mehrfach beobachteten ätiologischen Sippen-Bemerkungen. Die genaue technische Bedeutung von »satrapariveṣaṇa« sowie einzelne Wendungen wie »sie erhielten andere Dinge« und »Sāṃkāśin« bleiben unsicher. Die abschließende Erwähnung der Śamyāparāsinī-Formel verknüpft die Erzählung ausdrücklich mit dem in 2.298 eingeführten Prozessions-Fachbegriff.]

atha yasyaitasya viśvajid abhijitāv atirātrāv abhito bhavato, gaur āyur gaur āyur iti catvāra ukthyā madhye, paśukāmā haitad upeyuḥ. ayaṃ vai loko ’bhijid, asau viśvajit. athaite catvāro madhya ukthyā bhavanti. paśavo vā ukthāni. teṣāṃ sahasraṃ stotriyāḥ. anena caiva tal lokenāmunā cobhayata etān paśūna parigṛhṇīte, ’va paśūn rundhate. bahupaśavo ha bhavanti. etena ha vai tad enenendrāgnī marutaḥ sahasraṃ jigyatuḥ. agnir abhijid, indro viśvajit. athaite catvāro madhya ukthyā bhavanti. paśavo vā ukthāni. teṣāṃ sahasra stotriyā. etad dha vai tad indrāgnī ubhayatas sahasraṃ parigṛhyājahratuḥ. ābhyāṃ ca ha vā enaṃ tal lokābhyām indrāgnibhyāṃ cobhayataḥ paśavaḥ parigṛhītā upatiṣṭhante, ya evaṃ veda. teṣām u teṣāṃ parīṇad iti kurukṣetrasya jaghanārdhe saraskandantaṃ dīkṣāyai. te prāñco yanti samayā kurukṣetram. etad vai devānāṃ devayajanaṃ yat kṣetraṃ. devānām eva tad devayajanena yanti. teṣāṃ yamunāvabhṛthaḥ. eṣa vai svargo loko yad yamunā. svargam eva tal lokaṃ gacchanti. atha yasyaitasyordhvas triyahaḥ pratyaṅ tryaho, yaḥ kāmayeta gaccheyaṃ svargaṃ lokaṃ, praty asmin loke tiṣṭheyam iti, sa etena yajeta. tryaheṇaiveta ūrdhva svargaṃ lokaṃ gacchati, praty evāmutas tryaheṇāvarohati. gacchati svargaṃ lokaṃ praty asmin loke tiṣṭhati. atho ha veda yo ’sāv āsaṃ so ’yam asmīti, punar haivāsmin loka ājāyate

Und für den, für welchen gilt: der Viśvajit und der Abhijit als die beiden Atirātras zu beiden Seiten, »Kuh-Leben, Kuh-Leben« als die vier Ukthyas in der Mitte – wer sich Vieh wünscht, sollte sich dem zuwenden. Diese Welt hier ist der Abhijit, jene dort der Viśvajit. Diese vier mittleren sind Ukthyas; Vieh nämlich sind die Ukthyas; für sie gibt es tausend Stotriyā-Verse. Eben durch diese Welt und jene umschließt er so von beiden Seiten diese Tiere, sichert sich Vieh. Reich an Vieh wird man. Mit eben diesem gewannen Indra und Agni jenes Tausend von den Maruts. Agni ist der Abhijit, Indra der Viśvajit. Diese vier mittleren sind Ukthyas; Vieh nämlich sind die Ukthyas; für sie gibt es tausend Stotriyā-Verse. Eben dies ist es, wodurch Indra und Agni von beiden Seiten das Tausend umschlossen und forttrugen. Durch eben diese beiden Welten und durch Indra und Agni stehen ihm von beiden Seiten umschlossene Tiere zur Seite, wer dies so weiß. Für sie gibt es den »Parīṇah« in der hinteren Hälfte des Kurukṣetra, hervorquellend, zur Weihe. Sie schreiten ostwärts, an Kurukṣetra entlang. Dies ist ja der Devayajana (Opferplatz) der Götter, dieses Land. Eben durch diesen Opferplatz der Götter schreiten sie. Für sie findet das Abschlussbad in der Yamunā statt. Dies nämlich ist die Himmelswelt, die Yamunā. Zu eben jener Himmelswelt gelangen sie. Und für den, für welchen gilt: ein aufwärtsgerichtetes Dreitagesopfer, ein rückwärtsgerichtetes Dreitagesopfer – wer sich wünschen sollte: »Möge ich zur Himmelswelt gelangen, und doch in dieser Welt feststehen bleiben!«, der sollte damit opfern. Durch das erste Dreitagesopfer gelangt er eben aufwärts zur Himmelswelt, durch das zweite Dreitagesopfer steigt er von dort wieder herab. Er gelangt zur Himmelswelt und steht doch fest in dieser Welt. Und ferner weiß er: »Der ich dort war, eben der bin ich hier« – und wird so wiederum in dieser Welt geboren.

[Anm.: Unmittelbare Fortsetzung der Indra-Agni-Marut-Erzählung aus 2.299, nun mit der genauen rituellen Grundlage (Viśvajit/Abhijit-Atirātras) dieses Sieges sowie einer weiteren konkreten Geographie: der Ort »Parīṇah« im hinteren Kurukṣetra und das Abschlussbad in der Yamunā, wobei Kurukṣetra ausdrücklich als Devayajana, als eigentlicher Opferplatz der Götter, bezeichnet wird – eine für die spätere Bedeutung Kurukṣetras, nicht zuletzt als Schauplatz der Bhagavadgītā, grundlegende Aussage. Das zweite Stück enthält mit der Formel »der ich dort war, eben der bin ich hier« und der ausdrücklichen Wiedergeburt in dieser Welt (punarjanma) einen bemerkenswert frühen Beleg für einen Gedanken, der in den späteren Upaniṣaden zur zentralen Wiedergeburtslehre ausgebaut wird.]

athaite saptarātrāḥ. sapta vai chandāṃsi. chandāṃsi vai sarvā vāk. vācas sa aiśvaryam ādhipatyaṃ gacchati ya śriyam aśnute. vāca aiśvaryam ādhipatyaṃ gacchānīti. tasmāt saptarātreṇa yajate. sapta vai prāṇāḥ. prāṇair vai prajāḥ paśavaḥ parigṛhītā upatiṣṭhante. tad yaiḥ prāṇaiḥ prajāḥ paśavaḥ parigṛhītā upatiṣṭhante, tair mā prāṇaiḥ prajā paśavaḥ parigṛhītā upatiṣṭhāntā iti. prāṇair vai devā svargaṃ lokam āyan. tad yaiḥ prāṇair devā svargaṃ lokam āyaṃs taiḥ prāṇai svargaṃ lokam ayānīti. sapta vai mukhyāḥ prāṇāḥ. ete vā apahatapāpmānaḥ prāṇā yan mukhyāḥ. te ye ’pahatapāpmānaḥ prāṇās teṣāṃ mātrayā yajñaṃ tanavā iti. saptarṣayo vā ṛddhikāmās tapo ’tapyanta. ta etaṃ saptarātram yajñam apaśyan. tam āharan. tenāyajanta

Nun, dies sind die Saptarātras (Sieben-Nächte-Opfer). Sieben sind die Versmaße. Die Versmaße sind die gesamte Rede. Zu Herrschaft und Oberherrschaft über die Rede gelangt, wer Glanz erlangt. »Möge ich zu Herrschaft und Oberherrschaft über die Rede gelangen!« Deshalb opfert man mit dem Saptarātra. Sieben sind die Atemkräfte (prāṇa). Durch die Atemkräfte stehen Nachkommenschaft und Vieh, gesichert, zur Seite. »Durch welche Atemkräfte Nachkommenschaft und Vieh, gesichert, zur Seite stehen, durch eben diese Atemkräfte mögen mir Nachkommenschaft und Vieh, gesichert, zur Seite stehen!« Durch die Atemkräfte gelangten die Götter zur Himmelswelt. »Durch welche Atemkräfte die Götter zur Himmelswelt gelangten, durch eben diese Atemkräfte möge ich zur Himmelswelt gelangen!« Sieben sind die Haupt-Atemkräfte, die Öffnungen im Haupt. Diese sind die vom Übel befreiten (apahatapāpman) Atemkräfte, eben die des Hauptes. »Nach dem Maß jener vom Übel befreiten Atemkräfte möge ich das Opfer ausdehnen!« Die Sieben Ṛṣis (Saptarṣi), sich Gedeihen wünschend, übten Askese. Sie erblickten dieses Saptarātra-Opfer. Sie holten es herbei. Mit ihm opferten sie.

[Anm.: Eröffnung des Saptarātra-Komplexes mit den etablierten Siebenheiten: sieben Versmaße, sieben Atemkräfte allgemein, sieben Haupt-Atemkräfte als die Körperöffnungen im Kopf. Die Bezeichnung dieser Atemkräfte als »vom Übel befreit« (apahatapāpman) verwendet ein Epitheton, das in den späteren Upaniṣaden meist dem Brahman bzw. Ātman selbst vorbehalten ist. Die Sieben Ṛṣis, das Sternbild des Großen Bären, treten hier als mythische Stifter des Saptarātra auf; ihre Geschichte wird in 2.302 fortgeführt.]

te ’harbhāja āsan. tato vai teṣām ahnaivaika ārdhnod ahnaiko ’hnaikaḥ. sā ha khalu vai śreṣṭharddhīnāṃ sa lokānāṃ puṣyatamo yam etena saptarṣaya ārdhnuvan. sā yā śreṣṭharddhīnāṃ yo lokānāṃ puṣyatamo yam etena saptarṣaya ārdhnuvaṃs tam ṛdhnavānīti. tasmāt saptarātreṇa yajate. saptaitāny ahāni bhavanti sapta stomāḥ. ahar eva stomo vahaty aha stomo ’ha stomaḥ. sā ha khalu vā ahnāṃ samṛddhir yad enāni nānā stomā vahanti. sā yaivāhnāṃ samṛddhis saivaiṣā kriyate. ta u sarve sapta saṃpadyaikaviṃśam evābhisaṃpadyante - trivṛc ca trayastriṃśaś ca tau dvāv ekaviṃśau, pañcadaśaś ca triṇavaśca tau dvāv ekaviṃśau, saptadaśaś ca pañacaviṃśaś ca tau dvāv ekaviṃśāv, ekaviṃśa evaikaviśaḥ. dvādaśa māsāḥ, pañcartavas, traya ime lokā, asāv āditya ekaviṃśaḥ. etasya vā ete salokatāṃ gacchanti ya saptarātrayājinaḥ. etam abhisaṃpanna eṣāṃ loka ṛdhnoti. etaṃ gacchaty, etasya salokatāṃ, ya evaṃ veda

Sie wurden zu Tag-Anteil-Habenden. Von ihnen gedieh darauf je einer an je einem Tag: einer an diesem Tag, einer an jenem. Jener Tag ist fürwahr, unter den Tagen bester Gedeihens, der ergiebigste der Welten, durch den die Sieben Ṛṣis mittels dieses Opfers gediehen. »Welcher, unter denen bester Gedeihens, der ergiebigste der Welten ist, durch den die Sieben Ṛṣis mittels dieses gediehen – durch eben den möge ich gedeihen!« Deshalb opfert man mit dem Saptarātra. Diese Tage sind sieben, sieben die Stomas. Tag für Tag trägt je ein Stoma: ein Tag, ein Stoma; ein Tag, ein Stoma. Dies eben ist das Gedeihen der Tage, dass sie verschiedene, je eigene Stomas tragen. Eben jenes Gedeihen der Tage wird damit bewirkt. Und alle diese sieben, zusammenfließend, laufen eben auf den Einundzwanzigfachen hinaus: Der Dreifache und der Dreiunddreißigfache – diese beiden entsprechen dem Einundzwanzigfachen; der Fünfzehnfache und der Dreimalneunfache – diese beiden dem Einundzwanzigfachen; der Siebzehnfache und der Fünfundzwanzigfache – diese beiden dem Einundzwanzigfachen; der Einundzwanzigfache selbst ist eben der Einundzwanzigfache. Zwölf Monate, fünf Jahreszeiten, diese drei Welten, jene Sonne dort – macht den Einundzwanzigfachen. Zu dessen Weltengemeinschaft gelangen eben diese, welche Saptarātra-Opferer sind. Wer sich damit vereinigt, dessen Welt gedeiht; zu diesem gelangt, zu dessen Weltengemeinschaft, wer dies so weiß.

[Anm.: Der Abschluss der Saptarṣi-Erzählung mit der numerologischen Zusammenführung aller sieben Tages-Stomas auf den Einundzwanzigfachen (Ekaviṃśa), ergänzt um die bekannte 12+5+3+1=21-Formel für Monate, Jahreszeiten, Welten und Sonne (vgl. 2.274). Bei den drei genannten Zahlenpaaren geht die zugrundeliegende Rechenregel nicht ganz auf: Für Pañcadaśa/Triṇava (15/27) und Saptadaśa/Pañcaviṃśa (17/25) ergibt sich eine schöne symmetrische Abweichung von je 6 bzw. 4 um die Mittelzahl 21; für das erste Paar, Trivṛt/Trayastriṃśa (3/33), trifft dieselbe Symmetrie, Abweichungen von 18 bzw. 12, hingegen nicht zu. Ob hier eine andere, mir nicht erschließbare Zählregel oder eine Textstörung vorliegt, bleibt offen; ich übersetze die Angaben wie überliefert.]

tena haitena janako vaideha iyakṣāṃcakre. taṃ ha sma yad brāhmaṇāḥ kurupāñcālā āhur - anena tvā yajñena yājayāmānena tvā yajñena yājayāmeti. neti ha smāha. na sa yuṣmad brāhmaṇo brahmīyān āsīd, yo mahyam etaṃ yajñakratuṃ vyadadhāt. etenaiva mā yājayateti. tatheti. tena hainaṃ yājayāṃcakruḥ. sa vā eṣa pṛṣṭhya eva ṣaḍahaḥ, pañcaviṃśaṃ mahāvratam. tata eva rātrim upayanti. śrīr vai varṣma pṛṣṭhāni. śriyam eva tad varṣma pṛṣṭhāny abhyārohati. annaṃ vai mahāvratam, annādyasyaivāvaruddhyai. tad āhur - na purā saṃvatsarān mahāvratam upetyam iti. tad yat pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaho bhavaty - ṛtavo vai pṛṣṭhāni. saṃvatsara ṛtavaḥ. saṃvatsaraḥ kṛtsnam annādyaṃ pacati - saṃvatsarābhijitam eva tad annādyam upayanti. pañcaviṃśaṃ mahāvratam - annaṃ vai pañcaviṃśam - annādyasyaivāvaruddhyai

Mit eben diesem wünschte Janaka von Videha zu opfern. Zu ihm pflegten die Brahmanen der Kuru-Pāñcālas zu sagen: »Mit diesem Opfer wollen wir dich opfern lassen, mit diesem Opfer wollen wir dich opfern lassen.« »Nein«, pflegte er zu sagen, »es gab unter euch keinen Brahmanen, der brahmanischer gewesen wäre als der, welcher mir dieses Opferwerk zugewiesen hat. Mit eben diesem lasst mich opfern!« »So sei es.« Mit diesem ließen sie ihn darauf opfern. Dies nämlich ist eben der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha, mit dem Fünfundzwanzigfachen als Mahāvrata. Von dort aus geht man zur Schlussnacht über. Glanz nämlich ist die Höhe der Pṛṣṭhas; eben jene Höhe des Glanzes ersteigt man damit. Speise ist das Mahāvrata, eben zur Erlangung der Speise. Dazu sagt man: »Nicht vor Ablauf eines Jahres sollte man sich dem Mahāvrata nähern.« Dass es den Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha gibt: Die Jahreszeiten nämlich sind die Pṛṣṭhas, das Jahr sind die Jahreszeiten. Das Jahr bereitet die gesamte Speise; eben jene durch das Jahr gewonnene Speise nimmt man zu sich. Der Fünfundzwanzigfache ist das Mahāvrata – Speise nämlich ist der Fünfundzwanzigfache – eben zur Erlangung der Speise.

[Anm.: Auftritt des berühmten Königs Janaka von Videha, der später als zentrale Gestalt der philosophischen Dialoge der Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad (mit Yājñavalkya) bekannt wird – hier bereits als selbstbewusster Auftraggeber eines Opfers gezeichnet, der sich gegen die konkurrierenden Angebote der Kuru-Pāñcāla-Brahmanen auf die Autorität seines eigenen, ihm bereits zugewiesenen Ritenlehrers beruft. Die anschließenden Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha/Mahāvrata-Formeln entsprechen wörtlich den bereits in 2.294 dargelegten.]

tad āhus - tatsthānaṃ vā ed arohātryā agniṣṭomo vā etad ahar iti. tad u vā āhus - saṃvatsaro vā eṣa yad agniṣṭomaḥ. saṃvatsaraḥ prajāpatiḥ. prājāpatyaṃ mahāvratam evāgniṣṭomasāmnaḥ pañcaviṃśāni stotrāṇi syuḥ. athaikaviṃśair ukthyai rātrim upāvaroheyur iti. tathā haitau yajñakratū vyākriyete. atha yasyaitasya pṛṣṭhyasya ṣaḍahasya stomāḥ pañcame ’hani mahāvrataṃ, viśvajit sarvapṛṣṭho ’tirātra, eteno h kratuḥ kārīrādir īje śrīkāmo ’nnādyakāmaḥ. ātmā vai pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaho ’nnaṃ mahāvratam. sa madhyata evātmano ’nnādyaṃ dhāsye, so ’nnāda śreṣṭha svānāṃ bhaviṣyāmīti. atho saṃvatsaro vai pṛṣṭhyaṣ ṣaḍahaḥ. tan mā saṃvatsareṇānnādyaṃ parigṛhītam upasthāsyata iti. viśvajit sarvapṛṣṭho ’tirātro bhavati. śrīr vai varṣma pṛṣṭhāni. tad u śriyaṃ varṣma pṛṣṭhāny abhyutkramiṣyāmīti. tam u ha brāhmaṇa uvāca - yāvaj jīviṣyatya annāda eva śreṣṭha svānāṃ bhaviṣyati, viśīrṣās tv eva marteti. śiro vā etad yajñasya yan mahāvratam. tad yathā śiraś chitvā tad upapakṣayor upagṛhet tad vai na śliṣyati tādṛg akṛd iti hovāca. jānanta evāsya śiraś chettāra iti. tad dha tathaivāsa. yāvad dha kratuḥ kārīrādir jijīvānnāda eva śreṣṭha svānām āsa. viśīrṣās tv eva mamāra. jānanto ha tv evāsya śiraś cicchidur bhāyakāḥ. sa haiṣa kalyāṇa eva yajñakratur yas tvainenānupadraṣṭre yajeta

Dazu sagt man: »Ist dies ein bloßes Verharren, zu dem man durch die Nacht emporsteigt, oder ist dieser Tag ein Agniṣṭoma?« Dazu sagt man ferner: »Dieser, nämlich der Agniṣṭoma, ist das Jahr.« Das Jahr ist Prajāpati. Das Prājāpatya-Mahāvrata sollte eben fünfundzwanzigfache Stotras nach Art des Agniṣṭoma-Sāman haben; mit einundzwanzigfachen Ukthyas aber sollte man zur Nacht hinabsteigen. So werden diese beiden Opferwerke voneinander unterschieden. Und für den, für welchen gilt: die Stomas des Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha, am fünften Tag das Mahāvrata, der Viśvajit als Allpṛṣṭha-Atirātra – mit eben diesem opferte der Kārīrādi-Opferherr, sich Glanz und Speise wünschend. Der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha nämlich ist das Selbst, das Mahāvrata die Speise. »Ich werde die Speise eben aus der Mitte meines Selbst heraus setzen; ich werde der beste Speiseesser der Meinen werden!« Und ferner: »Der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha ist das Jahr; möge mir jene Speise, durch das Jahr gesichert, zur Seite stehen!« Der Viśvajit ist der Allpṛṣṭha-Atirātra; Glanz nämlich ist die Höhe der Pṛṣṭhas; »eben zu jener Höhe des Glanzes werde ich emporsteigen!« Doch ein Brahmane sprach zu ihm: »Solange er leben wird, wird er zwar der beste Speiseesser der Seinen sein – doch kopflos wird er sterben!« Das Mahāvrata nämlich ist das Haupt des Opfers. »Das ist, wie wenn man das Haupt abgeschnitten hätte und es zwischen die beiden Flanken legen wollte – das haftet ja nicht; von solcher Art hat er sein Werk gemacht«, sprach er. »Wissend werden die sein, die ihm das Haupt abschlagen.« Und so geschah es auch. Solange der Kārīrādi-Opferherr lebte, war er der beste Speiseesser der Seinen; doch kopflos starb er. Wissend nämlich schlugen ihm seine Angreifer das Haupt ab. Dieses Opferwerk ist fürwahr ein gutes für den, der damit opfert, ohne sich selbst in solcher Weise zu überheben.

[Anm.: Eine dramatische, fast tragödienhafte Erzählung: Der »Kārīrādi«-Opferherr formuliert sein Opferziel in auffallend selbstherrlichen Worten (»ich werde der Beste werden«), was ein Brahmane sofort als Anmaßung erkennt und mit dem einprägsamen Bild des wieder angesetzten, nicht haftenden abgeschlagenen Hauptes prophetisch deutet: Der Opferherr wird zwar zu Lebzeiten Erfolg haben, doch – wissend, das heißt verdientermaßen – enthauptet sterben. Die Prophezeiung erfüllt sich buchstäblich. Der abschließende Satz stellt klar, dass nicht das Ritual selbst, sondern die hochmütige Selbstüberhebung des Opfernden die Katastrophe herbeiführte – eine bemerkenswerte theologische Differenzierung zwischen korrektem Ritus und unrechter Gesinnung.]

athaiṣa babarasaptarātraḥ. tasya saptadaśam eva prathamam ahar, atha trivṛd, atha pañcadaśam, athaikaviṃśam, atha triṇavam, atha trayastriṃśaṃ, jyotir atirātraḥ. eteno ha sa īje śrīkāma u vānnādyakāmaḥ. ātmā vai pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaha iti. mukhaṃ trivṛd, annaṃ saptadaśaḥ. sa prathamata eva mukhato ’nnādyaṃ dhāsye, so ’nnāda śreṣṭha svānāṃ bhaviṣyāmīti. atho saṃvatsaro vai pṛṣṭhy ṣaḍahas, taṃ mā saṃvatsarasya purastād annādyam avaruddham upa sthāsyata iti. jyotir atirātraḥ. etad vai prajñātaṃ devatīrthaṃ yaj jyotir atirātraḥ. sa u prajñātena devatīrthenāriṣṭenāriṣṭa udṛcaṃ gamiṣyāmīti. tam u ha sva evāntevāsy anuvyājahāra -

Nun, dies ist der Babara-Saptarātra. Für ihn ist der Siebzehnfache eben der erste Tag; dann der Dreifache; dann der Fünfzehnfache; dann der Einundzwanzigfache; dann der Dreimalneunfache; dann der Dreiunddreißigfache; und der »Licht«-Atirātra. Mit eben diesem opferte er, sich Glanz oder Speise wünschend. Der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha nämlich ist das Selbst. Der Dreifache ist der Mund, der Siebzehnfache die Speise. »Ich werde die Speise eben zuerst aus dem Munde heraus setzen; ich werde der beste Speiseesser der Meinen werden!« Und ferner: »Der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha ist das Jahr; möge mir jene Speise, gesichert, noch vor dem Jahr zur Seite stehen!« Der »Licht«-Atirātra: Dies nämlich ist die wohlbekannte Götterfurt, der »Licht«-Atirātra. »Durch die wohlbekannte, unversehrte Götterfurt werde ich unversehrt zum höheren Spruch gelangen!« Da aber erhob sein eigener Schüler Einspruch –

[Anm.: Der Babara-Saptarātra übernimmt fast wörtlich die selbstbezogene Wunschformel des zuvor gescheiterten Kārīrādi (»ich werde der Beste werden«, 2.304) und verbindet sie zusätzlich mit einer Speise-aus-dem-Mund-Priorität, die in 2.306 explizit als der eigentliche Fehler benannt wird. Der Satz bricht am Abschnittsende mitten im Widerspruch des Schülers ab und wird in 2.306 fortgeführt.]

- govarṇaḥ khālateyaḥ - pāpīyān bhaviṣyati. prathamata eva mukhato ’nnādyam adhita. yadā vai mukham annaṃ prāpnoti tato vāva tat pūyati, yadi pragirati pūyati, yadi ṣṭhīvati pūyaty, apūyīd annādyaṃ, pāpīyan bhaviṣyatīti. tad dha tathaivāsa. sa ha pāpīyān āsa. tasmai hocur - yo vai te ’yaṃ sva evāntevāsī govarṇaḥ khālateyas, sa vai tvānu vyāhārṣīd iti. taṃ hovāca - sa vai mā tvam anena yajñena yājayeti. tatheti hovāca. taṃ vai tvā yathā rathaṃ vā riṣṭaṃ saṃskuryād ano vā, evaṃ tvā saṃskariṣyāmīti. tasya ha trivṛd eva prathamam ahaś cakāra, atha pañcadaśam, athaikaviṃśam, atha triṇavam, atha trayastriṃśam, atha saptadaśam, atha saptadaśam. dve saptadaśe anūcī. eteno ha govarṇaḥ khālateya ācāryaṃ yājayāṃcakāra. ātmā vai pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaho, ’nnaṃ saptadaśaḥ. sa ātman evādhy ūrdhvo ’nnādyam abhyutkramiṣyate. tat tvopariṣṭād annādyam avaruddham upasthāsyate - saptadaśāt saptadaśam, annād annam. abhi te prajānnādī bhaviteti hovāca

– Govarṇa Khālateya: »Er wird schlechter werden. Er hat sich die Speise zuerst aus dem Munde heraus angeeignet. Wenn nämlich die Speise den Mund erreicht, wird sie von da an gerade faulig; ob man sie hinunterschluckt, wird sie faulig, ob man sie ausspeit, wird sie faulig – die Speise ist verdorben, er wird schlechter werden.« Und so geschah es auch: Er wurde schlechter. Man sagte ihm: »Dieser hier, dein eigener Schüler Govarṇa Khālateya, hat sich ja über dich geäußert.« Da sprach er zu ihm: »So lass eben du mich mit diesem Opfer opfern!« »So sei es«, sprach jener. »So wie man einen beschädigten Wagen oder Karren wiederherstellt, so werde ich dich wiederherstellen!« Für ihn machte er nun den Dreifachen zum ersten Tag, dann den Fünfzehnfachen, dann den Einundzwanzigfachen, dann den Dreimalneunfachen, dann den Dreiunddreißigfachen, dann den Siebzehnfachen, dann nochmals den Siebzehnfachen – zwei Siebzehnfache folgen aufeinander. Mit eben diesem ließ Govarṇa Khālateya seinen Lehrer opfern. Der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha nämlich ist das Selbst, die Speise der Siebzehnfache. »Er wird, vom Selbst selbst aus, aufwärts zur Speise emporsteigen; dir wird jene Speise, gesichert, erst später zur Seite stehen – vom Siebzehnfachen zum Siebzehnfachen, von Speise zu Speise.« »Deine Nachkommenschaft wird dir zum Speiseesser, zum Wohlstand, gereichen«, sprach er.

[Anm.: Eine psychologisch feine Erzählung: Der Schüler Govarṇa Khālateya kritisiert offen die fehlerhafte Priorität seines Lehrers Babara (Speise »zuerst aus dem Mund«, was als »fauliges« Prinzip entlarvt wird) – als dies dem Lehrer zu Ohren kommt, reagiert er nicht mit Zurückweisung, sondern bittet den eigenen Schüler demütig um Korrektur. Govarṇas Reparatur-Gleichnis vom beschädigten Wagen und die Umstellung der Stoma-Reihenfolge (der Speise-Tag Saptadaśa wandert vom ersten an das Ende, dort verdoppelt) verkehren die vorschnelle, gierige Aneignung in ein spätes, aber gesichertes und nachhaltiges Ergebnis. Die Erzählung modelliert damit ein Ideal demütiger Einsicht, das die übliche Lehrer-Schüler-Hierarchie bemerkenswert unterläuft, ähnlich wie zuvor in 2.276-277.]

ete bābarayaḥ kuruṣa paṇāyyā eva. sa ha sma tad devayajane paricaratīdam ayaja idam u nāyaja iti. atha yasyaitasya jyotir gaur āyur iti tryaho, viśvajit sarvapṛṣṭhya ukthyaṣ, ṣoḍaśimāñ chandomapavamānaḥ sarvastoma ukthyaḥ, pañcaviṃśaṃ mahāvrataṃ, jyotir atirātro, yaḥ kāmayetopetyābhiplavam, upetya pṛṣṭhāny, upetya chandomān, mahāvrataṃ ma upetaṃ syād iti, sa etena yajeta. upetya haivābhiplavam, upetya pṛṣṭhāny, upetya chandomān, mahāvratam asyopetaṃ bhavaty - annaṃ vai mahāvratam - annādyasyaivāvaruddhyai. tad āhur - na purā saṃvatsarān mahāvratam upetyam iti. tad yat pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaho bhavaty - ṛtavo vai pṛṣṭhāni. saṃvatsara ṛtavaḥ. saṃvatsaraḥ kṛtsnam annādyaṃ pacati - saṃvatsarābhijitam eva tad annādyam upayanti. pañcaviṃśaṃ mahāvratam - annaṃ vai pañcaviṃśam - annādyasyaivāvaruddhyai. jyotir atirātraḥ. etad vai prajñātaṃ devatīrthaṃ yaj jyotir atirātraḥ. prajñātena devatīrthenāriṣṭenāriṣṭa udṛcam aśnavā iti

Diese Bābaras sind unter den Kurus geradezu die Verachteten (paṇāyya). Er pflegte an jenem Opferplatz umherzugehen und zu sagen: »Dies habe ich geopfert, jenes aber habe ich nicht geopfert.« Und für den, für welchen gilt: »Licht, Kuh, Leben« als Dreitagesopfer, der Viśvajit als Allpṛṣṭha-Ukthya, der Ṣoḍaśin-Chandoma-Pavamāna als Allstoma-Ukthya, der Fünfundzwanzigfache als Mahāvrata, der »Licht«-Atirātra – wer sich wünschen sollte: »Nach Herannahen des Abhiplava, nach Herannahen der Pṛṣṭhas, nach Herannahen der Chandomas, möge mir das Mahāvrata nahegekommen sein!«, der sollte damit opfern. Nach Herannahen des Abhiplava, nach Herannahen der Pṛṣṭhas, nach Herannahen der Chandomas, ist ihm eben das Mahāvrata nahegekommen. Speise nämlich ist das Mahāvrata – eben zur Erlangung der Speise. Dazu sagt man: »Nicht vor Ablauf eines Jahres sollte man sich dem Mahāvrata nähern.« Dass es den Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha gibt: Die Jahreszeiten nämlich sind die Pṛṣṭhas, das Jahr sind die Jahreszeiten. Das Jahr bereitet die gesamte Speise; eben jene durch das Jahr gewonnene Speise nimmt man zu sich. Der Fünfundzwanzigfache ist das Mahāvrata – Speise nämlich ist der Fünfundzwanzigfache – eben zur Erlangung der Speise. Der »Licht«-Atirātra: Dies nämlich ist die wohlbekannte Götterfurt, der »Licht«-Atirātra. Durch die wohlbekannte, unversehrte Götterfurt möge ich unversehrt den höheren Spruch erlangen.

[Anm.: Der Abschluss der Babara-Erzählung mit der ätiologischen »noch-heute«-Bemerkung über den verachteten Status der Bābara-Nachkommen unter den Kurus (vgl. das gleiche Wort »paṇāyya« bereits in 2.299 für die Sthūra-Überlebenden) sowie dem rätselhaften Bild des ruhelos am Opferplatz umherziehenden, an seinem eigenen Opfervollzug zweifelnden Babara – möglicherweise als eine Art ruheloser, nicht ganz erlöster Geist zu verstehen. Das zweite, umfangreichere Stück rekombiniert im Wesentlichen bereits aus 2.294-295 und 2.303 bekannte Mahāvrata-Formeln zu einer weiteren technischen Variante.]

pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaho, ’tha yat saptamam ahas tasya caturviṃśaṃ bahiṣpavamānaṃ trayastriṃśāny uttarāṇi stotrāṇi pañcaviṃśaṃ mahāvrataṃ catustriṃśam agniṣṭomasāma. āpyata iva vā etad yajño, yad eṣa pṛṣṭhyaṣa ṣaḍaha āpyata iti. tad yat saptamasyāhnaś caturviṃśaṃ bahiṣpavamānaṃ bhavati - caturviṃśatyardhamāsas saṃvatsaraḥ. saṃvatsaro yajño - yajñam evaitad yajñamukha ārabhante. atho caturviṃśatyakṣarā vai gāyatrī. gāyatryo vā āptaṃ yajñakratuṃ punas tanvate. teno hy anyā gāyatryā āptaṃ yajñakratum udyantum arhati. trayastriṃśāny uttarāṇi stotrāṇi - trayastriṃśad vai devatā - devatānām evāptyai. pañcaviṃśaṃ mahāvratam - annaṃ vai pañcaviṃśam - annādyasyaivāvaruddhyai. catustriṃśam agniṣṭomasāma. trayastriṃśad vai devatāḥ. prajāpatiś catustriṃśaḥ. saprajāpatikāsv evaitad devatāsu yajñasyāntataḥ pratitiṣṭhati. pṛṣṭhya eva ṣaḍaho, ’tha yat saptamam ahas tasya caturviṃśāḥ pavamānās, trayastriṃśaṃ punarabhyāvarti, pañcaviṃśaṃ mahāvrataṃ, catustriṃśam agniṣṭomasāma. āpyata iva vā etad yajño yad eṣa pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaha āpyata iti. tad yat saptamasyāhnaś caturviṃśāḥ pavamānā bhavanti savanamukhe, savanamukhe no yajña ārabdho ’sad iti. trayastriṃśaṃ punarabhyāvarti - trayastriṃśad vai devatā - devatānām evāptyai. pañcaviṃśaṃ mahāvratam - annaṃ vai pañcaviṃśam - annādyasyaivāvaruddhyai. catustriṃśam agniṣṭosāma. trayastriṃśad vai devatāḥ. prajāpatiś catustriṃśaḥ. saprajāpatikāsv evaitad devatāsu yajñasyāntataḥ pratitiṣṭhati

Der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha – und der siebte Tag: Für ihn ist das Bahiṣpavamāna vierundzwanzigfach, die späteren Stotras sind dreiunddreißigfach, das Mahāvrata fünfundzwanzigfach, das Agniṣṭoma-Sāman vierunddreißigfach. Gleichsam vollendet (āpyate) wird dieses Opfer, wenn dieser Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha vollendet wird. Dass das Bahiṣpavamāna des siebten Tages vierundzwanzigfach ist: Vierundzwanzig Halbmonate hat das Jahr; das Jahr ist das Opfer – man beginnt eben damit das Opfer an dessen Mund, seinem Anfang. Und ferner: Vierundzwanzigsilbig ist die Gāyatrī. Durch die Gāyatrī setzt man das bereits vollendete Opferwerk noch einmal fort; denn eben durch eine weitere Gāyatrī ist das vollendete Opferwerk nochmals emporzuführen imstande. Die späteren Stotras sind dreiunddreißigfach: Dreiunddreißig nämlich sind die Gottheiten – eben zur Erlangung der Gottheiten. Das Mahāvrata ist fünfundzwanzigfach – Speise nämlich ist der Fünfundzwanzigfache – eben zur Erlangung der Speise. Das Agniṣṭoma-Sāman ist vierunddreißigfach: Dreiunddreißig sind die Gottheiten, Prajāpati ist der Vierunddreißigste. Eben auf diesen mit Prajāpati vereinten Gottheiten gründet sich das Opfer an seinem Ende. Der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha – und der siebte Tag: Für ihn sind die Pavamānas vierundzwanzigfach, das »Wiederumkehrende« ist dreiunddreißigfach, das Mahāvrata fünfundzwanzigfach, das Agniṣṭoma-Sāman vierunddreißigfach. Gleichsam vollendet wird dieses Opfer, wenn dieser Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha vollendet wird. Dass die Pavamānas des siebten Tages vierundzwanzigfach sind, am Beginn der Pressung: »Am Beginn der Pressung möge unser Opfer begonnen sein!« Das »Wiederumkehrende« ist dreiunddreißigfach – Dreiunddreißig nämlich sind die Gottheiten – eben zur Erlangung der Gottheiten. Das Mahāvrata ist fünfundzwanzigfach – Speise nämlich ist der Fünfundzwanzigfache – eben zur Erlangung der Speise. Das Agniṣṭoma-Sāman ist vierunddreißigfach. Dreiunddreißig sind die Gottheiten, Prajāpati ist der Vierunddreißigste. Eben auf diesen mit Prajāpati vereinten Gottheiten gründet sich das Opfer an seinem Ende.

[Anm.: Eine hochtechnische numerologische Passage, die den siebten und letzten Tag des Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha in zwei parallelen Fassungen mit denselben vier Zahlen (24/25/33/34) durchdekliniert, jeweils verschiedenen Liturgieteilen zugeordnet – dieselbe bewusste Paralleltechnik wie zuvor mehrfach beobachtet. Die Gleichung 33 Götter plus Prajāpati gleich 34 verbindet den traditionellen vedischen Götterkreis mit dessen Schöpfer als Vervollständigung. Der Satz bricht am Ende des zweiten Absatzes ab und wird im dritten Absatz fortgeführt.]

pṛṣṭhya eva ṣaḍaho, ’tha yat saptamam ahas tat sarvam eva caturviṃśaṃ, pañcaviṃśaṃ mahāvrataṃ, catustriṃśam agniṣṭosāma. āpyata iva vā etad yajño yad eṣa pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaha āpyata iti. tad yat saptamam ahas sarvam eva caturviṃśaṃ bhavati, sarveṇaivāhnā yajña ārabdho ’sad iti. pañcaviṃśaṃ mahāvratam - annaṃ vai pañcaviṃśam - annādyasyaivāvaruddhyai. catustriṃśam agniṣṭomasāma. trayastriṃśad vai devatāḥ. prajāpatiś catustriṃśaḥ. saprajāpatikāsv evaitad devatāsu yajñasyāntataḥ pratitiṣṭhati. pṛṣṭhya eva ṣaḍaho, ’tha yat saptamam ahas tasya chandomāḥ pavamānāś, catustriśaṃ punarabhyāvarti, pañcaviṃśaṃ mahāvrataṃ, trayastriṃśam agniṣṭomasāma. yaḥ kāmayetopetya pṛṣṭhāny, upetya chandomān, mahāvrataṃ ma upetaṃ syād iti, sa etena yajeta. upetya haiva pṛṣṭhāny, upetya chandomān, mahāvratam asyopetaṃ bhavaty - annaṃ vai mahāvratam - annādyasyaivāvaruddhyai. catustriṃśaṃ punarabhyāvarti. trayastriṃśad vai devatāḥ. prajāpatiś catustriṃśaḥ. saprajāpatikāsv evaitad devatāsu pratitiṣṭhati. pañcaviṃśaṃ mahāvratam - annaṃ vai pañcaviṃśam - annādyasyaivāvaruddhyai. trayastriṃśam agniṣṭomasāma - trayastriṃśad vai devatā - devatānām evāptyai

Der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha – und der siebte Tag: Er ist ganz und gar vierundzwanzigfach, das Mahāvrata fünfundzwanzigfach, das Agniṣṭoma-Sāman vierunddreißigfach. Gleichsam vollendet wird dieses Opfer, wenn dieser Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha vollendet wird. Dass der siebte Tag ganz und gar vierundzwanzigfach ist: »Durch den ganzen Tag möge unser Opfer begonnen sein!« Das Mahāvrata ist fünfundzwanzigfach – Speise nämlich ist der Fünfundzwanzigfache – eben zur Erlangung der Speise. Das Agniṣṭoma-Sāman ist vierunddreißigfach. Dreiunddreißig sind die Gottheiten, Prajāpati ist der Vierunddreißigste. Eben auf diesen mit Prajāpati vereinten Gottheiten gründet sich das Opfer an seinem Ende. Der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha – und der siebte Tag: Für ihn sind die Chandomas die Pavamānas, das »Wiederumkehrende« ist vierunddreißigfach, das Mahāvrata fünfundzwanzigfach, das Agniṣṭoma-Sāman dreiunddreißigfach. Wer sich wünschen sollte: »Nach Herannahen der Pṛṣṭhas, nach Herannahen der Chandomas, möge mir das Mahāvrata nahegekommen sein!«, der sollte damit opfern. Nach Herannahen der Pṛṣṭhas, nach Herannahen der Chandomas, ist ihm eben das Mahāvrata nahegekommen. Speise nämlich ist das Mahāvrata – eben zur Erlangung der Speise. Das »Wiederumkehrende« ist vierunddreißigfach. Dreiunddreißig sind die Gottheiten, Prajāpati ist der Vierunddreißigste. Eben auf diesen mit Prajāpati vereinten Gottheiten gründet man sich. Das Mahāvrata ist fünfundzwanzigfach – Speise nämlich ist der Fünfundzwanzigfache – eben zur Erlangung der Speise. Das Agniṣṭoma-Sāman ist dreiunddreißigfach: Dreiunddreißig nämlich sind die Gottheiten – eben zur Erlangung der Gottheiten.

[Anm.: Fortsetzung der in 2.308 begonnenen Reihe paralleler numerologischer Varianten des siebten Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha-Tages: Hier werden die Zahlen 24/25/33/34 in wechselnder Zuordnung, unter anderem mit vertauschten Rollen von »Wiederumkehrendem« und Agniṣṭoma-Sāman, auf die Liturgieteile verteilt – ein Musterbeispiel systematischer kombinatorischer Durchdeklinierung, wie sie für die technischen Passagen dieses Textabschnitts charakteristisch ist.]

athaitau saṃsaṃgyau. jamadagnir ha vai māhenānāṃ purohita āsa. tān ha vittenātyādadhau. ta u hainam upajihiṃsuḥ. sa hekṣāṃcakre - kathaṃ nv aham eṣāṃ saptasaptaikāhani grāmyāṇāṃ paśūnāṃ hanyām iti. sa etau yajñāv apaśyat. tāv āharata. tābhyām ayajata. tato vai sa teṣāṃ sapta saptaikāhani grāmyāṇāṃ paśūnām ahan. sa vā eṣo ’chidro vajraḥ. tān ha smaitenaivāchidreṇa vajreṇopapravartayati. tad yathā matyena tilān stṛṃhyād evaṃ ha smaivaināṃs tat sṛdānapoptān abhivyucchati. sa yo bhrātṛvyavān syād yo ’bhicared ya spardheta, sa etābhyāṃ yajeta. etenaivāchidreṇa vajreṇa dviṣantaṃ pāpmānaṃ bhrātṛvyaṃ stṛṇute. atho āhuḥ - prajākāma evābhyāṃ yajeteti. stomo vā etat stomena saṃsakto bhavati - saṃsaktād vai mithunāt prajāḥ paśavaḥ prajāyante - prajātyā eva. athaitat saptadaśaṃ saptamam ahar bhavati. tasmin mahāvratam upayanti. prajāpatir vai saptadaśaḥ. annaṃ mahāvratam. sva eva tad āyatane prajāpatim annādyena samṛddhayanti

Nun, dies sind die beiden »Saṃsaṅgya« (Zusammengehörigen). Jamadagni war der Hauspriester (Purohita) der Māhenas. Er übertraf sie an Reichtum. Da suchten sie ihm zu schaden. Er überlegte: »Wie nur könnte ich in siebenmal sieben Eintagesopfern ihre Haustiere erschlagen?« Er erblickte diese beiden Opfer. Er holte sie herbei. Mit ihnen opferte er. Daraufhin erschlug er in siebenmal sieben Eintagesopfern ihre Haustiere. Dies nämlich ist der lückenlose (achidra) Vajra (Donnerkeil). Mit eben diesem lückenlosen Vajra setzt man sie in Bewegung, treibt man sie vor sich her. So wie man mit dem Stößel Sesamkörner zerstampfen würde, so vernichtet man sie damit restlos, ohne Lücke. Wer einen Rivalen hat, wer mit Zauber angegriffen wird, wer im Wettstreit steht, der sollte mit diesen beiden opfern. Mit eben diesem lückenlosen Vajra zermalmt er seinen hassenden, üblen Rivalen. Und ferner sagen sie: Wer sich Nachkommenschaft wünscht, sollte eben mit diesen beiden opfern; dies nämlich ist ein Stoma, durch den Stoma wird man zusammengefügt; aus einer zusammengefügten Paarung nämlich werden Nachkommen und Vieh geboren – eben um der Zeugung willen. Dieser siebte Tag ist der Siebzehnfache. An ihm begeht man das Mahāvrata. Prajāpati nämlich ist der Siebzehnfache; Speise ist das Mahāvrata. In seiner eigenen Wohnstatt lässt man so Prajāpati durch Speise gedeihen.

[Anm.: Eine bemerkenswerte Erzählung über die Schattenseite priesterlicher Macht: Jamadagni, als Hauspriester reicher geworden als seine eigenen Auftraggeber, die Māhenas, wird von diesen angefeindet und rächt sich mit einem eigens dafür ersonnenen Doppelopfer, dem lückenlosen Vajra, der ihre Viehherden systematisch, wie in einem Mahlvorgang, rituell vernichtet. Das Gleichnis vom Sesamkörner-Zerstampfen und die Übertragung auf einen beliebigen Rivalen, »wer einen Rivalen hat...«, verallgemeinern den ursprünglich sehr persönlichen Racheakt zu einem regulären Ritualzweck. Der Name »Saṃsaṅgya« (Zusammengehörige) verbindet sich zugleich mit der wiederkehrenden Zeugungs-Paarungs-Formel.]

athaite ’ṣṭarātrāḥ. bṛhaspatir vā akāmayata - tejasvī brahmavarcasī syāṃ, yaśo deveṣu gaccheyam iti. sa etam aṣṭarātraṃ yajñam apaśyat. tam āharat. tenāyajata. tato vai sa tejasvī brahmavarcasy abhavad, yaśo deveṣva agacchat. yaśo hy eṣa tad agacchad yad eṣāṃ purodhām āśnuta. tejasvī brahmavarcasī bhavati yaśo deveṣu gacchati, ya evaṃ veda. atho āhur - āyuṣkāma evainena yajeteti. prāṇo vai gāyatrī. gāyatrīm eṣa yajño ’bhisaṃpannaḥ. tasmād u hainenāyuṣkāmo yajeta. atho āhuḥ paśukāma evainena yajeteti. aṣṭākṣarā vai gāyatrī. aṣṭāśaphāḥ paśavaḥ. paśavo gāyatrī. gāyatrīm eṣa yajño ’bhi saṃpannaḥ. tasmād u hainena paśukāmo yajeta. prajāpatir vā akāmayata - asmāl lokād amuṃ lokaṃ gaccheyam iti. sa etam aṣṭarātraṃ yajñam apaśyat. tam āharat. tenāyajata. tato vai so ’smāl lokād amuṃ lokam āṣṭa. yad asmāl lokād amuṃ lokam āṣṭa, tad aṣṭarātrāṇām aṣṭarātratvam. aṣṭe hāsmāl lokād amuṃ lokaṃ, ya evaṃ veda. tad āhuḥ - kim anv aṣṭarātra iti. diśa iti brūyāt. diśo ha vā anva aṣṭarātraḥ. catasro diśaś catvāro ’vāntaradeśāḥ. ūrdhvā diṅ navamī. aṣṭāv etāny ahāni bhavanti, rātrir navamī. diśa evaitenardhnoti, dikṣu pratiṣṭhāya svargaṃ lokam eti

Nun, dies sind die Aṣṭarātras (Acht-Nächte-Opfer). Bṛhaspati wünschte sich: »Möge ich kraftvoll und von brahmanischem Glanz sein; möge ich Ruhm unter den Göttern erlangen!« Er erblickte dieses Aṣṭarātra-Opfer. Er holte es herbei. Mit ihm opferte er. Daraufhin wurde er kraftvoll und von brahmanischem Glanz, er erlangte Ruhm unter den Göttern. Ruhm nämlich erlangte er dadurch, dass er deren Priestervorrang (purodhā) übernahm. Kraftvoll und von brahmanischem Glanz wird, Ruhm unter den Göttern erlangt, wer dies so weiß. Und ferner sagen sie: Wer sich langes Leben wünscht, sollte eben damit opfern. Atem nämlich ist die Gāyatrī. Dieses Opfer ist auf die Gāyatrī gegründet. Deshalb sollte, wer sich langes Leben wünscht, eben damit opfern. Und ferner sagen sie: Wer sich Vieh wünscht, sollte eben damit opfern. Achtsilbig nämlich ist die Gāyatrī; achthufig sind die Tiere; der Gāyatrī gehören die Tiere. Dieses Opfer ist auf die Gāyatrī gegründet. Deshalb sollte, wer sich Vieh wünscht, eben damit opfern. Prajāpati wünschte sich: »Möge ich von dieser Welt in jene Welt gelangen!« Er erblickte dieses Aṣṭarātra-Opfer. Er holte es herbei. Mit ihm opferte er. Daraufhin gelangte (āṣṭa) er von dieser Welt in jene Welt. Dass er von dieser Welt in jene Welt gelangte – das ist die Aṣṭarātra-Natur der Aṣṭarātras. Er gelangt von dieser Welt in jene Welt, wer dies so weiß. Dazu sagt man: »Wonach richtet sich der Aṣṭarātra?« Man sollte antworten: »Nach den Himmelsrichtungen.« Nach den Himmelsrichtungen nämlich richtet sich der Aṣṭarātra: Vier sind die Himmelsrichtungen, vier die Zwischenrichtungen, die aufwärts gerichtete Richtung ist die neunte. Diese Tage sind acht, die Nacht ist die neunte. Dadurch gedeiht er in den Himmelsrichtungen; in den Himmelsrichtungen gegründet, gelangt er zur Himmelswelt.

[Anm.: Eröffnung des Aṣṭarātra-Komplexes mit Bṛhaspatis Erlangung des göttlichen Priestervorrangs sowie einer hübschen Volksetymologie: »Aṣṭarātra« (Achtnächte-Opfer) wird mit der Verbform āṣṭa, ›er gelangte/erreichteʻ von aś-, verknüpft – der Ritus »ist«, was sein Name andeutet: das Erreichen der jenseitigen Welt. Die abschließende Himmelsrichtungs-Korrespondenz erweitert das bereits in 2.287 beim Catūrātra beobachtete Schema, vier Richtungen plus Zenit, um die vier Zwischenrichtungen auf insgesamt neun.]

atha yasyaitasya jyotir agniṣṭomaḥ, pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaho, jyotir agniṣṭomo, yaḥ kāmayeta tejasvī brahmavarcasy asmin loke syāṃ, gaccheyaṃ svargaṃ lokaṃ, tejasvī brahmavarcasya amuṣmin loke syām iti, sa etena yajeta. tad yat purastāj jyotir agniṣṭomo bhavati - tejo vai brahmavarcasaṃ jyotir agniṣṭomas - tenaivāsmin loke tejasvī brahmavarcasī bhavati. pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaho bhavati - svargo vai lokaḥ pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaha - svargam evaitena lokaṃ gacchati. jyotir agniṣṭoma upariṣṭād bhavati - tejo vai brahmavarcasaṃ jyotir agniṣṭomas - tenaivāmuṣmin loke tejasvī brahmavarcasī bhavati. atha yasyaitasya jyotir atirātraḥ, pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaho, jyotir atirātro, yaḥ kāmayeta praty asmin loke tiṣṭheyaṃ, gaccheyaṃ svargaṃ lokaṃ, praty amuṣmin loke tiṣṭheyam iti, sa etena yajeta. tad yat purastāj jyotir atirātro bhavaty - eṣā vai kṛtsnā pratiṣṭhā yaj jyotir atirātras - tenaivāsmin loke pratitiṣṭhati. pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaho bhavati - svargo vai lokaḥ pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaha - svargam evaitena lokaṃ gacchati. jyotir atirātra upariṣṭād bhavaty - eṣā vai kṛtsnā pratiṣṭhā yaj jyotir atirātras - tenaivāmuṣmin loke pratitiṣṭhati

Und für den, für welchen gilt: der »Licht«-Agniṣṭoma, der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha, der »Licht«-Agniṣṭoma – wer sich wünschen sollte: »Möge ich kraftvoll und von brahmanischem Glanz in dieser Welt sein; möge ich zur Himmelswelt gelangen; möge ich kraftvoll und von brahmanischem Glanz in jener Welt sein!«, der sollte damit opfern. Dass der »Licht«-Agniṣṭoma zuerst steht: Der »Licht«-Agniṣṭoma nämlich ist die Glutkraft des brahmanischen Glanzes – eben dadurch wird man kraftvoll und von brahmanischem Glanz in dieser Welt. Der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha steht in der Mitte: Der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha nämlich ist die Himmelswelt – eben dadurch gelangt man zu jener Himmelswelt. Der »Licht«-Agniṣṭoma steht am Ende: Der »Licht«-Agniṣṭoma nämlich ist die Glutkraft des brahmanischen Glanzes – eben dadurch wird man kraftvoll und von brahmanischem Glanz in jener Welt. Und für den, für welchen gilt: der »Licht«-Atirātra, der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha, der »Licht«-Atirātra – wer sich wünschen sollte: »Möge ich in dieser Welt feststehen; möge ich zur Himmelswelt gelangen; möge ich in jener Welt feststehen!«, der sollte damit opfern. Dass der »Licht«-Atirātra zuerst steht: Dieser »Licht«-Atirātra nämlich ist vollständiger Halt (pratiṣṭhā) – eben dadurch steht man fest in dieser Welt. Der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha steht in der Mitte: Der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha nämlich ist die Himmelswelt – eben dadurch gelangt man zu jener Himmelswelt. Der »Licht«-Atirātra steht am Ende: Dieser nämlich ist vollständiger Halt – eben dadurch steht man fest in jener Welt.

[Anm.: Zwei kunstvoll symmetrische Drei-Teile-Architekturen, Licht-Element außen, Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha in der Mitte, die diesseitigen und jenseitigen Erfolg – einmal als brahmanischen Glanz, einmal als festen Halt (pratiṣṭhā) – mit dem dazwischenliegenden Himmelsaufstieg verbinden. Diese Mitte-außen-Bauweise setzt die bereits in 2.296 und 2.288 beobachtete Ritualarchitektur-Technik fort, hier auf ein räumlich-kosmologisches Diesseits-Jenseits-Schema angewandt statt auf die Nachkommenschafts-Thematik.]

ata yasyaitasya jyotir agniṣṭomaḥ, pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaho, jyotir atirātro, ya- kāmayeta tejasvī brahmavarcasy asmin loke syāṃ, gaccheyaṃ svargaṃ lokaṃ, praty amuṣmin loke tiṣṭheyam iti, sa etena yajeta. tad yat purastāj jyotir agniṣṭomo bhavati - tejo vai brahmavarcasaṃ jyotir agniṣṭomas - tenaivāsmin loke tejasvī brahmavarcasī bhavati. pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaho bhavati - svargo vai lokaḥ pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaha - svargam evaitena lokaṃ gacchati. jyotir atirātra upariṣṭād bhavaty - eṣā vai kṛtsnā pratiṣṭhā yaj jyotir atirātras - tenaivāmuṣmin loke pratitiṣṭhati. atha yasyaitasya jyotir atirātraḥ, pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaho, jyotir agniṣṭomo, yaḥ kāmayeta praty asmin loke tiṣṭheyaṃ, gaccheyaṃ svargaṃ lokaṃ, tejasvī brahmavarcasy amuṣmin loke syām iti, sa etena yajeta. tad yat purastāj jyotir atirātro bhavaty - eṣā vai kṛtsnā pratiṣṭhā yaj jyotir atirātras - tenaivāsmin loke pratitiṣṭhati. pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaho bhavati - svargo vai lokaḥ pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaha - svargam evaitena lokaṃ gacchati. jyotir agniṣṭoma upariṣṭād bhavati - tejo vai brahmavarcasaṃ jyotir agniṣṭomas - tenaivāmuṣmin loke tejasvī brahmavarcasī bhavati

Und für den, für welchen gilt: der »Licht«-Agniṣṭoma, der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha, der »Licht«-Atirātra – wer sich wünschen sollte: »Möge ich kraftvoll und von brahmanischem Glanz in dieser Welt sein; möge ich zur Himmelswelt gelangen; möge ich in jener Welt feststehen!«, der sollte damit opfern. Dass der »Licht«-Agniṣṭoma zuerst steht: Der »Licht«-Agniṣṭoma nämlich ist die Glutkraft des brahmanischen Glanzes – eben dadurch wird man kraftvoll und von brahmanischem Glanz in dieser Welt. Der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha steht in der Mitte: Der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha nämlich ist die Himmelswelt – eben dadurch gelangt man zu jener Himmelswelt. Der »Licht«-Atirātra steht am Ende: Dieser nämlich ist vollständiger Halt – eben dadurch steht man fest in jener Welt. Und für den, für welchen gilt: der »Licht«-Atirātra, der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha, der »Licht«-Agniṣṭoma – wer sich wünschen sollte: »Möge ich in dieser Welt feststehen; möge ich zur Himmelswelt gelangen; möge ich kraftvoll und von brahmanischem Glanz in jener Welt sein!«, der sollte damit opfern. Dass der »Licht«-Atirātra zuerst steht: Dieser nämlich ist vollständiger Halt – eben dadurch steht man fest in dieser Welt. Der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha steht in der Mitte: Der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha nämlich ist die Himmelswelt – eben dadurch gelangt man zu jener Himmelswelt. Der »Licht«-Agniṣṭoma steht am Ende: Der »Licht«-Agniṣṭoma nämlich ist die Glutkraft des brahmanischen Glanzes – eben dadurch wird man kraftvoll und von brahmanischem Glanz in jener Welt.

[Anm.: Zusammen mit 2.312 vervollständigt dieser Abschnitt ein elegantes Vierer-Schema: Die beiden »reinen« Varianten, Glanz-Glanz bzw. Halt-Halt beidseitig (2.312), werden hier durch die beiden »gemischten« Varianten, Glanz hier/Halt dort bzw. Halt hier/Glanz dort, zu einem vollständigen kombinatorischen Quadrat ergänzt – ein bemerkenswert systematisches Vorgehen bei der Durchdeklinierung der Mitte-außen-Ritualarchitektur.]

athaiṣa pṛṣṭhyaṣ ṣaḍahaḥ, pañcaviṃśaṃ mahāvrataṃ, sarvastomo ’tirātraḥ. annādyakāmo haitena yajeta. tad āhur - na purā saṃvatsarān mahāvratam upetyam iti. tad yat pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaho bhavaty - ṛtavo vai pṛṣṭhāni. saṃvatsara ṛtavaḥ. saṃvatsaraḥ kṛtsnam annādyaṃ pacati - saṃvatsarābhijitam eva tad annādyam upayanti. pañcaviṃśaṃ mahāvratam - annaṃ vai pañcaviṃśam - annādyasyaivāvaruddhyai. sarvastomo ’tirātro bhavati, sarveṣāṃ lokānām abhijityā abhikrāntyai. sarvaṃ hīdaṃ stomā eva. atho yān imān ekaikān stomān upāgāma, tān sārdham ṛddhvā teṣu pratiṣṭhāyodṛcam aśnavāmahā iti. atha yasyaitasya pṛṣṭhyasya ṣaḍahasya stomāś, caturviṃśam ahar, viśvajit sarvapṛṣṭho ’tirātro, yaḥ kāmayeta parokṣopetaṃ me mahāvrataṃ syād iti, sa etena yajeta. tad yac caturviṃśam ahar bhavati, tenaivāsya parokṣopetaṃ mahāvrataṃ bhavati. yad v eva tatra hiṃkāro vā prastāvo vā pratihāro vā kiṃ cid bhavati, tenaivāsya pañcaviṃśy upāptā bhavati. viśvajit sarvapṛṣṭho ’tirātro bhavati. śrīr vai varṣma pṛṣṭhāni. śriyam eva tad varṣma pṛṣṭhāny abhyārohanti

Nun, dies ist der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha, mit dem Fünfundzwanzigfachen als Mahāvrata, dem Allstoma-Atirātra. Wer sich Speise wünscht, sollte damit opfern. Dazu sagt man: »Nicht vor Ablauf eines Jahres sollte man sich dem Mahāvrata nähern.« Dass es den Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha gibt: Die Jahreszeiten nämlich sind die Pṛṣṭhas, das Jahr sind die Jahreszeiten. Das Jahr bereitet die gesamte Speise; eben jene durch das Jahr gewonnene Speise nimmt man zu sich. Der Fünfundzwanzigfache ist das Mahāvrata – Speise nämlich ist der Fünfundzwanzigfache – eben zur Erlangung der Speise. Der Atirātra hat den Allstoma, zur Eroberung und zum Übersteigen aller Welten; denn dies alles ist eben Stomas. Und: »Was wir hier an einzelnen Stomas jeweils angetreten haben – mit ihnen zusammen erblüht und in ihnen gegründet, mögen wir den höheren Spruch erlangen.« Und für den, für welchen gilt: die Stomas des Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha, ein vierundzwanzigfacher Tag, der Viśvajit als Allpṛṣṭha-Atirātra – wer sich wünschen sollte: »Möge mein Mahāvrata verborgen sein!«, der sollte damit opfern. Dass es einen vierundzwanzigfachen Tag gibt – dadurch eben wird sein Mahāvrata verborgen. Was aber dabei an Hiṃkāra, Prastāva oder Pratihāra sonst noch vorkommt – dadurch eben wird für ihn das Fünfundzwanzigste erreicht. Der Viśvajit ist der Allpṛṣṭha-Atirātra; Glanz nämlich ist die Höhe der Pṛṣṭhas; jene Höhe des Glanzes ersteigen sie eben damit.

[Anm.: Zwei bereits aus 2.294 und 2.295 bekannte Grundformeln des Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha/Mahāvrata-Komplexes werden hier, ohne die dort verwendete Licht-Kuh-Leben- bzw. 3-15-17-Trias, in ihrer einfachsten, gleichsam allgemeingültigen Form wiederholt – vermutlich als Grundlage für die nachfolgend variierten Spezialfälle.]

atha yasyaitasya pṛṣṭhyasya ṣaḍahasya jyotir agniṣṭomo madhye bhavati, jyotir atirātra upariṣṭād, yaḥ kāmayeta ā me brahmavarcasī prajāyāṃ jāyeteti, sa etena yajeta. ātmā vai pṛṣṭhyaṣ ṣaḍahaḥ. tejo brahmavarcasaṃ jyotir agniṣṭomaḥ. madhyata u vā ātmanaḥ prajananam. prajananaṃ tad yan madhye jyotir agniṣṭomo bhavati. madhyata evaitad ātmano jyotir dhatte. ā hāsya brahmavarcasī prajāyāṃ jāyate. jyotir atirātra upariṣṭād - etad vai prajñātaṃ devatīrthaṃ yaj jyotir atirātraḥ - prajñātena devatīrthenāriṣṭenāriṣṭa udṛcam aśnavāmahā iti. atha yasyaitasya viśvajidabhijitāv agniṣṭomāv abhito bhavata ubhayato jyotiṣ ṣaḍaho madhye, paśukāmo haitena yajeta. catvāra ete madhya ukthyā bhavanti. paśavo vā ukthāni. teṣāṃ sahasraṃ stotryāḥ. catvāra u vaite ’gniṣṭomā abhito bhavanti. brahma vai jyotir agniṣṭomaḥ. brahmaṇaiva tad ubhayataḥ paśūn parigṛhṇīte ’parāvāpāya. nāsya vittaṃ paropyate ya evaṃ veda. īśvaro ha tu yādṛśa eva san yajate tādṛṅ bhavitoḥ. sa yadaivāntagata iva śriyai manyetātha hainena yajeta. iṣṭvā haiva svargaṃ lokam eti

Und für den, für welchen gilt: der »Licht«-Agniṣṭoma des Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha in der Mitte, der »Licht«-Atirātra am Ende – wer sich wünschen sollte: »Möge mir ein Sohn von brahmanischem Glanz in meiner Nachkommenschaft geboren werden!«, der sollte damit opfern. Der Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha nämlich ist das Selbst; Glutkraft des brahmanischen Glanzes ist der »Licht«-Agniṣṭoma. Aus der Mitte heraus nämlich erfolgt die eigene Zeugung; Zeugung ist es, dass der »Licht«-Agniṣṭoma in der Mitte steht. Eben aus der Mitte heraus legt er so sein eigenes Licht; so wird ihm in seiner Nachkommenschaft ein Sohn von brahmanischem Glanz geboren. Der »Licht«-Atirātra am Ende: Dies nämlich ist die wohlbekannte Götterfurt, der »Licht«-Atirātra. »Durch die wohlbekannte, unversehrte Götterfurt mögen wir unversehrt den höheren Spruch erlangen.« Und für den, für welchen gilt: der Viśvajit und der Abhijit als die beiden Agniṣṭomas zu beiden Seiten, ein »Licht«-Ṣaḍaha in der Mitte – wer sich Vieh wünscht, sollte damit opfern. Diese vier mittleren sind Ukthyas; Vieh nämlich sind die Ukthyas; für sie gibt es tausend Stotriyā-Verse. Diese vier Agniṣṭomas stehen zu beiden Seiten; Brahman nämlich ist der »Licht«-Agniṣṭoma. Eben durch Brahman umschließt er so von beiden Seiten die Tiere gegen ihre Zerstreuung. Dessen Habe wird nicht an andere verstreut, wer dies so weiß. Ein Herr aber wird, von welcher Art er auch sei, wenn er opfert, eben von jener Art bleiben. Wenn er sich aber, was den Glanz betrifft, gleichsam am Ende angelangt dünkt, dann sollte er eben damit opfern. Geopfert habend, gelangt er fürwahr zur Himmelswelt.

[Anm.: Die erste Formel variiert die Mitte-außen-Architektur aus 2.296, dort fünfteilig, zu einer schlankeren zweiteiligen Fassung; die zweite überträgt das Vieh-Sicherungsschema aus 2.300 auf einen Kontext mit einem zusätzlichen »Licht«-Ṣaḍaha in der Mitte. Der abschließende, undeutlich mit dem Vorangehenden verbundene Kommentar ist bemerkenswert: Er hält fest, dass das Ritual die grundlegende Art eines Menschen nicht verändert, sondern lediglich dann angezeigt ist, wenn jemand, was seinen Glanz betrifft, gleichsam an eine Grenze gelangt ist – eine nüchterne, fast lebensphasenbezogene Einschränkung des sonst so umfassenden rituellen Machbarkeitsanspruchs.]

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