Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 19

Anuvāka 8 Die Tieropfer für Agni (Wünsche), der weiße Bock für Vāyu, Prajāpati und die Wahl von Opferspeise und Yājyā-Anuvākyā-Versen.

athaite 'gnibhyaḥ kāmebhyaḥ paśava ālabhyante

Nun werden diese Tiere den Agnis für die Wünsche geopfert [Anm.: ālabh, das Tier berühren und zum Opfer nehmen].

kāmā vā agnayas

Die Wünsche sind nämlich die Agnis;

sarvān evaitaiḥ kāmān abhijayati

alle Wünsche eben gewinnt er damit.

sarvān kāmān spṛṇoti

Alle Wünsche erfüllt er.

yat paśūn nālabhetānavaruddhā asya paśavas syus

Würde er die Tiere nicht nehmen, so wären seine Tiere nicht gewonnen.

yat sam̐sthāpayed yātayāmāni śīrṣāṇi syus

Würde er (das Opfer) beschließen, so wären die Köpfe kraftlos (yātayāma).

yan na sam̐sthāpayed yajñaṃ vicchindyāt

Würde er nicht beschließen, so würde er das Opfer zerschneiden.

yat paśūn ālabhate

Dass er die Tiere nimmt,

tenaiva paśūn avarunddhe

damit eben gewinnt er die Tiere;

yat paryagnikṛtān utsṛjati

dass er die mit Feuer umschrittenen freilässt,

śīrṣṇām ayātayāmatvāya

(geschieht) damit die Köpfe nicht kraftlos seien.

ekena sam̐sthāpayati

Mit einem (Tier) beschließt er,

yajñasya saṃtatyā avicchedāya

zur Fortsetzung des Opfers, damit es nicht abreiße.

prājāpatyena

Mit dem Prajāpati zugehörigen;

yajño vai prajāpatir

Prajāpati ist nämlich das Opfer;

yajña eva yajñaṃ pratiṣṭhāpayati

im Opfer eben lässt er das Opfer Stand fassen;

na yajñaṃ vicchinatti

er zerschneidet das Opfer nicht.

aindrā vā ete paśavo ye muṣkarās

Dem Indra gehören nämlich diese Tiere, die Böcke [?];

yad aindrās santo 'gnibhya ālabhyante devatābhyas samadaṃ karoti

dass sie, obwohl dem Indra zugehörig, den Agnis geopfert werden, macht er Streit unter den Gottheiten [?].

āgneyīs triṣṭubho yājyānuvākyāḥ kuryāt

Er soll Agni-Triṣṭubh-Verse als Yājyā und Anuvākyā [Anm.: Einladungs- und Opferverse] nehmen.

aindrīr vai triṣṭubhas

Die Triṣṭubh-Verse gehören nämlich Indra;

tenaivaindrāḥ kriyante

dadurch eben werden sie Indra-zugehörig gemacht;

na devatābhyas samadaṃ karoti

er macht nicht Streit unter den Gottheiten.

athaiṣa vāyavyaś śvetas tūparas

Nun aber ist dieser weiße, hornlose Bock dem Vāyu zugehörig;

sarvān vā eṣa paśūn praty ālabhyate

dieser wird nämlich stellvertretend für alle Tiere genommen.

aśvaṃ tena paśūnāṃ praty ālabhyate

so wird damit das Ross unter den Tieren vertreten;

aṣṭāśaphān paśūm̐s tena

damit die achthufigen Tiere [?].

niyutvatī yājyānuvākye kuryāt

Er soll Yājyā und Anuvākyā mit „niyut“ [Anm.: Vāyus Gespann] nehmen –

yajamānasya dhṛtyā anunmādāya

zur Festigkeit des Opferherrn, damit er nicht toll werde.

yan na niyutvatī syātām ud vā mādyed yajamānaḥ pra vā patet

Wären sie nicht mit niyut, so würde der Opferherr entweder toll werden oder abstürzen.

vāyumatī śukravatī

(Verse) mit Vāyu und mit „śukra“ (hell) –

vāyur vā agnes tejas

Vāyu ist nämlich Agnis Glanz;

tasmād yadriyaṅ vāto vāti tad agnir anveti

darum folgt Agni dorthin, wohin der Wind weht.

svam eva tat tejo 'nveti

Seinem eigenen Glanz folgt er dabei eben.

vāyur vai paśūnāṃ priyaṃ dhāma

Vāyu ist nämlich der Tiere liebe Stätte;

etam evainam abhisaṃjānānāḥ paśava upatiṣṭhante

darum stehen die Tiere ihm bei, ihn eben (als ihren) erkennend.

vāyavyā kāryā3 prājāpatyā3 iti mīmām̐sante

„Soll (die Gottheit) Vāyu zugehörig sein oder Prajāpati zugehörig?“ – so erwägen sie.

yad vāyavyāṃ kuryāt prajāpater iyāt

Machte er sie Vāyu-zugehörig, so ginge er von Prajāpati weg.

yat prājāpatyāṃ vāyor iyāt

Machte er sie Prajāpati-zugehörig, so ginge er von Vāyu weg.

ya eva kaścāgnau paśur ālabhyate tasyāgnaye vaiśvānarāya puroḍāśaṃ kuryāt

Für jedes beliebige Tier, das im Feuer genommen wird, soll er dem Agni Vaiśvānara einen Puroḍāśa-Kuchen machen.

yad vāyavyaḥ paśus

Weil das Tier Vāyu gehört,

tena vāyor naiti

geht er damit nicht von Vāyu weg;

yat prājāpatyaḥ puroḍāśas

weil der Puroḍāśa Prajāpati gehört,

tena prajāpater naiti

geht er damit nicht von Prajāpati weg;

yad dvādaśakapālas

weil er auf zwölf Scherben (gebacken) ist,

dvādaśamāsas saṃvatsaras saṃvatsaro 'gnir vaiśvānaras

– das Jahr hat zwölf Monate, das Jahr ist Agni Vaiśvānara –

tena vaiśvānaratvān naiti ‖

geht er damit von der Vaiśvānara-Natur nicht weg.