Quellen der Menschheit

Jaiminīya-Brāhmaṇa · Kāṇḍa 3

Kapitel 14 Der Blick in den Becher: Drei Wünsche und der zurückgelassene Sänger

Drei Ṛṣis werden auf die Probe gestellt, als sie nach der himmlischen Welt der Atharvans verlangen: Der boshafte Preṇi Saumāhita wünscht sich maßlose Fleischeslust, Madhucchandas Vaiśvāmitra den Vorrang des Brahmanentums – doch nur Asita Daivala, der schlicht 'diesen Becher betrachten' will, erweist sich als der einzige, der 'das rechte Gelübde befolgt', und darf mit seinem Sāman alle Welten durchwandern, vormittags bei den Göttern, mittags bei den Menschen (unter ihnen ein König Drupada Vārddhraviṣṇa), nachmittags bei den Ahnen. Ebenso anschaulich ist die Erzählung vom Seher Idhmavāha, der, im Wald zurückgelassen und gestorben, den zur Himmelswelt aufgebrochenen Sattra-Teilnehmern ein Verspaar entgegensingt, bis diese ihn hören und mit dem Ruf 'Komm doch her!' zu sich heraufholen. Eine dritte Erzählung personifiziert das Opfer selbst: Aus Furcht vor Erschöpfung flieht es den Göttern, die es erst durch das ihm geschenkte Vertrauen – eine frühe Urszene der später zentralen Kategorie śraddhā – zur Rückkehr bewegen können. Kaśīti Saubhara heilt seine Krankheit mit dem berühmten Vāta-Hymnus (RV 10.186), und der von Indra verlassene, weil geschwächte dritte Somaguss wird mit dem Ruf 'Komm her, komm her!' zurückgeholt – ausdrücklich auch als Vasiṣṭhas Bitte um Nachkommenschaft nach dem Tod seiner Söhne gedeutet.

atha kāśītam. kaśītiṃ vai saubharaṃ satre yakṣmāvindat. so ’kāmayatāpa yakṣma hanīyeti. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. vāta ā vātu bheṣajaṃ śaṃbhu mayobhu no hṛde. pra na āyūṃṣi tāriṣat. yad ado vāta te gṛhe ’mṛtasya nidhir hitaḥ. tato no dehi jīvase. uta vāta pitāsi na uta bhrātota nas sakhā. sa no jīvātave kṛdhi. iti vāta evāsmai bheṣajam akarot. tad etad bheṣajaṃ prāyaścittis sāma. bheṣajaṃ vai sa tat prāyaścittim akuruta. bheṣajam evaitena prāyaścittiṃ kurvate. tad u kāmasani. etaṃ vai sa kāmam akāmayata. so ’smai kāmas samārdhyata. yatkāma evaitena sāmnā stute sam asmai sa kāma ṛdhyate. tasyo pratīcīm iḷām upayanti, chandomebhyo net parāñco ’tipadyāmahā iti - paśavo vā iḷā. paśavaś chandomāḥ - paśūnām evāvaruddhayai. yad u kaśītis saubharo ’paśyat tasmāt kāśītam ity ākhyāyate. athāśvasūktam uktabrāhmaṇam. tat pañcākṣaraṇidhanaṃ bhavati - pañcapadā vai paṃktiḥ. pāṃktāḥ paśavaḥ. paśavaś chandomāḥ - paśūnām evāvaruddhayai. atha śāmmadam uktabrāhmaṇam. atha hāviṣkṛtam uktabrāhmaṇaṃ niruktir haviṣaḥ. tac caturakṣaraṇidhanaṃ bhavati - catuṣpadā vai paśavaḥ. paśavaś chandomāḥ - paśūnām evāvaruddhayai. tvaṃ hy aṃga daivyeti tvam iti bhavati bṛhato rūpam. bārhatam etad ahaḥ. pavamāna janimāni dyumattama iti janadvatīr bhavanti. janadvad vai jagatyai rūpam. jāgatam etad ahaḥ. tāsu sauparṇam uktabrāhmaṇam. pavasva devavītaya iti sarvadevatyaṃ bhavati. vaiśvadevaṃ hy etad ahar jāgatam. tava drapsā udapruta indraṃ madāya vāvṛdhur iti vṛddhaṃ hy etad ahaḥ. ā nas sutāsa indava ity āvatīr bhavanty anatipādāyaiva

Nun das Kāśīta. Kaśīti Saubhara befiel bei der Sattra-Sitzung fürwahr eine Krankheit. Er wünschte: »Möchte ich doch die Krankheit vertreiben!« Er erschaute dieses Sāman. Mit ihm stimmte er den Lobgesang an. »Wind wehe Heilkraft her, wohltuend, erquickend unserem Herzen. Möge er unsere Lebenszeiten verlängern. Was, o Wind, in deinem Hause dort als Schatz der Unsterblichkeit hinterlegt ist, davon gib uns, damit wir leben. Auch bist du, Wind, unser Vater, auch Bruder und auch unser Freund. Verschaffe uns davon, damit wir leben.« So bereitete ihm eben Vāta ein Heilmittel. Dies ist das heilende Sühne-Sāman. Als Heilmittel vollzog er fürwahr jene Sühnehandlung. Als Heilmittel vollzieht man eben damit die Sühnehandlung. Dies ist auch das Kāmasani. Diesen Wunsch nämlich wünschte er sich. Ihm ward dieser Wunsch erfüllt. Welchen Wunsch auch immer man mit diesem Sāman preisend hegt, der Wunsch wird ihm erfüllt. Dazu nähern sie sich der rückwärtsgewandten Iḷā: »Dass wir doch nicht, uns abwendend, über die Chandomas hinausschreiten!« Tiere nämlich sind Iḷā. Tiere sind die Chandomas - eben zur Sicherung der Tiere. Und weil Kaśīti Saubhara dies erschaute, wird es ›Kāśīta‹ genannt. Nun das Āśvasūkta - bereits erklärt. Dies hat ein fünfsilbiges Nidhana - fünffüßig nämlich ist die Paṅkti. Paṅktisch sind die Tiere. Tiere sind die Chandomas - eben zur Sicherung der Tiere. Nun das Śāmmada - bereits erklärt. Nun das Hāviṣkṛta - bereits erklärt, eine Ableitung von ›Havis‹. Dies hat ein viersilbiges Nidhana - vierfüßig nämlich sind die Tiere. Tiere sind die Chandomas - eben zur Sicherung der Tiere. »Du fürwahr, göttlich« - so beginnt es mit »du«; das ist das Merkmal des Bṛhat. Ein Bārhata-Tag ist dies. »Dich läuternd, über die Geschlechter, Glanzvollster« - so sind dies ›geschlechthaltige‹ Verse. Geschlechthaltig nämlich ist das Merkmal der Jagatī. Ein jagatischer Tag ist dies. Unter diesen ist das Sauparṇa bereits erklärt. »Läutere dich zur Götterspeisung« - so wird dies allgöttlich. Denn dieser jagatische Tag ist der Allgötter-Tag. »Deine Tropfen schwammen empor, stärkten Indra zum Rausch« - denn dies ist ein gereifter Tag. »Zu uns, ihr ausgepressten Tropfen« - so sind dies ›herzukommende‹ Verse, eben zum Nicht-Überschreiten.

[Anm.: Der zitierte Vers »Wind wehe Heilkraft her...« ist der real bezeugte, berühmte Vāta-Hymnus RV 10.186. Mehrfache Bereits-erklärt-Rückverweise (Āśvasūkta cf. 3.251, Śāmmada cf. 3.164, Hāviṣkṛta cf. den frühen Haviṣmant-Haviṣkṛt-Komplex, Sauparṇa cf. 3.147/182/210) markieren diesen Abschnitt als dichte Sammelstelle bereits behandelter Sāmans.]

tāsu vaiśvamanasam. viśvamanasaṃ vai samiddhāraṃ paretam araṇya ṛkṣo ’vindat. so ’kāmayatāparkṣaṃ hanīyeti. sa etat sāmāpaśyat. tad abhyagāyata. tam indro ’paśyad - viśvamanasam ṛkṣo ’vidad iti. tam abhyādravat. tasyādravata śvasathāt prāvlīyata. tam apṛcchad - viśvamanaḥ kas tvaiṣa pareṇeti. sūrmī maghavann iti brūhīty abravīt. sūrmī maghavann ity abravīt. aṅgaināṃ daṇḍenābhijahīti so ’bravīt. tṛṇakam āchidya śanair adhyasyeti. taṃ tṛṇakam āchidya śanair adhyāsyat. tad evendro vajram asiñcat. tasyo tad eva prāghnan. tad u bhrātṛvyahā rakṣohā sāma. hanti dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ, apa rakṣaḥ pāpmānaṃ hate, ya evaṃ veda. yada u viśvamanā apaśyat tasmād vaiśvamanasam ity ākhyāyate

Unter diesen ist das Vaiśvamanasa. Viśvamanas, den Feueranzünder, der fortgegangen war, fand fürwahr im Wald ein Bär. Er wünschte: »Möchte ich doch den Bären erschlagen!« Er erschaute dieses Sāman. Er sang es ihm entgegen. Indra sah: »Viśvamanas, den hat ein Bär erwischt!« Er eilte zu ihm hin. Vor dessen heranstürmendem Schnauben floh jener davon. Er fragte ihn: »Viśvamanas, wer ist das da, jenseits von dir?« Er sprach: »Sag: ›Sūrmī, o Freigebiger!‹« »Sūrmī, o Freigebiger«, sprach er. »Wohlan, schlage sie mit dem Stock!«, so sprach er. »Ein Grashälmchen abschneidend, lege es sacht darauf!« Er, ein Grashälmchen abschneidend, legte es sacht darauf. Da eben entlud Indra die Vajra-Keule. Damit eben erschlugen sie ihn. Dies ist das rivalentötende, unholdtötende Sāman. Er erschlägt den hassenden Rivalen, schlägt Unhold und Übel fort, wer so weiß. Und weil Viśvamanas dies erschaute, wird es ›Vaiśvamanasa‹ genannt.

[Anm.: Eine listenreiche Bärenjagd-Erzählung mit Indras Hilfe. »Sūrmī« bleibt als Anrede/Bezeichnung unklar (möglicherweise ein Name für den Bären oder eine rituelle Formel). Das weibliche Pronomen bei »schlage sie mit dem Stock« bleibt ebenfalls unsicher in seinem genauen Bezug.]

pari tyaṃ haryataṃ harim iti parivatīr bhavanty antasya rūpam. anto hy etad ahaḥ. babhruṃ punanti vāreṇa. yo devān viśvaṃ it pari iti viśvavatīr bhavanti. vaiśvadevaṃ hy etad ahaḥ. madena saha gacchatīti madvatīr bhavanti. abhipūrvam evaitat tṛtīyasavane rasaṃ madaṃ dadhati. dvir yaṃ pañca svayaśasaṃ svasāro adrisaṃhatam. priyam indrasya kāmyaṃ prasnāpayanta ūrmayaḥ. ity āśiṣam evaitenāśāste. indrāya soma pātave vṛtraghne pari ṣicyasa iti vartraghnyo bhavanty antato vijityai. tāsu gaurivītam uktabrāhmaṇam. atha nihavaḥ. indro vai tṛtīyasavanād bībhatsamāna udakrāmat. dhītam iva hy āsīt. tama etena viśve devās sāmnānvahvayantāyihī āyihī iti. tato vā indras tṛtīyasavanam upāvartata. tato ’smād anapakramy abhavat. tad etat sendraṃ sāma. sendro hāsya sadevo yajño bhavati. abhy asyendro yajñam āvartate. nāsyendro yajñād apakrāmati ya evaṃ veda. tad v evācakṣate vasiṣṭhasya nihava iti. vasiṣṭho vai jīto hataputro ’kāmayata prajāṃ paśūn nihvayeyeti. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. tenāyihī āyihī ity eva prajāṃ paśūn nyahvayata. tad v eva nihavasya nihavatvam. prajāṃ paśūn nihvayate ya evaṃ veda. tad u stobhānutunnaṃ bhavati. anutunnāda vai prajāḥ paśavaḥ prajāyante. paśavaś chandomāḥ. tena vai rūpasamṛddham. yad u vasiṣṭho ’paśyat tasmād vāsiṣṭhasya nihava ity ākhyāyate

»Ringsum jenen begehrten, goldgelben Soma« - so sind dies ›umgreifende‹ Verse - das Merkmal des Endes. Denn dies ist der letzte Tag. Den goldbraunen läutern sie mit dem Sieb. »Der die Götter, alle ringsum« - so sind dies ›allhaltige‹ Verse. Denn dies ist der Allgötter-Tag. »Mit Rausch geht er einher« - so sind dies ›rauschhaltige‹ Verse. Der Reihe nach eben legen sie damit im dritten Somaguss Saft und Rausch hinein. »Den zweimal fünf, den selbstruhmreichen, die Schwestern, den mit den Steinen zusammengeballten, den lieben, ersehnten Soma Indras badeten die Wellen.« So erbittet er eben damit einen Segenswunsch. »Für Indra, o Soma, zum Trinken, dem Vṛtra-Töter, wirst du ringsum ausgegossen« - so sind dies ›vṛtratötungshaltige‹ Verse, eben zum Siege am Ende. Unter diesen ist das Gaurivīta bereits erklärt. Nun der Nihava. Indra stieg fürwahr, sich vor dem dritten Somaguss ekelnd, empor. Denn dieser war ja gleichsam geschwächt. Ihn riefen die Viśvedevās mit diesem Sāman herbei: »Komm her, komm her!« Da wandte sich Indra fürwahr dem dritten Somaguss wieder zu. Seitdem entfernt er sich nicht mehr davon. Dies ist das Indra-verbundene Sāman. Mit Indra, mit den Göttern zusammen, wird dessen Opfer fürwahr. Indra wendet sich dessen Opfer zu. Von dessen Opfer entfernt sich Indra nicht, wer so weiß. Das eben nennt man auch ›Vasiṣṭhas Herbeiruf‹. Vasiṣṭha, besiegt, mit erschlagenen Söhnen, wünschte fürwahr: »Möchte ich doch Nachkommenschaft und Tiere herbeirufen!« Er erschaute dieses Sāman. Mit ihm stimmte er den Lobgesang an. Damit, »komm her, komm her« rufend, rief er eben Nachkommenschaft und Tiere herbei. Das eben ist die Nihava-heit des Nihava. Nachkommenschaft und Tiere ruft herbei, wer so weiß. Dies hat ein vom Stobha getroffenes Nidhana. Vom Getroffenen nämlich werden Nachkommenschaft und Tiere gezeugt. Tiere sind die Chandomas. Damit ist fürwahr die Gestalt zur Fülle gebracht. Und weil Vasiṣṭha dies erschaute, wird es ›Vasiṣṭhas Nihava‹ genannt.

[Anm.: Der Eingangsvers »Ringsum jenen begehrten, goldgelben Soma« ist eine real bezeugte, geläufige Soma-Pavamāna-Versformel (vgl. RV 9.1). Gaurivīta verweist zurück auf 3.147/197/227/234. Der Schlussteil (Vasiṣṭhas Nihava) bestätigt explizit die in 3.204 vermutete Anspielung auf den Tod von Vasiṣṭhas Söhnen (hataputra, mit erschlagenen Söhnen) - eine bedeutsame Kontinuität zur dort erwähnten Śakti-Tragödie.]

atha yadvāhiṣṭhīyam. agnir vai devebhyo havyaṃ navamād ahno daśamam ahar abhy ativoḍhuṃ nākāmayata. te devā akāmayantāti na idam agnir havyaṃ vahed iti. ta etat sāmāpaśyan. tenainam astuvan - yad vāhiṣṭhaṃ tad agnaye bṛhad arca vibhāvaso. mahivīva tvad rayis tvad vājā ud īrate. tava dyumanto arcayo grāvevocyate bṛhat. uto te tanyatur yathā svāno arta tmanā divaḥ. evo agniṃ vasūyavas sahasānaṃ vavandima. sa no viśvā ati dviṣaḥ parṣan nāveva sukratuḥ. iti. yathā nāvātipārayed evam evaibhya etad agnir havyaṃ navamād ahno daśamam ahar abhy atyapārayat. eṣa ha vā etad atipārayitum arhati. tad yad atra yadvāhiṣṭhīyaṃ bhavati yajñasyaiva saṃtatyai. sam asmai yajñas tāyate tasyāgnir havyaṃ pārayati ya evaṃ veda. tad ūrdhveḷaṃ bhavati bṛhato rūpaṃ bārhate ’han. tena vai rūpasamṛddham

Nun das Yadvāhiṣṭhīya. Agni wollte fürwahr die Opfergabe für die Götter nicht vom neunten Tag zum zehnten Tag hinübertragen. Die Götter wünschten: »Möge Agni diese Opfergabe doch hinübertragen!« Sie erschauten dieses Sāman. Mit ihm stimmten sie ihm den Lobgesang an: »Was das Höchstzutragende ist, das singe, o Feuerglänzender, für Agni als erhabenes Lied. Groß wie dieser Reichtum steigt von dir empor, von dir die Kräfte. Deine glanzvollen Flammen werden erhaben wie der Preßstein genannt. Und dein Donnern erhob sich, wie das eigene Tönen des Himmels. So haben wir, nach Gütern verlangend, Agni gepriesen, den Überwältigenden. Er möge uns über alle Feindschaften hinübertragen, wie ein kundiger Steuermann mit dem Schiff.« Wie man mit einem Schiff hinüberführt, ebenso eben trug ihnen Agni diese Opfergabe vom neunten Tag zum zehnten Tag hinüber. Dieser vermag dies fürwahr hinüberzuführen. Dass hier das Yadvāhiṣṭhīya stattfindet, eben zur Fortsetzung des Opfers. Ihm setzt sich das Opfer fort, dessen Opfergabe Agni hinüberführt, wer so weiß. Dies wird zum aufwärtsgerichteten Iḷā - das Merkmal des Bṛhat - am Bārhata-Tag. Damit ist fürwahr die Gestalt zur Fülle gebracht.

[Anm.: Das zitierte Agni-Preislied mit dem Schiffs-Gleichnis (wie ein kundiger Steuermann mit dem Schiff) folgt geläufiger vedischer Agni-Hymnenformelsprache (vgl. u.a. RV 1.97, 1.99, wo ein verwandtes Übertragungs-Gleichnis für Agni auftritt), ohne dass eine genaue Stellenidentifikation vorgenommen wurde.]

athāsitam. ṛṣayo vā abruvann - etemam upariśyenaṃ svargaṃ lokaṃ jigīṣāma, yad asminn ete ’tharvāṇa iti. preṇī saumāhito madhucchandā vaiśvāmitro ’sito daivalo ya u cānye tasya hāntikam didīkṣate, teṣāṃ ha jyog eva yajamānānāṃ nopaśuśruvur bahū y eva varṣāṇi. teṣām u hopaśuśruvur - āśrāvayati vai, vaṣaṭkaroti vā iti. sa hodvanto nāmātharvaṇām ekaś camasahasta upāvaruroha. tān hovāca - kiṃkāmā ādhva iti. imam upariśyenaṃ svargaṃ lokaṃ jigīṣām, yasminn ete ’tharvāṇa iti. tān hovācetha grāmaṃ jaghanenā iti. imo hīti. kasmai kāmāyeti. patha iti. om iti hovāca, na nu vas tat svargyam iti. atha ha camasam avekṣāṃcakre. sa hovācāśnīya māṃsā3m iti. aśnīmo hīti. kasmai kāmāyeti. cakṣuṣaś ca prāṇānāṃ ceti. om iti hovāc, no vāva vas tat svargyam iti. atha ha camasam avekṣāṃcakre. sa hovācāśnītha māṃsā3m iti. upemo hīti. kasmai kāmāyeti. prajāyai saṃtatyā avyavacchedāyeti. om iti hovāca, no vāva vas tat svargyam iti. atha ha camasam evāvekṣāṃcakre. sa hovāca-vadathānṛtā3m iti. vadāmo hīti. kasmai kāmāyeti. strīkāmyā vā narmakāmyā vā sakhīkāmyā veti. om iti hovāca

Nun das Asita. Die Ṛṣis sprachen fürwahr: »Wir wollen diese über-adlerhafte himmlische Welt zu gewinnen suchen, in der jene Atharvans sind.« Preṇi Saumāhita, Madhucchandas Vaiśvāmitra, Asita Daivala, und wer auch immer sonst sich diesem Ziel zu nähern wünschte - von diesen, den Opfernden, hörte man lange Zeit, viele Jahre lang, nichts. Von ihnen aber hörte man: »Er lässt hören« oder »er spricht Vaṣaṭ«. Da stieg einer der Atharvans namens Udvant, einen Becher in der Hand, herab. Er sprach zu ihnen: »Wonach verlangend seid ihr gekommen?« »Wir suchen diese über-adlerhafte himmlische Welt zu gewinnen, in der jene Atharvans sind.« Er sprach zu ihnen: »Geht hier hinter das Dorf!« »Wir gehen ja hin.« »Wozu?« »Für einen Weg.« »Om«, sprach er, »aber das ist für euch nicht himmelbringend.« Dann betrachtete er den Becher. Er sprach: »Man sollte Fleisch essen.« »Wir essen ja.« »Wozu?« »Für das Augenlicht und für die Atemkräfte.« »Om«, sprach er, »aber das ist für euch keineswegs himmelbringend.« Dann betrachtete er den Becher. Er sprach: »Ihr solltet Fleisch essen.« »Wir nähern uns dem ja.« »Wozu?« »Für Nachkommenschaft, zur Fortsetzung, zur Ununterbrochenheit.« »Om«, sprach er, »aber das ist für euch keineswegs himmelbringend.« Dann betrachtete er wieder den Becher. Er sprach: »Ihr sprecht Unwahrheit.« »Wir sprechen sie ja.« »Wozu?« »Aus Verlangen nach einer Frau, oder aus Verlangen nach Scherz, oder aus Verlangen nach einem Freund.« »Om«, sprach er.

[Anm.: Bemerkenswerte Rahmenerzählung mit real bezeugten Ṛṣi-Namen: Madhucchandas Vaiśvāmitra gilt traditionell als Seher von RV 1.1-11 (den Eröffnungshymnen des Ṛgveda) und als ältester Sohn Viśvāmitras; Asita Daivala ist ebenfalls ein andernorts bezeugter Sehername. Die Prüfungs-Dialogstruktur (Udvant stellt wiederholt dieselbe Frage nach dem Zweck und lehnt jede Antwort als nicht himmelbringend ab) erinnert an katechismusartige vedische Lehrgespräche. Der Abschnitt bricht bewusst als Cliffhanger ab; die Fortsetzung mit vermutlich der entscheidenden, tatsächlich himmelbringenden Antwort folgt in 3.271. Die im Sanskrit-Original erscheinende Ziffer bei einzelnen Wörtern (māṃsam, anṛtam) markiert vermutlich eine rezitatorische Vokaldehnung (Pluti), keinen Textfehler.]

uttiṣṭhata, kāmān brūdhvaṃ, no vāva vas tasyāśāsti yad amuṃ lokaṃ jayeteti. atha ha preṇī saumāhitaḥ pāpaka āsa. sa hovāca - saptānām eva syo bastānāṃ durvṛṣatāṃ vṛṇīte. yāṃ yām v acchābrūvīya, sā sā tyaṃ kāmayatād iti. atha ha madhucchandā vaiśvāmitra uvāca - brāhmaṇamukham evāhaṃ vṛṇā iti. atha hāsito daivala uvācaitam evāhaṃ camasam avekṣā iti. sa hovācaiṣa evaiṣām eko vratayati. taṃ haivāvekṣyaitat sāma dadarśa. tenāstuta. rāye agne mahe tvā dānāya sam idhīmahi. īḷiṣvā hi mahe vṛṣaṃ dyāvā hotrāya pṛthivī. iti. dyāvāpṛthivī sarva ime lokāḥ. tato vai sa sarvān imān lokān anusamacarat. sa ha pūrvāhṇa eva devānāṃ samityām āsa, madhyandine manuṣyāṇāṃ drupadasya vārddhraviṣṇasya, aparāhṇe pitṛṇām. tad etat svargyaṃ sāma. sarvān imān lokān anusaṃcaraty, aśnute svargaṃ lokaṃ ya evaṃ veda. yad v asito daivalo ’paśyat, tasmād āsitam ity ākhyāyate

»Steht auf, nennt eure Wünsche! Keineswegs ist für euch die Hoffnung darauf, jene Welt zu gewinnen.« Nun war Preṇi Saumāhita boshaft gesinnt. Er sprach: »Er wählt sich die maßlose Bockskraft von sieben Böcken auf einmal. Welche auch immer ich anspreche, die möge mich begehren.« Nun sprach Madhucchandas Vaiśvāmitra: »Ich wähle mir eben die Vorrangstellung des Brahmanentums.« Nun sprach Asita Daivala: »Ich will eben diesen Becher betrachten.« Er sprach: »Dieser allein von ihnen befolgt das rechte Gelübde.« Ihn, eben betrachtend, erschaute er dieses Sāman. Mit ihm stimmte er den Lobgesang an. »Zum Reichtum, Agni, zu großer Gabe entzünden wir dich. Preise doch, o Große, den Bullen zur Hotar-Aufgabe, Himmel und Erde.« Himmel und Erde, das sind alle diese Welten. Da durchwanderte er fürwahr alle diese Welten. Am Vormittag eben war er in der Versammlung der Götter, am Mittag in der der Menschen, des Drupada Vārddhraviṣṇa, am Nachmittag in der der Ahnen. Dies ist das himmelbringende Sāman. Er durchwandert alle diese Welten, erlangt die himmlische Welt, wer so weiß. Und weil Asita Daivala dies erschaute, wird es ›Āsita‹ genannt.

[Anm.: Löst den in 3.270 begonnenen Cliffhanger auf: Von drei geprüften Antworten - Preṇi Saumāhitas grober, unverhohlen sinnlicher Wunsch, Madhucchandas Vaiśvāmitras Wunsch nach priesterlichem Vorrang und Asita Daivalas schlichtes Verlangen, den Becher zu betrachten - erweist sich allein die dritte, uneigennützige als das rechte Gelübde. Drupada Vārddhraviṣṇa teilt den Namen mit dem späteren, berühmten Mahābhārata-König Drupada (Vater der Draupadī); ob eine Identität oder nur ein Namensanklang vorliegt, bleibt offen, da das Patronymikon Vārddhraviṣṇa dort nicht belegt ist. Der zitierte Agni-Vers folgt geläufiger vedischer Hymnenformelsprache.]

atha sādhraṃ siddhyā eva. tan madhyenidhanaṃ bhavati pratiṣṭhāyai. samudraṃ vā etenārambhaṇaṃ praplavante ya ārbhavaṃ pavamānam upayanti. tad yan madhyenidhanaṃ bhavati pratiṣṭhityā eva. devā vā akāmayanta kṛtaṃkṛtaṃ nas sidhyed iti. ta etat sāmāpaśyan. tenāstuvat. tato vai teṣāṃ kṛtaṃkṛtam asidhyat. kṛtaṃkṛtaṃ nas sidhyed iti satram āsate. kṛtaṃkṛtaṃ haivaibhyas sidhyati. yad v evaiṣām etena sāmnā kṛtaṃkṛtam asidhyat tasmāt sādhram ity ākhyāyate. sadhrir vairūpaḥ paśukāmas tapo ’tapyata. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. sa etām iḷām upait. paśavo vā iḷā. tato vai sa paśūn avārunddha. tad etat paśavyaṃ sāma. ava paśūn runddhe bahupaśur bhavati ya evaṃ veda. yad u sadhrir vairūpo ’paśyat tasmāt sādhram ity ākhyāyate

Nun das Sādhra, eben zum Gelingen. Dies hat ein mittleres Nidhana, zur Festigung. Mit diesem durchschwimmen sie ja den Ozean, mit einem Halt, die das Ārbhava-Pavamāna vollziehen. Dass es ein mittleres Nidhana hat, dient eben der Festigung. Die Götter wünschten: »Möge uns doch das immer wieder Getane gelingen!« Sie erschauten dieses Sāman. Mit ihm stimmten sie den Lobgesang an. Da gelang ihnen fürwahr das immer wieder Getane. »Möge uns das immer wieder Getane gelingen« - so nehmen sie an der Sattra-Sitzung teil. Das immer wieder Getane gelingt ihnen fürwahr. Und weil ihnen mit diesem Sāman das immer wieder Getane gelang, wird es ›Sādhra‹ genannt. Sadhri Vairūpa übte, nach Tieren verlangend, Askese. Er erschaute dieses Sāman. Mit ihm stimmte er den Lobgesang an. Er wandte sich dieser Iḷā zu. Tiere nämlich sind Iḷā. Da sicherte er fürwahr Tiere. Dies ist das viehbringende Sāman. Er sichert Tiere, wird reich an Tieren, wer so weiß. Und weil Sadhri Vairūpa dies erschaute, wird es ebenfalls ›Sādhra‹ genannt.

[Anm.: Doppelte Etymologie des Sādhra (aus kṛtaṃkṛtam sidhyet UND aus dem Namen Sadhri Vairūpa) nach dem im Projekt etablierten Doppeletymologie-Muster. Das Ārbhava-Pavamāna verweist zurück auf 3.191/230.]

athākūpāram. akūpāro vai kaśyapaḥ. kalibhis saha samudram abhyavaiṣat. tasmin pratiṣṭhām aicchat. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. tato vai sa samudre pratiṣṭhām avindatemām eva pṛthivīm. tato ha sma vai tasya kalayaḥ pṛṣṭha āsate. tad etat pratiṣṭhāsāma. pratitiṣṭhati ya evaṃ veda. samudro vai chandomāḥ. kaśyapo vai samudram atipārayitum arhati. tad yad atrākūpāraṃ bhavati samudrasyaivātipāraṇāya. yad v akūpāraḥ kaśyapo ’paśyat, tasmād ākūpāram ity ākhyāyate. athaitā dvipado bhavanty uktabrāhmaṇāḥ. tā etā bhavanti pavasva soma mahe dakṣāyeti. mahad dhy etad ahar yad aṣṭācatvāriṃśam. tāsu vidharmoktabrāhmaṇam. tac caturakṣaraṇidhanaṃ bhavati-catuṣpadā vai paśavaḥ. paśavaś chandomāḥ - paśūnām evāvaruddhyai. upo ṣu jātam apturam iti janadvatīr bhavanti. janadvad vai jagatyai rūpam. jāgatam etad ahaḥ. gobhir bhaṃgaṃ pariṣkṛtam. induṃ devā ayāsiṣuḥ. arṣā nas soma śaṃ gave dhukṣasva pipyuṣīm iṣam. vardhā samudram ukthyam. iti gomatīḥ paśumatīr bhavanti, paśūnām evāvaruddhayai. paśavo hi chandomāḥ. tam id vardhantu no gira iti vṛddhaṃ hy etad ahar yad aṣṭācatvāriṃśam

Nun das Ākūpāra. Akūpāra war fürwahr Kaśyapa. Mit den Kalis ging er in den Ozean hinein. Darin suchte er einen festen Halt. Er erschaute dieses Sāman. Mit ihm stimmte er den Lobgesang an. Da fand er fürwahr im Ozean einen festen Halt, eben diese Erde. Seitdem sitzen fürwahr seine Kalis auf seinem Rücken. Dies ist das Halt-bringende Sāman. Er findet festen Halt, wer so weiß. Der Ozean nämlich ist die Chandomas. Kaśyapa nämlich vermag über den Ozean hinüberzuführen. Dass hier das Ākūpāra stattfindet, eben zur Überquerung des Ozeans. Und weil Akūpāra Kaśyapa dies erschaute, wird es ›Ākūpāra‹ genannt. Nun sind diese Dvipadā-Verse bereits erklärt. Diese lauten: »Läutere dich, Soma, zu großer Tüchtigkeit.« Denn dies ist ein großer Tag, der achtundvierzigste. Unter diesen ist das Vidharma bereits erklärt. Dies hat ein viersilbiges Nidhana - vierfüßig nämlich sind die Tiere. Tiere sind die Chandomas - eben zur Sicherung der Tiere. »Wohlan, zum Geborenen, dem Wasserlosen« - so sind dies ›geschlechthaltige‹ Verse. Geschlechthaltig nämlich ist das Merkmal der Jagatī. Ein jagatischer Tag ist dies. »Mit Kühen den Riss ausgebessert. Zum Tropfen gingen die Götter. Fließe uns, Soma, zum Heil der Kuh, melke die schwellende Speisekraft. Lass den Ozean anschwellen, den lobenswerten.« So sind dies ›kuhhaltige, viehhaltige‹ Verse, eben zur Sicherung der Tiere. Tiere nämlich sind die Chandomas. »Ihn eben mögen unsere Lobreden stärken« - denn dies ist ein gereifter Tag, der achtundvierzigste.

[Anm.: Akūpāra Kaśyapa knüpft direkt an 3.203 (Akūpāra-Kāśyapa-Mythos) an. Kali bleibt als Bezeichnung der Begleiter unsicher (Wesen, Fische oder Ähnliches sind denkbar, ohne dass der Text dies klärt); die Vorstellung, dass sie auf seinem Rücken sitzen, während er im Ozean festen Halt (die Erde) findet, erinnert an die spätere Weltschildkröten-Vorstellung, ohne dass diese Verbindung hier explizit gemacht wird. Vidharma verweist zurück auf 3.231.]

tāsu śrudhīyam. prajāpatir yajñam asṛjata. taṃ devebhyaḥ prāyacchat. sa kṣayād bibhyat prādravat. te devā akāmayanta - śṛṇuyān na iti. ta etat sāmāpaśyan. tenainaṃ środhiyety anvahvayan. so ’śṛṇot. tam abruvann - abhi na āvartasveti. kṣayād vai bibhemīti. naity abruvan. tasmai vai me śraddhāṃ kuruteti. tasmai środhiyeny eva śraddhām akurvan. tam ehy ā ity eva nyahvayanta. tato vai tebhyo yajño nodakrāmat. tata enān upāvartata. utkrānta ivaitarhi yajño bhavati navame ’han. tad yad atra śrudhīyaṃ bhavati, sam evainam etena yajñaṃ nihvayante. tasmāc chrodhiyety eva prathamāyāṃ kuryāc chrodhemety uttarayoḥ. atho yasmai jīvātuṃ kāmayeta, tam etanaiva nihvayeta

Unter diesen ist das Śrudhīya. Prajāpati erschuf das Opfer. Er übergab es den Göttern. Dieses, aus Furcht vor Erschöpfung, floh davon. Die Götter wünschten: »Möge es uns doch hören!« Sie erschauten dieses Sāman. Damit riefen sie es, »środhi!« rufend, herbei. Es hörte. Sie sprachen zu ihm: »Wende dich uns doch zu!« »Ich fürchte mich fürwahr vor der Erschöpfung.« »Nein«, sprachen sie. »So schenkt mir doch dafür Vertrauen!« Ihm schenkten sie eben mit »środhi« Vertrauen. Es riefen sie eben mit »komm her!« herbei. Da entwich ihnen das Opfer fürwahr nicht mehr. Seitdem wandte es sich ihnen zu. Wie entwichen ist jetzt das Opfer am neunten Tag. Dass hier das Śrudhīya stattfindet, damit rufen sie eben das Opfer herbei. Deshalb sollte man in der ersten Wiederholung »środhi« sprechen, in den folgenden beiden »środhema«. Und wem man Leben wünscht, den sollte man eben damit herbeirufen.

[Anm.: Eine theologisch bemerkenswerte Erzählung: Das personifizierte Opfer selbst flieht aus Furcht vor Erschöpfung (vgl. das ähnliche Motiv in 3.256, dort für Speise und Nahrung) und wird erst durch das Vertrauen (śraddhā) der Götter zur Rückkehr bewogen - eine Art Urszene für die im späteren vedischen Denken zentrale Kategorie der śraddhā. Die abschließende liturgische Regel (Singular środhi beim ersten Ruf, Plural środhema bei den beiden folgenden) ist eine technische Rezitationsanweisung.]

atha yajñāyajñīyam uktabrāhmaṇam. atha daivānīkam. devāsurā aspardhanta. te devā akāmayantāgninaivānīkenāsurāñ jayemeti. ta etat sāmāpaśyan. tenāstuvata. bhadro no agnir āhuta ity agnim evānīkam akuruta. bhadrā rātis subhaga bhadro adhvaraḥ. bhadrā uta praśastayaḥ. bhadraṃ manaḥ kṛṇuṣva vṛtratūrye yenā samatsu sāsahiḥ. iti samatsv evainān asahanta. ava sthirā tanuhi bhūri śardhatām iti yad evaiṣāṃ vīryaṃ yad balam āsīt tad etenāvāghnan. vanemā te abhiṣṭaya ity evainān abhyatiṣṭhan. tato vai te ’gninaivānīkenāsurān ajayan. tad eva daivānīkasya daivānīkatvam. tad etad vijiti bhrātṛvyahā sāma. vijayate hanti dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ ya evaṃ veda

Nun das Yajñāyajñīya - bereits erklärt. Nun das Daivānīka. Götter und Asuras stritten miteinander. Die Götter wünschten: »Möchten wir doch mit Agni als Schlachtreihe die Asuras besiegen!« Sie erschauten dieses Sāman. Mit ihm stimmten sie den Lobgesang an. »Heilvoll ist uns Agni, geopfert« - so machten sie eben Agni zur Schlachtreihe. »Heilvoll die Gabe, o Glückhafter, heilvoll das Opfer. Heilvoll auch die Lobpreisungen. Schaffe heilvollen Sinn im Vṛtra-Sieg, mit dem du in den Schlachten siegreich seiest.« So besiegten sie diese eben in den Schlachten. »Schwäche die festen Kräfte der zahlreich Trotzenden« - was auch immer deren Heldenkraft, was deren Stärke war, das schlugen sie eben damit nieder. »Wir wollen deine Gunst gewinnen« - so eben überwältigten sie diese. Da besiegten sie fürwahr mit Agni als Schlachtreihe die Asuras. Das eben ist die Daivānīka-heit des Daivānīka. Dies ist das siegbringende, rivalentötende Sāman. Er siegt, erschlägt den hassenden Rivalen, wer so weiß.

[Anm.: Yajñāyajñīya verweist zurück auf 3.198/232. Das Daivānīka (Agni als göttliche Schlachtreihe) zitiert ein Vṛtra-Sieg-Preislied in mehreren Strophen.]

athedhmavāham. ṛṣayo vai svargaṃ lokaṃ yanta idhmavāhaṃ samiddhāraṃ paretam araṇya ekam ajahuḥ. so ’kāmayatānūtpateyaṃ svargaṃ lokaṃ pratisatribhis saṃgaccheyeti. sa aikṣata - hanta prati satriṇa eva stavāni. ta eva mā stutās tathā kariṣyanti yathaiṣām upaśroṣyāmīti. sa etaṃ tṛcam apaśyat. tenainān astaud - ā ghā ye agnim indhate stṛṇanti barhir ānuṣak. yeṣām indro yuvā sakhā. bṛhann id idhma eṣāṃ bhūri śastaṃ pṛthu svaruḥ. yeṣām indro yuvā sakhā. ayuddha id yudhā vṛtaṃ śūra ājati satvabhiḥ. yeṣām indro yuvā sakhā. iti. te ’smai stutās tathākurvan yathaiṣām upāśroṣat. teṣāṃ ha kaśānāṃ vadantīnām upaśuśrāva. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta

Nun das Idhmavāha. Als die Seher zur himmlischen Welt aufbrachen, ließen sie im Wald einen gewissen Idhmavāha zurück, einen Feueranzünder, der verschieden war. Er wünschte: »Möchte ich doch hinterherfliegen und mit den Sattra-Teilnehmern in der himmlischen Welt zusammentreffen!« Er überlegte: »Wohlan, ich will eben die Sattra-Teilnehmer besingen. Sie, von mir besungen, werden es so einrichten, dass ich sie vernehme.« Er erschaute dieses Tṛca-Verspaar. Damit besang er sie: »Fürwahr, die, die Agni entzünden, das Barhis der Reihe nach ausbreiten, deren Freund der jugendliche Indra ist. Groß fürwahr ist deren Brennholz, reichlich das Gepriesene, breit der Opferpfahl - deren Freund der jugendliche Indra ist. Ungekämpft, doch vom Kampf umringt, treibt der Held mit seinen Kriegern voran - deren Freund der jugendliche Indra ist.« Sie, von ihm besungen, machten es so, dass er sie vernahm. Da vernahm er das Klingen ihrer Peitschen. Er erschaute dieses Sāman. Damit stimmte er den Lobgesang an -

[Anm.: Idhmavāha bedeutet wörtlich ›Brennholzträger‹ und wird hier als Eigenname des zurückgelassenen Sehers verwendet. ›Paretam‹ (wörtlich: verschieden, dahingegangen) wird hier als ›gestorben‹ verstanden; denkbar wäre auch eine schwächere Bedeutung wie ›zurückgeblieben, überholt‹, doch legt der Kontext (sein Wunsch, den Sehern posthum in die himmlische Welt zu folgen) die stärkere Lesart nahe. Das zitierte Tṛca-Verspaar mit dem Refrain ›yeṣām indro yuvā sakhā‹ liest sich wie ein authentisches ṛgvedisches Refrainlied, ohne dass eine genaue Stellenidentifikation möglich war. Der Satz bricht am Kāṇḍikā-Ende mitten im Zitatanschluss ab; die Fortsetzung folgt in 3.277.]

ihaivā śṛṇva eṣāṃ kaśā hasteṣu yād vādān. ni yāmaiś citrām ṛñjatāi. ni yāmaiś citram ārñjātāyi ehi yā auho tam ehi yau ho ehi yau ho vā ehīty eva svarge loke upāhvayanta. tato vai sa pratisatribhis samagacchata. sa etenaiva sāmnā stutvā svargaṃ lokam ārohat. ā ghā ye agnim indhātāyi stṛṇanti barhir ānuṣak. yeṣām indro yuvā ihā mavāvuvo vā sākho hā. ity eva svargaṃ lokam anvārohat. tad etat svargyaṃ sāma. aśnute svargaṃ lokaṃ ya evaṃ veda. yad v idhmavāho ’paśyat tasmād aidhmavāham ity ākhyāyate. atha traikakubham uktabrāhmaṇaṃ trīndriyaṃ sāma. aindrī ṛca aindraṃ sāmendraṃ iti nidhanaṃ bhavati. trīṇi puruṣa indriyāṇy - ātmā prajā paśavaḥ. tāny evaitenātman parigṛhṇīte. gāyanti tvā gāyatriṇo arcanty arkam arkiṇaḥ. brahmāṇas tvā śatakrata ud vaṃśam iva yemire. iti yad vai śatavat sahasravat tac chandomānāṃ rūpam. paśavo vai chandomāḥ

»Hier eben höre ich ihre Peitschen in den Händen, wie sie klingen. Mit deren Fahrten schmückt man das Wunderbare. Mit deren Fahrten schmückt man das Wunderbare. Komm doch her! Komm! Komm doch her! Komm! Komm doch her!« - so riefen sie ihn in der himmlischen Welt herbei. Da traf er fürwahr mit den Sattra-Teilnehmern zusammen. Er, mit eben diesem Sāman lobpreisend, stieg zur himmlischen Welt empor. »Fürwahr, die, die Agni entzünden, das Barhis der Reihe nach ausbreiten, deren Freund der jugendliche Indra ist« - so eben stieg er zur himmlischen Welt hinauf. Dies ist das himmelbringende Sāman. Die himmlische Welt erlangt, wer so weiß. Und weil Idhmavāha dies erschaute, wird es ›Aidhmavāha‹ genannt. Nun das Traikakubha - bereits erklärt -, ein Sāman der drei Fähigkeiten. Indra-bezogen ist der Vers, Indra-bezogen das Sāman, »Indra« ist das Nidhana. Drei sind die Fähigkeiten eines Menschen: das Selbst, die Nachkommenschaft, das Vieh. Eben diese sichert man sich mit diesem Sāman. »Die Sänger besingen dich mit dem Gāyatra-Gesang, die Rezitatoren rezitieren den Preisgesang; die Priester haben dich, Hundertkräftiger, wie eine Stange emporgerichtet.« Weil dies ›hundertzahlhaltig, tausendzahlhaltig‹ ist, das ist das Merkmal der Chandomas. Tiere nämlich sind die Chandomas.

[Anm.: Der Zitatbeginn setzt den in 3.276 abgebrochenen Satz fort. Die Formen ›ṛñjatāi‹/›ārñjātāyi‹ und die Rufkette ›ehi yā auho tam ehi yau ho...‹ enthalten zahlreiche Sāman-Stobhas (melodische Füllsilben ohne eigenständige Wortbedeutung); die Übersetzung gibt den erkennbaren semantischen Kern (Peitschenklang, Fahrten, wiederholter Ruf ›komm!‹) wieder, ohne jede Stobha-Silbe einzeln deuten zu wollen. Der zweite Vers wiederholt in stobha-erweiterter Gesangsform den bereits in 3.276 zitierten Refrainvers. Der Vers ›gāyanti tvā gāyatriṇo...‹ ist der real bezeugte RV 1.10.1, an Indra Śatakratu gerichtet. Die Basis von ›sahasravat‹ bleibt unsicher, da im zitierten Einzelvers nur das Element ›śata‹ (in śatakrato) unmittelbar erkennbar ist.]

tāsūdvaṃśīyam uktabrāhmaṇam. tasya purastān nidhanasya pratihāram upayanti. prastāvapratihārābhyāṃ vai yajamāno dhṛtaḥ. atītā ivaitarhi bhavanti. tad yat purastān nidhanasya pratihāram upayanty anatipādāyaiva. tat svāraṃ bhavati. abhi daśamam aha svarati. svāram etad bhavati. svareṇa śvo bhūte pratipadyante. sa yathā samāt samaṃ saṃkrāmed, yathā prāṇena prāṇaṃ saṃdadhyāt, tādṛk tat

Unter diesen ist das Udvaṃśīya bereits erklärt. Vor dessen Nidhana nehmen sie den Pratihāra vor. Durch Prastāva und Pratihāra fürwahr wird der Opferherr gestützt. Wie vergangen sind sie jetzt gleichsam. Dass sie vor dem Nidhana den Pratihāra vornehmen, geschieht eben deshalb, damit es nicht darüber hinausgehe. Das wird zum Svāra. Auf den zehnten Tag hin erklingt es im Svāra. Dies wird zum Svāra. Mit dem Svāra treten sie, wenn es Morgen geworden ist, ein. Wie man von Gleichem zu Gleichem hinüberschritte, wie man Atem mit Atem verbände, derart ist dies -

[Anm.: ›Udvaṃśīya‹ knüpft an das Bild ›ud vaṃśam iva yemire‹ (wie eine Stange emporgerichtet) aus dem in 3.277 zitierten Vers an. ›Svāra‹ (Ton, Tonhöhe) bleibt als technischer Fachbegriff unübersetzt. Das Bezugswort von ›atītāḥ‹ (vergangen) ist im Text nicht explizit genannt; gemeint sind wohl die bisherigen Zeremonienelemente bzw. Tage im Vorfeld des zehnten Tages.]

pūrvair ahobhir vācaṃ viprayuñjate. tāṃ yad asaṃpādyottiṣṭheyur vyṛddhenottiṣṭheyuḥ. tām evaitat saṃpādayanti. anvahaṃ vā ete varuṇasya pāśe badhyante ye yajante ye satram āsate. yad yat pratyapakrāmanto yanti varuṇasya pāśān evainad viṣyamāṇā yanti, stotriyair vā ito reto dadhato yanty, anurūpair atra pratipadyante, pra taj janayanti. pra prajayā paśubhir jāyate ya evaṃ veda. prāyaṇīyenaivāhnā dvādaśāho yujyate daśamenāhnā vimucyate. yena vai yoktreṇāśvam aśvataraṃ yuñjanti tenaivainaṃ punar vimuñcanti. tad yā amūḥ purastān nava stotrīyās tā evaitad upariṣṭāt. śamyā udasyanti. tasmāt paśur yathaiva yujyate tathā vimucyate. tasmād u yogakṣemaḥ kalpate. yān prāyaṇīyasyāhnas tṛcān vicchindanti

Mit den vorangehenden Tagen trennen sie die Rede voneinander. Würden sie, ohne sie vervollständigt zu haben, aufstehen, so würden sie mit einem Mangel behaftet aufstehen. Eben diese vervollständigen sie damit. Tag für Tag fürwahr werden diese in Varuṇas Schlinge gebunden - die, die opfern, die, die an der Sattra-Sitzung teilnehmen. Wann immer sie, zurücktretend, voranschreiten, entgehen sie damit, aus Varuṇas Schlingen gelöst, weiterschreitend; oder sie schreiten voran, indem sie von hier aus mit den Stotriya-Versen gleichsam Samen legen; mit den passenden Versen treten sie hier ein und bringen eben das hervor. Er wird mit Nachkommenschaft und Vieh geboren, wer so weiß. Mit dem Prāyaṇīya-Tag selbst wird der Zwölftagesritus angejocht, mit dem zehnten Tag wird er losgespannt. Mit demselben Riemen, mit dem man ein Pferd oder ein Maultier anschirrt, mit eben diesem spannt man es auch wieder los. Jene neun Stotriya-Verse, die zuvor da waren, eben diese sind es auch hier später. Sie werfen den Jochpflock ab. Deshalb wird, wie ein Tier angeschirrt wird, ebenso wieder losgespannt. Deshalb eben kommt auch Yogakṣema, Erwerb und Erhalt, zustande. Die Tṛca-Verse des Prāyaṇīya-Tages, die sie auseinandertrennen -

[Anm.: Varuṇas Schlinge (pāśa) als Bild für die Bindung durch tägliche Wiederholung ist ein geläufiges vedisches Motiv. ›Reto dadhataḥ‹ (Samen legend) verwendet eine Zeugungsmetaphorik für rituelle Kontinuität, die sich mit der abschließenden Formel über Nachkommenschaft und Vieh verbindet. Yogakṣema (Erwerb und Bewahrung des Besitzes) ist ein real gut bezeugter klassischer Begriff. Der Satz bricht am Kāṇḍikā-Ende ab; die Fortsetzung folgt in 3.280.]

kva te saṃtāyanta ity āhuḥ. daśame ’hann iti brūyāt. tṛcair ekarcān ubhayatas saṃtanvanti, prāṇānām eva saṃtatyā avyavacchedāya. abhi vā etā anyānyasyai lokaṃ dhyāyanti - brahma kṣatrasyābhidhyāyati, kṣatraṃ viśo, viḍ brahmaṇaḥ. tā anyānyasyai lokam abhidhyāyantīḥ. kāmaṃ gamayanti. yatkāma enā āharate sam asmai sa kāma ṛdhyate prasṛtachandā vai prathamas triyahaḥ. tena so ’yātayāmā kriyate. vi dvitīyasya chandāṃsi paryūhanti. tena dvitīyas triyaho ’yātayāmā kriyate. vi tṛtīyasya chandāṃsi paryūhanti. tenaiva tṛtīyasya triyaho ’yātayāmā kriyate

»Wo werden sie fortgesetzt?«, so fragt man. Er sollte sagen: »Am zehnten Tag.« Mit Tṛca-Versen setzen sie die Einzelverse auf beiden Seiten fort, eben zur ununterbrochenen Fortsetzung der Atemkräfte. Diese fürwahr sinnen auf die Welt der jeweils anderen: Das Brahmanentum sinnt auf die Welt des Kṣatra, das Kṣatra auf die des Volkes, das Volk auf die des Brahmanentums. Diese, auf die Welt der jeweils anderen sinnend, verwirklichen den Wunsch. Mit welchem Wunsch man diese einsetzt, dieser Wunsch gelingt ihm. Der erste Dreitageszeitraum hat fürwahr ausgebreitetes Versmaß. Dadurch wird er unverbraucht gemacht. Die Versmaße des zweiten verschieben sie um. Dadurch wird der zweite Dreitageszeitraum unverbraucht gemacht. Die Versmaße des dritten verschieben sie um. Eben dadurch wird der dritte Dreitageszeitraum unverbraucht gemacht.

[Anm.: Die Trias Brahma/Kṣatra/Viś (Priesterstand, Kriegeradel, Volk) ist die ältere, dreigliedrige Standesordnung ohne die spätere vierte Kategorie der Śūdras. ›Ayātayāma‹ (wörtlich: dessen Wache/Frist nicht verstrichen ist) ist ein bekannter vedischer Fachbegriff für unverbrauchte, stets wirksame Sprüche, hier mit ›unverbraucht‹ wiedergegeben.]

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