Quellen der Menschheit

Jaiminīya-Brāhmaṇa · Kāṇḍa 2

Kapitel 5 Prajāpatis Sieg über den Tod: die Kaiśinī-Weihe und Janakas Kühe

Der große Weihe-Traktat schließt mit der nach Keśin Dārbhya benannten Kaiśinī-Dīkṣā und dem Bad-Ritus, bei dem Gattin und Gatte einander im Wasser den Rücken reiben, um alles Übel abzuschlagen. Es folgt der eindrucksvolle Mythos vom jahrelangen, unentschiedenen Kampf zwischen den Heeren Prajāpatis (dem Opfer) und Mṛtyus, des Todes (Vīṇā-Musik, Tanz, Spiel), den Prajāpati erst durch eine 'Zahlen-Berechnung' (Saṃkhyāna) entscheidet – eine ins Astronomische gesteigerte Rechnung mit 720 Tagen und Nächten und mehr als 60 Millionen Silben im 'Leib des Prajāpati', in der auch die Vīṇā selbst Stück für Stück aus den einstigen Requisiten des Todes erklärt wird. Danach folgt, in streckenweise fast wörtlicher Parallele zur Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad (3,1 und 3,9), die Erzählung von König Janakas Kühen und dem tödlichen Verhör, in dem Yājñavalkya den vorwitzigen Vidagdha Śākalya mit der Frage nach der 'einen Gottheit' – dem Atem – in den Tod treibt. Den Abschluss bildet der Subrahmaṇyā-Traktat, der die berühmte Indra-Einladungsformel mit ihren mythologischen Anspielungen erklärt und Āruṇis abweichende Lesart ausdrücklich verwirft.

-- taṃ sakāmam abhyaśnuvīta. atha haivaṃvid dīkṣamāṇa eva sarvān kāmān upāpnoti. tasmād dīkṣāsu na rājānaṃ pariveviṣyāt. yadvrato hy evaiṣa bhavati tadvratā ime lokās tadvratāni chandāṃsi tadvratas somo rājā. athāha bhūr bhuva svas supoṣaḥ poṣais suvīro vīrais suprajaḥ prajayāsam iti. tad etām aparimitām āśiṣam anta āśāste tapo me pratiṣṭheti. tat tapaḥ pratiṣṭhāṃ kurute. śraddhā me ’kṣitir iti tac chraddhām akṣitiṃ kurute. satyaṃ me gṛhapatir ity eṣa vai satyam. satyaṃ ya eṣa tapati. saiṣānārtā devatā. tad etām anārtāṃ devatāṃ gṛhapatiṃ kurute. sa vā eṣa suvrataḥ. yad dhy eṣā khalā syāt sarvam idaṃ pradahet. tasmād gṛhapatis suvrata syāt. sa yad v adīkṣitavrataṃ cared apāpavadyaṃ vā pāpaṃ vaden mithunaṃ vā cared anyad vā mithyākuryād etam evādityam etais sarvair japair upatiṣṭheta. tato haiva dīkṣitaḥ. sa vā eṣa etarhy adīkṣitaḥ. yad v evāsmin dīkṣate yaśa āsīt tad v evāsminn apy etarhi yaśaḥ. tad āhus - sa vādya dīkṣeta sa vānyaṃ dīkṣayed, ya etasya dīkṣitayaśasasya vyavacchittiṃ vidyād iti. kṛṣṇājinaṃ vāva dīkṣitayaśasam. etad dhi sarveṣāṃ vedānāṃ rūpam. yāni śuklāni tāni sāmnāṃ rūpaṃ, yāni kṛṣṇāṇi tāny ṛcām. yadi vetarathā yāny eva babhrūṇīva harīṇi tāni yajuṣām. tasmād yady apy enaddrukto vaste didṛkṣanta evainam. etad dhy asmin dīkṣitayaśasaṃ bhavati

– den möge, samt seinem Wunsch, ein Gegner überwältigen. Wer aber, dies wissend, sich weiht, erlangt schon durch die Weihe selbst alle Wünsche. Deshalb sollte man während der Weihetage den König Soma nicht vernachlässigen. Denn welches Gelübde dieser hat, desselben Gelübdes sind diese Welten, desselben Gelübdes die Versmaße, desselben Gelübdes König Soma. Dann spricht er: »Bhūr, Bhuvaḥ, Svaḥ – wohlgenährt mit Nahrung, wohlbemannt mit Männern, wohlbekindert mit Nachkommen möge ich sein.« Damit erbittet er zum Schluss diesen unbegrenzten Segenswunsch: »Meine Askese möge gegründet sein.« Das gründet seine Askese. »Mein Glaube sei unvergänglich« – das macht seinen Glauben unvergänglich. »Wahrheit sei mein Hausherren-Feuer« – dies eben ist Wahrheit: die Wahrheit ist der, der dort brennt. Dies ist die unversehrte Gottheit. Damit macht er diese unversehrte Gottheit zu seinem Hausherren-Feuer. Dieses ist nun wohlgeartet (suvrata). Denn wäre es bösartig, würde es dieses Ganze hier verbrennen. Deshalb sollte das Hausherren-Feuer wohlgeartet sein. Sollte er sich wider das Weihegelübde verhalten, etwas Tadelnswertes, wenn auch nicht wirklich Falsches, sagen, sich der Paarung hingeben oder sonst etwas verkehrt machen, so sollte er sich eben diesem Āditya nahen, mit all diesen Sprüchen. Dadurch bleibt er eben geweiht. Dieser hier nun ist gegenwärtig ungeweiht. Doch welcher Ruhm in ihm war, als er [einst, ursprünglich] geweiht wurde, derselbe Ruhm ist auch jetzt noch in ihm. Dazu sagt man: Er sollte sich heute weihen, oder einen anderen weihen lassen, wer die Unterbrechung dieses Weihe-Ruhmes kennt. Das schwarze Antilopenfell nämlich ist der Weihe-Ruhm. Denn dies ist die Gestalt aller Veden: Was daran weiß ist, das ist die Gestalt der Sāmans; was schwarz ist, die der Ṛc-Verse. Oder aber, anders betrachtet: was bräunlich-gelblich ist, das ist die der Yajus-Sprüche. Deshalb wollen die Leute ihn sehen, auch wenn er, es tragend, ihm feindlich gesinnt wäre. Denn eben dies ist der Weihe-Ruhm, der in ihm ist.

[Anm.: Die überraschende Feststellung, die Sonne sei »gegenwärtig ungeweiht«, unterscheidet zwischen dem einmaligen mythischen Gründungsakt ihrer Weihe und dem daraus fortwirkenden, bleibenden Ruhm – eine Überlegung, die zur Mahnung führt, die eigene Weihe nicht aufzuschieben, damit diese Ruhmeskette nicht abreißt. Die dreifache Farbdeutung des Antilopenfells (weiß=Sāman, schwarz=Ṛc, bräunlich=Yajus) erweitert die schon in 2.62/2.63 eingeführte zweifache Farbdeutung (weiß/schwarz) um die Yajus-Zuordnung.]

te ye sakṛṣṇājinā apo ’bhyavayanti, ya etasmād dīkṣitayaśasād avacchidyante, te sarvam ātmānaṃ praplāvya pāpmanā sahodāyanti. sa yadāvabhṛtheṣṭis saṃtiṣṭhetāthonmucya kṛṣṇājinam adbhir abhyukṣed indriyāj jyaiṣṭhyāc chraiṣṭhyān mā yoṣam iti. atha yam arātiṃ manyate, tasmai prayacchati. athāpa ācāmati bhakṣasyāvabhṛtho ’si, bhakṣaṇasyāvabhṛtho ’si, bhakṣitasyāvabhṛtho ’sīti. sa yad evātrarjīṣe kiṃ cit saktaṃ bhavati, tasyaiṣa bhakṣaḥ. athāpaḥ praviśati. nyañcanaṃ vā etat prapadanaṃ yad āpaḥ. nyañcanam evaitat prapadanaṃ prapadyate pāpmano ’nanvavāyāya. yady āpa syanderan, pratisrotaṃ gāheta pāpmānaṃ me nirvahān iti. sarvā u ha tvā āpa syandante. yā u ha sthāvarā avācīs tā syandante, ’vāñcam evāsya tāḥ pāpmānaṃ nirvahanti. anyo ’nyasya jāyāpatī pṛṣṭhaṃ pradhāvataḥ. vajro vā āpaḥ. vajreṇaiva tat sarvaṃ pāpmānam apahanāte. atho dvandvam eva tan mithunaṃ prajananaṃ kurvāte, prajātyai. snātvā kṣipra udeyāt, kṣipre pāpmano vyāvṛttyā iti

Diejenigen, die mit dem schwarzen Antilopenfell noch am Leib ins Wasser hinabsteigen, schneiden sich damit von diesem Weihe-Ruhm ab; sie schwemmen ihr ganzes Selbst fort und steigen zusammen mit ihrem Übel wieder herauf. Wenn das Abschluss-Bad-Opfer (Avabhṛtha) vollendet ist, sollte er daher das schwarze Antilopenfell zuerst ablegen und mit Wasser besprengen: »Möge ich nicht von Sinneskraft, Erstrangigkeit und Vorrangstellung geschieden werden!« Dann gibt er es dem, den er als Feind betrachtet. Dann nimmt er einen Schluck Wasser: »Du bist das Abschluss-Bad der Speise, du bist das Abschluss-Bad des Essens, du bist das Abschluss-Bad des Gegessenen.« Was auch immer im Soma-Trester noch anhaftet, dessen »Essen« ist eben dies. Dann steigt er ins Wasser hinab. Ein Abwärtsgehen nämlich ist dieses Hinabsteigen, das die Gewässer sind. Eben dieses Abwärtsgehen tritt er an, damit ihm das Übel nicht nachfolge. Sollten die Gewässer fließen, sollte er gegen die Strömung eintauchen: »Trage mein Übel fort!« Alle Gewässer fließen dir ja zu. Und auch die stehenden, abwärtsgerichteten fließen; sie tragen sein Übel eben abwärts fort. Gattin und Gatte reiben einander den Rücken. Die Gewässer nämlich sind der Vajra. Mit dem Vajra eben schlagen die beiden alles Übel ab. Und zugleich vollziehen die beiden dabei paarweise die Gattenvereinigung, zur Nachkommenschaft. Nach dem Bad sollte man rasch wieder auftauchen – zu raschem Sich-Abwenden vom Übel.

[Anm.: Das Ablegen des Antilopenfells vor dem Untertauchen verhindert, dass mit dem rituell abgewaschenen Übel auch der im Fell verkörperte Weihe-Ruhm mit fortgeschwemmt wird (vgl. 2.66). Die abschließende, unumwunden benannte eheliche Vereinigung im Wasser wird, wie das Mithuna in 2.38, sachlich und ohne Wertung als regulärer Bestandteil des Avabhṛtha-Ritus dargestellt, hier ausdrücklich der Nachkommenschaft zugeordnet.]

unnetar un mā nayety āha. viṣṇur vā unnetā. yajño vai viṣṇuḥ. yajña evainaṃ tat sarvasmāt pāpmano vimucyonnayati. ud vayaṃ tamasas pari suvaḥ paśyanto jyotir uttaram. devaṃ devatrā sūryam aganma jyotir uttamam. ity etāṃ japann udaiti. etad vai jyotir uttamaṃ ya eṣa tapati. saiṣānārtā devatā. tad etām anārtāṃ devatām ārabhyodaiti. audumbarīr ārdrās sapalāśās samidhaḥ kurvata edho ’sy edhiṣīmahīti. gatvāhavanīye samidham abhyādadhāti samid asi, tejo ’si, tejo mayi dhehi, svāheti. abhyādhāyopatiṣṭhate apo ’nv acāryaṃ rasena samasṛkṣmahi. payasvaṃ agna āgamaṃ taṃ mā saṃsṛja varcasā. iti. evam eva patnī gārhapatye ’bhyādhāyopatiṣṭhate. ājyasthālīṃ sasruvām ādāyottareṇāgnīdhraṃ ca sadaś ca parītyāpareṇa gārhapatyam upaviśyopasthe kṛṣṇājinam ādhāya caturgṛhītam ājyaṃ gṛhītvā juhoti mayīndriyaṃ jyaiṣṭhyaṃ śraiṣṭhyam agnir dadhātu svāheti. sa yad evāsmin dīkṣite yaśo bhavati, tad asminn utthite yaśo bhavati. tat kṛṣṇājinaṃ nātipādayet, srugavadhānaṃ vainat kurvīta, haviṣo vādhipeṣaṇaṃ, punardīkṣāyai vainan nidadhīta. eṣā vai kaiśinī dīkṣā. etāṃ ha keśī dārbhyo dīkṣām upaniṣasāda

»Unnetṛ (Emporführer), führe mich empor!«, spricht er. Viṣṇu nämlich ist der Unnetṛ. Das Opfer aber ist Viṣṇu. Eben das Opfer, nachdem es ihn von allem Übel gelöst hat, führt ihn empor. »Empor, aus dem Dunkel heraus, das höhere Licht erblickend, sind wir gefahren; zum Gott unter den Göttern, zu Sūrya, sind wir gelangt, dem höchsten Licht« – dies murmelnd, geht er auf. Dies eben ist das höchste Licht: der, der dort brennt. Dies ist die unversehrte Gottheit. An dieser unversehrten Gottheit sich haltend, geht er auf. Man macht feuchte, noch belaubte Feigenholz-Brennscheite: »Du bist Brennholz (edhas) – mögen wir gedeihen (edhiṣīmahi)!« Dorthin gegangen, legt er das Brennscheit auf den Āhavanīya: »Du bist Brennscheit, du bist Glanz; lege Glanz in mich! Svāhā!« Nach dem Auflegen naht er sich: »Wir haben uns mit den Gewässern vereint, mit dem Saft. Milchreich bin ich zu dir gekommen, Agni; vereine mich mit Glanz!« Ebenso naht sich auch die Gattin, nachdem sie am Gārhapatya[-Feuer ihr Scheit] aufgelegt hat. Er nimmt den Ājya-Topf samt dem Löffel, geht nördlich am Āgnīdhra und am Sadas vorbei, setzt sich westlich vom Gārhapatya nieder, legt sich das schwarze Antilopenfell auf den Schoß, nimmt die mit vier Griffen gefasste Ājya-Butter und opfert: »Agni lege in mich Sinneskraft, Erstrangigkeit, Vorrangstellung! Svāhā!« Welcher Ruhm in ihm als Geweihtem ist, derselbe Ruhm ist in ihm, wenn er sich erhoben hat. Jenes schwarze Antilopenfell sollte man nicht mit Füßen treten; man sollte es zur Unterlage für den Opferlöffel machen, oder zum Zermahlen der Opfergabe verwenden, oder es für eine erneute Weihe aufbewahren. Dies eben ist die Kaiśinī-Weihe (die Weihe des Keśin). Diese Weihe nahm Keśin Dārbhya an.

[Anm.: Das Zitat »ud vayaṃ tamasas pari…« stammt aus Ṛgveda 1,50,10, einem berühmten, an die aufgehende Sonne gerichteten Vers. Die Volksetymologie »edhaḥ« (Brennholz) – »edhiṣīmahi« (mögen wir gedeihen) verknüpft Brennstoff und Gedeihen über die gemeinsame Wurzel edh-. Mit diesem Abschnitt schließt der seit 2.53 entfaltete große Weihe-Traktat, der hier ausdrücklich als die von Keśin Dārbhya überlieferte »Kaiśinī-Dīkṣā« bezeichnet wird.]

mṛtyuprajāpatī yad ayajetāṃ, tau yajñābhyām evāspardhetām. atha ha tarhi yajñāyudhāny āsur yathemāny etarhīṣṭīṣv āyudhāni. tad yad yajñe stūyate yac chasyate yat pracaryate, sā prajāpates senāsa. atha yad vīṇāyāṃ gīyate yan nṛtyate yad vṛthācaryate, sā mṛtyos senāsa. tayor ha samāvatyāc eva sene āsatur -- yāvaty evetarasya tāvatītarasya. tau ha jyog evāvijayamānau ceratur bahūny eva varṣāṇi. sa prajāpatir akāmayat - jayeyaṃ mṛtyum iti. sa etāṃ yajñe saṃpadam apaśyad etat saṃkhyānam. tena mṛtyum ajayat. tasya parājitasya rājāśucyat. sa pratyaṅ patitvā patnīśālāṃ prāpadyata. tasmāt patnībhya haya ca yas saṃpadāsuta ity asuta iti haitan, na hi so ’sūyata. tasya yāni stutaśastrāṇy āsan yad evaitad vīṇāyāṃ gīyate yan nṛtyate yad vṛthācaryate, tāny eva tāni --

Als Mṛtyu (Tod) und Prajāpati opferten, wetteiferten die beiden eben durch ihre Opfer. Damals nämlich gab es noch Opfer-Waffen, so wie es heute Waffen in den [gewöhnlichen] Opferhandlungen gibt. Was im Opfer gesungen, was rezitiert, was [als Ritus] vollzogen wird – das war Prajāpatis Heer. Was aber zur Vīṇā gesungen, was getanzt, was müßig-spielerisch getrieben wird – das war Mṛtyus Heer. Die beiden Heere waren einander genau gleich groß – so viel das eine hatte, ebenso viel das andere. Lange Zeit, viele Jahre, standen sich die beiden ohne Entscheidung gegenüber. Da wünschte sich Prajāpati: »Möge ich den Tod besiegen.« Er erblickte im Opfer diese Entsprechung, diese Zahlen-Berechnung (Saṃkhyāna). Dadurch besiegte er den Tod. Der besiegte König [Tod] grämte sich. Rückwärts fallend, flüchtete er sich in die Gattinnenhütte (Patnīśālā). [Der weitere Zusammenhang, wie von da an durch die Gattinnen ... entstand, bleibt im überlieferten Text unklar] – er empfand ja keinen Neid. Seine Stotras-und-Śastras, die es gab, und das, was zur Vīṇā gesungen, was getanzt, was müßig-spielerisch getrieben wird – eben diese sind ein und dasselbe –

[Anm.: Der Mythos vom Wettstreit der Heere Prajāpatis (des ordnungsgemäßen Opfers) und Mṛtyus (der Vīṇā-Musik, des Tanzes, des müßigen Spiels) erklärt rückblickend, warum die in 2.45–46 ausführlich beschriebene Vīṇā trotz ihrer Herkunft aus der ›Todes-Sphäre‹ regulärer Bestandteil des Mahāvrata-Tages werden konnte: Wie 2.70 zeigt, wird nach Mṛtyus Niederlage sein gesamtes ›Heer‹ Stück für Stück mit den Bestandteilen des einen, nun einzigen Opfers gleichgesetzt. Der Satz über die Flucht des besiegten Königs in die Patnīśālā und den fehlenden Neid ist im überlieferten Text so knapp, dass der genaue Geschehensablauf nicht mehr sicher zu rekonstruieren ist; die Übersetzung gibt nur den ungefähren Wortlaut wieder.]

--atha yo yūpa āsīd, ya evaiṣa vīṇāyai daṇḍas, sa eva saḥ. atha yā raśanā āsan, yāny evaitāni vīṇāyā upavāṇāni, tā eva tāḥ. atha yo droṇakalaśa āsīd, yaivaiṣā vīṇāyai sūnā, sa eva saḥ. atha yad adhiṣavaṇaṃ carmāsīd, yad evaitad vīṇāyai carma, tad eva tat. atha ya uparavā āsan, ya evaite vīṇāyā ākāśās, ta eva te. atha ye grāvāṇa āsan, yāny evaitāni vīṇāyai vādanāni, ta eva te. atha yāni sapta caturuttarāṇi chandāṃsy āsan, yā evaitās sapta vīṇāyai tantryas, tāny eva tāni. atha ye daśarātre stomā āsan, yā evaitā daśāṃgulayas ta eva te. tad āhur - netarhi saṃsavo ’sti. yo hi dvitīyo yajña āsīd, aśucyat saḥ. eka eva yajñaḥ. prajāpatir yajña eveti

– Und was der Opferpfahl (Yūpa) war, das eben ist der Griff der Vīṇā, ein und dasselbe. Und was die Fesselstricke waren, das eben sind die Nebensaiten (Upavāṇa) der Vīṇā, ein und dieselben. Und was der Droṇakalaśa (der große Soma-Trog) war, das eben ist der Resonanzkörper der Vīṇā, ein und derselbe. Und was die Presshaut (Adhiṣavaṇa) war, das eben ist die Haut der Vīṇā, ein und dieselbe. Und was die Mörserlöcher (Uparava) waren, das eben sind die Hohlräume der Vīṇā, ein und dieselben. Und was die Presssteine (Grāvan) waren, das eben sind die Schlaginstrumente der Vīṇā, ein und dieselben. Und was die sieben, je um vier zunehmenden Versmaße waren, das eben sind die sieben Saiten der Vīṇā, ein und dieselben. Und was die Stomas des Zehnnächte-Opfers waren, das eben sind die zehn Finger, ein und dieselben. Dazu sagt man: Es gibt jetzt keine gemeinsame Pressung mehr. Denn das zweite Opfer, das es gab, ist zugrunde gegangen. Es gibt nur noch ein einziges Opfer. Prajāpati eben ist das Opfer.

[Anm.: Diese Gleichsetzung jedes einzelnen Bestandteils der Vīṇā mit einem Bestandteil des klassischen Soma-Opfergeräts (Opferpfahl, Fesselstricke, Soma-Trog, Presshaut, Mörserlöcher, Presssteine) vollendet den in 2.69 begonnenen Mythos: Nach Mṛtyus Niederlage gibt es kein rivalisierendes zweites Opfer mehr, sondern nur noch das eine, in dem auch die einstigen ›Todes-Requisiten‹ restlos aufgegangen sind. Die Zählung von sieben Vīṇā-Saiten steht neben der andernorts (2.45, mit Bestätigung durch die Pañcaviṃśa-Brāhmaṇa) bezeugten hundertsaitigen Vīṇā; beide Zahlen dürften verschiedene, nebeneinanderstehende Deutungsebenen desselben Instruments sein.]

atha vā atas saṃkhyānasyaiva. tasya vā etasya saṃvatsarasya sapta viṃśatiśatāny ahorātrāṇāṃ bhavanti. tā navāśītayaḥ. athāsya savanānām aśītiś ca sahasraṃ ca trīṇi ca. tāvantaḥ pavamānāḥ. tad etac chlokenābhigītam -- aṣṭāv etā navatayo bhavanty ahorātrāṇāṃ parivatsarasya. aśītir asmin savanāni trīṇi ca sahasraṃ ca, pavamānāś ca sarve. iti. athāsya stutaśastrāṇāṃ ṣaṣṭiśate ca dve daśa ca sahasrāṇi. athāsmin dhiṣṇiyā ya agnayo vihriyante daśa caiva sahasrāṇy aṣṭau ca śatāni triṃśataṃ ca. tad etac chlokenābhigītam -- ṣaṣṭiśate dve māsi pṛṣṭhe stuśastrāṇām ā śataṃ cā śatāni. daśa sahasrāṇi śatāny aṣṭau saṃvatsare dhiṣṇiyās triṃśataṃ ca. iti

Nun aber, weiter, zur eigentlichen Zahlen-Berechnung. Von diesem Jahr gibt es [eine hier unklare Zahl] Tag-und-Nächte. Das sind neun Achtziger [720]. Und von ihm gibt es eintausenddreiundachtzig Pressungen. Ebenso viele sind die Pavamāna-Gesänge. Dazu gibt es diesen Vers: »Acht Neunziger sind es, der Tag-und-Nächte des Parivatsara-Jahres. Achtzig Pressungen sind darin, und drei, und tausend, und ebenso alle Pavamānas.« Und von ihm gibt es zehntausenddreihundertzwanzig Stotra-und-Śastra-Paare. Und in ihm werden zehntausendachthundertdreißig Dhiṣṇya-Feuer verteilt. Dazu gibt es diesen Vers: »Zwei Hundertsechziger, Monat für Monat, beim Pṛṣṭha, an Stotra-und-Śastra-Paaren, bis zu Hundert und Hunderten mehr. Zehntausend, achthundert und dreißig Dhiṣṇya-Feuer sind es im Jahr.«

[Anm.: Die Zahl der Tag-und-Nächte des Jahres (720 = neunmal achtzig, im zitierten Vers als achtmal neunzig gerechnet) bestätigt die schon in 2.30 belegte Zahl. Die zu Beginn genannte Zahl »sapta viṃśatiśatāni« lässt sich mit den anschließend gegebenen Zahlen (neun Achtziger = 720) nicht ohne Weiteres in Übereinstimmung bringen; vermutlich liegt hier eine Textverderbnis vor. Die übrigen Zahlen – 1083 Pressungen/Pavamānas, 10320 Stotra-und-Śastra-Paare, 10830 Dhiṣṇya-Feuer – stimmen zwischen Prosa und den zitierten Versen genau überein. Der ganze Abschnitt ist ausdrücklich als das in 2.69 erwähnte »Saṃkhyāna« (die Zahlen-Berechnung, mit der Prajāpati den Tod besiegte) zu verstehen.]

tāvanti tārakanakṣatrāṇi tāvanti jyotīṃṣi tāvanto ’rkāḥ. āpnoti ha vā etāni tārakanakṣatrāṇy āpnoti jyotīṃṣy āpnoty arkān ya evaṃ veda. athāsya stotryāṇāṃ navatiś ca sahasrāṇi trīṇi ca śatāni ṣaṇṇavatiś ca. tad etac chlokenābhigītam -- stotryā asya navatis sahasrā trī ca śatā navatiś copa ṣaṭ ca. tābhis saṃstuto vivasāna eti bhūtaṃ bhaviṣyad bhuvanaṃ prajāpatiḥ. iti. athāsya padānāṃ catvāri ca sahasrā triṃśaṃ cāyutāni sapta śatāni pañcāśataṃ padāni. tad etac chlokenābhigītam - catvāri sahasrā triṃśaṃ cāyutāni sapta śatāni pañcāśataṃ padāni. saṃvatsarasya kavibhi stutasyaitāvatī madhyamā devamātrā. iti

So viele sind auch die Sternbilder, so viele die Lichter, so viele die Arka-Lieder. Diese Sternbilder erlangt, diese Lichter erlangt, diese Arka-Lieder erlangt, wer dies so weiß. Und von ihm gibt es neunzigtausenddreihundertsechsundneunzig Stotriya-Verse. Dazu gibt es diesen Vers: »Neunzigtausend sind seine Stotriya-Verse, und dreihundert, und nahezu sechsundneunzig mehr. Durch diese gepriesen, hervorgehend, durchschreitet Prajāpati das Gewesene, das Künftige, die Welt.« Und von ihm gibt es viertausend, dreißig Zehntausender, siebenhundertfünfzig Versviertel [304750]. Dazu gibt es diesen Vers: »Viertausend, und dreißig Zehntausender, siebenhundertfünfzig Versviertel – so groß ist das von den Sehern besungene, mittlere Göttermaß des Jahres.«

[Anm.: Auch diese beiden Zahlen (90396 Stotriya-Verse, 304750 Versviertel) stimmen zwischen Prosa und zitiertem Vers genau überein. Die Bezeichnung als »mittleres« Göttermaß (madhyamā devamātrā) lässt offen, ob der Text an anderer, hier nicht erhaltener Stelle auch ein kleineres und ein größeres Maß kannte.]

athāsyākṣarāṇām ayutam ekaṃ prayutāni ṣaṣṭir niyute dve nava cākṣarāṇi sapta sahasrāṇi daśato daśa. tad etac chlokenābhigītam -- ayutam ekaṃ prayutāni ṣaṣṭir niyute dve nava cākṣarāṇi. sapta sahasrāṇi daśato daśaitāvān ātmā paramaḥ prajāpateḥ. iti. tad etad anantaṃ yat saṃkhyānam. tad etad amṛtaṃ yat saṃkhyānam. sa eṣa sukṛtas so yat saṃkhyānam. atha yad asaṃkhyānaṃ martyaṃ tat. tasmād u sam eva cakṣīta. sā haiṣā devānāṃ senā yat saṃkhyānam. manuṣyasenayā vāva nu taṃ stṛṇute yaṃ tistīrṣate. tādṛg iha taṃ stṛṇavā taṃ yaṃ devasenayā tistīrṣātā iti. athaite trayaḥ panthānas sukṛtā devayānā akṣayyaḥ padyakmyaś ca. te vidvāṃso ’bhivahanti brāhmaṇaṃ yatra mṛtyur bhavaty annam asya. tad etac chlokenābhigītam -- trayaḥ panthānas sukṛtā devayānā akṣayyaḥ padyakmyaś ca. te vidvāṃso ’bhivahanti brāhmaṇaṃ yatra mṛtyur bhavaty annam asya. akṣaraśaḥ paccho ’mṛtaṃ lihānāḥ --

Nun aber von seinen Silben: ein Ayuta, sechzig Prayuta, zwei Niyuta, und neun Silben, siebentausend, zehn Zehner. Dies ist durch einen Vers besungen: »Ein Ayuta, sechzig Prayuta, zwei Niyuta, und neun Silben; siebentausend, zehn Zehner – so groß ist der höchste Leib des Prajāpati.« Dies eben ist die unendliche Zahlen-Berechnung (Saṃkhyāna). Dies eben ist die unsterbliche Zahlen-Berechnung. Dies eben ist das Wohlgetane – nämlich diese Zahlen-Berechnung. Was aber unberechnet ist, das ist sterblich. Deshalb sollte man eben ganz und gar berechnen. Dies, die Zahlen-Berechnung, ist eben das Heer der Götter. Mit einem menschlichen Heer bezwingt man ja gerade den, den man bezwingen will; ebenso möge man hier gerade den bezwingen, den man mit dem göttlichen Heer bezwingen will. Nun aber gibt es diese drei Pfade: den wohlgetanen Götterpfad (Devayāna), den Unerschöpflichen (Akṣayya), und den Padyakmya. Auf ihnen fahren die Wissenden den Brahmanen dorthin, wo der Tod seine Nahrung wird. Dies ist durch einen Vers besungen: »Drei Pfade gibt es, wohlgetan, Götterpfade, unerschöpflich, und Padyakmya; auf ihnen fahren die Wissenden den Brahmanen dorthin, wo der Tod seine Nahrung wird.« Silbe für Silbe, Versviertel für Versviertel, das Unsterbliche leckend –

[Anm.: Die vedische Zehnerstufenreihe lautet (nach Vājasaneyi- bzw. Taittirīya-Saṃhitā): eka (1), daśa (10), śata (100), sahasra (1.000), ayuta (10.000), niyuta (100.000), prayuta (1.000.000). Danach ergibt sich: 60 Prayuta (60.000.000) + 2 Niyuta (200.000) + 1 Ayuta (10.000) + 7 Sahasra (7.000) + »zehn Zehner« (100) + 9 Einer = 60.217.109 – exakt übereinstimmend zwischen Prosa und zitiertem Vers. »Padyakmya« ist ein sonst nicht sicher bezeugter Begriff; er dürfte mit dem seltenen ṛgvedischen »akma« (›Bahn, Lauf‹) zusammenhängen und einen dritten, neben Devayāna und Akṣayya stehenden ›Pfad‹ bezeichnen.]

--suvar āyan devatā devasattrāt. tapasā karma kavayo ’nugatya āhnāya mṛtyum ati medhayāyan. vijānanto dahanto yanti śokam manīṣiṇo yad apakṣāḥ patanti. yatrāmṛtaṃ vidyate nota mṛtyus tatra vidvāṃsaḥ kavayaḥ kṣiyanti. evaṃvidvāṃso yajamānam ṛtvijo lokān paśūn abhi kāmān vahanti. sa yajñeṣu stutaśastram aśnute ’kṣayyā yasya bhavanty ṛtvijo ’dhvaryur hotota sāmagaḥ. tasmai chandāṃsi madhudhārāḥ kṣaranti. sa yajñeṣu stutaśastram aśnute ’kṣayyā yasya bhavanty ṛtvijo ’dhvaryur hotota sāmagaḥ. tasmai chandāṃsy amṛtakulyā abhivahanti ūrmiṇī stotraśastrair iti

– zum Lichthimmel (Svar) gingen die Götter empor, aus der Götter-Sitzung (Devasattra). Durch Askese, der rechten Handlung folgend, gingen die Seher alsbald durch Einsicht über den Tod hinaus. Erkennend, verbrennend, gehen die Weisen durch die Flamme, wenn sie, flügellos, herabfallen. Wo das Unsterbliche zu finden ist und nicht der Tod, dort wohnen die wissenden Seher. Wer so weiß, dessen Opferpriester führen den Opferherrn zu Welten, Vieh, Wünschen hin. Er erlangt in den Opfern das gepriesene Stotra-und-Śastra, dessen Priester – der Adhvaryu, der Hotṛ und der Sāma-Sänger – unvergänglich sind. Ihm fließen die Versmaße als Honigströme zu. Er erlangt in den Opfern das gepriesene Stotra-und-Śastra, dessen Priester – der Adhvaryu, der Hotṛ und der Sāma-Sänger – unvergänglich sind. Ihm kommen die Versmaße, wellenreiche Unsterblichkeits-Kanäle, mit Stotra-und-Śastra entgegen.

[Anm.: »Śoka« bedeutet zugleich ›Flamme, Glut‹ und ›Schmerz, Kummer‹; »apakṣāḥ« (›flügellos‹) spielt möglicherweise auf eine sonst hier nicht erhaltene Vorstellung geflügelter Wesen an, die beim Sterben ihre Flügel verlieren. Der Schlussteil wiederholt denselben Kernsatz zweimal mit wechselndem Bild (Honigströme – Unsterblichkeits-Kanäle), eine schon mehrfach in diesem Kāṇḍa (vgl. 2.33, 2.60) begegnende Dopplungstechnik.]

ekaikam u ha vā eteṣām akṣarāṇāṃ yāvatīyaṃ pṛthivī tāvat. ūrjo ’nnādyasya madhuno ’mṛtasya kāmasya - kāmasya pūrṇaṃ pibdamānaṃ tiṣṭhati. tad dhaivaṃvidvān brāhmaṇas sahasraṃ - sahasraṃ devayugāny upajīvati. tad yad āpyate ’thetarad upasaṃkrāmaty athetarat punar ākhyāyate. tasmād u haivaṃvide brāhmaṇāya ditsanty asyorjo ’nnādyasya madhuno ’mṛtasya kāmasya - kāmasya lipsāmahā iti. yathā ha vā idaṃ kṣetrapādaṃ vā kṣetrarajjuṃ vāvakriyāsata evam evaivaṃvido brāhmaṇāl lokam avakrīṇate. sa yathā kraye paryavete kṣetriṇam eva kṣetrāṇy apiyanty evaṃ lokinam eva lokā apiyanti. sa yad dha vā apy evaṃvidvān brāhmaṇaḥ pūrṇāṃ pṛthivīṃ pratigṛhṇīyād, ekam eva tasyākṣaraṃ jyāyaḥ. tasmād u haivaṃvidvān brāhmaṇo dadyāc caiva pratigṛhṇīyāt

Jede einzelne dieser Silben nun ist so groß wie diese Erde. Voll von Kraft, von Speise, von Honig, von Unsterblichkeit, von jedem Wunsch steht sie da, beständig ausgetrunken. Deshalb lebt der Brahmane, der dies so weiß, tausend mal tausend göttliche Zeitalter. Wenn das eine Maß erschöpft ist, geht man zum anderen über; dann wird wieder das andere aufgezeigt. Deshalb wollen sie dem Brahmanen, der dies so weiß, Gaben geben, denkend: ›Mögen wir teilhaben an seiner Kraft, seiner Speise, seinem Honig, seiner Unsterblichkeit, an jedem Wunsch!‹ Wie man hier ein Fußmaß Land oder ein Seilmaß Land kaufen würde, so kaufen sie sich vom Brahmanen, der dies so weiß, einen Anteil an der Welt. Wie beim Abschluss eines Kaufs die Felder eben dem Feld-Besitzer zufallen, so fallen die Welten eben dem Welt-Besitzer zu. Und selbst wenn der Brahmane, der dies so weiß, die volle Erde als Gabe empfinge – eine einzige seiner Silben wäre dennoch mehr wert. Deshalb sollte der Brahmane, der dies so weiß, sowohl geben als auch empfangen.

[Anm.: Die Kauf-Metaphorik (Landkauf nach Fuß- oder Seilmaß) überträgt die Logik weltlichen Grundbesitzes auf den Anteil am jenseitigen Lohn des Wissenden. Dieser Abschnitt führt die in 2.73 begonnene Silben-Zahlen-Spekulation fort und steigert sie ins Hyperbolische: Jede einzelne der dort gezählten über 60 Millionen Silben soll für sich schon erdgroß sein, eine einzige gar wertvoller als die ganze Erde.]

janako ha vaideho bahudakṣiṇena yajñeneje. te tad u ha kurupañcālānāṃ brāhmaṇā abhisamājagmuḥ. sa ha sahasraṃ gavām avarundhāna uvāca - brāhmaṇā etā vo, yo brahmiṣṭhas sa udajatām iti. sa hovāca vājasaneyo, ’rvācīr etās somyeti. taṃ hocus tvaṃ nu no brahmiṣṭho ’sī3 iti. sa hovāca namo vo brahmiṣṭhāyāstu. gokāmā eva vayaṃ sma ati. te hocuḥ ko na imaṃ prakṣyatīti. sa hovāca vidagdhaś śākalyo ’ham ati. taṃ ha puraskṛteyeyuḥ. taṃ ha pratikhyāyāyantam uvāca tvāṃ svic chākalya brāhmaṇā ulmukāvakṣayaṇam akratā3 iti. sa hovāca - yadi tenolmukāvakṣayaṇaṃ smaḥ prakṣyāmo nvai tvām iti. taṃ ha papraccha kati devā yājñavalkyeti. sa hovāca trayaś ca triṃśac ca, trayaś ca trī ca śatā, trayaś ca trī ca sahasrā, yāvanto nividābhyāhūtā iti. om iti hovāca

Janaka von Videha opferte mit einem an Priestergaben reichen Opfer. Da versammelten sich die Brahmanen der Kuru und Pañcāla. Er, tausend Kühe absondernd, sprach: »Brahmanen, diese Kühe sind für euch – wer der Brahman-Kundigste ist, der treibe sie fort.« Da sprach der Vājasaneya (Yājñavalkya): »Treibt sie hierher, mein Lieber.« Sie sprachen zu ihm: »Bist du denn nun unser Brahman-Kundigster?« Er sprach: »Verehrung sei dem Brahman-Kundigsten unter euch – wir sind ja nur begierig nach den Kühen.« Sie sprachen: »Wer von uns wird ihn befragen?« Da sprach Vidagdha Śākalya: »Ich.« Sie stellten ihn an die Spitze und gingen zu ihm. Als er ihn herankommen sah, sprach er zu ihm: »Haben dich die Brahmanen etwa zum Feuerbrand-Verzehrer gemacht, Śākalya?« Er sprach: »Wenn wir eben dadurch Feuerbrand-Verzehrer sind, werden wir dich nun befragen.« Er fragte ihn: »Wie viele Götter gibt es, Yājñavalkya?« Er sprach: »Drei-und-dreißig, drei-und-dreihundert, drei-und-dreitausend – so viele, wie in der Nivid-Anrufung genannt werden.« »Om«, sprach er.

[Anm.: Dieser Abschnitt und der folgende (2.77) sind eine direkte Parallele zu einem der berühmtesten Stücke der Upaniṣad-Literatur: dem Wettstreit um die tausend Kühe und dem Śākalya-Verhör in Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 3,1 und 3,9 (Kāṇva-Rezension). Der Eröffnungssatz »janako ha vaideho bahudakṣiṇena yajñeneje« ist mit BĀU 3,1.1 wortgleich; auch »namo (vo) brahmiṣṭhāya (astu/kurmaḥ), gokāmā eva vayaṃ sma« stimmt fast wörtlich überein. JB rafft die Rahmenerzählung jedoch erheblich: Während BĀU zwischen der Kuh-Herausforderung und Śākalyas Auftritt sieben weitere Fragesteller (Aśvala, Ārtabhāga, Bhujyu, Uṣasta, Kahola, Gārgī, Uddālaka) mit eigenen, oft langen Lehrgesprächen einschiebt, springt JB direkt zu Śākalya. Der Spott »tvāṃ svic chākalya brāhmaṇā ulmukāvakṣayaṇam akratā« (›Haben dich die Brahmanen zum Feuerbrand-Verzehrer gemacht?‹) findet sich in BĀU (dort mit »aṅgārāvakṣayaṇam«, ›Kohlen-Verzehrer‹) fast gleichlautend – dort jedoch nicht am Anfang, sondern erst in BĀU 3,9.18, mitten im Verhör.]

katy eva devā iti. traya iti. om iti hovāca. katya eva devā iti. dvāv iti. om iti hovāca. katy eva devā iti. eka iti. (om iti hovāca. katame trayaś ca triṃśac ca, trayaś ca trī ca śatā, trayaś ca trī ca sahasreti). mahimāna evaiṣāṃ ta iti hovāca. trayastriṃśad vāveti. katame trayastriṃśad iti. aṣṭau vasava ekādaśa rudrā dvādaśādityā indraś caiva prajāpatiś ca trayastriṃśāv iti. katame vasava iti. agniś ca pṛthivī ca vāyuś cāntarikṣaṃ cādityaś ca dyauś ca candramāś ca nakṣatrāṇi caite vasavaḥ. eteṣu hīdaṃ sarvaṃ vasu hitam iti. tasmād vasava iti. katame rudrā iti daśa puruṣe prāṇā iti hovāca. ātmaikādaśaḥ. te yadotkrāmanto yanty atha rodayanti. tasmād rudrā iti. katama ādityā iti. dvādaśa māsās saṃvatsara iti hovāca. eta ādityāḥ. ete hīdaṃ sarvam ādadānā yanti. tasmād ādityā iti. katame traya iti. ima eva lokā iti. katamau dvāv iti. ahorātrāv iti. katama indraḥ, katamaḥ prajāpatir iti. vāg evendro, manaḥ prajāpatir iti. katamaikā devateti. prāṇa iti. sa hovācānatipraśnyāṃ vai mā devatām atyaprākṣīḥ, puraitāvatithyā martāsi. na te śarīrāṇi cana gṛhān prāpsyantīti. tad dha vai tathaivāsa. sa ha tathaiva mamāra. tasya hāpahāriṇo ’nantareṇa śarīrāṇy apajahrur anyan manyamānāḥ. tasmād u ha nopavadet. api hy evaṃvit paro bhavatīti

»Wie viele Götter denn wirklich?« »Drei.« »Om«, sprach er. »Wie viele Götter denn wirklich?« »Zwei.« »Om«, sprach er. »Wie viele Götter denn wirklich?« »Einer.« »Om«, sprach er. »Was sind denn jene Drei-und-dreißig, Drei-und-dreihundert, Drei-und-dreitausend?« »Das sind eben ihre Größen (Mahiman)«, sprach er, »Drei-und-dreißig sind es wahrhaftig.« »Welches sind die Drei-und-dreißig?« »Acht Vasus, elf Rudras, zwölf Ādityas, und Indra samt Prajāpati als das drei-und-dreißigste Paar.« »Welches sind die Vasus?« »Agni, und die Erde, und Vāyu, und der Luftraum, und Āditya, und der Himmel, und der Mond, und die Sternbilder – diese sind die Vasus. Denn in ihnen ist alles Gut (Vasu) niedergelegt. Deshalb Vasus.« »Welches sind die Rudras?« Er sprach: »Die zehn Atemkräfte im Menschen, das Selbst als elftes. Wenn diese, ausfahrend, gehen, dann bringen sie zum Weinen. Deshalb Rudras.« »Welches sind die Ādityas?« Er sprach: »Die zwölf Monate des Jahres – dies sind die Ādityas. Denn diese gehen, indem sie alles hier hinwegnehmen. Deshalb Ādityas.« »Welches sind die Drei?« »Eben diese Welten.« »Welches sind die Zwei?« »Tag-und-Nacht.« »Welcher ist Indra, welcher Prajāpati?« »Die Rede eben ist Indra, das Denken Prajāpati.« »Welches ist die eine Gottheit?« »Der Atem.« Da sprach er: »Du hast eine nicht zu überfragende Gottheit überfragt; nur noch für so lange Zeit bist du ein Gast [in dieser Welt] – du wirst sterben. Nicht einmal deine Glieder werden nach Hause gelangen.« Und so geschah es auch. Er starb genau so. Und Räuber schleppten seine Gliedmaßen unmittelbar darauf fort, sie für etwas anderes haltend. Deshalb sollte man einen solchen Kenner nicht tadeln. Denn wer so weiß, wird überlegen.

[Anm.: Die Zahlenfolge 33/303/3003 sowie die anschließende schrittweise Verengung stimmen im Kern mit BĀU 3,9.1–9 überein, sind hier aber stark verkürzt: JB nennt nach der Ausgangszahl nur noch drei (nicht wie BĀU sechs) Zwischenschritte – drei, zwei, eins – und lässt die in BĀU folgenden Stufen ›sechs‹ und ›anderthalb‹ aus. Die Definitionen der Vasus (»agniś ca pṛthivī ca vāyuś ca…«) und der Ādityas stimmen mit BĀU 3,9.3 und 3,9.5 teils wortwörtlich überein; auch bei den Rudras (zehn Atemkräfte + Selbst = elf, mit Weinen bei ihrem Auszug etymologisiert) besteht enge Übereinstimmung. Zwei Stellen weichen jedoch nachweislich von BĀU ab: Die ›zwei‹ Götter sind hier Tag-und-Nacht, in BĀU 3,9.8 dagegen Speise-und-Atem; und Indra/Prajāpati werden hier als Rede/Denken gedeutet, in BĀU 3,9.6 dagegen als Donner/Opfer. Am auffälligsten ist der Schluss: JB überspringt die gesamte zweite Hälfte von BĀU 3,9 (die acht Puruṣa-Sitz-Fragen 3,9.10–17, das Gegenverhör über die Himmelsrichtungen 3,9.19–24, die Neti-neti-Lehre) und springt direkt von der Antwort ›der Atem‹ zur Todesdrohung. Dabei verschmilzt JB zwei in BĀU getrennte Stellen: Die Warnformel ›eine nicht zu überfragende Gottheit überfragt‹ ist in BĀU an Gārgī gerichtet (3,6.1), die die Warnung beherzigt und am Leben bleibt; Śākalyas tatsächlicher Tod (Kopf fällt ab, Räuber verschleppen die Gebeine in der Annahme, es handle sich um etwas anderes) steht in BĀU separat als 3,9.26. Die Schlussformel ›apajahrur anyan manyamānāḥ‹ ist dabei wortgleich mit BĀU 3,9.26 – ein sicherer Beleg für gemeinsames Textgut trotz aller Umgestaltung. Vergleichsgrundlage: Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad, Kāṇva-Rezension (GRETIL-Text brup___u.htm).]

brahma ca ha vai subrahma caiṣu lokeṣv āsatur asmin bhuvane. tatas subrahmoccakrāma. asau vā ādityo brahmātho vāg eva subrahma. te devā ihaiva vedyā antarvedi yajñena brahma paryagṛhṇan. tad idam apy etarhi vedyā antarvedi yajñena brahma parigṛhītam. tad āhur yad anyā hotrā antarvedi kurvanty atha kathaṃ subrahmaṇyo bahirvedi karotīti. sa brūyād eṣa vedyā ātmā yad utkara, etat pratyakṣaṃ brahma yat subrahmaṇyā. yad utkaram āsthāya subrahmaṇyām āhvayati tenāsyāntarvedi kṛtaṃ bhavatīti. subrahmaṇyoṃ subrahmaṇyoṃ subrahmaṇyom iti trir āha. vāg vai subrahmaṇyā. tad etāṃ vācaṃ prathamata ārabhate. atho brahma vāg, rasa oṃkāraḥ. tām etāṃ vācaṃ rasena prīṇāti. tad dhaitad eka oṃ subrahmaṇyety āhvayanti --

Brahma und Subrahma nun wohnten in diesen Welten, in dieser Schöpfung. Dann entwich Subrahma. Jene Sonne dort ist Brahma; die Rede aber ist Subrahma. Diese Götter ergriffen eben hier, auf der Vedi, innerhalb der Vedi, durch das Opfer, Brahma vollständig. Auch dies, hier und jetzt, ist auf der Vedi, innerhalb der Vedi, durch das Opfer vollständig ergriffenes Brahma. Dazu sagt man: Wenn die anderen Hotra-Verrichtungen innerhalb der Vedi geschehen, wie kommt es dann, dass der Subrahmaṇya-Priester außerhalb der Vedi handelt? Man sollte antworten: Dies, der Kehrichthaufen (Utkara), ist eben das Selbst der Vedi; dies, die Subrahmaṇyā-Anrufung, ist das unmittelbar sichtbare Brahma. Indem er, auf dem Utkara stehend, die Subrahmaṇyā anruft, ist es für ihn eben innerhalb der Vedi getan. »Subrahmaṇyoṃ, Subrahmaṇyoṃ, Subrahmaṇyoṃ« – so spricht er dreimal. Die Rede nämlich ist Subrahmaṇyā. So ergreift er zuerst eben diese Rede. Brahma aber ist die Rede, der Saft (Rasa) das Oṃ. Diese Rede erfreut er mit dem Saft. Deshalb rufen einige eben mit vorangestelltem Oṃ: »Oṃ Subrahmaṇya« –

[Anm.: Die Subrahmaṇyā ist der berühmte, außerhalb der eigentlichen Hotra-Reihe stehende, weithin hörbare Ruf, mit dem der Subrahmaṇya-Priester Indra zum Soma-Opfer einlädt. Die Deutung ›Brahma = Sonne/Ādityaʻ, ›Subrahma = Redeʻ ordnet den Ruf selbst der Sphäre der Rede zu, im Unterschied zum kosmischen, in der Sonne verkörperten Brahma. Die anschließende Diskussion um Utkara (den Kehrichthaufen neben der Vedi) und Antarvedi/Bahirvedi (innerhalb/außerhalb der Vedi) behandelt eine reale rituelle Besonderheit: Der Subrahmaṇya-Ruf wird, anders als die übrigen Hotra-Handlungen, vom Utkara aus, also scheinbar außerhalb der Vedi, vollzogen.]

--prāṇo hy agre ’tha vāg iti. tad dha tan na tathā. yathā madhv āsicya lājān āvapet, tad anyadheva syāt, tādṛk tat. tasmāt subrahmaṇyom ity evāhvayet. indrāgaccheti. indram eva tad yajña āhvayati. hariva āgaccheti. haribhyām āyāhīti vāvainaṃ tad āha. prāṇāpānau vāsya harī. tau hīdaṃ sarvaṃ hartārau harata. atho ahorātrau vāsya harī. tau hīdaṃ sarvaṃ hartārau harataḥ. medhātither meṣeti. medhātither ha meṣo bhūtvā rājānaṃ papau. vṛṣaṇaśvasya mena iti. vṛṣaṇaśvasya ha menā bhūtvā maghavā kula uvāsa. gaurāvaskandinn iti. tato haiva gauro bhūtvārṇavam avacaskanda. ahalyāyai jāreti. ahalyāyai ha maitreyyai jāra āsa. kauśika brāhmaṇa kauśika bruvāṇeti. yad dha vā asurair mahāsaṃgrāmaṃ saṃyete tad dha vedān nirācakāra. tān ha viśvāmitrād adhijage. tato haiva kauśika ūce. atha ha vā eke kauśika brāhmaṇa gautam bruvāṇety āhvayanti --

– denn zuerst kommt der Atem, dann die Rede. Doch das ist so nicht richtig. Es wäre, wie wenn man, nachdem man Honig eingegossen hat, nachträglich geröstete Körner hineinschüttete – das wäre etwas ganz anderes; ebenso verhält es sich hier. Deshalb sollte man eben »Subrahmaṇyoṃ« mit angehängtem Oṃ rufen. »Indra, komm!« – damit ruft er eben Indra selbst zum Opfer. »Der du die Falben hast, komm!« – oder er spricht zu ihm: »Komm mit den beiden Falben!« Seine beiden Falben (Hari) sind nämlich Atem-und-Ausatem; diese beiden tragen ja als Träger alles hier. Oder auch: Seine beiden Falben sind Tag-und-Nacht; diese beiden tragen ja als Träger alles hier ebenso. »Der du wurdest Medhātithis Widder!« – Widder des Medhātithi geworden, trank er den König. »Der du wurdest Vṛṣaṇaśvas Menā!« – Menā des Vṛṣaṇaśva geworden, wohnte der Freigebige im Hause. »Als Gaura Herabspringender!« – da sprang er, ein Gaura-Wildrind geworden, in die Flut hinab. »Der Liebhaber der Ahalyā!« – er war der Liebhaber der Ahalyā Maitreyī. »Kauśika, Brahmane, der sich Kauśika nennt!« – als er den großen Kampf mit den Asuras kämpfte, warf er die Veden fort; er erlangte sie von Viśvāmitra zurück; deshalb heißt er eben Kauśika. Manche aber rufen: »Kauśika, Brahmane, der sich Gautama nennt!« –

[Anm.: Die hier aufgezählten mythologischen Anspielungen gehören zum festen, auch aus den Śrautasūtras bekannten Bestand der Subrahmaṇyā-Anrufung: Indras Verwandlung in den Widder des Sehers Medhātithi, seine Erscheinung als Menā im Haus des Vṛṣaṇaśva, sein Sprung als Gaura-Wildrind ins Meer, seine Liebschaft mit Ahalyā (der Frau des Gautama) und die Wiedererlangung der von ihm im Asura-Kampf verworfenen Veden von Viśvāmitra Kauśika – letzteres die Ätiologie des Beinamens ›Kauśikaʻ. Die abweichende Anrufform ›Gautamaʻ (statt des zweiten ›Kauśikaʻ) wird in 2.80 ausdrücklich einem bestimmten Lehrer, Āruṇi, zugeschrieben und von der hier vertretenen Schultradition verworfen – ein seltener, expliziter Beleg innerschulischer Lehrstreitigkeit um den genauen Wortlaut einer Ritualformel.]

--tad u ha vā āruṇinaiva yaśasvinopajñātam. tasmād u tasyāśāṃ neyāt. tasmāt kauśika brāhmaṇa kauśika bruvāṇety evāhvayet. devā brahmāṇa āgacchatāgacchateti devāṃśa caiva tad brāhmaṇāṃś ca samāmantrayante. te hāsmai samāmantritās sumatim icchante. tasmād u ha samāmantrya māparādhnuyān, nen mopavadād iti. tad āhuḥ - kiṃchandas subrahmaṇyeti. triṣṭub iti brūyāt. aindrī hi triṣṭub iti. tad āhuḥ - kiṃdevatyā subrahmaṇyeti. aindrīti brūyāt. indraṃ hy enayāhvayatīti. atho ha brūyād vaiśvadevīti. viśvān hy enayā devān āhvayatīti. tad āhur - yad anyā hotrā stotravatyaś śastravatyo ’tha kva subrahmaṇyāyai stotraṃ kva śastram iti. sa brūyād etasyām evaitat sarvaṃ yad ṛk sāma yajuḥ. tenāsya subrahmaṇyā stotravatī śastravatī bhavatīti. tad āhuḥ - kim iva svit subrahaṇyarg iva svī3t sāmevā3 utāho yajur ivā3 iti. sa brūyān naivaiṣarṅ na yajur na sāma. sarvam ivaiva. sarvam iva hy eva brahmeti. atha yāṃ krīte rājani subrahmaṇyām āhvayati yām etāṃ dakṣiṇāsu nīyamānāsūtkare tiṣṭhan subrahmaṇyām āhvayati saiveyam. atho yat prāyaṇaṃ tad udayanam asad iti. atho āgata evedras, taṃ mā nirvocāmeti. eṣā ha vai dhenuḥ pañcavatsā pañcapadā. yad dha vā idam āhuḥ pāṃktāḥ paśava ity etad dha tat. tāṃ ha vā eke yathādevatām āhvayanti. sarvāgneyīm agniṣṭuta, aindrīm indrastomasya, vaiśvadevīṃ vaiśvadevasya, aniruktām aniruktasya. tad u ha śaśvan na tathā. no hi brahmaṇo vyāpādo ’sti. yathānipatitam evāhvayed yathānipatitam evāhvayet

– dies aber wurde erst vom ruhmreichen Āruṇi so gelehrt. Deshalb sollte man seiner Richtung nicht folgen. Deshalb sollte man eben rufen: »Kauśika, Brahmane, der sich Kauśika nennt!« »Götter! Brahmanen! Kommt her, kommt her!« – damit ruft er zugleich die Götter und die Brahmanen herbei. Diese, so angerufen, erwarten von ihm Wohlwollen. Deshalb sollte man, sie so angerufen habend, nicht fehlgehen, damit sie einen nicht tadeln. Dazu fragt man: Welches Versmaß hat die Subrahmaṇyā? Man sollte sagen: Triṣṭubh. Denn die Triṣṭubh gehört Indra. Dazu fragt man: Welcher Gottheit gehört die Subrahmaṇyā? Man sollte sagen: Indra. Denn mit ihr ruft man Indra. Oder man sollte auch sagen: Den Allgöttern. Denn mit ihr ruft man alle Götter. Dazu sagt man: Wenn die anderen Hotra-Verrichtungen ihr Stotra und ihr Śastra haben – wo ist dann das Stotra, wo das Śastra der Subrahmaṇyā? Man sollte sagen: In eben dieser einen Anrufung ist alles das, was Ṛc, Sāman und Yajus ist. Dadurch hat seine Subrahmaṇyā ein Stotra und ein Śastra. Dazu fragt man: Ist die Subrahmaṇyā nun wie ein Ṛc, wie ein Sāman, oder wie ein Yajus? Man sollte sagen: Weder Ṛc noch Yajus noch Sāman – sie ist wie alles zugleich. Denn Brahma ist eben wie alles. Nun, die Subrahmaṇyā, die man beim Kauf des Königs anruft, und diejenige, die man, auf dem Utkara stehend, anruft, während die Ehrengaben fortgeführt werden – das ist ein und dieselbe. Und: Möge das Fortgehen zugleich ein Emporsteigen sein! Und: Indra ist nun gekommen – ich will ihn nicht wieder verabschieden. Dies ist die Milchkuh mit fünf Kälbern, mit fünf Füßen. Und was man sagt: »Das Vieh gehört zur Paṅkti-Ordnung« – eben dies ist damit gemeint. Manche rufen sie nun je nach der Gottheit an: die ganz Agni-bezogene für den Agniṣṭut, die Indra-bezogene für den Indrastoma, die Allgötter-bezogene für den Vaiśvadeva, die unbestimmte für den Anirukta-Stoma. Das aber ist durchweg nicht so zu machen. Denn es gibt keine Abwandlung des Brahma. Man sollte vielmehr genau so anrufen, wie es überliefert ist – man sollte genau so anrufen, wie es überliefert ist.

[Anm.: Die Ablehnung der von Āruṇi gelehrten Variante ist ein seltener, namentlich benannter Beleg für Lehrmeinungsverschiedenheiten zwischen vedischen Schulen um den korrekten Wortlaut einer Ritualformel. Die abschließende Charakterisierung als ›Milchkuh mit fünf Kälbern, mit fünf Füßenʻ und die Zuordnung zur Paṅkti-Ordnung (dem fünfteiligen Versmaß-Schema) bleibt in ihrer genauen technischen Bedeutung unklar; sie dürfte sich auf eine besondere, fünfgliedrige Rezitationsform der Subrahmaṇyā beziehen. Die abschließende zweifache Wiederholung ›man sollte genau so anrufen, wie es überliefert istʻ markiert den Schluss des ganzen Subrahmaṇyā-Traktats (seit 2.78).]

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