Quellen der Menschheit

Jaiminīya-Brāhmaṇa · Kāṇḍa 2

Kapitel 15 Śvetaketu fordert seinen Vater heraus: der Tod verfolgt die Opfernden

Beim Navarātra tritt zum ersten Mal deutlich die im weiteren Verlauf des Kāṇḍa wiederkehrende Unstimmigkeit zutage, ob der Mensch neun, zehn oder elf Atemkräfte hat; das Daśarātra dagegen ist ein regelrechter Feindzauber, der die zehn Atemkräfte des Rivalen systematisch zerstört und die bis heute übliche zehntägige Unreinheitsfrist nach Geburt, Krankheit oder Verwundung begründet. Zentral ist die Erzählung, wie Śvetaketu seinen eigenen Vater Āruṇi – denselben Uddālaka Āruṇi der späteren Upaniṣaden – herausfordert, worauf eine dramatische Verfolgungsjagd entsteht: Der Tod jagt die Opfernden durch alle sechs kanonischen Stoma-Zahlen hindurch, bis das All-Pṛṣṭha des Viśvajit sie schließlich unsterblich macht. Ein pragmatischer Kompromiss wandernder Brahmanen beim Kusurvinda-Zehnnächtigen und das Abhri leiten, an der Schwelle zum eigentlichen Sattra, den Übergang ein.

athaite navarātrāḥ. tejaskāmo haitena yajeta yan navarātraḥ. tejo vai trivṛt stomaḥ. trivṛtam eṣa stomaṃ yajño ’bhisaṃpannaḥ. tasmād u hainena tejaskāmo yajeta. atho āhur - brahmavarcasakāma evainena yajeteti. brahma vai trivṛt stomaḥ. trivṛtam eṣa stomaṃ yajño ’bhisaṃpannaḥ. tasmād u hainena brahmavarcasakāmo yajeta. atho āhur - āyuṣkāma evainena yajeteti. prāṇo vai trivṛt stomaḥ. navaitāny ahāni bhavanti, rātrir daśamī. nava puruṣe prāṇā, nābhir daśamī. prāṇān evaitenābhijayati, prāṇān āpnoti. tad āhuḥ - kim anu navarātra iti. diśa iti brūyāt. diśo ha vā anu navarātraḥ. catasro diśaś catvāro ’vāntaradeśā, ūrdhvā diṅ navamy, arvācī daśamī. diśa evaitenardhnoti. dikṣu pratiṣṭhāya svargaṃ lokam eti

Nun, dies sind die Navarātras (Neun-Nächte-Opfer). Wer sich Feuerkraft (tejas) wünscht, sollte damit, dem Navarātra, opfern. Feuerkraft nämlich ist der Trivṛt-Stoma. Dieses Opfer ist auf den Trivṛt-Stoma gegründet. Deshalb sollte, wer sich Feuerkraft wünscht, eben damit opfern. Und ferner sagen sie: Wer sich brahmanischen Glanz wünscht, sollte eben damit opfern. Brahman nämlich ist der Trivṛt-Stoma. Dieses Opfer ist auf den Trivṛt-Stoma gegründet. Deshalb sollte, wer sich brahmanischen Glanz wünscht, eben damit opfern. Und ferner sagen sie: Wer sich langes Leben wünscht, sollte eben damit opfern. Atem nämlich ist der Trivṛt-Stoma. Diese Tage sind neun, die Nacht ist die zehnte. Neun sind im Menschen die Atemöffnungen, der Nabel ist die zehnte. Eben dadurch besiegt er die Atemkräfte, erlangt er die Atemkräfte. Dazu sagt man: »Wonach richtet sich der Navarātra?« Man sollte antworten: »Nach den Himmelsrichtungen.« Nach den Himmelsrichtungen nämlich richtet sich der Navarātra: Vier sind die Himmelsrichtungen, vier die Zwischenrichtungen, die aufwärts gerichtete Richtung ist die neunte, die herwärts gerichtete, der Nadir, die zehnte. Dadurch gedeiht er eben in den Himmelsrichtungen. In den Himmelsrichtungen gegründet, gelangt er zur Himmelswelt.

[Anm.: Eröffnung des Navarātra-Komplexes mit der schönen körperbezogenen Entsprechung von neun Atemöffnungen und Nabel als Zehntem zu den neun Tagen und der zehnten Nacht. Die abschließende Himmelsrichtungs-Korrespondenz erweitert das in 2.287 und 2.311 entwickelte Schema um eine zehnte Richtung, den Nadir (arvācī, ›die herwärts gerichteteʻ), und vervollständigt damit die zehnteilige Rundum-Kosmologie aus vier Haupt-, vier Zwischenrichtungen, Zenit und Nadir.]

atha yasyaitasya jyotir gaur āyur iti tryaho, jyotir gaura āyur iti tryaho, jyotir gaur āyur atirātro, yaḥ kāmayeta anantarhitān imān lokān abhyāroheyam iti, sa etena yajeta. tad yaj jyotir gaur āyur iti tryaho bhavaty - ayaṃ vai loko jyotir, ayaṃ gaur, asāv āyur - anantarhitān evaitenemān lokān abhyārohati. atirātrāv anuttamas tryaho bhavati. evaṃvidhā iva vā ime lokā - agniṣṭoma ivāyaṃ loka, ukthya ivāyam, atirātra ivāsau. tad yathāvidhā ime lokā evam evainān etad abhyārohann eti. atha yasyaitasya jyotir gaur āyur atirātro jyotir gaura āyur atirātro jyotir gaur āyur atirātro, ya u eva kāmayeta anantarhitān imān lokān abhyāroheyam iti sa etena yajeta. tad yaj jyotir gaur āyur atirātro bhavaty - ayaṃ vai loko jyotir, ayaṃ gaur, asāv āyur - antarhitān evaitenemān lokān abhyārohati. atirātravantas tryahā bhavanti. atho evaṃvidhā iva vā ime lokā - agniṣṭoma ivāyaṃ loka, ukthya ivāyam, atirātra ivāsau. tad yathāvidhā ime lokā, evam evainān etad abhyārohann eti

Und für den, für welchen gilt: »Licht, Kuh, Leben« als Dreitagesopfer, »Licht, Kuh, Leben« als zweites Dreitagesopfer, »Licht, Kuh, Leben« als Atirātra – wer sich wünschen sollte: »Möge ich diese Welten ohne Zwischenraum (anantarhita) ersteigen!«, der sollte damit opfern. Dass es das Dreitagesopfer »Licht, Kuh, Leben« gibt: Diese Welt hier ist das Licht, diese die Kuh, jene dort das Leben – eben dadurch ersteigt er diese Welten ohne Zwischenraum. Die Atirātras machen das Dreitagesopfer zu einem unübertrefflichen. Und von solcher Art gleichsam sind diese Welten: Diese Welt hier ist gleichsam wie ein Agniṣṭoma, diese wie ein Ukthya, jene dort wie ein Atirātra. Wie diese Welten beschaffen sind, ebenso, sie ersteigend, geht er durch sie hindurch. Und für den, für welchen gilt: »Licht, Kuh, Leben«-Atirātra, »Licht, Kuh, Leben«-Atirātra, »Licht, Kuh, Leben«-Atirātra – wer sich ebenso wünschen sollte: »Möge ich diese Welten ohne Zwischenraum ersteigen!«, der sollte damit opfern. Dass es das »Licht, Kuh, Leben«-Atirātra gibt: Diese Welt hier ist das Licht, diese die Kuh, jene dort das Leben – eben dadurch ersteigt er diese Welten. Die Dreitagesopfer werden dabei je mit einem eigenen Atirātra versehen. Und von solcher Art gleichsam sind diese Welten: Diese Welt hier ist gleichsam wie ein Agniṣṭoma, diese wie ein Ukthya, jene dort wie ein Atirātra. Wie diese Welten beschaffen sind, ebenso, sie ersteigend, geht er durch sie hindurch.

[Anm.: Zwei strukturelle Varianten desselben neuntägigen »Licht-Kuh-Leben«-Aufstiegsopfers: In der ersten schließt ein einziger abschließender Atirātra die dreimal wiederholte Dreitagesfolge; in der zweiten erhält jede der drei Dreitagesfolgen ihren eigenen Atirātra. Der schöne kosmologische Vergleich der drei Welten mit den drei aufsteigenden Opfergraden Agniṣṭoma/Ukthya/Atirātra beschließt beide Fassungen. In der zweiten Fassung liest die Handschrift bei der Wiederholung der Kernformel »antarhitān«, mit Zwischenraum, statt des in der ersten Fassung und im übereinstimmenden Wunschsatz beider Fassungen verwendeten »anantarhitān«, ohne Zwischenraum – vermutlich eine kleine Verschreibung, Ausfall der Vorsilbe an-, die ich stillschweigend im Sinne der sonst durchgehend intendierten Bedeutung übersetze.]

trayo ha vā eṣāṃ lokānāṃ viṣuvanto - agnir vā asya lokasya viṣuvān, vāyur antarikṣasya, ādityo divaḥ. tān evaitenātitarati. tryanīko bhavaty aindro vijityai. tryanīkena vai devasadanena devā asurān ajayan. tasmād yā apy etarhi tryanīkā senā bhavati jayaty eva. tad tathā tryanīkayā senayā jeṣyantyopapreyād, evam evaitena jeṣyan svargaṃ lokam upapraiti, jayati svargaṃ lokaṃ, ya evaṃ veda. atha yasyaitasya jyotir atirātraḥ, pṛṣṭhyaṣ ṣaḍahaḥ, pañcaviṃśaṃ mahāvrataṃ, jyotir atirātro, ’nnādyakāmo haitena yajeta. tad āhur - na purā saṃvatsarān mahāvratam upetyam iti. tad yat pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaho bhavaty - ṛtavo vai pṛṣṭhāni. saṃvatsara ṛtavaḥ. saṃvatsaraḥ kṛtsnam annādyaṃ pacati - saṃvatsarābhijitam eva tad annādyam upayanti. pañcaviṃśaṃ mahāvratam - annaṃ vai pañcaviṃśam - annādyasyaivāvaruddhyai. jyotir atirātra - etad vai prajñātaṃ devatīrthaṃ yaj jyotir atirātraḥ - prajñātena devatīrthenāriṣṭa udṛcam aśnavā iti

Drei sind fürwahr die Wendepunkte (viṣuvant) dieser Welten – Agni ist der Wendepunkt dieser Welt, Vāyu der der Mittelwelt (Atmosphäre), Āditya der des Himmels. Eben diese überschreitet er mittels dieses Ritus. Er wird dreifrontig, Indra zugehörig, zum Siege. Denn mit dem dreifrontigen Göttersitz besiegten die Götter die Asuras. Daher siegt auch jetzt noch jedes Heer, das dreifrontig ist, unweigerlich. So wie man mit einem dreifrontigen Heer zum Siege heranrückt, ebenso geht er, siegreich mittels dieses Ritus, in die Himmelswelt ein – er erobert die Himmelswelt, wer solches weiß. Wessen Neunnächtiger nun aus Licht-Übernachtopfer, Pṛṣṭhya-Sechstagesopfer, Fünfundzwanzigfachem Mahāvrata und wiederum Licht-Übernachtopfer besteht – nach Speise und Nahrung verlangend opfere er damit. Dazu sagt man: Man solle das Mahāvrata nicht vor Ablauf von Jahren antreten. Dass es ein Pṛṣṭhya-Sechstagesopfer ist – die Pṛṣṭha-Gesänge sind ja die Jahreszeiten, das Jahr besteht aus den Jahreszeiten. Das Jahr reift die gesamte Speise – eben diese vom Jahr gleichsam erkämpfte Speise nehmen sie zu sich. Dass es ein fünfundzwanzigfaches Mahāvrata ist – die Speise ist ja die Fünfundzwanzig – zur Sicherung eben der Speise und Nahrung. Dass es wiederum ein Licht-Übernachtopfer ist – dies ist ja die wohlbekannte Götterfurt, welche das Licht-Übernachtopfer darstellt – mit dem Gedanken: »Möge ich unversehrt, mittels der wohlbekannten Götterfurt, den Schlussgesang erlangen.«

[Anm.: ›Wendepunktʻ (viṣuvant) ist sonst der feste Terminus für den Mitteltag eines Sattra-Opfers; hier wird er kosmologisch auf die drei Welten übertragen (Agni/Erde, Vāyu/Luftraum, Āditya/Himmel). ›Dreifrontigʻ (tryanīka) und ›Göttersitzʻ (devasadana) sind Kriegsmetaphern, die an den Sieg der Götter über die Asuras erinnern (vgl. den Zahlenwort-Streit 2.291–293). Die Wendung ›man solle das Mahāvrata nicht vor Ablauf von Jahren antretenʻ gibt den knappen, grammatisch nicht restlos eindeutigen Text (na purā saṃvatsarān) sinngemäß wieder. Die Gleichung ›Speise = Fünfundzwanzigʻ steht neben den bereits behandelten Zahlenspekulationen um 24/25/33/34 (2.308–309). ›Götterfurtʻ (devatīrtha) knüpft an die gleichnamige Formel aus 2.295 an. ›Schlussgesangʻ gibt das seltene und nicht ganz sicher zu deutende udṛc wieder, das wohl einen abschließenden liturgischen Gesangsteil bezeichnet.]

tad v etasya paricakṣate - yad enat satram eva manyante, satraṃ ha smaitat puropayanti. anena ha tvāva satriyāś ca dakṣiṇāvantaś ca stomā vijñāyante. ubhayato ’tirātrā eva satriyā, anyatarato ’tirātrā dakṣiṇāvantaḥ. sa ya enena dakṣiṇāvatā yajeta purastād agniṣṭomaṃ kṛtvā yajeta. atha yasyaitasya pṛṣṭhyasya ṣaḍahasya stomāḥ pañcame ’hani mahāvrataṃ, viśvajitstomo ’tirātraḥ. iheva ca ha khalu vā eta iheva ca vācaṃ viprayuñjate ye yajante ye satram āsate. tān daśamenaivāhnā saṃpādayanti saṃpannāyai vāco vikṛṣṭāyai pratiṣṭhitāyai mahāvratam upetam asad iti. annaṃ vai mahāvratam. annādyasyaivāvaruddhyai. viśvajitstomo ’tirātro bhavati. parāṅ iva ha vā eṣa svargam eva lokam abhinirmṛṣṭo yad viśvajitstomo atirātraḥ. parāṅ evaitena svargaṃ lokam eti. tad yac caturthastoma ekaviṃśo bhavati - pratiṣṭhā vā ekaviṃśas - tenaivāsyāṃ pratitiṣṭhati

Ferner erklärt man dazu: Dass man dieses eben für ein Sattra hält – früher pflegte man es geradezu als Sattra zu vollziehen. Dadurch nämlich werden die sattra-artigen (satriya) und die mit Opferlohn versehenen (dakṣiṇāvant) Stoma-Reihen unterschieden: Diejenigen, die auf beiden Seiten vom Übernachtopfer gerahmt sind, sind eben sattra-artig; diejenigen, die nur auf einer Seite vom Übernachtopfer gerahmt sind, sind mit Opferlohn versehen. Wer mit dieser Opferlohn-Variante opfern will, der opfere, nachdem er zuvor ein Agniṣṭoma vorangestellt hat. Wessen Pṛṣṭhya-Sechstagesopfer nun an seinen Stomen so beschaffen ist, dass am fünften Tag das Mahāvrata, zuletzt das Viśvajit-Stoma-Übernachtopfer steht – ebenda nämlich, ja gerade ebenda zerstreuen diese, die opfern, die im Sattra sitzen, ihre Rede. Diese führen sie eben durch den zehnten Tag zur Vollendung zusammen, damit die Rede, obgleich auseinandergezogen, vollendet und gefestigt werde – mit dem Gedanken: »Möge das angetretene Mahāvrata eben dies sein.« Die Speise ist ja das Mahāvrata – zur Sicherung eben der Speise und Nahrung. Es gibt ein Viśvajit-Stoma-Übernachtopfer. Dieses Übernachtopfer mit dem Viśvajit-Stoma hat, gleichsam vorausweisend, die Himmelswelt bereits gestreift; eben dadurch, sich hinwegwendend, geht er in die Himmelswelt ein. Dass das vierte Stoma das Einundzwanzigfache ist – das Einundzwanzigfache ist ja die Standfestigkeit – eben dadurch findet er in dieser Welt festen Halt.

[Anm.: Hier wird das technische Unterscheidungskriterium zwischen echtem Sattra (gemeinschaftliches, opferlohnfreies Sitzungsopfer der Brahmanen) und dem verwandten, aber opferlohnpflichtigen Ahīna-Typ (dakṣiṇāvant) benannt: Rahmung durch das Übernachtopfer auf beiden Seiten kennzeichnet das Sattra, einseitige Rahmung den Ahīna-Typ. Die Wiedergabe ›dadurch nämlichʻ folgt einer probeweisen Lesung des schwer deutbaren tvāva als tv eva (›eben dadurchʻ). Die Wendung über das Übernachtopfer mit dem Viśvajit-Stoma, das die Himmelswelt ›vorausweisend gestreiftʻ habe, bleibt im Sanskrit dunkel (parāṅ … abhinirmṛṣṭa) und wird hier nur sinngemäß angenähert. Die Gleichung ›Einundzwanzig = Standfestigkeitʻ knüpft an die bereits in 2.302 erörterte Ekaviṃśa-Zahlensymbolik an.]

atha yasyaitasya pṛṣṭhyasya ṣaḍahasya jyotir gaur āyur iti madhye tryaho bhavati, prajananakāmo haitena yajeta. ātmā vai pṛṣṭhyaṣ ṣaḍahaḥ. prajananam ete stomāḥ. tad yan madhye jyotir gaur āyur iti tryaho bhavati, madhyata evaitad ātmanaḥ prajananaṃ dhatte, bahur bhavati, prajāyate. atha yasyaitasyordhvaṣ ṣaḍahaḥ pratyaṅ tryaho, yaḥ kāmayeta gaccheyaṃ svargaṃ lokaṃ, praty asmin loke tiṣṭheyam iti, sa etena yajeta. ṣaḍahenaiveta ūrdhvaṃ svargaṃ lokaṃ gacchati, praty evāmutas tryaheṇāvarohati. gacchati svargaṃ lokaṃ, praty asmin loke tiṣṭhati. atho ha veda yo asāv āsaṃ so ’yam asmīti punar haivāsmin loka ājāyate. atha yasyaitasyordhvas tryahaḥ, pratyaṅ ṣaḍaho, ya u eva kāmayeta gaccheyaṃ svargaṃ lokaṃ, praty asmin loke tiṣṭheyam iti, sa etena yajeta. tryaheṇaiveta ūrdhvaṃ svargaṃ lokaṃ gacchati, praty evāmutaṣ ṣaḍahenāvarohati. gacchati svargaṃ lokaṃ praty asmin loke tiṣṭhati. atho ha veda yo ’sāv āsaṃ so ’yam asmīti. punar haivāsmin loka ājāyate. atha yasyaitasyordhvaṣ ṣaḍaha ūrdhvas tryaha, svargakāmo haitena yajeta. ūrdhvā ete stomā bhavanty - ūrdhvo vai svargo loka - svargasyaiva lokasya samaṣṭyai

Wessen Pṛṣṭhya-Sechstagesopfer nun in der Mitte ein aus Licht, Rind und Leben bestehendes Dreitagesopfer hat, der opfere, nach Nachkommenschaft verlangend, damit. Das Pṛṣṭhya-Sechstagesopfer ist ja der eigene Leib; diese Stomen sind die Zeugung. Dass in der Mitte ein aus Licht, Rind und Leben bestehendes Dreitagesopfer steht – eben aus der Mitte heraus legt er sich damit die Zeugung in den eigenen Leib; er wird zahlreich, er pflanzt sich fort. Wessen Sechstagesopfer nun aufwärts gerichtet ist und dessen Dreitagesopfer zurückgewandt, der opfere damit, wer begehrt: »Möge ich in die Himmelswelt gehen, möge ich zugleich in dieser Welt festen Stand haben.« Mittels des Sechstagesopfers geht er von hier aufwärts in die Himmelswelt; von dort steigt er mittels des zurückgewandten Dreitagesopfers wieder herab. Er geht in die Himmelswelt und hat zugleich in dieser Welt festen Stand. Und ferner: Wer weiß »der ich dort war, eben der bin ich hier«, der wird wiederum in dieser Welt geboren. Wessen Dreitagesopfer nun aufwärts gerichtet ist und dessen Sechstagesopfer zurückgewandt, der opfere ebenso damit, wer begehrt: »Möge ich in die Himmelswelt gehen, möge ich zugleich in dieser Welt festen Stand haben.« Mittels des Dreitagesopfers geht er von hier aufwärts in die Himmelswelt; von dort steigt er mittels des zurückgewandten Sechstagesopfers wieder herab. Er geht in die Himmelswelt und hat zugleich in dieser Welt festen Stand. Und ferner: Wer weiß »der ich dort war, eben der bin ich hier«, der wird wiederum in dieser Welt geboren. Wessen Sechstagesopfer nun aufwärts gerichtet ist und dessen Dreitagesopfer ebenfalls aufwärts gerichtet, der opfere, nach der Himmelswelt verlangend, damit. Aufwärts gerichtet sind diese Stomen – denn aufwärts gerichtet ist ja die Himmelswelt – zur vollständigen, ungeteilten Erlangung eben der Himmelswelt.

[Anm.: Die Triade ›Licht, Rind, Lebenʻ (jyotis-gau-āyus) wurde bereits in 2.294f. und 2.317 als eigene Kurzform des Mahāvrata-Komplexes eingeführt; hier erscheint sie, in die Mitte des Sechstagesopfers gestellt, als Zeugungssymbol. Die Formel ›der ich dort war, eben der bin ich hierʻ als Beleg für Wiedergeburt in dieser Welt wiederholt wörtlich die bemerkenswerte Aussage aus 2.300. Die beiden gespiegelten Varianten (aufwärts-Sechstage/zurück-Dreitage bzw. aufwärts-Dreitage/zurück-Sechstage) folgen dem im Text wiederholt begegnenden Verfahren symmetrischer Parallelfassungen (vgl. 2.283/286, 2.294/295, 2.308/309, 2.312/313).]

athaiṣa vividhaḥ. tasya jyotir agniṣṭomo gaur ukthya āyur ukthyo jyotir agniṣṭoma āyur atirātro jyotir agniṣṭomo gaur ukthya āyur ukthyo jyotir agniṣṭomaḥ. paśukāmo haitena yajeta. tasyaiṣo ’nyatassaṃgo goāyuṣī ukthyāv antarau bhavataḥ. paśavo vā ukthāni. tayoḥ pañca śatāni stotryāḥ. jyotiṣī agniṣṭomāv abhito bhavataḥ. brahma vai jyotir agniṣṭomaḥ. brahmaṇaiva tad ubhayataḥ paśūn parigṛhṇīte ’parāvāpāya. nāsya vittaṃ paropyate ya evaṃ veda. āyur atirātro madhye bhavati. tad yathā ha vai vividhas, tasya madhye pṛthvī vānavavardāya, tādṛk tad eṣa u evānyatassaṃgaḥ. goāyuṣī ukthyāv antarau bhavataḥ. paśavo vā ukthāni. tayoḥ pañca śatāni stotriyāḥ. jyotiṣī agniṣṭomāv abhito bhavataḥ. brahma vai jyotir agniṣṭomaḥ. brahmaṇaiva tad ubhayataḥ paśūn parigṛhṇīte ’parāvāpāya. nāsya vittaṃ paropyate ya evaṃ veda

Nun, dies ist das Mannigfaltige (vividha). Seine Tagesfolge ist: Licht-Agniṣṭoma, Rind-Ukthya, Leben-Ukthya, Licht-Agniṣṭoma, Leben-Übernachtopfer, Licht-Agniṣṭoma, Rind-Ukthya, Leben-Ukthya, Licht-Agniṣṭoma. Nach Vieh verlangend opfere er damit. Von diesem Ablauf sind dieses einseitig verbundene Paar, die Ukthya-Tage von Rind und Leben, die inneren; denn die Ukthyas sind ja das Vieh. Von diesen beiden gibt es fünfhundert Stotriyā-Verse. Die Licht-Agniṣṭomas stehen auf beiden Seiten; denn das Licht-Agniṣṭoma ist ja das Brahman. Eben durch das Brahman umschließt er so das Vieh auf beiden Seiten, damit es nicht fortgetragen werde. Sein Besitz wird nicht fortgetragen, wer solches weiß. Das Leben-Übernachtopfer steht in der Mitte. Und wie fürwahr in diesem Mannigfaltigen in dessen Mitte das breite Band [steht, zur Verstärkung] – von solcher Art ist auch dieses einseitig verbundene Paar hier: Die Ukthya-Tage von Rind und Leben sind die inneren; denn die Ukthyas sind ja das Vieh. Von diesen beiden gibt es fünfhundert Stotriyā-Verse. Die Licht-Agniṣṭomas stehen auf beiden Seiten; denn das Licht-Agniṣṭoma ist ja das Brahman. Eben durch das Brahman umschließt er so das Vieh auf beiden Seiten, damit es nicht fortgetragen werde. Sein Besitz wird nicht fortgetragen, wer solches weiß.

[Anm.: Die neuntägige Abfolge (Licht-Agniṣṭoma – Rind-Ukthya – Leben-Ukthya – Licht-Agniṣṭoma – Leben-Übernachtopfer – Licht-Agniṣṭoma – Rind-Ukthya – Leben-Ukthya – Licht-Agniṣṭoma) verwebt vier Licht-Agniṣṭoma-Tage mit den Vieh-Ukthya-Tagen um ein zentrales Leben-Übernachtopfer und setzt damit das wiederkehrende Muster der schützenden Rahmung fort (vgl. 2.288, 2.296, 2.312f., 2.315): Das als Brahman gedeutete Licht-Agniṣṭoma umschließt beidseitig das durch die Ukthyas symbolisierte Vieh, damit dieses nicht verlorengeht. Der Vergleich mit einem breiten, mittigen Band bezieht sich vermutlich auf ein gewebtes, mehrfarbiges Tuch (daher vividha, ›mannigfaltigʻ), doch bleibt der Sanskrit-Ausdruck (pṛthvī vānavavardāya) im Detail dunkel und wird hier nur ungefähr wiedergegeben. Die wortgleiche Wiederholung des ganzen Passus dürfte, wie andernorts in diesem Text, eher bekräftigende Wiederholung als Verschreibung sein.]

athaite daśarātrāḥ. abhicaryamāṇo haitena yajeta yad daśarātraḥ. daśaitāny ahāni bhavanti. daśa puruṣe prāṇāḥ. ahneva prāṇaṃ parigṛhṇīte, ’hnā prāṇam, ahnā prāṇaṃ, na tatas tasya sa prāṇo ’tiśayeyam. asyābhicaraṃs stṛṇvīta. atho āhur - abhicarann evainena yajeteti. daśaitāny ahāni bhavanti. daśa puruṣe prāṇāḥ. ahnaiva parasya prāṇaṃ stṛṇute, ’hnā prāṇam, ahnā prāṇam. na tataḥ parasya sa prāṇaḥ pariśiṣyate. yenābhicaryamāṇo jīvet. etad dha vai jyaiṣṭhyaṃ karmaṇāṃ yad eṣa saumyo ’dhvaro daśarātro vidhayā vidhīyate. tad yaj jyaiṣṭhyaṃ karmaṇāṃ tena no yajño vihito ’sad iti

Nun, dies sind die Zehnnächtigen (daśarātra). Wer Feindzauber übt, opfere mit diesem, dem Zehnnächtigen. Es sind dies zehn Tage; zehn sind die Atemkräfte im Menschen. Tag für Tag ergreift er so die Atemkraft des Gegners – mit jedem Tag eine Atemkraft, mit jedem Tag eine Atemkraft –, so dass von da an jene Atemkraft des Gegners nicht mehr die Oberhand gewänne. Gegen diesen Feind Feindzauber übend, streue er die Opfersubstanz aus. Und ferner sagt man: Man solle mit diesem eben nur opfern, während man Feindzauber übt. Es sind dies zehn Tage; zehn sind die Atemkräfte im Menschen. Tag für Tag streut er so die Atemkraft des anderen aus – mit jedem Tag eine Atemkraft, mit jedem Tag eine Atemkraft –, so dass von da an jene Atemkraft des anderen nicht mehr übrigbliebe, von der der mit Feindzauber Belegte noch leben könnte. Dies eben ist die Vorrangstellung unter den Ritualhandlungen, dass dieser somische Opferablauf, der Zehnnächtige, durch seine eigene Anordnung lückenlos angeordnet wird. Dass dies die Vorrangstellung unter den Ritualhandlungen ist – mit dem Gedanken: »Dadurch möge auch unser Opfer vollständig angeordnet sein.«

[Anm.: Der Text schwankt eingangs zwischen der Lesung ›wer mit Feindzauber belegt wirdʻ (Passiv, abhicaryamāṇa) und ›wer Feindzauber übtʻ (Aktiv); der weitere Zusammenhang sowie die eigene Klarstellung des Textes selbst (mit dem eindeutig aktiven abhicaran) zeigen, dass der ausübende Zauberer gemeint ist. Die zugrundeliegende Vorstellung – zehn Tage tilgen systematisch die zehn Atemkräfte des Gegners, bis keine mehr übrigbleibt, von der er leben könnte – ist ein besonders dunkles Beispiel dieser Zahlensymbolik, die sonst meist auf Fülle und Wohlergehen zielt. Die Zehnzahl der Atemkräfte schließt an die bereits in 2.316 eingeführte Körperentsprechung von neun Atemöffnungen plus Nabel an. Die knappe Schlussformulierung zur ›Vorrangstellungʻ spielt mit den Wortformen vidhi/vidhīyate (›Anordnungʻ/›wird angeordnetʻ) und bleibt in ihrer genauen Pointe etwas komprimiert.]

etad dha vai paramaṃ vācaḥ krāntaṃ yad daśeti. etāvad dha paramaṃ vāk cakrame. tad yat paramaṃ vācaḥ krāntaṃ tat sarvam āpnavānīti. atho āhur - annādyakāma evainena yajeteti. sarvo ha vā anyo virājam atiṣṭauti. eṣa ha vāva virājaṃ nātiṣṭauti yo daśabhi stute. daśākṣarā virāṭ. annaṃ virāṭ. ahnaiva virājam avarunddhe, ’hnā virājam, ahnā virājam. sa daśamenaivāhnā sarvāṃ virājam annādyam avaruddhyāntata uttiṣṭhati. puruṣo ha vāva virājam atiśaye. daśaitāny ahāni bhavanti, rātrir ekādaśī. daśa puruṣe prāṇā, ātmaikādaśaḥ. puruṣo ha vā eṣa virājy adhyūḍho ’niṣpādāya. na ha vai gaur nāśvo nāśvataro virājam adhitiṣṭhati. puruṣo ha vāva virājam adhitiṣṭhati. tasmāt puruṣaḥ paśūnām attā. attā paśūnāṃ bhavaty adhi virājaṃ tiṣṭhati, ya evaṃ veda

Dies fürwahr ist der höchste Schritt der Rede, nämlich die Zehn. So weit eben schritt die Rede als Höchstes aus. Dass dies der höchste Schritt der Rede ist – mit dem Gedanken: »Möge ich all das erlangen.« Ferner sagt man: Nach Speise und Nahrung Verlangender solle eben mit diesem opfern. Jeder andere übersingt/übersteigt die Virāj; dieser hier aber übersteigt die Virāj nicht, wer mit zehn Versen preist. Zehn Silben hat die Virāj. Die Virāj ist die Speise. Tag für Tag sichert er sich so die Virāj – mit jedem Tag die Virāj, mit jedem Tag die Virāj. Er, der so am zehnten Tag die ganze Virāj, die Speise, gesichert hat, erhebt sich am Ende. Der Mensch übertrifft ja die Virāj: Es sind dies zehn Tage, die Nacht die elfte; zehn sind die Atemkräfte im Menschen, das Selbst das elfte. Dieser Mensch ist der Virāj gleichsam aufgesetzt, damit das Werk nicht unvollendet bleibe. Denn weder Rind noch Pferd noch Maultier steht über der Virāj; der Mensch aber steht über der Virāj. Daher ist der Mensch der Fresser des Viehs. Er wird zum Fresser des Viehs, er steht über der Virāj, wer solches weiß.

[Anm.: ›Übersingen/Überstiegʻ (atiṣṭu) meint das Überschreiten des der Virāj angemessenen Maßes im Lobgesang; wer mit genau zehn Versen preist, trifft das rechte Maß, da die Virāj zehn Silben hat und zugleich die Speise verkörpert. Die Rechnung Mensch = elf (zehn Atemkräfte plus das Selbst) gegenüber Virāj = zehn schließt unmittelbar an die in 2.322 eingeführte Zehnzahl der Atemkräfte an und begründet, warum der Mensch die Virāj ›übertrifftʻ und daher – nicht Rind, Pferd oder Maultier – zum Esser des Viehs wird. Die Wendung ›aufgesetzt, damit das Werk nicht unvollendet bleibeʻ gibt das knappe adhyūḍho ’niṣpādāya nur sinngemäß wieder.]

indro vṛtraṃ vajreṇādhyasya nāstṛṣīti manyamānas sa vyasmayata. sa harito vismito ’jarat. sa aikṣata - kathaṃ nv aham asya harimṇaḥ pāpmano daśamīṃ nirdaśyaṃ gaccheyam iti. sa etaṃ daśarātraṃ yajñam apaśyat. tam āharat. tenāyajata. tato vai sa tasya harimṇaḥ pāpmano daśamīṃ nirdaśyam agacchat. gacchati ha harimṇaḥ pāpmano daśamīṃ nirdaśyaṃ, ya evaṃ veda. tasmād uta viddhaṃ vā vijātaṃ vāvatīrṇinaṃ vā pṛcchanti nirdaśyo ’bhūd iti. tasya ha vāva te tad dharimṇaḥ pāpmano daśamīṃ nirdaśyaṃ gacchanti. gacchati ha harimṇaḥ pāpmano daśamīṃ nirdaśyaṃ ya evaṃ veda

Indra, nachdem er Vṛtra mit der Vajra niedergeschlagen hatte, und in der Meinung »ich habe ihn nicht völlig gefällt«, geriet in Verwirrung und Erstaunen. Er, fahlgelb geworden und bestürzt, alterte vorzeitig. Da überlegte er: »Wie könnte ich wohl zum Zehnten, zum Hinausgehen-über-die-Zehn (nirdaśya) dieses fahlgelben Übels gelangen?« Da erblickte er dieses Zehnnächtige Opfer. Er nahm es auf. Mit ihm opferte er. Daraufhin gelangte er zum Zehnten, zum Hinausgehen-über-die-Zehn jenes fahlgelben Übels. Zum Zehnten, zum Hinausgehen-über-die-Zehn des fahlgelben Übels gelangt, wer solches weiß. Daher fragt man auch heute noch, wenn jemand verwundet ist, eine Geburt stattgefunden hat, oder jemand von einer Krankheit befallen ist: »Ist die Hinausgehen-über-die-Zehn-Frist schon vorüber?« Eben diese gelangen dadurch zum Zehnten, zum Hinausgehen-über-die-Zehn jenes fahlgelben Übels. Zum Zehnten, zum Hinausgehen-über-die-Zehn des fahlgelben Übels gelangt, wer solches weiß.

[Anm.: Die Erzählung deutet Indras Erblassen und vorzeitiges Altern nach der Vṛtra-Tötung als Ausdruck der bekannten vedischen Vorstellung von der Verunreinigung durch Brahmanenmord (Vṛtra gilt andernorts als Brahmane), die eine Reinigungsfrist erfordert. Der Begriff nirdaśya (›Hinausgehen über die Zehnʻ) scheint hier zum festen Terminus für eine zehntägige Unreinheits- bzw. Reinigungsfrist geworden zu sein, die – wie der Text ausdrücklich festhält – auch auf Verwundete, frisch Entbundene und Kranke angewendet wurde. Dies ist ein bemerkenswert früher Beleg für die auch im späteren Hinduismus (etwa als ›daśāhaʻ, die zehntägige Unreinheitsfrist nach Geburt oder Tod) fortlebende Zehntagesfrist.]

athaiṣa trikakup. prajananakāmo haitena yajeta. trivṛtpañcadaśau stomau bhavataḥ. ūnātiriktau mithunau prajanī. ūnam anyasyātiriktam anyasya. ūnātiriktād vai mithunāt prajāḥ paśavaḥ prajāyante. tābhyāṃ trivṛtaṃ stomaṃ paryūhanti. tam eva tau prajanayataḥ. saptadaśaikaviṃśau stomau bhavataḥ. ūnātiriktau mithunau prajanī. ūnam anyasyātiriktam anyasya. ūnātiriktād vai mitunāt prajāḥ paśavaḥ prajāyante. tābhyāṃ saptadaśaṃ stomaṃ paryūhanti. tam eva tau prajanayataḥ. triṇavastrayastriṃśau stomau bhavataḥ. ūnātiriktau mithunau prajanī. ūnam anyasyātiriktam anyasya. ūnātiriktād vai mithunāt prajāḥ paśavaḥ prajāyante. tābhyāṃ triṇavaṃ stomaṃ paryūhanti. tam eva tau prajanayataḥ. tad āhur - āpyante vā etat stomā, āpyante chandāṃsy, āpyante devatā, āpyanta ṛtavo gṛhā(?), yad eṣa pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaha āpyanta (?) iti. āgneyīṣva ayātayāmnīṣu sapte ’hani stuvīran. agrnir vai devānām ayātayāmā. agnim eva tad devānām ayātayāmānaṃ paśyanto yajante. aindrīṣva ayātayāmnīṣu aṣṭame ’hani stuvīran. indro vai devānām ayātayāmā. indram eva tad devānām ayātayāmānaṃ paśyanto yajante. vaiśvadevīṣv ayātayāmnīṣu navame ’hani stuvīran. viśve vai devā devānām ayātayāmānaḥ. viśvān eva devāṃs tad devānām ayātayāmanaḥ paśyanto yajante. sarvastomo ’tirātro bhavati, sarveṣāṃ lokānām abhijityā abhikrāntyai. sarvaṃ hīdaṃ stomā eva. atho yān imān ekaikān stomān upāgāma, tān sārdham ṛddhvā, teṣu pratiṣṭhāyodṛcam aśnavāmahā iti

Nun, dies ist der Trikakup, der Dreigipflige. Nach Nachkommenschaft Verlangender opfere mit diesem. Trivṛt und Pañcadaśa sind die beiden Stomen – ein defizitär-überschüssiges Paar, zeugungskräftig. Das Defizitäre gehört dem einen, das Überschüssige dem anderen. Denn aus einem defizitär-überschüssigen Paar werden Nachkommen und Vieh geboren. Mit diesen beiden handhaben sie das Trivṛt-Stoma; eben diese beiden lassen es zeugen. Saptadaśa und Ekaviṃśa sind die beiden Stomen – ein defizitär-überschüssiges Paar, zeugungskräftig. Das Defizitäre gehört dem einen, das Überschüssige dem anderen. Denn aus einem defizitär-überschüssigen Paar werden Nachkommen und Vieh geboren. Mit diesen beiden handhaben sie das Saptadaśa-Stoma; eben diese beiden lassen es zeugen. Triṇava und Trayastriṃśa sind die beiden Stomen – ein defizitär-überschüssiges Paar, zeugungskräftig. Das Defizitäre gehört dem einen, das Überschüssige dem anderen. Denn aus einem defizitär-überschüssigen Paar werden Nachkommen und Vieh geboren. Mit diesen beiden handhaben sie das Triṇava-Stoma; eben diese beiden lassen es zeugen. Dazu sagt man: Diese Stomen gelangen zur Erfüllung, die Versmaße gelangen zur Erfüllung, die Gottheiten gelangen zur Erfüllung, die Jahreszeiten und die Häuser gelangen zur Erfüllung, wenn dieses Pṛṣṭhya-Sechstagesopfer zur Erfüllung gelangt. Mit den unverbrauchten Agni-Versen sollen sie am siebten Tag preisen. Agni ist ja der Unverbrauchte der Götter; eben Agni als diesen Unverbrauchten der Götter erblickend opfern sie. Mit den unverbrauchten Indra-Versen sollen sie am achten Tag preisen. Indra ist ja der Unverbrauchte der Götter; eben Indra als diesen Unverbrauchten der Götter erblickend opfern sie. Mit den unverbrauchten All-Götter-Versen sollen sie am neunten Tag preisen. Die All-Götter sind ja die Unverbrauchten der Götter; eben die All-Götter als diese Unverbrauchten der Götter erblickend opfern sie. Es gibt ein All-Stoma-Übernachtopfer, zur Eroberung und zum Vordringen in alle Welten. Denn all dies sind ja nur die Stomen. Und ferner, mit dem Gedanken: »Nachdem wir uns diesen einzelnen Stomen einzeln genähert und mit ihnen gemeinsam gediehen sind, mögen wir, in ihnen fest gegründet, den Schlussgesang erlangen.«

[Anm.: Die drei hier gebildeten Paare (Trivṛt/Pañcadaśa = 3/15, Saptadaśa/Ekaviṃśa = 17/21, Triṇava/Trayastriṃśa = 27/33) fassen die sechs kanonischen Stoma-Zahlen der vedischen Liturgie in benachbarten Paaren zusammen – eine andere Kombinatorik als die in 2.302 verwendete, wo dieselben sechs Zahlen nach einem dort nicht ganz aufgehenden Muster symmetrischer Abweichung von 21 gepaart wurden. Der Satz über die zur Erfüllung gelangenden Stomen, Versmaße, Gottheiten und Jahreszeiten/Häuser enthält im Sanskrit-Text selbst durch Fragezeichen markierte unsichere Stellen und wird hier nur sinngemäß wiedergegeben. ›Unverbrauchtʻ (ayātayāman) ist ein fester vedischer Terminus für Verse, deren rituelle Kraft noch nicht durch früheren Gebrauch erschöpft ist. Die Schlussformel mit dem ›Schlussgesangʻ (udṛc) wiederholt wörtlich die bereits aus 2.318 bekannte Wendung.]

athaiṣa pañcayajñakratuḥ. yāḥ pañca daivīr ācchadas tāsām eṣarddhiḥ. yaḥ pāṃkto yajño ye pāṃktāḥ paśavo yat pāṃktam annādyaṃ ye pañcartavo yat kiṃ ca pañca pañca tasyaiṣā sarvasyarddhis tasyopāptiḥ. tasyo etasya na rātrim upayanti ned virājam atiṣuvāmeti. tad āhur - ati vai daśarātro yajñasya mātrām eti. tad yad eṣa pañcayajñakratur bhavati pañcāhe śrutas taṃ kāmam ṛdhnavāni yo daśarātra iti. sarvastomo ’tirātro bhavati, sarveṣāṃ lokānām abhijityā abhikrāntyai. sarvaṃ hīdaṃ stomā eva. atho yān imān ekaikān stomān upāgāma tān sārdham ṛddhvā teṣu pratiṣṭhāyodṛcam aśnavāmahā iti. athaiṣa saptayajñakratuḥ. yās sapta daivīr ācchadas tāsām eṣarddhiḥ. yās saptapadāś śakvaryo, ye sapta grāmyāḥ paśavo, yāni sapta caturuttarāṇi chandāṃsi, ye sapta mukhyāḥ prāṇā, yāni saptaviṃśatir divyāni nakṣatrāṇi, yas saptaviṃśa stomo yat kiṃ ca sapta sapta, tasyaiṣā sarvasyarddhis tasyopāptiḥ. tad āhur - ati vai daśarātro yajñasya mātrām eti. tad yad eṣa saptayajñakratur bhavati saptāhe śrutas taṃ kāmam ṛdhnavāni yo daśarātra iti. sarvastomo ’tirātro bhavati sarveṣāṃ lokānām abhijityā abhikrāntyai. sarvaṃ hīdaṃ stomā eva. atho yān imān ekaikān stomān upāgāma tān sārdham ṛddhvā teṣu pratiṣṭhāyodṛcam aśnavāmahā iti

Nun, dies ist der Fünfopfer-Ritus. Was immer es an fünf göttlichen Hüllen gibt, dessen Gedeihen ist dies. Das fünfteilige Opfer, das fünfteilige Vieh, die fünfteilige Speise, die fünf Jahreszeiten, und was immer sonst fünf-und-fünf ist – all dessen Gedeihen, all dessen Erlangung ist dies. Deshalb geht man bei diesem Ritus nicht zur letzten Nacht über, aus der Erwägung: »Dass wir nicht die Virāj überpressen.« Dazu sagt man: Der Zehnnächtige übersteigt fürwahr das Maß des Opfers. Dass dieser Fünfopfer-Ritus binnen fünf Tagen verkündet wird – mit dem Gedanken: »Möge ich jenen Wunsch erfüllen, der eigentlich dem Zehnnächtigen zukommt.« Es gibt ein All-Stoma-Übernachtopfer, zur Eroberung und zum Vordringen in alle Welten. Denn all dies sind ja nur die Stomen. Und ferner, mit dem Gedanken: »Nachdem wir uns diesen einzelnen Stomen einzeln genähert und mit ihnen gemeinsam gediehen sind, mögen wir, in ihnen fest gegründet, den Schlussgesang erlangen.« Nun, dies ist der Siebenopfer-Ritus. Was immer es an sieben göttlichen Hüllen gibt, dessen Gedeihen ist dies. Die siebenfüßigen Śakvarī-Verse, die sieben Dorf-Tiere, die sieben, je um vier Silben steigenden Versmaße, die sieben Haupt-Atemkräfte, die siebenundzwanzig himmlischen Mondhäuser, das siebenundzwanzigfache Stoma, und was immer sonst sieben-und-sieben ist – all dessen Gedeihen, all dessen Erlangung ist dies. Dazu sagt man: Der Zehnnächtige übersteigt fürwahr das Maß des Opfers. Dass dieser Siebenopfer-Ritus binnen sieben Tagen verkündet wird – »Möge ich jenen Wunsch erfüllen, der dem Zehnnächtigen zukommt.« Es gibt ein All-Stoma-Übernachtopfer, zur Eroberung und zum Vordringen in alle Welten. Denn all dies sind ja nur die Stomen. Und ferner, mit dem Gedanken: »Nachdem wir uns diesen einzelnen Stomen einzeln genähert und mit ihnen gemeinsam gediehen sind, mögen wir, in ihnen fest gegründet, den Schlussgesang erlangen.«

[Anm.: Fünfopfer- und Siebenopfer-Ritus sind verkürzte Ersatzformen des Zehnnächtigen: In fünf bzw. sieben Tagen sollen sie denselben rituellen Ertrag erbringen, den eigentlich erst das zehntägige Opfer erbringt – ein Beispiel ritueller Ökonomie für Fälle, in denen die volle Länge nicht durchführbar ist. Die ›sieben Haupt-Atemkräfteʻ nehmen die in 2.301 als ›vom Übel befreitʻ bezeichneten sieben Gesichtsatemkräfte wieder auf; die ›siebenundzwanzig himmlischen Mondhäuserʻ (nakṣatra) entsprechen dem klassischen altindischen Mondstationen-Zyklus. ›Göttliche Hüllenʻ (ācchad) bleibt in seiner genauen Bedeutung unsicher. Die Wendung über das ›Nicht-Überpressen der Virājʻ knüpft an die in 2.323 behandelte Virāj-Symbolik an, bleibt im Detail aber ebenfalls unsicher.]

athaiṣa mahātrikakup. ya śrīkāmaḥ purodhākāma syāt sa etena yajeta. trīṇi varṣmāṇi tisra śriyas traya ime lokāḥ. tad evaitenāvarunddhe. trivṛtā pañcadaśaṃ pariṣṭubanti. brahma vai trivṛt, kṣatraṃ pañcadaśaḥ. brahmaṇaiva tat kṣatraṃ parigṛhṇanti. saptadaśenaikaviṃśaṃ pariṣṭubanti. brahma vai saptadaśaḥ kṣatram ekaviṃśaḥ. brahmaṇaiva tat kṣatraṃ parigṛhṇanti. triṇavena trayastriṃśaṃ pariṣṭubanti. brahma vai triṇavaḥ, kṣatraṃ trayastriṃśaḥ. brahmaṇaiva tat kṣatraṃ parigṛhṇanti. yado vai brahmaṇā kṣatraṃ parigṛhṇāty atha sa tasya purodhāṃ gacchati, gacchati purodhāṃ, pura enaṃ dadhate

Nun, dies ist der Große Trikakup. Wer nach Glanz verlangt und nach der Stellung des Purohita, des Hauspriesters, verlangt, der opfere mit diesem. Drei sind die Höhen, drei die Herrlichkeiten, drei diese Welten – eben das sichert er sich damit. Mit dem Trivṛt umsingen sie den Pañcadaśa. Der Trivṛt ist ja das Brahman, der Pañcadaśa das Kṣatra; eben durch das Brahman umschließen sie da das Kṣatra. Mit dem Saptadaśa umsingen sie den Ekaviṃśa. Der Saptadaśa ist ja das Brahman, der Ekaviṃśa das Kṣatra; eben durch das Brahman umschließen sie da das Kṣatra. Mit dem Triṇava umsingen sie den Trayastriṃśa. Der Triṇava ist ja das Brahman, der Trayastriṃśa das Kṣatra; eben durch das Brahman umschließen sie da das Kṣatra. Denn wann immer man durch das Brahman das Kṣatra umschließt, dann gelangt dieser Priester zur Stellung von dessen Purohita – er gelangt zur Stellung des Purohita, man setzt ihn an die Spitze.

[Anm.: Hier werden dieselben drei Stoma-Paare wie in 2.325 (3/15, 17/21, 27/33) neu gedeutet: nicht als zeugungskräftige Paare, sondern als Brahman-Kṣatra-Verhältnis, in dem das priesterliche Brahman das königliche Kṣatra ›umschließtʻ. Dies führt die bereits mehrfach begegneten Einzelgleichungen Pañcadaśa = Kṣatra (2.223, 2.275) und Saptadaśa = Prajāpati/Brahman (2.218, 2.280, 2.310) zu einem durchgängigen System zusammen und mündet in eine unverhohlen machtpolitische Pointe: Der Priester, der das Kṣatra durch das Brahman ›umgreiftʻ, wird zum Purohita, dem an die Spitze gestellten Hauspriester des Königs.]

sa vā eṣa mahātrikakub bhavati. trayo ha vā eṣāṃ lokānāṃ kakubhaḥ. agnir vā asya lokasya kakub, vāyur antarikṣasyādityo divaḥ. kakubhām eko bhavati, ya evaṃ veda. viśvajit sarvapṛṣṭhātirātro bhavati. śrīr vai varṣma pṛṣṭhāni. śriyam eva tad varṣma pṛṣṭhāny abhyārohati. ojo vai vīryaṃ pṛṣṭhāni. ojasaiva tad vīryeṇāntataḥ purodhāṃ parigṛhṇīte. nānāgniṣṭomasāmāni bhavanty anyo ’nyasyānanuyānāya. śaṃ no devīr abhīṣṭaye, taṃ gūrdhayā svarṇaram iti yajñāyajñīyaṃ ca sākamaśvaṃ ca. agne vājasya gomato, viśoviśo vo ’tithim iti śrudhīyaṃ ca viśoviśīyaṃ ca. ā te agna idhīmahi, mūrdhānaṃ divo aratiṃ pṛthivyā iti saṃjayaṃ ca dairghaśravasaṃ ca. agniṃ naro dīdhitibhir araṇyos, tvam agne gṛhapatir iti bṛhac cāgneyaṃ samantaṃ ca. samiddham agniṃ samidhā girā gṛṇa, ā no yajñaṃ divispṛśam iti rājovājīyaṃ ca bṛhac ca

Dies nun ist der Große Trikakup. Drei sind fürwahr die Gipfel (kakubh) dieser Welten: Agni ist der Gipfel dieser Welt, Vāyu der der Mittelwelt, Āditya der des Himmels. Eins mit den Gipfeln wird, wer solches weiß. Es gibt ein Viśvajit-All-Pṛṣṭha-Übernachtopfer. Herrlichkeit ist ja die Höhe; die Pṛṣṭha-Gesänge sind diese Höhe. Eben zu dieser Höhe, der Herrlichkeit, steigt er mittels der Pṛṣṭha-Gesänge empor. Kraft und Stärke sind ja ebenso die Pṛṣṭha-Gesänge; eben durch diese Kraft, mit Stärke, ergreift er schließlich die Stellung des Purohita. Es gibt verschiedene Agniṣṭoma-Sāmans, damit nicht eines bloß dem anderen nachfolge und es nachahme: »śaṃ no devīr abhīṣṭaye« und »taṃ gūrdhayā svarṇaram« – das Yajñāyajñīya und das Sākamaśva; »agne vājasya gomataḥ« und »viśo-viśo vo ’tithim« – das Śrudhīya und das Viśoviśīya; »ā te agna idhīmahi« und »mūrdhānaṃ divo aratiṃ pṛthivyāḥ« – das Saṃjaya und das Dairghaśravasa; »agniṃ naro dīdhitibhir araṇyoḥ« und »tvam agne gṛhapatiḥ« – das Bṛhat und das Āgneyasamanta; »samiddham agniṃ samidhā girā gṛṇa« und »ā no yajñaṃ divispṛśam« – das Rājovājīya und wiederum das Bṛhat.

[Anm.: ›Gipfelʻ (kakubh) liefert die Etymologie des Namens ›Trikakupʻ (›Dreigipfligʻ) und entspricht sachlich genau der in 2.318 mit anderem Terminus (viṣuvant, ›Wendepunktʻ) eingeführten Dreiweltenkorrespondenz Agni/Vāyu/Āditya. Der abschließende Katalog reiht sechs, bzw. fünf verschiedene (da ›Bṛhatʻ zweimal erscheint), Sāman-Melodien anhand ihrer Anfangsverse auf – meist Agni-Hymnen im Stil des Ṛgveda –, um den zuvor formulierten Grundsatz zu illustrieren, dass die Agniṣṭoma-Sāmans eines mehrtägigen Opfers einander nicht bloß wiederholen dürfen. Die genaue metrische und stellenmäßige Identifikation der einzelnen Verse im überlieferten Ṛgveda-Corpus bleibt hier offen; die Sāman-Eigennamen werden unübersetzt als Fachbegriffe belassen.]

tena haitena jabālam āruṇir yājayāṃcakāra. saha trayāṇāṃ nigṛdhnānāṃ purodhāṃ jagāma - kāśyasya kausalyasyaikṣvākasyeti. tasya ha śrīr āsa kalyāṇī. tasya ha sma tac chriyaṃ dṛṣṭvā śvetaketuḥ pitrā vadate - palita yajñakāma anyān eva śriyā yaśasā samañjaś carasi, nātmānam iti. neti ha smāha. mā mā putraka vocaḥ. yajñakratur eva me vijñāta āsa. taṃ pāpaka iva brahmabandhuke vyajijñāse. sa kila tathaivāsa yathā ma enam anūcuḥ. tato vā atitarām iva. sa vā eṣa yajño mṛtyor eva nikṛtiḥ. devā vai mṛtyor abibhayur ye svarge loke. tasmāt te prajāpatim evopadhāvan. tebhya etaṃ daśarātraṃ yajñaṃ vyadadhāt. tam āharan. tenāyajanta

Mit diesem Ritus hat Āruṇi für Jabāla als Priester geopfert. Er erlangte die Purohita-Würde dreier wetteifernder Könige zugleich – die des Kāśya, des Kausalya und des Aikṣvāka. Seine Herrlichkeit war vortrefflich. Als Śvetaketu diese seine Herrlichkeit gesehen hatte, sprach er zu seinem Vater: »Du Grauhaariger, nach dem Opfer Verlangender, du gehst umher und schmückst nur andere mit Herrlichkeit und Ruhm, nicht aber dich selbst!« »Nein«, sagte jener darauf. »Sprich so nicht zu mir, mein Söhnchen. Nur das Opferverfahren war mir bekannt. Dies hast du erforscht, als wäre ich ein erbärmlicher Nur-dem-Namen-nach-Brahmane. Er war wahrhaftig genau so, wie man ihn mir beschrieben hatte.« Daraufhin wurde er gleichsam noch entschiedener. Dieses Opfer nämlich ist eine Überlistung des Todes selbst. Die Götter, die sich in der Himmelswelt befanden, fürchteten sich vor dem Tod. Daher wandten sie sich an Prajāpati. Ihnen teilte er dieses Zehnnächtige Opfer zu. Sie nahmen es auf. Mit ihm opferten sie.

[Anm.: Āruṇi ist hier, wie die anschließende Erwähnung seines Sohnes Śvetaketu zweifelsfrei zeigt, Uddālaka Āruṇi, der aus der Chāndogya- und der Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad bekannte große Lehrer und Vater Śvetaketus. Diese sonst nicht bezeugte Episode zeigt eine andere Facette ihrer Beziehung als die berühmte Lehrszene der Chāndogya-Upaniṣad (VI, ›tat tvam asiʻ): Hier ist es der Sohn, der den Vater scharf herausfordert, weil dieser zwar Königen zu Ruhm verhilft, aber nicht sich selbst. Der Name ›Jabālaʻ könnte an die aus den Upaniṣaden bekannte Jābāla-Sippe (Satyakāma Jābāla) erinnern, doch lässt sich eine Identifikation nicht sichern. ›Nur-dem-Namen-nach-Brahmaneʻ gibt den vedischen Schimpfbegriff brahmabandhu/brahmabandhuka wieder, der einen Brahmanen bloß der Abstammung, nicht aber der Qualität nach bezeichnet. Die abschließenden Sätze über die Todesfurcht der Götter leiten unmittelbar zu der in 2.330–331 erzählten Verfolgungssage über.]

te trivṛtāstuvata. trivṛtā vai stuvata iti mṛtyuḥ pañcadaśam abhiparyetyātiṣṭhad idam ata eṣyantīti. taṃ pañcadaśe ’nvāgacchan. taṃ tata udarundhan. sa saptadaśam abhyudakrāmat. athetare pañcadaśena stutvā trivṛtaiva punar astuvata. trivṛtā vai stuvata iti mṛtyuḥ pañcadaśam evābhipratyādravad idam evāta eṣyantīti. athetare saptadaśam abhyatyakrāman. te saptadaśenāstuvata. saptadaśena vai stuvata iti mṛtyur ekaviṃśam abhiparyetyātiṣṭhad idam ata eṣyantīti. tam ekaviṃśe ’nvāgacchan. taṃ tata udarundhan. sa triṇavam abhyudakrāmat. athetara ekaviṃśena stutvā saptadaśenaiva punar astuvata. saptadaśena vai stuvata iti mṛtyur ekaviṃśam evābhipratyādravad idam evāta eṣyantīti. athetare triṇavam abhyatyakrāman. te triṇavenāstuvata. triṇavena vai stuvata iti mṛtyus trayastriṃśam abhiparyetyātiṣṭhad idam ata eṣyantīti. taṃ trayastriṃśe ’nvāgacchan. taṃ tata udarundhan. sa chandomān abhyudakrāmat. athetare trayastriṃśena stutvā triṇavenaiva punar astuvata. triṇavena vai stuvata iti mṛtyus trayastriṃśam evābhipratyādravad idam evāta eṣyantīti

Sie priesen mit dem Trivṛt. »Sie preisen mit dem Trivṛt« – so denkend umkreiste der Tod den Pañcadaśa und blieb dort stehen: »Von hier aus werden sie hierher gelangen.« Sie kamen bei dem Pañcadaśa auf ihn. Sie hielten ihn von dort zurück. Er schritt daraufhin zum Saptadaśa hinauf. Da priesen die anderen, nachdem sie mit dem Pañcadaśa gepriesen hatten, wiederum nur mit dem Trivṛt. »Sie preisen mit dem Trivṛt« – so denkend lief der Tod wieder zum Pañcadaśa zurück: »Von hier aus werden sie eben wieder hierher gelangen.« Da schritten die anderen stattdessen hinüber zum Saptadaśa. Sie priesen mit dem Saptadaśa. »Sie preisen mit dem Saptadaśa« – so denkend umkreiste der Tod den Ekaviṃśa und blieb dort stehen: »Von hier aus werden sie hierher gelangen.« Sie kamen bei dem Ekaviṃśa auf ihn. Sie hielten ihn von dort zurück. Er schritt daraufhin zum Triṇava hinauf. Da priesen die anderen, nachdem sie mit dem Ekaviṃśa gepriesen hatten, wiederum nur mit dem Saptadaśa. »Sie preisen mit dem Saptadaśa« – so denkend lief der Tod wieder zum Ekaviṃśa zurück: »Von hier aus werden sie eben wieder hierher gelangen.« Da schritten die anderen hinüber zum Triṇava. Sie priesen mit dem Triṇava. »Sie preisen mit dem Triṇava« – so denkend umkreiste der Tod den Trayastriṃśa und blieb dort stehen: »Von hier aus werden sie hierher gelangen.« Sie kamen bei dem Trayastriṃśa auf ihn. Sie hielten ihn von dort zurück. Er schritt daraufhin zu den Chandoma-Versen hinauf. Da priesen die anderen, nachdem sie mit dem Trayastriṃśa gepriesen hatten, wiederum nur mit dem Triṇava. »Sie preisen mit dem Triṇava« – so denkend lief der Tod wieder zum Trayastriṃśa zurück: »Von hier aus werden sie eben wieder hierher gelangen.«

[Anm.: Diese dreifach wiederholte Verfolgungserzählung durchläuft in fester List-Struktur die sechs kanonischen Stoma-Zahlen (3-15-17-21-27-33, dieselben wie in 2.325 und 2.327): Der Tod eilt jeweils der erwarteten nächsthöheren Stufe voraus, um die Opfernden dort abzufangen; diese aber weichen scheinbar auf die vorige, niedrigere Stufe zurück, verleiten den Tod so zur Rückkehr an die falsche Stelle, und springen dann tatsächlich zur nächsthöheren Stufe, während der Tod am falschen Ort wartet. Diese Kombination aus Täuschungsmanöver und Zahlen-Eskalation illustriert wörtlich die in 2.329 vorweggenommene Deutung des Opfers als ›Überlistung des Todesʻ. Die Chandoma-Verse markieren die Stufe oberhalb des höchsten kanonischen Stoma (Trayastriṃśa) und leiten zur Auflösung in 2.331 über.]

athetare viśvajitam eva sarvapṛṣṭhaṃ pitaraṃ prajāpatiṃ prāpadyanta. tato vai te nikṛtya mṛtyum amṛtā abhavan. nikṛtya haiva mṛtyum amṛto bhavati, ya evaṃ veda. athaite ’gniṣṭomā eva daśāhāni bhavanti. etebhyo ha vai sāmabhyaḥ prajāpatis somapīthaṃ pradadau. tāni vā etāni prattasomapīthāny apahatapāpmāni sāmāni. apahatya pāpmānaṃ śreyān bhavati, ya evaṃ veda. etāny u ha vai sāmāni kāmānāṃ pūrṇāni. yathā dṛtisv āsikta syād dadhno vā ghṛtasya vā madhuno vaivam etāni sāmāni kāmānāṃ pūrṇāni. etāny u ha sma vai tat kuṃsthaḥ kālāśabhir upagāyati -- aruṇān sadam ukṣann aśvān kāṣṭhāto yathā. pūrṇān parisrutaḥ kumbhāñ janamejayasādana. iti. yaṃ ha vā etais sāmabhiḥ kāmaṃ kāmayate tam evāvarunddhe. athaitāni dvādaśāhasya daśāhāni bhavanti. etāny u ha vai vīryavanty ahāni yāni dvādaśāhasya. tad yāni vīryavanty ahāni tair na stutam asad iti. tāny u nānā stomā vahanti. eṣā ha vā ahnāṃ samṛddhir yad enāni nānā stomā vahanti. sā yaivāhnāṃ samṛddhis saivaiṣā kriyate

Da gelangten die anderen zum Viśvajit-All-Pṛṣṭha selbst, zum Vater Prajāpati. Daraufhin wurden sie, nachdem sie den Tod überlistet hatten, unsterblich. Unsterblich wird, wer solches weiß, nachdem er den Tod eben überlistet hat. Nun, diese Tage sind einfach Agniṣṭoma-Tage, welche die zehn Tage bilden. Diesen Sāmans hat Prajāpati das Somatrinken verliehen. Dies sind also jene Sāmans, denen das Somatrinken verliehen wurde und die vom Übel befreit (apahatapāpman) sind. Vom Übel befreit, wird man vorzüglicher, wer solches weiß. Diese Sāmans sind fürwahr voll von Wünschen. Wie wenn man Lederschläuche mit Dickmilch, mit Schmalz oder mit Honig gefüllt hätte, ebenso sind diese Sāmans voll von Wünschen. Diese eben besang einst Kuṃstha mit den Kālāśa-Versen dazu: »Wie man stets rötliche Rosse tränkt, vom Pfosten her, so stehen hier volle Krüge süßen Trankes, o Sitz des Janamejaya.« Wer immer mit diesen Sāmans einen Wunsch begehrt, den sichert er sich eben dadurch. Nun, diese sind die zehn Tage des Zwölftagesopfers. Diese sind ja die kraftvollen Tage, welche dem Zwölftagesopfer angehören. Was die kraftvollen Tage angeht – es gilt der Grundsatz: »Durch sie soll nicht bloß wiederholend gepriesen werden.« Diese tragen also verschiedene Stomen. Dies eben ist das Gedeihen der Tage, dass verschiedene Stomen sie tragen. Eben dieses Gedeihen der Tage wird hierdurch bewirkt.

[Anm.: ›Vom Übel befreitʻ (apahatapāpman) ist dieselbe seltene Wendung, die in 2.301 den sieben Gesichtsatemkräften zugeschrieben wurde und später in den Upaniṣaden zum festen Brahman/Ātman-Epitheton wird. Der Name ›Kuṃsthaʻ und die ›Kālāśa-Verseʻ sind sonst nicht sicher zu identifizieren; ebenso bleibt der Bezug des zitierten Verses auf einen ›Janamejayaʻ unsicher – eine Gleichsetzung mit dem gleichnamigen König aus dem Mahābhārata-Umfeld lässt sich aus dieser knappen Erwähnung nicht sichern. Der Schlussabschnitt kehrt zu dem in 2.328 eingeführten Grundsatz zurück, dass Vielfalt der Stomen und Sāmans selbst das ›Gedeihenʻ der Opfertage ausmacht – eine explizite Rahmung, die 2.328 und 2.331 zusammenschließt.]

athaiṣa kusurvindadaśarātraḥ. tasya trayas trivṛto ’gniṣṭomās trayaḥ pañcadaśā ukthyās trayas saptadaśā ukthyā jyotir atirātro, yaḥ kāmayeta tejasvī brahmavarcasy ojasvī vīryāvān annādaḥ pratitiṣṭheyam iti, sa etena yajeta. tejo vai brahmavarcasaṃ trivṛt stoma, ojo vīryaṃ pañcadaśo, ’nnaṃ saptadaśaḥ, pratiṣṭhā jyotir atirātra, ṛdhnoti hainenaitān kāmān ya etasmin kāmāḥ. ato jyotiṣṭome ’tirātre śrutas taṃ kāmam ṛdhnavāni yo daśarātra iti. etaṃ ha sma vai tat prasṛptau brāhmaṇau samūdāte - kaṃ nu somya yajñakratuṃ prasṛptau sva iti. tayor hānyatara uvāca - yadi nvā idam evāpy aha śvo bhavitāgniṣṭomā eva tarhi daśo eva tvayi nūnam ahāny āsiṣyāvahā iti. taṃ haitaṃ tāv agniṣṭomam eva menāte ya hy evāmī agniṣṭomasya stomās ta evaite. athaiṣo ’bhrir ubhayataḥkṣṇūḥ --

Nun, dies ist das Kusurvinda-Zehnnächtige. Sein Aufbau: drei Trivṛt-Agniṣṭomas, drei Pañcadaśa-Ukthyas, drei Saptadaśa-Ukthyas, und ein Licht-Übernachtopfer. Wer begehrt: »Möge ich glanzvoll, brahmanenglanzreich, kraftvoll, stärkereich, ein Esser von Speise, fest gegründet sein«, der opfere mit diesem. Glanz und Brahmanenglanz sind ja das Trivṛt-Stoma; Kraft und Stärke der Pañcadaśa; Speise der Saptadaśa; Standfestigkeit das Licht-Übernachtopfer. Er erlangt mittels dieses eben diese Wünsche, wer diese Wünsche hegt. Daher gilt: »Im Licht-Übernachtopfer allein bekanntgeworden, möge ich jenen Wunsch erfüllen, der eigentlich dem Zehnnächtigen zukommt.« Dazu pflegten einst zwei Brahmanen auf Wanderschaft miteinander zu beraten: »Welches Opferverfahren nun, lieber Freund, wollen wir auf unserer Wanderschaft für uns vollziehen?« Da sprach der eine von beiden: »Wenn nun auch dieses – ob wohl ein Morgen sein wird – ungewiss ist, so wollen wir doch gewiss, auf dich gestützt, zehn bloße Agniṣṭoma-Tage miteinander verbringen.« Diese beiden betrachteten das dann eben als ein bloßes Agniṣṭoma, da ja eben diese Stomen nichts anderes sind als die Stomen des Agniṣṭoma selbst. Nun, dies ist der Abhri, der auf beiden Seiten Geschärfte –

[Anm.: Die kleine Rahmenerzählung zweier wandernder Brahmanen, die angesichts der Ungewissheit des Lebens auf die aufwendigeren Namensvarianten verzichten und sich auf den einfachen, zehnfach wiederholten Agniṣṭoma beschränken, bringt einen pragmatisch-reduktionistischen Gedanken zum Ausdruck: Alle kunstvoll benannten Zehnnächtigen-Varianten seien im Kern nichts als Agniṣṭoma-Stomen. ›Somyaʻ als Anrede (wörtlich ›zum Soma gehörigʻ) wird hier konventionell mit ›lieber Freundʻ wiedergegeben. Der letzte Satz bricht mitten im neuen Thema ab (Abhri, wörtlich ›Grabscharreʻ, hier offenbar Name eines weiteren Ritus); die Fortsetzung folgt in 2.333.]

--tasya trivṛd agniṣṭomaḥ purastād bhavati, trivṛd agniṣṭoma upariṣṭād, aṣṭāv ukthyāḥ saptadaśā madhye. annādyakāmo haitena yajeta. agnir vai pūrvas trivṛd, āditya uttaraḥ. agnir vā asya lokasyābhrir, ādityo ’muṣya. athaitad annam eva yajeta. aṣṭāv ukthyās saptadaśā madhye. ayam evāsmā agnir ita etad annādyaṃ radty ādityo ’muto vṛṣṭiṃ prayacchati. tā asmā etad ubhayato ’nnādaṃ radato ’nnādo ha bhavati, ya evaṃ veda. atho āhuḥ - paśukāma evainena yajeteti. tasyāgniṣṭomāva abhito bhavata, ukthyā madhye. brahma vā agniṣṭomaḥ, paśava ukthāni. brahmaṇaiva tad ubhayataḥ paśūn parigṛhṇīte ’parāvāpāya. nāsya vittaṃ paropyate, ya evaṃ veda. atha yasyaitasyordhvaṣ ṣaḍaha, ūrdhvas tryaho, jyotir atirātra, svargakāmo haitena yajeta. ūrdhvā ete stomā bhavanty - ūrdhvo vai svargo loka, svargasyaiva lokasya samaṣṭyai. atha yasyaitasya jyotir gaur āyur atirātro jyotir gaur āyur atirātro jyotir atirātro, yaḥ kāmayeta jyotiṣmato lokān jayeyam iti, sa etena yajeta. catvāry u ha vai devānām āviṣṭamānāv atijyotīṃṣy - agniḥ pṛthivyām, ādityo divi, candramā nakṣatreṣu, vidyud apsu. etān eva jyotiṣmato lokān jayati ya evaṃ vidvān etena yajñakratunā yajate, ya u cainam evaṃ veda, ya u cainam evaṃ veda

– Sein Aufbau: ein Trivṛt-Agniṣṭoma vorn, ein Trivṛt-Agniṣṭoma am Ende, acht Saptadaśa-Ukthyas in der Mitte. Nach Speise Verlangender opfere mit diesem. Agni ist ja der vordere Trivṛt, Āditya der hintere. Agni ist ja der Abhri, die Grabschar, dieser Welt, Āditya der jener Welt. Nun, eben um diese Speise sollte er opfern. Acht Saptadaśa-Ukthyas in der Mitte. Eben dieser Agni hier gräbt ihm von hier diese Speise und Nahrung aus, Āditya von dort spendet den Regen. Da diese beiden ihm so auf beiden Seiten die Speise ausgraben, wird er zum Esser der Speise, wer solches weiß. Ferner sagt man: Nach Vieh Verlangender solle eben mit diesem opfern. Dessen Agniṣṭomas stehen auf beiden Seiten, die Ukthyas in der Mitte. Das Agniṣṭoma ist ja das Brahman, die Ukthyas sind das Vieh. Eben durch das Brahman umschließt er so das Vieh auf beiden Seiten, damit es nicht fortgetragen werde. Sein Besitz wird nicht fortgetragen, wer solches weiß. Wessen Sechstagesopfer nun aufwärts gerichtet ist, dessen Dreitagesopfer ebenfalls aufwärts, mit einem Licht-Übernachtopfer – nach der Himmelswelt Verlangender opfere mit diesem. Aufwärts gerichtet sind diese Stomen – denn aufwärts gerichtet ist ja die Himmelswelt – zur vollständigen Erlangung eben der Himmelswelt. Wessen Zehntagesopfer nun aus Licht, Rind, Leben, Übernachtopfer, Licht, Rind, Leben, Übernachtopfer, Licht, Übernachtopfer besteht, der opfere mit diesem, wer begehrt: »Möge ich die lichthaltigen Welten erobern.« Vier nämlich sind die höchsten Lichter (atijyotis), in die die Götter eingegangen sind: Agni in der Erde, Āditya im Himmel, der Mond unter den Sternbildern, der Blitz in den Gewässern. Eben diese lichthaltigen Welten erobert, wer, dies wissend, mit diesem Opferverfahren opfert – und auch wer dies so weiß, und auch wer dies so weiß.

[Anm.: Der ›Abhriʻ (wörtlich ›Grabschar, Spatenʻ) aus dem Ende von 2.332 wird hier als Doppelbild gedeutet: Agni ›gräbtʻ die Speise dieser Welt aus, Āditya spendet als Gegenstück den Regen der jenseitigen Welt – daher die ›beidseitig geschärfteʻ Grabschar. Der Abschnitt über Vieh und Brahman/Ukthya-Rahmung wiederholt wörtlich die Formel aus 2.321/2.328; der Abschnitt über das aufwärts gerichtete Sechs- und Dreitagesopfer wiederholt wörtlich die dritte Variante aus 2.320. Die abschließende Vierheit der ›höchsten Lichterʻ (Agni/Erde, Āditya/Himmel, Mond/Sternbilder, Blitz/Gewässer) ist eine eigenständige, an anderer Stelle nicht in dieser Form belegte kosmologische Korrespondenz. Die dreifache Schlussformel (›und auch wer dies so weißʻ, zweimal wiederholt) ist im Sanskrit-Text so überliefert.]

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