Quellen der Menschheit

Jaiminīya-Brāhmaṇa · Kāṇḍa 2

Kapitel 17 Der Jahreszeiten-Streit der Kāpeyas und Prajāpatis Operation

Das Fünfundzwanzignächtige wird über die zehn Finger, zehn Zehen, vier Hauptglieder und das Selbst des Puruṣa begründet, während beim Dreiunddreißignächtigen die Götter verteilt Askese üben. Die Kāpeyas streiten mit ihren Gegnern in einer lebhaften Debatte darüber, ob das Fünftagesopfer zur 'richtigen' Jahreszeit, dem Winter, oder das Sechstagesopfer zur geringeren Kühlzeit passe, bevor beim Neunundvierzignächtigen die Zahl Fünfundzwanzig einfach verdreifacht und so der spätere dreizehnte Monat vorausgedeutet wird. Der Wettlauf zwischen Ādityas und Aṅgiras wird zweimal neu erzählt – einmal als reiner Wettkampf, einmal, 'mehr als vierzig Jahre' später, in einer versöhnlichen, alle einschließenden Fassung –, während die Zuordnung von Nord- und Südsonnenstrahlen zu Aṅgiras und Ādityas auf die beiden Sonnenwenden verweist. Den Abschluss bildet die eindrückliche Erzählung, wie das Wesen Brahman ein Übel in Prajāpatis Haupt diagnostiziert und es chirurgisch durch Schnitte an Nacken, Hüftbinde und Knöchel entfernt, gefolgt von Śāṭyāyanis knappem Verdikt im Streit der Kuru-Pañcāla-Brahmanen um Vieh oder Glanz: 'Man soll nicht das sagen, was bloßes Gerede ist.'

athaitās saṃsado bhavanti. etad dha vai saṃsadāṃ saṃsattvaṃ yad ete stomāś ca chandāṃsi ca madhyataḥ saṃsannāḥ. stomāś ca ha khalu vai chandāṃsi ca sarvā devatāḥ. devā vai mṛtyor abibhayuḥ. yat svarge loke tasmāt te prajāpatim evopādhāvan. tān prajāpatir abravīt - mā bibhīta. ahaṃ vas taṃ matyum atineṣyāmi yat svarge loka iti. tān pṛṣṭhye ṣaḍahe samasādayat. ṛtavo vai pṛṣṭhāni. saṃvatsara ṛtavaḥ. saṃvatsaro mṛtyuḥ. mṛtyor vāvaināṃs tat pṛṣṭhe pratiṣṭhitas samasādayat. tān etenāniruktena trayastriṃśenātyanayat. sa aikṣata - māniruktā bhūvann iti. tā niruktena nirabravīt. te stomāṃś ca chandāṃsi cākramamāṇā āyan. mṛtyor vāva te tat padayopanaṃ kurvanta īyus, tad yad ete stomāś ca chandāṃsi ca madhyato viṣvañco bhavanti

Nun, dies sind die Versammlungen (saṃsad). Dies eben ist das Versammeltsein der Versammlungen, dass diese Stomen und Versmaße in der Mitte versammelt sind. Die Stomen und die Versmaße nämlich sind alle Gottheiten. Die Götter, die in der Himmelswelt waren, fürchteten sich vor dem Tod. Daher wandten sie sich an Prajāpati. Prajāpati sprach zu ihnen: »Fürchtet euch nicht. Ich werde euch an jenem Tod, der in der Himmelswelt ist, vorbeiführen.« Er versammelte sie im Pṛṣṭhya-Sechstagesopfer. Die Pṛṣṭha-Gesänge sind ja die Jahreszeiten; das Jahr besteht aus den Jahreszeiten; das Jahr ist der Tod. Auf dem Pṛṣṭha fest gegründet, versammelte er sie eben innerhalb des Todes selbst. Er führte sie mittels dieses unausgesprochenen (anirukta) Dreiunddreißigfachen hindurch. Da überlegte er: »Mögen sie mir nicht unausgesprochen bleiben.« Da benannte er sie mit dem ausgesprochenen (nirukta) Dreiunddreißigfachen. Sie kamen, die Stomen und Versmaße durchschreitend. Sie gingen fürwahr so, dass sie dies zu einem Trittstein hinweg vom Tod machten. Dass diese Stomen und Versmaße von der Mitte aus nach allen Seiten auseinandergehen –

[Anm.: Diese neue Todes-Überlistungssage (vgl. bereits 2.329-331) führt die bemerkenswerte Gleichung ›das Jahr ist der Todʻ ein – ein früher Beleg für die später breit bezeugte Identifikation von Zeit (Kāla) und Tod im Hinduismus. Die List besteht darin, dass Prajāpati die Götter ausgerechnet innerhalb von Todes eigenem Bereich (den Jahreszeiten) versteckt und sie mit einem ›unausgesprochenenʻ, also nicht namentlich deklarierten Stoma hindurchführt, worauf der Tod mit einem ›ausgesprochenenʻ Gegenstück kontert. Die Erzählung bricht am Satzende ab und wird in 2.351 fortgeführt und aufgelöst.]

yathā viṣūcī pade vinihite anenāgrā3d anenā3 ity aprajānaṃs tiṣṭhed, evam evaitan mṛtyoḥ padayopanaṃ kṛtaṃ bhavati pāpmano ’nanvavāyāya. na ha vā enaṃ punar mṛtyur anvety, apa pāpmānaṃ hate, gacchati svargaṃ lokam. te paramaṃ tam itvā punar evābibhayuḥ. tān etenaivāniruktena trayastriṃśenātyanayan niruktena nirabravīt. tato vai te taṃ mṛtyum apājayan yat svarge loke. apa ha vai taṃ mṛtyuṃ jayati yat svarge loke, ya evaṃ veda. saṃvatsaro vā etā rātrayas, saṃvatsarasya garbhaḥ. saṃvatsarasya vai garbhaṃ prajāḥ paśava upajīvanti. garbhiṇīr u etā rātrayaḥ. yathā vā ajagaro gīrṇavān evam etā rātrayaḥ. yady u vā ajagaro gīrṇavān bhavaty ubhāv antāv arṇā sthūlaṃ madhyam. suhityasyo vā etā rūpaṃ rātrayaḥ. suhityaṃ vai so ’śnute ya śriyam aśnute. suhityaṃ jyaiṣṭhyaṃ śraiṣṭhyaṃ śriyam aśnavāmahā iti tasmād etā rātrīr upayanti

So wie einer, wenn zwei Fußspuren einander entgegengesetzt hinterlassen sind, ratlos stehen bliebe und dächte: »von hier aus dorthin, von hier aus dorthin« – ebenso ist dieser Trittstein hinweg vom Tod gemacht worden, damit das Übel nicht nachfolge. Der Tod folgt ihm nämlich nicht mehr nach; er schlägt das Übel ab, er geht in die Himmelswelt ein. Nachdem sie zum Höchsten gelangt waren, fürchteten sie sich abermals. Er führte sie wiederum mittels desselben unausgesprochenen Dreiunddreißigfachen hindurch; mit dem ausgesprochenen benannte er sie. Daraufhin besiegten sie jenen Tod, der in der Himmelswelt war. Er besiegt jenen Tod, der in der Himmelswelt ist, wer solches weiß. Das Jahr nämlich sind diese Nächte, die Leibesfrucht des Jahres. Von der Leibesfrucht des Jahres nämlich leben Nachkommen und Vieh. Trächtig sind zudem diese Nächte. So wie eine Python, die etwas verschlungen hat, so sind diese Nächte. Denn wenn eine Python etwas verschlungen hat, sind beide Enden schmal, die Mitte dick. Diese Nächte haben fürwahr die Gestalt des Wohlgeleiteten (suhitya). Das Wohlgeleitete erlangt nämlich, wer Herrlichkeit erlangt – mit dem Gedanken: »Mögen wir das Wohlgeleitete, den Vorrang, die Vortrefflichkeit, die Herrlichkeit erlangen.« Daher unternimmt man diese Nächte.

[Anm.: Das Bild der beiden entgegengesetzt gerichteten Fußspuren, die einen Verfolger ratlos zurücklassen, ist ein besonders anschauliches Jäger-Gleichnis für die rituelle Todes-Täuschung. Der Python-Vergleich (schmale Enden, dicke Mitte) liefert ein weiteres, unabhängiges Bild für dieselbe Auf-Mitte-Ab-Struktur des Sechstagesopfers, die 2.348 bereits mit dem Bettgestell (proṣṭha) illustriert hatte – ein Beispiel für die Technik dieses Textes, denselben Strukturgedanken mit wechselnden, oft aus dem Alltag oder der Natur gegriffenen Bildern zu variieren. Die Formel zum ›Wohlgeleitetenʻ (suhitya) entspricht in Aufbau und Wortlaut genau der Formel zum ›Obensitzendenʻ (upariṣadya) aus 2.348.]

atha ha smāhāṣāḍhas sāvayaso yādovaśyaṃ yasminn eva me saṃvatsare sāmānā dāsy udakaṃ caudanaṃ cāharat tasminn eva me saṃvatsare caturviṃśatiḥ pariṣkandā niṣkagrīvāḥ pariveṣaṇam anvāyan. no tān saṃpaśyāmo ye niṣkā āsann iti. tāvat tejasvinīs tāvad brahmavarcasinīs tāvad vīryāvatīr etā rātrayaḥ. tad āhu - śreyāṃsaṃ vā ete ’bhyārohanti ya etā rātrīr upayantīti. tad yat parastāt pratyañ ca pṛṣṭhyasya ṣaḍahasya stomā bhavanti, nihnavāyaivānārtyai śivatvāya śāntyai. trivṛte ’dhy ahna uttiṣṭhanti. brahma vai trivṛt. brahmaṇy evaitat pratiṣṭhāyodṛcam aśnuvate. trivṛt trivṛto ’nucaro bhavati. tasmād brāhmaṇo brāhmaṇasyānucaro bhavati. vindate ’nucaritṝn bahavo ’syānucarā bhavanti. na ha khalu vā eṣākṣamāramate yad gāyatrī. ūrdhvā ha vā eṣa saha yajamānena svargaṃ lokam eti. ūrdhvā haivāsya kīrtir ūrdhvā śrīr ūrdhvaṃ svargaṃ lokam eti ya evaṃ veda. vaiśvānara udayanīyo ’tirātro bhavati. vaiśvānarodayanā hy ahīnās somāḥ

Nun, so pflegte Aṣāḍha Sāvayasa zu berichten: »In eben jenem Jahr von mir, in dem eine singende Magd Wasser und Reisbrei brachte, in eben jenem Jahr von mir begleiteten vierundzwanzig Diener mit goldenen Halsschmuckstücken die Speiseausteilung. Wir sehen sie nicht mehr, die solche Halsschmuckstücke trugen.« Ebenso glanzvoll, ebenso brahmanenglanzreich, ebenso kraftvoll sind diese Nächte. Man sagt dazu: »Zu etwas Vortrefflicherem steigen diese empor, die diese Nächte unternehmen.« Dass darüber hinaus, zurückgewandt, die Stomen des Pṛṣṭhya-Sechstagesopfers folgen – dies dient der Verhüllung, der Freiheit von Bedrängnis, der Heilsamkeit, dem Frieden. Sie erheben sich vom Trivṛt-Tag aus. Der Trivṛt ist ja das Brahman; fest gegründet eben im Brahman erlangen sie den Schlussgesang. Der Trivṛt wird zum Gefolgsmann des Trivṛt. Daher wird ein Brahmane zum Gefolgsmann eines Brahmanen. Er findet Gefolgsleute; viele werden seine Gefolgsleute. Diese Gāyatrī nämlich erfreut sich nicht an Ohnmacht. Aufwärts geht diese zusammen mit dem Opferherrn in die Himmelswelt ein. Aufwärts eben ist sein Ruhm, aufwärts seine Herrlichkeit, aufwärts geht er in die Himmelswelt ein, wer solches weiß. Es gibt ein Vaiśvānara-Abschluss-Übernachtopfer; denn die Ahīna-Somaopfer schließen ja mit dem Vaiśvānara.

[Anm.: Die Erinnerung des sonst nicht näher bekannten Aṣāḍha Sāvayasa an vierundzwanzig golddekorierte Diener eines vergangenen Opferjahres ist eine seltene, persönlich gefärbte historische Reminiszenz, die – ähnlich den ›noch heuteʻ-Bemerkungen an anderen Stellen dieses Textes (2.285, 2.299, 2.307) – den Bezug zur Zahl Vierundzwanzig mit einer wehmütigen Erinnerung an vergangenen Wohlstand verbindet. Die Gleichung ›Trivṛt wird Gefolgsmann des Trivṛtʻ, aus der die Regel abgeleitet wird, ein Brahmane werde Schüler/Gefolgsmann eines Brahmanen, überträgt ein liturgisches Gleich-zu-Gleich-Prinzip auf die soziale Lehrer-Schüler-Beziehung.]

dvimāsyaṃ vā etat satram. tena yarddhis saivarddhiḥ. yau ha khalu vai dvau māsāv ṛtos sarddhiḥ. ṛtur u pratyakṣaṃ saṃvatsarasyarddhiḥ. saṃvatsaraṃ vā etad ītsanti saṃvatsaram īpsanti yad yajante yat satram āsate. na hi kiṃ cana bahis saṃvatsarād asti. svārājyaṃ vā etā rātrayo yat pañcaviṃśatir - dvādaśa parastād ahāni dvādaśāvastāt. atha yan madhye ’has tat svarāṭ. sa svargo lokaḥ. tad bradhnasya viṣṭapaṃ gacchanti, tat svārājyaṃ gacchanti, tad anyasyānanuniyānā bhavanti. tā vā etā rātrayas saṃpadyante jagatīm eva. paśavo vai jagatī. tenaiva tat satraṃ paśavyam upo virājaṃ gacchanti. tad u virājo ’nnādyasyaiśvaryam ādhipatyaṃ gacchanti. ekonā virāḍ - ūnaṃ tat striyai yatas sā prajāyate - teno prajananam. gāyatrīm u dīkṣopasadbhiś ca sutyābhiś ca saṃpadyate. prāṇo vai gāyatrī. tenaitat satram āyuṣyam. tejo vai gāyatrī. tat tejasvino brahmavarcasino bhavanti. jyaiṣṭhyaṃ vai gāyatrī. tad u bhrātṛvye jyaiṣṭhye pratitiṣṭhanti

Dies indes ist ein zweimonatliches Sattra; was es an Gedeihen bewirkt, ist eben jenes Gedeihen. Diese zwei Monate nämlich sind das Gedeihen einer Jahreszeit; eine Jahreszeit aber ist das unmittelbar sichtbare Gedeihen des Jahres. Das Jahr eben erstreben sie, das Jahr eben erstreben sie zu erlangen, wenn sie opfern, wenn sie im Sattra sitzen. Denn es gibt nichts, was außerhalb des Jahres wäre. Selbstherrschaft sind diese Nächte, nämlich die fünfundzwanzig – zwölf Tage stehen davor, zwölf danach. Der Tag aber, der in der Mitte liegt, das ist der Selbstherrscher, das ist die Himmelswelt. Dahin, zum Gewölbe des Rötlichen, gelangen sie, dahin, zur Selbstherrschaft, gelangen sie. Dabei werden sie zu solchen, die einander nicht bloß nachahmen. Diese Nächte nun vereinigen sich einzig mit der Jagatī. Die Jagatī ist ja das Vieh. Eben dadurch ist dieses Sattra viehreich. Sie nähern sich auch der Virāj. Dadurch gelangen sie zur Herrschaft, zur Oberherrschaft über die Speise und Nahrung der Virāj. Die Virāj ist um eins defizitär; das ist das Defizit der Frau, aus dem heraus sie gebiert – darin besteht die Zeugung. Mit der Gāyatrī hingegen vereinigt es sich durch die Weihetage, die Upasad-Tage und die Presstage. Die Gāyatrī ist ja der Lebensatem; dadurch ist dieses Sattra lebensspendend. Die Gāyatrī ist ja der Glanz; dadurch werden sie glanzvoll, brahmanenglanzreich. Die Gāyatrī ist ja der Vorrang; dadurch finden sie festen Stand im Vorrang über den Rivalen.

[Anm.: Das Fünfundzwanzignächtige (12+1+12) übernimmt die aus 2.346 bekannte Dreifachbelegung Jagatī/Virāj/Gāyatrī, variiert aber die Virāj-Zeugungsformel: Hier ist die Virāj ›um einsʻ defizitär (wie in 2.339), nicht ›um zweiʻ (wie in 2.335/346) – ein weiteres Beispiel für die unterschiedslos nebeneinander bestehenden Zahlvarianten dieser Formel im Textverlauf.]

saṃvatsarasya ha khalu vā eṣa rasaḥ pravṛḍho yad eṣa pañcaviṃśatirātraḥ. etad dhi sarvaṃ saṃvatsararūpaṃ kriyate. etāv atirātrāv ete ārambhaṇīyamahāvratīye ahanī etau pṛṣṭhyāv etau viśvajidabhijitāv ete svarasāmāna eṣa viṣuvān. te ye kāmakāmasamārephāṇā iva manyeraṃs ta etam eva pañcaviṃśatirātram upeyuḥ. āptvā haivaitat satram uttiṣṭha. puruṣasaṃmitaṃ ha khalu vā etat satraṃ yad eṣa pañcaviṃśatirātraḥ. daśa vai puruṣasya hastyāṃgulayo, daśa padyāś, catvāri prāṃgāṇy, ātmā pañcaviṃśaḥ. dvādaśemāḥ pariśavo, dvādaśemā, ātmaiva pañcaviṃśaḥ. puruṣaṃ vāvaitena saṃskurvanti, puruṣa vā prajanayanti. tad āhu - śreyāṃsaṃ vā ete ’bhyārohanti ya etaṃ pañcaviṃśatirātram upayantīti. tad yat parastāt pratyaṅ pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaho bhavati nihnavāyaivānārtyai śivatvāya śāntyai. mahāvratīyād adhy ahna uttiṣṭhanty - annaṃ vai mahāvratam - annādya evaitat pratiṣṭhāyodṛcam aśnuvate. vaiśvānara udayanīyo ’tirātro bhavati. vaiśvānarodayanā hy ahīnās somāḥ

Dieses Fünfundzwanzignächtige ist fürwahr die angeschwollene Essenz (rasa) des Jahres. Denn all dies wird in der Gestalt des Jahres vollzogen: diese beiden Übernachtopfer, dieser Anfangs- und dieser Mahāvrata-Tag, diese beiden Pṛṣṭhya-Tage, dieses Viśvajit-Abhijit-Paar, diese Svara-Sāmans, dieser Wendepunkt. Diejenigen, die sich wie von Wunsch auf Wunsch überwältigt fühlen, sollen eben dieses Fünfundzwanzignächtige unternehmen. Nachdem du es vollbracht hast, erhebe dich eben aus diesem Sattra. Dieses Sattra, nämlich das Fünfundzwanzignächtige, ist fürwahr nach dem Maß des Menschen bemessen. Zehn nämlich sind die Finger der Hand des Menschen, zehn die der Füße, vier die Glieder, das Selbst ist das Fünfundzwanzigste. Diese zwölf sind die Pariśavas, jene zwölf ebenso – das Selbst allein ist das Fünfundzwanzigste. Damit vollenden sie eben den Menschen, damit erzeugen sie den Menschen. Man sagt dazu: »Zu etwas Vortrefflicherem steigen diese empor, die dieses Fünfundzwanzignächtige unternehmen.« Dass darüber hinaus, zurückgewandt, ein Pṛṣṭhya-Sechstagesopfer folgt – dies dient der Verhüllung, der Freiheit von Bedrängnis, der Heilsamkeit, dem Frieden. Sie erheben sich vom Mahāvrata-Tag aus – das Mahāvrata ist ja die Speise –, fest gegründet eben in der Speise und Nahrung erlangen sie den Schlussgesang. Es gibt ein Vaiśvānara-Abschluss-Übernachtopfer; denn die Ahīna-Somaopfer schließen ja mit dem Vaiśvānara.

[Anm.: Die Körperkorrespondenz ›zehn Finger, zehn Zehen, vier Glieder, das Selbst als Fünfundzwanzigstesʻ (10+10+4+1=25) liefert eine neue, eigenständige Begründung für die Fünfundzwanzig-Zahl, komplementär zur bereits in 2.323 und 2.342 begegneten Zehn- bzw. Einundzwanzig-Körperkorrespondenz. Die zweite, knapper angedeutete Rechnung über ›zweimal zwölf Pariśavas plus Selbstʻ bleibt im Detail unsicher. Der Ausdruck ›kāmakāmasamārephaʻ (etwa: von Wunsch auf Wunsch überwältigt) ist sonst nicht belegt und wird hier nur sinngemäß angenähert.]

dvimāsyaṃ vā etat satram. tena yarddhis saivarddhiḥ. yau ha khalu vai dvau māsāv ṛtos sarddhiḥ. ṛtur u pratyakṣaṃ saṃvatsarasyarddhiḥ. saṃvatsaraṃ vā etad ītsanti saṃvatsaram īpsanti yad yajante yat satram āsate. na hi kiṃ ca bahis saṃvatsarād asti. svārājyaṃ vā etā rātrayo yat trayastriṃśat, ṣoḍaśa parastād ahāni, ṣoḍaśāvastāt. atha yan madhye ’has tat svarāṭ, sa svargo lokaḥ. tad bradhnasya viṣṭapaṃ gacchanti, tat svārājyaṃ gacchanti, tad anyasyānanuyānā bhavanti. tadā vā etā rātrayas saṃpadyante virājam eva. tad u virājo ’nnādyasyaiśvaryam ādhipatyaṃ gacchanti. tisraś ca virāṭ ca. tā yās tisro daivīr ācchadas tāsām eṣarddhir yāni trīṇi chandāṃsi, yāni trīṇi savanāni, ye trayaḥ prāṇāpānavyānā, ye traya ime lokāḥ. yat kiṃ ca tristris, tasyaiṣā sarvasyarddhis tasyopāptiḥ. devasatraṃ ha khalu vā etad yad eṣa trayastriṃśadrātraḥ. trayastriṃśad vai devatāḥ. devatā vā ṛddhikāmās tapo ’tapyanta. tā etad ayanam apaśyan. tad upāyan. tato vai tāsām ahnaivaikārdhnod ahnaikāhnaikā. sā ha khalu vai śreṣṭharddhīnāṃ, sa lokānāṃ puṇyatamo yam etena devatā ārdhnuvan. sā yā śreṣṭharddhīnāṃ, yo lokānāṃ puṇyatamo, yam etena devatā ārdhnuvaṃs, tam ṛdhnavāmeti. tasmād etā rātrīr upayanti

Dies indes ist ein zweimonatliches Sattra; was es an Gedeihen bewirkt, ist eben jenes Gedeihen. Diese zwei Monate nämlich sind das Gedeihen einer Jahreszeit; eine Jahreszeit aber ist das unmittelbar sichtbare Gedeihen des Jahres. Das Jahr eben erstreben sie, das Jahr eben erstreben sie zu erlangen, wenn sie opfern, wenn sie im Sattra sitzen. Denn es gibt nichts, was außerhalb des Jahres wäre. Selbstherrschaft sind diese Nächte, nämlich die dreiunddreißig – sechzehn Tage stehen davor, sechzehn danach. Der Tag aber, der in der Mitte liegt, das ist der Selbstherrscher, das ist die Himmelswelt. Dahin, zum Gewölbe des Rötlichen, gelangen sie, dahin, zur Selbstherrschaft, gelangen sie. Dabei werden sie zu solchen, die einander nicht bloß nachahmen. Diese Nächte nun vereinigen sich einzig mit der Virāj. Dadurch gelangen sie zur Herrschaft, zur Oberherrschaft über die Speise und Nahrung der Virāj, sowohl über die Drei als auch über die Virāj. Was immer es an drei göttlichen Hüllen gibt, dessen Gedeihen ist dies: die drei Versmaße, die drei Somapressungen, die drei Atemkräfte Einatem, Ausatem und Zwischenatem, diese drei Welten. Was immer sonst drei-und-drei ist – all dessen Gedeihen, all dessen Erlangung ist dies. Dies, das Dreiunddreißignächtige, ist fürwahr ein Göttersattra. Dreiunddreißig nämlich sind die Gottheiten. Die Gottheiten, nach Gedeihen verlangend, übten Askese. Sie erblickten diesen Pfad. Sie näherten sich ihm. Daraufhin gedieh von ihnen, Tag für Tag, jeweils eine einzige. Dies eben ist die beste der Gedeihensweisen, die reinste der Welten, durch die die Gottheiten mittels dieses gediehen. Mit dem Gedanken: »Was die beste der Gedeihensweisen ist, was die reinste der Welten ist, durch die die Gottheiten mittels dieses gediehen – darin mögen wir gedeihen.« Daher unternimmt man diese Nächte.

[Anm.: Der Mythos vom Dreiunddreißignächtigen ist bemerkenswert individualistisch gestaltet: Nicht die Götter als Kollektiv, sondern jede der 33 Gottheiten für sich gedeiht an ihrem eigenen, zugewiesenen Tag durch eigene Askese – eine distributive Struktur, die von den kollektiven Rettungsmythen wie 2.329-331 oder 2.350-351 deutlich abweicht. Die Dreier-Numerologie (drei Versmaße, drei Somapressungen, Prāṇa-Apāna-Vyāna, drei Welten) folgt demselben Formelmuster wie die Fünfer- (2.326) und Siebener-Schemata (2.347).]

athaite pañcāhā bhavanti - pañca vai jayāḥ. pañcabhir vai vyāhṛtibhir idaṃ devā ajayaṃs - tad yāvatedaṃ devā ajayaṃs tāvatā jayāmeti. pāṃkto yajñaḥ. yāvatī yajñasya mātrā tām āpnavāmeti. pāṃktāḥ paśavaḥ. yāvatī paśūnāṃ mātrā tāvatā naḥ paśavo ’varuddhā upatiṣṭhāntā iti. pāṃktam annādyaṃ, yāvaty annādyasya mātrā tāvatā no ’nnādyam avaruddham upatiṣṭhātā iti. atha smāhuḥ kāpeyā - anṛtau vā eṣa pratiṣṭhito yat ṣaḍahaḥ. pañcāho vā ṛtau pratiṣṭhita iti. vasanto vai prathama ṛtūnāṃ, grīṣmo dvitīyo, varṣās tṛtīyāśa, śarac caturthī, hemantaḥ pañcamaś, śiśiraṣ ṣaṣṭhaḥ. sa eṣa śreṣṭha ṛtūnāṃ yad dhemantaḥ pīvaguḥ pīvatsaḥ. tam anu pañcāhaḥ pratitiṣṭhann eti. athaiṣa paricakṣyaiva yac chiśiraḥ kṛśaguḥ kṛśapuruṣaḥ. tam anu ṣaḍahaḥ pratitiṣṭhati. sa ya śreṣṭha ṛtūnāṃ hemantas tasya pratiṣṭhām anu pratitiṣṭhanto ’yāmeti. tasmād etat pañcāhavidham upayanti. vaiśvānaraḥ prāyaṇīyo ’tirātro bhavati. vaiśvānaraprāyaṇā hy ahīnās somāḥ

Nun, dies sind die Fünftagesopfer – fünf nämlich sind die Siege. Mit den fünf heiligen Aussprüchen (vyāhṛti) besiegten die Götter dies alles – mit dem Gedanken: »In demselben Maße, wie die Götter dies besiegten, in ebendem Maße mögen wir siegen.« Fünffach ist das Opfer – mit dem Gedanken: »Welches Maß das Opfer hat, das mögen wir erlangen.« Fünffach ist das Vieh – mit dem Gedanken: »Welches Maß das Vieh hat, in ebendem Maße möge uns Vieh, gesichert, beistehen.« Fünffach ist die Speise und Nahrung – mit dem Gedanken: »Welches Maß die Speise und Nahrung hat, in ebendem Maße möge uns Speise und Nahrung, gesichert, beistehen.« Dazu pflegten die Kāpeyas zu sagen: »Dieses Sechstagesopfer ist fürwahr in der falschen Jahreszeit gegründet; das Fünftagesopfer aber ist in der rechten Jahreszeit gegründet.« Der Frühling ist ja die erste der Jahreszeiten, der Sommer die zweite, die Regenzeit die dritte, der Herbst die vierte, der Winter die fünfte, die Kühlzeit die sechste. Dies ist die beste der Jahreszeiten, der Winter, in dem Rinder und Kälber fett sind. Diesem folgend steht das Fünftagesopfer fest gegründet. Diese aber, die Kühlzeit, ist geradezu zu verwerfen, eine Zeit magerer Rinder, magerer Menschen. Dieser folgend steht das Sechstagesopfer fest gegründet. Mit dem Gedanken: »Der Standfestigkeit jenes Winters folgend, der die beste der Jahreszeiten ist, mögen wir, fest gegründet, voranschreiten.« Daher unternimmt man dieses Fünftagesmuster. Es gibt ein Vaiśvānara-Eröffnungs-Übernachtopfer; denn die Ahīna-Somaopfer beginnen ja mit dem Vaiśvānara.

[Anm.: Die Kāpeyas – dieselbe Gelehrtenschule, die bereits in 2.268 in der Person des Śaunaka Kāpeya auftrat – vertreten hier eine ausdrücklich polemische Position: Das Fünftagesopfer sei dem Sechstagesopfer überlegen, weil es mit dem fruchtbaren Winter (fünfte Jahreszeit, fette Rinder) korrespondiere, während das Sechstagesopfer an die magere, entbehrungsreiche Kühlzeit (sechste Jahreszeit) gebunden sei. Diese seltene, namentlich zugeschriebene Schulkontroverse innerhalb der Ritualtheorie zeigt, dass die verschiedenen Sattra-Längen nicht nur numerologisch, sondern auch schulpolitisch-argumentativ gegeneinander positioniert werden konnten.]

athaite jyotir gaur āyur iti stomā bhavanti. eta ha vai śivāś śāntāḥ pathyā stomā ye jyotir gaur āyur iti. te ye śivāś śāntāḥ pathyā stomās tair na stutam asad iti. ta u virājaṃ saṃpannāḥ. tad u virājam annādyam ārabhante. tām āntaṃ nāvasṛjeyuḥ. bṛhadrathantare sāmanī bhavataḥ. saṃ hy ṛddhis, saṃ panthāḥ. śyaitanaudhase brahmasāmanī bhavataḥ pra spaṣṭam ājim anuśūkaravāmeti. tad yat tṛtīye ’hani rathantaraṃ saṃpadyeta tad vairūpam upeyuḥ. idaṃ vai rathantaram, ado bṛhad, idam evāntarikṣaṃ vairūpam. etayor eva sāmno rasam ete. atha ha vai niṣkaraṇīyā iti brāhmaṇāḥ pūrviṇas satraṃ niṣeduḥ. teṣāṃ ha sma vāsiṣṭhas sātyahavya āsadya somaṃ bhakṣayitvā pradhāvati. te hābhiśastiṃ cakrire - kathaṃ nu no dīkṣitānām adīkṣitās somaṃ bhakṣayeyur iti. te haitad ekam ahar vairūpam upeyuḥ. sa ha punar āsadya tūṣṇīm evekṣamāṇo niṣasāda. taṃ hocuḥ kathaṃ nu sarpasi kathaṃ nu bhakṣayasīti. sa hovāca satriṇo vā abhūta dīrghasomo vāva vaḥ purābhūd iti. tad yat tṛtīye ’hani vairūpam upayanti, satritāyā eva. te vā ete sāmanī anyadanyad ahar upapadyamāne itaḥ. yatra gavi rathantaraṃ saṃpadyeta --

Nun, dies sind die Stomen Licht, Rind, Leben. Diese sind fürwahr die heilsamen, friedlichen, dem Pfad gemäßen Stomen, nämlich Licht, Rind, Leben – mit dem Gedanken: »Mögen diese heilsamen, friedlichen, dem Pfad gemäßen Stomen nicht ungepriesen bleiben.« Diese sind zudem mit der Virāj vereint; dadurch beginnen sie die Virāj, die Speise und Nahrung. Man sollte sie am Ende nicht loslassen. Bṛhat und Rathantara sind die beiden zusammengehörigen Sāmans – denn Gedeihen ist »sam«, der Pfad ist »sam«. Śyaitana und Audhasa sind die beiden Brahma-Sāmans – mit dem Gedanken: »Lasst uns den offenkundigen Wettstreit deutlich verkünden.« Dass am dritten Tag eigentlich das Rathantara anfallen würde – dafür unternahmen sie das Vairūpa. Diese Erde nämlich ist das Rathantara, jener Himmel das Bṛhat, eben dieser Luftraum das Vairūpa. Diese sind fürwahr die Essenz dieser beiden Sāmans. Nun, einst setzten sich Brahmanen früherer Zeit, die Niṣkaraṇīya genannten, zu einem Sattra nieder. Unter ihnen pflegte Vāsiṣṭha Sātyahavya, nachdem er sich niedergesetzt und vom Soma genossen hatte, davonzulaufen. Da erhoben sie eine Anklage: »Wie sollten Unweihte den Soma von uns Geweihten genießen dürfen?« Da unternahmen sie für diesen einen Tag das Vairūpa. Er aber setzte sich wiederum nieder und blieb, nur schweigend blickend, sitzen. Da sprachen sie zu ihm: »Wie kommt es, dass du sonst davonschleichst? Wie kommt es, dass du jetzt bleibst und genießt?« Er sprach: »Jetzt erst seid ihr zu rechten Sattra-Teilnehmern geworden; euer Soma war zuvor fürwahr zu lang bemessen.« Dass sie am dritten Tag das Vairūpa unternehmen, dient eben der rechten Sattra-Zugehörigkeit. Diese beiden Sāmans nun kommen von hier an, jeweils an verschiedenen Tagen, zur Anwendung. Wo beim Rind das Rathantara anfiele –

[Anm.: Die kleine Erzählung um Vāsiṣṭha Sātyahavya und die ›Niṣkaraṇīyaʻ-Brahmanen enthält eine bemerkenswerte Pointe: Der zunächst der Unwürdigkeit verdächtigte Sātyahavya erweist sich als derjenige, der die fehlerhafte (zu lange bemessene) Ritualpraxis der anderen erkannt hatte – sein Davonlaufen war keine Verfehlung, sondern eine berechtigte Reaktion, die erst durch die Korrektur (Einführung des Vairūpa am dritten Tag) behoben wird. Die Dreiweltenkorrespondenz Erde/Rathantara, Himmel/Bṛhat, Luftraum/Vairūpa ordnet drei der berühmtesten Sāmavedischen Melodien kosmologisch zu. Der Satz über den ›offenkundigen Wettstreitʻ bleibt im Sanskrit unsicher und wird nur sinngemäß wiedergegeben. Der Text bricht am Ende mitten im Satz ab; die Fortsetzung folgt in 2.358.]

-- tad dhotāraṃ brūyād ubhe rūpe śaṃsa yac ca rāthantaraṃ yac ca bārhatam iti. yatrāyuṣi bṛhat saṃpadyata tad dhotāraṃ brūyād ubhe rūpaṃ śaṃsa yac ca bārhataṃ yac ca rāthantaram iti. yad ubhe rāthantare ahanī saṃpadyeyātām. pūrvasyāhnas saubharam uktheṣu brahmasāmaṃ kuryur yady ubhe bārhate ahanī saṃpadyeyātām. uttarasyāhnaḥ kaṇvarathantaraṃ mādhyandine pavamāne proheyuḥ. prajā vā eṣā bṛhadrathantarayor yad eta sāmanī. tad yad evam upayanty ajāmitāyā eva. athaiṣa viśvajit sarvapṛṣṭho ’tirātro bhavati prājāpatyam ahar -- ahorātre vai kṛtsnaḥ prajāpatiḥ - kṛtsnaṃ prajāpatim ṛdhnavāma, kṛtsno naḥ prajāpatir upeto ’sad iti. tad āhu - śreyāṃsaṃ vā ete ’bhyārohanti ya etaṃ viśvajitam atirātram upayanti. prajāpatiṃ hy eva pratyakṣam upayantīti. tad yat parastāt pratyañcas trayaḥ pañcāhā bhavanti, nihnavāyaivānārtyai śivatvāya śāntyai. vaiśvānara udayanīyo ’tirātro bhavati. vaiśvānarodayanā hy ahīnās somāḥ

– Dazu solle man dem Hotṛ sagen: »Trage beide Formen vor, sowohl die Rāthantara- als auch die Bārhata-Form.« Wo am Leben-Tag das Bṛhat anfiele, solle man dem Hotṛ dazu sagen: »Trage beide Formen vor, sowohl die Bārhata- als auch die Rāthantara-Form.« Sollten beide Tage zu Rāthantara-Tagen werden, so sollen sie das Saubhara-Lied unter den Ukthas des früheren Tages zum Brahma-Sāman machen, falls beide Tage zu Bārhata-Tagen werden. Für den späteren Tag sollen sie das Kāṇva-Rathantara auf den mittäglichen Pavamāna-Gesang übertragen. Diese Sāmans nämlich sind die Nachkommenschaft von Bṛhat und Rathantara. Dass sie es so unternehmen, dient eben der Vermeidung von Gleichförmigkeit. Nun, es gibt ein Viśvajit-All-Pṛṣṭha-Übernachtopfer, einen Prajāpati-Tag – Tag und Nacht zusammen sind ja der vollständige Prajāpati – mit dem Gedanken: »Mögen wir im vollständigen Prajāpati gedeihen, möge uns der vollständige Prajāpati zuteilwerden.« Man sagt dazu: »Zu etwas Vortrefflicherem steigen diese empor, die dieses Viśvajit-Übernachtopfer unternehmen; sie unternehmen ja Prajāpati selbst, unmittelbar sichtbar.« Dass darüber hinaus, zurückgewandt, drei Fünftagesopfer folgen – dies dient der Verhüllung, der Freiheit von Bedrängnis, der Heilsamkeit, dem Frieden. Es gibt ein Vaiśvānara-Abschluss-Übernachtopfer; denn die Ahīna-Somaopfer schließen ja mit dem Vaiśvānara.

[Anm.: Die hier geregelten Sāman-Substitutionen (Saubhara, Kāṇva-Rathantara) für den Fall, dass zwei aufeinanderfolgende Tage sonst denselben Sāman-Typ (Rāthantara oder Bārhata) trügen, werden ausdrücklich als ›Nachkommenschaftʻ von Bṛhat und Rathantara gedeutet und dienen, wie schon mehrfach betont, der Vermeidung liturgischer Gleichförmigkeit. Die Gleichung ›Tag und Nacht = der vollständige Prajāpatiʻ liegt der Bezeichnung des Viśvajit-Übernachtopfers als ›Prajāpati-Tagʻ zugrunde.]

athaitā dvādaśāhavatīr bhavanti, yaivāsau dvādaśāhavatīnāṃ praśaṃsā sā na upāptāsad iti. idam iva tv atropādhīyate. tā vā tvai purastād upeyus tā vopariṣṭāt. yadi purastād upeyuḥ prāyaṇīyasyaivāhno ’chaṃbaṭkārāya. tad iva tv atra paricakṣate yad vācam ohiṣīṃ daśamenāhnā saṃpādya tasyai vikṛṣṭāyai vāco ’pratiṣṭhitāyā udṛcam aśnuvate. yad eva tatra prāyaṇīyarūpaṃ manyeraṃs tad eva tatra kuryuḥ. pratnavat pretivat saṃpannāyai vāco vikṛṣṭāyai pratiṣṭhāyā udṛcam aśnavāmahā iti. athaiṣa viśvajit sarvapṛṣṭho ’tirātro bhavati prājāpatyam ahar - ahorātre vai kṛtsnaḥ prajāpatiḥ - kṛtsnaṃ prajāpatim ṛdhnavāma kṛtsno naḥ prajāpatir upeto ’sad iti. tad āhu - śreyāṃsaṃ vā ete ’bhyārohanti ya etaṃ viśvajitam atirātram upayanti, prajāpatiṃ hy eva pratyakṣam upayantīti. tad yat purastāt pratyaṅ pañcāho bhavati, nihnavāyaivānārtyai śivatvāya śāntyai. vaiśvānara udayanīyo ’tirātro bhavati. vaiśvānarodayanā hy ahīnās somāḥ

Nun, diese sind dem Zwölftagesopfer zugehörig – mit der Sorge: »Möge jenes Lob des Zwölftagesopfers uns nicht entgehen.« Etwas wie folgt wird hier ergänzend eingefügt: Manche nähern sich dem vorher, manche nachher. Wenn sie sich dem vorher nähern, geschieht dies um des rechten Anfangsrufs des Eröffnungstages willen. Man erklärt hier ferner, dass sie, nachdem sie die weitreichende Rede mittels des zehnten Tages zur Vollendung gebracht haben, für diese ausgezogene, noch nicht gefestigte Rede den Schlussgesang erlangen. Was immer sie dort als die rechte Form des Eröffnungstages ansehen, das sollen sie eben dort tun – mit dem Gedanken: »Wie in alter Zeit, wie nach der Väter Weise, mögen wir, nachdem die ausgezogene Rede vollendet und gefestigt ist, den Schlussgesang erlangen.« Nun, es gibt ein Viśvajit-All-Pṛṣṭha-Übernachtopfer, einen Prajāpati-Tag – Tag und Nacht zusammen sind ja der vollständige Prajāpati – mit dem Gedanken: »Mögen wir im vollständigen Prajāpati gedeihen, möge uns der vollständige Prajāpati zuteilwerden.« Man sagt dazu: »Zu etwas Vortrefflicherem steigen diese empor, die dieses Viśvajit-Übernachtopfer unternehmen; sie unternehmen ja Prajāpati selbst, unmittelbar sichtbar.« Dass davor, zurückgewandt, ein Fünftagesopfer folgt – dies dient der Verhüllung, der Freiheit von Bedrängnis, der Heilsamkeit, dem Frieden. Es gibt ein Vaiśvānara-Abschluss-Übernachtopfer; denn die Ahīna-Somaopfer schließen ja mit dem Vaiśvānara.

[Anm.: Diese Regelung erlaubt eine gewisse Freiheit in der zeitlichen Platzierung der dem Zwölftagesopfer zugehörigen Tage (vorher oder nachher) und begründet dies mit dem Verweis auf althergebrachte Praxis (›wie in alter Zeit, wie nach der Väter Weiseʻ). Der Ausdruck für den ›rechten Anfangsrufʻ des Eröffnungstages (im Sanskrit achaṃbaṭkāra) ist sonst nicht belegt und bleibt in seiner genauen Bedeutung unsicher; ebenso das seltene vācam ohiṣīm, hier als ›weitreichende Redeʻ wiedergegeben.]

athaitat tryahavidhaṃ bhavati. trayo ha vā ṛtavo ’nṛtavo ’nye. grīṣmo varṣā hemanta ete ha vā ṛddhā ṛtava, upāśleṣagā ivānye. te ya ṛddhā ṛtavas te na upāptā asann iti. trīṇi vāva chandāṃsi, trīṇi savanāni, trayaḥ prāṇāpānavyānās, traya ime lokāḥ. yat kiṃ ca tristris tasyaiṣā sarvasyarddhis tasyopāptiḥ. pañcaite parastāt tryahā bhavanti, pañcāvastāt. teno eva pañcāhavidhatāyai na yanti. athaiṣa viśvajit sarvapṛṣṭho ’tirātro bhavati prājāpatyam ahar - ahorātre vai kṛtsnaḥ prajāpatiḥ - kṛtsnaṃ prajāpatim ṛdhnavāma, kṛtsno naḥ prajāpatir upeto ’sad iti. tad āhu - śreyāṃsaṃ vā ete ’bhyārohanti ya etaṃ viśvajitam atirātram upayanti, prajāpatiṃ hy eva pratyakṣam upayantīti. tad yat parastāt pratyañcaḥ pañca tryahā bhavanti nihnavāyaivānārtyai śivatvāya śāntyai. vaiśvānara udayanīyo ’tirātro bhavati. vaiśvānarodayanā hy ahīnās somāḥ

Nun, dies ist das Dreitagesmuster (tryahavidha). Drei nämlich sind die eigentlichen Jahreszeiten, die anderen sind Nicht-Jahreszeiten. Sommer, Regenzeit und Winter – diese sind fürwahr die gedeihlichen Jahreszeiten; die anderen sind gleichsam nur Anhängsel. Mit der Sorge: »Mögen uns jene gedeihlichen Jahreszeiten nicht entgehen.« Drei sind fürwahr die Versmaße, drei die Somapressungen, drei die Atemkräfte Einatem, Ausatem und Zwischenatem, drei diese Welten. Was immer sonst drei-und-drei ist – all dessen Gedeihen, all dessen Erlangung ist dies. Fünf dieser Dreitagesopfer stehen davor, fünf danach. Eben dadurch gehen sie nicht in die Art des Fünftagesmusters über. Nun, es gibt ein Viśvajit-All-Pṛṣṭha-Übernachtopfer, einen Prajāpati-Tag – Tag und Nacht zusammen sind ja der vollständige Prajāpati – mit dem Gedanken: »Mögen wir im vollständigen Prajāpati gedeihen, möge uns der vollständige Prajāpati zuteilwerden.« Man sagt dazu: »Zu etwas Vortrefflicherem steigen diese empor, die dieses Viśvajit-Übernachtopfer unternehmen; sie unternehmen ja Prajāpati selbst, unmittelbar sichtbar.« Dass darüber hinaus, zurückgewandt, fünf Dreitagesopfer folgen – dies dient der Verhüllung, der Freiheit von Bedrängnis, der Heilsamkeit, dem Frieden. Es gibt ein Vaiśvānara-Abschluss-Übernachtopfer; denn die Ahīna-Somaopfer schließen ja mit dem Vaiśvānara.

[Anm.: Die Abwertung dreier Jahreszeiten (Frühling, Herbst, Kühlzeit) zu bloßen ›Anhängselnʻ (upāśleṣaga) der drei ›eigentlichenʻ Jahreszeiten (Sommer, Regenzeit, Winter) ergänzt die in 2.356 referierte Kāpeya-Debatte um ein weiteres, unabhängiges Bewertungsschema der sechs Jahreszeiten. Die abschließende Bemerkung, das Dreitagesmuster gehe durch seine 5+5-Gliederung ›nicht in die Art des Fünftagesmustersʻ über, markiert eine bewusste Abgrenzung von dem in 2.356-359 behandelten Pañcāha-Komplex.]

trimātraṃ vā etat satraṃ, tena yarddhis saivarddhiḥ. yau ha khalu vai dvau māsāv ṛtos sarddhiḥ. ṛtur u pratyakṣaṃ saṃvatsarasyarddhiḥ. atha yas tṛtīyo māsas trayodaśasya sa māsa ṛddhiḥ. saṃvatsaraṃ vā etad ītsanti saṃvatsaram īpsanti yad yajante yat satram āsate. na hi kiṃ cana bahis saṃvatsarād asti. svārājyaṃ vā etā rātrayo yad ekonapañcāśac, caturviṃśatiḥ parastād ahāni caturviṃśatir avastāt. caturviṃśatyardhamāsas saṃvatsaraḥ. saṃvatsara evaiṣa ubhayataḥ paryūḍhaḥ. tasya yan madhye ’has tat svārāṭ, sa svargo lokaḥ. tad bradhnasya viṣṭapaṃ gacchanti, tat svārājyaṃ gacchanti, tad anyasyānanuyānā bhavanti. tā vā etā rātrayas saṃpadyante jagatīm eva. paśavo vai jagatī. tenaitat satraṃ paśavyam, upo virājaṃ gacchanti. tad u virājo ’nnādyasyaiśvaryam ādhipatyaṃ gacchanti. ekonā virāḍ, ūnaṃ tat striyai yatas sā prajāyate, teno prajananam. gāyatrīm u dīkṣopasadbhiśca sutyābhiś ca saṃpadyate. prāṇo vai gāyatrī. tenaitat satram āyuṣyam. tejo vai gāyatrī. tat tejasvino brahmavarcasino bhavanti. jyaiṣṭhyaṃ vai gāyatrī. tad u bhrātṛvye jyaiṣṭhye pratitiṣṭhanti

Dies indes ist ein dreimonatliches Sattra; was es an Gedeihen bewirkt, ist eben jenes Gedeihen. Diese zwei Monate nämlich sind das Gedeihen einer Jahreszeit; eine Jahreszeit aber ist das unmittelbar sichtbare Gedeihen des Jahres. Der dritte Monat aber ist das Gedeihen des dreizehnten Monats. Das Jahr eben erstreben sie, das Jahr eben erstreben sie zu erlangen, wenn sie opfern, wenn sie im Sattra sitzen. Denn es gibt nichts, was außerhalb des Jahres wäre. Selbstherrschaft sind diese Nächte, nämlich die neunundvierzig – vierundzwanzig Tage stehen davor, vierundzwanzig danach. Das Jahr besteht aus vierundzwanzig Halbmonaten. Eben dieses Jahr ist auf beiden Seiten verteilt. Der Tag, der in seiner Mitte liegt, das ist der Selbstherrscher, das ist die Himmelswelt. Dahin, zum Gewölbe des Rötlichen, gelangen sie, dahin, zur Selbstherrschaft, gelangen sie. Dabei werden sie zu solchen, die einander nicht bloß nachahmen. Diese Nächte nun vereinigen sich einzig mit der Jagatī. Die Jagatī ist ja das Vieh. Dadurch ist dieses Sattra viehreich. Sie nähern sich auch der Virāj. Dadurch gelangen sie zur Herrschaft, zur Oberherrschaft über die Speise und Nahrung der Virāj. Die Virāj ist um eins defizitär; das ist das Defizit der Frau, aus dem heraus sie gebiert – darin besteht die Zeugung. Mit der Gāyatrī hingegen vereinigt es sich durch die Weihetage, die Upasad-Tage und die Presstage. Die Gāyatrī ist ja der Lebensatem; dadurch ist dieses Sattra lebensspendend. Die Gāyatrī ist ja der Glanz; dadurch werden sie glanzvoll, brahmanenglanzreich. Die Gāyatrī ist ja der Vorrang; dadurch finden sie festen Stand im Vorrang über den Rivalen.

[Anm.: Das Neunundvierzignächtige (24+1+24) ist strukturell eine Verdoppelung des Fünfundzwanzignächtigen (12+1+12, 2.353): Beide teilen dieselbe Jagatī/Virāj/Gāyatrī-Dreifachbelegung und dieselbe ›um einsʻ-defizitäre Virāj-Formel. Neu ist die Ausweitung der Zwei-Monats-Rechnung auf drei Monate, wobei der dritte Monat ausdrücklich als Vorwegnahme des Schaltmonat-Gedankens (vgl. 2.334) gedeutet wird.]

ādityāś ca vā aṅgirasaś ca svarge loke ’spardhanta. ta ādityā akāmayanta - vayaṃ pūrve svargaṃ lokaṃ gacchemeti. ta etad ayanam apaśyaṃs tad upāyan. tato vā ādityāḥ pūrve svargaṃ lokam agacchann, ahīyantāṃgirasaḥ. sā ha khalu vai śreṣṭharddhīnāṃ sa lokānāṃ puṇyatamo yam etenādityā agacchan. sā yā śreṣṭharddhīnāṃ yo lokānāṃ puṇyatamo yam etenādityā agacchaṃs taṃ gacchāmeti, tasmād etā rātrīr upayanti. vaiśvānaraḥ prāyaṇīyo ’tirātro bhavati. vaiśvānaraprāyaṇā hy ahīnās somāḥ

Die Ādityas und die Aṅgiras wetteiferten einst um die Himmelswelt. Da begehrten die Ādityas: »Mögen wir zuerst in die Himmelswelt gelangen.« Sie erblickten diesen Pfad. Sie näherten sich ihm. Daraufhin gelangten die Ādityas zuerst in die Himmelswelt; die Aṅgiras blieben zurück. Dies eben ist die beste der Gedeihensweisen, die reinste der Welten, zu der die Ādityas mittels dieses gelangten. Mit dem Gedanken: »Was die beste der Gedeihensweisen ist, was die reinste der Welten ist, zu der die Ādityas mittels dieses gelangten – dahin mögen auch wir gelangen.« Daher unternimmt man diese Nächte. Es gibt ein Vaiśvānara-Eröffnungs-Übernachtopfer; denn die Ahīna-Somaopfer beginnen ja mit dem Vaiśvānara.

[Anm.: Dieser knappe Wettlaufmythos zwischen den Ādityas und den Aṅgiras (der altehrwürdigen, mit Feuer und Opfer verbundenen Weisen-Sippe) folgt exakt demselben Formelmuster wie der individualistische Dreiunddreißig-Götter-Mythos aus 2.355, überträgt es aber von einem verteilenden (jeder Gott einzeln) auf ein kompetitives Modell (zwei Gruppen gegeneinander, mit klaren Gewinnern und Verlierern).]

athaite jyotir gaur āyur iti stomā bhavanti. ete ha vai śivāś śāntāḥ pathyā stomā ye jyotir gaur āyur iti. te ye śivāś śāntāḥ pathyā stomās tair na stutam asad idi. ta u virājaṃ saṃpannāḥ. tad u virājam annādyam ārabhante. bṛhadrathantare sāmanī bhavataḥ. sā hy ṛddhis sa panthāḥ. śyaitanaudhase brahmasāmanī bhavataḥ, pra spaṣṭam ājim anuśūkaravāmeti. athaite ṣaḍ atirātrā bhavanti. ṣaḍ vai puruṣe pāpmānas ṣaḍ viṣuvanta svapnaś ca tandrī ca manyuś cānaśanayā cākṣakāmyā ca strīkāmyā ca. tān evaitair apaghnate tān atitaranti. athaite trayas tryahā bhavanti. navāhāni. nava vai puruṣe prāṇāḥ. prāṇānām evaiṣā saṃ mā prāṇānām ṛddhiḥ. athaitad vairājapṛṣṭhaṃ daśamam ahar bhavati. nābhir ha sā, tad vā atad ākṣitsad ahar eteṣv ahassu niyuktam. yasmād etad ākṣitsad ahar eteṣv ahassu niyuktaṃ, tasmād ākṣitsatī nābhiḥ prāṇeṣu niyuktā. prāṇato hy enām anūdanity apānato ’nvapāniti. tad eteṣām ahnāṃ daśamaṃ bhavati - daśākṣarā virāṭ. annaṃ virāḍ - virāja evānnādyasyāvaruddhyai

Nun, dies sind die Stomas Jyotis (Licht), Gau (Rind) und Āyus (Leben). Diese sind wahrlich die auspiciösen, friedvollen, heilsamen Stomas, nämlich Jyotis, Gau und Āyus. Diese, welche die auspiciösen, friedvollen, heilsamen Stomas sind – durch sie soll nichts ungepriesen bleiben. Sie sind zudem zur Virāj geworden; damit ergreifen sie die Speise und Nahrung der Virāj. Bṛhat und Rathantara sind die beiden Sāmans dabei – das ist ja das Gedeihen, das ist der Pfad. Im Śyaitanaudhasa sind die beiden Brahma-Sāmans enthalten, beginnend mit den Worten: »Deutlich wollen wir dem Wettlauf folgen.« Nun, dies sind die sechs Übernachtopfer. Sechs nämlich sind die Übel im Menschen, sechs die zentralen: Schlaf und Mattigkeit und Zorn und Hunger und Würfelsucht und Frauensucht. Eben diese schlagen sie damit nieder, eben diese überwinden sie. Nun, dies sind die drei Dreitagesopfer, neun Tage. Neun nämlich sind die Atemkräfte im Menschen. Dies eben ist das Vollmaß der Atemkräfte, das Gedeihen der Atemkräfte. Nun, dieser Vairāja-Pṛṣṭha-Tag ist der zehnte Tag. Das ist die Nabel – sei es nun so oder nicht: Dieser unvergängliche Tag ist unter diesen Tagen eingefügt. Weil dieser unvergängliche Tag unter diesen Tagen eingefügt ist, deshalb ist die unvergängliche Nabel unter den Atemkräften eingefügt. Denn vom Einatem her nennt man sie die »dem Einatem Folgende«, vom Ausatem her die »dem Ausatem Folgende«. So ist dieser der zehnte dieser Tage – die Virāj hat zehn Silben. Die Virāj ist Speise – eben zur Sicherung der Speise und Nahrung durch die Virāj.

[Anm.: ›Zentralʻ gibt hier viṣuvant wieder, sonst im Text (vgl. 2.345) der Bezeichnung des mittleren Tages eines Sattra vorbehalten und hier ungewöhnlich auf die sechs Übel des Menschen übertragen. Die Neunzahl der Atemkräfte weicht von der in 2.323 zugrundegelegten Zehnzahl (zehn Atemkräfte plus Selbst = elf) ab – eine weitere unaufgelöste Zahlvariante. Der Ausdruck ākṣitsat, hier als ›unvergänglichʻ wiedergegeben, ist ein seltenes Adjektiv zu akṣita (›nicht abnehmend, unerschöpflichʻ); die zugehörigen Bezeichnungen der Nabel als ›dem Einatem/Ausatem Folgendeʻ (anūdanā/anvapānā) sind Hapax-Bildungen unsicherer Ableitung. Auch der Vers ›Deutlich wollen wir dem Wettlauf folgenʻ (pra spaṣṭam ājim anuśūkaravāma) und die Segmentierung von ›Śyaitanaudhasaʻ (ein Name oder zwei, Śyaita und Naudhasa?) bleiben unsicher.]

tad vairājapṛṣṭhaṃ bhavaty - annaṃ vai vairājam - annādyasyaivāvaruddhyai. tad ukthyaṃ bhavati - paśavo vā ukthyāny annaṃ paśavo - ’bhipūrvasyaivānnādyasyāvaruddhyai. tat ṣoḍaśimad bhavati - vajro vai ṣoḍaśy, annaṃ virāḍ - vajreṇaivānnādyaṃ parigṛhṇanti. tad ekaviṃśaṃ bhavati - dvādaśa māsāḥ, pañcartavas, traya ime lokā, asāv āditya ekaviṃśaḥ. etad vai daivyaṃ kṣatram. kṣatriya u vā annādyasya pradātā. sa yo ’nnādyasya pradātā sa no ’nnādyaṃ prayacchād iti. athaite catvāras triyahā bhavanti dvādaśāhāni. dvādaśa vai saṃvatsarasya paurṇamāsyaḥ. paurṇamāsīnām evaiṣā saṃmā paurṇamāsīnām ṛddhiḥ. athaiṣa pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaho bhavati. śrīr vai pṛṣṭhāni. varṣma vai pṛṣṭhāni. tac chriyaṃ varṣma pṛṣṭhāni rohanti, tad u satriṇo bhavanti. athaite catvāra uttare tryahā bhavanti dvādaśo evāhāni. dvādaśa vai saṃvatsarasyāmāvāsyāḥ. amāvāsyānām evaiṣā saṃmāmāvāsyānām ṛddhiḥ. dvādaśaitāni parastāt pṛṣṭhyasya ṣaḍahasyāhāni bhavanti, dvādaśāvastāt. tasmāt samāvatīs saṃvatsarasya paurṇamāsyaś cāmāvāsyāś ca. vaiśvānara udayanīyo ’tirātro bhavati. vaiśvānarodayanā hy ahīnās somāḥ

Dies wird zum Vairāja-Pṛṣṭha – die Vairāja ist ja Speise – eben zur Sicherung von Speise und Nahrung. Dies wird zum Ukthya – die Ukthyas sind ja das Vieh, Vieh ist Speise – zur Sicherung der immer weiter fortschreitenden Speise und Nahrung. Dies wird mit der Ṣoḍaśī versehen – die Ṣoḍaśī ist ja der Vajra (Donnerkeil), die Virāj ist Speise – eben mit dem Vajra erfassen sie die Speise und Nahrung ringsum. Dies wird einundzwanzigfach: zwölf Monate, fünf Jahreszeiten, diese drei Welten, jene Sonne als der Einundzwanzigste. Das eben ist die göttliche Kṣatra-Macht. Der Kṣatriya aber ist der Geber von Speise und Nahrung – mit dem Gedanken: »Er, der Geber von Speise und Nahrung, er möge uns Speise und Nahrung gewähren.« Nun, dies sind vier Dreitagesopfer, zwölf Tage. Zwölf nämlich sind die Vollmondtage des Jahres. Dies eben ist das Vollmaß der Vollmondtage, das Gedeihen der Vollmondtage. Nun, dies ist das Pṛṣṭhya-Sechstagesopfer. Die Pṛṣṭha-Tage sind ja Glanz, die Pṛṣṭha-Tage sind ja Höhe. Dadurch besteigen sie durch die Pṛṣṭha-Tage Glanz und Höhe; dadurch werden sie auch zu rechten Sattra-Teilnehmern. Nun, dies sind die vier oberen Dreitagesopfer, ebenso zwölf Tage. Zwölf nämlich sind die Neumondtage des Jahres. Dies eben ist das Vollmaß der Neumondtage, das Gedeihen der Neumondtage. Zwölf dieser Tage stehen vor dem Pṛṣṭhya-Sechstagesopfer, zwölf danach. Daher sind die Vollmond- und Neumondtage des Jahres von gleicher Zahl. Es gibt ein Vaiśvānara-Abschluss-Übernachtopfer; denn die Ahīna-Somaopfer schließen ja mit dem Vaiśvānara.

[Anm.: Die Gleichung Pṛṣṭha=›Glanzʻ (śrī) und Pṛṣṭha=›Höheʻ (varṣman) ergänzt die in 2.348 (Bettgestell-Bild) und 2.337 (Baumbesteigung) entwickelten Struktur-Gleichnisse des Pṛṣṭhya-Sechstagesopfers um eine dritte Deutungsebene. Die zwölf Vollmond- und zwölf Neumondtage des Jahres, die hier den beiderseits je zwölf Tage umfassenden Rahmen des Pṛṣṭhya-Sechstagesopfers begründen, bilden eine eigenständige Kalenderzählung neben der in 2.334 verwendeten Schaltmonat-Rechnung.]

ādityāś ca vā aṅgirasaś ca svarge loke ’spardhanta. te ādityāḥ pūrve svargaṃ lokam agacchan. te ’ṅgiraso ’kāmayanta - vayam api taṃ lokaṃ gacchema yam ādityā agmann iti. te yena yenaivāyanenāyaṃs tatastata enān praty apānudanta. tān ha paraś catvāriṃśāni varṣāṇi praty eva nunudire. ta etad ayanam apaśyan. tad eva sadan yathāvidham iva tad upāyan. tato vā aṃgirasas taṃ lokam agacchan yam ādityāḥ. sā ha khalu vai śreṣṭharddhīnāṃ sa lokānāṃ puṇyatamo yam etenāṃgiraso ’gacchan. sa yo śreṣṭharddhīnāṃ yo lokānāṃ puṇyatamo yam etenāṃgiraso ’gacchaṃs taṃ gacchāmeti

Die Ādityas und die Aṅgiras wetteiferten einst um die Himmelswelt. Die Ādityas gelangten zuerst in die Himmelswelt. Da begehrten die Aṅgiras: »Auch wir wollen jene Welt erreichen, die die Ādityas erreicht haben.« Auf welchem Weg auch immer sie gingen, von dort wurden sie immer wieder zurückgestoßen. Man stieß sie mehr als vierzig Jahre lang zurück. Da erblickten sie diesen einen Weg. Eben diesem Opfer näherten sie sich gewissermaßen in vorschriftsmäßiger Weise. Von da an gelangten die Aṅgiras in jene Welt, die die Ādityas erreicht hatten. Das nun ist wahrlich, von den Welten bester Gedeihensweisen, die heiligste, zu welcher die Aṅgiras mittels dieses Opfers gelangten. Mit dem Gedanken: »Was die beste der Gedeihensweisen, was die heiligste der Welten ist, zu der die Aṅgiras mittels dieses gelangten – dahin mögen auch wir gelangen.«

[Anm.: Dieser Abschnitt vervollständigt den in 2.362 begonnenen Wettlaufmythos: Anders als dort zunächst suggeriert, bleiben die Aṅgiras nicht endgültig zurück, sondern erreichen nach vierzig Jahren des Zurückgestoßenwerdens durch dasselbe Opfer ebenfalls die Himmelswelt der Ādityas. Der Mythos ist damit, entgegen dem kompetitiven Anschein von 2.362, letztlich inklusiv angelegt – beide Gruppen gelangen ans Ziel, nur zeitversetzt.]

tad ye ha vā eta ādityasyodañco raśmayas ta ādityā, ye dakṣiṇās te ’ṅgirasaḥ. te haita ādityāś cāṃgirasaś ca salokāḥ. saloko ha vā ādityaiś cāṃgirobhiś ca bhavati, ya evaṃ veda. athaitau dvau tryahau bhavataṣ - ṣaḍ ahāni. ṣaḍ vā ṛtavaḥ. ṛtuṣv eva tat pratitiṣṭhanti. athaitau dvāv uttarau tryahau bhavataṣ - ṣaḍ u evāhāni. abhipūrvam eva tad ṛtuṣu pratitiṣṭhanti. athaite ṣaḍ atirātrā bhavanty uktabrāhmaṇāḥ. athaite trayas tryahā bhavanty uktabrāhmaṇāḥ. athaite catvāras tryahā bhavanti dvādaśāhāni. dvādaśa māsās saṃvatsaraḥ. māsā eva tad bhūtvā madhyatas saṃvatsaram atītya svargaṃ lokaṃ ruruhuḥ

Diejenigen Strahlen der Sonne, die nach Norden gerichtet sind, das sind die Ādityas; die nach Süden gerichtet sind, das sind die Aṅgiras. Diese, die Ādityas und die Aṅgiras, teilen dieselbe Welt. Wer dies so weiß, der teilt wahrlich mit den Ādityas und den Aṅgiras dieselbe Welt. Nun, dies sind die zwei Dreitagesopfer – sechs Tage. Sechs nämlich sind die Jahreszeiten. Eben in den Jahreszeiten finden sie dadurch festen Stand. Nun, dies sind die zwei oberen Dreitagesopfer – ebenso sechs Tage. Eben fortschreitend finden sie dadurch festen Stand in den Jahreszeiten. Nun, dies sind die sechs Übernachtopfer, deren Brāhmaṇa bereits dargelegt ist. Nun, dies sind die drei Dreitagesopfer, deren Brāhmaṇa bereits dargelegt ist. Nun, dies sind die vier Dreitagesopfer, zwölf Tage. Zwölf Monate sind das Jahr. Eben als Monate geworden überschritten sie, von der Mitte aus, das Jahr und bestiegen die Himmelswelt.

[Anm.: Die Identifikation der nördlichen bzw. südlichen Sonnenstrahlen mit Ādityas und Aṅgiras verankert den in 2.362/2.365 erzählten Wettlaufmythos kosmologisch, vermutlich im Gegensatz von Nord- und Südlauf der Sonne (Uttarāyaṇa/Dakṣiṇāyana). Die Formel ›deren Brāhmaṇa bereits dargelegt istʻ (uktabrāhmaṇa) verweist ausdrücklich auf die in 2.363 gegebene Erklärung der sechs Übernachtopfer und der drei Dreitagesopfer zurück, statt sie zu wiederholen – eine im Text seltene explizite Verweistechnik.]

athaitā dvādaśāhavatīr bhavanti, yaivāsau dvādaśāhavatīnāṃ praśaṃsā sā na upāptāsad iti. athaitāni caturuttarāṇi chandāṃsy upayanti. caturuttarā vai vāco rohāḥ. vācam evaite rohanti. atho catuṣpadā vai paśavaḥ. tad yad etāni caturuttarāṇi chandāṃsya upayanti, catuṣpadām eva paśūnām avaruddhyai. athaitāni dviyantarāṇy upāharanti. caturuttarāṇi dviyantarāṇi. na ha vai tāvac chriyam aśnute yāvad dvipadāṃ catuṣpadāṃ paśūnām aiśvaryam ādhipatyaṃ na gacchati. tad yad etāni dviyantarāṇy upāharanti caturuttaradviyantarāṇi dvipadāṃ catuṣpadāṃ paśūnām aiśvaryam ādhipatyaṃ gacchāmeti. athaitāny aṣṭāntarāṇy upāharanti caturuttaradviyantarāṇi sarvāṇi, catasro diśaś catvāro ’vāntaradeśā, diśāṃ sa upariṣṭāl loko yaḥ puṇyas, sarvāsu dikṣu pratiṣṭhāya svargaṃ lokaṃ gacchāmeti. ataitāni pañca sandhiṣāmāni bhavanti - rathantaraṃ jarābodhīyaṃ śrudhīyaṃ nānadagaurivīte iti. etad dha vā ekaṃ prajñātaṃ sandhiṣāma yad rathantaram. tad yad ekaṃ prajñātam --

Nun, diese sind mit dem Zwölftagesopfer versehen – mit dem Gedanken: »Möge uns jenes Lob des Zwölftagesopfers nicht entgehen.« Nun, sie nähern sich den um vier vermehrten Versmaßen. Die um vier vermehrten sind ja die Aufstiege der Rede. Eben die Rede besteigen sie dadurch. Ferner: Die Vierfüßler sind ja das Vieh. Dass sie sich diesen um vier vermehrten Versmaßen nähern, dient eben der Sicherung der vierfüßigen Tiere. Nun, sie bringen Verse mit zweifachem Zwischenraum dar. Die um vier vermehrten sind zugleich die mit zweifachem Zwischenraum. Er erlangt nämlich nicht eher Glanz, als er zur Herrschaft und Oberherrschaft über zweifüßiges und vierfüßiges Vieh gelangt. Dass sie diese Verse mit zweifachem Zwischenraum, die zugleich um vier vermehrt und mit zweifachem Zwischenraum sind, darbringen, geschieht mit dem Gedanken: »Mögen wir zur Herrschaft und Oberherrschaft über zweifüßiges und vierfüßiges Vieh gelangen.« Nun, sie bringen auch Verse mit achtfachem Zwischenraum dar, allesamt um vier vermehrt und mit zweifachem Zwischenraum – entsprechend den vier Himmelsrichtungen und den vier Zwischenrichtungen; mit dem Gedanken: »Jene heilige Welt, die oberhalb der Richtungen liegt – mögen wir, nachdem wir in allen Richtungen festen Stand gefunden haben, zur Himmelswelt gelangen.« Nun, dies sind die fünf Verbindungs-Sāmans: Rathantara, Jarābodhīya, Śrudhīya, Nānadagaurivīta. Dies nämlich, das Rathantara, ist das eine allgemein anerkannte Verbindungs-Sāman. Was nun dieses eine, allgemein Anerkannte betrifft –

[Anm.: Die metrischen Fachbegriffe caturuttara (›um vier vermehrtʻ), dviyantara (›mit zweifachem Zwischenraumʻ) und aṣṭāntara (›mit achtfachem Zwischenraumʻ) bezeichnen vermutlich feste Silbenzahl-Schrittweiten zwischen aufeinanderfolgenden Versmaßen einer liturgischen Reihe; die genaue metrische Mechanik bleibt unausgeführt. ›Zweifüßiges Viehʻ bezeichnet, wie bereits in 2.198-202 erläutert, die Menschen als eigene Kategorie des paśu, komplementär zum ›vierfüßigen Viehʻ der Nutztiere. Von den namentlich fünf angekündigten Verbindungs-Sāmans (sandhiṣāman) sind nur vier Namen sicher segmentierbar; die Lesung des vierten, ›Nānadagaurivītaʻ, bleibt unsicher. Der Abschnitt bricht, wie öfter an Abschnittsgrenzen dieses Textes, mitten im Satz ab.]

--sandhiṣāma tena na stutam asad iti. atho vāg vai rathantaraṃ, vāg āśvinaṃ, vāg vai vācaṃ prati vibhavitum arhati, iyaṃ vāg vācaṃ prati vibhād iti. etad u ha vai dvitīyaṃ prajñātaṃ sandhiṣāma yaj jarābodhīyam. tad yad dvitīyaṃ prajñātaṃ sandhiṣāma tena na stutam asad iti. atha śrudhīyaṃ kīrtimat. sāmavṛktir u sandhiṣāmanī. tad yad ābhyāṃ sandhiṣāmabhyām avṛkṣmahi tan no ’sya lokavatas sāmnaḥ paśavo lokam anūpatiṣṭhāntā iti. atha nānadagaurivīte lokavatī sāmanī bhūyāsaṃ no lokam anūpatiṣṭhātā iti. tad āhus trir evāśvinaṃ śastavyaṃ, triṣatyā vai vāk. traya ime lokāḥ. yad atirātre ’tirātra āśvinaṃ śaṃsed vikarṣas sa vācaḥ. hotāraṃ brūyād āśvinakratūn evānyeṣv atirātreṣu śaṃsas trir evāśvinaṃ śastavyam iti, prāyaṇato madhyata udayanataḥ. etad dha vai samṛddham āśvinaṃ yad rathantareṇa saṃpadyate. yady ekena saṃpadyeta rathantaram eva prāyaṇato madhyata udayanato, yadi dvābhyāṃ rathantaram eva prāyaṇato madhyata udayanato, yadi tribhī rathantaram eva prāyaṇato madhyata udayanato, na caturbhis saṃpadyate, no eva pañcabhiḥ

– der eine wohlbekannte Verbindungs-Sāman; durch ihn soll nichts ungepriesen bleiben. Ferner: Die Rede ist ja das Rathantara, die Rede ist das Āśvina; die Rede ist es wert, sich gegenüber der Rede zu entfalten – »diese Rede möge sich gegenüber der Rede entfalten«, so heißt es. Dies nun ist wahrlich der zweite wohlbekannte Verbindungs-Sāman, nämlich das Jarābodhīya. Weil dies der zweite wohlbekannte Verbindungs-Sāman ist, soll durch ihn nichts ungepriesen bleiben. Nun, das Śrudhīya ist ruhmreich. Auch die Sāmavṛkti (Sāman-Wendung) gehört zu den Verbindungs-Sāmans. »Dass wir uns mit diesen beiden Verbindungs-Sāmans der Wendung unterzogen haben – dadurch möge dem Vieh dieses welthaltigen Sāmans die entsprechende Welt zuteilwerden«, so spricht man. Ferner, bei Nānada und Gaurivīta, den beiden welthaltigen Sāmans: »Möge ich dieser unserer Welt folgen«, so spricht man. Dazu sagt man: Genau dreimal muss das Āśvina vollständig rezitiert werden – die Rede ist ja dreifach wahrhaftig, drei sind ja diese Welten. Würde man in jedem einzelnen Übernachtopfer das vollständige Āśvina rezitieren, wäre dies eine Zersplitterung der Rede. Man soll dem Hotṛ sagen: »In den anderen Übernachtopfern sollst du nur die Āśvina-Kurzformen rezitieren – genau dreimal soll das vollständige Āśvina rezitiert werden: am Anfangstag, am mittleren Tag, am Schlusstag.« Dies nämlich ist ein vollkommen gelungenes Āśvina, das sich mit dem Rathantara verbindet. Sollte es sich mit einem einzigen Rathantara verbinden, so am Anfangs-, am mittleren, am Schlusstag; sollte es sich mit zweien verbinden, ebenso am Anfangs-, am mittleren, am Schlusstag; sollte es sich mit dreien verbinden, ebenso am Anfangs-, am mittleren, am Schlusstag. Mit vieren verbindet es sich nicht, erst recht nicht mit fünfen.

[Anm.: Der Dual sāmanī bei ›Nānadagaurivīteʻ legt nahe, dass hier zwei eigenständige Sāman-Namen vorliegen – Nānada und Gaurivīta, Letzterer ein auch aus dem Ṛgveda bekannter Sehername (Gaurivīti Śāktya) –, was die in 2.367 offengelassene Segmentierungsfrage teilweise klärt. Der Status von ›Sāmavṛktiʻ (Eigenname eines fünften Verbindungs-Sāman oder technischer Begriff für einen Wendungsvorgang?) bleibt dagegen unsicher; die genaue Fünferzählung der sandhiṣāmāni lässt sich aus dem stark komprimierten Text nicht restlos rekonstruieren.]

athaitā eṇya ekakṛṣṇāḥ. eṇyo ha vai nāmaitā rātrayaḥ. tāsu kṛṣṇo ’pi mithunatvāya prajananāya. pra mithunena jāyate ya evaṃ veda. taṃ vā tvai purastād upeyus taṃ vopariṣṭāt. yadi purastād upeyuḥ, puṃspṛṇetrā asann iti, yady upariṣṭāt - paścād vai pumān yoṣāyāṃ reto dadhāti - retodheyāya. prajāpatir vāvedam agra eko ’sṛjyata nānyaṃ dvitīyaṃ paśyamānaḥ. sa aikṣatāhaṃ vāva prathamo ’janiṣya, ahaṃ śreṣṭho ’smy, asti svin mad ihānyā3 iti. sa vyaikṣata. so ’nyad ātmano ’dhy uttarato jyāyas tiṣṭhad apaśyat. tad apṛcchat kim idam asi, yad idam asīti. brahma vā asmīty abravīt. tad abravīd - āvaṃ vāva prathamāv ajaniṣvahy, āvaṃ śreṣṭhau svas, saṃsṛjyāvahai, sahāsāveti. nety abravīt. pāpmagṛhīto vā asīti. sa me kva sa pāpmeti. eṣa te śīrṣann iti. taṃ vai me ’vajahīti. tatheti. tam avāhan. taṃ grīvāsv asināt. taṃ samapīḍayat. tad etat parigṛhītakam ivāvajahīti. tam avāhan. taṃ nīvyām asināt. taṃ samapīḍayat. tad etat parigṛhītakam ivāvajahīti. tam avāhan. taṃ kulphayor asināt. taṃ samapīḍayat. tad etat parigṛhītakam ivāvaiva jahīti. tam avāhan - padābhitiṣṭheti. taṃ padābhyatiṣṭhat

Nun, dies sind die Eṇī-Nächte, je einzeln dunkel. Eṇī nämlich heißen diese Nächte. In ihnen dient auch das Dunkle der Paarung, der Zeugung. Durch Paarung vermehrt sich, wer dies so weiß. Diesen Ritus mögen manche im Vorfeld antreten, andere danach. Träten sie ihn im Vorfeld an, so mit dem Gedanken: »Wir wollen als Männer Erfüllende sein.« Träten sie ihn danach an – der Mann legt den Samen ja erst nach der Frau in sie – so zum Zweck der Samenlegung. Prajāpati fürwahr war im Anfang als Einziger entstanden, ohne einen anderen Zweiten zu erblicken. Er dachte: »Ich bin fürwahr als Erster entstanden, ich bin der Vortrefflichste – gibt es denn hier außer mir noch einen anderen?« Er blickte umher. Da erblickte er ein anderes Wesen, größer als er selbst, das nördlich, oberhalb, stand. Er fragte es: »Was bist du denn, das du hier bist?« »Ich bin Brahman«, sprach es. Da sprach er: »Wir beide fürwahr sind als Erste entstanden, wir beide sind die Vortrefflichsten – lass uns uns vereinigen, lass uns zusammen sein!« »Nein«, sprach es. »Du bist ja vom Übel ergriffen.« »Wo denn ist dieses mein Übel?« »Hier, in deinem Haupt.« »So wirf es doch von mir ab!« »So sei es.« Er schlug ihn. Er schnitt ihn am Nacken. Er drückte ihn zusammen. »Wirf dieses gleichsam Umklammerte ab!« Er schlug ihn. Er schnitt ihn an der Hüftbinde. Er drückte ihn zusammen. »Wirf dieses gleichsam Umklammerte ab!« Er schlug ihn. Er schnitt ihn an den Knöcheln. Er drückte ihn zusammen. »Wirf eben dieses gleichsam Umklammerte ab!« Er schlug ihn: »Tritt darauf mit dem Fuß!« Er trat mit dem Fuß darauf.

[Anm.: Diese Erzählung – Prajāpati begegnet einem größeren, überlegenen Wesen namens ›Brahmanʻ, das ihm das im Haupt sitzende Übel diagnostiziert und es ihm in einer Serie von Schlägen und Einschnitten an Nacken, Hüftbinde und Knöcheln abschlägt – ist im übersetzten Textkorpus bislang ohne Parallele und liefert, wie sich in 2.370 zeigt, eine Ätiologie sowohl für eine Fußform als auch für das Epitheton ›vom Übel befreitʻ (apahatapāpman, vgl. 2.78-82, 2.301, 2.331, 2.347), das dort ausdrücklich der Sonne als Prajāpati zugesprochen wird. Der Wortlaut ›Ich bin Brahmanʻ, den das überlegene Wesen von sich sagt, spielt zugleich auf ›brahmanʻ als Bezeichnung der heiligen Formel (hier der Gāyatrī) voraus, mit der Prajāpati in 2.370 das Übel endgültig zerteilt. Die Bezeichnung der Nächte als ›Eṇīʻ (nach der gefleckten Antilope) neben ›ekakṛṣṇāḥʻ (›je einzeln dunkelʻ) bleibt in ihrer genauen Anspielung unsicher.]

sa evaiṣa pador ucchaṃkhaḥ. tredhā vicchiṃddhīti. taṃ tredhā vyacchinat. saivāsya śrīr abhavad - gaus tṛtīyaṃ svapnas tṛtīyaṃ chāyā tṛtīyam. tasmād etāni śreṣṭhasya bhūyiṣṭhāni. bhūyiṣṭhāḥ paśavo, jyeṣṭhā chāyā, svapiti. sa aikṣata -- yaṃ ma imaṃ pāpmānam avocad dhantemam apaiva chinadā iti. sa etad eva brahmāṣṭadhā vyauhat. aṣṭākṣarā gāyatrī. brahma gāyatrī. brahmaiva tad aṣṭadhā vyauhat. tam aṣṭābhis trivṛdbhiḥ parāñcam apauhat. tam aṣṭābhiḥ pañcadaśaiḥ parāñcam apauhat. tam aṣṭābhiḥ saptadaśaiḥ parāñcam apauhat. tam aṣṭābhir ekaviṃśaiḥ parāñcam apauhat. tam aṣṭābhis triṇavaiḥ parārdham agamayat. tam aṣṭābhis trayastriṃśair apaivāchindat. sa evaiṣa upariṣṭād atirātraḥ. pāpmā hāsyaiṣo ’poḍhaḥ. atho eṣa vai prajāpatir yo ’sau tapati. sa eṣo ’pahatapāpmā tapati. tasya chāyā nāsti. tasmād u chāyām abhi ca ṣṭhīved abhi ca mehet. pāpmānam eva tad dhate. suptvodakam ācāmet. pāpmānam eva tad dhate. gām upāṣṭāṃ hanīta. pāpmānam eva tad dhate. te ya evaṃ vidvāṃsa etā rātrīr upayanti, sarvam eva pāpmānam apahatyottiṣṭhanti. īśvarā ha tv apaśavo bhavitoḥ - paśavo vā ukthāni - paśūn hi sa tatrāpy apauhat. te ye śrīkāmā syus ta etā rātrīr upeyuḥ. etā ha sma vai tat purā kurupañcālānāṃ brāhmaṇā śrīkāmā upayanti. te hāgāvo ’bhadrā āsuḥ. sajāteṣu haivaiṣāṃ paśava āsuḥ. tato ha smaiva goruhāyāgatāya gām upāñjanti. tato deyāya daduḥ. tad u hovāca śāṭyāyanir na tāṃ vaded yā paricakṣā. yadākāmīnā vai śriyāṃ paśavo, yadākāmīnaṃ vittaṃ, paśumantaś ca bhaviṣyāma, śreṣṭhāś ca rātsyāmaś cety evaṃ manyamānā etā rātrīr upeyur iti. tathā haiva bhavati. vaiśvānara udayanīyo ’tirātro bhavati. vaiśvānarodayanā hy ahīnās somāḥ

Das eben ist der über den Knöchel hinausragende Teil des Fußes. »Zerteile es dreifach!« Er zerteilte ihn dreifach. Das eben wurde sein Glanz – ein Drittel Rind, ein Drittel Schlaf, ein Drittel Schatten. Deshalb hat der Vortrefflichste davon am meisten: am meisten Vieh, den größten Schatten, und er schläft viel. Er dachte: »Dieses Übel, das er mir zusprach – wohlan, ich will es gänzlich abtrennen!« Er teilte eben dieses Brahman achtfach auf. Die Gāyatrī hat acht Silben. Die Gāyatrī ist Brahman. Eben dieses Brahman teilte er achtfach auf. Ihn stieß er mit acht Trivṛt-Stomas fortgewandt hinweg. Ihn stieß er mit acht Pañcadaśa-Stomas fortgewandt hinweg. Ihn stieß er mit acht Saptadaśa-Stomas fortgewandt hinweg. Ihn stieß er mit acht Ekaviṃśa-Stomas fortgewandt hinweg. Ihn ließ er mit acht Triṇava-Stomas zur jenseitigen Hälfte gelangen. Ihn schnitt er mit acht Trayastriṃśa-Stomas gänzlich ab. Das eben ist der obere, abschließende Atirātra. Dieses Übel eben ist von ihm hinweggeschoben. Ferner: Das eben ist Prajāpati, der dort glüht. Er, »vom Übel befreit«, glüht. Er hat keinen Schatten. Deshalb soll man auf einen Schatten treten und in ihn hineinurinieren – eben dadurch vernichtet man das Übel. Nach dem Schlafen soll man Wasser sippen – eben dadurch vernichtet man das Übel. Man soll eine herangeführte Kuh berühren – eben dadurch vernichtet man das Übel. Diejenigen, die dies wissend diese Nächte antreten, erheben sich, nachdem sie alles Übel abgeschlagen haben. Sie können dabei jedoch viehlos werden – die Ukthas sind ja das Vieh, denn er stieß dort auch das Vieh mit hinweg. Diejenigen, die nach Glanz verlangen, mögen dennoch diese Nächte antreten. Diese eben pflegten einst die Brahmanen der Kuru-Pañcālas, nach Glanz verlangend, anzutreten. Sie waren dabei jedoch ohne Kühe, übel dran. Ihr Vieh befand sich nur noch bei ihren eigenen Verwandten. Daher pflegte man einem zum Kuherwerb Gekommenen eine Kuh darzubringen. Von da an gab man sie dem, dem sie zu geben war. Dazu sprach Śāṭyāyani: »Man soll nicht das sagen, was bloßes Gerede ist.« Da Vieh und Glanz aneinandergebunden sind, da Vieh und Besitz aneinandergebunden sind – »wir wollen sowohl viehreich sein als auch als die Vortrefflichsten beschenkt werden« –, in dieser Meinung traten sie diese Nächte an. So geschieht es auch wirklich. Es gibt ein Vaiśvānara-Abschluss-Übernachtopfer; denn die Ahīna-Somaopfer schließen ja mit dem Vaiśvānara.

[Anm.: Die Erzählung schließt an 2.369 an und deutet eine Fußform (ucchaṅkha, wohl der Knöchelvorsprung) ätiologisch als Überrest der dreifachen Zerteilung des im Haupt sitzenden Übels. Bemerkenswert ist die Wiederverwendung derselben sechs Stoma-Namen (Trivṛt, Pañcadaśa, Saptadaśa, Ekaviṃśa, Triṇava, Trayastriṃśa) wie in der Todesumgehungs-Erzählung 2.330-331, hier jedoch nicht als Fluchtstationen, sondern als Werkzeuge der schrittweisen Übel-Vertreibung. Der Kontrast zwischen dem ›Vortrefflichstenʻ, der einen großen Schatten hat, und Prajāpati/der Sonne, die gar keinen Schatten hat, markiert die Sonne als über die gewöhnliche menschliche Vollkommenheit hinausgehend. Die Kuru-Pañcāla-Episode mit dem Śāṭyāyani-Zitat (vgl. dessen weitere Voten in 2.11-13, 2.32-37, sowie die historische Erwähnung der Kuru-Pañcāla-Brahmanen in 2.73-77) schildert freimütig einen realen Zielkonflikt des Ritus: Der erstrebte Glanz kann auf Kosten des Viehbestands gehen. Die Bedeutung von goruhāya āgatāya (›einem zum Kuherwerb Gekommenenʻ) bleibt unsicher.]

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