Quellen der Menschheit

Jaiminīya-Brāhmaṇa · Kāṇḍa 2

Kapitel 3 Śāṭyāyanis Lehrjahr: Der Jahreslauf und die hundertsaitige Laute

Während der Weihetage vertritt jedes rituelle Detail – vom Gelübdespruch bis zum Reiskuchen – eines der sonst ausgesetzten Opfer, so dass dem Geweihten in Wahrheit nichts entgeht; eine Ätiologie führt drei einst enthauptete Feuer, Bhūpati, Bhuvanapati und Bhūtānāṃ Patiḥ, auf die dreifache Svāhā-Sühneformel für verschüttetes Ājya zurück. Ungewöhnlich erscheint Śāṭyāyani hier selbst als Schüler, der sich bei Gobala Vārṣṇa den Jahreslauf durch die Viermonats-Bahnen von Agni, Vāyu und Āditya erklären lässt. Bei der zweiten Thronbesteigung der Audumbarī-Rājāsandī tritt erstmals die hundertsaitige, mit einer eigenen Bespannungsformel geweihte Laute (Vāṇa) auf, und die Sāman-Priester werden erstmals dem Vogel-Schema aus Haupt, Flügeln, Schwanz und Selbst zugeordnet. Den Abschluss bilden die Lehre von zwei einst getrennten, heute verschmolzenen Jahreszeiten-Systemen (Atem-Jahreszeiten und Götter-Jahreszeiten) und die Deutung des 'Geweihten' (dīkṣita) als eines von den Himmelsrichtungen 'Angeschauten'.

tāni vā etāni dīkṣamāṇād utkrāmanty agnihotraṃ darśapūrṇamāsau cāturmāsyāni paśubandhaḥ pitṛyajño gṛhamedho brahmaudano mithunam. tad yad dīkṣopasatsu svāheti vratayati, tenāsya dīkṣopasatsv anantaritam agnihotraṃ bhavati. yad upāṃśvantaryāmāv udite ’nyaṃ juhvatya anudite ’nyaṃ, tena sutyāyām. yat puroḍāśas tena paurṇamāsam. ya(d) dadhi tenāmāvāsyam. yat payasyā tena cāturmāsyāni. yat paśum ālabhante tena paśubandhaḥ. yad uṣāsanāny upāsyanti tena pitṛyajñaḥ. yad dhānāḥ karambho bhavati tena gṛhamedhaḥ. yat saumyam āharanti tena brahmaudanaḥ. yat patnīs saṃkhyāpayanti tena mithunam. tad dhaika āhuḥ prāṇena tvā saṃbhavāmanīty eva pratiṣṇām abhiprāṇyānīti. tad u hovāca śāṭyāyanir avakīrṇarūpam ivaitat. eko vāva pumān prāṇāve vidyayaivaitad anantaritam atho yad eva yajñāyajñīyasya stotre saṃkhyāpayanti

Diese hier weichen vom Geweihten (dem Dīkṣita) zurück: das Agnihotra, die Darśapūrṇamāsa-Opfer, die Cāturmāsya-Opfer, der Paśubandha, der Pitṛyajña, der Gṛhamedha, der Brahmaudana, die Mithuna-Vereinigung. Dass er nun während der Dīkṣā-und-Upasad-Tage mit »Svāhā« sein Gelübde spricht, dadurch bleibt ihm während der Dīkṣā-und-Upasad-Tage das Agnihotra ununterbrochen. Dass sie von den beiden Bechern Upāṃśu-und-Antaryāma den einen nach Sonnenaufgang, den anderen vor Sonnenaufgang darbringen, dadurch ist ihm der Preßtag vertreten. Der Reiskuchen – dadurch der Vollmondtag. Die Dickmilch – dadurch der Neumondtag. Die Milchmischung – dadurch die Cāturmāsya-Opfer. Dass sie ein Tier berühren, dadurch der Paśubandha. Dass sie die Morgenlieder verehren, dadurch der Pitṛyajña. Dass geröstetes Korn zu Karambha-Brei wird, dadurch der Gṛhamedha. Dass sie Somahaftes herbeibringen, dadurch der Brahmaudana. Dass sie die Gattinnen zählen lassen, dadurch die Mithuna-Vereinigung. Dazu sagen manche: »Durch den Atem wollen wir mit dir eins werden« – indem sie dabei gleichsam auf eine Grundlage hin hinatmen. Dazu aber sagte Śāṭyāyani: Dies ist gleichsam von der Art eines Gelübdebrechers (avakīrṇin). Der Mann allein ist es ja, der durch Wissen allein dies im Atem ununterbrochen macht. Und auch das, was sie in der Stotra-Rezitation des Yajñāyajñīya zählen lassen –

[Anm.: Die einzelnen Handlungen während der Dīkṣā-und-Upasad-Zeit (Gelübdespruch, Becher-Reihenfolge, Reiskuchen, Dickmilch usw.) werden hier je einem der während dieser Zeit regulär ausgesetzten Opfer als dessen symbolische Fortsetzung zugeordnet, sodass keines von ihnen wirklich unterbrochen wird. Die Wendung »pratiṣṇām abhiprāṇya« ist im überlieferten Text unsicher und wird hier versuchsweise als Geste des Hinatmens auf eine Grundlage (wohl pratiṣṭhā) gedeutet. »Avakīrṇin« (wörtlich ›der Verschüttete‹) ist der feststehende Fachbegriff für einen vedischen Schüler, der während seines Keuschheitsgelübdes dieses gebrochen hat – ein in den Dharmasūtras genau geregelter Tatbestand mit eigenen Sühneriten; Śāṭyāyani vergleicht die kritisierte Praxis mit diesem Zustand, um sie als unangemessen zurückzuweisen und stattdessen die reine Wissens-Vereinigung zu lehren. Der letzte Satz bricht im überlieferten Text unvollständig ab.]

tad āhur yad anyair anyaiḥ sāmabhi stuvate ’nyā anyā anuśaṃsanty atha kasmāt samānā gṛhā iti. sa brūyād annaṃ vai sāma. annam ṛk. prāṇā gṛhāḥ. anyad anyad vai prāṇebhyo ’nnam āharanti. tasmād anyair anyaiḥ sāmabhi stuvate ’nyā anyā anuśaṃsanti samānā eva gṛhā iti. prāṇā eva sāma. tan mūlam. atha yathā vṛkṣasya skandhāṃsi vā śākhā vā palāśāni vaivam anyāni sāmāni. sa ya etad evaṃ veda sarvāṇy evāsya sāmāni viditāni bhavanti. vāg evark. tan mūlam. atha yathā vṛkṣasya skandhāṃsi vā śākhā vā palāśāni vaivam anyā ṛcaḥ. sa ya etad evaṃ veda sarvā evāsyarco viditā bhavanti. mana eva yajuḥ. tan mūlam. atha yathā vṛkṣasya skandhāṃsi vā śākhā vā palāśāni vaivam anyāni yajūṃṣi. sa ya etad evaṃ veda sarvāṇy evāsya yajūṃṣi viditāni bhavanti

Dazu fragt man: Wenn man mit immer anderen Sāmans preist, immer andere Verse rezitiert – wie kommt es dann, dass die »Häuser« dieselben sind? Man sollte antworten: Speise ist ja das Sāman, Speise der Ṛc-Vers. Die Atemkräfte sind die Häuser. Immer andere Speise nämlich bringt man den Atemkräften zu. Deshalb preist man mit immer anderen Sāmans, rezitiert man immer andere Verse – und doch sind die Häuser dieselben. Die Atemkräfte eben sind das Sāman; sie sind seine Wurzel. Und so wie ein Baum Stämme oder Äste oder Blätter hat, ebenso sind die anderen, verschiedenen Sāmans. Wer dies so weiß, dem werden alle Sāmans bekannt. Die Rede eben ist der Ṛc-Vers; sie ist seine Wurzel. Und so wie ein Baum Stämme oder Äste oder Blätter hat, ebenso sind die anderen, verschiedenen Ṛc-Verse. Wer dies so weiß, dem werden alle Ṛc-Verse bekannt. Das Denken eben ist der Yajus-Spruch; es ist seine Wurzel. Und so wie ein Baum Stämme oder Äste oder Blätter hat, ebenso sind die anderen, verschiedenen Yajus-Sprüche. Wer dies so weiß, dem werden alle Yajus-Sprüche bekannt.

[Anm.: Die Zuordnung Atem–Sāman, Rede–Ṛc, Denken–Yajus bildet dieselbe Trias, die bereits in 2.37 beim Divākīrtya begegnete; sie gehört zu den festen kosmologischen Grundfiguren der sāmavedischen Tradition. Das Baum-Gleichnis veranschaulicht das Verhältnis eines tragenden Grundprinzips (der ›Wurzel‹) zu dessen vielfältigen, aber letztlich gleichursprünglichen Erscheinungsformen.]

tad āhuḥ kiṃ nātiṣṭuvanti, kiṃ nātiśaṃsanti, kiṃ nātigṛhṇantīti. sa brūyāt prāṇam eva nātiṣṭuvanti. stute vai prāṇa eva pariśiṣyate. vācam eva nātiśaṃsanti. śaste vai vāg eva pariśiṣyate. mana eva nātigṛhṇanti. gṛhīte vai mana eva pariśiṣyate. nātiṣṭutaṃ nātiśastaṃ nātigṛhītam evaṃvidam saṃpannam eva bhavati. atha ha vai samṛddha eva yajña upāsitavyaḥ. yad adhīyann anupahanyamānaḥ karoti tat svargyam. svargyaṃ ma etat, svargaloka etena bhaviṣyāmīty eva tad vidyāt. atha yad duradhīyann upahanyamāno viṣiñcan karoti, puṣṭis sā prajananam. puṣṭir ma eṣā prajananaṃ, bahur bhaviṣyāmi prajaniṣya ity eva tad vidyāt

Dazu fragt man: Was ist es, das sie nicht überpreisen, was sie nicht überrezitieren, was sie nicht übergreifen? Man sollte antworten: Den Atem eben überpreisen sie nicht. Ist er gepriesen, so bleibt eben der Atem übrig. Die Rede eben überrezitieren sie nicht. Ist sie rezitiert, so bleibt eben die Rede übrig. Das Denken eben übergreifen sie nicht. Ist es gegriffen, so bleibt eben das Denken übrig. Nicht überpriesen, nicht überrezitiert, nicht übergegriffen – so wird es für den, der dies weiß, vollkommen. Nun aber sollte das Opfer, wenn es gelingt, gerade dann verehrt werden. Was einer, ohne gestört zu werden, im Rezitieren vollbringt, das ist himmlisch. »Dies ist mir himmlisch, dadurch werde ich zur himmlischen Welt gelangen« – so sollte er es wissen. Was er aber, schlecht rezitierend, gestört, den Faden verlierend, vollbringt, das ist Gedeihen, das ist Zeugung. »Dies ist mir Gedeihen, Zeugung – zahlreich werde ich sein, mich fortpflanzen werde ich« – so sollte er auch dies wissen.

[Anm.: Die Lehre folgt dem in der Brāhmaṇa-Literatur verbreiteten Grundsatz, dass auch eine fehlerhafte, gestörte Ausführung des Opfers, sofern sie recht verstanden wird, nicht als bloßer Misserfolg gilt, sondern einem anderen, gleichfalls positiven Ergebnisbereich – hier: irdischem Gedeihen und Nachkommenschaft statt himmlischem Lohn – zugeordnet werden kann.]

atha ha vai trayaḥ pūrve ’gnaya āsur bhūpatir bhuvanapatir bhūtānāṃ patiḥ. ayaṃ vai loko bhūpatir, antarikṣaṃ bhuvanapatir, asāv eva loko bhūtānāṃ patiḥ. atha hāyaṃ bhūtir nāma. teṣāṃ ha vaṣaṭkāraś śīrṣāṇi ciccheda. ta imās tisraḥ pṛthivīḥ praviviśuḥ. tasmād yad agnihotrasya vājyasya vāvaskandet tad abhimṛśed bhūpataye svāhā, bhuvanapataye svāhā, bhūtānāṃ pataye svāheti. eteṣu haivāsyāgniṣu hutam askannaṃ bhavati. atha ha vai trayaḥ pūrva ṛṣaya āsuś śūrpaṃyavam adhvānā antarvān kṛṣis solvālāḥ. te ha yajñasya kṛntatrāṇi dadṛśuḥ. tasyaitāḥ prāyaścittīr dadṛśuḥ - śaṃ ca ma, upa ca ma, āyuś ca me, bhūyaś ca me, yajña śivo me saṃtiṣṭhasva, yajña sviṣṭo me saṃtiṣṭhasva, yajñāriṣṭo me saṃtiṣṭhasveti. tasmād etā darśapūrṇamāsābhyāṃ vā cāturmāsyair vā paśubandhena vā saumyena vādhvareṇeṣṭvopariṣṭāj japeta. yad evātra yajñasya vidhuraṃ bhavati tad eva tena śamayati. prāṇa evāviṣuvato vyāno viṣuvān apāno yad ūrdhvaṃ viṣuvataḥ. apāno vā idaṃ sarvam āharati. tasmād vayaṃ parastād viṣuvato ’rvācaṣ ṣaḍahān upaimaḥ

Einst nun gab es drei Feuer: Bhūpati (›Herr der Erde‹), Bhuvanapati (›Herr des Zwischenraums‹) und Bhūtānām Patiḥ (›Herr der Wesen‹). Diese Welt hier ist Bhūpati, der Zwischenraum Bhuvanapati, jene Welt dort eben Bhūtānām Patiḥ. Und dieser Bezirk hier trägt den Namen Bhūti (›Gedeihen‹). Ihnen schnitt der Vaṣaṭ-Ruf die Köpfe ab. Da gingen sie in diese drei Erden ein. Deshalb soll man, wenn von der Ājya-Butter des Agnihotra etwas verschüttet wird, dieses berühren und sprechen: »Bhūpati, Svāhā! Bhuvanapati, Svāhā! Bhūtānām Patiḥ, Svāhā!« In diesen Feuern eben wird ihm das Dargebrachte wieder zum Unverschütteten. Einst nun gab es drei frühere Seher – dem Text nach mit Kornreinigung, Wegen, dem Innerlichen, dem Pflügen und, ein Wort bleibt unsicher, den Fesseln befasst. Sie sahen die Bruchstellen des Opfers. Diese Sühnesprüche sahen sie dazu: »Heil sei mir, und Nähe sei mir, und Lebenszeit sei mir, und Zuwachs sei mir. Opfer, steh mir gütig bei! Opfer, steh mir wohlvollzogen bei! Opfer, steh mir unversehrt bei!« Deshalb soll man, nachdem man mit den Darśapūrṇamāsa-Opfern oder den Cāturmāsya-Opfern oder dem Paśubandha oder einem Soma-Opfer geopfert hat, dies hinterher murmeln. Was auch immer dabei am Opfer mangelhaft ist, das besänftigt man eben dadurch. Atem ist die Zeit vor dem Viṣuvant, Zwischenatem der Viṣuvant selbst, Ausatem das, was jenseits des Viṣuvant liegt. Der Ausatem nämlich trägt dieses Ganze hier. Deshalb gehen wir die herwärtsgerichteten Sechstage-Opfer an, die jenseits des Viṣuvant liegen.

[Anm.: Die Dreiheit der Feuer Bhūpati/Bhuvanapati/Bhūtānāṃ Patiḥ und ihre Enthauptung durch den Vaṣaṭkāra (den rituellen Ausruf »Vaṣaṭ!«, hier personifiziert als Handelnder) ist eine ätiologische Erzählung zur Begründung der dreiteiligen Svāhā-Sühneformel bei verschüttetem Ājya. Die Bezeichnung »Bhūti« für den vierten genannten Bezirk bleibt unklar; möglich ist, dass damit dieselbe diesseitige Welt noch einmal, unter einem weiteren Namen, gemeint ist. Die Aufzählung der von den drei Sehern betrachteten Bereiche ist im überlieferten Text stark verdichtet und in ihrer genauen Aufgliederung unsicher; die Übersetzung gibt nur den ungefähren Wortsinn wieder. Die Sühnespruch-Reihe »śaṃ ca ma, upa ca ma…« gehört zu einer auch andernorts in der vedischen Literatur bezeugten Formelfamilie. Für »aufwärts«/»herwärts« als Bezeichnung der Sechstage-Abschnitte vor und nach dem Viṣuvant vgl. bereits 1.296 sowie 2.3 und 2.5.]

tad dha kratujij jānakir iyapiṃ saumāpaṃ papraccha - prāṇena svī(3)d apānenā(3) asmiñ jīvati martyaḥ. tad brūtāt saṃgatebhyaḥ kurūṇāṃ brāhmaṇebhya iti. sa hovācehaivāhaṃ tvāṃ prativakṣyāmīti. taṃ ha pratyuvāca - na prāṇena nāpānena. asmiñ jīvati martye vyāno ’dhyakṣaḥ paśos sataṃ viṣvaṃcamīyyata iti. puruṣo vai paśuḥ. paśurut paśus saḥ. vyāno ha vā etaṃ viṣvaṃcamīyyate. tān vā etān eke parastād viṣuvata ūrdhvān eva ṣaḍahān upayanti. yaṃ vaivaitaṃ pṛṣṭhyaṃ pūrvam upaimas tena vyāvṛttā bhavanti. atho evam ajāmīti. tad u hovāca śāṭyāyanir ubhaye vā eta ūrdhvā bhavanti ye cordhvā ye cārvāñcaḥ. savanair vā eta ūrdhvā bhavanty āpnuma u taṃ kāmaṃ ya āvarteṣv iti. tad āhur yad yathāpāṃ vivarta evam ete yad goāyuṣī. katareṣām ete ahnā(m). pareṣām avareṣām iti. ubhayeṣām eveti brūyāt. ubhayāni ha vā ete ahāni saṃgṛhya tiṣṭhataḥ parāṇi cāvarāṇi ca. tasmāt tryaheṇānyat tanumahe tryaheṇānyat. sa dvyahas san ṣaḍaho bhavati. tad ūrdhve goāyuṣī bhavata ūrdhvo daśarātraḥ. tad dhaitad eke vihṛte goāyuṣī upayanti - upariṣṭād viśvajita āyuḥ purastād daśarātrasya gām. evam ajāmīti. atho evam evaitayoḥ puropāyayanam. tat pramattā naimiśīyā atīyuḥ. te ’tra purastād daśarātrasya sahopeyuḥ. tata idam arvācīnam evopayanti. tad u hovāca śāṭyāyaniḥ. prāṇāpānāv etau yad goāyuṣī. annapāne te vicchindanti ye viharanti. atho eṣa vāva devayānaḥ panthā yad goāyuṣī. svarga eṣa loko yad daśarātraḥ. sa etena devayānena pathaitaṃ svargaṃ lokaṃ gacchanti. atha ya ete viharanty etaṃ devayānaṃ panthānaṃ vicchindanti te na kiṃ cana vyaśnuvate. tasmāt sahaivopetye iti

Dazu befragte Kratujit Jānaki den Iyapi Saumāpa: »Lebt der Sterbliche in dieser Welt wohl durch den Atem oder durch den Ausatem? Sag dies den versammelten Brahmanen der Kurus.« Der sprach: »Gleich hier will ich dir antworten.« Er antwortete ihm: »Weder durch den Atem noch durch den Ausatem. In diesem lebenden Sterblichen ist der Zwischenatem der Aufseher; er ist es, der sich beim daseienden Lebewesen nach allen Seiten hin ausbreitet.« Der Mensch nämlich ist das Lebewesen. Ja, ein Lebewesen, ein Lebewesen ist er. Der Zwischenatem eben breitet sich bei ihm nach allen Seiten aus. Manche nun gehen diese Sechstage-Opfer, die jenseits des Viṣuvant liegen, als »aufwärtsgerichtete« an. Durch dieses Pṛṣṭhya, das wir vorher, vor dem Viṣuvant, angehen, werden jene dadurch »umgekehrt«. So wird dies »ungleichförmig«. Dazu aber sagte Śāṭyāyani: Beide werden ja »aufwärtsgerichtet« – sowohl die aufwärtsgerichteten wie die herwärtsgerichteten. Durch die Pressungen nämlich werden diese »aufwärtsgerichtet«; und jenen Wunsch, der in den Umkehrungen liegt, erlangen wir eben auch. Dazu fragt man: Da diese beiden, Go und Āyus, wie eine Umkehrung der Gewässer sind – zu welchen der Tage gehören sie? Zu den entfernteren oder zu den näheren? Man sollte antworten: Zu beiden. Diese beiden Tage nämlich umgreifen und halten beide zusammen, die entfernteren wie die näheren. Deshalb dehnen wir durch einen Dreitageszeitraum das eine, durch einen weiteren Dreitageszeitraum das andere aus. So wird aus einem Zweitage-Paar ein Sechstage-Zeitraum. So werden Go-und-Āyus »aufwärtsgerichtet«, und »aufwärtsgerichtet« ist das Zehnnächte-Opfer. Manche nun gehen dazu Go-und-Āyus getrennt an: den Āyus nach dem Viśvajit, den Go vor dem Zehnnächte-Opfer. So wird dies »ungleichförmig«. Und eben dies ist die regelrechte Voranstellung dieser beiden. Darin aber waren die Naimiśīya-Weisen nachlässig und gingen fehl: Sie gingen in dieser Sache beide zusammen vor dem Zehnnächte-Opfer an. Seitdem geht man es bis heute eben in dieser Weise an. Dazu aber sagte Śāṭyāyani: Diese beiden, Go-und-Āyus, sind Atem-und-Ausatem. Speise-und-Trank schneiden ab, wer sie trennt. Und dies eben ist der Pfad der Götter: Go-und-Āyus, zusammengehalten. Diese Welt hier, das Zehnnächte-Opfer, ist die Himmelswelt. Auf diesem Pfad der Götter gelangt man zu dieser Himmelswelt. Wer aber diese trennt, der zerschneidet diesen Pfad der Götter; solche erlangen gar nichts. Deshalb soll man sie eben zusammen angehen.

[Anm.: »Paśu« bezeichnet im Ritualvokabular sonst das Opfertier; hier wird eigens festgestellt, dass damit der Mensch selbst gemeint ist. Kratujit Jānaki (›Sohn des Janaka‹) und Iyapi Saumāpa erscheinen nur an dieser Stelle; die Frage, ob der Mensch durch Atem oder Ausatem lebt, wird zugunsten des Zwischenatems (vyāna) entschieden, der als das den ganzen Leib durchdringende Prinzip gilt. »Ungleichförmig« (ajāmi) ist derselbe feststehende Fachbegriff wie in 1.300: Verschiedenheit ritueller Elemente gilt gegenüber bloßer Gleichförmigkeit als das rituell Vollständigere. Die abschließende Erzählung ist bemerkenswert doppelbödig: Die Naimiśīya-Weisen werden zunächst als nachlässig geschildert, weil sie Go-und-Āyus entgegen der eigentlich vorgesehenen ›ungleichförmigen‹ Trennung beide gemeinsam vollzogen – doch eben diese, aus einem Versehen entstandene gemeinsame Praxis ist es, die sich bis in die Gegenwart des Textes erhalten hat und die Śāṭyāyani am Ende ausdrücklich als die theologisch richtige bestätigt: Getrennt zerschneide man den Pfad der Götter und erlange nichts, zusammengehalten führe dieser Pfad zur Himmelswelt. Was als Fehler eingeführt wurde, erweist sich so nachträglich als die überlegene Praxis.]

gobalaṃ ha vārṣṇaṃ śāṭyāyanir uvāca -- pitṛmān asi bhagavaḥ pitāmahavān. saṃvatsarāya dīkṣiṣye ’nu mā śādhīti. tatheti hovāca. ayanaṃ te vakṣyāmi, yad vidvān anārtas saṃvatsarasyodṛcaṃ gacchaty utthāyo yogakṣemī paṇāyyo bhavatīti. tān vā etān dvādaśa māso yantīti hovāca. tato yāṃś caturo māso yanty agner eva tān ayanena yanti. agniṃ caiva tena devatānām upāpnuvantīmaṃ ca lokam iti. atha yān aparāṃś caturo māso yanti vāyor eva tān ayanena yanti. vāyuṃ caiva devatānām āpnuvanty antarikṣalokaṃ ceti. yān aparāṃś caturo māso yanty ādityasyaiva tān ayanena yanti. ādityaṃ caiva tena devatānām upāpnuvanty amuṃ ca lokam iti

Śāṭyāyani sprach zu Gobala Vārṣṇa: »Du hast einen Vater, ehrwürdiger Herr, du hast einen Großvater – ich will mich für ein Jahr weihen; unterweise mich demgemäß.« »So sei es«, sprach jener. »Ich will dir den Jahreslauf (ayana) verkünden, durch dessen Kenntnis der Wissende unversehrt zum Schlussvers des Jahres gelangt, sich erhebt, gesicherten Lebensunterhalt erlangt und Ansehen genießt.« Diese zwölf Monate nämlich, so sprach er, verlaufen so: Von den vier Monaten, die zuerst vergehen, gehen sie eben den Lauf Agnis; durch ihn erlangen sie unter den Gottheiten eben Agni und diese Welt hier. Von den nächsten vier Monaten, die vergehen, gehen sie eben den Lauf Vāyus; sie erlangen Vāyu unter den Gottheiten und die Zwischenraum-Welt. Von den letzten vier Monaten, die vergehen, gehen sie eben den Lauf Ādityas; durch ihn erlangen sie unter den Gottheiten eben Āditya und jene Welt dort.

[Anm.: Bemerkenswert ist hier die Rollenverteilung: Anders als sonst im Jaiminīya-Brāhmaṇa, wo Śāṭyāyani durchweg als korrigierende Autorität auftritt, erscheint er in dieser Erzählung selbst als Schüler, der sich an Gobala Vārṣṇa – einen sonst nicht näher bekannten Lehrer – um Unterweisung wendet. Der Jahreslauf wird hier in drei Viermonatsabschnitte gegliedert, die den Cāturmāsya-Opferzeiten entsprechen und den Gottheiten Agni, Vāyu und Āditya sowie den drei Welten (dieser Welt, dem Zwischenraum, jener Welt) zugeordnet werden.]

etad vā ayanam iti hovāca. tad yad vā idam āhur anayenāgād iti. ya evaitad avidvāṃsas saṃvatsarāya dīkṣante te ’nayanena yanti. atha ya etad evaṃ vedānārta eva saṃvatsarasyodṛcaṃ gacchaty utthāyo yogakṣemī paṇāyyo bhavati. ta etaṃ svargaṃ lokam āgacchanti. etan mahāvratīyam ahaḥ. eṣa vāva svargaloko yan mahāvratīyam ahaḥ. tat pañcaviṃśaṃ bhavati. tato yā viṃśatir virāṭ sā. atha yāś catasra imā eva tāś catasro diśaḥ. atha yā pañcaviṃśīyam eva sordhvā dik. diśo vai yatra samudaśrayanta tad eṣo ’tyagro nāma loko ’bhavad ya eṣa tapati. etam evaitat pañcaviṃśyābhyārohanti. etasya salokatāṃ gacchanti. tad āhur yad etenāhnā bhūyiṣṭham īpsanti yan mahāvratīyenātha kasmād ayaṃ vāraṇaḥ pañcaviṃśastomaḥ kriyata iti. kṛtsnasyānnādyasyāvaruddhyā iti brūyāt. puruṣam eva pañcabhi stotryābhir avarunddhe gāṃ pañcabhir aśvaṃ pañcabhir ajāṃ pañcabhir aviṃ pañcabhiḥ. sa eṣa kṛtsnasyaivānnādyasyāvaruddhyā antataḥ pañcaviṃśastomaḥ kriyata iti. atha yāv atirātrau pratiṣṭhaiva sā. asminn eva loke prāyaṇīyenātirātreṇa pratiṣṭhāya prayanti. amuṣn loka udayanīyenātirātreṇa pratiṣṭhāyodyanti. te hāpy abubhūṣanta iva bhavanti, praty iva tiṣṭhanti

»Dies eben ist der Jahreslauf«, sprach er. Was man nun sagt: ›Er ging ohne rechten Lauf (anayana) dahin‹ – diejenigen, die dies nicht wissend sich für das Jahr weihen, die gehen eben ohne rechten Lauf. Wer aber dies so weiß, gelangt unversehrt zum Schlussvers des Jahres, erhebt sich, erlangt gesicherten Lebensunterhalt und Ansehen. Diese gelangen zu jener himmlischen Welt. Dies ist der Mahāvratīya-Tag. Eben dies ist die himmlische Welt, nämlich der Mahāvratīya-Tag. Er wird fünfundzwanzigfach. Davon ist die Zwanzig die Virāj. Die Vier aber sind eben diese vier Himmelsrichtungen. Was aber eigens die Fünfundzwanzigste ist, das ist die aufwärtsgerichtete Richtung. Wo die Richtungen zusammenkamen, dort entstand jene Welt namens »Atyagra« (die ›über die Spitze Hinausragende‹) – eben diese, die dort brennt. Zu eben dieser steigt man mit diesem Fünfundzwanzig-Stoma auf. Man gelangt in dieselbe Welt wie sie. Dazu fragt man: Da man mit diesem Tag, dem Mahāvratīya, das Meiste zu erlangen sucht – warum wird dann dieser abwehrende (vāraṇa) Fünfundzwanzig-Stoma vollzogen? Man sollte antworten: Zur Sicherung der gesamten Speise. Mit fünf Stotriya-Versen sichert man eben den Menschen, mit fünf die Kuh, mit fünf das Pferd, mit fünf die Ziege, mit fünf das Schaf. So wird, zur Sicherung der gesamten Speise, zuletzt der Fünfundzwanzig-Stoma vollzogen. Was aber die beiden Atirātras betrifft, so sind sie eben der feste Grund. In dieser Welt hier, auf dem Prāyaṇīya-Atirātra festen Grund gefasst habend, brechen sie auf. In jener Welt dort, auf dem Udayanīya-Atirātra festen Grund gefasst habend, steigen sie auf. Sie werden dabei gleichsam werdenwollend, und stehen dann gleichsam fest gegründet.

[Anm.: Die Zerlegung des fünfundzwanzigfachen Stoma des Mahāvratīya-Tages in 20 (Virāj) + 4 (Himmelsrichtungen) + 1 (aufwärtsgerichtete Richtung, wo alle Richtungen zusammenlaufen) knüpft an dieselbe Pañcaviṃśa-Zahlensymbolik an, die in 2.30 beim Jahreslauf begegnete. Die Welt »Atyagra« erscheint nur hier. Die weitere Zerlegung in fünfmal fünf (Mensch, Kuh, Pferd, Ziege, Schaf) variiert das aus 2.34 bekannte Fünferschema der Opfertiere. Die Wendung »abubhūṣanta iva bhavanti« (wörtlich: ›sie werden gleichsam werdenwollend‹) ist im genauen Sinn unsicher; sie scheint einen Zustand des Aufbruchs unmittelbar vor der endgültigen Festigung zu beschreiben.]

athaiṣaudumbarī rājāsandī. tāṃ haike prācīm eva nidadhati. udīcīm eva nidadhyāt. tasyā imāv avāntaradeśau pūrvau pādāv imāv aparau. tāṃ heke prācīm evādhirohanti. tad u hovāca śāṭyāyanir udañco vai sāmārtvijyaṃ kurvanti. udīcīnadevatyā udgātāraḥ. udīcyaivāruhyeti. tāṃ haike namaskāreṇaivādhirohanti namas te ’stu bhagavati vidya tvā sā naś śivaidhīti. tūṣṇīṃ haivaike adhirohanti. mano vai prajāpatiḥ. prājāpatyam etad ahar iti. tām anenāgre ’dhirohed athānenādhānenāthānenāmṛtaṃ gamayeyam iti. athāsmā ārūḍhāya vāṇaṃ śatatantrim āharanti. tam etena saṃtānena saṃtanoti -- bhūr bhuva svar vadā vadā vadā vadī vadā vadoruḥ pṛthus sugas sugantuḥ karmaḥ karaṇaḥ karaḥ kariṣyan. aindrī vācaṃ bṛhatīṃ viśvarūpām. śatāyuṣaṃ pravada deva vāṇa. iti. athendraṇatayā ceṣīkayā vetasaśākhayā collikhati -- mano jyotir iti, vāk satyam iti, māno bhadra iti. taṃ prayacchati

Nun ist dies die Audumbarī-Rājāsandī. Diese richten manche nach Osten aus. Man sollte sie aber nach Norden ausrichten. Von ihr sind diese in den östlichen Zwischenrichtungen gelegenen Füße die vorderen, jene die hinteren. Diese besteigen manche von Osten her. Dazu aber sagte Śāṭyāyani: Nach Norden gewandt verrichten die Sāman-Priester ihr Priesteramt; nach Norden gehören die Gottheiten der Udgātṛs. Man sollte sie eben von Norden her besteigen. Diese besteigen manche mit einer Verehrungsgeste: »Verehrung sei dir, Ehrwürdige! Ich kenne dich – sei du uns gnädig!« Andere wiederum besteigen sie schweigend: Das Denken nämlich ist Prajāpati; dieser Tag gehört Prajāpati. Man sollte sie zuerst mit diesem Spruch besteigen, dann mit dieser Weihehandlung, dann mit diesem Gedanken: »Möge ich dadurch zur Unsterblichkeit gelangen.« Dann bringen sie dem, der sie bestiegen hat, eine hundertsaitige Laute (Vāṇa). Diese bespannt er mit dieser Bespannungsformel: »Bhūr, Bhuvaḥ, Svar – töne, töne, töne, ertöne, töne, weithintönend, breit, wohlgängig, guten Weges, wirkend, Werkzeug, Täter, der wirken wird. Indras Stimme, die Bṛhatī, allgestaltig – verkünde hundert Lebensjahre, göttliche Laute!« Dann ritzt er sie mit einem von Indra-Kraft gebogenen Schilfrohr und einem Rohrkolben-Zweig: »Das Denken ist Licht« – »Die Rede ist Wahrheit« – »Heil sei uns«. Dann übergibt er sie.

[Anm.: Die hundertsaitige Laute (vāṇa) ist ein für den Mahāvrata-Tag charakteristisches Ritualinstrument; die Parallelüberlieferung der Pañcaviṃśa-Brāhmaṇa (5,6,12–14, einer anderen sāmavedischen Schule) bestätigt hier fast jedes Detail: Dort heißt es ebenso ›śatatantrīko bhavati, śatāyur vai puruṣaḥ śatavīryaḥ‹ (›sie wird hundertsaitig – der Mensch nämlich ist hundertjährig, von hundertfacher Kraft‹), und auch das Ritzen der Laute (dort ebenfalls mit ullikhati) ist dort bezeugt – allerdings mit einer Atem-Formel (›für den Atem bist du, für den Ausatem, für den Zwischenatem‹) anstelle der hier überlieferten Denken-Rede-Formel, ein Beispiel für schulspezifische Formelvarianten bei ein und demselben Ritualmoment. Auch die Audumbarī-Rājāsandī selbst findet dort eine Parallele (5,5,2: ›audumbarī bhavati, ūrk‹ – ›sie ist aus Udumbara-Holz, das ist Lebenskraft (ūrj); der Udumbara-Baum sichert eben die Lebenskraft‹), was den Namen »Audumbarī« zusätzlich erklärt. Die beim Bespannen der Laute gesprochene Formel besteht größtenteils aus einer lautmalerischen Reihung von Ableitungen der Wurzeln vad (›tönen, sprechen‹) und kṛ (›wirken, tun‹); ihre genaue grammatische Gliederung bleibt unsicher, weshalb die Übersetzung sich auf eine möglichst wortgetreue Wiedergabe beschränkt. Der letzte Teil des abschließenden Dreispruchs beim Ritzen der Laute ist im überlieferten Text unsicher; die Übersetzung folgt hier versuchsweise der geläufigen vedischen Wunschformel ›Heil sei uns‹ (mā no bhadram).]

athaitā anyāḥ parimādaḥ kurute. atha stute. atha śīrṣṇāgre stute ’tha dakṣiṇena pakṣeṇāthottareṇātha pucchenātmanottamena. tat salomāya. śīrṣṇodgātā pratipadyata ātmanā hotā. yāṃ hy eva prāha tayā pratipadyate. atha yad anyāṃ prāhānyayā pratipadyate, viloma tat. atha haika ātmanaivāgre pratipadyante. tad u hovāca śāṭyāyanir yathāndho dvāram ṛcchet tādṛk tad iti. atha haike stutvaivopāvaruhyaitad ahaś śasyamānam īkṣamāṇā āsate. tad u hovāca śāṭyāyanir īśvaraḥ pāpīyān bhavitor yas tathā karoti. kṣatraṃ vai sāma. viṭ chastram. upary evāsīta. rājānam evāhriyamāṇaṃ pratyavarohet. tathāsya rājā pratyavarūḍho bhavati. tasyai pratyavaroho -- mahī dyauḥ pṛthivī ca na imaṃ yajñaṃ mimikṣatām. pipṛtāṃ no bharīmabhiḥ. iti. tām etām āsandīm uttarataḥ paryāhṛtya nidadhati

Dann vollzieht er diese anderen, freudigen Klangfolgen. Dann wird gepriesen. Zuerst wird am Haupt-Teil gepriesen, dann am rechten Flügel, dann am anderen, nördlichen Flügel, dann am Schwanz, dann, als Höchstes, am Selbst. Das dient dem Behaartsein. Am Haupt-Teil tritt der Udgātṛ auf, am Selbst-Teil der Hotṛ. Denn womit jener zuletzt gesprochen hat, damit tritt dieser auf. Spricht aber jener eines, tritt dieser mit einem anderen auf, so ist das »gegen den Strich« (viloma). Manche nun treten von Anfang an gleich mit dem Selbst-Teil auf. Dazu aber sagte Śāṭyāyani: Das ist, wie wenn ein Blinder auf eine Tür stieße – so ist das. Manche nun setzen sich, nachdem sie gepriesen haben, herab und sitzen zuschauend da, während dieser Tag weiter rezitiert wird. Dazu aber sagte Śāṭyāyani: Wer so handelt, ist dazu bestimmt, der Schlechtere zu werden. Das Sāman nämlich ist die Kṣatra-Macht, das Śastra der Vaiśya-Stand. Man sollte oben sitzen bleiben. Nur um den König zu empfangen, wenn er herangeführt wird, sollte man wieder herabsteigen. So wird ihm der König recht empfangen. Die Herabstiegs-Formel dazu lautet: »Die große Himmelswelt und die Erde sollen sich mit diesem Opfer vermengen. Sie sollen uns mit ihren Gaben sättigen.« Diese Rājāsandī tragen sie dann nach Norden herum und setzen sie ab.

[Anm.: Die Gliederung des Sāman-Vortrags in Haupt, rechten Flügel, linken Flügel, Schwanz und Selbst (Rumpf) entspricht dem auch aus der späteren Chāndogya-Upaniṣad (2,2) bekannten klassischen Vogel-Schema der fünfteiligen Sāman-Gliederung. Die Pañcaviṃśa-Brāhmaṇa bezeugt für denselben Mahāvrata-Tag dasselbe Schema (5,6,2), verteilt die fünf Teile dort aber auf andere Priesterämter (Haupt: Adhvaryu; rechter Flügel: Maitrāvaruṇa; linker Flügel: Brahmanācchaṃsin; Schwanz: Gṛhapati; Selbst: Udgātṛ) als hier im Jaiminīya-Brāhmaṇa (Haupt: Udgātṛ; Selbst: Hotṛ) – ein aufschlussreicher Beleg für schulspezifische Abweichungen bei gemeinsamem Grundschema. Auch der »parimāda« genannte Klangabschnitt findet in der Pañcaviṃśa-Brāhmaṇa eine wörtliche Erklärung (5,6,11): Er gilt dort ausdrücklich als ›Haut und Haar‹ (tvac ca loma ca) des Mahāvrata – was das hiesige »tat salomāya« (›das dient dem Behaartsein‹) unmittelbar bestätigt. Das Wortspiel zwischen »salomāya« und »viloma« (›gegen den Strich‹, wörtlich ›gegen das Haar‹) verbindet die beiden Absätze im Original. Zur Rangfolge Sāman (Kṣatra) über Śastra (Vaiśya-Stand) vgl. die ausführlichere Ständehierarchie in 2.32.]

tad āhur yad vihṛtam etad ahaś śasyate, vihṛtāsu studhvā(3) avihṛtās(3) iti. vihṛtāsv iti brūyāt. ya etā rājanyasya devatās tābhir vihṛtaṃ bhavati. tad yad gāyatrīṣu śiro bhavati, bṛhatīṣu ca kakupsu ca pakṣau, dvipadāsu ca pucchaṃ, triṣṭupsva ātmā, katham ato vihṛtaṃ bhavatīti. etasyātmanaḥ pañcaviṃśaṃ śataṃ triṣṭubho bhavanti. tato yac chatam āyuṣ ṭat. atha yāḥ pañcaviṃśatiḥ puruṣas saḥ. pañcemāḥ pañcemāḥ pañcemāḥ pañcemāś catvāri prāṅgāṇi. ātmā pañcaviṃśaḥ. sa eṣa śatāyuḥ puruṣaḥ. tad āhur yad anyās triṣṭubhas saṃpūrṇākṣarāsu stuvata iti. sa brūyāt traiṣṭubho vai puruṣas triṣṭubyoniḥ. tānīmāni puruṣasyānyūnāni. tasmād vyūnākṣarāḥ. atha yad viṣameṇa samas teno saṃpūrṇākṣarā iti. tad āhur yat pañcaviṃśaḥ puruṣaḥ puruṣasyaitat stotram ity āhuḥ. atha kasmād etāni viṣamāṇi sāmāni kriyante puruṣasya sarvatāyā iti. sa brūyān mano vai prajāpatiḥ. prajāpatiḥ puruṣaḥ. tasyaiṣo antar ātmā yad etāḥ pañcaviṃśati stotryāḥ. atho yathā puruṣasya keśā nakhā lomāni śmaśrūṇi tādṛk tat. yad etāni viṣamāṇi sāmāni kriyante puruṣasya sarvatāyā iti

Dazu fragt man: Da dieser Tag in verteilter Weise (vihṛta) rezitiert wird – soll man singen: »Unter den Verteilten!« oder »Unter den Unverteilten!«? Man sollte sagen: »Unter den Verteilten!« Denn durch die Gottheiten des Rājanya, des Adelsstandes, die dies sind, wird es verteilt. Dazu fragt man: Da unter den Gāyatrī-Versen das Haupt liegt, unter den Bṛhatī- und Kakubh-Versen die beiden Flügel, unter den Zweifüßler-Versen der Schwanz, unter den Triṣṭubh-Versen das Selbst – wie kann dies dann »verteilt« sein? Von diesem Selbst-Teil gibt es hundertfünfundzwanzig Triṣṭubh-Verse. Davon ist das Hundert die Lebenszeit. Und die Fünfundzwanzig ist der Mensch (Puruṣa). Je fünf und fünf und fünf und fünf ergeben die vier Vordergliedmaßen. Das Selbst ist der Fünfundzwanzigste. Dies eben ist der hundertjährig lebende Mensch. Dazu fragt man: Wieso preist man unter den anderen, vollzähligen Triṣṭubh-Versen? Man sollte antworten: Der Mensch ist ja triṣṭubhischer Natur, hat die Triṣṭubh zum Ursprung. Diese seine Verse entbehren nichts – deshalb haben sie verringerte Silbenzahl. Und dass das Ungleiche durch das Gleiche ausgeglichen wird, dadurch sind jene anderen, vollzähligen Verse entstanden. Dazu fragt man: Da der Mensch fünfundzwanzigfach ist und man dies das Stotra des Menschen nennt – warum werden dann diese ungleichen (viṣama) Sāmans vollzogen, zur Vollständigkeit des Menschen? Man sollte antworten: Das Denken nämlich ist Prajāpati; Prajāpati ist der Mensch. Sein innerstes Selbst sind eben diese fünfundzwanzig Stotriya-Verse. Und so wie beim Menschen die Haare, die Nägel, die Körperhaare, der Bart sind, so verhält es sich damit. Deshalb werden diese ungleichen Sāmans vollzogen, zur Vollständigkeit des Menschen.

[Anm.: Die Verteilung des fünfteiligen Sāman-Schemas (vgl. 2.46) auf die Versmaße Gāyatrī (Haupt), Bṛhatī-und-Kakubh (Flügel), Dvipadā (Schwanz) und Triṣṭubh (Selbst) führt die dortige Gliederung fort. Die Zahl Hundertfünfundzwanzig für die Triṣṭubh-Verse des Selbst-Teils variiert die aus 2.44 bekannte Pañcaviṃśa-Symbolik (Hundert=Lebenszeit, Fünfundzwanzig=Mensch, davon wieder viermal fünf=Vordergliedmaßen und eins=Selbst). Der Vergleich der »ungleichen« (viṣama) Sāmans mit Haaren, Nägeln und Bart des Menschen begründet, warum ein vollständiges Ganzes nicht nur aus regelmäßigen, sondern auch aus scheinbar überzähligen, ungleichmäßigen Bestandteilen besteht – ein aufschlussreiches Gegenstück zur sonst im Text vorherrschenden Vorliebe für exakte Zahlengleichungen.]

tad āhur yad bṛhatyāyatanāni pṛṣṭhāni katham ato bṛhatīṣu kṛtaṃ bhavatīti. etasyātmano dvāpañcāśaṃ śataṃ bṛhatayo bhavanty ekā ca kakup. tena bṛhatīṣu kṛtaṃ bhavati. teno eva kakup pṛṣṭhebhyo na cyavata iti. tad āhuḥ kiṃchandāḥ pañcaviṃśa stoma iti. paṃktichandā iti brūyāt. etad dha vai pratyakṣaṃ pañcaviṃśasya stomasya chando yat paṃktiḥ. etasyātmanas saptatriṃśaṃ śataṃ paṃktayo bhavanty ardhapaṃktiś ca. tena paṃktiś chandāḥ. tā u eva dvānavatir atichandasaḥ. atichandā vai sarvāṇi chandāṃsy abhibhavati. tad vā asya tat sarvāṇy eva chandāṃsy upetāni bhavanti. tad āhuḥ katham etat sarvam ahaḥ pañcaviṃśaṃ bhavatīti. saṃpadeti brūyāt. kathaṃ saṃpadeti. padyeti nava śīrṣṇo gāyatryaḥ. tāsāṃ saptaviṃśatiḥ padāni. ṣaṭ chataṃ pakṣayor dvācatvāriṃśat pucchasya. tad yānīmāni saptaviṃśatiś śīrṣṇaḥ padāni tato dve ādāya ṣaṭ chata upadadhati. atha pañcaviṃśaḥ pariśiṣyate. tato yac chataṃ catvāras te pañcaviṃśāḥ. atha yāny aṣṭāv atiricyante tāni dvācatvāriṃśaty upadadhati. tau dvau pañcaviṃśau. pañcaviṃśa eva pañcaviṃśam. sarvaṃ pañcaviṃśaṃ bhavatīti

Dazu fragt man: Da doch die Bṛhatī die Heimstatt der Pṛṣṭhas ist – wie kommt es dann, dass dies in Bṛhatīs gemacht ist? Von diesem Selbst-Teil gibt es hundertzweiundfünfzig Bṛhatīs und eine Kakubh. Dadurch ist es in Bṛhatīs gemacht. Und durch eben diese eine Kakubh weicht es nicht von den Pṛṣṭhas ab. Dazu fragt man: Welches Versmaß hat der Fünfundzwanzig-Stoma? Man sollte antworten: Die Paṅkti ist sein Versmaß. Dies ist ja das unmittelbar sichtbare Versmaß des Fünfundzwanzig-Stoma, nämlich die Paṅkti. Von diesem Selbst-Teil gibt es hundertsiebenunddreißig Paṅktis und eine halbe Paṅkti. Dadurch ist die Paṅkti sein Versmaß. Und eben diese sind zweiundneunzig Atichandas (›Über-Versmaße‹). Das Atichandas nämlich übertrifft alle Versmaße. Dadurch eben werden ihm alle Versmaße zuteil. Dazu fragt man: Wie wird dieser ganze Tag fünfundzwanzigfach? Man sollte antworten: Durch Übereinstimmung. Wie durch Übereinstimmung? Neun Gāyatrī-Verse gehören zum Haupt. Von diesen gibt es siebenundzwanzig Versviertel. Hundertsechs gehören zu den beiden Flügeln, zweiundvierzig zum Schwanz. Von diesen siebenundzwanzig Versvierteln des Hauptes nimmt man zwei und legt sie zu den Hundertsechs; das ergibt Hundertacht. Dann bleiben beim Haupt fünfundzwanzig übrig. Von jenen Hundertacht sind Hundert vier Fünfundzwanziger; die acht überschüssigen legt man zu den Zweiundvierzig des Schwanzes – diese fünfzig werden zu zwei Fünfundzwanzigern. Fünfundzwanzig gleicht eben Fünfundzwanzig. So wird alles fünfundzwanzigfach.

[Anm.: Die Umrechnung des aus 2.47 bekannten, 125 Triṣṭubh-Verse zählenden Selbst-Teils in Bṛhatī- und dann in Paṅkti-Einheiten setzt dieselbe Technik der metrischen Äquivalenzumrechnung fort, die bereits in 2.36 (drei Jagatī = vier Bṛhatī) begegnete; die genaue Herleitung der Zahlen Hundertzweiundfünfzig, Hundertsiebenunddreißig und Zweiundneunzig lässt sich aus dem Text allein nicht mehr lückenlos nachvollziehen. Die abschließende Rechnung dagegen geht restlos auf: Haupt (27) plus beide Flügel (106) plus Schwanz (42) ergeben zusammen 175 Versviertel, also genau siebenmal fünfundzwanzig – die Umverteilung von zwei Vierteln vom Haupt zu den Flügeln und von acht Vierteln von den Flügeln zum Schwanz zeigt exemplarisch, wie das Fünfundzwanzig-Prinzip auch dort waltet, wo es nicht auf den ersten Blick sichtbar ist.]

eṣa vāva yajñānāṃ viṣuvān yad agniṣṭomaḥ. te ye prāñco haviryajñā aupavasathāt te ’piyanti. atha ya uttare yajñakratavas sutyāyāṃ te ’piyanti. yat trivṛd bahiṣpavamānaṃ ye trivṛta stomās tena te ’piyanti. yat pañcadaśāny ājyāni pañcadaśo mādhyaṃdino ye pañcadaśā stomās tena te ’piyanti. yat sapdaśāni pṛṣṭhāni saptadaśa ārbhavo ye saptadaśā stomās tena te ’piyanti. yad ekaviṃśam agniṣṭomasāma ya ekaviṃśā stomās tena te ’piyanti. yad ekaviṃśaṃ sarve stomā abhisaṃpadyante tena sarve stomā apiyanti. ayam evāgniṣṭomo yo ’yaṃ pavate. te ye prāñco yajñakratavo ’gnis te nidānena. atha ya uttare yajñakratava ādityas te nidānena. yadā vā agrir udvāyati vāyum evāpyeti. yad ādityo ’stam eti vāyum evāpyeti. tasya vā etasya tathaiva vāgniṣṭomasya caturviṃśati stutaśastrāṇi. evaṃ caturviṃśatiḥ purovāto dakṣiṇatovātaḥ paścādvāta uttaratovāta ūrdhvovāta iti. prāṇa evāgniṣṭomastomaḥ. te ye prāñco yajñakratavo vāk te nidānena. atha ya uttare yajñakratavaś cakṣus te nidānena --

Dies eben ist der Viṣuvant der Opfer: der Agniṣṭoma. Die vorwärtsgerichteten Haviryajñas, vom Vorabend an, münden in ihn ein. Und die höheren Opferhandlungen, am Preßtag, münden ebenfalls in ihn ein. Dass das Bahiṣpavamāna dreifach ist, dadurch münden die dreifachen Stomas in ihn ein. Dass die Ājya-Verse fünfzehnfach sind und die Mittagspressung fünfzehnfach, dadurch münden die fünfzehnfachen Stomas in ihn ein. Dass die Pṛṣṭhas siebzehnfach sind und das Ārbhava-Pavamāna siebzehnfach, dadurch münden die siebzehnfachen Stomas in ihn ein. Dass das Agniṣṭoma-Sāman einundzwanzigfach ist, dadurch münden die einundzwanzigfachen Stomas in ihn ein. Dass alle Stomas im Einundzwanzigfachen zusammenlaufen, dadurch münden alle Stomas in ihn ein. Eben dieser Agniṣṭoma ist der, der hier weht. Die vorwärtsgerichteten Opferhandlungen haben Agni zu ihrer Grundlage. Die höheren Opferhandlungen haben Āditya zu ihrer Grundlage. Denn wenn Agni hoch auflodert, geht er eben in Vāyu ein. Wenn Āditya untergeht, geht er eben in Vāyu ein. Von diesem, dem Agniṣṭoma, gibt es demgemäß vierundzwanzig Stotra-und-Śastra-Paare. Ebenso gibt es vierundzwanzig: den Vorderwind, den Südwind, den Rückwind, den Nordwind, den Aufwärtswind. Der Atem eben ist der Agniṣṭoma-Stoma. Die vorwärtsgerichteten Opferhandlungen haben die Rede zu ihrer Grundlage. Und die höheren Opferhandlungen haben das Auge zu ihrer Grundlage –

[Anm.: Der Agniṣṭoma, die eintägige Grundform des Soma-Opfers, wird hier – parallel zur Rolle des Viṣuvant im Jahres-Sattra – als der Punkt dargestellt, in dem sich sämtliche Stoma-Zahlen des gesamten Opfersystems (drei, fünfzehn, siebzehn, einundzwanzig) treffen, weil sie alle bereits innerhalb des einen Agniṣṭoma-Tages selbst vorkommen. Die Aufzählung von nur fünf benannten Windrichtungen für die genannte Zahl Vierundzwanzig bleibt im Text unausgeglichen; vermutlich ist eine weitere, nicht ausgeführte Unterteilung gemeint.]

--yadā vai tūṣṇīm āste prāṇam eva vāg apyeti. yadā svapiti prāṇam eva cakṣur apyeti. tad yad evaṃvid vadati haviryajñair asya tad iṣṭaṃ bhavati. yat prāṇity agniṣṭomenāsya tad iṣṭaṃ bhavati. yad vīkṣata uttarair asya tad yajñakratubhir iṣṭaṃ bhavati. tad yad evaṃvid vadati yat prāṇiti yad vīkṣata etair hāsya tat sarvair yajñakratubhir iṣṭaṃ bhavati. sa eṣa samānaprāyaṇas samānasaṃbandhanas saṃvatsaraḥ. tasya mana eva prāyaṇaṃ, vāk saṃbandhanam. sa eṣa saṃvatsaro ’gniṣṭomān evābhisaṃpadyate. ṣaḍ atirātrasyātiyanti, trīṇy ukthāni tridevatyas sandhiḥ. trīṇy ārambhaṇīyasyāhno ’tiyanti. atha yatra ha kva cābhiplavas sapta te ’gniṣṭomāḥ. ṣaṭkṛtvaḥ pṛṣṭhyam upayanti. dvayoṣ ṣaḍ atiyanti dvayoṣ ṣaṭ. so ’gniṣṭomaḥ. dvayoṣ ṣaṭ. tad amūni ṣaḍ upadadhāti. so ’gniṣṭomaḥ. agniṣṭomo ’bhijit. nava svarasāmnām atiyanti. tad amūni trīṇy upadadhāti. so ’gniṣṭoma. agniṣṭomo viṣuvān. pratīcāṃ svarasāmnāṃ navātiyanti. pañcakṛtvaḥ pṛṣṭhyam upayanti. dvayoṣ ṣaḍ atiyanti. dvayoṣ ṣaṭ. so ’gniṣṭomaḥ. ekasya trīṇi. tāny eṣu navasūpadadhāti. so ’gniṣṭomaḥ. agniṣṭomo viśvajit. goāyuṣoṣ ṣaḍ atiyanti. dvādaśāgniṣṭomā daśarātraḥ. agniṣṭomo mahāvratīyam ahaḥ. ṣaḍ atirātrasyātiyanti. tad amūni ṣaḍ upadadhāti. so ’gniṣṭomaḥ. dvādaśakṛtvaṣ ṣoḍaśinam upayanti. so ’gniṣṭomaḥ. yady u vā atirātre ṣoḍaśinam upayanti. mohayanty amūṃ virājas saṃpadam. atīmām agniṣṭomasaṃpadaṃ ricyate. sa ha so ’nidhāno vajro hinasti. atha vā anidhāno vajraḥ. sa eṣa samānaprāyaṇas samānasaṃbandhanas saṃvatsaraḥ. tasya mana eva prāyaṇaṃ, vāk saṃbandhanam. sa eṣa saṃvatsaro ’gniṣṭomān evābhisaṃpadyate. saṃpadā hāgniṣṭomāyanaṃ bhavati. upāptāny u tāny ahāni bhavanti yāni saṃvatsare citriyāṇi. tena haitenāyanenobhau kāmāv upāpnoti yaś cāgniṣṭomāyane yaś ca māsi pṛṣṭhe

– denn wenn man schweigend dasitzt, geht eben die Rede in den Atem ein. Wenn man schläft, geht eben das Auge in den Atem ein. Wenn also einer, der dies weiß, spricht, so ist ihm dadurch mit den Haviryajñas geopfert. Wenn er atmet, ist ihm dadurch mit dem Agniṣṭoma geopfert. Wenn er blickt, ist ihm dadurch mit den höheren Opferhandlungen geopfert. Wenn also einer, der dies weiß, spricht, atmet, blickt, dann ist ihm durch eben diese mit allen Opferhandlungen geopfert. Dieses Jahr hat einen gemeinsamen Ausgangspunkt und ein gemeinsames Band. Sein Ausgangspunkt ist eben das Denken, sein Band die Rede. Dieses Jahr geht ganz in den Agniṣṭomas auf. Sechs überschreiten den Atirātra; drei sind die Ukthyas, dreifache-Gottheit ist die Fuge. Drei überschreiten den Ārambhaṇīya-Tag. Und wo immer der Abhiplava ist, sieben – das sind Agniṣṭomas. Sechsmal geht man den Pṛṣṭhya an. Von den beiden je sechs überschreiten – das ist ein Agniṣṭoma. Diese sechs legt man zusammen – das ist ein Agniṣṭoma. Agniṣṭoma ist der Abhijit. Neun der Svara-Sāmans überschreiten; diese drei legt man zusammen – das ist ein Agniṣṭoma. Agniṣṭoma ist der Viṣuvant. Von den rückwärtigen Svara-Sāmans überschreiten neun; fünfmal geht man den Pṛṣṭhya an. Von den beiden je sechs überschreiten – das ist ein Agniṣṭoma. Von dem einen drei; diese legt man zu jenen neun – das ist ein Agniṣṭoma. Agniṣṭoma ist der Viśvajit. Von Go-und-Āyus überschreiten sechs. Zwölf Agniṣṭomas sind das Zehnnächte-Opfer. Agniṣṭoma ist der Mahāvratīya-Tag. Sechs überschreiten den Atirātra; diese sechs legt man zusammen – das ist ein Agniṣṭoma. Zwölfmal geht man den Ṣoḍaśin an – das ist ein Agniṣṭoma. Gehen sie aber beim Atirātra den Ṣoḍaśin an, verwirren sie jene Übereinstimmung der Virāj; sie überschreiten diese Agniṣṭoma-Übereinstimmung. Da schlägt dann der nicht-niedergelegte Vajra zu. Oder vielmehr: Er ist ein nicht-niedergelegter Vajra. Dieses Jahr hat also einen gemeinsamen Ausgangspunkt und ein gemeinsames Band; sein Ausgangspunkt ist das Denken, sein Band die Rede. Dieses Jahr geht ganz in den Agniṣṭomas auf. Durch diese Übereinstimmung eben gibt es einen Agniṣṭoma-Jahreslauf. Und jene Tage werden dadurch erfasst, die im Jahr besonders herausgehoben sind. Durch eben diesen Jahreslauf erlangt man beide Wünsche: den des Agniṣṭoma-Jahreslaufs und den des monatlichen Pṛṣṭha.

[Anm.: Das Bild vom Verschmelzen der Rede in den Atem beim Schweigen und des Auges in den Atem beim Schlaf gehört zu einer auch in den frühen Upaniṣaden (etwa Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 2,1 und Kauṣītaki-Upaniṣad 4) breit bezeugten Lehre vom Atem als demjenigen Prinzip, in das die anderen Sinnesvermögen im Schlaf zurücktreten; die daran anschließende Lehre, dass Sprechen, Atmen und Blicken für den Wissenden bereits sämtliche Opfer vollziehen, ist ihrerseits mit der ›inneren Agnihotra‹-Lehre der Chāndogya-Upaniṣad (5,19–24) verwandt, wo ebenfalls alltägliche Lebensvorgänge an die Stelle äußerer Opferhandlungen treten. Die anschließende, sehr dicht komprimierte Rechnung, die sämtliche Untereinheiten des Jahres-Sattra (Atirātra, Ukthya, Abhiplava, Svara-Sāmans, Viṣuvant, Viśvajit, Go-und-Āyus, Zehnnächte-Opfer, Mahāvratīya, Ṣoḍaśin) auf Agniṣṭoma-Einheiten zurückführt, lässt sich in ihren einzelnen Rechenschritten aus dem überlieferten Text allein nicht mehr vollständig nachvollziehen; die Übersetzung folgt so eng wie möglich dem Wortlaut, ohne die einzelnen Zwischenschritte zu rekonstruieren. »Nicht-niedergelegter Vajra« bezeichnet vermutlich eine noch wirksame, nicht gebannte Gefahr, die bei einer falschen Übereinstimmung der Zahlen droht.]

dvayā ha vai pūrva ṛtava āsuḥ -- prāṇartavo devartavaḥ. athema etarhy ṛtava eva. prāṇa eva vasanta āsa. vāg grīṣmaḥ. cakṣur varṣāḥ. ārdram iva vai cakṣur, ārdrā iva varṣāḥ. śrotraṃ śarat. mano hemantaḥ. yā imāḥ puruṣa āpas sa śiśiraḥ. atha devartavaḥ. vāyur eva vasanta āsa. agnir grīṣmaḥ parjanyo varṣāḥ. ādityaś śarat. candramā hemantaḥ. yā amūr divyā āpas sa śiśiraḥ. sa yas sa prāṇo vasanta āsa, yo vāyur vasantas, so ’yam etarhi vasantaḥ. atha yā vāg grīṣma āsa, yo ’gnir grīṣmas, so ’yam etarhi grīṣmaḥ. atha yaś cakṣur varṣā āsur, yāḥ parjanyo varṣās, tā imā etarhi varṣāḥ. atha yan mano hemanta āsa, yaś candramā hemantas, so ’yam etarhi hemantaḥ. atha yā imāḥ puruṣa āpaś śiśira āsur, yā amūr divyā āpas sa śiśiras, so ’yam etarhi śiśiraḥ

Zweierlei Arten von Jahreszeiten gab es einst: Atem-Jahreszeiten und Götter-Jahreszeiten. Diese jetzt aber sind nur noch die einen. Der Atem war der Frühling. Die Rede war der Sommer. Das Auge war die Regenzeit – feucht nämlich ist gleichsam das Auge, feucht gleichsam die Regenzeit. Das Gehör war der Herbst. Das Denken war der Winter. Das Wasser, das im Menschen ist, das war die Kühlzeit. Nun die Götter-Jahreszeiten: Vāyu war der Frühling. Agni war der Sommer. Parjanya war die Regenzeit. Āditya war der Herbst. Der Mond war der Winter. Das himmlische Wasser dort war die Kühlzeit. Das, was als Atem der Frühling war, und was als Vāyu der Frühling war – das ist jetzt eben dieser Frühling. Was als Rede der Sommer war, und was als Agni der Sommer war – das ist jetzt eben dieser Sommer. Was als Auge die Regenzeit war, und was als Parjanya die Regenzeit war – das ist jetzt eben diese Regenzeit. Was als Denken der Winter war, und was als Mond der Winter war – das ist jetzt eben dieser Winter. Und was als das Wasser im Menschen die Kühlzeit war, und was als jenes himmlische Wasser die Kühlzeit war – das ist jetzt eben diese Kühlzeit.

[Anm.: Die Lehre von zwei ursprünglich getrennten Jahreszeiten-Systemen – einem leibbezogenen (Atem, Rede, Auge, Gehör, Denken, Körperwasser) und einem götterbezogenen (Vāyu, Agni, Parjanya, Āditya, Mond, Himmelswasser) –, die sich zu den heutigen, einheitlichen Jahreszeiten verbunden haben, ist ein besonders klar durchgeführtes Beispiel der im Jaiminīya-Brāhmaṇa pervasiven Leib-Kosmos-Homologie.]

ta ete ṣaḍ ṛtavaṣ ṣaḍ diśaḥ. ta eta ṛtavo digbhira mithunā -- vasanteneyaṃ prācī diṅ mithunā, grīṣmeṇeyaṃ, varṣābhir iyaṃ, śaradeyaṃ, hemantenāsau, śiśireṇeyam. tad yathā patiṃ jāyā animeṣam īkṣerann evam evainā evaṃvidaṃ dīkṣamāṇam īkṣante. tad yad digbhir īkṣitas tasmād dīkṣitaḥ. sa dīkṣiṣyamāṇa ādityam upatiṣṭheta tvaṃ devata dīkṣitāsi. sā dīkṣamāṇasya teja indriyaṃ vīryaṃ yaśa ādatse. mā me teja indriyaṃ vīryaṃ yaśa ādithāḥ. tava dīkṣām anu dīkṣa iti. athartūn anva ārohati. ya ṛtava ṛtubhyo ’dhya āsan purā sūryācandramasaś ca pūrve. yebhiḥ prajānan pradiśo diśaś ca tān anv ārohāmi tapasā brahmaṇā ca. iti prāṇartūn anv ārohati. ya ṛtavaś candramaso ’dhi pūrva ṛcaṃ vācaṃ brahmāṇam ābabhūvuḥ. ity evaṃvidaṃ hy ābhavan. yebhiḥ prajānan pradiśo diśaś ca tān anv ārohāmi tapasā brahmaṇā ca. iti devartūn anv ārohati. ya eka ṛtus traya ṛtavaś ca ye ṣaṭ caturviṃśatir ṛtavo ye dvādaśa saptadaśāny uta viṃśatiś ca tān anv ārohāmi tapasā brahmaṇā ca. itīmān ṛtūn anv ārohati. sa evam etais tair ṛtubhiḥ parigṛhītaḥ. sa yathā tair ṛtubhiḥ parigṛhīta evam evānārtas saṃvatsarasyodṛcaṃ gacchati. ṛtur ṛtur haivaṃvide kalpate

Diese sechs Jahreszeiten sind sechs Himmelsrichtungen. Diese Jahreszeiten sind mit den Richtungen gepaart: Mit dem Frühling ist diese östliche Richtung gepaart; mit dem Sommer diese; mit der Regenzeit diese; mit dem Herbst diese; mit dem Winter jene; mit der Kühlzeit diese. So wie eine Gattin ihren Gatten unverwandten Blickes anschaute, ebenso schauen sie diesen, der solches weiß, während er sich weiht, an. Weil er von den Richtungen angeschaut wird, deshalb ist er ein »Geweihter« (dīkṣita). Wer sich weihen will, sollte sich Āditya nahen: »Du, Gottheit, bist geweiht. Du nimmst dem sich Weihenden Glanz, Sinneskraft, Manneskraft und Ansehen. Nimm mir nicht Glanz, Sinneskraft, Manneskraft und Ansehen! Deiner Weihe folgend weihe ich mich.« Dann steigt er den Jahreszeiten entlang empor. »Die Jahreszeiten, die vor den jetzigen Jahreszeiten waren, einst, vor Sonne und Mond – durch die ich die Zwischenrichtungen und Richtungen erkenne, diesen steige ich nach, durch Askese und heilige Formel.« So steigt er den Atem-Jahreszeiten entlang empor. »Die Jahreszeiten, die, vom Mond her, einst zu Ṛc-Vers, Rede und Brahman wurden – so kamen sie für den, der dies weiß, zustande –, durch die ich die Zwischenrichtungen und Richtungen erkenne, diesen steige ich nach, durch Askese und heilige Formel.« So steigt er den Götter-Jahreszeiten entlang empor. »Die eine Jahreszeit, und die drei Jahreszeiten, und die sechs, die vierundzwanzig Jahreszeiten, die zwölf, die siebzehn und auch die zwanzig – diesen steige ich nach, durch Askese und heilige Formel.« So steigt er diesen weiteren Jahreszeiten entlang empor. So wird er von all diesen Jahreszeiten umfangen. Und so, wie er von diesen Jahreszeiten umfangen ist, ebenso gelangt er, unversehrt, zum Schlussvers des Jahres. Jahreszeit um Jahreszeit wird dem, der dies so weiß, förderlich.

[Anm.: Die volksetymologische Ableitung von »dīkṣita« (geweiht) aus »dig« (Richtung) und »īkṣita« (angeschaut) ist ein weiteres Beispiel der im Jaiminīya-Brāhmaṇa geläufigen Nirukta-artigen Wortdeutungen. Die genaue Zuordnung der einzelnen Himmelsrichtungen (»diese«, »jene«) zu den Jahreszeiten wurde in der mündlichen Aufführung vermutlich durch Gesten begleitet und ist im Text selbst nicht ausdrücklich benannt. Die abschließende Aufzählung verschiedener traditioneller Jahres-Untergliederungen (eins, drei, sechs, vierundzwanzig, zwölf, siebzehn, zwanzig) lässt sich nicht in jedem Einzelfall sicher identifizieren; naheliegend sind das Jahr, die drei Cāturmāsya-Perioden, die sechs Jahreszeiten und die zwölf Monate, während die Zahlen siebzehn und zwanzig unklar bleiben.]

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