Quellen der Menschheit

Jaiminīya-Brāhmaṇa · Kāṇḍa 2

Kapitel 20 Das Rätsel des Vaters: Ahīnas Āśvatthi und die Zahlen-Katechese

Als seine Söhne ihn um Unterweisung für das Jahres-Sattra bitten, warnt Ahīnas Āśvatthi zunächst vor den im Jahr 'wie Speichen in der Nabe' verankerten Toden, gibt ihnen dann aber eine Reihe bewusst verhüllter (parokṣa) Gebote und Verbote – 'steht fest auf den sechs Grundlagen', 'weicht nicht von den sechs Haritmatīs' –, die er auf ihre Bitte hin Stück für Stück auflöst: als Sāman-Nidhanas, Iḍā-Verteilungen, ein vierrädriges Bṛhatī-Gefährt, ein Boot aus Auśana-und-Kāva, ein Floß aus dem Abhīvarta. Es folgen drei parallele Durchgänge derselben Gavāmayana-Struktur – körperbezogen als Puruṣa, götterbezogen als kosmische Mächte, und existentiell als tatsächliches Wohnen der Sattrins in Brahman, Kṣatra, Agni und den anderen Bereichen –, mit der Unterscheidung zwischen den 'in der Wahrheit Sitzenden' (Satisad) und den bloß 'im Sattra Sitzenden' (Satrasad). Höhepunkt ist die dichte, upaniṣadisch anmutende Katechese des Pravati Kauśānteya bei seinem Lehrer Kusurvinda Auddālaki, der die Zahlen zehn bis eins schrittweise auf den einen Tag zurückführt: 'Eben das Gewesene wird das Künftige sein.'

ahīnasaṃ hāśvatthiṃ putrā upasametyocus - satrāyāmo vai bhagavo ’nu naś śādhīti. sa hovāca - maivaṃ vocata. durupadharṣo vai saṃvatsaraḥ. yathā vai rathanābhāv arāḥ pratiṣṭhitā, evaṃ vai saṃvatsare sarve mṛtyavaḥ pratiṣṭhitāḥ. athaitad evaṃ brūtheti. te hocus teṣāṃ vai tvam eva bhiṣag asi, tvaṃ prāyaścittir, anv eva naś śādhīti. tad dhāsya priyam āsa. sa hovācaivaṃ ced brūtha, ṣaṭsu sma pratiṣṭhāsu pratitiṣṭhata. ṣaḍbhya sma haritmatībhyo meta. catuścakraṃ sma pārayiṣṇuṃ samārohata. svargasya sma lokasya patho ’ñjasāyanān meta. saṃvatsarasya sma vyāptam atiplavadhvam. daivyaṃ sma mithunam upeta. praspaṣṭāt sma sārthān mā hīyadhvam. acyutaṃ sma yajñasya mā cyāvayata. yajñasya sma śvastanam upeta. vācaṃ sma satyavatīm upeta. varṣiṣṭhān smājau yuṅdhvam. uttarāvatīṃ sma śriyam upeta. svargaṃ sma loke pratitiṣṭhata. grāmāt smāraṇyaṃ meta. jñānāt smāvirbhavān meta. daivyāt sma vivāhān meta. yajñāt sma meteti. etāni hainān anuśaśāsa. te hocur anu na idam aśiṣaḥ parokṣeṇaiva. tathā no ’nuśādhi yathedaṃ vijānīyāmeti

Die Söhne des Ahīnas Āśvatthi traten zu ihm und sprachen: »Wir wollen ein Sattra begehen, ehrwürdiger Herr! Unterweise uns entsprechend!« Er sprach: »Sprecht nicht so. Schwer anzugehen nämlich ist das Jahr. Wie in der Nabe des Wagenrads die Speichen befestigt sind, so sind im Jahr alle Tode befestigt. Und dennoch sprecht ihr so?« Sie sprachen: »Du bist doch für diese der Heiler, du die Sühne – so unterweise uns eben entsprechend!« Das gefiel ihm. Er sprach: »Da ihr so sprecht: Steht fest auf den sechs Grundlagen! Weicht nicht von den sechs Haritmatīs! Besteigt das vierrädrige, überführende Gefährt! Weicht nicht vom geraden Weg zur Himmelswelt! Durchschwimmt die Weite des Jahres! Nähert euch dem göttlichen Paar! Weicht nicht vom deutlich sichtbaren Zug ab! Erschüttert nicht das Unerschütterliche des Opfers! Nähert euch dem Morgen des Opfers! Nähert euch der wahrhaften Rede! Spannt im Wettkampf die Vortrefflichsten an! Nähert euch dem aufsteigenden Glanz! Steht fest in der Himmelswelt! Weicht nicht vom Dorf in die Wildnis! Weicht nicht vom Wissen zum bloßen Scheinen! Weicht nicht von der göttlichen Vermählung! Weicht nicht vom Opfer!« So unterwies er sie. Sie sprachen: »Du hast uns dies nur auf verhüllte Weise gelehrt. Unterweise uns so, dass wir es wirklich verstehen können!«

[Anm.: Neue Erzähleinheit: Ahīnas Āśvatthi warnt seine Söhne vor den tödlichen Gefahren des Jahres (Speichen-in-der-Nabe-Bild) und erteilt ihnen, nachdem sie ihn als ihren Heiler anerkannt haben, eine Reihe bewusst rätselhafter (parokṣa) Weisungen im Wechsel von Geboten (Anschluss suchen an: sechs Grundlagen, das vierrädrige Gefährt, das göttliche Paar, Wahrheit, die Besten, aufsteigenden Glanz, die Himmelswelt) und Verboten (nicht abweichen von: sechs Haritmatīs, dem geraden Weg, dem sichtbaren Zug, dem Unerschütterlichen, dem Dorf, dem Wissen, der göttlichen Vermählung, dem Opfer). Die Söhne fordern zu Recht eine klare Erklärung ein; diese liefert Ahīnas systematisch in den folgenden Abschnitten 2.420–422 und vermutlich darüber hinaus, wo jede Rätselformel einzeln aufgelöst wird.]

sa hovāca yad vo ’vocaṃ - ṣaṭsu sma pratiṣṭhāsu pratitiṣṭhateti, nidhanavanti sma pavamānamukhebhyo mā cyāvayatety eva vas tad avocam iti. eṣā ha vai sāmnaḥ pratiṣṭhā yan nidhanam. ṣaḍ etāni nidhanavanti bhavanti, ṣaḍ ṛtavas saṃvatsaraḥ. sa yathā vṛkṣam ākramaṇair ākramamāṇa iyād evam evaitais sāmanidhanai svargaṃ lokaṃ rohanto yanti. tasmān nidhanavanti pavamānamukhebhyo na cyāvayitavyāni. atha yad vo ’vocaṃ ṣaḍbhya sma haritmatībhyo metetīḷāvibhaktir eva vas tad avocam, iḷābhi sma bṛhatīr ārabhadhvam ity eva vas tad avocam iti. tā etāṣ ṣaḍ haritmatīḥ. sa yathā ṣaḍ ḍharitmatīr aśvatarīs saṃyujya yatra jigamiṣet tad gacched, evam evaitābhir iḷāvibhaktibhi svargaṃ lokam abhyaśnuvate. tasmād iḷābhir eva bṛhatīr ārabhyā

Was er zu ihnen gesagt hatte – »Steht fest auf den sechs Grundlagen« –, das meinte er damit: »Bringt die mit Nidhana versehenen Sāmans nicht von ihren Pavamāna-Anfängen ab.« Dies nämlich ist die Grundlage des Sāman: das Nidhana. Sechs sind diese mit Nidhana versehenen Sāmans, sechs die Jahreszeiten des Jahres. Wie einer, der einen Baum an Steighilfen emporsteigt, hinaufgelangte, so gelangen sie eben, an diesen Sāman-Nidhanas emporsteigend, zur Himmelswelt. Daher dürfen die mit Nidhana versehenen Sāmans nicht von ihren Pavamāna-Anfängen abgebracht werden. Und was er zu ihnen gesagt hatte – »Weicht nicht von den sechs Haritmatīs« –, das meinte er damit die Iḍā-Verteilung: »Ergreift die Bṛhatīs mittels der Iḍā-Opfergaben.« Dies sind die sechs Haritmatīs. Wie man, sechs falbe Maultiere angespannt, dorthin gelangte, wohin man gelangen wollte, so erlangen sie eben durch diese Iḍā-Verteilungen die Himmelswelt. Daher sind die Bṛhatīs eben mittels der Iḍā-Opfergaben zu ergreifen.

[Anm.: Erste Auflösung der Rätselreihe aus 2.419: die sechs Grundlagen sind die Nidhana-Enden der sechs Jahreszeiten-Sāmans, veranschaulicht durch das Bild des Baumerkletterns über Steighilfen zur Himmelswelt; die sechs Haritmatīs (wörtlich ›falbe Stutenʻ) sind die Iḍā-Verteilungen, verglichen mit sechs angespannten Maultieren, die einen ans Ziel bringen.]

atha yad vo ’vocaṃ catuścakraṃ sma pārayiṣṇuṃ samārohateti, pra soma devavītaye, parīto ṣiñcatā sutam, abhi somāsa āyavaḥ, punānas soma dhārayety etā eva vas tac catasro bṛhatīr avocam iti. eṣa ha vai catuścakra pārayiṣṇur yad etā bṛhatyaḥ. sa yathā catuścakreṇa pārayiṣṇunā yatra jigamiṣeta tad gacched, evam evaitābhir bṛhatībhir bṛhatībhi svargaṃ lokaṃ gacchanti. atho eṣa vāva devarathaḥ. sa yathā devarathena suyuktena yatra jigamiṣet tad gacched, evam evaitābhir bṛhatībhi svargaṃ lokaṃ gacchanti. tasmād etā eva bṛhatīḥ kāryāḥ. atha yad vo ’vocaṃ svargasya sma lokasya patho ’ñjasāyanān metety, auśanakāve eva vas tad avocam iti. eṣa ha vai svargasya lokasya panthā añjasāyano yad auśanakāve. auśanaṃ purastād bhavati kāvam upariṣṭāt. tāv etat pitāputrāv eva nāvam ajataḥ. sa yathā pitāputrau nāvam ajantau tām ariṣṭāṃ svasti pāraṃ gamayeyātām, evam evaitad auauśanakāvābhyāṃ svasty ariṣṭā udṛcam aśnuvate. tasmād auśanakāve nāvasṛjye

Und was er zu ihnen gesagt hatte – »Besteigt das vierrädrige, überführende Gefährt« –, das meinte er damit eben diese vier Bṛhatī-Verse: »Vorwärts, o Soma, zum Göttermahl«, »Umgießt ringsum den ausgepressten Saft«, »Zu uns, o Soma-Säfte, ihr Lebendigen«, »Dich läuternd, o Soma, fließe«. Dieses vierrädrige, überführende Gefährt nämlich sind eben diese Bṛhatīs. Wie man mit einem vierrädrigen, überführenden Gefährt dorthin gelangte, wohin man gelangen wollte, so gelangen sie eben durch diese Bṛhatīs zur Himmelswelt. Und dies ist zugleich der Wagen der Götter. Wie man mit einem gut angespannten Götterwagen dorthin gelangte, wohin man gelangen wollte, so gelangen sie eben durch diese Bṛhatīs zur Himmelswelt. Daher sind eben diese Bṛhatīs zu vollziehen. Und was er zu ihnen gesagt hatte – »Weicht nicht vom geraden Weg zur Himmelswelt« –, das meinte er damit das Auśana-und-Kāva-Paar. Dieser gerade Weg zur Himmelswelt nämlich ist das Auśana-und-Kāva. Das Auśana kommt zuerst, das Kāva danach. Diese beiden, wie Vater und Sohn, treiben ein Boot. Wie Vater und Sohn, ein Boot treibend, dieses unversehrt, wohlbehalten ans andere Ufer brächten, so erlangen sie eben durch dieses Auśana-und-Kāva unversehrt, wohlbehalten den Udṛc, den Aufwärtsvers. Daher sind das Auśana und das Kāva wie ein auszusetzendes Boot zu behandeln.

[Anm.: Setzt die Auflösung fort: das vierrädrige Gefährt sind vier konkrete Bṛhatī-Verszitate, mit dem Devaratha (Götterwagen) als zusätzlichem Vergleichsbild; der gerade Weg zur Himmelswelt ist das Auśana-und-Kāva-Sāman-Paar, veranschaulicht durch ein Vater-Sohn-Bootsbild. Die im Sanskrit erscheinende Verdopplung ›auauśanakāvābhyāmʻ ist vermutlich ein Schreibfehler für ›auśanakāvābhyāmʻ und wird entsprechend übersetzt.]

atha yad vo ’vocaṃ saṃvatsarasya sma vyāptam atiplavadhvam ity abhīvartaṃ vā sma pavamāne kurudhvaṃ plavaṃ vety eva vas tad avocam iti. etad dha vai saṃvatsarasya vyāptaṃ yad ṛtavo yan māsā yad ṛtusandhayaḥ. tad u vā āhur ya ṛtavo ye māsā ya ṛtusandhayo ’horātre vāva tad bhavataḥ. ahorātre vāva saṃvatsarasya vyāptam iti. tat plavaḥ kāryaḥ. atra vai gauḥ plavate, ’va hasty, ava puruṣaḥ, plavo nāvaplavate. tad etena plavenānavaplāvinaitat saṃvatsarasya vyāptam atiplavāmahā iti. tad āhur asti paricakṣā plavātiplutā iti vai nindanti. yo vai jīyate yo hīyate, tam āhur aploṣṭeti. abhīvarta eva kāryaḥ. tasyaikākṣaraṃ nidhanaṃ bhavati. ekākṣarā vai vāk. vāg u kṛtsnaṃ brahma. tad etena kṛtsnena brahmaṇā yathā carmaṇā kudīkaṇṭakān prāvṛtyātīyād evam evaitat saṃvatsarasya vyāptaṃ prāvṛtyātiyanti. atho yathā taptān pāṃsūn upānahy atīyāt tādṛk tat. tasmād abhīvarta eva kāryaḥ. atha yad vo ’vocaṃ daivyaṃ sma mithunam upetety, uccā te jātam andhasā, svādiṣṭhayā madiṣṭhayety ete eva vas tad gāyatryāv avocam iti. etad vai daivyaṃ mithunaṃ yad ete gāyatryā - uccā ta iti puṃso rūpaṃ, svādiṣṭhayeti striyai. tad etan mithunaṃ prajananaṃ kriyate. pra mithunena jāyate ya evaṃ veda. tasmād ete eva gāyatryau kārye

Und was er zu ihnen gesagt hatte – »Durchschwimmt die Weite des Jahres« –, das meinte er damit: »Macht bei den Pavamāna-Versen das Abhīvarta, ein Floß gleichsam!« Dies nämlich ist die Weite des Jahres: die Jahreszeiten, die Monate, die Jahreszeiten-Verbindungen. Man sagt aber auch: Die Jahreszeiten, die Monate, die Jahreszeiten-Verbindungen – das sind eben Tag und Nacht. Tag und Nacht eben ist die Weite des Jahres. Daher ist ein Floß zu machen. Hier nämlich sinkt eine Kuh unter, sinkt ein Elefant unter, sinkt ein Mensch unter – ein Floß aber sinkt nicht unter. »Durch dieses nicht-versinkende Floß mögen wir diese Weite des Jahres durchschwimmen«, so denkt man. Dazu gibt es einen tadelnden Ausspruch: Man schmäht einen als »vom Floß Überschwommenen«. Wer besiegt wird, wer zurückbleibt, den nennt man »einen Nicht-Schwimmer«. Eben das Abhīvarta ist zu vollziehen. Dessen Nidhana ist einsilbig; denn einsilbig ist im Wesen die Rede. Und die Rede ist das ganze Brahman. Durch dieses ganze Brahman gehen sie, wie man, in eine Haut gehüllt, über dorniges Gestrüpp hinweggehen würde, ebenso über diese Weite des Jahres hinweg, eingehüllt. Und wie man, Sandalen tragend, über heißen Sand hinweggehen würde, so ist es auch hier. Daher ist eben das Abhīvarta zu vollziehen. Und was er zu ihnen gesagt hatte – »Nähert euch dem göttlichen Paar« –, das meinte er damit eben diese beiden Gāyatrī-Verse: »Hoch ist deine Geburt durch den Somastengel«, »Auf das Süßeste, auf das Berauschendste«. Dieses göttliche Paar nämlich sind eben diese beiden Gāyatrīs. »Hoch ist deine Geburt« ist die männliche Gestalt, »auf das Süßeste« die weibliche. So wird dieses Paar, diese Zeugung, vollzogen. Wer dies weiß, geht fürwahr durch die Paarung hervor. Daher sind eben diese beiden Gāyatrīs zu vollziehen.

[Anm.: Löst zwei weitere Rätselformeln auf: ›Durchschwimmt die Weite des Jahresʻ bedeutet das Abhīvarta-Sāman als Floß, mit einem Wortspiel um Floß/Versinken und dem Tadelbegriff ›vom Floß Überschwommenerʻ für einen Verlierer sowie dem einsilbigen Nidhana als Symbol der Rede-als-Brahman; ›Nähert euch dem göttlichen Paarʻ bedeutet zwei geschlechtlich gedeutete Gāyatrī-Verse, männlich und weiblich. Das Abhīvarta knüpft an seine erstmalige Einführung in 2.380 an.]

atha yad vo ’vocaṃ praspaṣṭāt sma sārthān mā hīyadhvam iti, bṛhadrathantare eva vas tad avocam iti. eṣa ha vai praspaṣṭaḥ sārtho yad bṛhdrathantare. ete ha vā etāny araṇyāny atinayato yāny etāni savanāraṇyāni. tad etad ṣaḍgrāmam iti - trivṛt stomaḥ. asti parastarām iti - pañcadaśaḥ. asti parastarām iti - saptadaśaḥ. asty eva parastarām ity - ekaviṃśaḥ. śrānta enad gacched iti triṇavaḥ. āsāyainad iti trayastriṃśaḥ. atha yathaikāṃ vā dve vāntaroṣyaiva tad yac chandomāḥ. kṣatraṃ vā ete sāmnāṃ yad bṛhadrathantare. kṣatriya u vā araṇyasyātinetā. tad yatra vai kṣatreṇāraṇyenaiti, yo vai tatra taṃ dasyur jānāti, yad yat syālvaṃ vā madhu vā bhavati, tenāsmā āvirbhavati. atha ye ’nye naṃṣṭrāḥ paripanthinaḥ, parāñcas te kakṣaṃ gahanāny abhyavayanti. sa yathā kṣatriyeṇa sahābibhyad araṇyam atīyād, evam evaitad bṛhadrathantarābhyām atiyanti. atho eṣa vāva devayānaḥ panthā yat pṛṣṭhyaṣ ṣaḍahaḥ. te devā etena devayānena pathaitaṃ svargaṃ lokaṃ gatvānvāgamān manuṣyāṇām abibhayuḥ. te hocur upa taj jānīta yathā no manuṣyā nānvāgacchān iti. ta etān yajñamuho rakṣāṃsi pratyauhan. tad yad dīkṣito mīyate yad rudhyate, ete haiva tat kurvanti. tad bṛhadrathantare evātinayataḥ. tān yān ete ghnanty, anetrān haiva tān ghnanti, ye bṛhadrathantare avasṛjanti. tasmād bṛhadrathantare nāvasṛjye

Und was er zu ihnen gesagt hatte – »Weicht nicht vom deutlich sichtbaren Zug ab« –, das meinte er damit eben das Bṛhat-und-Rathantara-Paar. Dieser deutlich sichtbare Zug nämlich ist das Bṛhat-und-Rathantara. Diese beiden nämlich führen durch jene Wälder, die die Somapressungs-Wälder sind. Dies, das »Sechsdörfer« genannt wird, ist der Trivṛt-Stoma. »Es gibt noch weiter darüber hinaus« ist der Pañcadaśa. »Es gibt noch weiter darüber hinaus« ist der Saptadaśa. »Es gibt fürwahr noch weiter darüber hinaus« ist der Ekaviṃśa. »Ermüdet gelangte man dorthin« ist der Triṇava. »Nachdem man sich dort niedergelassen hat« ist der Trayastriṃśa. Und wie man ein- oder zweimal unterwegs übernachtet, so sind die Chandoma-Tage. Die Kriegermacht unter den Sāmans nämlich sind diese, das Bṛhat-und-Rathantara. Der Krieger aber ist es, der durch den Wald führt. Wo man nämlich mit dem Krieger durch den Wald zieht, da erkennt einen der dortige Räuber, und was immer es an Wildbret oder Honig gibt, damit tritt er einem entgegen. Die anderen aber, die zerstörerischen Wegelagerer, wenden sich ab und ziehen sich ins dichte Gebüsch zurück. Wie man mit einem Krieger zusammen furchtlos durch den Wald zöge, so durchqueren sie eben dies mittels Bṛhat und Rathantara. Und dies ist zugleich der Götterpfad, das Pṛṣṭhya-Sechstagesopfer. Die Götter, auf diesem Götterpfad zur Himmelswelt gelangt, kehrten zurück; sie fürchteten die Menschen. Sie sprachen: »Ersinnt ein Mittel, damit die Menschen uns nicht nachfolgen!« Diese wehrten die opferfressenden Rakṣas ab. Dass der Geweihte stirbt, dass er behindert wird – eben diese bewirken das. Das Bṛhat-und-Rathantara aber führen sicher hindurch. Diejenigen, die jene töten, töten eben die Führerlosen – jene, die das Bṛhat-und-Rathantara preisgeben. Daher darf man das Bṛhat-und-Rathantara nicht preisgeben.

[Anm.: Löst die Formel ›Weicht nicht vom deutlich sichtbaren Zug abʻ als das Bṛhat-und-Rathantara-Paar auf (vgl. bereits kṣatraṃ vai bṛhat in 2.416) und entfaltet dazu ein eigenständiges Bild: die Sattrins als Karawane, die unter kriegerischem Geleit sicher durch einen gefährlichen Wald zieht, während unbegleitete Reisende Räubern zum Opfer fallen. Bemerkenswert ist die eingeschobene Rätselkette, die den aufsteigenden Stoma-Reigen (Trivṛt-Pañcadaśa-Saptadaśa-Ekaviṃśa-Triṇava-Trayastriṃśa) als Ausrufe einer zunehmend ermüdeten Reisegruppe personifiziert. Der abschließende Mythos – die Götter kehren fürchtend von der Himmelswelt zurück und wehren opferfressende Rakṣas ab, die für den Tod von Dīkṣitas verantwortlich gemacht werden – begründet, warum das Bṛhat-und-Rathantara als schützender Führer niemals preisgegeben werden darf.]

ata ha smāha nagarī jānaśruteyo - vṛkasya caratas sarpaṇam iti. ko vṛka iti. prajāpatir iti. kaḥ prajāpatir iti. saṃvatsara iti. tasya kiṃ sarpaṇam iti. ahorātre iti. ke ahorātre iti. bṛhadrathantare iti. etābhyāṃ ha vā eṣa etat sarpati. tau prāṇāpānau, tāv imau lokau, yad daivyaṃ mithunam. tau haitat saṃvatsarasyaiva pādāv ārabhya yanti. te svasty ariṣṭā udṛcam aśnuvate. atha yad vo ’vocam acyutaṃ sma yajñasya mā cyāvayateti, vāmadevyam eva vas tad avocam iti. etad dha vai yajñasyācyutaṃ yad vāmadevyam. prāṇo hi vāmadevyam. prāṇān ned avacchidyāmahā iti. atha yad vo ’vocaṃ yajñasya sma śvastanam upeteti gaurivītam eva vas tad avocam iti. etad dha vai yajñasya śvastanaṃ yad gaurivītaṃ, prajā śvastanaṃ, paśava śvastanaṃ, svargo loka śvastanam. sa yathā kṣetrajño grāmaṃ dhāvayed - adas sugaṃ tena yāsyāmo, ’das sutīrthaṃ tena tariṣyāmo, ’das suvasaṃ tad vatsyāma ity, evam etau gaurivītasyodāsāv avasānadarśau carataḥ. atho yathā somapravākas somaṃ prāhaivam etau gaurivītasyodāsau devebhyas somaṃ prāhatuḥ. proktasomo ha sa tāṃ rātriṃ vasati yasminn ahani gaurivītaṃ bhavati. atho hainaṃ devā īkṣante - dhāvata śvo yaṣṭeti. tad yad ekāhe gaurivītaṃ na kurvanti, ned devān lopayāmahā iti

Dazu pflegte Nagarī Jānaśruteya zu sagen: »Das Kriechen des wandernden Wolfes.« – »Was ist der Wolf?« – »Prajāpati.« – »Was ist Prajāpati?« – »Das Jahr.« – »Was ist sein Kriechen?« – »Tag und Nacht.« – »Was sind Tag und Nacht?« – »Bṛhat und Rathantara.« Mittels dieser beiden eben kriecht dieser dahin. Diese beiden sind Einatem und Ausatem, diese beiden sind diese beiden Welten, nämlich das göttliche Paar. Diese beiden gehen, nachdem sie eben die Füße des Jahres ergriffen haben. Sie erlangen unversehrt, wohlbehalten den Udṛc. Und was er zu ihnen gesagt hatte – »Erschüttert nicht das Unerschütterliche des Opfers« –, das meinte er damit das Vāmadevya. Dies nämlich, das Unerschütterliche des Opfers, ist das Vāmadevya; denn das Vāmadevya ist Atem. »Möchten wir nicht vom Atem abgeschnitten werden«, so denkt man. Und was er zu ihnen gesagt hatte – »Nähert euch dem Morgen des Opfers« –, das meinte er damit das Gaurivīta. Dies nämlich, der Morgen des Opfers, ist das Gaurivīta: Nachkommenschaft ist Morgen, Vieh ist Morgen, die Himmelswelt ist Morgen. Wie ein Landeskundiger zu einem Dorf hinführen würde, indem er spräche: »Dort ist ein leichter Weg, auf dem wollen wir gehen; dort ist eine gute Furt, dort wollen wir hinüberqueren; dort ist eine gute Wohnstatt, dort wollen wir bleiben« – so ziehen diese beiden Udāsa-Verse des Gaurivīta als Aufzeiger der Rastplätze umher. Und wie ein Soma-Ausrufer den Soma ansagt, so haben diese beiden Udāsa-Verse des Gaurivīta den Göttern den Soma angesagt. Wessen Soma angesagt ist, der verbringt jene Nacht in Ruhe, an deren Tag das Gaurivīta stattfindet. Und die Götter blicken auf ihn: »Eilt, morgen wird geopfert!« Dass man an einem Eintagsopfer das Gaurivīta nicht vollzieht, geschieht, damit man die Götter nicht enttäusche.

[Anm.: Nagarī Jānaśruteya (vgl. 2.397, 2.410) löst in Frage-Antwort-Form eine weitere Rätselkette auf: Wolf=Prajāpati=Jahr=Tag-und-Nacht=Bṛhat-und-Rathantara, womit Bṛhat/Rathantara hier, wie zuvor die Gāyatrī-Verse in 2.422, als eine weitere Instanz des ›göttlichen Paaresʻ erscheinen. Das Gaurivīta (vgl. bereits 2.385, wo es mit dem Plava-Sāman verbunden war) wird hier über sein Element ›Morgenʻ als Ankündigung des kommenden Tages gedeutet, mit dem Bild eines Landeskundigen, der Rastplätze anzeigt, und dem Prinzip, dass es nur bei mehrtägigen, nicht bei Eintagsopfern angewendet wird, da es begrifflich ein Morgen voraussetzt.]

atha yad vo ’vocaṃ - vācaṃ sma satyavatīm upeteti - purojitī vo andhasa ity etām eva vas tad anuṣṭubham avocam iti. eṣā vai vāk satyavatī yad eṣānuṣṭup. anuṣṭup pūrvā bhavati, gāyatryā uttare. vāg vā anuṣṭup, prāṇo gāyatrī. etad vai vācassatyaṃ yat prāṇaḥ. saiṣā vāk satyavatī. atho yathānyau navatarau cakrāv upāsyed evam evaitām anuṣṭubhaṃ tryahamukheṣu paryāharanti, svargasya lokasya samaṣṭyai. tasmād eṣaivānuṣṭup kāryā. atha yad vo ’vocaṃ varṣiṣṭhān smājau yuṅdhvam ity agniṣṭomasāmāny eva tasmād avocam iti. ete ha vai varṣiṣṭhā ājau yujyante yad agniṣṭomasāmāni yāni vai tāny akṣyantyahāni. atha yad vo ’vocam uttarāvatīṃ sma śriyam upeteti pṛṣṭhāny eva vas tad avocam iti. eṣā ha vā uttarāvatī śrīr yat pṛṣṭhāni - trivṛt pañcadaśam saptadaśam ekaviṃśaṃ triṇavam ity ā trayastriṃśād utkrāmanti. atha yad vo ’vocaṃ svarge sma loke pratitiṣṭhateti - yajñāyajñīyaṃ sma vo ’gniṣṭomasāmāstv ity eva vas tad avocam iti. eṣa ha vai svargo loko yad yajñāyajñīyam, asāv āditya ekaviṃśaḥ. etasminn eva tat svarge loke ’ntataḥ pratitiṣṭhanti

Und was er zu ihnen gesagt hatte – »Nähert euch der wahrhaften Rede« –, das meinte er damit eben diese Anuṣṭubh: »Erstsiegreich ist euer Anteil am Somastengel.« Diese wahrhafte Rede nämlich ist diese Anuṣṭubh. Die Anuṣṭubh kommt zuerst, die Gāyatrīs danach. Die Anuṣṭubh nämlich ist Rede, die Gāyatrī ist Atem. Dies aber ist die Wahrheit der Rede: der Atem. Eben diese ist die wahrhafte Rede. Und wie man zwei neuere Räder anbrächte, so führen sie eben diese Anuṣṭubh an den Anfängen der Dreitagesopfer herum, zur Erlangung der Himmelswelt. Daher ist eben diese Anuṣṭubh zu vollziehen. Und was er zu ihnen gesagt hatte – »Spannt im Wettkampf die Vortrefflichsten an« –, damit meinte er eben die Agniṣṭoma-Sāmans. Diese nämlich, die Agniṣṭoma-Sāmans, welche die unerschöpflichen Tage sind, werden im Wettkampf als die Vortrefflichsten angespannt. Und was er zu ihnen gesagt hatte – »Nähert euch dem aufsteigenden Glanz« –, damit meinte er eben die Pṛṣṭha-Gesänge. Dieser aufsteigende Glanz nämlich sind die Pṛṣṭhas: Trivṛt, Pañcadaśa, Saptadaśa, Ekaviṃśa, Triṇava – so steigen sie bis zum Trayastriṃśa hinauf. Und was er zu ihnen gesagt hatte – »Steht fest in der Himmelswelt« –, damit meinte er eben: »Das Yajñāyajñīya sei euer Agniṣṭoma-Sāman!« Diese Himmelswelt nämlich ist das Yajñāyajñīya, jene Sonne, der Einundzwanzigste. Eben in dieser Himmelswelt stehen sie am Ende fest.

[Anm.: Setzt die Auflösung der Rätselkette fort: die wahrhafte Rede ist eine konkrete Anuṣṭubh-Verszeile, mit dem Bild neu angebrachter Wagenräder für ihre wiederholte Anwendung an jedem Dreitagesopfer-Beginn; die Vortrefflichsten sind die Agniṣṭoma-Sāmans der unerschöpflichen Tage (Begriff akṣyantyahāni unsicher); der aufsteigende Glanz ist die vertraute Pṛṣṭha-Stoma-Reihe (Trivṛt bis Trayastriṃśa, vgl. 2.423); Steht-fest-in-der-Himmelswelt meint das Yajñāyajñīya, erneut mit der Sonne als Ekaviṃśa gleichgesetzt (vgl. 2.386 u.ö.).]

atha yad vo ’vocaṃ grāmāt smāraṇyaṃ metety - āhāryāṇi sma sāmāni mābhidhyāyatety eva vas tad avocam iti. sa yathā grāmād grāmaṃ saṃvrajed abibhyad evaṃ tad yad agniṣṭomasāmāni. atha yathāraṇyād araṇyaṃ yan sa kaṇṭakena vā śalākayā vā paritṛṇṇa āgacched, atho iyato no ’vyātsur iyanto vividhyamānānām amuṣmahīty evaṃ tad yad āhāryāṇi sāmāni. tasmād āhāryāṇāṃ sāmnāṃ nāśayitavyāni. atha yad vo ’vocaṃ jñānāt smāvirbhavān meteti, sujñānam eva vastad avocam iti. atha yad vo ’vocaṃ daivyāt sma vivāhān meteti, śyaitanaudhase eva vas tad avocam iti. atha yad vo ’vocaṃ yajñāt sma meteti, śraddhā sma vo mā vyaid ity eva vas tad avocam iti. eṣā ha vai devānāṃ rājñī yac chraddhā. saiṣā prātar upakramya tiṣṭhati. tāṃ devā upatiṣṭhante - yādrīcy eṣyati tadryañca eṣyāma iti. tasyai sarve devā anuvartmānas sāyaṃ juṣante. tam āviśati, sa juhoti, sa yajate. tad devā upajīvanti. etāṃ haibhyas tat saṃvatsare ’riṣṭim uvāca. te ya evaṃ vidvāṃsas saṃvatsaram upayanti, svasty evāriṣṭā udṛcam aśnuvate

Und was er zu ihnen gesagt hatte – »Weicht nicht vom Dorf in die Wildnis« –, das meinte er damit: »Begehrt nicht nach fremden, importierten Sāmans!« Wie man furchtlos von Dorf zu Dorf zöge, so ist es mit den eigenen Agniṣṭoma-Sāmans. Wie man aber, von Wildnis zu Wildnis ziehend, von Dorn oder Splitter zerstochen ankäme und dächte: »Mögen sie uns nicht so zahlreich verschlingen, so oft sind wir schon verwundet worden« – so ist es mit den importierten Sāmans. Daher darf man sich nicht auf importierte Sāmans verlassen. Und was er zu ihnen gesagt hatte – »Weicht nicht vom Wissen zum bloßen Scheinen« –, damit meinte er eben: rechtes Wissen. Und was er zu ihnen gesagt hatte – »Weicht nicht von der göttlichen Vermählung« –, damit meinte er das Śyaita-und-Naudhasa-Paar. Und was er zu ihnen gesagt hatte – »Weicht nicht vom Opfer« –, damit meinte er: »Der Glaube möge euch nicht verlassen!« Dies nämlich, der Glaube, ist die Königin der Götter. Sie steht, am Morgen aufgebrochen, fest da. Die Götter warten auf sie: »In welche Richtung sie auch gehen wird, in die gleiche Richtung wollen wir gehen.« Ihrem Pfad folgend, erfreuen sich alle Götter am Abend an ihr. Er tritt in sie ein, er opfert, er bringt das Opfer dar. Davon leben die Götter. Dies verkündete er ihnen als die Unversehrtheit im Jahr. Diejenigen, die so wissend das Jahr antreten, erlangen unversehrt, wohlbehalten den Udṛc.

[Anm.: Schließt die in 2.419 eröffnete Rätselkette ab. Das Verbot fremder, importierter Sāmans wird durch das kontrastierende Bild von Dorf-zu-Dorf- (sicher) und Wildnis-zu-Wildnis-Wanderung (gefährlich, von Dornen zerstochen) veranschaulicht. Śyaita-und-Naudhasa (vgl. 2.363, 2.368, 2.382–383) erscheint hier als göttliche Vermählung. Der Abschluss personifiziert Śraddhā (Glaube, Vertrauen) als Königin der Götter, der diese in ihrem Tagesverlauf folgen, ein weiteres Beispiel weiblich-personifizierter kosmischer Prinzipien neben Vāc. Mit diesem Abschnitt endet die gesamte, in 2.419 begonnene Ahīnas-Āśvatthi-Lehrerzählung; das abschließende Unversehrtheits-Motiv und die Udṛc-Formel schließen den Bogen zur Eingangswarnung vor den Toden im Jahr.]

puruṣaṃ vāvaitad āsate yat saṃvatsaram. puruṣo vai prajāpatiḥ, prajāpatis saṃvatsaraḥ. tam evaitad īpsanta āsata ātmānaṃ yajñaṃ kṛtvā. tasya pādāv eva prāyaṇīyo ’tirātraḥ. tayor yad adhastāc śuklaṃ tad ahno rūpaṃ, yad upariṣṭāt kṛṣṇaṃ tad rātrer nakhāny eva nakṣatrāṇām imāny eva catvāry ūrvaṣṭhī vānyārambhaṇīyam ahar ayam abhiplavo ’yaṃ pṛṣṭhyo ’yam ito ’rvācīno ’bhijid ayaṃ viśvajid ime traya svarasāmāna ime trayo ’yaṃ viṣuvān idaṃ mahāvratīyam ahar ayam udayanīyo ’tirātraḥ. idam ahno rūpam idaṃ rātrer nakhāny eva nakṣatrāṇām. tam etaṃ puruṣaṃ prajāpatiṃ saṃvatsaram āpnuvanty ātmānam eva yathāṅgam

Den Puruṣa eben durchsitzen sie, wenn sie das Jahr durchsitzen. Der Puruṣa nämlich ist Prajāpati, Prajāpati ist das Jahr. Eben ihn zu erlangen begehrend, sitzen sie, nachdem sie das Opfer zum Selbst gemacht haben. Seine beiden Füße sind eben der Prāyaṇīya-Atirātra. Von diesen beiden ist das, was unten weiß ist, die Gestalt des Tages; was oben schwarz ist, die der Nacht. Die Nägel eben sind die Sternbilder. Diese vier sind eben die Unterschenkel, oder auch der Anyārambhaṇīya-Tag. Dies ist der Abhiplava, dies der Pṛṣṭhya, dies diesseits davon der Abhijit, dies der Viśvajit, diese drei die Svara-Sāmans, diese drei entsprechend, dies der Viṣuvant, dies der Mahāvrata-Tag, dies der Udayanīya-Atirātra. Dies ist die Gestalt des Tages, dies die der Nacht; die Nägel eben sind die Sternbilder. Diesen Puruṣa, Prajāpati, das Jahr, erlangen sie, Glied für Glied, als eben ihr eigenes Selbst.

[Anm.: Bedeutender zusammenfassender Abschnitt: Die gesamte Struktur des Gavāmayana-Sattra (Prāyaṇīya-Atirātra – Abhiplava – Pṛṣṭhya – Abhijit – Viśvajit – Svara-Sāmans – Viṣuvant/Mahāvrata – Udayanīya-Atirātra) wird auf den Körper eines kosmischen Puruṣa abgebildet, der zugleich Prajāpati und das Jahr ist – eine Rekapitulation, die praktisch das gesamte bisher in Kāṇḍa 2 entfaltete Zahlen- und Ritengerüst (vgl. insbesondere 2.371 zum Gavāmayana-Ergänzungsteil, 2.409 zur Prajāpati-Jahr-Mythe, 2.406–408 und 2.414–415 zur Puruṣa-Konstruktionstechnik) als buchstäbliche Anatomie dieses Wesens deutet. Der Begriff ›ūrvaṣṭhiʻ, hier probeweise mit ›Unterschenkelʻ wiedergegeben, bleibt unsicher. Die Nägel-Sternbilder-Gleichung nutzt einen lautlichen Anklang zwischen nakha und nakṣatra.]

te manomayāḥ prāṇamayāś cakṣurmayāḥ śrotramayā vāṅmayā ṛṅmayā yajurmayās sāmamayā brahmamayā hiraṇmayā amṛtās saṃbhavanti. devāsurā aspardhanta. te devāḥ prajāpatim upādhāvan - jayāmāsurān iti. so ’bravīn na vai māṃ yūyaṃ vittha nāsurāḥ. yad vai māṃ yūyaṃ vidyāta tato vai yūyam eva syāta parāsurā bhaveyur iti. tad vai brūhīty abruvan. so ’bravīt - puruṣaḥ prajāpatis saṃvatsara iti mopāddhvam. tato vai yūyam eva bhaviṣyatha parāsurā bhaviṣyantīti. taṃ - puruṣaḥ prajāpatis saṃvatsara ity - upāsata, tato vai devā abhavan parāsurāḥ. sa yo haivaṃ vidvān - puruṣaḥ prajāpatis saṃvatsara ity - upāste bhaviṣyaty ātmanā, parāsya dviṣan bhrātṛvyo bhavati

Diese werden geistgemacht, atemgemacht, augengemacht, ohrgemacht, redegemacht, ṛc-gemacht, yajus-gemacht, sāmagemacht, brahmangemacht, goldgemacht, unsterblich. Die Götter und die Asuras stritten miteinander. Die Götter liefen zu Prajāpati: »Wir wollen die Asuras besiegen!« Er sprach: »Weder ihr noch die Asuras kennt mich. Würdet ihr mich kennen, dann würdet eben ihr obsiegen, die Asuras aber unterliegen.« »So sage es uns!«, sprachen sie. Er sprach: »Erfasst mich als: Puruṣa, Prajāpati, das Jahr. Dann werdet ihr obsiegen, die Asuras aber werden unterliegen.« Ihn – als Puruṣa, Prajāpati, das Jahr – erfassten sie, und da wurden die Götter obsiegend, die Asuras unterlagen. Wer, dies wissend, ihn als Puruṣa, Prajāpati, das Jahr, verehrt, wird durch das eigene Selbst obsiegen; sein hassender Rivale wird unterliegen.

[Anm.: Verbindet die Puruṣa-Prajāpati-Jahr-Gleichung aus 2.427 mit einem Devāsura-Wettstreitmythos: Prajāpati verweigert den Göttern zunächst seine Identität, da deren Kenntnis den Sieg garantiere; erst nachdem sie ihn als Puruṣa, Prajāpati, das Jahr erfassen, siegen sie über die Asuras. Der Nutzen wird explizit auf den Wissenden übertragen, mit dem seit 2.337 und 2.405 etablierten Begriff des bhrātṛvya (hassender Rivale) für den zu besiegenden Gegner.]

athādhidaivatam. ayam eva lokaḥ prāyaṇīyo ’tirātraḥ. tasya yac chuklaṃ tad ahno rūpaṃ, yat kṛṣṇaṃ tad rātreś, citrāṇy eva nakṣatrāṇām. saṃvatsara eva svargo loka, ārambhaṇīyam ahar, brahmābhiplavaḥ, kṣatraṃ pṛṣṭhyo, ’gnir abhijid, viśve devā svarasāmāna, ādityo viṣuvān, indro viśvajid, ahorātre eva goāyuṣī, lokā eva dvādaśāhasyāhāni, prajāpatir eva mahāvratīyam ahar, asāv eva loka udayanīyo ’tirātraḥ. idam ahno rūpam idaṃ rātrer nakṣatrāṇy eva nakṣatrāṇām

Nun in Bezug auf die Gottheiten: Eben diese Welt ist der Prāyaṇīya-Atirātra. Von ihr ist das Weiße die Gestalt des Tages, das Schwarze die der Nacht, die bunten Flecken eben die der Sternbilder. Das Jahr eben ist die Himmelswelt – der Ārambhaṇīya-Tag. Brahman ist der Abhiplava. Die Kriegermacht ist der Pṛṣṭhya. Agni ist der Abhijit. Die All-Götter sind die Svara-Sāmans. Āditya ist der Viṣuvant. Indra ist der Viśvajit. Tag und Nacht eben sind das Go-Āyus-Paar. Die Welten eben sind die Tage des Zwölftagesopfers. Prajāpati eben ist der Mahāvrata-Tag. Jene Welt eben ist der Udayanīya-Atirātra. Dies ist die Gestalt des Tages, dies die der Nacht; die Sternbilder eben sind die der Sternbilder.

[Anm.: Adhidaivata-Entsprechung (auf die Gottheiten bezogen) zur Adhyātma-Entsprechung (auf den eigenen Körper bezogen) aus 2.427: dieselbe Gavāmayana-Abfolge wird nun nicht auf die Puruṣa-Anatomie, sondern auf kosmische Mächte abgebildet (Erde, Jahr/Himmelswelt, Brahman, Kṣatra, Agni, All-Götter, Āditya, Indra, Tag-und-Nacht, die Welten, Prajāpati, jene Welt). Bezeichnend ist, dass die Nägel-Sternbilder-Wortspielformel aus 2.427 hier zu einer bloßen Identität, Sternbilder eben der Sternbilder, wird, da auf dieser Ebene kein Körper mit Nägeln existiert. Go-Āyus knüpft an das seit 2.324/2.363/2.375 etablierte Stoma-Paar an.]

te satisado ha vā anye satrasado ’nye. te yāṃ prāyaṇīyam atirātram upetya vasanty asminn eva tāṃ loke vasanti. tad yad asmin loke ’nnādyaṃ tad eva tenāvarundhate. atho ha vidyur asminn idam etarhi loke smas teṣāṃ no na kā canārtir astīti. atha yām ārambhaṇīyam ahar upetya vasanti saṃvatsara eva tāṃ svarge loke vasanti. tad yat saṃvatsare svarge loke ’nnādyaṃ tad eva tenāvarundhate. atho ha vidus saṃvatsara idam etarhi svarge loke smas teṣāṃ no na kā canārtir astīti. atha yām abhiplavam upetya vasanti brahmaṇy eva tāṃ vasanti. tad yad brahmaṇy annādyaṃ tad eva tenāvarundhate. atho ha vidyu(r) brahmaṇīdam etarhi smas teṣāṃ no na kā canārtir astīti. atha yāṃ pṛṣṭhyam upetya vasanti kṣatra eva tāṃ vasanti. tad yat kṣatre ’nnādyaṃ tad eva tenāvarundhate. atho ha vidyuḥ kṣatra idam etarhi smas teṣāṃ no na kā canārtir astīti. atha yām abhijitam upetya vasanty agnāv eva tāṃ vasanti. tad yad agnāv annādyaṃ tad eva tenāvarundhate. atho ha vidyur agnāv idam etarhi smas teṣāṃ no na kā canārtir astīti. atha yāṃ svarasāmna upetya vasanti viśveṣva eva tāṃ deveṣu vasanti. tad yad viśveṣu deveṣva annādyaṃ tad eva tenāvarundhate. atho ha vidyur viśveṣv idam etarhi deveṣu smas teṣāṃ no na kā canārtir astīti. atha yāṃ viṣuvatam upetya vasanty āditya eva tāṃ vasanti. tad yad āditye ’nnādyaṃ tad eva tenāvarundhate. atho ha vidyur āditya idam etarhi smas teṣāṃ no na kā canārtir astīti. atha yāṃ viśvajim upetya vasantīndra eva tāṃ vasanti. tad yad indre ’nnādyaṃ tad eva tenāvarundhate. atho ha vidyur indra idam etarhi smas teṣāṃ no na kā canārtirastīti. atha yāṃ goāyuṣī upetya vasanty ahorātrayor eva tāṃ vasanti. tad yad ahorātrayor annādyaṃ tad eva tenāvarundhate. atho ha vidyur ahorātrayor idam etarhi smas teṣāṃ no na kā canārtir astīti. atha yāṃ dvādaśāhasyāhāny upetya vasanti lokeṣv eva tāṃ vasanti. tad yal lokeṣv annādyaṃ tad eva tenāvarundhate. atho ha vidyur lokeṣv idam etarhi smas teṣāṃ no na kā canārtir astīti. atha yāṃ mahāvratīyam ahar upetya vasanti prajāpatāv eva tāṃ vasanti. tad yat prajāpatāv annādyaṃ tad eva tenāvarundhate. atho ha vidyuḥ prajāpatāv idam etarhi smas teṣāṃ no na kā canārtir astīti. atha yām udayanīyam atirātram upetya vasanty amuṣminn eva tāṃ loke vasanti. tad yad amuṣmin loka ’nnādyaṃ tad eva tenāvarundhate. atho ha vidyur amuṣminn idam etarhi loke smas teṣāṃ no na kā canārtir asti

Diejenigen, die den Prāyaṇīya-Atirātra antretend darin verweilen, verweilen eben in dieser Welt. Was in dieser Welt an Speise und Nahrung ist, das eben sichern sie sich dadurch. Und sie wissen: »Wir sind jetzt in dieser Welt; für uns gibt es keinerlei Unheil.« Diejenigen, die den Ārambhaṇīya-Tag antretend darin verweilen, verweilen eben im Jahr, in der Himmelswelt. Was im Jahr, in der Himmelswelt, an Speise und Nahrung ist, das eben sichern sie sich dadurch. Und sie wissen: »Wir sind jetzt im Jahr, in der Himmelswelt; für uns gibt es keinerlei Unheil.« Diejenigen, die den Abhiplava antretend darin verweilen, verweilen eben in Brahman. Was in Brahman an Speise und Nahrung ist, das eben sichern sie sich dadurch. Und sie wissen: »Wir sind jetzt in Brahman; für uns gibt es keinerlei Unheil.« Diejenigen, die den Pṛṣṭhya antretend darin verweilen, verweilen eben in der Kriegermacht. Was in der Kriegermacht an Speise und Nahrung ist, das eben sichern sie sich dadurch. Und sie wissen: »Wir sind jetzt in der Kriegermacht; für uns gibt es keinerlei Unheil.« Diejenigen, die den Abhijit antretend darin verweilen, verweilen eben in Agni. Was in Agni an Speise und Nahrung ist, das eben sichern sie sich dadurch. Und sie wissen: »Wir sind jetzt in Agni; für uns gibt es keinerlei Unheil.« Diejenigen, die die Svara-Sāmans antretend darin verweilen, verweilen eben unter den All-Göttern. Was unter den All-Göttern an Speise und Nahrung ist, das eben sichern sie sich dadurch. Und sie wissen: »Wir sind jetzt unter den All-Göttern; für uns gibt es keinerlei Unheil.« Diejenigen, die den Viṣuvant antretend darin verweilen, verweilen eben in Āditya. Was in Āditya an Speise und Nahrung ist, das eben sichern sie sich dadurch. Und sie wissen: »Wir sind jetzt in Āditya; für uns gibt es keinerlei Unheil.« Diejenigen, die den Viśvajit antretend darin verweilen, verweilen eben in Indra. Was in Indra an Speise und Nahrung ist, das eben sichern sie sich dadurch. Und sie wissen: »Wir sind jetzt in Indra; für uns gibt es keinerlei Unheil.« Diejenigen, die das Go-Āyus-Paar antretend darin verweilen, verweilen eben in Tag und Nacht. Was in Tag und Nacht an Speise und Nahrung ist, das eben sichern sie sich dadurch. Und sie wissen: »Wir sind jetzt in Tag und Nacht; für uns gibt es keinerlei Unheil.« Diejenigen, die die Tage des Zwölftagesopfers antretend darin verweilen, verweilen eben in den Welten. Was in den Welten an Speise und Nahrung ist, das eben sichern sie sich dadurch. Und sie wissen: »Wir sind jetzt in den Welten; für uns gibt es keinerlei Unheil.« Diejenigen, die den Mahāvrata-Tag antretend darin verweilen, verweilen eben in Prajāpati. Was in Prajāpati an Speise und Nahrung ist, das eben sichern sie sich dadurch. Und sie wissen: »Wir sind jetzt in Prajāpati; für uns gibt es keinerlei Unheil.« Diejenigen, die den Udayanīya-Atirātra antretend darin verweilen, verweilen eben in jener Welt. Was in jener Welt an Speise und Nahrung ist, das eben sichern sie sich dadurch. Und sie wissen: »Wir sind jetzt in jener Welt; für uns gibt es keinerlei Unheil.«

[Anm.: Dritter paralleler Durchgang durch dieselbe Zwölferstruktur (nach der Adhyātma-Fassung in 2.427 und der Adhidaivata-Fassung in 2.429): hier wird sie existentiell-praktisch gewendet – die Sattrins werden für jede Phase des Ritenjahres als tatsächlich wohnend im jeweiligen kosmischen Bereich beschrieben, sichern sich dessen spezifische Speise und Nahrung und vergewissern sich der eigenen Unversehrtheit. Die zwölffache wörtliche Wiederholung der immer gleichen Formel ist ein bewusstes Stilmittel des Quelltexts und wird hier entsprechend vollständig wiedergegeben.]

te satisado ha vā anye satrasado ’nye. satyevānye sīdanti satram anya āsate. te haiva satisado ya evaṃ vidvāṃso dīkṣante. etāsu hi devatāsu sati sīdanto yanti. te ha te sarvaṃ pāpmānam apaghnate. atha ya ete śikhācchinnāḥ prasarpam icchamānā āveṣṭante te haiva satrasadaḥ. ya evaṃ vidvāṃsam upavadati yathaitā devatā ṛtvānīyād evaṃ nety etāsu hy evainaṃ devatāsu prapannam etāsu vasantam upavadati tasya haitasya naiva kā canārtir asti ya evaṃ veda. ya evainam upavadati sa ārtim ārcchati. tāni vā etāni saṃvatsarasya daśaivāhāny - atirātrāv ārambhaṇīyamahāvratīye ahanī pṛṣṭhyābhiplavau viśvajidabhijitau svarasāmānaś ca viṣuvāṃś ca. pravatir ha kauśānteyaḥ kusurvindasyauddālaker brahmacāry āsa. taṃ hovācāṃ somya sūtaputra, kati te pitā saṃvatsarasyāhāny amanyateti. daśeti hovāca. daśa vāveti hovāca - daśākṣarā virāḍ, annaṃ virāḍ, vairājo yajñaḥ. katy evāmanyateti. naveti hovāca. nava vāveti hovāca. nava vai puruṣe prāṇāḥ. prāṇair u yajñas tāyate. katy evāmanyateti. aṣṭāv iti hovāca. aṣṭau vāveti hovāca. aṣṭākṣarā gāyatrī. gāyatro yajñaḥ. katy evāmanyateti. sapteti hovāca. sapta vāveti hovāca. sapta vai chandāṃsi, chandobhir yajñas tāyate. katy evāmanyateti. ṣaḍ iti hovāca. ṣaḍ vāveti hovāca. ṣaḍ vā ṛtavas saṃvatsaraḥ. saṃvatsaro yajñaḥ. katy evāmanyateti. pañceti hovāca. pañca vāveti hovāca. pāṃkto yajñaḥ. pāṃktāḥ paśavaḥ. paśavo yajñaḥ. katy evāmanyateti. catvārīti hovāca. catvāri vāveti hovāca. catasro diśaś, catuṣpadāḥ paśavaś, catvāri chandāṃsi yajñavāhaḥ - gāyatrī triṣṭub jagaty anuṣṭup. katy evāmanyateti. trīṇīti hovāca. trīṇi vāveti hovāca. triṣavaṇo yajñas, trayaḥ prāṇāpānavyānās, traya ime lokāḥ. katya evāmanyateti. dve iti hovāca. dve vāveti hovāca. ahorātrāv eveti. dvāv imau lokāv āviṣṭamāv iva, dvau prāṇāpānau, dvipāt puruṣaḥ. katy evāmanyateti. ekam iti hovāca. ekaṃ vāveti hovāca. ahar eveti. tad idam ahar abhūd, aha śvo bhavitā. tad etad ahar ahar ity eva procyate. sā haiṣā saṃvatsarasya pratiṣṭhā yad ahaḥ. sa yo hāsyaitāṃ pratiṣṭhāṃ veda, pratitiṣṭhati. eṣo evāsyaikatā. sa yo hāsyaitām ekatāṃ vedaikadhā hainaṃ bhūtvā śrīs sacate. tad āhur bhūtaṃ bhūyā3bhaviṣyā3d iti. bhūtam eva bhūyo bhaviṣyata iti brūyāt. bhūtā ime lokā bhūto ’yam agnir vāyur asāv āditya indraś candramāḥ. ete vai bhūtasya bhaviṣyataś ceśate. tasmād bhūtam eva bhūyo bhaviṣyata iti

Manche nun sind Satisad, in der Wahrheit Sitzende, andere sind bloß Satrasad, im Sattra Sitzende. Satisad sind diejenigen, die, dies wissend, sich weihen; denn diese gehen, in der Wahrheit unter diesen Gottheiten sitzend, ihren Weg. Diese schlagen alles Übel von sich ab. Diejenigen aber, die, nur am Schopf geschoren, ein bloßes Durchschlüpfen erstrebend, sich nur äußerlich einhüllen – diese eben sind die bloßen Sattra-Sitzenden. Wer einen, der dies weiß, deswegen tadelt, als sollte er nicht durch diese Gottheiten in ihrer rechten Zeitfolge gehen, der tadelt eben ihn, der sich diesen Gottheiten anvertraut hat, der unter diesen verweilt – für diesen aber, der dies weiß, gibt es keinerlei Unheil. Wer immer ihn tadelt, der gerät selbst ins Unheil. Dies nun sind die zehn Tage des Jahres: die beiden Atirātras, der Ārambhaṇīya- und der Mahāvratīya-Tag, der Pṛṣṭhya und der Abhiplava, der Viśvajit und der Abhijit, sowie die Svara-Sāmans und der Viṣuvant. Pravati Kauśānteya war Schüler des Kusurvinda Auddālaki. Zu ihm sprach dieser: »Lieber Sūtaputra – wie viele Tage des Jahres nahm dein Vater an?« – »Zehn«, sprach er. »Zehn fürwahr«, sprach jener – »zehnsilbig ist die Virāj, die Virāj ist Speise, das Opfer ist vairāja.« – »Wie viele nahm er sonst an?« – »Neun«, sprach er. »Neun fürwahr« – »neun sind die Atemzüge im Puruṣa; durch die Atemzüge eben wird das Opfer ausgesponnen.« – »Wie viele sonst?« – »Acht«, sprach er. »Acht fürwahr« – »achtsilbig ist die Gāyatrī, gāyatrisch ist das Opfer.« – »Wie viele sonst?« – »Sieben«, sprach er. »Sieben fürwahr« – »sieben sind die Versmaße, durch die Versmaße wird das Opfer ausgesponnen.« – »Wie viele sonst?« – »Sechs«, sprach er. »Sechs fürwahr« – »sechs Jahreszeiten hat das Jahr, das Opfer ist das Jahr.« – »Wie viele sonst?« – »Fünf«, sprach er. »Fünf fürwahr« – »fünffach ist das Opfer, fünffach das Vieh, das Vieh ist das Opfer.« – »Wie viele sonst?« – »Vier«, sprach er. »Vier fürwahr« – »vier sind die Himmelsrichtungen, vierfüßig das Vieh, vier die opfertragenden Versmaße: Gāyatrī, Triṣṭubh, Jagatī, Anuṣṭubh.« – »Wie viele sonst?« – »Drei«, sprach er. »Drei fürwahr« – »dreifach gepresst wird beim Opfer, dreifach sind Einatem, Ausatem und Zwischenatem, drei sind diese Welten.« – »Wie viele sonst?« – »Zwei«, sprach er. »Zwei fürwahr« – »eben Tag und Nacht: diese beiden Welten sind gleichsam ineinander eingegangen, zwei sind Einatem und Ausatem, zweifüßig ist der Puruṣa.« – »Wie viele sonst?« – »Eins«, sprach er. »Eins fürwahr« – »eben der Tag.« Dieser Tag ist gewesen, morgen wird er wieder sein. Daher eben wird dies »Tag für Tag« genannt. Dies eben ist die Grundlage des Jahres: der Tag. Wer diese seine Grundlage kennt, steht fest. Dies eben ist seine Einheit. Wer diese seine Einheit kennt, dem gesellt sich, einsgeworden, der Glanz zu. Dazu sagt man: »Das Gewesene wird das Kommende sein.« Man sollte sagen: »Eben das Gewesene wird das Künftige sein.« Gewesen sind diese Welten, gewesen ist dieser Agni, Vāyu, jene Sonne, Indra, der Mond. Diese eben walten über das Gewesene und das Künftige. Daher: »Eben das Gewesene wird das Künftige sein.«

[Anm.: Bedeutender Abschnitt mit zwei Teilen: (1) die Unterscheidung zwischen Satisad (aus Wissen heraus Weihende) und bloßen Satrasad (nur äußerlich geschoren) mit der Zusicherung, dass Kritik an einem Wissenden auf den Kritiker selbst zurückfällt; (2) die Zusammenfassung der Zwölferstruktur aus 2.427/429/430 zu zehn Tagen (durch Paarbildung: Abhiplava+Pṛṣṭhya, Abhijit+Viśvajit als je ein Tag gezählt) sowie die bemerkenswerte Pravati-Kusurvinda-Auddālaki-Lehrerzählung (Kusurvinda Auddālaki vgl. 2.332, 2.396): eine schrittweise zahlenreduktive Katechese von 10 (Virāj-Silben) über 9 (Atemzüge, vgl. die 9-Prāṇa-Zählung in 2.363/2.415), 8 (Gāyatrī-Silben), 7 (Versmaße), 6 (Jahreszeiten), 5 (Opfer/Vieh), 4 (Richtungen/Versmaße), 3 (Pressungen/Atemzüge/Welten), 2 (Tag-Nacht/Welten/Atemzüge/Puruṣa-Füße) bis hinunter zu 1 (der Tag selbst), der als ewig wiederkehrende Einheit von Vergangenem und Künftigem gedeutet wird. Dies ist eine der philosophisch dichtesten Passagen des Textes, in Ton und Reduktionslogik an upaniṣadische Lehrstücke erinnernd (vgl. bereits das frühe neti-neti in 2.407). Der Titel Sūtaputra (Sohn eines Sūta, der Wagenlenker-Kaste) bleibt als möglicher sozialer Hinweis unkommentiert im Text stehen.]

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