Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 11

Anuvāka 1 Ritual-Vorschriften zu Opfern für die Marut, Soma, Sūrya und Agni, Indra und Bṛhaspati zur Beseitigung von Schwäche und zur Erlangung von Macht, Sehkraft und Wohlstand.

mārutaṃ caruṃ nirvapet tasyaikavim̐śatinirbādho harito rukmo 'pidhānas syāt tasyāpagrāham avadyed yat kṣatriyaṃ viṇ nirbādhe kurvīta

Einen Reisbrei für die Marut soll er darbringen; dessen Deckel soll ein Rukma[-Schmuckstück] mit einundzwanzig Zacken (nirbādha), von gelber Farbe, sein; von diesem soll er das Abgeschöpfte abschneiden, [für den Fall,] dass die Vaiśya-Schaft den Kṣatriya in Bedrängnis brächte [?].

viḍ vai marutas

Die Vaiśya-Schaft nämlich sind die Marut;

bhāgadheyenaivaināñ chamayati

mit dem Anteil eben beschwichtigt er sie.

ekavim̐śatinirbādho bhavati

Mit einundzwanzig Zacken versehen ist [das Rukma];

ekavim̐śatir vai mārutā gaṇās

einundzwanzig nämlich sind die Scharen der Marut.

yad ekavim̐śatinirbādhas

Dass es einundzwanzig Zacken hat,

nirbādhair evaiṣāṃ nirbādhān vṛṅkte

damit eben entfernt er deren Bedränger durch Bedrängungen [?].

aindram ekādaśakapālaṃ nirvaped vaiśvadevaṃ dvādaśakapālam̐ sajātakāmaḥ

Ein Opferkuchen auf elf Schalen für Indra und einer auf zwölf Schalen für die Allgötter soll dargebracht werden von dem, der Stammesgenossen wünscht.

kṣatraṃ vā indro vaiśvadevīr imāḥ prajāḥ

Die Herrschaft nämlich ist Indra, die Allgötter-Zugehörigen sind diese Geschöpfe (Untertanen);

kṣatrāyaiva viśam anuniyunakti

der Herrschaft eben fügt er die Vaiśya-Schaft an.

aindrasyāvadāyātha vaiśvadevasyobhe avadāne avadyed athaindrasya

Nachdem er von [dem Kuchen] für Indra abgeschnitten hat, soll er dann von dem für die Allgötter beide Abschnitte abschneiden, und danach von dem für Indra;

kṣatraṃ vā indro vaiśvadevīr imāḥ prajāḥ

die Herrschaft nämlich ist Indra, die Allgötter-Zugehörigen sind diese Geschöpfe;

kṣatreṇaiva viśam ubhayataḥ parigṛhṇāti

mit der Herrschaft eben umfasst er die Vaiśya-Schaft von beiden Seiten.

aindrī vaiśvadevavarṇe yājyānuvākye bhavatas

Die Opfer- und Einladungsverse (yājyā, anuvākyā) sind für Indra und von der Art der Allgötter-Verse;

upacāyyapṛḍaṃ hiraṇyaṃ dakṣiṇā

Gold, das [als] verehrungswürdiges [?] ..., ist der Opferlohn (dakṣiṇā) [Anm.: upacāyyapṛḍa unsicher] [?].

sajātān evāsmā upadadhāti

Stammesgenossen eben fügt er ihm hinzu.

tad etad anuvartma nāma havis

Dieses Havis heißt „Anuvartma“ (Gefolgschaft);

sajātān evāsmā anuvartmanaḥ karoti

Stammesgenossen macht er ihm eben zu Gefolgsleuten.

saumyam̐ śyāmākaṃ caruṃ nirvapet somavāmī

Einen Hirsebrei für Soma soll darbringen, wer am Soma[-Trank] erbricht (somavāmin).

indro vai tvaṣṭus somam anupahūto 'pibat

Indra trank nämlich Tvaṣṭṛs Soma, ohne [dazu] eingeladen zu sein.

sa viṣvak somapīthena vyārdhyata

Er verfehlte nach allen Seiten den Somatrunk (somapītha) [d.h. verlor ihn, indem er ihn ausbrach].

tasmāt somo nānupahūtena pātavai

Daher darf Soma nicht von einem nicht Eingeladenen getrunken werden.

somapīthena vyardhuko bhavati

Er ist [sonst] jemand, der den Somatrunk verfehlt.

sa yat parāvamīt te śyāmākās

Was er ausbrach, das wurden die Hirsekörner (śyāmāka).

eṣa vāva sa somapītho yac chyāmākas

Dieser eben ist jener Somatrunk, nämlich die Hirse;

samakṣam eva somapītham avarunddhe

unmittelbar gewinnt er [so] den Somatrunk zurück.

saumendraḥ kāryas

[Der Kuchen] soll für Soma und Indra zugerichtet werden;

indriyeṇa vā eṣa somapīthena vyṛdhyate yas somaṃ vamiti

denn wer Soma erbricht, der verfehlt die Sinneskraft (indriya) und den Somatrunk.

saumyo brāhmaṇo devatayā

Der Brāhmaṇa gehört seiner Gottheit nach Soma;

indriyam asya somapītho yat saumendras

seine Sinneskraft ist der Somatrunk; dass [das Opfer] für Soma und Indra ist,

indriyeṇaivainam̐ sompīthena samardhayati

damit eben stattet er ihn mit Sinneskraft und Somatrunk aus.

adhṛto vā etasmin somapītho yas somaṃ vamiti

Nicht festgehalten ist nämlich bei dem der Somatrunk, der Soma erbricht.

taṇḍulān ucchim̐ṣet

Reiskörner soll er übrig lassen;

tān kvathati pratyāvapet

diese soll er, wenn es [im Topf] kocht, wieder hineinstreuen.

somapītham evāsmin dādhāra

Den Somatrunk eben hält er so in ihm fest.

agnaye jyotiṣmate 'ṣṭākapālaṃ nirvapet sauryaṃ carum agnaye jyotiṣmata upariṣṭād aṣṭākapālaṃ cakṣuṣkāmas

Für Agni Jyotiṣmat (den Lichtreichen) soll er einen Opferkuchen auf acht Schalen darbringen, [dann] einen Reisbrei für Sūrya, und danach wieder für Agni Jyotiṣmat einen auf acht Schalen, wer Sehkraft wünscht.

agner vai manuṣyā naktaṃ cakṣuṣā paśyanti

Durch Agnis Auge sehen nämlich die Menschen nachts,

tau cakṣuṣaḥ pradātārau

Diese beiden sind die Geber der Sehkraft;

tā eva bhāgadheyenopadhāvati

diese eben geht er mit dem Anteil an.

tā asmai cakṣuḥ prayacchatas

Diese geben ihm das Auge.

yat samānī devatā dvedhā kriyate tasmāt samānam̐ sac cakṣur dvedhā

Weil die gleiche Gottheit zweifach gemacht wird, deshalb ist das Auge, obwohl gleich, zweifach;

tasmāt samānī yājyānuvākye bhavatas

daher sind die Opfer- und Einladungsverse gleich.

sauryasya madhyato 'vadyati

Von dem für Sūrya schneidet er aus der Mitte ab;

idam eva tena karoti

damit macht er eben dieses [Zwischenstück],

yad idam antarā cakṣuṣī

was hier zwischen den beiden Augen ist,

cakṣuṣor vyāvṛttyai

zur Unterscheidung der beiden Augen.

trīn piṇḍān prayacchati

Drei Klöße gibt er [dem Opferherrn].

ud u tyaṃ jātavedasam ayukta sapta śundhyuvas sapta tvā harito ratha iti

„Empor [ging] jenen Jātavedas“ [und] „Es schirrten an die sieben Reinen“ [und] „Sieben Falben [ziehen] dich, im Wagen“ – [dies die drei Verse].

cakṣur evāsmai tat prayacchati yad eva tasya tat

Das Auge eben gibt er ihm damit, was eben dessen [Auge] ist.

saiṣā rājanī nāmeṣṭis

Dies ist die Iṣṭi namens „Rājanī“.

etayā ha vai rajanaṃ kauṇeyaṃ kratujijjānakiś cakṣuṣkāmaṃ yājayāṃcakāra

Mit dieser ließ nämlich Kratujit Jānaki den Rajana Kauṇeya, der Sehkraft wünschte, opfern.

tayaitayā cakṣuṣkāma eva yajeta

Mit ihr soll eben opfern, wer Sehkraft wünscht.

āgneyam aṣṭākapālaṃ nirvaped aindram ekādaśakapālaṃ bārhaspatyam aṣṭākapālaṃ bubhūṣan

Einen Kuchen auf acht Schalen für Agni, einen auf elf Schalen für Indra, einen auf acht Schalen für Bṛhaspati soll darbringen, wer zu Gedeihen kommen (bubhūṣan) will.

indro vā adhṛtaś śithila ivāmanyata

Indra hielt sich nämlich für unfest, gleichsam für schlaff.

so 'gnau caiva bṛhaspatau cānāthata

Er suchte Zuflucht bei Agni und bei Bṛhaspati.

tam etayeṣṭyāyājayatām

Diese beiden ließen ihn mit dieser Iṣṭi opfern.

teja evāsmim̐s tena purastād adhattām

damit setzten sie ihm eben Glanz voran ein.

indriyam evāsmim̐s tena madhyato 'dhattām

damit setzten sie ihm eben Sinneskraft in die Mitte.

upariṣṭād evāsmim̐s tena brahmavarcasam adhattām

damit setzten sie ihm eben obenauf Brahmaglanz (brahmavarcasa) ein.

tato vai so 'bhavat

Darauf wurde er wahrlich [mächtig / zum Gedeihenden].

etayā yajeta bubhūṣan

Mit ihr soll opfern, wer zu Gedeihen kommen will.

teja eva tena purastād dhatte

damit setzt er Glanz eben voran ein.

indriyam eva tena madhyato dhatte

damit setzt er Sinneskraft eben in die Mitte.

brahma vai bṛhaspatis

das heilige Wort (Brahman) nämlich ist Bṛhaspati;

upariṣṭād eva tena brahmavarcasaṃ dhatte

damit setzt er obenauf eben Brahmaglanz ein.

aindra itarayor nābhī samādadhāti

Bei dem für Indra legt er von den beiden anderen die [Kuchen-]Nabel zusammen [?].

indriyam evāsmin madhyatas samādadhāti

Die Sinneskraft eben legt er ihm in die Mitte hinein.

aindro madhye bhavaty abhita itarau

Der für Indra ist in der Mitte, die beiden anderen zu beiden Seiten;

tejo vā agnir indriyam indro brahma bṛhaspatis

Glanz nämlich ist Agni, Sinneskraft Indra, das heilige Wort Bṛhaspati;

tejasā caiva brahmavarcasena cendriyam ubhayata ātman parigṛhṇāti

mit Glanz und mit Brahmaglanz eben umfasst er die Sinneskraft von beiden Seiten in sich selbst.

trivatīr yājyānuvākyā bhavanti

Die Opfer- und Einladungsverse sind dreiteilig [?];

tad etat tridhātu nāma havis

Dieses Havis heißt „Tridhātu“ (dreifach);

trīṇi hi sa tena vīryāṇy adhatta ‖

denn drei Manneskräfte setzte er damit in sich ein.