dṛśāno rukma urviyā vyadyaud iti rukmaṃ pratimuñceta
„Sichtbar leuchtete der Goldschmuck weithin auf“ – mit diesem (Vers) soll er den Goldschmuck (rukma) anlegen.
Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 19
dṛśāno rukma urviyā vyadyaud iti rukmaṃ pratimuñceta
„Sichtbar leuchtete der Goldschmuck weithin auf“ – mit diesem (Vers) soll er den Goldschmuck (rukma) anlegen.
mṛtyur vā agnir amṛtam̐ hiraṇyam
Der Tod ist nämlich Agni, das Unsterbliche ist das Gold.
amṛtenaiva mṛtyor antardhatte
Mit dem Unsterblichen eben schiebt er sich vom Tod ab (trennt sich von ihm).
ekavim̐śatinirbādho bhavati
Er hat ein Gehänge aus einundzwanzig (Perlen) [?].
pratiṣṭhityai
Zum festen Stand.
ekavim̐śatir devalokās
Einundzwanzig sind der Götterwelten [Anm.: nämlich zwölf Monate, fünf Jahreszeiten, drei Welten und die Sonne],
tebhya eva bhrātṛvyaṃ nirbādhate
von eben diesen drängt er den Rivalen (bhrātṛvya) ab.
bahiṣṭān nirbādhaṃ kuryāt
Das Gehänge soll man nach außen hin machen [?],
asmād evainaṃ lokān nirbādhate
so drängt er ihn eben aus dieser Welt ab.
ubhayataḥ paryasyati pratimuñcamānas
Beim Anlegen wirft er (die Schnur) nach beiden Seiten herum,
ubhābhyām evainaṃ lokābhyāṃ nirbhajati
so schneidet er ihn von beiden Welten ab.
naktoṣāseti
„Nacht und Morgenröte“ (sagt er) –
ahorātrābhyām evainaṃ parigṛhṇāti
so umfasst er ihn mit Tag und Nacht.
devā agniṃ dhārayan draviṇodā iti
„Die Götter, die Guthaben-Geber, hielten Agni“ –
prāṇā vai devā draviṇodāḥ
die Lebenshauche sind nämlich die Götter, die Guthaben-Geber (draviṇodās).
prāṇair evainaṃ dādhāra
Mit den Lebenshauchen eben hält er ihn.
ṣaḍudyāmam̐ śikyaṃ bhavati
Das Tragnetz (śikya) hat sechs Schlingen (?).
ṣaḍ vā ṛtavas
Sechs sind nämlich die Jahreszeiten,
ṛtubhir evainaṃ parigṛhṇāti
mit den Jahreszeiten eben umfasst er ihn.
dvādaśodyāmaṃ bhavati
Es hat zwölf Schlingen.
dvādaśa māsās saṃvatsaras
Zwölf Monate sind das Jahr,
saṃvatsareṇaivainaṃ parigṛhṇāti
mit dem Jahr eben umfasst er ihn.
mauñjaṃ bhavati
Es ist aus Muñja-Gras.
ūrg vai muñjās
Nahrungskraft sind nämlich die Muñja-Gräser,
ūrjainaṃ parigṛhṇāti ‖
mit Nahrungskraft umfasst er ihn.
nādhonābhi bibhṛyāt
Nicht unterhalb des Nabels soll man (ihn) tragen,
agnir asya reto nirdahet
sonst würde Agni seinen Samen verbrennen.
ūrdhvaṃ nābhyā bibhṛyāt
Oberhalb des Nabels soll man (ihn) tragen.
ūrdhvaṃ nābhyās sadevam
Oberhalb des Nabels ist (der Ort) mit den Göttern.
agnis sarvā devatās
Agni ist alle Gottheiten,
sadeva eva devatā bibharti
zusammen mit den Göttern trägt er eben die Gottheit.
viśvā rūpāṇīti sāvitryā pratimuñcate
„Alle Gestalten“ – mit dem an Savitṛ gerichteten (Vers) legt er (den Schmuck) an,
prasūtyai
zur Anregung (Geburt).
āsīnaḥ pratimuñcate
Sitzend legt er ihn an.
tasmād āsīnāḥ prajāḥ prajāyante
Daher werden die Geschöpfe sitzend geboren (gezeugt) [?].
suparṇo 'si garutmān iti
„Ein Schönflügeliger bist du, Garutmat“ –
agner vā ete saṃbhārās
Dies sind nämlich Agnis Zutaten,
agnim evaitais saṃbharati
mit ihnen bringt er Agni eben zusammen.
etad vā agneḥ priyaṃ dhāma
Dies ist nämlich Agnis liebe Stätte,
tad evāvarunddhe
die gewinnt er eben.
divaṃ gaccha svaḥ pateti
„Geh zum Himmel, fliege zum Licht (Svar)!“
svargasya lokasya samaṣṭyai
Zur Erlangung der Himmelswelt.
asurāṇāṃ vā ime lokā āsan
Den Asuras gehörten einst diese Welten.
te devā viṣṇum abruvan yāvad ayaṃ kumāro vikramate tāvan no datteti
Die Götter sagten zu Viṣṇu: „Soweit dieser Knabe ausschreitet, soviel gebt uns!“
sa sakṛd evemāṃ vyakramata gāyatrīṃ chandas sakṛd antarikṣaṃ triṣṭubhaṃ chandas sakṛd divaṃ jagatīṃ chandas sakṛd diśo 'nuṣṭubhaṃ chandas
Er schritt mit einem Schritt über diese (Erde) hinaus, das Gāyatrī-Metrum, mit einem den Luftraum, das Triṣṭubh-Metrum, mit einem den Himmel, das Jagatī-Metrum, mit einem die Himmelsrichtungen, das Anuṣṭubh-Metrum.
te devā imāṃl lokān asurāṇām avindanta
Die Götter gewannen diese Welten von den Asuras.
tato devā abhavan parāsurā abhavan
Daraufhin wurden die Götter (siegreich), die Asuras unterlagen.
ya evaṃ vidvān prakramān prakrāmatīmān eva lokān bhrātṛvyasya vindate
Wer, dies wissend, die Schritte ausschreitet, gewinnt eben diese Welten vom Rivalen.
bhavaty ātmanā parāsya bhrātṛvyo bhavati
Er selbst kommt zu Wohlstand, sein Rivale geht zugrunde.
akrandad agnir iti
„Es brüllte Agni“ –
etayā vai vatsaprīr bhālandano 'gneḥ priyaṃ dhāmāvārunddha
mit diesem (Vers) gewann nämlich Vatsaprī Bhālandana Agnis liebe Stätte.
agner evaitayā priyaṃ dhāmāvarunddhe
Agnis liebe Stätte gewinnt er mit ihm eben.
agne 'bhyāvartinn agne aṅgiraḥ punar ūrjā saha rayyeti punar eti
„Agni, Zurückwendender! Agni Aṅgiras! Wieder mit Kraft und Reichtum“ – (mit diesem Vers) kehrt er zurück.
tasmād grāmyāḥ paśavas sāyam araṇyād grāmam āyānti
Daher kommen die Dorftiere abends aus dem Wald ins Dorf.
catasṛbhis
Mit vier (Versen),
catuṣpādā hi paśavas
denn vierfüßig sind die Tiere.
dakṣiṇā paryāvartate
Er wendet sich nach rechts (südlich) herum.
tasmād dakṣiṇo 'rdha ātmano vīryāvattaras
Daher ist die rechte Körperhälfte kraftvoller.
ā tvāhārṣam iti
„Ich habe dich hergebracht“ –
ā hy enam̐ harati
denn er bringt ihn (Agni) her.
viśas tvā sarvā vāñchantv asme rāṣṭram adhiśrayeti
„Alle Stämme sollen dich begehren, bei uns das Königtum stütze dich!“ –
yaṃ kāmayeta rāṣṭram̐ syād iti taṃ manasā dhyāyet
Von wem er wünscht: „Er soll das Königtum haben“, an den soll er in Gedanken denken.
rāṣṭram eva bhavati
Er wird eben Königtum.
ud uttamaṃ varuṇa pāśam asmad iti
„Den obersten Strick, Varuṇa, löse von uns“ –
śunaśśepo vā etām ājīgartir varuṇagṛhīto 'paśyat
diesen (Vers) sah nämlich Śunaśśepa Ājīgarti, von Varuṇa ergriffen.
tayā vai sa varuṇapāśād amucyata
Durch ihn wurde er aus Varuṇas Fessel befreit.
varuṇapāśam evaitayā pramuñcate
Varuṇas Fessel löst er mit ihm eben ab.
agre bṛhann uṣasām ūrdhvo asthād iti
„Zu Anfang stand hoch aufgerichtet der Große der Morgenröten“ –
pāpmā vai tamaḥ
Das Unheil ist nämlich Finsternis,
pāpmānam evaitayāpahate
das Unheil schlägt er mit ihm eben weg.
ham̐saś śuciṣad iti
„Der Schwan, im Reinen sitzend“ –
sāptāny evaitayā prīṇāti
mit ihm erfreut er eben die Siebenheiten [?].
sad iti
„Sitzend“ (sad) –
abhipūrvam evainam̐ sati pratiṣṭhāpayati
im Seienden (sat) lässt er ihn nach vorn hin fest stehen [?].
āsandyām̐ sādayati
Auf dem Sessel (āsandī) lässt er ihn nieder.
sūyate vā eṣo 'gnīnāṃ ya ukhāyāṃ bhriyate
Es wird nämlich unter den Feuern jener geboren, der im Feuertopf (ukhā) getragen wird.
tasmād āsandyām̐ sādayati
Daher lässt er ihn auf dem Sessel nieder.
yad adhas sādayet prapādukā garbhās syur
Würde er ihn unten niedersetzen, würden die Leibesfrüchte abfallen (Fehlgeburten sein).
upari sādayati
Oben lässt er ihn nieder,
garbhāṇāṃ dhṛtyai
zum Halten der Leibesfrüchte,
aprapādāya
zum Nichtabfallen.
tisṛbhir upatiṣṭhate
Mit drei (Versen) verehrt er ihn.
trayaḥ prāṇāḥ prāṇo vyāno 'pānas
Drei sind die Lebenshauche: Prāṇa, Vyāna, Apāna;
tān eva yajamāne dadhāti
die legt er eben in den Opferherrn.
traya ime lokās
Drei sind diese Welten,
eṣv eva lokeṣv ṛdhnoti ‖
in diesen Welten eben gedeiht er.