Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 19

Anuvāka 11 Regeln und Deutungen zum Anlegen des Goldschmucks und des Tragnetzes für den Feuertopf (ukhā) samt den begleitenden Versen und der Viṣṇu-Schrittlegende.

dṛśāno rukma urviyā vyadyaud iti rukmaṃ pratimuñceta

„Sichtbar leuchtete der Goldschmuck weithin auf“ – mit diesem (Vers) soll er den Goldschmuck (rukma) anlegen.

mṛtyur vā agnir amṛtam̐ hiraṇyam

Der Tod ist nämlich Agni, das Unsterbliche ist das Gold.

amṛtenaiva mṛtyor antardhatte

Mit dem Unsterblichen eben schiebt er sich vom Tod ab (trennt sich von ihm).

ekavim̐śatinirbādho bhavati

Er hat ein Gehänge aus einundzwanzig (Perlen) [?].

ekavim̐śatir devalokās

Einundzwanzig sind der Götterwelten [Anm.: nämlich zwölf Monate, fünf Jahreszeiten, drei Welten und die Sonne],

tebhya eva bhrātṛvyaṃ nirbādhate

von eben diesen drängt er den Rivalen (bhrātṛvya) ab.

bahiṣṭān nirbādhaṃ kuryāt

Das Gehänge soll man nach außen hin machen [?],

asmād evainaṃ lokān nirbādhate

so drängt er ihn eben aus dieser Welt ab.

ubhayataḥ paryasyati pratimuñcamānas

Beim Anlegen wirft er (die Schnur) nach beiden Seiten herum,

ubhābhyām evainaṃ lokābhyāṃ nirbhajati

so schneidet er ihn von beiden Welten ab.

naktoṣāseti

„Nacht und Morgenröte“ (sagt er) –

ahorātrābhyām evainaṃ parigṛhṇāti

so umfasst er ihn mit Tag und Nacht.

devā agniṃ dhārayan draviṇodā iti

„Die Götter, die Guthaben-Geber, hielten Agni“ –

prāṇā vai devā draviṇodāḥ

die Lebenshauche sind nämlich die Götter, die Guthaben-Geber (draviṇodās).

prāṇair evainaṃ dādhāra

Mit den Lebenshauchen eben hält er ihn.

ṣaḍudyāmam̐ śikyaṃ bhavati

Das Tragnetz (śikya) hat sechs Schlingen (?).

ṣaḍ vā ṛtavas

Sechs sind nämlich die Jahreszeiten,

ṛtubhir evainaṃ parigṛhṇāti

mit den Jahreszeiten eben umfasst er ihn.

dvādaśodyāmaṃ bhavati

Es hat zwölf Schlingen.

dvādaśa māsās saṃvatsaras

Zwölf Monate sind das Jahr,

saṃvatsareṇaivainaṃ parigṛhṇāti

mit dem Jahr eben umfasst er ihn.

ūrg vai muñjās

Nahrungskraft sind nämlich die Muñja-Gräser,

ūrjainaṃ parigṛhṇāti ‖

mit Nahrungskraft umfasst er ihn.

nādhonābhi bibhṛyāt

Nicht unterhalb des Nabels soll man (ihn) tragen,

agnir asya reto nirdahet

sonst würde Agni seinen Samen verbrennen.

ūrdhvaṃ nābhyā bibhṛyāt

Oberhalb des Nabels soll man (ihn) tragen.

ūrdhvaṃ nābhyās sadevam

Oberhalb des Nabels ist (der Ort) mit den Göttern.

sadeva eva devatā bibharti

zusammen mit den Göttern trägt er eben die Gottheit.

viśvā rūpāṇīti sāvitryā pratimuñcate

„Alle Gestalten“ – mit dem an Savitṛ gerichteten (Vers) legt er (den Schmuck) an,

tasmād āsīnāḥ prajāḥ prajāyante

Daher werden die Geschöpfe sitzend geboren (gezeugt) [?].

suparṇo 'si garutmān iti

„Ein Schönflügeliger bist du, Garutmat“ –

agner vā ete saṃbhārās

Dies sind nämlich Agnis Zutaten,

agnim evaitais saṃbharati

mit ihnen bringt er Agni eben zusammen.

etad vā agneḥ priyaṃ dhāma

Dies ist nämlich Agnis liebe Stätte,

divaṃ gaccha svaḥ pateti

„Geh zum Himmel, fliege zum Licht (Svar)!“

svargasya lokasya samaṣṭyai

Zur Erlangung der Himmelswelt.

asurāṇāṃ vā ime lokā āsan

Den Asuras gehörten einst diese Welten.

te devā viṣṇum abruvan yāvad ayaṃ kumāro vikramate tāvan no datteti

Die Götter sagten zu Viṣṇu: „Soweit dieser Knabe ausschreitet, soviel gebt uns!“

sa sakṛd evemāṃ vyakramata gāyatrīṃ chandas sakṛd antarikṣaṃ triṣṭubhaṃ chandas sakṛd divaṃ jagatīṃ chandas sakṛd diśo 'nuṣṭubhaṃ chandas

Er schritt mit einem Schritt über diese (Erde) hinaus, das Gāyatrī-Metrum, mit einem den Luftraum, das Triṣṭubh-Metrum, mit einem den Himmel, das Jagatī-Metrum, mit einem die Himmelsrichtungen, das Anuṣṭubh-Metrum.

te devā imāṃl lokān asurāṇām avindanta

Die Götter gewannen diese Welten von den Asuras.

tato devā abhavan parāsurā abhavan

Daraufhin wurden die Götter (siegreich), die Asuras unterlagen.

ya evaṃ vidvān prakramān prakrāmatīmān eva lokān bhrātṛvyasya vindate

Wer, dies wissend, die Schritte ausschreitet, gewinnt eben diese Welten vom Rivalen.

bhavaty ātmanā parāsya bhrātṛvyo bhavati

Er selbst kommt zu Wohlstand, sein Rivale geht zugrunde.

etayā vai vatsaprīr bhālandano 'gneḥ priyaṃ dhāmāvārunddha

mit diesem (Vers) gewann nämlich Vatsaprī Bhālandana Agnis liebe Stätte.

agner evaitayā priyaṃ dhāmāvarunddhe

Agnis liebe Stätte gewinnt er mit ihm eben.

agne 'bhyāvartinn agne aṅgiraḥ punar ūrjā saha rayyeti punar eti

„Agni, Zurückwendender! Agni Aṅgiras! Wieder mit Kraft und Reichtum“ – (mit diesem Vers) kehrt er zurück.

tasmād grāmyāḥ paśavas sāyam araṇyād grāmam āyānti

Daher kommen die Dorftiere abends aus dem Wald ins Dorf.

catuṣpādā hi paśavas

denn vierfüßig sind die Tiere.

dakṣiṇā paryāvartate

Er wendet sich nach rechts (südlich) herum.

tasmād dakṣiṇo 'rdha ātmano vīryāvattaras

Daher ist die rechte Körperhälfte kraftvoller.

ā tvāhārṣam iti

„Ich habe dich hergebracht“ –

viśas tvā sarvā vāñchantv asme rāṣṭram adhiśrayeti

„Alle Stämme sollen dich begehren, bei uns das Königtum stütze dich!“ –

yaṃ kāmayeta rāṣṭram̐ syād iti taṃ manasā dhyāyet

Von wem er wünscht: „Er soll das Königtum haben“, an den soll er in Gedanken denken.

ud uttamaṃ varuṇa pāśam asmad iti

„Den obersten Strick, Varuṇa, löse von uns“ –

śunaśśepo vā etām ājīgartir varuṇagṛhīto 'paśyat

diesen (Vers) sah nämlich Śunaśśepa Ājīgarti, von Varuṇa ergriffen.

tayā vai sa varuṇapāśād amucyata

Durch ihn wurde er aus Varuṇas Fessel befreit.

varuṇapāśam evaitayā pramuñcate

Varuṇas Fessel löst er mit ihm eben ab.

agre bṛhann uṣasām ūrdhvo asthād iti

„Zu Anfang stand hoch aufgerichtet der Große der Morgenröten“ –

pāpmā vai tamaḥ

Das Unheil ist nämlich Finsternis,

pāpmānam evaitayāpahate

das Unheil schlägt er mit ihm eben weg.

ham̐saś śuciṣad iti

„Der Schwan, im Reinen sitzend“ –

sāptāny evaitayā prīṇāti

mit ihm erfreut er eben die Siebenheiten [?].

abhipūrvam evainam̐ sati pratiṣṭhāpayati

im Seienden (sat) lässt er ihn nach vorn hin fest stehen [?].

āsandyām̐ sādayati

Auf dem Sessel (āsandī) lässt er ihn nieder.

sūyate vā eṣo 'gnīnāṃ ya ukhāyāṃ bhriyate

Es wird nämlich unter den Feuern jener geboren, der im Feuertopf (ukhā) getragen wird.

tasmād āsandyām̐ sādayati

Daher lässt er ihn auf dem Sessel nieder.

yad adhas sādayet prapādukā garbhās syur

Würde er ihn unten niedersetzen, würden die Leibesfrüchte abfallen (Fehlgeburten sein).

garbhāṇāṃ dhṛtyai

zum Halten der Leibesfrüchte,

tisṛbhir upatiṣṭhate

Mit drei (Versen) verehrt er ihn.

trayaḥ prāṇāḥ prāṇo vyāno 'pānas

Drei sind die Lebenshauche: Prāṇa, Vyāna, Apāna;

tān eva yajamāne dadhāti

die legt er eben in den Opferherrn.

eṣv eva lokeṣv ṛdhnoti ‖

in diesen Welten eben gedeiht er.