Adhyāya 16
Trirātra als Mahāvrata, als Sonnenlauf und als Leib
Deutung des Trirātra: sein Kopf, Rumpf, Flügel und Schwanz, seine Maße, das Verhältnis der Metren Gāyatrī, Triṣṭubh, Jagatī sowie die Gleichsetzung mit dem Lauf der Sonne. Die Kaṇḍikās 2-4 sind parallele Varianten des Körperbildes; 1, 6 und 9 enthalten einige dunkle Stellen.
idaṃ vāva prathamenāhnā vyakarod yad idam asyām adhyāyat ta mūlam idaṃ dvitīyena yad idaṃ prāṇād ejaty adas tṛtīyena yad varṣati yan nakṣatrāṇi yad amuṃ lokaṃ bheje
Dies [All] hat er mit dem ersten Tag entfaltet: was hier auf dieser [Erde] heraufkam [?], das ist die Wurzel; dies mit dem zweiten: was aus dem Atem sich regt, jenes [dort]; mit dem dritten: was regnet, was die Sternbilder [sind], was jene Welt erlangt hat.
tad āhur brahmavādino mahāvrataṃ vā etad yad eṣa trirātra iti tasyai tad eva mukhaṃ yad eteṣām ahvāṃ bahiṣpavamānaṃ ye abhito 'hanī tau pakṣau yan madhyamam ahaḥ sa ātmāgniṣṭomasāmāni puccham
Dazu sagen die Brahmavādins: „Dieses Trirātra ist ein Mahāvrata“. Sein Mund ist eben das Bahiṣpavamāna dieser Tage; die beiden Tage zu beiden Seiten sind die Flügel; der mittlere Tag ist der Leib (ātman); die Agniṣṭoma-Sāmans sind der Schwanz [?].
yad evāsāv udeti tan mukhaṃ ye abhito 'hanī tau pakṣau yan madhyamam ahaḥ sa ātmāgniḥ puccham
Wenn jener [die Sonne] aufgeht, das ist der Mund; die beiden Tage zu beiden Seiten sind die Flügel; der mittlere Tag ist der Leib; Agni [?] ist der Schwanz.
yad evāsāv udeti tan mukhaṃ ye abhito 'hanī tau pakṣau yan madhyamam ahaḥ sa ātmā yad astam eti tat puccham
Wenn jener aufgeht, das ist der Mund; die beiden Tage zu beiden Seiten sind die Flügel; der mittlere Tag ist der Leib; wenn er untergeht, das ist der Schwanz.
tad āhur brahmavādinaḥ kiyāṃs trirātra itīyān iti brūyād iyaddhayetad abhy atho iyān iti brūyād iyaddhayevaitad abhiparā3ṅ arvā3ṅ ity āhuḥ parāṅ iti brūyāt parāṅ hi vadati parāṅ paśyati parāṅ prāṇity ekā3 dvā3 u trayā3 ity āhur eka iti brūyāt samāno hy eṣa yat prāṇo 'pāno vyānas tad yathā vā ado maṇau sūtram otam evam eṣu lokeṣu trirātra otaḥ śobhate 'sya mukhaṃ ya evaṃ veda
Dazu sagen die Brahmavādins: „Wie groß ist das Trirātra?“ „So groß“, soll man sagen, „denn so weit reicht es hin“ [?]; oder man soll sagen „so viel“, denn es ist gleichsam so viel [?]. „Ist es abgewandt (parāñc) oder zugewandt (arvāñc)?“, sagen sie; „abgewandt“ soll man sagen, denn man spricht abgewandt, sieht abgewandt, atmet abgewandt. „Eins? zwei? drei?“, sagen sie; „eins“ soll man sagen, denn es ist dasselbe: Prāṇa, Apāna, Vyāna. Wie jener Faden auf ein Kleinod (maṇi) aufgereiht ist, so ist das Trirātra in diesen Welten aufgereiht; es schmückt ihm das Gesicht, wer so weiß.
yad vai trirātrasya saloma tad asya viloma yad asya viloma tad asya saloma tad yad etat paraṃ sad ahar avaraṃ kriyate yajamānāyaiva tat paśūn parigṛhṇāti prajananāya na hy amuṣmin loke paśavaḥ prajāyante
Was am Trirātra „behaart“ (saloma) ist, das ist an ihm „unbehaart/gegenhaarig“ (viloma); was an ihm viloma ist, das ist an ihm saloma [Anm.: gemeint wohl: mit dem Strich / gegen den Strich]. Dass ein Tag, der [in der Ordnung] höher ist, niedriger gemacht wird [?]: damit fasst er für den Opferherrn das Vieh zusammen, zur Fortpflanzung; denn in jener Welt pflanzt sich Vieh nicht fort.
ete vāva chandasāṃ vīryavattame yad gāyatrī ca triṣṭup ca yad ete abhito bhavato madhye jagatī vīryavatībhyām eva tac chandobhyāṃ paśūn parigṛhṇāti prajananāya na hy amuṣmin loke paśavaḥ prajāyante
Diese beiden sind die kraftvollsten der Metren: Gāyatrī und Triṣṭubh; dass diese beiden zu beiden Seiten stehen [und] in der Mitte die Jagatī: mit diesen beiden kraftvollen Metren fasst er das Vieh zusammen, zur Fortpflanzung; denn in jener Welt pflanzt sich Vieh nicht fort.
Jener [die Sonne] ist das Trirātra: wie er aufgeht, so ist der erste Tag; wie [er] am Mittag [steht], so der zweite; wie er untergeht, so der dritte. Er gelangt zur Gemeinschaft (sāyujya) mit jenem, zur gleichen Wohnstatt (sāveśya) [?], wer so weiß.