Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 19

Anuvāka 10 Die sechs Ādhīta-Opfersprüche, Löschen und Wiederentzünden, Brennhölzer verschiedener Bäume mit Versen, Abwehr der Unholde und Schutz des Feuers.

ṣaḍ ādhītayajūm̐ṣi juhoti

Sechs Ādhīta-Opfersprüche [Anm.: Sprüche „des Aufgesetzten“, beim Einsetzen des Feuers] opfert er.

ṣaḍ vā ṛtavas

Sechs sind nämlich die Jahreszeiten;

ṛtubhir evainaṃ dīkṣayati

mit den Jahreszeiten eben weiht er ihn.

ṛtubhir asyā vīryam udyacchate

Mit den Jahreszeiten hebt er ihre (der Erde) Manneskraft empor [?].

saptaitāni juhoti

Sieben dieser (Sprüche) opfert er;

prāṇair evainaṃ dīkṣayati

mit den Lebenshauchen eben weiht er ihn.

tasmān nānāvīryāḥ prāṇāś cakṣuś śrotraṃ vāg

Darum haben die Lebenshauche verschiedene Kräfte: Auge, Ohr, Rede.

anuṣṭubhottamaṃ juhoti

Mit der Anuṣṭubh opfert er den letzten.

vāg vā anuṣṭub

Die Rede ist nämlich die Anuṣṭubh;

vācam evottamāṃ dadhāti

die Rede eben setzt er als letzte.

tasmād vāk prāṇānām uttamā vihitaṃ vadati

Darum spricht die Rede als letzte der Lebenshauche Bestimmtes aus.

anuṣṭub vai sarvāṇi cchandām̐si

Die Anuṣṭubh ist nämlich alle Metren;

paśavaś chandām̐si

die Metren sind die Tiere;

paśūn evānnādyam avarunddhe

Tiere und Speise gewinnt er eben.

yaj jyotiṣi pravṛṇakti bhūtaṃ tenāvarunddhe

Dass er im Licht (die Ukhā) auslöst [?], damit gewinnt er das Gewordene;

yad aṅgāreṣu bhaviṣyat tena

dass er in den Kohlen, damit das Künftige.

aṅgāreṣu pravṛjyā

In den Kohlen ist sie auszulösen;

bhaviṣyad dhi bhūyo bhūtāt

denn das Künftige ist mehr als das Gewordene.

mā su bhitthā mā su riṣa iti

„Nicht sollst du zerbrechen, nicht Schaden nehmen“ – so.

ariṣṭā tvam udihi yajñe asminn iti

„Unversehrt, du, geh auf in diesem Opfer“ – so;

dvābhyāṃ pravṛṇakti

Mit zweien löst er aus;

dvipād yajamānaḥ

zweifüßig ist der Opferherr;

parīdhyā bubhūṣatas

Mit den Umfassungshölzern (parīdhi) [legt er ein] bei dem, der Gedeihen wünscht [?].

ata iva vā eṣa bhavati

von hier aus wird dieser gleichsam;

ata evainaṃ janayati

von hier eben zeugt er ihn.

mathitvā gataśrer avadadhyāt

Er soll ihn nach dem Quirlen von dem legen, der (seinen Glanz) verloren hat [?].

svām eva devatām upaiti

Der eigenen Gottheit eben tritt er nahe.

anyata āhṛtyāvadadhyād yaṃ kāmayeta bhrātṛvyam asmai janayeyam iti

Von anderswoher herbeigeholt soll er (das Feuer) legen für den, von dem er wünscht: „Ich möchte ihm einen Nebenbuhler erzeugen.“

bhrātṛvyam evāsmai janayati

Einen Nebenbuhler eben erzeugt er ihm.

bhṛjjanād avadadhyād annakāmasya

Vom Röstofen (bhṛjjana) soll er es legen für den, der Speise wünscht;

bhṛjjane vā annaṃ kriyate

im Röstofen wird nämlich Speise bereitet;

sayony evānnam avarunddhe

aus demselben Schoß eben gewinnt er Speise.

yo vṛkṣa upari dīpyeta tasyāvadadhyāt svargakāmasya

Von dem Baum, der oben brennt [durch Blitz?], soll er es legen für den, der den Himmel wünscht;

eṣa vā agnīnām̐ svargyas

dieser ist nämlich unter den Feuern das himmlische;

svargasya lokasya samaṣṭyai

zur Erreichung der Himmelswelt.

drvannas sarpirāsutir iti kṛmukam ullikhitaṃ ghṛtenāktvāvadadhāti

„Holz als Speise, Schmalz als Trank“ – so salbt er ein ausgeschabtes Kṛmuka-Holz [Anm.: Holz eines Baumes, Bezeichnung unsicher] mit Schmalz und legt es hin.

agner vai priyā tanūs tayā kṛmukaṃ prāviśat

Agnis liebe Gestalt ging nämlich in das Kṛmuka-Holz ein;

priyām evāsya tanvaṃ tejasā samanakti

Seine liebe Gestalt eben salbt er mit Glanz.

ūrg vai muñjās

das Muñja-Gras ist nämlich Saft;

ūrjam evāsmā apidadhāti

Saft eben deckt er ihm zu.

parasyā adhi saṃvata ity audumbarīm

„Von dem Jenseitigen her“ – so (legt er) ein Udumbara-Holz.

ūrjam evāsmā apidadhāti

Saft eben deckt er ihm zu.

paramasyāḥ parāvata iti vaikaṅkatīm

„Aus dem fernsten Fernen“ – so (legt er) ein Vikaṅkata-Holz.

agner vai sṛṣṭasya vikaṅkataṃ bhā ārchat

Agni, als er entlassen war, traf nämlich im Vikaṅkata-Baum auf Glanz [?].

yad agne kānikāni ceti

„Was, Agni, an Kleinigkeiten“ [?] – so.

na ha sma vai purāgnir aparaśuvṛkṇaṃ dahati

Früher nämlich verbrannte Agni nichts, was nicht mit der Axt gefällt war.

tad asmā etābhiḥ prayoga ṛṣir asvadayat

Das machte ihm ein Seher mit diesen (Versen) bei der Anwendung schmackhaft.

yad etābhis samidha ādadhāti

Dass er mit diesen (Versen) Brennhölzer auflegt,

idhmam evāsmai svadayati

so macht er ihm eben das Brennholz schmackhaft;

svaditam asyānnaṃ bhavati ya evaṃ veda

wohlschmeckend wird ihm die Speise, wer dies weiß.

cchandām̐si vā agner yonis

Die Metren sind nämlich Agnis Schoß;

yac chandobhir ādadhāti

dass er mit Metren auflegt,

svenaivainaṃ yoninānubibharti

so trägt er ihn eben mit seinem eigenen Schoß fort.

rātrīṃrātrīm aprayāvaṃ bharanta iti

„Nacht um Nacht ohne Unterlass tragend“ – so;

āśiṣam evāśāste

den Wunsch eben spricht er aus.

nābhā pṛthivyās samidhāno agnim iti

„Auf dem Nabel der Erde entzündend Agni“ – so.

pṛtanā evaitayā jayati ‖

Die Heere eben besiegt er damit.

yās senā abhītvarīr iti

„Die Heere, die andringen“ – so.

agniṃ vai jātaṃ rakṣāṃsy ajighām̐san

Den geborenen Agni wollten die Unholde nämlich schlagen.

te devā etā ṛco 'paśyan

Die Götter sahen diese Verse.

tābhir asmād rakṣāṃsy apāghnan

Mit ihnen schlugen sie die Unholde von ihm weg.

yad etābhis samidha ādadhāti

Dass er mit diesen Brennhölzer auflegt,

rakṣasām apahatyai

(geschieht) zur Abwehr der Unholde.

athaitan mālimlavam

Nun dieses Mālimlava [Anm.: Spruch gegen Unholde (malimlu)].

devāś ca vā asurāś cāspardhanta

Götter und Asuras wetteiferten nämlich.

te devā etan mālimlavam apaśyan

Die Götter sahen dieses Mālimlava;

tenāsurān abhyabhavan

damit überwanden sie die Asuras.

yad etena samidha ādadhāti

Dass er damit Brennhölzer auflegt,

bhrātṛvyasyābhibhūtyai

(geschieht) zur Überwindung des Nebenbuhlers.

tasmād yām̐ samām agniṃ cinvanti grāhukās stenaṃ bhavanti

Darum werden in dem Jahr, in dem man Agni aufschichtet, Wegelagerer [?] zu Dieben [?].

yās senā abhītvarīr ity audumbarīm

„Die Heere, die andringen“ – so (legt er) ein Udumbara-Holz.

devā vai yatrorjaṃ vyabhajanta tata udumbaro 'jāyata

Als die Götter nämlich den Saft verteilten, entstand daraus der Udumbara.

jātāyaivāsmā ūrjam apidadhāti

Dem Geborenen eben deckt er Saft zu.

dam̐ṣṭrābhyāṃ malimlūn agna ity āśvatthīm

„Mit den Hauern die Malimlus, Agni“ – so (legt er) ein Aśvattha-Holz.

eṣa vai vanaspatīnām̐ sapatnasāhas

Dieser ist nämlich unter den Bäumen der Feindebezwinger;

yarhi dam̐ṣṭrābhyām iti brūyād yaṃ dviṣyāt taṃ manasā dhyāyet

Wenn er „mit den Hauern“ spricht, soll er an den denken, den er hasst, mit dem Sinn.

mano vai vācaḥ kṣepīyas

Der Sinn ist nämlich schneller als die Rede.

āhutim evainaṃ bhūtām agnaye 'pidadhāti

Die Spende eben, die geworden ist, deckt er ihm dem Agni zu [?].

ye janeṣu malimlava iti vaikaṅkatīm

„Die Malimlus unter den Menschen“ – so (legt er) ein Vikaṅkata-Holz.

agner vai sṛṣṭasya vikaṅkataṃ bhā ārchat

Agni, als er entlassen war, traf nämlich im Vikaṅkata-Baum auf Glanz [?].

yo asmabhyam arātīyād iti śamīmayīm

„Wer uns feindlich ist“ – so (legt er) ein Holz der Śamī [Anm.: Prosopis-Baum].

nindād yo asmān dipsāc ceti

„Wer uns schmäht und wer uns schaden will“ – so.

tasmād agnicito nāślīlaṃ kīrtayet

Darum soll einer, der Agni aufgeschichtet hat, nichts Unziemliches sagen.

sam̐śitaṃ me brahmeti

„Geschärft ist mein heiliges Wort“ – so;

brahmaṇaiva kṣatram̐ sam̐śyati

mit dem heiligen Wort eben schärft er die Kṣatra-Macht.

kṣatreṇa brahma

Mit der Kṣatra-Macht das heilige Wort.

tasmād brahmapurohitaṃ kṣatram aty anyāni kṣatrāṇi

Darum übertrifft die Kṣatra-Macht, die das heilige Wort zum Hauspriester hat, andere Kṣatra-Mächte;

tasmād brahma kṣatravad aty anyān brāhmaṇān

darum übertrifft das heilige Wort, das die Kṣatra-Macht hat, andere Brahmanen.

ud eṣāṃ bāhū atiram ud varco atho balam iti

„Ihre Arme habe ich emporgehoben, ihren Glanz und ihre Stärke“ – so.

āśiṣam evāśāste

Den Wunsch eben spricht er aus.

kṣiṇomi brahmaṇāmitrān unnayāmi svām̐ aham iti

„Ich zerschlage mit dem heiligen Wort die Feinde, ich erhebe die Meinen“ – so.

yathāyajuḥ ‖

Nach dem Opferspruch [wie der Spruch lautet].