Quellen der Menschheit

Jaiminīya-Brāhmaṇa · Kāṇḍa 3

Kapitel 4 Das zerschnittene Kind: Königsschuld und der Beginn der Mahānāmnī-Geheimnisse

Die Sāman-Ätiologien nehmen zunehmend moralische Züge an. Der Gandharve Ūrṇāyu verschafft den zurückgebliebenen Aṅgiras mit seinem Wunsch-Sāman den Aufstieg zum Himmel, verlangt aber, als dessen wahrer Entdecker genannt zu werden; weil der Bote lügt und das Sāman als eigene Schau ausgibt, bleibt er allein zurück und wird zur gefleckten Schlange (Śvitra) – eine ausdrückliche Mahnung, die eigene Quelle stets korrekt zu benennen. Vatsapri Bhālandana muss sich, als 'Diebessohn' verleumdet, sein Vertrauen erst zurücksingen. Den Kern des Kapitels bildet die Erzählung um Vṛśa Jāna, Hauspriester des Königs Triyaruṇa Traivṛṣṇa: Ihr Wagen zerschneidet im Fahren einen spielenden Brahmanenknaben, und ein erbitterter Schuldstreit entbrennt darüber, ob der Lenker oder der Antreiber der Mörder sei – die Ikṣvākus entscheiden gegen den Zügelhalter Vṛśa. Dieser erweckt den Knaben mit einem eigens erschauten Sāman wieder zum Leben; von den ungerecht urteilenden Ikṣvākus aber weicht daraufhin Agnis Glanz, so dass ihr Brei nicht mehr gar wird, bis ein altes Rätsellied vom heimlich geborenen Agni-Kind – hier als Bannspruch gegen die als Dämonin enthüllte Gattin des Triyaruṇa eingesetzt – den Glanz zurückbringt. Damit ist der Boden bereitet für den großen, ab hier beginnenden Themenkomplex der Mahānāmnī-, Sīmā- und Śakvarī-Verse, deren erste Wunsch-, Vieh- und Wasser-Gleichsetzungen hier ihren Anfang nehmen.

yo rājā carṣaṇīnām iti rājyam iva hy etarhy agacchan. yātā rathebhir adhriguḥ. viśvāsāṃ tarutā pṛtanānāṃ jyeṣṭhaṃ yo vṛtrahā gṛṇe. iti jyaiṣṭhayam iva hy etarhy agacchan. indraṃ taṃ śumbha puruhanmann avase yasya dvitā vidhartari. hastena vajraḥ prati dhāyi darśato mahān devo na sūryaḥ. iti sūryavatīr bhavanti. sauryaṃ hy etad ahar ekaviṃśam. pratiṣṭhā vairājam. tāsu pṛśni. vāg vai pṛśni. vācam etenāhnā samicchanti. tām evaitat saṃvidanti. tad v evācakṣate bharadvājasya pṛśnīti. bharadvājo vā akāmayata bahuḥ. prajayā paśubhiḥ prajāyata. so ’bravīt pṛśnir vai bahuḥ prajayā paśubhiḥ prājaniṣīti. tat pṛśninaḥ pṛśnitvam. tad etat prajananaṃ sāma. bahuḥ prajayā paśubhiḥ prajāyate ya evaṃ veda. atho ha smaitenaiva sāmnā bharadvājaḥ pṛśny annādyam avarunddhe. tad v annādyasyāvaruddhis sāma. avānnādyaṃ runddhe, ’nnāda śreṣṭha svānāṃ bhavati ya evaṃ veda. yad u bharadvājo ’paśyat tasmād bharadvājasya pṛśnīty ākhyāyate. tad aiḷam acchāvākasāma bhavati. paśavo vā iḷā. paśuṣv evaitat pratitiṣṭhanti

»Wer König der Völker ist« – so gelangten sie eben dadurch gleichsam zur Königsherrschaft. »Der mit Wagen fährt, der Ungehemmte.« »Der Überwinder aller Heerscharen, der Vorzüglichste, der als Vṛtratöter gepriesen wird« – so gelangten sie eben dadurch gleichsam zum Vorrang. »Schmücke jenen Indra, du Vielerschlagender, zur Hilfe, dessen Macht zweifach im Erhalter ist. In der Hand ward ihm der Blitzkeil gereicht, sichtbar, groß, gottgleich wie die Sonne« – so sind sie sonnenreich. Denn dies ist ein Sonnen-Tag, der Einundzwanzigste; die Virāj ist die Grundlage. Unter diesen das Pṛśni. Rede nämlich ist Pṛśni. Rede eben erstreben sie durch diesen Tag. Diese eben erlangen sie dadurch. Man nennt dies auch ›das Pṛśni des Bharadvāja‹. Bharadvāja nämlich wünschte: »Möge ich zahlreich sein!« Er wurde mit Nachkommenschaft und Vieh vermehrt geboren. Er sprach: »Pṛśni fürwahr machte mich zahlreich; mit Nachkommenschaft und Vieh bin ich geboren worden.« Dies ist die Pṛśni-heit des Pṛśni. Dies ist das Zeugungs-Sāman. Er wird zahlreich mit Nachkommenschaft und Vieh, wer dies weiß. Und mit eben diesem Sāman sicherte sich Bharadvāja Pṛśni Speise und Nahrung. Dies ist das Speise-und-Nahrung-sichernde Sāman. Er sichert sich Speise und Nahrung, wird der beste Speisende unter den Seinen, wer dies weiß. Und weil Bharadvāja es erblickte, darum wird es ›das Pṛśni des Bharadvāja‹ genannt. Dies ist das Aiḷa-Acchāvāka-Sāman. Vieh nämlich ist die Iḷā. Im Vieh eben werden sie dadurch gegründet.

[Anm.: Dieser Bharadvāja knüpft an die Bharadvāja-Bṛhat-Erzählungen aus 3.20 und 3.22 an. Am Ende der Erzählung wird ›Pṛśni‹ selbst zum Beinamen Bharadvājas.]

pari priyā divaḥ kavir ity ārbhavasya pavamānasya parivatīr gāyatryo bhavanty antasya rūpam. anto vā anuṣṭup chandasām. ānuṣṭubham etad ahaḥ. prapra kṣayāya panyasa iti prāyaṇīyarūpam evaitad upagacchanti. prāyaṇīyaṃ hy etad ahaḥ. sa sūnur mātarā śucir jāto jāte arocayad iti janadvatīr bhavanti. ṣoḍaśinam evaitat tṛtīyasavanāt prajanayanti. tāsu gāyatram uktabrāhmaṇam. athaurṇāyavam. ūrṇāyur vai gandharvo ’psaraso ’kāmayata. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. tena yāṃ yām akāmayata tāma īyām iti yāṃ yām evābhyamṛśat tām upait tām avārunddha. tad etat kāmasani sāma. etaṃ vai sa kāmam akāmayata. so ’smai kāmas samārdhyata. yatkāma evaitena sāmnā stute, sam asmai sa kāma ṛdhyate. yad ūrṇāyur gandharvo ’paśyat tasmād aurṇāyavam ity ākhyāyate

»Rings um die lieben Bereiche des Himmels, der Seher« – so sind die Gāyatrīs des Ārbhava-Pavamāna umkreisend, die Kennzeichnung des Endes. Das Ende der Versmaße nämlich ist die Anuṣṭubh. Dies ist ein Anuṣṭubh-Tag. »Vorwärts, vorwärts, zur preiswürdigen Wohnstatt« – so nähern sie sich eben der Gestalt des Prāyaṇīya. Denn dies ist ein Prāyaṇīya-Tag. »Dieser Sohn, rein, von den beiden Müttern geboren, erstrahlte, geboren werdend« – so sind sie zeugungsbegabt. Den Ṣoḍaśin eben erzeugen sie dadurch aus der dritten Pressung. Unter diesen ist das Gāyatra bereits erklärt. Nun das Aurṇāyava: Ūrṇāyu, der Gandharve, begehrte Apsaras. Er erblickte dieses Sāman. Mit ihm sang er den Preis. Welche er auch begehrte – »möge ich zu ihr gelangen« –, welche er damit eben berührte, zu der gelangte er, die gewann er. Dies ist das Wunsch-gewinnende Sāman. Eben diesen Wunsch nämlich begehrte er; dieser Wunsch ging ihm dadurch in Erfüllung. Welchen Wunsch man auch hat, wenn man mit diesem Sāman gepriesen wird, geht einem eben dieser Wunsch in Erfüllung. Und weil Ūrṇāyu der Gandharve es erblickte, darum wird es ›Aurṇāyava‹ genannt.

[Anm.: Dies ist bereits das dritte wunscherfüllende Sāman in dichter Folge (nach dem Nidhana-Wunsch-Vairāja in 3.67 und dem Traiśoka in 3.74) – ein erkennbares thematisches Bündel. Die ›beiden Mütter‹ dürften sich auf die beiden Reibhölzer oder auf Himmel und Erde als Agnis Eltern beziehen.]

aṅgirasa svargakāmās satram āsata. te svargaṃ lokaṃ na prājānan. sa śvitra āṃgirasas samiddhāraḥ parait. tam ūrṇāyur gandharva etena sāmnopariṣṭād abhyavapatyābravīt - sāma vā idaṃ svargyaṃ, tena studhvaṃ, tena stutvaiva svargaṃ lokaṃ prajñāsyatha. mama tv eva sāma brūtāt. yas tvā pṛcchet - kas ta idam avocad ity, ūrṇāyur me ’vocad ity eva brūtāt. maiva mad anyasya voca iti. sa punar etyābravīt - sāma vā idaṃ svargyam. tena stavāmahai. tena stutvaiva svargaṃ lokaṃ prajñāsyāma iti. tam abruvan - kas ta idam avocad iti. aham evādarśam ity abravīt. tenāstuvata. tena stutvaiva svargaṃ lokaṃ prajānan. teṣāṃ svargaṃ lokaṃ yatāṃ so ’hīyat anṛtaṃ hy abravīt, sa eṣa śvitro ’bhavat. ete ha vā ahayo yac chvitrāḥ. yad ahīyata tad ahīnām ahitvam. atha hānye sarpā eva. tasmād u ha yasmād evānubravīta, taṃ brūyād - amuṣmād anvoca iti. atho ha satyam eva vivadiṣet. tad etat svargyaṃ sāma. aśnute svargaṃ lokaṃ ya evaṃ veda. tvaṃ hya aṃga daivyeti tvam iti bhavati bṛhato rūpam. bārhatam etad ahaḥ. pavamāna janimāni dyumattama iti janadvatīr bhavanti. ṣoḍaśinam evaitat tṛtīyasavanāt prajanayanti

Die Aṅgiras, nach der Himmelswelt verlangend, saßen im Sattra. Sie erkannten die Himmelswelt nicht. Śvitra Āṅgirasa, als Feueranzünder, ging fort. Zu ihm flog Ūrṇāyu, der Gandharve, mit diesem Sāman von oben herab und sprach: »Dies ist ein himmelbringendes Sāman; singt den Preis damit – habt ihr damit gepriesen, werdet ihr die Himmelswelt erkennen. Doch sagt, das Sāman sei meines! Wer dich fragen sollte: ›Wer hat dir dies gesagt?‹, dem sollst du sagen: ›Ūrṇāyu hat es mir gesagt.‹ Schreibe es ja keinem anderen als mir zu!« Er kehrte zurück und sprach: »Dies ist ein himmelbringendes Sāman. Lasst uns damit preisen; haben wir damit gepriesen, werden wir die Himmelswelt erkennen.« Sie fragten ihn: »Wer hat dir dies gesagt?« »Ich selbst habe es erschaut«, sprach er. Sie sangen damit den Preis. Damit gepriesen habend, erkannten sie die Himmelswelt. Von ihnen, die zur Himmelswelt gingen, blieb er zurück; denn er hatte Unwahres gesprochen. Er wurde zu diesem Śvitra. Diese Schlangen nämlich sind die Śvitras. Dass er zurückblieb, das ist der Schlangen Schlangenheit. Und die anderen werden eben zu Schlangen. Darum soll man den, von dem man etwas gehört hat, nennen: »Von jenem habe ich es gehört.« Und man sollte auch nur die Wahrheit behaupten wollen. Dies ist das himmelbringende Sāman. Er gelangt zur Himmelswelt, wer dies weiß. »Du fürwahr, o Göttlicher« – so ist »du« die Gestalt des Bṛhat. Dies ist ein Bārhata-Tag. »O Pavamāna, du kennst die Geburten, du Glanzvollster« – so sind sie zeugungsbegabt. Den Ṣoḍaśin eben erzeugen sie dadurch aus der dritten Pressung.

[Anm.: Eine bemerkenswerte moralisch-ätiologische Erzählung: der Ursprung der gefleckten Schlangen (Śvitra) wird als Strafe für die fälschliche Beanspruchung fremden heiligen Wissens gedeutet, mit einem Wortspiel zwischen ›zurückbleiben‹ (ahīyata) und ›Schlange‹ (ahi). Die ausdrückliche Mahnung, die eigene Quelle stets korrekt zu benennen und nur Wahres zu behaupten, ist eine ungewöhnlich direkte ethische Weisung innerhalb der Ritualerklärung.]

tāsu bṛhatkaṃ bṛhatām ekam. etena ha vā etad ahar bārhataṃ kriyate. devā vai svargakāmās tapo ’tapyanta. ta etat sāmāpaśyan. tenāstuvata. tad enān bṛhad eva bhūtvā svargaṃ lokam avahat. tenābruvan svargaṃ lokaṃ gatvā - bṛhad vāva na idaṃ kam abhūd yena svargaṃ lokaṃ vyāpāmeti. tad eva bṛhatkasya bṛhatkatvam. tad etata svargyaṃ sāma. bṛhad asmai kaṃ bhavaty, aśnute svargaṃ lokaṃ ya evaṃ veda. somaḥ punāna ūrmiṇā avyaṃ vāraṃ vi dhāvati. agre vācaḥ pavamānaḥ kanikradat. ity agram iva bhavati. agraṃ hy etad ahar yad bārhatam. dhībhir mṛjanti vājinam iti mṛjantīva vai jātam. jāyata u etenāhnā. asarji kalaśaṃ abhi mīḍhvān saptir na vājayuḥ. punāno vācaṃ janayann asiṣyadat. iti janadvatīr bhavanti. ṣoḍaśinam evaitat tṛtīyasavanāt prajanayanti. savanāt savanād dha vai ṣoḍaśinaṃ prajanayanti

Unter diesen das Bṛhatka, eines der Bṛhat-Sāmans, das erste. Durch dieses eben wird dieser Tag zum Bārhata-Tag gemacht. Die Götter, nach der Himmelswelt verlangend, übten Askese. Sie erblickten dieses Sāman. Mit ihm sangen sie den Preis. Dieses, groß geworden, trug sie zur Himmelswelt. Damit sprachen sie, zur Himmelswelt gelangt: »Groß fürwahr war uns diese Freude, wodurch wir die Himmelswelt durchdrangen!« Dies eben ist die Bṛhatka-heit des Bṛhatka. Dies ist das himmelbringende Sāman. Große Freude wird ihm zuteil, er gelangt zur Himmelswelt, wer dies weiß. »Soma, sich läuternd mit der Welle, läuft durch die Schafwollflocke. An der Spitze der Rede brüllt der Pavamāna« – so wird es gleichsam zum Ersten. Denn dieser Bārhata-Tag ist der erste. »Mit Andachten polieren sie den Kraftvollen« – denn wer geboren wird, wird gleichsam poliert. Und er wird durch diesen Tag geboren. »Losgelassen ist er zum Gefäß hin, der Gütige, wie ein kraftsuchendes Gespannpferd. Sich läuternd, die Rede erzeugend, ist er geflossen« – so sind sie zeugungsbegabt. Den Ṣoḍaśin eben erzeugen sie dadurch aus der dritten Pressung. Von Pressung zu Pressung nämlich erzeugen sie den Ṣoḍaśin.

[Anm.: Die Etymologie ›Bṛhatka‹ (bṛhat + kam, ›große Freude‹) ist ein weiteres Beispiel lautspielerischer Namensbildung. Das ›Polieren = Geborenwerden‹-Bild erscheint hier bereits zum dritten Mal (vgl. 3.58).]

tāsv ātīṣādīyam. prajāpatiḥ prajā asṛjata. tā asya sṛṣṭā atāmyan. so ’kāmayata na ma imāḥ prajās tāmyeyur iti. sa etat sāmāpaśyat. tenainā abhyamṛśat. tās samānam. preva mīyante caturthenāhnānuṣṭubhaṃ hi gacchanti. anuṣṭub vai parā. parāvat sam evaitenānanti. tasmād u haitasya sāmna ātamitor nidhanam upeyāt sarvasyāyuṣo ’varuddhyai. tad āhur atāmyann evopeyāt. yadā vai tāmyaty atha mriyate. tasmād atāmyann evopeyād iti. devā vai svargakāmās tapo ’tapyanta. ta etat sāmāpaśyan. tenāstuvata. tad enān sāda eva bhūtvā svargaṃ lokam avahat. te ’bruvann eti vai sāda iti. yad abruvann eti vai sāda iti, tad etīṣādīyasyetīṣādīyatvam. ta u svargaṃ lokaṃ gatvābruvann āta iva bata svarge loke sadāmeti. tad v evātīṣādīyasyātīṣādīyatvam. tad etat svargyaṃ sāma. aśnute svargaṃ lokaṃ ya evaṃ veda. athaitā bhavanti purojitī vo andhasa iti virājo ’nuṣṭubho vairāje ’han, virāja evānnādyasyāvaruddhyai. atho yathānyau navatarau cakrāv upāsyed, evam evaitām anuṣṭubhaṃ tryahamukheṣu paryāharanti svargasya lokasya samaṣṭyai

Unter diesen das Ātīṣādīya. Prajāpati schuf Geschöpfe. Diese, von ihm geschaffen, wurden matt. Er wünschte: »Mögen diese meine Geschöpfe nicht matt werden!« Er erblickte dieses Sāman. Damit berührte er sie. Sie wurden dadurch gleichmäßig. Sie schwinden gleichsam dahin mit dem vierten Tag, denn sie gehen zur Anuṣṭubh. Die Anuṣṭubh nämlich ist die äußerste. Mit dem Äußersten eben verhauchen sie dadurch gemeinsam den letzten Atem. Darum soll man das Nidhana dieses Sāmans beim Mattwerden anwenden, zur Sicherung des ganzen Lebensalters. Dazu sagt man: man solle es gerade dann anwenden, wenn man noch nicht matt ist. Denn wenn man matt wird, dann stirbt man. Darum solle man es gerade dann anwenden, wenn man noch nicht matt ist. Die Götter, nach der Himmelswelt verlangend, übten Askese. Sie erblickten dieses Sāman. Mit ihm sangen sie den Preis. Dieses, ein Sichniedersetzen geworden, trug sie zur Himmelswelt. Sie sprachen: »Das Niedersetzen fürwahr geht!« Dass sie sprachen »das Niedersetzen fürwahr geht«, das ist die Etīṣādīya-heit des Etīṣādīya. Und sie, zur Himmelswelt gelangt, sprachen: »Angekommen fürwahr sitzen wir nun in der Himmelswelt!« Dies eben ist die Ātīṣādīya-heit des Ātīṣādīya. Dies ist das himmelbringende Sāman. Er gelangt zur Himmelswelt, wer dies weiß. Und nun diese: »Erstsiegend ist euer Trank« – Virāj-und-Anuṣṭubh-Verse am Vairāja-Tag, eben zur Sicherung von Speise und Nahrung durch die Virāj. Und so, wie man zwei andere, neuere Räder anpassen würde, so eben bringen sie diese Anuṣṭubh an den Anfängen der Dreitageszeiträume herum, zur Erringung der Himmelswelt.

[Anm.: Eine doppelte Etymologie für zwei zusammenhängende Namen: ›Etīṣādīya‹ (aus ›eti sādaḥ‹, während des Aufstiegs gesprochen) und ›Ātīṣādīya‹ (aus der Ankunftsformel), wieder nach dem wiederkehrenden Doppel-Etymologie-Muster. Bemerkenswert ist die pragmatische Einschränkung des Mythos: das Nidhana ist gerade VOR dem tatsächlichen Mattwerden anzuwenden, nicht während dessen, da Mattheit dem Tod unmittelbar vorausgeht.]

tāsu nānadam. nānadena vā indro vṛtraṃ nānadyamānam ahan. yan nānadyamānam ahaṃs tan nānadasya nānadatvam. nānadyamānam evaitena dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ hanti ya evaṃ veda. tasya ṣoḍaśabhir akṣaraiḥ prastauti. ṣoḍaśinam evaitena pratyakṣam ārabhante. aupoditir ha smāha gaupālayo - viśālaṃ libujayābhyadhāt. anuṣṭubhi nānadam akṛd gaurivītena ṣoḍaśinam atuṣṭuvan, na śriyāvapadya iti. na ha vai śriyāvapadyate ya evaṃ veda. tad u śvastanavad api prajayā upaklṛptam. adhāndhīgavaṃ vairājaṃ sāma vairāje ’han kriyate, vairāja evānnādyasyāvaruddhyai. tasyaitāṃ daśākṣarāṃ virājaṃ madhyata upayanti - daśākṣarā virāḍ, annaṃ virāḍ - virāja evānnādyasyāvaruddhyai. somaḥ pavate janitā matīnāṃ janitā divo janitā pṛthivyāḥ. janitāgner janitā sūryasya janitendrsya janitota viṣṇoḥ. iti janitā janiteti bhavati. ṣoḍaśinam evaitat tṛtīyasavanāt prajanayanti. yathā bādhasva bādhasva jāyasva jāyasvety evam evaitad abhipūrvaṃ tṛtīyasavanāt ṣoḍaśinaṃ prajanayanti

Unter diesen das Nānada. Mit dem Nānada nämlich erschlug Indra den brüllenden Vṛtra. Dass er ihn brüllend erschlug, das ist die Nānada-heit des Nānada. Den brüllenden, hassenden Rivalen erschlägt mit diesem, wer dies weiß. Mit sechzehn Silben beginnt man dessen Prastāva. Mit diesem eben unternehmen sie den Ṣoḍaśin unmittelbar. Aupoditi Gaupālāyana pflegte zu sagen: »Das Weite hat er mit einer Ranke überzogen. Mit der Anuṣṭubh machte er das Nānada, mit dem Gaurivīta priesen sie den Ṣoḍaśin – so verfehlt er den Glanz nicht.« Er verfehlt wahrhaftig nicht den Glanz, wer dies weiß. Dies ist gleichsam auch für den morgigen Tag mit Nachkommenschaft vorbereitet. Dann wird das Andhīgava-Vairāja-Sāman am Vairāja-Tag ausgeführt, eben zur Sicherung von Speise und Nahrung durch die Virāj. Dessen zehnsilbige Virāj nähern sie sich in der Mitte – zehnsilbig nämlich ist die Virāj, Speise die Virāj – eben zur Sicherung von Speise und Nahrung durch die Virāj. »Soma fließt rein, der Zeuger der Gedanken, der Zeuger des Himmels, der Zeuger der Erde. Der Zeuger Agnis, der Zeuger der Sonne, der Zeuger Indras und auch der Zeuger Viṣṇus« – so ist »Zeuger, Zeuger« das Thema. Den Ṣoḍaśin eben erzeugen sie dadurch aus der dritten Pressung. Wie wenn man spräche: »Dränge, dränge! Werde geboren, werde geboren!«, so eben, davon vorangetrieben, erzeugen sie den Ṣoḍaśin aus der dritten Pressung.

[Anm.: Aupoditi Gaupālāyana wird hier als benannte Lehrautorität zitiert (›pflegte zu sagen‹) – eine andere Zitierform als die sonst übliche Seher-Ursprungserzählung. Das Rankenbild und die ›Morgen-Vorbereitung‹-Bemerkung bleiben im Sanskrit knapp und sind nur sinngemäß wiedergegeben. Die Soma-Litanei, die Gedanken, Himmel, Erde, Agni, Sūrya, Indra und Viṣṇu allesamt als von Soma gezeugt besingt, ist besonders eindrucksvoll.]

tāsu vātsapram. vatsapriyaṃ vai bhālandanaṃ pratisatriṇo ’bādhant - stenas te piteti. so ’kāmayata śraddhāṃ vindeyopa māṃ hvayerann iti. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. tato vai sa śraddhām upahavam avindata. śraddhāṃ vindāmahā iti satram āsate. śraddhām eva vindante. vairājasya ha khalu vā etad anurūpaṃ sāma. yathā ha vai vairājasya stobhāḥ padavṛttaya evaṃ ha vai vātsaprasya stobhāḥ padavṛttayaḥ. prajā ha vā eṣā vairājasya. ā hāsyānurūpaḥ prajāyāṃ jāyate ya evaṃ veda. etad dha vā enaṃ tad upajuhuvire - ’nurūpaṃ vairājasyāsṛṣṭeti. tad anutunnaṃ bhavati. anutunnād vai prajāḥ paśavaḥ prajāyante. anutunnam etasya vairājasyāhno rūpam. tena vai rūpasamṛddham. yad u vatsaprīr bhālandano ’paśyat tasmād vātsapram ity ākhyāyate. atha yajñāyajñīyam uktabrāhmaṇam. agniṃ vo vṛdhantam iti vṛddhaṃ hy etad ahar yad bārhatam

Unter diesen das Vātsapra. Vatsapri Bhālandana wurde von den rivalisierenden Opferpriestern bedrängt: »Ein Dieb war dein Vater!« Da wünschte er: »Möge ich Vertrauen finden, dass sie mich wieder herbeirufen!« Er erblickte dieses Sāman. Mit ihm wurde er gepriesen. Daraufhin fand er Vertrauen, eine Herbeirufung. »Vertrauen wollen wir finden« – so sitzen sie zum Sattra. Vertrauen eben finden sie. Dies ist wahrhaftig das Anurūpa-Sāman des Vairāja. Wie die Stobhas des Vairāja dem Wortlaut folgen, so folgen auch die Stobhas des Vātsapra dem Wortlaut. Dies ist die Nachkommenschaft des Vairāja. Ihm wird ein Entsprechender in seiner Nachkommenschaft geboren, wer dies weiß. Da riefen sie ihm dies zu: »Du hast das Ebenbild des Vairāja hervorgebracht!« Dies wird ›getroffen‹. Aus dem ›Getroffenen‹ nämlich werden Nachkommenschaft und Vieh geboren. ›Getroffen‹ ist die Gestalt dieses Vairāja-Tages. Dadurch ist es an Gestalt bereichert. Und weil Vatsapri Bhālandana es erblickte, darum wird es ›Vātsapra‹ genannt. Nun das Yajñāyajñīya: seine Erläuterung ist bereits gegeben. »Agni, euch stärkend« – gewachsen nämlich ist dieser Tag, welcher der Bārhata-Tag ist.

[Anm.: ›Getroffen‹ (anutunna) knüpft an 3.60 und 3.66 an. ›Pratisatriṇaḥ‹ bezeichnet rivalisierende Teilnehmer eines Gegen-Sattra; das Motiv der wiedererlangten ›śraddhā‹ (Vertrauen, Glaubwürdigkeit) nach einer Verleumdung ist bemerkenswert konkret-sozial. Der Name des Sehers erscheint einmal als ›Vatsapriya‹, einmal als ›Vatsapri‹ – eine im Sanskrit selbst vorliegende Formvariante. Die Wendung ›bereits gegeben‹ (uktabrāhmaṇam) für das Yajñāyajñīya verweist wie schon beim Gāyatra-Sāman in 3.66 auf andernorts gegebene Erläuterung.]

tāsu saindhukṣitam. sindhukṣid vā antaṃ vāco ’paśyat. vācam etenāhnā samicchanti tām evaitat saṃvindanti. sindhukṣid vai bhārato rājā jyog aparuddhaścaran so ’kāmayatāva sva okasi gaccheyam iti. sindhuṃ haiva cacāra. sāsya sindhukṣittā. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. tato vai so ’va sva okasy agacchat. tad etat sāmasani sāma. etaṃ vai sa kāmam akāmayata. so ’smai kāmas samardhyata. yatkāma evaitena sāmnā stute sam asmai sa kāma ṛdhyate. tad u śrīr eva rājyam. rājyaṃ vai sa tad agacchat. aśnute śriyaṃ gacchati rājyaṃ ya evaṃ veda. yad u sindhukṣid bhārato rājāpaśyat tasmāt saindhukṣitam ity ākhyāyate. vayam u tvām apūrvyety apūrvām iva hy etarhi tanvam agacchan. tāsu saubharaṃ bṛhatas tejaḥ. vyavaplīnātīva vai vairājaṃ yajñam. tat saubhareṇottabhnuvanti bṛhatas tejasā. tad ūkāraṇidhanaṃ bhavati. etad vai pratyakṣaṃ bṛhato rūpaṃ yad ūkāro yad īkāraḥ. tena vai rūpasamṛddham. imam indra sutaṃ piba jyeṣṭham amartyaṃ madam iti jyaiṣṭhyam iva hy etarhy agacchan. atho tṛtīyasavana evaitad rasaṃ madaṃ dadhati

Unter diesen das Saindhukṣita. Sindhukṣit erblickte das Ende der Rede. Rede erstreben sie mit diesem Tag; eben diese erlangen sie damit. Sindhukṣit, der Bhārata-König, der lange Zeit fern umherzog, wünschte: »Möge ich zu meiner eigenen Heimstatt gelangen!« Er durchzog eben den Sindhu-Strom. Das ist seine Sindhukṣit-heit. Er erblickte dieses Sāman. Mit ihm wurde er gepriesen. Daraufhin gelangte er zu seiner eigenen Heimstatt. Dies ist das Sāmasani, das wunscherfüllende Sāman. Diesen Wunsch nämlich wünschte er. Dieser Wunsch ging ihm in Erfüllung. Welchen Wunsch man auch immer hat, wenn man mit diesem Sāman gepriesen wird, geht einem eben dieser Wunsch in Erfüllung. Und dies – Glanz eben ist Königsherrschaft. Königsherrschaft nämlich erlangte er dadurch. Er erlangt Glanz, gelangt zur Königsherrschaft, wer dies weiß. Und weil Sindhukṣit, der Bhārata-König, es erblickte, darum wird es ›Saindhukṣita‹ genannt. »Wir dich, o Unvergleichlicher« – so gelangten sie zu diesem Zeitpunkt gleichsam zu einem noch nie dagewesenen Leib. Unter diesen das Saubhara, die Glut des Bṛhat. Gleichsam löst sich ja das Vairāja-Opfer auf. Das stützen sie mit dem Saubhara, mit der Glut des Bṛhat. Dies erhält das Nidhana ›ū‹. Dies nämlich ist die unmittelbar wahrnehmbare Gestalt des Bṛhat, das ›ū‹ und das ›ī‹. Dadurch ist es an Gestalt bereichert. »Trink, Indra, diesen gepressten Soma, den höchsten, unsterblichen Rauschtrank« – so gelangten sie zu diesem Zeitpunkt gleichsam zur Vorrangstellung. Und in der dritten Pressung eben legen sie damit Saft und Rauschtrank hinein.

[Anm.: Sindhukṣit Bhārata gehört, wie der Bhārata-König in 3.62, zum Bharata-Königsgeschlecht. Die Formulierung ›Gleichsam löst sich ja das Vairāja-Opfer auf‹ wiederholt wörtlich die Einleitung von 3.72 (Traiśoka) – ein weiteres Beispiel dieses strukturellen Musters. ›Sāmasani‹ ist bereits die vierte Instanz eines wunscherfüllenden Sāmans in dieser Textpartie, nach 3.67, 3.74 und 3.76. Die Deutung von ›ū‹ und ›ī‹ als ›unmittelbar wahrnehmbare Gestalt‹ des Bṛhat ist ein seltener Fall lautsymbolischer Begründung einzelner Sāman-Silben.]

tāsu vāsiṣṭham. vasiṣṭho vā akāmayata virājaṃ paśyeyaṃ, tām avarundhīyeti. sa prastuvann evaitāṃ dakṣākṣarāṃ virājam apaśyat. tām upait, tām avārunddha. tad etad virājo ’nnādyasyāvaruddhis sāma. ava virājam annādyaṃ runddhe ’nnāda śreṣṭha svānāṃ bhavati ya evaṃ veda. yad u vasiṣṭho ’paśyat tasmād vāsiṣṭham ity ākhyāyate. tad v evācakṣate vasiṣṭhasyapriyam iti. vasiṣṭho vai jīto hataputro ’kāmayata bahuḥ prajayā paśubhiḥ prajāyeyeti. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. tato vai sa bahuḥ prajayā paśubhiḥ prājāyata. so ’bravīt priyaṃ vāvedaṃ mamābhūd yena priyāṃ prajām avārutsīti. tad eva priyasya priyatvam. tad etat prajananaṃ sāma. bahuḥ prajayā paśubhiḥ prajāyate ya evaṃ veda. yad u vasiṣṭho ’paśyat tasmād vasiṣṭhasyapriyam ity ākhyāyate. tad aiḷam acchāvākasāma bhavati. paśavo vā iḷā. paśuṣv evaitat pratitiṣṭhanti. atha ṣoḍaśī. prātassavanabhājanaṃ prathamam ahar, mādhyandinabhājanaṃ dvitīyaṃ, tṛtīyasavanabhājanaṃ tṛtīyam. athaitad ukthabhājanam. ukthānāṃ vā eṣa eko yat ṣoḍaśī. tad yad atra ṣoḍaśī kriyate svenaivainaṃ tad āyatanena samṛddhayanti. tenaibhyas samṛddhena svāyāṃ janatāyām ṛddhukaṃ bhavati

Unter diesen das Vāsiṣṭha. Vasiṣṭha wünschte: »Möge ich die Virāj erblicken, möge ich sie mir aneignen!« Er, eben den Prastāva anstimmend, erblickte diese zehnsilbige Virāj. Er näherte sich ihr, er eignete sie sich an. Dies ist das Sāman der Aneignung von Virāj und Speise-und-Nahrung. Er eignet sich Virāj und Speise-und-Nahrung an, wird der beste Speisende unter den Seinen, wer dies weiß. Und weil Vasiṣṭha es erblickte, darum wird es ›Vāsiṣṭha‹ genannt. Man nennt es auch ›das Liebste des Vasiṣṭha‹. Vasiṣṭha, besiegt, mit getöteten Söhnen, wünschte: »Möge ich zahlreich werden durch Nachkommenschaft und Vieh!« Er erblickte dieses Sāman. Mit ihm wurde er gepriesen. Daraufhin wurde er zahlreich durch Nachkommenschaft und Vieh vermehrt. Er sprach: »Dies ist wahrhaftig mein Liebstes geworden, wodurch ich mir liebe Nachkommenschaft angeeignet habe.« Darin eben besteht die Lieb-heit dieses Lieben. Dies ist das zeugende Sāman. Er wird zahlreich durch Nachkommenschaft und Vieh, wer dies weiß. Und weil Vasiṣṭha es erblickte, darum wird es ›das Liebste des Vasiṣṭha‹ genannt. Dies ist das Aiḷa-Acchāvāka-Sāman. Vieh nämlich ist die Iḷā. Im Vieh eben werden sie dadurch gegründet. Nun die Ṣoḍaśī. Der erste Tag hat Anteil an der Morgenpressung, der zweite Anteil an der Mittagspressung, der dritte Anteil an der dritten Pressung. Und dieser Tag hat Anteil am Uktha. Die Ṣoḍaśī nämlich ist eines der Ukthas. Dass hier die Ṣoḍaśī vollzogen wird, dadurch bereichern sie ihn eben mit dessen eigener Grundlage. Dadurch, für sie bereichert, wird man gedeihlich unter den eigenen Leuten.

[Anm.: ›Dakṣākṣarām‹ weicht von der sonst für die Virāj bezeugten Silbenzahl (zehn, daśākṣara) ab; vermutlich Textvariante zu ›daśākṣarām‹. Dass Vasiṣṭha als ›besiegt, mit getöteten Söhnen‹ (jito hataputraḥ) erscheint, erinnert an die aus Epos und Purāṇa bekannte Feindschaft zwischen Vasiṣṭha und Viśvāmitra, ohne dass eine direkte literarische Abhängigkeit behauptet werden soll. Die Doppeletymologie Vāsiṣṭha/Vasiṣṭhasya-priya reiht sich neben 3.41, 3.53, 3.62 und 3.79. ›Ṛddhukam‹ (Gedeihen) ist von dem in 3.68 behandelten ›ardhukam‹ (redlicher Anteil) zu unterscheiden.]

govit pavasva vasuvid dhiraṇyavid iti simānāṃ rūpam. kariṣyad dharivat traiṣṭubhaṃ rūpam. tasmād etās traiṣṭubhe ’han kriyante. retodhā indo bhuvaneṣv arpita ity ṛṣabham evaitad retodhāṃ prātassavane mahānāmnīṣv apisṛjanti prajananāya. tvaṃ suvīro asi soma viśvavid iti simānāṃ rūpam. taṃ tvā viprā upa girema āsata iti brāhmaṇā ha vai viprās, ta evainaṃ tad giropāsate. tvaṃ nṛcakṣā asi soma viśvata iti viśvata iti simānāṃ rūpam. pavamāna vṛṣabha tā vi dhāvasīty ṛṣabham evaitat prātassavane mahānāmnīṣv apisṛjanti prajananāya. sa naḥ pavasya vasumad dhiraṇyavad iti paśavo vai vasu suvarṇam. asuvarṇam iti vā āhur apaśum. paśavaś śakvaryaḥ. vayaṃ syāma bhuvaneṣu jīvasa ity āśiṣam evaitenāśāste. īśāna imā bhuvanāni vīyasa iti vīti simānāṃ rūpam. yujāna indo haritas suparṇya iti śakvaryo vai haritas suparṇyaḥ. tā evaitat prātassavane yujyante. tā yuktā mādhyandina savane ’bhyārohanti. tās te kṣarantu madhumad ghṛtaṃ paya iti paśavo vai madhu kṣīraṃ dadhi sarpir etat kṣaranti paśavaś śakvaryaḥ. tava vrate soma tiṣṭhantu kṛṣṭaya iti somasya ha vā idaṃ vrataṃ sarvam anūpatiṣṭhate

»Reinige dich, Rinder-Finder, Güter-Finder, Gold-Finder« – dies ist die Gestalt der Sīmā. »Der Handeln-Werdende, gleich dem Falben« – dies ist die Triṣṭubh-Gestalt. Darum werden diese Verse am Triṣṭubh-Tag vollzogen. »Samenspender, o Somatropfen, in den Welten eingesetzt« – eben dies, den samenspendenden Bullen, fügen sie in der Morgenpressung den Mahānāmnīs zur Zeugung ein. »Du bist heldenreich, o Soma, Allfinder« – dies ist die Gestalt der Sīmā. »Dich mögen die Redekundigen mit Lobrede umschwärmen« – Brahmanen nämlich sind die ›Redekundigen‹; eben diese nahen sich ihm dabei mit Lobrede. »Du bist der Männer-Anschauer, o Soma, von allen Seiten« – »von allen Seiten«, dies ist die Gestalt der Sīmā. »O sich reinigender Bulle, diese durcheilst du« – eben dies, den Bullen, fügen sie in der Morgenpressung den Mahānāmnīs zur Zeugung ein. »Reinige dich für uns, güterreich, goldreich« – Vieh nämlich ist ›Gut‹, ebenso Gold. Oder man nennt ›glanzlos‹, wer viehlos ist. Vieh sind die Śakvarīs. »Mögen wir unter den Welten am Leben bleiben« – eben damit erbittet man sich diesen Segenswunsch. »Als Herrschender durchdringst du diese Welten« – »vīti«, dies ist die Gestalt der Sīmā. »Anschirrend, o Somatropfen, die goldgelben, schönbeflügelten Rosse« – Śakvarīs nämlich sind die goldgelben, schönbeflügelten Rosse. Eben diese werden in der Morgenpressung angeschirrt. Angeschirrt, treten sie zur Mittagspressung an. »Diese mögen dir honigsüße Milch, Schmalz strömen lassen« – Vieh nämlich ist Honig, Milch, Dickmilch, Schmalz; dies lassen sie strömen; Vieh sind die Śakvarīs. »In deinem Gebot, o Soma, mögen die Völker stehen« – diesem Gebot des Soma eben folgt dies alles nach.

[Anm.: ›Sīmā‹ bezeichnet hier offenbar eine formelhafte Kennzeichnungs-Kategorie innerhalb der Mahānāmnī-Verse, ähnlich den Stobha-Kategorien in 3.47–49; die genaue technische Bedeutung bleibt unsicher. Die Mahānāmnīs sind die berühmten, im Mahāvrata-Ritus verwendeten Verse. Das Wortspiel ›glanzlos‹ (asuvarṇam, wörtlich ›ohne Goldfarbe‹) für ›viehlos‹ nutzt die Doppelbedeutung von ›suvarṇa‹ als ›Gold‹ und ›gute Farbe, Glanz‹.]

tā etā bhavanti jagatyas triṣṭubvarṇā ahno rūpeṇa samṛddhāḥ. yatra vā ahārūpeṇa samṛddhayanti saṃ tatrardhyate. sam asmā ṛdhyate ya evaṃ veda. pavamānasya viśvavid ity anurūpo bhavati. viśvavid iti simānāṃ rūpam. tad āhus sāmna eva rūpaṃ stotriyeṇārabhante ’nurūpeṇāhna iti. stotriyānurūpau bhavataḥ. prāṇo vai stotriyo, ’pāno ’nurūpaḥ. prāṇāpānābhyām evaitat samṛdhya prayanti. pra te sargā asṛkṣata sūryasyeva na raśmaya iti sargaśa iva vai paśavas sṛjyante. paśavaś śakvaryaḥ. ketuṃ kṛṇvan divas pari viśvā rūpābhy arṣasīty abhīti bhavati rathantarasya rūpam. rāthantaram etad ahaḥ. samudras soma pinvasa iti samudravatīr bhavanty āpo hy etad ahaḥ. jajñāno vācam iṣyasīti jāyate vai pūrveṇāhnā. jajñāna evaitena tasmāj jajñāno vācam iṣyasīti bhavati. pavamāna vidharmaṇi. krandaṃ devo na sūryaḥ. iti sauryaṃ rūpaṃ mahānāmnīnām upagacchanti. sauryā hi mahānāmnayaḥ

Diese Verse sind Jagatīs, doch mit dem Charakter der Triṣṭubh, durch die Gestalt des Tages bereichert. Wo man sie durch die Gestalt des Tages bereichert, dort eben stellt sich Gedeihen ein. Ihm stellt sich Gedeihen ein, wer dies weiß. Beim Pavamāna ist »viśvavid« das Anurūpa. »viśvavid«, dies ist die Gestalt der Sīmā. Dazu sagt man: »Mit dem Stotriya beginnen sie eben die Gestalt des Sāmans, mit dem Anurūpa die des Tages.« Stotriya und Anurūpa sind diese beiden. Der Einatem nämlich ist der Stotriya, der Ausatem der Anurūpa. Durch Einatem und Ausatem eben, nachdem sie dies zum Gedeihen gebracht haben, schreiten sie fort. »Deine Ströme wurden entsandt, wie die Strahlen der Sonne« – gleichsam stromweise werden ja die Vieh-Herden hervorgebracht. Vieh sind die Śakvarīs. »Ein Erkennungszeichen setzend rings um den Himmel her, strömst du hin zu allen Gestalten« – »abhi«, dies ist die Gestalt des Rathantara. Dies ist ein Rāthantara-Tag. »Wie das Meer schwillst du an, o Soma« – so werden sie ›meerhaltig‹, denn Wasser ist ja dieser Tag. »Kaum geboren, drängst du zur Rede« – geboren wird man ja durch den vorhergehenden Tag. Eben als Geborener wird man dies dadurch; darum heißt es: »Kaum geboren, drängst du zur Rede.« »Dich reinigend in deiner Ordnungsmacht. Brüllend, wie der Gott Sūrya« – so nähern sie sich der sonnenhaften Gestalt der Mahānāmnīs. Sonnenhaft nämlich sind die Mahānāmnīs.

[Anm.: Der Satz ›Der Einatem nämlich ist der Stotriya, der Ausatem der Anurūpa. Durch Einatem und Ausatem eben, nachdem sie dies zum Gedeihen gebracht haben, schreiten sie fort‹ ist die dritte wörtliche Wiederholung dieser Formel nach 3.35 und 3.59 – hier jedoch nicht als Satzschluss, sondern mitten im Abschnitt. ›Jagatyas triṣṭubvarṇāḥ‹ (Jagatīs mit Triṣṭubh-Charakter) bleibt technisch unsicher. ›Abhi‹ knüpft an den bereits aus 3.47ff. bekannten Stobha-Katalog an.]

pra somāso adhanviṣuḥ pavamānāsa indavaḥ. śrīṇānā apsu vṛñjate. abhi gāvo adhanviṣur āpo na pravatā yatīḥ. punānā indram āśata. ity āpa āpa iti bhavatya āpo hy etad ahaḥ. pra pavamāna dhanvasi somendrāya mādanaḥ. nṛbhir yato vi nīyase. iti saptarcaṃ bhavati. sapta vai prāṇāḥ. prāṇair evaitat samṛdhyamānā yanti, prāṇeṣu pratitiṣṭhantaḥ. tad āhur yat saptarcaṃ saptamasyāhno rūpam atha kasmāt pañcame ’han kriyata iti. sa brūyāt saptapadā vai śakvaryās, sapta grāmyāḥ paśavas, sapta caturuttarāṇi chandāṃsi, sapta mukhyāḥ prāṇās, saptaviṃśatir divyāni nakṣatrāṇi, saptaviṃśam etad ahar, etasyaiva sarvasyāvaruddhyā etasyopāptyā iti. uttaraṃ saptarcaṃ bhavati. abhipūrvam evaitat prāṇais samṛdhyamānā yanti. caturṛcaṃ bhavati - catuṣpadā vai paśavaḥ. paśava etad ahaḥ - paśūnām evāvaruddhyai. paryāso bhavati prajānāṃ dhṛtyai paśūnām upasthityai. triṇava stomo bhavati. triṇavā ime lokāḥ. eṣv evaital lokeṣu pratitiṣṭhanto yanti

»Vorwärts liefen die Somas, die sich läuternden Tropfen. Bereitet, vereinen sie sich mit den Wassern. Ihnen entgegen liefen die Kühe, wie Wasser, das abwärts fließt. Sich läuternd erreichten sie Indra.« So – »Wasser, Wasser« ist es gleichsam, denn Wasser ist ja dieser Tag. »Vorwärts eilst du, dich läuternd, o Soma, für Indra, berauschend. Von Männern gelenkt, wirst du fortgeleitet.« So entsteht ein Siebenvers. Sieben nämlich sind die Atemkräfte. Durch die Atemkräfte eben, zum Gedeihen gebracht, schreiten sie fort, in den Atemkräften gegründet. Dazu sagt man: »Wenn der Siebenvers die Gestalt des siebten Tages ist, warum wird er dann am fünften Tag vollzogen?« Man sollte antworten: »Siebenfüßig sind ja die Śakvarīs, sieben sind die dörflichen Haustiere, sieben sind die je um vier steigenden Versmaße, sieben sind die Haupt-Atemkräfte, siebenundzwanzig sind die himmlischen Sternbilder – siebenundzwanzig ist auch dieser Tag: zur Aneignung all dessen, zur Erlangung all dessen.« Danach folgt ein weiterer Siebenvers. Damit schreiten sie, Schritt um Schritt vorrückend, durch die Atemkräfte zum Gedeihen gebracht, fort. Es gibt einen Viervers – vierfüßig nämlich ist das Vieh. Vieh ist dieser Tag – zur Aneignung eben des Viehs. Es gibt einen Wechselvers – zum Halt der Nachkommenschaft, zum Bestand des Viehs. Es gibt den Triṇava-Stoma. Siebenundzwanzigfach sind diese Welten. In eben diesen Welten gegründet, schreiten sie fort.

[Anm.: Hier beginnt offenbar ein neuer Struktur-Abschnitt (nach der Ṣoḍaśī-Behandlung in 3.83), vermutlich zu den Tagen fünf bis sieben des Dvādaśāha. Das Eingangszitat entstammt echtem ṛgvedischem Soma-Pavamāna-Material (Typ RV 9.63). Das Zahlenmotiv ›siebenundzwanzig‹ (27 Sternbilder; Triṇava = 3×9 = 27) ist innerhalb dieses Abschnitts selbst kohärent und knüpft an die Silbenarithmetik aus 3.61 an. Die Einwand-Antwort-Struktur (›tad āhuḥ ... sa brūyāt‹) ist ein typisches Brāhmaṇa-Argumentationsmuster.]

bhūr iti vyāhṛtiḥ. tad ayaṃ loko ’gnir devatā gāyatrī chandas trivṛt stomo rathantaraṃ sāma vasavo devatā vanaspatayaś cauṣadhayaś ca. bhuva iti vyāhṛtiḥ. tad idam antarikṣaṃ vāyur devatā jagatī chandas saptadaśa stomo vāmadevyaṃ sāma rudrā devatāpaś ca prāṇabhṛc ca. svar iti vyāhṛtiḥ. tad asau loka ādityo devatā triṣṭup chandaḥ pañcadaśa stomo bṛhat sāmādityā devatā candramāś ca nakṣatrāṇi ca. etad ime lokās triṇavā bhavanti. tad āhur mithunāni catvāry ahāny, amithunaṃ pañcamam ahaḥ. ācaturaṃ vāva mithunaṃ prajananam. tad yat tava śriyo varṣasyeva vidyuta ity āgneyam ājyaṃ bhavati. tenaiva mithunaṃ pañcamam ahaḥ kriyate. taveti puṃso rūpaṃ, śriya iti striyai. varṣasyeveti puṃso, vidyuta iti striyai. agna iti puṃsa, uṣasām iveti striyai. yad oṣadhīr iti striyā, abhisṛṣṭa iti puṃsaḥ. abhipūrvam evaitan mithunaṃ prajananaṃ dadhati yajamānasya prajātyai

»Bhūḥ« ist die Vyāhṛti. Dazu gehören: diese Welt, Agni als Gottheit, die Gāyatrī als Versmaß, der Trivṛt als Stoma, das Rathantara als Sāman, die Vasus als Gottheiten, sowie die Bäume und die Kräuter. »Bhuvaḥ« ist die Vyāhṛti. Dazu gehören: dieser Luftraum, Vāyu als Gottheit, die Jagatī als Versmaß, der Saptadaśa als Stoma, das Vāmadevya als Sāman, die Rudras als Gottheiten, sowie das Wasser und was Atem trägt. »Svaḥ« ist die Vyāhṛti. Dazu gehören: jene Welt, Āditya als Gottheit, die Triṣṭubh als Versmaß, der Pañcadaśa als Stoma, das Bṛhat als Sāman, die Ādityas als Gottheiten, sowie der Mond und die Sternbilder. So werden diese Welten siebenundzwanzigfach. Dazu sagt man: »Paarungshaft sind die vier ersten Tage, ungepaart ist der fünfte Tag.« Bis zum vierten Tag eben reicht die paarungshafte Zeugung. Dass es heißt: »Dein, o Glanzvoller, wie der Blitz des Regens« – dies ist die Agni-gerichtete Ājya-Strophe. Eben dadurch wird der fünfte Tag zu einem gepaarten Tag gemacht. ›Dein‹ ist die männliche Form, ›Glanz‹ die weibliche. ›Wie des Regens‹ ist die männliche, ›Blitz‹ die weibliche. ›Agni‹ ist die männliche, ›wie der Morgenröten‹ die weibliche. Was ›Kräuter‹ betrifft, so ist es weiblich, ›losgelassen‹ männlich. Schritt um Schritt eben verleihen sie damit dieses paarungshafte Zeugungsvermögen zur Nachkommenschaft des Opferherrn.

[Anm.: Zugrunde liegt die klassische Trias Vasu/Rudra/Āditya bzw. Erde/Luftraum/Himmel bzw. Agni/Vāyu/Āditya, mit der die drei Vyāhṛtis (Bhūḥ, Bhuvaḥ, Svaḥ) korreliert werden. Das Siebenundzwanzig-Motiv setzt sich aus 3.86 fort. Die männlich/weiblich-Wortanalyse (›Agni‹, ›wie der Morgenröten‹) greift offenbar über das einzige wörtlich zitierte Versfragment hinaus – typisch für den verknappten Zitierstil dieser Passagen.]

vātopajūta iṣito vaśaṃ anu tṛṣu yad annā veviśad vitiṣṭhase. ā te yatante rathyo yathā pṛthak śardhāṃsy agne ajarasya dhakṣataḥ. iti. yadā vā agniṃ vāta upavājayaty atha sa mahad dīpyate. tad etad dīptir eva brahmavarcasasya rūpam. medhākāraṃ vidathasya prasādhanam agniṃ hotāraṃ paribhūtamaṃ matim. tvām arbhasya haviṣas samānam it tvāṃ maho vṛṇate nānyaṃ tvat. iti yac ca ha vā arbhakaṃ havir yac ca mahas tasya sarvasyāgnim eva hotṛtvāya vṛṇute. purūruṇā cid dhy asty avo nūnaṃ vāṃ varuṇa. mitra vaṃsi vāṃ sumatim. iti maitrāvaruṇaṃ bhavati duriṣṭasyaivāveṣṭyai. yad dha vai kiṃ ca yajñasya duṣṭutaṃ duśśastaṃ vidhuraṃ tasya ha vā etad aveṣṭyai. tā vāṃ samyag adruhvāṇeṣam aśyāma dhāma ca. vayaṃ vāṃ mitrā syāma. pātaṃ no mitrā pāyubhir uta trāyethāṃ sutrātrā. sāhyāma dasyūṃs tanūbhiḥ. ity āśiṣam evaitenāśāste

»Vom Wind angefacht, entsandt, nach eigenem Verlangen, wenn du gierig, die Speisen durchdringend, dich ausbreitest – dir eilen, wie Lenker dem Wagen, einzeln die Scharen zu, o Agni, dem Alterlosen, Brennenden.« Wenn nämlich der Wind Agni anfacht, dann entflammt er gewaltig. Dies, eben die Flammenglut, ist die Gestalt der Brahman-Glut. »Den Weisheit-Bewirker, den Schmuck der Opferversammlung, Agni, den Hotṛ, den an Einsicht alles Überragenden. Dich, beim geringen Opfer ebenso wie dich beim großen, wählen sie, keinen anderen außer dir.« Denn sei es das geringe Opfer, sei es das große – für dies alles wählt man eben Agni zum Hotṛ-Amt. »Durch Vielfaches nämlich ist ja jetzt euer Schutz, o Varuṇa. Mitra, mögest du euer Wohlwollen gewinnen.« So gibt es das Maitrāvaruṇa – eben zur Abwehr von schlecht Vollzogenem. Was immer nämlich am Opfer schlecht gepriesen, schlecht rezitiert, mangelhaft ist – für dies eben dient dies zur Abwehr. »Diese mögen wir von euch beiden, ohne Trug, recht erlangen, Labung und Wohnstatt. Wir wollen euch Freunde sein. Beschützt uns, ihr Freunde, mit euren Hütern, und errettet uns als gute Erretter. Wir wollen die Feinde mit unseren Leibern überwältigen.« So erbittet man eben damit diesen Segenswunsch.

[Anm.: Das Eingangszitat greift auf verbreitete ṛgvedische Agni-Bildlichkeit vom windgefachten Feuer zurück (Typus RV 1.140). ›Brahmavarcas‹ (priesterliche Ausstrahlungskraft) ist ein feststehender vedischer Begriff. Die apotropäische Funktion des Maitrāvaruṇa-Spruchs gegen ›duriṣṭa‹ (schlecht vollzogenes Opfer) ist ein wiederkehrendes Reparatur-Motiv des Rituals.]

uttiṣṭhann ojasā sahety aindraṃ bhavati. triṇavo vai stoma ojo vīryam. tam evaitat pratyakṣam anuvadanti. anu tvā rodasī ubhe itīme ha vāva rodasī. ete evaitad abhivadati. spardhamānam adadātām ity ete vā enaṃ tat spardhamānam anvadadātām. indra yad dasyuhābhava iti ghnadvat. etad vai yajamānasya svaṃ stotraṃ yad brahmaṇaḥ. sva eva tad āyatane yajamānasya sarvaṃ pāpmānaṃ ghnanti. vācam aṣṭāpadīm ahaṃ navasraktim ṛtāvṛdham. indrāt pari tanvaṃ mame. iti gāyatrī vai vāg aṣṭāpadī. tasyai trivṛd eva stoma sraktayaḥ. etad vai daivyaṃ paramaṃ mithunaṃ prajananaṃ yat trivṛc ca stomo gāyatrī ca chandaḥ. daivyam eva tat paramaṃ mithunaṃ prajananaṃ dadhati yajamānasya prajātyai

»Aufstehend mit Kraft und Übermacht« – so gibt es das Aindra. Der Triṇava-Stoma nämlich ist Kraft und Heldenkraft. Eben dies sprechen sie damit unmittelbar aus. »Dir folgen beide Welthälften« – eben diese beiden Welthälften sind gemeint. Eben diese beiden spricht er damit an. »Den Wetteifernden gaben sie hin« – eben diese beiden lieferten ihm da den Wetteifernden aus. »Indra, als du zum Dasyu-Töter wurdest« – dies wirkt wie ein Schlagendes. Dies nämlich ist das eigene Preislied des Opferherrn, das des Brahman-Priesters. Eben in der eigenen Heimstatt des Opferherrn schlagen sie damit alles Übel nieder. »Die Rede, achtfüßig, ich, neunzipflig, die Wahrheit mehrend. Von Indra her maß ich mir den Leib zu.« – die Gāyatrī nämlich ist die achtfüßige Rede. Ihr sind eben die Trivṛt-Stoma die Zacken. Dies nämlich ist die höchste göttliche paarungshafte Zeugungskraft, dass der Trivṛt der Stoma und die Gāyatrī das Versmaß ist. Eben diese höchste göttliche paarungshafte Zeugungskraft verleihen sie damit zur Nachkommenschaft des Opferherrn.

[Anm.: ›Triṇavaḥ ... ojo vīryam‹ setzt das Siebenundzwanzig-Motiv aus 3.86f. fort. ›Navasraktim‹ (neunzipflig, neuneckig) bleibt als Epitheton der Vāc dunkel und ist bewusst wörtlich wiedergegeben. Das ›paarungshafte Zeugungsvermögen‹ (mithunaṃ prajananam) verbindet diesen Abschnitt mit 3.87.]

tām āhur ārambhaṇatas tṛcasya kāryā. mukhato vai retas siktaṃ, tad itaḥ prajāyate. tad vai reto yad itas sicyate. annād dhi retas sicyata iti. tadā āhur upariṣṭād eva kāryā - idaṃ vai prajananam, itaḥ prajāḥ prajāyante - yataḥ prajāḥ prajāyante tataḥ prajāyāmahā iti. tasmād upariṣṭād eva kāryā. indrāgnī yuvām ima ity aindrāgnaṃ bhavati. abhistomā anūṣateti bahūn stomān abhivadati. ekastomāny anyāny ahāni bhavanti. athaitat triṣṭomam. tasmād abhi stomā anūṣateti bahūn stomān abhivadati. pibataṃ śaṃbhuvā sutam. yā vāṃ santi puruspṛho niyuto dāśuṣe narā. indrāgnī tābhir ā gatam. tābhir ā gacchataṃ naropedaṃ savanaṃ sutam. indrāgnī somapītaye. ity ekadevatyāny anyāni stotrāṇi bhavanty, athaitad dvidevatyam. yathobhayāpadī pratitiṣṭhet tādṛk tat. triṇava stomo bhavati. triṇavā ime lokāḥ. eṣv evaital lokeṣu pratitiṣṭhanto yanti

Dazu sagt man: »Er ist vom Ārambhaṇa des Tṛca her zu vollziehen.« Vom Mund aus wird ja der Same ausgegossen; von daher wird gezeugt. Das nämlich ist der Same, der von hier ausgegossen wird, denn aus der Speise wird ja der Same ausgegossen. Dann sagen andere: »Sie ist eben von oben her zu vollziehen – dies nämlich ist die Zeugungsstätte, von hier werden Nachkommen geboren; von wo Nachkommen geboren werden, von dort wollen auch wir geboren werden.« Darum ist sie eben von oben her zu vollziehen. »Euch beide, Indra und Agni, diese« – so gibt es das Aindrāgna. »Sie haben mit Stomas gepriesen« – damit spricht er viele Stomas an. Einzelstomig sind die anderen Tage. Dieser aber ist dreistomig. Darum spricht er mit »Sie haben mit Stomas gepriesen« viele Stomas an. »Trinkt, ihr Heilbringenden, den gepressten Soma. Die vielbegehrten Gespanne, die euch gehören, o ihr Männer, für den Opfernden – mit ihnen kommt herbei, Indra und Agni. Mit ihnen kommt herbei, ihr Männer, zu dieser gepressten Pressung, Indra und Agni, zum Somatrunk.« So sind die anderen Lobgesänge eingöttrig; dieser hier aber ist zweigöttrig. Wie ein Beidfüßiges festen Stand hätte, so ist dies gestaltet. Es gibt den Triṇava-Stoma. Siebenundzwanzigfach sind diese Welten. In eben diesen Welten gegründet, schreiten sie fort.

[Anm.: Die Debatte ›vom Mund‹ gegen ›von oben‹ knüpft an die Zeugungs-Feuerreibungs-Metaphorik aus 3.70 an; der Text entscheidet sich für die zweite Position. Der Schlusssatz ›Triṇava-Stoma ... siebenundzwanzigfach‹ wiederholt fast wörtlich den Schluss von 3.86 – die dritte innere Wiederkehr des Siebenundzwanzig-Motivs in dieser Textpartie. ›Dvidevatya‹ (zweigöttriger Lobgesang) gegenüber ›ekadevatya‹ (eingöttrigem) ist eine feststehende technische Unterscheidung.]

arṣā soma dyumattama iti mādhyandinasya pavamānasyārṣaṇvatīr gāyatryo bhavanti. arṣeti rathantarasya rūpam. rāthantaram etad ahaḥ. abhi droṇāni roruvad ity abhīti bhavati rathantarasyo eva rūpam. apsā indrāya vāyava ity apsumatīr bhavanti. āpo hy etad ahaḥ. varuṇāya marudbhya iti marutvatīr bhavanti. marutvad vai madhyandinasya rūpam. madhyandisyaivaitad rūpān na yanti. iṣaṃ tokāya no dadhad asmabhyaṃ soma viśvata iti viśvavatīr bhavanti. vaiśvadevaṃ hy etad ahaḥ. ā pavasva sahasriṇam iti sahasrarūpaṃ mahānāmnīnām upagacchanti. paśavo hi mahānāmnayaḥ. tāsu gāyatram uktabrāhmaṇam. atha yaṇvasantani. pañcamād vai devā ahnaṣ ṣaṣṭham ahar niramimata. chidram iva vai pañcamam ahaḥ. yad yaṇvasantaninā mādhyandinasya pavamānamukhe stuvanti ahna eva santatyā ahno ’chidratāyai. pratitiṣṭhati ya evaṃ veda. prajāpatiḥ paśūn asṛjata. te ’smāt sṛṣṭā apakrāman. so ’kāmayatātman paśūn yaccheyam iti. sa etat sāmāpaśyat. tenātman paśūn ayacchat. yad ātman paśūn ayaccht tad yaṇvasya yaṇvatvam. prajāpatir eṣa yad udgātā. sa yaṇvenaivātman paśūn yacchate. etad viṣuvatko vai dvādaśāho yat pañcamam ahaḥ. yaṇvasantani purastād bhavati, santany upariṣṭāt. yaṇvasantaninaiva pūrvaṃ tryahaṃ santanvanti, santaninottaram

»Fließe, o Soma, du Glanzvollster« – so sind die ›fließenden‹ Gāyatrīs des mittäglichen Pavamāna. »Fließe« – dies ist die Gestalt des Rathantara. Dies ist ein Rāthantara-Tag. »Zu den Bottichen hin brüllend« – »abhi«, dies ist eben die Gestalt des Rathantara. »Wassergeboren, für Indra, für Vāyu« – so sind sie ›wasserhaltig‹. Wasser ist ja dieser Tag. »Für Varuṇa, für die Maruts« – so sind sie ›marutbegleitet‹. Marut-haft nämlich ist die Gestalt des Mittags. Von dieser Gestalt des Mittags weichen sie damit nicht ab. »Labung für unsere Nachkommenschaft verleihend, uns, o Soma, von allen Seiten« – so sind sie ›allseitig‹. Ein Viśvedevas-Tag ist ja dieser Tag. »Reinige dich, tausendfach« – so nähern sie sich der tausendfachen Gestalt der Mahānāmnīs. Vieh sind ja die Mahānāmnīs. Unter diesen ist das Gāyatra bereits erklärt. Nun das Yaṇvasantani. Vom fünften Tag aus schufen die Götter den sechsten Tag. Lückenhaft gleichsam nämlich ist der fünfte Tag. Dass sie mit dem Yaṇvasantani am Beginn des mittäglichen Pavamāna preisen, geschieht eben zur Fortsetzung des Tages, zur Lückenlosigkeit des Tages. Er findet festen Stand, wer dies weiß. Prajāpati schuf das Vieh. Dieses, von ihm geschaffen, entwich. Er wünschte: »Möge ich das Vieh an mich binden!« Er erblickte dieses Sāman. Damit band er das Vieh an sich. Dass er das Vieh an sich band, das ist die Yaṇva-heit des Yaṇva. Dieser, der Udgātṛ, ist eben Prajāpati. Er bindet mit eben dem Yaṇva das Vieh an sich. Dies macht den Dvādaśāha zu einem Viṣuvant-artigen, dass der fünfte Tag so beschaffen ist. Das Yaṇva-Santani steht vorn, das Santani hinten. Mit eben dem Yaṇvasantani spannen sie das vorangehende Dreitagesstück aus, mit dem Santani das folgende.

[Anm.: Die Mahānāmnīs werden hier mit Vieh gleichgesetzt, in 3.85 dagegen mit der Sonne – ein Beispiel der für diese Textgattung typischen mehrschichtigen, kontextabhängigen Symbolik. ›Yaṇvasantani‹ ist, wie schon ›Hūti-Pratiśruti‹, ein zusammengesetzter Stobha-Paar-Name. Die Aussage, der fünfte Tag mache den Dvādaśāha ›viṣuvantartig‹ (den Charakter eines zentralen Scheiteltages tragend), bleibt technisch verdichtet und ist vorsichtig wiedergegeben.]

indro vai simā nāsaghnot. so ’kāmayata simās saghnuyām iti. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. tato vai sa simā asaghnot. tad yad etat sāma bhavati, simānām eva sagdhyai. tasya triḥ prastauti, sakṛt pratiharati, trir nidhanam upayanti. tat sapta saṃpadyante. saptapadā vai śakvaryaḥ. śākvarāḥ paśavaḥ. paccho vāvaināṃs tad dādhāra. paśavaś śakvaryaḥ. yaṇvasantani purastād bhavati, santany upariṣṭāt, paśūnām eva parigṛhītyai. sa yathā vāgarayā vā rajjvā vrajaṃ paritanuyād evam evaitat paśūn parigṛhṇīte ’parāvāpāya. nāsya vittaṃ paropyate ya evaṃ veda. āpo vai śakvaryaḥ. yaṇvasantani purastād bhavati, santany upariṣṭād, apām eva parigṛhītyai. tasmād āpaḥ parigṛhītā syandante. kūle ha khalu vā ete ’pām. yad dha vā ete na syātām ogha idaṃ sarvaṃ nirmṛjya yathāpāṃ vārtraṃ dihyāt tādṛg evaitad anirmārgāya. tasyaitasya yaṇvasantanino madhya iḷām upetyādhyardhām iḷām upariṣṭād upayanti, pratyakṣaṃ śakvarīṇāṃ rūpaṃ śākvare ’han. tena vai rūpasamṛddham

Indra nämlich überwältigte die Sīmās nicht. Er wünschte: »Möge ich die Sīmās überwältigen!« Er erblickte dieses Sāman. Mit ihm wurde er gepriesen. Daraufhin überwältigte er die Sīmās. Dass es dieses Sāman gibt, geschieht eben zur Überwältigung der Sīmās. Dabei stimmt man dreimal den Prastāva an, einmal den Pratihāra, dreimal geht man zum Nidhana. Das macht zusammen sieben. Siebenfüßig nämlich sind die Śakvarīs. Vieh ist śākvara-artig. Mit den Füßen eben hielt er sie damit fest. Vieh sind die Śakvarīs. Das Yaṇva-Santani steht vorn, das Santani hinten – eben zur Umfassung des Viehs. So wie man mit einer Schlinge oder einem Seil eine Hürde umspannen würde, ebenso umfasst er damit das Vieh, damit es nicht entweiche. Ihm wird sein Besitz nicht weggeworfen, wer dies weiß. Wasser nämlich sind die Śakvarīs. Das Yaṇva-Santani steht vorn, das Santani hinten – eben zur Umfassung des Wassers. Darum fließt das umfasste Wasser in geregelten Bahnen. Diese beiden sind ja wahrhaftig die Ufer des Wassers. Gäbe es diese beiden nicht, würde eine Flut alles hinwegspülen, so wie einst die Wasser vom Vṛtra-Hindernis überflutet waren – ebenso wäre dies dann ohne Bahn. Bei diesem Yaṇvasantani nähern sie sich in der Mitte der Iḷā, gehen anderthalbfach zur Iḷā hinauf hinüber – dies ist die unmittelbar wahrnehmbare Gestalt der Śakvarīs am Śākvara-Tag. Dadurch ist es an Gestalt bereichert.

[Anm.: ›Sīmā‹ (vgl. bereits 3.84f.) bleibt in seiner genauen Bedeutung unsicher – möglich sind sowohl eine Klasse von Indra unterworfenen Rivalen/Gegenmächten als auch ›Grenzen, Schranken‹ im wörtlichen Sinn; beide Deutungen passen zum Kontext einer Überwältigung durch Indra. ›Yathāpāṃ vārtraṃ dihyāt‹ bleibt dunkel und ist zurückhaltend, in Anlehnung an die Vṛtra-Flut-Bildlichkeit, wiedergegeben. Die Śakvarīs erscheinen hier sowohl mit Vieh als auch mit Wasser gleichgesetzt – ein weiteres Beispiel mehrschichtiger Symbolik.]

atha śākalaṃ. śakalo vai pañcamam ahar apaśyad rāthantaraṃ rūpeṇa. tasmād rāthantare ’han kriyate. śakalo vā annādyakāmas tapo ’tapyata. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. tato vai so ’nnādyam avārunddha. tasya vā etasyāsti yathaiva prayacched evam. tad dhiṃkāravad bhavati. annaṃ vai hiṃkāraḥ. hum iti vā annādyaṃ pradīyate. tad etad annādyasyāvaruddhissāma. avānnādyaṃ runddhe ’nnāda śreṣṭha svānāṃ bhavati ya evaṃ veda. atho yad evaitasminn ahan prācīnaṃ śakvarībhyaḥ krūram iva kriyate, tad evaitena hiṃkāreṇa śamayanti. yad u śakalo ’paśyat tasmāc chākalam ity ākhyāyate

Nun das Śākala. Śakala nämlich erblickte den fünften Tag der Gestalt nach als Rathantara. Darum wird er am Rāthantara-Tag vollzogen. Śakala nämlich, nach Speise und Nahrung verlangend, übte Askese. Er erblickte dieses Sāman. Mit ihm wurde er gepriesen. Daraufhin eignete er sich Speise und Nahrung an. Für dieses Sāman gilt: Es ist gestaltet, gerade so, wie man etwas darreichen würde. Es ist wie ein Hiṃkāra gestaltet. Speise nämlich ist der Hiṃkāra. Mit »hum« nämlich wird Speise-und-Nahrung dargereicht. Dies ist das Sāman der Aneignung von Speise-und-Nahrung. Er eignet sich Speise-und-Nahrung an, wird der beste Speisende unter den Seinen, wer dies weiß. Und was auch immer an diesem Tag, vor den Śakvarīs, gleichsam grausam vollzogen wird, das eben besänftigen sie mit diesem Hiṃkāra. Und weil Śakala es erblickte, darum wird es ›Śākala‹ genannt.

[Anm.: ›Tasyaitasyāsti yathaiva prayacched evam‹ bleibt im Sanskrit knapp und ist sinngemäß wiedergegeben. ›Hum‹ ist eine nasalierte Variante des bereits bekannten Stobha ›Hu‹. ›Was gleichsam grausam vollzogen wird‹ verweist, ähnlich wie der Maitrāvaruṇa-Spruch in 3.88, auf eine apotropäisch-reparierende Funktion des Rituals, ohne dass der genaue Anlass benannt wird.]

atha vārśam. vṛśo vai jānas triyaruṇasya traivṛṣṇasyaikṣvākasya rājñaḥ purohita āsa. atha ha sma tataḥ purā rājabhyaḥ purohitā eva rathān saṃgṛhṇanty aupadraṣṭryāya - ned ayaṃ pāpaṃ karavad iti. tau hādhāvayantau brāhmaṇakumāraṃ pathi krīḍantaṃ rathacakreṇa vicicchidatuḥ. itaro hādhāvayann abhiprayuyāvāpetara āyayāma. sa hādhigatya na śaśākāpāyantum. taṃ ha tad eva vicicchidatuḥ. tasmin hodāte - tvaṃ hantāsi tvaṃ hantāsīti. sa ha vṛśo ’bhīśūn prakīryāvatiṣṭhann uvāca - tvaṃ hantāsīti. neti hovāca. yo vai rathaṃ saṃgṛhṇāti sa rathasyeśe. tvaṃ hantāsīti. neti hetara uvācāpa vā aham āyāṃsaṃ, sa tvam abhiprāyauṣīs, tvam eva hantāsīti

Nun das Vārśa. Vṛśa Jāna nämlich war der Hauspriester des Königs Triyaruṇa Traivṛṣṇa, des Aikṣvāka. Und damals, in alter Zeit, lenkten die Hauspriester selbst die Wagen der Könige, zur Aufsicht – »damit dieser nicht Böses verursache«. Die beiden, in rasender Fahrt, zerschnitten mit dem Wagenrad einen Brahmanenknaben entzwei, der auf dem Weg spielte. Der eine trieb an, fuhr darauf zu; der andere zog die Zügel zurück. Er, obwohl er dem Wagen nahe war, vermochte nicht zu entkommen. Ihn zerschnitten sie eben dort entzwei. Darüber sprachen die beiden zueinander: »Du bist der Töter, du bist der Töter!« Da ließ Vṛśa die Zügel fallen, blieb stehen und sprach: »Du bist der Töter!« »Nein!«, sprach da der andere. »Wer nämlich den Wagen lenkt, der ist Herr über den Wagen. Du bist der Töter!« »Nein!«, sprach da der andere. »Ich zog ja zurück; du aber triebst darauf zu — du eben bist der Töter!«

[Anm.: Triyaruṇa Traivṛṣṇa Aikṣvāka ist ein real bezeugter vedischer König (als Opferherr genannt in RV 5.27); die Erzählung von der Tötung eines Brahmanenknaben durch das Königswagenrad und dem folgenden Schuldstreit zwischen König und Purohita ist auch außerhalb der Jaiminīya-Tradition bezeugt (u.a. Pañcaviṃśa-Brāhmaṇa), mit Namensvarianten für den Purohita. Die Erzählung setzt sich in 3.95 fort, wo die Ikṣvākus als Schiedsrichter angerufen werden.]

tau vai - pṛcchāvahā iti. tau hekṣvākūn eva praśnam eyatuḥ. te hekṣvākava ūcur - yo vāva rathaṃ saṃgṛhṇāti sa rathasyeśe. tvam eva hantāsīti vṛśam eva parābruvan. so’kāmayatod ita iyāṃ, gātuṃ nāthaṃ vindeya. sam ayaṃ kumāro jīved iti. sa etatsāmāpaśyat. tenainaṃ samairayad ā te dakṣaṃ mayobhuvam iti. prāṇā vai dakṣāḥ. prāṇān evāsmiṃs tad adadhāt. vahnim adyā vṛṇīmahe. pāntam ā puruspṛham. ā mandram ā vareṇyam ā vipram ā manīṣiṇam. pāntam ā puruspṛham. ā rayim ā sucetanam ā sukrato tanuṣv ā. pāntam ā puruspṛham. iti pānto vai puruṣaḥ. tad enaṃ tat samairayat. tad etad bheṣajaṃ prāyaścittissāma. bheṣajaṃ vai tat prāyaścitim akuruta. bheṣajam evaitena prāyaścittiṃ kurvate. tad u kāmasani. etaṃ vai sa kāmam akāmayata. so ’smai kāmas samārdhyata. yatkāma evaitena sāmnā stute, sam asmai sa kāma ṛdhyate

Die beiden sprachen: »Lasst uns fragen!« Die beiden gingen mit der Frage eben zu den Ikṣvākus. Da sprachen die Ikṣvākus: »Wer nämlich den Wagen lenkt, der ist Herr über den Wagen. Du eben bist der Töter!« – so sprachen sie es Vṛśa zu. Er wünschte: »Möge ich von hier fortgehen, möge ich einen Weg, einen Beistand finden. Möge dieser Knabe wieder lebendig werden!« Er erblickte dieses Sāman. Damit belebte er ihn wieder. »Zu dir komme deine wohltuende Fähigkeit« – die Atemkräfte nämlich sind die Fähigkeiten. Die Atemkräfte legte er damit eben in ihn hinein. »Den Wagenträger erwählen wir heute, den Beschützenden, den vielbegehrten. Den Berauschenden, den Erwählenswerten, den Redekundigen, den Weisen, herbei – den Beschützenden, den vielbegehrten. Den Reichtum, den Wohlbedachten, o du Tatkräftiger, in die Leiber hinein – den Beschützenden, den vielbegehrten.« So – der Mensch nämlich ist der ›Beschützende‹. Damit eben belebte er ihn. Dies ist das heilende Sühne-Sāman. Ein Heilmittel nämlich bewirkte er da als Sühne. Ein Heilmittel bewirkt man eben damit als Sühne. Dies ist zudem das Kāmasani. Diesen Wunsch nämlich wünschte er. Dieser Wunsch ging ihm in Erfüllung. Welchen Wunsch man auch immer hat, wenn man mit diesem Sāman gepriesen wird, geht einem eben dieser Wunsch in Erfüllung.

[Anm.: Die Ikṣvākus entscheiden gegen Vṛśa, den Zügelhalter. Die Wiederbelebung des toten Knaben durch das Sāman ist ein auffälliges Heilungswunder-Motiv; das Zitat mit dreifachem Kehrreim ›pāntam ā puruspṛham‹ spiegelt echte ṛgvedische Refrain-Technik. ›Kāmasani‹ ist bereits die fünfte Instanz eines wunscherfüllenden Sāmans in dieser Textpartie, nach 3.67, 3.74, 3.76 und dem Sāmasani aus 3.82.]

sa kruddho janam agacchat. anṛtaṃ mā vyavocann iti. teṣāṃ hekṣvākūṇām agner haro ’pākrāmat. yaṃ sāyam odanam adhyadadhuḥ, prātas so ’pacyata. yaṃ prātas sāyaṃ saḥ. te hocur brāhmaṇaṃ vā anāryam apāpāma. teṣāṃ no ’gner haro ’pākramīt. etainaṃ anumantrayāmahā iti. tam anvamantrayanta. sa āgacchadyathā rājñā brāhamaṇo ’numantryamāṇa āgacched evam. sa āgatyākāmayata paśyeyam idam agner hara iti. sa etat sāmāpaśyat. tad abhyagāyata. tad apaśyat - piśācī vā iyaṃ triyaruṇasya jāyā. sainat kaśipunā chādayitvādhyāsta iti. tad abhivyāharat. kumāraṃ mātā yuvatis samubdhaṃ guhā bibharti na dadāti pitre. anīkam asya ni na minaj janāsaḥ puraḥ paśyanti nihitam aratau. kam etaṃ tvaṃ yuvate kumāraṃ peṣī bibharṣi mahiṣī jajāna. pūrvīr hi garbhaś śarado vavardhāpaśyaṃ jātaṃ yad asūta mātā. vi jyotiṣā bṛhatā bhāty agnir āvir viśvāni kṛṇute mahitvā. prādevīr māyās sahate durevāś śiśīte śṛṃge rakṣase vinikṣe. uta svānāso divi ṣantv agnes tigmāyudhā rakṣase hantavā u. made cid asya pra rujanti bhāmā na varante paribādho adevīḥ. ity evainām idam agner hara ūrdhvam uddravat sarvāṃ prādahat. tato vai te yathāyatham agner haro vyaharanta. yathāyatham ebhyo ’gnir apacat. tad etad dīptir brahmavarcasaṃ sāma. etena vā agner haro ’pakrāntam anvavindan. tejasvī brahmavarcasī dīptimān bhavati ya evaṃ veda. tad adhyardheḷaṃ bhavati pratyakṣaṃ śakvarīṇāṃ rūpaṃ śākvare ’han. tena vai rūpasamṛddham. yad u vṛśo ’paśyat tasmād vārśam ity ākhyāyate

Er, erzürnt, ging zu den Leuten: »Man hat mich zu Unrecht verurteilt!« Da wich von den Ikṣvākus der Glanz Agnis. Der Brei, den sie abends aufsetzten, wurde erst morgens gar; und der, den sie morgens aufsetzten, erst abends. Da sprachen sie: »Wir haben ja gegen einen Brahmanen unwürdig gehandelt. Darum ist von uns der Glanz Agnis gewichen. Wohlan, lasst uns ihn gütlich zurückrufen!« Sie sprachen ihn gütlich an. Er kam, so wie ein Brahmane kommt, wenn er von einem König gütlich gebeten wird. Zurückgekehrt, wünschte er: »Möge ich diesen Glanz Agnis wiederfinden!« Er erblickte dieses Sāman. Er besang es damit. Da erblickte er: »Ein Dämonenweib ist ja diese Gattin des Triyaruṇa; sie hat es mit einer Matte verhüllt und sitzt darauf.« Und er sprach dazu: »Den Knaben, verborgen, trägt die junge Mutter, im Geheimen trägt sie ihn, gibt ihn dem Vater nicht. Sein Antlitz lassen die Menschen nicht schwinden; sie sehen ihn vorn, niedergelegt im Wagenschaft. Welchen Knaben da trägst du, o junge Frau? Eine gefleckte, mächtige Kuh hat ihn geboren. Denn viele Herbste ist der Keim gewachsen; ich sah ihn geboren, als die Mutter ihn zur Welt brachte. Mit großem Licht erstrahlt Agni ringsum, macht alle Dinge offenbar durch seine Größe. Er überwältigt die bösen, gottfeindlichen Zaubertrugmächte; er wetzt seine Hörner, um den Unhold zu durchbohren. Und mögen Agnis tosende Flammen am Himmel sein, scharfwaffig, um den Unhold zu erschlagen. Selbst in seinem Rausch zerbrechen seine Zornesglutene; nicht halten ihn die gottlosen Bedränger zurück.« So eben lief dieser Glanz Agnis an ihr empor und verbrannte sie ganz. Daraufhin verteilte sich der Glanz Agnis bei ihnen wieder ordnungsgemäß. Ordnungsgemäß kochte ihnen Agni die Speisen wieder. Dies ist das Brahman-Glut-Sāman des Aufflammens. Mit ihm nämlich fanden sie den entwichenen Glanz Agnis wieder. Er wird glutvoll, von priesterlicher Ausstrahlungskraft, glänzend, wer dies weiß. Dies wird anderthalb-Iḷā-fach – die unmittelbar wahrnehmbare Gestalt der Śakvarīs am Śākvara-Tag. Dadurch ist es an Gestalt bereichert. Und weil Vṛśa es erblickte, darum wird es ›Vārśa‹ genannt.

[Anm.: Die zitierten Verse (›Den Knaben, verborgen, trägt die junge Mutter‹ usw.) sind echtes, gut bezeugtes ṛgvedisches Material, das berühmte Rätsellied vom verborgenen Agni-Kind (Typus RV 5.2), hier als wirkmächtiger Visionsspruch eingesetzt, der die Piśācī verbrennt. ›Peṣī‹ (gefleckte Kuh) und ›aratau‹ (Wagenschaft, Radnabe) bleiben unsichere Einzelbegriffe. Damit schließt der in 3.94 begonnene Vṛśa-Jāna/Triyaruṇa-Erzählbogen mit der abschließenden Namensformel. Zugleich endet hier der seit 3.91 behandelte technische Block zum Yaṇvasantani/Śākvara-Tag.]

soma u ṣvāṇas sotṛbhir iti simānāṃ rūpam. adhi ṣṇubhir avīnām iti gomatīḥ paśumatīr bhavanti paśūnām evāvaruddhyai. paśavo hy etad ahaḥ. samudraṃ na (saṃvaraṇāny agman mandī madāya) tośata iti samudravatīr bhavanti. āpo hy etad ahaḥ. tā nyūnākṣarā bhavanti. saptākṣarāṇy ekāni padāni bhavanti, navākṣarāṇy ekāny, ekādaśākṣarāṇy ekāni, dvādaśākṣarāṇy ekāni. tad etad abhipūrvam eva śakvarīṇāṃ rūpam upagacchanti. tāsv ānūpam anutodavat simānāṃ rūpam. anutunnād vai prajāḥ paśavaḥ prajāyante. pra prajayā paśubhir jāyate ya evaṃ veda. anūpo vai dhītonir akāmayatobhayaṃ brahma ca kṣatraṃ cāvarundhīya, rājā sann ṛṣi syām iti. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. tato vai sa ubhayaṃ brahma ca kṣatraṃ cāvārunddha, rājā sann ṛṣir abhavat. ubhayam eva brahma ca kṣatraṃ cāvarunddhe, rājā sann ṛṣir bhavati ya evaṃ veda. yad v anūpo dhītonir apaśyat tasmād ānūpam ity ākhyāyate

»Und der ausgepresste Soma, durch die Pressenden« – dies ist die Gestalt der Sīmā. »Auf den Rücken der Schafe« – so sind sie ›kuhreich‹, ›viehreich‹, eben zur Aneignung des Viehs. Vieh ist ja dieser Tag. »Wie das Meer (... zu den Verstecken gingen sie, berauschend, zum Rausch ...) ergießen sie sich« – so sind sie ›meerhaltig‹. Wasser ist ja dieser Tag. Diese Verse sind silbenarm. Manche Halbverse haben sieben Silben, manche neun, manche elf, manche zwölf. Damit nähern sie sich, Schritt um Schritt, eben der Gestalt der Śakvarīs. Unter diesen ist das Ānūpa, ›getroffen‹-artig, die Gestalt der Sīmā. Aus dem ›Getroffenen‹ nämlich werden Nachkommenschaft und Vieh geboren. Er wird vermehrt durch Nachkommenschaft und Vieh geboren, wer dies weiß. Anūpa Dhītoni nämlich wünschte: »Möge ich mir beides aneignen, das Priestertum und das Kriegertum — möge ich, König seiend, zugleich ein Seher sein!« Er erblickte dieses Sāman. Mit ihm wurde er gepriesen. Daraufhin eignete er sich beides an, das Priestertum und das Kriegertum; König seiend, wurde er ein Seher. Er eignet sich eben beides an, Priestertum und Kriegertum; König seiend, wird er ein Seher, wer dies weiß. Und weil Anūpa Dhītoni es erblickte, darum wird es ›Ānūpa‹ genannt.

[Anm.: Die runden Klammern um ›zu den Verstecken gingen sie, berauschend, zum Rausch‹ stehen bereits so im Sanskrit-Text selbst und markieren vermutlich eine unsichere oder ergänzte Textstelle innerhalb des Verszitats; hier entsprechend übernommen. ›Anutodavat‹ bestätigt durch seine Formverwandtschaft die bereits etablierte Deutung von anutunna als ›getroffen‹. Anūpa Dhītonis Vereinigung von Priester- und Königtum in einer Person ist ein bemerkenswertes Brahma-Kṣatra-Motiv. ›Sīmā‹ bleibt weiterhin unsicher (vgl. 3.84f., 3.92).]

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