Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 10

Anuvāka 11 Opfer für Prajāpati/Gārmuta, Soma-Pūṣan, die Maruts und Indra zur Gewinnung von Vieh, Nachkommen und Eintracht, samt Agastyas Sūkta zur Besänftigung der Maruts.

prajāpatiḥ paśūn asṛjata

Prajāpati schuf das Vieh.

teṣāṃ bṛhaspatiś ca padenānvaitām

Auf seiner Spur folgten ihm [Prajāpati] und Bṛhaspati nach.

te yatrāvasam̐s tad garmutam̐ śakno jātām avindatām

Wo sie [das Vieh] geweilt hatten, fanden die beiden ein Garmut-Gewächs, aus Kot entstanden; [?]

ām ācchidyāharatām

die beiden rissen es roh ab und brachten es mit.

taṃ bṛhaspatir abravīd anayā tvā yājayāny upa vai tvaite paśavaḥ punar nam̐syantīti

Bṛhaspati sagte zu ihm: „Ich will dich mit dieser opfern lassen; dann werden diese Tiere sich dir wieder zuneigen.“

sa prājāpatyaṃ caruṃ niravapad gārmutam apsu tato vai taṃ paśavaḥ punar upānaman

Er brachte einen Prajāpati geweihten Reisbrei dar, mit Garmut(-Körnern) im Wasser (gekocht); daraufhin neigten sich die Tiere ihm wieder zu.

prājāpatyaṃ caruṃ nirvaped gārmutam apsu paśukāmas

Einen Prajāpati geweihten Reisbrei, mit Garmut im Wasser (gekocht), soll darbringen, wer Vieh wünscht.

apakrāntā vā etasmāt paśavo yo 'paśuḥ

Von dem sind nämlich die Tiere weggewichen, der ohne Vieh ist.

prajāpatiḥ paśūnāṃ pradātā

Prajāpati ist der Geber des Viehs.

tam eva bhāgadheyenopadhāvati

Ihn geht er eben mit seinem Anteil an.

so 'smai paśūn punar upāvartayati

Der lässt ihm das Vieh wieder zurückkehren.

gomūtrasyāpi syāt

Auch von Rinderurin soll (etwas) dabei sein,

sayonitvāya

zur Herkunftsgemeinschaft [wörtl.: zum Denselben-Mutterschoß-Haben]; [?]

prajāpatiḥ paśūn sṛṣṭvā teṣāṃ pūṣaṇam adhipām akarot

Nachdem Prajāpati das Vieh geschaffen hatte, machte er Pūṣan zu dessen Hüter.

teṣāṃ pūṣā padenānvait

Auf seiner Spur folgte Pūṣan ihm nach.

te yatrāvasam̐s tad garmutam

Wo sie geweilt hatten, (fand er) das Garmut-Gewächs,

tām ācchidyāharat

Er riss es roh ab und brachte es mit.

tayā prajāpatim abravīd anayā mā pratiṣṭhasvopa vai tvaite paśavaḥ punar nam̐syantīti

Damit sagte er zu Prajāpati: „Lass mich mit diesem festen Stand gewinnen; dann werden diese Tiere sich dir wieder zuneigen.“ [?]

tat somo 'bhyārtīyata ‖

Darüber wurde Soma ärgerlich [?]:

mama vā etad yad akṛṣṭapacyam iti

„Mein ist dies, was ohne Pflügen reift [d.h. wild wächst].“

sa saumāpauṣṇaṃ caruṃ niravapad gārmutam apsu

Er brachte einen Soma und Pūṣan geweihten Reisbrei dar, mit Garmut im Wasser (gekocht).

tato vai taṃ paśavaḥ punar upānaman

Daraufhin neigten sich die Tiere ihm wieder zu.

saumāpauṣṇaṃ caruṃ nirvaped gārmutam apsu prajākāmo vā paśukāmo vā

Einen Soma und Pūṣan geweihten Reisbrei, mit Garmut im Wasser (gekocht), soll darbringen, wer Nachkommen oder Vieh wünscht.

vindate prajā vā paśūn vā yatarasmai kāmāya nirvapati

Er erlangt Nachkommen oder Vieh, je nach dem Wunsch, für den er darbringt.

gomūtrasyāpi syāt

Auch von Rinderurin soll (etwas) dabei sein,

mārutaṃ praiyaṅgavaṃ caruṃ nirvapet pṛśnyā dugdhe sajātakāmaḥ

Einen den Maruts geweihten Reisbrei aus Priyaṅgu-Hirse soll, in der Milch der Pṛśni(-Kuh) (gekocht), darbringen, wer Stammverwandte [sajāta, Angehörige der eigenen Gemeinschaft] wünscht.

pṛśnyā vai maruto jātā vāco vāsyā vā

Von der Pṛśni [oder: der gefleckten Kuh] wurden nämlich die Maruts geboren, oder von der Vāc, oder von dieser (Erde); [?]

pṛthivyā mārutās sajātās

Die Maruts sind die Stammverwandten der Erde.

etan marutām̐ svaṃ payo yat priyaṅgavas

Dies ist der eigene Milchsaft der Maruts: die Priyaṅgu-Hirse.

svenaivainān payasācchaiti

Mit ihrem eigenen Milchsaft macht er sie (sich) geneigt [wörtl.: bringt sie heran]; [?]

yathā vatsa ūdho 'bhyāyacchaty evam enam̐ sajātā abhyāyacchanti ‖

Wie das Kalb sich dem Euter zuwendet, so wenden sich ihm die Stammverwandten zu.

priyavaty anuvākyā śrīvatī yājyā

Eine „priya“-haltige (Strophe) ist die Einladungsstrophe, eine „śrī“-haltige die Opferstrophe.

priyam evainam̐ sajātānāṃ karoti

Lieb macht er ihn den Stammverwandten.

śriyam evainaṃ gamayati

zu Glanz [Wohlstand] lässt er ihn gelangen.

dvipadānuvākyā catuṣpadā yājyā

Eine zweifüßige ist die Einladungsstrophe, eine vierfüßige die Opferstrophe.

dvipadaś caiva catuṣpadaś ca paśūn avarunddhe

Zweifüßiges und vierfüßiges Vieh gewinnt er (so).

aindram ekādaśakapālaṃ nirvapen mārutaṃ praiyaṅgavaṃ carum

Einen Indra geweihten Kuchen auf elf Schalen soll man darbringen und einen den Maruts geweihten Reisbrei aus Priyaṅgu-Hirse,

taṃ paścā śṛtaṃ kuryur yasmāt kṣatriyād viḍ abhyardhaś caret

den man hinterher gar kochen soll, (für den) von dessen Kṣatriya das Volk (die Vaiśya-Schaft) getrennt/abseits [?] umherzieht.

kṣatraṃ vā indro viṇ marutaḥ

Die Herrschaft ist Indra, das Volk die Maruts.

kṣatrāyaiva viśam anuniyunakti

Der Herrschaft schließt er das Volk an.

tam anūcyamāne paścāt prāñcam udāharanti

Während die Einladungsstrophe gesprochen wird, trägt man ihn hinterher nach Osten hinaus [?].

viśam evāsmai paścād upadadhāti

Das Volk legt er ihm von hinten (an die Seite).

asam̐sargāya

Damit sie nicht (voneinander) getrennt [wörtl.: unvermischt] bleiben [?].

mārutam̐ saptakapālaṃ nirvaped aindram ekādaśakapālaṃ yaḥ kāmayeta viśe ca kṣatrāya ca samadaṃ kuryām iti

Einen den Maruts geweihten Kuchen auf sieben Schalen und einen Indra geweihten auf elf Schalen soll darbringen, wer wünscht: „Ich möchte für Volk und Herrschaft Eintracht [samada: gemeinsame Freude] bewirken.“

kṣatraṃ vā indro viṇ marutas

Die Herrschaft ist Indra, das Volk die Maruts.

bhāgadheya evaibhyas samadaṃ karoti

Durch ihren Anteil bewirkt er unter ihnen Eintracht.

mārutasya mārutīm anūcyaindryā yajet

Nachdem er die den Maruts geltende Strophe des Maruts-Opfers als Einladungsstrophe gesprochen hat, soll er mit der Indra-Strophe opfern;

aindrasyaindrīm anūcya mārutyā yajet

nachdem er die Indra-Strophe des Indra-Opfers gesprochen hat, soll er mit der Maruts-Strophe opfern.

kṣatram eva viśaḥ parihāyādatte

Die Herrschaft nimmt er so vom Volk her, indem er es umfasst [?].

viṭ kṣatrasya

(Und ebenso) das Volk von der Herrschaft.

te anyānyāṃ nirṇayatas

Die beiden lässt er wechselseitig einander zuführen [?].

ubhayataḥ puroḍāśasyāvadyed yatarān kāmayeta parājayerann iti

Von beiden Seiten des Puroḍāśa soll er (Stücke) abschneiden – (für den Fall,) dass er wünscht, welche (von beiden) sollen besiegt werden.

ubhayata eva viśam upadīpayati

Auf beiden Seiten entflammt er das Volk.

etām eva nirvaped yadā kāmayeta kalperann iti

Eben diese (Opfergabe) soll man darbringen, wenn man wünscht: „Sie sollen in Ordnung kommen.“

tasyāḥ prasṛtiṃ yajet

Von ihr [der Opferspeise] soll man eine Handvoll opfern.

bhāgadheyenaivainān kalpayati

Durch ihren Anteil bringt er sie in Ordnung.

mārutam̐ saptakapālaṃ nirvaped yaḥ kṣatriyo viśo jyānyā bibhīyāt

Einen den Maruts geweihten Kuchen auf sieben Schalen soll darbringen, wer als Kṣatriya vor Schädigung durch das Volk sich fürchtet.

brāhmaṇo vā viḍ vai marutas

Ein Brāhmaṇa [?] ist das Volk, die Maruts nämlich [?].

bhāgadheyenaivaināñ chamayati

Durch ihren Anteil besänftigt er sie.

agastyasyaitat sūktaṃ kayāśubhīyam

Dies ist Agastyas Sūkta, das „kayā śubhā“-Lied.

tasya sāmidhenīṣv apy anubrūyāt

Auch bei den Sāmidhenī-Versen soll man es mit hersagen [?],

tasya yājyānuvākye syātām

und Einladungs- und Opferstrophe sollen daraus (genommen) sein.

agastyo vai marudbhyaś śatam ukṣṇaḥ pṛśnīn praukṣat

Agastya besprengte [weihte] den Maruts hundert gescheckte Stiere.

tān indrāyālabhata

Diese nahm er [dann] für Indra zur Opferung.

taṃ marutaḥ kruddhā vajram udyatyābhyapatan

Da fielen die Maruts zornig, den Donnerkeil erhoben, über ihn her.