Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 19

Anuvāka 5 Wasser und Pflanzen, Vāyu und Vaṣaṭ-Ruf, Kleidung Agnis, Lösen des Varuṇa-Bandes (Varuṇamenī), Mischen des Tons mit Ziegenhaar, Kies und Scherben.

apo devīr upa sṛja madhumatīr iti

„Die göttlichen Wasser lass hinzu, die honigreichen“ – so;

oṣadhīnāṃ pratiṣṭhityai

zum Standfassen der Pflanzen.

tāsām āsthānād ujjihatām oṣadhayas supippalā iti

„Von ihrem Standort mögen aufspringen die Pflanzen, reich an Früchten“ – so.

tasmād oṣadhayaḥ phalaṃ gṛhṇanti

Darum tragen die Pflanzen Früchte.

saṃ te vāyur mātariśvā dadhātv iti

„Zusammenfügen soll dich Vāyu, Mātariśvan“ – so.

tasmād vāyur vṛṣṭiṃ vahati

Darum führt Vāyu den Regen herbei.

prāṇo vai vāyuḥ

Vāyu ist nämlich der Lebenshauch;

prāṇam evāsmin dadhāti

Lebenshauch eben legt er in ihn.

tasmai deva vaṣaḍ astu tubhyam iti

„Dem, o Gott, sei Vaṣaṭ, dir“ – so.

ṣaḍ vā ṛtavas

Sechs sind nämlich die Jahreszeiten;

ṛtuṣv eva vṛṣṭiṃ dadhāti

in die Jahreszeiten eben legt er den Regen.

tasmād ṛtumṛtuṃ varṣati

Darum regnet es in jeder Jahreszeit.

yat pratyakṣaṃ vaṣaṭ kuryād yātayāmā vaṣaṭkāras syāt

Würde er das Vaṣaṭ offen [in Gegenwart] machen, so wäre der Vaṣaṭ-Ruf kraftlos (yātayāma).

yan na vaṣaṭ kuryād rakṣām̐si yajñam̐ hanyus

Würde er kein Vaṣaṭ machen, so würden die Unholde das Opfer schlagen.

tasmai deva vaṣaḍ astu tubhyam iti

„Dem, o Gott, sei Vaṣaṭ, dir“ – so;

parokṣaṃ na yātayāmā vaṣaṭkāro bhavati

im Verborgenen [in der dritten Person gesprochen] wird der Vaṣaṭ-Ruf nicht kraftlos,

na rakṣām̐si yajñaṃ ghnanti ‖

nicht schlagen die Unholde das Opfer.

yad ājyena juhuyāc chucā pṛthivīm arpayet

Würde er mit Schmalz opfern, so würde er die Erde der Glut (śuc) übergeben.

śāntyā anuddāhāya

zur Beruhigung, damit nichts verbrennt.

sujāto jyotiṣeti

„Wohlgeboren durch Licht“ – so.

etarhi vā eṣa jāyate yarhi saṃbhriyate

Dieser wird nämlich jetzt geboren, wenn er zusammengebracht wird;

jāta evāsmiñ jyotir dadhāti

dem Geborenen eben legt er Licht ein.

śarma varūtham āsadat svar iti

„Schutz, Schirm hat er eingenommen, das Himmelslicht“ – so.

brahma vai śarma varūtham

Das heilige Wort ist nämlich Schutz und Schirm;

brahmaṇy evainaṃ pratiṣṭhāpayati

im heiligen Wort eben lässt er ihn Stand fassen.

vāso agne viśvarūpam̐ saṃvyayasva vibhāvasa iti

„Das allgestaltige Gewand, Agni, umhülle dich, du Lichtreicher“ – so.

cchandām̐si vā agner vāsas

Die Metren sind nämlich Agnis Gewand;

chandobhir evainaṃ paridadhāti

mit den Metren eben bekleidet er ihn.

anuṣṭub vā agneḥ priyā tanūḥ

Die Anuṣṭubh ist nämlich Agnis liebe Gestalt;

priyayaivainaṃ tanvā paridadhāti

mit der lieben Gestalt eben bekleidet er ihn.

veduko vāso bhavati ya evaṃ veda ‖

Ein Gewand wird zuteil, wer dies weiß [?].

varuṇamenir vā eṣa upanaddhas

Dieser (Agni) ist nämlich vom Varuṇa-Band (Varuṇamenī) umbunden.

ud u tiṣṭha svadhvarordhva ū ṣu ṇa ūtaya iti

„Steh auf, o Wohlopfernder, aufrecht zu unserer Hilfe“ – so.

ūrdhvām eva varuṇamenim utsuvati

Aufwärts eben löst er das Varuṇa-Band.

dvipād yajamānaḥ

zweifüßig ist der Opferherr;

sa jāto garbho asi rodasyor iti

„Du, geboren, bist der Keim der beiden Welten“ – so.

ime vai rodasī

Diese beiden sind nämlich die beiden Welten (rodasī);

anayor evainaṃ pratiṣṭhāpayati

in ihnen eben lässt er ihn Stand fassen.

agne cārur vibhṛta oṣadhīṣv iti

„Agni, lieblich getragen in den Pflanzen“ – so.

tasmād agnis sarvā anv oṣadhīḥ

Darum ist Agni in allen Pflanzen.

pra mātṛbhyo adhi kanikradad gā iti

„Vorwärts von den Müttern her, laut brüllend, ging er“ – so.

oṣadhayo vā etasya mātaras

Die Pflanzen sind nämlich dessen Mütter;

tābhya evainam adhipraṇayati

von diesen aus führt er ihn eben hin.

sthiro bhava vīḍvaṅga iti

„Sei fest, starkgliedrig“ – so.

gardabha eva sthemānaṃ dadhāti

Dem Esel eben legt er Festigkeit ein.

tasmād eṣa paśūnāṃ bhārabhāritamas

Darum ist dieser unter den Tieren der beste Lastträger.

śivo bhava prajābhyo mānuṣībhyas tvam aṅgira iti

„Sei gnädig den Menschengeschlechtern, du, Aṅgiras“ – so.

abhi vā eṣa etarhi prajāś śocayati

Dieser nämlich versengt jetzt die Geschöpfe;

mā dyāvāpṛthivī abhiśuco māntarikṣaṃ mā vanaspatīn iti

„Nicht Himmel und Erde versenge, nicht den Luftraum, nicht die Bäume“ – so.

ebhya evainaṃ lokebhyaś śamayati

Von diesen Welten her eben beruhigt er ihn.

praitu vājī kanikradad iti

„Vorwärts gehe der Renner, wiehernd“ – so;

mā pādy āyuṣaḥ pureti

„Nicht falle er vor (Ablauf) der Lebenszeit“ – so.

āyur evāsmin dadhāti

Lebenszeit eben legt er in ihn.

tasmād gardabhas sarvam āyur eti

Darum erreicht der Esel die ganze Lebenszeit;

tasmād gardabhe pramīte bibhyati

darum fürchtet man sich, wenn ein Esel verendet.

vṛṣāgniṃ vṛṣaṇaṃ bharann iti

„Als Stier tragend Agni, den Stier“ – so.

vṛṣā hy eṣa vṛṣāṇaṃ bharati

Denn dieser (Esel) ist ein Stier [Hengst] und trägt den Stier.

apāṃ garbham̐ samudriyam iti

„Den Keim der Wasser, den meerentstammten“ – so.

apām̐ hy eṣa garbhas samudriyas

Denn dieser ist der Keim der Wasser, meerentstammt.

agna āyāhi vītaya iti

„Agni, komm zum Genuss“ – so.

agninā vai devā idam agre vyāyan

Mit Agni nämlich zogen die Götter zuerst dieses (All) auseinander [?].

pracyuto vā eṣa etarhy āyatanād agataḥ pratiṣṭhām̐ sa yajamānaṃ caivādhvaryuṃ ca dhyāyati

Dieser, jetzt von seiner Stätte herabgefallen und ohne Halt gegangen, sinnt nämlich auf Schaden dem Opferherrn und dem Adhvaryu [?].

ṛtam̐ satyam ṛtam̐ satyam iti

„Wahrheit, Wahrhaftigkeit; Wahrheit, Wahrhaftigkeit“ – so.

iyaṃ vā ṛtam asau satyam

Diese (Erde) ist nämlich die Wahrheit (ṛta), jener (Himmel) die Wahrhaftigkeit (satya);

anayor evainaṃ pratiṣṭhāpayati

in diesen beiden eben lässt er ihn Stand fassen.

oṣadhayaḥ pratigṛhṇītāgnim etam̐ śivam āyantam abhy atra yuṣmān iti

„Ihr Pflanzen, nehmt diesen Agni an, den gnädigen, der zu euch hierher kommt“ – so.

oṣadhayo vā etasya bhāgadheyam

Die Pflanzen sind nämlich dessen Anteil (bhāgadheya);

tābhir evainam̐ samyañcaṃ dadhāti

mit ihnen eben fügt er ihn einträchtig zusammen;

atho yābhya enaṃ pracyāvayati tāsv enaṃ pratiṣṭhāpayati ‖

und auch: aus denen er ihn herausgelöst hat, in ihnen lässt er ihn Stand fassen.

puṣpavatīs supippalā iti

„Blütenreiche, fruchtreiche“ – so.

tasmād oṣadhayaḥ phalaṃ gṛhṇanti

Darum tragen die Pflanzen Früchte.

dvābhyām upāvaharati

Mit zweien bringt er (den Ton) herab [?];

dvipād yajamānaḥ

zweifüßig ist der Opferherr;

vi pājaseti vi sram̐sayati

„Mit Glanz auseinander“ – so lässt er es auseinanderfallen.

varuṇamenim eva viṣyati

Das Varuṇa-Band eben löst er.

āpo hi ṣṭhā mayobhuva ity apa upasṛjati

„Ihr Wasser seid ja Wohltuende“ – so lässt er Wasser hinzu.

śāntābhir evāsya śucam̐ śamayati

mit den beruhigenden eben stillt er dessen Glut.

yāvān evāgnis tasya śucam̐ śamayati

so groß Agni ist, dessen Glut stillt er.

ajalomais sam̐sṛjati

Mit Ziegenhaaren mischt er.

eṣā vā agneḥ priyā tanūr yad ajā

Die Ziege ist nämlich Agnis liebe Gestalt;

priyayaivainaṃ tanvā sam̐sṛjati

mit der lieben Gestalt eben mischt er ihn.

armyaiḥ kapālais sam̐sṛjati

Mit Scherben von verfallenen [Gefäßen] [?] mischt er.

āraṇyān eva paśūñ śucārpayati

Die wilden Tiere eben übergibt er der Glut;

yad grāmyais sam̐sṛjed grāmyān paśūñ śucārpayet

würde er mit Zahmem mischen, so würde er die zahmen Tiere der Glut übergeben.

tasmād ete samāvat paśūnāṃ prajāyamānānāṃ kaniṣṭhās

Darum sind diese bei gleicher Leistung unter den sich fortpflanzenden Tieren die jüngsten [?],

śucā hy eta ṛtāḥ ‖

denn diese sind von der Glut getroffen [?].