Quellen der Menschheit

Jaiminīya-Brāhmaṇa · Kāṇḍa 3

Kapitel 6 Der verjüngte Seher: Cyavana, Sukanyā und das Pferdehaupt der Aśvins

Dieses Kapitel erzählt in ungewöhnlicher erzählerischer Breite die aus Śatapatha-Brāhmaṇa und Mahābhārata bekannte Cyavana-Sukanyā-Geschichte in einer eigenständigen Fassung. Der alte Cyavana Bhārgava, Kenner des Brāhmaṇa des Vāstupa, lässt sich von seinen widerstrebenden Söhnen an der Sarasvatī zurück, um dort auf Verjüngung zu hoffen; als Hirtenkinder ihn mit Kot bewerfen, verhängt er über das Lager des vorbeiziehenden Königs Śaryāta Mānava eine Verwirrungs-Verfluchung, bis dieser ihm zur Sühne seine Tochter Sukanyā zur Frau gibt. Ein schwarzes Schlangen-Omen hält Sukanyā davon ab, den vom Soma ausgeschlossenen Aśvins zu folgen, die ihr die 'Gebrechlichkeit' ihres greisen Gatten vorhalten; Cyavana dreht den Vorwurf um und verspricht den Aśvins selbst Soma-Zugang, wenn sie ihn verjüngen. Nach der Verjüngungsprobe – drei optisch identische Jünglinge, unter denen Sukanyā ihren Gatten richtig erkennt – führt Cyavana die Aśvins zum eigentlichen Ziel: zu Dadhyañc Ātharvaṇa, der den Göttern, deren 'kopfloses' Opfer keinen Erfolg bringt, das geheime 'Haupt des Opfers' nur unter einem untergeschobenen Pferdehaupt verkündet, da Indra ihm sonst mit der Enthauptung droht. Indra schlägt zwar das Pferdehaupt ab, doch die Aśvins setzen Dadhyañcs eigenen Kopf wieder ein und werden zum Dank als Adhvaryu-Priester am Soma beteiligt. Ein kurzer Nachtrag verknüpft je vier Fuß-Stobhas mit der ursprünglichen Erschaffung des Viehs durch die Ṛṣis.

tāsu cyāvanam. cyavano vai bhārgavo vāstupasya brāhmaṇam avet. sa putrān abravīd vāstupasya vai brāhmaṇaṃ veda. taṃ mā vāstau nidhāya triḥ punaḥprayāṇaṃ prayāteti. te ’bruvan na śakṣyāma, ākrośanavanto bhaviṣyāmaḥ. pitaram ahāsiṣur iti no vakṣyantīti. neti hovāca, tena vai yūyaṃ vasīyāṃso bhaviṣyatha, teno eva mama punaryuvatāyā āśā. hitvaiva mā prayāteti tān ajñāpayat. taṃ sarasvatyai śaiśave nidhāya triḥ punaḥprayāṇaṃ prāyan. so ’kāmayata vāstau hīnaḥ - punar yuvā syāṃ, kumārīṃ jāyāṃ vindeya, sahsreṇa yajeyeti. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta

Unter diesen das Cyāvana. Cyavana Bhārgava nämlich kannte das Brāhmaṇa des Vāstupa. Er sprach zu seinen Söhnen: »Ich kenne ja das Brāhmaṇa des Vāstupa. Legt mich in der Wohnstatt nieder und macht dreimal den Rückweg-Weitergang!« Sie sprachen: »Wir werden das nicht können, wir würden dem Vorwurf ausgesetzt sein: ›Sie haben ihren Vater verlassen‹ — so wird man von uns sagen.« »Nein!«, sprach er da, »dadurch werdet ihr ja umso wohlhabender werden, eben dadurch besteht auch meine Hoffnung auf Wiederverjüngung. Verlasst mich nur und geht!« — so befahl er ihnen. Ihn, an der Sarasvatī, in seiner Altersschwäche zurücklassend, machten sie dreimal den Rückweg-Weitergang. Er, zurückgelassen an der Wohnstatt, wünschte: »Möge ich wieder jung werden, möge ich eine jungfräuliche Gattin finden, möge ich mit tausendfachem Opfer opfern!« Er erblickte dieses Sāman. Mit ihm wurde er gepriesen.

[Anm.: Cyavana Bhārgava ist eine der berühmtesten Verjüngungsgestalten der vedischen und späteren Literatur (am bekanntesten aus Śatapatha-Brāhmaṇa 4.1.5, wo die Aśvins ihn verjüngen und er die Königstochter Sukanyā heiratet; Stoff auch im Mahābhārata und in den Purāṇas). Diese Jaiminīya-Fassung, mit dem eigentümlichen Detail der rituellen Zurücklassung durch die Söhne an der Sarasvatī mittels eines dreifachen ›Rückweg-Weitergangs‹, scheint eine eigenständige Parallelversion zu sein; die Erzählung setzt sich in 3.121 fort. ›Vāstupa‹ bezieht sich vermutlich auf Vāstoṣpati, den real bezeugten vedischen ›Herrn der Wohnstatt‹ (RV 7.54f.). Die Anwendung von ›śaiśava‹ auf Cyavanas Altersschwäche ist ein ironisches Wortspiel mit ›zweiter Kindheit‹, unabhängig vom gleichnamigen Śaiśava-Sāman aus 3.102.]

taṃ tuṣṭuvānaṃ śaryāto mānavo grāmeṇādhyavāsyat. taṃ kumārā gopālā avipālā mṛdā śakṛtpiṇḍair āsapāṃsubhir adihan. so ’saṃjñāṃ śāryātyebhyo ’karot. tan na mātā putram ajānān, na putro mātaram. so ’bravīc charyāto mānavaḥ - kim ihābhitaḥ kiṃ cid adrāṣṭa, yad idam ittham abhūd iti. tasmai hocur na nu tato ’nyat - sthavira evāyaṃ niṣṭhāvaś śete. tam adya kumārā gopālā avipālā mṛdā śakṛtpiṇḍair āsapāṃsubhir adhikṣan. tata idam ittham abhūd iti

Bei ihm, dem nun Gepriesenen, ließ sich Śaryāta Mānava mit seinem Lagerzug nieder. Ihn beschmierten Knaben, Rinderhirten und Schafhirten, mit Lehm, mit Kotklumpen, mit umherliegendem Staub. Er bewirkte Bewusstlosigkeit bei den Śāryātyas. Da erkannte die Mutter den Sohn nicht, noch der Sohn die Mutter. Da sprach Śaryāta Mānava: »Hat hier ringsum irgendjemand irgendetwas gesehen, wodurch dies so geworden ist?« Da sprachen sie zu ihm: »Nichts anderes als dies: Dort liegt ein Greis, mit Speichel bedeckt. Ihn haben heute Knaben, Rinderhirten und Schafhirten mit Lehm, mit Kotklumpen, mit umherliegendem Staub beworfen. Davon ist dies so geworden.«

[Anm.: Śaryāta Mānava ist der aus der klassischen Cyavana-Erzählung bekannte König (Vater der Sukanyā in der Śatapatha-Fassung). Die Verwirrungs-Verfluchung (Mutter erkennt Sohn nicht mehr) ist ein eindrückliches mythisches Straf-Motiv.]

sa hovāca - cyavano vai sa bhārgavo ’bhūt. sa vāstupasya brāhmaṇaṃ veda. taṃ nūnaṃ putrā vāstau hitvā prāyāsiṣur iti. tam ādrutyābravīd ṛṣe, namas te ’stu. śāryātyebhyo bhago mṛḷeti. atha ha sukanyā śāryātyā kalyāṇy āsa. sa hovāca - sa vai me sukanyāṃ dehīti. neti hovāca. anyad dhanaṃ brūṣveti. neti hovāca. vāstupasya vai brāhmaṇaṃ veda. tāṃ ma ihopanidhāyāsāyam evādya grāmeṇa yātād iti. te vai tvā mantrayitvā pratibravāmeti. te hocur manyatrayitvā - ekaṃ vai dve trīṇi paramam anayā dhanāni labhemahy, ethainayeha sarvam eva lapsyāmahe. hantāsmā imāṃ dadāmeti. tāṃ hāsmai daduḥ. tāṃ hocuḥ - kumāri, sthaviro vā ayaṃ niṣṭhāvo nālam anusaraṇāya. yadaiva vayaṃ yunajāmahā, athānvādhāvatād iti. sā heyaṃ yuktaṃ grāmam anusariṣyanty anūttasthau. sa hovācāhe paridhāva sakhāyaṃ jīvahāyinam iti. sā yadītīyāya yadīti -

Er sprach: »Dies war ja Cyavana Bhārgava. Er kennt das Brāhmaṇa des Vāstupa. Ihn haben wohl seine Söhne an der Wohnstatt zurückgelassen und sind fortgegangen.« Er, zu ihm eilend, sprach: »O Seher, Verehrung sei dir! Sei den Śāryātyas gnädig, o Glücksspender!« Nun war Sukanyā, Tochter der Śāryātyas, schön. Er sprach: »Gib mir doch Sukanyā!« »Nein!«, sprach er. »Nenne ein anderes Gut!« »Nein!«, sprach er. »Ich kenne ja das Brāhmaṇa des Vāstupa. Lege sie mir hier nieder und ziehe du heute Abend eben mit deinem Lagerzug fort!« »Wir wollen dir, nachdem wir beraten haben, Antwort geben.« Sie sprachen, nachdem sie beraten hatten: »Ein, zwei, höchstens drei Vermögen könnten wir mit ihr erlangen; gehen wir mit ihr hierher, werden wir eben alles erlangen. Wohlan, geben wir sie ihm!« Sie gaben sie ihm. Sie sprachen zu ihr: »Mädchen, dieser Greis, mit Speichel bedeckt, taugt nicht zum ehelichen Umsorgen. Sobald wir anschirren, dann lauf uns nach!« Sie aber, im Begriff dem angeschirrten Lagerzug zu folgen, verharrte. Er sprach: »Lauf doch ringsum, dem Freund nach, der dich bei Lebzeiten verlässt!« Sie aber, als sie fortging —

[Anm.: Bestätigt durch die Namen Śaryāta und Sukanyā eindeutig die bekannte Cyavana-Sukanyā-Erzählung. Auffällig ist die betont nüchtern-berechnende Begründung, mit der die Familie der Heirat zustimmt. ›Sakhāyaṃ jīvahāyinam‹ bleibt eine dunkle, möglicherweise ironische Bemerkung Cyavanas, deren Adressat und genauer Sinn unsicher sind. Der Satz bricht an der Abschnittsgrenze mitten im Gedanken ab und setzt sich in 3.123 fort (vgl. das etablierte Muster aus 3.73f.).]

- kṛṣṇasarpa u haivaināṃ pratyuttasthau. sā ha tad eva nirvidyopaviveśa. atha hāśvinau darvihomiṇau bhiṣajyantāv idaṃ ceratur anapisomau. tau hainām etyocatuḥ - kumāri, sthaviro vā ayam asarvo nālaṃ patitvanāyāvayor jāyaidhīti. neti hovāca. yasmā eva mā pitādāt, tasya jāyā bhaviṣyāmīti. tad dhāyam ājughoṣa. atha hemau preyatuḥ. sa hovāca - kumāri, ko nve eṣa ghoṣo ’bhūd iti. kumāri, sthaviro vā ayam asarvo nālaṃ patitvanāyāvayor jāyaidhīti. sā tvaṃ kim avoca iti. nety aham avocaṃ, yasmā eva mā pitādāt tasya jāyā bhaviṣyāmīti

— da erhob sich ihr eine schwarze Schlange entgegen. Sie, davon abgeschreckt, setzte sich wieder nieder. Da wanderten die beiden Aśvins, Opferlöffel-Spender, heilkundig, hier umher, vom Soma-Trank ausgeschlossen. Die beiden kamen zu ihr und sprachen: »Mädchen, dieser Greis, gebrechlich, taugt nicht zum Eheleben; werde unsere beider Gattin!« »Nein!«, sprach sie. »Dem, dem mich mein Vater gegeben hat, dessen Gattin werde ich sein.« Dies hörte Cyavana mit an. Da gingen die beiden fort. Er sprach: »Mädchen, was war das für ein Gespräch da eben?« »›Mädchen, dieser Greis, gebrechlich, taugt nicht zum Eheleben; werde unsere beider Gattin!‹« »Was hast du darauf gesagt?« »›Nein‹, sagte ich, ›dem, dem mich mein Vater gegeben hat, dessen Gattin werde ich sein.‹«

[Anm.: Das Omen der schwarzen Schlange ist der erzählerische Wendepunkt, der Sukanyā zu Cyavana zurückkehren lässt. Bemerkenswert ist die ausdrückliche Kennzeichnung der Aśvins als ›anapisoma‹ (vom Soma-Trank ausgeschlossen) – ein bekanntes Element ihrer Mythologie (ihr Grenzstatus unter den Göttern wegen ihrer Nähe zu Pferden und Menschen), das in anderen Fassungen dieser Erzählung gerade durch Cyavanas Eingreifen aufgehoben wird und hier die Fortsetzung vorbereitet.]

tad dhāsya priyam āsa. sa sahocāśvinau vai tau darvihomiṇau bhiṣajyantāv idaṃ carato ’napisomau. tau tvaitad evāgatya śvo vaktārau. tau tvaṃ brūtād - yuvaṃ vā asarvau stho, yau devau santāv asomapau sthaḥ. sarvo vai mama patir yas somapa iti. tau vai tvā vaktārau - kas tasyeśe yad āvam apisomau syāveti. ayaṃ mama patir iti brūtāt. teno eva me punaryuvatāyā āśati. tau naināṃ śvo bhūta etyaitad evocatuḥ. sā hovāca - yuvaṃ vā asarvau stho, yau devau santāv asomapau sthaḥ. sarvo vai mama patir yas somapa iti. tau hocatuḥ kas tasyeśe yad āvam apisomau syāveti. ayaṃ mama patir iti hovāca

Dies war ihm lieb. Er sprach zu ihr: »Diese beiden, die Aśvins, Opferlöffel-Spender, heilkundig, wandern hier umher, vom Soma ausgeschlossen. Diese werden morgen eben herkommen und dies wieder sagen. Zu ihnen sollst du sagen: ›Ihr beide seid ja gebrechlich, die ihr, obwohl Götter, ohne Soma-Trank seid. Vollständig ist ja mein Gatte, der ein Soma-Trinker ist.‹ Sie werden dir darauf sagen: ›Wer hat die Macht dazu, dass wir beide am Soma teilhaben könnten?‹ ›Dieser, mein Gatte‹, sollst du sagen. Eben dadurch wird sich meine Hoffnung auf Wiederverjüngung erfüllen.« Als es am nächsten Tag wieder Morgen wurde, kamen die beiden zu ihr und sagten eben dies wieder. Sie sprach: »Ihr beide seid ja gebrechlich, die ihr, obwohl Götter, ohne Soma-Trank seid. Vollständig ist ja mein Gatte, der ein Soma-Trinker ist.« Die beiden sprachen: »Wer hat die Macht dazu, dass wir beide am Soma teilhaben könnten?« »Dieser, mein Gatte«, sprach sie.

[Anm.: Cyavanas Strategie kehrt den Vorwurf der ›Gebrechlichkeit‹ gegen die Aśvins selbst: gerade ihr Ausschluss vom Soma macht sie, trotz Gottheit, ›unvollständig‹. Damit bereitet der Text den Handel vor, der die Erzählung auflöst – Verjüngung gegen Soma-Zugang.]

taṃ hocatur - ṛṣi ’pisomau nau bhagavaḥ kurv iti. tatheti hovāca. tau vai nu mā yuvaṃ punaryuvānaṃ kurutam iti. taṃ ha sarasvatyai śaiśavam abhyavacakṛṣatuḥ. sa hovāca - kumāri, sarve vai sadṛśā udeṣyāmo, ’nena mā lakṣmakeṇa jānītād iti. te ha sarva eva sadṛśā udeyur yat kalyāṇatamaṃ rūpāṇāṃ tena rūpeṇa. taṃ heyaṃ jñātvāvabibhede - ayaṃ mama patir iti. taṃ hocatur ṛṣi ’kurvāvaṃ tava taṃ kāmaṃ yas tava kāmo ’bhūt. punaryuvābhūḥ. āvaṃ tvaṃ tathānuśādhi, yad āvam apisomau syāveti

Sie sprachen zu ihm: »O Seher, mach uns beide, o Verehrter, am Soma teilhaftig!« »So sei es«, sprach er. »Macht ihr beide mich nun aber wieder jung!« Sie zogen ihn zur Sarasvatī, in seine Greisenschwäche, hinab. Er hatte gesprochen: »Mädchen, wir werden alle gleich aussehend heraufsteigen; erkenne mich an diesem Merkmal!« Sie alle stiegen tatsächlich gleich aussehend herauf, mit der schönsten aller Gestalten. Sie aber, ihn erkennend, unterschied ihn: »Dieser ist mein Gatte!« Sie sprachen zu ihm: »O Seher, wir haben dir den Wunsch erfüllt, der dein Wunsch war. Du bist wieder jung geworden. Belehre du uns beide nun so, dass wir beide am Soma teilhaben können.«

[Anm.: Das Motiv der drei identisch gewordenen Jünglinge, unter denen Sukanyā ihren Gatten am verabredeten Kennzeichen wiedererkennen muss, ist ein markantes, auch aus anderen Fassungen dieser Erzählung bekanntes Element. Die Erzählung setzt sich fort (vermutlich mit der Erklärung, wie Cyavana den Aśvins tatsächlich den Soma-Zugang verschafft, cf. das in 3.123 angelegte ›anapisoma‹-Motiv).]

sa hovāca - devā vā ete kurukṣetre ’paśīrṣṇā yajñena yajamānā āsate. te taṃ kāmaṃ nāpnuvanti yo yajñe kāmaḥ. tad yajñasya śiro ’chidyata. tad yad dadhyaṃṅ ātharvaṇo ’nvapaśyat taṃ tad gacchatam. sa vāṃ tad anuvakṣyati. tato ’pisomau bhaviṣyatha iti. tad yat tad yajñasya śiro ’chidyateti, so ’sāv ādityaḥ. sa u eva pravargyaḥ. tau ha dadhyañcam ātharvaṇam ājagmatuḥ. taṃ hocatur, ṛṣa upa tvāyāveti. kasmai kāmāyāyeti. etad yajñasya śiro ’nuvakṣyāvahā iti. neti hovāca. indro vai tad apy apaśyat. sa mābravīd - yadi vā idam anyasmai brūyāś śiras te chindyām iti. tasmād bibhemīti. sa vai nāv anenāśvasya śīrṣṇānubrūhīti. tatheti hovāca. sa vai nu vāṃ saṃvadamānau paśyānīti. tau hemau svaṃ śiro nidhāyedam aśvasya śiraḥ pratisaṃdhāya tena ha sma saṃvadamānāv āsāte sāma gāyamānāv ṛcaṃ yajur abhivyāharantau. tābhyāṃ ha śraddhāya tenāśvasya śīrṣṇānūvāca

Er sprach: »Diese Götter sitzen ja in Kurukṣetra und opfern mit einem kopflosen Opfer; sie erlangen nicht den Wunsch, der im Opfer der Wunsch ist. Das Haupt des Opfers nämlich wurde abgeschnitten. Das, was Dadhyañc Ātharvaṇa erschaute, zu dem geht ihr beide hin; er wird es euch beiden verkünden, danach werdet ihr beide am Soma teilhaftig sein.« Dass da das Haupt des Opfers abgeschnitten wurde — das ist jene Sonne dort; sie ist eben auch der Pravargya. Die beiden kamen zu Dadhyañc Ātharvaṇa. Sie sprachen zu ihm: »O Seher, wir kommen zu dir heran.« »Zu welchem Wunsch seid ihr gekommen?« »Wir wollen uns dieses Haupt des Opfers verkünden lassen.« »Nein«, sprach er. »Indra hat dies nämlich auch erschaut; er sagte zu mir: ›Wenn du dies irgendeinem anderen sagen solltest, werde ich dir das Haupt abschneiden.‹ Deshalb fürchte ich mich.« »So verkünde es uns beiden eben mit diesem Pferdehaupt!« »So sei es«, sprach er. »So lasst mich euch beide denn im Gespräch sehen.« Die beiden, nachdem sie sein eigenes Haupt beiseitegelegt und dieses Pferdehaupt angefügt hatten, saßen mit diesem im Gespräch, ein Sāman singend, einen Ṛc und einen Yajus aussprechend. Ihnen beiden verkündete er es voll Vertrauen mit jenem Pferdehaupt.

[Anm.: Dies ist die berühmte Dadhyañc-Ātharvaṇa-Erzählung vom Pferdehaupt (vgl. Ṛgveda 1.116.12, 1.117.22; später auch Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 2.5.16), hier als direkte Auflösung der am Ende von 3.125 gestellten Frage der Aśvins eingeführt. Das ›abgeschnittene Haupt des Opfers‹ wird mit der Sonne und dem Pravargya-Ritus verknüpft – beides in der vedischen Tradition eng mit den heilkundigen Aśvins assoziiert.]

tad indro ’nvabudhyata - pra hābhyām avocad iti. tasyādrutya śiraḥ prācchinad idam aśvaśīrṣam. atha yad asya svaṃ śira āsīt tad imau manīṣiṇau pratisamadhattām. tau ha devān ājagmatur apaśīrṣṇā yajñena yajamānān. tān hocatur apaśīrṣṇā vai yajñena yajamānā ādhve. te taṃ kāmaṃ nāpnutha yo yajñe kāma iti. kas tad yajñasya śiro vedeti. āvam iti. tad vai pratisaṃdhattam iti. tābhyāṃ vai nau grahaṃ gṛhṇīteti. tābhyām etam āśvinaṃ graham agṛhṇan. tāv abruvan yuvam evādhvaryū sthas, tau tat prajānantāv etad yajñasya śiraḥ pratisandhāsyatha iti. tatheti. tāv adhvaryū āstām. tat tāv apisomāv abhavatām

Das bemerkte Indra: »Er hat es ihnen beiden ja verkündet.« Er eilte herbei und schnitt ihm das Haupt ab, dieses Pferdehaupt. Dann fügten die beiden Weisen ihm wieder sein eigenes Haupt an, das er zuvor gehabt hatte. Die beiden kamen zu den Göttern, die mit kopflosem Opfer opferten. Sie sprachen zu ihnen: »Ihr opfert ja mit kopflosem Opfer; ihr erlangt nicht den Wunsch, der im Opfer der Wunsch ist.« »Wer kennt denn das, das Haupt des Opfers?« »Wir beide.« »So fügt es doch wieder an!« »So nehmt doch für uns beide einen Trank!« Für die beiden richteten sie diesen Āśvina-Trank ein. Zu ihnen beiden sprachen sie: »Ihr beide sollt eben die Adhvaryu-Priester sein; ihr beide, die dies erkennen, sollt dieses Haupt des Opfers anfügen.« »So sei es.« Die beiden amtierten als Adhvaryu-Priester. Dadurch wurden die beiden am Soma teilhaftig.

[Anm.: Die Auflösung des Pferdehaupt-Mythos: Indra schlägt das falsche Pferdehaupt ab, die Aśvins setzen Dadhyañcs eigenes Haupt wieder ein und erlangen dafür – als Belohnung für die Wiederherstellung des ›Opferhauptes‹ bei den Göttern – den Āśvina-Trankanteil und das Amt der Adhvaryu-Priester. Damit schließt sich der seit 3.123 (›anapisoma‹) verfolgte Erzählbogen: die Aśvins werden endgültig am Soma teilhaftig. Die genaue Sprecherzuordnung im knappen Dialog ist streckenweise erschlossen.]

atha ha cyavano bhārgavaḥ punaryuvā bhūtvāgacchac charyātaṃ mānavam. taṃ prācyāṃ sthalyām ayājayat. tad asmai sahasram adadāt. tenāyajata. etad vai tac cyavano bhārgava etena sāmnā stutvā punaryuvābhavat, kumārīṃ jāyām avindata, sahasreṇāyajata. ete vā etasmin sāman kāmā, etān eva kāmān avarunddhe. yatkāma evaitena sāmnā stute, sam asmai sa kāma ṛdhyate. atho ha smaitenaiva sāmnā cyavano bhārgavo yad yad aśanaṃ cakame tat tad dha sma sarasvatyai śaiśavād udacati. tad v annādyasyāvaruddhissāma. avānnādyaṃ runddhe ’nnāda śreṣṭha svānāṃ bhavati ya evaṃ veda. yad u cyavano bhārgavo ’paśyat tasmāc cyāvanam ity ākhyāyate. prāṇā śiśur mahīnām iti paśurūpam evaitad upāgacchanti. paśūnāṃ vai śiśur bhavati. tāsu krośaṃ, bhrātṛvyahā sendraṃ sāma. hanti dviṣantaṃ bhrātṛvyam āsyendro havaṃ gacchati ya evaṃ veda. tad aiḷaṃ bhavati paśavo vā iḷā. paśava etad ahaḥ - paśūnām evāvaruddhyai

Dann kam Cyavana Bhārgava, nachdem er wieder jung geworden war, zu Śaryāta Mānava. Ihn ließ er auf einer östlich gelegenen Anhöhe opfern; dafür gab er ihm tausend, damit opferte er. Das ist eben das, wodurch Cyavana Bhārgava, nachdem er mit diesem Sāman gepriesen worden war, wieder jung wurde, eine jungfräuliche Gattin fand und mit Tausend opferte. Dies nämlich sind die Wünsche, die in diesem Sāman liegen; eben diese Wünsche erlangt er. Mit welchem Wunsch auch immer man mit diesem Sāman preist, der geht ihm eben in Erfüllung. Und mit eben diesem Sāman ließ Cyavana Bhārgava, welche Speise er sich auch wünschte, diese von der Sarasvatī her, aus seiner Jugendlichkeit heraus, emporsteigen. Das ist also das Sāman zur Erlangung von Speise und Nahrung; Speise und Nahrung erlangt er, wird der Beste im Essen unter den Seinigen, wer dies weiß. Und weil Cyavana Bhārgava es erschaute, deshalb wird es ›Cyāvana‹ genannt. »Der Atem ist das Junge der Großen« — damit nähern sie sich eben der Vieh-Gestalt; Vieh nämlich hat ja ein Junges. Darin liegt ein Krośa-Ruf; das rivalentötende Sāman ist mit Indra verbunden. Er erschlägt den hassenden Rivalen, zu seinem Ruf kommt Indra, wer dies weiß. Das ist dann ›aiḷa‹, von Iḷā stammend — Vieh nämlich ist Iḷā. Dies ist der Vieh-Tag, eben zur Erlangung von Vieh.

[Anm.: Sechste Instanz des wunscherfüllenden Sāman-Motivs in diesem Kāṇḍa (nach 3.67, 3.74, 3.76, 3.82, 3.95): das ›Cyāvana‹-Sāman, benannt nach seinem Entdecker Cyavana Bhārgava selbst, erfüllt ausdrücklich jeden Wunsch. ›Śaiśavāt‹ ist unsicher übersetzt als ›aus seiner Jugendlichkeit heraus‹; ein Bezug zum in 3.102 behandelten Śaiśava-Sāman ist nicht auszuschließen, aber nicht gesichert.]

pavasva vājasātaya iti vājavatīr anuṣṭubho bhavanty - annaṃ vai vājo - ’nnādyasyaivāvaruddhyai. pavitre dhārayā sutaḥ. indrāya soma viṣṇave devebhyo madhumattamaḥ. iti vaiṣṇavyo bhavanti - yajño vai viṣṇur - yajñasyaivārambhāya. tāsu gaurivītam uktabrāhmaṇam. athāṣṭeḷaḥ padstobha iḷānām ayātayāmāvarudhyate. teno hāsmā ekaśaphāḥ paśavas tiṣṭhante. prajāpatiṃ prajās sasṛjānaṃ śīrṣataḥ pāpmāgṛhṇāt. so ’kāmayatāpa pāpmānaṃ hanīyeti. sa etān padastobhān apaśyat. tair astuta. taiḥ pāpmānam apāhata. tān apaveṣṭayann iva gāyet. apaveṣṭayann iva vai sa tac chīrṣato ’gre pāpmānam apajaghne. apaveṣṭayann ivaiva śīrṣato ’gre pāpmānam apahate ya evaṃ veda

»Fließe rein zum Erringen der Kraft« — so sind es kraftreiche Anuṣṭubh-Verse; Speise nämlich ist Kraft, eben zur Erlangung von Speise und Nahrung. »Auf dem Seihe geläutert durch den Strom, für Indra, o Soma, für Viṣṇu, für die Götter, der Süßeste« — so sind es Viṣṇu-bezogene Verse; das Opfer nämlich ist Viṣṇu, eben zum Beginn des Opfers. Bei ihnen ist Gaurivīta bereits erklärt. Dann wird durch den Aṣṭeḷa-Fußstobha die Unerschöpflichkeit der Iḷās erlangt; dadurch stehen ihm auch die Einhufer-Tiere bei. Als Prajāpati die Geschöpfe hervorbrachte, ergriff ihn das Übel vom Haupte her. Er wünschte: »Möge ich das Übel abschlagen!« Er erblickte diese Fußstobhas; mit ihnen wurde er gepriesen, mit ihnen schlug er das Übel ab. Gleichsam abwickelnd soll er sie singen. Gleichsam abwickelnd schlug er da das Übel zuerst vom Haupte weg. Gleichsam abwickelnd schlägt er das Übel zuerst vom Haupte weg, wer dies weiß.

[Anm.: ›Ayātayāma‹ (unerschöpft, mit Alpha-privativum) steht bewusst im Kontrast zum in 3.115 belegten ›yātayāma‹ ohne Privativum. Die Erzählung von Prajāpatis vom Haupte her ergreifendem Übel bildet ein bemerkenswertes thematisches Echo zum ›Haupt des Opfers‹-Motiv der vorangehenden Dadhyañc-Erzählung (3.126f.). ›Apaveṣṭayan‹ (gleichsam abwickelnd/enthüllend) bleibt in seiner genauen rituellen Gestik unsicher.]

ṛṣīṇāṃ vā agre mantraś caiva prajā cāsīn na paśavaḥ. te ’kāmayantāva paśūn rundhīmahīti. te saṃvatsare paśūn paryapaśyan. tān etenāṣṭeḷena padastobhenodasṛjanta. te ’bruvann asti nvā iti. tān ṣaḍiḷenodasṛjanta. te ’bruvann asti nvā iti. tāṃś caturiḷenodasṛjanta. te ’bruvann asti nvāveti. tān dvīḷenodasṛjanta. te vā ete paśava eva yat padastobhāḥ. paśava etad ahaḥ. paśumān bhavati ya evaṃ veda. ta u sarve jāgatā bhavanti. paśavo vai jagatī. teno haivāsmiṃs tad apy ekaśaphāḥ paśavas tiṣṭhante yat sarve jāgatā bhavanti. sarve hi jāgatāḥ paśavaḥ

Bei den Ṛṣis gab es anfangs sowohl den Spruch als auch Nachkommenschaft, aber kein Vieh. Sie wünschten: »Möchten wir doch Vieh erlangen!« Sie erblickten binnen eines Jahres Vieh ringsum. Dieses ließen sie mit diesem Aṣṭeḷa-Fußstobha hervortreten. Sie sprachen: »Es gibt fürwahr welches!« Dieses ließen sie mit dem Ṣaḍiḷa hervortreten. Sie sprachen: »Es gibt fürwahr welches!« Dieses ließen sie mit dem Caturiḷa hervortreten. Sie sprachen: »Es gibt fürwahr welches!« Dieses ließen sie mit dem Dvīḷa hervortreten. Diese Fußstobhas sind ja eben dieses Vieh. Dies ist der Vieh-Tag. Er wird viehreich, wer dies weiß. Diese alle aber sind in Jagatī. Vieh nämlich ist die Jagatī. Dadurch eben stehen ihm dabei auch die Einhufer-Tiere bei, dass sie alle in Jagatī sind. Alle Jagatī-Verse nämlich sind Vieh.

[Anm.: Die vier Fußstobhas (Aṣṭeḷa ›Achtfach-Iḷā‹, Ṣaḍiḷa ›Sechsfach-Iḷā‹, Caturiḷa ›Vierfach-Iḷā‹, Dvīḷa ›Zweifach-Iḷā‹) werden hier als sukzessive Ursprungsformeln des Viehs erzählt, mit refrainartiger Wiederholung. Die Gleichsetzung von Vieh mit dem Jagatī-Versmaß reiht sich in die im Text wiederholt belegten Metrum-Entität-Äquivalenzen ein.]

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