Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 11

Anuvāka 4 Opfer für Bṛhaspati, Brahmaṇaspati, Aryaman, Indra-Bṛhaspati und Prajāpati (mit Goldkörnern) und Sūrya, samt den Deutungen.

bārhaspatyaṃ caruṃ nirvaped ānuṣūkānāṃ vrīhīṇām ānujāvaras

Einen Reisbrei für Bṛhaspati soll er darbringen aus „ānuṣūka“-Reis [?], [wenn er] ein Nachgeborener (ānujāvara) [ist] [Anm.: ānujāvara = der jüngere Bruder / Nachgeborene].

bṛhaspatir vai devānām ānujāvaras

Bṛhaspati ist nämlich der Nachgeborene der Götter.

bṛhaspatir etasya devatā ya ānujāvaras

Bṛhaspati ist die Gottheit dessen, der ein Nachgeborener ist.

tam evānvārabhate

Ihn eben ergreift er [als Anhalt].

sa enam agraṃ pariṇayati

Er führt ihn an die Spitze.

brahma vai bṛhaspatis

Das heilige Wort ist nämlich Bṛhaspati;

brahma brāhmaṇasya pitā

das heilige Wort ist des Brāhmaṇa Vater.

pitā putrasyeśe prāco vāpāco vā nottor

Der Vater hat Macht über den Sohn, ob er nach vorn oder zurück [geht] – nicht aber umgekehrt [?].

brahmaivainaṃ pitāgraṃ pariṇayati

Das heilige Wort, der Vater, führt ihn an die Spitze.

ānuṣūkā vā ete vrīhayas

Diese Reiskörner sind nämlich „ānuṣūka“ [?];

ya ānujāvaras tān etad agraṃ pariṇayati

die, [von denen gilt] „Nachgeborener“, führt dieses [Opfer] an die Spitze.

ta enam agraṃ pariṇayanti

Diese führen ihn an die Spitze.

punaḥ pravṛddhaṃ barhir bhavati punaḥ prarūḍha idhmas

Das Barhis ist wieder gewachsen, das Brennholz wieder gesprosst;

bārhaspatyaṃ caruṃ nirvapet sajātakāmas

Einen Reisbrei für Bṛhaspati soll darbringen, wer Stammesgenossen wünscht.

tasya gaṇavatī yājyānuvākye syātām

Dessen Opfer- und Einladungsverse sollen „gaṇa“-haltig [?] sein.

bārhaspatyo vai brāhmaṇo devatayā

Der Brāhmaṇa gehört seiner Gottheit nach Bṛhaspati.

svām eva devatāṃ bhūyiṣṭhenārpayate

Seine eigene Gottheit bringt er [darin] am meisten zur Geltung [?].

gaṇavatī yājyānuvākye bhavatas

Die Opfer- und Einladungsverse sind „gaṇa“-haltig;

sajātair evainaṃ gaṇinaṃ karoti

mit Stammesgenossen eben macht er ihn zu einem, der eine Schar hat.

brāhmaṇaspatyaṃ caruṃ nirvapet

Einen Reisbrei für Brahmaṇaspati soll er darbringen;

tasya mārutī yājyānuvākye syātāṃ yaḥ kāmayeta brahmabalaṃ syād iti

dessen Opfer- und Einladungsverse sollen an die Marut [gerichtet] sein, [nämlich für den,] der wünscht: „Es soll mir Brahmakraft (brahmabala) werden.“

brahma vai brahmaṇaspatir

Das heilige Wort ist nämlich Brahmaṇaspati,

brahmaṇy eva viśam anuvināśayati

im heiligen Wort eben lässt er die Vaiśya-Schaft aufgehen [?].

aryamṇe caruṃ nirvaped yaḥ kāmayeta dānākāmā me prajās syur iti

Einen Reisbrei für Aryaman soll darbringen, wer wünscht: „Meine Untertanen sollen zum Geben geneigt sein.“

eṣa vā aryamā yo dadāti

Dieser ist nämlich Aryaman, der gibt;

dānam imāḥ prajā upajīvanti

von der Gabe leben diese Geschöpfe.

dānakāmā asmai bhavanti

Zum Geben geneigt werden sie ihm.

aindrābārhaspatyaṃ caruṃ nirvaped rājanyāya bubhūṣate

Einen Reisbrei für Indra und Bṛhaspati soll man darbringen für einen Rājanya, der zu Gedeihen kommen will.

devā vai rājanyāj jāyamānād abibhayus

Die Götter fürchteten sich nämlich vor dem Rājanya, als er geboren wurde;

tam anuhāya dāmnāpaumbhan

ihn ... banden sie mit einem Strick fest [?] [Anm.: apo-bh = niederhalten, unsicher].

apobdho vā eṣa jāyate yo rājanyas

Niedergehalten wird dieser nämlich geboren, der Rājanya.

yad vā eṣo 'napobdho jāyeta na kiṃcana syāt

Würde er nämlich nicht niedergehalten geboren, so gäbe es nichts [neben ihm];

sarvā imāḥ prajā adhiṣādam adyāt

alle diese Geschöpfe würde er [wie] als Aufsitzender verzehren [?].

aindro rājanyo devatayā

Der Rājanya gehört seiner Gottheit nach Indra;

brahma bṛhaspatis

das heilige Wort ist Bṛhaspati.

brahmaṇaivainam apombhanān muñcati

Mit dem heiligen Wort löst er ihn vom Niedergehaltensein.

so 'napobdho vīryāya prasriyate

Nicht niedergehalten, breitet er sich zur Manneskraft aus.

dvivṛddhiraṇyaṃ dakṣiṇā

Zwei Vṛddhi-Gold(stücke)[?] sind der Opferlohn [Anm.: dvivṛddhiraṇya unsicher] [?].

yad evādo dāma tasya niravattyai

Zum Abtragen eben jenes Strickes.

prājāpatyaṃ caruṃ nirvapec chatakṛṣṇalaṃ ghṛta āyuṣkāmas

Einen Reisbrei für Prajāpati, mit hundert Goldkörnern (kṛṣṇala) in der Schmelzbutter, soll darbringen, wer langes Leben wünscht.

devā vai pramayād abibhayus

Die Götter fürchteten sich nämlich vor dem Sterben.

te prajāpatā anāthanta

Sie suchten Zuflucht bei Prajāpati.

tān etayeṣṭyāyājayat

Er ließ sie mit dieser Iṣṭi opfern.

amṛtaṃ vai hiraṇyam

Gold ist nämlich Unsterblichkeit.

amṛtenaivaiṣv amṛtam adadhāt

Mit Unsterblichem eben legte er Unsterblichkeit in sie.

tato vai te 'mṛtā abhavan

Darauf wurden sie unsterblich.

etayā yajeta yaḥ pramayād bibhīyāt

Mit dieser soll opfern, wer sich vor dem Sterben fürchtet.

amṛtaṃ vai hiraṇyam

Gold ist nämlich Unsterblichkeit;

amṛtenaivāsminn amṛtaṃ dadhāti

mit Unsterblichem eben legt er in ihn Unsterblichkeit.

śatakṛṣṇalo bhavati

Hundert Goldkörner hat [die Schmelzbutter].

śatāyur vai puruṣaś śatavīryas

Hundert Jahre alt nämlich wird der Mensch, hundertfältige Kraft [hat er];

āyur eva vīryam avarunddhe

Lebensdauer und Manneskraft eben gewinnt er.

vaiśvadevaḥ kāryas

Für die Allgötter soll [ein Opfer] gemacht werden;

viśvān hi sa tad devān ayājayat

denn er ließ damals alle Götter opfern.

prājāpatyaḥ kāryaḥ

Für Prajāpati soll [eines] gemacht werden;

yonā eva pratitiṣṭhati ‖

im Mutterschoß eben fasst er Fuß.

catvāricatvāri kṛṣṇalāny avadānaṃ bhavati

Je vier Goldkörner ist ein Abschnitt.

taṃ brahmaṇe pariharanti

Diesen [Teil] reichen sie dem Brahman-Priester hin.

brahma vai brahmā

Das heilige Wort ist nämlich der Brahman-Priester;

brahmaṇaivāsminn ekadhāyur dadhāti

mit dem Brahman-Priester eben legt er in ihn einheitlich Lebensdauer.

etayā yajeta yaḥ kāmayeta vasīyān syām iti

Mit dieser soll opfern, wer wünscht: „Ich möchte reicher (besser) werden.“

eṣa vai manuṣyasya svargo loko yad asmiṃl loke vasīyān bhavati

Dies ist nämlich des Menschen Himmelswelt, dass er in dieser Welt reicher wird.

ṛdhnoti vasīyān bhavati ya evaṃ vidvān etayā yajate

Er gedeiht, er wird reicher, wer so wissend mit dieser opfert.

sauryaṃ caruṃ nirvaped gataśrīs

Einen Reisbrei für Sūrya soll darbringen, wer sein Glück verloren hat.

tasya harito rukmo 'pidhānas syāt

Dessen Deckel soll ein gelbes Rukma sein,

asau vā ādityo 'nto 'ntaṃ manuṣyaś śriyo gatvā nivartate

Jene Sonne (Āditya) ist nämlich das Ende; der Mensch kehrt um, wenn er von Glück zu [dessen] Ende gelangt ist.

antād evāntam ālabhate

Vom Ende eben greift er nach dem Ende [d.h. zum Anfang zurück].

na tataḥ pāpīyān bhavati yādṛk san yajate

Er wird nicht schlechter als er ist, wenn er, so beschaffen, opfert [?].

asau vā āditya idam āsīt

Jene Sonne war nämlich dieses [All].

sa idaṃ nirdahann acarat

Er zog verbrennend durch dieses [All].

taṃ devā ābhyāṃ parigṛhyāmuṃ lokam agamayan

Die Götter umfassten ihn mit diesen beiden [Erde und Himmel?] und ließen ihn zu jener Welt gehen [?].

te prayājeṣu pañca hiraṇyakṛṣṇalāny ajuhavus

Sie opferten bei den Prayāja fünf Goldkörner.

tejasaivāsmim̐s tejo 'dadhus

Mit Glanz eben setzten sie ihm Glanz ein.

tato vai so tejo 'gṛhṇāt

Darauf nahm er Glanz an.

sa imāḥ pañca diśo 'nu tejasvy abhavat

Er wurde glänzend in diesen fünf Himmelsrichtungen.

iyaṃ vai rajatāsau hiraṇyā

Diese [Erde] ist nämlich das Silberne, jener [Himmel] das Goldene.

ābhyām evainaṃ parigṛhyāmuṃ lokaṃ gamayati

Mit diesen beiden umfasst er ihn und lässt ihn zu jener Welt gehen.

sa vai na virocata ity āhur na hi sa vyarocateti

„Er leuchtet nämlich nicht“, sagt man; denn er leuchtete nicht.

prayājeṣu pañca hiraṇyakṛṣṇalāni juhuyāt

Bei den Prayāja soll er fünf Goldkörner opfern.

tejasaivainam̐ sam̐sṛjati

mit Glanz eben versieht er ihn.

sa imāḥ pañca diśo 'nu tejasvī bhavati ‖

Er wird glänzend in diesen fünf Himmelsrichtungen.