Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 11

Anuvāka 8 Erklärung des Opfers für Lebensdauer (für Kranke) und Deutung der Sprüche des vorhergehenden Anuvākas.

āgnāvaiṣṇavam ekādaśakapālaṃ nirvapet sārasvataṃ caruṃ bārhaspatyaṃ caruṃ pūrvedyur etayā yakṣyamāṇas

Einen Kuchen auf elf Schalen für Agni und Viṣṇu, einen Reisbrei für Sarasvatī, einen Reisbrei für Bṛhaspati soll er am Vortag darbringen, wenn er mit dieser [Iṣṭi] opfern will.

agnir vai sarvā devatā viṣṇur yajño vāk sarasvatī brahma bṛhaspatis

Agni ist nämlich alle Gottheiten, Viṣṇu das Opfer, Sarasvatī die Rede, Bṛhaspati das heilige Wort.

etā eva devatāḥ pūrvedyur gṛhṇāti

Diese Gottheiten eben ergreift er am Vortag.

prāṇā vai devatāḥ

Die Lebenshauche sind nämlich die Gottheiten;

prāṇān eva gṛhītvopavasati

Die Lebenshauche eben ergreifend, hält er den Fasttag.

āgneyam aṣṭākapālam̐ śvo nirvapet saumyaṃ carum adityai caruṃ vāruṇaṃ yavamayaṃ carum agnaye vaiśvānarāya dvādaśakapālam āmayāvī

Am nächsten Tag soll der Kranke einen Kuchen auf acht Schalen für Agni, einen Reisbrei für Soma, einen Reisbrei für Aditi, einen Gerstenbrei für Varuṇa, [und] einen Kuchen auf zwölf Schalen für Agni Vaiśvānara darbringen.

agniṃ vai puruṣasya pramītasya mām̐sāni gacchanti

Zu Agni gehen nämlich des gestorbenen Menschen Fleischteile,

etā vai devatāḥ puruṣasyeśate

Diese Gottheiten verfügen nämlich über den Menschen;

tābhya evainam adhi samīrayati ‖

von ihnen aus eben bringt er ihn wieder in Gang [d.h. zurück ins Leben].

saumyo vai jīvann āgneyaḥ pramītas

Zu Soma gehört nämlich der Lebende, zu Agni der Gestorbene.

naiṣa jīvo na mṛto ya āmayavī

Weder lebendig noch tot ist dieser, der krank ist.

tayor evainaṃ bhāgadheyena niṣkrīṇāti

Mit dem Anteil an diese beiden eben kauft er ihn los.

varuṇagṛhīta eṣa ya āmayāvī

Von Varuṇa ergriffen ist dieser, der krank ist.

yad vāruṇas

Dass [ein Brei] für Varuṇa [ist]:

varuṇād evainaṃ muñcati

von Varuṇa eben löst er ihn.

saṃvatsaro vā agnir vaiśvānara āyus saṃvatsaras

Agni Vaiśvānara ist nämlich das Jahr; Lebensdauer ist das Jahr;

saṃvatsara evainam āyuṣi pratiṣṭhāpayati

im Jahr eben stellt er ihn in der Lebensdauer fest.

pañcaitāni havīm̐ṣi

Fünf sind diese Opfergaben;

agner āyur asīti hiraṇyaṃ ghṛte 'vadadhāti

Mit „Du bist das Leben Agnis“ legt er das Goldstück in die Schmelzbutter.

agnijā vai hiraṇyaṃ manuṣyā agner āyuṣkṛtas

Das Gold ist nämlich aus Agni geboren; die Menschen sind Agnis Lebensdauer-Schaffende.

tair evāsmā āyur dadhāti

Mit diesen eben legt er ihm Lebensdauer ein.

indrasya prāṇa iti

„Indras Lebenshauch“ [spricht er].

etaddevatyā vai prāṇās

Diesen Gottheiten gehören nämlich die Lebenshauche;

etaddevatyā diśas

Diesen Gottheiten gehören die Himmelsrichtungen;

yathādevatam evainaṃ digbhyo 'dhi samīrayati

je nach der Gottheit eben bringt er ihn aus den Himmelsrichtungen wieder in Gang.

puruṣam eva spṛṇoti ‖

den Menschen eben erfüllt er.

sarva ṛtvijaḥ paryāhus

Alle Priester sollen [den Kranken] umgeben [?] [Anm.: paryāhus = ringsum berühren/umsprechen, unsicher].

sarva evāsmā ṛtvijaś cikitsanti

Alle Priester eben heilen ihn.

brahmaṇo hastam anu paryāhus

Sie sollen der Hand des Brahman-Priesters folgend [ihn] umgeben.

brahma vai brahmā

Das heilige Wort ist nämlich der Brahman-Priester;

brahmaṇaivāsminn ekadhāyur dadhati

mit dem Brahman-Priester eben legen sie in ihn einheitlich Lebensdauer.

ghṛtasyaivaitaj janma bandhutāṃ vīryaṃ vyācaṣṭe

er verkündet damit eben die Geburt, die Verwandtschaft und die Kraft der Schmelzbutter.

pāvamānena tvā stomeneti

„Mit dem Pāvamāna-Stoma dich“ –

etāvad vāvāsti yāvad grahās stomāś chandām̐si

So viel ist eben vorhanden: die Schöpfbecher (graha), die Stoma[-Formen], die Versmaße.

yāvad evāsti tāvatāsmai cikitsati

So viel eben da ist, damit heilt er ihn.

uddharāmy utsṛjāmy unnayatv iti{FN emended. Ed.: unnayāmīti.

„Ich hebe empor, ich entlasse, [Savitṛ] soll emporführen“ –{FN emended. Ed.: unnayāmīti.

yathā vadhyam uddharaty utsṛjaty unnayaty evam evainam etad uddharaty utsṛjaty unnayati

Wie man einen zu Tötenden herausholt, freilässt, herausführt, so holt er ihn eben damit heraus, lässt ihn frei, führt ihn heraus.

devā āyuṣmanta iti prayacchati

Mit „Die Götter sind langlebig“ gibt er [den Trank] dar.

ete vai devā āyuṣmantas

Diese sind nämlich die langlebigen Götter;

tair evāsmā āyuḥ prayacchati

mit diesen eben gibt er ihm Lebensdauer.

āyur eva tat pibati

Lebensdauer eben trinkt er damit.

yad eva tasya tan nir iva dhayed dhiraṇyād ghṛtam

Was von ihm [dem Trank] man gleichsam heraussaugen könnte: die Schmelzbutter aus dem Gold [?].

tejo vai hiraṇyam āyur ghṛtam

Glanz ist nämlich das Gold, Lebensdauer die Schmelzbutter;

tejasa evādhy āyur ātman dhatte

aus dem Glanz eben setzt er Lebensdauer in sich selbst ein.

imam agna āyuṣe varcase kṛdhīti hiraṇyam ābadhnāti

Mit „Diesen, Agni, mache für Lebensdauer und Glanz [tauglich]“ bindet er das Goldstück an.

agnir vai sarvā devatās

Agni ist nämlich alle Gottheiten;

sarvābhir evāsmai devatābhir ābadhnāti

mit allen Gottheiten eben bindet er es ihm an.

tigmam ojo varuṇa sam̐śiśādhīti

„Varuṇa, schärfe [ihm] scharfe Kraft“ –

mātevāsmā adite śarma yaccheti

„Wie eine Mutter, Aditi, gib ihm Schutz“ –

asyām evainaṃ pratiṣṭhāpayati

auf ihr eben stellt er ihn fest.

viśve devā jaradaṣṭir yathāsad iti

„Ihr Allgötter, [sorgt,] dass er das Greisenalter erreiche“ –

jarāmṛtyum evainaṃ karoti

er macht ihn eben zu einem, der im Alter stirbt.

aśvinoḥ prāṇo mitrāvaruṇayor bṛhaspater iti

„Der Lebenshauch der Aśvin, von Mitra und Varuṇa, Bṛhaspatis“ –

etaddevatyā vai prāṇās

Diesen Gottheiten gehören nämlich die Lebenshauche;

tān asminn adhi viyātayati

Diese vertheilt er in ihm [?].

tān asmād anapagān karoti ‖

Diese macht er von ihm nicht mehr wegzugehend.