Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 11

Anuvāka 3 Wie die Götter durch ein Opfer an Indras Haus einig wurden, und wie Soma durch das Vaiśvadeva-Opfer von der Schwindsucht befreit wurde.

devā vai na samajānata

Die Götter waren nämlich uneinig.

te caturdhā vyudakrāmann agnir vasubhis somo rudrair indro marudbhir varuṇa ādityais

Sie gingen in vier Gruppen auseinander: Agni mit den Vasu, Soma mit den Rudra, Indra mit den Marut, Varuṇa mit den Āditya.

tān bṛhaspatir abravīd yājayāni vas saṃ vai jñāsyadhva iti

Bṛhaspati sprach zu ihnen: „Ich will euch opfern lassen; dann werdet ihr einig werden.“

tava gṛhe yājayānītīndram abravīt tava vai śraiṣṭhyāya saṃjñāsyanta iti

„In deinem Haus will ich sie opfern lassen“, sagte er zu Indra, „denn zu deiner Vorrangstellung werden sie einig werden.“

so 'gnaye vasumate 'ṣṭākapālaṃ niravapat somāya rudravate carum indrāya marutvata ekādaśakapālaṃ varuṇāyādityavate carum

Er brachte dar: für Agni Vasumat einen Kuchen auf acht Schalen, für Soma Rudravat einen Reisbrei, für Indra Marutvat einen Kuchen auf elf Schalen, für Varuṇa Ādityavat einen Reisbrei.

tān indrasya gṛhe 'yājayat

Er ließ sie in Indras Haus opfern.

tato vai te samajānata

Darauf wurden sie wahrlich einig.

ta indrasyaiva śraiṣṭhyāya samajānata

Sie wurden einig zu Indras Vorrang.

sa triṣṭubhau yājyānuvākye akarot

Er machte die Opfer- und Einladungsverse zu Triṣṭubh-Versen.

triṣṭub vā indrasya svaṃ chanda ojo vīryaṃ triṣṭup

Die Triṣṭubh ist nämlich Indras eigenes Versmaß; Kraft und Manneskraft ist die Triṣṭubh.

svenaivāsmiñś chandasaujo vīryam adadhāt

Mit dem eigenen Versmaß eben legte er in ihn Kraft und Manneskraft.

tasmād indro devānām ojiṣṭhas

Daher ist Indra der kräftigste der Götter.

ye svā na saṃjānīram̐s tān etayā yājayed yaṃ kāmayetāyam̐ śreṣṭhas syād iti tasya gṛhe

Die Stammesgenossen, die nicht einig sind, soll er mit dieser [Iṣṭi] opfern lassen, [und zwar] im Haus dessen, von dem er wünscht: „Dieser soll der Vorderste sein.“

etā evainaṃ devatā bhāgadheyam abhi saṃjānānās saṃjñāpayanti

Diese Gottheiten, im Blick auf den Anteil einig geworden, bringen ihn [d.h. die Stammesgenossen] zur Einigkeit.

triṣṭubhau yājyānuvākye kuryāt

Triṣṭubh-Verse soll er als Opfer- und Einladungsverse nehmen.

ojo vai vīryaṃ triṣṭup

Kraft und Manneskraft ist nämlich die Triṣṭubh;

oja evaiṣu vīryaṃ dadhāti

Kraft und Manneskraft eben legt er in diese.

saṃvatī saṃyājye

Die Saṃyājya-Verse sind mit „sam“ [gebildet];

saiṣā saṃjñānī nāmeṣṭis

Dies ist die Iṣṭi namens „Saṃjñānī“ (Einigung).

prajāpatir vai somāya rājñe duhitṝr adadān nakṣatrāṇi

Prajāpati gab nämlich dem König Soma die Töchter, die Mondhäuser (nakṣatra).

sa rohiṇyām evāvasat

Er wohnte aber nur bei Rohiṇī.

tāny anupeyamānāni punar agacchan

Die [anderen], nicht [gleichmäßig] aufgesucht, gingen wieder zurück.

tasmāt stry anupeyamānā punar gacchati

Daher geht eine Frau, wenn sie nicht [gebührend] aufgesucht wird, wieder zurück.

tāny asmai na punar adadāt

[Prajāpati] gab sie ihm nicht wieder.

sarveṣv eva samāvad vasa

„Wohne bei allen gleichermaßen;

atha te punar dāsyāmīti

dann werde ich sie dir wieder geben.“

sa rohiṇyām evāvasat

Er wohnte aber nur bei Rohiṇī.

taṃ tasminn anṛte yakṣmo 'gṛhṇāt

Ihn ergriff wegen dieser Unwahrheit die Schwindsucht (yakṣma).

candramā vai somo rājā

Der Mond ist nämlich König Soma.

yad rājānaṃ yakṣmo 'gṛhṇāt tad rājayakṣmasya janma

Dass die Schwindsucht den König ergriff, das ist der Ursprung der „Königs-Schwindsucht“ (rājayakṣma).

sa prajāpatā anāthata

Er suchte Zuflucht bei Prajāpati.

sarveṣv eva samāvad vasa

„Wohne bei allen gleichermaßen;

atha tvāto mokṣyāmīti

dann werde ich dich hiervon lösen.“

tasmāc candramās sarveṣu nakṣatreṣu samāvad vasati

Daher wohnt der Mond bei allen Mondhäusern gleichermaßen.

taṃ vaiśvadevena caruṇāmāvasyāṃ rātrīm ayājayat

Er ließ ihn in der Neumondnacht mit einem Reisbrei für die Allgötter opfern.

tenainaṃ yakṣmād amuñcat

Damit löste er ihn von der Schwindsucht.

so 'mum evāpyāyamānam anvāpyāyata

Er nahm zu, indem er jenem [Mond] folgte, der [wieder] zunahm.

vaiśvadevena caruṇāmāvasyāṃ rātrīṃ yajeta yo rājayakṣmād bibhīyāt

Mit einem Reisbrei für die Allgötter soll in der Neumondnacht opfern, wer sich vor der Königs-Schwindsucht fürchtet.

yakṣmād evainaṃ muñcati

Von der Schwindsucht eben löst er ihn.

so 'mum evāpyāyamānam anvāpyāyate ‖

Er nimmt zu, indem er jenem [Mond], der zunimmt, folgt.