Kapitel 21
Saramās Treue: der Schluss des Vala-Mythos und das Ende des Kāṇḍa
Eine letzte Reihe technischer Entsprechungstabellen ordnet Hiṃkāra, Prastāva, Udgītha, Pratihāra und Nidhana den fünf großen Sāmans, den fünf Puruṣa-Gliedern und den fünf kosmischen Lichtern zu, während die Stotriya-Zahlen des Agniṣṭoma anatomisch als Überschuss des Mannes und Manko der Frau gedeutet werden – ein zusätzlicher Ṣoḍaśin-Stoma, so die eigentümlich konkrete Warnung, würde Hämorrhoiden oder einen Bruch verursachen. Der Mythos von Kuh (Himmel) und Āyus (Erde) als Elternpaar des Lichts Jyotis (Mittelraum) erklärt, warum diese drei Stomas als 'gepaart' gelten. Den Schluss des gesamten Kāṇḍa bildet die vollständige Erzählung vom Vala-Mythos: Der bestechliche Vogel Suparṇa verrät die von den Paṇis geraubten Kühe nicht, bis Indra ihn würgt, während die unbestechliche Hündin Saramā, von der Rasā zunächst mit Verbrennung bedroht, beharrlich zur Furt überredet und schließlich, ohne von der Bestechung zu essen, die Rinder findet – Ursprung der tigertötenden Sārameya-Hunde bei den Vidarbhas. Die abschließende Doppel-Etymologie von Abhiplava ('überwältigen') und Āyus ('forttreiben') erklärt rückwirkend den Namen des seit 2.1 zentralen Ritenblocks und beschließt mit Abschnitt 2.442 die 442 Abschnitte des zweiten Kāṇḍa.
Nun, dieser Prāyaṇīya-Atirātra ist Vaiśvānara-bezogen. Seine Anordnung ist aufwärtsgerichtet, himmelwärts. Sein Pṛṣṭha-Gesang ist das Rathantara, das Vāmadevya ist das Sāman des Maitrāvaruṇa, der Bṛhat ist bei der Ārbhava-Pavamāna-Libation. Diese Welt hier nämlich ist das Rathantara, der Mittelraum das Vāmadevya, jene Welt dort eben ist der Bṛhat. Dies eben ist die aufwärtsgerichtete, himmelwärtige Anordnung. Durch eben diese Anordnung steigen sie aufwärts zur Himmelswelt empor. Und dieses ihr Sāman-Gefüge, vollständig und verbunden, trägt eben das Opfer.
[Anm.: Kompakter Abschluss des Prāyaṇīya-Atirātra-Komplexes: eine dreistufige vertikale Zuordnung Erde-Mittelraum-Himmel zu Rathantara-Vāmadevya-Bṛhat, die die in 2.415 nur als ›Flügel-Paarʻ behandelten Bṛhat und Rathantara nun eindeutig den drei Welten zuordnet (Rathantara=diese Welt, Bṛhat=jene Himmelswelt), mit dem Vāmadevya als vermittelndem Mittelraum-Glied.]
tasya gāyatram eva hiṃkāro, rathantaraṃ prastāvo, vāmadevyam udgītho, bṛhat pratihāro, yajñāyajñīyaṃ nidhanam. ekaikam u ha vā eteṣāṃ svargasya lokasyeśe. aśnute svargaṃ lokaṃ ya evaṃ veda. atho haitad evārkyam, etan mahāvratam. tasya gāyatram eva śiro, bṛhadrathantare pakṣau, vāmadevyam ātmā, yajñāyajñīyaṃ puccham. sa yāvad arkyavatā mahāvratavatāvarunddhe tāvad avarunddhe ya evaṃ veda. atho haiṣāyuṣyaiva klṛptiḥ. āyur vai gāyatraṃ, viśvāyū rathantaraṃ, samāyur vāmadevyaṃ, sarvāyur bṛhad, atyāyur yajñāyajñīyam. āyuṣmanto ha bhavanty enayā tuṣṭuvānāḥ. atho haiṣām etāny eva pañca jyotīṃṣīddhāny eṣu lokeṣu dīpyante - ’gniḥ pṛthivyāṃ, vāyur antarikṣa, ādityo divi, candramā nakṣatreṣu, vidyud apsu. agnir eva rathantarasya, vāyur vāmadevyasya, ādityo bṛhataś, candramā gāyatrasya, vidyud yajñāyajñīyasya. āpo hi yajñāyajñīyam. etāny eva pañca jyotīṃṣīddhāny eṣu lokeṣu dīpyante
Sein Hiṃkāra eben ist das Gāyatra, sein Prastāva das Rathantara, sein Udgītha das Vāmadevya, sein Pratihāra der Bṛhat, sein Nidhana das Yajñāyajñīya. Jedes einzelne von diesen eben gebietet über die Himmelswelt. Wer dies weiß, erlangt die Himmelswelt. Und dies eben ist das Ārkya, dies ist das Mahāvrata.
Sein Haupt eben ist das Gāyatra, seine beiden Flügel sind Bṛhat und Rathantara, sein Selbst ist das Vāmadevya, sein Schwanz das Yajñāyajñīya. So viel man durch das Ārkya-und-Mahāvrata-besitzende sichert, so viel sichert sich, wer dies weiß.
Und dies eben ist eine auf die Lebenszeit bezogene Anordnung. Die Gāyatra ist Lebenszeit, das Rathantara All-Lebenszeit, das Vāmadevya Volle Lebenszeit, der Bṛhat Ganze Lebenszeit, das Yajñāyajñīya Über-Lebenszeit. Langlebig werden diejenigen, die damit gepriesen haben.
Und eben diese ihre fünf Lichter, entzündet, leuchten in diesen Welten: Agni in der Erde, Vāyu im Mittelraum, Āditya im Himmel, der Mond unter den Sternbildern, der Blitz in den Gewässern. Agni gehört eben zum Rathantara, Vāyu zum Vāmadevya, Āditya zum Bṛhat, der Mond zum Gāyatra, der Blitz zum Yajñāyajñīya; denn die Gewässer sind das Yajñāyajñīya. Eben diese fünf Lichter, entzündet, leuchten in diesen Welten.
[Anm.: Mehrschichtige Fünfer-Korrespondenztabelle: die fünf Stotra-Teile (Hiṃkāra-Prastāva-Udgītha-Pratihāra-Nidhana) werden den fünf Sāmans Gāyatra-Rathantara-Vāmadevya-Bṛhat-Yajñāyajñīya zugeordnet, dieselben fünf Sāmans dann exakt wie in 2.415 den fünf Puruṣa-Körperteilen (Haupt-Flügel-Selbst-Schwanz), dazu einer aufsteigenden Lebenszeit-Skala (Lebenszeit-All-Lebenszeit-Volle-Lebenszeit-Ganze-Lebenszeit-Über-Lebenszeit) und schließlich den fünf kosmischen Lichtern (Agni-Vāyu-Āditya-Mond-Blitz) in ihren fünf Bereichen (Erde-Mittelraum-Himmel-Sternbilder-Gewässer). Die Bezeichnung ›Ārkyaʻ (auf den Ṛc bzw. die Preisung bezogen) verknüpft dies ausdrücklich mit dem Mahāvrata.]
tasya vā etasyāgniṣṭomasya sokthakasya dve trayaḥ pañcāśe śate stotriyā bhavanti. atha rātres saha rāthantareṇa sandhinaikānnanavatiśataṃ stotriyā bhavanti. trīṇi tāni puṃso ’tiriktāni yais sa prajanayati, dve te striyā ūne yatas sā prajāyate. puṃso vā etad rūpaṃ yad aha, striyai rātriḥ. tad idaṃ puṃso ’tiriktam amuṣmin rātryā ūne dadhāti mithunatvāya prajanananāya. pra mithunena jāyate ya evaṃ veda. atha ye dve stotrye ’tiricyete āṇḍāv eva tāv atiricyete. te bṛhdrathantare yukte yajñaṃ vahataḥ. sa yatra ṣoḍaśinaṃ kuryur arśo vaiṣāṃ jāyeta vardhma vā. yad dhy eteṣu triṣu puṃso ’tirikteṣūpa caturthaṃ jāyeta, arśo vāsyājani vardhma veti vā brūyuḥ. evam eva yat striyai jāyeta. sa yo ’tra ṣoḍaśinaṃ kurvāṇān brūyād arśo vaiṣāṃ janiṣyate vardhma veti tathā haiva syuḥ. tasmād atra ṣoḍaśī na kāryaḥ
Von diesem Agniṣṭoma mit seinen Ukthas gibt es zweihundertdreiundfünfzig Stotriyā-Verse. Zusammen mit dem nächtlichen Rathantara-Anschluss aber sind es hundertneunundachtzig Stotriyā-Verse. Drei davon sind der Überschuss des Mannes, durch die er zeugt; zwei sind das Manko der Frau, aus dem heraus sie gebiert. Denn dies ist die Gestalt des Mannes: der Tag; die der Frau: die Nacht. Diesen Überschuss des Mannes legt er in jenes Manko der Nacht, zur Paarung und Zeugung. Wer dies weiß, geht durch die Paarung hervor.
Die zwei Stotriyā-Verse aber, die übrig bleiben – eben diese zwei übrig bleibenden sind die beiden Hoden. Diese tragen, wenn Bṛhat und Rathantara zusammengespannt sind, das Opfer. Würde man hier einen Ṣoḍaśin einfügen, so könnten ihnen Hämorrhoiden entstehen oder ein Bruch. Denn wenn zu diesen drei Überschuss-Einheiten des Mannes noch eine vierte hinzukäme, würde man sagen: »Ihm ist eine Hämorrhoide entstanden, oder ein Bruch.« Ebenso wäre es, wenn es der Frau entstünde. Wer zu denen, die hier einen Ṣoḍaśin einfügen, sagen würde: »Ihnen wird eine Hämorrhoide entstehen, oder ein Bruch« – so würde es sich auch verhalten. Daher darf hier kein Ṣoḍaśin eingefügt werden.
[Anm.: Bemerkenswerte anatomisch-numerologische Deutung der Stotriyā-Zahlen (253 bzw. 189, deren genaue rechnerische Herleitung aus ›drei Männer-Überschuss-ʻ und ›zwei Frauen-Mankoʻ-Einheiten im Text nicht vollständig expliziert wird): die zwei überschüssigen Verse werden mit den Hoden identifiziert, und das Einfügen eines zusätzlichen Ṣoḍaśin wird als Störung dieses empfindlichen Zahlengleichgewichts gedeutet, die wörtlich Hämorrhoiden oder einen Bruch verursachen soll – eine ungewöhnlich konkrete, fast medizinisch-abergläubische Warnung.]
sa vā eṣo ’tirātra ṛte ṣoḍaśina ekaviṃśatiṃ caikaviṃśān saṃpadyata ekāṃ ca stotryām. tato ya ekaviṃśatir ekaviṃśā āditya eva saḥ. ādityasya vā amuṣya lokasyaiśvaryam ādhipatyam. gacchaty amuṣya lokasyaiśvaryam ādhipatyaṃ ya evaṃ veda. sa yad atra ṣoḍaśinaṃ kuryur dvāviṃśatiś caikaviṃśās saṃpadyerann ekā ca stotryā. saṃpadaṃ lobhayet. sa u evaikānnapañcāśataṃ trivṛto ’bhisaṃpadyata ekāṃ ca stotryām. tato ya ekānnapañcāśataṃ trivṛto ’grir eva saḥ. agner vā asya lokasyaiśvaryaṃm ādhipatyam. gacchaty asya lokasyaiśvaryam ādhipatyaṃ ya evaṃ veda. sa yad atra ṣoḍaśinaṃ kuryur ekapañcāśac ca trivṛtas saṃpadyeraṃś catasraś ca stotryāḥ. saṃpadaṃ lobhayeyuḥ. naivetarāṃ saṃpadam upapadyata netarām. devatīrthaṃ vā etad yad eṣa vaiśvānaraḥ prāyaṇīyo ’tirātraḥ. tasminn eṣa sthāṇuḥ kriyate yat ṣoḍaśī. vairājo vai ṣoḍaśī, virāji virāji pratiṣṭhitaḥ. sa yatraivaitaṃ virājaṃ saṃpadyamānaṃ manyeta tad evaitena stotavyam
Dieser Atirātra, ohne den Ṣoḍaśin, beläuft sich auf einundzwanzig Ekaviṃśa-Einheiten und einen Stotriyā-Vers. Von diesen ist die Einundzwanzig, die Ekaviṃśa ist, eben Āditya. Ādityas nämlich ist die Herrenmacht, die Oberherrschaft über jene Welt. Wer dies weiß, gelangt zur Herrenmacht, zur Oberherrschaft über jene Welt.
Würde man hier einen Ṣoḍaśin einfügen, so beliefe es sich auf zweiundzwanzig Ekaviṃśa-Einheiten und einen Stotriyā-Vers. Das würde die Entsprechung verderben.
Er beläuft sich aber auch auf neunundvierzig Trivṛt-Einheiten und einen Stotriyā-Vers. Von diesen ist die Neunundvierzig, die Trivṛt ist, eben Agni. Agnis nämlich ist die Herrenmacht, die Oberherrschaft über diese Welt. Wer dies weiß, gelangt zur Herrenmacht, zur Oberherrschaft über diese Welt.
Würde man hier einen Ṣoḍaśin einfügen, so beliefen sich die Trivṛt-Einheiten auf einundfünfzig und die Stotriyā-Verse auf vier. Das würde die Entsprechung verderben. Es würde weder der einen noch der anderen Entsprechung gerecht.
Dieser Vaiśvānara-Prāyaṇīya-Atirātra nämlich ist eine göttliche Furt. In ihm dient die Ṣoḍaśī sonst als fester Pfosten. Die Ṣoḍaśī nämlich ist vairāja-bezogen, in der Virāj, in der Virāj ist sie verankert. Wo immer man diese Virāj als passend zustande kommend erachtet, eben dort ist mit dieser Ṣoḍaśī zu preisen.
[Anm.: Führt die Ṣoḍaśī-Warnung aus 2.434 numerologisch weiter: der reine Atirātra ergibt wahlweise 21 Ekaviṃśa-Einheiten (=Āditya, Herrschaft über die Himmelswelt) oder 49 Trivṛt-Einheiten (=Agni, Herrschaft über diese Welt); ein zusätzlicher Ṣoḍaśin verschiebt beide Zählungen (auf 22 bzw. 51+4) und passt dann zu keiner der beiden sauberen Entsprechungen mehr. Die Ṣoḍaśī wird nicht grundsätzlich verworfen, sondern lediglich als hier fehl am Platz erklärt; ihr eigentlicher, vairāja-bezogener Kontext liegt anderswo.]
athaitac caturviṃśam ārambhaṇīyam ahaḥ. tasyaiṣordhvā klṛpti svargyā. tasya rathantaraṃ mādhyandine bhavaty, atha dairghaśravasam, atha naudhasam. idaṃ vai rathantaram. antarikṣaṃ dairghaśravasam. vāmadaivyaṃ hy etan nidhānena. ada eva naudhasam. bṛhato hy eṣā tanūḥ. saiṣordhvā klṛpti svargyā. tayā haitayā klṛptyordhvā eva svargaṃ lokaṃ rohanti. tasya haitasyāhna eke rathantaram eva pṛṣṭhaṃ kurvanti, yathaivātirātrasya rathantaraṃ pṛṣṭhaṃ bhavati tathā. parāṅ vai svargo lokaḥ. parāñca etaṃ svargaṃ lokaṃ rohāma. pratyavarohas sa yad rathantaraṃ mādhyandine syāt. athaivam apratyavarūḍham iti vadantaḥ. tad u ha tat parāṅ ivānāyuṣyam iva. sa ya enāṃs tathā cakruṣo ’nuvyāhared iti veti vā bhaviṣyantīti, tathā haiva syuḥ. tasmād u bṛhad eva pṛṣṭhaṃ syān, mādhyandine rathantaram. tasyaiṣā tanūḥ. saiṣā samīcī klṛpti svargyā
Nun, dieser vierundzwanzigfache Ārambhaṇīya-Tag: Seine Anordnung ist aufwärtsgerichtet, himmelwärts. Sein Rathantara ist beim Mittagsopfer, dann das Dairghaśravasa, dann das Naudhasa. Diese Welt hier nämlich ist das Rathantara. Der Mittelraum ist das Dairghaśravasa; denn dieses ist durch sein Nidhana vāmadevya-bezogen. Jene Welt dort eben ist das Naudhasa; denn dies ist die Gestalt des Bṛhat. Dies eben ist die aufwärtsgerichtete, himmelwärtige Anordnung. Durch eben diese Anordnung steigen sie aufwärts zur Himmelswelt empor.
An diesem Tag machen manche das Rathantara selbst zum Pṛṣṭha, ebenso wie beim Atirātra das Rathantara der Pṛṣṭha ist. Die Himmelswelt aber liegt jenseits, abgewandt. »Abgewandt dorthin wollen wir zu dieser Himmelswelt aufsteigen«, so denkt man. Ein Abwärtssteigen wäre es, stünde das Rathantara beim Mittagsopfer als Pṛṣṭha. Doch jene sagen: »So ist es kein Herabgestiegenes«, und fahren fort. Dies aber ist gleichsam abgewandt, gleichsam lebensverkürzend. Wer über solche, die so verfahren, verkünden würde, es werde ihnen so und so ergehen – so würde es sich auch verhalten. Daher sollte eben der Bṛhat der Pṛṣṭha sein, das Rathantara beim Mittagsopfer bleiben. Dies ist seine rechte Gestalt. Dies ist die zutreffende Anordnung, himmelwärts.
[Anm.: Setzt das Muster aus 2.434–435 fort: eine abweichende Praxis (Rathantara statt Bṛhat als Pṛṣṭha des Ārambhaṇīya-Tages) wird als fehlgeleitet zurückgewiesen, da sie einem ›Abwärtssteigenʻ statt dem gebotenen Aufstieg zur abgewandt liegenden Himmelswelt entspräche, mit derselben Unheils-Ankündigungsformel wie zuvor. Die Sāman-Dreiheit Rathantara-Dairghaśravasa-Naudhasa für Erde-Mittelraum-Himmel ist neu; das Naudhasa erscheint hier nicht wie in 2.363/2.368/2.382–383 im Śyaita-Naudhasa-Paar, sondern als eigenständiges drittes Glied.]
tasya bṛhat pṛṣṭhaṃ bhavati, vāmadevyaṃ maitrāvaruṇasāma, śyaitaṃ brahmasāma. ado vai bṛhad, antarikṣaṃ vāmadevyam, idam eva śyaitam. rathantarasyaiṣā tanūḥ. saiṣā samīcī klṛpti svargyā. tayā haitayā klṛptyā samyañca eva svargaṃ lokaṃ rohanti. samyañco vai prāṇāpānavyānāḥ. ā ca parā ca saṃcaranty ayātayāmānaḥ. āyuṣmanto ha bhavanty enayā tuṣṭuvānāḥ. tasya dvayāni stotrāṇi bhavanti - caturviṃśāny ekāni ṣaṭtriśāny ekāni. tato yāni caturviṃśāni - caturviṃśatyardhamāso vai saṃvatsaro - ardhamāsaśa eva tais saṃvatsaram āpnuvanti. atha yāni ṣaṭtriṃśāni - ṣaṭtriśadakṣarā vai bṛhatī. bṛhatī svargo lokas sāmrājyaṃ - bṛhatyām eva tat svarge loke sāmrājye pratitiṣṭhanto yanti. atho haiṣām etenaiva ṣaṭtriṃśena stome parvaśas saṃvatsara ārabdho bhavati. dvādaśa vai saṃtsarasya paurṇamāsīr dvādaśāṣṭakā dvādaśāmāvāsyāḥ. tad evaitena ṣaḍtriṃśena stomena parvaśas saṃvatsaram ārabhante
Sein Pṛṣṭha ist der Bṛhat, das Vāmadevya ist das Sāman des Maitrāvaruṇa, das Śyaita das Brahma-Sāman. Jene Welt dort nämlich ist der Bṛhat, der Mittelraum das Vāmadevya, diese Welt hier eben ist das Śyaita. Dies ist die Gestalt des Rathantara. Dies ist die zutreffende Anordnung, himmelwärts. Durch eben diese Anordnung steigen sie im Gleichklang zur Himmelswelt empor. Im Gleichklang nämlich bewegen sich Einatem, Ausatem und Zwischenatem; hin und her bewegen sie sich, unverbraucht. Langlebig werden diejenigen, die damit gepriesen haben.
Von diesem gibt es zwei Arten von Stotras: manche vierundzwanzigfache, manche sechsunddreißigfache. Von diesen sind die vierundzwanzigfachen – denn das Jahr hat vierundzwanzig Halbmonate – jene, mit denen sie eben halbmonatsweise das Jahr erlangen. Die sechsunddreißigfachen aber – denn die Bṛhatī hat sechsunddreißig Silben; die Bṛhatī ist die Himmelswelt, das Alleinherrschertum – in eben dieser Bṛhatī, feststehend in dieser Himmelswelt, in diesem Alleinherrschertum, gehen sie. Und eben durch diesen sechsunddreißigfachen Stoma wird das Jahr Glied für Glied in Angriff genommen. Zwölf nämlich hat das Jahr an Vollmond-Tagen, zwölf an Aṣṭakā-Tagen, zwölf an Neumond-Tagen. Eben dadurch, durch diesen sechsunddreißigfachen Stoma, nehmen sie das Jahr Glied für Glied in Angriff.
[Anm.: Bestätigt die in 2.436 erreichte Lösung (Bṛhat als Pṛṣṭha) und liefert die dazugehörige, nun konsistent aufwärtsgerichtete Dreiweltenzuordnung Himmel-Mittelraum-Erde zu Bṛhat-Vāmadevya-Śyaita. Der Begriff ›ayātayāmānaḥʻ (unverbraucht, seine Wirkkraft nicht verloren habend) knüpft an 2.391 an. Die 36-Silben-Bṛhatī wird hier über 12 Vollmond- plus 12 Aṣṭakā- plus 12 Neumond-Tage des Jahres erklärt, eine weitere, von der Kosmologie in 2.379 (36 = 10+10+10+4+2) unabhängige Herleitung derselben Zahl.]
tasyaitau ślokāv - ayujo yuktāḥ pravahanty agre tato yugmanto anusaṃvahanti. ta ekachandobhis saṃvatsarā dvādaśa parisarpanti māsaḥ. dvādaśasya māsa uttame ’han ṣaṭtriṃśaṃ ha dadhrire vyāvṛt. ekaṃ tato yugmabhir vyayuñjatādhy anya āyan suvar anye parāyan. iti. tasya dvādaśa stotrāṇi bhavanti. tenāgniṣṭomaḥ. tāny u eva dvādaśa santi pañcadaśa caturviṃśāni stotrāṇi bhavanti. tenokthyaḥ. sa vā eṣo ’gniṣṭomas sann ukthya, ukthyas sann agniṣṭomaḥ. ubhau ha tau kāmāv upāpnoti yaś cāgniṣṭome yaśa cokthye ya evaṃ veda
Dazu gibt es diese beiden Śloka-Verse: »Die Ungepaarten, angespannt, fahren zuerst voran, dann fahren die Gepaarten hinterher.« Diese durchlaufen mit einem einzigen Versmaß die zwölf Monate des Jahres. Am letzten Tag des zwölften Monats hielten sie das Sechsunddreißigfache, das Auseinandergewendete, fest. »Dann wurde eines von den Gepaarten weggespannt; die einen gingen hinauf zum Sonnenlicht, die anderen gingen fort« – so heißt es.
Davon gibt es zwölf Stotras. Dadurch ist es ein Agniṣṭoma. Eben diese selben zwölf, erweitert, ergeben fünfzehn beziehungsweise vierundzwanzig Stotras. Dadurch ist es ein Ukthya. Dieser, ein Agniṣṭoma seiend, ist zugleich ein Ukthya; ein Ukthya seiend, ist er zugleich ein Agniṣṭoma. Beide Wünsche erlangt, wer dies weiß: den des Agniṣṭoma und den des Ukthya.
[Anm.: Die beiden zitierten Śloka-Verse, im Bild ungepaarter und gepaarter Zugtiere, die durchs Jahr fahren, bleiben in ihrer genauen grammatischen Struktur unsicher und werden hier sinngemäß wiedergegeben. Die Zahlenangabe zum Übergang von zwölf auf fünfzehn beziehungsweise vierundzwanzig Stotras (Agniṣṭoma- zu Ukthya-Struktur) ist im Sanskrit komprimiert und wird hier vorsichtig aufgelöst. Die Identität von Agniṣṭoma und Ukthya knüpft an das Doppelnutzen-Prinzip an, das seit den frühen Abschnitten des Kāṇḍa wiederkehrt.]
athaite jyotir gaur āyur iti stomā bhavanti. gaur āyu skandat. tato jyotir ajāyata. ayaṃ vai loka āyur, asau gaur, idam vāntarikṣaṃ jyotiḥ. tam etaṃ purastād akurvātāṃ yathā putram evam. ito vā ayam ūrdhvo loko ’rvāṅ asāv amutaḥ. tad idam enayoḥ purastāj jyotiḥ paryūḍham. tena paśyāmaḥ. tau yogam upaprayantāv antam abhi jyotir vyudauhatām. sa yathā pitarau putraṃ pūrvaṃ yantaṃ paścād anviyātāṃ tādṛk. tad etan mithunī stomā bhavanti yad yujyante. madhye vai jāyāpatyoḥ putraś śete. tau yathā mithunībhaviṣyantāv itthād vetthād vā putraṃ parihareyātāṃ tādṛg evaitat. ta eta ūnātiriktā mithunāḥ prajanaya stomāḥ
Nun gibt es diese Stomas: Jyotis, Gau (Kuh), Āyus. Die Kuh sprang auf Āyus auf. Daraus wurde Jyotis geboren. Diese Welt hier nämlich ist Āyus, jene ist die Kuh, dieser Mittelraum hier ist Jyotis. Diese beiden machten jenen zunächst vorn, wie einen Sohn. Diese Welt, die Kuh, nämlich liegt von hier aus aufwärts, jene, Āyus, von dort aus abwärts gewandt. So wird dieses Jyotis vor diesen beiden hergetragen. »Dadurch sehen wir«, so denkt man. Diese beiden, sich der Vereinigung nähernd, trugen das Jyotis auseinander, dem Rande zu – wie wenn Eltern einem vorausgehenden Sohn hinterher nachgingen, ebenso.
Deshalb sind diese Stomas gepaart, weil sie zusammengespannt werden. In der Mitte nämlich, zwischen Frau und Mann, liegt der Sohn. Wie zwei, die sich vereinigen wollen, den Sohn so oder so beiseiteschieben würden, ebenso ist eben dies. Diese, defizitär-und-überschüssig, sind die zeugungskräftigen, gepaarten Stomas.
[Anm.: Eine der anschaulichsten mythologischen Passagen des gesamten Kāṇḍa: Kuh (Himmel) und Āyus (Erde) werden als Ehepaar dargestellt, Jyotis (Mittelraum) als ihr Sohn, zunächst vorangetragen, dann, als die Eltern sich vereinigen, wie ein Kind beiseitegeschoben. Dies erklärt anschaulich, warum die Jyotis-Gau-Āyus-Stomas als gepaart gelten. Die Begriffe defizitär (ūna) und überschüssig (atirikta) knüpfen an das seit 2.324/2.363/2.375/2.397 etablierte Gau-Āyus-Stoma-Paar an. Dieser Abschnitt wird in 2.442 explizit wieder aufgegriffen, um eine strukturelle Umkehrung der beiden Jyotis-Tage zu erklären.]
atha ha vai paṇayo nāmāsurā devānāṃ gorakṣā āsuḥ. tābhir ahāpātasthuḥ. tā ha rasāyāṃ nirudhya valenāpidadhuḥ. te devā aliklavam ūcus suparṇemā no gā anviccheti. tatheti. sa hānuprapapāta. tā hānvājagāma rasāyām antar valenāpihitāḥ. tasmai hānvāgatāya sarpiḥ kṣīram āmikṣām dadhīty etad upanidadhuḥ. tasya ha suhita āsa. taṃ hocus suparṇaiṣa eva te balir bhaviṣyaty etad annaṃ mā naḥ pravoca iti. sa ha punar āpapāta. taṃ hocus suparṇāvido gā iti. kā kīrtiś cid gavām iti hovāca. eṣaiva kīrtir gavām iti tasya hendro galam utpīḷayann uvāca goṣv evāhaṃ kila tavoṣuṣo mukham iti. sa ha dadhidrapsaṃ vāmikṣāṃ vodāsa. so ’yaṃ babhūva yo ’yaṃ vasantā bhūmikapaṭhur jāyate. taṃ ha tac chaśāpāślīlaṃ jālma te jīvanaṃ bhūyād yo no gā anuvidya tā na prāvoca iti. tasya haitad grāmasya jaghanārdhe yat pāpiṣṭhaṃ taj jīvanam
Nun waren einst die Asuras namens Paṇis die Rinderhüter der Götter. Mit diesen Rindern entwichen sie. Diese verschlossen sie, in der Rasā eingesperrt, mit dem Vala. Die Götter sprachen zu Aliklava: »O Suparṇa, suche uns diese unsere Rinder!« – »So sei es«, sprach er. Er flog daraufhin ihnen nach. Er kam zu ihnen, innerhalb der Rasā, vom Vala verschlossen. Ihm, dem Angekommenen, setzten sie dies vor: Schmalz, Milch, Dickmilch, Joghurt. Er war damit wohl zufrieden. Sie sprachen zu ihm: »O Suparṇa, dies allein soll dein Tribut sein, diese Speise – verrate uns nur nicht!« Er flog daraufhin wieder zurück. Sie sprachen zu ihm: »O Suparṇa, hast du die Rinder gefunden?« Er sprach: »Was für einen Ruhm hätten denn Rinder?« – »Eben dies ist der Ruhm der Rinder!«, sprach Indra dazu und drückte ihm dabei die Kehle: »Bei den Rindern warst du doch – dein Mund verrät es!« Da erbrach er einen Tropfen Dickmilch oder Käseschlamm. Dies wurde zu dem, was im Frühling als Erdaufbrecher geboren wird. Diesen verfluchte man mit einem unflätigen Fluch: »Elender, dies sei fortan dein Unterhalt, der du unsere Rinder gefunden und uns nicht gemeldet hast!« Sein Unterhalt ist seitdem das Schlechteste im Hinterteil des Dorfes.
[Anm.: Beginn der Vala-Paṇi-Mythe, bekannt v.a. aus Ṛgveda-Hymnen wie RV 10.108: die Paṇis verstecken die geraubten Rinder der Götter in der Höhle Vala jenseits des Flusses Rasā. Der zunächst entsandte Vogel Suparṇa (wohlbeflügelt, hier zusätzlich Aliklava genannt) lässt sich von den Paṇis mit Milchprodukten bestechen, belügt die Götter, wird von Indra körperlich zum Geständnis gezwungen und mit einem degradierenden Dasein als Aasfresser verflucht; die beiläufige Ätiologie eines im Frühling erscheinenden Erdaufbrechers, vermutlich ein Pilz, aus dem erbrochenen Käseklumpen ist ein seltenes Beispiel für Naturkunde-Ätiologie im Text. Die Fortsetzung mit der treueren Botin Saramā folgt in 2.441.]
te saramām abruvan sarama imā nas tvaṃ gā anviccheti. tatheti sā hānuprasasāra. sā ha rasām ājagāma. eṣā ha vai sā rasā yaiṣārvāk samudrasya vāpāyatī. tāṃ hovāca ploṣye tvā gādhā me bhaviṣyasīti. plavasva meti hovāca na te gādhā bhaviṣyāmīti. sā hāvācy karṇau ploṣyamāṇā sasāra. sā hekṣāṃcakre kathaṃ nu mā śunī plaveta hantāsyai gādhāsānīti. tāṃ hovāca mā mā ploṣṭhā gādhā te bhaviṣyāmīti. tatheti. tasyai ha gādha āsa. sā ha gādhenātisasāra. tā hānvājagāma rasāyām antar valenāpihitāḥ. tasyai hānvāgatāyai tathaiva sarpiḥ kṣīram āmikṣāṃ dadhīty etad evopanidadhuḥ. sā hovāca nāham etāvad apriyā devānām. gā avidaṃ yad vo ’śnīyām. ta u vai devānāṃ steyaṃ kṛtvā carathaitāsāṃ vā ahaṃ gavāṃ padavīr asmi. na mā lāpayiṣyadhva nendrasya gā upahariṣyadhva iti. sā hānāśiṣy uvāsa. sā ha jarāyv apāstaṃ viveda. tad dha cakhāda. tāṃ haika upajagau tyam iva vai ghnatī saramā jāru khādatīti. tad idam apy etarhi nivacanaṃ tyam iva vai ghnatī saramā jāru khādatīti. jarāyu ha sā tac cakhāda. sā ha punar āsasāra. tāṃ hocus sarame ’vido gā iti
Sie sprachen zu Saramā: »Saramā, suche du uns diese unsere Rinder!« – »So sei es«, und sie machte sich daraufhin auf. Sie gelangte zur Rasā. Dies ist ja jene Rasā, die diesseits, vor dem Weltmeer, dahinfließt. Diese sprach zu ihr: »Ich werde dich verbrennen – du sollst mir zur Furt werden!« Sie sprach: »Fließe du nur – ich werde dir nicht zur Furt werden!« Sie zog weiter, mit versengten Ohren, während sie verbrannt wurde. Da überlegte diese: »Wie könnte wohl eine bloße Hündin hinüberkommen? Wohlan, ich will ihr eine Furt sein.« Sie sprach zu ihr: »Werde nicht weiter verbrannt – ich will dir zur Furt werden.« – »So sei es.« Da gab es für sie eine Furt. Sie überquerte mittels der Furt. Sie kam zu ihnen, innerhalb der Rasā, vom Vala verschlossen. Ihr, der Angekommenen, setzten sie ebenso dies vor: Schmalz, Milch, Dickmilch, Joghurt. Sie sprach: »So verhasst bin ich den Göttern nicht, dass ich, die Rinder gefunden habend, von eurem Angebot essen sollte. Ihr geht umher, nachdem ihr an den Göttern einen Diebstahl begangen habt – ich aber bin die Spurenverfolgerin dieser Rinder. Ihr werdet mich nicht zum Schweigen bringen, noch werdet ihr Indras Rinder zurückhalten!« Sie verweilte daraufhin, ohne zu essen. Sie fand eine weggeworfene Nachgeburt. Diese verzehrte sie. Über sie sang jemand: »Wie eine, die jenen erschlägt, verzehrt Saramā den Buhlen.« Dies ist noch heute ein Sprichwort: »Wie eine, die jenen erschlägt, verzehrt Saramā den Buhlen.« Die Nachgeburt nämlich war es, die sie da aß. Sie kehrte darauf wieder zurück. Sie sprachen zu ihr: »Saramā, hast du die Rinder gefunden?«
[Anm.: Fortsetzung der Vala-Mythe mit der Hündin Saramā, aus dem Ṛgveda als Botin Indras bekannt, RV 10.108, als Gegenbild zum bestechlichen Suparṇa aus 2.440: die Rasā verlangt zunächst ihr Leben als Preis für die Furt, lässt sich aber von Saramās Beharrlichkeit umstimmen; die genaue Sprecherzuordnung in diesem Dialog bleibt grammatisch unsicher und wird hier nach dem plausibelsten Sinn wiedergegeben. Anders als der Vogel weist Saramā die Bestechung durch die Paṇis entschieden zurück. Der zitierte Sprichwort-Vers spielt lautlich mit ›jāruʻ, Anklang an jāra, Buhle, Liebhaber, und wird vom Text selbst sofort auf die harmlose Nachgeburt, jarāyu, hin aufgelöst; dieses Wortspiel wird im Deutschen durch dieselbe Zwei-Schritt-Auflösung nachgebildet. Der Hinweis, das Sprichwort sei ›noch heuteʻ gebräuchlich, ist ein seltener Beleg für lebendige Sprachdokumentation im Text.]
avidam iti hovācemā rasāyām antar valenāpihitāḥ. tā yathāmanyadhvam evam ājihīrṣateti. tāṃ ha tad indra uvācānnādīm are te sarame prajāṃ karomi yā no gā anvavida iti. te haite vidarbheṣu mācalās sārameyā api ha śārdūlaṃ mārayanti. te devā etam abhiplavaṃ samabharan. tenainā abhyaplavant. yad abhyaplavant tad abhiplavasyābhiplavatvam. te ’gninaiva valam abhyauṣan, vajreṇābhindan. sa ya eṣa purastāj jyotis so ’gnir, atha yat pañcadaśaṃ gor bahiṣpavamānaṃ sa vajraḥ. tā āyuṣāvāyuvata. yad āyuṣaivāyuvata tad āyuṣa āyuṣṭvam. tā etenaiva jyotiṣobhayataḥ paryauhan. ta ete catvāro madhya ukthyā bhavanti. paśavo vā ukthāni. teṣāṃ sahasraṃ stotryāḥ. brahma vai jyotir agniṣṭomaḥ. tā etenaiva brahmaṇā jyotiṣobhayataḥ parigṛhyodāharan. te ya evaṃ vidvāṃso ’bhiplavam upayanti sahasrasanayo haivotthitā bhavanti. tad āhur yad eṣa caturaho madhye vyatiṣakto gaur āyur gaur āyur ity atha kasmāj jyotiṣī viparyūḍhe iti. mithunatvāya prajananāyeti ha brūyāt. pra mithunena jāyate ya evaṃ veda
»Ich habe sie gefunden«, sprach sie, »sie sind innerhalb der Rasā, vom Vala verschlossen. Holt sie, wie es euch gut dünkt!« Zu ihr sprach darauf Indra: »O Saramā, ich mache deine Nachkommenschaft zur Speiseherrin, dich, die du uns unsere Rinder gefunden hast.« Diese, die Sārameya bei den Vidarbhas, die Mācala, töten sogar einen Tiger.
Die Götter brachten darauf diesen Abhiplava zusammen. Mit diesem überwältigten sie jene. Dass sie überwältigten – darin liegt eben die Abhiplava-Natur des Abhiplava. Sie verbrannten den Vala mit Agni, spalteten ihn mit dem Vajra. Dasjenige Jyotis, das vorn ist – das ist Agni; und der fünfzehnfache Bahiṣpavamāna der Kuh – das ist der Vajra. Diese trieben sie mittels Āyus fort. Dass sie mittels Āyus forttrieben – darin liegt eben die Āyus-Natur des Āyus. Diese führten sie sodann mittels eben dieses Jyotis auf beiden Seiten herum.
Diese vier in der Mitte sind die Ukthyas. Die Ukthas nämlich sind das Vieh. Von ihnen gibt es tausend Stotriyā-Verse. Brahman nämlich ist das Jyotis; dies ist der Agniṣṭoma. Diese, mittels eben dieses Brahman-Jyotis, ergriffen sie auf beiden Seiten und führten sie heraus. Diejenigen, die, dies wissend, den Abhiplava vollziehen, erheben sich als Tausendfach-Gewinnende.
Dazu fragt man: Da dieser Viertagesabschnitt in der Mitte die Abfolge Gau-Āyus, Gau-Āyus eingefügt hat – warum sind da die beiden Jyotis vertauscht? Man sollte antworten: Zur Paarung, zur Zeugung. Wer dies weiß, geht durch die Paarung hervor.
[Anm.: Abschluss der Vala-Paṇi-Mythe und damit Abschluss von Kāṇḍa 2: Saramā berichtet ehrlich und wird von Indra belohnt, ihre Nachkommenschaft, die Sārameya-Hunde, zur Speiseherrin gemacht, mit der bemerkenswerten lokalen Ätiologie tigertötender Hunde (Mācala) bei den Vidarbhas. Die eigentliche Pointe des gesamten Mythos ist die doppelte Etymologie, die hier geliefert wird: Abhiplava von abhi-plu, überwältigen, überfluten, und Āyus von einer Ableitung zu forttreiben, avāyuvata; damit wird rückwirkend der Name des seit 2.1–5 durchgehend zentralen Abhiplava-Ritenblocks des gesamten Kāṇḍa erklärt. Die abschließende Frage nach der Vertauschung der beiden Jyotis-Tage im Viertagesabschnitt wird durch Rückgriff auf die Gau-Āyus-Jyotis-Familienmythe aus 2.439, Paarung, Zeugung, beantwortet. Mit 2.442 endet Kāṇḍa 2 der Jaiminīya-Brāhmaṇa mit insgesamt 442 Abschnitten.]