Kapitel 19
Der Zorn als Mutterschoß: Indras Geburt und die letzte Einheit
Das goldene Ei aus dem Vorkapitel zerbirst mit dem Laut 'Phal' in zwei Schalen, aus denen Erde, Himmel und Luftraum entstehen; aus Prajāpatis anschließender Selbstbesinnung wachsen, jahreszeitenweise gepaart und mit dem Glanz je eines Pṛṣṭha-Sāmans versehen, die zwölf Monate heran. Als die so entstandenen Götter, Stomas, Versmaße und Jahreszeiten ohne Rangordnung nebeneinanderstehen, schickt Prajāpati sie zu einjähriger Askese und gießt das dabei Erlangte in seinen eigenen Zorn als Mutterschoß: Daraus wird Indra geboren; befragt dazu wird ausdrücklich der Seher Gaurivīti als Augenzeuge zitiert. Sechsfach fordert der Neugeborene, mit dem Ruf 'Speise, Speise!', je ein Monatspaar samt Pṛṣṭha-Glanz zurück, ergreift die Jahreszeiten mit Kopf, Armen, Füßen, Brust und Rippen und erbittet zuletzt, an seinem eigenen Gewicht fast gehindert, die 'sechstausend Mütter' genannten Wasser, um endlich geboren zu werden. Nach seiner sechsstufigen Weihe durch die Göttergruppen will Prajāpati ihn zurückfordern; nur die Maruts stimmen zu, gegen Anteil am Mittagsopfer – eine Ätiologie, die zugleich erklärt, warum ausgerechnet der Mond als 'Vater' und die Sonne als 'Sohn' gelten. Es folgen zwei umfangreiche Priestertabellen, welche Versmaße und Gottheiten den sechzehn Opferämtern zuordnen, und ein langer, kunstvoll gestufter Katechismus, der den ganzen Zwölftagesritus über Trivṛt-Gāyatrī-Agni, über die jeweils EINE zugrundeliegende Größe und schließlich über Stobha-Pada-Akṣara bis auf Auge, Geist und Atem im Menschen zurückführt – mit einer auffällig upaniṣadisch klingenden 'Ich bin dies alles'-Formel. Den Abschluss bildet eine zweite, mikrokosmische Fassung desselben Reduktionsschemas am 'Menschen im Auge', die in den verhüllten wahren Namen von Ṛc (Ūrgha) und Brahman (Bharma) gipfelt.
tasya haritam adharaṃ kapālam āsīd rajatam uttaram. tac chataṃ devasaṃvatsarāñ chayitvā nirbhidyam abhavat sahasraṃ vā dyumnān. dyumnā ha nāma tarhy apy āsuḥ. yāvān eṣa saṃvatsaras tāvantas saṃvatsarasya pratimāḥ. dyumnair ha sma saṃvatsaraṃ vijānanti. atha ha tataḥ purāhorātre saṃśliṣṭe evāsatur avyākṛte. te u agnihotreṇaiva vyākṛte. tad etayā vācā nirabhidyata sruvasthe saraṇe sanyau kapāle vijihāthām. kaṃ lokam abhi jāyā iti. phaḷ ity evedam āṇḍaṃ nirabhidyata. tasya yad adharaṃ kapālam āsīt, seyaṃ pṛthivy abhavat. atha yad uttaram āsīt, sāsau dyaur abhavat. atha yad antar āsīt, tad idam antarikṣam abhavat. sa yāṃ jāyamāno vācam avadat, sa eva trayo vedo ’bhavat. yad dhaivaiṣāgre kiṃ ca devatā jāyamānovāda tad u ha brahmaiva babhūva. sa aikṣata - mahatīṃ vā imāṃ pratiṣṭhām asṛkṣīmān lokān. yad vā atas srakṣye vetsyate vai tat pratiṣṭhām. hanta sṛjā iti. sa manasātmānam adhyait. tasmin dvau drapsau samabhavatāṃ vāsantikau māsau
Von diesem Ei war die untere Schale golden, die obere silbern. Nachdem dieses hundert Götterjahre oder tausend Dyumnas gelegen hatte, wurde es reif zum Zerbersten. Dyumnas, so hieß es, gab es damals ebenfalls schon. Wie viele Tage dieses Jahr hat, ebenso viele Abbilder des Jahres gibt es. Mittels der Dyumnas erkannte man das Jahr. Davor nun waren Tag und Nacht noch aneinandergeschmiegt, ungeschieden. Diese beiden wurden erst durch das Agnihotra geschieden. Dies wurde durch diese Rede gespalten: wie zwei löffelförmige, in Bewegung geratene Schalen klafften sie auseinander. »In welche Welt hinein werde ich geboren?« Mit dem Laut »Phal!« eben zerbarst dieses Ei. Dessen unterer Schalenteil, der wurde zu dieser Erde. Was aber der obere war, der wurde zu jenem Himmel. Was aber dazwischen war, das wurde zu diesem Luftraum. Welche Rede er, geboren werdend, sprach, eben diese wurde zu den drei Veden. Was aber diese Gottheit am Anfang, geboren werdend, irgend sprach, das eben wurde zum Brahman. Er überlegte: »Eine große Grundlage habe ich fürwahr geschaffen, diese Welten. Was ich aber von nun an noch erschaffen werde, das wird eben diese Grundlage finden. Wohlan, ich will erschaffen!« Er sann mit dem Geist über sich selbst nach. In ihm entstanden zwei Tropfen zusammen, die beiden Frühlingsmonate.
[Anm.: Setzt den in 3.360 begonnenen Hiraṇyagarbha-Mythos fort und erzählt das Zerbersten des goldenen Eis in zwei Schalenhälften – golden (harita, wörtlich ›gelblich-grün, goldfarben‹) unten, silbern oben –, deren drei Teile (unterer Rand, oberer Rand, das Dazwischenliegende) zu Erde, Himmel und Luftraum werden; eine eigenständige, von der bekannteren Chāndogya-Upaniṣad-Fassung (3.19.1f., dort sauvarṇa/rajata) unabhängige Variante desselben verbreiteten Weltei-Mythos. Die Ausrufformel »kaṃ lokam abhi jāyā« (›in welche Welt hinein werde ich geboren‹) erscheint hier als erste Instanz eines wiederkehrenden Refrains, der in 3.365 mit fast demselben Wortlaut zurückkehrt. Der Spaltungslaut »Phal« knüpft klanglich an das Pluti-markierte »phā³l phā³l« der Urwasser-Wogen aus 3.360 an – beide markieren einen kosmogonischen Schwellenmoment durch Onomatopoesie. Die Erläuterung zu ›Dyumna‹ als altertümlicher Nebenbezeichnung (dem Kontext nach vermutlich für den Tag, als kleines ›Abbild‹ des Jahres) ist lexikalisch nicht gesichert; ebenso bleibt die genaue Bildlogik von ›sruvasthe saraṇe sanyau‹ (etwa: wie zwei löffelförmige, in Bewegung geratene [uralte?] Schalen) unsicher, insbesondere das Wort ›sanyau‹, das unübersetzt bleibt. Der Abschnitt endet mit dem Beginn eines neuen, in 3.362 sechsfach fortgeführten Musters: aus Prajāpatis Selbstbesinnung entstehen paarweise ›Tropfen‹, die sich als die Monate des Jahres erweisen.]
tāv abravīt sṛjyethām iti. kāṃ diśaṃ tateti. imām iti. tāv om ity etayā vācāsṛjyata. tāv etasyāṃ diśi patitvā pratyatiṣṭhatām. tau rathantaraṃ bhā anvasṛjyata. tayos tad evānnam āsīt, taj jyotisa, tad ābhyām ātapat. tatas tau rāṣṭram abhavatām. rāṣṭraṃ ha vai bhavati ya evaṃ veda. sa manasaiva punar ātmānam adhyait. tasmin dvau drapsau samabhavatāṃ graiṣmau māsau. tāv abravīt sṛjyethām iti. kāṃ diśaṃ tateti. imām iti. tāv om ity etayaiva vācāsṛjyata. tāv etasyāṃ diśi patitvā pratyatiṣṭhatām. tau bṛhad bhā anvasṛjyata. tayos tad evānnam āsīt taj jyotis, tad ābhyām ātapat. tatas tau rāṣṭram abhavatām. rāṣṭraṃ ha vai bhavati ya evaṃ veda. sa manasaiva punar ātmānam adhyait. tasmin dvau drapsau samabhavatāṃ vārṣikau māsau. tāv abravīt sṛjyethām iti. kāṃ diśaṃ tateti. imām iti. tāv om ity etayaiva vācāsṛjyata. tāv etasyāṃ diśi patitvā pratitiṣṭhatām. tau vairūpaṃ bhā anvasṛjyata. tayos tad evānnam āsīt, taj jyotis, tad ābhyām ātapat. tatas tau rāṣṭram abhavatām. rāṣṭraṃ ha vai (?)ti ya evaṃ veda. sa manasaiva punar ātmānam adhyait. tasmin dvau drapsau samabhavatāṃ śāradau māsau. tāv abravīt sṛjyethām iti. kāṃ diśaṃ tateti. imām iti. tāv om ity etayaiva vācāsṛjyata. tāv etasyāṃ diśi patitvā pratyatiṣṭhatām. tau vairājaṃ bhā anvasṛjyata. tayos tad evānnam āsīt, taj jyotis tad ābhyām ātapat. tatas tau rāṣṭram abhavatām. rāṣṭra ha vai bhavati ya evaṃ veda. sa manasaiva punar ātmānam adhyait. tasmin dvau drapsau samabhavatāṃ haimantikau māsau. tāv abravīt sṛjyethām iti. tāv om ity etayaiva vācāsṛjyata. tāv etasyāṃ diśi patitvā pratyatiṣṭhatām. tau śākvaraṃ bhā anvasṛjyata. tayos tad evānnam āsīt, taj jyotis, tad ābhyām ātapat. tatas tau rāṣṭram abhavatām. rāṣṭraṃ ha vai bhavati ya evaṃ veda. tāv abravīt sṛjyethām iti. kāṃ diśaṃ tateti. imām iti. tāv om ity etayaiva vācāsṛjyata. tāv etasyāṃ diśi patitvā pratyatiṣṭhatām. tau raivataṃ bhā anvasṛjyata. tayos tad evānnam āsīt, taj jyotis, tad ābhyām ātapat. tatas tau rāṣṭram abhavatām. rāṣṭraṃ ha vai bhavati ya evaṃ veda
Zu diesen beiden sprach er: »Werdet erschaffen!« »Zu welcher Himmelsrichtung hin?« »Zu dieser.« Diese beiden wurden eben mit dieser Rede, mit »Om«, erschaffen. Diese beiden, in diese Himmelsrichtung gefallen, kamen dort zum Stehen. Diesen beiden wurde der Glanz des Rathantara nachgeschaffen. Von diesen beiden war eben dies die Speise, dies das Licht; damit erglühten diese beiden. Danach wurden diese beiden zu einem Reich. Ein Reich wird ihm fürwahr zuteil, der dies so weiß. Er sann mit dem Geist erneut über sich selbst nach. In ihm entstanden zwei Tropfen zusammen, die beiden Sommermonate. Zu diesen beiden sprach er: »Werdet erschaffen!« »Zu welcher Himmelsrichtung hin?« »Zu dieser.« Diese beiden wurden eben mit ebendieser Rede erschaffen. Diese beiden, in diese Himmelsrichtung gefallen, kamen dort zum Stehen. Diesen beiden wurde der Glanz des Bṛhat nachgeschaffen. Von diesen beiden war eben dies die Speise, dies das Licht; damit erglühten diese beiden. Danach wurden diese beiden zu einem Reich. Ein Reich wird ihm fürwahr zuteil, der dies so weiß. Er sann mit dem Geist erneut über sich selbst nach. In ihm entstanden zwei Tropfen zusammen, die beiden Regenzeitmonate. Zu diesen beiden sprach er: »Werdet erschaffen!« »Zu welcher Himmelsrichtung hin?« »Zu dieser.« Diese beiden wurden eben mit ebendieser Rede erschaffen. Diese beiden, in diese Himmelsrichtung gefallen, kamen dort zum Stehen. Diesen beiden wurde der Glanz des Vairūpa nachgeschaffen. Von diesen beiden war eben dies die Speise, dies das Licht; damit erglühten diese beiden. Danach wurden diese beiden zu einem Reich. Ein Reich wird ihm fürwahr (?) zuteil, der dies so weiß. Er sann mit dem Geist erneut über sich selbst nach. In ihm entstanden zwei Tropfen zusammen, die beiden Herbstmonate. Zu diesen beiden sprach er: »Werdet erschaffen!« »Zu welcher Himmelsrichtung hin?« »Zu dieser.« Diese beiden wurden eben mit ebendieser Rede erschaffen. Diese beiden, in diese Himmelsrichtung gefallen, kamen dort zum Stehen. Diesen beiden wurde der Glanz des Vairāja nachgeschaffen. Von diesen beiden war eben dies die Speise, dies das Licht; damit erglühten diese beiden. Danach wurden diese beiden zu einem Reich. Ein Reich wird ihm fürwahr zuteil, der dies so weiß. Er sann mit dem Geist erneut über sich selbst nach. In ihm entstanden zwei Tropfen zusammen, die beiden Wintermonate. Zu diesen beiden sprach er: »Werdet erschaffen!« Diese beiden wurden eben mit ebendieser Rede erschaffen. Diese beiden, in diese Himmelsrichtung gefallen, kamen dort zum Stehen. Diesen beiden wurde der Glanz des Śākvara nachgeschaffen. Von diesen beiden war eben dies die Speise, dies das Licht; damit erglühten diese beiden. Danach wurden diese beiden zu einem Reich. Ein Reich wird ihm fürwahr zuteil, der dies so weiß. Zu diesen beiden sprach er: »Werdet erschaffen!« »Zu welcher Himmelsrichtung hin?« »Zu dieser.« Diese beiden wurden eben mit ebendieser Rede erschaffen. Diese beiden, in diese Himmelsrichtung gefallen, kamen dort zum Stehen. Diesen beiden wurde der Glanz des Raivata nachgeschaffen. Von diesen beiden war eben dies die Speise, dies das Licht; damit erglühten diese beiden. Danach wurden diese beiden zu einem Reich. Ein Reich wird ihm fürwahr zuteil, der dies so weiß.
[Anm.: Führt die in 3.361 begonnene Monats-Schöpfung fort: sechsmal wiederholt sich dieselbe Formel – zwei ›Tropfen‹ (= zwei Monate einer Jahreszeit) entstehen aus Prajāpatis Selbstbesinnung, werden mit ›Om‹ in eine Himmelsrichtung hinein erschaffen, kommen dort zur Ruhe und erhalten den Glanz je eines der sechs Pṛṣṭha-Sāmans (Rathantara/Bṛhat/Vairūpa/Vairāja/Śākvara/Raivata) nachgeschaffen – eine neue, jahreszeitlich-monatliche Ätiologie dieser sechs Sāmans, die an die früheren Wasser-Ursprungsmythen (3.117f., 3.352–355) anknüpft, ohne mit ihnen identisch zu sein. Die Frühlings-, Sommer-, Regenzeit-, Herbst- und Wintermonate (vāsantika/graiṣma/vārṣika/śārada/haimantika) werden ausdrücklich benannt; der sechsten, dem Raivata zugeordneten Paarung fehlt auffällig sowohl die einleitende ›tasmin dvau drapsau‹-Formel als auch (bei der haimantika-Paarung) die Richtungsfrage – beides wird, dem Quelltext folgend, als wahrscheinliche Verkürzung im Zuge der repetitiven Aufzählung unkommentiert übernommen, nicht ergänzt. Die dritte Instanz (Vairūpa/vārṣika) trägt im Quelltext selbst ein Fragezeichen als Unsicherheitsmarkierung an der Stelle des erwarteten ›bhavati‹ (vgl. die Liste vergleichbarer Marker, u.a. ›bhūtvai(t)‹ 3.323, ›vait‹ 3.357) und wird entsprechend mit ›(?)‹ übernommen. Zusammen mit 3.363 ergeben sich hier sechs Jahreszeiten (die sechste, Śiśira, wird in 3.363 auf andere, nicht-formelhafte Weise nachgetragen) statt der sonst geläufigeren vier.]
atha jyṛgbhyām ārcchat. tasmāt paśavaḥ śaiśira ṛtau jyṛgbhyām ṛcchanti. sa aikṣata yam imaṃ trayaṃ vedam asṛkṣi hantāsmāt sṛjā iti. sa trivṛtā stomena gāyatrīm adhyait. tato vasūn asṛjata. ta imāṃ diśam anvāyan. pañcadaśena stomena triṣṭubham adhyait. tato rudrān asṛjata. ta imāṃ diśam anvāyan. sa saptadaśena stomena jagatīm adhyait. tata ādityān asṛjata. ta imāṃ diśam anvāyan. ekaviṃśena stomenānuṣṭubham adhyait. tato viśvān devān asṛjata. ta imāṃ diśam anvāyan. triṇavena stomena paṃktim adhyait. tato maruto ’sṛjata. ta imāṃ diśam anvāyan. trayastriṃśena stomenāticchandasam adhyait. tatas sādhyāṃś cāptyāṃś cāsṛjata. ta imāṃ diśam anvāyan
Danach gähnte er mit einem doppelten Gähnen. Deshalb gähnen die Tiere in der Kühle-Jahreszeit (Śiśira) mit einem doppelten Gähnen. Er überlegte: »Die drei Veden, die ich erschaffen habe – wohlan, ich will aus diesen weiter erschaffen!« Mit dem Trivṛt-Stoma sann er über die Gāyatrī nach. Daraufhin erschuf er die Vasus. Diese folgten dieser Himmelsrichtung nach. Mit dem Fünfzehner-Stoma sann er über die Triṣṭubh nach. Daraufhin erschuf er die Rudras. Diese folgten dieser Himmelsrichtung nach. Mit dem Siebzehner-Stoma sann er über die Jagatī nach. Daraufhin erschuf er die Ādityas. Diese folgten dieser Himmelsrichtung nach. Mit dem Einundzwanziger-Stoma sann er über die Anuṣṭubh nach. Daraufhin erschuf er die Allgötter. Diese folgten dieser Himmelsrichtung nach. Mit dem Dreineuner-Stoma sann er über die Paṅkti nach. Daraufhin erschuf er die Maruts. Diese folgten dieser Himmelsrichtung nach. Mit dem Dreiunddreißiger-Stoma sann er über das Aticchandas nach. Daraufhin erschuf er die Sādhyas und die Āptyas. Diese folgten dieser Himmelsrichtung nach.
[Anm.: Der einleitende Satz zur sechsten Jahreszeit, Śiśira (Kühlezeit), weicht auffällig vom sonst in 3.362 sechsfach wiederholten ›Tropfen‹-Schema ab: statt der formelhaften Monats-/Richtungs-/Sāman-Zuweisung wird hier knapp eine Tier-Verhaltens-Ätiologie geboten. Das zentrale Wort ›jyṛgbhyām‹ (Instrumental Dual) ist lexikalisch unsicher; hier probeweise mit der Wurzel jṛmbh (›gähnen, sich strecken‹) in Verbindung gebracht, doch bleibt sowohl diese Deutung als auch die genaue Satzkonstruktion mit Vorbehalt zu lesen. Im Anschluss daran wiederholt und bestätigt der Abschnitt die bereits aus 3.308f./317/319 bekannte sechsgliedrige Stoma-Chandas-Götter-Korrespondenz (Trivṛt/Gāyatrī/Vasus – 15er/Triṣṭubh/Rudras – 17er/Jagatī/Ādityas – 21er/Anuṣṭubh/Allgötter – 27er als ›Dreineuner‹ [triṇava, eine alternative Zahlbezeichnung für saptaviṃśa]/Paṅkti/Maruts – 33er/Aticchandas/Sādhyas und Āptyas, letztere ein sonst seltener Götterklassenname, vgl. den unsicheren Trita-Āptya-Bezug in 3.227) im Rahmen des Hiraṇyagarbha-Mythos – dieselbe Struktur wird damit zum dritten Mal im Text entfaltet, jedes Mal in einem neuen mythischen Rahmen.]
tā etā devatā sṛṣṭā stomā chandāṃsy ṛtavo grahāḥ. pṛthag evaiṣām imā śriyo dīpyamānā atiṣṭhan, nānyonyasya śreṣṭhatāyā atiṣṭhanta. te ’bruvan na vā anyo ’nyasya śreṣṭhatāyai tiṣṭhāmahai. eta tam icchāmahai yo na īśātā iti. te prajāpatim eva janayitāram etyābruvan na vā anyo ’nyasya śreṣṭhatāyai tiṣṭhāmahai. tan nas sṛjasva yo na īśātā iti. sa prajāpatir abravīd etāvad vāva tyasmiṃs teja indriyaṃ vīryam abhūd yad yuṣmān asṛkṣi. te vai saṃvatsara tapyadhvam. te mā saṃvatsaraṃ taptvopasameta yad eko ’dhigacchati yad eko yad eka iti. te saṃvatsaram atapyanta. taṃ saṃvatsaraṃ taptvopasamāyan. yad eko ’dhyagacchad yad eko yad ekas tad asya manyau yonāv asiñcan. tata indras saṃbhavat. tad eṣābhyanūcyate - aśvād iyāyeti yad vadanty ojaso jātam uta manya enam. manyor iyāya harmyeṣu tasthau yaḥ prajajña indro asya veda. iti. manyor iyāyeti yad asya manyau yonāv asiñcan. harmyeṣu tasthāv iti hṛdayāny u vai harmyāṇi. hṛdayo ha vai krudhyati. ojaso jātam uta manya enam iti
Diese Gottheiten waren geschaffen, ebenso die Stomas, die Versmaße, die Jahreszeiten, die Grahas. Gesondert nur standen deren Herrlichkeiten leuchtend da; sie standen nicht für die Vorrangstellung des einen vor dem anderen ein. Sie sprachen: »Wir wollen nicht für die Vorrangstellung des einen vor dem anderen einstehen. Wohlan, lasst uns den suchen, der über uns herrschen möge!« Sie gingen zu eben Prajāpati, ihrem Erzeuger, und sprachen: »Wir wollen nicht für die Vorrangstellung des einen vor dem anderen einstehen. Erschaffe du uns den, der über uns herrschen möge!« Da sprach Prajāpati: »Ebensoviel fürwahr war jene Glut, Fähigkeit und Manneskraft in mir, wie ich euch erschuf. Übt ihr fürwahr ein Jahr lang Glut-Askese. Kommt, nachdem ihr ein Jahr lang Askese geübt habt, wieder zu mir zusammen und berichtet, was der eine erlangt, was der andere, was wieder ein anderer.« Sie übten sich ein Jahr lang in Glut-Askese. Nachdem sie sich dieses Jahr lang so geübt hatten, kamen sie wieder zusammen. Was der eine erlangt hatte, was der andere, was wieder ein anderer – das gossen sie in seinen Zorn als Schoß hinein. Daraus entstand Indra. Dazu wird jener Vers zitiert: »Vom Pferd her, so sagt man, sei er gekommen – aus Kraft geboren, und aus Zorn, ihn. Aus dem Zorn kam er her, in den Wohnstätten weilte er: der geboren ward – Indra weiß dies von sich.« ›Aus dem Zorn kam er her‹ – das bezieht sich darauf, dass sie jenes Erlangte in seinen Zorn als Schoß hineingossen. ›In den Wohnstätten weilte er‹ – Wohnstätten sind ja die Herzen. Das Herz ist es ja, das zürnt. »Aus Kraft geboren, und aus Zorn, ihn.«
[Anm.: Bietet eine eigenständige, an das Hiraṇyagarbha-Geschehen (3.360–363) anschließende Ätiologie der Geburt Indras: die aus der Ur-Schöpfung hervorgegangenen Gottheiten, Stomas, Versmaße, Jahreszeiten und Grahas (Soma-Schöpfgefäße/Trankportionen) stehen zunächst unverbunden und rangordnungslos nebeneinander; erst als sie sich, ratlos über ihre Rangfolge, an Prajāpati wenden und dieser sie – da seine eigene Glut, Fähigkeit und Manneskraft (teja/indriya/vīrya, vgl. 3.352–359) bereits ganz in ihre Erschaffung eingegangen ist – zu einem Jahr eigener Askese schickt, wird aus dem gemeinsam Erlangten, in Prajāpatis Zorn (manyu) als Schoß gegossen, Indra geboren: eine ungewöhnliche, sonst nicht bezeugte Herkunfts-Ätiologie, die den affektiven Begriff ›Zorn‹ zur zeugenden Gebärmutter macht. Der zitierte Vers (in 3.365 explizit als Ṛgveda 10.73.10 ausgewiesen – eine im Corpus seltene, präzise Quellenangabe im Text selbst) spielt auf mehrere rätselhafte, einander scheinbar widersprechende Geburtstraditionen Indras an (aus dem Pferd, aus der Kraft, aus dem Zorn), die die JB-Prosa nachträglich auflöst, indem sie ›aus dem Zorn‹ auf den erzählten Schoß-Mythos und ›in den Wohnstätten‹ (harmya) auf das Herz bezieht (mit der knappen Begründung, das Herz sei der Sitz des Zorns). Der Vers wird am Abschnittsende in seiner ›Kraft/Zorn‹-Kernzeile wiederholt, ohne dass eine weitere eigene Glosse dazu gegeben wird – die vorangegangene Erzählung liefert bereits deren Sinn.]
gaurvītaṃ ha papracchus - tvaṃ ha vai dadarśithendraṃ jāyamānam iti. sa haitad uvāca - aśvād iyāyeti yad vadanty ojaso jātam uta manya enam. (ṛ. 10.73.10) manyor iyāya harmyeṣu tasthau yataḥ prajajña indro asya veda. ity ojaso ’nvāhaṃ jātaṃ manya iti hovāca. indras tveva tad veda yatas sa jāta iti. sa śiro nirhṛtya vyaikṣata. sa idam eṣāṃ sarvaṃ spṛtam apaśyat. so ’bravīd yad idam eṣāṃ sarvaṃ spṛtaṃ, kaṃ lokam abhi jāyai sa vai nu me prayaccha. imau nu me -
Sie fragten Gaurvīta: »Hast du denn Indra bei seiner Geburt gesehen?« Er sprach dies: »Vom Pferd her, so sagt man, sei er gekommen – aus Kraft geboren, und aus Zorn, ihn. Aus dem Zorn kam er her, in den Wohnstätten weilte er – von wannen er geboren ward, das weiß Indra von sich.« (Ṛgveda 10.73.10) »Aus Kraft geboren halte ich ihn«, so sprach er. »Indra selbst aber weiß dies, von wannen er geboren wurde.« Er zog den Kopf heraus und blickte umher. Er sah dies alles von ihnen als Errungenes. Da sprach er: »Was dies alles von ihnen an Errungenem ist – in welche Welt hinein werde ich geboren? Das gib mir doch! Diese beiden nun mir –«
[Anm.: Schließt den Indra-Geburtsmythos aus 3.364 ab, indem der bereits aus zahlreichen früheren Abschnitten bekannte Seher Gaurivīti Śāktya (hier abweichend ›Gaurvīta‹ geschrieben, vermutlich derselbe, vgl. 3.147/197/227/234–236/291/302) explizit als Zeuge befragt wird und den zuvor zitierten Vers wiederholt – nun mit ausdrücklicher Quellenangabe ›(ṛ. 10.73.10)‹ im Sanskrit-Text selbst, einer im gesamten bisherigen Corpus seltenen Direktheit der Zitatkennzeichnung. Gaurvītas eigener Zusatzkommentar (›aus Kraft geboren halte ich ihn‹) favorisiert eine der drei im Vers angedeuteten Herkunftsversionen, doch die abschließende Formel belässt Indras wahren Ursprung bei Indra selbst als unauflösbares Geheimnis. Die anschließende, sehr bildhafte Szene – Indra streckt den Kopf heraus und erblickt das gesamte ›Errungene‹ (spṛtam, lexikalisch unsicher, wohl zu einer Wurzel ›erlangen/gewinnen‹) der Götter um sich versammelt – variiert die aus 3.361 bekannte Frage »kaṃ lokam abhi jāyā« (›in welche Welt hinein werde ich geboren‹) als wiederkehrenden Geburts-Refrain, hier von Indra selbst gesprochen. Der Satz bricht – wie im Quelltext durch einen Gedankenstrich markiert – mitten im Aufzählungssatz ab und wird im nächsten Abschnitt fortgesetzt.]
- vāsantikau māsau prayaccheti. etau te prayacchānīty annam annam iti patitvāsyai prācyai diśau rathantaraṃ bhā ādatta. tad ito ’dhatta. eko dvayor vīryaṃ datte ya evaṃ veda. taṃ punar eva prāviśat. tam abravīj jāyasvaiveti. so ’bravīt sa vai nu me prayacchemau nu me graiṣmau māsau prayaccheti. etau te prayacchānīty annam annam ity eva patitvāsyai dakṣiṇāyai diśo bṛhad bhā ādatta. tad ito ’dhatta. aikaś caturṇāṃ vīryaṃ datte ya evaṃ veda. taṃ punar eva prāviśat. tam abravīj jāyasvaiveti. so ’bravīt sa vai nu me prayacchemau nu me vārṣikau māsau prayaccheti. etau te prayacchānīty annam annam ity eva patitvāsyai pratīcyai diśo vairūpaṃ bhā ādatta. tad ito adhatta. aikaṣ ṣaṇṇāṃ vīryaṃ datte ya evaṃ veda. taṃ punar eva prāviśat. tam abravīj jāyasvaiveti. so ’bravīt sa vai nu me prayacchemau nu me śāradau māsau prayacchati. etau te prayacchānīty annam annam ity eva patitvāsyā udīcyai diśo vairājaṃ bhā ādatta. tad ito ’dhatta. aiko ’ṣṭānāṃ vīryaṃ datte ya evaṃ veda. tam punar eva prāviśat. tam abravīj jāyasvaiveti. so ’bravīt sa vai nu me prayacchemau nu me haimantikau māsau prayacchati. etau te prayacchānītya annam annam ity eva patitvāsyā ūrdhvāyai diśaś śākvaraṃ bhā ādatta. tad ito ’dhatta. aiko daśānāṃ vīryaṃ datte ya evaṃ veda. taṃ punar eva prāviśat. tam abravīj jāyasvaiveti. so ’bravīt sa vai nu me prayacchemau nu me śaiśirau māsau prayaccheti. etau te prayacchānīty annam annam ity eva patitvāsyai diśo raivataṃ bhā ādatta. tad ito ’dhatta. aiko dvādaśānāṃ vīryaṃ datte ya evaṃ veda. sa aikṣata kathaṃ nv imān ṛtūn gṛhṇīyām iti
– »Die beiden Frühlingsmonate gib mir!« »Diese beiden will ich dir geben«, so sprach er. Mit dem Ruf »Speise, Speise!« fiel er auf diese östliche Himmelsrichtung und nahm den Glanz des Rathantara. Diesen entnahm er sich von dort. Einer gewinnt die Manneskraft von zweien, wer dies so weiß. Er ging wieder eben in ihn hinein. Zu ihm sprach jener: »Werde doch geboren!« Da sprach er: »Das gib mir doch nun! Gib mir die beiden Sommermonate!« »Diese beiden will ich dir geben«, so sprach er. Mit ebendiesem Ruf fiel er auf diese südliche Himmelsrichtung und nahm den Glanz des Bṛhat. Diesen entnahm er sich von dort. Einer gewinnt die Manneskraft von vieren, wer dies so weiß. Er ging wieder eben in ihn hinein. Zu ihm sprach jener: »Werde doch geboren!« Da sprach er: »Das gib mir doch nun! Gib mir die beiden Regenzeitmonate!« »Diese beiden will ich dir geben«, so sprach er. Mit ebendiesem Ruf fiel er auf diese westliche Himmelsrichtung und nahm den Glanz des Vairūpa. Diesen entnahm er sich von dort. Einer gewinnt die Manneskraft von sechsen, wer dies so weiß. Er ging wieder eben in ihn hinein. Zu ihm sprach jener: »Werde doch geboren!« Da sprach er: »Das gib mir doch nun! Gib mir die beiden Herbstmonate!« »Diese beiden will ich dir geben«, so sprach er. Mit ebendiesem Ruf fiel er auf diese nördliche Himmelsrichtung und nahm den Glanz des Vairāja. Diesen entnahm er sich von dort. Einer gewinnt die Manneskraft von achten, wer dies so weiß. Er ging wieder eben in ihn hinein. Zu ihm sprach jener: »Werde doch geboren!« Da sprach er: »Das gib mir doch nun! Gib mir die beiden Wintermonate!« »Diese beiden will ich dir geben«, so sprach er. Mit ebendiesem Ruf fiel er auf diese obere Himmelsrichtung und nahm den Glanz des Śākvara. Diesen entnahm er sich von dort. Einer gewinnt die Manneskraft von zehn, wer dies so weiß. Er ging wieder eben in ihn hinein. Zu ihm sprach jener: »Werde doch geboren!« Da sprach er: »Das gib mir doch nun! Gib mir die beiden Kühlezeitmonate!« »Diese beiden will ich dir geben«, so sprach er. Mit ebendiesem Ruf fiel er auf diese Himmelsrichtung und nahm den Glanz des Raivata. Diesen entnahm er sich von dort. Einer gewinnt die Manneskraft von zwölfen, wer dies so weiß. Er überlegte: »Wie könnte ich wohl diese Jahreszeiten ergreifen?«
[Anm.: Vervollständigt den bei 3.365 abgebrochenen Satz und entfaltet, sechsfach parallel zur Monats-Schöpfung aus 3.362, einen Indra-Geburtszyklus: sechsmal fordert Indra ein Monatspaar an, empfängt es unter dem Ruf ›Speise, Speise‹ zusammen mit dem Glanz je eines Pṛṣṭha-Sāmans aus derselben Himmelsrichtung, kehrt dann in seine Quelle zurück und wird erneut zur Geburt aufgefordert. Bemerkenswert ist, dass die Zuordnung Richtung↔Pṛṣṭha-Sāman hier exakt die bereits in 3.356 etablierte Sechser-Tabelle wiederholt (Ost/Rathantara, Süd/Bṛhat, West/Vairūpa, Nord/Vairāja, Aufwärts/Śākvara, unbenannte sechste Richtung/Raivata – dort wie hier bleibt die sechste Richtung namenlos, vgl. bereits die Anmerkung zu 3.362) – ein und dasselbe Sechser-Schema trägt damit inzwischen drei verschiedene Mythen (3.356 Verteilung der Pṛṣṭha-Glanze, 3.362 Monats-Schöpfung, 3.366 Indras Kraftgewinn). Die Formel ›Einer gewinnt die Manneskraft von X, wer dies so weiß‹ steigert sich exakt parallel zur fortschreitenden Monatszahl (2-4-6-8-10-12) und kulminiert in der vollen Zwölfzahl des Jahres – eine bewusste arithmetische Kompositionstechnik, die dem Leser die wachsende Vereinnahmung der Zeit durch Indra vor Augen führt.]
tā uttānaśayyām apaśyat. sa śīrṣṇaivamau prāñcāv agṛhṇād, bāhubhyā imān nānā, padbhyāṃ pratyañcāv, urasordhvau, praṣṭibhir avāñcau. tān evaṃ gṛhītvādhastāt paryauhata. sa eṣa ṛtuṣu ca saṃvatsare caitasyā śriyām adhyūḍhas tapati. taṃ punar anena saha sarveṇa prāviśat. tam abravīd ekaṃ vāva tvāgre nāśakam udyantum. na vai tvānena saha sarveṇa śakṣyāmy udyantuṃ, jāyasvaiveti. tasminn āpas siṃsimāyat paryapaśyat. so ’bravīt sa vai nu me prayacchemā nu ma apaḥ prayacchātha janiṣya iti. tasmai ṣaṭ sahasrāṇy apāṃ prāyacchat. tasyaiṣa śloko - na tā anyaḥ pra tarati naināv iṣṇātum arhati. vahanty asmin sarvato madhu kṣīraṃ ghṛtaṃ dadhi ṣaṭ sahasrāṇy ambayāḥ. iti. imā ha vai tā ambayā nāmaitā eva diśaḥ. etā evāsmai sahasraṃ sahasraṃ kṣaranty, etā evainaṃ tarpayanti. so ’jāyata. taṃ jātam upāmadta - tejo ’janīndriyam ajani vīryam ajani brahmājani kṣatram ajani saptānāṃ paśūnāṃ yantājani saptānī diśāṃ dhartājani jāto ’jani janitājani jānitrir ajanīti. api hātmānam apāmādayaj jānitrir ity uvāca. upamādyo ha bhavati ya evaṃ veda. tasmai jātāyaitāṃ rājāsandīṃ nyadadhuḥ. tasyām enam abhyaṣiñcanta
Er sah diese in Rückenlage liegend. Mit dem Kopf ergriff er die beiden, die nach vorn gerichtet waren; mit den Armen diese hier auf verschiedene Weise; mit den Füßen die beiden nach hinten Gerichteten; mit der Brust die beiden nach oben Gerichteten; mit den Rippen die beiden nach unten Gerichteten. Nachdem er diese so ergriffen hatte, trug er sie von unten her ringsum zusammen. Dieser hier, in den Jahreszeiten und im Jahr auf diese Herrlichkeit gestützt, glüht er. Mit diesem allem zusammen ging er wieder in ihn hinein. Zu ihm sprach jener: »Dich allein konnte ich anfangs nicht zum Aufgehen bringen. Mit diesem allem zusammen werde ich dich fürwahr nicht zum Aufgehen bringen können. Werde doch geboren!« Da erblickte er ringsum die Wasser, wie sie rauschten. Er sprach: »Das gebt mir doch nun! Gebt mir doch diese Wasser! Dann werde ich geboren werden.« Ihm gab man sechstausend der Wasser. Dazu gibt es diesen Vers: »Nicht überquert sie ein anderer, noch vermag er, sie in Bewegung zu versetzen. Von allen Seiten tragen zu ihm Honig, Milch, Schmalz, Dickmilch die sechstausend Mütter herbei.« Diese ›Mütter‹ genannten Wasser sind fürwahr eben diese Himmelsrichtungen. Diese eben lassen ihm, je tausend und tausend, Wasser fließen; diese eben sättigen ihn. Da wurde er geboren. Ihn, den Geborenen, besang man: »Glut wurde geboren! Fähigkeit wurde geboren! Manneskraft wurde geboren! Brahman wurde geboren! Kṣatra-Macht wurde geboren! Der Lenker der sieben Tierarten wurde geboren! Der Träger der sieben Himmelsrichtungen wurde geboren! Der Geborene wurde geboren! Der Erzeuger wurde geboren! Die Erzeugerinnen wurden geboren!« Ja, er feierte auch sich selbst; ›die Erzeugerinnen‹, so sprach er. Preiswürdig wird, wer dies so weiß. Ihm, dem Geborenen, setzte man diesen Königsthron hin. Auf diesem weihte man ihn.
[Anm.: Löst die am Ende von 3.366 gestellte Frage auf: Indra ergreift die sechs Jahreszeiten körperlich mit fünf verschiedenen Körperteil-Gruppen (Kopf/vorwärts, Arme/verschiedenartig, Füße/rückwärts, Brust/aufwärts, Rippen/abwärts) – die genaue Zuordnung zu sechs Paaren bleibt arithmetisch etwas unklar, da nur fünf Körperteil-Kategorien für sechs Richtungspaare benannt werden, was hier unharmonisiert stehengelassen wird. Anschließend bittet Indra, nun durch das gehäufte Gewicht seiner Errungenschaften am eigenen Aufgang gehindert, um die Wasser als letzte Zutat seiner Geburt; der zitierte Vers nennt sie ›sechstausend Mütter‹ (ambayaḥ) und identifiziert sie sogleich mit den Himmelsrichtungen – ein Echo des ›siṃsimāyat‹-Rauschens, das lautlich an die Sīmā-Etymologie aus 3.104 (Prajāpati/siṃsimāya→Sīmā) erinnert. Die Geburtsakklamation reaktiviert programmatisch die seit 3.352 etablierte Trias teja/indriya/vīrya (›Glut/Fähigkeit/Manneskraft‹) und erweitert sie um Brahman, Kṣatra sowie kosmische Herrschertitel (Lenker der sieben Tierarten, Träger der sieben Himmelsrichtungen). Die abschließende Inthronisation auf der ›rājāsandī‹ (dem aus dem Rājasūya-Ritual bekannten Königsthron) leitet unmittelbar zur in 3.368 entfalteten Weihe-Stufenfolge über.]
vasavo rājyāya rudrā vairājyāyādityā svārājyāya viśve devā sāmrājyāya marutas sārvavaśyāya sādhyāś cāptyāś ca pārameṣṭhyāya. tam evaṃ santaṃ pitā prajāpatir abhyevāśayat. sa vasūn abravīd imaṃ me prayacchateti. te ’bruvan na śakṣyāmaḥ pitaraṃ prajāpatiṃ hiṃsitum iti. rudrān abravīn, nākāmayanta. ādityān abravīn, nākāmayanta. viśvān devān abravīn, nākāmayanta. sādhyāṃś cāptyāṃś cābravīn, nāvaikāmayanta. atha maruto ’bravīt kim asmākam tata syād iti. yan ma idaṃ niṣkevalyaṃ mādhyandinaṃ savanaṃ tan me yuṣmābhis sādhāraṇaṃ bhaviṣyatīti. tatheti. tam asmā abhipradya prāyacchan. tasyaitac candraṃ me candraṃ ma ity eva vadata etat teja ādatta yenaiṣa etat tapati. sa yac candraṃ ma ity abravīt tasmāc candramāḥ. tasya ha sma yat sa punaḥ punar ādatte sa ha sma tādṛśa eva pariśiṣyate. tasmād etasyāpy adyāsty evābhā. yathaiṣa etad divā tapaty evam eṣa rātriṃ bhāti. tam avaid akṣayyo vā ayam iti. tam udārjata. tam abravīn - mā mā tvaṃ tataḥ pratyātapsīr iti. nety abravīt praty eva tvātapsyānīti. tasmād etam ubhayor ahorātrayoḥ paśyanti. prati hainaṃ tad ātapanti. tau haitau pitāputrāv eva yac candramāś cādityaś ca. pitā candramā, ādityaḥ putraḥ. paraś candramā, apara ādityaḥ. tau haitau sarvāsāṃ devatānāṃ śreṣṭhatāṃ gatau. tad yathaitau sarvāsāṃ devatānāṃ śreṣṭhatāṃ gatāv evam eva svānāṃ śreṣṭatāṃ gacchati ya evaṃ veda. ity adhidevatam. athādhyātmam. ayam eva candramā, ayam ādityaḥ. tad v evam adhyātmam upāsitavyam. tad v eva bhṛgucakṣuṣam. sa yaṃ dviṣyāt taṃ brūyād bhṛgucakṣuṣeṇa tvekṣa iti. na haiva bhogya iva bhavati
Die Vasus weihten ihn zur Königsherrschaft, die Rudras zur Oberherrschaft, die Ādityas zur Selbstherrschaft, die Allgötter zur Allherrschaft, die Maruts zur Allgewalt, die Sādhyas und Āptyas zur höchsten Herrschaft. Ihn, der so beschaffen war, umarmte der Vater Prajāpati. Er sprach zu den Vasus: »Gebt mir diesen!« Sie sprachen: »Wir werden nicht imstande sein, den Vater Prajāpati zu verletzen.« Er sprach zu den Rudras, sie wollten nicht. Er sprach zu den Ādityas, sie wollten nicht. Er sprach zu den Allgöttern, sie wollten nicht. Er sprach zu den Sādhyas und Āptyas, sie wollten ebenfalls nicht. Da sprach er zu den Maruts. »Was würde uns daraus zuteil?« »Was mir dieses ausschließliche Mittagsopfer ist, das soll mir mit euch gemeinsam werden.« »So sei es.« Nachdem sie zugestimmt hatten, gaben sie ihn ihm. Während dieser beständig nur sprach: »Mein Mond, mein Mond!«, nahm jener diese Glut, mit der dieser seitdem glüht. Weil er sprach: »Mein Mond!«, deshalb heißt er Candramas. Was von diesem immer wieder genommen wird, das bleibt doch stets derselbe Rest. Deshalb hat auch dieser noch heute seinen Schein. Wie dieser am Tage glüht, ebenso scheint jener in der Nacht. Er erkannte ihn: »Unerschöpflich fürwahr ist dieser.« Diesen stärkte er. Zu ihm sprach er: »Glühe du mir doch nicht von dort zurück entgegen!« »Nein«, sprach er, »ich werde dir fürwahr zurückglühen.« Deshalb sieht man diesen an beiden, Tag und Nacht. Sie erglühen einander entgegen. Diese beiden nämlich, Mond und Sonne, sind eben Vater und Sohn. Der Mond ist der Vater, die Sonne der Sohn. Der Mond ist der Fernere, die Sonne die Nähere. Diese beiden nämlich sind zur Vorrangstellung vor allen Gottheiten gelangt. Wie diese beiden zur Vorrangstellung vor allen Gottheiten gelangt sind, ebenso gelangt zur Vorrangstellung vor den Seinigen, wer dies so weiß. So auf die Gottheit bezogen. Nun aber auf das Selbst bezogen: eben dies hier ist der Mond, dies die Sonne. Dies eben ist so, auf das Selbst bezogen, zu verehren. Dies eben ist das Bhṛgu-Auge. Wen man hassen sollte, zu dem sollte man sprechen: »Mit dem Bhṛgu-Auge blicke ich dich an!« Er wird dann gar nicht mehr wie ein Genießender.
[Anm.: Die einleitende Weihe-Stufenfolge (rājya/vairājya/svārājya/sāmrājya/sārvavaśya/pārameṣṭhya, je einer Göttergruppe zugeordnet) reaktiviert wortgleich das bereits aus Varuṇas Königsweihe-Mythos (3.152) bekannte sechsstufige Schema. Die anschließende Episode – Prajāpati möchte den neugeborenen Indra von den Göttergruppen zurückerhalten, nur die Maruts stimmen zu, gegen Anteil am ›niṣkevalya‹-Mittagsopfer (dem in der Śrauta-Praxis tatsächlich Indra vorbehaltenen Śastra der Mādhyandina-Savana) – liefert eine eigenständige Ätiologie für die rituelle Verbindung von Niṣkevalya- und Marutvatīya-Rezitation. Die Candramas-Etymologie (von Prajāpatis Klageruf ›candram me‹, ›mein Mond‹) identifiziert Indra mit dem Mond und, über das folgende Sonne-Mond-Wechselglühen, mit dem Sohn in einer Vater-Sohn-Beziehung, in der überraschenderweise der MOND als Vater (=Prajāpati) und die SONNE als Sohn (=Indra) gilt – die Zuordnung ›para/apara‹ (der Fernere/die Nähere) bleibt dabei interpretationsbedürftig und wird mit Vorbehalt wiedergegeben. Die Erklärung, warum der Mond auch tagsüber sichtbar ist (als beständiges ›Zurückglühen‹ gegen die Sonne), ist eine hübsche naturbeobachtende Ätiologie. Der Abschnitt schließt mit der etablierten Adhidaivata/Adhyātma-Doppeldeutung (kosmisch bezogen vs. auf das Selbst/den Körper bezogen, vgl. 3.351) und dem im Wortlaut mitgeteilten ›Bhṛgu-Auge‹, einer apotropäisch-aggressiven Blick-Zauberformel gegen einen Feind.]
chandāṃsi yad ayajanta teṣāṃ bṛhaty evodagāyat. atha yāv etā uttarau pragāthau tau prastotṛpratihartārāv āstām. amitacchando gṛhapatir, virāḍ brahma, gāyatrī maitrāvaruṇā, jagatī hotā, paṃktir adhvaryuḥ. tasya yat pañcamaṃ padaṃ sa pratiprasthātā triṣṭub brāhmaṇācchaṃsy, uṣṇikkakubhau chandasī neṣṭāpotārāv, anuṣṭub acchāvāko, dvipadonnetā, akṣarapaṃktir grāvastud, ekapadā subrahmaṇyo, ’ticchandā āgnīdhraḥ. gāyatreyas sa eṣa sarvachandā yajño yad dvādaśāhaḥ. etair ha sarvaiś chandobhir dvādaśāhas tāyate. etāny eva sarvāṇi chandāṃsi dvādaśāhe kriyante. tasmād yad eteṣu chandassūpahavam iccheta, athartvikṣūpahavam iccheta. yado yajata etāny eva chandāṃsi bhūto yajate. yado yājayaty etāny eva chandāṃsi bhūto yājayati. tasya haitasya naiva kā canārtir asti ya evaṃ veda. ya evainam upavadati sa ārtim ārcchati
Als die Versmaße opferten, da sang für sie eben die Bṛhatī empor. Die beiden oberen Pragāthas aber, diese waren der Prastotṛ und der Pratihartṛ. Der Opferherr hat unbegrenztes Versmaß; der Brahmanpriester entspricht der Virāj; die Gāyatrī dem Maitrāvaruṇa; die Jagatī dem Hotar; die Paṅkti dem Adhvaryu. Deren fünfter Versfuß entspricht dem Pratiprasthātar; die Triṣṭubh dem Brāhmaṇācchaṃsin; Uṣṇih und Kakubh, diese beiden Versmaße, dem Neṣṭar und dem Potar; die Anuṣṭubh dem Acchāvāka; der Zweifüßer dem Unnetar; die Silben-Paṅkti dem Grāvastut; der Einfüßer dem Subrahmaṇya; das Aticchandas dem Āgnīdhra. Der Gāyatrī zugehörig ist dieses Allversmaß-Opfer, das der Zwölftagesritus ist. Mit all diesen Versmaßen zusammen wird der Zwölftagesritus ausgesponnen. Eben all diese Versmaße werden beim Zwölftagesritus verwendet. Deshalb, wenn man bei diesen Versmaßen einen Zuruf wünschen sollte, dann sollte man bei den Opferpriestern den Zuruf wünschen. Wenn er opfert, opfert er, zu diesen Versmaßen geworden. Wenn er opfern lässt, lässt er, zu diesen Versmaßen geworden, opfern. Für diesen, der dies so weiß, gibt es überhaupt kein Leid. Wer ihn schmäht, der gerät ins Unheil.
[Anm.: Bietet eine seltene, nahezu vollständige Zuordnungstabelle der sechzehn traditionellen Opferpriester zu den Versmaßen (Gāyatrī/Maitrāvaruṇa, Jagatī/Hotar, Paṅkti/Adhvaryu, Triṣṭubh/Brāhmaṇācchaṃsin, Uṣṇih+Kakubh/Neṣṭar+Potar, Anuṣṭubh/Acchāvāka, Zweifüßer/Unnetar, Silben-Paṅkti/Grāvastut, Einfüßer/Subrahmaṇya, Aticchandas/Āgnīdhra, dazu Virāj/Brahmanpriester, Bṛhatī/Prastotṛ+Pratihartṛ über die Pragāthas, unbegrenztes Versmaß/Opferherr) – eine der vollständigsten Priesterlisten des bisherigen Textes. Die Schlussfolgerung, dass ein Zuruf an ein Versmaß faktisch ein Zuruf an dessen zugehörigen Priester ist, sowie die Identifikationsformel ›zu diesen Versmaßen geworden opfert er‹ ziehen die praktisch-rituelle Konsequenz aus dieser Systematik. Die abschließende tadelnden-Formel (Schmähung des Wissenden schadet dem Schmähenden) bestätigt das bereits aus 3.356/358 bekannte Muster.]
tad āhuḥ kasmin stome kasmiṃś chandasi kasyāṃ devatāyāṃ dvādaśāho ’ntataḥ pratiṣṭhita iti. sa brūyāt trivṛti stome, gāyatryāṃ chandasy, agnau devatāyāṃ, dvādaśāho ’ntataḥ pratiṣṭhita iti. trivṛtā hy eva stomena prayanti gāyatryā chandasāgninā devatayā. tair u evodyanti. tad āhuḥ ka stoma ekaḥ, kiṃ chanda ekaṃ kā devataikā dvādaśāhaṃ vahatīti. sa brūyāt trivṛt stoma eko, gāyatrī chanda ekaṃ, vāg devataikā dvādaśāhaṃ vahatīti. trivṛto hy eva sarve stomāḥ prajātā, gāyatryās sarvāṇi chandāṃsi. vāg devataikā dvādaśāhaṃ vahati. tad āhuḥ ka stomaḥ kiṃ chandaḥ, kā devatā dvādaśāha iti. sa brūyād ekaviṃśa stomo virāṭ chanda ādityo devatā dvādaśāha iti. ādityo hya evaikaviṃśa, ādityo virāḍ, ādityo devatā dvādaśāhaḥ. tad āhur yatsāma dvādaśāhas sa sāma idaṃ sarvam. kas sāmna stobhaḥ kiṃ padaṃ kim akṣaram iti. sa brūyād āditya eva sāmna stobho, ’ntarikṣaṃ padaṃ, vāg akṣaram iti. tad āhuḥ ka stobhasya stobhaḥ, kiṃ padasya padaṃ, kim akṣarasyākṣaram iti. sa brūyāc cakṣur eva stobhasya stobho, mana eva padasya padaṃ, prāṇa evākṣarasyākṣaram iti
Dazu sagt man: »In welchem Stoma, in welchem Versmaß, in welcher Gottheit ist der Zwölftagesritus letztlich gegründet?« Man sollte antworten: »Im Trivṛt-Stoma, in der Gāyatrī als Versmaß, in Agni als Gottheit ist der Zwölftagesritus letztlich gegründet.« Denn mit dem Trivṛt-Stoma fürwahr treten sie den Hingang an, mit der Gāyatrī als Versmaß, mit Agni als Gottheit. Mit eben diesen treten sie auch den Aufgang an. Dazu sagt man: »Welcher EINE Stoma, welches EINE Versmaß, welche EINE Gottheit trägt den Zwölftagesritus?« Man sollte antworten: »Der EINE Stoma ist der Trivṛt, das EINE Versmaß die Gāyatrī, die EINE Gottheit, die Rede, trägt den Zwölftagesritus.« Denn aus dem Trivṛt fürwahr sind alle Stomas hervorgegangen, aus der Gāyatrī alle Versmaße. Die Rede, die EINE Gottheit, trägt den Zwölftagesritus. Dazu sagt man: »Welcher Stoma, welches Versmaß, welche Gottheit IST der Zwölftagesritus?« Man sollte antworten: »Der Einundzwanziger ist der Stoma, die Virāj das Versmaß, Āditya die Gottheit – das ist der Zwölftagesritus.« Denn Āditya ist ja eben der Einundzwanziger, Āditya die Virāj, Āditya die Gottheit des Zwölftagesritus. Dazu sagt man: »Welches Sāman der Zwölftagesritus ist – jenes Sāman ist dies alles hier. Was ist der Stobha des Sāman, was das Wort, was die Silbe?« Man sollte antworten: »Āditya eben ist der Stobha des Sāman, der Luftraum das Wort, die Rede die Silbe.« Dazu sagt man: »Was ist der Stobha des Stobha, was das Wort des Wortes, was die Silbe der Silbe?« Man sollte antworten: »Das Auge eben ist der Stobha des Stobha, der Geist eben das Wort des Wortes, der Atem eben die Silbe der Silbe.«
[Anm.: Eine viergliedrige, katechismusartig gestufte Frage-Antwort-Reihe (vgl. das etablierte ›tad āhuḥ...sa brūyāt...iti‹-Muster, zuletzt 3.280/324) sucht den letzten Grund des Zwölftagesritus: zunächst in Trivṛt/Gāyatrī/Agni (mit ausdrücklichem Rückbezug auf die Prāyaṇa/Udayana-Terminologie aus 3.319/347), dann in der jeweils EINEN zugrundeliegenden Größe (Trivṛt/Gāyatrī/Vāc), dann in der IDENTITÄT des ganzen Ritus mit Einundzwanziger-Stoma/Virāj/Āditya (die traditionelle Āditya-21-Korrespondenz reaktivierend), und schließlich, über die Sāman-Bestandteile Stobha/Pada/Akṣara, in einer doppelten Reduktion: erst auf Āditya/Luftraum/Rede, dann noch eine Stufe tiefer auf Auge/Geist/Atem – eine folgerichtige adhyātmische Rückführung des gesamten kosmischen Rituals auf die menschliche Wahrnehmungs- und Lebenskraft.]
Dazu sagt man: »Wie werden die Stomas ein einziger Stoma? Wie werden die Versmaße ein einziges Versmaß? Wie werden die Tage ein einziger Tag? Wie werden die Gestalten eine einzige Gestalt? Wie werden die Pṛṣṭhas ein einziges Pṛṣṭha? Wie werden die Gottheiten eine einzige Gottheit? Wie werden die Ṛcs ein einziger Ṛc? Wie werden die Yajus-Sprüche ein einziges Yajus? Wie werden die Sāmans ein einziges Sāman? Wie werden die Veden ein einziger Veda? Wie wird dies alles hier, eins geworden, worin gegründet?« Man sollte antworten: »Durch ›Stoma‹ werden die Stomas eins. Durch ›Versmaß‹ werden die Versmaße eins. Durch ›Tag‹ werden die Tage eins. Durch ›Gestalt‹ werden die Gestalten eins. Durch ›Pṛṣṭha‹ werden die Pṛṣṭhas eins. Durch ›Gottheit‹ werden die Gottheiten eins. Durch ›Ṛc‹ werden die Ṛcs eins. Durch ›Yajus‹ werden die Yajus-Sprüche eins. Durch ›Sāman‹ werden die Sāmans eins. Durch ›Veda‹ werden die Veden eins. Der Geist ist es, durch den dies alles hier, eins geworden, im Atem gegründet ist.« Dazu sagt man: »Wenn der Geist, dies alles hier eins geworden, im Atem gegründet ist – worin nun ist der Atem gegründet?«
[Anm.: Eröffnet eine neue, sprachphilosophisch bemerkenswerte Katechismus-Reihe (fortgeführt in 3.372): die Vielheit jeder Kategorie (Stomas, Versmaße, Tage, Gestalten, Pṛṣṭhas, Gottheiten, Ṛcs, Yajus, Sāmans, Veden) wird darauf zurückgeführt, dass ein gemeinsamer Gattungsname (›Stoma‹, ›Versmaß‹ usw.) sie als Vielheit unter EINEM Begriff zusammenfasst – eine frühe, nominalistisch anmutende Reflexion über das Verhältnis von sprachlicher Benennung und Einheit/Vielheit. Erst die letzte, übergreifende Einheit (›dies alles hier, eins geworden‹) wird nicht mehr durch einen Namen, sondern durch den Geist (manas) erklärt, der seinerseits im Atem (prāṇa) gegründet ist – eine Reduktionskette Name→Geist→Atem, die in 3.372 mit einer weiteren Stufe (Puruṣa) und einer auffällig upaniṣadisch klingenden Selbstidentifikationsformel fortgesetzt wird.]
puruṣa iti brūyāt. puruṣe ha vai prāṇaḥ pratiṣṭhitaḥ. sa yo ha sa puruṣe ya evaṃ vedaivaṃvidi ha vai prāṇaḥ pratiṣṭhitaḥ. tasmād u haiva vidvān guru syān na hīdaṃ sarvaṃ laghayed. atho ha vidyād aham evedaṃ sarvam asmi mayīdaṃ sarvaṃ pratiṣṭhitam iti. tasya ha na loko vyṛdhyate. tad āhus sa vādya dvādaśāhaṃ vidyāt sa vā vedeti manyeta, ya enaṃ sarvāsu dikṣu pratiṣṭhitaṃ vidyād iti. daśa vai diśaḥ. daśo dvādaśāhasyāhāni. tasyemāv eva lokau prāyaṇīyodayanīyāv - ayam eva lokaḥ prāyaṇīyo, ’sāv udayanīyaḥ. tasyeyam eva prācī dik prathamam ahar, iyaṃ dvitīyam, iyaṃ tṛtīyam, iyaṃ caturtham, iyaṃ pañcamam, iyaṃ ṣaṣṭham, iyam evāntaradik saptamam ahar, iyam aṣṭamam, iyaṃ navamam iyaṃ daśamam. sa eṣa dvādaśāhas sarvāsu dikṣu pratiṣṭhitaḥ. sa ya evam etaṃ dvādaśāhaṃ sarvāsu dikṣu pratiṣṭhitaṃ veda, sarvāsu dikṣu pratitiṣṭhati, sarveṣāṃ devānāṃ saloko bhavati. nāsya tasya devāś ca neśate yad enān nānvāgacchet. devānāṃ ha vai sa eko ya evaṃvid. prajāpatir vai dvādaśāhaḥ. tasya diśa eva lokāḥ. sa eṣa dvādaśāhas sarveṣu lokeṣu pratiṣṭhitaḥ. sa ya evam etaṃ dvādaśāhaṃ sarveṣu lokeṣu pratiṣṭhitaṃ veda, sarveṣu lokeṣu pratitiṣṭhati. sa eṣa vāva dvādaśāho ya eṣa tapaty, eṣa indra, eṣa prajāpatir, eṣa evedaṃ sarvam. tad etatkṛte brahmādhyāhitaṃ tapati
Man sollte antworten: »Im Menschen.« Im Menschen nämlich ist der Atem gegründet. Wer nämlich dies so weiß – in diesem, dem so Wissenden, ist der Atem gegründet. Deshalb sollte der Wissende fürwahr gewichtig sein; er sollte nicht dies alles hier leichtnehmen. Und er sollte wissen: »Ich eben bin dies alles hier; in mir ist dies alles gegründet.« Dessen Welt gerät nicht ins Wanken. Dazu sagt man: »Der mag heute den Zwölftagesritus kennen, der mag meinen, dass er weiß, wer diesen als in allen Himmelsrichtungen gegründet kennt.« Zehn nämlich sind die Himmelsrichtungen. Zehn sind die Tage des Zwölftagesritus. Dessen Prāyaṇīya und Udayanīya sind eben diese beiden Welten – diese Welt hier ist der Prāyaṇīya, jene der Udayanīya. Dessen erster Tag ist eben diese östliche Himmelsrichtung, der zweite diese, der dritte diese, der vierte diese, der fünfte diese, der sechste diese, der siebte Tag eben diese Zwischenrichtung, der achte diese, der neunte diese, der zehnte diese. Dieser Zwölftagesritus ist somit in allen Himmelsrichtungen gegründet. Wer diesen Zwölftagesritus so als in allen Himmelsrichtungen gegründet kennt, der ist in allen Himmelsrichtungen gegründet, wird eins an Welt mit allen Göttern. Über diesen vermögen die Götter nichts, insofern er ihnen nicht erst nachzufolgen braucht. Der so Wissende ist nämlich fürwahr einer von den Göttern. Prajāpati nämlich ist der Zwölftagesritus. Dessen Welten sind eben die Himmelsrichtungen. Dieser Zwölftagesritus ist somit in allen Welten gegründet. Wer diesen Zwölftagesritus so als in allen Welten gegründet kennt, der ist in allen Welten gegründet. Dieser hier, der da glüht, ist fürwahr eben der Zwölftagesritus; dieser ist Indra, dieser ist Prajāpati, dieser eben ist dies alles hier. Deshalb glüht, ihm auferlegt, eben deswegen das Brahman.
[Anm.: Führt die Reduktionskette aus 3.371 fort: Geist ist im Atem, Atem ist im Menschen (Puruṣa) gegründet – genauer, in dem Menschen, der eben dies weiß. Die anschließende Ich-bin-alles-Formel (›aham evedaṃ sarvam asmi, mayīdaṃ sarvaṃ pratiṣṭhitam‹) steht stilistisch und inhaltlich den großen upaniṣadischen Identitätsformeln (etwa ›ahaṃ brahmāsmi‹) auffällig nahe, ohne dass hier eine direkte Abhängigkeit zu behaupten wäre. Der zweite Teil des Abschnitts entfaltet eine Zehner-Richtungs-Zuordnung der zehn mittleren Tage des Zwölftagesritus (nur die erste, östliche, und die siebte, eine ›Zwischenrichtung‹, werden explizit benannt, die übrigen acht bleiben als bloßes hinweisendes ›diese‹ stehen – vermutlich ursprünglich von einer rituellen Zeigegeste begleitet) und schließt mit der bereits mehrfach begegneten Identifikationskette Zwölftagesritus=die glühende Sonne=Indra=Prajāpati=das Ganze. Der letzte Satz (mit dem lexikalisch etwas ungewöhnlichen ›adhyāhitam‹, ›auferlegt/aufgesetzt‹) bleibt in seiner genauen Konstruktion vage und wird dem Sinn nach wiedergegeben.]
kṣatraṃ ca rāṣṭraṃ cartaṃ ca satyaṃ ca tāny avastāt tapaś ca tejaś ca svadhā cāmṛtaṃ ca tāny u parastāt. tad yad atra kṣatram indro vā varuṇo vā somo vā rājā tat tat. atha yad rāṣṭraṃ yad devaviśo marutas tat tat. ṛtaṃ rātriḥ. satyaṃ tad ahaḥ. tapo vidyut. tejo yo vidyuto ’śaniḥ patati tat tat. svadhā vṛṣṭiḥ. annaṃ tad amṛtam. tasyaiṣa ślokaḥ - kṣatraṃ rāṣṭram ṛtaṃ satyaṃ brahmaṇo nihitāvarāḥ. tapas teja svadhāmṛtaṃ ta ūrdhvāsa āsate, madhye brahma virājati. iti. etad u haitan madhye brahma virājati. ya u evaṃvidas ta ūrdhvāsa āsate. sa yathā kṣatriyaḥ pratinihita syād evam evaitad brahma pratinihitam anatyayanāya
Kṣatra-Macht und Reich und Ṛta und Satya, diese sind unterhalb; Askese-Glut und Glut und Svadhā und Unsterblichkeit, diese aber sind oberhalb. Was hier nun Kṣatra-Macht ist – Indra oder Varuṇa oder König Soma – das ist eben das. Was aber Reich ist – die Götter-Volksstämme, die Maruts – das ist eben das. Ṛta ist die Nacht. Satya, das ist der Tag. Askese-Glut ist der Blitz. Glut, das ist eben das, was vom Blitz als Donnerkeil herabfährt. Svadhā ist der Regen. Speise, das ist die Unsterblichkeit. Dazu gibt es diesen Vers: »Kṣatra-Macht, Reich, Ṛta, Satya sind des Brahman untere Niederlegungen. Askese-Glut, Glut, Svadhā, Unsterblichkeit – diese sitzen oberhalb; in der Mitte aber herrscht das Brahman.« Das eben ist es: in der Mitte herrscht das Brahman. Die aber, die so wissen, sitzen oberhalb. Wie ein Kriegeradliger als Wächter aufgestellt wäre, ebenso ist eben dieses Brahman aufgestellt, damit die Ordnung nicht überschritten werde.
[Anm.: Entfaltet eine zweistufige, achtgliedrige kosmische Hierarchie (unten: Kṣatra-Macht/Reich/Ṛta/Satya; oben: Askese-Glut/Glut/Svadhā/Unsterblichkeit) mit dem Brahman als vermittelnder, wächterartiger Instanz in der Mitte. Bemerkenswert ist die Umgruppierung gegenüber der Ṛta-Satya-Tapas-Trias aus 3.360: dort schwimmen Ṛta, Satya UND Tapas gemeinsam als lichthafte Prinzipien empor; hier dagegen bleiben Ṛta und Satya im UNTEREN Bereich (identifiziert mit Nacht und Tag), während Tapas zusammen mit Teja, Svadhā und Amṛta den OBEREN Bereich bildet – eine auffällige, hier nicht harmonisierte Spannung zwischen beiden Passagen. Kṣatra wird konkret mit Indra, Varuṇa oder König Soma identifiziert, Rāṣṭra mit den Maruts als ›Götter-Volksstämmen‹ (devaviś) – dieselbe Rāṣṭra-Maruts-Verbindung wie bereits in 3.368 (dort über das geteilte Mittagsopfer). Das abschließende Wächter-Gleichnis (Brahman wie ein postierter Kriegeradliger, ›damit die Ordnung nicht überschritten werde‹) ist ein prägnantes Bild für die vermittelnde, grenzwahrende Funktion des Brahman zwischen den beiden Sphären.]
devā yad ayajanta teṣāṃ bṛhaspatir evodgāyat. gauś cāyāsyaś ca prastotṛpratihartārāv āstāma. prajāpatir eva gṛhapatir āsīt. indra eva brahmāsīt. sa brāhmaṇād aśaṃsat. mitrāvaruṇāv eva maitrāvaruṇāv āstām. agnir eva hotāsīt. sa āgnīdhram akarod, aśvināv adhvaryū, maruto neṣṭāpotārau viśve devā acchāvāko, ’rbudo grāvastut. viṣṇur vā yajñam abhyaṣṭaut. soma unnetā, brahmaiva subrahmaṇyām āhvayad vā gāyatreyaḥ. sa eṣa sarvadevatāyajño yad dvādaśāhaḥ. etābhir ha sarvābhir devatābhir dvādaśāhas tāyate. etā hi sarvā devatā dvādaśāhe kriyante. tasmād yad etāsu devatāsūpahavam icchetāthartvikṣūpahavam iccheta. yado yajata etā eva devatā bhūto yajate, yado yājayaty etā eva devatā bhūto yājayati. tasya haitasya naiva kā canārtir asti ya evaṃ veda. ya evainam upavadati sa ārtim ārcchati
Als die Götter opferten, da sang für sie eben Bṛhaspati empor. Die Kuh und Āyāsya waren der Prastotṛ und der Pratihartṛ. Prajāpati eben war der Opferherr. Indra eben war der Brahmanpriester. Er rezitierte vom Platz des Brahmanpriesters aus. Mitra und Varuṇa eben waren die beiden Maitrāvaruṇa-Priester. Agni eben war der Hotar. Er versah auch das Amt des Āgnīdhra. Die Aśvins waren die beiden Adhvaryus, die Maruts Neṣṭar und Potar, die Allgötter der Acchāvāka, Arbuda der Grāvastut. Viṣṇu aber pries das Opfer. Soma war der Unnetar. Das Brahman selbst rief die Subrahmaṇyā-Anrufung – oder war es der Gāyatrī-Sohn? Der Allgottheiten-Opfer ist dieser, der Zwölftagesritus. Mit all diesen Gottheiten zusammen wird der Zwölftagesritus ausgesponnen. Denn all diese Gottheiten werden beim Zwölftagesritus eingesetzt. Deshalb, wenn man bei diesen Gottheiten einen Zuruf wünschen sollte, dann sollte man bei den Opferpriestern den Zuruf wünschen. Wenn er opfert, opfert er, zu diesen Gottheiten geworden. Wenn er opfern lässt, lässt er, zu diesen Gottheiten geworden, opfern. Für diesen, der dies so weiß, gibt es überhaupt kein Leid. Wer ihn schmäht, der gerät ins Unheil.
[Anm.: Bildet ein direktes Gegenstück zur Priester-Versmaß-Tabelle aus 3.369: dieselbe Grundstruktur (Aufzählung aller sechzehn Priesterämter, Schlussformel zur rituellen Konsequenz, tadelnden-Formel) wird nun mit tatsächlichen Gottheiten statt mit Versmaßen gefüllt (Bṛhaspati/Udgātar, Kuh und Āyāsya – der bereits aus 3.187f./216/281 bekannte Aṅgirasa-Seher – als Prastotṛ/Pratihartṛ, Prajāpati/Opferherr, Indra/Brahmanpriester, Mitra-Varuṇa/Maitrāvaruṇa, Agni/Hotar-und-zugleich-Āgnīdhra, die Aśvins/Adhvaryus, die Maruts/Neṣṭar-Potar, die Allgötter/Acchāvāka, Arbuda/Grāvastut, Soma/Unnetar, Brahman/Subrahmaṇya). Dass Agni sowohl Hotar als auch Āgnīdhra versieht, wird als stimmige Doppelbesetzung (beide Ämter sind feuerbezogen) übernommen, nicht als Fehler behandelt. Viṣṇus Rolle bleibt auffällig unbestimmt – er ›preist das Opfer‹, statt ein eigenes Priesteramt zugewiesen zu bekommen, was an die bekannte Gleichung ›das Opfer ist Viṣṇu‹ erinnert. Die letzte Zuordnung (Subrahmaṇya) trägt im Quelltext selbst ein ›vā‹ (oder), das zwei Attributionen nebeneinanderstehen lässt (Brahman selbst, oder der unsicher zu deutende ›Gāyatreyaḥ‹) und hier unaufgelöst übernommen wird.]
tad āhur yad anyāni satrāṇi rātribhir ākhyāyate ’tha kasmād dvādaśāho ’hobhir ākhyāyata iti. sa brūyād - viśve vai devāḥ pitaraṃ prajāpatim upetyābruvan kiyān svid bhavān iti. so ’bravīd dvādaśāham asmīti. yad abravīd dvādaśāham asmīti tad dvādaśāhasya dvādaśāhatvam. eṣa ha vāva saṃvatsaraḥ prajāpatir āsa. etān eva tad dvādaśa māsa uvāca dvādaśāham asmīti. tad āhuḥ kiṃ dvāḥ kiṃ daśa kim ahar iti. sa brūyād āditya eva dvār ādityo daśādityo ’har iti. sa yad āditya eva dvār ity eṣa hy eva svargasya lokasya dvāram. atha yad ādityo daśety eṣa hy evāsu daśasu dikṣu tapati. atha yad ādityo ’har ity eṣa hy evāhaḥ. tad āhur yājayitavyaṃ dvādaśāhenā3 nā3 iti. neti brūyāt
Dazu sagt man: »Wenn andere Sattras nach Nächten gezählt werden, weshalb wird dann der Zwölftagesritus nach Tagen gezählt?« Man sollte antworten: »Die Allgötter gingen zum Vater Prajāpati und sprachen: ›Wie groß bist du denn?‹« Er sprach: »Ich bin der Zwölftagesritus.« Dass er sprach: »Ich bin der Zwölftagesritus«, das ist die Zwölftagesritus-Beschaffenheit des Zwölftagesritus. Dieser hier, das Jahr, war fürwahr Prajāpati. Eben diese zwölf Monate meinte er, als er sprach: »Ich bin der Zwölftagesritus.« Dazu sagt man: »Was ist die Tür? Was sind die Zehn? Was ist der Tag?« Man sollte antworten: »Āditya eben ist die Tür, Āditya die Zehn, Āditya der Tag.« Dass Āditya eben die Tür ist – dieser ist ja eben die Tür der Himmelswelt. Dass aber Āditya die Zehn ist – dieser glüht ja eben in diesen zehn Himmelsrichtungen. Dass aber Āditya der Tag ist – dieser ist ja eben der Tag selbst. Dazu sagt man: »Sollte man mit dem Zwölftagesritus für einen anderen opfern lassen dürfen – ja³ oder nein³?« »Nein«, sollte man sagen.
[Anm.: Beantwortet zunächst, warum der Zwölftagesritus – anders als sonstige mehrtägige Sattras, die üblicherweise nach Nächten gezählt werden – nach TAGEN gezählt wird: weil Prajāpati sich selbst, auf die Frage der Allgötter nach seiner Größe, mit dem Zwölftagesritus gleichsetzte und dabei die zwölf Monate des Jahres meinte, deren Zählung eben nach Tagen (nicht Nächten) erfolgt. Die anschließende, an Nirukta-Volksetymologie erinnernde Silbenzerlegung von ›dvādaśāha‹ selbst – dvāḥ (›Tür‹) + daśa (›zehn‹) + ahar (›Tag‹), alle drei mit Āditya identifiziert – ist ein besonders kunstvolles Beispiel dieser im Text verbreiteten etymologisierenden Zerlegungstechnik. Die abschließende Frage trägt im Sanskrit-Text selbst eine Pluti-Notation (›ā³ ... nⳋ, ›ja³ oder nein³‹) als formelhafte, gesungene Entweder-Oder-Frageformel – eine dritte Instanz dieser Konvention nach ahā³ḥ/samūḍhā³m (3.293) und phā³l phā³l (3.360). Die verneinende Antwort (man dürfe den Zwölftagesritus nicht stellvertretend für einen anderen vollziehen lassen) bleibt in ihrer Begründung hier offen und wird vermutlich im Folgeabschnitt entfaltet.]
āpnoti vā eṣa stomān, āpnoti chandāṃsy, āpnoti devān, āpnoti lokān, āpnoti kāmān yo dvādaśāhena yājayati. sa u dugdha ābhir aloko bhavati. atho ye ca vijānanti ye ca na ta enaṃ manyante kṛtaṃ karotīti. tasmād dvādaśāhena naiva yājayet. tad u vā āhur yājayitavyam eva. prajāpatir vai dvādaśāhaḥ, prajāpatir udgātā, prajāpatir yajamānaḥ. samānī vai devatodgātā ca yajamānaś ca. samānīm vā etāv ṛddhim ṛdhnutas, samānaṃ lokaṃ jayata, samānyāṃ devatāyāṃ pratitiṣṭhataḥ. atho yajño vai yajamāno, brahmodgātā. yajña eva tat pratiṣṭhāya brahmaṇas salokatāṃ jayati. salokitaro yajamānād bhavati. tad āhur - yad ekaivedaṃ devatā sarvam abhavad dvādaśāha eva, katamā sā devateti
Es erlangt fürwahr dieser die Stomas, er erlangt die Versmaße, er erlangt die Götter, er erlangt die Welten, er erlangt die Wünsche, wer mit dem Zwölftagesritus für einen anderen opfern lässt. Der aber, von diesen ausgemolken, wird welt-los. Und die, die es verstehen, und die, die es nicht verstehen, die meinen von ihm: »Er tut Getanes.« Deshalb sollte man mit dem Zwölftagesritus überhaupt nicht für einen anderen opfern lassen. Dazu sagen manche aber: »Man sollte durchaus opfern lassen dürfen.« Prajāpati nämlich ist der Zwölftagesritus, Prajāpati der Udgātar, Prajāpati der Opferherr. Denn ein und dieselbe Gottheit sind ja Udgātar und Opferherr. Dieselbe Gedeihung fürwahr erlangen diese beiden, dieselbe Welt gewinnen sie, in derselben Gottheit sind sie gegründet. Und das Opfer nämlich ist der Opferherr, das Brahman der Udgātar. Eben das Opfer, darauf gegründet, gewinnt Weltengleichheit mit dem Brahman. Weltengleicher als der Opferherr wird er dadurch. Dazu sagt man: »Da eine einzige Gottheit dies alles wurde, eben der Zwölftagesritus – welche ist diese Gottheit?«
[Anm.: Löst die am Ende von 3.375 gestellte Frage auf, indem es die Kontroverse selbst entfaltet: eine erste Position lehnt es ab, den Zwölftagesritus stellvertretend für einen anderen zu vollziehen (der Auftraggeber werde dabei ›ausgemolken‹ und ›welt-los‹, sein eigenes Tun gelte nur als bloße Wiederholung), eine zweite, mit ›tad u vā āhuḥ‹ eingeführte Gegenposition hält dem entgegen, dass Prajāpati zugleich Zwölftagesritus, Udgātar UND Opferherr sei, weshalb beide Rollen letztlich dieselbe Gottheit teilen und gleichermaßen profitieren – ein bewusst unaufgelöst nebeneinandergestelltes Für und Wider, ganz im Stil der bereits bekannten offenen Debatten des Textes (vgl. 3.303). Der letzte Satz (›weltengleicher als der Opferherr wird er dadurch‹) bleibt im Referenzbezug (wer genau ›er‹ ist) unklar und wird mit Vorbehalt wiedergegeben. Die Schlussfrage nach der EINEN Gottheit, die ganz zum Zwölftagesritus wurde, leitet zur Antwort in 3.377 (Prāṇa) über.]
prāṇa iti brūyāt. prāṇo vā idaṃ sarvam abhavat. sa yad dvār ity etad dhy evedaṃ sarvaṃ dvāram upajīvati. atha yad dā ity eṣa hīdaṃ sarvaṃ dadāti. atha yacchā ity eṣa hīdaṃ sarvaṃ śaṃ spṛśati. atha yad dhā ity eṣa hīdaṃ sarvaṃ harati. sa ya etad evaṃ veda yadi ca ha sādhu karoti yadi ca na, atha hāsy sādhv eva kṛtaṃ bhavati. atho ha vidyāt - sādhv evāhaṃ karomi, nāsādhu. yas sādhukṛto lokas sa me loka iti. tasya ha sa eva loko bhavati. sarvasya ha vā anyasya loko jīryati. evaṃvido haiva loko na jīryati. saiṣā praṇetā devatā. eṣā hīdaṃ devatā sarvaṃ prāṇayata. tad yat prāṇayata tasmāt prāṇaḥ. sa yad asmāl lokād evaṃvit praity eṣā haivainaṃ devatādāyotpatati. sainaṃ taṃ lokaṃ gamayati, ya etasyai, yataḥ paraṃ nāsti. tad āhuḥ sa vādya dvādaśāhena yajeta sa vā dvādaśāhena yājayed, ya etam āditye pratiṣṭhitaṃ vidyād ity - ādityo vai dvādaśāhas - tasyāhorātrāv eva prāyaṇīyodayanīyau. ahar eva prāyaṇīyo, rātrir udayanīyaḥ. tasya ye prāñco raśmayas tat prathamam ahaḥ
Man sollte antworten: »Der Atem.« Der Atem nämlich wurde dies alles hier. Dass er ›dvāḥ‹ ist – davon lebt ja eben dies alles hier wie von einer Tür. Dass er aber ›dā‹ ist – dieser gibt ja eben dies alles hier. Dass er aber ›chā‹ ist – dieser berührt ja eben dies alles hier zum Heil. Dass er aber ›hā‹ ist – dieser nimmt ja eben dies alles hier hinweg. Wer dies so weiß, ob er nun Gutes tut oder nicht, dessen Tun wird ihm dennoch als gut angerechnet. Und er sollte wissen: »Ich tue eben Gutes, nicht Schlechtes. Welche Welt durch gutes Tun erworben ist, die ist meine Welt.« Ihm wird eben diese Welt zuteil. Jedes anderen Welt aber altert. Des so Wissenden Welt aber altert nicht. Diese eben ist die vorwärtsführende Gottheit. Diese Gottheit belebt ja eben dies alles hier. Weil sie belebt, deshalb heißt sie Prāṇa. Wenn der so Wissende von dieser Welt fortgeht, dann fliegt eben diese Gottheit, ihn mitnehmend, empor. Diese führt ihn zu jener Welt, die dieser Gottheit eigen ist, über die hinaus es nichts Höheres gibt. Dazu sagt man: »Der mag heute mit dem Zwölftagesritus opfern, oder der mag mit dem Zwölftagesritus opfern lassen, der diesen als in Āditya gegründet kennt« – Āditya nämlich ist der Zwölftagesritus –; dessen Prāyaṇīya und Udayanīya sind eben Tag und Nacht. Der Tag eben ist der Prāyaṇīya, die Nacht der Udayanīya. Dessen nach vorn gerichtete Strahlen, das ist der erste Tag –
[Anm.: Beantwortet die Schlussfrage aus 3.376: die EINE Gottheit ist der Atem (Prāṇa). Die viergliedrige Silbenzerlegung ›dvāḥ/dā/chā/hā‹ setzt die bereits in 3.375 begonnene Nirukta-artige Aufschlüsselung von ›dvādaśāha‹ fort, nun auf den Atem statt auf Āditya angewandt – dieselbe vier Glossen (Tür/Geben/heilvolle Berührung/Hinwegnehmen) kehren in 3.379 wortgleich, nun mit ›dvau‹ (zwei) statt ›dvāḥ‹ (Tür) als erstem Glied, in der noch feineren Puruṣa-im-Auge-Ätiologie wieder. Die Formel, wonach dem Wissenden sein Tun stets als gut angerechnet wird, ›ob er nun Gutes tut oder nicht‹, ist eine auffällig starke, beinahe antinomistische Wissens-vor-Werke-Aussage. Die Prāṇa-Etymologie (von prāṇayati, ›beleben‹) ist folgerichtig und schließt an die bereits aus 3.371f. bekannte Reduktionskette Name→Geist→Atem an. Der Abschnitt mündet in eine neue Prāyaṇīya/Udayanīya-Gleichung (Tag/Nacht statt der bisherigen Welten-Paare) und eine Strahlen-Richtungs-Tabelle für die zehn Tage, die in 3.378 fortgesetzt wird; er endet – im Quelltext durch einen Gedankenstrich markiert – mitten im Aufzählungssatz.]
ye dakṣiṇās tad dvitīyaṃ, ye pratyañcas tat tṛtīyaṃ, ya udañcas tac caturthaṃ, ya ūrdhvās tat pañcamaṃ, ya arvāñcas tat ṣaṣṭhaṃ, yad eva bhāti tat saptamaṃ, yat tapati tad aṣṭamaṃ, yad eva tāmram iva tan navamaṃ, maṇḍalam eva daśamam ahaḥ. sa eṣa dvādaśāha āditye pratiṣṭhitaḥ. sa ya evam etaṃ dvādaśāham āditye pratiṣṭhitaṃ veda praty āditye tiṣṭhati, sarvam āyur ety, apa pāpmānaṃ hate, gacchati svargaṃ lokaṃ ya evaṃ veda. ity adhidevatam. athādhyātmam. ayam eva dvādaśāho yo ’yaṃ cakṣuṣi puruṣaḥ. tasya pakṣmāṇy eva prāyaṇīyodayanīyau - yāny arvāñci pakṣmāṇi sa prāyaṇīyo, yāny ūrdhvāni sa udayanīyaḥ. tasyādharaiva vartanī prathamam ahaḥ -
– die südlichen, das ist der zweite; die nach rückwärts gerichteten, das ist der dritte; die nordwärts gerichteten, das ist der vierte; die nach oben gerichteten, das ist der fünfte; die nach unten gerichteten, das ist der sechste; was eben scheint, das ist der siebte; was glüht, das ist der achte; was eben wie Kupfer ist, das ist der neunte; die Scheibe selbst ist der zehnte Tag. Dieser Zwölftagesritus ist somit in Āditya gegründet. Wer diesen Zwölftagesritus so als in Āditya gegründet kennt, steht fest in Āditya, erlangt die volle Lebenszeit, schlägt das Übel von sich fort, gelangt in die Himmelswelt, wer dies so weiß. So auf die Gottheit bezogen. Nun aber auf das Selbst bezogen: eben dieser hier, der Mensch im Auge, ist der Zwölftagesritus. Dessen Prāyaṇīya und Udayanīya sind eben die Wimpern – welche Wimpern nach unten gerichtet sind, das ist der Prāyaṇīya, welche nach oben gerichtet sind, das ist der Udayanīya. Dessen untere Wimpernreihe eben ist der erste Tag –
[Anm.: Vervollständigt die Strahlen-Richtungs-Tabelle aus 3.377 (sechs Richtungen für Tage 1-6, dann vier zunehmend intensive Erscheinungsweisen der Sonne – scheinend/glühend/kupferfarben/volle Scheibe – für Tage 7-10, kulminierend passend in der vollen Sonnenscheibe als zehntem Tag) und wechselt danach, mit der etablierten Adhidevata/Adhyātma-Doppelformel, zur mikrokosmischen Ebene: der ›Mensch im Auge‹ (cakṣuṣi puruṣaḥ, das winzige Spiegelbild in der Pupille) wird selbst zum Zwölftagesritus, mit den Wimpern als Prāyaṇīya/Udayanīya. Dieser ›Puruṣa im Auge‹ ist ein auch aus der späteren Chāndogya-Upaniṣad (8.7.4) bekanntes Bild für das im Auge erblickte Selbst, hier jedoch eigenständig entfaltet. Der Abschnitt endet erneut, quelltextmarkiert, mitten im Aufzählungssatz.]
- uttarā dvitīyaṃ, samameṣas tṛtīyaṃ, śuklaṃ caturthaṃ, kṛṣṇaṃ pañcamaṃ, kanīnikā ṣaṣṭham. ya evaiṣa puruṣas tasya ye prāṇās tāny uttarāṇy ahāni. prāṇa eva saptamam ahaś, cakṣur aṣṭamaṃ, śrotraṃ navamaṃ, vāg eva daśamam ahaḥ. sa yad dvāv iti dvāv eva hemau puruṣau dṛśyete. atha yad dā ity eṣa hīdaṃ sarvaṃ datte. atha yac chā ity eṣa hīdaṃ sarvaṃ śaṃ spṛśati. atha yad dhā ity eṣa hīdaṃ sarvaṃ harati. sa eṣa evokthyam. eṣa hīdaṃ sarvam utthāpayatīv. tasmād eṣa evoktham. sa eṣa evark. ūrgha vai nāmaiṣa. tam ṛg iti parokṣam ācakṣate. tasmād eṣa evark. sa eṣa eva yajuḥ. eṣa hīdaṃ sarvaṃ jarayatīva. tasmād eṣa eva yajuḥ. sa eṣa eva sāma. etaṃ ha taṃ hīdaṃ sarvaṃ sametam. tasmād eṣa eva sāma. sa eṣa evodgīthaḥ. sa yad ud ity etena hīdaṃ sarvam uttabdham. atha yad gīty eṣa hīdaṃ sarvaṃ girati. atha yat tha ity annam evāsyaitat. tasmād eṣa evodgīthaḥ. sa eṣa eva brahma. eṣa hīdaṃ sarvaṃ bibharti. tasmād eṣa eva brahma. bharma ha vai nāmaiṣaḥ. tad brahmeti parokṣam ācakṣate. bibharti hainam eṣā devatāsmiṃś ca loke ’muṣmiṃś ca ya evaṃ veda. sa ya evam etaṃ dvādaśāham adhidevatam adhisūryam adhipuruṣam adhyātman pratiṣṭhitaṃ veda praty āditye tiṣṭhati, sarve hāsmai vedās sarve devās sarve lokāḥ kāmān duhre. atītya devān brahmaṇas salokatāṃ jayati. sa eṣa evoktham eṣa ṛg eṣa yajur eṣa sāmaiṣa udgītha eṣa brahmaiṣa evedaṃ sarvam ity upāsitavyam
– die obere die zweite, das gleichmäßig Geöffnete die dritte, das Weiße die vierte, das Schwarze die fünfte, die Pupille die sechste. Dieser Mensch im Auge selbst, dessen Atemkräfte, das sind die weiteren Tage. Der Atem eben ist der siebte Tag, das Auge der achte, das Gehör der neunte, die Rede eben der zehnte Tag. Dass es ›dvau‹ heißt – zwei goldene Persönchen nämlich werden da gesehen. Dass es aber ›dā‹ ist – dieser gibt ja eben dies alles hier. Dass es aber ›chā‹ ist – dieser berührt ja eben dies alles hier zum Heil. Dass es aber ›hā‹ ist – dieser nimmt ja eben dies alles hier hinweg. Dieser eben ist das Uktha. Dieser richtet ja eben dies alles hier gleichsam auf. Deshalb ist eben dieser das Uktha. Dieser eben ist der Ṛc. Ūrgha nämlich ist dessen wahrer Name. Diesen nennt man verhüllt ›Ṛc‹. Deshalb ist eben dieser der Ṛc. Dieser eben ist das Yajus. Dieser lässt ja eben dies alles hier gleichsam altern. Deshalb ist eben dieser das Yajus. Dieser eben ist das Sāman. Zu diesem hier ist ja eben dies alles hier zusammengekommen. Deshalb ist eben dieser das Sāman. Dieser eben ist der Udgītha. Dass es ›ud‹ ist – damit ist ja eben dies alles hier aufgerichtet. Dass es aber ›gī‹ ist – dieser verschlingt ja eben dies alles hier. Dass es aber ›tha‹ ist – Speise eben ist ihm das. Deshalb ist eben dieser der Udgītha. Dieser eben ist das Brahman. Dieser trägt ja eben dies alles hier. Deshalb ist eben dieser das Brahman. Bharma nämlich ist dessen wahrer Name. Das nennt man verhüllt ›Brahman‹. Es trägt ihn diese Gottheit in dieser Welt wie in jener, wer dies so weiß. Wer diesen Zwölftagesritus so, auf die Gottheit, auf die Sonne, auf den Menschen, auf das Selbst bezogen, gegründet kennt, der steht fest in Āditya; ihm melken alle Veden, alle Götter, alle Welten die Wünsche. Über die Götter hinausgehend, gewinnt er Weltengleichheit mit dem Brahman. »Dieser eben ist das Uktha, dieser der Ṛc, dieser das Yajus, dieser das Sāman, dieser der Udgītha, dieser das Brahman, dieser eben ist dies alles hier« – so sollte man verehren.
[Anm.: Vervollständigt die Augen-Anatomie-Tabelle aus 3.378 (obere Wimpernreihe, Lidspalte, Weißes, Schwarzes/Iris, Pupille für Tage 2-6; Atem/Auge/Gehör/Rede des ›Menschen im Auge‹ selbst für Tage 7-10) und entfaltet dann, in wortgleicher Wiederaufnahme der viersilbigen dvā-dā-chā-hā-Formel aus 3.377 (hier ›dvau‹ statt ›dvāḥ‹, mit der hübschen Beobachtung, dass beim Blick in ein Auge zwei kleine goldene Spiegelbilder sichtbar werden), eine kunstvolle Kette von Identifikationen: Uktha (von ut-sthā, ›aufrichten‹), Ṛc (mit einer sauberen weiteren parokṣapriyatva-Instanz: wahrer Name ›Ūrgha‹, verhüllt ›Ṛc‹ genannt), Yajus (von jṛ, ›altern‹), Sāman (von sam-i, ›zusammenkommen‹), Udgītha (mit einer dreiteiligen ud-gī-tha-Silbenzerlegung, die auffällig an die berühmte Udgītha-Etymologie der Chāndogya-Upaniṣad 1.3 erinnert, ohne dass hier wörtliche Abhängigkeit zu behaupten wäre), und schließlich Brahman (mit einer zweiten sauberen parokṣapriyatva-Instanz: wahrer Name ›Bharma‹, von bibharti, ›trägt‹, verhüllt ›Brahman‹ genannt) – zwei weitere klare Beispiele der seit 3.104/117 etablierten Namensregel. Der Abschnitt und mit ihm der gesamte, in 3.371 begonnene Katechismus-Komplex schließt mit einer zusammenfassenden Verehrungsformel, die alle genannten Kategorien (Uktha/Ṛc/Yajus/Sāman/Udgītha/Brahman) als letztlich identisch mit ›diesem‹ (dem Atem/Puruṣa/Āditya) erklärt.]