Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 11

Anuvāka 6 Opfer für die Āditya (Dhārayadvat, Bhuvanavat) und das Gewinnen der Vaiśya-Schaft und der Herrschaft.

ādityebhyo dhārayadvadbhyaś caruṃ nirvaped aparuddho vāparurutsyamāno vā

Einen Reisbrei für die Āditya Dhārayadvat (die Haltenden) soll darbringen, wer verstoßen ist oder verstoßen zu werden droht.

ādityā vai trātāras

Die Āditya sind nämlich die Retter;

ādityā aparoddhāras

die Āditya sind die Nicht-Verstoßer [?].

tān eva bhāgadheyenopadhāvati

Sie eben geht er mit dem Anteil an.

ādityebhyo bhuvanavadbhyaś caruṃ nirvaped bubhūṣan

Einen Reisbrei für die Āditya Bhuvanavat (die Weltbesitzenden) soll darbringen, wer zu Gedeihen kommen will.

aditir vai prajākāmaudanam apacat

Aditi kochte nämlich, Nachkommen wünschend, einen Breigericht (odana).

tasyocchiṣṭam āśnāt

Von diesem aß sie den Rest.

tata ādityā ajāyanta

Daraus wurden die Āditya geboren.

sāmanyateto me śreyām̐so 'janiṣyanta yat purastād āśiṣyam iti

Sie dachte: „Von hier würden mir bessere geboren werden, wenn ich zuerst äße.“

tasyobhayata āśnāt purastāc copariṣṭāc ca

Davon aß sie auf beiden Seiten, vorn und oben [d.h. davor und danach].

so 'ntar eva garbho 'vadat

Dieser Keim sprach schon im Innern.

ta ādityā amanyantāyaṃ ca vai janiṣyate sa evedaṃ bhaviṣyatīti

Die Āditya dachten: „Wenn dieser geboren wird, dann wird er allein dies [All] sein.“

ādityebhya evāstv eva sa yas tasmād yoner abhūd yasmād yūyam asṛjyadhvam iti

„Für die Āditya soll er sein, der aus jenem Schoß entstand, aus dem ihr geschaffen wurdet“ [sprach sie].

tasya yan mṛtam āsīt tad apākṛntan

Was an ihm abgestorben war, das schnitten sie ab.

yaj jīvam̐ sa vivasvām̐ ādityas

Was lebendig war, das ist Vivasvat, der Āditya.

sa na tathāsīd yathā tena bhavitavyam

Er war nicht so, wie er hätte sein sollen.

sa etam ādityebhyo bhuvadvadbhyaś caruṃ niravapat

Er brachte diesen Reisbrei für die Āditya Bhuvadvat dar.

svo vai svāya nāthitāya suhṛdayatamas

Der Eigene ist nämlich dem eigenen Hilfesuchenden der Herzensfreundlichste.

ādityā imā prajās svas svāya nāthitāya suhṛdayatamas

Die Āditya sind diese Geschöpfe; der Eigene ist dem eigenen Hilfesuchenden der Herzensfreundlichste.

svān eva bhāgadheyenopadhāvati

Die Eigenen eben geht er mit dem Anteil an,

ādityā bhāgaṃ vaḥ kariṣyāmīti nirvapan brūyād imam amum āmuṣyāyaṇam amuṣyāḥ putram amuṣyāṃ viśy avagamayateti

Beim Darbringen soll er sprechen: „Āditya, ich werde euch einen Anteil machen; lasst diesen, den N.N., Sohn des N.N., Sohn der N.N., in der Vaiśya-Schaft N.N. Einlass finden (avagamayata).“

bhāgadheyam evaibhyaḥ kurvan prāha

Den Anteil eben für sie machend, spricht er.

tam ādityebhyaś caruṃ nirvapati

Für diesen [Fall] bringt er den Reisbrei für die Āditya dar.

ādityā vai devaviśā

Die Āditya sind nämlich die Götter-Vaiśya-Schaft;

devaviśā manuṣyaviśāyā īśe

die Götter-Vaiśya-Schaft gebietet über die Menschen-Vaiśya-Schaft;

devaviśaivainaṃ manuṣyaviśām avagamayati

die Götter-Vaiśya-Schaft eben lässt ihn in die Menschen-Vaiśya-Schaft Einlass finden.

saptāśvatthā mayūkhā bhavanti

Sieben Pflöcke (mayūkha) aus Aśvattha-Holz sind [dabei].

tān idhme 'pi prokṣati

Diese besprengt er auch beim Brennholz.

ta ā sam̐sthātor vedyām̐ śerate

Sie liegen bis zum Ende [des Opfers] auf der Vedi.

tān sam̐sthite madhyameṣāyām upahantīdam aham ādityān badhnāmy amuṣyāmuṣyāyaṇasyāvagamāyeti

Nach Beendigung schlägt er sie in die mittlere Fuge [?] ein [mit den Worten]: „Hiermit binde ich die Āditya zum Einlass des N.N., Sohnes des N.N.“

yady ā saptamād ahno nāvagacched idhmaṃ tān kṛtvāparayā yajetaivaṃ dvitīyayaivaṃ tṛtīyayā

Wenn er bis zum siebten Tag nicht Einlass findet, soll er sie zu Brennholz machen und mit einer weiteren [Iṣṭi] opfern, ebenso mit einer zweiten, ebenso mit einer dritten.

trir vā ādityās saptasapta

Dreimal sieben sind nämlich die Āditya.

yāvanta evādityās tān badhnāti

So viele Āditya es eben gibt, die bindet er.

ta enaṃ baddhā mokṣamāṇā avagamayanti ‖

Diese, gebunden und die Lösung erstrebend, lassen ihn Einlass finden.

viśo vai vīryam apākrāmat

Die Manneskraft der Vaiśya-Schaft ging nämlich davon.

tad aśvatthaṃ prāviśat

Sie ging in den Aśvattha[-Baum] ein.

tasmād eṣo 'dhṛtas sarvāhā parṇam ejayam̐s tiṣṭhati

Daher steht dieser [Baum] unfest, alle Tage sein Laub bewegend.

yad āśvatthā bhavanti

Dass [die Pflöcke] aus Aśvattha sind:

viśa evāsmin vīryaṃ badhnāti

Der Vaiśya-Schaft eben bindet er in ihm die Manneskraft.

satyāśīr iha mana iti niruddhasya padam ādadīta

Mit „Wahr [erfülltem] Wunsch hier [ist] der Sinn“ soll er eine Fußspur des Eingeschlossenen [Widersachers] aufnehmen [?].

upa preta marutas svatavasa enā viśpatinābhy amuṃ rājānam iti viśo 'bhivātam abhidhvam̐sayan parīyāt

„Kommt herbei, Marut, aus eigener Kraft, mit diesem Herrn der Vaiśya-Schaft, zu jenem König“ [so spricht er] und soll gegen den Wind hin die Vaiśya-Schaft zerstörend umkreisen.

abhimanasa evainān karoti

Auf sich hin gesinnt eben macht er sie.

yaḥ parastād grāmyavādī syāt tasya gṛhād vrīhīn āhareyus

Wer [einer ist,] der abseits als Dorfredner gilt [?], aus dessen Haus soll man Reis holen.

tāñ chuklām̐ś ca kṛṣṇām̐ś ca vicinuyur

Diese soll man in weiße und schwarze auslesen.

ye śuklās tam ādityebhyaś caruṃ nirvapet

Aus den weißen soll er einen Reisbrei für die Āditya darbringen;

ye kṛṣṇā ni tān dadhyus

die schwarzen soll man beiseitelegen.

ādityā vai devaviśā

Die Āditya sind nämlich die Götter-Vaiśya-Schaft;

devaviśā manuṣyaviśāyā īśe

die Götter-Vaiśya-Schaft gebietet über die Menschen-Vaiśya-Schaft;

devaviśaivainaṃ manuṣyaviśām avagamayati

die Götter-Vaiśya-Schaft eben lässt ihn in die Menschen-Vaiśya-Schaft Einlass finden.

etad viśam avāgann ity āhur atha kva kṣatram iti

„Er hat die Vaiśya-Schaft erreicht“, sagt man; „wo aber ist die Herrschaft?“

yadā vai kṣatram avagacchaty athāvagacchati

Wenn er die Herrschaft erreicht, dann erreicht er [es wahrhaft].

yadāvagacched ye kṛṣṇās taṃ vāruṇaṃ caruṃ nirvapet

Wenn er [sie] erreichen will, soll er aus den schwarzen einen Reisbrei für Varuṇa darbringen.

kṣatraṃ vai varuṇas

Die Herrschaft ist nämlich Varuṇa;

varuṇa evainaṃ kṣatram avagamayati

Varuṇa eben lässt ihn zur Herrschaft gelangen.

ubhe viśā avagacchati devaviśāṃ ca manuṣyaviśāṃ ca

Beide Vaiśya-Schaften erreicht er, die der Götter und die der Menschen.

yac chuklṣanām ādityebhyo nirvapati

Dass er aus den weißen für die Āditya darbringt [Anm.: Lesung „śuklṣanām“ offenbar verderbt für śuklānām],

tasmāc chukla iva vaiśyo jāyate

deshalb wird der Vaiśya gleichsam weiß [hell] geboren;

yat kṛṣṇānāṃ vāruṇam

dass [er] aus den schwarzen [für] Varuṇa [darbringt],

tasmād dhūmra iva rājanyaḥ ‖

deshalb [wird] der Rājanya gleichsam rauchfarben [geboren].