Quellen der Menschheit

Jaiminīya-Brāhmaṇa · Kāṇḍa 3

Kapitel 16 Lautlose Gesänge: Der Mensch im Mittelpunkt der Welt

Ein ungewöhnlicher Programmpunkt eröffnet dieses überwiegend technische Kapitel: Ein Sāman wird 'mit dem Geist', ganz ohne hörbaren Klang, vollzogen, und einem so entstandenen 'Geist-Tag' wird ein 'Rede-Tag' gegenübergestellt – eine frühe Vorwegnahme des später zentralen stillen, mentalen Rezitierens. Nicht weniger bemerkenswert ist die Erzählung um Keśin Dārbhya, den Pañcāla-Lehrer, in die eine politische Nebenbemerkung über die Verwundbarkeit seines eigenen Reiches einfließt. Eine personifizierte, hungernde und dürstende Rede wird von drei Versmaßen wie von einem Pferdegespann über die drei Welten gefahren, während Prajāpati selbst an Mund, Mitte und Füßen von einer bösen Macht zerschnitten und erst durch eigens erschaute Sāmans wiederhergestellt wird. Den Kern des Kapitels bildet danach eine neue, konkurrierende Ätiologie der sechs Pṛṣṭha-Sāmans: Rathantara und Bṛhat, als Rede und Geist, als Brahman und Kṣatra-Macht gegeneinander antretend, erschaffen wechselseitig Vairūpa, Vairāja, Śākvara und Raivata, bis beide Seiten sich als gleichrangig erkennen; die Versmaße Anuṣṭubh und Paṅkti treten hinzu. Das gesamte Zwölftageritual wird sodann in den uranfänglichen Wasser-Ozean eingebettet, in dem Prajāpati mit dem Vaiśvānara-Atirātra als Eröffnungstag zuerst festen Grund findet; jedem der ersten sechs Tage wird über eine kumulative Körperteil-Zählung – Fingerglieder, Atemkräfte, Gliedmaßen – seine Stoma-Zahl zugeordnet. Zuletzt wird der Mensch selbst zum 'Mittelpunktstag' erklärt, auf dem, wie auf der Sonne, alle Welten gegründet ruhen.

tāsu vāmadevyam. stutaśastrayor ha khalu vā eṣā śāntir yad vāmadevyam. yad dha vai kiṃ ca yajñasya mithyolbaṇaṃ kriyate tad etenaiva śamayitvottiṣṭhanti. matyaṃ vā etad yajñasya yad vāmadevyam. sa yathā sthūlaloṣṭam matyena śamayed evam evaitad vāmadevyena sarvāṇi stutaśastrāṇi śamayanti. prajāpatir ha khalu vā etat stotrāṇāṃ yad vāmadevyam. yathā ha vā idaṃ prajāpatau sarvā jātavidyāḥ pratitiṣṭhanty evaṃ ha vai vāmadevye sarvāṇi stotrāṇi pratitiṣṭhanti. yonir vai vāmadevyam. tad daśame ’han yoneś cyāvayanti. tasmād daśamāsyā garbhā yoneś cyavante prajātyai. prāṇā vai vāmadevyam. tad āhur vīva vā ete prāṇair ṛdhyante ye yajñīyasya karmaṇo ’tipādayanti, yadi vā nātipādayanti. ko hi tad veda yadi te ’ti vā pādayanti na vā. tad yad atra vāmadevyaṃ bhavati prāṇair eva tat samṛdhyante. sad dha khalu vai vāmadevyaṃ stotrāṇāṃ, sad agnir devatānāṃ, sad virāṭ chandasāṃ, sat trayastriṃśa stomānām. saty evaitat sannidhāyottiṣṭhanti. sad eva bhavanti. etāṃ ha khalu vā etad dvādaśāhayājī catuṣpadīṃ devāsandīm avivyādhinīm antato ’bhyārohati vāmadevyaṃ sāmāgniṃ devatāṃ virājaṃ chandas trayastriṃśaṃ stomam. abhi haitām ārohati ya evaṃ veda

Unter diesen ist das Vāmadevya. Dies, das Vāmadevya, ist fürwahr eine Beruhigung des Stuta-und-Śastra-Paares. Was auch immer beim Opfer fälschlich übertrieben gemacht wird, das eben besänftigen sie damit, bevor sie sich erheben. Dies, das Vāmadevya, ist das Glättende des Opfers. Wie man eine große Erdscholle mit einem Glättgerät ebnet, ebenso ebnen sie mit dem Vāmadevya alle gesungenen und rezitierten Lobpreisungen. Dies, das Vāmadevya, ist fürwahr Prajāpati unter den Stotras. Wie sich hier in Prajāpati alles Wissen um das Gewordene festgründet, ebenso gründen sich fürwahr im Vāmadevya alle Stotras fest. Der Mutterschoß nämlich ist das Vāmadevya. Diesen lassen sie am zehnten Tag aus dem Mutterschoß fallen. Deshalb fallen im zehnten Monat die Keime zur Geburt aus dem Mutterschoß. Die Atemkräfte nämlich sind das Vāmadevya. Dazu sagt man: »Gedeihen diese denn wirklich durch die Atemkräfte, die über das Opferwerk hinausschreiten, oder gedeihen sie, wenn sie nicht hinausschreiten?« Wer weiß denn, ob sie darüber hinausschreiten oder nicht? Dass hier das Vāmadevya stattfindet, dadurch eben gedeihen sie durch die Atemkräfte. Das Seiende nämlich ist fürwahr das Vāmadevya unter den Stotras, das Seiende ist Agni unter den Gottheiten, das Seiende ist die Virāj unter den Versmaßen, das Seiende ist der Dreiunddreißiger unter den Stomas. Im Seienden selbst sich niederlassend, erheben sie sich. Sie werden eben zum Seienden selbst. Wer den Zwölftagesritus opfert, besteigt eben damit am Ende diesen vierfüßigen, unverwundbaren Götterthron: das Vāmadevya als Sāman, Agni als Gottheit, die Virāj als Versmaß, den Dreiunddreißiger als Stoma. Diesen besteigt er, wer so weiß.

[Anm.: ›Matyam‹/›matyena‹ bleibt lexikalisch unsicher; die Übersetzung folgt dem Bild eines Geräts zum Ebnen/Glätten einer Erdscholle, wie es der Vergleich selbst nahelegt. ›Sat‹ (das Seiende) als durchgängige Bezeichnung für das jeweils Zentralste einer Kategorie (Vāmadevya/Agni/Virāj/Trayastriṃśa) nimmt eine später zentrale philosophische Kategorie vorweg.]

gaurīvitir vā etaṃ śāktyas trayastriṃśaṃ stomam apaśyad ubhayeṣāṃ paśūnām avaruddhyai ye ca grāmyā ye cāraṇyāḥ. tato vai sa ubhayān paśūn avārunddha. tad yat trayastriṃśaṃ stomaṃ nāntaryanti tasmāt trayastriṃśa stomo ’ntataḥ kriyata, ubhayeṣām eva paśūnām avaruddhyai. puruṣo ha vā eṣa parastād dhitas tiṣṭhati. daśa vai puruṣasya hastyā aṃgulayo, daśa padyā, daśa prāṇā, dve pratiṣṭhe, ātmā trayastriṃśaḥ. parāñca āraṇyāḥ paśavaḥ prerate. tasmād abhyāsṛṇato mṛgaṃ śrayante. abhyāsṛṇato hy eṣa etat kriyate. prajāpater vā eta ekavīrāḥ putrā, yad dvādaśāhasya stomāḥ. tad āhuś caturviṃśam etad ahaḥ. tat sarvam eva caturviṃśaṃ kāryam, eteṣāṃ prajāpateḥ putrāṇām ekavīrāṇām avilomāyeti. yad va evaitās trayastriṃśadakṣarā bhavanti tena trayastriṃśaṃ stomaṃ nāntaryanti. bhūyāṃsi tu rūpāṇy aparādhyante. itarāṇy eva bhūyāṃsi rūpāṇi. trayastriṃśa eva kāryaḥ. trayastriṃśad vai sarvā devatāḥ. sarvāsv evaitad devatāsu yajñasyāntataḥ pratitiṣṭhanti. atho eṣa vāva dṛḍhaḥ pratiṣṭhitas sarvadevatya stomo yatra trayastriṃśaḥ. tasmāt trayastriṃśa eva stomo ’ntataḥ kārya iti

Gaurīviti Śāktya erschaute diesen Dreiunddreißiger-Stoma, zur Sicherung beider Arten von Vieh, sowohl der zahmen als auch der wilden. Da sicherte er fürwahr beide Arten von Vieh. Dass sie den Dreiunddreißiger-Stoma nicht auslassen, deshalb wird der Dreiunddreißiger-Stoma am Ende vollzogen, eben zur Sicherung beider Arten von Vieh. Dieser Mensch steht fürwahr droben aufgestellt. Zehn nämlich sind die Finger der Hand eines Menschen, zehn die der Füße, zehn die Atemkräfte, zwei die Standstützen, das Selbst macht den Dreiunddreißigsten. Die wilden Tiere werden abgewandt fortgetrieben. Deshalb wenden sie sich dem sich heranpirschenden Wild zu. Denn dies geschieht eben durch den, der sich heranpirscht. Diese, die Stomas des Zwölftagesritus, sind fürwahr Prajāpatis Söhne, deren jeder ein Einzelheld ist. Dazu sagt man: Dies ist ein vierundzwanzigfacher Tag. All dies sollte eben vierundzwanzigfach gemacht werden, damit diese Söhne Prajāpatis, die Einzelhelden, nicht gegen den Strich behandelt werden. Dass diese dreiunddreißig Silben haben, dadurch lassen sie den Dreiunddreißiger-Stoma nicht aus. Die meisten der übrigen Formen aber verfehlen ihr Ziel. Die übrigen Formen sind eben in der Mehrzahl. Der Dreiunddreißiger allein sollte gemacht werden. Dreiunddreißig nämlich sind alle Gottheiten. In eben allen diesen Gottheiten gründen sie sich am Ende des Opfers fest. Und dies ist fürwahr ein fester, wohlgegründeter, allgöttlicher Stoma, wo immer der Dreiunddreißiger auftritt. Deshalb sollte eben der Dreiunddreißiger-Stoma allein am Ende vollzogen werden.

[Anm.: Gaurīviti Śāktya knüpft an die aus 3.147/197/227/234–236/291 bekannte Figur an. Die Zahlensumme 10+10+10+2+1=33 (Finger, Zehen, Atemkräfte, Standbeine, Selbst) liefert eine körperbezogene Parallele zur Dreiunddreißig-Götter-Zahl aus 3.300. Der Satz ›bhūyāṃsi tu rūpāṇy aparādhyante. itarāṇy eva bhūyāṃsi rūpāṇi‹ wiederholt wortgleich die Formel aus 3.286.]

sampadaṃ ha tu lobhayanti. brahmasāmna eva nava stotryā upādāyātropadadhyāt. na sampado yanty, ubhayeṣu stomeṣu pratitiṣṭhanti ya cāyujo ye ca yugmantaḥ. tad yathāntarīṣe tiṣṭhan vimuñced evam evaitad vāmadevyena sarvāṇi stuśastrāṇy antato vimucyante. tad āhur vyucyā3 na vyucyā3m iti. na vyucyam ity āhuḥ. ājiṃ vā ete yanti ya etad ahar āgacchanti. teṣām eṣa hīyate ya upahanyate. sa yathā hīnam upādadhīta tādṛk tat. yo vai hīnam upādhatta ubhau vāva tau hīyete. atho prajāpatiṃ vaivaitenāhnā pariveviṣanti. tad yan na vyāhuḥ ko hi śreyasaḥ pariveṣaṇam avavaditum arhati. yo vai śreyasaḥ pariveṣaṇam avavadati yayā vai sa tam ārtyā kāmayate tayainaṃ ninayati. tad āhuḥ brahmaiva vibrūyād iti. brahma vai brahmā. brahmaiva tad yajñaṃ vyāha. atho āhur udgātaiva vibrūyād iti. prajāpatir vā udgātā. prajāpatir eva tad yajñaṃ vyāha. atho āhur yajamāna eva vibrūyād iti. yajño vai yajamānaḥ. yajña eva tad yajñaṃ vyāha. atho yathākāmaṃ vai svaṃ pariveṣaṇaṃ praśāstīti. atho āhuḥ prāṅ evotkramy krośed - ity amī akurvatety amī akurvateti. tad eva vyuktaṃ cāvyuktaṃ ceti. tad u vā āhur vyucyam eva. yad avyucyamāne tūṣṇīm āsīran vicchidyeran vai yajñād yajñīyasyaivānārtir upetyāvyucyam eveti. tad yāvatā vyāha tad dhotre prāha. tad dhotānuṣṭubham abhi saṃpādayati - sam idaṃ daśamam ahar apādīti. saṃvyāharanti yad evātronākṣarāsu stuvanti yad atirecayanti. tad evaitatprajāpatim abhi saṃpādayanti saṃpariveṣaṇaṃ praśāsti

Doch sie locken mit einem Zusammentreffen. Er sollte, vom Brahma-Sāman ausgehend, dessen neun Stotriya-Verse nehmend, sie hier einfügen. Die Zusammentreffen kommen nicht zustande; sie gründen sich vielmehr in beiden Arten von Stomas fest, sowohl den ungeraden als auch den geraden. Wie einer, auf einer Zwischenstütze stehend, sich losbände, ebenso werden hiermit, mit dem Vāmadevya, am Ende alle gesungenen und rezitierten Lobpreisungen gelöst. Dazu sagt man: »Gesondert oder nicht gesondert?« »Nicht gesondert«, sagt man. Wie in einem Wettlauf gehen fürwahr diese, die zu diesem Tag kommen. Unter ihnen bleibt der zurück, der niedergeschlagen wird. Es ist, als würde man etwas Mangelhaftes annehmen. Denn wer Mangelhaftes annimmt, die beiden fürwahr bleiben zurück. Und mit diesem Tag bedienen sie ja reihum Prajāpati. Dass sie es nicht ausdrücklich sagen: Wer wäre denn befugt, das Bedienen eines Höherstehenden zu tadeln? Wer nämlich das Bedienen eines Höherstehenden tadelt, mit welcher Not er jenen auch immer wünscht, mit eben dieser zieht er sich selbst hinab. Dazu sagt man: »Der Brahmanpriester allein sollte entscheiden.« Brahman nämlich ist der Brahmanpriester. Brahman selbst entscheidet damit das Opfer. Und man sagt: »Der Udgātar allein sollte entscheiden.« Prajāpati nämlich ist der Udgātar. Prajāpati selbst entscheidet damit das Opfer. Und man sagt: »Der Opferherr allein sollte entscheiden.« Das Opfer nämlich ist der Opferherr. Das Opfer selbst entscheidet damit das Opfer. Und: Nach eigenem Belieben bestimmt er fürwahr sein eigenes Bedienen. Und man sagt: »Er sollte, nach vorn tretend, ausrufen: ›Jene haben es getan! Jene haben es getan!‹« Das ist eben sowohl ausgesprochen als auch unausgesprochen. Dazu sagt man auch: gesondert eben. Denn wenn sie bei Ungesondertheit schweigend säßen, würden sie sich vom Opfer abschneiden; da sie sich der dem Opfer eigenen Notlosigkeit nähern, ist es eben ungesondert. Was auch immer er entscheidet, das teilt er dem Hotar mit. Der Hotar vollendet dann damit die Anuṣṭubh: »Vollendet ist dieser zehnte Tag.« Sie sprechen gemeinsam aus, was sie hier mit zu kurzen Silben preisen, was sie überschießen lassen. Eben dies bringen sie damit auf Prajāpati bezogen zur Vollendung; er bestimmt das gemeinsame Bedienen.

[Anm.: Dieser Abschnitt gehört zu den argumentativ dichtesten des gesamten Textes: eine mehrstimmige Debatte (Brahmanpriester/Udgātar/Opferherr/freie Selbstbestimmung als konkurrierende Zuständigkeiten für das ›Bedienen‹) sowie eine ungewöhnlich offene Spannung zwischen ›vyucya‹ (gesondert) und ›avyucya‹ (ungesondert), die der Text selbst nicht eindeutig auflöst, sondern beide Positionen mit Begründung nebeneinanderstehen lässt. Die Zahl ›3‹ in vyucyā3/vyucyā3m markiert wie andernorts vermutlich Vokaldehnung (pluti). Einzelne Wendungen (›antarīṣe‹, der genaue Ablauf des Ausrufs ›amī akurvata‹) bleiben lexikalisch-technisch unsicher.]

apaśavyā iva vai yugmanta stomā ślakṣṇā iva hi samā iva. tad yat trivṛtaṃ stomam anvavasyanti mithunatvāyaiva prajātyai. ūnātiriktād vai mithunāt prajāḥ paśavaḥ prajāyante. pra prajayā paśubhir jāyate ya evaṃ veda. iyaṃ vai pṛthivyarikṣevā lokam āsīt. sākāmayata pṛśniṃ varṇaṃ puṣyeyam iti. saitam mantram apaśyat āyaṃ gauḥ pṛśnir akramīd iti. tato vā iyaṃ pṛthivī pṛśniṃ varṇam apuṣyat. pṛśniṃ ha vai varṇaṃ prajayā paśubhiḥ puṣyati ya evaṃ veda. tad āhur ūrdhvā vā ete svargalokaṃ rohanti ye yajante. ta īśvarāḥ parāñco ’tipattor iti. tad yat sarparājñīṣu stuvanti - iyaṃ vai sarparājñī - asyām evaitat pratitiṣṭhanti. iyaṃ vai sarpatāṃ rājñī. na ha vā enaṃ sarīsṛpaṃ hinasti ya evaṃ veda

Wie nicht-viehträchtig gleichsam sind die geraden Stomas, denn sie sind gleichsam glatt, gleichsam gleichförmig. Dass sie sich danach dem Trivṛt-Stoma zuwenden, geschieht eben zur Paarung, zur Zeugung. Aus einer mangelhaft-überschüssigen Paarung nämlich werden Nachkommenschaft und Vieh geboren. Er wird mit Nachkommenschaft und Vieh geboren, wer so weiß. Diese Erde war gleichsam eine leere Welt. Sie wünschte: »Möchte ich doch gesprenkelte Farbe hervorbringen!« Sie erschaute diesen Spruch: »Hierher ist die gesprenkelte Kuh geschritten.« Da brachte diese Erde fürwahr die gesprenkelte Farbe hervor. Er bringt gesprenkelte Farbe hervor, mit Nachkommenschaft und Vieh, wer so weiß. Dazu sagt man: »Steigen diese, die opfern, denn aufwärts zur himmlischen Welt empor? Sind sie mächtig, sich abwendend hinauszuschreiten?« Dass sie mit den Sarparājñī-Versen preisen - diese Erde nämlich ist die Sarparājñī -, in eben dieser gründen sie sich damit fest. Diese nämlich ist die Königin der kriechenden Wesen. Kein kriechendes Wesen fügt ihm Schaden zu, wer so weiß.

[Anm.: ›Ṛkṣā‹ (leer, kahl) bleibt lexikalisch nicht ganz sicher. Das Prinzip der ›mangelhaft-überschüssigen‹ (ūnātirikta) Paarung als Zeugungsgrundlage knüpft an das ungerade/gerade-Gegensatzpaar aus den vorangehenden Abschnitten an. Sarparājñī (Schlangenkönigin) als Bezeichnung der Erde ist eine eigenständige Erdidentifikation.]

gāyatrīṣu stuvanti - gāyatrī vai chandasām ayātayāmny - ayātayāmatāyā eva. tisṛṣu stuvanti - trayo vā ime lokā - eṣāṃ lokānāṃ samaṣṭyai. atho trayo vai prāṇāpānavyānāḥ. tān evaitat saṃtatya teṣu pratiṣṭhāyodṛcam aśnuvate. gāyatraṃ sāma bhavaty - ayātayāma vai gāyatram - ayātayāmatāyā eva. atho mano vai gāyatram. manasaivainat tat samṛddhayanti, manasopāvartayanti, manasā hiṃkurvanti, manasā prastauti, manasādim ādatte, manasodgāyati, manasā pratiharati, manasopadravati, manasā nidhanam upayanty asamāptasya samāptyai. yad vai devā yajñasya vācā na samāpnuvaṃs tad asya manasā samāpnuvan. tad yan manasā stuvanty asamāptasyaiva samāptyai. raso vā etasyāhno ’tyanedat. tam manasaiva paryagṛhṇan. eṣa vai sa rasaḥ tad yan manasā stuvanti rasasyānatinedāya

Sie preisen mit Gāyatrī-Versen - die Gāyatrī nämlich ist die unverbrauchte unter den Versmaßen - eben zur Unverbrauchtheit. Sie preisen mit drei Versen - drei nämlich sind diese Welten - zur Gesamtheit dieser Welten. Und drei sind auch Ein-, Aus- und Durchatmung. Eben diese erstrecken sie damit, gründen sich in ihnen fest und erlangen den Empor-Vers. Der Gesang wird zu einem Gāyatra-Sāman - der Gāyatra nämlich ist unverbraucht - eben zur Unverbrauchtheit. Und der Gāyatra ist ja auch der Geist. Mit dem Geist allein lassen sie dies gedeihen, mit dem Geist wenden sie sich ihm zu, mit dem Geist vollziehen sie den Hiṃkāra, mit dem Geist stimmt er den Prastāva an, mit dem Geist nimmt er den Anfang auf, mit dem Geist singt er den Udgītha, mit dem Geist vollzieht er den Pratihāra, mit dem Geist tritt er den Upadrava an, mit dem Geist vollziehen sie das Nidhana - zur Vollendung des Unvollendeten. Was die Götter nämlich vom Opfer mit der Rede nicht vollenden konnten, das vollendeten sie mit dem Geist. Dass sie mit dem Geist preisen, geschieht eben zur Vollendung des Unvollendeten. Der Saft dieses Tages nämlich war darüber hinausgeklungen. Diesen umfassten sie eben mit dem Geist allein. Dies eben ist jener Saft. Dass sie mit dem Geist preisen, geschieht, damit der Saft nicht darüber hinausklingt.

[Anm.: Die vollständige Aufzählung aller Sāman-Vollzugsteile (Hiṃkāra, Prastāva, Ādi, Udgītha, Pratihāra, Upadrava, Nidhana), die hier sämtlich ›mit dem Geist‹ (manasā) statt stimmlich vollzogen werden, ist eine bemerkenswert systematische Beschreibung eines rein mentalen Vollzugsmodus - eine früh belegte Form dessen, was später als ›mānasa‹-Rezitation bekannt ist. ›Atyanedat‹/›anatineda‹ (worüber-hinaus-tönen) bleibt in der genauen Bildlichkeit etwas unscharf, der Grundsinn - Bewahrung von etwas Flüchtigem durch mentalen statt stimmlichen Vollzug - ist aber klar.]

mahāvratabhājanaṃ vā etā ṛcaḥ. sa yāvan mahāvratenāvarunddhe tāvad avarunddha etābhi ṛgbhis tuṣṭuvānaḥ. manaso vā anyad ahar āsīd vāco ’nyat. tad yan manaso ’har āsīt tad devā saṃgṛhyordhvā svargaṃ lokam udakrāman. atha yad vāco ’har āsīt tad etad ahar abhavat. tenāsmin loke prajayā ca paśubhiś ca pratyatiṣṭhan. tad yan manasā stuvanti tasyaivāhno ’nukhyātyai. caturhotṝn hotānuvyācaṣṭe - brahma vai caturhotāraḥ. brahma vā asyai stotraśastrāṇām āptum arhati. etāny u ha vai devānāṃ guhyāni nāmāni yac caturhotāraḥ. tāny eva tat prakāśaṃ gamayati. tāny etaṃ prakāśaṃ gatāni prakāśatāṃ gamayanti. gacchati prakāśatāṃ ya evaṃ veda. tad yaṃ brāhmaṇam alaṃ yaśase santam atha yaśo nārcchet so ’raṇyaṃ paretya granthīn udgrathya, tebhyaś caturhotṝn vyācakṣīta, brāhmaṇaṃ vopadraṣṭāraṃ kṛtvā. etāny u ha vai devānāṃ guhyāni nāmāni yac caturhotāraḥ. tāny eva tat prakāśaṃ gamayati. tāny enaṃ prakāśaṃ gatāni prakāśatāṃ gamayanti. gacchati prakāśatāṃ ya evaṃ veda

Diese Verse sind fürwahr der Anteil am Mahāvrata. Soviel er durch das Mahāvrata gewinnt, ebensoviel gewinnt er, mit diesen Versen den Lobgesang anstimmend. Ein Tag gehörte fürwahr dem Geist, ein anderer der Rede. Der Tag, der dem Geist gehörte - den ergriffen die Götter zusammen und stiegen damit aufwärts zur himmlischen Welt empor. Der Tag aber, der der Rede gehörte, der wurde eben dieser Tag hier. Mit diesem gründeten sie sich in dieser Welt mit Nachkommenschaft und Vieh fest. Dass sie mit dem Geist preisen, geschieht eben zum Wiedererkennen jenes Geist-Tages. Der Hotar erläutert die Caturhotṛ-Formeln. Brahman nämlich sind die Caturhotṛ-Formeln. Brahman nämlich vermag für diesen Tag die Lobgesänge und Rezitationen zu erlangen. Dies sind ja fürwahr die geheimen Namen der Götter, nämlich die Caturhotṛ-Formeln. Eben diese bringen jenen Tag zum Erstrahlen. Diese, zum Erstrahlen gelangt, bringen ihn zum Erstrahlen. Zum Erstrahlen gelangt, wer so weiß. Wenn nun ein Brahmane, obgleich zum Ruhm hinreichend befähigt, dennoch keinen Ruhm erlangt, sollte er in den Wald gehen, Knoten knüpfen und diesen die Caturhotṛ-Formeln erläutern, oder einen Brahmanen als Zeugen einsetzen. Dies sind ja fürwahr die geheimen Namen der Götter, nämlich die Caturhotṛ-Formeln. Eben diese bringen jenen Tag zum Erstrahlen. Diese, zum Erstrahlen gelangt, bringen ihn zum Erstrahlen. Zum Erstrahlen gelangt, wer so weiß.

[Anm.: Der Abschnitt schließt thematisch an das manasā-Verfahren aus 3.305 an (der ›Geist-Tag‹ gegenüber dem ›Rede-Tag‹) und leitet zum vāc-Thema in 3.307 über. ›Caturhotāraḥ‹ (Caturhotṛ-Formeln) bezeichnet eine real bezeugte vedische Textgattung besonderer Vierpriester-Sprüche. ›Granthīn udgrathya‹ (Knoten knüpfend) spielt vermutlich auf eine private Gedächtnis- bzw. Zählpraxis im Wald an, wenn kein Publikum für den öffentlichen Vortrag zur Verfügung steht. ›Anukhyātyai‹ (zum Wiedererkennen) bleibt in seiner genauen Nuance etwas unsicher.]

tūṣṇīṃ stutaṃ vācānuśaṃsati. tasmād yan manasādhigacchati tad vācā vadati. tasmād oṣadhayo mūlato jāyante ’grataḥ pacyante. tad āhus samiṣṭeṣu patnīsaṃyājeṣu stotavyā3m asamiṣṭeṣū3 iti. asamiṣṭeṣv ity āhuḥ. pratīcīṣv evāsu tad garbhān dadhati. strī balaṃ ca ha tu bhavati pāpavasyasaṃ ca. samiṣṭeṣv eva stotavyaṃ pāpavasyasasya vyāvṛttyai. atho ha na tathā strī balaṃ bhavati. atho hāsu tat parācīṣv eva garbhān dadhati. pratyañcaś ca vai parāñcaś ca manuṣyās saṃbhavanti. tasmāt samiṣṭeṣva eva stotavyam iti. audumbarīṃ samārabhant - ūrg vā annam udumbara - ūrjaṃ evānnādyasyāvaruddhyai. vācaṃ yacchanti. vāg vai brahma. vācam eva tad brahma yajñam ātmasu yacchanti. iha dhṛtir iha sva dhṛtir mairamo mairamatir iti. yac cittaṃ yā dhṛtir yan mano yā vāk tāny evaitad ātmasu yacchanti. yad astam ite visṛjerann ahar bhrātṛvyalokam ucchiṃṣyuḥ. yad anastam ite visṛjeran rātriṃ bhrātṛvyalokam ucchiṃṣyuḥ. ardhāstam ita āhavanīyaṃ paretya visṛjante. ubhābhyām eva tad ahorātrābhyāṃ dviṣantaṃ bhrātṛvyam antaryanti. ubhābhyām evāhorātrābhyāṃ dviṣantaṃ bhrātṛvyam antareti ya evaṃ veda. tad u vā āhur astam ita eva visṛjyam. ahorātre vai parivartamāne saṃvatsaram āpnutaḥ. saṃvatsaro yajñaḥ. yajñam evaitad āptvā visṛjanta - upasṛjan dharuṇaṃ mātre mātaraṃ dharuṇo dhayan rāyas poṣam iṣam ūrjam asmāsu dīdharat svāheti. sa yathā nyokasaṃ gāṃ saṃyujya prārjayed evam evaitad vācaṃ ca yajamānaṃ ca saṃyujya prārjayanti. yathā hainayā vadati, tathaibhyo ’napakramaṇī bhavati. te yaṃ kāmaṃ kāmayeraṃs taṃ dhyāyeyuḥ. sa haivaibhyaḥ kāmas samṛdhyate. subrahmaṇyayā vācaṃ visṛjante. brahma vai subrahmaṇyā. brahma vāk. brahmaṇaiva tad vācaṃ visṛjante

Das schweigend Gepriesene rezitiert er mit der Stimme nach. Deshalb spricht er mit der Stimme aus, was er mit dem Geist erfasst hat. Deshalb entstehen die Pflanzen von der Wurzel her, reifen aber von der Spitze her. Dazu sagt man: »Sollte bei den Samiṣṭi-Patnīsaṃyāja-Opferungen gepriesen werden, oder bei den nicht-samiṣṭi?« »Bei den nicht-samiṣṭi«, sagt man. Bei diesen, zurückgewandten, legt man da Keime. Es entsteht dabei eine Tochter, deren Kraft zwischen Schlechterem und Besserem schwankt. Nur bei den samiṣṭi sollte gepriesen werden, zur Abwendung dieses Schwankens zwischen Schlechterem und Besserem. Dann entsteht auch nicht auf diese Weise eine Tochter schwankender Kraft. Und dann legt man da, bei diesen vielmehr vorwärtsgewandten, die Keime. Sowohl rückgewandte als auch vorwärtsgewandte Menschen entstehen so. Deshalb sollte eben nur bei den samiṣṭi-Opferungen gepriesen werden. Sie berühren den Udumbara-Pfosten - Saftkraft nämlich ist die Speise, der Udumbara -, eben zur Sicherung des Speisegenusses durch die Saftkraft. Sie halten die Rede zurück. Rede nämlich ist Brahman. Eben die Rede, das Brahman, das Opfer, halten sie damit in sich selbst zurück, mit: »Hier ist Festigkeit, hier ist die eigene Festigkeit, mairamo mairamatir.« Was Denken, was Festigkeit, was Geist, was Rede ist - eben dies halten sie damit in sich selbst zurück. Würden sie nach Sonnenuntergang lösen, würden sie den Tag der Welt des Rivalen überlassen. Würden sie vor Sonnenuntergang lösen, würden sie die Nacht der Welt des Rivalen überlassen. Bei halbem Sonnenuntergang, zum Āhavanīya-Feuer hingehend, lösen sie. Mit eben beiden, Tag und Nacht, umschließen sie damit den hassenden Rivalen. Mit eben beiden, Tag und Nacht, umschließt er den hassenden Rivalen, wer so weiß. Dazu sagt man auch: Erst nach Sonnenuntergang sollte gelöst werden. Tag und Nacht erlangen fürwahr, sich drehend, das Jahr. Das Jahr ist das Opfer. Das Opfer eben, dies erlangt habend, lösen sie mit: »Der Träger, sich zur Mutter entlassend, die Mutter tragend, saugend, möge er bei uns Reichtumsmehrung, Labung, Saftkraft festhalten. Svāhā!« Wie man eine bereits eingewöhnte Kuh anjochen und antreiben würde, ebenso treiben sie damit, Rede und Opferherrn zusammenjochend, an. Wie er mit ihr spricht, so wird sie ihnen nicht entweichend. Welchen Wunsch sie sich wünschen möchten, den sollten sie erdenken. Dieser Wunsch geht ihnen fürwahr in Erfüllung. Mit dem Subrahmaṇyā-Ruf lösen sie die Rede. Brahman nämlich ist die Subrahmaṇyā. Brahman ist die Rede. Eben mit dem Brahman lösen sie damit die Rede.

[Anm.: Der Abschnitt über Samiṣṭi/Asamiṣṭi-Patnīsaṃyāja und die Ausrichtung (pratīcī/parācī) beim Keimelegen bleibt in mehreren Details (insbesondere ›strī balaṃ ca ha tu bhavati pāpavasyasaṃ ca‹) grammatisch dicht und nur in seiner Gesamttendenz - Geschlecht und Kraft der Nachkommenschaft hängen von der korrekten Opferwahl ab - sicher erschließbar. Die Zahl ›3‹ in stotavyā3m/asamiṣṭeṣū3 markiert wie andernorts (3.270, 3.293, 3.303) vokalische Dehnung (pluti). ›Mairamo mairamatir‹ ist eine lexikalisch unklare Ritualformel, vermutlich ohne eigenständige Wortbedeutung, ähnlich einem Stobha. Das Udumbara/ūrj-Wortspiel setzt das etablierte etymologische Verfahren fort. Subrahmaṇyā bezeichnet den real bezeugten rituellen Ruf des Subrahmaṇya-Priesters beim Somaopfer.]

agnir eva prathamam ahar, indro dvitīyaṃ, prajāpatis tṛtīyaṃ, bṛhaspatiś caturthaṃ, marutaḥ pañcamaṃ, viśve devāṣ ṣaṣṭhaṃ, vasavas saptamaṃ, rudrā aṣṭamam, ādityā navamaṃ, prajāpatir eva daśamam ahaḥ. iyam eva dik prāyaṇam, iyam udayanam. tasmād asāv āditya ito ’stam etīta udeti. etad eva prāyaṇaṃ codayanaṃ cānusaṃcarati. āśus trivṛd, bhāntaḥ pañcadaśo, vyoma saptadaśo, dharuṇa ekaviṃśa, ojas triṇavaḥ, pratiṣṭhā trayastriṃśo, brahma caturviṃśaḥ, kṣatraṃ catuścatvāriṃśo, vivarto viśāṃ stomo ’ṣṭācatvāriṃśaḥ, prajāpatir eva daśamam ahaḥ

Agni ist fürwahr der erste Tag, Indra der zweite, Prajāpati der dritte, Bṛhaspati der vierte, die Maruts der fünfte, die Allgötter der sechste, die Vasus der siebte, die Rudras der achte, die Ādityas der neunte, Prajāpati fürwahr der zehnte Tag. Eben diese Richtung ist der Untergangsort, diese der Aufgangsort. Deshalb geht jene Sonne von hier aus unter, von hier aus auf. Eben dies, sowohl den Untergangsort als auch den Aufgangsort, durchwandert sie wiederum. Der Geschwinde ist der Trivṛt-Stoma. Der Leuchtende ist der Fünfzehner. Der Luftraum ist der Siebzehner. Der Träger ist der Einundzwanziger. Die Kraft ist der Siebenundzwanziger. Die Grundfeste ist der Dreiunddreißiger. Brahman ist der Vierundzwanziger. Die Kṣatra-Macht ist der Vierundvierziger. Die Umwandlung der Viś ist der Achtundvierziger-Stoma. Prajāpati ist fürwahr der zehnte Tag.

[Anm.: Die aufsteigende Stoma-Zahlenreihe (15, 17, 21, 27, 33) ist die real bezeugte klassische vedische Pṛṣṭhastoma-Folge. Die zusätzliche Dreiergruppe Brahma(24)/Kṣatra(44)/Viś(48) knüpft an die bereits aus 3.280 bekannte Brahma-Kṣatra-Viś-Trias an, hier mit den in 3.309 näher erläuterten Versmaß-Zuordnungen (Gāyatrī/Triṣṭubh/Jagatī).]

tad yad āśus trivṛd iti, yathā kṣipraḥ pakṣy evam eṣa yat trivṛt stomaḥ. atha yad bhāntaḥ pañcadaśa iti kṣatraṃ hi tat. kṣatram u vai bhāti. atha yad vyoma saptadaśa iti, prajāpatir hi saḥ. prajāpatir vai vyoma. atha yad dharuṇa ekaviṃśa ity asau hi sa ādityaḥ. etasmin vā idaṃ sarvaṃ dhṛtam. atha yad ojas triṇava iti, maruto hi saḥ. ojo vai vīryaṃ marutaḥ. ojo vīryaṃ triṇavaḥ. atha yat pratiṣṭhā trayastriṃśa ity, anto hi saḥ. atha yad brahma caturviṃśa iti. gāyatrī hi sā. brahma vai gāyatrī. atha yat kṣatraṃ catuścatvāriṃśa iti triṣṭub bhi saḥ. kṣatram u vai triṣṭup. atha yad vivarto viśāṃ stomo ’ṣṭācatvāriṃśa iti, jagatī hi sā. viḍ vai jagatī. viśa u vā idaṃ sarvaṃ vivartam. atha yat prajāpatir eva daśamam ahar ity anuṣṭub bhi sā. prajāpatir vā anuṣṭup. idam eva prāyaṇam, idam udayanam. tasmād ita eva prayanty ata udyanti. agnir eva prāyaṇam, āditya udayanam. anuṣṭhyaitaṃ lokaṃ prajānann eti ya evaṃ veda

Dass es heißt ›der Geschwinde ist der Trivṛt-Stoma‹ - wie ein Vogel schnell ist, ebenso ist dieser Trivṛt-Stoma. Dass es aber heißt ›der Leuchtende ist der Fünfzehner‹ - das ist eben die Kṣatra-Macht. Die Kṣatra-Macht nämlich leuchtet. Dass es aber heißt ›der Luftraum ist der Siebzehner‹ - das ist eben Prajāpati. Prajāpati nämlich ist der Luftraum. Dass es aber heißt ›der Träger ist der Einundzwanziger‹ - das ist eben jene Sonne. In eben dieser ist dies alles getragen. Dass es aber heißt ›die Kraft ist der Siebenundzwanziger‹ - das sind eben die Maruts. Kraft, Manneskraft, nämlich sind die Maruts. Kraft, Manneskraft, ist der Siebenundzwanziger. Dass es aber heißt ›die Grundfeste ist der Dreiunddreißiger‹ - das ist eben das Ende. Dass es aber heißt ›Brahman ist der Vierundzwanziger‹ - das ist eben die Gāyatrī. Brahman nämlich ist die Gāyatrī. Dass es aber heißt ›die Kṣatra-Macht ist der Vierundvierziger‹ - das ist eben die Triṣṭubh. Die Triṣṭubh nämlich ist die Kṣatra-Macht. Dass es aber heißt ›die Umwandlung der Viś ist der Achtundvierziger-Stoma‹ - das ist eben die Jagatī. Die Jagatī nämlich ist die Viś. Vom Volk nämlich ist dies alles eine Umwandlung. Dass es aber heißt ›Prajāpati ist fürwahr der zehnte Tag‹ - das ist eben die Anuṣṭubh. Prajāpati nämlich ist die Anuṣṭubh. Eben dies ist der Untergangsort, dies der Aufgangsort. Deshalb gehen sie eben von hier fort, von hier gehen sie auf. Agni ist fürwahr der Untergangsort, die Sonne der Aufgangsort. Fest gegründet, diese Welt erkennend, geht er dahin, wer so weiß.

[Anm.: Dieser Abschnitt löst die in 3.308 aufgestellte Stoma-Liste systematisch auf, wobei jedem Stoma eine Gottheit, ein Versmaß oder ein Prinzip zugeordnet wird - Gāyatrī/Brahma(24), Triṣṭubh/Kṣatra(44), Jagatī/Viś(48), Anuṣṭubh/Prajāpati(10. Tag) bilden dabei ein durchgängiges Versmaß-Stände-System.]

gāyatramukho vai prathamas tryahaḥ. tasmād ayam agnir asmin loka ūrdhvo dīdāya. gāyatramadhyo dvitīyas tryahaḥ. tasmād ayaṃ vāyur asminn antarikṣe tiryaṅ pavate. gāyatrottamas tṛtīyas tryahaḥ. tasmād asāv arvāṅ ādityo divas tapati. etā vai deveṣavaḥ praṇihitā aniśitā anilayantīr eṣu lokeṣu sarvaṃ pāpmānam apasedhantīs tiṣṭhanty - agniḥ pṛthivyāṃ, vāyur antarikṣa, ādityo divi. etā asya sarvaṃ pāpmānam apaghnatyo yanti ya evaṃ veda. etābhir vai vijitibhir viviktibhir vijitā viviktā ime lokā yathāyatham. yasmād ete samāne yajñakratau santo ’tha nānā bhavanti tasmād dha vai devāḥ pitaro manuṣyās samāne loke santo ’nusaṃdadarśire. etābhir ha vijitibhir viviktibhir vijitā viviktā yathāyatham

Der erste Dreitageszeitraum hat fürwahr die Gāyatrī am Anfang. Deshalb leuchtet dieser Agni in dieser Welt aufwärts. Der zweite Dreitageszeitraum hat die Gāyatrī in der Mitte. Deshalb weht dieser Vāyu in diesem Luftraum querwärts. Der dritte Dreitageszeitraum hat die Gāyatrī am Ende. Deshalb glüht jene Sonne, vom Himmel herabgewandt. Diese sind fürwahr die Götterpfeile, ausgesandt, ungeschärft, unaufhörlich in diesen Welten weilend, alles Übel abwehrend: Agni auf der Erde, Vāyu im Luftraum, Āditya im Himmel. Diese vertreiben ihm alles Übel, wer so weiß. Durch eben diese Eroberungen und Unterscheidungen sind diese Welten erobert und unterschieden, jede nach ihrer Art. Weil diese, obwohl im selben Opferwerk befindlich, dann doch verschieden werden, deshalb erblickten fürwahr Götter, Väter und Menschen, obwohl sie sich in derselben Welt befanden, einander wiederum. Durch eben diese Eroberungen und Unterscheidungen sind sie erobert und unterschieden, jeder nach seiner Art.

[Anm.: Dieser Abschnitt variiert das aus 3.281 bekannte Gāyatrī-Position/Agni-Vāyu-Āditya-Schema mit leicht abweichender Formulierung. ›Deveṣavaḥ‹ (Götterpfeile) als Bild für die drei kosmischen Feuer/Lichtträger ist eine eigenständige, anschauliche Metapher. Der Schlussgedanke (Götter, Väter, Menschen ›erblickten einander wiederum‹, obwohl in derselben Welt) bleibt in seiner genauen kosmologischen Implikation knapp und etwas unterbestimmt.]

prajāpatiṃ prajās sasṛjānaṃ mukhataḥ pāpmāsinot. so ’kāmayatāpa pāpmānaṃ hanīyeti. sa etaṃ gāyatramukhaṃ prathamaṃ triyaham apaśyat. tena mukhataḥ pāpmānam apāhata. taṃ madhyato ’sinot. sa etaṃ gāyatramadhyaṃ dvitīyaṃ triyaham apaśyat. tena madhyataḥ pāpmānam apāhata. taṃ pador asinot. sa etaṃ gāyatrottamaṃ tṛtīyaṃ tryaham apaśyat. tena pattaḥ pāpmānam apāhata. apa pāpmānaṃ hate ya evaṃ veda. svarāntena vai tryaheṇa prajāpatir mṛtyor ātmān atrāyata, nidhanāntena prajām, iḷāntena paśūn. etāvad vāvāsti yad ātmā prajā paśavaḥ. tad yat sad atrāyata tat satrasya satratvam. trāyata enaṃ sarvasmāt pāpmano ya evaṃ veda. svarāntena vai triyaheṇa prājapatir devān asṛjata, nidhanāntena pitṝn, iḷāntena manuṣyān. tad yat svarāntena devān asṛjata tasmāt te ’mṛtāḥ. amṛtena hi tān prāṇenāsṛjata. atha yan nidhanāntena pitṝn asṛjata tasmād u te nidhanasaṃsthāḥ. atha yad iḷāntena manuṣyān asṛjata - paśavo vā iḷā - tasmād ya eva paśumān bhavati taṃ manuṣyā upasamāyanti

Als Prajāpati die Geschöpfe erschuf, schnitt ihn das Übel vom Mund her. Er wünschte: »Möchte ich doch das Übel abschlagen!« Er erschaute diesen ersten Dreitageszeitraum mit der Gāyatrī am Anfang. Damit schlug er das Übel vom Mund her fort. Ihn schnitt es von der Mitte her. Er erschaute diesen zweiten Dreitageszeitraum mit der Gāyatrī in der Mitte. Damit schlug er das Übel von der Mitte her fort. Ihn schnitt es von den Füßen her. Er erschaute diesen dritten Dreitageszeitraum mit der Gāyatrī am Ende. Damit schlug er das Übel von den Füßen her fort. Das Übel wird abgeschlagen, wer so weiß. Mit dem auf Svara endenden Dreitageszeitraum rettete Prajāpati fürwahr das Selbst vor dem Tod, mit dem auf Nidhana endenden die Nachkommenschaft, mit dem auf Iḷā endenden das Vieh. Soviel eben gibt es fürwahr: das Selbst, die Nachkommenschaft, das Vieh. Dass das Seiende sich rettete, das ist die Satra-heit des Satra. Es rettet ihn vor allem Übel, wer so weiß. Mit dem auf Svara endenden Dreitageszeitraum erschuf Prajāpati fürwahr die Götter, mit dem auf Nidhana endenden die Väter, mit dem auf Iḷā endenden die Menschen. Dass er mit dem auf Svara endenden die Götter erschuf, deshalb sind diese unsterblich. Mit dem unsterblichen Atem nämlich erschuf er sie. Dass er aber mit dem auf Nidhana endenden die Väter erschuf, deshalb sind diese beim Nidhana angesiedelt. Dass er aber mit dem auf Iḷā endenden die Menschen erschuf - Vieh nämlich ist die Iḷā -, deshalb kommen die Menschen eben zu dem zusammen, der viehreich ist.

[Anm.: ›Sat...atrāyata...satrasya satratvam‹ ist ein bewusstes etymologisches Wortspiel des Textes selbst (sat, das Seiende + trā-, retten, ergibt satra, die mehrtägige Opfersitzung), analog zu den zahlreichen bereits etablierten ›-heit‹-Etymologien des Projekts. ›Svara‹, ›Nidhana‹ und ›Iḷā‹ bezeichnen hier vermutlich unterschiedliche Schluss-Bestandteile der Sāman-Rezitation für die drei Dreitageszeiträume, nicht die Göttin Iḷā. Nidhana bedeutet zugleich ›Ende/Tod‹, was das Wortspiel mit den verstorbenen Vätern (pitṛ) motiviert.]

atha ha kabandha ātharvaṇe keśī dārbhya uvāsa. atha ha tarhi samūḍhāny eva chandāṃsy āsur na vyūḍhāni. tasmai ha kabandha ātharvaṇaḥ keśine dārbhyāyaitaṃ vyūḍhachandasaṃ dvādaśāhaṃ provāca - trir eva gāyatrīṃ tarpayatāt tris triṣṭubhaṃ trir jagatīm. tavaiva prajāyā anye jīvitam abhidhyātāro, na tava prajā iti. tena heje. tato ha vā idam arvācīnaṃ vyūḍhāni chandāṃsi. tasmād anāḍhyānām api satāṃ pañcālānām abhy evānye jīvitaṃ dhyāyanti. tasyaitau ślokau - kasmād ūrdhvā bhūmer yanti sargāḥ kasmāt tiryañco ’nv antarikṣam. kasmād arvāñco diva uttarasyai sūryasya raśmīn anu yanti sṛṣṭāḥ. gāyatrī trivṛta vasānā sā triṣṭubhaṃ nunude ’ntarikṣāt. sā jagatīm āyatanād divo ’dhi tasmād arvāñcaḥ pravahanti sargāḥ

Da nun wohnte Keśin Dārbhya bei Kabandha Ātharvaṇa. Damals nun waren die Versmaße noch zusammengefügt, nicht auseinandergelegt. Diesem, dem Keśin Dārbhya, verkündete Kabandha Ātharvaṇa diesen Zwölftagesritus mit auseinandergelegten Versmaßen: »Sättige doch dreimal die Gāyatrī, dreimal die Triṣṭubh, dreimal die Jagatī. Nur andere werden nach dem Leben deiner eigenen Nachkommenschaft trachten, nicht aber deine Nachkommenschaft nach dem anderer.« Damit opferte er. Von da an nun sind in dieser späteren Zeit die Versmaße auseinandergelegt. Deshalb trachten andere fürwahr selbst nach dem Leben der Pañcālas, obwohl diese nicht unbemittelt sind. Dazu gibt es diese beiden Verse: »Warum gehen die Ströme aufwärts von der Erde, warum querwärts durch den Luftraum? Warum gehen sie, entlassen, abwärtsgewandt vom oberen Himmel den Strahlen der Sonne nach?« »Die Gāyatrī, sich mit dem Trivṛt bekleidend, stieß die Triṣṭubh vom Luftraum fort. Sie stieß die Jagatī von ihrem Sitz droben im Himmel fort. Deshalb strömen die Ströme abwärtsgewandt.«

[Anm.: Kabandha Ātharvaṇa und Keśin Dārbhya sind real bezeugte Gestalten der vedischen Überlieferung; Keśin Dārbhya erscheint auch anderswo als mit den Pañcālas verbundener König, was die Erwähnung der Pañcālas hier historisch verankert. Der Gegensatz samūḍha (zusammengefügt) / vyūḍha (auseinandergelegt) für den Zustand der Versmaße bleibt in seinen genauen technischen Implikationen unsicher, scheint aber eine Art mythischen Bruchs oder Niedergangs von einem ursprünglich ungeteilten zu einem später aufgeteilten Zustand zu markieren. ›Sargāḥ‹ (Ströme) wird in Anlehnung an das aus 3.281/3.310 bekannte Gāyatrī-Positions-Schema (Anfang/Mitte/Ende, aufwärts/querwärts/abwärts) gedeutet, hier auf eine kosmische Richtungsverschiebung bezogen.]

vāg vai yajñaṃ sasṛjānā sāśanāyat sāpipāsat. tāṃ devā arvāg yajñāhutyātitarpayiṣan. tāṃ nātarpayan. tām arvāk somāhutihaviryajñair atitarpayiṣan. tāṃ naivātarpayan. ta etaṃ vyūḍhacchandasaṃ dvādaśāhaṃ yajñam apaśyan. tam āharan. tenāyajanta. tata enāṃ chandāṃsi bhūtāṃ prārjan. tā anyānyasmai bhāgāya dhenuparisāram atṛpyan. tasmāt paśavo ’nyonyasya bhāgāya dhenuparisāraṃ tṛpyanti. sātṛpyat. sa ya evam etāṃ vācaś ca chandasāṃ ca tṛptiṃ veda tṛpyatya ātmanā tṛpyaty asya prajā. devā vai devāśvān devaratheṣu yuktvemān lokān abhyārohan. chandāṃsi vāva devāśvā, stomā devarathāḥ

Die Rede, das Opfer erschaffend, hungerte fürwahr und dürstete. Die Götter wollten sie mit einer irdischen Opferspende übersättigen. Sie sättigten sie nicht. Sie wollten sie mit irdischen Soma-, Havis- und Opfergaben übersättigen. Auch damit sättigten sie sie nicht. Sie erschauten diesen Zwölftagesritus mit auseinandergelegten Versmaßen als Opfer. Diesen brachten sie herbei. Mit diesem opferten sie. Da stillten die Versmaße, so entstanden, sie. Diese wurden, für den jeweils anderen Anteil, durch Milchkuh-Wechselweide gesättigt. Deshalb werden Tiere durch Milchkuh-Wechselweide für den Anteil des jeweils anderen gesättigt. Sie wurde gesättigt. Wer so diese Sättigung der Rede und der Versmaße kennt, wird selbst gesättigt, seine Nachkommenschaft wird gesättigt. Die Götter bestiegen fürwahr, nachdem sie die Götterrosse an die Götterwagen angeschirrt hatten, diese Welten. Die Versmaße sind ja fürwahr die Götterrosse, die Stomas die Götterwagen.

[Anm.: ›Dhenuparisāram‹ (Milchkuh-Wechselweide) bleibt als technischer Begriff unsicher; die Übersetzung folgt der plausibelsten Deutung eines wechselseitigen Weide- bzw. Versorgungsarrangements zwischen Tieren, das hier auf die personifizierten Versmaße übertragen wird. Das Bild von Chandas als Götterrossen und Stomas als Götterwagen leitet zu 3.314 über, wo dieses Gespann konkret ausgeführt wird.]

te gāyatrīm eva dakṣiṇāṃ yugyām akurvata, triṣṭubhaṃ savyāṃ yugyāṃ, jagatīṃ savyāṃ praṣṭim. tenemaṃ lokam abhyārohan. te ’bruvañ jyāyān vā adhvā viparyūhāmeti. te jagatīm eva dakṣiṇāṃ yugyām akurvata, gāyatrīṃ savyāṃ yugyāṃ, triṣṭubhaṃ savyāṃ praṣṭim. tenemam antarikṣaṃ lokam abhyārohan. te ’bruvañ jyāyān vevādhvā vy eva paryūhāmeti. te triṣṭubham eva dakṣiṇāṃ yugyām akurvata, jagatīṃ savyāṃ yugyāṃ, gāyatrīṃ savyāṃ praṣṭim. tenāmuṃ lokam abhyārohan. evaṃ vai devā devāśvān devaratheṣu yuktvemān lokān abhyārohan. abhīmān lokān ārohati ya evaṃ veda

Sie machten die Gāyatrī zum rechten Jochpferd, die Triṣṭubh zum linken Jochpferd, die Jagatī zum linken Beipferd. Damit bestiegen sie diese Welt. Sie sprachen: »Der Weg ist fürwahr zu groß - lasst uns umspannen!« Sie machten die Jagatī zum rechten Jochpferd, die Gāyatrī zum linken Jochpferd, die Triṣṭubh zum linken Beipferd. Damit bestiegen sie diesen Luftraum. Sie sprachen: »Der Weg ist ja immer noch zu groß - lasst uns wiederum umspannen!« Sie machten die Triṣṭubh zum rechten Jochpferd, die Jagatī zum linken Jochpferd, die Gāyatrī zum linken Beipferd. Damit bestiegen sie jene Welt. So bestiegen die Götter fürwahr, die Götterrosse an die Götterwagen angeschirrt habend, diese Welten. Er besteigt eben diese Welten, wer so weiß.

[Anm.: ›Yugya‹ (Jochpferd, direkt am Joch angeschirrt) und ›praṣṭi‹ (Beipferd, seitlich mitgeführt) sind reale Fachbegriffe der vedischen Viergespann-Terminologie; auffällig ist, dass hier - da nur drei Versmaße zur Verfügung stehen - jeweils nur drei der vier Positionen (rechtes und linkes Jochpferd, linkes Beipferd) besetzt werden, ohne dass ein rechtes Beipferd genannt wird.]

yā ha khalu vai sapadā chandas sā prathamam ahar udyacchati, vipadā dvitīyaṃ, nānā padā tṛtīyam, anupadā caturtham, atipadā pañcamam, abhipadā ṣaṣṭham. gāyatrī vai sapadā. tripadā vai gāyatrī. traye ime lokāḥ. triṣṭub vipadā, ekādaśākṣarāṇi hi tasyai padāni. jagatī nānāpadā, dvādaśākṣarāṇi hi tasyai padāni. anuṣṭub anupadā. anupadā hi sā gāyatryā akṣaraiḥ. aṣṭākṣarāṇi vai gāyatryai padāny aṣṭākṣarāṇy anuṣṭubhaḥ. paṃktir atipadā, pañcapadā hi sā. atichandā abhipadāḥ. na hi etāvanti kasyai canākṣarāṇi

Welches Versmaß nun fürwahr ›gleichfüßig‹ ist, das erhebt den ersten Tag, das ›abweichend-füßige‹ den zweiten, das ›verschiedenfüßige‹ den dritten, das ›nachfüßige‹ den vierten, das ›überschreitend-füßige‹ den fünften, das ›übertreffend-füßige‹ den sechsten. Die Gāyatrī nämlich ist ›gleichfüßig‹. Dreifüßig nämlich ist die Gāyatrī. Drei sind diese Welten. Die Triṣṭubh ist ›abweichend-füßig‹, denn ihre Versfüße haben elf Silben. Die Jagatī ist ›verschiedenfüßig‹, denn ihre Versfüße haben zwölf Silben. Die Anuṣṭubh ist ›nachfüßig‹. ›Nachfüßig‹ nämlich ist sie, was die Silben der Gāyatrī betrifft. Achtsilbig nämlich sind die Versfüße der Gāyatrī, achtsilbig die der Anuṣṭubh. Die Paṅkti ist ›überschreitend-füßig‹, denn sie ist fünffüßig. Der Atichandas ist ›übertreffend-füßig‹. Denn so viele Silben hat kein anderes Versmaß.

[Anm.: Die sechs Kategorien ›sapadā/vipadā/nānāpadā/anupadā/atipadā/abhipadā‹ sind speziell für diese Passage geprägte technische Neologismen ohne feste Standardbedeutung; das Begründungskriterium wechselt dabei zwischen Silbenzahl pro Versfuß (Triṣṭubh, Jagatī, Anuṣṭubh) und Fußzahl insgesamt (Paṅkti als fünffüßig). Atichandas bezeichnet allgemein die Klasse der ›übermetrischen‹ Versmaße mit besonders hoher Silbenzahl.]

prajāpatir yad bṛhadrathantare ’sṛjata, sa mana evāgre bṛhad aapaśyad, vācaṃ rathantaram abhi vyāharat. tad yad vācaṃ rathantaram abhi vyāharat tasmād rathantaraṃ pūrvaṃ yogam ānaśe. atha yan mano ’gre bṛhad apaśyat tasmād u bṛhadrathantare ity ākhyāyate. mano vai pūrvam atha vāk. mano vai bṛhad, vāg rathantaram. brahma vai rathantaraṃ, kṣatraṃ bṛhat. tad idaṃ mano vācam atyamanyata, kṣatraṃ brahma. tad idaṃ rathantaram aved ati vai mā manyateti. tad vairūpam asṛjata. tena purastāt paryavait. te dve bhūtvātyamanyetām. tad idaṃ bṛhad aved ati vai mā manyateti. tad vairājam asṛjata. tena purastāt paryavait. te dve bhūtvātyamanyetāṃ tad idaṃ rathantaram aved ati vai mā manyateti. tac chākvaram asṛjata. tena purastāt paryavait. tāni trīṇi bhūtvātyamanyanta. tad idaṃ bṛhad aved ati vai mā manyateti. tad raivatam asṛjata. tena purastāt paryavait. tāni trīṇi bhūtvātyamanyanta. te ’ntam agacchatām. te ’vittāṃ same vai svo nānyad anyad atīti. tāni ṣaṭ pṛṣṭhāny āsaṃs, trīṇi chandāṃsi. tānīmāni trīṇi chandāṃsi ṣaṭ pṛṣṭhāni nānuvyabhavan

Als Prajāpati Bṛhat und Rathantara erschuf, erschaute er zuerst mit dem Geist das Bṛhat, mit der Rede sprach er das Rathantara aus. Dass er das Rathantara mit der Rede aussprach, deshalb erlangte das Rathantara die frühere Anwendung. Dass er aber zuerst mit dem Geist das Bṛhat erschaute, deshalb wird es ›Bṛhad-Rathantara‹ genannt. Der Geist nämlich ist das Frühere, die Rede das Spätere. Der Geist nämlich ist das Bṛhat, die Rede das Rathantara. Brahman nämlich ist das Rathantara, die Kṣatra-Macht das Bṛhat. Da hielt sich der Geist für überlegen gegenüber der Rede, die Kṣatra-Macht gegenüber dem Brahman. Das erfuhr das Rathantara: »Er hält sich fürwahr für überlegen gegenüber mir!« Da erschuf es das Vairūpa. Mit diesem umging es ihn von vorne her. Diese beiden, so geworden, hielten sich für überlegen. Das erfuhr das Bṛhat: »Sie halten sich fürwahr für überlegen gegenüber mir!« Da erschuf es das Vairāja. Mit diesem umging es sie von vorne her. Diese beiden, so geworden, hielten sich für überlegen. Das erfuhr das Rathantara: »Sie halten sich fürwahr für überlegen gegenüber mir!« Da erschuf es das Śākvara. Mit diesem umging es sie von vorne her. Diese drei, so geworden, hielten sich für überlegen. Das erfuhr das Bṛhat: »Sie halten sich fürwahr für überlegen gegenüber mir!« Da erschuf es das Raivata. Mit diesem umging es sie von vorne her. Diese drei, so geworden, hielten sich für überlegen. Diese beiden Seiten kamen ans Ende. Diese beiden erkannten: »Wir sind fürwahr gleich, keiner übertrifft den anderen.« Diese wurden zu sechs Pṛṣṭha-Sāmans, drei Versmaßen. Diese drei Versmaße, die sechs Pṛṣṭha-Sāmans, reichten nicht weiter aus.

[Anm.: Diese Kettenerzählung ist eine eigenständige Konkurrenz-Ätiologie für die sechs Pṛṣṭha-Sāmans: Rathantara erschafft nacheinander Vairūpa und Śākvara, Bṛhat erschafft Vairāja und Raivata, bis beide so entstandenen Dreiergruppen einander gleichstehen. Sie ergänzt den bereits aus 3.117f. bekannten Wasser-Ursprungsmythos derselben sechs Sāmans, ohne ihm zu widersprechen. Die Brahman/Rathantara- und Kṣatra/Bṛhat-Zuordnung ist real belegt (u.a. Śatapatha-Brāhmaṇa) und setzt die bereits etablierten Bṛhat(männlich)/Rathantara(weiblich)-Paarungen aus 3.189/219 fort. ›Trīṇi chandāṃsi‹ (drei Versmaße) am Schluss bleibt in seiner genauen Zuordnung zu den sechs Pṛṣṭhas hier noch unklar und wird erst in 3.317 aufgelöst.]

sā gāyatry anuṣṭubham asṛjata sā caturtham ahar udayacchat. tayā caturtham ahar akalpata. triṣṭup paṃktim asṛjata. sā pañcamam ahar udayacchat. tayā pañcamam ahar alpata. tāni ṣaṭ pṛṣṭhāny āsan, ṣaṭ chandāṃsi. tāni dvandvam akalpanta. dvandvam asmai prajāḥ paśavaḥ kalpante ya evaṃ veda. gāyatryā vai prathamam ahas tāyate, triṣṭubhā dvitīyaṃ, jagatyā tṛtīyam, anuṣṭubhā caturthaṃ, paṃktyā pañcamam, atichandasā ṣaṣṭham. tasmād atichandasaṣ ṣaṣṭhe ’hani śasyante. tad yathā varṣiṣṭhena gambhiṣṭhe gādham icchetaivam eva tad devā atichandobhiṣ ṣaṣṭhe ’hani gādham aicchant. atho vai tarhīcchante ’tho ṣaṣṭhasyaivāhno vyāptyā, uttarasyo eva tryahasya santatyā avyavacchedāya

Die Gāyatrī erschuf die Anuṣṭubh. Diese erhob den vierten Tag. Mit ihr gelang der vierte Tag. Die Triṣṭubh erschuf die Paṅkti. Diese erhob den fünften Tag. Mit ihr gelang der fünfte Tag. Diese wurden zu sechs Pṛṣṭha-Sāmans, sechs Versmaßen. Diese bildeten Paare. Paarweise gelingen ihm Nachkommenschaft und Vieh, wer so weiß. Mit der Gāyatrī nämlich wird der erste Tag ausgedehnt, mit der Triṣṭubh der zweite, mit der Jagatī der dritte, mit der Anuṣṭubh der vierte, mit der Paṅkti der fünfte, mit dem Atichandas der sechste. Deshalb werden am sechsten Tag Atichandas-Verse rezitiert. Wie man mit dem Höchsten im Tiefsten einen festen Grund suchen würde, ebenso suchten die Götter mit den Atichandas-Versen am sechsten Tag einen festen Grund. Und dann suchen sie eben danach, sowohl zur Erfüllung eben des sechsten Tages als auch zur ununterbrochenen Fortsetzung eben des folgenden Dreitageszeitraums.

[Anm.: Dieser Abschnitt löst die in 3.316 offene ›trīṇi chandāṃsi‹-Formulierung auf: Gāyatrī, Triṣṭubh und die bereits vorhandene Jagatī erzeugen bzw. ergänzen sich zu sechs Versmaßen (mit Anuṣṭubh, Paṅkti, Atichandas), parallel zu den sechs Pṛṣṭha-Sāmans aus 3.316. Das Bild ›mit dem Höchsten im Tiefsten einen festen Grund suchen‹ (varṣiṣṭhena gambhiṣṭhe gādham) bleibt in seiner genauen Bildlogik etwas unscharf, meint aber sinngemäß: mit dem größten verfügbaren Mittel sicheren Halt im schwierigsten Punkt - dem Übergang am sechsten Tag - zu finden.]

āpo vā idam agre mahat salilam āsīt. tasmin prajāpatiḥ pratiṣṭhām aicchat. sa eta vaiśvānaraṃ prāyaṇīyam atirātram apaśyat. tam upādadhāt. imam eva lokam asmin salile ’dhi tam aprathayat. yad aprathayat tasmāt pṛthivī. tasminn adhi pratyatiṣṭhat. tad vai tama ivāsīt. rātrī hy ahn uttarā. sa etat trivṛtam agniṣṭomam apaśyat. tam upādadhād imam evāgnim asyāṃ pṛthivyām adhi. tena jyotiṣemān lokān prāpaśyat. sa etān aṣṭāv ukthyān aṣṭātayān paśūn diśo ’nuvyatanod vāmadevyam antarikṣam, ādityam eva daśamam ahar, amum eva lokam uttaram atirātram. sa etāṃ vyāptiṃ vyāpnot. idaṃ sarvam abhavat. etām eva vyāptiṃ vyāpnotīdaṃ sarvaṃ bhavati ya evaṃ veda. ṛtavo vai pṛṣṭhyaṣ ṣaḍaho, ardhamāsā māsā ahorātrāṇi chandomā, imāv eva lokāv atirātrau. atha yāv etāv antarāv agniṣṭomāv indrāgnī eva tau. tad yan nedīyas sat kanīyastomaṃ pūrvam ahas tasmād ayam agnir nedīyas san mradīyas(?) tapati. atha yasmād davīyas san jyāyastomam uttamam ahas tasmād asāv ādityo davīyas sann ojīyas tapati. yo vai sarvaṃ dvādaśāham ātmānam abhi saṃpadyamānaṃ veda sarva enaṃ kāmā abhi saṃpadyante

Die Wasser waren fürwahr im Anfang dieses große Meer. Darin suchte Prajāpati einen festen Halt. Er erschaute diesen Vaiśvānara-Atirātra als Eröffnungstag. Diesen legte er nieder. Eben diese Welt breitete er damit über diesem Meer aus. Dass er sie ausbreitete, deshalb ist sie die Erde. Auf dieser gründete er sich fest. Dies war fürwahr wie Finsternis. Die Nacht nämlich ist dem Tag nachgeordnet. Er erschaute dieses Trivṛt-Agniṣṭoma. Dieses legte er nieder, eben diesen Agni, auf dieser Erde. Mit diesem Licht erblickte er diese Welten. Er dehnte diese acht Ukthya-Tage - die achtfach ausgedehnten Tiere - über die Himmelsrichtungen aus, das Vāmadevya über den Luftraum, die Sonne selbst als zehnten Tag, jene Welt selbst als den folgenden Atirātra. Er durchdrang diese Durchdringung. Dies alles kam zustande. Eben diese Durchdringung durchdringt er, dies alles kommt ihm zustande, wer so weiß. Die Jahreszeiten nämlich sind der Pṛṣṭhya-Sechstagesabschnitt, die Halbmonate, Monate, Tage und Nächte sind die Chandoma-Tage, eben diese beiden Welten sind die beiden Atirātras. Die beiden dazwischenliegenden Agniṣṭomas aber, das sind eben Indra und Agni. Dass der erste Tag, obwohl näherliegend, den kleineren Stoma hat, deshalb glüht dieser Agni, obwohl näher, milder. Weil aber der letzte Tag, obwohl ferner, den größeren Stoma hat, deshalb glüht jene Sonne, obwohl ferner, kraftvoller. Wer den ganzen Zwölftagesritus als zum Selbst hingelangend erkennt, dem gelangen alle Wünsche zum Selbst.

[Anm.: Diese Passage bettet den gesamten Dvādaśāha in den real gut bezeugten vedischen Urwasser-Kosmogonie-Mythos ein (āpo vā idam agre salilam āsīt, u.a. Śatapatha-Brāhmaṇa 11.1.6). Die Etymologie pṛthivī von prath- (ausbreiten) ist real und bekannt. ›Mradīyas(?)‹ trägt bereits im Quelltext ein Fragezeichen als Unsicherheitsmarkierung (Parallelfall zu ›śuddhar(?)‹ in 3.228) und wird unverändert übernommen; die Übersetzung ›milder‹ folgt dem Kontrast zu ›ojīyas‹ (kraftvoller) im Folgesatz. ›Aṣṭātayān paśūn‹ (die achtfach ausgedehnten Tiere) bleibt als Bild für die acht Ukthya-Tage technisch unsicher.]

pador eva pratimā pūrvo ’tirātraḥ nava puruṣe prāṇāḥ. sa trivṛt. trivṛt prāyaṇīyam ahaḥ. tena tat saṃpannam. daśa hastyā aṃgulayaś catvāry uror bāhvāṇi. yad ūrdhvaṃ nābhes tat pañcadaśa. pañcadaśaṃ dvitīyam ahaḥ. tena tat saṃpannam. daśa hastyā aṅgulayas, sapta śīrṣan prāṇāḥ. tat saptadaśa. saptadaśaṃ tṛtīyam ahas tena saṃpannam. daśa hastyā aṃgulayo daśa padyā ātmaikaviṃśaḥ. ekaviṃśaṃ caturtham ahaḥ. tena tat saṃpannam. daśa hastyā aṅgulayo, daśa padyā, sapta śīrṣan prāṇāḥ. tat saptaviṃśatiḥ. saptaviṃśaṃ pañcamam ahaḥ. tena tat saṃpannam. daśa hastyā aṅgulayo, daśa padyā, daśa prāṇā, mano vāg ghṛdayaṃ, tat trayastriṃśat. trayastriṃśaṃ ṣaṣṭham ahaḥ. tena tat saṃpannam. prāṇā eva saptamam ahar gāyatram. cakṣur evāṣṭamam ahas traiṣṭubham. śrotram eva navamam ahar jāgatam. vāg eva daśamam ahar ānuṣṭubham. atha yad ūrdhvaṃ śrotrābhyāṃ tad uttaro ’tirātraḥ. prāṇa eva pūrvo ’tirātra, udāna uttaraḥ. tau prāyaṇīyodayanīyāv iti parokṣam ācakṣate. prati prāṇāpānayos tiṣṭhati, na prāṇāpānābhyāṃ vyathate, sarvam āyur ety, evaṃ vai sarvo dvādaśāha ātmānam abhisaṃpadyate, sarva enaṃ kāmā abhisaṃpadyante, ya evaṃ veda

Der erste Atirātra ist fürwahr das Abbild der Füße. Neun sind die Atemkräfte im Menschen. Das ist der Trivṛt. Der Trivṛt ist der Eröffnungstag. Damit gelang jenes. Zehn sind die Fingerglieder der Hände, vier die Glieder von Schenkel und Arm. Was oberhalb des Nabels ist, das ist fünfzehn. Der Fünfzehner ist der zweite Tag. Damit gelang jenes. Zehn sind die Fingerglieder der Hände, sieben die Atemkräfte im Haupt. Das ist siebzehn. Der Siebzehner ist der dritte Tag. Damit gelang jenes. Zehn sind die Fingerglieder der Hände, zehn die der Füße, das Selbst der Einundzwanzigste. Der Einundzwanziger ist der vierte Tag. Damit gelang jenes. Zehn sind die Fingerglieder der Hände, zehn die der Füße, sieben die Atemkräfte im Haupt. Das ist siebenundzwanzig. Der Siebenundzwanziger ist der fünfte Tag. Damit gelang jenes. Zehn sind die Fingerglieder der Hände, zehn die der Füße, zehn die Atemkräfte, Geist, Rede und Herz - das ist dreiunddreißig. Der Dreiunddreißiger ist der sechste Tag. Damit gelang jenes. Die Atemkräfte sind eben der siebte Tag, das Gāyatra. Das Auge ist eben der achte Tag, das Traiṣṭubha. Das Ohr ist eben der neunte Tag, das Jāgata. Die Rede ist eben der zehnte Tag, das Ānuṣṭubha. Was aber oberhalb der Ohren ist, das ist der folgende Atirātra. Der Einatem ist eben der erste Atirātra, der Aufatem der folgende. Diese beiden nennt man verhüllt ›Prāyaṇīya und Udayanīya‹. Er steht fest gegenüber Ein- und Ausatem, wird nicht durch Ein- und Ausatem erschüttert, erlangt die volle Lebenszeit - so gelangt fürwahr der ganze Zwölftagesritus zum Selbst, alle Wünsche gelangen zu ihm, wer so weiß.

[Anm.: Diese systematische Körper-Numerologie (kumulative Aufsummierung von Fingergliedern, Atemkräften, Sinnesorganen usw. zu den Stoma-Zahlen 9/15/17/21/27/33 für die ersten sechs Tage) ergänzt die bereits aus 3.302 bekannte, einfachere Körper-Numerologie (10+10+10+2+1=33) um eine vollständige, tagesweise durchgeführte Fassung; die genaue Einzelarithmetik (insbesondere ›catvāri uror bāhvāni‹, vier Glieder von Schenkel und Arm) bleibt in Details unsicher. Für die Tage 7-10 wechselt das Schema zu einer Sinnesorgan-Korrelation (Atem/Auge/Ohr/Rede = Gāyatra/Traiṣṭubha/Jāgata/Ānuṣṭubha). Die parokṣa-Umbenennung von prāṇa/udāna zu ›Prāyaṇīya/Udayanīya‹ folgt der etablierten Namensregel (parokṣapriyatva, cf. 3.104/117/149/214/298): der wahre Bezugspunkt bleibt unquotiert, die verhüllende Ritualbezeichnung bekommt ›...‹.]

viṣuvatkaṃ vā etat satraṃ yad dvādaśāhaḥ. sa ya etasya satrasya viṣuvantaṃ veda - śrīr vai viṣuvān - viṣuvān śreṣṭha svānāṃ bhavati. puruṣo ha vā etasya satrasya viṣuvān. puruṣo hy eṣāṃ lokānāṃ viṣuvān. ime vai lokā eṣa dvādaśāho, ’ham asya satrasya viṣuvān asmīty eva manyamāna etena dvādaśāhena yajeta. tasya haitasminn eva satre viṣuvān upeto bhavati. sa vā eṣo ’hann eva pratiṣṭhitaḥ. prāyaṇīyam ahar dvitīyam ahas tṛtīyam ahar ity ahar ahar iti bhavati. asau vā ādityo ’haḥ. etam evaitenardhnuvanty etasya salokatāṃ gacchanti

Dieser Zwölftagesritus ist fürwahr eine Opfersitzung mit Mittelpunktstag. Wer den Mittelpunktstag dieser Opfersitzung kennt - Glanz nämlich ist der Mittelpunktstag -, wird als Mittelpunkt der Beste der Seinen. Der Mensch nämlich ist fürwahr der Mittelpunktstag dieser Opfersitzung. Der Mensch nämlich ist der Mittelpunkt dieser Welten. Diese Welten sind fürwahr dieser Zwölftagesritus. In eben dieser Überzeugung: »Ich bin der Mittelpunkt dieser Opfersitzung«, sollte er mit diesem Zwölftagesritus opfern. Ihm wird eben in dieser Opfersitzung der Mittelpunktstag zuteil. Er ist fürwahr eben an diesem Tag fest gegründet. »Eröffnungstag, zweiter Tag, dritter Tag« - so wird es Tag für Tag. Jene Sonne nämlich ist der Tag. Eben diese lassen sie damit gedeihen, gelangen zu dessen gemeinsamer Welt.

[Anm.: ›Viṣuvant‹ (Mittelpunktstag, wörtlich ›gleichstehend‹) ist ein real bezeugter vedischer Fachbegriff für den zentralen Tag einer mehrtägigen Opfersitzung (sattra), besonders prominent beim einjährigen Gavām Ayana. Seine Anwendung auf den Menschen selbst als ›Mittelpunkt‹ der Welten setzt die bereits aus 3.302 bekannte körperbezogene Selbstidentifikation fort.]

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