Kapitel 10
Der Doppelgänger Indras: Kutsa, Śacī und die verratenen Priester
Den erzählerischen Höhepunkt bildet die tragische Geschichte um Kutsa Aurava, der, aus Indras eigenem Schenkel gebildet und ihm zum Verwechseln ähnlich, dessen Gattin Śacī verführt; Indra unterscheidet sich fortan durch Kahlköpfigkeit und Turban von seinem Doppelgänger, bis auch Staubflecken zwischen den Schultern nötig werden – aus diesem abgeschüttelten Staub entsteht ätiologisch ein ganzes Volk, dessen König Kutsa wird. Dessen Hauspriester Upagu Sauśravasa verbietet zunächst jedes Opfer im Reich, lässt sich aber vom verkleideten Indra zweimal erfolgreich zum Opfern überreden; beim dritten Mal verrät er die Wahrheit, worauf Kutsa ihn zerstückelt und ins Wasser wirft – bis Upagus Vater am Ufer Indra erkennt, der aus dem Mund des Toten Soma trinkt, und durch Lobpreis die Wiederbelebung seines Sohnes erwirkt. Nicht weniger anschaulich ist die Fabel vom Krokodil Śarkara Śiṃśumāra, der Indra die Ehrerbietung verweigert, zur Strafe an Land austrocknet und erst durch ein eigens erschautes Loblied wieder ins Meer zurückgeschwemmt wird, sowie die Liebesgeschichte des Jarābodhīya: Der Adler Tārkṣya schmuggelt Gaurivīti Śākya, in einem Federkiel verborgen, zu der von ihrem Vater Asita Dhāmnya bewachten Geliebten und weckt ihn morgens mit dem Ruf 'Geliebter, erwache!' Daneben ordnet der Text die Triṣṭubh-Tagesliturgie und lässt Vasiṣṭha, als Vaiśya verspottet, sein Missgeschick mit dem Plava-Sāman überwinden.
yas te mado vareṇya ity ārbhavasya pavamānasya madvatīr gāyatryo bhavanti. raso vai madaḥ. dhītam ivaitad yat tṛtīyasavanam. tad yad etā madvatīr bhavanti rasam evāsminn etad dadhaty, aivainad etena pyāyayanti. tenā pavasvāndhasety andhasvatīr bhavanty - annaṃ vā andho - ’nnādyasyaivāvaruddhyai. agnir vṛtram amitriyam iti bārhataṃ rūpam. yad ūrdhvaṃ madhyaṃdinād tad etasyāhno bārhatam. saṃmiślo aruṣo bhuvas sūpasthābhir na dhenubhir iti. vibhraṣṭam ivaitad ahar yat saptamam. tad yat sūpasthābhir ity ahna evopasthityai. tāsu gāyatram uktabrāhmaṇam. athāgnerarka āgneyaṃ sāmāgneye ’han kriyate. āgneyam etad ahar yad gāyatram. agnir hi gāyatrī. tad yad atrāgnerarkaḥ kriyate ’har eva tadrūpeṇa samṛddhayanti. tenaibhyas samṛddhena svāyāṃ janatāyām ardhukaṃ bhavati. atho annaṃ vā arko, ’nnādyasyaivāvaruddhyai. atha somasāma. prajananaṃ vai somaḥ. prajananam etad ahaḥ. prajanana evaitat prajananaṃ kriyate. atho kṣatraṃ vai somaḥ. kṣatriya u vā annādyasya pradātā. sa yo ’nnādyasya pradātā sa no ’nnādyaṃ prayacchād iti. tad adhyardheḷaṃ bhavati - paśavo vā iḷā. paśavaś chandomā - abhipūrvāṇām eva paśūnām avaruddhyai
»Welches dein begehrenswerter Rausch ist« — so werden es die rauschreichen Gāyatrī-Verse der Ārbhava-Pavamāna. Essenz nämlich ist der Rausch. Wie gedacht ist diese dritte Pressung. Dass diese rauschreichen Verse werden, damit legen sie eben Essenz in diese hinein, damit lassen sie sie eben anschwellen. »Läutere dich mit dem Somastengel« — so werden es die stengelreichen Verse; der Somastengel nämlich ist Speise — eben zur Sicherung von Speise und Nahrung. »Agni, den feindlichen Vṛtra« — das hat die Gestalt des Bṛhat. Was oberhalb der Mittagspressung liegt, das ist das Bārhata dieses Tages. »Du bist rötlich geworden, dich mischend, wie mit gutem Lagerplatz versehene, wie Milchkühe« — wie gefallen ist dieser Tag, der siebte. Dass es hier »mit gutem Lagerplatz versehene« heißt, das dient eben dem festen Stand des Tages selbst. Bei ihnen ist das Gāyatra bereits erklärt. Nun der Agni-Arka: Dieses Agni-bezogene Sāman wird am Agni-Tag vollzogen. Agni-bezogen ist dieser Tag, der gāyatrische. Denn Agni ist die Gāyatrī. Dass hier der Agni-Arka vollzogen wird, damit lassen sie eben den Tag selbst durch diese Gestalt gedeihen. Dadurch, dass es für sie gedeiht, entsteht Gedeihen in ihrer eigenen Sippe. Und außerdem ist der Arka Speise — eben zur Sicherung von Speise und Nahrung. Nun das Soma-Sāman. Zeugung nämlich ist Soma. Zeugung ist dieser Tag. In der Zeugung eben wird eben diese Zeugung vollzogen. Und außerdem ist Kriegertum Soma. Der Krieger aber ist der Geber von Speise und Nahrung: »Wer der Geber von Speise und Nahrung ist, der möge uns Speise und Nahrung gewähren.« Das wird zum anderthalbfachen Iḷā — Vieh nämlich ist Iḷā. Die Chandomas sind Vieh — eben zur Sicherung von immerfort zunehmendem Vieh.
[Anm.: Dichte Fortsetzung des bereits in 3.173–182 etablierten Verszitat-Katalogs zur Gāyatra-Tag-Liturgie. Die Formel ›Speise und Nahrung‹ für annādya wird hier viermal konsequent von einfachem ›Speise‹ (anna) unterschieden. Der Ausdruck zum Gedeihen 'in ihrer eigenen Sippe' wiederholt wortnah eine Formulierung aus 3.184.]
atha dakṣoṇidhanam. vibhraṣṭam ivaitad ahar yat saptamam. tad dakṣoṇidhanenaiva saṃdakṣayanti. prajāpatiḥ prajā asṛjata. tā aprāṇā asṛjata. so ’kāmayata - prāṇavatīr ma imāḥ prajā syur iti. sa etat sāmāpaśyat. tenainā dakṣāyā ity evābhyamṛśat. prāṇā vai dakṣāḥ. prāṇān evāsu tad adadhāt. prāṇān evātmaṃś ca yajamāne ca dadhāti ya evaṃ veda. tad u hovāca sudakṣiṇaḥ kṣaimir manthaṃ hāsya kule vidur na vividur dakṣoṇidhanaṃ svit te pavamānamukhe cakrur iti. kathā heti. manthaṃ hi te kule na vindantīti. tasmād agner evārkaḥ prathamāyāṃ kāryaḥ. eṣa sya dhārayā suta iti santaninaḥ pragāthas, sasantanikena pragāthenaitad ahar bhiṣajyāmeti. vibhraṣṭam ivaitad ahar yat saptamam. tat sasantanikenaiva pragāthena bhiṣajyanti. avyā vārebhiḥ pavate madintamaḥ. krīḷann ūrmir apām iva. ity ati vā etarhi kakup kakubhaṃ krāmaty, aty anuṣṭub anuṣṭubham. saiṣā kakup satī triṣṭup saṃpadyate. tenātikrāmati. sāṣṭamam ahar ārabhate. ya usriyā apiyā antar aśmani nir gā akṛntad ojasā. abhi vrajaṃ tatniṣe gavyam aśvyaṃ varmīva dhṛṣṇav ā rujā. iti gomatīḥ paśumatīr bhavanti, paśūnām evāvaruddhyai. paśavo hi chandomāḥ
Nun das Dakṣoṇidhana. Wie gefallen ist dieser Tag, der siebte. Diesen machen sie eben durch das Dakṣoṇidhana fähig. Prajāpati schuf die Geschöpfe. Er schuf sie atemlos. Er wünschte: »Möchten diese meine Geschöpfe doch atembegabt werden!« Er erblickte dieses Sāman. Damit berührte er sie: »Werdet fähig!« Atemkräfte nämlich sind Fähigkeiten. Eben Atemkräfte legte er damit in sie hinein. Atemkräfte legt eben in sich selbst und in den Opferherrn, wer dies weiß. Da sprach Sudakṣiṇa Kṣaimi: »Den Mantha-Trank kannten sie doch in seiner Sippe — kannten sie ihn etwa nicht? Haben sie das Dakṣoṇidhana wohl an den Anfang der Pavamāna gesetzt?« »Wieso denn?« »Weil sie den Mantha-Trank in jener Sippe nicht kennen.« Deshalb ist eben der Agni-Arka zuerst zu vollziehen. »Dieser hier, im Strom ausgepresst« — das ist der Pragātha des Santani; »mit dem Santani-begleiteten Pragātha will ich diesen Tag heilen.« Wie gefallen ist dieser Tag, der siebte. Diesen heilen sie eben mit dem Santani-begleiteten Pragātha. »Mit den Schafwoll-Sieben läutert sich der Berauschendste, spielend wie eine Woge der Gewässer.« So überschreitet hierbei die Kakubh die Kakubh, die Anuṣṭubh die Anuṣṭubh. Diese selbst, obgleich Kakubh, wird zur Triṣṭubh. Dadurch überschreitet sie. Sie greift zum achten Tag hinüber. »Der du mit Kraft die verborgenen rötlichen Kühe im Fels herausschnittest, dich der Hürde voller Rinder und Rosse zuwandtest — durchbrich sie kühn, wie eine Rüstung!« So werden es kuhreiche, viehreiche Verse, eben zur Sicherung des Viehs. Denn die Chandomas sind Vieh.
[Anm.: Enthält eine seltene namentlich verankerte Streitfrage (Sudakṣiṇa Kṣaimi) über eine abweichende Familientradition beim Mantha-Trank, die zur Begründung der Abfolge (Agni-Arka zuerst) dient. Wiederholt das Muster der 'selbstüberschreitenden' Versmaße (hier Kakubh→Triṣṭubh) aus 3.189 (dort Bṛhatī→Jagatī). Das Schlusszitat von den 'im Fels verborgenen Kühen' greift auf das klassische Vala-Höhlenmythos-Bildfeld zurück (vgl. RV 1.6 u.a.).]
tāsu śārkaram. indraṃ vai sarvāṇi bhūtāny astuvan. taṃ śarkaras śiṃśumāra stotuṃ nākāmayata. tam abravīt stuhi meti. so ’bravīn - nāhaṃ tvāṃ stoṣyāmi. samudre vā aham apsv antaś carāmy upanimajjann, etāvato ’haṃ tvāṃ stuyām iti. taṃ parjanyo vṛṣṭyordhvam udaplāvayad dhanvābhi. apo haivāsmai darśayāṃcakāra. tam uttarād vātena paryaśoṣayat. so ’vet pariśuṣkaś śayāno - yad vā aham idam itthaṃ nyagām, abhyavaplāvayiṣyatīti. sa etaṃ mantram apaśyat. tenainam astaud - yo na idamidaṃ purā pra vasya ānināya tam u va stuṣe. sakhāya indram ūtaye. iti ( śārkare dve ). tam abravīt - kiṃkāmo mā stauṣīti. imam eva mā samudraṃ punar abhyavaplāvety abravīt. taṃ parjanyo vṛṣṭyā samudraṃ punar abhyavāplāvayat. tad etad bheṣajaṃ prāyaścittis sāma. bheṣajaṃ vai sa tat prāyaścittim akuruta. bheṣajam evaitena prāyaścittiṃ kurvate. tad u kāmasani. etaṃ vai sa kāmam akāmayata. so ’smai kāmas samārdhyata. yatkāma evaitena sāmnā stute sam asmai sa kāma ṛdhyate
Bei ihnen ist das Śārkara. Alle Wesen priesen Indra. Śarkara Śiṃśumāra aber wollte ihn nicht preisen. Zu ihm sprach er: »Preise mich!« Er sprach: »Ich werde dich nicht preisen. Ich bewege mich ja im Ozean, in den Gewässern, untertauchend; nur so weit würde ich dich preisen.« Da ließ ihn Parjanya durch Regen aufwärts auf das Trockene schwemmen. Er ließ ihn die Gewässer nur noch sehen. Von Norden her ließ er ihn durch den Wind völlig austrocknen. Er, völlig ausgetrocknet daliegend, erkannte: »Da ich nun so hierher geraten bin, wird er mich wieder zurückschwemmen.« Er erblickte dieses Sprachlied. Damit pries er ihn: »Der uns dies und jenes vordem herbeigebracht hat, den eben preise ich für euch — Freunde, Indra, zur Hilfe.« (Zwei Śārkara-Verse.) Zu ihm sprach er: »Mit welchem Wunsch preist du mich?« »Schwemme mich eben wieder zurück in diesen Ozean«, sprach er. Da ließ ihn Parjanya durch Regen wieder zurück in den Ozean schwemmen. Das ist das heilende, sühnende Sāman. Als Heilmittel vollzog es jene Sühne. Als Heilmittel vollziehen sie eben dadurch die Sühne. Das ist auch ein Kāmasani. Denn diesen Wunsch eben wünschte er sich. Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt. Mit welchem Wunsch man sich auch immer mit diesem Sāman preist, dieser Wunsch wird einem erfüllt.
[Anm.: Fabelartiger Mythos um Śarkara Śiṃśumāra ('Krokodil/Delfin'), der Indra zunächst die Ehrerbietung verweigert, zur Strafe von Parjanya an Land gestrandet und ausgetrocknet wird, dann durch das Śārkara-Sāman (zwei Verse) doch noch Indra preist und dafür ins Meer zurückgeschwemmt wird — eine weitere Instanz der Kāmasani-Kategorie (vgl. 3.95, 3.183, 3.190).]
sa tenaiva mantreṇa svargaṃ lokam udakrāmat. sa evaiṣa śarkara udeti. tad vā asya svargyam. aśnute svargaṃ lokaṃ ya evaṃ veda. samudro vai chandomāḥ. śiṃśumāro vai samudram atipārayitum arhati. tad yad atra śārkaraṃ bhavati samudrasyaivātipāraṇāya. tat punarnitunnaṃ chando bhavati. yatra yatra vai devāś chandasāṃ rasam anvavindaṃs tat punarnitunnam akurvaṃś, tat punar abhyāghnan. dhītā ivaite yac chandomās tṛtīyasavanāyatanāḥ. dhītam iva vai tṛtīyasavanam. tad yat punarnitunnaṃ chando bhavati rasam evaitac chandomeṣu dadhati. rassyaivaiṣānuvittiḥ. tad u kākubhaṃ svāraṃ bhavati. prāṇo vai svaraḥ puruṣaś chandasaṃ kakup. jyaiṣṭhyaṃ vai prāṇo jyaiṣṭhyaṃ puruṣaḥ. jyaiṣṭhyenaiva taj jyaiṣṭhyaṃ saṃdadhāti, jyaiṣṭhye pratitiṣṭhati. yad u śarkaras śiṃśumāro ’paśyat tasmāc chārkaram ity ākhyāyate. sakhāya ā ni ṣīdata punānāya pra gāyateti pravatīr bhavanti. prāyaṇīyarūpam evaitad upagacchanti. prāyaṇīyaṃ hy etad ahaḥ. śiśuṃ na yajñaiḥ pari bhūṣat śriya iti paśurūpam evaitad upagacchanti. paśūnāṃ vai śiśur bhavati
Er stieg mit eben diesem Sprachlied zur Himmelswelt empor. Eben dieser Śarkara geht da auf. Das ist eben sein Himmlisches. Er erlangt die Himmelswelt, wer dies weiß. Der Ozean nämlich ist die Chandomas. Der Śiṃśumāra nämlich vermag den Ozean zu durchqueren. Dass hier das Śārkara stattfindet, dient eben der Durchquerung des Ozeans. Das wird zum wiedergeschlagenen Versmaß. Wo immer die Götter die Essenz der Versmaße fanden, dort machten sie es wiedergeschlagen, dort schlugen sie es aufs Neue an. Wie gedacht sind diese Chandomas, die die dritte Pressung zu ihrer Grundlage haben. Wie gedacht nämlich ist die dritte Pressung. Dass das wiedergeschlagene Versmaß vorkommt, damit legen sie eben Essenz in die Chandomas hinein. Das eben ist das Wiederfinden der Essenz. Das wird auch zum Kākubha-Svāra. Atem nämlich ist der Svāra, Mensch ist unter den Versmaßen die Kakubh. Vorrang nämlich ist der Atem, Vorrang ist der Mensch. Durch Vorrang eben verbindet er jenen Vorrang, steht im Vorrang fest. Und weil Śarkara Śiṃśumāra es erschaute, deshalb wird es ›Śārkara‹ genannt. »Freunde, setzt euch nieder, singt vor für den sich Läuternden« — so werden es Pravatī-Verse. Sie nähern sich damit eben der Prāyaṇīya-Gestalt. Prāyaṇīya nämlich ist dieser Tag. »Wie ein Kind schmückt er sich ringsum mit Opferhandlungen, zum Glanz« — damit nähern sie sich eben der Vieh-Gestalt. Vieh nämlich hat ein Junges.
[Anm.: Direkte Fortsetzung des Śarkara-Śiṃśumāra-Mythos aus 3.193: seine Meeresüberquerungs-Fähigkeit wird zur Begründung, warum das Śārkara-Sāman die 'Durchquerung' der Chandoma-Tage (=Ozean) leistet. Die Formel 'wie gedacht' (dhītam iva) greift wortnah auf 3.191 zurück.]
tāsu plavam. yo vai samudram aplavaḥ prasnāti nainaṃ sa vyaśnute, ’tha yaḥ plavī prasnāti sa vyaśnute. samudro vai chandomāḥ. tad yat plavaṃ plavina evaitena. devā vai svargakāmās tapo ’tapyanta. ta etat sāmāpaśyan. tenāstuvata. tad enān plavam eva bhūtvā svargaṃ lokam avahat. te ’bruvan svargaṃ lokaṃ gatvā - plavaṃ vāva no bhūtvedaṃ sāma svargaṃ lokam avākṣīd iti. tad eva plavasya plavatvam. tad etat svargyaṃ sāma. aśnute svargaṃ lokaṃ ya evaṃ veda. tad v evācakṣate vasiṣṭhasya plavam iti. vasiṣṭho vā akāmayata svastīmān lokān sarvān saṃplaveyeti. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. tato vai sa svastīmān lokān sarvān samaplavata. tad v eva plavasya plavatvam. svastīmān lokān sarvān saṃplavate ya evaṃ veda. vasiṣṭham ṛṣayo ’medhan - vaiśyo ’sy abrāhmaṇa iti. so ’kāmayata - tareyaṃ duritaṃ pāpmānam iti. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. tena e āti viśvāni duritā taremety eva duritaṃ pāpmānam atarat. tarati duritaṃ pāpmānaṃ ya evaṃ veda. tad dvādaśākṣaraṇidhanaṃ bhavati - dvādaśākṣarā vai jagatī. paśavo jagatī. paśavaś chandomāḥ - paśūnām evāvaruddhyai. yad u vasiṣṭho ’paśyat tasmād vasiṣṭhasya plavam ity ākhyāyate. athaitā bhavanti purojitī vo andhasa iti. purastād dha vā etāḥ pāpmānaṃ jayantīḥ, purastāt pāpmānam apaghnatyo yanti. jitaṃ ha vā etābhir, vijitam anvavasyanti. atho yathānyau navatarau cakrāv upāsyed evam eva etām anuṣṭubhaṃ tryahamukheṣu paryāharanti, svargasya lokasya samaṣṭyai. tāsu gaurivītam uktabrāhmaṇam
Bei ihnen ist das Plava. Wer den Ozean ohne Floß durchschwimmt, der erreicht ihn nicht; wer ihn aber mit einem Floß durchschwimmt, der erreicht ihn. Der Ozean nämlich ist die Chandomas. Dass es das Plava gibt, das ist eben für den, der ein Floß hat, durch dieses. Die Götter, nach der Himmelswelt verlangend, übten Askese. Sie erblickten dieses Sāman. Sie priesen sich damit. Dieses, selbst zum Floß geworden, trug sie zur Himmelswelt. Sie sprachen, zur Himmelswelt gelangt: »Zum Floß für uns geworden, hat uns dieses Sāman zur Himmelswelt getragen.« Das eben ist die Plava-heit des Plava. Das ist das himmlische Sāman. Er erlangt die Himmelswelt, wer dies weiß. Das nennen sie eben ›das Plava des Vasiṣṭha‹. Vasiṣṭha nämlich wünschte: »Möchte ich doch, heil bewahrt, alle Welten durchschwimmen!« Er erblickte dieses Sāman. Damit pries er sich. Danach durchschwamm er, heil bewahrt, alle Welten. Das eben ist ebenfalls die Plava-heit des Plava. Heil bewahrt durchschwimmt alle Welten, wer dies weiß. Die Seher schmähten Vasiṣṭha: »Du bist ein Vaiśya, kein Brahmane!« Da wünschte er: »Möchte ich doch dieses Missgeschick, dieses Übel überwinden!« Er erblickte dieses Sāman. Damit pries er sich. Mit »Durch dieses möchte ich alle Missgeschicke überwinden« überwand er eben das Missgeschick, das Übel. Er überwindet Missgeschick, Übel, wer dies weiß. Das wird zum zwölfsilbigen Nidhana — zwölf Silben hat ja die Jagatī. Vieh ist die Jagatī. Die Chandomas sind Vieh — eben zur Sicherung des Viehs. Und weil Vasiṣṭha es erschaute, deshalb wird es ›das Plava des Vasiṣṭha‹ genannt. Nun werden diese Verse: »Euer Somatrank ist der siegreich-voranschreitende.« Von vorne her besiegen diese eben das Übel, von vorne her ziehen sie, das Übel niederschlagend. Besiegt ist es fürwahr durch diese, dem Besiegten lassen sie sich nieder. Und wie man zwei andere, neuere Räder aufsetzte, so eben tragen sie diese Anuṣṭubh an den Anfängen der Dreitagesabschnitte umher, zur Vollendung der Himmelswelt. Bei ihnen ist das Gaurivīta bereits erklärt.
[Anm.: Die Schmähung ›Du bist ein Vaiśya, kein Brahmane‹ gegen Vasiṣṭha spielt vermutlich auf die auch sonst überlieferten Legenden um Vasiṣṭhas ungewöhnliche, nicht-menschliche Geburt (u.a. aus einem Krug, kumbhaja) an, die seinen Brahmanenstatus in manchen Erzähltraditionen anfechtbar erscheinen lässt. Der Abschnitt verknüpft zwei Vasiṣṭha-Wünsche (sicheres Durchschwimmen aller Welten; Überwindung dieses Makels) mit demselben Plava-Sāman.]
atha kārtaveśam. tredhā bharateṣu rāṣṭram āsīt - vaitahavyeṣu tṛtīyaṃ, mitravatsu tṛtīyaṃ, kṛtaveśe tṛtīyam. so ’kāmayata kṛtaveśo - ha tv ime dve rāṣṭre ekadhā rāṣṭraṃ syād iti. sa etad dvinidhanaṃ sāmāpaśyat. tenāstuta. teneme dve rāṣṭre ha tvaikadhā rāṣṭram abhavat. tad etac chrīr bhrātṛvyahā sāma. aśnute śriyaṃ hanti dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ ya evaṃ veda. yad u kṛtaveśo ’paśyat tasmāt kārtaveśam ity ākhyāyate. atha śyāvāśvaṃ svargyaṃ sāma, svargasya lokasya samaṣṭyai. yathāndhīgavam iḷāvaty anuṣṭub asad iti - aniḷānuṣṭup syād yad etad atra kuryuḥ. atho paśavo vā iḷā. paśavaś chandomāḥ - paśūnām evāvaruddhyai. athaitā dvipado bhavanty uktabrāhmaṇāḥ. tā etā bhavanti - pra vājy akṣār iti pravatīr bhavanti. prāyaṇīyarūpam evaitad upagacchanti. prāyaṇīyaṃ hy etad ahaḥ. tāsu sauhaviṣam. devā vā asurān hatvā apūtā ivāmedhyā amanyanta. te ’kāmayanta pūtā medhyā syāmeti. ta etat sāmāpaśyan. tenāstuvata. tato vai te pūtā medhyā abhavan. te ’bruvan suhaviṣo vā abhūmeti. tad eva sauhaviṣasya sauhaviṣatvam. pūto medhyo bhavati ya evaṃ veda. ye somāsaḥ parāvatīti parāvatam iva hy etarhi yajño ’gacchat
Nun das Kārtaveśa. Dreifach war die Herrschaft unter den Bharatas: ein Drittel bei den Vaitahavyas, ein Drittel bei den Mitravats, ein Drittel bei Kṛtaveśa. Kṛtaveśa wünschte: »Möchten doch diese beiden Reiche mit dem meinen zu einem einzigen Reich werden!« Er erblickte dieses zweinidhanige Sāman. Damit pries er sich. Dadurch wurden diese beiden Reiche mit dem seinen zu einem einzigen Reich. Dies ist das glanzverleihende, rivalentötende Sāman. Er erlangt Glanz, erschlägt den hassenden Rivalen, wer dies weiß. Und weil Kṛtaveśa es erschaute, deshalb wird es ›Kārtaveśa‹ genannt. Nun das Śyāvāśva, das himmlische Sāman, zur Vollendung der Himmelswelt. Wie die 'blinde Kuh', mit Iḷā versehen, die Anuṣṭubh wäre — ohne Iḷā würde diese Anuṣṭubh, täte man dies hier falsch. Und außerdem: Vieh nämlich ist Iḷā. Die Chandomas sind Vieh — eben zur Sicherung des Viehs. Nun werden diese zweifüßigen Verse, bereits erklärt. Diese sind es: »Vor floss der Starke« — so werden es Pravatī-Verse. Sie nähern sich damit eben der Prāyaṇīya-Gestalt. Prāyaṇīya nämlich ist dieser Tag. Bei ihnen ist das Sauhaviṣa. Die Götter, nachdem sie die Asuras erschlagen hatten, hielten sich für unrein, gleichsam untauglich zum Opfer. Sie wünschten: »Möchten wir doch rein, opfertauglich werden!« Sie erblickten dieses Sāman. Sie priesen sich damit. Danach wurden sie rein, opfertauglich. Sie sprachen: »Wir sind fürwahr von guter Opfergabe geworden!« Das eben ist die Sauhaviṣa-heit des Sauhaviṣa. Rein, opfertauglich wird, wer dies weiß. »Welche Somatropfen von ferne her« — denn zu diesem Zeitpunkt ist das Opfer gleichsam an einen fernen Ort gelangt.
[Anm.: Die Formel zur 'blinden Kuh' (andhīgava) im Zusammenhang mit der Anuṣṭubh bleibt in ihrer genauen technischen Bedeutung unsicher und wird bewusst wörtlich-vorsichtig wiedergegeben. Das Kārtaveśa liefert eine politisch-historisch anmutende Reichseinigungs-Ätiologie unter den Bharatas.]
tāsu jarābodhīyam. śāktyās tarasapuroḍāśās satram āsata. sa gaurivītiś śāktyo mṛgam ahan. taṃ tārkṣyas suparṇa upariṣṭād abhyavāpatat. tasyā upapratyadhatta. tam abravīd - ṛṣe, mā me ’sthaḥ. yatkāmo ’si taṃ te kāmaṃ samardhayiṣyāma iti. kiṃkāmaḥ khalv aham asmīty abravīt. asitasya dhāmnyasya duhitaraṃ kāmayase. tasyai tvā nivakṣyāmīti. atha hāsito dhāmnya īrṣyur āsa. tasya hāntarikṣe prāsāda āsa. tad dhāsya duhitaraṃ jugupuḥ. taṃ ha sma patranāḍyām upaguhyāsyai kumāryai nivahati. taṃ ha smaitenaiva sāmnā prātar bodhayati - jāra budhyasveti. tad eva jarābodhīyasya jarābodhīyatvam. seyaṃ kumārī garbham adhatta. sa kumāro ’jāyata. tam asurā vicchidya parāsyanto ’bruvañ - jāmīgarbho vā ayaṃ, rakṣo vā idam ajanīti. tam akāmayata - sam enam īrayeyam iti. sa etat sāmāpaśyat. tenainaṃ samairayat. sa eva saṃkṛtir gaurivīto ’bhavat. tad etad bheṣajaṃ prāyaścittis sāma. bheṣajaṃ vai sa tat prāyaścittim akuruta. vibhraṣṭam ivaitad ahar yat saptamam. tad evaitena bhiṣajyanti. bheṣajam evaitena prāyaścittiṃ kurvate. tad u kāmasani. etaṃ vai sa kāmam akāmayata. so ’smai kāmas samārdhyata. yatkāma evaitena sāmnā stute, sam asmai sa kāma ṛdhyate. tasyo prācīm iḷām upayanti. paśavo vā iḷā. paśavaś chandomāḥ. paśuṣv evaitad retāṃsi dadhati
Bei ihnen ist das Jarābodhīya. Die Śāktyas saßen das Satra. Da erschlug Gaurivīti Śākya ein Wild. Darauf stieß Tārkṣya, der Adler, von oben herab. Er stellte sich ihm entgegen. Da sprach jener zu ihm: »Seher, widersetze dich mir nicht. Welchen Wunsch du auch hast, diesen Wunsch werden wir dir erfüllen.« »Was ist denn mein Wunsch?«, sprach er. »Du begehrst die Tochter des Asita Dhāmnya. Zu ihr werde ich dich führen.« Nun war Asita Dhāmnya eifersüchtig-wachsam. Er hatte im Luftraum einen Palast. Dort bewachten sie seine Tochter. Da trug er ihn, in einem Federkiel verborgen, zu jener Jungfrau hin. Da weckte er ihn morgens eben mit diesem Sāman: »Geliebter, erwache!« Das eben ist die Jarābodhīya-heit des Jarābodhīya. Diese Jungfrau empfing einen Keim. Ein Knabe wurde geboren. Die Asuras zerstückelten ihn und warfen ihn fort, indem sie sprachen: »Dies ist ja ein aus verbotener Verbindung empfangenes Kind, oder dies ist ein Unhold, der da geboren wurde!« Er wünschte: »Möchte ich ihn doch wiederbeleben!« Er erblickte dieses Sāman. Damit belebte er ihn wieder. Er selbst wurde zu Saṃkṛti Gaurivīta. Das ist das heilende, sühnende Sāman. Als Heilmittel vollzog es jene Sühne. Wie gefallen ist dieser Tag, der siebte. Eben dadurch heilen sie ihn. Als Heilmittel vollziehen sie eben dadurch die Sühne. Das ist auch ein Kāmasani. Denn diesen Wunsch eben wünschte er sich. Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt. Mit welchem Wunsch man sich auch immer mit diesem Sāman preist, dieser Wunsch wird einem erfüllt. Danach begeben sie sich zur östlichen Iḷā. Vieh nämlich ist Iḷā. Die Chandomas sind Vieh. Sie legen dadurch eben Samen in das Vieh.
[Anm.: Erzählt den Ursprung des Jarābodhīya-Sāman über eine heimliche Liebesbeziehung: der Adler Tārkṣya schmuggelt Gaurivīti Śākya zu Asita Dhāmnyas bewachter Tochter und weckt ihn morgens mit dem Sāman, das dadurch seinen Namen ('Geliebter, erwache') erhält. Das aus dieser Verbindung geborene Kind wird von den Asuras als ›jāmīgarbha‹ verworfen — das Wort changiert zwischen 'aus verbotener/inzestuöser Verbindung stammend' und allgemeiner 'unrechtmäßig gezeugt', da 'jāmi' sowohl 'Schwester/Verwandte' als auch (in seiner sonst in diesem Werk belegten technischen Bedeutung) 'Gleichförmigkeit' bezeichnen kann; hier ist die familienrechtliche Bedeutung gemeint. Nach der Wiederbelebung erhält das Kind den neuen Namen Saṃkṛti Gaurivīta ('der Wieder-Zusammengefügte').]
atha yajñāyajñīyam uktabrāhmaṇam. ā te vatso mano yamad ity āvatīr bhavanti. apacchid iva vā etad yajñakāṇḍaṃ yad ukthāni. tad yad āvatīr bhavanti yajñasyaiva salomatāyai. tāsu vātsam. vatsaḥ kāṇvaḥ paśukāmas tapo ’tapyata. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. sa ha vāva triśoko yān evāmūṃs trīn chokān apāhan sāsya triśokatā. sa ha sa sadya evālomno karṇakān paśūn avārunddha. tad etat paśavyaṃ sāma. ava paśūn runddhe bahupaśur bhavati ya evaṃ veda. yad u vatsaḥ kāṇvo ’paśyat tasmād vātsam ity ākhyāyate. tvaṃ na indrā bhareti tvam iti bhavati bṛhato rūpam. bārhatam etad ahaḥ. ojo nṛmṇaṃ śatakrato vicarṣaṇe. ā vīraṃ pṛtanāsaham. iti yad vai śatavat sahasravat tac chandomānāṃ rūpam. paśavo vai chandomāḥ
Nun das Yajñāyajñīya, bereits erklärt. »Zu dir möge das Kalb den Sinn lenken« — so werden es die Āvatī-Verse. Die Ukthas sind ja gleichsam ein abgetrennter Teil des Opfers. Dass diese Āvatī-Verse werden, das dient eben der Behaartheit, der Vollständigkeit des Opfers. Bei ihnen ist das Vātsa. Vatsa Kāṇva, nach Vieh verlangend, übte Askese. Er erblickte dieses Sāman. Damit pries er sich. Er war da fürwahr wie Triśoka, indem er eben jene drei Flammen abschlug — das ist seine Triśoka-Art. Er sicherte sich noch am selben Tag haarlose, geohrte Rinder. Das ist das viehbezogene Sāman. Er sichert sich Vieh, wird reich an Vieh, wer dies weiß. Und weil Vatsa Kāṇva es erschaute, deshalb wird es ›Vātsa‹ genannt. »Bringe uns, o Indra« — das Wort »du« hat hierbei die Gestalt des Bṛhat. Bārhata ist dieser Tag. »Kraft, Manneskraft, o Hundertmächtiger, Weitschauender — den Helden, der Heerscharen standhält« — was hundertfach, tausendfach ist, das ist die Gestalt der Chandomas. Vieh nämlich sind die Chandomas.
[Anm.: Verknüpft Vatsa Kāṇva mit der bereits in 3.72 erzählten Triśoka-Figur ('drei Flammen/Kümmernisse'), ohne den genauen Zusammenhang näher auszuführen. Die Beschreibung der erlangten Rinder als 'haarlos, geohrt' (alomnaḥ karṇakān) bleibt hinsichtlich der genauen Rassemerkmale unsicher.]
tāsu sauśravasam. kutso ha vā aurava indrasyoror adhi nirmita āsa. yādṛśa evendras tādṛśa, yathātmano nirmita syād evam. taṃ ha saṃgrahītāraṃ cakre. taṃ ha jāyayābhijagrāha śacyā paulomyā. tāṃ hovāca kathettham akar iti. sā hovāca - na vāṃ vyajñāsam iti. sa hovāca khalatiṃ vā enaṃ kariṣyāmi, tathā vijānītād iti. taṃ ha khalatiṃ cakāra. sa hoṣṇīṣaṃ parihṛtyopanipede. sa evaiṣa saṃgrahītur uṣṇīṣaḥ. taṃ hābhy eva jagrāha. tāṃ hovāca kathettham akar iti. sā hovāca - na vāṃ vyajñāsam, uṣṇīṣeṇa vai mā parihṛtyopanyapādīti. sa hovācāntarāṃsayor vā asya pāṃsūn adhivapsyāmi, tathā vijānītād iti. tasya hāntarāṃsayoḥ pāṃsūn adhyuvāpa. ta evaite saṃgrahītur antarāṃsayoḥ pāṃsavaḥ. tān ha prāvṛtyopanipede. taṃ hābhy eva jagrāha. tāṃ hovāca kathettham akar iti. sā hovāca - na vāṃ vyajñāsam. prāvṛtya vai mopanyapādīti
Bei ihnen ist das Sauśravasa. Kutsa Aurava war ja aus Indras Schenkel gebildet worden — genauso wie Indra, als wäre er aus ihm selbst gebildet. Diesen machte er zu seinem Wagenlenker. Diesen suchte er heim bei Indras Gattin Śacī Paulomī. Zu ihr sprach er: »Wie hast du dies tun können?« Sie sprach: »Ich konnte euch beide nicht unterscheiden.« Er sprach: »So werde ich ihn kahlköpfig machen, damit du uns so unterscheiden kannst.« Er machte ihn kahlköpfig. Da näherte er sich ihr wieder, nachdem er sich einen Turban umgelegt hatte. Das eben ist der Turban des Wagenlenkers. Er suchte sie wieder heim. Zu ihr sprach er: »Wie hast du dies tun können?« Sie sprach: »Ich konnte euch beide nicht unterscheiden; er näherte sich mir, nachdem er sich mit einem Turban umhüllt hatte.« Er sprach: »So werde ich ihm zwischen den Schultern Staub streuen, damit du uns so unterscheiden kannst.« Er streute ihm zwischen den Schultern Staub. Das eben sind die Staubflecken des Wagenlenkers zwischen den Schultern. Da näherte er sich ihr wieder, nachdem er sich verhüllt hatte. Er suchte sie wieder heim. Zu ihr sprach er: »Wie hast du dies tun können?« Sie sprach: »Ich konnte euch beide nicht unterscheiden. Er näherte sich mir, nachdem er sich verhüllt hatte.«
[Anm.: Kutsa Aurava ist eine real bezeugte vedische Figur (u.a. RV 4.16, 5.29, 10.38), die dort für ihre besonders enge, oft fast ununterscheidbare Verbindung zu Indra bekannt ist — genau dieses Motiv wird hier zur Grundlage einer volkstümlich-ätiologischen Erzählung, die zugleich den Turban und die Staubflecken zwischen den Schultern als Kennzeichen des Wagenlenkers (saṃgrahītṛ) herleitet. Die Erzählung setzt sich in 3.200 fort.]
taṃ ha babādhe - mallo ’sīti. sa hovāca maghavan māmuyā bhūma. tebhyo vai nas tvaṃ tad dehi, yena vayaṃ jīvāma. tvad vai vayaṃ jātā sma iti. sa vā etān antarāṃsayoḥ pāṃsūn pradhvaṃsayasveti. tān ha pradhvaṃsayāṃcakre. te haiva rajasaś ca rajīyāṃsaś ca nāma mahāñ janapada uttasthau. teṣāṃ ha rājāsa. tasya hopagus sauśravasaḥ purohita āsa. sa hovāca - mā kaścana yaṣṭa. yo ma īśāyāṃ yajate, jyeyas saḥ. na vai devā ahutasyādanti. na parṇāhutiś ca na hotavyeti. sa hendra upaguṃ sauśravasam etyovāca - yājayāni tveti. sa hovāca - na vā iha yajante. yo vā iha yajeta, jinīyur vai tam iti. taṃ ha lokaṃ lokaṃ darśayāṃcakāremam imaṃ vai lokam iṣṭvā jayatīti. sa hekṣāṃcakre - ’pi tyaṃ jinantu. hanta yajā iti. taṃ hovāca yājaya meti. taṃ ha yājayāṃcakāra. svayam eva sadohavirdhāne uttasthatuḥ. ulūkhale somam abhiṣuṣāva. sa hovācārād eva kutsād ihāgahīti. sa ha kutsam evopeyāya. taṃ hovāca - kam ayaja iti. upagum iti. etam upaguṃ jinīteti
Da bedrängte er ihn: »Du bist nur ein Ringkämpfer!« Er sprach: »Maghavan, lass uns doch nicht so zugrunde gehen. Gib uns doch das, wovon wir leben können — von dir sind wir ja geboren.« »So lass diesen Staub zwischen den Schultern abfallen«, sprach er. Er ließ ihn abfallen. Aus diesem eben erhob sich ein großes Volk, ›Rajas‹ und ›Rajīyāṃsas‹ genannt. Deren König war er. Ihm war Upagu Sauśravasa Hauspriester. Er sprach: »Niemand soll opfern. Wer in meinem Herrschaftsbereich opfert, der wird unterliegen. Denn die Götter essen nichts Unerreichtes; keine Blattopfergabe gibt es, nichts ist darzubringen.« Da ging Indra zu Upagu Sauśravasa und sprach: »Lass mich für dich opfern lassen!« Er sprach: »Man opfert hier nicht. Wer hier opfern sollte, den würden sie besiegen.« Da zeigte er ihm Welt um Welt: »Diese und jene Welt gewinnt man, indem man opfert.« Da erwog er: »Mögen sie mich auch besiegen — wohlan, ich will opfern!« Er sprach zu ihm: »Opfere für mich!« Er opferte für ihn. Von selbst erhoben sich Sadas und Havirdhāna. Im Mörser presste er den Soma aus. Er sprach: »Bist du wohl geradewegs von Kutsa hierher gekommen?« Da ging er eben zu Kutsa. Zu ihm sprach er: »Für wen hast du geopfert?« »Für Upagu.« »Diesen Upagu sollen sie besiegen!«
[Anm.: Direkte Fortsetzung von 3.199: aus dem abgeschüttelten Staub entsteht ätiologisch ein Volk ('Rajas'/'Rajīyāṃsas', von rajas 'Staub'), dessen König Kutsa wird; Upagu Sauśravasa, sein Hauspriester, verbietet zunächst jedes Opfer im Reich, lässt sich aber von dem als Fremden auftretenden Indra zum Opfern überreden. Die Erzählung bleibt am Abschnittsende offen (Kutsas Reaktion, 'Diesen Upagu sollen sie besiegen') und wird vermutlich in den Folgeabschnitten aufgelöst.]
taṃ ha jigyuḥ. taṃ ha dvitīyaṃ taṃ ha tṛtīyam etyovāca - yājayāni tveti. sa hovāca - na vā iha yajante. yo vā iha yajeta, jinīyur vai tam. dvir vai syo ’yajata. taṃ tyam ajinann eveti. tam u ha lokaṃ lokam eva darśayāṃcakāremam imam u vāva lokam iṣṭvā jayatīti. sa hekṣāṃcakre - ’pi tyaṃ jinantu, hanta yajā eveti. taṃ hovāca - yājaya meti. taṃ ha yājayāṃcakāra. svayam eva sadohavirdhāne uttasthatur, ulūkhale somam abhiṣuṣāva. sa hovāca - yathaiva tvā kutso na paśyet, tathetād iti. sa ha kutsam evopeyāya. taṃ hovāca - kam ayaja iti. upagum iti. tam u ha svayam evopotthāya saṃvṛścyodake pracakāra
Ihn besiegten sie. Ein zweites Mal, ein drittes Mal ging er zu ihm und sprach: »Lass mich für dich opfern lassen!« Er sprach: »Man opfert hier nicht. Wer hier opfern sollte, den würden sie besiegen. Zweimal hat jener nämlich schon geopfert; auch jenen haben sie eben besiegt.« Da zeigte er ihm wiederum Welt um Welt: »Diese und jene Welt gewinnt man ja, indem man opfert.« Da erwog er: »Mögen sie mich auch besiegen — wohlan, ich will trotzdem opfern!« Er sprach zu ihm: »Opfere für mich!« Er opferte für ihn. Von selbst erhoben sich Sadas und Havirdhāna, im Mörser presste er den Soma aus. Er sprach: »Geh so, dass Kutsa dich nur nicht sieht.« Da ging er eben zu Kutsa. Zu ihm sprach er: »Für wen hast du geopfert?« »Für Upagu.« Da erhob sich jener selbst und zerstückelte ihn und tat ihn ins Wasser.
[Anm.: Fortsetzung von 3.199f.: der dreimalige Zyklus (Indra bittet, Upagu verweigert unter Verweis auf die drohende Niederlage, lässt sich doch überreden) wird beim dritten Mal knapp zusammengefasst. Trotz Indras Warnung, sich vor Kutsa zu verbergen, offenbart dieser bei direkter Frage die Wahrheit, worauf Kutsa seinen eigenen Hauspriester Upagu tötet und zerstückelt — Auflösung und tragischer Höhepunkt in 3.202.]
tad u ha suśravā sthaurāyaṇaḥ pitānububudhe - kutso ha vai ma auravaḥ putraṃ saṃvṛścyodake prākārīd iti. tam ādrutyābravīt - kva me putram akar iti. eṣa udake prakīrṇaś śeta iti. taṃ hānvabhyaveyāya. tasya hendro rohito bhūtvā mukhāt somaṃ niṣpapau. sa hekṣāṃcakre - ’yaṃ vāvendraḥ. imam eva stavāni. ayam eva ma imaṃ samairayiṣyatīti. sa etat sāmāpaśyat. tenainam astaud - apād u śipriy andhasas sudakṣasya prahoṣiṇaḥ. indor indro yavāśiraḥ. iti. tam abravīt kiṃkāmo mā stauṣīti. imam eva me putraṃ samairayety abravīt. tam e mathāyā ity udamathnāt. taṃ samairayat. tad etad bheṣajaṃ prāyaścittis sāma. bheṣajaṃ vai sa tat prāyaścittim akuruta. vibhraṣṭam ivaitad ahar yat saptamam. tad evaitena bhiṣajyanti. bheṣajam evaitena prāyaścittiṃ kurvate. tad u kāmasani. etaṃ vai sa kāmam akāmayata. so ’smai kāmas samārdhyata. yatkāma evaitena sāmnā stute sam asmai sa kāma ṛdhyate. yad u suśravā sthaurāyaṇo ’paśyat tasmāt sauśravasam ity ākhyāyate
Da erkannte Suśravā Sthaurāyaṇa, der Vater: »Kutsa Aurava hat ja meinen Sohn zerstückelt und ins Wasser geworfen.« Er eilte zu ihm und sprach: »Wo hast du meinen Sohn gelassen?« »Er liegt zerstreut im Wasser.« Da ging er ihm nach, zu ihm hin. Ihm trank Indra, zu einem Rötlichen geworden, aus dessen Mund den Soma. Da erwog er: »Das muss Indra sein. Diesen will ich preisen. Dieser allein wird mir diesen hier wiederbeleben.« Er erblickte dieses Sāman. Damit pries er ihn: »Getrunken hat er, o Behelmter, vom kunstvoll dargebrachten Somastengel, vom gerstengemischten Somatropfen — Indra.« Da sprach jener zu ihm: »Mit welchem Wunsch preist du mich?« »Belebe eben diesen meinen Sohn wieder!«, sprach er. »Rühre ihn auf!«, sprach er, und rührte ihn auf. Er belebte ihn wieder. Das ist das heilende, sühnende Sāman. Als Heilmittel vollzog es jene Sühne. Wie gefallen ist dieser Tag, der siebte. Eben dadurch heilen sie ihn. Als Heilmittel vollziehen sie eben dadurch die Sühne. Das ist auch ein Kāmasani. Denn diesen Wunsch eben wünschte er sich. Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt. Mit welchem Wunsch man sich auch immer mit diesem Sāman preist, dieser Wunsch wird einem erfüllt. Und weil Suśravā Sthaurāyaṇa es erschaute, deshalb wird es ›Sauśravasa‹ genannt.
[Anm.: Löst die Kutsa/Upagu-Erzählung auf: Upagus Vater Suśravā Sthaurāyaṇa findet seinen zerstückelten Sohn, erkennt in einer rötlichen Gestalt am Wasser Indra, der aus dem Mund des Toten Soma trinkt, und erwirkt durch Lobpreis dessen Wiederbelebung. Der Name Sauśravasa (der bereits als Sāman-Titel in 3.199 erscheint) wird hier ausdrücklich auf die Vision des Vaters Suśravā(s) zurückgeführt — Upagus eigener Beiname 'Sauśravasa' ('Sohn des Suśravas') bezeichnet dieselbe Abstammung.]
ṛṣayo vai satrād utthāyāyanta āyuñjānāḥ. te hocur - eta kiṃ cid eva yakṣaṃ paśyāmeti. te hocur - akūpāro vā ayaṃ kaśyapas samudre ’ntar mahad yakṣam. eta taṃ paśyāmeti. taṃ hānvabhyaveyuḥ. tebhyo ha nāvir āsa. te hocur - etendram eva stavāma sa vāvāsyeśe. sa eva na imaṃ darśayiṣyatīti. te ’trim abruvann - ṛṣe, tvaṃ stutād iti. sa etam atris tṛcam apaśyat. tenainam upāyan - yad indra citra ma iha nāsti tvādātam adrivaḥ. rādhas tan no vidadvasa ubhayāhasty ā bhara. iti sa hekṣāṃcakre - mahad bata ma ṛṣayo yācanti. ubhayāhasty ā bhareti vā āhur iti. yat te dikṣu prarādhyaṃ mano asti śrutaṃ bṛhat. tena dṛḍhā cid adriva ā vājaṃ darṣi sātaye. iti. sa hekṣāṃcakre - dṛḍhaṃ bata ma ṛṣayo yācanti. na hājajñāv - akūpāraṃ didṛkṣanta iti. yan manyase vareṇyam indra dyukṣaṃ tad ā bhara. vidyāma tasya te vayam akūpārasya dāvane. iti. sa hājajñāv akūpāraṃ vai didṛkṣanta iti. taṃ ha padodasyann uvācedam eva medam ṛṣayo mahad ivobhayāhasty ā bharety avocann iti. tam apaśyan. tā etāḥ kāmasanaya ṛcaḥ. etaṃ vai te kāmam akāmayanta. sa ebhyaḥ kāmas samārdhyata. yatkāma evaitābhir ṛgbhi stute, sam asmai sa kāma ṛdhyate
Die Seher, vom Satra aufgebrochen, zogen fort, anspannend. Sie sprachen: »Kommt, lasst uns doch irgendein Wunderwesen sehen!« Sie sprachen: »Akūpāra Kāśyapa hier, im Ozean, ist ein großes Wunderwesen. Kommt, lasst uns ihn sehen!« Sie gingen zu ihm hinab. Sie hatten kein Boot. Sie sprachen: »Kommt, lasst uns eben Indra preisen; er allein hat ja Macht darüber. Er allein wird ihn uns zeigen.« Sie sprachen zu Atri: »Seher, preise du ihn!« Atri erblickte dieses Dreiversgebilde. Damit näherten sie sich ihm: »Was, o wunderbarer Indra, an von dir Gegebenem hier nicht vorhanden ist, o Herr des Steines — diese Gabe bringe uns, Finder guter Dinge, mit beiden Händen.« Er erwog: »Groß, fürwahr, ist, was die Seher von mir erbitten. ›Mit beiden Händen bringe‹, sagen sie ja.« »Dein Sinn, der in alle Richtungen wirkt, der berühmte, weite — mit ihm durchbrich auch Festes, o Herr des Steines, zur Erlangung des Siegespreises.« Er erwog: »Festes, fürwahr, erbitten die Seher von mir. Sie wissen es wohl nicht — sie wollen Akūpāra sehen.« »Was du für vortrefflich hältst, Indra, was himmlisch ist, das bringe. Möchten wir davon erfahren, von deiner Gabe, zum Geben des Akūpāra.« Er setzte den Fuß und sprach: »Eben dies, dies selbst haben die Seher gesagt, als wäre es etwas Großes: ›Mit beiden Händen bringe‹.« Sie sahen ihn. Dies sind die wunscherfüllenden Verse. Eben diesen Wunsch wünschten sie sich. Dieser Wunsch wurde ihnen erfüllt. Mit welchem Wunsch man sich auch immer mit diesen Versen preist, dieser Wunsch wird einem erfüllt.
[Anm.: Akūpāra Kāśyapa ('der Uferlose, Sohn des Kaśyapa') ist die im Sanskrit auch sonst belegte mythische Weltschildkröte/das riesige Meereswesen. Die Erzählung nutzt ein dreistufiges Steigerungsschema: die Seher bitten Indra zunächst allgemein um Gaben, ohne zu erkennen, worum sie eigentlich bitten (das Sehen des Akūpāra selbst), bis sie ihn im dritten Vers ausdrücklich benennen. Der Satz zu 'padodasyan' (etwa 'den Fuß setzend/niedersteigend') bleibt in der genauen Geste unsicher.]
tāsu vasiṣṭhasya vīṅkam atikrāntiḥ. ati vā etarhy anuṣṭub anuṣṭubhaṃ krāmati. saiṣānuṣṭup satī trayastriṃśadakṣarā saṃpadyate. tenātikrāmati. vasiṣṭho vai jīto hataputro ’kāmayata - vīmān lokān aśnuvīya, vi prajayā paśubhir aśnuvīyeti. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. tena vīvīty evemān lokān āśnuta, vi prajayā paśubhir aśnute, ya evaṃ veda. tad u stobhānutunnaṃ bhavati. anutunnād vai prajāḥ paśavaḥ prajāyante. paśavaś chandomāḥ. tena vai rūpasamṛddham. yad u vasiṣṭho ’paśyat tasmād vasiṣṭhasya vīṃkam ity ākhyāyate. tad aiḷam acchāvākasāma bhavati. paśavo vā iḷā. paśuṣv evaitat pratitiṣṭhanti
Bei ihnen ist das Vīṅka des Vasiṣṭha, ein Überschreiten. Denn hierbei überschreitet die Anuṣṭubh die Anuṣṭubh. Diese selbst, obgleich Anuṣṭubh, wird dreiunddreißigsilbig. Dadurch überschreitet sie. Vasiṣṭha, besiegt und seines Sohnes beraubt, wünschte: »Möchte ich doch die Welten voneinander gesondert erlangen, möchte ich doch durch Nachkommenschaft und Vieh voneinander gesondert erlangen!« Er erblickte dieses Sāman. Damit pries er sich. Mit »vī vī« erlangte er eben diese Welten, erlangt er durch Nachkommenschaft und Vieh voneinander gesondert, wer dies weiß. Das wird zum stobha-getroffenen Versmaß. Vom Getroffenen nämlich werden Nachkommenschaft und Vieh erzeugt. Vieh sind die Chandomas. Dadurch eben ist es der Gestalt nach vollendet. Und weil Vasiṣṭha es erschaute, deshalb wird es ›das Vīṅka des Vasiṣṭha‹ genannt. Das wird zum Aiḷa, dem Acchāvāka-Sāma. Vieh nämlich ist Iḷā. Sie finden dadurch eben in Vieh festen Stand.
[Anm.: Setzt den Vasiṣṭha-Erzählzyklus fort (vgl. 3.195 zur Schmähung als Vaiśya); hier wird Vasiṣṭha als 'besiegt und seines Sohnes beraubt' vorausgesetzt — vermutlich Anspielung auf den bekannten Verlust des Sohnes Śakti im Streit mit Viśvāmitra. Die Marker-Silbe »vī vī« liefert die Etymologie für Vīṅka, anknüpfend an das etablierte Muster lautmalerischer Namensableitungen (vgl. »gūrd« 3.171, »gaṃgaṇi« 3.185). 'Anutunna' ('getroffen') ist bereits seit 3.66 als technischer Terminus etabliert.]
śiśuṃ jajñānaṃ haryataṃ mṛjantīti harivatīr bhavanti. harivatī vai paramā vācas tanūḥ. vācaṃ chandomais samicchanti. āpteva vā etarhi vāg bhavati chandomeṣu. tām evaitat saṃvindanti. śumbhanti vipraṃ maruto gaṇeneti marutvatīr bhavanti. marutvad vai triṣṭubho rūpam. traiṣṭubham etad ahaḥ. atho kṣatraṃ vai triṣṭub, viśo marutaḥ. tad yat triṣṭubho marutvatīr bhavanti, kṣatrāyaiva tad viśam anuvartmānaṃ kurvanti. tasmāt kṣatrasya viḍ anuvartmā kavir gīrbhiḥ kāvyena kavis san somaḥ pavitram aty eti rebhann ity atiṃhāyan. ṛṣimanā ya ṛṣikṛt svarṣās sahasranīthaḥ padavīḥ kavīnām iti sahasrarūpaṃ chandomānām upagacchanti. paśavo vai chandomāḥ. tṛtīyaṃ dhāma mahiṣas siṣāsann iti tṛtīyo hy eṣa triyahaḥ kriyate yac chandomāḥ. somo virājam anu rājati ṣṭub iti traiṣṭubhaṃ rūpam upagacchanti. traiṣṭubhaṃ hy etad ahaḥ. atho pūrvo vaiṣa saho rājyam. tam evaitac chandomā anu rājanti. camūṣac chyenaś śakuno vibhṛtvā govindur drapsa āyudhāni bibhrad iti gomatīḥ paśumatīr bhavanti paśūnāma evāvaruddhyai. paśavo hi chandomāḥ. apām ūrmiṃ sacamānas samudram iti samudravatīr bhavanti, chandomānāṃ rūpam. samudro vai chandomāḥ. turīyaṃ dhāma mahiṣo vivaktīti turīyaṃ hy etad ahar ahnāṃ kriyate yac chandomāḥ
»Sie schmücken das geborene, liebliche Kind« — so werden es die Harivatī-Verse. Die Harivatī nämlich ist der höchste Leib der Rede. Rede suchen sie zusammen mit den Chandomas. Wie erfüllt/vollendet wird ja zu diesem Zeitpunkt die Rede in den Chandomas. Eben diese finden sie dadurch vollständig. »Die Maruts schmücken den Redekundigen mit ihrer Schar« — so werden es die Mārutvatī-Verse. Marut-bezogen nämlich ist die Gestalt der Triṣṭubh. Traiṣṭubha ist dieser Tag. Und außerdem: Kriegertum nämlich ist die Triṣṭubh, das Volk sind die Maruts. Dass die Triṣṭubh-Verse Marut-bezogen werden, damit machen sie eben das Volk zum Gefolgsmann des Kriegertums. Deshalb ist das Volk der Gefolgsmann des Kriegertums. »Der Seher, mit Lobliedern, durch Dichtkunst, als Seher, überquert Soma brausend den Filter« — ein Überwinden der Enge. »Seherisch gesinnt, Seher-machend, himmelgewinnend, tausendfach führend, den Pfaden der Seher folgend« — damit nähern sie sich der tausendfachen Gestalt der Chandomas. Vieh nämlich sind die Chandomas. »Der Büffel, die dritte Stätte gewinnen wollend« — denn dieser dritte Dreitagesabschnitt wird eben gemacht, nämlich die Chandomas. »Soma herrscht gemäß der Virāj, dem Ruflaut« — damit nähern sie sich der Traiṣṭubha-Gestalt. Traiṣṭubha nämlich ist dieser Tag. Und außerdem: Dieser hier ist der frühere, der mit Macht, mit Königtum. Ihm gemäß herrschen eben die Chandomas. »In der Trankschale weilend, der Falke, der Vogel, die Schwingen ausbreitend, der kuhfindende Tropfen, Waffen tragend« — so werden es kuhreiche, viehreiche Verse, eben zur Sicherung des Viehs. Denn die Chandomas sind Vieh. »Der Woge der Gewässer folgend, zum Ozean« — so werden es ozeanbezogene Verse, die Gestalt der Chandomas. Der Ozean nämlich ist die Chandomas. »Der Büffel verkündet die vierte Stätte« — denn dieser vierte der Tage wird eben gemacht, nämlich die Chandomas.
[Anm.: Dichter, fortlaufender Verszitat-Katalog zur Traiṣṭubha-('Triṣṭubh'-)Tagesliturgie, mit sozial-hierarchischer Deutung (Triṣṭubh=Kriegertum, Maruts=Volk als dessen Gefolgschaft) und einer Vierer-Reihe von 'Stätten' (dhāman), die die Chandoma-Dreitagesabschnitte durchzählt. 'Atiṃhāyan' bleibt lexikalisch unsicher und wird sinngemäß als 'Überwinden der Enge/Bedrängnis' wiedergegeben.]
Diese sind es, Triṣṭubh-Verse von triṣṭubhischer Farbe, durch die Gestalt des Tages zum Gedeihen gebracht. Wo sie nämlich durch die Gestalt des Tages zum Gedeihen bringen, dort gedeiht man mit. Ihm gedeiht es mit, wer dies weiß. »Diese Somatropfen, die lieben« — das Wort »abhi« hat hierbei die Gestalt des Rathantara. Rāthantara ist dieser Tag. »Sie sind zu Indras Wunsch geflossen« — was Indra-bezogen ist, das ist die Gestalt der Triṣṭubh. Denn Kriegertum ist die Triṣṭubh. »Seine Manneskraft mehrend« — denn dieser Tag, der vierundvierzigfache, ist eben ›gemehrt‹. Der Lobgesang wird passend — Vieh nämlich ist der Lobgesang, die Chandomas sind Vieh — eben zur Sicherung des Viehs. Und außerdem: Fülle nämlich ist Vieh, Fülle ist der Lobgesang. Damit machen sie eben Vieh dem Vieh entsprechend. Nicht machen sie es dabei unmittelbar-sichtbar entsprechend. Deshalb bringt Vieh Nachkommen von verschiedener Gestalt hervor — sei es, dass die weiße ein schwarzes hervorbringt, oder die schwarze ein weißes, oder die rotbraune ein geschecktes, oder die gescheckte ein rotes. Neunversig wird es. Neun sind ja die Atemkräfte im Menschen. Eben durch die Atemkräfte gedeihend schreiten sie voran, in den Atemkräften festen Stand fassend. Ein zweites Neunversiges wird es, ein drittes Neunversiges wird es. Eben aufeinanderfolgend, durch die Atemkräfte gedeihend, schreiten sie voran. Fünfversig wird es — fünf Versfüße nämlich hat die Paṅkti. Paṅkti-bezogen ist Vieh. Die Chandomas sind Vieh — eben zur Sicherung des Viehs. Da sagen sie: »Jahreszeiten-verbunden ist der Pṛṣṭhya-Sechstagesabschnitt, nicht-jahreszeiten-verbunden sind die Chandomas. Wie ohne Jahreszeiten stehen diese Chandomas fest.« Dass diese fünfversigen und sechsversigen Verse vorkommen, dadurch eben werden die Chandomas jahreszeiten-verbunden gemacht. Es wird zum Paryāsa, zur Stütze der Nachkommenschaft, zum Halt des Viehs. Es wird zum Vierundvierzig-Stoma. Vierundvierzig Silben hat ja die Triṣṭubh. Indra-Kraft und Manneskraft ist die Triṣṭubh. In Indra-Kraft, in Manneskraft eben, festen Stand fassend, schreiten sie voran.
[Anm.: Strukturelles Gegenstück zu 3.175/176 (dort für den gāyatrischen Tag): großteils wortgleiche Wiederholung derselben Formeln (Kuh-Kalb-Farbanalogie, Neunversiges=9 Atemkräfte, Paryāsa), hier auf die Triṣṭubh und den Vierundvierzig-Stoma übertragen (44=Triṣṭubh-Silbenzahl, analog zu 3.176s 24=Gāyatrī-Silbenzahl). Dies bestätigt die systematische Parallelbildung der Tagesliturgien in diesem Abschnitt des Werks.]
agniṃ vo devam agnibhis sajoṣā ity āgneyam ājyaṃ bhavati rāthantaram. rāthantaraṃ hy etad ahaḥ. yajiṣṭhaṃ dūtam adhvare kṛṇudhvam. yo martyeṣu nidhruvir ṛtāvā tapurmūrdhā ghṛtānnaḥ pāvakaḥ. iti. etad vā agneḥ priyaṃ dhāma yad ghṛtam. priyeṇaivainaṃ taṃ dhāmnā samṛddhayanti. prothad aśvo na yavase ’viṣyann ity aśvavad bhavati bhrātṛvyasyaivāvanuttyai. yadā mahas saṃvaraṇād vy asthād iti mahad dhy etad ahar yac catuścatvāriṃśam. ād asya vāto anu vāti śocir adha sma te vrajanaṃ kṛṇam astīti. yadā vā agniṃ vāta upavājayaty atha sa mahad dīpyate. tad etad dīptir eva brahmavarcasasya rūpam. ud yasya te navajātasya vṛṣṇa iti traiṣṭubhaṃ rūpam upagacchanti. traiṣṭubhaṃ hy etad ahaḥ. agne caranty ajarā idhānāḥ. acchā dyām aruṣo dhūma eṣi saṃ dūto agna īyase hi devān. iti svargasya lokasya samaṣṭyai
»Agni, euren Gott, im Einklang mit den anderen Agnis« — das wird zum Agni-bezogenen Ājya, dem Rathantara. Rāthantara nämlich ist dieser Tag. »Macht ihn zum bestopfernden Boten beim Opfer — der unter den Sterblichen standhaft, wahrhaftig, feuerhäuptig, schmalzgenährt, läuternd ist.« Schmalz nämlich ist Agnis liebste Stätte. Mit eben dieser liebsten Stätte lassen sie ihn gedeihen. »Er schnob wie ein Ross auf der Weide, begierig« — so wird es rosshaft, eben zur Vertreibung des Rivalen. »Als er sich groß aus der Verhüllung erhob« — denn dieser Tag, der vierundvierzigfache, ist eben groß. »Dann weht der Wind seiner Flamme nach; dann wahrlich wird dir ein Weg gebahnt.« Wenn nämlich der Wind Agni anfacht, dann lodert er groß auf. Dieses Lodern eben ist die Gestalt der priesterlichen Ausstrahlungskraft. »Empor von dir, dem neugeborenen Bullen« — damit nähern sie sich der Traiṣṭubha-Gestalt. Traiṣṭubha nämlich ist dieser Tag. »Agni, es wandeln die alterslosen, entzündeten Flammen; zum Himmel steigt der rötliche Rauch; als Bote, Agni, gehst du ja zu den Göttern« — zur Vollendung der Himmelswelt.
[Anm.: Fortsetzung des Verszitat-Katalogs, hier zur Traiṣṭubha-Tagesliturgie mit Agni-Bildern (Schnauben des Rosses, windgefachte Flamme, aufsteigender Rauch als Götterbote).]
yad adya sūra udita iti maitrāvaruṇaṃ bhavati. yad iti rathantarasya rūpam. rāthantaram etad ahaḥ. anāgā mitro aryamā. suvāti savitā bhagaḥ. suprāvīr astu sa kṣayaḥ pra nu yāman sudānavaḥ. yo no aṃho ’tipiprati. ity atihāyan. uta svarājo aditir adabdhasya vratasya ye. maho rājāna īśate. iti mahad dhy etad ahar yac catuścatvāriṃśam. tam indraṃ vājayāmasīty aindraṃ bhavati. mahe vṛtrāya hantava iti ghnadvat. etad vai yajamānasya svaṃ stotraṃ yad brahmaṇaḥ. sva eva tad āyatane yajamānasya sarvaṃ pāpmānaṃ ghnanti. sa vṛṣā vṛṣabho bhuvad iti vṛṣaṇvad bhavati. vṛṣaṇvad vai triṣṭubho rūpam. traiṣṭubham etad ahaḥ. indras sa dāmane kṛta ojiṣṭhas sa bale hita iti. etena vai tṛtīyena tryaheṇa devā ūrdhvā svargaṃ lokam āyan. sa eṣām asaṃgṛhīto vīvāhvalat. tasminn indras sa dāmane kṛta ojiṣṭhas sa bale hita ity eva balam adadhuḥ. girā vajro na saṃbhṛta ity evainaṃ samabharan. sabalo anapacyuta ity evainaṃ sabalam akurvan. taṃ saṃskṛtya tena svargaṃ lokam āyan. tad yad etad ājyaṃ bhavati svargasyaiva lokasya samaṣṭyai. yat prathamasyāhna aindrāgnaṃ tad aindrāgnaṃ rāthantaram. rāthantaraṃ hy etad ahaḥ. samainy ājyāni bhavanti. nānāgrāmāv iva ha vā etau yat pṛṣṭhyasya ṣaḍahaś chandomāś ca. sa yathā nānāgrāmo mitrāṇi vyatiṣajyābhaya āsīyātāṃ tādṛk tad yat samainy ājyāni bhavanti. nānāgrāmāv iva ha vā etau yat pṛṣṭhyasya ṣaḍahaś chandomāś ca. sa yathā nānāgrāmo mitrāṇi vyatiṣajyābhaya āsīyātāṃ tādṛk tad yat samainy ājyāni bhavanti. asamaini haika kurvanti. tasmāt samainy eva kāryāṇi. catuścatvāriṃśa stomo bhavati. catuścatvāriṃśadakṣarā vai triṣṭup. indriyaṃ vīryaṃ triṣṭup. indriya evaitad vīrye pratitiṣṭhanto yanti
»Heute, da die Sonne aufgegangen ist« — das wird zum Maitrāvaruṇa. Das Wort »da« hat die Gestalt des Rathantara. Rāthantara ist dieser Tag. »Schuldlos sind Mitra, Aryaman; Savitṛ, Bhaga treiben wohl an; ein guter Beistand sei diese Wohnstatt, nun auf dem Wege, ihr Gabenreichen, die ihr uns über die Not hinwegträgt« — so heißt es von der Überwindung der Not. »Und die selbstherrschende Aditi, und die des ungebrochenen Gebots, die als große Könige walten« — denn dieser Tag, der vierundvierzigfache, ist eben groß. »Jenen Indra treiben wir zur Kraft an« — das wird zum Aindra. »Zum Erschlagen des großen Vṛtra« — so wird es erschlagend. Dies ist ja der eigene Lobgesang des Opferherrn, der dem Brahmanenpriester zukommt. In eben dieser eigenen Grundlage des Opferherrn erschlagen sie alles Übel. »Er, der Bulle, wurde zum Hauptbullen« — so wird es bullenhaft. Bullenhaft nämlich ist die Gestalt der Triṣṭubh. Traiṣṭubha ist dieser Tag. »Jener Indra, zum Geben gemacht, der Mächtigste, in Kraft gegründet« — durch diesen dritten Dreitagesabschnitt stiegen die Götter aufwärts zur Himmelswelt. Er, von ihnen noch nicht gefasst, wankte gewaltig. In ihn legten sie eben mit »Jener Indra, zum Geben gemacht, der Mächtigste, in Kraft gegründet« die Kraft hinein. Mit »Wie der durch Lobpreis zusammengetragene Vajra« sammelten sie ihn eben. Mit »Kraftvoll, unerschüttert« machten sie ihn eben kraftvoll. Nachdem sie ihn so bereitet hatten, gelangten sie mittels seiner zur Himmelswelt. Dass dieses Ājya vorkommt, dient eben der Vollendung der Himmelswelt. Was am ersten Tag das Aindrāgna ist, das ist hier, als Aindrāgna, das Rathantara. Rāthantara nämlich ist dieser Tag. Die Ājya-Verse werden übereinstimmend. Diese beiden nämlich, der Pṛṣṭhya-Sechstagesabschnitt und die Chandomas, sind gleichsam wie zwei verschiedene Dörfer. Wie zwei aus verschiedenen Dörfern, nachdem sie Freundschaftsbande geknüpft haben, furchtlos beieinander säßen, so ist das, dass die Ājya-Verse übereinstimmend werden. Manche machen sie nicht-übereinstimmend. Deshalb sind eben übereinstimmende zu vollziehen. Es wird zum Vierundvierzig-Stoma. Vierundvierzig Silben hat ja die Triṣṭubh. Indra-Kraft und Manneskraft ist die Triṣṭubh. In Indra-Kraft, in Manneskraft eben, festen Stand fassend, schreiten sie voran.
[Anm.: Enthält im Sanskrit-Original eine wortgleiche Doppelung des Dorf-Gleichnisses ('nānāgrāmāv iva...'), die hier nur einmal wiedergegeben wird — vermutlich eine Abschreibe-Dopplung (Dittographie); das Gleichnis selbst wiederholt wortnah 3.180. Der Mythos vom noch 'wankenden', erst durch drei Verse gestärkten Indra des dritten Dreitagesabschnitts ist eine eigenständige kleine Erzählung.]
adhvaryo adribhis sutam iti triṣṭubho rūpeṇa prayanti. traiṣṭubham etad ahaḥ. somaṃ pavitra ā naya. punāhīndrāya pātave. tava tya indo andhasā ity andhasvatīr bhavanty - annaṃ vā andho - ’nnādyasyaivāvaruddhyai. devā madhor vy āśata. pavamānasya marutaḥ. iti marutvatīr bhavanti. marutvad vai madhyandinasya rūpam. madhyandinasyaiva tad rūpān na yanti. divaḥ pīyūṣam uttamam ity uttamo hy eṣa tryahaḥ kriyate yac chandomāḥ. tāsu gāyatram uktabrāhmaṇam. athāñjaḥ padanidhanaṃ rāthantaram. tasmād rāthantare ’han kriyate. devā vā akāmayantāñjasā svargaṃ lokam ārohemeti. ta etat sāmāpaśyan. tenāstuvata. tato vai te ’ñjasā svargaṃ lokam ārohan. tad evāñjaso ’ñjastvam. tad etat svargyaṃ sāma. añjasaivaitena svargaṃ lokam ārohati ya evaṃ veda. tad v evācakṣate vairūpam iti. paśavo vai virūpāḥ. paśavo vairūpam. paśuṣv evaitat paśūn anusaṃdadhāti. virūpa āṃgirasaḥ paśukāmas tapo ’tapyata. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. tato vai sa paśūn avārunddha. tad etat paśavyaṃ sāma. ava paśūn runddhe bahupaśur bhavati ya evaṃ veda. yad u virūpa āṅgiraso ’paśyat tasmād vairūpam ity ākhyāyate
»Adhvaryu, mit Steinen Ausgepresstes« — damit schreiten sie mit der Gestalt der Triṣṭubh voran. Traiṣṭubha ist dieser Tag. »Führe den Soma zum Filter. Läutere ihn für Indra zum Trinken. Diese deine, o Indu, mit dem Somastengel« — so werden es die stengelreichen Verse; der Somastengel nämlich ist Speise — eben zur Sicherung von Speise und Nahrung. »Die Götter haben von der Süße genossen, die Maruts vom Pavamāna« — so werden es die Mārutvatī-Verse. Marut-bezogen nämlich ist die Gestalt der Mittagspressung. Von eben dieser Gestalt der Mittagspressung weichen sie nicht ab. »Der höchste Rahm des Himmels« — denn dieser Dreitagesabschnitt, nämlich die Chandomas, wird eben zum ›Höchsten‹ gemacht. Bei ihnen ist das Gāyatra bereits erklärt. Nun das Añjas, mit Fuß-Nidhana, das Rathantara. Deshalb wird es am Rathantara-Tag vollzogen. Die Götter wünschten: »Möchten wir doch geradewegs zur Himmelswelt emporsteigen!« Sie erblickten dieses Sāman. Sie priesen sich damit. Danach stiegen sie fürwahr geradewegs zur Himmelswelt empor. Das eben ist die Añjas-heit des Añjas. Das ist das himmlische Sāman. Geradewegs steigt er damit zur Himmelswelt empor, wer dies weiß. Das nennen sie eben auch ›Vairūpa‹. Vieh nämlich ist ›vielgestaltig‹ (virūpa). Vieh ist das Vairūpa. Dadurch verbindet es eben Vieh mit Vieh. Virūpa Āṅgirasa, nach Vieh verlangend, übte Askese. Er erblickte dieses Sāman. Damit pries er sich. Danach sicherte er sich Vieh. Das ist das viehbezogene Sāman. Er sichert sich Vieh, wird reich an Vieh, wer dies weiß. Und weil Virūpa Āṅgirasa es erschaute, deshalb wird es ›Vairūpa‹ genannt.
[Anm.: Doppelte Namensherleitung für dasselbe Sāman: zunächst als 'Añjas' (Geradheit/Unmittelbarkeit) über den Götter-Himmelsaufstieg, dann als 'Vairūpa' sowohl über eine Wortdeutung (virūpa 'vielgestaltig', bezogen auf Vieh) als auch über die eigenständige Askese-Erzählung Virūpa Āṅgirasas — ein Sāman mit zwei ineinandergeschachtelten Ursprungserzählungen.]
atha dhurāṃ sāma dravadiḷaṃ rāthantaram. tasmād rāthantare ’han kriyate. chandāṃsi vai dhuraḥ. yātayāmāna ivaite yac chandomāḥ. tad yad atra dhurāṃ sāma kriyate tenaiva chandomā dhūrvantaś chandasvanto ’yātayāmānaḥ kriyante. atho prāṇā vai dhuraḥ. paśavo dhuraḥ. prāṇeṣv eva tat paśuṣu pratitiṣṭhati. atheḷataṃ triṇidhanaṃ savanānāṃ klṛptyai. etad dha vai samṛddhaṃ yad gāyatraṃ triṇidhanam. iḷan kāvya svargakāmas tapo ’tapyata. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. sa imam eva lokaṃ prathamena nidhanenābhyārohad, antarikṣaṃ dvitīyena, amuṃ tṛtīyena. tān imāṃs trīn lokān abhyārohat. tato vai sa svarge loke pratyatiṣṭhat. tad etat svargyaṃ pratiṣṭhā sāma. gacchati svargaṃ lokaṃ, prati svarge loke tiṣṭhati ya evaṃ veda. yad v iḷan kāvyo ’paśt tasmād aiḷatam ity ākhyāyate. atha saumitraṃ, bhrātṛvyahā sendraṃ sāma. hanti dviṣantaṃ bhrātṛvyam āsyendro havaṃ gacchati ya evaṃ veda. atha sauparṇam uktabrāhmaṇam. tac caturakṣaraṇidhanaṃ bhavati - catuṣpadā vai paśavaḥ, paśavaś chandomāḥ - paśūnām evāvaruddhyai
Nun das Sāman der Jochlasten, das fließende Iḷā, das Rathantara. Deshalb wird es am Rathantara-Tag vollzogen. Die Versmaße nämlich sind Jochlasten. Diese, nämlich die Chandomas, sind gleichsam erschöpft. Dass hier das Sāman der Jochlasten vollzogen wird, dadurch eben werden die Chandomas jochlasttragend, versmaßreich, unerschöpft gemacht. Und außerdem: Atemkräfte nämlich sind Jochlasten. Vieh ist Jochlast. Dadurch findet es eben in den Atemkräften, im Vieh festen Stand. Nun das Aiḷata, mit dreifachem Nidhana, zur rechten Ordnung der Pressungen. Dies ist ja vollendet, nämlich das Gāyatra mit dreifachem Nidhana. Iḷana Kāvya, nach der Himmelswelt verlangend, übte Askese. Er erblickte dieses Sāman. Damit pries er sich. Er stieg mit dem ersten Nidhana zu dieser Welt hier empor, mit dem zweiten zum Luftraum, mit dem dritten zu jener Welt dort. So stieg er zu diesen drei Welten empor. Danach fand er in der Himmelswelt festen Stand. Das ist das himmlische, feststehende Sāman. Er geht zur Himmelswelt, findet in der Himmelswelt festen Stand, wer dies weiß. Und weil Iḷana Kāvya es erschaute, deshalb wird es ›Aiḷata‹ genannt. Nun das Saumitra, das rivalentötende, Indra-bezogene Sāman. Er erschlägt den hassenden Rivalen; Indra kommt zum Ruf seines Mundes, wer dies weiß. Nun das Sauparṇa, bereits erklärt. Das wird zum viersilbigen Nidhana — vierfüßig nämlich ist Vieh, die Chandomas sind Vieh — eben zur Sicherung des Viehs.
[Anm.: Reaktiviert die yātayāma/ayātayāma-Kategorie (vgl. 3.154, 3.178, 3.184). Iḷana Kāvya trägt denselben Sippennamen 'Kāvya' wie der bereits mehrfach identifizierte Uśanas Kāvya (3.150, 3.174), scheint hier aber eine eigenständige Person derselben Nachkommenschaft zu sein. Das Aiḷata mit seinem Dreifach-Nidhana für die drei Welten (Erde/Luftraum/Himmel) folgt dem klassischen dreiteiligen Kosmos-Aufstiegsschema.]