Quellen der Menschheit

Jaiminīya-Brāhmaṇa · Kāṇḍa 3

Kapitel 15 Die Mutter der Versmaße: Wie die Anuṣṭubh verhüllt wurde

Im Zentrum dieses überwiegend technischen Kapitels steht die Anuṣṭubh als Ursprungsmutter aller Versmaße: 'Findet mich, ihr Versmaße, meine Söhnchen!', ruft sie, nachdem sie das Opfer erschaffen hat, und jedes Versmaß findet sie auf eigene, arithmetisch begründete Weise wieder. Ebenso lebhaft ist der Streit zwischen den Versmaßen Kakubh und Uṣṇih, die sich darüber uneins sind, wessen Silben wohin verschoben wurden, bis ein Kompromiss beiden je einen Vorrang zuweist – den im Vollzug der einen, den in der Nennung der anderen. Indra selbst 'dringt' nach dem Vṛtra-Kampf, an seinem Erfolg zweifelnd, in die 'ferne Ferne' der Anuṣṭubh und von dort in die Gāyatrī ein und verteilt dabei Silben zu gleichen Teilen – ein 'Indra-Griff' gegen jede Zauberei und jeden Rivalen. Ausdrücklich wird dabei die Anuṣṭubh 'verhüllt' gemacht, ganz nach dem Prinzip, dass die Opferherren sich sonst 'in die ferne Ferne' verlieren und keinen festen Halt fänden – ein weiterer Beleg des im ganzen Kāṇḍa verfolgten parokṣapriyatva-Prinzips. Ayāsya Āṅgirasa gewinnt im Wettstreit mit den Asuras durch dreimaligen ununterbrochenen Gāyatra-Gesang zugleich diese Welten und die drei Atemarten, während zwei weitere Sāmans sowohl die Götter als auch die von brennender Askese geplagten Ṛṣis mit nahem, lindernden Wasser besänftigen.

gāyatramukho vai prathamas triyahaḥ. tasmād ayam agnir ūrdhvo dīdāya. gāyatramadhyo dvitīyas triyahaḥ. tasmād ayaṃ vāyus tiryaṅ pavate. gāyatrottamas tṛtīyas triyahaḥ. tasmād asāv arvāṅ ādityas tapati. devāsurā aspardhanta. te ’bruvan yo nas trir anavānaṃ gāyatraṃ gāyati sa na imāṃś ca lokān saṃjayati prāṇāpānavyānāṃś ceti. so ’yāsya āṅgirasas trir anavānaṃ gāyatram agāyat. tenemāṃś ca lokān samajayat prāṇāpānavyānāṃś ca. sam imāṃś ca lokāñ jayati prāṇāpānavyānāṃś ca ya evaṃ vidvāṃs trir anavānaṃ gāyatraṃ gāyati. yo vā agniṣṭomena daśāhaṃ kalpamānaṃ veda kalpate ’smai prātassavanenaiva prathamas tryahaḥ, kalpate mādhyandinena dvitīyas, tṛtīyasavanena tṛtīyo, ’gniṣṭomasāmnaiva daśamam ahaḥ kalpate. kalpate ’smai ya evaṃ veda

Der erste Dreitageszeitraum hat die Gāyatrī am Anfang. Deshalb leuchtet dieser Agni nach oben. Der zweite Dreitageszeitraum hat die Gāyatrī in der Mitte. Deshalb weht dieser Vāyu querwärts. Der dritte Dreitageszeitraum hat die Gāyatrī am Ende. Deshalb brennt jener Āditya herabwärts, hierher gewandt. Götter und Asuras wetteiferten miteinander. Sie sprachen: »Wer von uns dreimal ohne Unterbrechung den Gāyatra-Gesang singt, der möge für uns sowohl diese Welten als auch die Ein-, Aus- und Durchatmung erobern.« Da sang Ayāsya Āṅgirasa dreimal ohne Unterbrechung den Gāyatra-Gesang. Damit eroberte er sowohl diese Welten als auch die Ein-, Aus- und Durchatmung. Er erobert sowohl diese Welten als auch die Ein-, Aus- und Durchatmung, wer, dies wissend, dreimal ohne Unterbrechung den Gāyatra-Gesang singt. Wer aber weiß, dass das Agniṣṭoma den Zehntagesabschnitt bewirkt: Für ihn gelingt eben durch die Morgenpressung allein der erste Dreitageszeitraum, durch die Mittagspressung gelingt der zweite, durch die dritte Pressung der dritte, durch das Agniṣṭoma-Sāman selbst gelingt der zehnte Tag. Es gelingt ihm, wer so weiß.

[Anm.: Ayāsya Āṅgirasa knüpft an die Āyāsya-Erzählung aus 3.187f./216 an. Die Agni/Vāyu/Āditya-Trias (aufwärts/querwärts/herabwärts) folgt dem geläufigen vedischen Erde-Luftraum-Himmel-Schema. Prāṇa/apāna/vyāna (Ein-, Aus-, Durchatmung) sind die drei klassischen vedischen Atemarten.]

athaitāny āprīr ājyāni bhavanti. prajāpatiḥ prajā asṛjata. sa sṛṣṭvā riricāno ’manyata. sa etāny āprīr ājyāny apaśyat. tair ātmānam āprīṇītāyātayāmatāyai. ricyante iva vā ete ya etad ahar āgacchanti. tad yad etāny āprīr ājyāni bhavanty ātmānam evaitair yajamānā āprīṇate ’yātayāmatāyai. aniruktāny ājyāni bhavanti chandasām anabhidharṣāya, pāpavasyasasya vivaktyai. vi pāpmanā vicyate ya evaṃ veda. aindrāgnam uttamaṃ padaṃ nirāha chandasām apraṇāśāya yajñasyānukhyātyai. anukhyātenaiva yajñena svargaṃ lokaṃ samaśnuvate. tad āhur yat sarvebhyo ’hobhyo daśamam ahas saṃbharanty, atha kenaiṣāṃ chandomā anantaritā bhavantīti. stomeneti brūyāt. caturviṃśaṃ saptamam ahar bhavati, caturviṃśaṃ daśamam ahaḥ. atho yad evaitat samayy ekam ājyaṃ bhavati teno eveti

Nun sind dies die Āprī-Ājyas. Prajāpati erschuf die Geschöpfe. Nachdem er sie erschaffen hatte, fühlte er sich, gleichsam vermindert, geschwächt. Er erschaute diese Āprī-Ājyas. Mit ihnen erquickte er sich selbst, zur Unverbrauchtheit. Wie vermindert sind fürwahr diese, die zu diesem Tag kommen. Dass es hier diese Āprī-Ājyas gibt: Damit erquicken sich die Opferherren eben selbst, zur Unverbrauchtheit. Die Ājyas bleiben unbestimmt, um die Versmaße nicht zu verletzen, zur Ausscheidung von Übel und dessen Steigerung. Vom Übel geschieden wird, wer so weiß. Das Indra-Agni-Wort spricht er als das letzte Wort aus, zur Unzerstörtheit der Versmaße, zur Erkenntnis des Opfers. Mit dem so erkannten Opfer gelangen sie zur himmlischen Welt. Dazu sagt man: »Weil sie von allen Tagen her den zehnten Tag zusammentragen - wodurch werden dann deren Chandomas ununterbrochen?« Er sollte sagen: »Durch den Stoma.« Vierundzwanzigfach ist der siebte Tag, vierundzwanzigfach der zehnte Tag. Und dass es hier an dieser Verbindungsstelle ein einziges Ājya gibt, eben dadurch geschieht dies.

[Anm.: ›Riricānaḥ‹ (vermindert, geschwächt) und ›ayātayāmatā‹ (Unverbrauchtheit) setzen das aus 3.278ff. bekannte Wortfeld fort. Der letzte Satz (»yad evaitat samayy ekam ājyaṃ bhavati teno eveti«) ist im Original stark verknappt; die Übersetzung gibt den vermuteten Sinn (eine gemeinsame Ājya-Verknüpfungsstelle sichert die Kontinuität) nur mit Vorbehalt wieder.]

uccā te jātam andhasety udvatīr utthānīye ’han bhavanty atho svargasyaiva lokasyābhyutkrāntyai. svargo hy eṣa loko yad daśamam ahaḥ. sa na indrāya yajyave varuṇāya marudbhya iti marutvatīr bhavanti. marutvad vai madhyandinasya rūpam. madhyandinasyaiva tad rūpān na yanti. enā viśvāny arya ā dyumnāni mānuṣāṇām. siṣāsanto vanāmahe. iti siṣāsadvatīr bhavanti. siṣāsanto hy evaitenāhnā svargaṃ lokaṃ gacchanti. tāsu gāyatram uktabrāhmaṇam. athāmahīyavam. prajāpater vā āmahīyavam. prājāpatyam etad ahaḥ. tad yad atrāmahīyavaṃ prājāpatye ’han kriyate ’har eva tad rūpeṇa samardhayanti. tenaibhyas samṛddhena svāyāṃ janatāyām ṛddhukaṃ bhavati. athājīkam ujjityai. devāsurā yajña ājim āyan. te devā akāmayantod imam ājiṃ jayemeti. ta etat sāmāpaśyan. tenāstuvata. tato vai te tam ājim udajayan. ājim ivaite yanti ya etad ahar āgacchanti. tad yad atrājīkaṃ bhavaty ujjityā eva. ujjayati ya evaṃ veda. tad vā ājīkam iti kavat prājāpatyaṃ sāmāhno rūpeṇa samṛddham. yatra vā ahārūpeṇa samardhayanti saṃ tatrardhyata. sam asmā ṛdhyate ya evaṃ veda

»Hoch war deine Geburt durch den Saft« - so sind dies ›aufsteigende‹ Verse, am Utthānīya-Tag, und zwar eben zum Emporsteigen zur himmlischen Welt. Diese ist ja jene Welt, die himmlische, nämlich der zehnte Tag. »Das für uns, Indra dem Opferwürdigen, Varuṇa, den Maruts« - so sind dies ›Marut-haltige‹ Verse. Marut-haltig nämlich ist das Merkmal des Mittags. Von eben diesem Merkmal des Mittags weichen sie nicht ab. »Mit diesem alle Glanztaten des edlen Menschengeschlechts - gewinnen wollend lieben wir sie.« So sind dies ›gewinnbegierige‹ Verse. Denn gewinnen wollend gehen sie eben mit diesem Tag zur himmlischen Welt. Unter diesen ist das Gāyatra bereits erklärt. Nun das Āmahīyava. Das Āmahīyava gehört fürwahr Prajāpati. Dies ist ein Prajāpati-Tag. Dass hier an diesem Prajāpati-Tag das Āmahīyava vollzogen wird, damit lassen sie eben den Tag selbst durch seine eigene Gestalt gedeihen. Dadurch, dass es ihnen gedeiht, entsteht in ihrer eigenen Sippe Gedeihen. Nun das Ājīka, zum Obsiegen. Götter und Asuras zogen zu einem Wettlauf beim Opfer aus. Die Götter wünschten: »Möchten wir doch diesen Wettlauf für uns entscheiden!« Sie erschauten dieses Sāman. Mit ihm stimmten sie den Lobgesang an. Da entschieden sie fürwahr diesen Wettlauf für sich. Wie in einem Wettlauf gehen fürwahr diese, die zu diesem Tag kommen. Dass hier das Ājīka stattfindet, eben zum Obsiegen. Er obsiegt, wer so weiß. Das eben ist das Ājīka - ein Prajāpati-Sāman, durch die Gestalt des Tages zum Gedeihen gebracht. Wo immer sie durch die Gestalt des Tages etwas gedeihen lassen, dort gedeiht es. Es gedeiht ihm, wer so weiß.

[Anm.: Der eingangs zitierte Vers erinnert an geläufige Soma-Pavamāna-Hymnensprache, ohne dass eine genaue Stellenidentifikation möglich war; ebenso der Vers ›enā viśvāny arya ā dyumnāni‹ mit dem Refrain siṣāsanto vanāmahe. Das Wort ›kavat‹ in der Schlussformel (wortgleich am Ende von 3.283 und 3.284) bleibt lexikalisch ungeklärt und wurde in der Übersetzung nicht eigens wiedergegeben.]

athābhīkam. devā vā akāmayantābhīkaṃ naś śivam āpa upaspṛśeyur iti. ta etat sāmāpaśyan. tenāstuvata. tato vai tān abhīkaṃ śivam āpa upāspṛśan. tad ābhīkasyābhīkatvam. abhīkaṃ ha vā enaṃ śivam āpa upaspṛśanti ya evaṃ veda. ṛṣayo vai tapas tepānā aśocan. te ’kāmayantābhīkaṃ naś śivam āpa upaspṛśeyur iti. ta etat sāmāpaśyan. tenāstuvata. tato vai tān abhīke ’bhyavarṣat. tad v evābhīkasyābhīkatvam. tad āpo vai śāntiḥ. śuśucānā ivaite tepānā iva bhavanti ya etad ahar āgacchanti. tad yad atrābhīkaṃ bhavati śuca evāpahatyai. tad vā ābhīkam iti kavat prājāpatyaṃ sāmāhno rūpeṇa samṛddham. yatra vā ahārūpeṇa samardhayanti saṃ tatrardhyate. sam asmā ṛdhyate ya evaṃ veda

Nun das Ābhīka. Die Götter wünschten: »Möge uns doch das gütige Wasser ganz nahe berühren!« Sie erschauten dieses Sāman. Mit ihm stimmten sie den Lobgesang an. Da berührte sie fürwahr das gütige Wasser ganz nahe. Das ist die Ābhīka-heit des Ābhīka. Ihn berührt fürwahr das gütige Wasser ganz nahe, wer so weiß. Die Seher, Askese übend, litten Qual. Sie wünschten: »Möge uns doch das gütige Wasser ganz nahe berühren!« Sie erschauten dieses Sāman. Mit ihm stimmten sie den Lobgesang an. Da regnete es fürwahr ganz nahe auf sie herab. Das eben ist ebenfalls die Ābhīka-heit des Ābhīka. Wasser nämlich ist Linderung. Wie brennend leidend, wie in Askese Glühende werden fürwahr diese, die zu diesem Tag kommen. Dass hier das Ābhīka stattfindet, eben zur Vertreibung der brennenden Qual. Das eben ist das Ābhīka - ein Prajāpati-Sāman, durch die Gestalt des Tages zum Gedeihen gebracht. Wo immer sie durch die Gestalt des Tages etwas gedeihen lassen, dort gedeiht es. Es gedeiht ihm, wer so weiß.

[Anm.: ›Abhīkam‹ bleibt in seiner genauen Bedeutung unsicher (etwa: unmittelbar, in nahem Andrang); die Übersetzung mit ›ganz nahe‹ folgt dem Kontext (Wasserberührung, Regen). Die Erzählung verdoppelt sich nach dem im Projekt etablierten Doppelätiologie-Muster (zunächst die Götter, dann die Seher als Urheber desselben Sāmans). Die Schlussformel wiederholt wortgleich jene aus 3.283 (Ājīka).]

athaitāḥ pratnaṃ pīyūṣaṃ pūrvyaṃ yad ukthyam iti satobṛhatayo bhavanti. anuṣṭub vai yajñam asṛjata. vāg vā anuṣṭup. prajāpatir vā anuṣṭup chandaḥ. so ’bravīd yajñaṃ sṛṣṭvā - chandāṃsi putrakā vindadhvam iti. tāny etayāvindanta. yad tripadā tena gāyatrī. uṣṇikkakubhau tayāvindanta. yad dvādaśākṣarāṇi padāni tena jagatī. teno evānuṣṭup. akṣarair eva bṛhaty avindata. yad dohavatī tena paṃktiḥ. āyatanena triṣṭup. yad viśvavatī tena sarvāṇi chandāṃsi. tāny etayaivāvindanta. vindate ya evaṃ veda. sarveṣāṃ vā eṣā chandasāṃ rasas tejas saṃbhṛtam. sarveṣām evaitac chandasāṃ rase tejasy aparājite chandasi yajñasyāntataḥ pratitiṣṭhanti

Nun sind dies, beginnend mit »Uralt ist der Frischtrank, der erste, der lobwürdige«, Satobṛhatī-Verse. Die Anuṣṭubh erschuf fürwahr das Opfer. Rede nämlich ist die Anuṣṭubh. Die Anuṣṭubh ist fürwahr das Prajāpati-Versmaß. Sie sprach, nachdem sie das Opfer erschaffen hatte: »Findet mich, ihr Versmaße, meine Söhnchen!« Diese fanden sie mit eben diesem: Insofern sie dreifüßig ist, dadurch die Gāyatrī; Uṣṇih und Kakubh fanden sie mit demselben. Insofern ihre Versfüße zwölf Silben haben, dadurch die Jagatī - eben dadurch auch die Anuṣṭubh selbst. Allein durch die Silbenzahl fand die Bṛhatī sie. Insofern sie ergiebig ist, dadurch die Paṅkti. Durch ihre Ausdehnung die Triṣṭubh. Insofern sie ›allhaltig‹ ist, dadurch alle Versmaße. Diese fanden sie eben mit dieser. Er findet, wer so weiß. Diese ist fürwahr der gesammelte Saft und Glanz aller Versmaße. In eben diesem Saft und Glanz aller Versmaße, im unbesiegten Versmaß, gründen sie sich am Ende des Opfers fest.

[Anm.: Der Eingangsvers ›pratnaṃ pīyūṣaṃ pūrvyaṃ yad ukthyam‹ klingt nach echter Soma-Hymnensprache, ohne genaue Stellenidentifikation. Die folgende dichte Versmaß-Numerologie (Fußzahl, Silbenzahl je Versfuß, Gesamtsilbenzahl) ordnet jedem Versmaß eine technische Entsprechung zur Anuṣṭubh zu; ›dohavatī‹ (etwa: ergiebig, milchspendend) bleibt in seiner genauen technischen Bedeutung unsicher. ›Viśvavatī‹ (allhaltig) knüpft an die bereits mehrfach verwendete ›-vatī‹-Kategorie an (cf. 3.261 u.ö.).]

tāḥ pratnavatīr bhavanti. prajāpatir vai pratnaḥ. prajāpatāv eva tat pratitiṣṭhanti. atho svargo vai lokaḥ pratnaḥ. svarga eva tal loke pratitiṣṭhanti. tāsāṃ sarvāsāṃ samāvadakṣarāṇi padāni bhavanti. tad yat samāvadakṣarāṇi padāni bhavanti tat satobṛhatīnāṃ satobṛhatītvam. sarvato ha vai bṛhad bhavati ya evaṃ veda. tad u hovāca yāmano bhrātalāyano - yadā vā etad ahar āgacchanty atha muhyanti. ato ’nyā bṛhatīḥ kurvate. punānas soma dhārayety eva bṛhatī kāryā. eṣā vai jñātā bṛhatī. yad dha vai bahavo yanto jñātamukhaṃ kṛtvā yanti sarve vāva te jñātā bhavanti. tad yat punānas soma dhārayeti bṛhatī bhavati tenaivaitad ahar jñātaṃ kriyate. bhūyāṃsi tu rūpāṇy aparādhyante. itarāṇy eva bhūyāṃsi rūpāṇi

Diese sind ›altehrwürdige‹ Verse. Prajāpati nämlich ist der Altehrwürdige. In eben Prajāpati gründen sie sich damit fest. Und die himmlische Welt ist ja auch die Altehrwürdige. In eben der himmlischen Welt gründen sie sich damit fest. Von all diesen haben die Versfüße eine gleiche Silbenzahl. Dass die Versfüße eine gleiche Silbenzahl haben, das ist die Satobṛhatī-heit der Satobṛhatī-Verse. Groß wird er von allen Seiten her, wer so weiß. Dazu sprach Yāmana Bhrātalāyana: »Wenn sie zu diesem Tag kommen, geraten sie in Verwirrung. Deshalb machen sie andere Bṛhatī-Verse. ›Läuternd, o Soma, halte dich‹ - eben dies sollte als Bṛhatī verwendet werden. Dies ist ja die bekannte Bṛhatī. Wenn nämlich viele, dahinziehend, mit bekanntem Antlitz vorangehen, werden sie alle fürwahr bekannt. Dass ›läuternd, o Soma, halte dich‹ die Bṛhatī ist, dadurch eben wird dieser Tag bekannt gemacht. Die meisten der übrigen Formen aber verfehlen ihr Ziel. Die übrigen Formen sind eben in der Mehrzahl.«

[Anm.: ›Pratnavatīḥ‹ knüpft an den Vers ›pratnaṃ pīyūṣam...‹ aus 3.285 an. Yāmana Bhrātalāyana ist ein sonst nicht näher bekannter Lehrer-Name. ›Punānas soma dhāraya‹ klingt nach einer geläufigen Soma-Pavamāna-Eröffnungsformel, ohne genaue Stellenidentifikation. Das Zitat endet im Original ohne die sonst übliche iti-Markierung; die Zitatgrenze wurde daher inhaltlich erschlossen.]

tad āhur na bubhūṣan bhūtabṛhatībhi stuvīta. bhūta evaitābhi stuvīta na bubhūṣann iti. bhūtā iva vā etā yāsāṃ dvādaśākṣarāṇi padāni. athemā bhaviṣyadbṛhatayaḥ punar ādāyena bṛhatyo bhavanti. tasmād bhūta eva bhūtabṛhatībhi stuvīta na bubhūṣann iti. tad u vā āhur - yāvad vai kṛtvo yajate tāvad bubhūṣati tāvat kāmayate - śreyān syāṃ śreyān syām iti. tasmād ubhayīr eva kāryā etayor ubhayoḥ kāmayor upāptyā iti

Dazu sagt man: »Wer nicht danach strebt zu werden, sollte nicht mit den Bhūta-Bṛhatīs preisen; nur wer bereits geworden ist, sollte mit diesen preisen, nicht wer danach strebt zu werden.« Wie ›Gewordene‹ sind fürwahr diese, deren Versfüße zwölf Silben haben. Diese Bhaviṣyat-Bṛhatīs aber werden durch erneutes Aufgreifen wieder zu Bṛhatīs. Deshalb sollte, wer bereits geworden ist, mit den Bhūta-Bṛhatīs preisen, nicht wer danach strebt zu werden. Dazu sagt man auch: »Sooft man wiederholt opfert, so sehr strebt man danach zu werden, so sehr begehrt man: ›Möchte ich vortrefflicher sein, möchte ich vortrefflicher sein!‹« Deshalb sollten eben beide Arten verwendet werden, zur Erlangung dieser beiden Wünsche.

[Anm.: Bhūta-Bṛhatī (›Gewordene‹-Bṛhatī, 12-silbige Versfüße) und Bhaviṣyat-Bṛhatī (›Werdende‹-Bṛhatī) sind grammatisch-liturgische Bezeichnungen für zwei Bṛhatī-Varianten, benannt nach der jeweiligen Zeitstufe (Perfekt/Partizip bhūta ›geworden‹ vs. Futurpartizip bhaviṣyat ›werdend‹). Die genaue rezitationstechnische Umsetzung von ›punar ādāyena‹ (durch erneutes Aufgreifen) bleibt unsicher.]

utsedhaniṣedhāv eva satobṛhatīṣu syātāṃ, yajñāyajñīyaṃ bhaviṣyadbṛhatyām. tathā hābhyāvartā bhavanty aparācīḥ. tad āhur na caturthāya chandase mādhyandinaḥ pavamānaḥ. tatsthānaś caturtham iva vā etac chandaḥ kriyata iti. tad yat bṛhatītarā bhavati bṛhatītarā tena samānacchandaḥ. tāsūtsedhaniṣedhau. utsedhena vā aṅgirasaḥ paśūn utsidhya niṣedhena niṣidhyodatiṣṭhan. utsedhenaivaitat paśūn utsidhya niṣedhena niṣidhya uttiṣṭhanti

Utsedha und Niṣedha sollten eben bei den Satobṛhatī-Versen stattfinden, das Yajñāyajñīya bei der Bhaviṣyat-Bṛhatī. So werden sie ›zugewandt‹ und nicht ›abgewandt‹. Dazu sagt man: »Der Mittags-Pavamāna gehört nicht zu einem vierten Versmaß. Doch an dessen Stelle wird dieses Versmaß gleichsam als ein viertes gemacht.« Dass es ›bṛhatī-artiger‹ wird, dadurch ist es von gleichem Versmaß. Unter diesen finden sich Utsedha und Niṣedha. Durch das Utsedha nämlich trieben die Aṅgirasas das Vieh hinauf, durch das Niṣedha hielten sie es zurück und standen auf. Durch eben das Utsedha treiben sie das Vieh hinauf, durch das Niṣedha halten sie es zurück und stehen auf.

[Anm.: Utsedha (›Hinauftreiben‹) und Niṣedha (›Zurückhalten‹) sind ein technisches Paar von Sāman-Elementen, deren Sinn erst durch die Aṅgirasas-Ätiologie hier und die in 3.289 folgende Gerichtshof-Analogie erschlossen wird.]

tāv antarā yajñāyajñīyaṃ bhavati. paśavo vai yajñāyajñīyam. etāṃs tān paśūn utsidhya ca niṣidhya cottiṣṭhanti. prajāpater vā etau prāṇāpānau. yad utsedhaniṣedhau bhavataḥ prāṇāpānābhyām eva tat samṛdhyante. pāpavasyasasya ha khalu vā ete vidāraṇaṃ sāmanī. rājasabham etad yad daśam ahnām. uc ca vai pāpīyāṃsaṃ sabhāyām ativadantaṃ sedhanti ni ca sedhanti. tad yad utsedhaniṣedhau bhavataḥ pāpavasyasasyaivotsiddhyai ca niṣiddhyai ca. vāg vai yajñāyajñīyam. tad antarotsedhaniṣedhau bhavati. ātmā vai vāk. prāṇāpānāv utsedhaniṣedhau. tad yad yajñāyajñīyam antarotsedhaniṣedhau bhavati, prāṇāpānābhyām evaitad ubhayata ātmānaṃ parigṛhyate. tasmāt prāṇāpānābhyāṃ vāk parigṛhītā

Zwischen diesen beiden steht das Yajñāyajñīya. Vieh nämlich ist das Yajñāyajñīya. Eben dieses Vieh treiben sie hinauf und halten es zurück und stehen auf. Diese beiden sind fürwahr Prajāpatis Ein- und Ausatmung. Dass es Utsedha und Niṣedha gibt, dadurch eben gedeihen sie durch Ein- und Ausatmung. Diese beiden Sāmans sind fürwahr ein Zerreißen von Übel und dessen Steigerung. Dies, der zehnte der Tage, ist eine königliche Versammlungshalle. In einer Versammlungshalle nämlich treibt man den Schlechteren, der über Gebühr widerspricht, sowohl hinauf als auch hinab. Dass es Utsedha und Niṣedha gibt, das dient eben dem Hinaustreiben und dem Niederhalten von Übel und dessen Steigerung. Rede nämlich ist das Yajñāyajñīya. Dieses steht zwischen Utsedha und Niṣedha. Das Selbst nämlich ist die Rede. Ein- und Ausatmung sind Utsedha und Niṣedha. Dass das Yajñāyajñīya zwischen Utsedha und Niṣedha steht, damit wird eben durch Ein- und Ausatmung das Selbst von beiden Seiten umfasst. Deshalb wird die Rede durch Ein- und Ausatmung umfasst.

[Anm.: Die Gerichtshof-/Versammlungshof-Analogie (rājasabhā, ein real bezeugtes altindisches Rechts- und Beratungsgremium) liefert die soziale Grundlage für das Utsedha/Niṣedha-Sāman-Paar: ein über Gebühr widersprechender Redner wird dort sowohl ›hinauf‹ als auch ›hinab‹ ausgetrieben.]

tejo vai yajñāyajñīyam, ātmā madhyandinaḥ. tad yad yajñāyajñīyaṃ madhyandinam abhi pratyāharanty ātmann evaitat tejaḥ pratiṣṭhāpayanti. yajñāyajñīyena vai pūrveṣv ahassu garbhān dadhato yanti. tad daśame ’han yoneś cyāvayanti. tasmād daśamāsyā garbhā yoneś cyavante prajātyai. taṃ madhyandinam abhi pratyāharanti. ātmā vai madhyandinaḥ prajaiṣā. tad yad yajñāyajñīyaṃ madhyandinam abhi pratyāharanty, ātmann evaitat prajāṃ pratiṣṭhāpayanti. madhyandinād vai devā yajñāyajñīyenorddhvā svargaṃ lokam udakrāman. tad yad uṣṇikkakubhāv uttara bhavato, bṛhatī pūrvā - puruṣa chandasaṃ kakup, svargo loko bṛhatī - svarga eva tal loke pratiṣṭhāya svargaṃ lokam ārohan. devāsurā yajña ājim āyan daśamasyāhnaḥ. te yajñāyajñīyam eva kāṣṭhām akurvata. te devā akāmayanta vayam imam ājim ujjayemeti. te yajñāyajñīyam madhyandinam abhi pratyāharann, ato ’ntikād ujjeṣyāma iti. etad u ha vai devānāṃ devakṣetraṃ yat pavamānaḥ. tato vai te tam ājim udajayan. ājim ivaite yanti ya etad ahar āgacchanti. tad yad atra yajñāyajñīyaṃ bhavaty ujjityā eva. ujjayati ya evaṃ veda

Glanz nämlich ist das Yajñāyajñīya, das Selbst der Mittag. Dass sie das Yajñāyajñīya zum Mittag zurückholen, damit gründen sie eben diesen Glanz im Selbst fest. Mit dem Yajñāyajñīya nämlich gehen sie an den vorangehenden Tagen einher, indem sie Keime legen. Diese lassen sie am zehnten Tag aus dem Mutterschoß fallen. Deshalb fallen im zehnten Monat die Keime zur Geburt aus dem Mutterschoß. Diesen holen sie zum Mittag zurück. Der Mittag nämlich ist das Selbst; dies hier ist die Nachkommenschaft. Dass sie das Yajñāyajñīya zum Mittag zurückholen, damit gründen sie eben die Nachkommenschaft im Selbst fest. Vom Mittag aus stiegen die Götter fürwahr mit dem Yajñāyajñīya aufwärts zur himmlischen Welt empor. Dass Uṣṇih und Kakubh die späteren sind, die Bṛhatī die frühere - Kakubh ist das menschliche Versmaß, die Bṛhatī die himmlische Welt -, indem sie sich eben in jener himmlischen Welt festgründeten, stiegen sie zur himmlischen Welt empor. Götter und Asuras zogen zu einem Wettlauf beim Opfer des zehnten Tages aus. Sie machten eben das Yajñāyajñīya zum Wendepunkt. Die Götter wünschten: »Wir wollen diesen Wettlauf für uns entscheiden!« Sie holten das Yajñāyajñīya zum Mittag zurück: »Von nahem aus werden wir siegen.« Dies eben ist der Götter eigenes Gottesfeld, nämlich der Pavamāna. Da entschieden sie fürwahr diesen Wettlauf für sich. Wie in einem Wettlauf gehen fürwahr diese, die zu diesem Tag kommen. Dass hier das Yajñāyajñīya stattfindet, eben zum Obsiegen. Er obsiegt, wer so weiß.

[Anm.: Der Ausdruck ›daśamāsyāḥ garbhāḥ‹ (Keime des zehnten Monats) spielt bewusst mit der Doppelbedeutung von ›zehnter Tag‹ (des Zwölftagesritus) und ›zehnter Monat‹ (der vollen menschlichen Schwangerschaft) - eine bemerkenswerte numerische Analogie. Die Erzählung vom Wettlauf setzt das Ājīka-Motiv aus 3.283 fort (dieselbe Vokabel ujjayati/ujjityai, dieselbe Refrainzeile ›ājim ivaite yanti‹).]

paśavo vai yajñāyajñīyam. ātmā madhyandinaḥ. paśumān hy eva yajñaṃyajñam āharate. tad yad yajñāyajñīyam madhyandinam abhi pratyāharanti ātmann evaitat paśūn pratiṣṭhāpayanti. athaitā bhavanty ā jāgṛvir vipra ṛtaṃ matīnām ity āvatīr utthānīye ’han. yat pravatīḥ kuryuḥ parāñco ’tipadyeran. tad yad āvatīr bhavanty anatipādāyaiva. tad āhur apeva vā ete bhraṃśante ya āvatīr utthānīye ’han kurvantīti. tad yat somo mīḍhvam abhi no jyotiṣāvīd iti bhavaty abhikrāntyā evānapabhraṃśāya. tāsu gaurivītam. prajā vai paśavo gaurivītam, ātmā madhyandinaḥ. tad yad gaurivītaṃ madhyandinam abhi pratyāharanty ātmann evaitat prajāṃ paśūn pratiṣṭhāpayanti. śvastanaṃ vai gaurivītam, ātmā madhyandinaḥ. tad yad gaurivītaṃ madhyandinam abhi pratyāharanty ātmann evaitac chvastanaṃ pratiṣṭhāpayanti. raso vai gaurivītam, ātmā madhyandinaḥ. tad yad gaurivītaṃ madhyandinam abhipratyāharanty, ātmann evaitad rasaṃ pratiṣṭhāpayanti

Vieh nämlich ist das Yajñāyajñīya, das Selbst der Mittag. Wer nämlich Opfer um Opfer darbringt, wird eben viehreich. Dass sie das Yajñāyajñīya zum Mittag zurückholen, damit gründen sie eben das Vieh im Selbst fest. Nun sind dies, beginnend mit »Der Wachsame, der Redekundige, kennt die Ordnung der Gedanken«, ›herführende‹ Verse am Utthānīya-Tag. Würden sie ›hinwegführende‹ Verse machen, würden sie, abgewandt, darüber hinausschreiten. Dass es ›herführende‹ Verse sind, geschieht eben, damit sie nicht darüber hinausschreiten. Dazu sagt man: »Fallen diese nicht gleichsam ab, die am Utthānīya-Tag ›herführende‹ Verse verwenden?« Dass »Soma, der Freigebige, hat uns mit Licht geholfen« vorkommt, geschieht eben durch das Voranschreiten selbst, zur Nicht-Abtrünnigkeit. Unter diesen ist das Gaurivīta. Nachkommenschaft und Vieh nämlich sind das Gaurivīta, das Selbst der Mittag. Dass sie das Gaurivīta zum Mittag zurückholen, damit gründen sie eben Nachkommenschaft und Vieh im Selbst fest. Das Morgen nämlich ist das Gaurivīta, das Selbst der Mittag. Dass sie das Gaurivīta zum Mittag zurückholen, damit gründen sie eben das Morgen im Selbst fest. Saft nämlich ist das Gaurivīta, das Selbst der Mittag. Dass sie das Gaurivīta zum Mittag zurückholen, damit gründen sie eben den Saft im Selbst fest.

[Anm.: Gaurivīta knüpft an die aus 3.147/197/227/234–236 bekannte Figur/das Sāman gleichen Namens an. Die Verse ›ā jāgṛvir vipra ṛtaṃ matīnām‹ und ›somo mīḍhvam abhi no jyotiṣāvīt‹ klingen nach echter vedischer Hymnensprache, ohne genaue Stellenidentifikation. ›Āvatīḥ‹ (herführend) und ›pravatīḥ‹ (hinwegführend) bilden ein neues Richtungspaar, verwandt mit, aber nicht identisch mit der pravat/udvat/saṃvat-Wegsymbolik aus 3.260.]

atha rathantaram. brahma vai rathantaram. brahmaṇy evaitat pratitiṣṭhanto yanti. tad gāyatrīṣu bhavati. reto vai gāyatryai rathantaraṃ, yonir vai rathantarasya gāyatrī. tad yad gāyatrīṣu rathantaraṃ bhavati, yonyām evaitad retaḥ pratiṣṭhāpayanti. anuṣṭhyāsya retas siktaṃ prajāyate ya evaṃ veda. gāyatraṃ ha khalu vai rathantaraṃ gāyatrī chandaḥ. tad yad gāyatrīṣu rathantaraṃ pṛṣṭhaṃ bhavati, svenaivainaṃ tad āyatanena samardhayanti. tenaibhyas samṛddhena svāyāṃ janatāyām ṛddhukaṃ bhavati. trīṇi vā etāni samyañci saṃdhīyante - gāyatrī chandaś, caturviṃśa stomo, rathantaraṃ sāma. tad yad etāni samyañci saṃdhīyante samṛddhyā eva. sam asmā ṛdhyate ya evaṃ veda

Nun das Rathantara. Brahman (die heilige Macht) nämlich ist das Rathantara. In eben dem Brahman festgegründet gehen sie voran. Das geschieht bei den Gāyatrī-Versen. Same nämlich ist das Rathantara für die Gāyatrī, Mutterschoß nämlich ist die Gāyatrī für das Rathantara. Dass das Rathantara bei den Gāyatrī-Versen stattfindet, damit legen sie eben den Samen in den Mutterschoß. Wessen Same, wohlgeordnet ausgegossen, ist, dem wird Nachkommenschaft geboren, wer so weiß. Ein Gāyatra-Gesang nämlich ist das Rathantara, die Gāyatrī sein Versmaß. Dass das Rathantara-Pṛṣṭha bei den Gāyatrī-Versen stattfindet, damit lassen sie es eben durch seine eigene Wohnstatt gedeihen. Dadurch, dass es ihnen gedeiht, entsteht in ihrer eigenen Sippe Gedeihen. Diese drei fügen sich fürwahr zusammen und vereinigen sich: das Gāyatrī-Versmaß, der vierundzwanzigfache Stoma, das Rathantara-Sāman. Dass diese sich zusammenfügen und vereinigen, geschieht eben zum Gedeihen. Es gedeiht ihm, wer so weiß.

[Anm.: Same/Mutterschoß-Bild für Rathantara/Gāyatrī setzt die im Projekt bereits mehrfach belegte Zeugungsmetaphorik fort.]

ete ha khalu vā arkyodāmanīye ete rathantarasyākṣare vyatiṣakte. etābhyām evaitad dviṣantaṃ bhrātṛvyam upobhyottiṣṭhanti. tad āhur vyūḍham etad ahā3s samūḍhā3m iti. ubhayam iti brūyād, vyūḍhaṃ ca samūḍhaṃ ceti. sāmabhir vyūḍhaṃ chandobhis samūḍham iti. etā bhavanti mā cid anyad vi śaṃsateti māsān evaitad ardhamāsān abhivadati. atho teṣām eva prajāpatim anu prajāyata. indram it stotā vṛṣaṇaṃ sacā sute muhur ukthā ca śaṃsata. avakrakṣiṇaṃ vṛṣabhaṃ yathājuvaṃ gāṃ na carṣaṇīsaham. iti gomatīḥ paśumatīr bhavanti paśūnām evāvaruddhyai. tāsu maidhātitham uktabrāhmaṇam. ud u tye madhumattamā ity udvatīr utthānīye ’han bhavanty, atho svargasyaiva lokasyābhyutkrāntyai. svargo hy eṣa loko yad daśamam ahaḥ

Diese beiden, das Ārkya und das Udāmanīya, sind die miteinander verflochtenen Silben des Rathantara. Mit eben diesen beiden erheben sie sich über den hassenden Rivalen. Dazu sagt man: »Auseinandergefaltet sind diese Tage, zusammengefaltet.« Man sollte ›beides‹ sagen: sowohl auseinandergefaltet als auch zusammengefaltet. Durch die Sāmans auseinandergefaltet, durch die Versmaße zusammengefaltet. Diese lauten: »Verkündet ja nichts anderes!« - damit redet er eben die Monate und die Halbmonate an. Und ihnen entsprechend, Prajāpati folgend, wurde alles geboren. »Preist einzig Indra, den Bullen, gemeinsam beim gepressten Soma, sprecht wiederholt die Loblieder. Wie den herabstürmenden Bullen, den geschwinden, dem völkerbezwingenden Stier gleich.« So sind dies ›kuhhaltige, viehhaltige‹ Verse, eben zur Sicherung der Tiere. Unter diesen ist das Maidhātitha bereits erklärt. »Empor jene, die honigreichsten« - so sind dies ›aufsteigende‹ Verse am Utthānīya-Tag, und zwar eben zum Emporsteigen zur himmlischen Welt. Dieser ist ja diese Welt, die himmlische, nämlich der zehnte Tag.

[Anm.: Die Zahl ›3‹ in ahā3s/samūḍhā3m markiert wie bereits in 3.270 vermutlich vedische Vokaldehnung (pluti), keinen Textfehler. Die Verse ›mā cid anyad vi śaṃsata‹ und ›indram it stotā vṛṣaṇaṃ sacā sute‹ sind der real bezeugte, berühmte Indra-Hymnus RV 8.1.1–2 (Praskaṇva Kāṇva); ebenso klingt ›ud u tye madhumattamā‹ nach einer echten Soma-Pavamāna-Hymnenformel, ohne dass eine genaue Stellenidentifikation möglich war.]

tāsv abhīvartaḥ. devāsurā aspardhanta. te devā akāmayantābhīmān asurān bhavemeti. ta etam abhīvartam apaśyan. tenāsurān abhyavartanta. yad abhyavartanta tad abhīvartasyābhīvartatvam. tad yad atrābhīvarto bhavati - vajro vā abhīvarto - vajreṇaiva tad dviṣantaṃ bhrātṛvyam abhivṛtyottiṣṭhanti. tasyaikākṣaraṃ nidhanaṃ bhavati. ekākṣarā vai vāk. pratikūla iva vā ita svargo lokaḥ. svargo hy eṣa loko yad daśamam ahaḥ. tad yad ekākṣaraṃ nidhanaṃ bhavati yathā dṛḍhāṃ methīṃ nihanyāt tādṛg evaitad anapabhraṃśāya. atha kāleyam. agnir vai rathantaram. viśvedevāḥ kāleyam. athaiṣa svarga eṣa loko viśva eva devāḥ. svarga eva tal loke viśveṣu deveṣu pratitiṣṭhanti

Unter diesen ist das Abhīvarta. Götter und Asuras wetteiferten miteinander. Die Götter wünschten: »Möchten wir doch die Asuras bezwingen!« Sie erschauten dieses Abhīvarta. Damit bezwangen sie die Asuras. Dass sie sie bezwangen, das ist die Abhīvarta-heit des Abhīvarta. Dass hier das Abhīvarta stattfindet - der Vajra nämlich ist das Abhīvarta -, mit eben dem Vajra erheben sie sich, den hassenden Rivalen bezwingend. Dessen Nidhana besteht aus einer Silbe. Einsilbig nämlich ist die Rede in ihrem Wesenskern. Widerstrebend gleichsam ist von hier aus die himmlische Welt. Dieser ist ja diese Welt, die himmlische, nämlich der zehnte Tag. Dass das Nidhana aus einer Silbe besteht: Wie man einen festen Pflock einschlüge, ebenso geschieht dies eben zur Nicht-Abtrünnigkeit. Nun das Kāleya. Agni nämlich ist das Rathantara. Die Allgötter sind das Kāleya. Und diese himmlische Welt, diese Welt, das sind eben die Allgötter selbst. In der himmlischen Welt selbst gründen sie sich damit unter den Allgöttern fest.

[Anm.: ›Abhīmān‹ (im Wunsch der Götter) bleibt lexikalisch unsicher; die Übersetzung folgt dem Sinn der anschließenden Abhīvarta=Vajra-Etymologie (abhi-vṛt, ›sich gegen etwas wenden/überwältigen‹). Das einsilbige Nidhana und das Pflock-Gleichnis knüpfen an das Sicherungsmotiv aus den vorangehenden Abschnitten an.]

svādiṣṭhayā madiṣṭhayety ārbhavasya pavamānasya madvatīr gāyatryo bhavanti. raso vai madaḥ. dhītam ivaitad yat tṛtīyasavanam. tad yad etā madvatīr bhavanti, rasam evāsminn etad dadhaty, aivainad etena pyāyayanti. tāsu gāyatram uktabrāhmaṇam. atha saṃhitaṃ dvayakṣaraṇidhanaṃ pratiṣṭhāyai. dvipād vai yajamānaḥ pratiṣṭhityai. tasyarcā nidhanam upayanti. paśavo vā ṛk, paśavo rathantaraṃ, paśūnām evāvaruddhyai. athoṣṇikkakubhau. vajreṇaiva tad dviṣantaṃ pāpmānaṃ bhrātṛvyaṃ stṛṇute ya evaṃ veda. kakubhi parākramatoṣṇihā prāharat. tasmāt kakubha madhyamāny akṣarāṇi bhūyiṣṭhāni. parākramamāṇo hy asyā akṣarāṇi samauhat. tasmād uṣṇiha uttamāny akṣarāṇi bhūyiṣṭhāni. paro gurur iva hi vajra, ārambhaṇato ’ṇīyān. sā kakub abravīd viliṣṭhā vā aham asmīti. parākramamāṇo vai me ’kṣarāṇi samauhīta, pūrvāṃ māṃ prayuñjatām iti. athoṣṇig abravīd - atha vai māṃ pūrvām ācakṣantā iti. tatheti. tasmin samapādayetām. pūrvaprayogam anyāvṛṇīta, pūrvākhyānam asyā. tasmād ene evaṃ prayuñjate. tasmād uṣṇikkakubhāv ity ākhyāyate

»Mit der süßesten, berauschendsten« - so sind dies, zum Ārbhava-Pavamāna gehörig, ›berauschungshaltige‹ Gāyatrī-Verse. Saft nämlich ist der Rausch. Wie geschwächt ist dieser dritte Somaguss. Dass diese ›berauschungshaltig‹ sind, legt man eben dadurch Saft in ihn, lässt man ihn eben damit anschwellen. Unter diesen ist das Gāyatra bereits erklärt. Nun das Saṃhita, mit zweisilbigem Nidhana, zur Festigung. Zweifüßig nämlich ist der Opferherr, zur Festigung. Dessen Nidhana vollziehen sie mit einem Vers. Vieh nämlich ist der Vers, Vieh das Rathantara, eben zur Sicherung der Tiere. Nun Uṣṇih und Kakubh. Mit eben dem Vajra streckt er den hassenden, übelgesinnten Rivalen nieder, wer so weiß. Kakubh, ausschreitend, schlug nach Uṣṇih. Deshalb sind Kakubhs mittlere Silben die zahlreichsten. Ausschreitend nämlich raffte sie deren Silben zusammen. Deshalb sind Uṣṇihs letzte Silben die zahlreichsten. Wie der Vajra am fernen Ende gleichsam schwerer, am Griff hingegen feiner ist, so verhält es sich hier. Da sprach Kakubh: »Die Zerrissenste bin ich fürwahr! Ausschreitend hat man mir die Silben zusammengerafft - man setze mich doch zuerst ein!« Da sprach Uṣṇih: »Aber dann nennt man doch mich die Erste!« »So sei es.« Darauf einigten sie sich. Die eine wählte den Vorrang im Vollzug, die andere behielt die Vorrangnennung dem Namen nach. Deshalb wendet man sie eben so an. Deshalb wird es ›Uṣṇih-und-Kakubh‹ genannt.

[Anm.: Der Eingangsvers ›svādiṣṭhayā madiṣṭhayā‹ ist eine geläufige, real bezeugte Soma-Pavamāna-Refrainformel. Der genaue Hergang der Kakubh/Uṣṇih-Streitszene (wer wen zuerst angreift, wessen Silben wohin wandern) bleibt in den Subjekt-Objekt-Verhältnissen der knappen Ausgangssätze unsicher; die Übersetzung folgt der aus dem Streitgespräch selbst erschließbaren Gesamtlogik (Kakubh beklagt sich als die ›Zerrissene‹, ein Kompromiss teilt Vollzugsvorrang und Namensvorrang zwischen beiden auf).]

tā etā bhavanti pavasva madhumattama, indram accha sutā ima iti. ṛjīṣaṃ vā etad dugdhaṃ dhītaṃ yātayāma yat tṛtīyasavanam. tasmād indro bībhatsamāna udakrāmat. dhītam iva hy āsīt. tasmai vai devāḥ pavasvety evāpavayan. madhumattama iti madhumad akurvan. indrāya soma kratuvittamo madaḥ. mahi dyukṣatamo madaḥ. itya abhipūrvam evāsmai madvad akurvan. indram accha sutā ima iti yathābhivatyānayed evaṃ vā etat padam. pāvamānyas satya aindriyo bhavanti vīryavatīḥ. tasmād etā evoṣṇikkakubhaḥ kāryāḥ. tāsu sabham uktabrāhmaṇam. atha pauṣkalam uktabrāhmaṇam. athaitā bhavanti - pary ū ṣu pra dhanva vājasātaya iti pipīlikāmadhyānuṣṭubhaḥ parivatīr antasya rūpam. anto vā anuṣṭup chandasām. ānuṣṭubham etad ahaḥ

Diese lauten: »Läutere dich, Honigsüßester, hin zu Indra, diese Ausgepressten.« Dieser dritte Somaguss ist fürwahr der Ṛjīṣa-Rest, ausgemolken, geschwächt, verbraucht. Deshalb stieg Indra, Abscheu empfindend, empor. Denn er war gleichsam geschwächt. Für ihn eben läuterten die Götter mit »läutere dich«. Mit »Honigsüßester« machten sie ihn honigsüß. »Für Indra, o Soma, sei die einsichtsreichste Berauschung; die große, himmlischste Berauschung.« Mit vorangestelltem »abhi« eben machten sie ihn dadurch berauschend für ihn. »Zu Indra hin, diese Ausgepressten« - so wie man geradewegs hinführte, ebenso ist dieser Versfuß. Die Pavamāna-Verse werden wahrhaft indrahaft, ›kraftvoll‹. Deshalb sollten eben diese als Uṣṇih-und-Kakubh gemacht werden. Unter diesen ist das Sabha bereits erklärt. Nun das Pauṣkala - bereits erklärt. Nun sind dies: »Lauf doch recht ringsum, zum Erringen der Kampfbeute« - ›ameisenmittige‹ Anuṣṭubh-Verse, ›umgreifende‹, das Merkmal des Endes. Die Anuṣṭubh nämlich ist das Ende der Versmaße. Dies ist ein Anuṣṭubh-Tag.

[Anm.: Mehrere Verse (›pavasva madhumattama‹, ›indram accha sutā ime‹, ›pary ū ṣu pra dhanva vājasātaye‹) klingen nach geläufiger Soma-Pavamāna-Hymnensprache, ohne genaue Stellenidentifikation. ›Pipīlikāmadhyāḥ‹ (ameisenmittig, in der Mitte eingeschnürt wie eine Ameisentaille) ist eine anschauliche metrische Fachbezeichnung. Die genaue Funktion von ›abhipūrvam‹ bleibt technisch unsicher.]

indro vṛtraṃ vajreṇādhyasya nāstṛṣīti manyamānaḥ parāṃ parāvatam agacchat. tad anuṣṭub vai parā. parāvat sa tām eva prāviśat. tasyai dvādaśākṣarāṇi prāñcy udauhad dvādaśordhvāni. atha yāṣṭākṣarā madhye gāyatrī tāṃ prāviśat. sa tām eva prāviśat. tat tasyai dvādaśākṣarāṇi. brahmā gāyatrī. brahmaiva tan madhyataḥ prāviśat. sa etam eva saṃvatsaram ubhayataḥ paryauhata. indragraho vā etā ṛcaḥ. indragraham evaitat prapadyottiṣṭhanti. tasmād u hainā abhicaran vā bhrātṛvyavān vā kurvīta. indragraho vā etā ṛcaḥ. indragraham evaitat prapadya dviṣantaṃ bhrātṛvyam abhibhavati

Indra, mit dem Vajra auf Vṛtra losgeschlagen habend, dachte: »Ich habe ihn nicht durchbohrt!«, und ging in die ferne Ferne. Diese Ferne nämlich ist die Anuṣṭubh. In eben diese Ferne drang er ein. Für sie hob er zwölf Silben nach vorn empor, zwölf nach oben. Dann, in die achtsilbige Gāyatrī inmitten, drang er in diese ein. In eben diese drang er ein. Das gab ihr zwölf Silben. Die Gāyatrī ist Brahman. Eben Brahman selbst drang dort von der Mitte her ein. Damit umfasste er eben dieses Jahr von beiden Seiten. Diese Verse sind fürwahr ein Indra-Griff. Nachdem sie eben diesen Indra-Griff erlangt haben, erheben sie sich. Deshalb sollte man sie einsetzen, wer Zauberei gegen einen anderen übt oder einen Rivalen hat. Diese Verse sind fürwahr ein Indra-Griff. Nachdem er eben diesen Indra-Griff erlangt hat, überwältigt er den hassenden Rivalen.

[Anm.: Die dichte Silbenzahl-Mythologie (Indras Eindringen in Anuṣṭubh und Gāyatrī, Verteilung von je zwölf Silben) setzt das Kakubh/Uṣṇih-Muster aus 3.295 mit einem neuen Mythenpaar (Anuṣṭubh/Gāyatrī) fort; die genaue arithmetische Logik bleibt technisch dicht und nur bedingt nachvollziehbar.]

abhaye ha khalu vā eṣa dīkṣate, ’bhaye yajate, ’bhaya uttiṣṭhati ya evaṃ vidvān etābhi ṛgbhi stute. tām etāṃ parokṣam anuṣṭubhaṃ kurvanti. yat pratyakṣam anuṣṭubhaṃ kuryuḥ parāṃ parāvataṃ yajamānā gaccheyur, na pratitiṣṭheyuḥ. tad yat parokṣam anuṣṭubhaṃ kurvanti pratiṣṭhityai. tāsu śyāvāśvam uktabrāhmaṇam. athāndhīgavam uktabrāhmaṇam. athaitā dvipado bhavanty uktabrāhmaṇāḥ. tā etā bhavanti pari pra dhanvendrāya someti parivatīr bhavanty antasya rūpam. anto hy etad ahaḥ. tāsu sauhaviṣam uktabrāhmaṇam. tad vāṅnidhanaṃ bhavati. tad āhur - yanti vā ete tṛtīyasavanād ye yajñāyajñīyaṃ madhyandinam abhi pratyāharantīti. tad yad vāṅnidhanaṃ bhavati, tenaiva yajñāyajñīyasya rūpān na yanti, tena tṛtīyasavanān na yanti. tasmād u haitat sāmaitasmād ahno nāntarityam. sūryasyeva raśmayo drāvayitnava iti sūryavatīr bhavanti rakṣasām evāpahatyai. matsarāsaḥ prasupas sākam īrate. tantuṃ tataṃ pari sargāsa āśavo nendrād ṛte pavate dhāma kiṃ cana. iti na hīndrād ṛte pavate dhāma kiṃ cana. upo matiḥ pṛcyate sicyate madhv ity upa vā ayam adya loka upaśva imam evaitena lokam anu prajāyante ’sminn evaital loke paśūn pratiṣṭhāpayanti. ukṣā mimāti prati yanti dhenavo devasya devīr upa yanti niṣkṛtam. atya akramīd arjunaṃ vāram avyayam atkaṃ na niktaṃ pari somo avyata. iti parivatīr bhavanty antasya rūpam. anto hy etad ahaḥ

In Furchtlosigkeit fürwahr empfängt er die Weihe, in Furchtlosigkeit opfert er, in Furchtlosigkeit erhebt er sich, wer, dies wissend, mit diesen Versen gepriesen wird. Diese Anuṣṭubh machen sie eben verhüllt. Würden sie die Anuṣṭubh offenkundig machen, gingen die Opferherren in die ferne Ferne und würden sich nicht festgründen. Dass sie die Anuṣṭubh verhüllt machen, geschieht eben zur Festgründung. Unter diesen ist das Śyāvāśva bereits erklärt. Nun das Andhīgava - bereits erklärt. Nun sind dies Dvipadā-Verse - bereits erklärt. Diese lauten: »Lauf doch ringsum, zu Indra, o Soma« - so sind dies ›umgreifende‹ Verse, das Merkmal des Endes. Denn dies ist der Tag des Endes. Unter diesen ist das Sauhaviṣa bereits erklärt. Dessen Nidhana ist die Rede. Dazu sagt man: »Weichen diese nicht vom dritten Somaguss ab, die das Yajñāyajñīya zum Mittag zurückholen?« Dass das Nidhana die Rede ist, dadurch eben weichen sie nicht von der Gestalt des Yajñāyajñīya ab, dadurch weichen sie nicht vom dritten Somaguss ab. Deshalb ist dieses Sāman von diesem Tag nicht wegzulassen. »Wie der Sonne Strahlen, die Eilenden« - so sind dies ›sonnenhaltige‹ Verse, eben zur Vertreibung der Unholde. »Die Berauschenden, obgleich schlummernd, regen sich gemeinsam. Um den ausgespannten Faden die eilenden Ströme; ohne Indra fließt gar kein Bereich.« So: Ohne Indra fließt fürwahr gar kein Bereich. »Nahe wird die Einsicht vermengt, ausgegossen der Honig« - nahe ist eben diese Welt heute, unmittelbar bevorstehend; diesem eben entsprechend werden sie geboren, in eben dieser Welt gründen sie das Vieh. »Der Bulle brüllt, die Milchkühe eilen ihm entgegen; die göttlichen, die Göttinnen, nahen sich der Trystätte des Gottes. Wie ein Rennpferd ist er auf das helle Wollvlies gesprungen; wie ein gewaschenes Gewand hat sich Soma ringsum gehüllt.« So sind dies ›umgreifende‹ Verse, das Merkmal des Endes. Denn dies ist der Tag des Endes.

[Anm.: Die ›parokṣa‹-Behandlung der Anuṣṭubh setzt die parokṣapriyatva-Systematik aus 3.104/117/242 fort. Śyāvāśva ist ein real bezeugter ṛgvedischer Sängerseher (RV 5.52–61). Die Verse ›sūryasyeva raśmayo drāvayitnavaḥ‹, ›matsarāsaḥ prasupas sākam īrate... na indrād ṛte pavate dhāma kiṃ cana‹, ›ukṣā mimāti prati yanti dhenavaḥ‹ und ›atya akramīd arjunaṃ vāram avyayam‹ sind sämtlich real bezeugte, für die Soma-Pavamāna-Hymnik (RV 9) charakteristische Verse bzw. Refrainzeilen, ohne dass in jedem Fall eine exakte Stellenidentifikation vorgenommen wurde. ›Upaśvaḥ‹ bleibt lexikalisch unsicher (etwa: unmittelbar bevorstehend).]

tāsu vājajit. annaṃ vai vājaḥ. yadā vai gaur aśvaḥ puruṣo ’nnasya suhito bhavaty atha sa vājī bhavati. devāsurā annādye ’spardhanta. te devā akāmayanta vṛñjīmahy annādyam asurāṇām iti. ta etat sāmāpaśyan. tenāstuvata. te vāṃjajigīvā (vājijigīvā - pā.) viśva dhanānīty evāsurāṇāṃ yad dhanaṃ ya paśavo yad annādyam āsīt tad avṛñjata. tad eva vājajito vājajittvam. tad etad annādyasyāvaruddhis sāma. avānnādyaṃ runddhe vṛṃkte dviṣato bhrātṛvyasya yad dhanaṃ ye paśavo yad annādyaṃ ya evaṃ veda. tad daśākṣaraṇidhanaṃ bhavati. ekākṣaraṇidhanena vai prathamam ahaḥ kalpate, daśākṣaraṇidhanena daśamam. tad yad daśākṣaraṇidhanaṃ daśame ’hani bhavati, tenaiva daśāhāni kalpante. atho etāṃ daśākṣarām eva virājam annādyam avaruddhyāntata uttiṣṭhanti

Unter diesen ist das Vājajit. Speise nämlich ist Kraft. Wenn nämlich eine Kuh, ein Pferd, ein Mensch der Speise wohl teilhaftig ist, dann wird er kraftvoll. Götter und Asuras wetteiferten um Speise und Nahrung. Die Götter wünschten: »Möchten wir doch der Asuras Speise und Nahrung rauben!« Sie erschauten dieses Sāman. Mit ihm stimmten sie den Lobgesang an. Mit »als Kraft-Bezwinger alle Schätze« raubten sie eben, was auch immer an Reichtum, an Vieh, an Speise und Nahrung den Asuras gehörte. Das eben ist die Vājajit-heit des Vājajit. Dies ist das Speise-und-Nahrung-sichernde Sāman. Er sichert Speise und Nahrung, raubt dem hassenden Rivalen, was auch immer an Reichtum, an Vieh, an Speise und Nahrung diesem gehört, wer so weiß. Dessen Nidhana ist zehnsilbig. Mit einsilbigem Nidhana nämlich gelingt der erste Tag, mit zehnsilbigem der zehnte. Dass das zehnsilbige Nidhana am zehnten Tag stattfindet, dadurch eben gelingen die zehn Tage. Und mit eben dieser zehnsilbigen Virāj, nachdem sie Speise und Nahrung gesichert haben, erheben sie sich am Ende.

[Anm.: Der Quelltext notiert selbst eine Lesart-Variante (vājijigīvā - pā., d.h. pāṭha, eine alternative Textüberlieferung) zu vāṃjajigīvā, hier unverändert übernommen. ›Vāja‹ wird konsequent wie andernorts im Projekt als annam-Gloss (Speise/Kraft) übersetzt, cf. die etablierte Wendung ›annaṃ vai vājaḥ‹ = ›Speise nämlich ist Kraft‹.]

dvādaśāhena vai devā ūrdhvā svargaṃ lokam āyan. tān asurā rakṣāṃsy anvasacanta. te chandāṃsi paścāt tāny akurvata. tāny abhivicchidāny ayukṣv ayukṣv akṣareṣva aśrayanta. tata etāni nācyāvayan. tasmād ayuja stomā vīryāvattarāḥ. teṣām eṣā triṣṭup niṣkuryād aparājayetām. parājitaṃ vā etac chandaḥ. parājita evaitac chandasi yasyāntataḥ pratitiṣṭhati. tās trayastriṃśadakṣarā bhavanti. trayastriṃśad vai sarvā devatāḥ. sarvāsv evaitad devatāsu yajñasyāntataḥ pratitiṣṭhanti. sa tā virājo lomaśā bhavanty - annaṃ vai virāḍ - virāja evānnādyasyāvaruddhyai. tā āgneyyo bhavanti. mukhaṃ vā agnir devatānām. mukhaṃ virāṭ chandasām. tad yad āgneyīṣu virāṭsu stuvanti mukhyam evaitad udgātātmānaṃ ca yajamānaṃ ca karoti. mukhyo hāgryo ’nnāda śreṣṭha svānāṃ bhavati ya evaṃ veda

Mit dem Zwölftagesritus fürwahr gingen die Götter aufwärts zur himmlischen Welt. Ihnen folgten die Asuras und die Unholde nach. Sie machten die Versmaße zu ihrem Hinterhalt. Diese, in Abständen zerschnitten, nahmen Zuflucht in den ungeraden Silben. Von dort aus konnten jene sie nicht vertreiben. Deshalb sind die ungeraden Stomas kraftvoller. Unter diesen sollte diese Triṣṭubh aussondern, sonst blieben die beiden unbesiegt. Denn dieses Versmaß ist besiegt. Besiegt eben wird, wer sich in diesem Versmaß am Ende festgründet. Diese haben dreiunddreißig Silben. Dreiunddreißig nämlich sind alle Gottheiten. In eben allen diesen Gottheiten gründen sie sich am Ende des Opfers fest. Diese Virāj-Verse sind gleichsam zottig - Speise nämlich ist die Virāj -, eben durch die Virāj zur Sicherung von Speise und Nahrung. Diese sind agnihaft. Agni nämlich ist der Mund der Gottheiten. Die Virāj ist der Mund der Versmaße. Dass sie bei den agnihaften Virāj-Versen preisen, damit macht dies eben den Udgātar selbst und den Opferherrn zu einem Erstrangigen. Erstrangig, der Vorderste, ein Speiseesser, der Beste der Seinen wird, wer so weiß.

[Anm.: Der Satz ›teṣām eṣā triṣṭup niṣkuryād aparājayetām‹ bleibt syntaktisch schwierig; die Übersetzung folgt einer plausiblen, aber unsicheren Deutung (die Triṣṭubh muss unter den ungeradzahligen Positionen gesondert behandelt werden, sonst bleiben die Verfolger unbesiegt). Dreiunddreißig als Gesamtzahl der vedischen Gottheiten ist ein real gut bezeugtes Grundschema. ›Lomaśāḥ‹ (zottig, wollig) als Epitheton der Virāj-Verse bleibt in seiner genauen Konnotation unsicher, vermutlich als Bild für Fülle/Reichtum gemeint.]

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