Kapitel 12
Der verkleidete Indra: Die Zehnkönigsschlacht und die Töchter der Vala-Höhle
Drei große Erzählungen durchziehen dieses Kapitel. In der Zehnkönigsschlacht amtiert, abweichend von der geläufigen Überlieferung, nicht Vasiṣṭha, sondern Bharadvāja als Purohita des bedrängten Königs; dessen Gattin Upamā Sāvedasī begegnet, nach dem Tod ihres Bruders, einem tanzenden Alten mit einer Tragstange voll Speise, weicht ihm aber vergeblich aus – ein reich mit dunklen Kosenamen durchsetztes Rätsel-Wechselgespräch enthüllt ihn schließlich als den verkleideten Indra, der sein Fell abstreift und aus den fallenden Antilopenhaaren Rosse und Wagen für den Sieg erschafft. Bei einer Sattra-Sitzung der Vibhindukīyas löst Medhātithi mit seinem Sāman die Rinderhöhle Valas: Nach gewöhnlichem Vieh und goldgehörnten Kühen treten zwei goldgeschmückte Apsaras-Frauen hervor, die Medhātithi als eigenen Besitz beansprucht, obwohl sie eigentlich seinen Mitpriestern Sanaka und Navaka als erbetene Nachkommenschaft zustehen; die Kühe fliehen zurück in die Höhle, weil der Hausherr die Unwahrheit gesagt hat, während Medhātithi im Wettstreit mit seinem Verwandten Triśoka über Feuer und Fluss als 'Sohn einer Asurin' unterliegt. Die dritte Erzählung führt Viśvāmitra und Jamadagni über den Sindhu, um den von den Ikṣvākus verdrängten Bharatas ihr Vieh zurückzuholen; an der gefährlichen Furt entstehen aus den fortgeworfenen 'Unreinheits-Tüchern' der Übersetzenden die Namen dreier Stämme, und der höhnende Fluss selbst wird von Viśvāmitra mit dem Verweis auf den schon im Mutterleib redenden Seher Dīrghatamas in die Schranken gewiesen.
tāsu dharma. dharmaṇā vai devā dharmam ādāyāsurāṇāṃ vidharmaṇainān vidharmaṇaḥ kṛtvā parābhāvayan. dharmaṇaiva dharmam ādāya dviṣato bhrātṛvyasya vidharmaṇainaṃ vidharmāṇaṃ kṛtvā parābhāvayati ya evaṃ veda. tac chrīr vai dharmo, rājyaṃ vai dharmo, dharmeṇa vai rājā dharmo, dharma svānāṃ bhavaty, ainaṃ svā yanti, dharmaṇo dhārayati. tad āhur navame ’hani kāryam. ado vai kṣatraṃ yad bārhatam. athedaṃ viḍ rāthantaram iti. tad u vā āhur vidharmāṇo vai rājāno na vai te ’nyair manuṣyai svadharmāṇaḥ. idam u vāva kṣatraṃ yac catuścatvāriṃśaṃ traiṣṭubham. tasmān navama evāhan vidharma syād ihaitad iti. hinvanti sūram usraya svasāro jāmayas patim. mahām induṃ mahīyuvaḥ. iti mahad dhy etad ahar yac catuścatvāriṃśam. tāsu viśoviśīyam uktabrāhmaṇam. tad aiḷaṃ bhavati - paśavo vā iḷā. paśavaś chandomāḥ - paśūnām evāvaruddhyai
Unter ihnen ist das Dharma. Mit Dharma ergriffen die Götter das Dharma und überwältigten die Asuras, indem sie diese durch Vidharma in Auflösung brachten. Mit eben Dharma, das Dharma ergreifend, überwältigt den hassenden Rivalen, indem er ihn durch Vidharma in Auflösung bringt, wer so weiß. Glanz nämlich ist Dharma, Königtum nämlich ist Dharma; durch Dharma ist der König Dharma; das Dharma gehört den Seinen, zu ihm kommen die Seinen, durch Dharma hält er sie. Dazu sagen die einen: »Dies muss am neunten Tag geschehen. Jenes nämlich ist das Kriegertum, das Bārhata. Dies aber ist das Volk, das Rathantara.« Andere aber sagen: »Die Könige sind vidharma-artig; sie haben ihr eigenes Dharma nicht durch andere Menschen. Dies vielmehr ist das Kriegertum, die vierundvierzigsilbige Triṣṭubh. Deshalb soll eben am neunten Tag hier dieses Vidharma sein.« »Sie spornen den Helden an, die Frühröte-Schwestern, die Geschwister, zu ihrem Herrn - den großen, hochgeehrten Indu.« Denn dies ist ein großer Tag, der vierundvierzigsilbige. Unter ihnen ist das Viśoviśīya bereits erklärt. Das wird zu Aiḷa - Tiere nämlich sind Iḷā. Tiere sind die Chandomas - eben zur Sicherung der Tiere.
[Anm.: Seltener abstrakt-staatstheoretischer Abschnitt über Dharma/Vidharma und die Kṣatra(Bārhata)/Viś(Rathantara)-Sozialsymbolik, als Streit zweier Lehrmeinungen präsentiert (vgl. das etablierte Debatten-Zitat-Muster aus 3.156, 3.175). „Viśoviśīyam“ als „bereits erklärt“ zurückverwiesen bleibt wie „Traita“ (3.227) ein Verweis auf im bisherigen Übersetzungskorpus nicht identifiziertes Material.]
atha yajñāyajñīyam uktabrāhmaṇam. athauśanam. uśanā vai kāvyo deveṣv amartyaṃ gandharvalokam aicchata. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. tato vai sa deveṣv amartyaṃ gandharvalokam āśnutaitaṃ romaṇvantam. te haite kāvyāḥ. romaṇvaty aśnute deveṣv amartyaṃ gandharvalokam etena tuṣṭuvānaḥ. agnir vai deveṣv avasat. taṃ devā nāprīṇan. so ’prīyamāṇa uśanasaṃ kāvyam āgacchat. tam abravīd ṛṣe prīṇīhi mā, ’prīto vā asmīti. tam akāmayata - prīṇīyām enam iti. sa etat sāmāpaśyat. tenainam aprīṇāt. preṣṭhaṃ vo atithiṃ stuṣe mitram iva priyam. agne rathaṃ na vedyam. ity evainaṃ priyatamam atithim akuruta. aprīta iva ha vā eṣa etarhi bhavati yajñam ūhivān. tam etad atra prīṇanti. sa prīto yad atra yajñasya pariśiṣṭam bhavati tad vahati. yad ūśanā kāvyo ’paśyat tasmād auśanam ity ākhyāyate. endra no gadhi priya satrājid agohya. girir na viśvataḥ pṛthuḥ patir divaḥ. abhi hi satya somapā ity abhīti bhavati rathantarasya rūpam. rāthantaram etad ahaḥ. ubhe babhūtha rodasī itīme ha vāva rodasī. ete evaitad abhivadati. indrāsi sunvato vṛdhas patir diva iti vṛddhaṃ hy etad ahar yac catuścatvāriṃśam
Nun ist das Yajñāyajñīya bereits erklärt. Nun das Auśana. Uśanas Kāvya wünschte sich unter den Göttern die unsterbliche Gandharva-Welt. Er erschaute dieses Sāman. Mit ihm stimmte er den Lobgesang an. Da erlangte er tatsächlich unter den Göttern diese haarreiche, unsterbliche Gandharva-Welt. Diese eben sind die Kāvyas. Die haarreiche, unsterbliche Gandharva-Welt erlangt unter den Göttern, wer damit den Lobgesang anstimmt. Agni nämlich weilte unter den Göttern. Die Götter erfreuten ihn nicht. Er, unerfreut, ging zu Uśanas Kāvya. Er sprach zu ihm: »O Seher, erfreue mich, denn ich bin ja unerfreut.« Er wünschte: »Möchte ich ihn doch erfreuen.« Er erschaute dieses Sāman. Mit ihm erfreute er ihn: »Den liebsten Gast preise ich euch, lieb wie einen Freund, o Agni - wie einen kennenswerten Wagen.« So machte er ihn zum liebsten Gast. Wie unerfreut wird nämlich dieser jetzt, nachdem er das Opfer getragen hat. Ihn erfreut man hier an dieser Stelle. Er, erfreut, trägt das, was hier vom Opfer übrigbleibt. Und weil Uśanas Kāvya dies erschaute, wird es ›Auśana‹ genannt. »Komm zu uns, o Indra, lieber, allsiegender, unverbergbarer. Wie ein Berg, ringsum breit, Herr des Himmels. Zu uns hin, wahrhaftiger Somatrinker.« - so beginnt es mit »abhi«; das ist das Merkmal des Rathantara. Dieser Tag ist ein Rathantara-Tag. »Beide Welten bist du geworden« - eben Himmel und Erde sind diese beiden Welten. Diese eben spricht er damit an. »Du bist, Indra, der Stärker des Pressenden, Herr des Himmels.« Denn dies ist ein gereifter Tag, der vierundvierzigsilbige.
[Anm.: Uśanas Kāvya knüpft an 3.150/174 an. „Die Kāvyas“ bezeichnet seine Sippe. Die Agni-Erfreuungs-Episode erklärt vermutlich eine rituelle Praxis, wonach Agni an dieser Stelle eigens mit dem Rest des Opfers bedacht wird.]
tāsu sāṃvartaṃ padanidhanaṃ rāthantaram. tasmād rāthantare ’han kriyate. saṃvarta āṅgirasa svargakāmas tapo ’tapyata. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. sa patir divaḥ patir diva ity eva svargaṃ lokam ārohat. yathāha pated evam etad yat patir diva iti. tad etat svargyaṃ sāma. aśnute svargaṃ lokaṃ ya evaṃ veda. yad u saṃvarta āṅgiraso ’paśyat tasmāt sāṃvartam ity ākhyāyate. devāsurā aspardhanta. te ’surā mahad abhivyāsata. sa indro ’kāmayata sārdham evāsurān saṃvṛtya hanyām iti. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. tvaṃ hi śaśvatīnām indra dhartā purām asi. hantā dasyor manor vṛdhaḥ patir divaḥ. ity evainān sārdhaṃ saṃvṛtyāhan. tad v eva sāṃvartasya sāṃvartatvam. sārdham eva saṃvṛtya dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ hanti ya evaṃ veda
Unter ihnen ist das Sāṃvarta, ein Fuß-Nidhana des Rathantara. Daher wird beim Rathantara ein Schlag mit dem Fuß ausgeführt. Saṃvarta Āṅgirasa, nach der himmlischen Welt verlangend, übte Askese. Er erschaute dieses Sāman. Mit ihm stimmte er den Lobgesang an. Er stieg, mit »Herr des Himmels, Herr des Himmels«, zur himmlischen Welt empor. Wie wenn man sagt ›er fliege empor‹, so verhält es sich mit ›Herr des Himmels‹. Dies ist das himmlische Sāman. Die himmlische Welt erlangt, wer so weiß. Und weil Saṃvarta Āṅgirasa dies erschaute, wird es ›Sāṃvarta‹ genannt. Götter und Asuras stritten miteinander. Die Asuras breiteten sich gewaltig aus. Indra wünschte: »Möchte ich doch die Asuras zusammengezogen und auf einmal erschlagen!« Er erschaute dieses Sāman. Mit ihm stimmte er den Lobgesang an: »Denn du, Indra, bist der Träger der immerwährenden Burgen. Der Töter des Dasyu, der Stärker des Manu, Herr des Himmels.« So erschlug er sie tatsächlich zusammengezogen, auf einmal. Das eben ist die Sāṃvarta-heit des Sāṃvarta. Zusammengezogen erschlägt er auf einmal den hassenden Rivalen, wer so weiß.
[Anm.: „Yathāha pated evam etad yat patir diva iti“ spielt lautlich mit der Ähnlichkeit von „patiḥ“ (Herr) und „patet“ (er möge fliegen) – eine weitere klangbasierte Etymologie im Stil von „meduḥ“/„mada“ (3.222).]
atha maidhātitham. medhātithigṛhapatayo vai vibhindukīyās satram āsata. teṣāṃ dṛḍhacyud āgastir udgātāsīd gaurīvitiḥ prastotācyutacyut pratihartā vasukṣayo hotā sanaka-navakau kāvyāv adhvaryū. paśukāmo medhātithir janikāmau sanaka- navakau, yatkāmā itare tatkāmāḥ. nānākāmā ha sma vai purā satram āsate. te ha sma nānaiva kāmān ṛddhvāptvottiṣṭhanti. teṣāṃ ha smendro medhātither meṣasya rūpaṃ kṛtvā somaṃ vratayati. taṃ ha sma bādhante medhātither no meṣas somaṃ vratayatīti. sa u ha smaiṣāṃ svam eva rūpaṃ kṛtvā somaṃ vratayati. tato ha vā idam arvācīnaṃ medhātither meṣa ity āhvayanti. sa etan medhātithiḥ paśukāmas sāmāpaśyat. tenāstu. purāṃ bhindur yuvā kavir ity eva valam abhinat. tvaṃ valasya gomato ’pāvar adrivo bilam ity etayā bilam apāvṛṇot
Nun das Maidhātitha. Die Vibhindukīyas, mit Medhātithi als Hausherrn, saßen bei einer Sattra-Sitzung. Unter ihnen war Dṛḍhacyut Āgasti der Udgātar, Gaurīviti der Prastotar, Acyutacyut der Pratihartar, Vasukṣaya der Hotar, Sanaka und Navaka, die beiden Kāvyas, die Adhvaryus. Medhātithi begehrte Tiere, Sanaka und Navaka begehrten Nachkommenschaft; was die anderen begehrten, das begehrten sie je für sich. Denn früher pflegte man mit unterschiedlichen Wünschen an einer Sattra-Sitzung teilzunehmen. Sie pflegten, nachdem sie ihre je eigenen Wünsche erfüllt hatten, aufzubrechen. Unter ihnen pflegte Indra, die Gestalt von Medhātithis Widder annehmend, sich am Soma zu vergreifen. Sie pflegten ihn fortzutreiben: »Medhātithis Widder vergreift sich an unserem Soma!« Er aber pflegte dann, ihre eigene Gestalt annehmend, sich wiederum am Soma zu vergreifen. Daher nennt man seitdem, in späterer Zeit, dies ›Medhātithis Widder‹. Medhātithi, nach Tieren verlangend, erschaute dieses Sāman. Mit ihm stimmte er den Lobgesang an. »Der junge, weise Burgenspalter« - damit eben spaltete er Vala. »Du öffnetest die Höhle des rinderreichen Vala, o Herr der Preßsteine« - damit öffnete er die Höhle.
[Anm.: Gaurīviti (Prastotar) knüpft an die real bezeugte Gestalt aus 3.147/3.197/3.227 an. Sanaka und Navaka als „die beiden Kāvyas“ deuten möglicherweise auf eine Verbindung zur Kāvya/Uśanas-Linie (3.150/174/232) hin, bleiben aber als eigenständige Figuren zu betrachten. Der Sippenname „Vibhindukīya“ klingt an die Wurzel bhid („spalten“) an und nimmt damit den Vala-Spaltungsmythos vorweg, der diesen Abschnitt beschließt. „Vratayati“ (Indra-als-Widder „vergreift sich“ am Soma) ist lexikalisch nicht ganz sicher gedeutet. Der Vala-Höhlenmythos (Indra/Bṛhaspati befreien die Rinder aus der Felshöhle) ist einer der zentralen, real bezeugten Mythen des Ṛgveda (u.a. RV 1.6, 2.24). Die Erzählung setzt sich unmittelbar in 3.235 fort.]
tataḥ paśavo ’sṛjyanta. ye prathame ’sṛjyanta, ta ima etarhitanāḥ paśavaḥ. tad u haiva hiraṇyaśṛṅgīr dvyūdhnīr anūdeyuḥ. tad u haiva hiraṇyacaṇḍātakau vasāne ’psarasāv anūdeyatuḥ. te gṛhapatir abhidadhyau. sa hovāca mama vā ime, ye ’haṃ mama gārhapatya ’vārutsi. gṛhapater vāva sarvarddhir iti. neti hocatus sanaka - navakau, paśukāmas tvam āsiṣṭhāḥ. te tavaite paśavaḥ. janikāmāv āvam. tayor āvayor ime jāye iti. tad dhaiva saṃvadamāneṣv anyatarām abhipede. sā ha pratijaghne. saiṣā yasyā etat kabalikam iva. atha hānyatarā visiṣmiye. saiṣā hariṇikā. tasmād ete paśūn sevate paśvājānehi. atha hemā hiraṇyaśṛṅgīr dvyūdhnīr yata evodeyus tat punar abhyavadudruvur - anṛtaṃ gṛhapatir akṛt. na vai vayaṃ tasya smo yo ’nṛtaṃ karotīti. tā haitā apy adya krūrarṣabhā vibhinduke śārīr bhūtā vedayante. kāṇvāyanau brahmaṇy aspardhetāṃ medhātithiś ca triśokaś ca. tāv abrūtām - ehya, agniṃ samiddham atyayāveti. tāv agniṃ samiddham atyaitām. uparya upary eva triśoko ’tyaid, athetarasya pakṣmāṇy udauṣat. tam abravīd - ajaiṣaṃ tveti. nety abravīd, asurīputra eva tvam asi. devatā eva tvayā saṃspṛṣṭaṃ nācīkamanteti. tau vā - ehy apo ’tyayāvati. tau ha rathasyāṃ viṣyaṇṇām atyaitām. upary upary eva triśoko ’tyaid, athetarasya pavī atrāyetām. tad evārdrapavi rathaspāyai. tam abravīd - ajaiṣaṃ tveti. nety abravīd, asurīputra eva tvam asi. devatā eva tvayā saṃspṛṣṭaṃ nācīkamantati. tau vā - ehi paśūn utsṛjāvahā iti
Danach wurden die Tiere freigesetzt. Die zuerst freigesetzt wurden, das sind diese heutigen Tiere. Und dann folgten goldgehörnte, zweieutrige Kühe. Und dann folgten zwei goldgeschmückte Apsaras-Frauen. Der Hausherr betrachtete sie als sein Eigentum. Er sagte: »Diese sind ja mein, da ich sie durch meine Hausherrschaft gewonnen habe. Aller Erfolg gehört ja dem Hausherrn.« »Nein!«, sagten Sanaka und Navaka, »du hast dir Tiere gewünscht; diese Tiere hier sind die deinen. Wir beide haben uns Nachkommenschaft gewünscht; diese beiden hier sind unsere Frauen.« Während sie sich noch besprachen, näherte sich einer von ihnen der einen Frau. Sie aber wies ihn ab. Diese ist es, von der dies gleichsam ein Bissen ist. Die andere aber lächelte. Diese ist ›Hariṇikā‹. Deshalb dienen diese den Tieren: ›Komm her zu den Tieren‹. Die goldgehörnten, zweieutrigen Kühe aber liefen, von wo sie gekommen waren, wieder dorthin zurück: »Der Hausherr hat Unwahrheit begangen. Wir gehören ja nicht dem, der Unwahrheit begeht.« Diese sind sogar noch heute als die ›Krūrarṣabha‹, die gescheckten Rinder bei Vibhinduke, bekannt. Die beiden Kāṇvāyanas, Medhātithi und Triśoka, stritten miteinander im Brahman-Wettstreit. Sie sagten zueinander: »Komm, lass uns über das entzündete Feuer schreiten!« Die beiden schritten über das entzündete Feuer. Triśoka schritt hoch darüber hinweg, dem anderen aber versengte es die Wimpern. Er sprach zu ihm: »Ich habe dich besiegt!« »Nein«, sagte er, »du bist ja der Sohn einer Asurin. Die Gottheit mag es gar nicht, von dir berührt zu werden.« Sie sagten: »Komm, lass uns über das Wasser schreiten!« Die beiden schritten über die angeschwollene Rathasyā. Triśoka schritt hoch darüber hinweg; dem anderen aber wurden die beiden Radreifen nass. Das eben ist der nasse Radreifen, zum Schutz des Wagens. Er sprach zu ihm: »Ich habe dich besiegt!« »Nein«, sagte er, »du bist ja der Sohn einer Asurin. Die Gottheit mag es gar nicht, von dir berührt zu werden.« Sie sagten: »Komm, lass uns die Tiere freilassen!«
[Anm.: Mehrere Ausdrücke bleiben unsicher: „kabalikam iva“ (die abweisende Apsaras und ihr Beiname) ist lexikalisch dunkel; die Formel „paśvājānehi“ ist unklar; „ārdrapavi rathaspāyai“ (der nasse Radreifen „zum Schutz des Wagens“) bleibt technisch-rituell unsicher; „Rathasyā“ als Flussname ist sonst nicht identifiziert. Wichtiger Kontinuitätsfund: Medhātithi und Triśoka werden hier beide als „Kāṇvāyana“ (Nachkommen Kaṇvas) bezeichnet – Triśoka ist die aus 3.72 bereits bekannte Gestalt (Traiśoka-Mythos). Die Beleidigung „asurīputra“ (Sohn einer Asurin) hat eine Parallele im Vaiśya-Vorwurf aus 3.195. Die zweite Wortwechsel-Wiederholung weist im Sanskrit eine kleine Schreibvariante auf („nācīkamantati“ statt „nācīkamanteti“), hier unverändert wiedergegeben statt stillschweigend geglättet. Der Abschnitt endet, wie mehrfach im Text üblich, mit einem offenen Cliffhanger (dritte Mutprobe angekündigt, Fortsetzung in 3.236 zu erwarten). „Krūrarṣabha... bei Vibhinduke“ verankert den Mythos in einer zeitgenössisch bekannten Rinderherde und knüpft an den Sippennamen „Vibhindukīya“ aus 3.234 an.]
sa triśokas sadya evālomno karṇakān paśūn udasṛjata. te ’trābhyātaptā nyamṛcya nyamahan. saiṣo prābhavat. tasmād āhur - gāvo preti. tasmād v amāṃsāśī prāyu nāśnīyāt. atha haike ’bhitapyamānānāḥ pratyañcaḥ prādravan. te sindhuṃ prāviśan. tal lavaṇam abhavat. tasmād āhur - gāvo lavaṇam iti. tasmād u yo lavaṇena paṇañ carati, gāva eva bhavanti. atha medhātithis saṃvatsaram upaprāstṛṇīta paśukāmaḥ. sa etasmād eva valād aśmābhidhānāt paśūn udasṛjata - tvaṃ valasya gomata iti. tad etat paśūnām utsṛṣṭis sāma. ava paśūn runddhe, bahupaśur bhavati ya pavaṃ veda. yad u medhātithir apaśyat, tasmān maidhātitham ity ākhyāyate
Triśoka setzte sogleich unbehaarte, ohrgezeichnete Tiere frei. Diese wurden hier erhitzt, niedergerieben und niedergeschlagen. Diese setzte sich durch. Deshalb sagt man: »Rinder, fort!« Deshalb sollte, wer kein Fleisch isst, dies in der Regel nicht essen. Andere aber, während sie erhitzt wurden, flohen rückwärts. Sie gingen in den Sindhu. Der wurde salzig. Deshalb sagt man: »Rinder sind Salz.« Deshalb wird, wer mit Salz handelt, geradezu einem Rinderbesitzer gleich. Medhātithi aber breitete, nach Tieren verlangend, ein Jahr lang das Opferstroh aus. Er setzte aus eben diesem Vala, der ›Stein‹ genannt wird, Tiere frei: »Du öffnetest die Höhle des rinderreichen Vala.« Dies ist das Tiere-freisetzende Sāman. Er sichert Tiere, er wird reich an Tieren, der so weiß. Und weil Medhātithi dies erschaute, wird es ›Maidhātitha‹ genannt.
[Anm.: Mehrere Verfahrensdetails bleiben unsicher: „nyamṛcya nyamahan“ (niedergerieben, niedergeschlagen) und der Bezug von „saiṣā prābhavat“ sind nicht ganz klar. Die Ätiologien für die Redewendungen „Rinder, fort!“ und „Rinder sind Salz“ (Salzhandel als Rinderbesitz-Äquivalent) sind eigenständige Sprichwort-Erklärungen im Stil von 3.166. Dieser Abschnitt schließt den mit 3.234 begonnenen Medhātithi/Triśoka/Maidhātitha-Erzählbogen ab. Die Quelle liest hier „ya pavaṃ veda“ statt der sonst üblichen Formel „ya evaṃ veda“ – vermutlich eine Schreibvariante, hier unverändert wiedergegeben.]
tad v evācakṣate ’ṅgirasyānāṃ sāmeti. aṅgirasyā ha vai nāmarṣīṇāṃ putrā āsuḥ. te ’kāmayanta svargaṃ lokam aśnuvīmahīti. ta etat sāmāpaśyan. tenāstuvata. tato vai te svargaṃ lokam āśnuvata. tad etat svargyaṃ sāma. aśnute svargaṃ lokaṃ ya evaṃ veda. yad v aṅgirasyā apaśyaṃs tasmād aṅgirasyānāṃ sāmety ākhyāyate. tad v evācakṣate mārutam iti. maruto vā akāmayantaujiṣṭhā baliṣṭhā bhūyiṣṭhā vīryavattamā devānāṃ syāma, jayema svargaṃ lokam iti. ta etat sāmāpaśyan. tenāstuvata. tato vai ta ojiṣṭhā baliṣṭhā bhūyiṣṭhā vīryavattamā devānām āsann, ajayan svargaṃ lokam. ojiṣṭho baliṣṭho bhūyiṣṭho vīryavattama svānāṃ bhavati jayati svargaṃ lokaṃ ya evaṃ veda. yad u maruto ’paśyan tasmān mārutam ity ākhyāyate
Das nennt man auch ›Sāman der Āṅgirasyas‹. Die Āṅgirasyas waren fürwahr Söhne von Ṛṣis namens Āṅgirasya. Sie wünschten: »Möchten wir doch die himmlische Welt erlangen!« Sie erschauten dieses Sāman. Mit ihm stimmten sie den Lobgesang an. Da erlangten sie tatsächlich die himmlische Welt. Dies ist das himmlische Sāman. Die himmlische Welt erlangt, wer so weiß. Und weil die Āṅgirasyas dies erschauten, wird es ›Sāman der Āṅgirasyas‹ genannt. Das nennt man auch ›Māruta‹. Die Maruts wünschten: »Möchten wir doch die Mächtigsten, Stärksten, Zahlreichsten, Tapfersten unter den Göttern werden; möchten wir die himmlische Welt erobern!« Sie erschauten dieses Sāman. Mit ihm stimmten sie den Lobgesang an. Da wurden sie tatsächlich die Mächtigsten, Stärksten, Zahlreichsten, Tapfersten unter den Göttern; sie eroberten die himmlische Welt. Der Mächtigste, Stärkste, Zahlreichste, Tapferste der Seinen wird, die himmlische Welt erobert, wer so weiß. Und weil die Maruts dies erschauten, wird es ›Māruta‹ genannt.
[Anm.: „Āṅgirasya“ (statt des sonst im Projekt üblichen „Āṅgirasa“) ist vermutlich dieselbe Sippenbezeichnung in leicht abweichender Form. Die Maruts sind die bekannte vedische Sturmgott-Gruppe, Indras Gefolge.]
tad v evācakṣate vaiśvāmitram iti. bharatā ha vai sindhor aparatāra āsur ikṣvākubhir udbāḍhāḥ. teṣu ha viśvāmitrajamadagnī uṣatuḥ. sa hendro bhayadam āsamātyaṃ harī yayāca. tau hāsmai na dadau. tayor hādattayor juhāvendrakrośa iti. ammakas tasmiṃs tiṣṭhan - viśvāmitrajamadagnī, imā ikṣvākūṇāṃ gā vindadhvam iti. tad dhemāv aparatāre santo śuśruvatuḥ. tau hocatur bharatān - indro vai nāv ayaṃ hvayatīmā ikṣvākūṇāṃ gā vindadhvam iti. et, gā vindāmahā iti. tau vai na imaṃ gādhaṃ kurutam iti. te vai yuṅdhvam iti. te ha yuyujire. te hābhyaveyuḥ. tau hocatur - yā vaḥ palpūlanyas tā apāsyateti. tā hāpāsuḥ. atha ha rājanyabandhur yasmai palpūlany āsa, tāṃ hādho ’kṣaṃ babandha. tāv akāmayetāṃ - gādho nāv ayaṃ syād iti. sa etad viśvāmitras sāmāpaśyat. tenāstuta. purāṃ bhindur yuvā kavir amitaujā ajāyata. indro viśvasya karmaṇo dhartā vajrī puruṣṭutaḥ. tvaṃ valasya gomato ’pāvar adrivo bilam. tvāṃ devā abibhyuṣas tujyamānāsa āviṣuḥ. tavāhaṃ śūra rātibhiḥ praty āyaṃ sindhum āvadan. ity etā āvadantau pratyaitām. upātiṣṭhanta girvaṇo viduṣ ṭe tasya kārava iti haivāpa upatasthire. tābhyāṃ ha gādha āsa. te ha gādhenātiyayuḥ. tad yasminn iyaṃ palpūlany āsa, tad dhaivāpo ’vacicchiduḥ. anaśad vā iyam iti ta eva naṃśavaḥ. yogo nodyata iti ta evāyogava iti. idam evādya vasāmeti ta eva naṃśavaḥ. yogo nodyata iti ta evāyogava iti. idam evādya vasāmeti ta eva vasātayaḥ
Das nennt man auch ›Vaiśvāmitra‹. Die Bharatas waren fürwahr jenseits des Sindhu, von den Ikṣvākus verdrängt. Unter ihnen weilten Viśvāmitra und Jamadagni. Indra erbat sich von Bhayada Āsamātya die beiden Falben. Diese aber gab er ihm nicht. Da diese ihm nicht gegeben wurden, rief er klagend - das ist der ›Indraruf‹. Ammaka, dort stehend, sprach: »Viśvāmitra, Jamadagni, verschafft euch diese Rinder der Ikṣvākus!« Dies hörten die beiden, die jenseits waren. Die beiden sagten zu den Bharatas: »Dieser Indra ruft uns beiden zu: ›Verschafft euch diese Rinder der Ikṣvākus!‹« »Wohlan, lasst uns die Rinder verschaffen!« »Ihr beide, schafft uns diese Furt!« »Spannt an!« Sie spannten an. Sie gingen hinab. Die beiden sagten: »Was auch immer ihr an Unreinheits-Tüchern habt, werft das fort!« Sie warfen sie fort. Der Kriegeradlige aber, dem eine solche zufiel, band sie unten an die Achse. Die beiden wünschten: »Möge dies für uns eine Furt sein!« Viśvāmitra erschaute dieses Sāman. Mit ihm stimmte er den Lobgesang an: »Der junge, weise Burgenspalter von unermesslicher Kraft wurde geboren. Indra, der Träger allen Wirkens, der Keulenträger, der Vielgepriesene. Du öffnetest die Höhle des rinderreichen Vala, o Herr der Preßsteine. Die Götter, furchtlos, angetrieben, traten zu dir. Durch deine Gaben, o Held, habe ich dem Sindhu erwidernd zugerufen.« So gingen die beiden, dies rufend, dem Fluss entgegen. »Sie traten herzu, o Liedliebender; die Sänger wissen: dein sind sie.« - so eben traten die Wasser herzu. Für die beiden gab es nun eine Furt. Sie überquerten den Fluss mittels der Furt. Aber dort, wo dieses Tuch verborgen war, dort schnitten die Wasser hindurch. »Diese ist ja zugrunde gegangen« - das eben sind die Naṃśu. »Das Joch wird nicht erhoben« - das eben sind die Āyogava. »Hier eben wohnen wir heute« - das eben sind die Vasāti.
[Anm.: Zentrale, real bezeugte vedische Erzählung, eng verwandt mit dem berühmten Viśvāmitra-Flussüberquerungs-Hymnus RV 3.33 (Vipāś/Śutudrī), hier jedoch auf den Sindhu bezogen und mit Jamadagni (ebenfalls real bezeugter Ṛṣi) verbunden. „Āsamātya“ als Patronymikon könnte auf den aus 3.168 bekannten Asamāti Rāthaprauṣṭha zurückgehen (unsicher). „Ammaka“ bleibt eine ansonsten nicht identifizierte Figur. „Palpūlanī“ (die fortzuwerfenden Tücher) ist lexikalisch unsicher. Die Verse wiederholen teilweise wörtlich die Vala-Strophe aus 3.234/236. Die drei Stammesnamen-Ätiologien (Naṃśu, Āyogava, Vasāti) zeigen im Sanskrit-Original eine Dittographie (die ersten beiden Zeilen wiederholen sich vor der dritten Auflösung) – hier, wie schon bei 3.208, nur einmal übersetzt statt stillschweigend geglättet. Die Erzählung setzt sich in 3.239 fort.]
tad u haiva kumārikāḥ krīḷantīr jahuḥ. sa eva yauṣito girir abhavat. atha havā imāni vanānīmāś ca nadyau ’paratāra āsa purā sindhor āsuḥ. tau ha paścāt parītya prācīḥ prarurudhatuḥ. tato yāny ukṣaśardhatāny āsaṃs, tānīmāni lavaṇāni. atha ye tasthus, ta ete kṣudrā vanaspatayo ’bhavan. atha ha vā imāni pīrustacchamaitad, atha yā nadīs tārayāṃcakrus, tā imā nadyo vivasatihottamās tārayāṃcakruḥ. tāsu ha tāryamāṇāsu sindhor apriyam āsa. sa hovāca - nanu brahmeti śuśruma gāthinaṃ pitaraṃ tava. kutas tvā sahasram āgamad viśvāmitra balaṃ tava. iti. sa hovāca uta putro mamatāyai garbhe dīrghatamā vadan. vipaścit tad abhyajāyata yajñasyāṃgāni kalpayan. kathodanvaḥ paṇāyasi iti. tato vai te tān paśūn avindanta. tad etat paśavyaṃ sāma. ava paśūn runddhe bahupaśur bhavati ya evaṃ veda. yad u viśvāmitro ’paśyat tasmād vaiśvāmitram ity ākhyāyate. tad aiḷam acchāvākasāma bhavati. paśavo vā iḷā. paśuṣv evaitat prati - tiṣṭhanti
Und da warfen auch spielende Mädchen etwas fort. Eben das wurde der Frauenberg. Nun waren diese Wälder und diese beiden Flüsse einst jenseits des Sindhu. Diese beiden gingen von hinten herum und stauten die östlichen Gewässer. Was damals kraftvoll wie Stiere war, das sind diese Salzstellen. Die aber stehen blieben, die wurden zu diesen kleinen Bäumen. Und dies wurde zur Erquickung. Und die Flüsse, die hinüberhalfen, diese Flüsse halfen den in den besten Wohnsitzen Angesiedelten hinüber. Während diese hinübergesetzt wurden, war der Sindhu missgestimmt. Er sprach: »Haben wir nicht gehört, dass Gāthin, dein Vater, ein Brahmane war? Woher ist dir dann, Viśvāmitra, diese tausendfache Kraft zugekommen?« Er sprach: »Auch bin ich ein Sohn - der Mamatā, im Mutterleib redend als Dīrghatamas. Als Kundiger wurde er daraufhin geboren, die Glieder des Opfers ordnend. Wie kannst du da feilschen, o Wasserreicher?« Da erlangten sie tatsächlich jene Tiere. Dies ist das viehbringende Sāman. Er sichert Tiere, er wird reich an Tieren, der so weiß. Und weil Viśvāmitra dies erschaute, wird es ›Vaiśvāmitra‹ genannt. Das ist ein iḷā-verbundenes Acchāvāka-Sāman. Tiere nämlich sind Iḷā. Eben in Tieren finden sie festen Halt.
[Anm.: Setzt die Vaiśvāmitra-Erzählung aus 3.238 fort und ist eng verwandt mit dem berühmten Fluss-Dialog-Hymnus RV 3.33 (Viśvāmitra vs. Vipāś/Śutudrī). Gāthin (Gādhi) ist der real bezeugte Vater Viśvāmitras. Der Verweis auf Dīrghatamas, den im Mutterleib redenden Sohn der Mamatā (RV 1.147–164, einer der berühmtesten Ṛṣis der vedischen Tradition), ist ein bemerkenswerter Quervergleich, mit dem Viśvāmitra seine eigene außergewöhnliche Kraft rechtfertigt. Mehrere Ausdrücke bleiben stark unsicher: „yauṣito girir“ (Frauenberg) und die vorausgehende Handlung der spielenden Mädchen, „ukṣaśardhatāni“, sowie die vermutlich verderbte Passage „pīrustacchamaitad“ – hier nur tentativ wiedergegeben.]
»Es brüllte der Ozean im höchsten Vidharman« - denn das Pferd nämlich ist das Höchste der Tiere, der Ozean das Höchste, der neunte Tag das Höchste; deshalb werden diese am neunten Tag ausgeführt. »Nachkommenschaft erzeugend, der Hüter der Welt« - so sind dies ›zeugungshaltige‹ Verse. Zeugungshaltig nämlich ist das Merkmal der Jagatī. Dieser Tag ist ein Jagata-Tag. »Der Bulle, auf der Läuterung, auf der Schaffell-Höhe, der hohe Soma ist erstarkt, tönend der Preßstein.« - so sind dies ›bullenhaltige, erhabenheitshaltige‹ Verse - das Merkmal des Bṛhat. Dieser Tag ist ein Bārhata-Tag. »Groß hat jenes der Soma, der Büffelhafte, gewirkt.« Denn dies ist ein großer Tag, der achtundvierzigste. »Der Keim der Gewässer, der die Götter erwählte. Der sich Läuternde legte in Indra Kraft, der Tropfen erzeugte in der Sonne Licht.« - so sind dies ›zeugungshaltige‹ Verse. Vom Morgenguss aus erzeugen sie eben diesen neunten Tag. »Erfreue Vāyu zum Wunsch und zur Gabe, erfreue, dich läuternd, Mitra und Varuṇa. Erfreue die Marut-Schar, erfreue die Götter, erfreue Himmel und Erde, o Gott Soma.« So wird dies allgötterlich. Denn dieser jagatische Tag ist der Allgötter-Tag.
[Anm.: Die Tageszahl steigt hier auf den achtundvierzigsten Tag (vgl. den vierundvierzigsten in 3.230); „Vidharman“ knüpft an das in 3.231 behandelte Dharma/Vidharma-Begriffspaar an. Die wiederkehrende „X-vatīḥ...rūpam“-Verstechnik (Textklassifizierung nach enthaltenem Stichwort) setzt sich hier fort.]
tā etā bhavanti triṣṭubho jagadvarṇā ahno rūpeṇa samṛddhāḥ. yatra vā ahārūpeṇa samardhayanti saṃ tatrardhyate. sam asmā ṛdhyate ya evaṃ veda. eṣa devo amartya iti sūktam anurūpo bhavati - paśavo vai sūktam. paśavaś chandomāḥ - paśūnām evāvaruddhyai. atho bhūmā vai paśavaḥ. bhūmā sūktam. paśūnām evaitat paśūn anurūpān kurvanti. nātra pratyakṣānurūpān kurvanti. tasmāt paśavo nānārūpān janayanty - uta śvetā. kṛṣṇaṃ janayaty, uta kṛṣṇā śvetam, uta rohiṇī kanmāṣam, uta kanmāṣī rohitam. tās samānaprabhṛtayo bhavanti nānodarkāḥ - eṣa devo amartya, eṣa devo vipā kṛta, eṣa devo vipanyubhir iti. idaṃ vai prathamaṃ padam, idaṃ dvitīyaṃ, adas tṛtīyam. tad āhuḥ preva vā ete ’smāl lokāc cyavante ye dvādaśāhayājinaḥ. antam iva hi gacchanti tad yad etās samānaprabhṛtayo bhavanti nānodarkāḥ. asminn evaital loke pratitiṣṭhanti. nānā - prabhṛtayas samānodarkāṣ ṣaṣṭhe ’han bhavanti. amuṣminn u tābhir loke pratitiṣṭhanti
Diese lauten: Triṣṭubh- und Jagatī-farbene Verse, durch die Gestalt des Tages bereichert. Wo immer sie durch die Tagesgestalt bereichern, dort wird entsprechend bereichert. Ihm wird entsprechend bereichert, der so weiß. »Dieser Gott ist unsterblich« - so ist das Sūkta entsprechend. Tiere nämlich sind das Sūkta. Tiere sind die Chandomas - eben zur Sicherung der Tiere. Und auch: Fülle nämlich sind die Tiere. Fülle ist das Sūkta. Dies macht eben die Tiere den Tieren entsprechend. Dabei machen sie sie nicht unmittelbar sichtbar entsprechend. Deshalb erzeugen die Tiere verschiedenfarbige Nachkommen - so erzeugt die weiße Kuh ein schwarzes Kalb, die schwarze ein weißes, die rotbraune ein geschecktes, die gescheckte ein rotes. Diese haben denselben Anfang, aber verschiedene Fortsetzungen: »Dieser Gott ist unsterblich«, »Dieser Gott ist durch Dichtung gewirkt«, »Dieser Gott mit den Sängern«. Dies ist die erste Zeile, dies die zweite, jenes die dritte. Dazu sagt man: Diejenigen, die den Zwölftagesritus opfern, weichen gleichsam allmählich aus dieser Welt. Denn sie gehen gleichsam dem Ende zu, weil diese denselben Anfang, aber verschiedene Fortsetzungen haben. In eben dieser Welt finden sie festen Halt. Verse mit verschiedenem Anfang, aber derselben Fortsetzung, treten am sechsten Tag auf. In jener Welt finden sie durch diese festen Halt.
[Anm.: Abstrakter, strukturell-symbolischer Abschnitt: Verse mit gleichem Anfang/verschiedener Fortsetzung werden dieser Welt, Verse mit verschiedenem Anfang/gleicher Fortsetzung jener Welt zugeordnet. Die Kuh-Kalb-Farbanalogie knüpft an 3.175/3.206 an. „Preva“ (gleichsam allmählich) ist nur tentativ übersetzt.]
daśarcaṃ bhavati - daśākṣarā virāṭ. annaṃ virāḍ - virāja evānnādyasyāvaruddhayai. aṣṭarcaṃ bhavati. aṣṭācatvāriṃśam evaivaitena stomam abhivadati. atho aṣṭākṣarā vai gāyatry - aṣṭāśaphāḥ paśavaḥ. paśavaś chandomāḥ - paśūnām evāvaruddhayai. indro vai vṛtram ahan. taṃ vṛtraṃ jaghnivāṃsam ebhyo lokebhyas sarvāṇi bhūtāny anvavadann - eṣa vīra, eṣa vṛtrahati. vīryam evāsmiṃs tad abhipūrvam adadhuḥ. vīryam iva vā eṣa cakrivān bhavati vṛtram iva jaghnivān ya etad ahar āgacchati. tad yad eṣa iti bhavati vīryam evāsmiṃs tad abhipūrvaṃ dadhati. tad āhur ṛtumān pṛṣṭhayaṣ ṣaḍaho ’nṛtavaś chandomāḥ. anṛtāv iva vā ete pratiṣṭhitā yac chandomā iti. tad yad etāni pañcarca ṣaḍṛcāni bhavanti tenaivartumantaś chandomāḥ kriyante. sa vānuttamaṣ ṣaḍṛco bhavati. yadā vai pratyakṣaṃ bhavaty athaiṣa ity ācakṣate, yadā parokṣam atha sa iti. parokṣam ivaite yanti ya etad ahar āgacchanti. tasmāt sa vānuttamaṣ ṣaḍṛco bhavati yena prayanti. tenodyanti. aṣṭācatvāriṃśa stomo bhavati. aṣṭācatvāriṃśadakṣarā vai jagatī. paśavo jagatī. paśavaś chandomāḥ. paśuṣv evaitaj jagatyāṃ pratitiṣṭhanto yanti
Es wird zehnversig - zehnsilbig ist die Virāj. Speise ist die Virāj - eben zur Sicherung von Speise und Nahrung durch die Virāj. Es wird achtversig. Damit spricht man eben den achtundvierzigfachen Stoma an. Und auch: achtsilbig nämlich ist die Gāyatrī - achthufig sind die Tiere. Tiere sind die Chandomas - eben zur Sicherung der Tiere. Indra erschlug Vṛtra. Alle Wesen begrüßten diesen Vṛtra-Erschläger, der aus jenen Welten kam: »Dies ist der Held, dies ist der Vṛtra-Töter.« Eben dadurch legten sie ihm vorrangig Heldenkraft bei. Wie einer, der eine Heldentat vollbracht hat, wie einer, der Vṛtra erschlagen hat, ist, wer an diesem Tag ankommt. Weil ›dieser‹ als Gruß ergeht, legen sie ihm eben dadurch vorrangig Heldenkraft bei. Dazu sagt man: Der sechstägige Pṛṣṭhya-Abschnitt ist geordnet, die Chandomas sind ungeordnet. Wie ungeordnet, so sind eben diese, die Chandomas, festgesetzt. Weil diese fünfversig und sechsversig werden, werden dadurch die Chandomas geordnet gemacht. Und jenes wird zum unübertroffenen Sechsversigen. Wenn nämlich etwas sichtbar ist, dann nennt man es ›dieser‹; wenn es verborgen ist, dann ›jener‹. Wie verborgen gehen eben diese, die an diesem Tag ankommen. Deshalb wird jenes zum unübertroffenen Sechsversigen, durch das sie voranschreiten. Dadurch steigen sie empor. Es wird ein achtundvierzigfacher Stoma. Achtundvierzigsilbig nämlich ist die Jagatī. Tiere sind die Jagatī. Tiere sind die Chandomas. Eben in Tieren, in der Jagatī festen Halt findend, gehen sie.
[Anm.: „Achthufig“ (aṣṭāśapha) folgt der üblichen vedischen Zählweise: vier Beine mit je zweigeteiltem Huf. Die Unterscheidung ›dieser‹ (sichtbar) / ›jener‹ (verborgen) knüpft an das Pratyakṣa/Parokṣa-Begriffspaar an, das dem Prinzip der parokṣapriyatva aus 3.104/3.117 zugrunde liegt.]
aganma mahā namasā yaviṣṭham iti gadvanty ājyāni bhavanti. gacchantīva vā ete ya etad ahar āgacchanti. yo dīdāya samiddha sve duroṇa iti dīdyanty evainam etena. citrabhānuṃ rodasī antar ūrvī itīme ha vāva rodasī idam evāntarikṣaṃ marutaḥ. svāhutaṃ viśvataḥ pratyañcam iti pratyaṅ hy eṣa triyahas tāyate. sa mahnā viśvā duritāni sāhvān iti viśvavatīr bhavanti. vaiśvadevaṃ hy etad ahaḥ. agni ṣṭave dama ā jātavedāḥ. sa no rakṣiṣad duritād avadyād asmān gṛṇata uta no maghonaḥ. ity āśiṣam evaitenāśāste. tvaṃ varuṇa uta mitro agna ity āgnāvāruṇī bhavati, duriṣṭasyaivāveṣṭayai. yad dha vai kiṃ ca yajñasya duṣṭutaṃ duśśastaṃ vidhuraṃ tasya ha vā eṣā veṣṭayai. tvāṃ vardhanti matibhir vasiṣṭhā iti vṛddhaṃ hy etad ahaḥ. tve vasu suṣaṇanāni santu yūyaṃ pāta svastibhis sadā na ity āśiṣam evaitenāśāste
»Wir sind mit großer Ehrerbietung zum Jüngsten gekommen« - so sind dies ›gehende‹ Ājya-Verse. Denn wie gehend sind eben diese, die an diesem Tag ankommen. »Der geleuchtet hat, entzündet in seiner eigenen Wohnstatt« - so lassen sie ihn eben damit leuchten. »Den Glanzstrahlenden, zwischen den beiden weiten Welthälften« - eben diese sind fürwahr die beiden Welthälften; eben dies ist der Luftraum, dort weilen die Maruts. »Wohlbegossen, allseits zugewandt« - denn dieser Dreitageszeitraum erstreckt sich ja zugewandt. »Er, der durch Größe alle Nöte überwunden hat« - so sind dies ›allhaltige‹ Verse. Denn dieser Tag ist der Allgötter-Tag. »Agni wird im Hause gepriesen, der Allwissende. Er möge uns vor Not bewahren, vor Tadel, uns, die wir preisen, und unsere Gönner.« - damit erbittet er eben einen Segenswunsch. »Du, Varuṇa, und auch Mitra, o Agni« - so wird dies ein Āgnāvāruṇī-Vers, eben zur Abwendung eines missglückten Opfers. Was auch immer am Opfer schlecht gepriesen, schlecht rezitiert oder mangelhaft ist - dafür eben dient dies zur Abwendung. »Dich stärken die Vasiṣṭhas mit Einsichten« - denn dies ist ein gereifter Tag. »In dir mögen gute, leicht zu gewinnende Güter sein; möget ihr uns immer mit Segen schützen« - damit erbittet er eben einen Segenswunsch.
[Anm.: „Jātavedas“ ist ein Standard-Beiname Agnis. Vasiṣṭha erscheint hier als Verfasser-Kollektiv der Preislieder, in Übereinstimmung mit seiner sonstigen häufigen Präsenz im Text. Die „duriṣṭa“-Abwendungsformel (Reparatur eines missglückten Opfers) ist ein wiederkehrendes rituelles Konzept.]
pra mitrayor varuṇayor iti maitrāvaruṇaṃ bhavati. stomo na etu śūṣyaḥ. namasvān tuvijātayoḥ. iti janadvat. navamam evaitenāhaḥ prajanayanti. yā dhārayanta devā iti dhṛtyai. antam iva hy etarhi gacchanti, chāndomebhyo net parāñco ’tipadyāmahā iti. sudakṣā dakṣapitarā. asuryāya pramahasā. tā naḥ stipā tanūpā varuṇā jaritṝṇām. mitra sādhayataṃ dhiyaḥ. iti siddhyā eva. mahaṃ indro ya ojasety aindraṃ bhavati. mahad dhy etad ahar yad aṣṭācatvāriṃśam. parjanyo vṛṣṭimaṃ iva. stomair vatsasya vāvṛdhe. iti vṛddhaṃ hy etad ahaḥ. kaṇvā indraṃ yad akrata stomair yajñasya sādhanam iti siddhyā eva. prajām ṛtasya piprata iti janadvat. navamād evaitad ahno daśamam ahaḥ prajanayanti. navamād vā etad ahnaḥ prajātaṃ yad daśamam ahaḥ. yad dvitīyasyāhna aindrāgnaṃ tad aindrāgnaṃ bārhatam. bārhataṃ hy etad ahaḥ. samayīny ājyāni bhavanti. nānāgrāmāv iva ha vā etau yat pṛṣṭhayaś ca ṣaḍahaś chandomāś ca. sa yathā nānāgrāmau mitrāṇi vyatiṣajyābhaya āsīyātāṃ tādṛk tad yat samayīny ājyāni bhavanti. asamayīni haike kurvanti. tasmāt samayīny eva kāryāṇi. aṣṭācatvāriṃśa stomo bhavati. aṣṭācatvāriṃśadakṣarā vai jagatī. paśavo jagatī. paśavaś chandomāḥ. paśuṣv evaitaj jagatyāṃ pratitiṣṭhanto yanti
»Voran, der beiden Mitra, der beiden Varuṇa« - so wird dies ein Maitrāvaruṇa-Vers. »Der kraftvolle Stoma möge zu uns kommen. Ehrerbietig, zu den beiden Mächtiggeborenen.« - so ist dies ›zeugungshaltig‹. Damit erzeugen sie eben den neunten Tag. »Welche die Götter hielten« - zur Stütze. Denn sie gehen jetzt gleichsam dem Ende zu: »Mögen wir nicht, abgewandt, über die Chandomas hinausschreiten.« »Wohlgeschickt, Väter der Geschicklichkeit. Zur Herrschermacht, gewaltig mächtig. Diese beiden, Hüter der Wohnstatt, Hüter des Leibes, der Sänger - Mitra, Varuṇa, vollendet die Gedanken.« - eben zur Erfüllung. »Groß ist Indra durch seine Kraft« - so wird dies ein Aindra-Vers. Denn dies ist ein großer Tag, der achtundvierzigsilbige. »Wie der regenreiche Parjanya, ist er durch die Preislieder des Kalbes erstarkt.« - denn dies ist ein gereifter Tag. »Was die Kaṇvas für Indra mit Preisliedern bewirkten, ist die Vollendung des Opfers.« - eben zur Erfüllung. »Sie füllen die Nachkommenschaft der Ordnung« - so ist dies zeugungshaltig. Vom neunten Tag aus erzeugen sie eben diesen zehnten Tag. Denn dieser zehnte Tag ist ja aus dem neunten Tag hervorgegangen. Was am zweiten Tag das Aindrāgna war, das Aindrāgna ist nun das Bārhata. Denn dies ist ein Bārhata-Tag. Die Ājya-Verse werden ›übereinstimmend‹. Denn diese beiden, der sechstägige Pṛṣṭhya-Abschnitt und die Chandomas, sind gleichsam wie zwei verschiedene Dörfer. So wie die Bewohner zweier verschiedener Dörfer, Freundschaften austauschend, furchtlos beisammensitzen könnten, ebenso ist es, dass die Ājya-Verse ›übereinstimmend‹ werden. Manche machen sie ›nicht-übereinstimmend‹. Deshalb sollen nur ›übereinstimmende‹ ausgeführt werden. Es wird ein achtundvierzigfacher Stoma. Achtundvierzigsilbig nämlich ist die Jagatī. Tiere sind die Jagatī. Tiere sind die Chandomas. Eben in Tieren, in der Jagatī festen Halt findend, gehen sie.
[Anm.: Das Zwei-Dörfer-Freundschafts-Gleichnis für „übereinstimmende“ Ājyas wiederholt fast wörtlich die in 3.180 etablierte Formel – bestätigt dies als festen technischen Terminus des Textes. Kaṇva knüpft an die zahlreichen früheren Belege an. Die Passage „manche machen es anders, aber nur X soll getan werden“ folgt dem etablierten normativen Debatten-Muster (vgl. 3.156, 3.175, 3.231).]
pavamānasya jighnata iti bṛhato rūpaṃ, hareś candrā iti jagatyai. pavamāno rathītamaś śubhrebhiś śubhraśastamaḥ. hariścandro marudgaṇaḥ. iti marutvatīr bhavanti. marutvad vai madhyandinasya rūpam. madhyandinasyaiva tad rūpān na yanti. pavamāna vy aśnuhīti vaiśvadevaṃ rūpam upagacchanti. vaiśvadevaṃ hy etad ahaḥ. tā ghnadvatīr bhavanti. anto navamam ahaḥ. antam evaitad āgatyaitābhis sarvaṃ pāpmānam apaghnate. tāsu gāyatram uktabrāhmaṇam. atha gātuvinnidhanam. gātuṃ vindāmahā iti satram āsate. gātum eva vindante. tad upariṣṭobhavad bhavati bahirnidhanaṃ bārhatam. tasmād bārhate ’han kriyate. tad v evācakṣate bharadvājasyādārasṛd iti. kṣatraṃ vai prātardanaṃ dāśarājñe daśarājānaḥ paryayatanta mānuṣe. tasya ha bharadvājaḥ purohita āsa. tam upādhāvad - ṛṣa, upa tvā dhāvāma. iha naḥ prajānīhīti. so ’kāmayata bharadvājo - jayema saṃgrāmam iti. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. so ’bravīta stutvā - ā vai na indro havaṃ gamiṣyati. jeṣyāmo vā imaṃ saṃgrāmam iti
»Des sich läuternden, schlagenden« - das Merkmal des Bṛhat; »des goldenen, schimmernden« - für die Jagatī. »Der sich Läuternde, bester Wagenlenker, mit den Glänzenden der Glänzendste. Goldschimmernd die Marutschar.« - so sind dies ›marutshaltige‹ Verse. Marutshaltig nämlich ist das Merkmal des Mittagsgusses. Von diesem Merkmal des Mittagsgusses weichen sie nicht ab. »O sich Läuternder, durchdringe!« - so nähern sie sich dem Allgötter-Merkmal. Denn dies ist der Allgötter-Tag. Diese werden ›schlagenhaltig‹. Der neunte Tag ist das Ende. Am Ende eben angekommen, schlägt man damit alles Übel hinweg. Unter ihnen ist das Gāyatra bereits erklärt. Nun das Gātuvid-Nidhana. »Wir finden den Weg« - so nehmen sie an der Sattra-Sitzung teil. Sie finden eben den Weg. Das wird zu einem oberen Stobha, einem äußeren Nidhana des Bārhata. Deshalb wird es am Bārhata-Tag ausgeführt. Das nennt man auch ›Bharadvājas Ādārasṛt‹. Kṣatra, das fürwahr ist Prātardana. In der Zehnkönigsschlacht zogen die zehn Könige gegen die Mānuṣa. Dessen Purohita war Bharadvāja. Er wandte sich an ihn: »O Seher, wir eilen zu dir. Sorge hier für uns!« Bharadvāja wünschte: »Möchten wir doch die Schlacht gewinnen!« Er erschaute dieses Sāman. Mit ihm stimmte er den Lobgesang an. Er sprach, nachdem er den Lobgesang angestimmt hatte: »Indra wird gewiss zu unserem Ruf kommen. Wir werden diese Schlacht gewinnen!«
[Anm.: Beginnt die Erzählung von der berühmten Zehnkönigsschlacht (Dāśarājña, vgl. RV 7.18, 7.33, 7.83) – eine der zentralen halbhistorischen Episoden des Ṛgveda. Bemerkenswert: Die Standardüberlieferung schreibt die Rolle des siegreichen Purohita in dieser Schlacht Vasiṣṭha zu (Gönner: König Sudās); hier erscheint stattdessen Bharadvāja in dieser Rolle, und der verteidigte König wird nicht namentlich genannt – vermutlich eine abweichende, eigenständige Traditionslinie dieses Textes. „Kṣatraṃ vai prātardanam“ bleibt doppeldeutig: Bezug auf den später (u.a. in der Kauṣītaki-Upaniṣad) bezeugten König Prātardana, oder abstrakte Umschreibung des Kriegertums. „Mānuṣe“ bleibt ebenfalls unsicher. Die Erzählung wird in 3.246 fortgesetzt.]
atha hopamā sāvedasī kalyāṇy āsa kṣatrasya prātardanasya jāyā. tasyai ha bhrātaraṃ jaghnuḥ. tad dha dhuvanam āsa. tāṃ ha paridhāvantīm indro ’bhidadhyau. sa ha śuṣkājinaṃ paridhāyābhyaveyāya. tasya ha vivadhe apūpamūta itarārdhe ’pāsakta āsāmikṣā sarpiṣā saṃyatetarārdhe. sa hāsyā antikaṃ nartituṃ dadhre. tāṃ ha sma nayat sarpiṣā pralimpati. taṃ ha sma yad apasedhaty, athā ha smāsyā antikam eva nṛtyati. sāyam āsa, vyapeyuḥ. tāṃ ha patiḥ papraccha - kim atra kiñcid divādo ’drākṣīr iti. sā hovāca - na nu tato ’nyat, sthavira eva me ’dyāntikam anartīt. tasya vivadhe ’pūpamūta itarārdhe ’pāsakto ’bhūd āmikṣā sarpiṣā saṃyatetarārdhe. taṃ yad apāsīt sa mathamedyāntikam evānartīd iti. sa hovācā vai na indro havam agamat. jeṣyāmo vā imaṃ saṃgrāmam
Nun war Upamā Sāvedasī, die Schöne, fürwahr die Gattin des Kṣatra Prātardana. Ihren Bruder erschlugen sie. Das war fürwahr ein Erschüttern. Sie, umherlaufend, betrachtete Indra sehnsüchtig. Er näherte sich, ein trockenes Fell umgelegt. An seiner Tragstange war auf der einen Seite ein Kuchen befestigt, auf der anderen mit Ghee vermengte Dickmilch gebunden. Er nahm sich vor, in ihrer Nähe zu tanzen. Er pflegte dabei umherzuführen und mit Ghee zu bestreichen. Wann immer sie ihn wegzuscheuchen suchte, tanzte er nur eben umso mehr in ihrer Nähe. Es war Abend, sie gingen auseinander. Ihr Gemahl fragte sie: »Hast du dort heute etwas gesehen?« Sie sagte: »Nichts weiter als das: Nur ein Alter hat heute in meiner Nähe getanzt. An seiner Tragstange war auf der einen Seite ein Kuchen befestigt, auf der anderen mit Ghee vermengte Dickmilch gebunden. Wann immer ich ihn wegtrieb, tanzte er eben erst recht in meiner Nähe.« Da sprach er: Fürwahr, zu unserem Ruf ist Indra gekommen; wir werden diese Schlacht gewiss gewinnen.
[Anm.: Setzt die Dāśarājña-Erzählung aus 3.245 unmittelbar fort und löst deren Cliffhanger ein: Der geheimnisvolle tanzende Alte erweist sich als der verkleidete Indra. »Kṣatrasya Prātardanasya« (Genitiv, ›Gattin des Kṣatra Prātardana‹) stützt die in 3.245 begonnene Vermutung, dass ›Kṣatra‹ hier als festes Namens-/Titelelement fungiert, nicht nur als abstrakte Umschreibung; die Doppeldeutigkeit bleibt aber bestehen, da in 3.248 dieselbe Person offenbar auch ›Kṣatra Mānuṣa‹ heißt. ›Dhuvana‹ (hier: Erschüttern) ist lexikalisch unsicher. Der Schlusssatz ist ein bewusster Mitten-im-Zitat-Bruch (wie bereits 3.167/169): Die Rede des Gemahls setzt sich unmittelbar in 3.247 fort und wird dort mit vollständiger »...«-Zitatmarkierung fortgeführt; hier daher unquotiert wiedergegeben.]
indro vai so ’bhūt, taṃ moddhiṃsiṣṭhās, taṃ sakhīkṛtya brūtāj - jayāma saṃgrāmam iti. śvo ha bhūte parisasruḥ. sa hāyaṃ tādṛśenaiva vivadhena parastarām iva nartituṃ dadhre. taṃ ha sma yat prepsyaty, atha ha smetaraḥ parastarām eva. sā hekṣāñcake - hantainam abhivadānīti. taṃ hābhyuvāda - kiṃ te majāka mūta iti. ya kalpitopanarāhi itīndraḥ. vi te majāka śīyatāṃ mahato joṣavājina ity upamā sāvedasī. vi cet putraka śīyātai sam it tac cinavat pitā itīndraḥ viṣaṃ majāka te bhūyāt prāvabhrāv eva sarpata ity upamā sāvedasī. viṣaṃ cit putrakā satī mṛgaṃ tena hanat pitā itīndraḥ. paro majāka dhāvānukūlaṃ pathaiva yan ity upamā sāvedasī. paraś cit putrakā saty upakūlaṃ pitāyati itīndraḥ. priyo me mahiro dṛśe hastenābhimṛśāt tata ity upamā sāvedasī. himiti sma kuruthā pevasma hastam asyatha kimobhūt kathobhūt kathārme mahiraḥ priyo hastenābhimṛśāt tata itīndraḥ. evo ’bhūt tato ’bhūt yathā te mahiraḥ priyo hastenābhimṛśāt tata ity upamā sāvedasī
»Das war ja Indra selbst. Tut ihm nichts zuleide; macht ihn zum Freund und sprecht zu ihm: ›Lasst uns die Schlacht gewinnen!‹« Als es Morgen wurde, eilten sie herbei. Er begann aufs Neue, mit einer ebensolchen Tragstange, gleichsam in größerer Entfernung, zu tanzen. Wann immer sie ihn zu erhaschen suchte, wich er nur noch weiter zurück. Sie dachte bei sich: »Wohlan, ich will ihn ansprechen!« Sie sprach ihn an: »Was ist mit dir, mein Alter, du Verstummter?« »Was bereitet ist, das kommt doch wieder heran, o Mensch« - so Indra. »Zerfalle, mein Alter, vom großen, lustvollen Renner« - so Upamā Sāvedasī. »Zerfiele es auch, mein Kind, so würde doch der Vater es wieder zusammenfügen« - so Indra. »Gift möge dir widerfahren, mein Alter; die beiden Braunen kriechen dahin« - so Upamā Sāvedasī. »Selbst mit Gift, mein Kind, erlegte doch der Vater damit ein Wild« - so Indra. »Weiter fort, mein Alter, lauf, dem Ufer entlang, nur den Weg entlanggehend« - so Upamā Sāvedasī. »Auch fern noch, mein Kind, zieht der Vater dem Ufer entlang« - so Indra. »Lieb ist mir der Mahira anzuschauen; mit der Hand möge er berühren, Vater« - so Upamā Sāvedasī. »Kalt, pflegtet ihr zu sagen, die Hand pflegtet ihr auszustrecken - was geschah da, wie geschah es, wie ward mir zuteil, dass der liebe Mahira mit der Hand berührte, Vater« - so Indra. »So geschah es, daher geschah es, wie dir der liebe Mahira mit der Hand berührte, Vater« - so Upamā Sāvedasī.
[Anm.: Vervollständigt den in 3.246 begonnenen Mitten-im-Zitat-Bruch. Die anschließende Wechselrede zwischen Upamā Sāvedasī und dem als Alten verkleideten Indra ist eine der sprachlich dunkelsten Passagen des bisherigen Übersetzungskorpus, stilistisch vergleichbar mit rätselhaften vedischen Dialoghymnen wie RV 10.86 (Vṛṣākapi, bereits bei 3.171 verglichen), auch wenn keine direkte Textparallele identifiziert werden konnte. Die Anredeformen »majāka« (ihrerseits an Indra) und »putraka«/»tata« (seinerseits an sie) bleiben in ihrer genauen Bedeutung unsicher; hier als reziproke Kosenamen gedeutet. Mehrere Einzelausdrücke sind nur tentativ übersetzt, insbesondere »mūta« (hier probeweise mit ›mūka‹, stumm, gleichgesetzt), »kalpitopanarāhi«, »prāvabhrau« (hier: ›die beiden Braunen‹) sowie die stark verdichtete Zeile »himiti sma kuruthā pevasma hastam asyatha kimobhūt kathobhūt kathārme«, deren Wortgrenzen im Sanskrit selbst unklar bleiben. Die Bezeichnung »mahira« ist nicht sicher identifiziert (möglicherweise verwandt mit ›mihira‹, Sonne, aber unsicher). Die Zuordnung der wörtlichen Reden erfolgt im Original charakteristisch NACH der jeweiligen Aussage (›... ity upamā sāvedasī‹ / ›... itīndraḥ‹) statt davor; diese refrainartige Struktur wurde in der Übersetzung bewusst beibehalten.]
taṃ hānusaṃdrutyovāca - jayāma saṃgrāmam iti. se hājinam upāghnāna uvāca - yathemām amūr vyupāpatati bhāsviti. evaṃ kṣatrasya mānuṣād vyupāpatata śatravaḥ. iti haivaiṇeyalomāni śātayāñcakre. te haivāśvarathā uttasthuḥ. tair vai sa taṃ saṃgrāmam ajayat. so ’bravīd bharadvājo - na vai dāre ’sṛnmeti. yad abravīd bharadvājo - na vai dāre ’sṛnmeti, tad evādārasṛto ’dārasṛtvam. tad etad vijitir bhrātṛvyahā sāma. vijayate hanti dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ, dāre dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ sārayati, nātmanā dāre dhāvayati. atho sendram eva. indro vā eṣām etena havam agacchad, āsyendro havaṃ gacchati ya evaṃ veda. tad v aṣṭākṣaraṇidhanaṃ bhavaty - aṣṭākṣarā vai gāyatrī. aṣṭāśaphāḥ paśavaḥ. paśavaś chandomāḥ - paśūnām evāvaruddhayai. yad u bharadvājo ’paśyat tasmād bharadvājasyādārasṛd ity ākhyāyate
Sie lief ihm nach und sprach: »Lasst uns die Schlacht gewinnen!« Er, das Fell abstreifend, sprach: »Wie dieser Glanz auf jene herabfällt, o Leuchtende!« So fielen von Kṣatra Mānuṣa die Feinde ab. So ließ er die Antilopenhaare fallen. Diese wurden wahrhaftig zu Rossen und Wagen und erhoben sich. Mit diesen gewann er fürwahr jene Schlacht. Da sprach Bharadvāja: »Wir haben sie wahrlich nicht in die Kluft getrieben.« Weil Bharadvāja sprach: »Wir haben sie wahrlich nicht in die Kluft getrieben«, das eben ist die Adārasṛt-heit des Adārasṛt. Dies ist das siegbringende, rivalentötende Sāman. Er siegt, erschlägt den hassenden Rivalen; er treibt den hassenden Rivalen in die Kluft, ohne selbst in die Kluft zu laufen. Und so gilt dies eben als mit Indra verbunden. Indra kam ja mit diesem zu ihrem Ruf; zu dessen Ruf kommt Indra, der so weiß. Dies hat nun ein achtsilbiges Nidhana - achtsilbig ist ja die Gāyatrī. Achthufig sind die Tiere. Tiere sind die Chandomas - eben zur Sicherung der Tiere. Und weil Bharadvāja dies erschaute, wird es ›Bharadvājas Adārasṛt‹ genannt.
[Anm.: Löst den in 3.245 begonnenen Dāśarājña-Cliffhanger auf: Der verkleidete Indra wirft sein Fell ab, und die abfallenden Antilopenhaare verwandeln sich wundersam in Rosse und Wagen, mit denen Bharadvāja die Schlacht gewinnt. »Kṣatrasya Mānuṣāt« - vermutlich derselbe König wie der in 3.246 genannte ›Kṣatra Prātardana‹, hier mit einem zweiten Beinamen; die Doppeldeutigkeit von ›Kṣatra‹ (Eigenname/Titel vs. abstrakte Umschreibung des Kriegertums, cf. 3.245) bleibt insgesamt ungeklärt. Der Ausruf »yathemām amūr vyupāpatati bhāsviti« ist lexikalisch unsicher (›bhāsviti‹ vermutlich für ›bhāsvatī iti‹). ›Dāra‹ (Kluft, Spalt) liefert die Etymologie für ›Adārasṛt‹ (›nicht in die Kluft Getriebener‹). »Aṣṭāśapha« (achthufig, d.h. mit geteilten Hufen) ist eine stehende vedische Bezeichnung für Vierfüßer/Rinder.]