Kapitel 9
Der geraubte Lebensatem: Zaubertrug im Khāṇḍava-Wald und der Wettstreit der Priester
Dieses Kapitel vollzieht den Übergang vom sechstägigen Pṛṣṭhya-Abschnitt zu den Chandoma-Tagen und ist reich an eigenständigen Erzählungen. Ihren Kern bildet die Geschichte um Asamāti Rāthaprauṣṭha, der von den Gaupāyana-Brüdern mit Opferspenden bedrängt wird und sich der Asura-Zauberer Kilāta und Ākulī bedient – zwei Zauberkundige, die ohne Feuer kochen und noch am selben Tag ernten, was sie gesät haben. Die beiden rauben dem schlafenden Subandhu Gaupāyana den Lebensatem und verbergen ihn in der Feuereinfriedung; seine Brüder ziehen, vom Khāṇḍava-Wald aus, dem Atem nach, finden mit Hilfe des sich offenbarenden Agni Varūthya die Feuereinfriedung und beleben Subandhu wieder – worauf die Zauberer durch ihre eigenen, sich selbst verurteilenden Worte über 'Wahrheit mit Unwahrheit' zugrunde gehen. Ein weiteres Glanzstück ist der Wettstreit zwischen Ādityas und Aṅgirasas um dieselben Opferpriester: Weil die Ādityas rascher handeln und noch am selben Tag statt erst 'morgen' opfern lassen, gewinnen sie Agni als Boten und den Ṛṣi Ayāsya ab – daher die bis heute gebräuchliche Redewendung 'Geh fort, nach Beratung antworten wir dir'. Auch Indra und Agni erschauen gemeinsam, je nur eine Hälfte, das Samanta-Sāman und fügen es erst durch Vereinigung zum Ganzen. Zum Abschluss gesteht der Mörder Rahasyu Mārimlava freimütig die Tötung der von Indra geliebten 'kleinen Seher', um nicht auch noch zu lügen, und wird trotz der Tat mit einem Brahmanen-Nachkommen belohnt, während Indra seine Opfer mit dem Vaikhānasa-Sāman wiederbelebt.
tāsu śnauṣṭam. etena vā agnir vaiśvānaro dīdāya. dīdayāmeti satram āsate. dīdayanty evainam etena. atha ha vā agnir vaiśvānara ittham evāsa yatheme ’ṅgārāḥ. so ’kāmayata śnuṣṭayo me jāyerann acaryaṃ(arcaya?) iti. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. tato vai tasya śnuṣṭayo ’rcayo ’jāyanta. ete ha vā asya śnuṣṭayo yad arcayaḥ. tejo vā asya tad brahmavarcasam ajāyata. tejasvī brahmavarcasī śnuṣṭimān bhavati ya evaṃ veda. tad u niṣiddham iva bhavaty antasya rūpam. anto hy etad ahaḥ. tad yathā vā ado ’nayanaṃ yantam ehīha mātrair ity anuhvayed evam evaitena stomā āptā antato ’nuhvayanti
Bei ihnen ist das Śnauṣṭa. Damit erstrahlte Agni Vaiśvānara. »Wir wollen erstrahlen« — so sitzen sie das Satra. Sie lassen ihn eben damit erstrahlen. Und Agni Vaiśvānara war nun eben so wie diese Kohlen hier. Er wünschte: »Mögen mir Śnuṣṭis geboren werden, zum Erstrahlen!« Er erblickte dieses Sāman, wurde damit gepriesen. Danach wurden ihm die Śnuṣṭis, die Flammen, geboren; dies nämlich sind seine Śnuṣṭis, was die Flammen sind. Glut, sein Glanz, priesterliche Ausstrahlungskraft wurde ihm geboren. Er wird glutvoll, von priesterlicher Ausstrahlungskraft, Śnuṣṭi-reich, wer dies weiß. Das ist auch gleichsam untersagt, die Gestalt des Endes; Ende nämlich ist dieser Tag. Wie man jenen, der fortgeführt wird, herbeiriefe: »Komm hierher, mit den Deinigen!« — genau so rufen mit diesem die erreichten Stomas am Ende einander herbei.
[Anm.: Die Kategorie 'gleichsam untersagt' (niṣiddham iva) knüpft an ihren ersten Beleg in 3.153 an und bestätigt sich als feste technische Klassifikation für unkonventionelle, aber gezielt genutzte Ritualelemente. Das Gleichnis vom Zurückrufen eines Fortgeführten ('ado 'nayanam') ist ein eindrückliches, möglicherweise an eine Hinrichtung oder einen erzwungenen Abtransport erinnerndes Schlussbild. Die Quelle selbst vermerkt 'acaryam' als vermutlich zu 'arcayaḥ' (Flammen) zu korrigieren.]
atha yajñāyajñīyam uktabrāhmaṇam. athaitā dvipado bhavanti, chandasām ayātayāmatāyā avaruddhyai. yātayāmāni vā etarhy ahāni chandāṃsi, dvipada evāyātayāmnīḥ. tā yad atra kriyante tenaivaitad ahar ayātayāma kriyate. tad dha sma keśī dārbhya upagāyati - sarvadaiva girau bhadram api parṇena jīvati. yadāvasaṃ na vindati tadāśā upadhāvati. iti. yādṛg iva syur eva brāhmaṇās tādṛg idaṃ yūyaṃ kuruthāpteṣu chandassu dvipada iti. paśavo vai pṛṣṭhyaṣ ṣaḍahaḥ, puruṣa chandasāṃ dvipadaḥ. tā yad atra kriyante puruṣam eva tat paśuṣv adhyūhanti. tasmāt puruṣa upariṣṭāt paśūn adhīva tiṣṭhati. atho svarga eṣa loko yat pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaho, yajamāna eva nidānena yad dvipadaḥ. tā yad upariṣṭāt pṛṣṭhyasya ṣaḍahasya paryūhanti yajamānam eva tat svarge loke samudūhanti
Dann ist Yajñāyajñīya bereits erklärt. Dann sind dies zweifüßige Verse, zur Erlangung der Unerschöpftheit der Versmaße. Erschöpft sind ja jetzt die Tage-Versmaße, die zweifüßigen allein sind unerschöpft; dass diese hier vollzogen werden, eben dadurch wird dieser Tag unerschöpft gemacht. Da pflegte Keśin Dārbhya dazu zu singen: »Stets fürwahr lebt auf dem Berge das Glück, sogar vom Laub; wenn er keine Zuflucht findet, dann läuft er der Hoffnung nach.« »Wie auch immer die Brahmanen wohl sein mögen, genau so macht ihr dies, indem ihr bei den erreichten Versmaßen die zweifüßigen einsetzt.« Vieh nämlich ist der Pṛṣṭhya-Sechstagesabschnitt, Mensch ist unter den Versmaßen das Zweifüßige. Dass diese hier vollzogen werden, damit fügen sie eben den Menschen dem Vieh hinzu; deshalb steht der Mensch gleichsam von oben über dem Vieh. Und dies, der Pṛṣṭhya-Sechstagesabschnitt, ist die Himmelswelt; der Opferherr selbst ist, durch die Verknüpfung, das Zweifüßige. Dass sie diese oberhalb des Pṛṣṭhya-Sechstagesabschnitts anordnen, damit heben sie eben den Opferherrn in die Himmelswelt empor.
[Anm.: Keśin Dārbhya ist ein auch aus dem Jaiminīya-Upaniṣad-Brāhmaṇa und anderen Texten bekannter vedischer Lehrer/Gönner. Der von ihm zitierte Spruch wirkt eher wie ein gnomisches Sprichwort als ein eigentliches Ṛgveda-Zitat. Die Gleichsetzung Mensch=zweifüßiges Versmaß / Vieh=Sechstagesabschnitt liefert eine anthropologisch-kosmologische Begründung für die Position der Zweifüßer-Verse.]
chandāṃsi yada amum ādityam udayacchaṃs tāni nāśaknuvann udyantum. tāni dvipadāś chandāṃsy abruvaṃs tvayi pratiṣṭhāyaitam udyacchāmeti. tāni vai - me ’nnaṃ bhavateti. annaṃ te bhavāma ity abruvan. tad brāhmaṇo ha vai chando dvipadas, tāny asyaitāny annam iha cāmutra ca. tāny etāni chandāṃsi dvipadāyāṃ pratiṣṭhāyaitam ādityam udyacchanty etāṃś ca yajñakratūn. tad yat pṛccheyuḥ kasmād dvipadaṣ ṣaṣṭhe ’han kriyanta iti, pratiṣṭhityā ity eva brūyāt. tasmād etā atra nāntarityāḥ. tā etā bhavanty agne tvaṃ no antama iti -
Als die Versmaße jene Sonne emporhoben, vermochten sie selbst nicht emporzusteigen. Da sprachen sie zu den zweifüßigen Versmaßen: »Auf dir Fuß fassend, wollen wir diese emporheben.« Diese sprachen: »So werdet mir zur Speise!« »Wir wollen dir zur Speise werden«, sprachen sie. Das zweifüßige Versmaß ist ja der Brahmane; diese sind ihm Speise, hier wie dort. Diese Versmaße heben, auf der Zweifüßigen fußend, eben diese Sonne empor, und auch diese Opferhandlungen. Wenn sie fragen sollten: »Warum werden die zweifüßigen Verse am sechsten Tag vollzogen?«, so soll man eben sagen: »Zum festen Stand.« Deshalb dürfen diese hier nicht ausgelassen werden. Diese sind es: Agni, du bist uns der Nächste —
[Anm.: Eigenständiger Kosmogonie-Mythos: die Versmaße können die Sonne erst emporheben, nachdem sie sich auf dem zweifüßigen (=menschlichen) Versmaß abstützen, was die Sonderstellung des Menschen erneut begründet. Der Abschnitt bricht bewusst mitten in einem Verszitat ab (»Agne tvaṃ no antama«), das erst in 3.169 fortgesetzt und vervollständigt wird – anders als die früheren Satzabbrüche (3.73f., 3.122f.) hier ein Bruch mitten in einem Zitat.]
asamātiṃ rāthaprauṣṭhaṃ gaupāyanā abhyadāsan. te khāṇḍave satram āsata. atha hāsamātau rāthaprauṣṭhe kilātākulī ūṣatur asuramāyau. tau h smānagnāv adhidhāyaudanaṃ pacato ’nagnau māṃsam. vapantau h sma purastād ito lunanto ha sma paścād anuyanti tāvan māyāvinau hāsatuḥ. tad vai tac chaśvad ikṣvākavo ’surāśanaṃ jagdhvā parābhūtāḥ. tam asamātiṃ rāthaprauṣṭhaṃ gaupāyanānām āhutayo ’bhyatapan. so ’bravīd imau kirātākulī imā vai mā gaupāyanānām āhutayo ’bhitapantīti. tāv abrūtāṃ tasya vā āvam eva bhiṣajau sva, āvaṃ prāyaścittir, āvaṃ tathā kariṣyāvo yathā tvaitā nābhitapsyantīti. tau paretya subandhor gaupāyanasya svapataḥ pramattasyāsum āhṛtyāntaḥparidhi nyadhattām. paridhimanto h tarhy agnaya āsuḥ. tat subandhāv aprabuddhe ’nvabudhyantāhārṣṭāṃ vā asyāsum asuramāyāv iti. te ’bruvann eta subandhor asum anvayāmeti. te khāṇḍavāt prāyan -- mā pra gāma patho vayaṃ mā yajñād indra sominaḥ. mānta sthur no arātayaḥ. yac cedam imo yac ca satram āsmahe tasmād ubhayasmān mā pragāmeti te subandhunāvatantumatā subandhutīrthenaiva hvṛṇinīṃ prāñcas tīrtvāgacchann asamātiṃ rāthaprauṣṭham
Den Asamāti Rāthaprauṣṭha bedrängten die Gaupāyanas. Diese saßen im Khāṇḍava-Wald das Satra. Da wohnten bei Asamāti Rāthaprauṣṭha Kilāta und Ākulī, zwei asurische Zauberer. Diese kochten, ohne Feuer aufzulegen, Reisbrei, ohne Feuer Fleisch; sie säten von vorne aus, und schon ernteten sie von hinten her nach — so sehr waren die beiden zauberkundig. Deshalb wurden die Ikṣvākus beständig besiegt, weil sie Asura-Speise gegessen hatten. Diesen Asamāti Rāthaprauṣṭha quälten die Opferspenden der Gaupāyanas. Er sprach: »Ihr beiden, Kilāta und Ākulī — mich quälen ja diese Opferspenden der Gaupāyanas.« Die beiden sprachen: »Wir beide eben sind die Ärzte dafür, wir beide sind die Sühne; wir beide werden es so machen, dass diese dich nicht mehr quälen werden.« Die beiden gingen fort, holten vom schlafenden, unachtsamen Subandhu Gaupāyana den Lebensatem und legten ihn innerhalb der Feuereinfriedung nieder — mit Einfriedungen nämlich waren damals die Feuer versehen. Als Subandhu nicht erwachte, bemerkten sie: »Die beiden Asura-Zauberer haben wohl seinen Lebensatem geraubt.« Sie sprachen: »Wohlan, lasst uns Subandhus Lebensatem nachgehen!« Sie zogen vom Khāṇḍava-Wald fort: »Nicht mögen wir vom Weg abkommen, nicht vom Opfer, o Indra, wir Somahaften; nicht mögen uns Missgünstige entgegenstehen. Was diese Welt betrifft und was das Satra, das wir innehaben — von beidem mögen wir nicht abkommen.« Sie, ostwärts ziehend, überquerten den krummen Fluss eben an der Subandhu-Furt, mit dem Subandhu-Seil, und gelangten zu Asamāti Rāthaprauṣṭha.
[Anm.: Der Khāṇḍava-Wald ist derselbe Ort, der später im Mahābhārata durch die Verbrennung des Khāṇḍava-Waldes berühmt wird – ein bemerkenswert früher Beleg des Namens. Die Erzählung von Asamāti Rāthaprauṣṭha, den Gaupāyana-Brüdern und den beiden Asura-Zauberern Kilāta und Ākulī ist eine eigenständige, auch aus der Bṛhaddevatā und dem Umfeld von RV 10.57–60 (den traditionell den Gaupāyanas zugeschriebenen Hymnen) bekannte Seelenraub-und-Rettungs-Legende. Die 'Subandhu-Furt' und das 'Subandhu-Seil' erscheinen als ätiologische Ortsnamen-Erinnerungen an das Ereignis.]
tasya ha parākhyāyaivāgnim ajānan. varūthyo vai nāmāsyāgnir iti. atha ha tataḥ purāgnir (varūthyo) nāma proce - varūthyo vai nāmāsmi. sa yas tvaitad abhirādhayād yad eva tvā kiṃ ca sa bravat tat kurutād iti. tam upāyann agne tvaṃ no antama uta trātā śivo bhuvo varūthya iti. tān abravīt kiṃkāmā āgāteti. subandhor evāsuṃ punar vanuma ity abruvan. eṣo ’ntaḥparidhīty abravīt. tam ādaddhvam iti. te nirāhvayann ayaṃ mātāyaṃ pitāyaṃ jīvātur āgamat. idaṃ tava prasarpaṇaṃ subandhav ehi nir ihi. iti. taṃ subandhum asuḥ punaḥ prāviśat. sa yathāpuram abhavat. tad ābhyāṃ kirātākulībhyām ācakṣateme vā ṛṣayo ’suṃ nirāhvayann iti. tāv adhārayamāṇau nirādravatām. tayor imān eva parākhyāya sarvā māyā apākrāman. tayor ha yat pāpiṣṭhatamaṃ rūpāṇāṃ tad rūpam āsa
Diesen erkannten sie, sich abwendend, statt seiner als Agni: »Varūthya nämlich ist der Name dieses Agni.« Da nun sprach der Agni von dort zuvor seinen Namen aus, Varūthya: »Varūthya nämlich ist mein Name. Wer dich hierbei zufriedenstellen sollte — was auch immer der zu dir sagen mag, das sollst du tun.« Sie näherten sich ihm: »Agni, du bist uns der Nächste, und der Retter, sei heilvoll, o Varūthya!« Er sprach zu ihnen: »Mit welchem Wunsch seid ihr gekommen?« »Wir wollen eben Subandhus Lebensatem zurückgewinnen«, sprachen sie. »Er ist innerhalb der Einfriedung«, sprach er. »Nehmt ihn!« Sie riefen ihn heraus: »Hier ist deine Mutter, hier dein Vater, das Leben ist gekommen; dies ist dein Kriechweg heraus, Subandhu — komm, tritt heraus!« In diesen Subandhu drang der Lebensatem wieder ein; er wurde wie zuvor. Davon erzählt man, in Bezug auf diese beiden, Kilāta und Ākulī: »Diese Ṛṣis haben ja den Lebensatem herausgerufen.« Die beiden, sich nicht mehr haltend, liefen davon. Von diesen beiden wichen, sich von diesen abwendend, alle Zaubermächte. Von den beiden war es die allerschlechteste der Gestalten, die übrig blieb.
[Anm.: Vervollständigt das am Ende von 3.167 abgebrochene Verszitat (»Agne tvaṃ no antama«) und löst die Haupterzählung auf: Subandhus Lebensatem wird zurückgeholt, die Zauberer verlieren ihre Macht.]
atha ha tataḥ purā māyayā darśanīyāv āsatuḥ. tayor anyataro ’gniṃ praplavamāṇo ’bravīd - itthaṃ vai sa karoti yas satyam anṛtena jighāṃsatīti. athetthaṃ gā nyakṛntan. tad anyatara upaparetya grīvā apikṛntamāṇo ’bravīd - ittham u vāva sa karoti yas satyam anṛtena jighāṃsatīti. tau tad avāmriyetām. tā etā bhrātṛvyaghnyo rakṣoghny ṛcaḥ. hanti dviṣantaṃ bhrātṛvyam apa rakṣaḥ pāpmānaṃ hata etābhir ṛgbhis tuṣṭuvānaḥ. tad āhur yad vālakhilyā viharanti katham etāsu vihṛtāsu stuvata iti. sa brūyād yad evaitāni vyūnākṣarāṇi vyatiṣaktāni padāni bhavanti, teneti
Vordem nämlich waren sie durch Zauberkraft ansehnlich gewesen. Einer von den beiden sprach, davonschwimmend, zu Agni: »So eben handelt der, der die Wahrheit mit Unwahrheit zu vernichten sucht.« Dann schnitten sie auf diese Weise Rinder durch. Da sprach der andere von den beiden, herangekommen, die Nacken durchschneidend: »So eben, fürwahr, handelt der, der die Wahrheit mit Unwahrheit zu vernichten sucht.« Die beiden starben daran. Dies sind die rivalentötenden, unholdvernichtenden Verse. Er erschlägt den hassenden Rivalen, schlägt den Unhold, das Übel, ab, wer sich mit diesen Versen gepriesen hat. Da sagen sie: »Dass die Vālakhilya-Verse auseinandergehen — wie preist man sich bei diesen versetzten Versen?« Er soll sagen: »Eben dadurch, dass diese Versfüße silbenarm, ineinandergefügt sind — dadurch.«
[Anm.: Die Schlussszene bleibt interpretatorisch schwierig: das Verb 'nyakṛntan' (sie schnitten) steht im Plural, während die Erzählung zuvor durchgehend vom Dual der beiden Zauberer spricht – möglicherweise ein Übergang von der mythischen Erzählung zu einer sie begleitenden, von Priestern im Plural vollzogenen Ritualhandlung. Die Vālakhilyas (RV 8.49–59) sind die berühmte Sammlung metrisch-textlich unregelmäßiger 'Zusatzhymnen' des Ṛgveda; die hier gegebene technische Begründung (silbenarme, ineinandergefügte Versfüße) erklärt, wie sie trotz ihrer Unregelmäßigkeit rezitiert werden können.]
tāsu gūrdaḥ. devāsurā annādye ’spardhanta. te devā annādyam asurāṇām avṛñjata. teṣu hāsureṣu gūrda eva nāma mahad annādyaṃ pariśiśiṣe. te devā akāmayanta vṛñjīmahīmaṃ gūrdam annādyam asurāṇām iti. ta etat sāmāpaśyan. tenāstuvata. tena gūrdam annādyam asurāṇām avṛñjata. tasminn agūrdan. yad agūrdaṃs tad gūrdasya gūrdatvam. tad etad annādyasyāvaruddhissāma. avānnādyaṃ runddhe vṛṃkte dviṣato bhrātṛvyasyānnādyaṃ ya evaṃ veda. prajāpatir annādyam asṛjata. tasya sarve devā mamatvina āsan mama mameti. so ’gnir akāmayatāham idam annādyam ujjayeyam iti. sa etat sāmāpaśyat. tenainaṃ paryagṛhṇāt. tad udajayat. tad etad agnāv eva sarvam annādyam. tasmād yasyai yasyai devatāyai juhvaty, agnāv eva juhvati. tasminn agūrdat. yad agūrdat, tad v eva gūrdasya gūrdatvam. tad etad annādyasyāvaruddhissāma. avānnādyaṃ runddhe ’nnāda śreṣṭha svānāṃ bhavati ya evaṃ veda. imā nu kaṃ bhuvanā sīṣadhemendraś ca viśve ca devā iti vaiśvadevyo bhavanti. vaiśvadevo vai vṛṣākapiḥ. vaiśvadevam etad ahaḥ. yajñaṃ ca nas tanvaṃ ca prajāṃ cādityair indras saha sīṣadhātv iti siddhyā eva. ādityair indras sagaṇo marudbhir asmabhyaṃ bheṣajā karad iti bheṣajam evaitena prāyaścittiṃ kurvate
Bei ihnen ist das Gūrda. Götter und Asuras wetteiferten um Speise und Nahrung. Da entrissen die Götter den Asuras die Speise und Nahrung. Bei jenen Asuras blieb da eine große, ›Gūrda‹ genannte Speise und Nahrung übrig. Die Götter wünschten: »Wir wollen dieses Gūrda, die Speise und Nahrung der Asuras, entreißen!« Sie erblickten dieses Sāman, priesen sich damit. Damit entrissen sie das Gūrda, die Speise und Nahrung der Asuras. Dabei schrien jene »gūrd«. Dass sie »gūrd« schrien, das eben ist die Gūrda-heit des Gūrda. Das ist das Sāman, das Speise und Nahrung sichert. Er sichert Speise und Nahrung, entreißt dem hassenden Rivalen die Speise und Nahrung, wer dies weiß. Prajāpati schuf Speise und Nahrung. An ihr hatten alle Götter Besitzanspruch: »Mein, mein!« Da wünschte Agni: »Ich möchte diese Speise und Nahrung für mich gewinnen!« Er erblickte dieses Sāman, umfasste sie damit vollständig. Er gewann sie. Das eben ist, warum alle Speise und Nahrung in Agni ist; deshalb, welcher Gottheit auch immer sie opfern, opfern sie eben in Agni. Dabei schrie er »gūrd«. Dass er »gūrd« schrie, das eben ist wiederum die Gūrda-heit des Gūrda. Das ist das Sāman, das Speise und Nahrung sichert. Er sichert Speise und Nahrung, wird unter den Seinigen der beste Esser von Speise und Nahrung, wer dies weiß. »Diese Welten hier, mögen wir sie wohl vollbringen, und Indra und alle Götter« — so werden es vaiśvadevische Verse. Vaiśvadeva-bezogen ist ja Vṛṣākapi. Vaiśvadeva-bezogen ist dieser Tag. »Und das Opfer und unseren Leib und die Nachkommenschaft möge Indra zusammen mit den Ādityas zum Gelingen führen« — eben zum Gelingen. »Indra, mit der Schar der Maruts, mit den Ādityas, möge uns Heilmittel bereiten« — damit vollziehen sie eben mittels des Heilmittels die Sühnehandlung.
[Anm.: Doppelt erzählte Gūrda-Etymologie (zunächst die Götter allgemein, dann speziell Agni), beide Male vom lautmalerischen Ausruf »gūrd« (Wurzel gūrd, 'aufschreien/stöhnen') hergeleitet – strukturell verwandt mit den früheren Doppeletymologien (Bhārata 3.62, Vāsiṣṭha 3.83, Vāravantīya 3.155, Śyena 3.158), hier jedoch als zweifache Bestätigung derselben Ableitung statt zweier verschiedener. Vṛṣākapi ist die aus RV 10.86 bekannte, rätselhafte Figur des Indra-Begleiters.]
tāsu gotamasya bhadram. gotamo vai śrīkāmas tapo ’tapyata. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. tato vai sa śriyam āśnuta. tac chrīr vai bhadram. prajā vai bhadram. prajāyai yā prajā sā śreyaḥ. api ha prajāyai prajāṃ paśyate ya evaṃ veda. yad u gotamo ’paśyat tasmād gotamasya bhadram ity ākhyāyate. pra va indrāya vṛtrahantamāyeti vārtraghnyo bhavanty, antato vijityai. devā vai ṣaḍahena vijityābruvan - kiṃ nu no ’syāntata syād yathā na idaṃ jitam asurān apajayeyur iti. te pṛṣṭhānām eva rasān saṃprāvṛhan. tān abhyasvaran. tad ūrdhvam udaśrayad yathā vaṃśa evam. tad udvaṃśīyam abhavat. tad udvaṃśīyasyodvaṃśīyatvam. tad yajñam atyaricyata. tasmād etam udvaṃśaputraṃ prāvṛhant. rasād eva rasaṃ taṃ pṛṣṭhyasya ṣaḍahasyāntato ’kurvaṃś chandomānām udvaṃśīyam. tāv etau vajrāv udyatāv antatas tiṣṭhataḥ, paśūnāṃ guptyai paśūnām aparāvāpāya. nāsya vittaṃ paropyate ya evaṃ veda. sarveṣāṃ vā etat pṛṣṭhānāṃ rūpaṃ rasas tejas saṃbhṛtam. sarvasminn evaitat pṛṣṭharūpe rase tejasy aparājite chandasi yajñasyāntataḥ pratitiṣṭhanti. tasya purastān nidhanasya pratihāram upayanti. prastāvapratihārābhyāṃ vai yajamāno dhṛtaḥ. atītā ivaitarhi bhavanti tad yat purastān nidhanasya pratihāram upayanty anipādāyaiva. tat svāraṃ bhavati. abhi saptamam aha svarati. svāram eva tad bhavati. svareṇa śvo bhūte pratipadyante. sa yathā samāt samaṃ saṃkrāmed, yathā prāṇena prāṇaṃ saṃdadhyāt, tādṛk tat
Bei ihnen ist das Bhadra des Gotama. Gotama, nach Glanz verlangend, übte Askese. Er erblickte dieses Sāman, wurde damit gepriesen. Danach erlangte er Glanz. Dieser Glanz nämlich ist das Bhadra, das Heilvolle. Nachkommenschaft nämlich ist das Bhadra. Für die Nachkommenschaft ist die Nachkommenschaft der Zuwachs. Nachkommenschaft für seine Nachkommenschaft sieht fürwahr, wer dies weiß. Und weil Gotama es erschaute, deshalb wird es ›Bhadra des Gotama‹ genannt. »Euch nun, für Indra, den besten Vṛtra-Töter« — so werden es vṛtratötende Verse, zum Sieg am Ende. Die Götter, nachdem sie durch den Sechstagesabschnitt gesiegt hatten, sprachen: »Was mag uns wohl als dessen Ende dienen, damit die Asuras uns dieses Errungene nicht wieder abgewinnen?« Sie zogen eben die Essenzen der Pṛṣṭha-Sāmans heraus. Sie besangen sie. Da erhob sich dies nach oben, wie ein Rohrstab. Das wurde zum Udvaṃśīya. Das eben ist die Udvaṃśīya-heit des Udvaṃśīya. Das überstieg das Opfer. Deshalb zogen sie diesen ›Sohn des erhobenen Stabes‹ heraus. Eben aus Essenz machten sie jene Essenz am Ende des Pṛṣṭhya-Sechstagesabschnitts zum Udvaṃśīya der Chandoma-Tage. Diese beiden, wie erhobene Vajras, stehen am Ende, zum Schutz des Viehs, damit das Vieh nicht verlorengeht. Sein Besitz wird nicht an einen Fremden verstreut, wer dies weiß. Dies ist ja die zusammengefasste Gestalt, Essenz und Glutkraft aller Pṛṣṭha-Sāmans. In eben dieser gesamten Pṛṣṭha-Gestalt, in der Essenz, in der Glutkraft, im unbesiegten Versmaß, finden sie am Ende des Opfers festen Stand. Vor dessen Nidhana schreiten sie zum Pratihāra fort. Durch Prastāva und Pratihāra nämlich wird der Opferherr gehalten. Sie werden hierbei gleichsam wie hinübergegangen, dass sie vor dem Nidhana zum Pratihāra fortschreiten, eben um nicht zu stürzen. Das wird zum Svāra. Er tönt hin zum siebten Tag. Eben das wird zum Svāra. Durch den Svāra treten sie ein, wenn es Morgen geworden ist. Wie man von Gleichem zu Gleichem hinüberträte, wie man Atem mit Atem verbände — so ist dies.
[Anm.: Gotama ist ein real bezeugter vedischer Sängerseher (Gotama Rāhūgaṇa, Verfasserfamilie von RV 1.74–93). Der Abschnitt verbindet zwei Themen: die Bhadra-Benennung durch Gotamas Erschauung, und die Herleitung des Udvaṃśīya-Sāman als 'aus dem erhobenen Stab hervorgegangen', das die Pṛṣṭha-Essenzen am Ende des Sechstagesabschnitts konzentriert und dem Schutz des Viehbesitzes dient; anschließend technische Erläuterung des Svāra-Übergangs zum siebten Tag mittels Pratihāra vor dem Nidhana.]
prajāpatir vā etaṃ yajñam asṛjata yad dvādaśāham. taṃ pṛṣṭhyenaiva ṣaḍahena sarvam āpnot. sa aikṣata kathaṃ nv imāni catvāry ahāni pratisaṃdadhyām iti. sa gāyatryā eva caturviṃśam ahar niramimīta, triṣṭubhaś catuścatvāriṃśaṃ, jagatyā aṣṭācatvāriṃśam, anuṣṭubha eva daśamam ahar niramimīta. sarvebhyo vā ahobhyas tad yac chandobhyo niramimata tac chandomānāṃ chandomatvam. tad āhur āpyante vā etat stomā, āpyante chandāṃsy, āpyante devatā, āpyanta ṛtavo grahā, yad eṣa pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaha āpyata iti. tad yat saptamasyāhnaś caturviṃśaṃ bahiṣpavamānaṃ bhavati - caturviṃśatyardhamāsas saṃvatsaraḥ. saṃvatsaro yajño - yajñam evaitad yajñamukha ārabhante. atho caturviṃśatyakṣarā vai gāyatrī. gāyatryo vā āptaṃ yajñakratuṃ punas tanvate. no hy anyā gāyatryā āptaṃ yajñakratum udyantum arhati
Prajāpati schuf dieses Opfer, nämlich den Zwölftagesritus. Ihn erfasste er ganz allein durch den Pṛṣṭhya-Sechstagesabschnitt. Er erwog: »Wie mag ich wohl diese vier Tage neu zusammenfügen?« Durch die Gāyatrī fasste er den vierundzwanzigfachen Tag, durch die Triṣṭubh den vierundvierzigfachen, durch die Jagatī den achtundvierzigfachen; durch die Anuṣṭubh eben fasste er den zehnten Tag. Dass er dies aus den Versmaßen heraus für alle Tage fasste, das ist die Chandoma-heit der Chandomas. Da sagen sie: »Erfüllt werden ja damit die Stomas, erfüllt werden die Versmaße, erfüllt werden die Gottheiten, erfüllt werden die Jahreszeiten und die Trankschalen, indem dieser Pṛṣṭhya-Sechstagesabschnitt erfüllt wird.« Dass das Bahiṣpavamāna des siebten Tages vierundzwanzigfach ist — vierundzwanzig Halbmonate hat das Jahr. Das Jahr ist das Opfer; eben dieses Opfer beginnen sie am ›Opfermund‹. Und außerdem hat die Gāyatrī vierundzwanzig Silben. Durch die Gāyatrī setzen sie das erfüllte Opferwerk aufs Neue fort. Denn keine andere als die Gāyatrī vermag das erfüllte Opferwerk wieder emporzuheben.
[Anm.: Die Zahlen 24/44/48 entsprechen den Silbenzahlen von Gāyatrī (3×8), Triṣṭubh (4×11) und Jagatī (4×12); für die Anuṣṭubh (4×8=32) nennt der Text jedoch unerwartet ›den zehnten Tag‹ statt ›32‹ – möglicherweise ein Wechsel von Silbenzahl- zu Ordnungszahl-Zählung, der Text bleibt hier unsicher. Die Chandoma-Tage werden so als Silbenzahl-Rekonstruktion der vier Haupt-Versmaße gedeutet, anknüpfend an die bereits in 3.61 belegte exakte Silbenzahl-Arithmetik.]
etā bhavanti - pra kāvyam uśaneva bruvāṇa iti pravatīḥ prāyaṇe ’han. praṇinīṣeṇyaṃ vā etad ahaḥ. preti gāyatryai rūpam. gāyatryā evaitad rūpeṇa prayanti. devo devānāṃ janimā vivaktīti somo vai devo devānāṃ janimā. somam eva tat prajanayanti. mahivrataś śucibandhuḥ pāvaka ity annaṃ vai devāś śucivratam ity ācakṣate. annam u devānāṃ somaḥ. tam evaitat prajanayanti. padā varāho abhy eti rebhann iti varāho vai bhūtvā prajāpatiṣ ṣaṣṭhād ahnas saptamam ahar abhy atyakrāmat. atikrāntir evaiṣā. pra haṃsāsas tṛpalā vagnum accheti brāhmaṇā ha vai haṃsāsas tṛpalāḥ. amād astaṃ vṛṣagaṇā ayāsur iti ṣaḍaho vā amāc chandomā astam. chandāṃsi vṛṣagaṇāḥ. chandāṃsy evaitac chandomān abhy atinayanty uttarasya tryahasya saṃpāraṇāya. aṅgoṣiṇaṃ pavamānaṃ sakhāyo durmarṣaṃ vāṇaṃ pra vadanti sākam iti bṛhadrathantare evaitat prātassavane yujyete. te yukte mādhyandine savane ’bhyārohanti. sa yojata urugāyasya jūti vṛthā krīḷantaṃ mimate na gāva iti gomatīḥ paśumatīr bhavanti, paśūnām evāvaruddhyai. paśavo hi chandomāḥ. parīṇasaṃ kṛṇute tigmaśṛṃga iti. parīṇasam ity āha - annaṃ vai parīṇasam - annādyasyaivāvaruddhyai. divā harir dadṛśe naktam ṛjra ity atirātro rūpeṇa kriyate
Diese sind es: »Das Kavya-Werk verkündend, gleich Uśanas« — so sind es Pravatī-Verse, am Aufbruchstag. Zum-Vorwärtsführen-Geeignet ist ja dieser Tag. »Vor-« ist die Gestalt der Gāyatrī; mit eben dieser Gestalt der Gāyatrī brechen sie auf. »Der Gott verkündet die Geburten der Götter« — Soma nämlich ist der Gott, der die Geburten der Götter verkündet; damit erzeugen sie eben Soma. »Von großem Gebot, reiner Verwandtschaft, läuternd« — Speise nämlich nennen die Götter ›von reinem Gebot‹; Speise der Götter aber ist der Soma; damit erzeugen sie eben diesen. »Mit dem Fuß nähert sich der Eber, brüllend« — zum Eber geworden, überschritt Prajāpati vom sechsten Tag zum siebten Tag; ein Überschreiten eben ist dies. »Vor, die Schwäne, die Tṛpala-Vögel, dem Ruf entgegen« — die Brahmanen nämlich sind die Schwäne, die Tṛpala-Vögel. »Von daheim nach draußen zogen die Bullenscharen« — die Chandomas nämlich zogen vom Sechstagesabschnitt aus wie von daheim nach draußen. Die Versmaße sind die Bullenscharen. Eben die Versmaße führen damit die Chandomas hinüber, zur Durchquerung des folgenden Dreitagesabschnitts. »Den laut tönenden Pavamāna, ihr Freunde, den unerträglichen Klang, verkünden sie gemeinsam« — Bṛhat und Rathantara eben werden hierbei bei der Morgenpressung zusammengejocht. Diese beiden, zusammengejocht, steigen bei der Mittagspressung empor. »Er jochte, durch den Antrieb des Weitschreitenden, spielend nach Belieben — nicht messen ihn die Kühe« — so werden es kuhreiche, viehreiche Verse, eben zur Sicherung des Viehs. Denn die Chandomas sind Vieh. »Fülle schafft der Scharfgehörnte« — ›Fülle‹ sagt er — Speise nämlich ist Fülle — eben zur Sicherung von Speise und Nahrung. »Am Tag wird der Falbe gesehen, in der Nacht der Rötliche« — damit wird das Atirātra der Gestalt nach vollzogen.
[Anm.: Uśanas Kāvya ist dieselbe Figur, die bereits in 3.150 mit Ukṣan Randhra Kāvya identifiziert wurde. Der Abschnitt katalogisiert, nach dem etablierten Muster dichter Verszitat-Ketten, die Liturgie des Prāyaṇīya-('Aufbruchs'-)Tages: Eber-Verwandlungsmythos für den Übergang vom sechsten zum siebten Tag, Bṛhat-Rathantara-Kopplung bei Morgen- und Mittagspressung, kuhreiche und speisesichernde Verse, abschließend das Atirātra.]
tā etā bhavanti triṣṭubho gāyatravarṇā ahno rūpeṇa samṛddhāḥ. yatra vā ahārūpeṇa samṛddhayanti saṃ tatrardhyate. sam asmā ṛdhyate ya evaṃ veda. tad āhur yad gāyatraṃ saptamam ahas, traiṣṭubham aṣṭamaṃ, jāgataṃ navamam, atha kasmād etad gāyatraṃ sat triṣṭubbhiḥ pratipadyanta iti. sa brūyāt - sarve hy evaitac chandomās triṣṭuppratipado bhavantīti. pra svānāso rathā iveti pravatīr bhavanti. prāyaṇīyarūpam evaitad upagacchanti. prāyaṇīyaṃ hy etad ahaḥ. sūktam anurūpo bhavati - paśavo vai sūktam. paśavaś chandomāḥ - paśūnām evāvaruddhyai. atho bhūmā vai paśavaḥ. bhūmā sūktam. paśūnām evaitat paśūn anurūpān kurvanti. nātra pratyakṣānurūpān kurvanti. tasmāt paśavo nānārūpāñ janayanty - uta śvetā kṛṣṇaṃ janayanty, uta kṛṣṇā śvetam, uta rohiṇī kalmāṣam, uta kalmāṣī rohitam. arvanto na śravasyavaḥ. somāso rāye akramuḥ. iti prāyaṇīyarūpam evaitad upagacchanti. prāyaṇīyaṃ hy etad ahaḥ. hinvānāso rathā iveti yad vai rathavat prāyaṇīyarūpam u eva tat. dadhanvire gabhasttyoḥ. bharāsaḥ kāriṇām iva. rājāno na praśastibhis somāso gobhir añjate. iti gomatīḥ paśumatīr bhavanti, paśūnām evāvaruddhyai. paśavo hi chandomāḥ. yajño na sapta dhātṛbhir iti saptamasyāhno rūpam upagacchanti
Diese sind es, Triṣṭubh-Verse von gāyatrischer Farbe, durch die Gestalt des Tages zum Gedeihen gebracht. Wo sie nämlich durch die Gestalt des Tages zum Gedeihen bringen, dort gedeiht man mit. Ihm gedeiht es mit, wer dies weiß. Da sagen sie: »Wenn der siebte Tag gāyatrisch ist, der achte triṣṭubhisch, der neunte jāgatisch — warum schreiten sie dann, obwohl dieser Tag gāyatrisch ist, mit Triṣṭubh-Versen voran?« Er soll sagen: »Denn alle diese Chandomas haben eben Triṣṭubh als ihren Einstieg.« »Vor, tönend, wie Wagen« — so sind es Pravatī-Verse; sie nähern sich damit eben der Prāyaṇīya-Gestalt. Prāyaṇīya nämlich ist dieser Tag. Der Lobgesang wird passend — Vieh nämlich ist der Lobgesang. Die Chandomas sind Vieh — eben zur Sicherung des Viehs. Und außerdem ist Fülle Vieh. Fülle ist der Lobgesang. Damit machen sie eben Vieh dem Vieh entsprechend. Nicht machen sie es dabei unmittelbar-sichtbar entsprechend. Deshalb bringt Vieh Nachkommen von verschiedener Gestalt hervor — sei es, dass die weiße Kuh ein schwarzes Kalb hervorbringt, oder die schwarze ein weißes, oder die rotbraune ein geschecktes, oder die gescheckte ein rotes. »Wie ruhmverlangende Rennpferde sind die Somatropfen für den Reichtum vorangeschritten« — damit nähern sie sich eben der Prāyaṇīya-Gestalt. Prāyaṇīya nämlich ist dieser Tag. »Voranstürmend wie Wagen« — was wagenhaft ist, das eben ist die Prāyaṇīya-Gestalt. »Sie liefen in den beiden Händen, wie die Gaben der Dichter, wie Könige durch Lobpreisungen; mit Milch werden die Somatropfen gesalbt« — so sind es kuhreiche, viehreiche Verse, eben zur Sicherung des Viehs. Denn die Chandomas sind Vieh. »Wie das Opfer mit seinen sieben Ordnern« — damit nähern sie sich der Gestalt des siebten Tages.
[Anm.: Setzt den in 3.174 begonnenen Verszitat-Katalog zur Prāyaṇīya-Liturgie fort, mit einer eingeschobenen Streitfrage-und-Antwort-Formel (tad āhuḥ...sa brūyāt) zur scheinbaren Inkonsistenz, dass der 'gāyatrische' siebte Tag dennoch mit Triṣṭubh-Versen eröffnet wird. Die Beobachtung, dass verschiedenfarbige Kühe andersfarbige Kälber werfen, dient als Naturbeleg für eine nicht-wörtliche, sondern strukturelle Entsprechung (anurūpa) zwischen Lobgesang und Vieh.]
navarcaṃ bhavati. nava vai puruṣe prāṇāḥ. prāṇair evaitat samṛdhyamānā yanti, prāṇeṣu pratitiṣṭhantaḥ. atho tenaiva trivṛta stomān na yanti. yad dhi kiṃ ca prāyaṇaṃ trivṛt. prāyaṇam u evottaraṃ navarcaṃ bhavati. abhipūrvam evaitat prāṇaiḥ samṛdhyamānā yanti. ā te dakṣaṃ mayobhuvam iti paryāso bhavati, prajānāṃ dhṛtyai paśūnām upasthityai. tad āhur - yat samaṃ kas tṛṇasyāgraṃ sarpati, kva sa tato bhavatīti. ut pakṣiṇaḥ patantīty āhuḥ. katham apakṣā bhindata iti. pakṣiṇīr iva vā etā yās samānaprāyaṇās samānodayanāḥ. etābhir vā etad ahaḥ pakṣi kriyata, etābhir utpataty, etābhis trayastriṃśaṃ stomaṃ pratyudyacchati. pakṣī pāpmānaṃ tarati, pakṣī śriyam aśnute ya evaṃ veda. preti pavamānasya prathamety uttamaivam iva hy etad ahaḥ. tasmād vayas samyak pakṣābhyām evaite. caturviṃśa stomo bhavati. caturviṃśatyardhamāso vai saṃvatsaraḥ. ardhamāsaśa evaitat saṃvatsare pratitiṣṭhanto yanti. atho caturviṃśatyakṣarā vai gāyatrī. tejo brahmavarcasaṃ gāyatrī. tejasy evaitat brahmavarcase pratitiṣṭhanto yanti
Neunversig wird es. Neun sind ja die Atemkräfte im Menschen. Eben durch die Atemkräfte gedeihend schreiten sie voran, in den Atemkräften festen Stand fassend. Und dadurch eben weichen sie mit dem Trivṛt-Stoma nicht von den Stomas ab. Denn was auch immer ein Aufbruch ist, ist trivṛt. Der nachfolgende neunversige Gesang ist ja eben ein Aufbruch. Eben aufeinanderfolgend, durch die Atemkräfte gedeihend, schreiten sie voran. »Zu dir komme Kraft, Freude bringend« — so wird es zum Paryāsa, zur Stütze der Nachkommenschaft, zum Halt des Viehs. Da sagen sie: »Wer da gleichmäßig auf der Spitze eines Grashalms kriecht — wo gelangt er dann hin?« »Die Beschwingten fliegen empor«, sagen sie. »Wie trennen sich die Unbeschwingten ab?« Wie beschwingte Weibchen sind ja diese Verse, die denselben Aufbruch, denselben Aufgang haben. Durch sie eben wird dieser Tag beschwingt gemacht, durch sie fliegt er empor, durch sie erreicht er den Dreiunddreißig-Stoma. Beschwingt überquert er das Übel, beschwingt erlangt er Glanz, wer dies weiß. »Vor« ist das erste Wort des Pavamāna — und doch ist dieser Tag gleichsam der letzte, auf dieselbe Weise. Deshalb, wie die Vögel gleichmäßig mit ihren beiden Flügeln fliegen, so eben diese hier. Es wird zum Vierundzwanzig-Stoma. Vierundzwanzig Halbmonate hat ja das Jahr. Nach Halbmonaten eben, im Jahr festen Stand fassend, schreiten sie voran. Und außerdem hat die Gāyatrī vierundzwanzig Silben. Glutkraft und priesterliche Ausstrahlungskraft ist die Gāyatrī. In Glutkraft, in priesterlicher Ausstrahlungskraft eben, festen Stand fassend, schreiten sie voran.
[Anm.: Das Rätsel-Gespräch über den Grashalm-Kriecher und die Beschwingten/Unbeschwingten bleibt in seiner genauen Pointe unsicher, dient aber ersichtlich als Bild für die 'geflügelten', d.h. gleichmäßig auf- und absteigenden Verse. Der Satz zu 'Vor' als erstem Wort des Pavamāna, der zugleich den letzten Tag markiert, spielt mit einem Paradox von Anfang und Ende – die Übersetzung bleibt hier vorsichtig-wörtlich. Die Vierundzwanzig-Stoma-Silbenzahl-Verbindung (Halbmonate/Gāyatrī) knüpft an dieselbe Zahlensymbolik wie 3.173 an.]
trayo vaiśvānarā atirātrā dvādaśāhe kāryā ity āhuḥ. prāṇaḥ prathamo vaiśvānaro, ’pāno dvitīyo, vyānas tṛtīyaḥ. vāg vā eṣā pratatā yad dvādaśāhaḥ. tāṃ tvayi vicchindyuḥ. tāṃ hāryalaḥ kāhoḷir upeyāya - trayanīkā vijityeti. tam u ha brāhmaṇa uvācānuṣṭhyā prāṇān upāgāt. vi vācam achaitsīd iti. tasya ha tat kulaṃ vy eva cicchide. jyok tu haiva jijīva. tad u ha paścevānusaṃtāyayāṃcakre. mūrdhānaṃ divo aratiṃ pṛthivyā ity evaṃrūpeṇa vaiśvānaraḥ kāryaḥ. tan na vācaṃ vichinatti, nāgniṃ vaiśvānaram antaretīti. pra vaś śukrāya bhānave bharadhvam iti pravatī kāryā. praṇinīṣeṇyaṃ vā etad ahaḥ. preti gāyatryai rūpam. gāyatryā evaitad rūpeṇa prayanti. bhūyāṃsi rūpāṇy aparādhyanta. itarāṇy eva bhūyāṃsi rūpāṇi. yan mūrdhānaṃ divo aratiṃ pṛthivyā ity āha dyāvāpṛthivīyo vātirātro ’tirātra evaitena rūpeṇa kriyate. vaiśvānaram ṛta ā jātam agnim ity agnir eva vaiśvānaraḥ pratyakṣaṃ bhavati. kaviṃ samrājam atithiṃ janānām iti mādhyandinaṃ savanam. āsannā pātraṃ janayant devā iti ṣaṣṭhasyāhnas tṛtīyasavanam pratyupagacchanti
»Drei Vaiśvānara-Atirātras sind im Zwölftagesritus zu vollziehen«, so sagen sie. Der erste Vaiśvānara ist der Einatem, der zweite der Ausatem, der dritte der Zwischenatem. Rede nämlich ist dieser ausgedehnte Zwölftagesritus. Diese könnte man in dir zerschneiden. Dem näherte sich Āryala Kāholi: »Durch die Dreifront habe ich gesiegt.« Da sprach zu ihm ein Brahmane: »Wer sich den Atemkräften in gehöriger Weise nähert, zerschneidet die Rede.« Dessen Geschlecht wurde daraufhin tatsächlich zerschnitten. Doch er selbst lebte noch lange. Da ließ er es nachträglich wieder fortsetzen. »Das Haupt des Himmels, der Lenker der Erde« — mit dieser Gestalt ist der Vaiśvānara zu vollziehen. Das zerschneidet die Rede nicht, das tritt nicht zwischen Agni Vaiśvānara. »Bringt für euch dar dem leuchtenden Glanz« — so ist ein Pravatī-Vers zu vollziehen. Zum-Vorwärtsführen-geeignet ist ja dieser Tag. »Vor« ist die Gestalt der Gāyatrī; mit eben dieser Gestalt der Gāyatrī brechen sie auf. Viele Gestalten waren fehlgegangen; es sind eben die anderen, zahlreicheren Gestalten. Dass er »Das Haupt des Himmels, der Lenker der Erde« spricht — das Dyāvāpṛthivīya-Atirātra wird eben mit dieser Gestalt vollzogen. »Vaiśvānara, in der Wahrheit geboren, Agni« — dadurch wird eben Agni Vaiśvānara unmittelbar sichtbar. »Der Seher, der Allherrscher, der Gast der Völker« — das ist die Mittagspressung. »Angesessen erzeugen die Götter das Gefäß« — damit nähern sie sich der dritten Pressung des sechsten Tages wieder an.
[Anm.: Die eingeschobene Erzählung um Āryala Kāholi (Sohn eines Kahoḍa — ob identisch mit dem aus der Aṣṭāvakra-Sage bekannten Kahoḍa, bleibt unsicher) ist stark komprimiert und an mehreren Stellen (»tāṃ tvayi vicchindyuḥ«, »trayanīkā vijitya«, »bhūyāṃsi rūpāṇy aparādhyanta«) unsicher übersetzt; der Sinn scheint eine Warnung zu sein, dass eine unsachgemäße Annäherung an die drei Atem-Vaiśvānaras die 'Rede' (den ausgedehnten Zwölftagesritus) zerschneidet – Āryalas Geschlecht erlosch daraufhin, obgleich er selbst lange lebte und den Ritus später fortsetzen ließ.]
Denn dies erblickten die Götter als das Letzte im Opfer. Sie werden hierbei gleichsam wie hinübergegangen. Eben dies suchen sie wieder auf, zur Fortdauer. Die Götter sprachen: »Da diese beiden Atirātras ohne Satra sind, wodurch sollen wir dann in den Leib Agni Vaiśvānaras eindringen?« Sie sprachen: »Eben mit diesen unseren letzten, unerschöpften, höchsten, geheimen Leibern wollen wir eindringen.« »Das Haupt des Himmels, der Lenker der Erde« — das ist der letzte, unerschöpfte, höchste, geheime Leib von Himmel und Erde. »Vaiśvānara, in der Wahrheit geboren, Agni« — das ist der letzte, unerschöpfte, höchste, geheime Leib Agni Vaiśvānaras. »Der Seher, der Allherrscher, der Gast der Völker« — das ist, unter den Samrāḍvatī-Versen, der letzte, unerschöpfte, höchste, geheime Leib Indras. »Angesessen erzeugen die Götter das Gefäß« — das ist der letzte, unerschöpfte, höchste, geheime Leib aller Götter.
[Anm.: Reaktiviert die bereits seit 3.115/3.129 etablierte yātayāma/ayātayāma-('erschöpft/unerschöpft'-)Kategorie in neuer, theologisch pointierter Anwendung: die vier bereits in 3.177 zitierten Verse werden hier als je der 'letzte, unerschöpfte, geheime Leib' einer Gottheit bzw. Gottheitengruppe (Himmel-Erde, Agni Vaiśvānara, Indra, Alle-Götter) gedeutet – Verse als verborgene göttliche Körper.]
Wie man ein aufbewahrtes Samenkorn mit einem Gewand umhüllt, dieses Gewand bis zum äußersten Rand herum windet — genauso eben durchdrangen die Götter mit diesen letzten, unerschöpften Leibern den Leib Agni Vaiśvānaras. Ebenso eben durchdringen sie ihn auch jetzt. Alle Ukthas werden vollzogen, wenn das Agniṣṭoma vollendet ist. Sechs Ukthas treten heraus. Diese treten heraus, wenn dieser Sechstagesabschnitt vollendet ist. Diese werden eben in diesem Āgneya-Ājya wieder zusammengejocht. »Das Haupt des Himmels, der Lenker der Erde« — damit wird eben das Dyāvāpṛthivīya zusammengejocht. »Der Seher, der Allherrscher, der Gast der Völker« — damit werden eben das Mārutvatīya und das Niṣkevalya zusammengejocht. »Angesessen erzeugen die Götter das Gefäß« — damit werden eben das Ājya und das Prauga zusammengejocht. So werden diese Ukthas wieder zusammengejocht. Denn dieser Dreitagesabschnitt erstreckt sich ja herwärts. Deshalb heißt es »Das Haupt des Himmels, der Lenker der Erde«. Jene Sonne dort nämlich ist das Haupt des Himmels, der Lenker der Erde.
[Anm.: Das Gleichnis vom in ein Gewand gewickelten Samenkorn spielt vermutlich bewusst mit dem Doppelsinn von 'nidhana' als Gewand-Rand/-Ende UND als Name des rituellen Schluss-Refrains (Nidhana). Der Abschnitt listet, wie die vier bereits genannten Verse (3.177f.) mit spezifischen Uktha-Untergruppen (Dyāvāpṛthivīya, Mārutvatīya/Niṣkevalya, Ājya/Prauga) verknüpft werden.]
pra vo mitrāya gāyateti maitrāvaruṇaṃ bhavati. prāyaṇīyarūpam evaitad upagacchanti. prāyaṇīyaṃ hy etad ahaḥ. samrājā yā ghṛtayonī mitraś cobhā varuṇaś cety ubhayor evaitad bṛhadrathantarayo rūpam upagacchanti. ubhe ’py atra bṛhadrathantare kriyete. indrā yāhi citrabhāno, indrā yāhi dhiyeṣita, indrā yāhi tūtujāna ity ā yāhy ā yāhīti bhavati. ā yāhy ā yāhy ā yāhīti yuktānāṃ purastāt prayanti. yathā yuktānāṃ purastād ā yāhy ā yāhīti preyāt tādṛk tad yat tṛtīyasyāhn aindrāgnam. tad aindrāgnaṃ samainy ājyāni bhavanti. nānāgrāmāv iva ha vā etau yat pṛṣṭhyaś ca ṣaḍahaś chandomāś ca. sa yathā nānāgrāmo mitrāṇi vyatiṣajyābhaya āsīyātāṃ tādṛk tad yat samainy ājyāni bhavanti. asamaini haike kurvanti. tasmāt samainy eva kāryāṇi. caturviṃśa stomo bhavati - caturviṃśatyakṣarā vai gāyatrī. tejo brahmavarcasaṃ gāyatrī. tejasy evaitad brahmavarcase pratitiṣṭhanto yanti
»Singt vor für euch dem Mitra« — das wird zum Maitrāvaruṇa. Sie nähern sich damit eben der Prāyaṇīya-Gestalt. Prāyaṇīya nämlich ist dieser Tag. »Die beiden Allherrscher, die in Schmalz ihren Ursprung haben, Mitra und Varuṇa beide« — damit nähern sie sich eben der Gestalt von Bṛhat und Rathantara zugleich. Beide, Bṛhat und Rathantara, werden hier nämlich vollzogen. »Indra, komm, von leuchtendem Glanz; Indra, komm, von Einsicht getrieben; Indra, komm, eilig herbeistürmend« — so wird es zu »Komm, komm«. Mit »Komm, komm, komm« schreiten sie vor den Angejochten voran. Wie man vor den Angejochten mit »Komm, komm« voranschritte, so ist das, was dem Aindrāgna des dritten Tages zukommt. Bei diesem Aindrāgna werden die Ājya-Verse übereinstimmend. Diese beiden nämlich, der Pṛṣṭhya-Sechstagesabschnitt und die Chandomas, sind gleichsam wie zwei verschiedene Dörfer. Wie zwei aus verschiedenen Dörfern, nachdem sie Freundschaftsbande geknüpft haben, furchtlos beieinander säßen, so ist das, dass die Ājya-Verse übereinstimmend werden. Manche machen sie nicht-übereinstimmend. Deshalb sind eben übereinstimmende zu vollziehen. Es wird zum Vierundzwanzig-Stoma — vierundzwanzig Silben hat ja die Gāyatrī. Glutkraft und priesterliche Ausstrahlungskraft ist die Gāyatrī. In Glutkraft, in priesterlicher Ausstrahlungskraft eben, festen Stand fassend, schreiten sie voran.
[Anm.: Das Gleichnis von den Bewohnern zweier verschiedener Dörfer, die Freundschaft schließen, veranschaulicht, warum die Ājya-Verse an der Nahtstelle zwischen Pṛṣṭhya-Sechstagesabschnitt und Chandoma-Tagen bewusst 'übereinstimmend' (nicht disparat) gestaltet werden – eine ausdrückliche Polemik gegen eine abweichende Praxis ('manche machen sie nicht-übereinstimmend'). Die Vierundzwanzig-Stoma-Formel wiederholt wortnah 3.176.]
ye ha khalu vā ayuja stomās te yugmanto, ye yugmantās te ’yujaḥ. tad ye ’yuja stomās tān grāmyāḥ paśavo ’nv, atha ye yugmantas tān āraṇyāḥ. tad yad ayujāṃ stomānāṃ sāma yugmottamaṃ bhavati, tasmād grāmyāḥ paśavo yuktā vahanti. atha yad yugmatāṃ stomānāṃ sāmāyug uttamaṃ bhavati tasmād āraṇyāḥ paśavo yuktāś caranti. atha yasmād daśame ’hani pañcadaśatrayastriṃśau stomau bhavatas tasmād u yau jyeṣṭhau paśūnāṃ tau yuktau vahato hastī coṣṭraś ca
Nun, welche Stomas ungerade sind, die sind im Blick auf ihr Sāman gerade-endend, und welche gerade sind, die sind ungerade-endend. Von diesen folgen den ungeraden Stomas die Dorftiere, den geraden aber die Waldtiere. Dass nämlich das Sāman der ungeraden Stomas ein Gerades als sein Höchstes hat, deshalb ziehen die Dorftiere, angejocht, Lasten. Dass aber das Sāman der geraden Stomas ein Ungerades als sein Höchstes hat, deshalb streifen die Waldtiere, selbst angejocht, nur umher. Und weil am zehnten Tag der Fünfzehn- und der Dreiunddreißig-Stoma stattfinden, deshalb ziehen auch die beiden größten der Tiere, angejocht, Lasten: der Elefant und das Kamel.
[Anm.: Zahlenrätsel-artige Entsprechung zwischen der Gerade/Ungerade-Struktur der Stoma-Zahlen und Haus-/Wildtieren; da sowohl der Fünfzehn- als auch der Dreiunddreißig-Stoma ungerade Zahlen sind, bestätigt der Schlusssatz konsequent das eingangs aufgestellte Prinzip (ungerade Stomas → domestizierbare, lasttragende Tiere) am Beispiel der größten Zugtiere.]
vṛṣā pavasva dhārayeti mādhyandinasya pavamānasya vṛṣaṇvatīr gāyatryo bhavanti bṛhato rūpam. bārhatam etad ahaḥ. marutvate ca matsara iti marutvatīr bhavanti. marutvad vai madhyandinasya rūpam. madhyandinasyaiva tad rūpān na yanti. taṃ tvā dhartāram oṇyor iti vibhraṣṭam ivaitad ahar yat saptamam. tad yat taṃ tvā dhartāram ity ahn eva dhṛtyai. tāsu gāyatram uktabrāhmaṇam. atha santani. yathā ha vai vyokasau vicchidya vyutkrāmata evaṃ ṣaṣṭhaṃ ca saptamaṃ cāhanī vyucchidya vyutkrāmataḥ. sa yathāśvaṃ saṃyojanena saṃyujyād evam atra santati. tasya sakṛt prastauti, triḥ pratiharati, trir nidhanam upayanti. tat sapta saṃpadyante saptamasyāhno rūpaṃ, saptarātrasya santatyā avyavacchedāya. atha sauparṇam uktabrāhmaṇam. atikrānto vā etarhi yajño bhavati saptame ’han. tad yad atra sauparṇaṃ bhavati yajñasyaivārambhāya. tad aiḷaṃ bhavati - paśavo vā iḷā. paśavaś chandomāḥ - paśūnām evāvaruddhyai
»Als Bulle läutere dich, halte« — so werden es die bullenreichen Gāyatrī-Verse der Mittags-Pavamāna, die Gestalt des Bṛhat. Bārhata ist dieser Tag. »Und für den Marut-begleiteten, den Berauschenden« — so werden es die Mārutvatī-Verse. Marut-bezogen nämlich ist die Gestalt der Mittagspressung. Von eben dieser Gestalt der Mittagspressung weichen sie nicht ab. »Dich, den Halter, in beiden Armen« — dieser Tag, der siebte, ist gleichsam wie herausgefallen. Dass hier »Dich, den Halter« erklingt, das dient eben dem Halt des Tages selbst. Bei ihnen ist das Gāyatra bereits erklärt. Nun das Santani: Wie zwei Hauslose, sich trennend, auseinandergingen, so trennen sich der sechste und der siebte Tag und gehen auseinander. Wie man ein Pferd durch ein Jochband zusammenjochte, so ist hier das Santani. Davon vollzieht man den Prastāva einmal, den Pratihāra dreimal, das Nidhana dreimal. Das ergibt zusammen sieben, die Gestalt des siebten Tages, zur ununterbrochenen Fortdauer des Siebennächtigen durch das Santani. Bei ihnen ist das Sauparṇa bereits erklärt. Denn zu diesem Zeitpunkt, am siebten Tag, ist das Opfer gleichsam schon darüber hinausgegangen. Dass hier das Sauparṇa stattfindet, dient eben dem erneuten Beginn des Opfers. Das wird zum Aiḷa — Vieh nämlich ist Iḷā. Die Chandomas sind Vieh — eben zur Sicherung des Viehs.
[Anm.: Das Santani (bereits als Atemkräfte-Verbindung in 3.119 erwähnt) erhält hier eine genaue liturgische Zahlenstruktur (1 Prastāva + 3 Pratihāra + 3 Nidhana = 7), die den 'Bruch' zwischen sechstem und siebtem Tag überbrücken soll. Das Sauparṇa verweist zurück auf die ausführliche Adler-Flucht-Erzählung in 3.147 ('bereits erklärt').]
atha rohitakūlīyam. viśvāmitro vai bharatānām anasvatyā mahāvṛṣān ayāt. tad dha gaṃgāyai vā yamunāyai vā bṛhat pratikūlam āsa. te hocur mahāvṛṣāḥ - kau svit tāv etarhy anaḍvāhau, yāv idam iyad bṛhat pratikūlam udvahetām iti. sa hovāca viśvāmitras - tau tve mama rohitāv iti. rohitau hāsyānaḍvāhāv āsatuḥ. te hocur mahāvṛṣās - te vā aṃśam avaharāvahai - yadi tavaitad anaḍvāhāv udvahāto, vasnya eva tvam anāṃsi pūrayāsai. yady u nodvahāto, vasnyā u vayaṃ tvāṃ jayemeti. tatheti. te hāṃśam avajahrire. tau ha yavācitasya vā vrīhyācitasya vā dhuri yuyujuḥ. so ’kāmayata viśvāmitra - ud imam ājiṃ jayeyam iti. sa ete sāmanī apaśyat. tābhyām enāv anuparikrāmam abhyasedhat. tāv udapārayetām. tāv udajayetām. tato vai sa tam ājim udajayat. pratikūlam ivaite yanti ye ṣaṣṭhād ahnaś chandomān abhyutkrāmanti. tad yad atra rohitakūlīyaṃ bhavaty ujjityā eva. ujjayati ya evaṃ veda. tad u kāmasani. etaṃ vai sa kāmam akāmayata. so ’smai kāmas samārdhyata. yatkāma evaitena sāmnā stute, sam asmai sa kāma ṛdhyate. yad u kūle rohitābhyām udajayat, tasmād rohitakūlīye ity ākhyāyete. punānas soma dhārayety ubhayarūpā bṛhatī bhavati. eṣā ha vā ubhe sāmanī udyayāma, tasmād etāṃ kurvanty eva bṛhatsāmnaḥ kurvanti rathantarasāmnaḥ
Nun das Rohitakūlīya. Viśvāmitra fuhr mit einem Wagen der Bharatas zu den Mahāvṛṣas. Da war, an der Gaṅgā oder an der Yamunā, eine große, gegen den Strom liegende Furt. Da sprachen die Mahāvṛṣas: »Wer sind wohl diese beiden Zugtiere, die diese so große Gegenstrom-Furt hinüberziehen könnten?« Viśvāmitra sprach: »Das sind meine beiden Rohitas.« Die beiden Rohitas nämlich waren seine Zugtiere. Da sprachen die Mahāvṛṣas: »Lasst uns eine Wette abschließen — wenn diese deine beiden Zugtiere es hinüberziehen, sollst du, um den Einsatz verpflichtet, unsere Wagen füllen; ziehen sie es aber nicht hinüber, so gewinnen wir dich, um den Einsatz.« »So sei es«, sprach Viśvāmitra. Sie schlossen die Wette. Sie jochten die beiden vor die Deichsel eines mit Gerste oder mit Reis beladenen Wagens. Viśvāmitra wünschte: »Möchte ich doch diesen Wettstreit gewinnen!« Er erblickte diese beiden Sāmans. Mit ihnen, um sie herumgehend, trieb er sie an. Die beiden zogen hinüber. Die beiden gewannen. Da gewann er jenen Wettstreit. Wie gegen den Strom gehen jene, die vom sechsten Tag zu den Chandomas hinüberschreiten. Dass hier das Rohitakūlīya stattfindet, dient eben dem Sieg beim Hinüberschreiten. Er siegt beim Hinüberschreiten, wer dies weiß. Das ist auch ein Kāmasani. Denn diesen Wunsch eben wünschte er sich. Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt. Mit welchem Wunsch man sich auch immer mit diesem Sāman preist, dieser Wunsch wird einem erfüllt. Und weil er an der Furt durch die beiden Rohitas siegte, deshalb werden die beiden ›Rohitakūlīya‹ genannt. »Dich Läuternden, Soma, halte« — so wird es zur Bṛhatī von doppelter Gestalt. Denn dieser eine Vers vollbrachte ja beide Sāmans zugleich; deshalb machen sie ihn eben zugehörig sowohl zum Bṛhat-Sāman als auch zum Rathantara-Sāman.
[Anm.: Lebendige Wett-Erzählung um Viśvāmitra (bereits als Hauptfigur des Mahāvaiśvāmitra-Mythos in 3.134 etabliert) und die personifizierten ›Mahāvṛṣas‹ (wörtlich 'große Bullen', hier als sprechende, herausfordernde Wesen an einer Furt gedacht). Liefert die Etymologie für Rohitakūlīya ('die Roten der Furt', von rohita 'rot/rötlich' + kūla 'Ufer/Furt'). Das ›Kāmasani‹ knüpft an die bereits in 3.95 belegte Wunsch-Sāman-Kategorie an, verwandt mit dem größeren kāmadugha-Motivkomplex (zuletzt 3.146).]
tāsu rauravam. devā vā etā ayātayāmnīs tanūr asurayuddhāya prāvṛhanta. agnir eva rauravaṃ prāvṛhata. tenāsurān abhyatapat. te ’bhitapyamānā aravanta. yad abhitapyamānāravanta tad rauravasya rauravatvam. abhitapati bhrātṛvyaṃ śreyān bhūtvā ya evaṃ veda. tad āgneyaṃ sāmāgneye ’han kriyate. āgneyam etad ahar yadgāyatram. agnir hi gāyatrī. tad yad atra rauravaṃ kriyate ’har eva tadrūpeṇa samardhayanti. tenaibhyas samṛddhena svāyāṃ janatāyām ṛddhukaṃ bhavati. tad aiḷaṃ bhavati - paśavo vā iḷā. paśavaś chandomāḥ - paśūnām evāvaruddhyai. atha rathantaram. jāmi dvādaśāhasyāstīty āhuḥ. bārhataṃ ṣaṣṭham ahar bārhataṃ saptamam. pavamāne rathantaraṃ prohanty ajāmitāyai. nānyato ’pasakto vivadho hriyata ity āhuḥ. tad yad ubhe bṛhadrathantare bhavatas sa vivadhatāyā eva. yo vai mūlād agraṃ saṃcikramiṣati na sa śaknoty, atha yo ’grād agraṃ saṃkrāmati sa śaknoti. agrād vā ete ’graṃ saṃkrāmanti ye bṛhato bṛhad upayanti. tasmād bārhataṃ ṣaṣṭham ahar bhavati, bārhataṃ saptamam
Bei ihnen ist das Raurava. Die Götter zogen diese ihre unerschöpften Leiber zum Kampf gegen die Asuras heraus. Agni selbst zog das Raurava heraus. Damit versengte er die Asuras. Diese, versengt, schrien auf. Dass sie, versengt, aufschrien, das ist die Raurava-heit des Raurava. Er versengt den Rivalen, indem er ihm überlegen wird, wer dies weiß. Dieses Agni-bezogene Sāman wird am Agni-Tag vollzogen. Agni-bezogen ist dieser Tag, der gāyatrische. Denn Agni ist die Gāyatrī. Dass hier das Raurava vollzogen wird, damit lassen sie eben den Tag selbst durch diese Gestalt gedeihen. Dadurch, dass es für sie gedeiht, entsteht Gedeihen in ihrer eigenen Sippe. Das wird zum Aiḷa — Vieh nämlich ist Iḷā. Die Chandomas sind Vieh — eben zur Sicherung des Viehs. Nun das Rathantara. »Es gibt Gleichförmigkeit im Zwölftagesritus«, so sagen sie. Bārhata ist der sechste Tag, Bārhata der siebte. Bei der Pavamāna schieben sie das Rathantara ein, zur Vermeidung der Gleichförmigkeit. »Nicht von nur einer Seite hängend wird eine Tragstange getragen«, so sagen sie. Dass beide, Bṛhat und Rathantara, zusammen vorkommen, dient eben dem Tragstangen-Gleichgewicht. Wer von der Wurzel zur Spitze hinüberschreiten will, vermag es nicht; wer aber von Spitze zu Spitze hinüberschreitet, vermag es. Von Spitze zu Spitze eben schreiten diese hinüber, die von Bṛhat zu Bṛhat gelangen. Deshalb ist Bārhata der sechste Tag, Bārhata der siebte.
[Anm.: Reaktiviert die yātayāma/ayātayāma-Kategorie (vgl. 3.178) und das bereits in 3.145 eingeführte ›jāmi‹-(Gleichförmigkeits-)Konzept: die scheinbar problematische Wiederholung 'Bārhata=6.Tag, Bārhata=7.Tag' wird durch den Rathantara-Einschub sowie das Gleichnis von der ausbalancierten Tragstange und dem Prinzip 'Spitze-zu-Spitze statt Wurzel-zu-Spitze' als eigentlich unproblematisch gerechtfertigt.]
atha gauṅgavaṃ yat sāma devatā praśaṃsati. sāmaitad devatā praśaṃsati tena yajamānās satyāśiṣo bhavanti. devāsurāḥ paśuṣv aspardhanta. te ’surāḥ paśubhis saha samudram abhyavāyan. te devā akāmayanta - vṛñjīmahy asurāṇāṃ paśūn iti. ta etat sāmāpaśyan. tenāstuvata. tenāsurāṇāṃ paśūn avṛñjata. te ’bruvan gāṃ gāṃ vāvāsurāṇām avṛkṣmahīti. tad eva gauṅgavasya gauṅgavatvam. tad etat paśavyaṃ sāma. gāṃ - gām eva dviṣato bhrātṛvyasya vṛṃkte ’va paśūn runddhe bahupaśur bhavati ya evaṃ veda. gauṅgavena vai devā asurān hatvā ghoṣaṃ gaṃgaṇim akurvata. tad v eva gauṅgavasya gauṅgavatvam. tad u bhrātṛvyahā. hanti dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ ya evaṃ veda. tad ūrdhvam iva ca tiryag iva ca gīyate. yad ūrdhvam iva gīyate tad bṛhato rūpaṃ, yat tiryag iva tad rathantarasya. etad vai samṛddhaṃ chandomānāṃ yad ubhayaṃ rūpam
Nun das Gauṅgava, welches Sāman die Gottheit preist. Dieses Sāman preist die Gottheit; dadurch werden die Segenswünsche der Opferherren wahr. Götter und Asuras wetteiferten um das Vieh. Die Asuras zogen, zusammen mit dem Vieh, hinab zum Ozean. Die Götter wünschten: »Wir wollen den Asuras das Vieh entreißen!« Sie erblickten dieses Sāman, priesen sich damit. Damit entrissen sie den Asuras das Vieh. Sie sprachen: »Kuh um Kuh haben wir da den Asuras entrissen!« Das eben ist die Gauṅgava-heit des Gauṅgava. Dies ist das viehbezogene Sāman. Kuh um Kuh entreißt er eben dem hassenden Rivalen, sichert sich Vieh, wird reich an Vieh, wer dies weiß. Durch das Gauṅgava, nachdem sie die Asuras erschlagen hatten, stießen die Götter den Schrei »gaṃgaṇi« aus. Das eben ist ebenfalls die Gauṅgava-heit des Gauṅgava. Dies ist zudem rivalentötend. Er erschlägt den hassenden Rivalen, wer dies weiß. Das wird gleichsam aufwärts und gleichsam querwärts gesungen. Was gleichsam aufwärts gesungen wird, das ist die Gestalt des Bṛhat; was querwärts, das ist die des Rathantara. Das eben ist das Vollendete der Chandomas, dass es beide Gestalten hat.
[Anm.: Doppeletymologie des Gauṅgava (vom verteilenden Ruf »gāṃ gāṃ« 'Kuh um Kuh' UND vom Sieges-Ausruf »gaṃgaṇi«) innerhalb eines Devāsura-Vieheroberungsmythos, verwandt mit den Rinder-Mythen aus 3.146 und 3.157. Die abschließende Bemerkung zur zweifachen melodischen Ausrichtung (aufwärts=Bṛhat, querwärts=Rathantara) ist eine seltene explizit musikalisch-technische Angabe.]
atha samantam. indrāgnī vā akāmayetāṃ - samantau syāva, samānīm ṛddhim ṛdhnuyāveti. tāv etat sāmāpaśyatām. ardham anyo ’paśyad ardham anyaḥ. tasyāntau samāhṛtya samadhattām. yat samadhattāṃ tat samantasya samantatvam. tenāstuvātām. tato vai tau samantāv abhavatāṃ, samānīm ṛddhim ārdhnutām. tad brahma vā agniḥ, kṣatram indraḥ. ubhayaṃ brahma ca kṣatraṃ cāvarunddhe ya evaṃ veda. tasmād u haitat sāmaitasmād ahno nāntarityam. idaṃ vai rathantaram ado bṛhat. idam evāntarikṣaṃ samantam anayor eva lokayos samantatvāya. etena vā ete samante. samantena paśukāma stuvīta. paśavo vā antarikṣaṃ, paśavas samantam. paśumān eva bhavati samantena tuṣṭuvānaḥ. brāhmaṇaḥ purodhākāmas samantena stuvīta. āgneyo brāhmaṇa, aindro rājanya, āgneyī pṛthivy, aindrī dyauḥ. te ete ’ntarikṣam abhi samante. samantāv enau karoti brāhmaṇaṃ ca rājanyaṃ ca samantena tuṣṭuvāno, gacchati purodhāṃ, pura enaṃ dadhate. prajāpatir vā akāmayata - samantaḥ prajayā paśubhi syām iti. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. tato vai sa samantaḥ prajayā paśubhir abhavat. tad v eva samantasya samantatvam. samanta eva prajayā paśubhir bhavati ya evaṃ veda
Nun das Samanta. Indra und Agni wünschten: »Wir beide wollen Samanta sein, wir beide wollen gleiches Gedeihen erlangen.« Die beiden erblickten dieses Sāman. Der eine sah die eine Hälfte, der andere die andere Hälfte. Nachdem sie dessen beide Enden zusammengebracht hatten, fügten sie es zusammen. Dass sie es zusammenfügten, das ist die Samanta-heit des Samanta. Damit priesen sich die beiden. Danach wurden die beiden Samanta, erlangten gleiches Gedeihen. Brahmanentum nämlich ist Agni, Kriegertum ist Indra. Beides, Brahmanentum und Kriegertum, sichert sich, wer dies weiß. Deshalb ist eben dieses Sāman von diesem Tag nicht wegzulassen. Diese Erde hier nämlich ist das Rathantara, jener Himmel dort ist das Bṛhat. Eben dieser Luftraum ist das Samanta, zur allseitigen Gleichheit eben dieser beiden Welten. Durch dieses eben sind diese beiden Samanta. Mit dem Samanta soll sich preisen, wer nach Vieh verlangt. Vieh nämlich ist der Luftraum, Vieh ist das Samanta. Reich an Vieh wird eben, wer sich mit dem Samanta gepriesen hat. Ein Brahmane, der nach der Hauspriesterstellung verlangt, soll sich mit dem Samanta preisen. Agni-bezogen ist der Brahmane, Indra-bezogen der Krieger; Agni-bezogen ist die Erde, Indra-bezogen der Himmel. Diese beiden sind hin zum Luftraum gleichermaßen verbunden. Samanta macht diese beiden, den Brahmanen und den Krieger, wer sich mit dem Samanta gepriesen hat; er erlangt die Hauspriesterstellung, man setzt ihn an die erste Stelle. Prajāpati wünschte: »Möchte ich doch Samanta sein mit Nachkommenschaft und Vieh!« Er erblickte dieses Sāman. Damit pries er sich. Danach wurde er Samanta mit Nachkommenschaft und Vieh. Das eben ist ebenfalls die Samanta-heit des Samanta. Samanta mit Nachkommenschaft und Vieh wird eben, wer dies weiß.
[Anm.: Ungewöhnlicher gemeinsamer Kompositionsmythos: Indra und Agni erschauen das Sāman gemeinsam, jeder nur eine Hälfte, und fügen es erst durch Zusammenlegung ihrer beiden Hälften zum Ganzen – ein Bild, das die 'Samanta'-Bedeutung (etwa 'ringsum gleich/verbunden') selbst performativ vorführt. Der Luftraum als vermittelnde 'Samanta'-Instanz zwischen Erde (Rathantara) und Himmel (Bṛhat) sowie zwischen Brahmanentum und Kriegertum ist eine klare kosmologisch-soziale Analogiebildung.]
athāyāsyaṃ bārhatarāthantaram. ubhau varṇau samṛddhyai. madhyenidhanaṃ pratiṣṭhāyai. ādityāś ca vā aṃgirasaśca svarge loke ’spardhanta. ta aikṣanta yatare no yatarān yājayiṣyanti te hāsyanta iti. te ’ṅgirasaḥ pūrve yajñaṃ samabharan, śvassutyānte ’gnim āṅgirasaṃ dūtaṃ prāhiṇvann - imān na śvassutyām ādityebhyaḥ prabrūhīti. sa etyābravīd - ādityā, aṅgiraso va śvassutyāṃ prāhur iti. taṃ hocur apehi mantrayitvā tvā prativakṣyāma iti. tasmād idam apy etarhi dūtam āhur - apehi mantrayitvā tvā prativakṣyāma iti. te hocur upa taj jānīta yathā asmān evāṃgiraso yājayeyur na vayam aṅgirasaḥ. yadi yājayiṣyāmo hāsyāmahe, yady u na yājayiṣyāmo yajñād yaśaso ’pakramiṣyāma iti. tasmād u ha vṛtena nāpakrāmye, yajñāda yaśaso ned apakrāmāṇīti
Nun das Āyāsya, das Bṛhat-und-Rathantara-bezogene. Beide Klassen, zum Gedeihen. Das mittlere Nidhana, zum festen Stand. Die Ādityas und die Aṅgirasas wetteiferten in der Himmelswelt. Sie erwogen: »Welche von uns beiden auch immer für welche opfern lassen werden, jene werden lachen.« Die Aṅgirasas bereiteten zuerst das Opfer vor; für die morgige Pressung sandten sie Agni als Āṅgirasa-Boten: »Verkünde diesen unsere morgige Pressung, den Ādityas!« Er ging hin und sprach: »Ādityas, die Aṅgirasas haben euch ihre morgige Pressung angekündigt.« Sie sprachen zu ihm: »Geh fort; nach Beratung werden wir dir antworten.« Deshalb sagt man auch jetzt noch zu einem Boten: »Geh fort; nach Beratung werden wir dir antworten.« Sie sprachen: »Versteht dies wohl: dass eben die Aṅgirasas für uns opfern lassen, nicht wir für die Aṅgirasas. Wenn wir für sie opfern lassen, werden wir lachen; wenn wir aber nicht für sie opfern lassen, werden wir vom Ruhm des Opfers weichen.« Deshalb eben soll man von dem, was man sich vorgenommen hat, nicht abweichen: »Dass ich nur nicht vom Ruhm des Opfers weiche!«
[Anm.: Eröffnet den Ādityas-versus-Aṅgirasas-Wettstreit um die Opferpriesterschaft (Fortsetzung in 3.188). Die Pointe des Wettstreits – wer für wen 'opfern lässt' (yājayati), gewinnt/lacht – bringt eine Statusfrage der vedischen Priester-Gönner-Beziehung zur Sprache. Die Bitte-Boten-Formel ›Geh fort, nach Beratung werden wir dir antworten‹ wird ausdrücklich als Ursprung einer noch zeitgenössisch gebräuchlichen Redewendung angegeben.]
padena hāpeyāt. svaṃ vā yajñam abhyupeyād. idaṃ ca tvayā kṛtam iti vā. ta etam ādityās sadyaḥkrīyaṃ yajñaṃ samabharan. te ’bruvann agne ciraṃ tad yac chva, imām eva vayaṃ tubhyam adya sutyāṃ prabrūmaḥ. teṣāṃ nas tvaṃ hotāsi, gaur āṃgiraso ’dhvaryur, bṛhaspatir udgātā, ayāsyo brahmeti sarvān avṛṇata. so ’bravīd - dūto vā ahaṃ carāmīti. tam agniṃ dūtaṃ vṛṇīmaha ity eva dūtaṃ carantam avṛṇata. sa eṣāṃ vṛtonāpākrāmat. sa punar etyābravīd, aṅgirasa, ādityā vo ’dyasutyāṃ prāhur iti. tena hotur eva no ’vṛthā iti. neti hovāca. dūto yuṣmākam abhūvaṃ, vṛta evāmīṣām asmy, ād aha nūnam amī yuṣman medhāvitarā vā dhīratarā vābhūvan ya etat pūrve dṛśann iti. te vṛtā nāpākrāman. ta etyāyājayan. tebhya etam ādityā ādityam evāśvaṃ śvetaṃ bhūtam aśvābhidhāny abhihitam ayāsyāya brahmāśvaṃ nītvā svargaṃ lokam agacchan. ahīyantāṅgirasaḥ. so ’yāsyas sadṛśāv ātmana śreyāṃsaṃ vā pratigṛhya vyabhraṃśata. so ’kāmayata sam ātmānaṃ śrīṇīyeti. sa etat sāmāpaśyat. tenātmānaṃ samaśrīṇīta. vibhraṣṭam ivaitad ahar yat saptamam. tad yad atrāyāsyaṃ bhavati sam evainad etena śrīṇanti, bhiṣajyanty evainam etena. yad v ayāsyo ’paśyat tasmād āyāsyam ity ākhyāyate. pro ayāsīd indur indrasya niṣkṛtam iti pravad ṛcā ca sāmnā caitad ahaḥ praṇayanti. ubhau varṇau samṛddhyai. preti bhṛgavaḥ prety aṅgirasaḥ prety ādityā svargaṃ lokam ārohan. prety evaitena svargaṃ lokam ārohanti
Schon mit einem Schritt könnte man scheitern. Oder man würde sich nur dem eigenen Opfer zuwenden. Oder: »Dies ist von dir getan worden.« Da bereiteten die Ādityas dieses noch am selben Tag vollzogene Opfer vor. Sie sprachen: »Agni, jenes Morgen ist zu lang; wir verkünden dir eben diese Pressung heute, noch am selben Tag. Du sollst unser Hotar sein, Gau Āṅgirasa der Adhvaryu, Bṛhaspati der Udgātar, Ayāsya der Brahmane« — so wählten sie alle aus. Er sprach: »Ich gehe doch als Bote umher.« »Eben dich, Agni, wählen wir als Boten«, so wählten sie ihn, wie er umherging, eben als Boten. Er, von ihnen gewählt, wich nicht ab. Er ging wieder hin und sprach: »Aṅgirasas, die Ādityas haben euch ihre heutige Pressung angekündigt.« »Sind wir dadurch etwa ohne Hotar?« »Nein«, sprach er. »Ich war euer Bote, doch nun bin ich von jenen gewählt. So sind nun eben jene klüger oder entschlossener gewesen als ihr, da sie dies zuvor erkannt haben.« Diese, von ihnen Gewählten, wichen nicht ab. Sie gingen hin und opferten für sie. Ihnen brachten die Ādityas dieses sonnenhafte, weiß gewordene, mit Pferdenamen benannte Pferd dar; nachdem sie es dem Brahmanen Ayāsya überbracht hatten, gingen sie zur Himmelswelt. Die Aṅgirasas blieben zurück, ausgeschlossen. Jener Ayāsya, nachdem er ein ihm Gleiches oder Überlegenes empfangen hatte, geriet ins Straucheln. Er wünschte: »Möchte ich mich doch wieder heilen!« Er erblickte dieses Sāman. Damit heilte er sich. Wie gefallen ist dieser Tag, der siebte. Dass hier das Āyāsya stattfindet, damit heilen sie ihn eben dadurch, damit kurieren sie ihn eben dadurch. Und weil Ayāsya es erschaute, deshalb wird es ›Āyāsya‹ genannt. »Vorwärts ging der Somatropfen, zu Indras Zufluchtsort« — mit diesem Pravat-Vers und diesem Sāman führen sie diesen Tag voran. Beide Klassen, zum Gedeihen. »Vor die Bhṛgus, vor die Aṅgirasas, vor die Ādityas« — so stiegen sie zur Himmelswelt empor. Eben durch dieses »Vor« steigen sie zur Himmelswelt empor.
[Anm.: Fortsetzung von 3.187: die Ādityas gewinnen durch schnelleres Handeln (heute statt morgen) und geschicktes Abwerben, darunter Agni (zunächst noch als Bote der Aṅgirasas unterwegs) und den Ṛṣi Ayāsya (real bezeugter vedischer Sänger, RV 9.44 u.a., traditionell selbst den Aṅgirasas zugerechnet – seine Abwerbung ist also besonders pointiert) als Brahman-Priester. Der Satz zu Ayāsyas 'Straucheln' nach Empfang eines 'ihm Gleichen oder Überlegenen' (sadṛśau...śreyāṃsam) bleibt im Detail unsicher übersetzt. Die Heilung des 'gefallenen' siebten Tages durch das Āyāsya-Sāman knüpft direkt an das vibhraṣṭam-Motiv aus 3.182 an.]
atha bṛhat. varṣma vai bṛhat. varṣmaṇy evaitat pratitiṣṭhanto yanti. tad gāyatre ’han bhavati. puṃso vā etad rūpaṃ yad bṛhat, striyai gāyatrī. tad yad atra bṛhat pṛṣṭhaṃ bhavati tenaivaitad ahar mithunaṃ kriyate. atha vāmadevyam. paśavo vai vāmadevyam. paśumanta eva bhavanty enena tuṣṭuvānāḥ. vayaṃ gha tvā sutāvanta iti satobṛhatīr ākramante ’napabhraṃśāya. tāsv abhinidhanaṃ kāṇvam. tad āhur - viruddhaṃ vā etad brahmasāmno yad anyatarad rūpam abhivadatīti. tad yad abhīti bhavati tena rathantarasya rūpān na yanti. indro vai vṛtram ajighāṃsat. sa kaṇvam upādhāvad - ṛṣa upa tvā dhāvāma, iha no ’dhibrūhīti. sa etat kaṇvas sāmāpaśyat. tenāstuta. tato vā indro vṛtram ahan. hanti dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ ya evaṃ veda. yad v evāsmā etena sāmnā kaṇvo ’bhīti vajram abhyanadat, tasmād abhinidhanaṃ kāṇvam ity ākhyāyate. athaitā bhavanti nakiṣ ṭaṃ karmaṇā naśad iti. ati vā etarhi bṛhatī bṛhatīṃ krāmaty, ati kakup kakubham, aty anuṣṭub anuṣṭubham. saiṣā bṛhatī satī jagatī saṃpadyate. tenātikrāmati. sā aty aṣṭamam ahar jihīte, navamam ahar abhyārabhate, prati ṣaṣṭham apadhāvati
Nun das Bṛhat. Höhe nämlich ist das Bṛhat. In der Höhe eben, festen Stand fassend, schreiten sie voran. Das findet am gāyatrischen Tag statt. Männliche Gestalt nämlich ist das Bṛhat, weibliche die Gāyatrī. Dass hier das Bṛhat-Pṛṣṭha stattfindet, damit eben wird dieser Tag zum Paar gemacht. Nun das Vāmadevya. Vieh nämlich ist das Vāmadevya. Reich an Vieh werden eben jene, die sich damit gepriesen haben. »Wir, mit dem gepressten Soma, kommen zu dir« — so betreten sie die Satobṛhatī-Verse, um nicht zu straucheln. Bei ihnen ist das Abhinidhana Kāṇva-bezogen. Da sagen sie: »Das ist doch ein Widerspruch für das Brahma-Sāman, dass es eine andere Gestalt ausspricht.« Dass hier »abhi« erklingt, damit weichen sie nicht von der Gestalt des Rathantara ab. Indra wollte Vṛtra erschlagen. Er lief zu Kaṇva: »Seher, wir laufen zu dir; belehre uns hier.« Kaṇva erblickte dieses Sāman. Damit pries sich Indra. Danach erschlug Indra Vṛtra. Er erschlägt den hassenden Rivalen, wer dies weiß. Und weil Kaṇva mit diesem Sāman für ihn »abhi« gegen den Vajra rief, deshalb wird es ›Abhinidhana Kāṇva‹ genannt. Nun werden diese Verse: »Keiner soll ihn durch Tat erreichen.« Denn hierbei überschreitet die Bṛhatī die Bṛhatī, die Kakubh die Kakubh, die Anuṣṭubh die Anuṣṭubh. Diese selbst, obgleich Bṛhatī, wird zur Jagatī. Dadurch überschreitet sie. Sie geht über den achten Tag hinaus, greift zum neunten Tag hinüber, läuft aber zum sechsten Tag zurück.
[Anm.: Kaṇva ist der bereits mehrfach begegnete reale vedische Sängerseher (Kaṇva-Sāman 3.46, Kaṇva-Nārṣada 3.72, Kaṇva-Agni-Vers 3.98). Liefert eine weitere Vṛtra-Tötungs-Ätiologie, diesmal für das Abhinidhana Kāṇva. Der Schlussabschnitt über die 'selbstüberschreitende' Bṛhatī, die zur Jagatī wird und sich zugleich auf Tag sechs, acht und neun bezieht, bleibt technisch schwer fassbar und wird bewusst wörtlich-vorsichtig wiedergegeben.]
tāsu vaikhānasam. vaikhānasā vā etāni sāmāny apaśyann abhyārambhaṃ yajñasya pratyapasāram. abhyārambhair vai devā asurān yajñād antarāyan. atha ha vai vaikhānasā ity ṛṣikā indrasya priyā āsuḥ. tān ha rahasyur mārimlavo mārayāṃcakāra. tān hecchan rahasyum upeyāya. taṃ hovāca - rahasyo, neha tān vaikhānasān ity ṛṣikān adrākṣīr iti. sa hovāca - syo vai bhagavas tān amārayad iti. taṃ hovācāṃ rahasyo, yatro duṣpratijñānā bhrūṇahatyā. atha kathaṃ pratyajñāsthā iti. sa hovācānṛtaṃ ca bhrūṇahatyāṃ codayāṃsam. tad anṛtam evāyāsīt. sa satyam evābhyupāgād iti. taṃ hovāca varaṃ vṛṇīṣva yaḥ pratyajñāsthā iti. sa hovāca - brāhmaṇa eva me prajāyām ājāyatām iti. te haite takṣavo rāhasyavā. atho āhur indram eva tad devatā abhyaśaṃsann indraṃ paryacakṣata - tvayi satas tavo mārimlavo ’mīmarad iti. so ’kāmayata sam ainān īrayeyam iti. sa etat sāmāpaśyat. tenainān samairayat. tad etad bheṣajaṃ prāyaścittis sāma. bheṣajaṃ vai sat prāyaścittim akuruta. vibhraṣṭam ivaitad ahar yat saptamam. tad evaitena bhiṣajyanti. bheṣajam evaitena prāyaścittiṃ kurvate. tad u kāmasani. etaṃ vai sa kāmam akāmayata. so ’smai kāmas samārdhyata. yatkāma evaitena sāmnā stute sam asmai sa kāma ṛdhyate. tad indro ha vai vikhānāḥ. sa yad indra etat sāmāpaśyat, tasmād vaikhānasam ity ākhyāyate. tad aiḷam acchāvākasāma bhavati. paśavo vā iḷā. paśuṣv evaitat pratitiṣṭhanti
Bei ihnen ist das Vaikhānasa. Die Vaikhānasas erblickten diese Sāmans als Ansatzpunkt des Opfers, als Rückkehr. Durch Ansatzpunkte schlossen die Götter die Asuras vom Opfer aus. Nun waren einst die sogenannten Vaikhānasas, kleine Seher, Indra lieb. Diese tötete Rahasyu Mārimlava. Sie vermissend, näherte sich Indra dem Rahasyu. Er sprach zu ihm: »Rahasyu, hast du hier nicht diese kleinen Seher, die Vaikhānasas, gesehen?« Er sprach: »Fürwahr, Herr, jener hat sie getötet.« Er sprach zu ihm: »Rahasyu! Bei einer so schwer einzugestehenden Weisen-Tötung — wie hast du sie dann eingestanden?« Er sprach: »Ich wollte nicht Lüge und Weisen-Tötung zugleich begehen. Das wäre ja nur Lüge gewesen. So bin ich eben der Wahrheit gefolgt.« Er sprach zu ihm: »Wähle eine Gunst, da du eingestanden hast.« Er sprach: »Möge doch in meiner Nachkommenschaft ein Brahmane geboren werden.« Das sind die Takṣan-Nachkommen, die Rāhasyavas. Und außerdem sagen sie: Sie priesen eben Indra als die Gottheit, hielten Indra zur Rechenschaft: »In dir bestehend, hat Mārimlava die Deinigen getötet!« Da wünschte Indra: »Möchte ich sie doch wiederbeleben!« Er erblickte dieses Sāman. Damit belebte er sie wieder. Das ist das heilende, sühnende Sāman. Als Heilmittel vollzog es die Sühne. Wie gefallen ist dieser Tag, der siebte. Eben dadurch heilen sie ihn. Als Heilmittel vollziehen sie eben dadurch die Sühne. Das ist auch ein Kāmasani. Denn diesen Wunsch eben wünschte er sich. Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt. Mit welchem Wunsch man sich auch immer mit diesem Sāman preist, dieser Wunsch wird einem erfüllt. Indra nämlich ist der Grabende. Weil Indra dieses Sāman erschaute, deshalb wird es ›Vaikhānasa‹ genannt. Das wird zum Aiḷa, dem Acchāvāka-Sāman. Vieh nämlich ist Iḷā. Sie finden dadurch eben in Vieh festen Stand.
[Anm.: Eindrückliche Mordgeständnis-Erzählung: Rahasyu Mārimlava tötet die Indra lieben ›kleinen Seher‹ (ṛṣikāḥ), gesteht Indra gegenüber zunächst ausweichend in der dritten Person ('jener hat sie getötet'), begründet sein Geständnis ethisch (keine Lüge zur Tötung hinzufügen) und erhält trotz der Tat als Gunst einen Brahmanen-Nachkommen. 'Bhrūṇahatyā' meint hier, da die Opfer ṛṣikāḥ (kleine Weise) sind, nicht wörtlich 'Embryotötung', sondern die Tötung eines Gelehrten/Weisen — eine im Dharmaśāstra belegte erweiterte Wortbedeutung. Die Wiederbelebung durch das Vaikhānasa-Sāman knüpft an die Kāmasani-Kategorie (vgl. 3.95, 3.183) und das vibhraṣṭam-Motiv (3.182, 3.188) an. Indras Beiname ›der Grabende‹ (vikhāna) bleibt ohne weitere mythologische Ausführung.]