Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 10

Anuvāka 1 Opferregeln für Āgnāvaiṣṇava-, Sārasvata- und Bārhaspatya-Spenden gegen Feinde, beim Tieropfer, im Kampf, für das Augenlicht und bei der Soma-Feier samt Sādhvarakalpā-Opfer.

āgnāvaiṣṇavam ekādaśakapālaṃ nirvapet sārasvataṃ caruṃ bārhaspatyaṃ carum abhicaran vābhicaryamāṇo vā

Dem Agni-Viṣṇu soll man einen Kuchen auf elf Scherben darbringen, dem Sarasvatī-Gott einen Brei, dem Bṛhaspati einen Brei – wer einen Schadenzauber ausübt oder wem ein Schadenzauber angetan wird,

agnir vai sarvā devatā viṣṇur yajño vāk sarasvatī brahma bṛhaspatis

denn Agni ist alle Götter, Viṣṇu das Opfer, Sarasvatī die Rede, Bṛhaspati das heilige Wort (Brahman).

agninaivāsya devatābhir devatāḥ praticarati viṣṇunā yajñena yajñam̐ sarasvatyā vācā vācaṃ bṛhaspatinā brahmaṇā brahma

Durch Agni begegnet er dessen Göttern mit Göttern, durch Viṣṇu, das Opfer, dem Opfer, durch Sarasvatī, die Rede, der Rede, durch Bṛhaspati, das heilige Wort, dem heiligen Wort.

samam eva kṛtvā yat kiṃca tataḥ karoti tenātiprayuṅkte

Nachdem er (die Kräfte) gleichgemacht hat, setzt er mit dem, was er danach tut, darüber hinaus an (und übertrifft ihn).

etām eva nirvaped abhicaran

Eben diese (Spende) soll man darbringen, wenn man einen Schadenzauber ausübt.

agnir vai sarvā devatā viṣṇur yajño vāk sarasvatī brahma bṛhaspatis

Denn Agni ist alle Götter, Viṣṇu das Opfer, Sarasvatī die Rede, Bṛhaspati das heilige Wort.

agninaivainaṃ devatābhir abhiprayuṅkte viṣṇunā yajñena sarasvatyā vācā bṛhaspatinā brahmaṇā

Durch Agni greift er ihn mit den Göttern an, durch Viṣṇu, das Opfer, durch Sarasvatī, die Rede, durch Bṛhaspati, das heilige Wort.

stṛṇuta enam

Er streckt ihn nieder. [Anm.: Wortlaut knapp; „stṛṇuta“ vermutlich 3. Sg. Med. „er breitet hin, wirft nieder“, Lesung unsicher] [?]

āgnāvaiṣṇavam ekādaśakapālaṃ nirvapet paśum ālapsyamānas

Einen Kuchen auf elf Scherben für Agni-Viṣṇu soll man darbringen, wenn man ein Opfertier zu berühren (zu opfern) im Begriff ist.

vyṛddhena vā eṣa paśunā carati yo devatāś ca yajñaṃ cānavarudhya paśum ālabhate

Denn mit einem missglückten Opfertier verfährt der, der ein Opfertier tötet, ohne die Götter und das Opfer zu gewinnen.

agnir vai sarvā devatā viṣṇur yajñas

Agni ist ja alle Götter, Viṣṇu das Opfer;

devatāś caiva yajñaṃ cāvarudhya paśum ālabhate

nachdem er die Götter und das Opfer gewonnen hat, tötet er das Opfertier.

āgnāvaiṣṇavam ekādaśakapālaṃ nirvapet saṃgrāme

Einen Kuchen auf elf Scherben für Agni-Viṣṇu soll man darbringen im Kampf.

agnir vai sarvā devatā viṣṇur yajñas

Agni ist ja alle Götter, Viṣṇu das Opfer;

devatābhiś caivainaṃ yajñena ca jayati

mit den Göttern und mit dem Opfer besiegt er ihn.

yadi manyeta prati purastāc carantīti dve anuvākye kuryād ekāṃ yājyām

Wenn er meint: „Sie treten mir von vorn entgegen“, soll er zwei Anuvākyā-Verse und ein Yājyā-Verse machen. [Anm.: Anuvākyā = Einladungsvers, Yājyā = Opferspruch beim Darbringen]

samam eva dvābhyāṃ karoty aty ekayā prayuṅkte

Mit zweien macht er es (dem Gegner) gleich, mit einer geht er darüber hinaus.

āgnāvaiṣṇavaṃ ghṛte caruṃ nirvaped abhicaryamāṇas

Einen Brei für Agni-Viṣṇu in Schmalz soll man darbringen, wenn man mit Schadenzauber angegriffen wird.

agnir vai sarvā devatā viṣṇur yajñas

Agni ist ja alle Götter, Viṣṇu das Opfer;

devatāś caiva yajñaṃ ca madhyataḥ praviśati ‖

in die Götter und in das Opfer tritt er mitten hinein.

mithunaṃ vā etad yad ghṛtaṃ ca taṇḍulāś ca

Ein Paar ist dies nämlich: das Schmalz und die Reiskörner.

dhenvā ghṛtaṃ payo 'naḍuhas taṇḍulās

Von der Kuh kommt das Schmalz, vom Stier die Milch (?), die Reiskörner [Anm.: Text wörtlich: „von der Kuh das Schmalz, Milch vom Stier, Körner“; als Paarsymbolik gedeutet] [?]

mithunenaivātmānam abhitaḥ paryūhate 'stṛtyai

Mit dem Paar umgibt er sich selbst von beiden Seiten, damit er nicht niedergestreckt werde.

āgnāvaiṣṇavaṃ ghṛte caruṃ nirvapec cakṣuṣkāmas

Einen Brei für Agni-Viṣṇu in Schmalz soll darbringen, wer das Augenlicht wünscht.

agner vai manuṣyāś cakṣuṣā paśyanti viṣṇor devatās

Durch das Auge Agnis sehen die Menschen, durch das Viṣṇus die Götter.

tau cakṣuṣaḥ pradātārau

Diese beiden sind die Geber des Augenlichts.

tā eva bhāgadheyenopadhāvati

Eben sie beide geht er mit ihrem Anteil (bhāgadheya) an.

tā asmai cakṣuḥ prayacchatas

Sie beide geben ihm das Augenlicht.

mithunaṃ vā etad yad ghṛtaṃ ca taṇḍulāś ca

Ein Paar ist dies nämlich: das Schmalz und die Reiskörner.

dhenvā ghṛtaṃ payo 'naḍuhas taṇḍulās

Von der Kuh das Schmalz, vom Stier die Milch (?), die Reiskörner. [?]

mithunenaivāsmai mithunaṃ janayati

Durch ein Paar erzeugt er ihm ein Paar.

tejo vai ghṛtaṃ tejaś cakṣus

Glanz (tejas) ist das Schmalz, Glanz das Auge.

tejasaivāsmim̐s tejo dadhāti

Mit Glanz legt er Glanz in ihn.

āgnāvaiṣṇavam aṣṭākapālaṃ nirvapet prātas sārasvataṃ caruṃ bārhaspatyaṃ carum āgnāvaiṣṇavam ekādaśakapālaṃ madhyaṃdina etau ca carū āgnāvauṣṇavaṃ dvādaśakapālam aparāhṇa etau ca carū yasya bhrātṛvyas somena yajeta

Am Morgen soll man einen Kuchen auf acht Scherben für Agni-Viṣṇu darbringen, einen Brei für Sarasvatī, einen Brei für Bṛhaspati; am Mittag einen Kuchen auf elf Scherben für Agni-Viṣṇu und diese beiden Breie; am Nachmittag einen Kuchen auf zwölf Scherben für Agni-Viṣṇu und diese beiden Breie – (für den,) dessen Neider mit Soma opfert.

agnir vai sarvā devatā viṣṇur yajño vāk sarasvatī brahma bṛhaspatis

Agni ist ja alle Götter, Viṣṇu das Opfer, Sarasvatī die Rede, Bṛhaspati das heilige Wort.

agninaivāsya devatābhir devatā āpnoti viṣṇunā yajñena yajñam̐ sarasvatyā vācā vācaṃ bṛhaspatinā brahmaṇā brahma puroḍāśais savanāni kapālaiś chandām̐si

Durch Agni erlangt er dessen Götter mit Göttern, durch Viṣṇu, das Opfer, das Opfer, durch Sarasvatī, die Rede, die Rede, durch Bṛhaspati, das heilige Wort, das heilige Wort; mit den Opferkuchen die Presstage-Feiern (savana), mit den Scherben die Metren.

saiṣādhvarakalpā nāmeṣṭis

Dies ist die Opferspende namens Adhvarakalpā.

tatra yat kiṃca dadāti tad dakṣiṇā

Was er dabei irgend gibt, das ist der Opferlohn (dakṣiṇā).

maitrāvaruṇam ekakapālam anunirvapati

Einen Kuchen auf einer Scherbe für Mitra-Varuṇa bringt er hinterher dar.

yaivāsau maitrāvaruṇī vaśānūbandhyā tām eva tenāpnoti

Die (Opfer-)Kuh für Mitra-Varuṇa, die unfruchtbare Anūbandhyā-Kuh, eben die erlangt er damit.

na vai puruṣaṃ kapālair āptum arhati

Man kann nämlich den Menschen nicht mit (mehreren) Scherben erlangen,

ekadhaivainam āpnoti ‖

sondern nur als Einheit erlangt man ihn.