Kapitel 7
Die überhitzten Śakvarīs: Gift-Gaben und das entflohene Opfer
Die technische Durchdringung des sechsten Tages setzt sich fort, durchsetzt von einzelnen erzählerischen Glanzstücken. Taranta und Purumīḍha, überhäuft mit Gaben und von der Angst des 'Gift-Verschlingens' geplagt, singen einen eigenen Vierverser, um ihren Gewinn rituell in Nicht-Gewinn zu verwandeln und so unbeschadet zu bleiben. Ein eigenständiger Mythos erklärt die Entstehung der dreifüßigen Gāyatrī: Die Śakvarīs erhitzen sich derart, dass sie unberührbar und für die Welt gefährlich werden, worauf die Götter sie in zwei- und einfüßige Anteile aufteilen und daraus, gekühlt, die neue Gāyatrī zusammensetzen. Breiten Raum nimmt die Debatte um das rechte Pṛṣṭha des sechsten Tages ein: Weil die Revatīs zugleich als Same und als Wasser gelten, droht bei ihrer Verbindung mit dem Raivata-Sāman entweder Zerstreuung durch den Vajra oder ein Versinken im Grundlosen, weshalb stattdessen das Vāravantīya vorgezogen wird – mit doppelter Etymologie, sowohl vom 'Zurückhalten' des entlaufenen Opfers als auch vom 'Finden' eines festen Standes. Ein Devāsura-Streit um das Vieh begründet, warum Kälber im Norden, Muttertiere im Süden stehen sollen, während ein wunscherfüllendes Revatī-Ritual Wünsche in dieser, jener oder beiden Welten gewährt. Zum Abschluss entflieht das Opfer selbst, zum Adler geworden und umherflatternd, bis es die Götter mit dem Sauparṇa-Sāman wieder einholen.
atha pārthaṃ dviyabhyāsaṃ dvitīyasyāhno rūpam. dvitīyaṃ hy etad ahar āyatanena. atha ṛṣabhaś śākvaraḥ. paśavo vai simāḥ, paśavo revatayaḥ, paśava ṛṣabhaḥ. ṛṣabham evaitat paśuṣv apisṛjanti mithunatvāya prajananāya. pra mithunena jāyate ya evaṃ veda. sa u dvābhyāṃ dvābhyāṃ devatābhyāṃ pratitiṣṭhati. tasmād ṛṣabha skandan dvipād bhavati. tā etāś caturakṣarā devatā bhavanti. tasmād dvipāt skandati. catuṣpadaḥ prajanayati. pra prajayā paśubhir jāyate ya evaṃ veda. sa u pāṃktaḥ. pāṃkte ’hani kriyate rūpasamṛddhatāyai. indur vājī pavate gonyoghā iti gomatīḥ paśumatīr bhavanti paśūnām evāvaruddhyai. paśavo hy etad ahaḥ. tāsu dāśaspatyam uktabrāhmaṇam. atha yajñāyajñīyam uktabrāhmaṇam. ā te agna idhīmahīty āvatīr bhavanti. apacchidyeva vā etad yajñakāṇḍaṃ yad ukthāni. tad yad āvatīr bhavanti yajñasyaiva salomatāyai
Dann ist das zweifach wiederholte Pārtha die Gestalt des zweiten Tages; denn dies ist der zweite Tag seinem Ursprung nach. Dann ist da der Śākvara-Bulle: Vieh nämlich sind die Sīmās, Vieh sind die Revatīs, Vieh ist der Bulle. Eben diesen Bullen setzen sie unter das Vieh, zur Paarung, zur Fortpflanzung. Er vermehrt sich durch Paarung, wer dies weiß. Er steht ja auf je zwei Gottheiten fest; deshalb wird der Bulle, wenn er bespringt, zweifüßig. Diese Gottheiten haben vier Silben; deshalb springt er zweifüßig, erzeugt Vierfüßer. Er vermehrt sich durch Nachkommenschaft und Vieh, wer dies weiß. Er ist ja Pāṅkta; am Pāṅkta-Tag wird es vollzogen, zur Formvollkommenheit. »Der Renner läutert sich, der Indu, mit einer Flut von Kühen« — so sind es kuhreiche, viehreiche Verse, eben zur Erlangung von Vieh; Vieh nämlich ist dieser Tag. Bei ihnen ist Dāśaspatya bereits erklärt. Dann ist Yajñāyajñīya bereits erklärt. »Dich, Agni, mögen wir entzünden« — so sind es Āvatī-Verse. Wie abgeschnitten nämlich ist dieser Opferabschnitt, was die Ukthas betrifft; dass es Āvatī-Verse sind, das ist eben zur Wiederherstellung der Unversehrtheit des Opfers.
[Anm.: Das Pārtha-Sāman wurde bereits früh in Kāṇḍa 3 eingeführt. Die Ableitung des Zweifüßig-Werdens des bespringenden Bullen aus einer Silbenzahl-Spekulation (vier Silben je Gottheitspaar) ist ein weiteres Beispiel numerologisch-ätiologischer Naturerklärung im Text. ›Gonyoghā‹ (wörtl. etwa 'Kuh-Flut') bleibt ein unsicher gedeutetes Kompositum. ›Salomatā‹ (wörtl. 'Behaartheit') ist sinngemäß als Bild der Unversehrtheit/Vollständigkeit des Opfers wiedergegeben.]
tāsu saṃjayam. devāsurā vā eṣu lokeṣv aspardhanta. asmin bhuvane te devā akāmayanta sam imān lokān jayema jayemāsurān spardhāṃ bhrātṛvyān iti. ta etat sāmāpaśyan. tenāstuvata. tenemān lokān samajayann, ajayan spardhāṃ bhrātṛvyān asurān. tad yad imān lokān samajayaṃs tat saṃjayasya saṃjayatvam. sam imān lokāñ jayati, jayati spardhāṃ dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ, ya evaṃ veda. tad u pāṃktaṃ, pāṃkte ’han kriyate - pāṃktā vai paśavaḥ paśava etad ahaḥ - paśūnām evāvaruddhyai. tad v evācakṣate dvihiṃkāraṃ vāmadevyam iti. paśavo vai simāḥ, paśavo revatayaḥ, paśavo dvihiṃkāraṃ vāmadevyam. paśumanta eva bhavanty enena tuṣṭuvānāḥ. atho yad evaitasminn ahann ūrdhvaṃ śakvarībhyaḥ krūram iva kriyate tad evaitābhyāṃ hiṃkārābhyāṃ śamayanti. atha saumitraṃ bhrātṛvyahā sendraṃ sāma. hanti dviṣantaṃ bhrātṛvyam āsyendro havaṃ gacchati ya evaṃ veda
Bei ihnen ist das Saṃjaya. Götter und Asuras nämlich stritten in diesen Welten. In dieser Welt wünschten die Götter: »Möchten wir doch diese Welten völlig erobern, möchten wir die rivalisierenden Rivalen, die Asuras, besiegen!« Sie erblickten dieses Sāman, priesen sich damit; damit eroberten sie diese Welten völlig, besiegten die rivalisierenden Rivalen, die Asuras. Dass sie diese Welten völlig eroberten, das ist die Saṃjaya-heit des Saṃjaya. Er erobert diese Welten völlig, besiegt den hassenden rivalisierenden Rivalen, wer dies weiß. Es ist auch Pāṅkta; am Pāṅkta-Tag wird es vollzogen — Pāṅkta-Verse nämlich sind Vieh, Vieh ist dieser Tag — eben zur Erlangung von Vieh. Das nennen sie eben ›Dvihiṃkāra-Vāmadevya‹. Vieh nämlich sind die Sīmās, Vieh sind die Revatīs, Vieh ist das Dvihiṃkāra-Vāmadevya. Viehreich eben werden die, die sich damit gepriesen haben. Und was an diesem Tag oberhalb der Śakvarīs gleichsam grausam vollzogen wird, das eben besänftigen sie mit diesen beiden Hiṃkāras. Dann ist das Saumitra das rivalentötende, mit Indra verbundene Sāman. Er erschlägt den hassenden Rivalen, zu seinem Ruf kommt Indra, wer dies weiß.
[Anm.: Das ›Dvihiṃkāra-Vāmadevya‹ (das zweifach-Hiṃkāra-versehene Vāmadevya) reiht sich neben das Vorne-und-Hinten-Vāmadevya aus 3.118 als weitere Sonderform ein. Vieh, Sīmās und Revatīs werden hier erneut als gleichgesetzt formelhaft wiederholt (vgl. 3.131). Welche konkrete 'grausame' Ritualhandlung oberhalb der Śakvarīs gemeint ist, bleibt offen.]
trayo brahmāpaśyan, nodhās tṛtīyaṃ, sumitras tṛtīyaṃ, bṛhadukthas tṛtīyam. tad yat prathame triyahe naudhasaṃ kriyate, tena prathamas triyaho brahmaṇvān kriyate. atha yad dvitīye triyahe saumitraṃ kriyate tena dvitīyas triyaho brahmaṇvān kriyate. atha yat tṛtīye triyaha bārhadukthaṃ kriyate tenaiva tṛtīyas triyaho brahmaṇvān kriyate. etair ha vai sāmabhir ete triyahā brahmaṇvantaḥ kriyante. tat pañcākṣaraṇidhanaṃ bhavati pañcamasyāhno rūpaṃ pañcarātrasya santatyā avyavacchedāya. asāvi soma indra ta ity asāvīti simānāṃ rūpam
Drei erblickten das Sakralwort, je ein Drittel: Nodhas ein Drittel, Sumitra ein Drittel, Bṛhaduktha ein Drittel. Dass am ersten Dreitagesabschnitt das Naudhasa vollzogen wird, dadurch wird der erste Dreitagesabschnitt sakralwort-versehen gemacht. Und dass am zweiten Dreitagesabschnitt das Saumitra vollzogen wird, dadurch wird der zweite Dreitagesabschnitt sakralwort-versehen gemacht. Und dass am dritten Dreitagesabschnitt das Bārhaduktha vollzogen wird, eben dadurch wird der dritte Dreitagesabschnitt sakralwort-versehen gemacht. Mit eben diesen Sāmans werden diese Dreitagesabschnitte sakralwort-versehen gemacht. Das hat ein fünfsilbiges Nidhana, die Gestalt des fünften Tages, zur ununterbrochenen Fortdauer des Fünf-Nächte-Zeitraums. »Ausgepresst wurde, o Soma, für Indra dich« — das Wort »asāvi« ist die Gestalt der Sīmās.
[Anm.: Nodhas ist als vedischer Dichter bekannt (RV 1.58–64 werden ihm zugeschrieben); Sumitra und Bṛhaduktha sind vorsichtiger als Sehernamen der jeweiligen Sāman-Tradition zu verstehen, ohne dass eine ebenso feste RV-Zuordnung vorläge. Das Kennwort »asāvi« (aus dem zitierten Vers herausgegriffen) knüpft direkt an seine bereits in 3.119 belegte Funktion als Sīmā-Marker an.]
tāsu mahāvaiśvāmitram. etena vai viśvāmitro mahīmānaṃ bhūmānam abhipūrvaṃ paśūnām avārunddha. tad etat paśavyaṃ sāma. mahimānam eva bhūmānam abhipūrvaṃ paśūnām avarunddhe ya evaṃ veda. indro vai vṛtram ajighāṃsat. sa viśvāmitram upādhāvad - ṛṣa upa tvā dhāvāma, iha no ’dhibrūhīti. sa etad viśvāmitras sāmāpaśyat. tenāstuta. tato vā indro vṛtram ahan. so ’bravīn mahad vā idaṃ viśvāmitrasyābhūd iti. tad eva mahāvaiśvāmitrasya mahāvaiśvāmitratvam. tad u bhrātṛvyahā. hanti dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ ya evaṃ veda. tat trīḷaṃ bhavati - paśavo vā iḷā. paśava etad ahar - abhipūrvāṇām eva paśūnām avaruddhyai. bheṣajaṃ ha khalu vai tisra iḷāḥ. etad dha vai śivaṃ śāntaṃ vāco yat tisra iḷāḥ. tad yat trīḷaṃ pañcame ’hani bhavati tenaiva triṇavaṃ ca stomaṃ śamayanti. simāś cādityād ṛtava udakrāman. so ’kāmayata na mad ṛtava utkrāmeyur abhi mā varterann iti. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. hehayā o hā o hā iti hayā ha vā asyaite yathāśvā syur evam. tato vai tasmād ṛtavo nodakrāman. tata enam upāvartanta. taṃ prāviśan. tān abhyārohat. sa eṣa ṛtuṣu ca saṃvatsare caitasyāṃ śriyām adhyūḍhas tapati. yad u viśvāmitro ’paśyat tasmān mahāvaiśvāmitram ity ākhyāyate. tad aiḷam acchāvākasāma bhavati. paśavo vā iḷā. paśuṣv evaitat pratitiṣṭhanti
Bei ihnen ist das Mahāvaiśvāmitra. Mit diesem nämlich erlangte Viśvāmitra Großartigkeit, Fülle, in stets wachsendem Maße, an Vieh. Das ist also das viehbezogene Sāman; er erlangt Großartigkeit, Fülle, in stets wachsendem Maße, an Vieh, wer dies weiß. Indra nämlich wollte Vṛtra erschlagen. Er eilte zu Viśvāmitra: »O Seher, wir eilen zu dir heran; belehre uns hierin!« Da erblickte Viśvāmitra dieses Sāman; damit wurde gepriesen. Danach erschlug Indra den Vṛtra. Er sprach: »Groß fürwahr ist dies, was Viśvāmitras war.« Das eben ist die Mahāvaiśvāmitra-heit des Mahāvaiśvāmitra. Es ist auch rivalentötend; er erschlägt den hassenden Rivalen, wer dies weiß. Das ist Trīḷa — Vieh nämlich ist Iḷā; dies ist der Vieh-Tag, eben zur Erlangung von stets zunehmendem Vieh. Heilmittel nämlich fürwahr sind die drei Iḷās; dies ist das Heilsame, Beruhigte der Rede, dass es die drei Iḷās sind. Dass Trīḷa am fünften Tag vollzogen wird, damit eben besänftigen sie auch den Triṇava-Stoma. Die Sīmās und die Jahreszeiten stiegen von der Sonne fort. Er wünschte: »Mögen die Jahreszeiten nicht von mir weggehen, mögen sie sich zu mir zurückwenden!« Er erblickte dieses Sāman, wurde damit gepriesen. »Hehayā, o hā, o hā« — pferdehaft nämlich sind ihm diese, gleichsam als ob sie Rosse wären. Seitdem stiegen die Jahreszeiten nicht mehr von ihm fort; da wandten sie sich ihm wieder zu, gingen in ihn hinein. Er bestieg sie. Er, dieser, erglüht, getragen in den Jahreszeiten und im Jahr, in dieser Herrlichkeit. Und weil Viśvāmitra es erschaute, deshalb wird es ›Mahāvaiśvāmitra‹ genannt. Das ist das ›aiḷa‹, das Acchāvāka-Sāman; Vieh nämlich ist Iḷā. Darauf gründen sie sich eben im Vieh.
[Anm.: Diese Viśvāmitra-Vṛtra-Erzählung weist dem Seher eine hier ungewöhnliche Rolle zu (Viśvāmitra ist sonst vor allem mit der Sudās/Vasiṣṭha-Rivalität verknüpft, vgl. RV 3, 7). ›Hehayā, o hā, o hā‹ ist ein Stobha mit Lautspiel auf ›haya‹ (Pferd) – daher die Pferde-Assoziation. Die Sīmā-Jahreszeiten-Sonne-Erzählung ist ein weiterer, eigenständiger Baustein im wachsenden Sīmā-Motivkomplex. Acchāvāka ist einer der klassischen sechzehn Ritualpriester.]
jyotir yajñasya pavate madhu priyam iti simānāṃ rūpam. samānaṃ vai simānāṃ ca revatīnāṃ ca rūpam. simābhyo vā adhi revatayo nirmitāḥ. jyotir ity āha. jyotir evaitat prajāsu dadhāti. jyotir iti ca ha khalu vai pavata iti ca gāyatryai rūpam. gāyatryo etad ahas tāyate. pitā devānāṃ janitā vibhūvasur iti prajāpatir vai pitā devānāṃ, sa janitā, sa vibhūvasuḥ. prājāpatyam etad ahaḥ. dadhāti ratnaṃ svadhayor apīcyaṃ madintamo matsara indriyo rasa iti. raso hy etad ahaḥ. yo vai pañcamād ahno raso ’tyanedat tad etad ahar abhavat. sa eṣa rasa eva. abhikrandan kalaśaṃ vājy arṣatīty ṛṣabhaṃ evaitat prātassavane revatīṣv apisṛjanti prajananāya. patir divaś śatadhāro vicakṣaṇa iti yad vai śatavat sahasravat taj jagatyai rūpam. jāgatam etad ahaḥ. harir mitrasya sadaneṣu sīdati marmṛjāno ’vibhis sindhubhir vṛṣeti vṛṣaṇvatīr bhavanti bṛhato rūpam. bārhatam etad ahaḥ. agre sindhūnāṃ pavamāno arṣasy agre vāco agriyo goṣu gacchasi. agre vājasya bhajase mahad dhanaṃ svāyudhas sotṛbhis soma sūyase. ity agram agram iti bhavati. agraṃ hy etad ahar yad bārhatam. agraṃ trayastriṃśa stomānām. tam evaitad revatayo ’nu
»Das Licht des Opfers läutert sich, die liebe Süße« — dies ist die Gestalt der Sīmās. Gleich nämlich ist die Gestalt der Sīmās und der Revatīs; aus den Sīmās nämlich wurden die Revatīs gebildet. »Licht« spricht er; eben dies legt er als Licht in die Geschöpfe. »Licht« und »läutert sich« — dies beides nämlich ist die Gestalt der Gāyatrī; mittels Gāyatrī-Versen wird dieser Tag ausgedehnt. »Der Vater der Götter, der Erzeuger, der Allerreiche« — Prajāpati nämlich ist der Vater der Götter, er ist der Erzeuger, er ist der Allerreiche; dies ist der Prajāpati-Tag. »Er verleiht den Schatz, den verborgenen, der beiden Svadhās, der berauschendste, erfreuende, indrische Saft« — Saft nämlich ist dieser Tag. Der Saft, der vom fünften Tag ausströmte, daraus wurde dieser Tag; er, dieser, ist eben Saft selbst. »Brüllend zum Krug hin fließt der Renner« — eben diesen Bullen setzen sie bei der Morgenpressung unter die Revatīs, zur Fortpflanzung. »Der Herr des Himmels, hundertströmig, weitschauend« — was hundertfach, tausendfach ist, das ist die Gestalt der Jagatī; dies ist der Jagata-Tag. »Der Falbe setzt sich in Mitras Sitzen nieder, sich reinigend mit den Wollfäden, den Strömen, der Bulle« — so sind es vṛṣaṇvatī-Verse, die Gestalt des Bṛhat; dies ist der Bṛhat-Tag. »An der Spitze der Ströme fließt der sich Läuternde; an der Spitze der Rede gehst du voran zu den Kühen; an der Spitze der Kraft nimmst du teil, großen Reichtum; gut bewaffnet wirst du, o Soma, von den Pressern ausgepresst« — so gilt: »Spitze, Spitze«. Spitze nämlich ist dieser Tag, der Bṛhat-Tag; Spitze ist der Trayastriṃśa unter den Stomas. Ihm eben folgen die Revatīs nach.
[Anm.: Die ausdrückliche genetische Ableitung 'die Revatīs wurden aus den Sīmās gebildet' ist ein neuer, expliziter Baustein im Sīmā-Revatī-Komplex. ›Vṛṣaṇvatī‹ knüpft an die in 3.101 erstmals belegte technische Versklasse an. Die Kette von Verszitaten, deren Schlüsselwort jeweils einen Tagesnamen liefert (Prājāpatya-, Jāgata-, Bārhata-Tag), setzt das im ganzen Kāṇḍa verbreitete Muster 'X ist dieser Tag' fort.]
tā etā bhavanti jagatyo jagadvarṇā ahno rūpeṇa samṛddhāḥ. yatra vā ahārūpeṇa samṛddhayanti saṃ tatrardhyate. sam asmā ṛdhyate ya evaṃ veda. asṛkṣata pra vājina ity anurūpo bhavati bhūtānuvādinīḥ. ṣaḍaham evaitad etās sṛṣṭam anuvadanti. tad āhur ahna eva rūpaṃ stotriyenārabhante ’nurūpeṇa sāmna iti. stotriyānurūpau bhavataḥ. prāṇo vai stotriyo ’pāno ’nurūpaḥ. prāṇāpānābhyām evaitat samṛdhya prayanti. gavyā somāso aśvayā. śukrāso vīrayāśavaḥ. iti gomatīḥ paśumatīr bhavanti paśūnām evāvaruddhyai. paśavo hy etad ahaḥ. śumbhamānā ṛtāyubhir mṛjyamānā gabhastyoḥ. pavante vāre avyaye. iti rūti revatīnāṃ rūpam. te viśvā dāśuṣe vasv iti viśvavatīr bhavanti. vaiśvadevaṃ hy etad ahaḥ. soma divyāni pārthivā. pavantām āntarikṣyā. itīmān lokān samārabhate. ime vai lokāḥ prajāpatiḥ. prājāpatyam etad ahaḥ. ṣaṣṭhāyatano vai prajāpatir devatānām
Diese werden zu Jagatī-Versen, von jagatī-Charakter, durch die Gestalt des Tages vollendet. Wo sie nämlich durch die Tagesgestalt gedeihen lassen, dort gedeiht es völlig; es gedeiht ihm völlig, wer dies weiß. »Losgelassen wurden, voran, die Kraftvollen« — so ist es das Anurūpa, Verse, die das Geschehene nachsprechen; eben dies sprechen sie, das Losgelassene der Sechstagesperiode, nach. Da sagen sie: »Mit dem Stotriya beginnen sie eben die Gestalt des Tages, mit dem Anurūpa die des Sāmans.« Stotriya und Anurūpa sind es demnach; der Stotriya nämlich ist der Einatem, der Anurūpa der Ausatem. Eben damit, mit Ein- und Ausatem, gedeihend, schreiten sie voran. »Kuhhaft sind die Somas, rossehaft, hell, männerhaft, eilig« — so sind es kuhreiche, viehreiche Verse, eben zur Erlangung von Vieh; Vieh nämlich ist dieser Tag. »Sich schmückend mit den Ordnungsstrebenden, gereinigt in beiden Händen, läutern sie sich in der Wollhürde« — so ist »rūti« die Gestalt der Revatīs. »Sie bringen alle Güter dem Opfernden« — so sind es viśvavatī-Verse; Vaiśvadeva nämlich ist dieser Tag. »O Soma, die himmlischen, die irdischen — mögen sich die luftraumhaften läutern« — damit knüpft er an diese Welten an; diese Welten nämlich sind Prajāpati; Prājāpatya nämlich ist dieser Tag. Prajāpati hat ja den sechsten Platz als Sitz unter den Gottheiten.
[Anm.: Vierte Instanz der Stotriya/Anurūpa=Einatem/Ausatem-Formel (nach 3.35, 3.59, 3.85), hier eigens mit einer einleitenden Regelformulierung versehen. »rūti« bleibt als aus dem Vers extrahiertes Kennwort für die Revatīs in seiner genauen Ableitung unsicher.]
»Läutere dich, Götter-Held, hinüber« — so ist der Beginn des Zehnvers-Liedes; oder sie sagen ›hinüber-voran‹ — das Bevorstehende ist gemeint. Wie bevorstehend ist ja dieser Tag. »Zum Seihetuch, o Soma, eilig — geh, o Indu, als Bulle in Indra ein« — so sind es vṛṣaṇvatī-Verse, die Gestalt des Bṛhat; Bārhata ist dieser Tag. »Bewege dich her, große Weide« — so sind es Āvatī-Verse, eben damit man nicht darüber hinausschreitet; wie an ein Ende nämlich gehen sie jetzt heran: »Damit wir nicht über die Sechstagesperiode hinausschreiten.« »Sie molken die liebe Süße« — was nämlich die gemolkene Milch der Mahānāmnīs ist, das wurden die Revatīs; der Mahānāmnīs gemolkene Milch nämlich ist das, was die Revatīs sind. »Dich, den Großen, folgen die Großen nach« — der Trayastriṃśa-Stoma nämlich ist der Große; ihm eben folgen die Revatīs. »Die Gewässer strömen, die Ströme, wenn du dich mit Kühen einhüllen wirst; das Meer wusch sich in den Wassern, die Stütze, Varuṇa des Himmels; Soma, uns wohlgesinnt, im Seihetuch« — so sind es wasserreiche Verse; Wasser nämlich ist dieser Tag. »Es brüllte der Bulle, der Falbe« — so sind es vṛṣaṇvatī-Verse, die Gestalt des Bṛhat; Bārhata nämlich ist dieser Tag. »Groß, wie Mitra anzuschauen« — groß nämlich ist dieser Tag, der Trayastriṃśa-Tag. »Die Lobreden, o Indra, werden durch deine Kraft geschmückt, die wirkenden, mit denen du dich zum Rausch schmückst; dich, den Freudigen, den Weltenschaffer, erbitten wir zum Rausch, zu deinem Ruhm, du Großer; ein Hirte bist du, o Indu, männerstark, mit Rossen, mit Kraft, die erste Seele des Opfers« — so sind es kuhreiche, viehreiche Verse, eben zur Erlangung von Vieh; Vieh nämlich ist dieser Tag. »Für uns, o Indu, läutere die Indra-Kraft der Süße mit dem Strom, wie Parjanya, der Regenspender« — so ist es der Zehnvers; die Virāj hat zehn Silben, Speise ist die Virāj — eben zur Erlangung von Speise und Nahrung durch die Virāj.
[Anm.: Die Gleichsetzung 'die Revatīs sind die gemolkene Milch der Mahānāmnīs' fügt dem Sīmā/Mahānāmnī/Revatī-Beziehungsgeflecht ein weiteres Bild hinzu (vgl. 3.131f. Gleichsetzung, 3.135 'daraus gebildet'). Das wiederholte vṛṣaṇvatī/Bārhata-Muster setzt die in 3.101 eingeführte Versklasse fort.]
sanā ca soma jeṣi cety uttaraṃ daśarcaṃ bhavati. abhipūrvam evaitena virājam annādyam avarundhate. ṛṣayo vā etad ṛddhikāmā upotthānaṃ priyaṃ vāco ’paśyann athā no vasyasas kṛdhy, athā no vasyasas kṛdhīti. tenāstuvata. tato vai te sarva evārdhnuvan. sarve haivardhnuvanti ya evaṃ vidvāṃsa etena daśarcena stuvate. upariṣṭād udakaṃ dadhati. raso vai ṣaṣṭham ahaḥ. tasyānatinedāya. sa yathāpāṃ vārtraṃ dihyāt tādṛg evaitad upariṣṭād udarkaṃ dadhati rasasyānatinedāya. caturṛco bhavati catuṣpadāṃ paśūnām evāvaruddhyai. parokṣaṃ dvipadā bhavanti, dvipadāṃ paśūnām avaruddhyai. vi nārāśaṃsam iva bhavaty ubhayoḥ kāmayor upāptyai. yac ca divyo yac ca mānuṣa upariṣṭād udarkaṃ dadhati. raso vai ṣaṣṭham ahaḥ. tasyānatinedāya
»Und, o Soma, du wirst stets siegen« — so ist der nachfolgende Zehnvers; damit erlangen sie eben die Virāj, die Speise-und-Nahrung, in stets wachsendem Maße. Die Ṛṣis nämlich, die nach Gedeihen strebten, erblickten dies als das Aufstehen, die liebe Wendung: »Mache uns doch zu Besitzenderen, mache uns doch zu Besitzenderen!« Damit priesen sie sich; danach gediehen sie alle. Alle gedeihen ja, die, dies wissend, sich mit diesem Zehnvers preisen. Von oben legen sie Wasser darauf; Essenz nämlich ist der sechste Tag, damit sie nicht überklingt. Wie man einen Wasserwall beschmieren würde, ebenso legt er hier von oben den Nachklang darauf, damit die Essenz nicht überklingt. Es ist vierversig, eben zur Erlangung der Vierfüßer-Tiere. Verhüllt sind es zweifüßige Verse, zur Erlangung der Zweifüßer-Tiere. Wie das Nārāśaṃsa verteilt es sich, zur Erlangung beider Wünsche. Was göttlich und was menschlich ist, darüber legt er von oben den Nachklang; Essenz nämlich ist der sechste Tag, damit sie nicht überklingt.
[Anm.: 'Wasser' (udaka) und 'Nachklang' (udarka) scheinen hier bewusst lautlich aufeinander bezogen zu sein – der wörtliche Wasserguss wird durch das technische Udarka-Element gedeutet. Die exakte Formel 'von oben den Nachklang legen, damit die Essenz nicht überklingt' kehrt wortgleich in 3.140 wieder und ist damit als feststehender Refrain erkennbar. ›Vārtra‹ (Wasserwall/-abdeckung) und Nārāśaṃsa bleiben in ihrer genauen rituellen Bedeutung an dieser Stelle unsicher; parokṣa (verhüllt) knüpft an die seit 3.104 etablierte Terminologie an.]
atha ha vai tarantapurumīḍhau vaitadaśvī dhvasrayoḥ puruṣantyor bahu pratigṛhya garagirāv iva menāte. tau ha smāṃgulyā sātaṃ pratimamṛśāte. tāv akāmayetām asātaṃ nāv idaṃ sātaṃ syād āttam ivaiva na pratigṛhītam iti. tāv etac caturṛcam apaśyatāṃ, tena pratyaitām. tato vai tayor asātaṃ sātam abhavad āttam ivaiva na pratigṛhītam. sa yaḥ pratigṛhya kāmayetāsātam ma idaṃ sātaṃ syād āttam ivaiva na pratigṛhītam iti sa haitena caturṛcena pratīyāt. asātaṃ haivāsya sātaṃ bhavaty āttam evaiva na pratigṛhītam. ete somā asṛkṣatety etā antyā bhavanti bhūtānuvādinīr u eva. ṣaḍaham evaitad etās sṛṣṭam anuvadanti. abhi gavyāni vītaye nṛmṇā punāno arṣasi. sanadvājaḥ pari srava. iti parivatīr bhavanty antasya rūpam. anto hy etad ahaḥ. uta no gomatīr iṣo viśvā arṣa pariṣṭubhaḥ. gṛṇāno jamadagninā. iti paryāso bhavati prajānāṃ dhṛtyai paśūnām upasthityai. trayastriṃśa stomo bhavati. trayastriṃśad vai sarvā devatāḥ. sarvāsv evaitad devatāsu pratitiṣṭhanto yanti
Taranta und Purumīḍha, die beiden Söhne des Vitadaśva, hielten sich, nachdem sie viel an Gaben empfangen hatten, gleichsam für Gift-Verschlinger. Die beiden betasteten mit dem Finger wiederholt ihren Gewinn. Die beiden wünschten: »Möge dieser unser Gewinn zum Nicht-Gewinn werden, gleichsam als genommen, aber nicht angenommen!« Die beiden erblickten diesen Vierverser, kehrten damit zurück. Danach wurde ihr Nicht-Gewinn zum Gewinn, gleichsam als genommen, aber nicht angenommen. Wer, nachdem er empfangen hat, wünscht: »Möge dieser mein Gewinn zum Nicht-Gewinn werden, gleichsam als genommen, aber nicht angenommen!«, der soll mit diesem Vierverser zurückkehren. Sein Nicht-Gewinn wird ja zum Gewinn, gleichsam als genommen, aber nicht angenommen. »Diese Somas wurden losgelassen« — dies sind die letzten Verse, die das Geschehene nachsprechenden eben; eben dies sprechen sie, das Losgelassene der Sechstagesperiode, nach. »Zu den Kuhgütern, zum Genuss, die Manneskräfte läuternd, fließt du; als ewig-kraftvoller fließe rings umher« — so sind es parivatī-Verse, die Gestalt des Endes; Ende nämlich ist dieser Tag. »Und uns kuhreiche Genüsse, alle, fließe zu, rings besungen, gepriesen von Jamadagni« — so ist es der Umschwung, zur Erhaltung der Geschöpfe, zum Beistand des Viehs. Es ist der Trayastriṃśa-Stoma; dreiunddreißig nämlich sind alle Gottheiten. Eben darauf, auf allen Gottheiten fußend, schreiten sie voran.
[Anm.: Taranta und Purumīḍha sind als vedische Gönnergestalten bezeugt, Söhne des Vitadaśva (Vaitadaśva). Das 'Gift-Verschlingen' (garagira) ist eine bekannte vedisch-rituelle Vorstellung: wer Gaben (namentlich Dakṣiṇā) unrechtmäßig oder im Übermaß annimmt, verschlingt gleichsam Gift; der Vierverser dient hier als Sühne-Formel, die den Empfang symbolisch rückgängig macht. Das 'Ende'-Tag-Motiv (der sechste Tag als anta) setzt die seit 3.51/3.60 verfolgte Reihe fort. Jamadagni ist ein bekannter, in der Ṛgveda-Tradition u. a. mit Soma-Pavamāna-Versen verbundener Seher.]
tad āhur - mithunāni pañcāhāny, amithunaṃ ṣaṣṭham ahaḥ. tad yad imaṃ stomam arhate jātavedasa ity āgneyam ājyaṃ bhavati, tenaiva mithunaṃ ṣaṣṭham ahaḥ kriyate. ratham iva saṃ mahemā manīṣayety etena mithunaṃ kriyate. hotā vai pūrveṣva ahassu yajamānāyāśiṣam āśāsta udgātaitasmin. yo vai sāmnāśiṣam āśāste mīyata iva vai tasya. tad yad agne sakhye mā riṣāmā vayaṃ tava, agne sakhye mā riṣāmā vayaṃ taveti bhavati, bheṣajam evaitena prāyaścittiṃ kurvate. tathā hāsya na mīyate. upariṣṭād udarkaṃ dadhati. raso vai ṣaṣṭham ahas tasyānatinedāya. sa yathāpāṃ vārtraṃ dihyāt tādṛg evaitad upariṣṭād udarkaṃ dadhati rasasyānatinedāya
Da sagen sie: »Gepaart sind die fünf Tage, ungepaart ist der sechste Tag.« Dass der Vers »Diesen Preisgesang dem Jātavedas, dem Würdigen« das Āgneya-Ājya ist, eben dadurch wird der sechste Tag gepaart gemacht. »Wie einen Wagen wollen wir mit Einsicht zusammenfügen« — damit wird die Paarung vollzogen. Der Hotar sprach an den vorigen Tagen dem Opferherrn einen Segenswunsch zu; der Udgātar tut dies an diesem Tag. Wer nämlich mit dem Sāman einen Segenswunsch ausspricht, dessen Kraft schwindet gleichsam. Dass es heißt: »O Agni, in deiner Freundschaft mögen wir keinen Schaden nehmen, o Agni, in deiner Freundschaft mögen wir keinen Schaden nehmen«, damit vollziehen sie eben ein Heilmittel, eine Sühnehandlung; so schwindet seine Kraft nicht. Von oben legen sie den Nachklang darauf; Essenz nämlich ist der sechste Tag, damit sie nicht überklingt. Wie man einen Wasserwall beschmieren würde, ebenso legt er hier von oben den Nachklang darauf, damit die Essenz nicht überklingt.
[Anm.: Klärt die Tagesstruktur des Sechstageabschnitts: fünf gepaarte Tage plus ein ungepaarter sechster, der hier eigens nachträglich 'gepaart' wird. Die auffällige Verlagerung des Segenswunsch-Sprechens vom Hotar auf den Udgātar an diesem Tag wird als riskant markiert (Gefahr des 'Schwindens'), was die anschließende Sühneformel motiviert. Die Udarka/Wasserwall-Formel wiederholt wortgleich die in 3.138 belegte Passage.]
prati vāṃ sūra udita iti maitrāvaruṇaṃ bhavati. prati hy etarhi stomāś chando hy ṛtavo grahā āvartante. atho yat prati vām iti bhavati tasmād u hedaṃ yathartvannādyaṃ pratidhīyata upariṣṭād udarkāṇy anyāni stotrāṇi bhavanti. athaitad anupariṣṭād udarkam. prāṇāpānau vai maitrāvaruṇau. yad upariṣṭād udarkaṃ dadhyuḥ prāṇāpānāv apihanyuḥ. tad yad anupariṣṭād udarkaṃ dadhati prāṇāpānābhyām evotsṛṣṭyai. bhindhi viśvā apa dviṣa ity aindraṃ bhavati. pari bādho jahī mṛdha iti ghnadvat. etad vai yajamānasya svaṃ stotraṃ yad brahmaṇaḥ. sva eva tad āyatane yajamānasya sarvaṃ pāpmānaṃ ghnanti. vasu spāhaṃ tad āā bhara. yasya te viśvam ānuṣag bhūrer dattasya vedati. vasu spārhaṃ tad ā bhara. yad vīḷāv indra yat sthire yat parśāne parābhṛtam. vasu spārhaṃ tad ā bhara. iti. paśavo vai vasu spārham. annam u vai paśavaḥ. etān tad udgātā yajamānāyāśiṣam āśāsta, upariṣṭād udarkaṃ dadhati. raso vai ṣaṣṭham ahas tasyānatinedāya
»Euch beiden entgegen, bei Sonnenaufgang« — so ist es das Maitrāvaruṇa. Entgegen nämlich kehren jetzt die Stomas, das Versmaß, die Jahreszeiten, die Somatränke zurück. Und weil es heißt »euch beiden entgegen«, deshalb wird ja diese jahreszeitgemäße Speise und Nahrung entsprechend gesetzt: von oben haben andere Preislieder ihren Nachklang. Dieses hier aber hat seinen Nachklang nicht von oben. Ein- und Ausatem nämlich sind die beiden Maitrāvaruṇa-Gottheiten; würden sie den Nachklang von oben setzen, würden sie Ein- und Ausatem verschließen. Dass sie den Nachklang nicht von oben setzen, das ist eben zur Freilassung von Ein- und Ausatem. »Zerspalte alle Feindschaft hinweg« — so ist es das Aindra. »Ringsum vertreibe, erschlage die Feinde« — dies ist schlagenden Charakters. Dies nämlich ist das eigene Preislied des Opferherrn, das des Brahman-Priesters; eben in der eigenen Grundlage des Opferherrn erschlagen sie alles Übel. »Begehrenswertes Gut, das bring her! Dessen ganze Folge du kennst, von dem reichlich Gegebenen — begehrenswertes Gut, das bring her! Was im Festen, o Indra, was im Harten, was in der Kluft weggetragen ist — begehrenswertes Gut, das bring her!« Vieh nämlich ist das begehrenswerte Gut; Speise nämlich ist ja Vieh. Diese Verse eben spricht der Udgātar dem Opferherrn als Segenswunsch zu; von oben legt er den Nachklang darauf; Essenz nämlich ist der sechste Tag, damit sie nicht überklingt.
[Anm.: Bemerkenswerte technisch-symbolische Erklärung: während andere Preislieder ihren Nachklang 'von oben' erhalten, wird dies beim mit Ein-/Ausatem gleichgesetzten Maitrāvaruṇa-Lied ausdrücklich vermieden, um den Atem nicht 'zu ersticken' – ein seltener Fall, in dem der Text die Abweichung von einer Standardformel eigens begründet. Der Vers ›vasu spārhaṃ tad ā bhara‹ ist ein bekannter Indra-Refrain (vgl. RV 6.45).]
yajñasya hi stha ṛtvijā ity aindrāgnaṃ bhavati. atrendrāgnī ārtvijyāya vṛṇīte, ’trendrāgnibhyāṃ yajñaṃ saṃpradāya nirmucyate. tasya na mīyate yathā puram eva bhavatīndrāgnī evātaḥ parācīnam ārtvijyaṃ kurutaḥ. idaṃ vāṃ madiraṃ madhv adhukṣann adribhir naraḥ. indrāgnī tasya bodhatam. iti śakvarīṇāṃ ca revatīnāṃ ca rūpam. tośāsā rathayāvānā vṛtrahaṇāparijitā. indrāgnī tasya bodhatam. iti vārtraghnaṃ bhavaty antato vijityai. etena vai ṣaḍahena devā agre vyajayanta. tad yad etad vārtraghnam antata ājyaṃ kriyate, vijityā eva bhrātṛvyasyaiva vadhāya. vijayate hanti dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ ya evaṃ veda. upariṣṭād udarkaṃ dadhati. raso vai ṣaṣṭham ahas, tasyānatinedāya. sa yathāpāṃ vārtraṃ dihyāt tādṛg evaitad upariṣṭād udarkaṃ dadhati rasasyānatinedāya. trayastriṃśa stomo bhavati. trayastriṃśad vai sarvā devatāḥ. sarvāsva evaitad devatāsu pratitiṣṭhanto yanti
»Denn ihr seid des Opfers Priester« — so ist es das Aindrāgna. Hier erwählt er Indra und Agni zum Priesteramt, hier entbindet er sich, nachdem er das Opfer Indra und Agni übergeben hat. Seine Kraft schwindet nicht; es bleibt wie zuvor: Indra und Agni üben von da an fortan das Priesteramt aus. »Dies berauschende Süße für euch beide molken die Männer mit den Steinen; Indra und Agni, nehmt davon Kenntnis!« — so ist dies die Gestalt der Śakvarīs und der Revatīs. »Die beiden Freigebigen, Wagenfahrenden, Vṛtra-Erschlagenden, Unbesiegten — Indra und Agni, nehmt davon Kenntnis!« — so ist es das Vṛtra-tötende Lied, zum Sieg am Ende. Mit eben diesem Sechstagesabschnitt siegten die Götter anfangs. Dass dieses Vṛtra-tötende Ājya am Ende vollzogen wird, das ist eben zum Sieg, eben zur Tötung des Rivalen. Er siegt, erschlägt den hassenden Rivalen, wer dies weiß. Von oben legen sie den Nachklang darauf; Essenz nämlich ist der sechste Tag, damit sie nicht überklingt. Wie man einen Wasserwall beschmieren würde, ebenso legt er hier von oben den Nachklang darauf, damit die Essenz nicht überklingt. Es ist der Trayastriṃśa-Stoma; dreiunddreißig nämlich sind alle Gottheiten. Eben darauf, auf allen Gottheiten fußend, schreiten sie voran.
[Anm.: Die Vorstellung, der Opferherr 'engagiere' Indra und Agni förmlich als Priester und entbinde sich damit selbst, ist ein markantes theologisches Bild für die Übertragung ritueller Verantwortung. Die Udarka/Wasserwall- und Trayastriṃśa-Formeln wiederholen wortgleich die bereits in 3.138–140 belegten Refrains.]
indrāyendo marutvata iti mādhyandinasya pavamānasya gāyatryo bhavanti bṛhato rūpam. bārhatam etad ahaḥ. taṃ tvā viprā vacovidaḥ pariṣ kṛṇvanti dharṇasim iti parivatīr bhavanty antasya rūpam. anto hy etad ahaḥ. rasaṃ te mitro aryameti raso hy etad ahaḥ. yo vai pañcamād ahno raso ’tyanedat tad etad ahar abhavat. sa eṣa rasa eva. pibantu varuṇaḥ kave. pavamānasya marutaḥ. iti marutvatīr bhavanti. marutvad vai madhyandinasya rūpam. madhyandinasyaiva tad rūpān na yanti. tāsu gāyatram uktabrāhmaṇam. atha revatayaḥ. paśavo vai simāḥ. paśavo revatayaḥ. paśava etad ahaḥ. paśumanta eva bhavanty enena tuṣṭuvānāḥ. śakvaryo vā idaṃ tejasā prātapan. tejasā nābhimṛśyā āsan. tāsāṃ devāḥ pradāhād abibhayuḥ. te ’bruvan sarvaṃ vā idam imāḥ pradhakṣyanti. etedam āsāṃ śamayāmeti. tāsāṃ dve ekasyai pade niramimataikam ekasyai. yasyai dve niramimata tad etāṃ dvipadāṃ pratyupādadhur, yasyā ekaṃ tad ekapadām. saivaiṣā tripadā gāyatry abhavat. samānaṃ vā etac chandaḥ. tad dvedhā vyauhan bhūmne ca śāntyai ca. bahuḥ prajayā paśubhir jāyate ya evaṃ veda
»Für Indra, o Indu, den Marut-begleiteten« — so sind es die Gāyatrī-Verse der mittäglichen Pavamāna-Pressung, die Gestalt des Bṛhat; Bārhata ist dieser Tag. »Dich, den Redekundigen, umgeben die Beredten, den Träger« — so sind es parivatī-Verse, die Gestalt des Endes; Ende nämlich ist dieser Tag. »Deinen Saft, dir, Mitra, Aryaman« — Essenz nämlich ist dieser Tag. Der Saft, der vom fünften Tag ausströmte, daraus wurde dieser Tag; er, dieser, ist eben Saft selbst. »Trinken mögen Varuṇa, o Weiser, und die Maruts vom sich Läuternden« — so sind es marutvatī-Verse; Marut-begleitet nämlich ist die Gestalt der Mittagspressung; von eben dieser Gestalt der Mittagspressung weichen sie nicht ab. Bei ihnen ist das Gāyatra bereits erklärt. Dann die Revatīs: Vieh nämlich sind die Sīmās, Vieh sind die Revatīs, Vieh ist dieser Tag; viehreich eben werden die, die sich damit gepriesen haben. Die Śakvarīs nämlich erhitzten dies mit Glut, waren durch die Glut unberührbar. Vor ihrem Verbrennen fürchteten sich die Götter. Sie sprachen: »Diese werden ja alles hier verbrennen. Wohlan, lasst uns dies bei ihnen besänftigen!« Von ihnen bildeten sie zwei als Versfuß für eine, eins für eine andere. Der sie zwei gebildet hatten, die setzten sie als zweifüßige ein; der sie eins, die als einfüßige. Eben diese wurde zur dreifüßigen Gāyatrī; gleich nämlich ist dies nun wieder das eine Versmaß. Das teilten sie zweifach auf, zur Fülle und zur Beruhigung. Er vermehrt sich reichlich durch Nachkommenschaft und Vieh, wer dies weiß.
[Anm.: Eigenständiger neuer Mythos zur Entstehung der dreifüßigen Gāyatrī: die übermäßig heißen, unberührbaren Śakvarīs werden durch Aufteilung in zwei- und einfüßige Anteile 'gekühlt' und daraus die Gāyatrī neu zusammengesetzt (2+1=3 Versfüße). Dies reiht sich in den wachsenden Sīmā/Śakvarī/Revatī-Motivkomplex ein, ohne mit den früheren Etymologien (3.104, 3.111) harmonisiert zu werden.]
pañcamād vai devā ahnaṣ ṣaṣṭham ahar niramimata. tasmā āyatanam aicchan. tasmai revatīr evāyatanam avindan. āyatanavān bhavati ya evaṃ veda. paśavo vai revatayaḥ. ātmā madhyandinaḥ. tad yad revatīr madhyandinam abhi pratyāharanty ātmann evaitat payaḥ pratiṣṭhāpayanti. reto vai revatayaḥ. ātmā madhyandinaḥ. tad yad revatīr madhyandinam abhi pratyāharanty ātmann evaitat retaḥ pratiṣṭhāpayanti. reto vai revatayaḥ. reta u raivataṃ sāma. vajrā ha khalu vā ete yad raivatasya sāmno nidhanāni. tad yad revatīṣu raivataṃ pṛṣṭhaṃ kuryur vajreṇa reto vīyus tā yat purastāt pavamāne kurvanti, vajreṇa ned reto vyayāmeti
Die Götter bildeten aus dem fünften Tag den sechsten Tag; für diesen suchten sie eine Grundlage. Für diesen fanden sie eben die Revatīs als Grundlage. Er wird grundlagenreich, wer dies weiß. Vieh nämlich sind die Revatīs; Rumpf ist die Mittagspressung. Dass sie die Revatīs zur Mittagspressung hinführen, damit setzen sie eben die Milch im Rumpf fest. Same nämlich sind die Revatīs; Rumpf ist die Mittagspressung. Dass sie die Revatīs zur Mittagspressung hinführen, damit setzen sie eben den Samen im Rumpf fest. Same nämlich sind die Revatīs; Same auch ist das Raivata-Sāman. Vajras nämlich fürwahr sind diese, die Nidhanas des Raivata-Sāmans. Würden sie bei den Revatīs das Raivata-Pṛṣṭha vollziehen, würde der Same durch den Vajra zerstreut werden; dass sie es bei der vorausgehenden Pavamāna-Pressung vollziehen, geschieht, damit der Same nicht durch den Vajra zerstreut werde.
[Anm.: Die Revatīs werden hier in doppelter Gleichsetzung erst mit Milch, dann mit Samen verknüpft, beides jeweils im 'Rumpf' (ātman) der Mittagspressung verankert. Das Raivata-Sāman, benannt nach den Revatīs, ist eines der sechs in 3.118 eingeführten klassischen Pṛṣṭha-Sāmans; seine Nidhanas gelten hier als 'Vajras', deren vorzeitiger Einsatz den Samen 'zerstreuen' würde – eine rituelle Begründung für die genaue Abfolge der Gesänge.]
payo vai revatayaḥ. paśavaḥ pañcamam ahaḥ. tā yad antarhitā anyena sāmnā syur antarhitaṃ payaḥ paśubhya syāt. tā yad anantarhitā bhavanti tena payaḥ paśubhyo ’nantarhitaṃ bhavati. tad āhur jāmīva vā etat kriyate yad etā iḷābhir iḷā upayanti. iṣovṛdhīyenaivārabhyam ajāmitāyā iti. antarhitaṃ ha tu tathā payaḥ paśubhya syāt. vajreṇa reto vīyū revatībhir evārabhyaṃ vajreṇa ned reto vyayāmeti. atho ha na tathā payaḥ paśubhyo ’ntarhitaṃ bhavati. ṛg vā ayaṃ lokas sāmāsau. devakṣetraṃ vā asau lokaḥ pavamānaḥ. tā yad dvedhā vyūhanti tenaivābhyām ubhābhyāṃ lokābhyāṃ na yanti. āpo vai revatayaḥ. āpa u raivataṃ sāma. tad yad revatīṣu raivataṃ pṛṣṭhaṃ kuryur agādhe majjeyur na pratitiṣṭheyuḥ. tad yad vāravantīyaṃ pṛṣṭhaṃ bhavati pratiṣṭhityā eva. jīryantīva vā etat pṛṣṭhāni yadā ṣaṣṭham ahar āgacchanti. na vai jīrṇe retaḥ pariśiṣyate. tad yad vāravantīyaṃ pṛṣṭhaṃ bhavaty uttareṣām eva yajñakratūnāṃ prajātyai
Milch nämlich sind die Revatīs; Vieh ist der fünfte Tag. Wären diese durch ein anderes Sāman verdeckt, wäre die Milch für das Vieh verborgen. Dass sie nicht verdeckt sind, dadurch ist die Milch für das Vieh nicht verborgen. Da sagen sie: »Wie eine Blutsverwandten-Verbindung wird dies vollzogen, dass diese Iḷās sich mit Iḷās vereinigen; mit dem Iṣovṛdhīya soll eben begonnen werden, wegen der Nicht-Blutsverwandtschaft.« Verborgen aber wäre so die Milch für das Vieh. »Weil sonst durch den Vajra der Same zerstreut würde, soll eben mit den Revatīs begonnen werden, damit der Same nicht durch den Vajra zerstreut werde.« Und so wird die Milch für das Vieh nicht verborgen. Ṛc nämlich ist diese Welt hier, Sāman jene; der Pavamāna nämlich ist das Götterfeld jener Welt. Dass sie dies zweifach aufteilen, dadurch weichen sie eben nicht von diesen beiden Welten ab. Wasser nämlich sind die Revatīs; Wasser auch ist das Raivata-Sāman. Würden sie bei den Revatīs das Raivata-Pṛṣṭha vollziehen, würden sie im Bodenlosen versinken, fänden keinen festen Stand. Dass es das Vāravantīya-Pṛṣṭha ist, geschieht eben zum festen Stand. Gleichsam alternd nämlich sind diese Pṛṣṭhas, wenn sie zum sechsten Tag gelangen; im Gealterten nämlich bleibt kein Same übrig. Dass es das Vāravantīya-Pṛṣṭha ist, geschieht eben zur Zeugung der folgenden Opferhandlungen.
[Anm.: ›Jāmi‹ (wörtl. 'blutsverwandt/geschwisterlich') ist ein feststehender ritualkritischer Fachbegriff für unerwünscht monotone Wiederholung von Gleichartigem; seine Vermeidung (›ajāmitā‹) wird hier gegen die Gefahr des 'Verborgenbleibens der Milch' abgewogen – die gewählte Lösung (Beginn mit den Revatīs) löst beide Probleme zugleich. Die Gleichung Ṛc=diese Welt/Sāman=jene Welt ist eine kosmologische Grundformel. Die Revatīs erhalten hier eine dritte Gleichsetzung (nach Milch, Same): Wasser – mit der daraus folgenden Gefahr des 'Versinkens im Bodenlosen', die die Wahl des Vāravantīya- statt des Raivata-Pṛṣṭha begründet.]
vatsaiḥ paśūn saṃvāśayanti. yadā vai paśavo vatsais saṃvāśante, ’tha kāmān duhre. kāmadughā asmai revatayo bhavanti. pavamāne saṃvāśayed yaḥ kāmayetāmuṣmin me loke kāmadughā syur iti. amuṣmin haivāsya loke kāmadughā bhavanti. abhyāvartiṣu saṃvāśayed yaḥ kāmayetāsmin me loke kāmadughā syur iti. asmin haivāsya loke kāmadughā bhavanti. ubhayatra saṃvāśayed yaḥ kāmayetobhayor me lokayoḥ kāmadughā syur iti. ubhayor haivāsya lokayoḥ kāmadughā bhavanti. tad āhur ito vatsā syur, ito mātaraḥ. udīcīr vā āpa syandante. āpo vā ete yat paśava iti. tad u vā āhur - ita eva vatsā syur, ito mātaraḥ. yadā vai pitā putraṃ niravasāyayaty, uttarato vāva sa taṃ niravasāyayati. tasmād uttarato vatsā syur, dakṣiṇato mātaraḥ. devāsurāḥ paśuṣv aspardhanta. te devā vatsair uttarato ’tiṣṭhann, athāsurā mātṛbhir dakṣiṇataḥ. tā mātaro nirdīrya vatsān abhipalāyanta. adhārayan devā vatsān. tās samākramyāsurāṇām avṛñjata. tābhir udañcaḥ prādravan. vṛṃkte dviṣato bhrātṛvyasya paśūn ya evaṃ veda. tasmād uttarata eva vatsā syur, dakṣiṇato mātara iti
Sie lassen das Vieh mit den Kälbern zusammen brüllen. Wenn nämlich das Vieh mit den Kälbern zusammen brüllt, dann melken sie ihre Wünsche; wunscherfüllend werden ihm dann die Revatīs. Bei der Pavamāna-Pressung soll zusammen brüllen lassen, wer wünscht: »Mögen sie mir in jener Welt wunscherfüllend sein.« In jener Welt eben werden sie ihm wunscherfüllend. Bei den Abhyāvartis soll zusammen brüllen lassen, wer wünscht: »Mögen sie mir in dieser Welt wunscherfüllend sein.« In dieser Welt eben werden sie ihm wunscherfüllend. An beiden Stellen soll zusammen brüllen lassen, wer wünscht: »Mögen sie mir in beiden Welten wunscherfüllend sein.« In beiden Welten eben werden sie ihm wunscherfüllend. Da sagen sie: »Von hier sollen die Kälber sein, von hier die Mütter; nordwärts nämlich fließen die Gewässer, Wasser nämlich ist ja dieses Vieh.« Das nun aber sagen sie: »Von genau hier sollen die Kälber sein, von hier die Mütter.« Wenn nämlich ein Vater seinen Sohn ansiedelt, siedelt er ihn ja nördlich an; deshalb sollen die Kälber im Norden sein, die Mütter im Süden. Götter und Asuras stritten um das Vieh. Die Götter standen mit den Kälbern im Norden, die Asuras aber mit den Müttern im Süden. Die Mütter, sich losreißend, liefen zu den Kälbern hin. Die Götter hielten die Kälber fest. Diese, herangelangt, entrissen sie den Asuras; mit ihnen liefen sie nordwärts davon. Er entreißt dem hassenden Rivalen das Vieh, wer dies weiß. Deshalb sollen eben im Norden die Kälber sein, im Süden die Mütter.
[Anm.: Siebte Instanz des wunscherfüllenden (kāmadugha-)Motivs in diesem Kāṇḍa (nach 3.67, 74, 76, 82, 95, 128), hier auf die Revatīs übertragen und dreifach (jene Welt / diese Welt / beide Welten) durchdekliniert. ›Abhyāvarti‹ bleibt ein unübersetzt belassener technischer Liturgiebegriff. Die Devāsura-Erzählung liefert eine ätiologische Begründung für die Nord/Süd-Anordnung von Kälbern und Muttertieren im Ritual.]
atha vājadāvaryaḥ. annaṃ vai vājo, ’nnaṃ dāvaryaḥ. etā annādyasyaivāvaruddhyai. prajāpatiḥ prajā asṛjata. tā anaśanā asṛjata. tā prajāpatim evopādhāvan. tābhya etenaiva sāmnānnādyaṃ prāyacchat. tā abruvan - vājaṃ vai no ’nnādyaṃ prādād iti. tad eva vājadāvarīṇāṃ vājadāvarītvam. tad etad annādyasyāvaruddhissāma. avānnādyaṃ runddhe ’nnāda śreṣṭha svānāṃ bhavati ya evaṃ veda. atha sauparṇaṃ yajñasyaivārambhaḥ. yajño vai devebhya udakrāmat. sa suparṇo bhūtaḥ paryaplavata. te devā akāmayantā yajñaṃ rabhemahīti. ta etat sāmāpaśyan. tenāstuvata. tena yajñam ārabhanta. utkrānta ivaitarhi yajño bhavati ṣaṣṭhe ’han. tad yad atra sauparṇaṃ bhavati yajñasyaivārambhāya. yad v evainam etena suparṇaṃ bhūtaṃ pariplavamānam ārabhante, tasmāt sauparṇam ity ākhyāyate. tad v evācakṣate krauñcam iti. kruṃṅ āṅgirasa īṣyam ivāhar avindat. īṣyam ivaitad ahar yat ṣaṣṭham. tasmāt ṣaṣṭhe ’han kriyate. tad aiḷaṃ bhavati - paśavo vā iḷā. paśava etad ahaḥ - paśūnām evāvaruddhyai
Dann die Vājadāvarīs: Speise nämlich ist Kraft, Speise ist die Schenkende; diese dienen eben zur Erlangung von Speise und Nahrung. Prajāpati brachte die Geschöpfe hervor, brachte sie ohne Nahrung hervor. Sie eilten zu Prajāpati heran. Ihnen gab er eben mit diesem Sāman Speise und Nahrung. Sie sprachen: »Kraft, fürwahr, hat er uns als Speise und Nahrung gegeben.« Das eben ist die Vājadāvarī-heit der Vājadāvarīs. Das ist also das Sāman der Erlangung von Speise und Nahrung; er erlangt Speise und Nahrung, wird der Beste im Essen unter den Seinigen, wer dies weiß. Dann das Sauparṇa, eben der Beginn des Opfers. Das Opfer nämlich entwich den Göttern; es, zum Adler geworden, flatterte umher. Die Götter wünschten: »Möchten wir doch das Opfer ergreifen!« Sie erblickten dieses Sāman, priesen sich damit, ergriffen damit das Opfer. Wie entwichen nämlich ist jetzt das Opfer am sechsten Tag. Dass hier das Sauparṇa ist, geschieht eben zum Ergreifen des Opfers. Und weil sie es, das zum Adler gewordene, umherflatternde, damit ergreifen, deshalb wird es ›Sauparṇa‹ genannt. Das nennen sie eben ›Krauñca‹. Kruṅ Āṅgirasa fand einen gleichsam dringlichen Tag; gleichsam dringlich ist dieser Tag, der sechste; deshalb wird es am sechsten Tag vollzogen. Das ist ›aiḷa‹ — Vieh nämlich ist Iḷā; dies ist der Vieh-Tag — eben zur Erlangung von Vieh.
[Anm.: Der Adler-Flucht-Mythos des Opfers knüpft an das wiederholt belegte Thema des 'Beginns des Opfers' (Ārambhaṇa) an (vgl. 3.70, 3.90, 3.131). Der Name ›Krauñca‹ wurde bereits früh in Kāṇḍa 3 verwendet; ob dasselbe Sāman gemeint ist oder ein gleichnamiges anderes, bleibt hier offen, da der Text selbst keine explizite Gleichsetzung vornimmt. Kruṅ Āṅgirasa erscheint als eponymer Seher des Namens.]
atheṣovṛdhīyaṃ bahirnidhanaṃ bārhatam. tasmād bārhate ’han kriyate. iṣo vai ṣaṣṭham ahar, vṛdhe saptamam. ṣaṣṭhād vā ahnas saptamam ahaḥ prajātam. tad yad iṣa iti ṣaṣṭhād evaitad ahnas saptamam ahaḥ prajanayanti. yad vṛdha ity avardhanta iva hy etarhi. prajāpatiḥ prajā asṛjata. tā anaśanā - anaśanā asṛjata. tā aśanāyantīr anyānyām ādan. sa prajāpatir aikṣata - kathaṃ nu ma imāḥ prajā nāśanāyeyur iti. sa etat sāmāpaśyat. tenainā iṣovṛdhīya ity evābhyamṛśat. tā asyeṣā samaktā avardhanta. tad eveṣovṛdhīyasyeṣovṛdhīyatvam. iṣā haivāsya samaktā bhāryā vardhante ya evaṃ veda. tac caturakṣaraṇidhanaṃ bhavati - catuṣpadā vai paśavaḥ. paśava etad ahaḥ - paśūnām evāvaruddhyai
Dann das Iṣovṛdhīya, mit äußerem Nidhana, das Bārhata; deshalb wird es am Bārhata-Tag vollzogen. Speisung nämlich ist der sechste Tag, dem Wachstum gehört der siebente; vom sechsten Tag nämlich ist der siebente Tag geboren. Dass es »Iṣ« heißt, bedeutet: eben vom sechsten Tag lassen sie den siebenten Tag entstehen. Dass es »vṛdha« heißt, bedeutet: sie wuchsen jetzt gleichsam. Prajāpati brachte die Geschöpfe hervor, hungernd brachte er sie hervor. Sie, hungrig, fraßen einander. Da erwog Prajāpati: »Wie könnten doch diese meine Geschöpfe nicht hungern?« Er erblickte dieses Sāman, berührte sie damit eben als ›Iṣovṛdhīya‹. Diese, mit Speisung versehen, wuchsen für ihn. Das eben ist die Iṣovṛdhīya-heit des Iṣovṛdhīya. Mit Speisung versehen wächst ihm ja die Gattin, wer dies weiß. Das hat ein viersilbiges Nidhana — vierfüßig nämlich ist das Vieh; dies ist der Vieh-Tag — eben zur Erlangung von Vieh.
[Anm.: Seltener Fall einer Kompositum-Etymologie, bei der die beiden Bestandteile des Namens Iṣovṛdhīya (iṣ 'Speisung' und vṛdha 'Wachstum') je einem eigenen Tag (sechster bzw. siebenter) zugeordnet werden. Der Prajāpati-Hungerkrisen-Mythos (die Geschöpfe verschlingen einander vor Hunger) ist eine weitere Variante der im Text wiederkehrenden Prajāpati-Krisenerzählungen.]