Quellen der Menschheit

Jaiminīya-Brāhmaṇa · Kāṇḍa 2

Kapitel 13 Das Pferdeopfer, Yavakrīs Rache und der Streit ums Zahlwort-Geschlecht

Das Aśvamedha entfaltet zunächst das goldene Zeitalter und einen Schöpfungskatalog von Wildtieren und Feldfrüchten aus den Körperteilen des Opfertiers, dann das Gespräch zwischen Śaunaka Kāpeya und Abhipratāriṇa über die Pferdeauswahl – dieselbe Lehrer-Paarung wie in der Chāndogya-Upaniṣad 4,3 – und die ausgedehnte Erzählung von Yavakrī Saumastambi, der von einer Apsaras, dann von einem Gandharva Rache nimmt, mit zweideutiger Todesursache zwischen einem tauben Zimmermann und dem Gandharva selbst; bei Antarvasu wird die Rivalität zwischen Khaṇḍika und Keśin Dārbhya erneut, diesmal mit ausdrücklicher Diesseits-Jenseits-Debatte, vollständig erzählt. Die Catūrātra-Reihe reicht von Atris Wunsch nach vier Helden über Takṣaka Bhāgerathis Pṛṣṭha-Autorität bis zu den Gautamas, deren Catuṣṭoma mit einem Wortspiel auf den Würfelwurf 'Kṛta' verbunden wird. Höhepunkt des Pañcarātra ist der berühmte Devāsura-Wettstreit um das grammatische Geschlecht der Zahlwörter eins bis vier, der bei 'fünf' – dem im Sanskrit ungeschlechtigen pañca – unentscheidbar zerbricht, gefolgt von der Lehre eines 'verborgenen' Mahāvrata allein durch Hiṃkāra, Prastāva und Pratihāra.

athaiṣo ’śvamedhaḥ. prajananakāmo hetena yajeta. prajāpatir vā akāmayata - bahuḥ prajayā paśubhiḥ prajāyeya, vīmān lokān āpnuyām, avendriyaṃ vīryaṃ rundhīyeti. sa etaṃ yajñam apaśyat. tam āharat. tenāyajata. tato vai sa bahuḥ prajayā paśubhiḥ prajāyata, vīmān lokān āpnod, avendriyaṃ vīryam arundha. sa yaḥ kāmayeta bahuḥ prajayā paśubhiḥ prajāyeya, vīmān lokān āpnuyām, avendriyaṃ vīryaṃ rundhīyeti sa etena yajeta. bahur eva prajayā paśubhiḥ prajāyate, vīmān lokān āpnoty, avendriyaṃ vīryaṃ rundhe. sa vā eṣa vīryam eva yajñaḥ. yarhi vā etena purejire, sarvam eva vīryavad āsa - ṛṣir ha sma mantrakṛd brāhmaṇa ājāyate, ’tivyādhī rājanyaś śūraḥ, poṣayiṣṇur vaiśyo rayimān, utthātā śūdro dakṣaḥ karmakartā, kalyāṇya striyaḥ pativratāḥ. akṛṣṭapacyaṃ ha sma dhānyaṃ pacyeta. api ha smaiko vrīhipātraḥ pakkaḥ kulāyālaṃ bhavati. tathā payasvad dha tarhi sarvam evāsa. api ha smāraṇye vīryāṇy upājāyante - aghalās siṃhā, aghalāś śārdūlā, aghalā ṛkṣā ṛkṣīkā, aghalā ahayo ’jagarāḥ. puruṣavyāghrā ha smāraṇyeṣv ādadānās tiṣṭhanti. api ha smaikaḥ śiṃśumāro bahūni tīrthāni gopāyati. vīryeṇa ha vāva te tat tathāsuḥ

Nun folgt dieser Aśvamedha (Pferdeopfer). Der nach Zeugung Verlangende soll mit diesem opfern. Prajāpati nämlich wünschte sich: »Möge ich reichlich durch Nachkommenschaft und Vieh mich fortpflanzen, möge ich weite Welten erlangen, möge ich unfehlbare Kraft und Stärke gewinnen!« Er erblickte dieses Opfer. Er holte es herbei. Er opferte damit. Daraufhin pflanzte er sich fürwahr reichlich durch Nachkommenschaft und Vieh fort, erlangte weite Welten, gewann unfehlbare Kraft und Stärke. Wer sich wünschen sollte: »Möge ich reichlich durch Nachkommenschaft und Vieh mich fortpflanzen, möge ich weite Welten erlangen, möge ich unfehlbare Kraft und Stärke gewinnen!«, der opfere mit diesem. Er pflanzt sich fürwahr reichlich durch Nachkommenschaft und Vieh fort, erlangt weite Welten, gewinnt unfehlbare Kraft und Stärke. Dieser Ritus ist fürwahr ganz und gar Kraft (vīrya). Als man ihn einst in alter Zeit ausübte, war alles voller Kraft: Ein Brahmane wurde als Seher geboren, als Verfasser von Sprüchen; ein Adliger als gewaltiger Krieger, ein Held; ein Vaiśya als jemand, der Gedeihen bringt, reich an Besitz; ein Śūdra als Tatkräftiger, Geschickter, ein Werkverrichter; Frauen als Schöne, ihren Gatten Ergebene. Unbeackert reifte damals das Korn. Schon ein einziges reifes Reisgefäß füllte ein ganzes Nest. So war fürwahr damals alles milchreich. Selbst im Wald wurden die Gewaltigen harmlos geboren: harmlos waren die Löwen, harmlos die Tiger, harmlos die Bären und Bärinnen, harmlos die Schlangen und Riesenschlangen. Mensch und Tiger standen im Wald beieinander und nahmen sich, was sie brauchten. Selbst ein einziges Krokodil bewachte damals viele Flussfurten. Durch Kraft eben war dies damals so.

[Anm.: Der Beginn des berühmten Aśvamedha-Abschnitts (Pferdeopfer) mit einer der eindrucksvollsten Schilderungen des gesamten bisherigen Textes: einem regelrechten ›goldenen Zeitalterʻ allgemeiner Kraftfülle, in dem jeder Stand seine ideale Ausprägung erreicht (Seher-Brahmane, Helden-Adliger, wohlhabender Vaiśya, tüchtiger Śūdra, tugendhafte Frauen), unbeackertes Land von selbst reiche Ernten trägt, und selbst wilde Raubtiere und der Mensch friedlich nebeneinander bestehen – ein vedisches Gegenstück zu ähnlichen goldzeitlichen Erzählungen anderer Kulturen (etwa Hesiods goldenem Geschlecht). Die genaue Bedeutung von »avendriyam« (hier als ›unfehlbarʻ gedeutet) bleibt sprachlich nicht ganz sicher.]

tasya vā etasya lalāṭād eva siṃho ’jāyatoraso ’dhi śārdūla, udarād dvīpī, akṣibhyām apāṣṭhihau, karṇābhyām aśvakarṇau, kesarebhya ṛkṣā ṛkṣīkā, lomabhyo dūrvā, anūkāc chiṃśumāro, vālebhyo ’śvavālāḥ, sakthibhyāṃ krauñcāv, āṇḍābhyāṃ varāhau, vaktrābhyāṃ cakravākau, vaniṣṭhor udro, gudābhyo ’hayo ’jagarāḥ, kuṣṭhikābhyo vartakāḥ, śaphebhyaḥ śalyakāḥ, śakṛtpiṇḍebhyaḥ kūśmā, ūvadhyād urvāru taṃtisantadūlaḥ śyāmāko lohitakam ity etat kṣudram annādyam upajajñe

Aus dessen Stirn wurde ein Löwe geboren, aus der Brust ein Tiger, aus dem Bauch ein Leopard, aus den beiden Augen ein Paar Apāṣṭhihas [Tierart sprachlich unsicher], aus den beiden Ohren ein Paar Aśvakarṇas [ebenfalls unsicher], aus der Mähne ein Bär und eine Bärin, aus den Körperhaaren die Dūrvā-Grasart, aus dem Rücken ein Krokodil, aus den Schweifhaaren die Rosshaar-Pflanze, aus den beiden Schenkeln ein Paar Krauñca-Vögel (Kraniche), aus den beiden Hoden ein Paar Eber, aus den beiden Kiefern ein Paar Cakravāka-Vögel (Brahminenten), aus dem Bauchfell ein Fischotter, aus den Eingeweiden Schlangen und Riesenschlangen, aus der Kuṣṭhikā [Organ unsicher] Wachteln, aus den Hufen Stachelschweine, aus den Kotballen Kürbisgewächse, und aus dem unverdauten Mageninhalt die Gurkenpflanze, [eine sprachlich unsichere Pflanze namens] Taṃtisantadūla, die Śyāmāka-Hirse und das rote Getreide – so entstand diese geringere Speise.

[Anm.: Ein bemerkenswertes Körperteil-zu-Art-Schöpfungskatalog, das strukturell an den berühmten Puruṣa-Sūkta (Ṛgveda 10.90) mit seiner Körperteil-Kosmogonie erinnert, hier jedoch auf den Ursprung wilder Tiere und kleinerer Nutzpflanzen (Hirsearten, Kürbisgewächse) angewandt wird. Mehrere Begriffe (apāṣṭhiha, aśvakarṇa als Tiername, vaniṣṭhu, kuṣṭhikā, taṃtisantadūla) sind sprachlich nicht sicher zu identifizieren und werden mit dem wahrscheinlichsten Sinn bzw. als unsicher gekennzeichnet wiedergegeben.]

tad āhur yaḥ kathaṃ sa ālabhya iti. ya eva dūre śrutas sa ālabhya ity āhuḥ. vīryeṇa vai sa śrutaḥ. vīryam eṣa yajña iti. atho āhur ya eva yugyor vahīyān sa ālabhya iti. vīryeṇa ha vai sa tayor vahīyān. vīryam eṣa yajña iti. tasmin ha śaunakaś ca kāpeyo ’bhipratāraṇaś ca samūdāte - yaḥkathaṃrūpas sa ālabhya iti. tau ha kṛṣṇapiśaṃge saṃpādayāṃcakratuḥ. yasya śvetasya sataḥ kṛṣṇam asti, kṛṣṇasya vā sata śvetaṃ, sa eva saḥ prajāpatinyaṃgaḥ. prajāpater akṣy aśvayat tasmād aśvaḥ. yac chvetho (s) samabhavat tasmāt pūtir, yad apaḥ prāviśat tasmāc chvetanaḥ. śvetasya vā vai sato ’kṣṇaḥ kṛṣṇam asti, kṛṣṇasya vā sata śvetam. sa eva sa prajāpatinyaṃgaḥ. tam etad ālabhante

Dazu sagt man: »Welcher Art ist der, welcher zu opfern (ālabhya) ist?« »Eben der, welcher weithin berühmt ist, der ist zu opfern« – so sagt man. Durch Manneskraft (vīrya) nämlich ist er berühmt; Manneskraft ist dieses Opfer. Und ferner sagt man: »Eben der, welcher von einem Gespann das stärkere Zugtier ist, der ist zu opfern.« Durch Manneskraft nämlich ist er der stärkere von beiden; Manneskraft ist dieses Opfer. Darüber nun disputierten Śaunaka Kāpeya und Abhipratāriṇa miteinander: »Von welcher Gestalt ist der, welcher zu opfern ist?« Die beiden einigten sich auf (die Farbe) schwarzbraun: Von wem, weiß seiend, Schwarzes vorhanden ist, oder von wem, schwarz seiend, Weißes – eben der ist der Gescheckte Prajāpatis. Prajāpatis Auge verlangte danach, ein Pferd (aśva) zu werden; daher (heißt es) »aśva«. Was weiß wurde, daraus (entstand) »Pūti«; was ins Wasser eindrang, daraus »Śvetana«. Von dem Auge nämlich, das weiß ist, ist Schwarzes vorhanden, oder von dem, das schwarz ist, Weißes – eben das ist der Gescheckte Prajāpatis. Eben diesen opfert man.

[Anm.: Eröffnung der Auswahlkriterien für das im Aśvamedha zu opfernde Pferd, unmittelbar an die »goldene Zeit«-Schilderung und den Schöpfungskatalog aus 2.266-267 anknüpfend. Bemerkenswert ist das Wiederauftreten Abhipratāriṇas (vgl. 2.206, 2.238-239) hier im Gespräch mit Śaunaka Kāpeya – exakt dasselbe Gelehrtenpaar, das auch in der Chāndogya-Upaniṣad (4.3) gemeinsam auftritt, wo beide von einem wandernden Brahmacārin über Vāyu als den ›Allverzehrerʻ (saṃvarga) belehrt werden – ein weiterer Beleg für die enge Verflechtung von Brāhmaṇa- und Upaniṣad-Personal. Das mit ›der Gescheckte Prajāpatisʻ wiedergegebene Wort (prajāpati-nyaṅga) ist unsicher; »nyaṅga« kann auch ›Niedererʻ oder ›Missgebildeterʻ bedeuten, sodass auch ›der Makel Prajāpatisʻ gemeint sein könnte. Die Etymologie aśva/akṣi (›Augeʻ) ist ein typisches Wortspiel der Brāhmaṇa-Literatur; die weiteren Ableitungen der Namen ›Pūtiʻ und ›Śvetanaʻ aus anderen Teilen von Prajāpatis Auge bleiben mir in ihrem genauen Bezug unklar.]

tena haitena mauṇḍibha udanyur īja udanyūnāṃ rājā. tad dha yavakrīḥ saumastambir āstāvaṃ prati niṣasāda. tasya hāyaṃ pūṣā rayir bhaga ity etāḥ pratipadaś cakruḥ. sa hovāca - chaṃvaṭ māsā mauṇḍibhāpa prāṇān arātsīr iti. eṣa ha tarhy anuvyāhāra āsa. atha ha mauṇḍibha udanyus trayyai vidyāyai kassavita āsa. sa hovāca - saṃvṛhata me sadohavirdhāne, mṛdā me grahān saṃdihya nidhatta. yarhya ayaṃ brāhmaṇo ’nuvyāhārī martā, tarhi yaṣṭāsa iti. tasya ha mṛdā grahān saṃdihya nidadhuḥ. atha ha yavakrīḥ saumastaṃbis tejasvī brahmavarcasy āsa. sa ha sma yām acchābrūte yā ha smainaṃ kāmayate, mriyate ha sma. yo ha smainaṃ na kāmayate, mriyata u eva. sa ha yajñavacaso rājastaṃbāyanasya jāyām acchoce. sā hekṣāṃcakre - yadi vā enaṃ kāmayiṣye yadi ca na, mariṣyaty eva syā. hantainaṃ kāmayai. brāhmaṇasya cit syā priyaṃ kṛtvā mriyatād iti. taṃ hovācādas tiṣṭha. atha tvābhyeṣyāma iti

Mit eben diesem (Opfer) opferte Mauṇḍibha Udanyu, der König der Udanyus. Da setzte sich Yavakrī Saumastambi dem Āstāva gegenüber. Für ihn machte man »Pūṣan«, »Rayi«, »Bhaga« zu Pratipads (Eingangsversen). Da sprach er: »Chaṃvaṭ! Seit Monaten, o Mauṇḍibha, hast du (uns) den Atem geraubt!« Dies war damals eine Gegenrede (anuvyāhāra). Mauṇḍibha Udanyu nun war für die dreifache Wissenschaft (die drei Veden) gleichsam ein Förderer. Er sprach: »Reißt mir Sadas und Havirdhāna nieder; mit Lehm bestreicht mir die (Soma-)Gefäße und setzt sie ab. Wenn dieser Brahmane, der Gegenredner, gestorben sein wird, dann sollt ihr (weiter) opfern.« Man bestrich ihm daraufhin mit Lehm die Gefäße und setzte sie ab. Yavakrī Saumastambi nun war feurig und von brahmanischer Glut erfüllt. Welche Frau er auch ansprach: welche ihn begehrte, die starb; welche ihn aber nicht begehrte, die starb ebenso. Er begehrte die Gattin des Yajñavacas Rājastambāyana. Sie überlegte: »Ob ich ihn nun begehre oder nicht – sterben werde ich so oder so. Wohlan, so will ich ihn begehren; mag ich doch sterben, nachdem ich wenigstens einem Brahmanen einen Gefallen erwiesen habe.« Sie sprach zu ihm: »Bleib dort stehen. Ich werde zu dir kommen.«

[Anm.: Beginn der eindrucksvollen Yavakrī-Erzählung, die sich über 2.269-272 erstreckt und eng mit der berühmten Yavakrīta-Legende des Mahābhārata (Vana-parvan 135-139, dort als Sohn des Bharadvāja) verwandt ist – wie sich in 2.270 (»bhāradvājasya«, ›des Bhāradvāja-Sohnesʻ) bestätigt. »Āstāva« bezeichnet vermutlich eine Position oder Funktion im Zusammenhang mit dem Stotra-Vortrag; der genaue technische Sinn bleibt unsicher. Der Ausruf »chaṃvaṭ« ist lautmalerisch und nicht sicher übersetzbar. Auch »kassavitā« (hier mit ›Fördererʻ wiedergegeben) ist unsicher – die Form ließe sich sowohl auf savitṛ (›Antreiberʻ) als auch auf avitṛ (›Beschützer, Gönnerʻ) zurückführen; gesichert ist nur der allgemeine Sinn, dass Mauṇḍibha sich um vedische Gelehrsamkeit verdient machte. Das Motiv, dass sowohl Zuneigung als auch Ablehnung gegenüber Yavakrī gleichermaßen tödlich enden, ist ein klassisches volkstümliches ›so oder soʻ-Verhängnismotiv.]

tāṃ hālaṃkurvāṇāṃ rudatīṃ patir ājagāma. tāṃ hovāca - kim alaṃkuruṣe kiṃ rodiṣīti. sā hovāca - mariṣyasi hīty ātmānam evatait kṛpaye. yavakrīr cetyām acchāvocateti. sa hovācājyam ata āharateti. tad dha pavitrābhyām utpūya juhavāṃcakāra - yā no adya trāyāti bhāradvājasya saṃskṛtā preṇīm agnipriyām agne tāṃ mahyam ā vaha. svāhā. iti. tasyai ha tadrūpām evāpsarasam utthāpayāṃcakāra. tāṃ hovācāsau yavakrīs, tad ihīti. dvitīyaṃ ha juhavāṃcakāra - gandharvam ugraṃ balinam aśmaghātinam aṃsalam bhāradvājasya hantāraṃ viśvajyotiṣam ā vaha. svāhā. iti. tasyai hāyaḥ kūṭahastaṃ gandharvam īrṣyum utthāpayāṃcakāra. taṃ hovācāsau te jāyā yavakrīyam abhyagāt. tad ihīti. tasyai hāyatyā upatastāra. sā ha siṣmiye. sa hovāca - nāha kila te strike rametavyam. atha smayasa iti. kathā heti. mariṣyasi hīti. sā ha pādaṃ pragṛhṇaty uvāca - na khalu tvaṃ puruṣetthaṃpadīṃ striyaṃ peciṣa iti. lomaśau hāsyā adhastāt pādāv āsatuḥ. saṃnipannau vā hāsaṃnipannau vāsatuḥ. atha hedam evāyaḥ kūṭahasto gandharvo ’bhivicakrame. sa hovāca - namas te ’stu. kāsya prāyaścittir iti

Sie, wie sie sich da schmückte und weinte, kam ihr Gatte hinzu. Er sprach zu ihr: »Warum schmückst du dich? Warum weinst du?« Sie sprach: »Ich werde sterben« – so, aus Mitleid mit sich selbst allein. »Yavakrī hat mich angesprochen«, (sagte sie). Er sprach: »Bringt von hier Schmelzbutter (ājya) herbei!« Diese reinigte er mit den beiden Reinigungssieben (pavitra) und opferte damit: »Die uns heute retten möge, die für den Bhāradvāja-Sohn bereitete, dem Agni liebe Preṇī – o Agni, sie bring mir her! Svāhā!« Für ihn ließ er in eben dieser Gestalt eine Apsaras (Himmelsnymphe) emporsteigen. Er sprach zu ihr: »Dort ist jener Yavakrī – geh dorthin!« Ein zweites Mal opferte er: »Einen Gandharva, wild, stark, steinschleudernd, breitschultrig, den Töter des Bhāradvāja-Sohnes, allstrahlend – bring mir her! Svāhā!« Für ihn ließ er einen eisenkeulenhändigen, eifersüchtigen Gandharva emporsteigen. Er sprach zu ihm: »Dort – deine Gattin ist zu Yavakrī gegangen. Geh dorthin!« Er näherte sich ihr und legte sich zu ihr. Sie lächelte. Er sprach: »Fürwahr, ich hätte wohl nicht mit dir, Frau, tändeln sollen – und doch lächelst du?« »Wieso das?«, (fragte er). »Denn du wirst sterben«, (sprach sie). Sie ergriff seinen Fuß und sprach: »Du hast wahrhaftig nicht erkannt, dass eine Frau mit solchen Füßen keine Menschenfüßige ist!« Behaart nämlich waren ihre beiden Füße darunter. Ob zusammengefügt oder nicht zusammengefügt – so waren sie. Da nun trat eben dieser eisenkeulenhändige Gandharva heran. Er sprach: »Verehrung sei dir! Welches ist die Sühne dafür?«

[Anm.: Der Ehemann bekämpft Yavakrī mit rituellen Mitteln: Durch zwei Opferungen ruft er zunächst eine Apsaras (als Lockmittel) und dann einen eisenkeulenhändigen Gandharva (als Rächer) herbei, wobei die Anrede »deine Gattin« an den Gandharva die geläufige mythologische Paarung von Gandharvas und Apsaras voraussetzt. Das Wort »Preṇī«, hier als Eigenname der herbeigerufenen Apsaras behandelt, ist unsicher (möglicherweise zu prī-, ›erfreuenʻ, gehörig). Behaarte oder sonstwie abweichende Füße als Erkennungszeichen übernatürlicher Wesen sind ein verbreitetes volkstümliches Motiv. Der Satz »ob zusammengefügt oder nicht zusammengefügt« gibt eine im Original rätselhaft-paradoxe Formulierung möglichst wörtlich wieder.]

asti vā na veti hovāca. yad eva te kiṃ ca pitu svaṃ, tasya sarvasya purā sūryasyodetoś śiraś chinddhi. sā vaiva sā vā neti. sa ha tathā chettum upacakrame. te hocur - adṛpad yavakrīr, vibadhnāmeti. neti ha pitovāca. deveṣito vai me putraḥ karoti. eṣa eva tad veda yad atra śreya iti. tad dha badhiro grāme takṣā pratiṣidhyamānaṃ na śuśrāva. tasya ha ghnan pareyāya. sa ha - ko nu no janas tṛṇeḍhīti. sa evāsya prajaghānety eke. ghnantam evainaṃ sūryo ’bhyudiyāya. tasyodite sa eva gandharvaḥ prajaghānety eke. yathā ha tu mamāra tathāsa. śaśvad dhāsya sa eva gandharvaḥ prajaghāna

Er sprach: »Ob es eine (Sühne) gibt oder nicht – (so oder so): Was auch immer deines Vaters Eigentum ist, von alledem schneide, bevor die Sonne aufgeht, den Kopf ab!« [Ob dies nun gelinge oder nicht.] Er begann danach abzuschneiden. Da sprachen sie (die Leute): »Yavakrī ist von Sinnen – lasst uns ihn binden!« »Nein«, sprach der Vater, »von den Göttern angetrieben handelt mein Sohn; eben er weiß, was hierbei das Bessere ist.« Nun hörte ein tauber Zimmermann (takṣan) im Dorf die Warnung nicht, obwohl man ihn zurückzuhalten suchte. Ihn traf er schlagend im Vorübergehen. Er sprach: »Wer verletzt uns Leute denn da?« – »Er selbst (Yavakrī) hat ihn erschlagen«, sagen die einen. Noch während er weiter schlug, ging die Sonne über ihm auf. »Als sie aufgegangen war, da erschlug eben jener Gandharva ihn«, sagen die einen. Wie auch immer er starb, so war es. Immer wieder ist es eben jener Gandharva, der ihn erschlug.

[Anm.: Die Formulierung »sā vaiva sā vā na« (hier vorsichtig mit »ob dies nun gelinge oder nicht« wiedergegeben) ist textlich unsicher, vielleicht verderbt. Bemerkenswert ist, dass der Text selbst zwei konkurrierende Sterbeversionen referiert (Yavakrī als versehentlicher Totschläger des tauben Zimmermanns / der Gandharva als sein Töter nach Sonnenaufgang), ohne zwischen ihnen zu entscheiden – ganz im Stil des bereits in 2.229 und 2.246 beobachteten Nebeneinanders gleichberechtigter Traditionen. Die Rahmenbedingung, vor Sonnenaufgang eine unmögliche Aufgabe zu erfüllen, ist ein klassisches Erzählmotiv, das auch in der verwandten Mahābhārata-Fassung der Yavakrīta-Legende in abgewandelter Form erscheint.]

tad u ha mauṇḍibho ’nubudhyovāca - saṃminuta me sadohavirdhāne, yājayata mā brāhmaṇāḥ. amṛta ha vai sa brāhmaṇo ’anuvyāhārīti. tasya ha tathā cakruḥ. tad u ha saumastaṃbir anubudhyājagāma. sa ha tathaivāstāvaṃ pratiniṣasāda. tasya hāyaṃ pūṣā rayir bhaga ity etā eva pratipadaś cakruḥ. sa hovāca - na vai kilāyaṃ rājanyabandhur imaṃ yajñakratuṃ vidāṃcakāra. na vai kila me ’nenoktena putram avadhīt. etāvad vāva kila tyasya putrasyāyur abhūd iti. taṃ ha tac chaśāpa - mariṣyaty ahāyaṃ rājanyabandhuḥ, paro ime mauṇḍibhā bhaviṣyantīti. ta ete parābhūtā gotamā bruvāṇāś caranti. tasya vā etasya tarat sa mandī dhāvatīty eva pratipado bhavanti taradvatīḥ. tasmād aśvo ’dhvānaṃ tariṣṭaḥ. dhāvadvatīr bhavanti. tasmād aśvo ’dhvānaṃ dhāvan samuśnate. samayy ekaṃ padaṃ bhavati. tasmād aśva ekaikaṃ pādam udaṃkan tiṣṭhati

Da nun sprach Mauṇḍibha, als er es erfahren hatte: »Richtet mir Sadas und Havirdhāna wieder ein; opfert für mich, ihr Brahmanen! Jener Brahmane, der Gegenredner, ist ja nun unsterblich geworden.« Man tat für ihn also so. Da nun kam, als er es erfahren hatte, Saumastambi (der Vater) herbei. Er setzte sich ebenso dem Āstāva gegenüber. Für ihn machte man dieselben Verse »Pūṣan«, »Rayi«, »Bhaga« zu Pratipads. Er sprach: »Dieser Verwandte des Kriegeradels (rājanyabandhu) hat dieses Opferwerk gewiss nicht verstanden. Gewiss hat er nicht durch etwas von mir Gesagtes meinen Sohn getötet – so viel eben, scheint es, war die Lebenszeit dieses meines Sohnes.« Dennoch verfluchte er ihn deswegen: »Sterben wird dieser Verwandte des Kriegeradels; danach werden diese zu geringeren Mauṇḍibhas werden.« Diese, dem Untergang geweiht, wandern seither umher und nennen sich Gotamas. Von diesem Geschehen her rühren die Pratipads »tarat sa mandī dhāvati« (»er läuft hinüber, der Frohe läuft«), welche »taradvatī« (das Wort ›hinüberʻ enthaltend) genannt werden. Daher hat das Pferd den Weg am besten überquert. Sie sind »dhāvadvatī« (das Wort ›laufendʻ enthaltend). Daher durchläuft das Pferd, laufend, den Weg vollständig. Fallen (die Schritte) zusammen, entsteht dennoch nur ein einziger Versfuß. Daher steht das Pferd da, indem es je einen Fuß einzeln hochhebt.

[Anm.: Der Abschluss der Yavakrī-Episode kehrt zur Rahmenerzählung um König Mauṇḍibha zurück und mündet – ganz im Stil des Jaiminīya-Brāhmaṇa – in eine ätiologische Herleitung liturgischer Pratipad-Formeln und beobachteter Pferdeverhaltensweisen aus dem eben erzählten Mythos. Der Satz »jener Brahmane... ist nun unsterblich geworden« spielt mit der typisch vedischen Doppeldeutigkeit von Tod und durch den Tod erlangter Unsterblichkeit. »Rājanyabandhu« trägt einen leicht abschätzigen Unterton (›bloßer Spross des Kriegeradelsʻ), vergleichbar dem abwertenden »brahmabandhu« für einen unwürdigen Brahmanen. Die abschließende Bemerkung, die Nachkommen der einst königlichen Mauṇḍibhas seien verarmt und träten nunmehr unter dem Namen »Gotama« auf, gehört zu den bereits mehrfach beobachteten ätiologischen Erklärungen realer, dem Autor noch gegenwärtiger Sippen- bzw. Standesverhältnisse (vgl. 2.217, 2.220, 2.238-239). Die letzten beiden etymologischen Wortspiele bleiben in ihrem genauen technischen Bezug etwas unklar.]

tasya catasṛṣu bahiṣpavamānaṃ bhavati. catuṣpādā vā aśvā santaś catuśśaphāḥ. te ye catuṣpādāḥ paśavaś catuśśaphās tān evaitenāvarunddhe. aṣṭāsv - aṣṭāsv ājyāni. aṣṭāśaphā vai paśavaḥ. te ’ṣṭāśaphāḥ paśavaś tān evaitenāvarunddhe. dvādaśo mādhyaṃdinaḥ. dvādaśākṣarā vai jagatī. paśavo jagatī. yat kṣudraṃ paśūnāṃ taj jāgatam. tad evaitenāvarunddhe. saviṃśa ārbhavaḥ pavamānaḥ. dve vā ete daśadaśinyau virājau yad viṃśatiḥ. viṃśatipratiṣṭhānā vai paśavo vairājāḥ. te ye viṃśatipratiṣṭhānāḥ paśavo vairājās tān evaitenāvarunddhe. caturviṃśam agniṣṭomasāma. catuṣpādā vai paśavo vairājāḥ. te ye catuṣpādāḥ paśavo vairājās tān evaitenāvarunddhe. atho caturviṃśatyardhamāsas saṃvatsaraḥ. saṃvatsareṇaivainat -

Für dieses Opfer besteht das Bahiṣpavamāna aus vier Versen. Vierfüßig nämlich sind die Pferde, indem sie vierhufig sind. Diejenigen vierfüßigen, vierhufigen Tiere – eben die erlangt man dadurch. In Achtergruppen stehen die Ājya-Verse. Achthufig nämlich sind gewisse Tiere. Eben jene achthufigen Tiere erlangt man dadurch. Zwölffach ist der Mittagspavamāna. Zwölfsilbig nämlich ist die Jagatī. Der Jagatī gehören die Tiere. Was gering ist unter den Tieren, das ist jagatisch. Eben das erlangt man dadurch. Zwanzigfach ist der Ārbhava-Pavamāna. Zwei Zehnergruppen nämlich sind diese beiden Virāj-Verse, macht zwanzig. Auf Zwanzig gegründet nämlich sind die vairājischen Tiere. Eben jene auf Zwanzig gegründeten vairājischen Tiere erlangt man dadurch. Vierundzwanzigfach ist das Agniṣṭoma-Sāman. Vierfüßig nämlich sind die vairājischen Tiere. Eben jene vierfüßigen vairājischen Tiere erlangt man dadurch. Und ferner: Vierundzwanzig Halbmonate hat das Jahr. Eben durch das Jahr –

[Anm.: Eine dicht komprimierte Reihe numerischer Entsprechungen (die aus 2.216 bekannte avarundhi-Technik: durch die Zahl eines liturgischen Elements werden Tiere mit derselben Kennzahl – Hufe, Silben, Füße – rituell ›erlangtʻ). Der Satz bricht am Abschnittsende mitten im Argument ab und wird in 2.274 fortgeführt, ein bereits mehrfach beobachtetes Phänomen der Abschnittsgliederung (vgl. 2.241/2.242). Die genaue Zuordnung der »vairājischen Tiere« (einmal als »auf Zwanzig gegründet«, dann als »vierfüßig« bezeichnet) bleibt in ihren beiden Erscheinungsformen nicht vollständig transparent.]

- tat parigṛhyaitasmin dvitīye ’hann ālabhante. tad etad ekaviṃśaṃ dvitīyam ahar bhavaty ekastomam. dvādaśa māsāḥ, pañcacartavas, traya ime lokā, asāv āditya ekaviṃśaḥ. yathā ha vai dṛḍhā medhī nihataivam ekaviṃśa stomānām. tasminn etān paśūn ālabhante - hastinaṃ paramaṃ pluṣim avamam. tān paryagnikṛtvaikān labhanta, ud ekān sṛjante. brahma vā agniḥ. brahmaṇaivaināṃs tat paryagnikṛtvaikān labhanta, ud ekān sṛjante. tasya mahānāmnyaḥ pṛṣṭhaṃ bhavanti. no hy etān anyan mahānāmnībhyaḥ pṛṣṭhaṃ paśūn udyantum arhati. tās saptapadā bhavanti - sapta vai grāmyāḥ paśavo - grāmyāṇām evaṃ paśūnām avaruddhayai. ati saptamaṃ padaṃ bhavaty āraṇyānām eva paśūnām avaruddhayai. tasya pārthuraśmaṃ brahmasāma bhavaty athakāreṇa samṛddham. athag athag itīva hya aśvo dhāvati. atho puthur vāva raśmir aśvaṃ yantum arhati. tad u pāṃktaṃ bhavati. pāṃktaṃ hi mahānāmnīnāṃ brahmasāma. tasyaikaviṃśatir yūpā bhavany ekaviṃśatyaratnayaḥ. no hy etān anekaviṃśatir yūpāḥ paśūn udyantum arhanti. ṣaḍ bailvā dvādaśa khādirāḥ pautudravāv abhito - ’gner vā etac charīraṃ yat pūtudru - rājjudāla ekaviṃśatiḥ. so ’gniṣṭhaḥ. prajāpatir vā eṣa vṛkṣāṇāṃ yad rājjudālaḥ. tasya yāni phalāni śiśnāny eva tāni. atha ya śleṣmā reta eva tat. prajāpatir vai pitā, ādityaḥ putraḥ. sarvastomo ’tirātro bhavati, sarveṣāṃ lokānām abhijityā abhikrāntyai. sarvaṃ hīdaṃ stomā eva. atho yān imān nānekaikān stomān upāgāma tān sārdham ṛddhvā teṣu pratiṣṭhāyodṛcam aśnavāmahā iti

– dieses ergreifend, immoliert man an diesem zweiten Tag. Dieser zweite Tag ist somit der Einundzwanzigfache (ekaviṃśa), mit einem einzigen Stoma. Zwölf Monate, fünf Jahreszeiten, diese drei Welten, jene Sonne dort – macht einundzwanzig. Wie ein fest eingeschlagener Opferpfahl (medhī), so ist der Einundzwanzigfache unter den Stomas. An diesem Tag immoliert man diese Tiere: den Elefanten als höchstes, das Insekt (pluṣi) als niedrigstes. Nachdem man sie mit Feuer umschritten hat, ergreift man die einen, lässt die anderen frei. Agni nämlich ist Brahman. Eben durch Brahman ergreift man, nachdem man sie mit Feuer umschritten hat, die einen und lässt die anderen frei. Für ihn sind die Mahānāmnī-Verse das Pṛṣṭha. Denn keine anderen als die Mahānāmnīs sind imstande, diese Tiere emporzuführen. Sie haben sieben Versfüße – sieben nämlich sind die Haustiere – zur Erlangung eben der Haustiere. Über den siebten Versfuß hinaus gibt es noch einen, zur Erlangung eben der Waldtiere. Für ihn ist das Brahma-Sāman das »Breitzügel-Sāman« (pārthuraśma), durch die Silbe »atha« vervollkommnet. Denn gleichsam »athag, athag« läuft das Pferd. Und ein breiter Zügel eben ist geeignet, ein Pferd zu lenken. Das ist zugleich fünfteilig (pāṃkta); fünfteilig nämlich ist das Brahma-Sāman der Mahānāmnīs. Für ihn gibt es einundzwanzig Opferpfähle, je einundzwanzig Ellen voneinander. Denn keine andere Zahl als einundzwanzig Pfähle ist imstande, diese Tiere emporzuführen: sechs aus Bilva-Holz, zwölf aus Khadira-Holz, zwei aus Pūtudru-Holz zu beiden Seiten – des Agni Leib nämlich ist das Pūtudru-Holz – und der Rajjudāla als der Einundzwanzigste. Dieser ist der »Agniṣṭha« (Feuerstehende). Prajāpati nämlich ist unter den Bäumen der Rajjudāla. Seine Früchte sind geradezu Phallusse; und was sein Harz ist, das ist eben Same. Prajāpati ist der Vater, Āditya der Sohn. Der Allstoma-Atirātra dient der Eroberung und dem Übersteigen aller Welten; denn dies alles ist eben Stomas. Und: »Was wir hier an einzelnen, verschiedenen Stomas jeweils angetreten haben – mit ihnen zusammen erblüht und in ihnen gegründet, mögen wir den höheren Spruch erlangen.«

[Anm.: Fortsetzung und Abschluss der in 2.273 begonnenen numerischen Argumentationskette, mit der Kulmination im eigentlichen Vollzug der Immolation (»an diesem zweiten Tag immoliert man«) – dem rituellen Zentrum des Aśvamedha-Komplexes. Bemerkenswert ist die symbolische Extremspanne des geopferten Tierkatalogs vom Elefanten bis zum kleinsten Insekt, die die kosmische Totalität des Opfers ausdrückt. Die onomatopoetische Wiedergabe des Pferdegalopps als »athag athag« reiht sich in die bereits in 2.265 (»da-da-da-da«) beobachtete Klangmalerei-Technik der Brāhmaṇa-Literatur ein. Mehrere Fachbegriffe (pluṣi, pārthuraśma, rājjudāla) bleiben in ihrer botanisch-zoologischen bzw. musikalischen Präzisierung unsicher. Der abschließende Wunschspruch (»den höheren Spruch erlangen«, udṛc) ist in seiner genauen technischen Bedeutung nicht ganz sicher zu bestimmen.]

athaiṣa govinataś chandomapavamānaḥ. paśukāmo haitena yajeta. tasyobhaye stomā bhavanty ayujaś ca yugmantaś ca. tad ye ha vā ayuja stomās tān grāmyāḥ paśavo ’nv, atha ye yugmantas tān āraṇyāḥ. paśavo vai chandomāḥ. sa yo haivaṃ vidvāñ chandomapavamānena yajeta ubhayān eva paśūn avarunddhe ye ca grāmyā ye cāraṇyāḥ. athaitad ekaviṃśapṛṣṭhaṃ dvitīyam ahar bhavati. yaivāsāv ekaviṃśasya praśaṃsā na upāptāsad iti. tad evaitasya brāhmaṇam. tasminn etam aśvaṃ medhyam ālabhante. yad v evaitad ekaviṃśapṛṣṭhaṃ tasmād govinataḥ. trayastriṃśaṃ punarabhyāvarti tṛtīyasyāhno bhavati. trayastriṃśad vai devatās, trayastriṃśad devalokāḥ. tān evaitad antata āptvābhyārohanti. atha yasyaitasya pañcadaśo ’gniṣṭomaḥ, pañcadaśa ukthyaḥ, pañcadaśo ’tirātra iti. kṣatrakāmo haitena yajeta. kṣatram aśvaḥ, kṣatraṃ pañcadaśaḥ, kṣatraṃ yajñaḥ. eṣa tat tatsalakṣma kriyate. tena haitenarṣabho yājñatura īje śvaitno rājaikarāṭkāmaḥ. sa heṣṭvaikarāḍ āsa śvitnānām. sa ya śrīkāma syāt sa etena yajeta. kṣatraṃ śrīḥ. kṣatrayajña eṣaḥ. aśnute śriyam

Nun, dies ist der »Govinata« (Kuh-Neigende), der Chandoma-Pavamāna. Wer sich Vieh wünscht, sollte damit opfern. Für ihn gibt es beiderlei Stomas: sowohl ungerade als auch gerade. Von diesen folgen den ungeraden Stomas die Haustiere, den geraden aber die Waldtiere. Vieh nämlich sind die Chandomas. Wer also, dies wissend, mit dem Chandoma-Pavamāna opfert, erlangt beiderlei Tiere, sowohl die Haus- als auch die Waldtiere. Und dieser zweite Tag hat den Einundzwanzigfachen als Pṛṣṭha. »Möge doch jenes Lobpreisen des Einundzwanzigfachen nicht verfehlt sein« – dies eben ist die Lehre (brāhmaṇam) hierzu. An diesem Tag immoliert man dieses zum Opfer taugliche Pferd. Und weil dieser Tag den Einundzwanzigfachen als Pṛṣṭha hat, daher heißt er »Govinata«. Der Dreiunddreißigfache »Wiederumkehrende« (punarabhyāvartin) gehört zum dritten Tag. Dreiunddreißig nämlich sind die Gottheiten, dreiunddreißig die Götterwelten. Eben diese, ganz und gar erreicht habend, besteigt man damit. Und für den, für welchen der Agniṣṭoma fünfzehnfach ist, der Ukthya fünfzehnfach, der Atirātra fünfzehnfach – wer sich Kṣatra (Herrschermacht) wünscht, sollte damit opfern. Kṣatra ist das Pferd, Kṣatra der Fünfzehnfache, Kṣatra das Opfer. So wird dies dem Wesen jenes gleichgestaltet gemacht. Mit eben diesem opferte Ṛṣabha Yājñatura, der Śvaitna, ein König, der sich Alleinherrschaft wünschte. Er wurde nach dem Opfern Alleinherrscher der Śvitnas. Wer sich Glanz (śrī) wünscht, sollte damit opfern. Kṣatra ist Glanz; dies ist ein Kṣatra-Opfer. Er erlangt Glanz.

[Anm.: Der eigentliche Vollzug der Pferdeimmolation wird hier nochmals ausdrücklich am zweiten Tag verortet und mit der volksetymologischen Herleitung des Namens »Govinata« aus der Ekaviṃśa-Pṛṣṭha-Zuordnung verknüpft. Die anschließende Kṣatra-Variante (durchweg fünfzehnfache Stomas) knüpft an die bereits in 2.223 etablierte Pañcadaśa-Kṣatra-Gleichung an. König Ṛṣabha Yājñatura der Śvitnas ist historisch nicht näher zu identifizieren; die Wendung »tatsalakṣma« (›mit dessen Merkmal versehenʻ) beschreibt das Prinzip, ein Ritual bewusst dem gewünschten Ergebnis formal anzugleichen.]

atha yasyaitasya trivṛd ahaḥ pañcadaśī rātris, trivṛd ahaḥ pañcadaśī rātris, trivṛd ahaḥ pañcadaśī rātri, svargakāmo haitena yajeta. datvaś ca ha sautemanaso mitravic ca daṃṣṭradyumnas, tau ha pratidarśasya vaibhāvatasya śvaitnasya rājño brahmacāriṇāv āsatuḥ. tayor ha mitravid daṃṣṭradyumna ācāryakarma cakāra. gā ha sma rakṣati. atha hetaro ’dhyāyam eva cacāra. tau ha sma sāyaṃ samāgatyānyonyam āhatur - āhara somyānūkte hastaṃ nidhāsyāva; āhara somya sucarite hastaṃ nidhāsyāva iti. atha ha datvaṃ sautemanasam ācāryo ’nuśaśāsa. tau ha sāyaṃ samāgatyānyonyam āhatur - āhara somyānūkte hastaṃ nidhārayāva; āhara somya sucarite hastaṃ nidhāsyāva iti. neti hovāca. ati vā ahaṃ tvad amukhya, ācāryapraśiṣṭo vā aham asmīti. sa ha tāṃ rātrim apriyaviddha uvāsa. śvoha bhūte gā anviyāya. taṃ ha gaur īkṣitvaiva vijajñāv - apriyaṃ vā asyeti

Und für den, für welchen gilt: dreifacher Tag, fünfzehnfache Nacht; dreifacher Tag, fünfzehnfache Nacht; dreifacher Tag, fünfzehnfache Nacht – wer sich den Himmel wünscht, sollte damit opfern. Datva Sautemanasa und Mitravid Dāṃṣṭradyumna, diese beiden, waren Brahmacārin-Schüler des Königs Pratidarśa Vaibhāvata, des Śvaitna. Von den beiden versah Mitravid Dāṃṣṭradyumna den Dienst des Lehrers: Er hütete die Kühe. Der andere aber betrieb nur das Studium (adhyāya). Die beiden pflegten sich abends, wenn sie zusammenkamen, gegenseitig zu sagen: »Reich die Hand her, o Somya, in das Wohlrezitierte wollen wir beide die Hand legen; reich her, o Somya, in das Wohlvollzogene wollen wir beide die Hand legen.« Da nun unterwies der Lehrer (ācārya) Datva Sautemanasa. Die beiden kamen abends wieder zusammen und sagten zueinander: »Reich her, o Somya, in das Wohlrezitierte wollen wir beide die Hand legen; reich her, o Somya, in das Wohlvollzogene wollen wir beide die Hand legen.« »Nein«, sprach er, »denn ich bin dir überlegen, ich bin ja vom Lehrer besonders unterwiesen worden.« Da verbrachte er jene Nacht, vom Unmut getroffen. Als es Morgen geworden war, ging er den Kühen nach. Eine Kuh, ihn eben erblickend, erkannte sogleich: »Etwas Unliebes ist ihm widerfahren.«

[Anm.: Beginn einer anrührenden Lehrer-Schüler-Erzählung, die in 2.277 mit der berühmten Offenbarung des »Devayāna«, des Götterpfades, fortgesetzt wird – eines Zentralbegriffs der späteren upaniṣadischen Eschatologie (vgl. Chāndogya-Upaniṣad 5.10, Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 6.2, wo Devayāna und Pitṛyāna als die beiden Jenseitswege nach dem Tod unterschieden werden). Die rituelle Grußformel mit dem Handauflegen auf »Anūkta« (Wohlrezitiertes) und »Sucarita« (Wohlvollzogenes) scheint eine gegenseitige Bestätigung von Lerneifer und pflichtgemäßem Verhalten der beiden Schüler auszudrücken; ihr genauer zeremonieller Hintergrund bleibt unsicher. Bemerkenswert ist die sprechende Kuh, die Mitravids stillen Kummer allein am Blick erkennt – ein Motiv, das die folgende Offenbarungsszene vorbereitet.]

sā hovāca - veda vai yat te ’priyam. mā te ’priyaṃ bhūt. ehy ahaṃ tubhyaṃ devayānaṃ panthānaṃ vakṣyāmīti. tatheti. taṃ hāsmā uvāca. tau ha sāyaṃ samājagmatuḥ. sa hovāca - datvehīdam, ācāryapraśiṣṭo brūṣe. paśyasi tvaṃ devayānaṃ panthānam iti. neti hovāca. atha vā ahaṃ paśyāmīti. taṃ vai me brūhīti. tatheti. taṃ hāsmā uvāca. tasmād u ha rājanyabandhur eva brāhmaṇāt suhṛdayataraḥ. sa ha datvaḥ sautemanasa uvāca - paśyasi vai tvaṃ devayānaṃ panthānam, ehi svargaṃ lokam ayāveti

Sie sprach: »Ich weiß wohl, was dir unlieb ist. Möge es dir nicht mehr unlieb sein. Komm, ich will dir den Götterpfad (devayāna) verkünden.« »So sei es«, sagte er. Sie verkündete ihm diesen. Die beiden kamen abends zusammen. Er sprach: »Komm her, Datva! Du behauptest, vom Lehrer besonders unterwiesen zu sein – kennst du denn den Götterpfad?« »Nein«, sprach jener. »Ich aber kenne ihn!« »So sag ihn mir doch!« »So sei es.« Er verkündete ihm diesen. Daher eben ist ein bloßer Spross des Kriegeradels (rājanyabandhu) noch gutherziger als ein Brahmane. Da sprach Datva Sautemanasa: »Du kennst ja den Götterpfad – komm, lass uns beide zur Himmelswelt gehen!«

[Anm.: Der anrührende Abschluss der Lehrer-Schüler-Erzählung: Die von der Kuh empfangene Kenntnis des Devayāna nutzt Mitravid zunächst, um den überheblichen Datva bloßzustellen, teilt sein Wissen dann aber ungeachtet der vorausgegangenen Kränkung großzügig mit ihm – woraufhin der Text ausdrücklich, und für seine sonst brahmanenzentrierte Perspektive bemerkenswert unüblich, dem »bloßen Kriegeradel-Spross« mehr Herzensgüte zuspricht als dem Brahmanen. Die Erzählung schließt versöhnlich mit der gemeinsamen Aussicht auf die Himmelswelt, welche den eingangs (2.276) genannten Opferzweck (»wer sich den Himmel wünscht«) narrativ einlöst.]

neti hovāca. dānena vā vai śrameṇa vaitaṃ prajānann eti. hanta nu dadāva vā śrāmyāva veti. sa ha mitravid daṃṣṭradyumno goāyurbhyām eva saṃvatsaram iyāya. sa hopariṣṭād eva saṃvatsarasya svargaṃ lokam iyāya. atha ha datvas sautemanasa etenaiva trirātreṇeṣṭvā svargaṃ lokam iyāya. tena haiteneṣṭvaiva svargaṃ lokam eti. eteno eva hiraṇyadan veda īje dvandvakāmaḥ. yad idam go aśvaṃ hastihiraṇyam ajāvikaṃ vrīhiyavās tilamāṣā iti, tad dhāsya bahva āsa. sa yo haivaṃ vidvān etena dvandvakāmo yajate, bahu haivāsyaitad bhavati

»Nein«, sprach er. »Durch Freigebigkeit (dāna) nämlich oder durch Anstrengung (śrama) gelangt man dorthin, wenn man es weiß.« »Wohlan denn, lass uns entweder geben oder uns abmühen!« Mitravid Dāṃṣṭradyumna gelangte durch Rinder und Lebenszeit hindurch zu einem Jahr; nach Ablauf des Jahres gelangte er zur Himmelswelt. Datva Sautemanasa aber gelangte, nachdem er mit eben diesem Trirātra geopfert hatte, ebenfalls zur Himmelswelt. Wer mit eben diesem opfert, gelangt zur Himmelswelt. Mit eben diesem opferte Hiraṇyadant Veda, der sich Paare (dvandva) wünschte: nämlich Rind-und-Pferd, Elefant-und-Gold, Ziege-und-Schaf, Reis-und-Gerste, Sesam-und-Bohnen – dies wurde ihm reichlich zuteil. Wer, dies wissend, sich Paare wünschend, mit diesem opfert, dem wird eben dies reichlich zuteil.

[Anm.: Der versöhnliche Abschluss der Datva-Mitravid-Erzählung: Beide erreichen, auf unterschiedlichem Weg – der eine durch Freigebigkeit (Rindergabe über ein Jahr), der andere durch das asketisch-rituelle Trirātra –, gleichermaßen die Himmelswelt; die Erzählung schließt damit ohne Wertung zwischen den beiden Wegen. Die genaue Konstruktion »go-āyurbhyām« (›durch Rind-und-Lebenszeitʻ) bleibt in ihrem technischen Bezug etwas unklar. Die anschließende Dvandva-Liste illustriert eine für das Jaiminīya-Brāhmaṇa charakteristische Technik, abstrakte Rituale mit ganz konkreten Wunschzielen – hier materieller Wohlstand in gepaarten Gütern – zu verknüpfen.]

athaiṣo ’ntarvasuḥ. khaṇḍikaś ca haudbhāriḥ keśī ca dārbhyaḥ pāñcāleṣu paspṛdhāte. sa ha khaṇḍikaḥ keśinam abhibabhūva. sa ha keśī khaṇḍikena nibāḍha uccaiḥśravasaṃ kauvayeyaṃ jagāma kauravyaṃ rājānāṃ mātur bhrātaram. taṃ hovāca - yajñaṃ me vidhehīti. tatheti hovāca. kathaṃ te vidhāsyāmi. yathāsmin loka ṛdhnotī3, yathā ho amuṣmī3n iti. yathāsminn iti hovāca. sa hovācota nu sa yajñaṃ pṛcchati yo yajñassahayaṃ na vedeti. kathā heti. amuṣmai hy eva lokāya yajño nāsmā iti. neti hovāca. khaṇḍiko vai tyam audbhārir abhyabhūt. sa yathā tam abhibhavāmy evaṃ me vidhehīti. tasmā etam antarvasuṃ vidadhau. sarvastomo ’gniṣṭomaḥ. ita - ūrdhva - chandomavidhaṃ madhyamam ahaś - caturviṃśaṃ prātassavanaṃ, catuścatvāriṃśaṃ mādhyaṃdinaṃ savanam, aṣṭācatvāriṃśaṃ tṛtīyasavanam. sarvastomo ’tirātraḥ parastāt pratyaṅ. brahma vai caturviṃśa, kṣatraṃ catuścatvāriṃśo, viḍ aṣṭācatvāriṃśaḥ. saṃvatsaro vai sarvastomaḥ. tam etābhyām eva sarvastomābhyām etāṃ trayīṃ viśaṃ parigṛhyātman dadhe. tasyai ha śriyaṃ jagāma

Nun, dies ist der »Antarvasu« (der innere Reichtum). Khaṇḍika Audbhāri und Keśin Dārbhya stritten miteinander unter den Pāñcālas. Khaṇḍika überwältigte Keśin. Keśin, von Khaṇḍika hart bedrängt, ging zu Uccaiḥśravas Kauvayeya, dem Kaurava-König, dem Bruder seiner Mutter. Er sprach zu ihm: »Verschaffe mir ein Opfer!« »So sei es«, sprach jener. »Wie soll ich es dir verschaffen? So, dass er in dieser Welt gedeihe3, oder so, dass er in jener3 gedeihe?« »So, dass ich in dieser Welt gedeihe«, sprach er. Er sprach: »Fragt denn der überhaupt nach einem Opfer, der des Opfers eigenen Gefährten nicht kennt?« »Wie das?«, fragte Keśin. »Denn dem jenseitigen Reiche gehört das Opfer, nicht diesem.« »Nein«, sprach er, »Khaṇḍika Audbhāri hat mich ja überwältigt – verschaffe es mir so, dass ich ihn wiederum überwältige!« Für ihn ordnete er darauf diesen Antarvasu an. Der Agniṣṭoma hat den Allstoma. Von hier an, aufwärts, ist der mittlere Tag nach der Chandoma-Regel eingerichtet: vierundzwanzigfach ist die Morgenpressung, vierundvierzigfach die Mittagspressung, achtundvierzigfach die dritte Pressung. Der Atirātra, der zeitlich folgt, hat rückwärtsgewandt den Allstoma. Brahman nämlich ist der Vierundzwanzigfache, Kṣatra der Vierundvierzigfache, Viś (das Volk) der Achtundvierzigfache. Das Jahr nämlich ist der Allstoma. Eben durch diese beiden Allstomas ergreift er diese dreifache Viś und legt sie in sich selbst. Ihm kam dadurch Glanz zu.

[Anm.: Die im Sanskrit-Original erhaltene Pluti-Notation (ṛdhnotī3, amuṣmī3n) bezeugt authentische mündliche Rezitationspraxis, wie bereits in 2.247 beobachtet. Bemerkenswert ist die klare Gegenüberstellung von diesseitigem und jenseitigem Opferzweck: Keśin wählt explizit den diesseitigen Erfolg (Rache an seinem Rivalen Khaṇḍika) gegenüber dem sonst im Aśvamedha-Umfeld dominierenden Himmelsstreben (vgl. 2.276-278). Die Bemerkung, das Opfer gehöre eigentlich der jenseitigen Welt, deutet eine gewisse Spannung zwischen ritueller Norm und individuellem Anliegen an, die durch das speziell angeordnete »Antarvasu«-Opfer aufgelöst wird. Die abschließende Zuordnung von Brahman/Kṣatra/Viś zu den drei Pressungen (24/44/48-fach) begründet die soziale Gesamtrepräsentation, die der Opfernde sich damit aneignet.]

tato vai sa khaṇḍikaṃ nissārayāṃcakāra. tato vai keśī dārbhyo ’bhavat, parā khaṇḍikaḥ. bhavaty ātmanā, parāsya dviṣan bhrātṛvyo bhavati, ya evaṃ veda. sa ya śrīkāma syāt, sa etena yajeta. etābhyām eva sarvastomābhyām etāṃ trayīṃ viśaṃ parigṛhyātman dhatte. tasyai ha śriyaṃ gacchati. athaiṣa parākaḥ. svargakāmo haitena yajeta. tasya parāñcy eva stotrāṇi bhavanti, parāñci śastrāṇi, parāñci pṛṣṭhāni, parācīr viṣṭutayaḥ, parāṅ eva sarvo bhavati. tena haitenoccaiḥśravāḥ kauveyāya īje sthaviro rājā kauravyaḥ. sa heṣṭvaiva svargaṃ lokam iyāya. tena haiteneṣṭvaiva svargaṃ lokam eti. atha yasyaitasya jyotir agniṣṭomo jyotir ukthyo jyotir atirātra iti brahmavarcasakāmo haitena yajeta. jyotir iva ha vai sa bhāti yo brahmavarcasam ṛdhnoti. ṛdhnoti hainena brahmavarcasaṃ, brahmavarcasī bhavati. atha yasyaitasya saptadaśo ’gniṣṭomas, saptadaśa ukthyas, saptadaśo ’tirātra iti prajāpater aśvamedhaḥ. prajananakāmo haitena yajeta. atha yasyaitasyaikaviṃśo ’gniṣṭoma, ekaviṃśa ukthya, ekaviṃśo ’tirātra ity ādityasyāśvamedhaḥ. svargakāmo haitena yajeta

Daraufhin vertrieb er Khaṇḍika. So kam Keśin Dārbhya empor, während Khaṇḍika unterlag. Wer dies weiß, kommt in eigener Person empor, und sein hassender Rivale (bhrātṛvya) unterliegt. Wer sich Glanz wünscht, sollte damit opfern. Eben durch diese beiden Allstomas ergreift er diese dreifache Viś und legt sie in sich selbst. Ihm kommt dadurch Glanz zu. Nun, dies ist der »Parāka« (der Hinweggewandte). Wer sich den Himmel wünscht, sollte damit opfern. Für ihn sind die Stotras hinweggewandt, die Śastras hinweggewandt, die Pṛṣṭhas hinweggewandt, die Viṣṭutis hinweggewandt – das Ganze ist geradezu hinweggewandt. Mit eben diesem opferte der greise König Uccaiḥśravas Kauveya, der Kaurava. Er gelangte, nachdem er geopfert hatte, zur Himmelswelt. Wer mit eben diesem opfert, gelangt zur Himmelswelt. Und für den, für welchen gilt: »Licht ist der Agniṣṭoma, Licht der Ukthya, Licht der Atirātra« – wer sich brahmanischen Glanz (brahmavarcas) wünscht, sollte damit opfern. Wie Licht nämlich erstrahlt, wer brahmanischen Glanz erlangt. Er erlangt dadurch brahmanischen Glanz, wird ein Mann von brahmanischem Glanz. Und für den, für welchen gilt: »Siebzehnfach ist der Agniṣṭoma, siebzehnfach der Ukthya, siebzehnfach der Atirātra« – dies ist Prajāpatis Aśvamedha. Wer sich Nachkommenschaft wünscht, sollte damit opfern. Und für den, für welchen gilt: »Einundzwanzigfach ist der Agniṣṭoma, einundzwanzigfach der Ukthya, einundzwanzigfach der Atirātra« – dies ist Ādityas Aśvamedha. Wer sich den Himmel wünscht, sollte damit opfern.

[Anm.: Abschluss der Keśin-Khaṇḍika-Erzählung mit der wörtlichen Wiederholung der Schlussformel aus 2.279 – eine für das Jaiminīya-Brāhmaṇa typische Rahmungstechnik. Der anschließende »Parāka« knüpft mit König Uccaiḥśravas Kauveya (demselben Herrscher, der zuvor Keśin half) thematisch an und vollzieht dessen eigenes, nunmehr im hohen Alter unternommenes Himmelsstreben. Die abschließende Reihe verschiedener Aśvamedha-Varianten greift die bereits in 2.218 etablierte Gleichung Saptadaśa (17) = Prajāpati sowie die Ekaviṃśa (21) = Āditya-Zuordnung wieder auf und ordnet ihnen nun spezifische Wunschziele zu, Nachkommenschaft bzw. Himmel.]

athaite catūrātrāḥ. atrir vā akāmayata - catvāro me vīrā ājāyerann iti. sa etaṃ catūrātraṃ yajñam apaśyat. tam āharat. tenāyajata. tato vai tasya catvāro vīrā ājāyanta. asya catvāro vīrā ājāyante ya evaṃ veda. atrirṛṣayo vā akāmayanta - catvāraś catvāro no vīrā ājāyerann iti. ta etaṃ catūrātraṃ yajñam apaśyan. tam āharan. tenāyajan. tato vai teṣāṃ catvāraś catvāro vīrā ājāyanta. asya catvāraś catvāro vīrā ājāyante ya evaṃ veda. ā caturaṃ ha khalu vai mithunaṃ prajananaṃ mithunaṃ parācīnam. ekaś ca vā ekā ca, dvau ca dve ca, trayaś ca tisraś ca, catvāraś ca catasraś ca, etad vā ā caturaṃ mithunaṃ prajananam. na ha vai pañca ca pañca ceti nāma santi. tad yan mithunaṃ prajananaṃ tan mā prajanayād iti. tasya caturviṃśāḥ pavamānā bhavanti - caturviṃśatyardhamāsas saṃvatsaraḥ. saṃvatsaraḥ prajananaṃ - sa mā prajanayād iti. tasyobhe bṛhadrathantare. tad yad daivyaṃ mithunaṃ prajananaṃ tan mā prajanayād iti. tasyobhaye stomā bhavanty ayujaś ca yugmantaś ca. etad vai daivyaṃ mithunaṃ prajananaṃ yad ubhaye stomāḥ. tad yad daivyaṃ mithunaṃ prajananaṃ tan mā prajanayād iti

Nun, dies sind die Catūrātras (Vier-Nächte-Opfer). Atri wünschte sich: »Vier Helden mögen mir geboren werden!« Er erblickte dieses Catūrātra-Opfer. Er holte es herbei. Mit ihm opferte er. Daraufhin wurden ihm vier Helden geboren. Vier Helden werden dem geboren, der dies so weiß. Die Atri-Ṛṣis wünschten sich: »Je vier Helden mögen uns geboren werden!« Sie erblickten dieses Catūrātra-Opfer. Sie holten es herbei. Mit ihm opferten sie. Daraufhin wurden einem jeden von ihnen je vier Helden geboren. Je vier Helden werden dem geboren, der dies so weiß. Bis zur Vier reicht fürwahr die Paarung der Zeugung, eine sich fortsetzende Paarung: Einer und eine, zwei und zwei, drei und drei, vier und vier – dies eben ist, bis zur Vier, die Paarung der Zeugung. Denn »fünf und fünf« – solche Namen gibt es nicht. »Was Paarung der Zeugung ist, das möge mich zeugen!« Für dieses Opfer gibt es vierundzwanzigfache Pavamānas – vierundzwanzig Halbmonate hat das Jahr; das Jahr ist Zeugung – »es möge mich zeugen!« Für dieses gibt es beide, Bṛhat und Rathantara. »Was göttliche Paarung der Zeugung ist, das möge mich zeugen!« Für dieses gibt es beiderlei Stomas, sowohl ungerade als auch gerade. Dies eben ist die göttliche Paarung der Zeugung, dass es beiderlei Stomas gibt. »Was göttliche Paarung der Zeugung ist, das möge mich zeugen!«

[Anm.: Der mythische Ursprung des Catūrātra aus Atris Wunsch nach vier Söhnen, zunächst individuell, dann kollektiv auf die »Atri-Ṛṣis« (die Sängergruppe der Atris) übertragen. Die anschließende zahlentheoretische Reflexion über die »Paarung der Zeugung« (1+1 bis 4+4) mit der Beobachtung, dass die Sprache für »fünf und fünf« keinen entsprechenden Namen kennt, begründet, warum gerade die Vierzahl dem Catūrātra zugrunde liegt. Der Satz bricht am Ende inmitten der Wunschformel zur »göttlichen Paarung« ab und wird in 2.282 fortgeführt.]

ayujaś ca uttare stomā bhavanti. ṛtavo vā ayujaḥ. ṛtavo vā idaṃ sarvaṃ prajanayanti. te ya idaṃ sarvaṃ prajanayanti te mā prajanayān iti. ahno ’hna stomam utsṛjamānā yanti. ahno ’hna stomam abhyupāharante. vīro vā eṣa yat stomaḥ. ahno ’hna eva tad vīryaṃ prajanayanto yanty, ahno ’hno vīryam abhyupāharante, ’kṣareṇākṣareṇotkrāmanto yanti. ekākṣaraṇidhanaṃ prathame ’hani bhavati, dvyakṣaraṇidhanaṃ dvitīyaṃ, tryakṣaraṇidhanaṃ tṛtīye, caturakṣaraṇidhanaṃ caturthe - ’kṣareṣṭhā vīro ’sad, akṣareṣṭhā vīro ’sad iti. nānāgniṣṭomasāmāni bhavanti - vīrāṇām eva nānāvīryatāyai. na ha vai sa vīro yo ’nyasya vīryam anu vīraḥ. sa ha vāva vīro ya ātmana evaṃ vīryam anu vīraḥ. tad yan nānāgniṣṭomasāmāni bhavanti vīrāṇām eva nānāvīryatāyai

Und die ungeraden Stomas sind die höheren. Die Jahreszeiten nämlich sind die ungeraden; die Jahreszeiten nämlich zeugen dies alles. »Die, welche dies alles zeugen, mögen mich zeugen!« Tag für Tag, den Stoma jeweils ablegend, schreiten sie voran; Tag für Tag nehmen sie den Stoma neu auf. Ein Held nämlich ist dieser Stoma. Tag für Tag eben, diese Manneskraft (vīrya) erzeugend, schreiten sie voran; Tag für Tag bringen sie Manneskraft neu hervor. Silbe für Silbe emporsteigend schreiten sie voran. Ein einsilbiges Nidhana (Schlussformel) gibt es am ersten Tag, ein zweisilbiges am zweiten, ein dreisilbiges am dritten, ein viersilbiges am vierten – »in der Silbe möge der Held feststehen, in der Silbe möge der Held feststehen!« Verschiedene Agniṣṭoma-Sāmans gibt es, eben um der Verschiedenheit der Manneskraft der Helden willen. Denn nicht ist der ein Held, der nach eines anderen Manneskraft ein Held ist; der vielmehr ist ein Held, der nach seiner eigenen Manneskraft ein Held ist. Dass es verschiedene Agniṣṭoma-Sāmans gibt, ist eben um der Verschiedenheit der Manneskraft der Helden willen.

[Anm.: Der Abschluss der Catūrātra-Zeugungsspekulation mündet in eine bemerkenswert eigenständige, fast individualethische Einsicht: Wahres Heldentum bemisst sich nicht am Nachahmen fremder Kraft, sondern allein an der eigenen, ihm selbst gemäßen Manneskraft – eine Reflexion, die über den unmittelbaren Ritualzusammenhang (die Begründung verschiedener Sāman-Melodien für die vier Tage) hinausweist und sich thematisch mit der bereits in 2.247 beobachteten proto-philosophischen Tiefe berührt. Die verdoppelte Wunschformel »in der Silbe möge der Held feststehen« mag rituelle Emphase oder eine leichte Textverdopplung darstellen; ich übernehme sie wie überliefert.]

tad āhur - yajñāyajñīyam evāhno ’hno ’gniṣṭomasāma kuryuḥ. jyaiṣṭhayaṃ vai yajñāyajñīyama. jyaiṣṭhyād vīro na cyavātā iti. tad yat samāni stotrāṇi syus samāvaccha eva vīryam aśnuvīran. yad viṣamāṇi jyeṣṭheṣv evaikadhā vīryaṃ dadhyuḥ. tad yat samāḥ pavamānā bhavanti samāvaccha eva tad vīryam aśnuvate. atha yad uttarai stotrair utkrāmanto yanti jyeṣṭheṣv eva tad bhūyo bhūyo vīryaṃ dadhato yanti. dvirātro ha khalu vā eṣa tāyate. yo bṛhadrathantarābhyām abhi tvā vṛṣabhā suta ity etāsu tṛtīye ’hani rathantaraṃ pṛṣṭhaṃ kuryuḥ. tad yad abhi tveti tena rathantarasya rūpān na yanti. gāyatryāyātayāmnyā tṛtīyam ahas tāyate. kas tam indra tvāvasav iti maitrāvaruṇasāma. tāsām ihākṣarāṇi saṃpadyante. yā gāyatryo gāyatryastā, yāḥ kakubhaḥ kakubhas tā, yā bṛhatyo bṛhatyas tāḥ. yathāyatanaṃ chandāṃsi yujyante. gāyatryā vai prathamam ahas tāyate, triṣṭubhā dvitīyaṃ, jagatyā tṛtīyam, anuṣṭubhā caturtham. taṃ tvā yajñebhir īmaha ity etāsu caturthe ’hani bṛhat pṛṣṭhaṃ kuryuḥ. tad yat taṃ tveti tena bṛhato rūpān na yanti. anuṣṭubhāyātayāmnyā caturtham ahas tāyate. vayam u tvām apūrvyeti maitrāvaruṇasāma. tāsām ihākṣarāṇi saṃpadyante. yā gāyatryo gāyatryas tā, yāḥ kakubhaḥ kakubhas tā, yā bṛhatyo bṛhatyas tāḥ. yathāyatanaṃ chandāṃsi yujyante

Dazu sagt man: »Man sollte Tag für Tag eben das Yajñāyajñīya als Agniṣṭoma-Sāman verwenden.« Denn das Yajñāyajñīya gehört zur Erstrangigkeit (jyaiṣṭhya). »Von der Erstrangigkeit falle der Held nicht ab!« Wären die Stotras dabei gleich, so würden sie die Manneskraft nur gleichmäßig erlangen; wären sie ungleich, so würden sie die Manneskraft zunehmend allein in den ranghöheren Tagen ansammeln. Dass die Pavamānas gleich sind – dadurch erlangen sie eben jene Manneskraft gleichmäßig. Schreiten sie aber, durch je höhere Stotras aufsteigend, voran, so häufen sie, gerade in den ranghöheren, die Manneskraft immer mehr an. Dieser Ritus erstreckt sich fürwahr über zwei Nächte (Dvirātra): Bei dem, der durch Bṛhat und Rathantara ausgedehnt wird, sollte man mit den Versen »Abhi tvā vṛṣabhā sutaḥ« (»Dir, o Stier, ist der Soma gepresst worden«) am dritten Tag das Rathantara zum Pṛṣṭha machen. Weil es »abhi tvā« heißt, weicht man dadurch nicht von der Gestalt des Rathantara ab. Mit einer noch unverbrauchten (ayātayāmnī) Gāyatrī wird der dritte Tag ausgedehnt. »Kas tam indra tvāvasau« ist das Maitrāvaruṇa-Sāman. Deren Silben stimmen hierbei überein: Welche Verse Gāyatrī sind, sind Gāyatrī; welche Kakubh sind, sind Kakubh; welche Bṛhatī sind, sind Bṛhatī. Den Metren gemäß ihrem angestammten Ort werden sie zugeordnet. Mit der Gāyatrī nämlich wird der erste Tag ausgedehnt, mit der Triṣṭubh der zweite, mit der Jagatī der dritte, mit der Anuṣṭubh der vierte. Mit den Versen »Taṃ tvā yajñebhir īmahe« (»Dich verehren wir mit Opfern«) sollte man am vierten Tag das Bṛhat zum Pṛṣṭha machen. Weil es »taṃ tvā« heißt, weicht man dadurch nicht von der Gestalt des Bṛhat ab. Mit einer unverbrauchten Anuṣṭubh wird der vierte Tag ausgedehnt. »Vayam u tvām apūrvya« ist das Maitrāvaruṇa-Sāman. Deren Silben stimmen hierbei überein: Welche Verse Gāyatrī sind, sind Gāyatrī; welche Kakubh sind, sind Kakubh; welche Bṛhatī sind, sind Bṛhatī. Den Metren gemäß ihrem angestammten Ort werden sie zugeordnet.

[Anm.: Eine hochtechnische liturgische Passage zur genauen Zuordnung von Versen, Metren und Pṛṣṭha-Sāmans auf die vier Tage eines bestimmten Catūrātra. Die zitierten Versanfänge (»abhi tvā vṛṣabhā sutaḥ«, an Indra als Stier gerichtet, ähnlich Ṛgveda 6.44; »taṃ tvā yajñebhir īmahe«) lassen sich nicht mit letzter Sicherheit exakten Ṛgveda-Stellen zuordnen, gehören aber erkennbar zum klassischen vedischen Hymnenbestand. Bemerkenswert ist die eingangs referierte Alternative zwischen gleichförmiger (gleichmäßige Kraftverteilung) und gestufter Stotra-Anordnung (zunehmende Kraftkonzentration in den ranghöheren Teilen) – ein Echo des bereits mehrfach begegneten Nebeneinanders gleichwertiger technischer Optionen.]

agniṣṭomo vai prathamam ahar, ukthyo dvitīyaṃ, ṣoḍaśimāṃs tṛtīyam, atirātraś caturtham. nānāvīryāṇy ahāni bhavanti, vīrāṇām eva nānāvīryatāyai. atha ha smāha takṣako bhāgerathir mātsyo rājānu catūrātraḥ pṛṣṭhāni vyāpnoti. dvirātro vai bṛhadrathantarābhyāṃ tāyata iti. vairūpaṃ ca mahānāmnayaś ca tṛtīye ’hani kuryuḥ. rāthantare vaite. rāthantaraṃ tṛtīyam ahar iti. vairājaṃ ca revatyaś ca caturthe ’hani kuryuḥ. bārhate vaite. bārhataṃ caturtham ahar iti. evaṃ vai catūrātraḥ pṛṣṭhāni vyāpnotīti ha sma sa āha. tad āhuḥ - ko yajñānāṃ varṣiṣṭhaḥ, ko variṣṭha iti. sa brūyād - trirātra eva yajñānāṃ varṣiṣṭha iti. ime vai lokās trirātro diśa eva catūrātraḥ

Der Agniṣṭoma ist der erste Tag, der Ukthya der zweite, der Ṣoḍaśin der dritte, der Atirātra der vierte. Verschiedenartige Manneskraft haben die Tage, eben um der Verschiedenheit der Manneskraft der Helden willen. Und Takṣaka Bhāgerathi, der König der Matsyas, pflegte zu sagen: »Der Catūrātra durchdringt die Pṛṣṭhas vollständig. Das Dvirātra nämlich wird durch Bṛhat und Rathantara ausgedehnt. Das Vairūpa und die Mahānāmnīs sollte man am dritten Tag vollziehen – diese beiden gehören zum Rathantara; Rathantara ist der dritte Tag. Das Vairāja und die Revatīs sollte man am vierten Tag vollziehen – diese beiden gehören zum Bṛhat; Bṛhat-bezogen ist der vierte Tag. So durchdringt der Catūrātra die Pṛṣṭhas vollständig« – so pflegte er zu sagen. Dazu sagt man: »Welches ist das erhabenste der Opfer, welches das beste?« Man sollte antworten: »Der Trirātra ist fürwahr das erhabenste der Opfer.« Diese Welten nämlich sind der Trirātra, die Himmelsrichtungen aber der Catūrātra.

[Anm.: Mit König Takṣaka Bhāgerathi der Matsyas wird eine weitere, namentlich benannte Autorität in die Pṛṣṭha-Zuordnungslehre eingeführt. Der abschließende Vergleich zwischen Trirātra (den drei kosmischen Welten zugeordnet, vgl. 2.244-245) und Catūrātra (den vier Himmelsrichtungen zugeordnet) bewertet den Trirātra als überlegen, ohne dem Catūrātra damit seine Berechtigung abzusprechen – beide behalten ihre je eigene kosmologische Entsprechung.]

athaiṣa jāmadagnyaḥ. prajananakāmo haitena yajeta. jamadagnir vā akāmayata -- bahuḥ prajayā paśubhiḥ prajāyeyeti. sa etaṃ catūrātraṃ yajñam apaśyat. tam āharat. tenāyajata. tato vai sa bahuḥ prajayā paśubhiḥ prajāyata. api hāsya dvāv aurvau prajāyāṃ na saṃjajñāte - kayas tvam isi, kayas tvam asīti. tathā bahur iha prajajñe. tasmād idam apy etarhi dvāv aurvau palitau samāgatya na saṃjānāte. bahuḥ prajayā paśubhiḥ prajāyate ya evaṃ veda. tasyāhus saṃvatsaram eva dīkṣā syur iti. prajananaṃ vai saṃvatsaraḥ. prajananam eṣa yajñaḥ. tat tat prajananaṃ kriyate. tasmād u hainena prajananakāmo yajeta. atho āhur - aṣṭācatvāriṃśad eva syur iti. aṣṭācatvāriṃśadakṣarā vai jagatī. paśavo jagatī. jāgata eṣa yajñaḥ. tasmād u hainena paśukāmo yajeta. atho āhuṣ - ṣaṭtriṃśad eva (syuḥ). ṣaṭtriṃśadakṣarā vai bṛhatī. bṛhatī vai svargaṃ lokam ānaśe. tadvā asya svargyam. tasmād u hainena svargakāmo yajeta. tāni trīṇi jāgatāni. trīṇi jāgatāni padāni bhavanti. tena jagatyai rūpān na yanti. atho āhuś caturviṃśatir eva syur iti. caturviṃśatyardhamāsas saṃvatsaraḥ prajananam. prajananam eṣa yajñaḥ. tat tat prajananaṃ kriyate. tasmād u hainena prajananakāmo yajeta. tad ekaṃ jāgataṃ padaṃ bhavati. tenaiva jagatyai rūpān na yanti

Nun, dies ist das »Jāmadagnya« (Jamadagni-Opfer). Wer sich Nachkommenschaft wünscht, sollte damit opfern. Jamadagni wünschte sich: »Reichlich möge ich mich in Nachkommenschaft und Vieh vermehren!« Er erblickte dieses Catūrātra-Opfer. Er holte es herbei. Mit ihm opferte er. Daraufhin vermehrte er sich reichlich in Nachkommenschaft und Vieh. Ja, sogar zwei Aurva-Nachkommen von ihm erkannten einander in seiner Nachkommenschaft nicht: »Wer von beiden bist du? Wer von beiden bist du?«, fragten sie sich. So reichlich vermehrte er sich hier. Deshalb erkennen sich noch heute zwei ergraute Aurvas, wenn sie zusammentreffen, nicht. Reichlich vermehrt sich in Nachkommenschaft und Vieh, wer dies so weiß. Dazu sagen sie: Die Weihe (dīkṣā) sollte für dieses Opfer eben ein ganzes Jahr währen. Das Jahr nämlich ist Zeugung; Zeugung ist dieses Opfer. Eben jene Zeugung wird damit bewirkt. Deshalb sollte, wer sich Nachkommenschaft wünscht, eben damit opfern. Und ferner sagen sie: Sie sollten die Zahl achtundvierzig betragen. Achtundvierzigsilbig nämlich ist die Jagatī. Der Jagatī gehören die Tiere. Ein jagatisches Opfer ist dies. Deshalb sollte, wer sich Vieh wünscht, eben damit opfern. Und ferner sagen sie: Sie sollten die Zahl sechsunddreißig betragen. Sechsunddreißigsilbig nämlich ist die Bṛhatī. Die Bṛhatī hat die Himmelswelt erlangt. Das eben ist an ihr himmlisch. Deshalb sollte, wer sich den Himmel wünscht, eben damit opfern. Jene drei sind jagatisch, drei jagatische Versfüße kommen vor; dadurch weicht man nicht von der Gestalt der Jagatī ab. Und ferner sagen sie: Sie sollten die Zahl vierundzwanzig betragen. Vierundzwanzig Halbmonate hat das Jahr; das Jahr ist Zeugung; Zeugung ist dieses Opfer; eben jene Zeugung wird damit bewirkt. Deshalb sollte, wer sich Nachkommenschaft wünscht, eben damit opfern. Das ergibt einen einzigen jagatischen Versfuß; eben dadurch weicht man nicht von der Gestalt der Jagatī ab.

[Anm.: Die Erwähnung der »Aurva«-Nachkommen, die sich noch heute, ergraut, nicht mehr erkennen, gehört zu den bereits mehrfach beobachteten ätiologischen »noch-heute«-Bemerkungen über reale, dem Autor gegenwärtige Sippenverhältnisse (vgl. 2.217, 2.220, 2.238-239, 2.272). Der zweite Teil des Abschnitts listet vier alternative Zahlenangaben (ganzes Jahr / 48 / 36 / 24) für ein nicht ganz explizit benanntes Element des Ritus (vermutlich die Zahl der Weihetage oder eine analoge Zählgröße), von denen jede über eine Silbenzahl-Entsprechung (Jagatī = 48, Bṛhatī = 36, Halbmonate/Jahr = 24) mit einem je eigenen Wunschziel verknüpft wird – ein Musterbeispiel der für den Text charakteristischen numerologischen Mehrfachbegründung.]

tad āhur - yad gāyatryā prathamam ahas tāyate, triṣṭubhā dvitīyaṃ, jagatyā tṛtīyam, anuṣṭubhā caturtham, atha kasmāj jāgata evaiṣa yajña ākhyāyata iti. sa brūyād - yadā vai bahvaśvo vā bahvaśvatarīko vānyān anyān āyuṃjāna ety, evam evaitaj jagaty anyad anyac chando ’bhyārohanty etīti. atho yad evaitāni stotrāṇi saṃstutāni jagatīm abhi saṃpadyante, teno eva jāgata iti. atho jyaiṣṭhyaṃ vai jagatī chandasām. tasmāj jyaiṣṭhyena gṛhyān ācakṣatainena gṛhyāṃś cakṣate ya evaṃ veda. dvirātro ha khalu vai eṣa tāyate yo bṛhadrathantarābhyām abhi tvā vṛṣabhā suta ity etāsu tṛtīye ’hani rathantaraṃ pṛṣṭhaṃ kuryuḥ. tad yad abhi tveti tena rathantarasya rūpān na yanti. gāyatryāyātayāmnyā tṛtīyam ahas tāyate. kas tam indra tvāvasav iti maitrāvaruṇasāma. tāsām ihākṣarāṇi saṃpadyante. taṃ tvā yajñebhir īmaha ity etāsu caturthe ’hani bahat pṛṣṭhaṃ kuryuḥ. tad yat taṃ tveti tena bṛhato rūpān na yanti. anuṣṭubhāyātayāmnyā caturtham ahas tāyate. vayam u tvām apūrvyaiti maitrāvaruṇasāma. tāsām ihākṣarāṇi saṃpadyante

Dazu sagt man: »Wenn doch der erste Tag mit der Gāyatrī ausgedehnt wird, der zweite mit der Triṣṭubh, der dritte mit der Jagatī, der vierte mit der Anuṣṭubh – warum wird dann gerade dieses Opfer als ›jagatischʻ bezeichnet?« Man sollte antworten: »So wie jemand, der viele Pferde oder viele Maultierstuten hat, immer wieder andere anspannend, dahinfährt – ebenso schreitet man auch hier, von einem Versmaß zum anderen aufsteigend, voran; dies eben ist das Jagatische.« Und ferner: Weil eben diese Stotras, einmal vollständig gepriesen, in der Jagatī zusammenlaufen, deshalb eben heißt es »jagatisch«. Und ferner: Die Jagatī hat ja unter den Versmaßen die Erstrangigkeit. Deshalb nennt man mit dieser Erstrangigkeit die eigenen Hausgenossen (gṛhya); mit ihr nennt seine Hausgenossen, wer dies so weiß. Dieser Ritus erstreckt sich fürwahr über zwei Nächte: Bei dem, der durch Bṛhat und Rathantara ausgedehnt wird, sollte man mit den Versen »Abhi tvā vṛṣabhā sutaḥ« am dritten Tag das Rathantara zum Pṛṣṭha machen; dadurch weicht man nicht von der Gestalt des Rathantara ab. Mit einer unverbrauchten Gāyatrī wird der dritte Tag ausgedehnt; »Kas tam indra tvāvasau« ist das Maitrāvaruṇa-Sāman; deren Silben stimmen hierbei überein. Mit den Versen »Taṃ tvā yajñebhir īmahe« sollte man am vierten Tag das Bṛhat zum Pṛṣṭha machen; dadurch weicht man nicht von der Gestalt des Bṛhat ab. Mit einer unverbrauchten Anuṣṭubh wird der vierte Tag ausgedehnt; »Vayam u tvām apūrvya« ist das Maitrāvaruṇa-Sāman; deren Silben stimmen hierbei überein.

[Anm.: Eine dialektisch gestellte Frage (warum heißt das Opfer »jagatisch«, obwohl doch alle vier Versmaße verwendet werden?) wird mit einem anschaulichen Gleichnis vom Reisenden beantwortet, der unterwegs die Zugtiere wechselt, ohne dass die Fahrt selbst aufhört, eine einzige zu sein – die Jagatī erscheint so als das durchgehende, verbindende Prinzip der vier Tage, nicht bloß als eines von vier gleichrangigen Versmaßen; dies wird durch die Erstrangigkeit der Jagatī unter den Metren (48 Silben, das längste gebräuchliche vedische Versmaß) zusätzlich begründet. Der zweite Absatz wiederholt nahezu wörtlich die bereits in 2.283 dargelegte Pṛṣṭha-Zuordnung, hier auf den Jāgata-Kontext bezogen. Die Bemerkung über das Benennen der »Hausgenossen« (gṛhya) mittels dieser Erstrangigkeit bleibt in ihrem genauen Sinn etwas unklar.]

vyūḍhacchandā ha khalu vā eṣa catūrātraḥ. pūrvo vai bṛhatyai pṛṣṭheṣu yoga uttaro gāyatryai pūrvo vā uṣṇik kakubhor ārbhave yoga uttaro anuṣṭubhaḥ. tad yad etāni vyatiṣaktāni chandāṃsi kriyante - vyatiṣaktād vai mithunāt prajāḥ paśavaḥ prajāyante - prajātyā eva. atho vyatiṣakto vai puruṣaḥ. pāpmabhir vyatiṣaktair eva tac chandobhir vyatiṣaktān pāpmano ’pahate. tad āhuḥ - kim anu catūrātra iti. ahorātre iti brūyāt. ahorātre ha vā anu catūrātraḥ. ahar eva prathamenāhnā stṛṇute, ’hnaḥ ketuṃ dvitīyena, rātrim eva tṛtīyenāhnā stṛṇute, yaḥ prātarahnaḥ ketus taṃ caturthena. ahorātre vā idaṃ sarvaṃ prajanayataḥ. te ya idaṃ sarvaṃ prajanayatas te mā prajanayatām iti. atho ha brūyād - diśa evānu catūrātra iti. catasro diśaḥ. ūrdhvā dik pañcamī. catvāry etānya ahāni bhavanti. rātriḥ pañcamī. diśa evaitenardhnoti. dikṣu pratiṣṭhāya svargaṃ lokam eti. tasyaitāḥ puroḍāśinīr upasado bhavanti. yonir vai puroḍāśo reta ājyam. tad yat puroḍāśaṃ hutvājyenābhijuhoti, yonyām eva tad retaḥ pratiṣṭhāpayanti. anuṣṭhyāsya retas siktaṃ prajāyate, ya evaṃ veda. atho yābhya evaitad devatābhyo havīṃṣi nirvapati, tāsv evaitad ṛdhnoti. tāsu pratiṣṭhāya svargaṃ lokam eti

Dieser Catūrātra hat fürwahr »verschränkte Versmaße« (vyūḍhacchandas). Die vorangehende Verbindung ist bei den Pṛṣṭhas mit der Bṛhatī, die nachfolgende mit der Gāyatrī; die vorangehende ist die Uṣṇih mit der Kakubh beim Ārbhava verbunden, die nachfolgende mit der Anuṣṭubh. Dass diese Versmaße derart wechselseitig verschränkt (vyatiṣakta) angewendet werden – aus einer verschränkten Paarung (mithuna) werden ja Nachkommen und Vieh geboren – geschieht eben um der Zeugung willen. Und ferner: Verschränkt/zusammengesetzt ist ja der Mensch selbst. Durch diese ihrerseits mit Übeln verschränkten Versmaße vertreibt man eben die im Menschen verschränkten Übel. Dazu sagt man: »Wonach richtet sich der Catūrātra?« Man sollte antworten: »Nach Tag und Nacht.« Nach Tag und Nacht nämlich richtet sich der Catūrātra: Den Tag selbst breitet er mit dem ersten Tag aus, das Zeichen (ketu) des Tages mit dem zweiten, die Nacht selbst breitet er mit dem dritten Tag aus, das Zeichen des Frühmorgens mit dem vierten. Tag und Nacht nämlich zeugen dies alles. »Die, welche dies alles zeugen, mögen mich zeugen!« Und ferner sollte man sagen: »Nach den Himmelsrichtungen richtet sich der Catūrātra.« Vier sind die Himmelsrichtungen, die aufwärts gerichtete ist die fünfte. Diese Tage sind vier, die Nacht ist die fünfte. Dadurch gedeiht er in den Himmelsrichtungen. In den Himmelsrichtungen gegründet, gelangt er zur Himmelswelt. Für ihn bestehen diese Upasad-Riten aus Reiskuchen-Opfern (puroḍāśinī). Der Reiskuchen nämlich ist der Schoß, die Schmelzbutter der Same. Dass man den Reiskuchen darbringt und ihn danach mit Schmelzbutter nochmals begießt – eben dadurch setzt man den Samen im Schoß fest. Wessen Same so gesät ist, dem entsteht Nachkommenschaft, wer dies so weiß. Und ferner: Bei welchen Gottheiten er diese Opferspenden darbringt, bei ihnen eben gedeiht er; in ihnen gegründet, gelangt er zur Himmelswelt.

[Anm.: Das Konzept der »verschränkten Versmaße« (vyūḍha-/vyatiṣakta-chandas) wird mit einer bemerkenswerten anthropologischen Reflexion begründet: Der Mensch selbst gilt als ein aus Gutem und Übel »verschränktes« Wesen, dem die ebenso kunstvoll verschränkten Versmaße strukturell entsprechen und so die in ihm verschränkten Übel gezielt zu vertreiben vermögen – eine seltene Stelle, an der eine rein liturgisch-technische Regel explizit anthropologisch-psychologisch begründet wird. Die abschließende Tag-Nacht- und Himmelsrichtungs-Korrespondenz (mit der Fünfergliederung: vier Tage/Richtungen plus Nacht/Zenit als Fünftes) sowie die fertilitätssymbolische Deutung von Reiskuchen (Schoß) und Schmelzbutter (Same) knüpfen an bereits bekannte Bildmuster an (vgl. 2.244 zur Baumharz-Same-Gleichung).]

athaiṣa prājāpatyaḥ. prajananakāmo haitena yajeta. prajāpatir vā akāmayata - bahuḥ prajayā paśubhiḥ prajāyeyeti. sa etaṃ catūrātram apaśyat. tam āharat. tenāyajata. tasyaite trivṛtpañcadaśā stomā bhavanti saptadaśaikaviṃśāḥ. ūnātiriktā mithunāḥ prajanayaḥ. ūnam anyasyātiriktam anyasya. ūnātiriktād vai mithunāt prajāḥ paśavaḥ prajāyante. trivṛc ca pañcadaśaś ca tan mithunaṃ prajananam. saptadaśaś caikaviṃśaś ca tan mithunaṃ prajananam - tad yan mithunaṃ prajananaṃ tan mā prajanayād iti. tato vai sa bahuḥ prajayā paśubhiḥ prajāyata. bahur eva prajayā paśubhiḥ prajāyate ya evaṃ veda. atho āhus tāsām eva prajānāṃ sṛṣṭānāṃ parāvāpād abibhed iti. sa etaṃ catūrātraṃ yajñam apaśyat. tam āharat. tenāyajata. tasyāgniṣṭomāv abhito bhavata, ukthyau madhye. brahma vā agniṣṭomaḥ, prajāḥ paśava ukthyāni. brahmaṇaiva tad ubhayataḥ prajāḥ paśūn parigṛhṇīte parāvāpāya. nāsya vittaṃ paropyate ya evaṃ veda

Nun, dies ist das »Prājāpatya« (Prajāpati-Opfer). Wer sich Nachkommenschaft wünscht, sollte damit opfern. Prajāpati wünschte sich: »Reichlich möge ich mich in Nachkommenschaft und Vieh vermehren!« Er erblickte dieses Catūrātra. Er holte es herbei. Mit ihm opferte er. Für ihn sind diese Stomas: der Dreifache, der Fünfzehnfache, der Siebzehnfache, der Einundzwanzigfache. Mangelhaft-und-überschüssig sind die Paarungen der Zeugung: mangelhaft ist das eine, überschüssig das andere. Aus einer mangelhaft-überschüssigen Paarung nämlich werden Nachkommen und Vieh geboren. Der Dreifache und der Fünfzehnfache – das ist eine Paarung der Zeugung. Der Siebzehnfache und der Einundzwanzigfache – das ist eine Paarung der Zeugung. »Was Paarung der Zeugung ist, das möge mich zeugen!« Daraufhin vermehrte er sich reichlich in Nachkommenschaft und Vieh. Reichlich vermehrt sich in Nachkommenschaft und Vieh, wer dies so weiß. Und ferner sagen sie: Er fürchtete sich vor der Zerstreuung eben dieser einmal erschaffenen Nachkommenschaft. Er erblickte dieses Catūrātra-Opfer. Er holte es herbei. Mit ihm opferte er. Für ihn stehen zwei Agniṣṭomas zu beiden Seiten, zwei Ukthyas in der Mitte. Brahman nämlich ist der Agniṣṭoma, Nachkommenschaft und Vieh sind die Ukthyas. Eben durch Brahman umschließt er so von beiden Seiten Nachkommenschaft und Vieh gegen ihre Zerstreuung. Dessen Habe wird nicht an andere verstreut, wer dies so weiß.

[Anm.: Die Formel »mangelhaft-und-überschüssig« (ūna-atirikta) für die Paarung der Zeugung variiert das bereits in 2.281 (gleichzahlige Paare), 2.287 (»verschränkt«, vyatiṣakta) und 2.289 (»zusammengefügt«, saṃsakta) begegnete Grundprinzip in neuer terminologischer Gestalt – derselbe Gedanke der komplementären Zweiheit wird im Text mit wechselndem Vokabular immer neu eingekleidet. Der zweite Absatz zeigt eine reizvolle narrative Fortentwicklung: Nachdem die schiere Vermehrung erreicht ist, entsteht ein neues Problem – die Angst vor deren Zerstreuung –, das durch eine symmetrische Anordnung der Stomas (schützendes Brahman außen, gefährdete Nachkommenschaft innen) baulich-rituell gelöst wird. Die Schlussformel über die nicht verstreute Habe ist aus 2.248 und 2.257 bekannt.]

athaiṣa vasiṣṭhasya saṃsarpaḥ. vasiṣṭho vā akāmayata - sam imān lokān sarpeyam iti. sa etaṃ catūrātraṃ yajñam apaśyat. tam āharat. tenāyajata. tato vai sa imān lokān samasarpat. yad imān lokān samasarpat tat saṃsarpasya saṃsarpatvam. sam imān lokān sarpati ya evaṃ veda. tasya trayastraya stomā yuktā ahar vahanti. trayastrayo vai yuktānāṃ vahiṣṭhau. yuktena tatra gacchati yatra jigamiṣati. atho āhuḥ prajākāma evainena yajeteti - stomo vā etat, stomena saṃsakto bhavati. saṃsaktād vai mithunāt prajāḥ paśavaḥ prajāyante - prajātyā eva. ahno ’hna stomam utsṛjamānā yanty, ahno ’hna stomam abhyupāharante

Nun, dies ist Vasiṣṭhas »Saṃsarpa« (Zusammen-Kriechen). Vasiṣṭha wünschte sich: »Möge ich zusammenhängend durch diese Welten kriechen!« Er erblickte dieses Catūrātra-Opfer. Er holte es herbei. Mit ihm opferte er. Daraufhin kroch er zusammenhängend durch diese Welten. Dass er zusammenhängend durch diese Welten kroch – das ist die Saṃsarpa-Natur des Saṃsarpa. Wer zusammenhängend durch diese Welten kriecht, ist, wer dies so weiß. Für ihn ziehen, zu je dreien zusammengespannt, die Stomas den Tag voran. Je drei nämlich sind unter zusammengespannten Gespannen die bestziehenden. Mit einem guten Gespann gelangt man dorthin, wohin man gelangen will. Und ferner sagen sie: Wer sich Nachkommenschaft wünscht, sollte eben damit opfern; dies nämlich ist ein Stoma, durch den Stoma wird man zusammengefügt (saṃsakta). Aus einer zusammengefügten Paarung nämlich werden Nachkommen und Vieh geboren – eben um der Zeugung willen. Tag für Tag, den Stoma jeweils ablegend, schreiten sie voran; Tag für Tag nehmen sie den Stoma neu auf.

[Anm.: Das anschauliche Gleichnis vom dreispännigen Wagengespann als dem bestziehenden erklärt die Wahl der Dreiergruppen-Stomas für diesen Ritus und verknüpft sich mit Vasiṣṭhas Wunsch, gleichsam fahrend durch die Welten zu gelangen. »Saṃsakta« (zusammengefügt) ist ein weiterer Begriff aus der bereits in 2.281/2.287/2.288 beobachteten Reihe wechselnder Bezeichnungen für dasselbe Paarungs-Zeugungs-Prinzip.]

athaiṣa gautamasya catuṣṭomaḥ. gautamāya vai na śraddadhata. aśraddhānīyo rājanya ṛṣir iti. so ’kāmayata śran me dadhīran, śraddhānīya syām iti. sa etaṃ catūrātraṃ yajñam apaśyat. tam āharat. tenāyajata. tato vai tasmai śraddadhata, śraddhānīyo ’bhavat. śraddhānīyo bhavati ya evaṃ veda. sa vā eṣa kṛtastomaḥ. śraddhā vai kṛtam. yad dha vā idaṃ kṛtena jitvā haranti, śraddhayā haiva tad dharanti. tasmāt kṛtastomaḥ. sa vā eṣa caturuttaryy aṅgirasām. dvyuttareṇa vā ādityā svargaṃ lokam āyaṃś, caturuttareṇāṃgirasaḥ. caturuttareṇa svargaṃ lokam eti ya evaṃ veda. tad āhur apabhraṃśī yajñakratur īśvaraḥ purāyuṣo ’muṃ lokam etor iti. tad yat pratyavarohīṇi stotrāṇi bhavanti tenānapabhraṃśī, teno āyuṣyaḥ. athaiṣa viśvajyotiḥ. devā vā akāmayanta - sarva eva jyotir iva syāmeti. ta etaṃ catūrātraṃ yajñam apaśyan. tam āharan. tenāyajanta. tato vai te sarva eva jyotir ivāsan. tasmād yam apy etarhi devānāṃ paśyanti jyotir ivādṛśmety evāhuḥ. sa yo brahmavarcasakāma syāt sa etena yajeta. jyotir iva ha vai sa bhāti yo brahmavarcasam ṛdhnoti. ṛdhnoti hainena brahmavarcasaṃ, brahmavarcasī bhavati

Nun, dies ist Gautamas »Catuṣṭoma« (Vier-Stoma). Man schenkte Gautama kein Vertrauen: »Ein unglaubwürdiger Kriegeradel-Seher (rājanya-ṛṣi)«, hieß es von ihm. Er wünschte sich: »Mögen sie mir Vertrauen schenken, möge ich glaubwürdig werden!« Er erblickte dieses Catūrātra-Opfer. Er holte es herbei. Mit ihm opferte er. Daraufhin schenkte man ihm Vertrauen, er wurde glaubwürdig. Glaubwürdig wird, wer dies so weiß. Dies nämlich ist der »Kṛta-Stoma« (der Stoma des Glückswurfs). Glaube (śraddhā) nämlich ist der Kṛta (der beste Würfelwurf). Was man auch immer, mit dem Kṛta gewonnen, davonträgt – eben durch Glauben trägt man es davon. Daher heißt er Kṛta-Stoma. Dies ist ferner das »Viermehr« (caturuttara) der Āṅgirasas. Durch das »Zweimehr« (dvyuttara) gelangten die Ādityas zur Himmelswelt, durch das »Viermehr« die Āṅgirasas. Durch das Viermehr gelangt zur Himmelswelt, wer dies so weiß. Dazu sagt man: »Ist dieses Opferwerk nicht abgleitend – vermag ein Herr wohl vor Ablauf seiner Lebenszeit in jene Welt zu gelangen?« Dass es rückwärts-absteigende Stotras gibt – dadurch ist es nicht-abgleitend, dadurch ist es lebenslang-tauglich (āyuṣya). Nun, dies ist das »Viśvajyotis« (Alllicht). Die Götter wünschten sich: »Mögen wir alle geradezu wie Licht werden!« Sie erblickten dieses Catūrātra-Opfer. Sie holten es herbei. Mit ihm opferten sie. Daraufhin wurden sie alle geradezu wie Licht. Deshalb sagt man noch heute, wenn man irgendeinen der Götter erblickt: »Wir haben ihn wie Licht gesehen!« Wer sich brahmanischen Glanz wünscht, sollte damit opfern. Wie Licht nämlich erstrahlt, wer brahmanischen Glanz erlangt. Er erlangt dadurch brahmanischen Glanz, wird ein Mann von brahmanischem Glanz.

[Anm.: Zwei eigenständige, in der Handschrift zu einem Abschnitt zusammengefasste Stücke. Bemerkenswert im ersten ist die Bezeichnung Gautamas als »rājanya-ṛṣi« (Kriegeradel-Seher) sowie die Übertragung des Würfelspiel-Fachbegriffs »Kṛta« (der höchste, gewinnende Wurf) auf das rituelle Vokabular, mit der Beobachtung, dass auch ein Würfelgewinn letztlich nur durch das gegenseitige Vertrauen der Spieler eingelöst werden kann – eine subtile sozialphilosophische Pointe. Die Sorge um ein »abgleitendes«, den Erfolg vor Lebensende gefährdendes Opferwerk und deren Behebung durch »rückwärts-absteigende« Stotras knüpft an die bereits in 2.235/2.240 erzählte Haviṣmant/Haviṣkṛt-Angirasen-Thematik an. Im zweiten Stück erklärt der Mythos vom lichthaften Werden der Götter eine noch zur Zeit des Autors offenbar gebräuchliche Redewendung bei Gottererscheinungen.]

athaite pañcarātrāḥ. pañca vai jayāḥ. pañcabhir vai vyāhṛtibhir idaṃ devā ajayan. tad yāvatedaṃ devā ajayaṃs tāvatā jayānīti. pāṃkto yajñaḥ. yāvatī yajñasya mātrā tām āpnavānīti. pāṃktāḥ paśavaḥ. yāvatī paśūnāṃ mātrā tāvatā mā paśavo ’varuddhā upatiṣṭhāntā iti. pāṃktam annādyam. yāvaty annādyasya mātrā tāvatā mānnādyam avaruddham upatiṣṭhātā iti. pañcaitāny ahāni bhavanti. pañcartavas saṃvatsaraḥ. saṃvatsaraḥ prajāpatir yajñaḥ. saṃvatsaram evaitena prajāpatiṃ yajñam āpnoti. devāsurā aspardhanta. te naiva daṇḍair neṣubhir vyajayanta. te ’bruvan - na vai daṇḍair neṣubhir vijayāmahe. vācy eva vāva no brahman vijayo ’stv iti. ta aikṣanta - yatare no yatarān pūrve ’bhivyāhariṣyanti, teṣāṃ kṣeṣyata iti. te devā asurān abruvan - yūyaṃ pūrve brūdhvam iti. yūyam id vā ity asurā devān. te devā etad vāco mithunam apaśyan

Nun, dies sind die Pañcarātras (Fünf-Nächte-Opfer). Fünf sind die Siege. Mit den fünf Vyāhṛtis (heiligen Rufworten) errangen die Götter dies. »So viel die Götter damit errangen, so viel möge ich erringen!« Fünffach ist das Opfer. »Welches Maß das Opfer hat, das möge ich erlangen!« Fünffach sind die Tiere. »Welches Maß die Tiere haben, so viele gesicherte Tiere mögen mir zur Seite stehen!« Fünffach ist die Speise. »Welches Maß die Speise hat, so viel gesicherte Speise möge mir zur Seite stehen!« Diese Tage sind fünf. Fünf Jahreszeiten hat das Jahr. Das Jahr ist Prajāpati, ist das Opfer. Eben dadurch erlangt er das Jahr, Prajāpati, das Opfer. Götter und Asuras stritten miteinander. Sie siegten dabei weder mit Keulen noch mit Pfeilen. Sie sprachen: »Wir siegen ja weder mit Keulen noch mit Pfeilen – unser Sieg, o Brahman, sei doch eben in der Rede!« Sie überlegten: »Welche von uns beiden den anderen zuvorkommend zuerst benennen werden, deren wird die Herrschaft sein.« Da sprachen die Götter zu den Asuras: »Sprecht ihr zuerst!« »Nein, sprecht doch vielmehr ihr!«, sprachen die Asuras zu den Göttern. Da erkannten die Götter diese Zweiheit, diese Paarung der Rede.

[Anm.: Eröffnung des berühmten Deva-Asura-Wettstreits um die Wörter, der sich über 2.291-292 und darüber hinaus erstreckt: Statt mit Waffen wird der Streit durch Sprache entschieden, wobei gilt, wer zuerst benennt, gewinnt Herrschaft über das Benannte. Die höfliche gegenseitige Nachrangigkeitsbekundung führt dazu, dass die Götter zunächst nur die grammatische Zweiheit der Rede erkennen – nämlich dass die Sanskrit-Zahlwörter maskuline und feminine Formen kennen –, ein Umstand, der in 2.292 zum entscheidenden strategischen Vorteil der Götter wird.]

eko ’smākam iti devā abruvata, ekāsmākam ity asurāḥ. mana eva devā abruvata, vācam asurāḥ. te devā manasaiva vācam asurāṇām avṛñjata. tasmād yan manasādhigacchati, tad vācā vadati. dvāv asmākam iti devā abruvata, dve asmākam ity asurāḥ. prāṇāpānāv eva devā abruvata, ahorātre asurāḥ. te devāḥ prāṇāpānābhyām evāhorātre asurāṇām avṛñjata. tasmāj jyog jīvan bahūny ahorātrāṇy avanayati. trayo ’smākam iti devā abruvata, tisro ’smākam ity asurāḥ. imān eva trīn lokān devā abruvata, tisro vidyā asurāḥ. te devā ebhir eva lokais tisro vidyā asurāṇām avṛñjata. tasmād etā vidyā eṣv eva lokeṣu procyante. catvāro ’smākam iti devā abruvan, catasro ’smākam ity asurāḥ. catuṣpada eva paśūn devā abruvata, catasro diśo ’surāḥ. te devā catuṣpādbhir eva paśubhiś catasro diśo ’surāṇām avṛñjata. tasmād yāṃ kāṃ cana diśaṃ paśumān ayati, sarvām eva jitāṃ klṛptāṃ pratiṣṭhitām anveti. pañcāsmākam iti devā ṛtūn evābruvan. athāsurā na prāvindan. na hi pañci kiṃ canāsti. te ’surā ārambham avindantaḥ pañca pañcety eva vadantaḥ parājayan. tato vai devā abhavan, parāsurāḥ. bhavaty ātmanā, parāsya dviṣan bhrātṛvyo bhavati, ya evaṃ veda

»Eins (mask., ekaḥ) ist unser«, sprachen die Götter; »Eins (fem., ekā) ist unser«, die Asuras. »Der Geist (manas)«, sprachen die Götter dazu; »die Rede (vāc)«, die Asuras. Die Götter aber entrissen den Asuras, eben durch den bloßen Geist, die Rede. Deshalb spricht man mit der Rede aus, was man zuvor mit dem Geist erfasst hat. »Zwei (mask., dvau) sind unser«, sprachen die Götter; »zwei (fem., dve) sind unser«, die Asuras. »Einatem-und-Ausatem (prāṇa-apāna)«, sprachen die Götter; »Tag-und-Nacht«, die Asuras. Die Götter entrissen den Asuras eben durch Einatem-und-Ausatem das Tag-und-Nacht-Paar. Deshalb verlebt, wer lange lebt, viele Tage-und-Nächte. »Drei (mask., trayaḥ) sind unser«, sprachen die Götter; »drei (fem., tisraḥ) sind unser«, die Asuras. »Diese drei Welten«, sprachen die Götter; »die drei Wissenszweige (die drei Veden)«, die Asuras. Die Götter entrissen den Asuras eben durch diese Welten die drei Wissenszweige. Deshalb werden diese Wissenszweige eben in diesen Welten verkündet. »Vier (mask., catvāraḥ) sind unser«, sprachen die Götter; »vier (fem., catasraḥ) sind unser«, die Asuras. »Die vierfüßigen Tiere«, sprachen die Götter; »die vier Himmelsrichtungen«, die Asuras. Die Götter entrissen den Asuras eben durch die vierfüßigen Tiere die vier Himmelsrichtungen. Deshalb folgt, wer Vieh besitzt, jeder beliebigen Himmelsrichtung, in die er zieht, als einer gänzlich eroberten, zurechtgemachten, gefestigten. »Fünf ist unser«, sprachen die Götter, wobei sie eben die Jahreszeiten meinten. Die Asuras aber fanden nichts Entsprechendes. Denn eine feminine Form zu »fünf« gibt es überhaupt nicht. Die Asuras, keinen Ansatzpunkt findend, wurden, indem sie nur »fünf, fünf« vor sich hin sagten, gänzlich besiegt. So kamen die Götter empor, während die Asuras unterlagen. Wer dies so weiß, kommt in eigener Person empor, und sein hassender Rivale unterliegt.

[Anm.: Der Höhepunkt und die Pointe des Deva-Asura-Wettstreits: Das Wortspiel beruht darauf, dass die altindischen Zahlwörter eins bis vier im Sanskrit eigene maskuline und feminine Formen besitzen (eka/ekā, dvau/dve, trayaḥ/tisraḥ, catvāraḥ/catasraḥ) – die Götter beanspruchen jeweils die maskuline, die Asuras die feminine Form, wobei die Götter, indem sie mit dem schnelleren, weil unausgesprochenen Geist der gesprochenen Rede stets zuvorkommen, den Asuras ihre jeweilige feminine Benennung faktisch entreißen, noch bevor diese sie aussprechen können. Bei der Zahl Fünf jedoch bricht das Spiel folgerichtig ab: Im Sanskrit gibt es ab »pañca« (fünf) keine eigene feminine Form des Zahlworts mehr – ein rein grammatisches Faktum, das hier zum entscheidenden, für die Asuras uneinholbaren Wettstreitvorteil der Götter erklärt wird. Diese Passage gehört zu den bemerkenswertesten Beispielen einer mythisch verkleideten Grammatik-Erklärung im gesamten Text; vergleichbare Deva-Asura-Wettstreiterzählungen, die reale sprachliche oder kosmologische Gegebenheiten ätiologisch begründen, sind aus der Brāhmaṇa-Literatur allgemein bekannt. Die jeweiligen Zusatz-Ätiologien (Denken vor Sprechen; Atemzyklen als Maß gelebter Tage; die Verortung der Veden in den drei Welten; das Wegerecht des Viehbesitzers) sind eigenständige, an das Zahlenschema angehängte Deutungen.]

jitir vā etā vyāhṛtayaḥ. jitiḥ pañcarātraḥ. jayati jayati ya evaṃ veda. sā vā eṣā sarvasyānyā jitis sarvasyānyā parājitiḥ. sarvaṃ vā etena devā asurān ajayan. sarvam asurāḥ parājayanta. sarvam eva dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ jayati, sarvam asya dviṣan bhrātṛvyaḥ parājayate, ya evaṃ veda. athaite santatā bhavanti. yathā ha vai dārūṇi vadhreṇa santatāni rathasya vānaso vaivaṃ stomaiḥ pañcarātras santataḥ. prāṇā ha khalu vai stomāḥ. prāṇaiḥ puruṣas santataḥ. saṃ ha tāyate ya evaṃ veda. tasya dvau -dvau stomau yuktāv ahar vahataḥ. dvau - dvau vai yuktānāṃ vahiṣṭhau. yuktena tatra gacchati yatra jigamiṣati

Diese Vyāhṛtis sind fürwahr Sieg. Sieg ist der Pañcarātra. Es siegt, wer dies so weiß. Dieser Sieg ist ein vollständiger Sieg über den anderen, eine vollständige Niederlage des anderen. Durch dieses eben besiegten die Götter die Asuras vollständig; vollständig wurden die Asuras besiegt. Vollständig besiegt seinen hassenden Rivalen, vollständig wird sein hassender Rivale besiegt, wer dies so weiß. Und ferner: Diese Stomas werden zusammengehalten (santata). So wie die Hölzer eines Wagenkastens durch einen Riemen zusammengehalten werden, so wird der Pañcarātra durch die Stomas zusammengehalten. Die Stomas nämlich sind die Atemkräfte (prāṇa). Durch die Atemkräfte wird der Mensch zusammengehalten. Zusammengehalten, in sich gefügt, ist, wer dies so weiß. Für ihn ziehen, je zwei zusammengespannt, die Stomas den Tag voran. Je zwei nämlich sind unter zusammengespannten Gespannen die bestziehenden. Mit einem guten Gespann gelangt man dorthin, wohin man gelangen will.

[Anm.: Abschluss des Deva-Asura-Wettstreits (2.291-292) mit der Betonung seiner vollständigen, alles umfassenden Wirkung. Das anschließende Bild vom Wagenkasten, dessen Hölzer durch einen Riemen zusammengehalten werden, wird kunstvoll auf den Menschen übertragen, dessen Ganzheit durch die Atemkräfte (prāṇa) gewährleistet wird – eine schöne psychophysische Analogie. Die »Je-zwei«-Gespannformel variiert die in 2.289 für den Trirātra-Kontext verwendete »Je-drei«-Formel, jeweils der Tageszahl des betreffenden Ritus angepasst.]

atha yasyaitasya jyotir gaur āyur iti tryahaḥ pañcaviṃśaṃ mahāvrataṃ sarvastomo ’tirātro, ’nnādyakāmo haitena yajeta. tad āhur - na purā saṃvatsarān mahāvratam upetyam iti. tad yaj jyotir gaur āyur iti tryaho bhavaty - ayaṃ vai loko jyotir, ayaṃ gaur, asāv āyuḥ. ime vai lokā ṛtavas saṃvatsaraḥ. ṛtavas saṃvatsaraḥ kṛtsnam annādyaṃ pacati - saṃvatsararābhijitam eva tad annādyam upayanti. pañcaviṃśaṃ mahāvratam - annaṃ vai pañcaviṃśam - annādyasyaivāvaruddhyai. sarvastomo ’tirātro bhavati, sarveṣāṃ lokānām abhijityā abhikrāntyai. sarvaṃ hīdaṃ stomā eva. atho yān imān ekaikān stomān upāgāma tān sārdham ṛddhvā teṣu pratiṣṭhāyodṛcam aśnavāmahā iti. atha yasyaitasya trivṛt pañcadaśas saptadaśa iti tryahaḥ pañcaviṃśaṃ mahāvrataṃ sarvastomo ’tirātro, ’nnādyakāma u evaitena yajeta. tad āhur na purā saṃvatsarān mahāvratam upetyam iti. tad yat trivṛt pañcadaśaś saptadaśa iti tryaho bhavaty - ayaṃ vai lokas trivṛd, ayaṃ pañcadaśo, ’sau saptadaśaḥ. ime vai lokā ṛtavas saṃvatsaraḥ. ṛtavas saṃvatsaraḥ kṛtsnam annādyaṃ pacati - saṃvatsarābhijitam eva tad annādyam upayanti. pañcaviṃśaṃ mahāvratam - annaṃ vai pañcaviṃśam - annādyasyaivāvaruddhyai. sarvastomo ’tirātro bhavati, sarveṣāṃ lokānām abhijityā abhikrāntyai. sarvaṃ hīdaṃ stomā eva. atho yān imān ekaikān stomān upāgāma tān sārdham ṛddhyā teṣu pratiṣṭhāyodṛcam aśnavāmahā iti

Und für den, für welchen gilt: »Licht, Kuh, Leben« als Dreitagesopfer, der Fünfundzwanzigfache als Mahāvrata, der Allstoma-Atirātra – wer sich Speise wünscht, sollte damit opfern. Dazu sagt man: »Nicht vor Ablauf eines Jahres sollte man sich dem Mahāvrata nähern.« Dass es das Dreitagesopfer »Licht, Kuh, Leben« gibt: Diese Welt hier ist das Licht, diese andere die Kuh, jene dort das Leben. Diese Welten sind die Jahreszeiten, sind das Jahr. Die Jahreszeiten, das Jahr, bereiten die gesamte Speise; eben jene durch das Jahr gewonnene Speise nimmt man zu sich. Der Fünfundzwanzigfache ist das Mahāvrata – Speise nämlich ist der Fünfundzwanzigfache – zur Erlangung eben der Speise. Der Atirātra hat den Allstoma, zur Eroberung und zum Übersteigen aller Welten; denn dies alles ist eben Stomas. Und: »Was wir hier an einzelnen Stomas jeweils angetreten haben – mit ihnen zusammen erblüht und in ihnen gegründet, mögen wir den höheren Spruch erlangen.« Und für den, für welchen gilt: »Der Dreifache, der Fünfzehnfache, der Siebzehnfache« als Dreitagesopfer, der Fünfundzwanzigfache als Mahāvrata, der Allstoma-Atirātra – eben auch der sollte, wer sich Speise wünscht, damit opfern. Dazu sagt man: »Nicht vor Ablauf eines Jahres sollte man sich dem Mahāvrata nähern.« Dass es das Dreitagesopfer »Der Dreifache, der Fünfzehnfache, der Siebzehnfache« gibt: Diese Welt hier ist der Dreifache, diese andere der Fünfzehnfache, jene dort der Siebzehnfache. Diese Welten sind die Jahreszeiten, sind das Jahr. Die Jahreszeiten, das Jahr, bereiten die gesamte Speise; eben jene durch das Jahr gewonnene Speise nimmt man zu sich. Der Fünfundzwanzigfache ist das Mahāvrata – Speise nämlich ist der Fünfundzwanzigfache – zur Erlangung eben der Speise. Der Atirātra hat den Allstoma, zur Eroberung und zum Übersteigen aller Welten; denn dies alles ist eben Stomas. Und: »Was wir hier an einzelnen Stomas jeweils angetreten haben – mit ihnen zusammen erblüht und in ihnen gegründet, mögen wir den höheren Spruch erlangen.«

[Anm.: Zwei parallele Fassungen desselben Mahāvrata-Ritus, die die Dreitageszuordnung einmal mit dem Trias »Licht-Kuh-Leben« (den drei kosmischen Welten entsprechend), einmal mit den Stoma-Zahlen 3-15-17 ausdrücken – dieselbe bewusste Paralleltechnik wie bereits bei 2.253/2.264 und 2.283/2.286 beobachtet, keine Dittographie. Die Vorschrift, das Mahāvrata nicht vor Ablauf eines Jahres zu vollziehen, unterstreicht dessen Charakter als Höhepunkt eines längeren, mindestens einjährigen Opferzyklus, wie etwa des Gavām-Ayana.]

atha yasyaitasya jyotir gaur āyur iti tryahaśa caturviṃśam ahas sarvastomo ’tirātro, yaḥ kāmayeta parokṣopetaṃ me mahāvrataṃ syād iti, sa etena yajeta. tad yac caturviṃśam ahar bhavati, tenaivāsya parokṣopetaṃ mahāvrataṃ bhavati. yad v eva tatra hiṃkāro vā prastāvo vā pratihāro vā kiñcid bhavati tenaivāsya pañcaviṃśy upāptā bhavati. sarvastomo ’tirātro bhavati, sarveṣāṃ lokānām abhijityā abhikrāntyai. sarvaṃ hīdaṃ stomā eva. atho yān imān ekaikān stomān upāgāma tān sārdham ṛddhvā teṣu pratiṣṭhāyodṛcam aśnavāmahā iti. atha yasyaitasya trivṛt pañcadaśas saptadaśa iti tryahaś, caturviṃśam ahar, jyotir atirātro, ya u eva kāmayeta parokṣopetaṃ me mahāvrataṃ syād iti, sa etana yajeta. tad yac caturviṃśam ahar bhavati, tenaivāsya parokṣopetaṃ mahāvrataṃ bhavati. yad v eva tatra hiṃkāro vā prastāvo vā pratihāro vā kiñcid bhavati, tenaivāsya pañcaviṃśy upāptā bhavati. jyotir atirātra - etad vai prajñātaṃ devatīrthaṃ yaj jyotir atirātraḥ - prajñātena devatīrthenāriṣṭa udṛcam aśnavāmahā iti

Und für den, für welchen gilt: »Licht, Kuh, Leben« als Dreitagesopfer, ein vierundzwanzigfacher Tag, der Allstoma-Atirātra – wer sich wünschen sollte: »Möge mein Mahāvrata verborgen (parokṣa) sein!«, der sollte damit opfern. Dass es einen vierundzwanzigfachen Tag gibt – dadurch eben wird sein Mahāvrata verborgen. Was aber dabei an Hiṃkāra, Prastāva oder Pratihāra sonst noch vorkommt – dadurch eben wird für ihn das Fünfundzwanzigste erreicht. Der Atirātra hat den Allstoma, zur Eroberung und zum Übersteigen aller Welten; denn dies alles ist eben Stomas. Und: »Was wir hier an einzelnen Stomas jeweils angetreten haben – mit ihnen zusammen erblüht und in ihnen gegründet, mögen wir den höheren Spruch erlangen.« Und für den, für welchen gilt: »Der Dreifache, der Fünfzehnfache, der Siebzehnfache« als Dreitagesopfer, ein vierundzwanzigfacher Tag, der »Licht«-Atirātra – wer eben sich wünschen sollte: »Möge mein Mahāvrata verborgen sein!«, der sollte damit opfern. Dass es einen vierundzwanzigfachen Tag gibt – dadurch eben wird sein Mahāvrata verborgen. Was aber dabei an Hiṃkāra, Prastāva oder Pratihāra sonst noch vorkommt – dadurch eben wird für ihn das Fünfundzwanzigste erreicht. Der »Licht«-Atirātra: Dies eben ist die wohlbekannte Götterfurt (devatīrtha), nämlich der »Licht«-Atirātra. »Durch die wohlbekannte Götterfurt mögen wir unversehrt den höheren Spruch erlangen.«

[Anm.: Eine kunstvolle Variante, bei der das eigentliche 25. Element des Mahāvrata nicht offen ausgezählt, sondern in kleinere, beiläufig mitlaufende Liturgieteile (Hiṃkāra, Prastāva, Pratihāra – die einleitenden Sāman-Bestandteile) gleichsam versteckt wird, daher »verborgenes« (parokṣa) Mahāvrata. Die zweite Fassung schließt mit einer feierlicheren, um das Bild der »Götterfurt« (devatīrtha, ein sicherer Flussübergang) und die Bitte um Unversehrtheit erweiterten Schlussformel.]

atha yasyaitasya jyotiṣī agniṣṭomāv abhito bhavato, goāyuṣī ukthyāv antarau, jyotir atirātro madhye, prajananakāmo haitena yajeta. etad vai kṛtsnaṃ prajananaṃ yaj jyotir atirātraḥ. madhyata u vā ātmanaḥ prajananam. tad yan madhye jyotir atirātro bhavati, madhya evaitad ātmanaḥ prajananaṃ dhatte, bahur bhavati, prajāyate. goāyuṣī ukthyāv antarau bhavataḥ. paśavo vā ukthāni. tayoḥ pañcaśatāni stotriyāḥ. paśubhir eva tad ubhayataḥ prajāṃ parigṛhṇīte. jyotiṣī agniṣṭomāv abhito bhavataḥ. brahma vai jyotir agniṣṭomaḥ. brahmaṇaiva tad ubhayataḥ prajāṃ paśūn parigṛhṇīte ’parāvāpāya. nāsya vittaṃ paropyate ya evaṃ veda. atha yasyaitasya jyotiṣī atirātrāv abhito bhavato, goāyuṣī ukthyāv antarau, jyotir agniṣṭomo madhye, yaḥ kāmayetā me brahamavarcasī prajāyāṃ jāyeteti, sa etena yajeta. tejo vai brahmavarcaso jyotir agniṣṭomaḥ. madhyata u vā ātmanaḥ prajananam. tad yan madhye jyotir agniṣṭomo bhavati, madhyata evaitad ātmano jyotir dhatte, ā hāsya brahmavarcasī prajāyāṃ jāyate. goāyuṣī ukthyāv antarau bhavataḥ. paśavo vā ukthāni. tayoḥ pañcaśatāni stotriyāḥ. paśubhir eva tad ubhayato brahmavarcasinīṃ prajāṃ parigṛhṇīte. jyotiṣī atirātrāv abhito bhavataḥ. imau vai lokāv atirātrau. ābhyām evaital lokābhyām ubhayataḥ prajāṃ paśūn parigṛhṇīte ’parāvāpāya. nāsya vittaṃ paropyate ya evaṃ veda

Und für den, für welchen gilt: zwei »Licht«-Agniṣṭomas zu beiden Seiten, zwei »Kuh-Leben«-Ukthyas dazwischen, der »Licht«-Atirātra in der Mitte – wer sich Nachkommenschaft wünscht, sollte damit opfern. Dies nämlich ist vollständige Zeugung, nämlich der »Licht«-Atirātra. Aus der Mitte heraus nämlich erfolgt die eigene Zeugung. Dass der »Licht«-Atirātra in der Mitte steht – eben dadurch legt er seine eigene Zeugung in die Mitte, wird zahlreich, pflanzt sich fort. Die beiden »Kuh-Leben«-Ukthyas sind die inneren; Vieh nämlich sind die Ukthyas; für beide gibt es fünfhundert Stotriyā-Verse. Eben durch Vieh umschließt er so von beiden Seiten die Nachkommenschaft. Die beiden »Licht«-Agniṣṭomas stehen zu beiden Seiten; Brahman nämlich ist der »Licht«-Agniṣṭoma. Eben durch Brahman umschließt er so von beiden Seiten Nachkommenschaft und Vieh gegen ihre Zerstreuung. Dessen Habe wird nicht an andere verstreut, wer dies so weiß. Und für den, für welchen gilt: zwei »Licht«-Atirātras zu beiden Seiten, zwei »Kuh-Leben«-Ukthyas dazwischen, der »Licht«-Agniṣṭoma in der Mitte – wer sich wünschen sollte: »Möge mir in meiner Nachkommenschaft ein Sohn von brahmanischem Glanz geboren werden!«, der sollte damit opfern. Glutkraft des brahmanischen Glanzes nämlich ist der »Licht«-Agniṣṭoma. Aus der Mitte heraus nämlich erfolgt die eigene Zeugung. Dass der »Licht«-Agniṣṭoma in der Mitte steht – eben dadurch legt er sein eigenes Licht in die Mitte, und so wird ihm in seiner Nachkommenschaft ein Sohn von brahmanischem Glanz geboren. Die beiden »Kuh-Leben«-Ukthyas sind die inneren; Vieh nämlich sind die Ukthyas; für beide gibt es fünfhundert Stotriyā-Verse. Eben durch Vieh umschließt er so von beiden Seiten die von brahmanischem Glanz erfüllte Nachkommenschaft. Die beiden »Licht«-Atirātras stehen zu beiden Seiten; diese beiden Welten nämlich sind die beiden Atirātras. Eben durch diese beiden Welten umschließt er so von beiden Seiten Nachkommenschaft und Vieh gegen ihre Zerstreuung. Dessen Habe wird nicht an andere verstreut, wer dies so weiß.

[Anm.: Zwei kunstvoll symmetrische, einander spiegelbildlich entsprechende Ritualarchitekturen: In der ersten Fassung rahmen Agniṣṭomas (außen) und Ukthyas (innen) den zentralen »Licht«-Atirātra für allgemeine Nachkommenschaft; in der zweiten sind Atirātras außen und der »Licht«-Agniṣṭoma zentral platziert, für die verfeinerte Bitte um einen speziell brahmanisch-glanzvollen Sohn – eine elegante strukturelle Umkehrung, die dieselbe Mitte-außen-Logik (Zeugung/Glanz aus der Mitte heraus, Schutz vor Zerstreuung durch die äußeren Elemente) auf ein präzisiertes Wunschziel anwendet. Die Schutz- und Umschließungslogik sowie die Schlussformel entsprechen wörtlich 2.288.]

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