Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 11
Anuvāka 5
Iṣṭi für Soma und Rudra gegen Finsternis, für Brahmaglanz, Vieh, Abwehr von Feinden, Genesung und Nachkommenschaft.
saumāraudraṃ caruṃ nirvapec chuklānāṃ vrīhīṇām̐ śvetāyāś śvetavatsāyā ājyaṃ mathitam̐ syāt tasmin brahmavarcasakāmas
Einen Reisbrei für Soma und Rudra soll darbringen, wer Brahmaglanz wünscht, aus weißem Reis; die Schmelzbutter [dafür] soll von einer weißen Kuh mit weißem Kalb, [zu Butter] gerührt sein.
svarbhānur vā āsuras sūryaṃ tamasāvidhyat
Svarbhānu, der Asura, durchbohrte nämlich die Sonne mit Finsternis.
sa na vyarocata
Sie leuchtete nicht.
tasmai devāḥ prāyaścittim aicchan
Für sie suchten die Götter eine Sühne.
tam etayeṣṭyāyājayan
Sie ließen sie mit dieser Iṣṭi opfern.
tayāsmāt tamo 'pāghnan
Damit schlugen sie die Finsternis von ihr weg.
tamasaiṣa prāvṛto yo 'laṃ brahmavarcasāya san na brahmavarcasī bhavati
Mit Finsternis umhüllt ist der, der zum Brahmaglanz fähig ist und doch nicht brahmaglänzend wird.
tama evāsmād apahanti
Die Finsternis eben schlägt er von ihm weg;
brahmavarcasenainam̐ sam̐sṛjati
mit Brahmaglanz versieht er ihn.
śvetāyāś śvetavatsāyā ājyaṃ bhavati śuklā vrīhayas
Die Schmelzbutter stammt von einer weißen Kuh mit weißem Kalb, weiß ist der Reis;
evam iva vai brahmavarcasam
so nämlich [ist] gleichsam der Brahmaglanz.
brahmavarcasam eva saṃdadhāti ‖
Brahmaglanz eben fügt er [ihm] ein.
ghṛtena prokṣanti
Mit Schmelzbutter besprengen sie;
ghṛtena mārjayante
mit Schmelzbutter reinigen sie.
aśāntyai
Wegen der Nicht-Beruhigung [?].
śāntir hy āpas
Denn Beruhigung sind die Wasser;
apy asya tāṃ rātrīm apo gṛhān nāvahareyuḥ
nicht einmal sollen sie in jener Nacht Wasser aus seinem Haus wegbringen.
pariśrite yajeta
In einem umzäunten [Raum] soll er opfern,
brahmavarcasasya parigṛhītyai
zum Umfassen des Brahmaglanzes.
prādeśamātraś carur ūrdhvo bhavaty evaṃ tiryaṅ
Der Reisbrei ist eine Spanne (prādeśa) hoch, ebenso in die Quere.
etāvān vai puruṣas
So groß ist nämlich der Mensch,
yāvad asya prāṇā abhi yāvān evāsyātmā tasmāt tamo 'pahanti
soweit seine Lebenshauche reichen; so groß eben ist sein Selbst; davon schlägt er die Finsternis weg.
sākaṃ raśmibhiḥ pracaranti
Zugleich mit den Strahlen führen sie [das Opfer] aus.
asā evāsmād āditya udyam̐s tamo 'pahanti
Jene Sonne, die aufgeht, schlägt von ihm die Finsternis weg.
tiṣyāpūrṇamāse yajeta
Bei Vollmond im [Mondhaus] Tiṣya soll er opfern.
tiṣyo vai rudraś candramās somas
Tiṣya ist nämlich Rudra, der Mond ist Soma.
saumīr ataḥ prācīnam oṣadhayo raudrīḥ pratīcīnam
Zu Soma gehören von da an nach vorn [d.h. zunehmend] die Kräuter, zu Rudra nach hinten [d.h. abnehmend].
śuṣyanti prācīnam
Sie welken nach vorn,
śuṣyanti pratīcīnam
sie welken nach hinten [?].
pratyakṣam evainā ṛdhnoti
Sichtbar eben lässt er sie gedeihen.
īśvaro duścarmā bhavitor ya etayā yajate
Wer mit dieser opfert, der könnte hautkrank (duścarman) werden.
atīva hy asmād apahanti
Denn er schlägt sehr viel von ihm weg [?].
manor ṛcas sāmidhenīṣv apy anubrūyāt
Auch Verse Manus soll er unter die Sāmidhenī-Verse [nach]sprechen.
manur vai yat kiṃcāvadat tad bheṣajam āsīt
Was Manu nämlich auch sprach, das war Heilmittel.
bheṣajam evāsmai karoti
Ein Heilmittel eben macht er ihm.
upakṣaranti sindhavo mayobhuva iti nārāśam̐syā paridadhāti
„Es strömen herzu die wohltuenden Flüsse“ – [mit diesem Vers] schließt er mit einer Nārāśaṃsī ab.
śāntyai
Zur Beruhigung.
ṣaṭpadā bhavati
Sechsfüßig ist sie;
ṣaḍ vā ṛtavas
sechs nämlich sind die Jahreszeiten;
ṛtuṣv eva pratitiṣṭhati
in den Jahreszeiten eben fasst er Fuß.
īśvaras tu tad ati duścarmaiva bhavitos
Doch könnte er darüber hinaus eben hautkrank werden;
tejām̐si hy eṣa pratyārohann eti
denn dieser geht [dann] die Glanzkräfte zurück-besteigend einher [?].
saumāpauṣṇaṃ caruṃ paśukāmo 'nunirvapet
Einen Reisbrei für Soma und Pūṣan soll danach darbringen, wer Vieh wünscht.
somo vai brāhmaṇasya svā devatā
Soma ist nämlich die eigene Gottheit des Brāhmaṇa.
paśavaḥ pūṣā
Das Vieh ist Pūṣan.
svām eva devatāṃ paśubhir bam̐hayate
Seine eigene Gottheit macht er durch Vieh stark.
tvacam eva kurute
Die Haut eben schafft er [sich, d.h. heilt sie].
saumāraudraṃ caruṃ nirvapet kṛṣṇānāṃ vrīhīṇām abhicaran
Einen Reisbrei für Soma und Rudra aus schwarzem Reis soll darbringen, wer [einen anderen] verzaubert (abhicaran).
somo vā āsāṃ prajānām adhipatī rudro 'gnir adhipatir vadhyasya cāvadhyasya ceśe
Soma und Rudra-Agni sind nämlich die Oberherren dieser Geschöpfe; er [Rudra] gebietet über den zu Tötenden und den nicht zu Tötenden.
adhipatim evainaṃ niryācya rudrāyāpidadhāti
Den Oberherrn eben ... bittet er hinweg und liefert ihn an Rudra aus [?].
kṛṣṇānāṃ vrīhīṇāṃ bhavati
Aus schwarzem Reis ist [der Brei].
kṛṣṇam iva vai tamas tamo mṛtyur
Schwarz gleichsam ist Finsternis, Finsternis ist der Tod;
mṛtyunaivainaṃ grāhayati
mit dem Tod eben lässt er ihn ergreifen.
śaramayaṃ barhis
Aus Śara-Rohr ist das Barhis,
śīrtyai
zum Zerbrechen;
vaibhītaka idhmas
vom Vibhītaka-Baum das Brennholz,
vibhittyai
zum Zerspalten.
saumāraudraṃ caruṃ nirvaped bhrātṛvyatāyai vā dvitīyatāyai vā
Einen Reisbrei für Soma und Rudra soll er darbringen zur Feindschaft [d.h. gegen den Rivalen] oder zur Zweiheit [d.h. um einen Gefährten zu gewinnen] [?].
tasyārdhamardham̐ sarvam̐ syād ardham̐ śuklānāṃ vrīhīṇām̐ syād ardhaṃ kṛṣṇānām ardham̐ śaramayaṃ barhiṣo 'rdhaṃ darbhamayam ardhaṃ vaibhītakam idhmasyārdham anyasya vṛkṣasya
Alles dazu soll je zur Hälfte sein: halb von weißem Reis, halb von schwarzem; halb aus Śara-Rohr das Barhis, halb aus Darbha-Gras; halb vom Vibhītaka das Brennholz, halb von einem anderen Baum.
somo vai brāhmaṇasya svā devatā
Soma ist nämlich die eigene Gottheit des Brāhmaṇa.
svāyām evāsmai devatāyāṃ dvitīyaṃ janayati
In seiner eigenen Gottheit eben erzeugt er ihm einen Zweiten [Gefährten].
yad ardhamardham
Dass [es] je zur Hälfte [ist],
dvitīyatvāyaiva tat
das dient eben der Zweiheit.
saumāraudraṃ caruṃ nirvapet payasy āmayāvinas
Einen Reisbrei für Soma und Rudra soll er in Milch für einen Kranken darbringen.
saumyo vai jīvann āgneyaḥ pramītas
Zu Soma gehört nämlich der Lebende, zu Agni der Gestorbene.
naiṣa jīvo na mṛto ya āmayāvī
Weder lebendig noch tot ist dieser, der krank ist.
tayor evainaṃ bhāgadheyena niṣkrīṇāti ‖
Mit dem Anteil an diese beiden eben kauft er ihn los.
payasi bhavati
In Milch ist [der Brei].
payo vai payaḥ
Milch nämlich ist Saft (Kraft) [Anm.: Wortspiel payas = Milch/Saft];
payaḥ puruṣaḥ
Saft ist der Mensch.
paya etasyāmayati yasyāmayati
Den Saft dessen schädigt es, den es schädigt [d.h. den Kranken].
payasaivāsya payas spṛṇoti
Mit Milch eben erfüllt er seinen Saft.
grasitaṃ vā eṣa etam̐ somārudrayor niṣkhidati yo hotā bhavati
Wer Hotṛ wird, der raubt diesen [Kranken] den von Soma und Rudra Ergriffenen [?] [Anm.: Stelle unklar] [?].
sa īśvaraḥ prametos
Er könnte sterben.
anaḍvāhaṃ tasmai dadyāt
Einen Zugstier soll er ihm geben,
tam̐ hanyāt
den soll er [der Hotṛ] töten,
tasyāśnīyāt
und von ihm essen.
saiva tatra prāyaścittis
Das ist dort die Sühne.
saumāraudraṃ caruṃ nirvapet prajākāmo vā paśukāmo vā
Einen Reisbrei für Soma und Rudra soll darbringen, wer Nachkommen oder Vieh wünscht.
somo vai retodhā
Soma ist nämlich der Samenspender;
rudro 'gnis sa prajanayitā
Rudra-Agni ist der Erzeuger.
soma evāsmai reto dadhāti
Soma eben legt ihm Samen ein,
agniḥ prajanayati
Agni lässt [ihn] erzeugen.
vindate prajāṃ vā paśūn vā yatarasmai kāmāya nirvapati ‖
Er erlangt Nachkommen oder Vieh, je nach dem Wunsch, für den er darbringt.
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