Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 11

Anuvāka 10 Die Karīra-Opfergabe (kārīrī iṣṭi) um Regen: Ritual, Deutung der Zutaten, Götter des Regens und Vorschriften.

kṛṣṇājinaṃ bhavati madhu karīrāṇi śyāvasyāśvasya dāma

Es gibt ein Fell der schwarzen Antilope, Honig, Karīra-Früchte [Anm.: Früchte des Karīra-Strauchs, Capparis decidua] und ein Band vom rotbraunen Pferd –

tāni pūrvasyāgner ante nidhāya kṛṣṇaṃ vāso yajamānaṃ paridhāpayitvānvārambhayitvaitāni juhoti

diese legt er am Ende des vorderen Feuers nieder, lässt den Opferherrn ein schwarzes Gewand anlegen, lässt ihn sich [an ihm] festhalten und opfert diese [Gaben].

vātanāmāni vā etāni

Das sind nämlich Windnamen [?].

eṣa vai varṣasyeśe

Dieser [Wind] gebietet nämlich über den Regen.

yadā hy eṣa āpyāyayati yadā samīrayati yadā pradāpayaty atha varṣati

Denn wenn dieser [die Wolken] anschwellen lässt, wenn er sie in Bewegung setzt, wenn er sie [das Wasser] hergeben lässt, dann regnet es.

tam eva bhāgadheyenopadhāvati

Ihn eben geht er mit dem Anteil an.

so 'smai prīto vṛṣṭiṃ ninayati

Erfreut lässt er ihm Regen herabströmen.

aṣṭā etāni juhoti

Acht [Spenden] opfert er hiervon.

catasro diśaś catasra upadiśās

Vier sind die Himmelsrichtungen, vier die Zwischenrichtungen –

yathādiśam eva digbhyo vṛṣṭim̐ saṃpracyāvayati

je nach der Richtung lässt er also den Regen aus den Himmelsrichtungen herabfallen.

kṛṣṇājine saṃyauti

Auf dem Antilopenfell vermischt er [sie].

havir eva karoti

Er macht sie eben zur Opferspeise (havis).

apāṃ vā eṣa oṣadhīnāṃ raso yan madhu

Der Saft der Wasser und der Pflanzen ist nämlich dieser, der Honig.

adbhya eṣa oṣadhibhyo varṣati

Aus den Wassern und für die Pflanzen regnet dieser [Gott].

yarhi varṣaty adbhya evauṣadhibhyo vṛṣṭiṃ ninayati ‖

Wenn er regnet, lässt er aus den Wassern eben, für die Pflanzen, den Regen herabströmen.

māndā vaśā iti

„Ihr Erfreuenden, ihr Willigen“ –

etāni vā apāṃ nāmadheyāni

das sind nämlich Namen der Wasser.

yathāda āhāsā ehy asā ehīty evam evainā etan nāmagrāhaṃ divaś cyāvayati

Wie man [einen] ruft: „Komm, du da, komm, du da!“, so lässt er diese hier mit Namensnennung vom Himmel herabkommen.

na vā anyayety āhus saumyā āhutyā divo vṛṣṭiṃ cyāvayitum arhatīti

„Nicht mit einer anderen [Spende]“, sagen sie, „vermag man mit einer Soma-Spende Regen vom Himmel herabzubringen.“ [?]

yatīn vai sālāvṛkeyā ādan

Die Wölfe [Sālāvṛkeya] fraßen einst Asketen (yati).

teṣām̐ śīrṣāṇi parāpatan

Deren Köpfe fielen fort.

te kharjūrā abhavan

Sie wurden zu Dattelpalmen.

yas somapīthas sa ūrdhvo 'patat

Was der Somatrunk [in ihnen] war, das flog nach oben.

tāni karīrāṇi

Das sind die Karīra-Früchte.

yat karīrāṇi bhavanti

Dass es Karīra-Früchte gibt –

saumyaivāhutyā divo vṛṣṭiṃ ninayati

so bringt er eben mit einer Soma-Spende den Regen vom Himmel herab.

tasmāt karīrāṇi na striyai dadyāt

Darum soll man Karīra-Früchte nicht einer Frau geben,

asomapītha iva hy eṣa

denn dieser ist gleichsam ohne Somatrunk.

vṛṣṇas saṃdānam asi vṛṣṭyai tvopanahyāmīti

„Des Bullen Fessel bist du; für den Regen binde ich dich an“ –

vṛṣā hy aśvo vṛṣā parjanyas

denn ein Bulle ist das Pferd, ein Bulle ist Parjanya –

śyāvasyāśvasya dāma bhavati

Es gibt ein Band vom rotbraunen Pferd;

śyāva iva hy eṣa varṣiṣyan bhavati ‖

denn dieser [Himmel] wird gleichsam rotbraun, wenn er regnen will.

devā vasavyā devāś śarmaṇyā devās sapītaya iti

„Götter, den Gütern Zugehörige, Götter, Schutzbringende, Götter, Mittrinkende“ –

etā vai devatā varṣasyeśate

diese Gottheiten gebieten nämlich über den Regen.

tābhir evāsmā anvahaṃ vṛṣṭim icchati

Durch sie erstrebt er ihm täglich Regen.

kṛṣṇājina upanahyati

Er bindet [es] am Antilopenfell an.

ṛksāmayor vā etad rūpaṃ yat kṛṣṇājinam

Das Antilopenfell ist nämlich die Gestalt von Vers (ṛc) und Sāman.

ṛksāmābhyām evāsmai vṛṣṭim icchati

Durch Vers und Sāman erstrebt er ihm eben Regen.

yadi varṣet tadaiveṣṭiṃ nirvapet

Wenn es regnet, soll er sogleich die Opfergabe darbringen [Anm.: nirvap = die Opfermasse ausstreuen/darbringen];

yadi na varṣet tathaiva vaseyur

wenn es nicht regnet, sollen sie ebenso [in Enthaltsamkeit, d. h. ohne zu opfern] verweilen [?].

ahorātre vai mitrāvaruṇau

Tag und Nacht sind nämlich Mitra und Varuṇa;

ahorātre parjanyo 'nuvarṣati

Tag und Nacht hindurch lässt Parjanya regnen.

naktaṃ vā hi divā vā varṣati

Denn nachts oder bei Tage regnet es.

etau varṣasyeśāte

Diese beiden gebieten über den Regen.

tā eva bhāgadheyenopadhāvati

Diese eben geht er mit dem Anteil an.

tā asmai prītau vṛṣṭiṃ ninayatas

Erfreut lassen die beiden ihm Regen herabströmen.

agnaye dhāmacchade śvo 'ṣṭākapālaṃ nirvapen mārutaṃ carum̐ sauryam ekakapālam

Für Agni Dhāmacchad soll er morgen einen Kuchen auf acht Scherben darbringen, für die Maruts einen Reisbrei (caru), für Sūrya einen Kuchen auf einer Scherbe.

agnir vā ito vṛṣṭim udīrayati

Agni nämlich lässt von hier den Regen aufsteigen;

dhāmacchad iva bhūtvā varṣati

gleichsam zum Dhāmacchad [„Hüllen der Stätten“, Wolkendecke?] geworden, regnet es.

marutas sṛṣṭāṃ vṛṣṭiṃ nayanti ‖

Die Maruts führen den entsandten Regen heran.

yadāsā ādityo 'rvāṅ raśmibhiḥ paryāvartate 'tha varṣati

Wenn jener Āditya sich mit seinen Strahlen hierher herumwendet, dann regnet es.

etā vai devatā varṣasyeśate

Diese Gottheiten gebieten nämlich über den Regen.

tā eva bhāgadheyenopadhāvati

Diese eben geht er mit dem Anteil an.

tā asmai prītā vṛṣṭiṃ ninayanti

Erfreut lassen sie ihm Regen herabströmen.

apy avarṣiṣyan varṣaty eva ṣaḍ etāni havīm̐ṣi

Auch wenn es nicht hätte regnen wollen, regnet es doch: sechs sind diese Opferspeisen.

ṣaḍ vā ṛtavas

Sechs sind nämlich die Jahreszeiten;

ṛtubhya eva vṛṣṭim̐ saṃpracyāvayati

aus den Jahreszeiten eben lässt er den Regen herabfallen.

saṃvatsarād eva tena vṛṣṭiṃ cyāvayati

damit lässt er aus dem Jahr eben den Regen herabkommen.

athaitā mārutīś catasraḥ pitryās tāsāṃ tisṛbhiḥ pracaranti ny ekāṃ dadhaty ṛco 'nuvākyā yajūm̐ṣi yājyās

Dann [folgen] diese vier Marut-Spenden für die Väter (pitṛ); mit dreien von ihnen vollziehen sie das Opfer, eine legen sie beiseite [?]; Verse sind die Einladungssprüche (anuvākyā), Opfersprüche die Opfersprüche (yājyā) [Anm.: anuvākyā = Spruch zur Einladung der Gottheit, yājyā = Spruch beim Darbringen].

maruto vai varṣasyeśate

Die Maruts gebieten nämlich über den Regen;

tebhya eva bhūyo bhāgadheyaṃ karoti

ihnen eben macht er einen reichlicheren Anteil.

yā caturthī tām̐ sam̐sthite 'psu juhoti sṛjā vṛṣṭiṃ diva ādbhis samudraṃ pṛṇeti

Die vierte aber opfert er, wenn das Opfer beendet ist, in die Wasser [mit den Worten]: „Entsende den Regen vom Himmel, fülle mit den Wassern das Meer!“

ābhir evāmūr acchaity atho imāś caivāmūś ca sam̐sṛjati

Mit diesen [hiesigen Wassern] gelangt er eben zu jenen [dortigen]; und zugleich vereint er diese und jene.

ye devā divibhāgā iti kṛṣṇājinam avadhūnoti

„Ihr Götter, die ihr am Himmel euren Anteil habt“ – [mit diesen Worten] schüttelt er das Antilopenfell ab.

diśaś caiva devatāś ca tarpayati

Die Himmelsrichtungen und die Gottheiten sättigt er damit.

atho ima evāsya lokā abhīṣṭāḥ prītā bhavanti

Und zugleich werden ihm diese Welten zugetan und erfreut.

saiṣā kārīrī nāmeṣṭis

Dies ist die Opfergabe namens Kārīrī [Anm.: nach den Karīra-Früchten benannt].

saṃvatsaraṃ karīrāṇāṃ nāśnīyād ya etayā yajetātho yo 'nubruvīta

Ein Jahr lang soll er keine Karīra-Früchte essen, wer hiermit opfert, und auch der, der [den Opferspruch] nachspricht [?].

tad asyā vratam ‖

Das ist dessen Gelübde (vrata) bei ihr.