Kapitel 8
Indras Verfehlungen und der dreiköpfige Tvaṣṭṛ-Sohn
Das Agniṣṭut entfaltet den Katalog von Indras Untaten – die Ermordung des Dreiköpfigen, das Ausliefern der Yatis an die Sālāvṛkas, den Bruch seines Vertrags mit Namuci –, für die ihn die Götter zunächst gemeinsam ächten, bis Agni ihm stellvertretend Reinheit verschafft; jede Sünde wird dabei einem Körperteil und einem eigenen Stoma zugeordnet, vom Mund bis zu den Füßen. Beim Indrastoma erneuert Indra im Vṛtra-Kampf geliehene Opferanteile 'wie ein König seinen Gattinnen', und die Sitzordnung der Götterversammlung wird festgelegt: die Vasus im Osten, die Rudras im Süden, die Ādityas im Westen, die Maruts im Norden. Höhepunkt ist die vollständige Erzählung von Tvaṣṭṛs Sohn, dem dreiköpfigen Triśiras, den Indra enthauptet, worauf drei Vögel aus den Köpfen entstehen, und von Tvaṣṭṛs Racheversuch mit dem berühmten Betonungsfehler 'indraśatru' statt 'indrasya śatruḥ', der stattdessen Vṛtra hervorbringt – samt der Ätiologie des Nies-Segens 'Lebe!' und der Erklärung, warum Indras vergiftete Körperausscheidungen zu wilden Tieren wurden.
athaiṣo ’gniṣṭut. indraṃ vai bhūtāni paryacakṣata triśīrṣāṇaṃ tvāṣṭram avadhīd, yatīn sālāvṛkebhyaḥ prādād, arurmukhān avadhīd, bṛhaspateḥ pratyavadhīt, saṃdhāṃ saṃhitām atītya namucer āsurasya śiraḥ prācchaitsīd ity etebhyo devakilbiṣebhyas sa hāraṇya eva cacārānabhyavayan devān. sa u ha devān uvāca - yājayata meti. neti hocuḥ. etā vai tvayā saṃdhā atītā etāni devakilbiṣāṇi kṛtāni na tvā yājayiṣyāma iti. atho hāsyāgnir eva sakhitama ivāsa deveṣu. sa u hāgnim uvāca tvaṃ mā yājayeti. tatheti hovāca. sa vai nu taṃ deveṣv icchāmi yena tvā saha yājayeyam iti. sa ha taṃ deveṣu na viveda yenainaṃ sahāyājayiṣyat. sa hovāca na vai nu taṃ deveṣu vindāmi yena tvā saha yājayeyayam iti. taṃ vai mā tvam eva yājayeti. tatheti. so ’grir ātmana evādhy etam agniṣṭutam atanuta. tenainam ayājayat. tasya sadyas sarvaṃ pāpmānaṃ niradahat. yathāhir ahicchavyai nirmucyeta yathā muñjād iṣīkāṃ vivṛhed evam eva sarvasmāt pāpmano niramucyata. sa eṣo ’pahatapāpmā tapaty eṣa ha vā indraḥ. sa ya uktokta syād yo abhyākhyāyeta sa etena yajeta. sadyo haivāsya sarvaṃ pāpmānaṃ nirdahati. sa yathāhir ahicchavyai nirmucyeta yathā muñjād iṣīkāṃ vivṛhed evam eva sarvasmāt pāpmano nirmucyate
Nun folgt dieser Agniṣṭut (der »Agni-Preiser«). Die Geschöpfe verurteilten Indra: Er habe den Dreiköpfigen, den Sohn des Tvaṣṭṛ, erschlagen; er habe die Yatis den Sālāvṛkas preisgegeben; er habe die Arurmukhas erschlagen; er habe gegen Bṛhaspati zurückgeschlagen; er habe, einen geschlossenen Vertrag übertretend, dem Asura Namuci das Haupt abgeschlagen – wegen dieser Frevel an den Göttern wanderte er in der Wildnis umher, ohne sich den Göttern zu nähern. Er sprach zu den Göttern: »Lasst mich opfern!« »Nein!«, sagten sie. »Diese Verträge hast du gebrochen, diese Frevel an den Göttern hast du begangen – wir werden dich nicht opfern lassen!« Nun war ihm aber Agni unter den Göttern gleichsam der beste Freund. Er sprach zu Agni: »Lass du mich opfern!« »So sei es«, sagte dieser. »Ich suche nun unter den Göttern denjenigen, mit dem zusammen ich dich opfern lassen könnte!« Er fand aber unter den Göttern keinen, mit dem zusammen er ihn hätte opfern lassen können. Er sagte: »Ich finde nun unter den Göttern keinen, mit dem zusammen ich dich opfern lassen könnte. So lass eben du allein mich opfern!« »So sei es!« Da breitete Agni eben aus sich selbst heraus diesen Agniṣṭut aus. Mit diesem ließ er ihn opfern. Dadurch verbrannte er sogleich all sein Übel. Wie sich eine Schlange von ihrer Schlangenhaut löst, wie man einen Schilfhalm aus dem Bastgras herauslöst, ebenso löste er sich von allem Übel. Dieser, von allem Übel befreite, leuchtet – dieser ist eben Indra.
Wer verschrien und verlästert ist, wer angeklagt wird, der opfere mit diesem. Sogleich verbrennt er dadurch all sein Übel. Wie sich eine Schlange von ihrer Schlangenhaut löst, wie man einen Schilfhalm aus dem Bastgras herauslöst, ebenso löst er sich von allem Übel.
[Anm.: Dieser Abschnitt bietet einen der bekanntesten vedischen Mythenkomplexe: den Katalog von Indras Frevel(taten), der seine rituelle Ächtung und anschließende Reinigung begründet. Genannt werden der Dreiköpfige (Triśiras, Sohn des Tvaṣṭṛ, andernorts auch Viśvarūpa genannt), die Preisgabe der asketischen Yatis an die Sālāvṛkas (Wölfe/Schakale, vgl. RV 1.106.6, 8.35.13), die sonst kaum bezeugten Arurmukhas, ein Angriff auf Bṛhaspati sowie – am schwersten wiegend – der Vertragsbruch gegenüber dem Asura Namuci, dessen Enthauptung eines der berühmtesten Episoden der vedischen Mythologie ist (vgl. RV 10,131 u.a., wo Indra den Vertrag durch die Formel ›weder mit Trockenem noch mit Feuchtemʻ umgeht). Ungewöhnlich ist, dass hier ausdrücklich alle Götter Indra kollektiv verstoßen und nur die persönliche Freundschaft zu Agni, der stellvertretend für ihn opfert, seine Reinigung ermöglicht – eine seltene Vedische Erzählung von Sünde, sozialer Ächtung und stellvertretender Reinigung. Das Bild vom Abstreifen der Schlangenhaut und dem Herausziehen des Schilfhalms aus dem Bastgras für vollständige Loslösung vom Übel ist auch aus anderen Brāhmaṇa-Reinigungskontexten bekannt.]
sa yo mukhena pāpaṃ kṛtvā manyeta, trivṛtāgniṣṭutā yajeta. eṣa ha vai mukhena pāpaṃ karoti, yo ’vādyaṃ vadati. mukhaṃ vai trivṛt stomānām. mukhād eva tena pāpmānam apaghnate. atha yo bāhubhyāṃ pāpaṃ kṛtvā manyate, pañcadaśenāgniṣṭutā yajeta. eṣa ha vai bāhubhyāṃ pāpaṃ karoti, yo ’nighātsyasya nihanti. bāhū vai pañcadaśa stomānām. bāhubhyām eva tena pāpmānam apaghnate. atha udareṇa pāpaṃ kṛtvā manyeta, saptadaśenāgniṣṭutā yajeta. eṣa ha vā udareṇa pāpaṃ karoti, yo ’nāśyānnasyānnam atti. udaraṃ vai saptadaśa stomānām. udarād eva tena pāpmānam apaghnate. atha yaḥ padbhyāṃ pāpaṃ kṛtvā manyeta, ekaviṃśenāgniṣṭutā yajeta. eṣa ha vai padbhyāṃ pāpaṃ karoti, yo janam eti. pratiṣṭhā vā ekaviṃśa stomānām. padbhyām eva tena pāpmānam apaghnate. atho āhur ya evāyaṃ jyotiṣṭomo ’gniṣṭomas tenaiva yajeteti. tasya yat trivṛd bahiṣpavamānaṃ bhavati mukhād eva tena pāpmānam apaghnate. atha yat pañcadaśāny ājyāni bhavanti pañcadaśo mādhyaṃdino bāhubhyām eva tena pāpmānam apaghnate. atha yat sapdaśāni pṛṣṭhāni bhavanti, saptadaśa ārbhava, udarād eva tena pāpmānam apaghnate. atha yad ekaviṃśam agniṣṭomasāma bhavati, padbhyām eva tena pāpmānam apaghnate
Wer meint, mit dem Mund eine Sünde begangen zu haben, der opfere mit dem Agniṣṭut im Trivṛt. Der begeht nämlich mit dem Mund eine Sünde, der Unsägliches ausspricht. Der Mund der Stomas nämlich ist der Trivṛt. Vom Mund aus schlägt er damit eben das Übel fort. Wer meint, mit den Armen eine Sünde begangen zu haben, der opfere mit dem Agniṣṭut im Pañcadaśa. Der begeht nämlich mit den Armen eine Sünde, der einen schlägt, den er nicht schlagen sollte. Die Arme der Stomas nämlich sind der Pañcadaśa. Von den Armen aus schlägt er damit eben das Übel fort. Wer meint, mit dem Bauch eine Sünde begangen zu haben, der opfere mit dem Agniṣṭut im Saptadaśa. Der begeht nämlich mit dem Bauch eine Sünde, der Speise isst, die er nicht essen sollte. Der Bauch der Stomas nämlich ist der Saptadaśa. Vom Bauch aus schlägt er damit eben das Übel fort. Wer meint, mit den Füßen eine Sünde begangen zu haben, der opfere mit dem Agniṣṭut im Ekaviṃśa. Der begeht nämlich mit den Füßen eine Sünde, der zu einer verbotenen Person geht. Der feste Stand der Stomas nämlich ist der Ekaviṃśa. Von den Füßen aus schlägt er damit eben das Übel fort.
Ferner sagen sie: Eben mit diesem Jyotiṣṭoma-Agniṣṭoma-Opfer solle man opfern. Dass dabei der Bahiṣpavamāna Trivṛt ist, damit schlägt er eben vom Mund aus das Übel fort. Dass die Ājya-Verse fünfzehn sind und die Mittagspressung Pañcadaśa ist, damit schlägt er eben von den Armen aus das Übel fort. Dass die Pṛṣṭhas siebzehn sind und der Ārbhava-Pavamāna siebzehn ist, damit schlägt er eben vom Bauch aus das Übel fort. Dass das Agniṣṭoma-Sāman einundzwanzig ist, damit schlägt er eben von den Füßen aus das Übel fort.
[Anm.: Dieser Abschnitt entfaltet eine systematische Zuordnung von vier Körperteil-gebundenen Sündenkategorien (unsägliche Rede des Mundes, unrechtes Schlagen der Arme, unrechtmäßiges Essen des Bauches, Aufsuchen verbotener Personen mit den Füßen) zu den vier Stoma-Zahlen 3, 15, 17, 21 – und zeigt dann, dass ein einziges umfassendes Agniṣṭoma-Opfer, weil es alle vier Zahlen gleichzeitig in seinen verschiedenen Teilen realisiert (Bahiṣpavamāna=3, Ājyas/Mittagspressung=15, Pṛṣṭhas/Ārbhava=17, Agniṣṭoma-Sāman=21), sämtliche Sündenkategorien auf einmal tilgt.]
trivṛtā tejaskāmo brahmavarcasakāmo ’gniṣṭutā yajeta, pañcadaśena vīryakāmas, saptadaśena paśukāmaḥ prajananakāma, ekaviṃśena pratiṣṭhākāmas, triṇavenaujaskāmas, trayastriṃśena śrīkāmaḥ. tad u vā āhur vadanam evaitat sarvaṃ ya evāyaṃ catuṣṭomo ’gniṣṭomaḥ. tenaiva yajeteti. ayaṃ vai trivṛd ayaṃ pañcadaśo ’yaṃ saptadaśo ’yam ekaviṃśaḥ. imān vai prāṇān agnir anvāyattaḥ. sa yo ’nūcānas san na viroceta, sa etena yajeteti. yathā ha vai niṣkaś śamalagṛhīta, evaṃ sa yo ’nūcānas san na virocate. agnā u vā etaṃ prāsyanti yam agniṣṭutā yājayanti. tad yathā niṣkaṃ śamalagṛhītam agnau prāsya tasyāyoghanena sarvaṃ śamalaṃ nirhanyād, evaṃ haivāsya sarvaṃ pāpmānaṃ nirghnanti. so ’pahatapāpmā tejasvī brahmavarcasī bhavati. atho āhur - yasminn eva paśavye sati paśavo na rameran, sa enena yajeteti. yathā ha vai jaratkakṣa, evaṃ sa yasmin paśavye sati paśavo na ramante. tasya revatīṣv agniṣṭomasāma bhavati. āpo vai revatayaḥ. agnā u vā etaṃ prāsyanti, yam agniṣṭutā yājayanti
Wer sich nach Glanz sehnt, wer sich nach geistlichem Glanz sehnt, opfere mit dem Agniṣṭut im Trivṛt; wer sich nach Manneskraft sehnt, im Pañcadaśa; wer sich nach Vieh sehnt, wer sich nach Zeugung sehnt, im Saptadaśa; wer sich nach festem Stand sehnt, im Ekaviṃśa; wer sich nach Stärke sehnt, im Triṇava; wer sich nach Glanz und Fülle sehnt, im Trayastriṃśa. Andere wiederum sagen: All dies ist eben eine bloße Redensart; eben mit diesem vierfach gestuften Agniṣṭoma solle man opfern. Dieser ist nämlich der Trivṛt, dieser der Pañcadaśa, dieser der Saptadaśa, dieser der Ekaviṃśa. Von diesen Atemkräften nämlich ist Agni durchdrungen.
Wer, obwohl gelehrt, nicht erstrahlt, der opfere mit diesem. Wie ein von Anlauf befallenes Goldstück, so ist der, der, obwohl gelehrt, nicht erstrahlt. In das Feuer werfen sie gleichsam den, den sie mit dem Agniṣṭut opfern lassen. Wie man ein von Schmutz befallenes Goldstück ins Feuer wirft und mit dem eisernen Hammer allen Schmutz davon abschlägt, ebenso schlagen sie ihm all sein Übel fort. So wird er, von allem Übel befreit, glanzvoll und von geistlichem Glanz erfüllt.
Ferner sagen sie: Wessen Viehbestand zwar vorhanden ist, das Vieh aber nicht gedeiht, der opfere mit diesem. Wie verdorrtes Buschland, so ist der, dessen Vieh, obwohl vorhanden, nicht gedeiht. Bei ihm steht das Agniṣṭoma-Sāman bei den Revatī-Versen. Die Revatīs nämlich sind die Gewässer. In das Feuer werfen sie gleichsam den, den sie mit dem Agniṣṭut opfern lassen.
[Anm.: Nach der körperbezogenen Systematik in 2.135 folgt hier eine wunschbezogene (Glanz, Manneskraft, Vieh, fester Stand, Stärke, Fülle) – wobei eine zweite Lehrmeinung diese Differenzierung als bloße ›Redensartʻ verwirft und stattdessen die Einheit des alle vier Zahlen umfassenden Catuṣṭoma-Agniṣṭoma betont. Das Bild vom angelaufenen Goldstück, das im Feuer mit dem Hammer blank geschlagen wird, überträgt die Metallreinigung unmittelbar auf einen gelehrten Menschen, der trotz seines Wissens nicht die erwartete Ausstrahlung entfaltet.]
tad yathā jaratkakṣam agninopadīpya tam adbhir upasiñcet, tasmin kalyāṇya oṣadhayo jāyeraṃs, tāsu paśavo ramerann, evaṃ haivāsmin sarve paśavo ramante. tasyāgna āyūṃṣi pavasa ity eṣāgnipāvamānī pratipad bhavati. tad āhur vīva vā etaiḥ prāṇair ṛdhyante ye pāvamānībhiḥ pratipadyanta iti. tad yad eṣāgnipāvamānī pratipad bhavatīti prāṇo vai vāyuḥ - prāṇair eva tat samṛddhyante. agne pāvaka rociṣetya - annaṃ vai pāvakam - annādyenaivainaṃ tat samṛddhayanti. atho vāyur vai pāvakaḥ, prāṇo vai vāyur, abhipūrvam evainaṃ tat prāṇais samṛddhayanti. agniś śucivratatama ity aśucir iva vā eṣa bhavati yo ’bhyākhyāyate. śucim evainam etena pūtaṃ medhyaṃ kurvanti. tasya yajñayajñā vo ’gnaya ity etā mādhyaṃdinasya pavamānasya bṛhatyo bhavanti. agnā u vā etaṃ prāsyanti yam agniṣṭutā yājayanti. uta trātā tanūnām ity agnaya eva tad vaiśvānarāya yajamānas tanvaṃ paridatte. tasya pāhi no agna ekaye ty etāsu nārmedhasyarkṣu rathantaraṃ pṛṣṭhaṃ bhavati. etābhir vai nṛmedhā auśijo ’gner harāṃsy apairayata. agner evaitābhir harāṃsy aperayate. tasya śaṃ no devīr abhiṣṭaya ity etāsv aponaptriyāsv agniṣṭomasāma bhavati. āpo vā aponaptriyaḥ. agnā u vā etaṃ prāsyanti yam agniṣṭutā yājayanti
Wie man verdorrtes Buschland mit Feuer anzündet und es dann mit Wasser besprengt, so dass darauf schöne Pflanzen wachsen, an denen sich das Vieh erfreut, ebenso erfreut sich bei ihm alles Vieh. Bei ihm steht »Agne, āyūṃṣi pavase« (»O Agni, du läuterst die Lebenskräfte«) als der Agni-Pavamāna-Anfangsvers. Dazu sagen sie: Fürwahr, durch diese Atemkräfte gedeihen die, die mit den Pavamāna-Versen beginnen. Dass dies der Agni-Pavamāna-Anfangsvers ist – Atem nämlich ist Vāyu –, dadurch gedeihen sie eben durch die Atemkräfte.
»Agne pāvaka rociṣā« (»O reinigender Agni, mit deinem Glanz«) – Speise nämlich ist das Reinigende – damit statten sie ihn eben mit Speise und Trank aus. Ferner ist Vāyu das Reinigende, Atem ist Vāyu; damit statten sie ihn eben zunehmend mit Atemkräften aus. »Agniḥ śucivratatamaḥ« (»Agni, der Reinste in seinem Gelübde«) – unrein nämlich ist gleichsam der, der angeklagt wird. Rein, geläutert und opfertauglich machen sie ihn eben damit. Bei ihm stehen »Yajñayajñā vo agnaye« (»Bei jedem Opfer gehört es eurem Agni«) als die Bṛhatī-Verse des Mittags-Pavamāna. In das Feuer werfen sie gleichsam den, den sie mit dem Agniṣṭut opfern lassen. »Uta trātā tanūnām« (»Und der Beschützer der Leiber«) – damit übergibt der Opferherr eben Agni Vaiśvānara seinen Leib. Bei ihm steht das Rathantara-Pṛṣṭha bei diesen Versen des Nṛmedha, »Pāhi no agna ekayā« (»Schütze uns, Agni, mit der einen Hilfe«). Mit eben diesen Versen entfernte Nṛmedha Auśija die Zorneswallungen Agnis. Eben mit diesen entfernt man Agnis Zorneswallungen. Bei ihm steht das Agniṣṭoma-Sāman bei diesen Aponaptrīya-Versen, »Śaṃ no devīr abhiṣṭaye« (»Heilsam mögen uns die Göttinnen zu Hilfe sein«). Die Aponaptrīyas nämlich sind die Gewässer. In das Feuer werfen sie gleichsam den, den sie mit dem Agniṣṭut opfern lassen.
[Anm.: Dieser Abschnitt reiht Sāman-Zitate mit ihren Deutungen aneinander; »Śaṃ no devīr abhiṣṭaye« ist der berühmte Anfang des Āpaḥ-Sūktas (Ṛgveda 10,9), bis heute Teil der täglichen Sandhyāvandana-Liturgie. Der Rathantara-Pṛṣṭha-Vers wird ausdrücklich dem Ṛṣi Nṛmedha Auśija zugeschrieben, einem der ›Priyamedhasʻ genannten Sängerfamilie, deren Hymnen im achten Buch des Ṛgveda stehen. Das wiederkehrende Bild, den mit dem Agniṣṭut Geopferten ›ins Feuerʻ zu werfen, führt die in 2.134-136 begonnene Reinigungsmetaphorik (Verbrennen des Übels, Blankschlagen des Goldes) konsequent fort.]
tad yathāgnidagdham adbhir abhiṣiṃcet tādṛg eva tac chāntyai. tad āhur - yom vā agnidagdham adbhir abhiṣiñcati bhūyo vaitat pramṛcyati kilāsaṃ vā bhavati. ā no yajñaṃ divispṛśaṃ vāyo yāhi sumanmabhir ity etāsv eva vāyumatīṣu kāryaṃ - vāyur vai śāntiś - śāntyā evānirdāhāyeti. tad āhur yo vā agnīn upadīpya vātenopavājayati bhūyo vai tad dīpyate. dīptir vāvaiṣeti. tad u vā āhus - tad vāva yajamāna icched yat sa dīpyeta. yad u dīptyai, vāyur eva dīptyai. yad u śāntyai, vāyur eva śāntyai. tasmād etāsv eva vāyumatīṣu kāryam iti. tasyājā ca hiraṇyaṃ dakṣiṇā. āgneyī vā ajāgneyaṃ hiraṇyam. atho āhur - anaḍvān dakṣiṇeti. vahati vā anaḍvān, vahaty agnir devebhyo haviḥ. stomam eva tadrūpeṇa samṛddhayanti
So wie man einen vom Feuer Verbrannten mit Wasser besprengt, ebenso geschieht eben dies zur Besänftigung. Dazu sagen sie: Wer einen vom Feuer Verbrannten mit Wasser besprengt, bei dem verschlimmert sich dies eher noch, oder es entsteht Hautfleckigkeit. »Ā no yajñaṃ divispṛśaṃ vāyo yāhi sumanmabhiḥ« (»Komm, o Vāyu, mit guten Gedanken zu unserem himmelberührenden Opfer«) – eben bei diesen Vāyu-Versen sei es zu vollziehen; Vāyu nämlich ist die Besänftigung, eben durch die Besänftigung, damit es nicht weiter brennt. Dazu sagen sie: Wer die Feuer entzündet und sie mit dem Wind anfacht, bei dem lodert dies nur noch mehr auf; das ist ja gerade erneutes Auflodern. Andere wiederum sagen: Eben dies sollte sich der Opferherr wünschen, dass er erstrahle. Sei es zum Aufleuchten – Vāyu dient eben dem Aufleuchten; sei es zur Besänftigung – Vāyu dient eben der Besänftigung. Deshalb sei es eben bei diesen Vāyu-Versen zu vollziehen.
Zu ihm gehören eine Ziege und Gold als Dakṣiṇā. Dem Agni gehört die Ziege, dem Agni gehört das Gold. Ferner sagen sie: Der Zugochse sei die Dakṣiṇā. Der Zugochse trägt nämlich Lasten, und Agni trägt den Göttern die Opferspende. Damit statten sie den Stoma mit eben dieser passenden Form aus.
[Anm.: Bemerkenswert ist die hier offen ausgesprochene Beobachtung, dass die naheliegende Analogiebehandlung – Wasser gegen Brandwunden, Wind zum Löschen von Feuer – in Wirklichkeit das Gegenteil bewirkt (Verschlimmerung bzw. weiteres Auflodern); die vedischen Gelehrten ziehen daraus nicht den Schluss, die Analogie fallenzulassen, sondern verschieben die Deutung auf die subtilere Ebene von Vāyu als Prinzip sowohl der Besänftigung als auch des Aufleuchtens – ein seltenes Beispiel für die Reflexion über das Versagen naiver Wirkungsanalogien innerhalb des Rituals selbst.]
athaiṣa indrastomaḥ. indro vā akāmayata - sarveṣāṃ devānāṃ śreṣṭhatāṃ gaccheyam iti. sa etaṃ yajñam apaśyat. tam āharat. tenāyajata. tato vai sa sarveṣāṃ devānāṃ śreṣṭhatām agacchat. gacchati svānāṃ śreṣṭhatāṃ ya evaṃ veda. indre ha vā agre yajña āsa. śrīr ha vā asmiṃs tad āsa. yajñam u ha vāva devānāṃ śrīḥ. tam u ha vṛtro ’bhivavṛdhe. sa devān upādhāvad - yuṣmābhir balenemaṃ vṛtraṃ hanānīti. tam abruvan - sa vai no yas te ’yaṃ niṣkevalyo yajñas, taṃ prayaccheti. tasmād rājani vijigīṣamāṇe viśaḥ pradānam icchante. tasmād u rājā vijigīṣamāṇo viśa eva pradānaṃ prayacchati. sa vasubhya eva prātassavanaṃ prāyacchad, rudrebhyo mādhyaṃdinaṃ savanam, ādityebhyas tṛtīyasavanaṃ viśvebhyaś ca devebhyaḥ. tair balenendro vṛtram ahan. ajayan devā asurān. sa vṛtraṃ hatvā vijitya pṛthag evaiṣām imā śriyo dīpyamānā apaśyat. tam abhiśastir avindan. sa aikṣata - kathaṃ nv aham eṣām imā śriyas saṃvṛñjīyeti. sa etenaiva yajñenāyajata. tenaiṣāṃ sarvā śriyas samavṛṃkta. vṛṃkte dviṣato bhrātṛvyasya śriyaṃ ya evaṃ veda
Nun folgt dieser Indrastoma (der »Indra-Preis«). Indra wünschte sich: »Möge ich den Vorrang unter allen Göttern erlangen!« Er erblickte dieses Opfer. Er holte es herbei. Er opferte damit. Daraufhin gelangte er zum Vorrang unter allen Göttern. Wer dies so weiß, gelangt zum Vorrang unter den Seinen.
Bei Indra war anfangs das Opfer. Der Glanz war eben darin enthalten. Das Opfer ist ja eben der Glanz der Götter. Diesen aber überwuchs Vṛtra. Er lief zu den Göttern: »Mit eurer Kraft will ich diesen Vṛtra erschlagen!« Sie sagten zu ihm: »Gib uns eben das, was dein alleiniger Opferanteil ist!« Deshalb erwarten die Priester von den Untertanen eine Gabe, wenn der König siegen will; deshalb gibt auch der siegen wollende König eben den Untertanen eine Gabe. Er gab den Vasus eben die Morgenpressung, den Rudras die Mittagspressung, den Ādityas und den Viśvedevas die dritte Pressung. Mit deren Kraft erschlug Indra den Vṛtra. Die Götter besiegten die Asuras. Er, nachdem er Vṛtra erschlagen und gesiegt hatte, sah deren Herrlichkeiten einzeln für sich erstrahlen. Da ereilte ihn ein Tadel. Er überlegte: »Wie nur könnte ich mir diese ihre Herrlichkeiten aneignen?« Er opferte eben mit diesem Opfer. Damit eignete er sich alle ihre Herrlichkeiten an. Wer dies so weiß, eignet sich die Herrlichkeit des hassenden Rivalen an.
[Anm.: Dieser Indrastoma-Mythos verbindet den zentralen vedischen Vṛtra-Kampf mit einer politisch-ökonomischen Erzählung: Indra muss den anderen Göttern zunächst seinen alleinigen Opferanteil abtreten, um mit ihrer geliehenen Kraft zu siegen – ein Muster, das ausdrücklich mit der Erwartung verglichen wird, dass Priester von einem siegen wollenden König eine Gabe erhalten. Nach dem Sieg erntet Indra einen ›Tadelʻ (abhiśasti), weil die Herrlichkeiten der anderen Götter getrennt von ihm erstrahlen – ein ungewöhnlicher Moment, in dem der siegreiche Indra selbst als moralisch angreifbar erscheint, bevor die Fortsetzung in 2.140 die Auflösung bringt.]
sa aindrīṣv eva sarvo bhavati. aindrīṣv eva prātassavanaṃ bhavaty, aindrīṣu mādhyaṃdinaṃ savanam, aindrīṣu tṛtīyasavanam. tad yad gāyatraṃ sat prātassavanam aindrīṣu kriyate vasūnām eva tena yajñaṃ samavṛṃkta. atha yat traiṣṭubhaṃ san mādhyaṃdinaṃ savanam aindrīṣu kriyate, rudrāṇām eva tena yajñaṃ samavṛṃkta. atha yaj jāgataṃ sat tṛtīyasavanam aindrīṣu kriyata, ādityānām eva tena yajñaṃ samavṛṃkta, viśveṣāṃ ca devānām. ta enam āttayajñā upāsīdan viśas, te sāmayajñeno ’nvābhajeti, yathā bhartāraṃ bhāryā upasīdanti tathā. sa vasūn eva prātassavane ’nvābhajad, rudrān mādhyaṃdine savane, ādityāṃs tṛtīyasavane viśvāṃś ca devān. yathā rājā vijitya sve vitte bhāryān anvābhajed evam evaināṃs tad anvābhajat. tasmād indrāya vasumate rudravata ādityavate viśvadevyāvata ity anvāhus. sa pañcadaśo bhavati. vajro vai pañcadaśaḥ. vajra indraḥ. aindra eṣa yajñas tat tatsalakṣma kriyate. sa ukthyo bhavati. viḍ vā ukthāni. kṣatram eva tad viśy adhyūhanti. tasmā(t) kṣatriyo viśy adhyūḍhaḥ. sa ya śrīkāma syāt sa etena yajeta. kṣatraṃ śrīḥ, kṣatrayajña eṣo, ’śnute śriyam
Dieser Ritus besteht ganz und gar aus Aindra-Versen. In Aindra-Versen besteht die Morgenpressung, in Aindra-Versen die Mittagspressung, in Aindra-Versen die dritte Pressung. Dass die Morgenpressung, obwohl gāyatrisch, in Aindra-Versen vollzogen wird, damit eignete er sich eben der Vasus Opferanteil an. Dass die Mittagspressung, obwohl triṣṭubhisch, in Aindra-Versen vollzogen wird, damit eignete er sich eben der Rudras Opferanteil an. Dass die dritte Pressung, obwohl jagatisch, in Aindra-Versen vollzogen wird, damit eignete er sich eben der Ādityas und der Viśvedevas Opferanteil an. Diese, ihres Opferanteils beraubt, kamen zu ihm wie Untertanen; er nahm sie durch den Sāman-Opferanteil wieder auf, so wie eine Gattin sich ihrem Gatten naht. Er teilte den Vasus eben bei der Morgenpressung wieder einen Anteil zu, den Rudras bei der Mittagspressung, den Ādityas und den Viśvedevas bei der dritten Pressung. Wie ein König, nachdem er gesiegt hat, seinen Gattinnen wieder einen Anteil an seinem Besitz zuteilt, ebenso teilte er auch diesen Göttern wieder einen Anteil zu. Deshalb sprechen sie nach der Formel: »Für Indra, den mit den Vasus, mit den Rudras, mit den Ādityas, mit den Viśvedevas Versehenen.«
Er hat den Pañcadaśa. Die Vajra-Waffe nämlich ist der Pañcadaśa. Die Vajra-Waffe ist Indra. Dies ist ein Indra-Opfer; deshalb wird es mit dessen Merkmal versehen vollzogen. Er ist ein Ukthya. Der Vaiśya-Stand nämlich sind die Ukthas. Damit fügen sie eben die Herrschermacht in den Vaiśya-Stand ein. Deshalb ist der Kṣatriya in den Vaiśya-Stand eingefügt. Wer sich nach Glanz und Fülle sehnt, der opfere mit diesem. Herrschermacht ist Glanz; dies ist ein Herrschermacht-Opfer; er erlangt Glanz und Fülle.
[Anm.: Die Auflösung des in 2.139 aufgeworfenen moralischen Problems erfolgt durch ein eindrucksvolles Doppelbild: Die der Opferanteile beraubten Gottheiten nähern sich Indra ›wie eine Gattin ihrem Gattenʻ, und er teilt ihnen, wie ein siegreicher König seinen Frauen vom erbeuteten Besitz, wieder einen Anteil zu – die Wiederherstellung ihrer Anteile wird also nicht als Rückgabe, sondern als Akt ehelich-königlicher Fürsorge nach dem Sieg gedeutet. Dass die Herrschermacht (Kṣatra) hier ausdrücklich ›in den Vaiśya-Stand eingefügtʻ wird (mit dem Verweis, der Kṣatriya ›ruheʻ auf dem Vaiśya), spiegelt die reale ökonomische Abhängigkeit der Kriegerschicht von den steuerzahlenden Untertanen.]
athaiṣa vighanaḥ. prajāpatir devān asṛjata - vasūn rudrān ādityān. tebhyo yajñaṃ cemāṃś ca lokān prāyacchat. vasubhya eva prātassavanaṃ prāyacchad, rudrebhyo mādhyaṃdinaṃ savanam, ādityebhyas tṛtīyasavanam. vasubhya evemaṃ lokaṃ prāyacchad, rudrebhyo ’ntarikṣam, ādityebhyo ’mum. athendram asṛjata. sa idam eṣāṃ sarvaṃ vibhaktam apaśyat. so ’bravīd yad idam eṣāṃ sarvaṃ vibhaktam, atha kasmai mām asṛṣṭā iti. eteṣāṃ tvā, ity abrīvīc, chraiṣṭhyāyādhipatyāyāsṛkṣīti. so ’haṃ katham eṣāṃ śreṣṭho ’dhipati syām iti. parehy enān brūhīty abravīd, yuṣmākaṃ mā prajāpati śraiṣṭhyāyādhipatyāyāsṛṣṭeti. sa etyābravīd - yuṣmākaṃ mā prajāpati śraiṣṭhyayāyādhipatyāyāsṛṣṭeti. te ’bruvan - vayaṃ vāva śreṣṭhā smo, vayam adhipatayo, ye jyeṣṭhā sma iti nājānan. sa pur etyābravīn - na vā amī taj jānanti yat tvam āttheti. sa etaṃ yajñam apaśyat. tam āharat. tenainam ayājayat. sa heṣṭvaiva sarvā mṛdho vyahata. yad vyahata, tad vighanasya vighanatvam. vi ha vai dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ hate ya evaṃ veda
Nun folgt dieser Vighana (der »Zerschläger«). Prajāpati erschuf die Götter – die Vasus, die Rudras, die Ādityas. Ihnen gab er das Opfer und diese Welten. Den Vasus gab er eben die Morgenpressung, den Rudras die Mittagspressung, den Ādityas die dritte Pressung. Den Vasus gab er eben diese Welt, den Rudras die Mittelwelt, den Ādityas jene Welt. Dann erschuf er Indra. Dieser sah all dies bereits unter ihnen aufgeteilt. Er sprach: »Da all dies bereits unter ihnen aufgeteilt ist, wozu hast du mich dann erschaffen?« »Dich habe ich zu deren Vorrang und Oberherrschaft erschaffen«, sagte er. »Wie könnte ich denn ihr Höchster und Oberherr werden?« »Geh zu ihnen und sag ihnen: Prajāpati hat mich zu eurem Vorrang und eurer Oberherrschaft erschaffen!«, sagte er. Er ging hin und sprach: »Prajāpati hat mich zu eurem Vorrang und eurer Oberherrschaft erschaffen!« Sie sagten: »Wir selbst sind ja die Höchsten, wir die Oberherren!« – da sie ihn als den Vorrangigen nicht anerkannten. Er ging zurück und sprach: »Diese wissen ja nicht, was du sagst!« Er erblickte dieses Opfer. Er holte es herbei. Damit ließ er ihn opfern. Er zerschlug, sogleich nach dem Opfern, alle Widersacher. Dass er sie zerschlug, das ist der Grund für die Bezeichnung Vighana. Wer dies so weiß, zerschlägt den hassenden Rivalen.
[Anm.: Eine weitere Variante des in diesem Kāṇḍa wiederkehrenden Themas von Indras nachträglich erst zu erringendem Vorrang unter den Göttern (vgl. 2.128, 2.139), hier zugespitzt auf das Motiv, dass Prajāpati Indra zum ›Höchstenʻ bestimmt, die bereits etablierten älteren Gottheiten (Vasus, Rudras, Ādityas) diese Bestimmung aber schlicht nicht anerkennen – ein ungewöhnlich direktes Bild von Autorität, die erst durch Ritual (nicht durch bloße göttliche Verfügung) real durchgesetzt werden muss.]
taṃ vijigyānaṃ sarve devā abhitas samantaṃ paryaviśan - vasavaḥ purastād, rudrā dakṣiṇata, ādityāḥ paścān, maruta uttarato, viśve devā upariṣṭāt, sādhyāś cāptyāś cādhastād, abhito ’ṅgirasaḥ. eṣā vai daivī śrīr daivī sabhā daivī saṃsat. gacchati ha vā etāṃ daivīṃ śriyaṃ daivīṃ sabhāṃ daivīṃ saṃsadaṃ ya evaṃ veda. sa vā eṣa ṣaḍ bṛhatīr abhisaṃpadyate. ṣaḍ vā ṛtavas saṃvatsaraśrīḥ. śriyāṃ vāvainaṃ tad adhyauhat. sa eṣa ṛtuṣu ca saṃvatsare caitasyāṃ śriyām adhyūḍhas tapati. tasya pratnaṃ pīyūṣaṃ pūrvaṃ yad ukthyam ity etāḥ satobṛhatayo bhavanti gāyatrī bhājanam. brahma vai gāyatrī. kṣatraṃ bṛhatī. brahmaiva tad yaśasānakti. brahmaṇo ’sya ta(t) sataḥ kṣatrasyeva prakāśo bhavati ya evaṃ veda
Um ihn, den Sieger, setzten sich alle Götter ringsum: die Vasus im Osten, die Rudras im Süden, die Ādityas im Westen, die Maruts im Norden, die Viśvedevas oben, die Sādhyas und Āptyas unten, ringsum die Aṅgiras. Dies ist die göttliche Herrlichkeit, die göttliche Versammlungshalle, die göttliche Ratsversammlung. Wer dies so weiß, gelangt zu dieser göttlichen Herrlichkeit, göttlichen Versammlungshalle, göttlichen Ratsversammlung.
Dieser Ritus besteht aus sechs Bṛhatī-Versen. Sechs nämlich sind die Jahreszeiten, die Herrlichkeit des Jahres. Damit fügte er sich eben in die Herrlichkeiten ein. Dieser, in den Jahreszeiten und im Jahr, in diese Herrlichkeit eingefügt, leuchtet. Bei ihm stehen »Pratnaṃ pīyūṣaṃ pūrvam ukthyam« (»Der uralte, erste Rahmtrank, der preiswürdige«) als die Satobṛhatī-Verse; das Gāyatrī ist dabei der zugeteilte Anteil. Die heilige Kraft nämlich ist das Gāyatrī, die Herrschermacht ist das Bṛhatī. Damit salbt eben die heilige Kraft die Herrschermacht mit Ruhm. Wer dies so weiß, dessen Herrschermacht erhält gleichsam durch die vorhandene heilige Kraft ihren Glanz.
[Anm.: Die räumliche Anordnung der Götter um den siegreichen Indra – Vasus Ost, Rudras Süd, Ādityas West, Maruts Nord, Viśvedevas oben, Sādhyas/Āptyas unten, ringsum die Aṅgiras – zeichnet das Bild einer vollständigen kosmischen Ratsversammlung (daivī sabhā, daivī saṃsat) und gehört zu den seltenen expliziten vedischen Beschreibungen einer solchen göttlichen Sitzordnung, die spätere Vorstellungen von Götterversammlungen (etwa in Epos und Purāṇas) vorwegnimmt.]
tāsu vyatiṣaktāsu stuvanti - vyatiṣaktād vai mithunāt prajāḥ paśavaḥ prajāyante - prajātyā eva. atho vyatiṣakto vai puruṣaḥ. pāpmabhir vyatiṣaktābhir eva tad vyatiṣaktān pāpmano ’pahate. tāsu gāyatram uktabrāhmaṇam. athāmahīyavam uktabrāhmaṇam. atha sauparṇam uktabrāhmaṇam. atha satrāsāhīyaṃ vijityai. satrā tam abhiṣahā taṃ yo ’syābhiṣaṃ hyo ’sad iti. athotsedhaniṣedhau pāpavasyasasyaivotsiddhyai ca niṣiddhyai ca. atha viśoviśīyaṃ ca sadoviśīyaṃ ca. viśoviśīyena vā indro devān abhyārohat. tān sadoviśam ity eva sadoviśīyena viśam akuruta. athaitās triṣṭubho bhavanti. tāsu brahmasāma. brahma vai brahmasāma. kṣatraṃ triṣṭup. yajamānakāmo vā eṣa yad brahmasāma. sva eva tad āyatane yajamānaṃ kāmais samṛddhayanti
Bei diesen, verschränkt, singen sie den Stotra-Gesang – aus dem verschränkten Paar nämlich werden Nachkommen und Vieh gezeugt –, eben durch Zeugung. Ferner ist der Mensch selbst verschränkt. Mit den verschränkten Versen schlägt er eben die mit ihm verschränkten Übel fort. Bei diesen steht das Gāyatra als das im Brāhmaṇa genannte Sāman. Ferner das Māhīyava als das im Brāhmaṇa genannte. Ferner das Saupara als das im Brāhmaṇa genannte. Ferner das Satrāsāhīya zum Sieg: »Überwältige gänzlich den, der ihm zuvor ein Bezwinger war!« Ferner das Utsedha- und das Niṣedha-Paar, für den, der schlechter dran ist, zum Aufstieg und zur Niederhaltung des Rivalen. Ferner das Viśoviśīya und das Sadoviśīya. Mit dem Viśoviśīya bestieg Indra die Götter. Mit dem Sadoviśīya machte er sie zu Sadoviśa.
Ferner sind dies Triṣṭubh-Verse. Bei diesen steht das Brahma-Sāman. Die heilige Kraft nämlich ist das Brahma-Sāman, die Herrschermacht ist das Triṣṭubh. Dieses Brahma-Sāman erfüllt die Wünsche des Opferherrn; eben an seinem eigenen Ort statten sie damit den Opferherrn mit der Erfüllung seiner Wünsche aus.
[Anm.: Dieser technische Abschnitt reiht eine Serie einzelner, im Brāhmaṇa-Text genannter Sāman-Namen (Gāyatra, Māhīyava, Saupara, Satrāsāhīya, Utsedha/Niṣedha, Viśoviśīya/Sadoviśīya) mit knappen Deutungen; die genaue Wortbildung und Etymologie einiger dieser seltenen Namen (insbesondere Sadoviśīya als vermeintlich von ›sadoviśʻ abgeleitet) bleibt unsicher.]
tāḥ padabrāhmaṇā bhavanti. tad id āsa bhuvaneṣu jyeṣṭham iti prajāpatir hi saḥ. prajāpatir hy eṣa bhuvaneṣu jyeṣṭhaḥ. yato jajña ugras tveṣanṛmṇa iti indro hi saḥ. sadyo jajñāno ni riṇāti śatrūn iti sadyo hy eva sa jajñānas sarvā mṛdho vyahata. anu yaṃ viśve madanty ūmā ity ṛtavo vā ūmās - ta evainaṃ tad anumadanti. vāvṛdhānaś śavasā bhūryojāś śatrur dāsāya bhiyasaṃ dadhātītīndro ha saḥ. avyanac ca vyanac ca sasni saṃ te navanta prabhṛtā madeṣv iti yac ca ha vai vyaniti, yac ca na, tat sarvam etasyaiva śriyai tat sthānam. tve kratum api vṛñjanti viśve dvir yad ete trir bhavanty ūmā iti - ṛtavo vā ūmās - ta evaite dvis trir bhavanti. svādo svādīya svādunā sṛjā sam iti prajā vai svāduḥ prajāyai yā prajā sā svādo svādu. adaḥ su madhu madhunābhi yodhīr iti prajā vai madhu prajāyai yā prajā sā madhor madhu. api ha prajāyai prajāṃ paśyate ya evaṃ veda. tāsu śyaitam uktabrāhmaṇam
Diese sind mit Einzelwort-Erklärungen versehen. »Tad id āsa bhuvaneṣu jyeṣṭham« (»Eben das war das Älteste unter den Wesen«) – denn dieser, von dem die Rede ist, ist Prajāpati; Prajāpati nämlich ist der Älteste unter den Wesen. »Yato jajñe ugras tveṣanṛmṇaḥ« (»Von wo der Gewaltige, von leuchtender Manneskraft, geboren wurde«) – denn dieser ist Indra. »Sadyo jajñāno ni riṇāti śatrūn« (»Sogleich geboren, vernichtet er die Feinde«) – denn sogleich nach seiner Geburt zerschlug er alle Widersacher. »Anu yaṃ viśve madanty ūmāḥ« (»Dem alle Helfer zujubeln«) – die Jahreszeiten nämlich sind die Helfer; eben diese jubeln ihm zu. »Vāvṛdhānaḥ śavasā bhūryojāḥ śatrur dāsāya bhiyasaṃ dadhāti« (»Erstarkt an Kraft, reich an Stärke, der Feind, flößt er dem Dāsa Furcht ein«) – denn dieser ist Indra. Was durchdringt und was nicht durchdringt – dies alles ist eben dieser seiner Herrlichkeit Bestand. »Tve kratum api vṛñjanti viśve, dvir yad ete trir bhavanty ūmāḥ« (»In dir vereinigen sich alle Einsichtskräfte, da diese Helfer zweifach, dreifach werden«) – die Jahreszeiten nämlich sind die Helfer – eben diese werden zweifach, dreifach. »Svādoḥ svādīyaḥ svādunā sṛja sam« (»Süßer als der Süße, verbinde dich mit dem Süßen«) – Nachkommenschaft nämlich ist das Süße; welche Nachkommenschaft der Nachkommenschaft entstammt, die ist süßer als das Süße. »Adaḥ su madhu madhunābhi yodhīḥ« (»Jenen Honig sollst du wohl mit Honig bekämpfen«) – Nachkommenschaft nämlich ist der Honig; welche Nachkommenschaft der Nachkommenschaft entstammt, die ist der Honig des Honigs. Wer dies so weiß, sieht fürwahr Nachkommenschaft für seine Nachkommenschaft entstehen. Bei diesen steht das Śyaita als das im Brāhmaṇa genannte Sāman.
[Anm.: Die zitierte Versfolge, beginnend mit »tad id āsa bhuvaneṣu jyeṣṭham … yato jajñe ugras tveṣanṛmṇaḥ«, entspricht dem aus Ṛgveda 1,61 (einem Indra-Hymnus des Nodhas Gautama) bekannten Wortlaut; eine durchgehend sichere Zuordnung jeder einzelnen zitierten Zeile zu genau dieser Stelle lässt sich hier jedoch nicht mit letzter Gewissheit treffen, da das Jaiminīya-Brāhmaṇa oft nur Stichworte (pratīka) ganzer, andernorts vollständig überlieferter Verse anführt. Das abschließende Bildpaar – Nachkommenschaft als ›das Süßeʻ bzw. ›der Honigʻ, deren eigene Nachkommenschaft wiederum ›süßer als süßʻ bzw. ›der Honig des Honigsʻ ist – veranschaulicht die vedische Vorstellung von Generationenfolge als stetiger Steigerung.]
athaitāni gonāmāmi bhavanti - paśavo vai gonāmāni - paśūnām evāvaruddhyai. ekapadā prathamā bhavati, tripade uttare dve. tāni saptapadāni saṃpadyante. saptapadā vai śakvaryaḥ. śākvarāḥ paśavaḥ. abhipūrvāṇām eva paśūnām avaruddhyai. tad āhur apāvamānyo na pavamāne kāryā iti. tad u vā āhuḥ - pāvamānya evāmuṣya vā etāś candramasa ṛcaḥ. eṣa vai pavamāna, eṣa somo rājā. tasmāt kāryā eveti. sumanmā vasvī rantī sūnarī surūpa vṛṣann ā gahi. imau bhadrau dhuryāv abhi tāv imā upasarpataḥ. nīva śīrṣāṇi mṛḍhvaṃ madhya āpasyati. śṛṃgebhir daśabhir diśan. iti ye ha vā eta ādityasya raśmaya etāni ha vā etasya śṛṃgāṇi. madhya u ha vā eṣa etat apām. tāsu vāravantīyam. yad anena karmaṇāvārutsmahi, tan no vāravantīyena vāritam antata upatiṣṭhātā iti. tad u vā āhur yad vāvānyā vāṅ nātivadati tad etasyāhno ’gniṣṭomasāma kāryam. yajñāyajñīyaṃ vāvānyā vāṅ nātivadati. vāg vai yajñāyajñīyam. kuto hi vāg vācam ativadiṣyati. tasmād etasyāhno yajñāyajñīyam evāgniṣṭomasāma kāryam iti
Ferner sind dies die »Kuh-benannten« Verse – Vieh nämlich sind die Kuh-Namen –, eben zur Erlangung von Vieh. Der erste Vers hat ein Versglied, die beiden folgenden je drei. Diese ergeben zusammen sieben Versglieder. Siebengliedrig nämlich sind die Śakvarī-Verse. Śākvarisch ist das Vieh. Eben zur Erlangung von stetig zunehmendem Vieh. Dazu sagen sie: Nicht-Pavamāna-Verse seien beim Pavamāna nicht zu verwenden. Andere wiederum sagen: Es sind eben Pavamāna-Verse, diese Verse jenes Mondes; dieser Mond nämlich ist der Pavamāna, dieser ist König Soma. Deshalb seien sie eben zu verwenden.
»Sumanmā vasvī rantī sūnarī surūpa vṛṣann ā gahi« (»Mit gutem Sinn, gütig, erfreuend, herrlich, schöngestaltig, o Bulle, komm herbei«). »Imau bhadrau dhuryāv« – »abhi tāv imā upasarpataḥ« (»Diesen beiden guten Zugtieren nähern sich diese«). »Nīva śīrṣāṇi mṛḍhvam« – »madhya āpasyati« (»Wie die Häupter erweichend, erblickt er in der Mitte die Gewässer«). »Śṛṃgebhir daśabhir diśan« (»mit den zehn Hörnern die Richtungen weisend«) – diese nämlich sind die Strahlen der Sonne, diese eben sind ihre »Hörner«. Sie aber ist die Mitte dieser Gewässer. Bei diesen steht das Vāravantīya: »Was wir durch dieses Werk zurückgehalten haben, das möge uns, durch das Vāravantīya zurückgehalten, bis ans Ende nahe bleiben!«
Andere wiederum sagen: Weil keine andere Rede diese Rede übertrifft, deshalb sei dies das für diesen Tag zu verwendende Agniṣṭoma-Sāman. Keine andere Rede übertrifft nämlich das Yajñāyajñīya. Rede nämlich ist das Yajñāyajñīya. Denn wie sollte Rede die Rede übertreffen? Deshalb sei eben das Yajñāyajñīya das für diesen Tag zu verwendende Agniṣṭoma-Sāman.
[Anm.: Die zitierten Verse gehören zum Typus der im Jaiminīya-Brāhmaṇa häufigen knappen, stichwortartigen Zitate (pratīka) sonst vollständig überlieferter Ṛcs; ihre genaue vollständige Gestalt und Herkunft lässt sich aus dem hier gebotenen fragmentarischen Wortlaut nicht mit Sicherheit rekonstruieren. Die Deutung der ›zehn Hörnerʻ als Sonnenstrahlen und der Sonne als ›Mitte der Gewässerʻ reiht sich in die vedische Symbolik der Sonne als kosmischem Bezugspunkt ein. Das abschließende Argument – keine Rede übertreffe das Yajñāyajñīya, weil Rede die Rede nicht übertreffen könne – ist ein selbstbezügliches Wortspiel, das die Vorrangstellung dieses Sāmans sprachphilosophisch begründet.]
athaiṣa vaiśvadevaḥ. prajananakāmo haitena yajeta. prajāpatir vā akāmayata - bahuḥ prajayā paśubhiḥ prajāyeya, vaiśvadevīḥ prajās sṛjeyeti. sa etaṃ yajñam apaśyat. tam āharat. tenāyajata. tato vai sa bahuḥ prajayā paśubhiḥ prajāyata, vaiśvadevīḥ prajā asṛjata. sa yat kāmayeta bahuḥ prajayā paśubhiḥ prajāyeya, vaiśvadevīḥ prajās sṛjeyeti, sa etena yajeta. bahur eva prajayā paśubhiḥ prajāyate, vaiśvadevīḥ prajās sṛjate. tad yad eṣa vaiśvadevo bhavati vaiśvadevīnām eva prajānāṃ sṛṣṭyai. sa sarva eva vaiśvadevīṣu bhavati vaiśvadevīnām eva prajānāṃ prajātyai. sa trivṛd bhavati - nyūnaṃ vai trivṛt. nyūnaṃ prajananam - tad yat prajananaṃ tan mā prajanayād iti. tasya rathantaraṃ pṛṣṭhaṃ bhavati - prajananaṃ vai rathantaraṃ - tad yat prajananaṃ tan mā prajanayād iti. sa ukthyo bhavati - prajā vai paśava ukthāni. prajā vai paśavaḥ prajananaṃ - tad yat prajananaṃ tan mā prajanayād iti
Nun folgt dieser Vaiśvadeva (der »Allgötter-Ritus«). Wer sich nach Zeugung sehnt, opfere mit diesem. Prajāpati wünschte sich: »Möge ich reich an Nachkommenschaft und Vieh werden, möge ich allgöttliche Geschöpfe hervorbringen!« Er erblickte dieses Opfer. Er holte es herbei. Er opferte damit. Daraufhin wurde er reich an Nachkommenschaft und Vieh, und er brachte allgöttliche Geschöpfe hervor. Wer sich wünscht: »Möge ich reich an Nachkommenschaft und Vieh werden, möge ich allgöttliche Geschöpfe hervorbringen!«, der opfere mit diesem. Er wird reich an Nachkommenschaft und Vieh, er bringt allgöttliche Geschöpfe hervor. Dass dies ein Vaiśvadeva-Ritus ist, das dient eben der Hervorbringung allgöttlicher Geschöpfe. Er besteht ganz und gar aus Vaiśvadeva-Versen, eben zur Zeugung allgöttlicher Geschöpfe. Er hat den Trivṛt – der Trivṛt nämlich ist das Geringere. Das Geringere ist Zeugung. »Was die Zeugung ist, das möge mich zeugen!« Zu ihm gehört das Rathantara-Pṛṣṭha – Zeugung nämlich ist das Rathantara. »Was die Zeugung ist, das möge mich zeugen!« Er ist ein Ukthya – Nachkommenschaft und Vieh nämlich sind die Ukthas. Nachkommenschaft und Vieh sind Zeugung. »Was die Zeugung ist, das möge mich zeugen!«
[Anm.: Der Vaiśvadeva folgt exakt dem in 2.108 (Manustoma) etablierten Formelmuster für Zeugungsriten, hier jedoch auf ›allgöttlicheʻ (vaiśvadevī) statt ›menschlicheʻ (mānavī) Nachkommenschaft bezogen; bezeichnend ist die Deutung des Trivṛt als das ›Geringereʻ (nyūna), das gerade wegen seiner Kleinheit/Einfachheit mit dem Beginn neuen Lebens (Zeugung) assoziiert wird.]
atho āhus saptadaśa eva syād iti - prajāpatir vai saptadaśaḥ. prajāpatiḥ prajananaṃ - sa yaḥ prajananaṃ sa mā prajanayād iti. atho āhus triṇava eva syād iti. trayo ha te trivṛtaḥ. nyūnaṃ vai trivṛt. nyūnaṃ prajananam. tad yat prajananaṃ tan mā prajanayād iti. atho āhus trayastriṃśa eva syād iti. prajāpatir vai trayastriṃśaḥ. prajāpatiḥ prajananam. sa yaḥ prajananaṃ sa mā prajanayād iti. tad u vā āhus saptadaśa eva syāt. eṣa ha vāva prajāpatir yat saptadaśaḥ. tasmāt saptadaśa eva syād iti. sa u eva trivṛtaṃ ca stomaṃ gāyatrīṃ ca chando ’bhisaṃpadyate. etad vai daivyaṃmithunaṃ prajananaṃ yat trivṛc ca stomo gāyatrī ca chandaḥ. tad yad daivyaṃ mithunaṃ prajananaṃ tan mā prajanayād iti. sa ukthyo bhavati - viḍ vā ukthāni - vaiśvadevīnām eva prajānāṃ prajātyai. sa haiṣa bhūr eva nāma yajñakratuḥ. etena ha vai yajñeneṣṭvā prajāpatir abhavat. yad abhavat tasmād bhūḥ. bhavati ya evaṃ veda. sa vā eṣa vaiśyasyeva yajño, brāhmaṇasyāgniṣṭud, rājanyasyendrastomaḥ. yarhi vā etair evaṃ vyākṛtair ījire, proktā ha sma manuṣyā vijñāyante. brāhmaṇo vadati, rājanyo vadati, vaiśyo vadatīti. atha yad idam etarhi yathopavādam etair yajante tato ha nāproktā vijñāyante
Ferner sagen sie: Er solle eben Saptadaśa sein – Prajāpati nämlich ist der Saptadaśa. Prajāpati ist Zeugung. »Wer die Zeugung ist, der möge mich zeugen!« Ferner sagen sie: Er solle eben Triṇava sein. Drei nämlich sind dabei die Trivṛts. Der Trivṛt nämlich ist das Geringere. Das Geringere ist Zeugung. »Was die Zeugung ist, das möge mich zeugen!« Ferner sagen sie: Er solle eben Trayastriṃśa sein. Prajāpati nämlich ist der Trayastriṃśa. Prajāpati ist Zeugung. »Wer die Zeugung ist, der möge mich zeugen!« Andere wiederum sagen: Er solle eben Saptadaśa sein. Eben dieser Saptadaśa ist ja Prajāpati. Deshalb solle er eben Saptadaśa sein. Dieser Ritus setzt sich zugleich aus dem Trivṛt-Stoma und dem Gāyatrī-Versmaß zusammen. Dies nämlich ist das göttliche Zeugungspaar: der Trivṛt-Stoma und das Gāyatrī-Versmaß. »Was das göttliche Zeugungspaar ist, das möge mich zeugen!«
Er ist ein Ukthya – der Vaiśya-Stand nämlich sind die Ukthas –, eben zur Zeugung allgöttlicher Geschöpfe. Dieser Opfer-Kratus trägt eben den Namen »Bhūḥ« (»Werden«). Mit eben diesem Opfer, nachdem er geopfert hatte, »wurde« Prajāpati. Weil er »wurde« (abhavat), daher der Name Bhūḥ. Wer dies so weiß, gedeiht.
Dieses ist nämlich gleichsam das Opfer des Vaiśya, wie der Agniṣṭut das des Brahmanen, der Indrastoma das des Adligen ist. Als man einst mit diesen Opfern, derart je nach Stand unterschieden, opferte, da wurden die Menschen als ihrem Stand gemäß Kenntliche erkannt: »Der Brahmane spricht so, der Adlige spricht so, der Vaiśya spricht so«, sagte man. Da man aber heutzutage mit diesen Opfern nach eigenem Belieben opfert, werden sie seither nicht mehr als solche Kenntliche erkannt.
[Anm.: Der Schluss dieses Abschnitts ist ein bemerkenswertes Stück ausdrücklicher Selbst-Historisierung: Die drei Riten Vaiśvadeva (Vaiśya), Agniṣṭut (Brahmane) und Indrastoma (Kṣatriya) galten einst als so eng an den jeweiligen Stand gebunden, dass Menschen allein an ihrer charakteristischen ›Redeweiseʻ (vadana) ihrem Stand nach erkennbar waren; der Text konstatiert ausdrücklich, dass dies ›heutzutageʻ (etarhi), da man nach eigenem Belieben (yathopavādam) statt nach Standeszugehörigkeit opfert, nicht mehr der Fall sei. Diese seltene, direkte Aussage über einen wahrgenommenen Wandel der eigenen rituellen Gegenwart gegenüber einer idealisierten Vorzeit ist ein wertvolles Zeugnis vedischen Geschichtsbewusstseins.]
athaiṣa upahavyaḥ. prajāpatiḥ prajā asṛjata. tāsāṃ sṛṣṭānāṃ nāvenvo eva prajā aviduḥ prajāpatir no ’sṛṣṭeti. sa aikṣata kathaṃ nv imā ahaṃ prajās sṛjeya tāsāṃ sṛṣṭānāṃ na vidyāma iti. sa etaṃ yajñam apaśyat. tam āharat. tenāyajata. tato ’nenaiva tā upāhvayata. yad upāhvayata tad upahavyasyopahavyatvam. sa saptadaśo ’niruktāsu bhavati. yathā ha vai vanā kakṣā evaṃ saptadaśo ’niruktāsu. sa yathā vanāt kakṣāt parītyārbhaved evam evaitābhir dṛṣṭavatībhir āvirbabhūva. yad ādarśi gātuvittama ity etāsu dṛṣṭavatīṣv agniṣṭomasāma bhavati. tato vai taṃ tā avidur asya vai vayaṃ smo ’yaṃ vāsmākam āseti. atho hābhyo ’nnam eva bhūto dadṛśe. tā enam annakāśinīḥ prajā abhyupāvavṛdhuḥ. tad yasmād rājanyād viśo ’pakrāmeyur brāhmaṇād vā sa jātās sa etena yajeta. tasminn ṛtvija upahvayeta. etā u ha vai yajamānasya viśo yad ṛtvijaḥ
Nun folgt dieser Upahavya (der »Herbeigerufene«). Prajāpati erschuf die Geschöpfe. Diese Geschöpfe wussten, kaum erschaffen, nicht: »Prajāpati hat uns erschaffen!« Er überlegte: »Wie soll ich diese Geschöpfe denn erschaffen haben, wenn wir von ihnen, den Erschaffenen, nicht erkannt werden?« Er erblickte dieses Opfer. Er holte es herbei. Er opferte damit. Daraufhin rief er sie eben mit diesem herbei. Dass er sie herbeirief, das ist der Grund für die Bezeichnung Upahavya.
Er hat den Saptadaśa bei den nicht ausdrücklich gedeuteten Versen. Wie Wälder und Dickicht, so ist der Saptadaśa bei den unerklärten Versen. Wie man aus Wald und Dickicht heraustritt, ebenso trat er mit diesen »sehenden« Versen offen zutage. »Yad ādarśi gātuvittama« (»Als er sichtbar wurde, o bester Wegfinder«) – bei diesen »sehenden« Versen steht das Agniṣṭoma-Sāman. Daraufhin erkannten sie ihn: »Wir gehören ja zu ihm, und er gehört zu uns.« Ferner erschien er ihnen, zur Speise geworden. Diese Geschöpfe, nach Speise verlangend, wuchsen ihm zu. Von wem, sei es ein Adliger oder ein Brahmane, die Untertanen abzuwandern drohen, der opfere mit diesem. Bei diesem Opfer rufe man die Priester herbei. Denn diese, die Priester, sind ja des Opferherrn Untertanen.
[Anm.: Der Upahavya (das ›Herbeigerufeneʻ) verknüpft eine Schöpfungserzählung – die erschaffenen Geschöpfe erkennen ihren Schöpfer zunächst nicht – mit der politischen Anwendung auf abwanderungswillige Untertanen. Bezeichnend ist das doppelte Bild vom Herbeirufen: zuerst tritt Prajāpati aus dem Dunkel des ›Waldesʻ (der ungedeuteten Verse) hervor und wird als Nahrung erkannt, wodurch die Geschöpfe ihm zuwachsen; danach werden ausdrücklich die Priester mit den Untertanen des Opferherrn gleichgesetzt.]
tasya rathantaraṃ pṛṣṭhaṃ bhavati. annaṃ vai rathantaram. atho hāsmin bahv eva pakvānnaṃ dadyāt. tā enam annakāśinīḥ prajā abhyupāvartante. prajāpatir yajñam asṛjata. taṃ devebhyaḥ prāyacchat. sa yajñaṃ pradāya riricāno ’manyata. sa aikṣata kathaṃ nva aham imaṃ yajñaṃ punar upahvaya iti. sa etenaiva yajñenāyajata. tenainaṃ punar upāhvayata. yad upāhvayata tad v evopahavyasyopahavyatvam. tad yaṃ sakṛdiṣṭinaṃ yajño nopanamet, sa etena yajeta. apakrānto ha vā etasmād yajño bhavati. yaṃ sakṛdiṣṭinaṃ yajño nopanamty, etena haivainaṃ punar upahvayate. upa hainaṃ yajño namati ya evaṃ veda
Zu ihm gehört das Rathantara-Pṛṣṭha. Speise nämlich ist das Rathantara. Ferner soll man bei diesem reichlich gekochte Speise darbringen. Diese, nach Speise verlangenden Geschöpfe, kehren zu ihm zurück.
Prajāpati erschuf das Opfer. Er gab es den Göttern. Nachdem er das Opfer weggegeben hatte, fühlte er sich beraubt. Er überlegte: »Wie nur könnte ich dieses Opfer wieder herbeirufen?« Er opferte eben mit diesem Opfer. Damit rief er es sich wieder herbei. Dass er es herbeirief, das ist wiederum der Grund für die Bezeichnung Upahavya. Wem, obwohl er nur einmal geopfert hat, das Opferwesen sich nicht von selbst zuneigt, der opfere mit diesem. Von diesem ist nämlich das Opferwesen abgewichen. Wem, obwohl er nur einmal geopfert hat, das Opfer sich nicht zuneigt, den ruft man eben damit wieder herbei. Wer dies so weiß, dem neigt sich das Opfer zu.
[Anm.: Zweite Anwendung desselben Upahavya-Rituals: Nachdem Prajāpati das Opfer an die Götter verschenkt hat, fühlt er sich ›beraubtʻ (riricāna) und muss es sich mit demselben Ritus zurückrufen – ein Motiv, das die enge, fast besitzrechtliche Bindung zwischen dem Opfernden und ›seinemʻ Opfer(swesen) veranschaulicht und auf jeden übertragen wird, dessen einmalige Opferhandlung keine dauerhafte Wirkung entfaltet.]
dvayā u ha vā agre prājāpatyā āsur devāś caivāsurāś ca. tato hābhirādhayattarā iva devā āsur anabhirādhayattarā ivāsurāḥ. sa prajāpatir akāmayata devā eva syuḥ, parāsurā bhaveyur iti. sa etaṃ yajñam apaśyat. tam āharat. tenāyajata. tasmin devān upāhvayata. athāsurān dīrghavaṃśenāntaragṛhṇāt. tato vai devā abhavan, parāsurāḥ. bhavaty ātmanā, parāsya dviṣan bhrātṛvyo bhavati ya evaṃ veda. sa yo bhrātṛvyavān syād yo ’bhicared ya spardheta sa etena yajeta. tad ye ’sya prati kāmīnā ivartvija syus tān upāhvayeta. athetarān dīrghavaṃśenāntargṛhṇīyāt. teṣām evānupahavam anu dviṣann asya bhrātṛvyaḥ parābhavati, śriyam ātmanāśnute
Zweierlei waren anfangs die Prajāpati-Geschöpfe: sowohl Götter als auch Asuras. Davon waren die Götter gleichsam die eher Gedeihenden, die Asuras die eher nicht Gedeihenden. Prajāpati wünschte sich: »Mögen die Götter bestehen bleiben, mögen die Asuras unterliegen!« Er erblickte dieses Opfer. Er holte es herbei. Er opferte damit. Bei diesem rief er die Götter herbei. Die Asuras aber hielt er mit einem langen Bambusstab ab. Daraufhin bestanden die Götter, die Asuras unterlagen. Wer dies so weiß, besteht selbst, und sein hassender Rivale unterliegt.
Wer einen Rivalen hat, wer Zaubermittel einsetzt, wer wetteifert, der opfere mit diesem. Diejenigen Priester, die ihm wohlgesinnt sind, die rufe er herbei. Die anderen aber halte er mit einem langen Bambusstab ab. Entsprechend deren Nicht-Herbeirufung unterliegt sein hassender Rivale, und er selbst erlangt Glanz und Fülle.
[Anm.: Dritte Anwendung des Upahavya: Die ursprüngliche Scheidung von Göttern und Asuras als zwei Arten von Prajāpatis Geschöpfen – erstere gedeihlicher, letztere weniger – wird hier durch aktives Herbeirufen der einen und Aussperren der anderen (mit einem langen Bambusstab) entschieden; die praktische Übertragung, wohlgesinnte Priester herbeizurufen und andere auszuschließen, macht aus dem Mythos eine konkrete Anleitung zur rituellen Bevorzugung von Verbündeten.]
athaiṣa tīvrasomaḥ. prajākāmo haitena yajeta. tanur iva ha vā eṣa yo ’prajaḥ. prajayo ha vai puruṣas tīvro bahulaḥ. prajayā tīvro bahulo ’sānīti. atho āhuḥ paśukāma evainena yajeteti. tanur iva ha vā eṣa yo ’paśuḥ. paśubhir ha vai puruṣas tīvro bahulaḥ. paśubhistīvro bahulo ’sānīti. sa saptadaśo bhavati. eṣa ha vai tīvro bahulo yat saptadaśaḥ. prajayā paśubhis tīvro bahulo ’sānīti. tasyobhe bṛhadrathantare sāmanī bhavataḥ. ete ha vai tīvre bahule yad ubhe bṛhadrathantare. prajayā paśubhis tīvro bahulo ’sānīti. tasya vaḍavā garbhiṇī dakṣiṇā bhavati. eṣā ha vai tīvrā bahulā yad vaḍavā. tīvrā tena bahulā yad garbhiṇī. tīvrā tena bahulā yad ubhayatodatī. tīvrā tena bahulā yad ekā satī bahvīr gā arhati. prajayā paśubhis tīvro bahulo ’sānīti. atho āhur dhenuśatam evāsya nānāvatsaṃ dakṣiṇā syād iti. etad dha vai tīvraṃ bahulaṃ yad dhenuśatam. tīvraṃ tena bahulaṃ yac chatam. tīvraṃ tena bahulam yad asya payaḥ. tīvraṃ tena bahulaṃ yad asya śataṃ vatsāḥ. prajayā paśubhis tīvro bahulo ’sānīti
Nun folgt dieser Tīvrasoma (der »starke Soma«). Wer sich nach Nachkommenschaft sehnt, opfere mit diesem. Gleichsam dünn ist ja der, der ohne Nachkommen ist. Durch Nachkommenschaft nämlich wird der Mensch stark und reichlich, in der Absicht: »Durch Nachkommenschaft möge ich stark und reichlich werden!« Ferner sagen sie: Eben wer sich nach Vieh sehnt, opfere mit diesem. Gleichsam dünn ist ja der, der ohne Vieh ist. Durch Vieh nämlich wird der Mensch stark und reichlich: »Durch Vieh möge ich stark und reichlich werden!«
Er hat den Saptadaśa. Dieser Saptadaśa nämlich ist stark und reichlich: »Durch Nachkommenschaft und Vieh möge ich stark und reichlich werden!« Zu ihm gehören die beiden Sāmans Bṛhat und Rathantara. Diese beiden sind nämlich stark und reichlich: »Durch Nachkommenschaft und Vieh möge ich stark und reichlich werden!«
Zu ihm gehört eine trächtige Stute als Dakṣiṇā. Diese Stute nämlich ist schon für sich stark und reichlich. Stark und reichlich ist sie dadurch, dass sie trächtig ist. Stark und reichlich ist sie dadurch, dass sie auf beiden Kieferseiten Zähne hat. Stark und reichlich ist sie dadurch, dass sie, obwohl nur eine, viele Rinder wert ist: »Durch Nachkommenschaft und Vieh möge ich stark und reichlich werden!« Ferner sagen sie: Hundert Milchkühe mit verschiedenartigen Kälbern sollen seine Dakṣiṇā sein. Dies, die hundert Milchkühe, ist nämlich stark und reichlich. Stark und reichlich ist es dadurch, dass es hundert sind. Stark und reichlich ist es dadurch, dass es deren Milch gibt. Stark und reichlich ist es dadurch, dass es deren hundert Kälber gibt: »Durch Nachkommenschaft und Vieh möge ich stark und reichlich werden!«
[Anm.: Der ganze Abschnitt ist um das Begriffspaar tīvra/bahula (›starkʻ/›reichlichʻ, wörtlich ›dichtʻ) herum aufgebaut, das schichtweise auf jedes Element des Ritus angewandt wird. Die Dakṣiṇā-Stute wird dabei mehrfach ›gestaffeltʻ als stark und reichlich begründet – trächtig, zweiseitig bezahnt, allein schon mehrere Rinder wert –, wobei die zweiseitige Bezahnung ausdrücklich an die in 2.114 eingeführte zoologische Bṛhat-Klassifikation (Tiere mit Zähnen in beiden Kiefern) anknüpft.]
indro vṛtraṃ vajreṇādhyasya nāstṛṣīti manyamānaḥ parāṃ parāvatam agacchat. taṃ devā anvaicchan. taṃ nānvavindan. te ’bruvann abhiṣuṇavāmaiva. tata āgamiṣyatīti. te ’bhyaṣuṇvan. teṣāṃ ha sarvam eva prātassavanaṃ nājagāma. te ha sma camasān urasy upanigrāham abhyunnayante - ned apendrasya somasya bhakṣayāmeti. sa u ha mādhyandine savana ājagāma. te hotkrodaṃ cakrire yathā śreṣṭhiny āgata utkrodaṃ kurvate tathā. tad u vā āhur acchāvākasyed vāva stotre prātassavana ājagāma. antarito vai tathā yajñād abhaviṣyad, yad acchāvākasya stotre prātassavane nāgamiṣyad iti. tasmād etasya yajñasyācchāvākasya stotre bhakṣayanti. tasmād v acchāvākāyobhāv adhvaryū pratyāgṛṇītaḥ sarve camasādhvaryavaḥ. utkrodam eva tat kurvate. tad yasmāc chrīr apakrāmet, sa etena yajeta. śrīr vai teṣāṃ sāpākrāmad yad eṣāṃ śreṣṭhy apākrāmat. tām etenaivānvindan. anu ha tāṃ śriyaṃ vindati nāsmāt sā śrīr apakrāmati ya evaṃ veda
Indra, nachdem er mit der Vajra-Waffe auf Vṛtra losgeschlagen hatte, dachte: »Ich habe ihn nicht niedergestreckt!«, und zog in die fernste Ferne fort. Die Götter suchten ihn. Sie fanden ihn nicht. Sie sagten: »Lasst uns dennoch den Soma auspressen. Er wird schon daraufhin kommen!« Sie pressten den Soma aus. Zu ihrer gesamten Morgenpressung aber kam er nicht. Da hielten sie die Camasa-Becher, an die Brust gedrückt, zurückgehalten hoch: »Auf dass wir nicht etwa Indras Soma-Anteil trinken!« Er aber kam zur Mittagspressung. Da stimmten sie einen Jubelschrei an, so wie man einen Jubelschrei anstimmt, wenn der Vorzüglichste zurückgekehrt ist.
Andere wiederum sagen: Eben beim Stotra des Acchāvāka kam er bei der Morgenpressung an. Denn ausgeschlossen vom Opfer wäre er sonst gewesen, wenn er nicht beim Stotra des Acchāvāka bei der Morgenpressung gekommen wäre. Deshalb trinken sie bei diesem Opfer beim Stotra des Acchāvāka den Indra-Anteil. Deshalb antworten dem Acchāvāka auch beide Adhvaryu-Priester zustimmend, und alle Camasa-Adhvaryus. Eben damit vollziehen sie den Jubelschrei.
Von wem die Herrlichkeit zu weichen droht, der opfere mit diesem. Deren Herrlichkeit war nämlich gewichen, als ihr Vorzüglichster von ihnen gewichen war. Diese fanden sie eben mit diesem Ritus wieder. Wer dies so weiß, findet diese Herrlichkeit wieder, und diese Herrlichkeit weicht nicht von ihm.
[Anm.: Eine ungewöhnlich menschliche Episode aus dem Vṛtra-Kampf-Mythenkreis: Nach dem Schlag mit der Vajra-Waffe zweifelt Indra selbst am Erfolg (›Ich habe ihn nicht niedergestrecktǃʻ) und flieht in die Ferne, statt seinen Sieg zu feiern; die Götter warten und halten ihm demonstrativ seinen Soma-Anteil zurück, bis er zur Mittagspressung zurückkehrt und mit einem Jubelschrei (utkroda) begrüßt wird – ein seltenes Zeugnis für Selbstzweifel als Charakterzug des sonst triumphal geschilderten Vṛtratöters. Die zweite, alternative Überlieferung verlegt seine Rückkehr auf den früheren Zeitpunkt des Acchāvāka-Stotras und erklärt damit eine noch zur Abfassungszeit bestehende liturgische Praxis (die gemeinsame Erwiderung aller Camasa-Adhvaryus).]
triśīrṣā ha vai tvāṣṭra āsa. tasya ha trīṇi mukhāny āsus somapānam ekaṃ surāpānam ekam annādanam ekam. prastauti ha smaikenaikena gāyati pratiharaty ekenāśrāvayaty ekena pratyāśrāvayaty ekena śaṃsaty ekena. sa ha smaikātyevānupari sarvaṃ yajñaṃ saṃsthāpayati. saheyadvīryāvān āsa. sa u hāsurīputra āsa. sa ha sma pratyakṣaṃ devebhyo vadati, parokṣam asurebhyaḥ. yasmā u ha vai bhūyaḥ kāmayate tasmai parokṣaṃ vadati. tasmād u hendro bibhayāṃcakāra yac cāsurīputra āsa, yad u ceyadvīryāvān āsa. sa hekṣāṃcakre - asuryo vā ayam āsurīputraḥ. sa pratyakṣam asmabhyaṃ vadati parokṣam asurebhyaḥ. hantainaṃ hanānīti
Der Dreiköpfige, der Sohn des Tvaṣṭṛ, war da. Er hatte drei Münder: einen zum Somatrinken, einen zum Surātrinken, einen zum Speiseessen. Mit jeweils nur einem Mund stimmte er das Vorlied an, sang, gab die Wechselantwort, rief zum Trunk auf, gab die Antwort auf den Aufruf, trug vor. Nacheinander, mit nur je einem einzigen Mund, vollendete er so das gesamte Opfer. So mächtig war er. Er war aber der Sohn einer Asurī. Er sprach offen zu den Göttern, aber heimlich zu den Asuras. Wem er mehr zugetan ist, dem spricht er im Verborgenen. Deshalb geriet Indra in Furcht, sowohl weil er der Sohn einer Asurī war, als auch weil er so mächtig war. Er überlegte: »Asurisch ist dieser doch, der Sohn einer Asurī. Er spricht zu uns offen, aber zu den Asuras heimlich. Wohlan, ich will ihn erschlagen!«
[Anm.: Dies ist der Auftakt zur berühmten Triśiras-Vṛtra-Mythenkette, die auch im Kataloge von Indras Freveln in 2.134 erwähnt wird. Der Dreiköpfige (auch als Viśvarūpa bekannt) verkörpert eine Ambivalenz zwischen den Ständen (seine drei Münder für Soma, Surā und Speise) und zwischen den Welten (Sohn eines Gottes, Tvaṣṭṛ, und einer Asurī); Indras Misstrauen wird explizit an der Logik festgemacht, dass, wem man Vertrauliches mitteilt, dem gilt die eigentliche Zuneigung – ein psychologisch feines Detail für die Begründung des folgenden Mordes.]
tasya ha vajreṇa śīrṣāṇi praciccheda. tāny eva vayāṃsy abhavan. tad yat somapānam āsīt sa kapiñjalo ’bhavat. tasmāt sa babhrur iva. babhrur iva hi somaḥ. atha yat surāpānam āsīt sa kalaviṃko ’bhavat. tasmāt sa matta ivāvakrandati. atha yad annādanam āsīt sa tittirir abhavat. tasmāt sa bahurūpa iva. bahurūpam iva hy annam. tasmād u tasya vṛścikaś śaṃkuliṣṭha ity etad annam. sa tvaṣṭā hataputro ’pendraṃ somam ājahre. sa indra īkṣāṃcakre - asmāc ced vai mā yajñād antarety, antarito vai tathā yajñād bhavāni, hantainaṃ hanānīti
Er schlug ihm mit der Vajra-Waffe die Köpfe ab. Diese eben wurden zu Vögeln. Der, welcher der Soma-trinkende Mund war, wurde zum Kapiñjala. Deshalb ist dieser bräunlich; denn bräunlich ist ja der Soma. Der aber, welcher der Surā-trinkende war, wurde zum Kalaviṅka. Deshalb schreit dieser wie betrunken. Der aber, welcher der Speise-essende war, wurde zum Tittiri. Deshalb ist dieser vielgestaltig; denn vielgestaltig ist ja die Speise. Deshalb ist dessen Speise der Skorpion, der im Gebüsch lebt.
Tvaṣṭṛ, dessen Sohn erschlagen war, entzog Indra den Soma. Indra überlegte: »Wenn er mich von diesem Opfer ausschließt, dann wäre ich ja vom Opfer ausgeschlossen. Wohlan, ich will ihn erschlagen!«
[Anm.: Die drei Köpfe des Triśiras werden zu drei Vogelarten, deren Aussehen bzw. Verhalten jeweils ätiologisch aus ihrer früheren Funktion erklärt wird (bräunliche Farbe vom Soma, trunkenes Geschrei von der Surā, buntes Gefieder von der Vielfalt der Speise) – ein Musterbeispiel vedischer Ätiologie, die Tiereigenschaften auf mythische Ursprungsereignisse zurückführt. Die genaue Bedeutung des dem Skorpion zugeordneten Beiworts śaṃkuliṣṭha bleibt unsicher.]
taṃ ha vajrahasto ’bhidudrāva. sa tvaṣṭā pratyaṅ patitvā patnīḥ prapede. taṃ ha tatra nānuprapede. tasmāt tvaṣṭāraṃ patnīṣu saṃyajanti. tasmād u patnīḥ prapannaṃ na hanyāt. udeyāyendraḥ. sa havirdhānayor eva droṇakalaśe somaṃ rājānaṃ saṃpavitum upeyāya. taṃ ha droṇakalaśenaiva pratidhāya pītvā pravavrāja. anūdeyāya tvaṣṭā. sa ha papraccha - asti kiṃcit pariśiṣṭā3m iti. asty ayaṃ saṃsrāva iti hocuḥ. taṃ hāgnau pravartayāṃcakārendraśatrur vardhasva svāheti. taṃ yat prāvarttayat sa eva vṛtro ’bhavat. sa vartamāna evāgnīṣomāv abhisaṃbabhūva. tasmād āhur agnīṣomāv asuryāv iti. sahasreṣu mātramūrdhvamudaditi. tato ha smānāvacchāṃ kṣitis trayīvidbhyāṃ sarvāṃ śriyaṃ sarvam annādyam api yad idaṃ trirātre sahasraṃ procyate tad abhisaṃbabhūva. tasya hedaṃ sarvaṃ balikṛd āsa. kīlālaṃ ha smāsmai nadyo vahanti. atha hābhiyugvāno nāmāṣṭau devānāṃ sahacarā āsur, aṣṭau pitṝṇām, aṣṭau manuṣyāṇām, aṣṭāv asurāṇām. teṣāṃ ha smendro māyayā ’ṣṭamo bhavati vṛtraṃ jighāṃsan. tasmād u hainam indra eva jaghāna. yad indraśatrur vardhasva svāheti pravartayāṃcakāra, atha yad dha prāvartayiṣyad indrasya śatrur vardhasva svāheti
Er, die Vajra-Waffe in der Hand, verfolgte ihn. Tvaṣṭṛ, zurückweichend, floh zu den Opfergattinnen und suchte bei ihnen Zuflucht. Dorthin folgte er ihm nicht. Deshalb weiht man dem Tvaṣṭṛ ein Opfer bei den Gattinnen. Deshalb soll man den nicht erschlagen, der zu den Gattinnen Zuflucht genommen hat.
Indra kam wieder herbei. Er ging zu den beiden Havirdhāna-Wagen und zum Droṇakalaśa-Gefäß, um König Soma vollends zu läutern. Diesen, direkt aus dem Droṇakalaśa entnehmend, trank er und zog davon. Danach kam Tvaṣṭṛ herbei. Er fragte: »Ist noch etwas übriggeblieben?« »Dieser Rücklauf ist da«, sagten sie. Diesen goss er ins Feuer: »Wachse, Indra-Feind! Svāhā!« Dieser, den er dort ausgoss, wurde eben zu Vṛtra. Er, noch im Entstehen, umfasste bereits Agni und Soma. Deshalb sagt man: Agni und Soma sind asurisch. In Tausenden erhob er sich, um dieses Maß nach oben. Von da an gehörte ihm gleichsam die ganze unversehrte Erde, alle Herrlichkeit, alle Speise und Trank – all das, was hier als »das Tausend in drei Nächten« bezeichnet wird, das hatte er umfasst. Ihm leistete dies alles Tribut. Süßtrank führten ihm die Flüsse zu.
Ferner gab es die sogenannten Abhiyugvans als Begleiter: acht der Götter, acht der Ahnen, acht der Menschen, acht der Asuras. Unter diesen wurde Indra durch Zauberkunst zum Achten, da er Vṛtra zu töten trachtete. Deshalb erschlug ihn eben Indra selbst. Dass er »Indra-Feind, wachse! Svāhā!« aussprechend die Opferspende ausgoss – hätte er hingegen ausgesprochen: »Der Feind des Indra, wachse! Svāhā!« –
[Anm.: Der Satz über ›das Tausend in drei Nächtenʻ, das Vṛtra umfasst habe, ist im Sanskrit-Original syntaktisch stark verdichtet und lässt sich nur sinngemäß, nicht wortgetreu wiedergeben. Der Abschnitt bricht mitten im berühmtesten Satz dieser ganzen Erzählung ab – der Fortsetzung in 2.156, die eine der bekanntesten Anekdoten der gesamten vedischen Grammatik-Tradition liefert: Tvaṣṭṛs Betonungsfehler bei der Erschaffung Vṛtras (vgl. die Anmerkung zu 2.156).]
śaśvad dhainaṃ nāhaniṣyat. tam ayam indraṃ somo rājā pīto anupahūto ’hinot. tasya ha sarvebhya eva chidrebhyaḥ preyāya, mukhād eva na. tasmād u ha bhiṣajya āsa. tasyedavāyoya saiva surāvāriṭakā babhūva. yac chiśnāt sā parisruk. trir niraṣṭhīvat. tad yat prathamaṃ niraṣṭhīvat tad eva karkandhv abhavad, yad dvitīyaṃ tad badaraṃ, yat tṛtīyaṃ tat kvalam. tasmād eteṣām annaṃ caiva rasāḥ khāṭkṛtya caturthaṃ niraṣṭhīvat. tad evāmram abhavat. tam evaṃ santaṃ devo abhito niṣeduḥ. ayaṃ na eko vīro ’bhūt. sa itthaṃ nyagāt. kva bhavāma iti. sa hovāca na vai vidma ya bhuvam iti. kim iti. cukṣuṣāmi vā iti. atha ha sma tataḥ purā kṣutvaiva mriyante. taṃ hocuḥ - kṣuhi, jīveti tvā vakṣyāma iti. sa ha kṣuvāva. taṃ ha jīvety ocuḥ. sa ha jijīva. tasmād idam apy etarhi cukṣvāṃsam āhur jīveti. tasmād u yam eva manyeta taṃ brūyāj jīveti. tasya yan nasta iyāya --
so hätte er ihn beständig nicht erschlagen können.
Diesen Indra machte der getrunkene, nicht ordnungsgemäß herbeigerufene König Soma krank. Er verließ ihn durch alle Körperöffnungen, nur nicht durch den Mund. Deshalb bedurfte er der Heilung. […] Was aus dem Glied kam, das wurde zum Parisruk-Löffel. Dreimal spie er aus. Was er zuerst ausspuckte, das wurde zur Karkandhu-Jujube; was er zum zweiten Mal ausspuckte, zur Badara-Jujube; was zum dritten Mal, zur Kvala-Frucht. Deshalb sind deren Fruchtfleisch und Säfte von besonderer Art; nachdem er sich geräuspert hatte, spuckte er ein viertes Mal aus. Das eben wurde zur Mango.
Um ihn, der so krank darniederlag, setzten sich die Götter ringsum. »Dieser, unser einziger Held, ist so heruntergekommen. Was sollen wir tun?« Er sagte: »Ich weiß wahrlich nicht, was ich tun soll.« »Wieso?« »Ich werde niesen müssen!« Vordem aber pflegten die Wesen eben durch das Niesen zu sterben. Sie sagten zu ihm: »Niese nur, wir werden zu dir sagen: Lebe!« Er nieste. Sie sagten zu ihm: »Lebe!« Er lebte weiter. Deshalb sagt man auch heutzutage zu einem, der geniest hat: »Lebe!« Deshalb soll man zu jedem, den man mag, sagen: »Lebe!« Was ihm aber durch die Nase entwich –
[Anm.: Dies ist eine der berühmtesten Anekdoten der vedischen Sprachwissenschaft: Der einzige Unterschied zwischen ›Indraśatruʻ (mit einer Betonung, die ›der, dessen Feind Indra istʻ bedeutet, also ein Wesen, das VON Indra besiegt werden wird) und ›indrasya śatruḥʻ (mit anderer Betonung/Fügung, die ›der Feind DES Indraʻ im Sinne von ›Indras Bezwingerʻ bedeuten würde) entscheidet über Sieg oder Niederlage: Weil Tvaṣṭṛ bei der Erschaffung Vṛtras die erste, ›falscheʻ Betonung verwendete, wurde Vṛtra – entgegen Tvaṣṭṛs Rachewunsch – selbst zum Opfer statt zum Bezwinger Indras. Dieselbe Geschichte ist auch aus dem Śatapatha-Brāhmaṇa (1,6,3) bekannt und wurde in der späteren grammatischen Tradition (Nirukta, Pāṇini-Kommentare) zum klassischen Beleg dafür, wie ein einziger falscher Akzent die Bedeutung eines Sanskrit-Kompositums – und hier sogar den Weltenlauf – umkehren kann. – Unmittelbar daran schließt sich mit der Niesen-Episode die vedische Ursprungserzählung für den bis heute in Südasien lebendigen Brauch an, einem Niesenden ›Lebe!ʻ zuzurufen: Vor diesem Ereignis, so der Mythos, starben Wesen am Niesen selbst, bis der Zuruf ›Lebeʻ dies erstmals verhinderte.]
-tāva eva siṃhyāv abhavatām. yad akṣibhyāṃ tau śārdūlau, yat karṇābhyāṃ tau vṛkau vailūṣau, yad apapakṣābhyāṃ tāv apāṣṭihau. tasmād ete vayasāṃ vīryāvattarāḥ. indro hy eteṣām ājānam. atha yad avāg iyāya tad idaṃ kṣudraṃ śvāpadaṃ babhūva. sa ha viṣiktaś śiśye. api ha tṛṇair abhivilūḍha āsa. taṃ hocuḥ kvevāsi kveva tvābhiṣajyāma iti. tasmād idam apy etarhi upatāpinaṃ pṛcchanti kveva te rujati kveva te ’bhiṣajyāma iti. sa ha tṛṇāny abhiparidiśann uvācedam ivaivam ābhito ’smīdam ivaivam ābhito ’bhiṣajyateti. tad agnim abruvann idaṃ daheti. tad agnir adahat. tat parjanyam abruvann idam abhi varṣeti. tat parjanyo ’bhyavarṣat. tat kalyāṇya oṣadhayo ’jāyanta. tā dhenūbhir ādhayan. tat payo ’duhan. ta etaṃ yajñam apaśyan. tam āharan. tenainam ayājayan. tasya pratidhuk prātassavane vānayat. pratīva vā anenādhāyīti tasmāt pratidhuk. śritaṃ mādhyaṃdine savane, śreṣṭheva vā aneneti tasmāc chritam. dadhi tṛtīyasavane, ’dhāyīva vā aneneti tasmād dadhi. sa yathā ca ha pura āsātitarāṃ ha tata āsa. sa yas somavāmī vā somātipavito vā syāt sa etena yajeta. yathā ca ha purā bhavaty atitarāṃ ha tato bhavati. tasmād u ha somavāminaṃ vā somātipāvitaṃ vā na paricakṣīta. indro hy api tathāsa
- eben diese beiden wurden zu Löwinnen. Was aus den Augen kam, das wurden die beiden Tiger; was aus den Ohren, die beiden Vailūṣa-Wölfe; was aus den Achselhöhlen, die beiden Apāṣṭiha-Tiere. Deshalb sind diese die kraftvolleren unter den Lebewesen. Indra nämlich ist ihr Ursprung. Was aber nach unten entwich, das wurde zu diesem kleinen Raubtier.
Er lag da, seiner Kräfte beraubt. Er war sogar mit Gras überwuchert. Sie sagten zu ihm: »Wo bist du denn, wo sollen wir dich behandeln?« Deshalb fragt man auch heutzutage einen Kranken: »Wo tut es dir weh, wo sollen wir dich behandeln?« Er, ringsum auf die Gräser weisend, sagte: »Hier ringsum bin ich gleichsam so, hier ringsum werde ich gleichsam so behandelt!« Da sagten sie zu Agni: »Verbrenne dies!« Agni verbrannte es. Sie sagten zu Parjanya: »Regne darauf herab!« Parjanya regnete darauf herab. Da wuchsen schöne Pflanzen. Diese fraßen die Milchkühe. Davon wurde Milch gemolken. Sie erblickten dieses Opfer. Sie holten es herbei. Damit ließen sie ihn opfern.
Zu ihm gehört der Pratidhuk-Anteil bei der Morgenpressung, den man herbeibringt: »Damit ist gleichsam entsprechend entgegengewirkt worden« – daher der Name Pratidhuk. Śrita bei der Mittagspressung: »Damit ist man gleichsam zum Besten gelangt« – daher der Name Śrita. Dadhi bei der dritten Pressung: »Damit ist gleichsam alles beigelegt worden« – daher der Name Dadhi. Und wie es zuvor war, so wurde es danach noch mehr gesteigert.
Wer den Soma erbricht oder von Soma übermäßig überreizt ist, der opfere mit diesem. Und wie es zuvor beschaffen ist, so wird es danach noch mehr. Deshalb soll man den, der den Soma erbricht, oder den von Soma übermäßig Überreizten, nicht verachten. Denn auch Indra war ebenso betroffen.
[Anm.: Die zweite lebendige Brauchtums-Ätiologie dieses Abschnitts erklärt die bis heute gebräuchliche Frage an einen Kranken, ›wo es wehtutʻ, aus Indras eigenem Krankenlager nach dem missglückten Soma-Trunk. Bemerkenswert ist der abschließende ethische Appell: Wer durch übermäßigen Soma-Genuss krank wird (somavāmin, somātipāvita), soll nicht verachtet werden, ›denn auch Indra war ebenso betroffenʻ – ein seltener Fall, in dem ein göttliches Vorbild nicht zur Überhöhung, sondern zur Enttabuisierung und zum Mitgefühl mit einer menschlichen Schwäche dient. Die Verwandlung von Indras Körperausscheidungen in wilde Tiere (Löwinnen, Tiger, Wölfe) setzt die in 2.154 begonnene Reihe ätiologischer Verwandlungen fort.]