Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 21

Anuvāka 11 Die Vasor-dhārā-Spende: Sinn ihrer Formeln, Zahlen und Paare, und dass sie Speise, Kraft und Halt verschafft.

vasordhārāṃ juhoti

Die Vasor-dhārā [Anm.: „Strom des Guten“, Spendenreihe mit fortlaufendem Guss] bringt er dar.

vasor me dhārāsad iti vā eṣā hūyate

„Der Strom des Guten möge mir sein“, mit dieser (Formel) wird sie fürwahr dargebracht.

ghṛtasya vā eṣā dhārāmuṣmiṃl loke yajamānam upatiṣṭhate

Dies ist ein Strom von Schmelzbutter, der in jener Welt dem Opferherrn zur Seite steht.

saṃtataṃ juhoti

Ununterbrochen opfert er.

annādyasya saṃtatyai

Zur Ununterbrochenheit des Speisegenusses.

yaṃ dviṣyāt tasya vicchindyāt

Wen man hasst, dessen (Guss) soll man unterbrechen;

annādyam evāsya vicchinatti

dessen Speisegenuss schneidet man so ab.

ghṛtena juhoti

Mit Schmelzbutter opfert er.

tejo vai ghṛtam

Glanz ist fürwahr die Schmelzbutter,

tejasy eva tejo dadhāti

in den Glanz legt er Glanz.

akḷptasya vā eṣā kḷptyai hūyate

Diese wird für die Ordnung des noch Ungeordneten dargebracht,

anavaruddhasyāvaruddhyai

für die Gewinnung des noch nicht Gewonnenen,

anabhijitasyābhijityai

für den Sieg über das noch nicht Besiegte.

prāṇaś cāpānaś ceti

„Einatmung und Ausatmung“ –

prāṇāpānā eva yajamāne dadhāti

so legt er Ein- und Ausatmung in den Opferherrn.

annaṃ ca cakṣuś ceti

„Speise und Auge“ –

etad vā annasya rūpam

dies ist fürwahr die Gestalt der Speise;

rūpeṇaivānnam avarunddhe

durch die Gestalt gewinnt er die Speise.

dvādaśaitāni dvādaśāni juhoti

Zwölf Zwölfergruppen dieser (Formeln) opfert er.

dvādaśa māsās saṃvatsaras

Zwölf Monate hat das Jahr;

saṃvatsareṇaivānnādyam avarunddhe ‖

durch das Jahr gewinnt er den Speisegenuss.

agniś cāpaś ceti

„Agni und die Wasser“ –

eṣā vā annasya yonis

dies ist fürwahr der Mutterschoß der Speise;

sayony evānnam avarunddhe

mit ihrem Mutterschoß gewinnt er die Speise.

ardhendrāṇi juhoti

Er opfert Formeln mit „Indra“ als zweitem Halbvers [?].

devatānām avaruddhyai

Zur Gewinnung der Gottheiten.

yad ardhendrāṇi juhoti

Dass er solche mit Indra als Hälfte opfert,

tasmād indro devatānāṃ bhūyiṣṭhabhāg

darum ist Indra unter den Gottheiten der mit dem größten Anteil.

indram uttaraṃ karoti

Indra setzt er als Zweiten (nach oben).

indriya eva yajamānaṃ pratiṣṭhāpayati

In der Indra-Kraft lässt er den Opferherrn Halt gewinnen.

am̐śuś ca raśmiś ceti

„Am̐śu und Raśmi“ [Anm.: Strahl/Somastängel und Zügel] –

yajñamukham vā am̐śuś ca raśmiś ca

Am̐śu und Raśmi sind fürwahr des Opfers Mund;

yajñamukham evāvarunddhe

den Mund des Opfers gewinnt er.

srucaś ca camasāś ceti

„Opferlöffel und Becher“ –

etāni vai yajñasya rūpāṇi

dies sind fürwahr des Opfers Gestalten;

rūpair eva yajñam avarunddhe

durch die Gestalten gewinnt er das Opfer.

avabhṛthaś ca svagākāraś ceti

„Avabhṛtha und Svagākāra“ [Anm.: Abschlussbad und der Ruf svagā] –

agniś ca gharmaś ceti

„Agni und Gharma“ [Anm.: Glutkessel] –

etad vā agner brahmavarcasyam

dies ist fürwahr Agnis Brahmaglanz;

triyaviś ca triyavī ceti

„Triyavi und Triyavī“ [Anm.: Dreijähriger Stier und dreijährige Kuh] –

etāvanti vai paśūnāṃ vayām̐si

so viele Lebensalter hat fürwahr das Vieh;

savayasa eva paśūn avarunddhe

Vieh von allen Altern gewinnt er.

manuṣyacchandasaṃ vā ekā ca tisraś ca

dies ist fürwahr das menschliche Maß, Eins und Drei;

manuṣyacchandasam evāvarunddhe

das menschliche Maß gewinnt er.

devacchandasaṃ vai catasraś cāṣṭau ca

dies ist fürwahr das göttliche Maß, Vier und Acht;

devacchandasam evāvarunddhe ‖

das göttliche Maß gewinnt er.

yugmadayujau stomau mithunau

Der gerade und der ungerade Stoma bilden ein Paar;

mithunam eva dvyuttareṇa karoti

Ein Paar bildet er durch das um zwei Wachsende,

pra caturuttareṇa janayati

(und) er zeugt fort durch das um vier Wachsende [?].

ekā ca tisraś cety ā trayastrim̐śato juhoti

Von „Eins und drei“ an bis zu dreiunddreißig opfert er.

trayastrim̐śad devatās

Dreiunddreißig sind die Gottheiten;

catasraś cāṣṭau cety aṣṭācatvārim̐śatas

„Vier und Acht“ bis zu achtundvierzig.

aṣṭācatvārim̐śadakṣarā jagatī

Achtundvierzig Silben hat die Jagatī;

jāgatāḥ paśavaḥ

jagatī-artig ist das Vieh.

asminn eva loke manuṣyacchandasenardhnoty amuṣmin devacchandasena

In dieser Welt gedeiht er durch das menschliche Maß, in jener durch das göttliche.

vājaś ca prasavaś ceti

„Vāja und Prasava“ [Anm.: Kraftgewinn/Siegespreis und Antrieb] –

trayodaśaitā vyāhṛtayas trayodaśamāsas saṃvatsaras

dies sind dreizehn Anrufungen; das Jahr hat dreizehn Monate [Anm.: mit Schaltmonat].

antata eva saṃvatsaraṃ rohati

Am Ende steigt er auf das Jahr.

āyur yajñena kalpatām iti

„Lebensdauer möge durch das Opfer gelingen“ –

yajñasyaivaiṣā kḷptis

dies ist des Opfers Zurichtung.

annādyaṃ vai vasordhārā

Speisegenuss ist fürwahr die Vasor-dhārā;

annādyam eva vasordhārayāvarudhyānnādo bhūtvā

den Speisegenuss gewinnt er durch die Vasor-dhārā, und Speiseesser geworden,

stomaś ca yajuś ceti

„Stoma und Opferspruch“ –

devakṣatraṃ vai stomaś ca yajuś ca

dies ist fürwahr die Götter-Fürstenmacht, Stoma und Opferspruch;

antata eva devakṣatraṃ prāvasyati ‖

am Ende gelangt er in die Götter-Fürstenmacht hinein [?].