Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 21

Anuvāka 8 Indras Befreiung vom Unheil, Vaiśvakarmaṇa-Spenden, Gastmahl für Agni mit Brennhölzern, Aufstellung des Steins und Sprüche zur Kraftgewinnung.

indro vai vṛtram ahan

Indra erschlug nämlich den Vṛtra.

tam̐ hataṣ ṣoḍaśabhir bhogair asināt

Den Erschlagenen band er (das Unheil) mit sechzehn Windungen (Schlingen).

so 'gninā pāpmano bhogān apidahya vaiśvakarmaṇābhyāṃ pāpmano niramucyata

Er verbrannte durch Agni die Windungen des Unheils und wurde durch die beiden Vaiśvakarmaṇa-Sprüche vom Unheil befreit.

yad āgneyyā juhoti

Dass er mit einem Agni-Vers opfert,

agninaiva pāpmano bhogān apidahya vaiśvakarmaṇābhyāṃ pāpmano nirmucyate

damit verbrennt er durch Agni die Windungen des Unheils und wird durch die beiden Vaiśvakarmaṇa-Sprüche vom Unheil befreit.

ekaikayā juhuyād yadi kāmayeta ciraṃ pāpmano mucyeteti

Mit je einem einzelnen soll er opfern, wenn er wünscht: „Erst nach langer Zeit möge ich vom Unheil frei werden“;

ciram eva pāpmano mucyate

erst nach langer Zeit wird er vom Unheil frei.

sakṛt sarvān anūddrutyottamayā juhuyād yadi kāmayetājiraṃ pāpmano mucyeteti

Nachdem er alle auf einmal hintereinander (hinausgehend) [?] durchgeeilt ist, soll er mit dem letzten opfern, wenn er wünscht: „Schnell möge ich vom Unheil frei werden“;

ajiram eva pāpmano mucyate ‖

schnell wird er vom Unheil frei.

ṣoḍaśaṃ bhavati

Es ist das Sechzehnfache.

ṣoḍaśakalaḥ puruṣas

Der Mensch hat sechzehn Teile (Kalās).

yāvān evāsyātmā taṃ pāpmano muñcati

Soweit sein Selbst reicht, das befreit er vom Unheil.

atho ṣoḍaśabhir hi sa taṃ bhogair asināt

Zudem band jener ihn mit sechzehn Windungen.

nānā sūktābhyāṃ juhoti

Mit den beiden Sūktas opfert er getrennt.

sūktayor nānāvīryatvāya

Damit die Sūktas ihre je eigene Kraft haben.

bhāgedheyam evāsmā apidadhāti

Seinen Anteil also fügt er ihm hinzu.

yathā janam eśyate 'vasaṃ karoty evam evaitad agnaya ātithyaṃ kriyate

Wie man für einen Gast, den man erwartet, eine Unterkunft bereitet, so wird dem Agni Gastlichkeit erwiesen.

yāvān evāgnis tasmā ātithyaṃ karoti

soweit Agni reicht, dem erweist er Gastlichkeit.

auḍumbarīr bhavanti

Sie sind aus Udumbara-Holz;

ūrg vā uḍumbaras

der Udumbara ist nämlich Kraft (Saft);

ūrjam evāsmā apidadhāti

Kraft also fügt er ihm hinzu.

etad vā agneḥ priyaṃ dhāma yad ghṛtam

Die Butter ist nämlich Agnis liebe Stätte (Wesen);

priyam evāsmai dhāmātithyaṃ karoti

die liebe Stätte also erweist er ihm als Gastlichkeit.

ud u tvā viśve devā iti

„Empor, dich (heben) alle Götter“ –

prāṇā vai viśve devāḥ

die Lebenshauche sind nämlich die Allgötter;

prāṇair evainam udyacchate

mit den Lebenshauchen also hebt er ihn empor.

manuṣyā vai viśve devās

Die Menschen sind nämlich die Allgötter;

manuṣyair evainam udyacchate

mit den Menschen also hebt er ihn empor.

agne bharantu cittibhir iti

„Agni, sie sollen (dich) tragen mit (ihren) Gedanken“ –

yasmā evainaṃ cittāyodyacchate tenainam̐ samardhayati ‖

mit welcher Absicht er ihn emporhebt, damit lässt er ihn gedeihen.

diśa evainam anupraṇayati

die Himmelsrichtungen also lässt er ihn der Reihe nach durchlaufen.

dve parigṛhyavatī bhavatas

Zwei „umfassungshaltige“ (Sprüche) sind es –

rakṣasām apahatyai

zur Abwehr der Rakṣas (Dämonen).

harikeśas sūryaraśmir iti

„Der Gelbhaarige, der Sonnenstrahl“ –

devā devebhyo adhvarīyanto asthur iti

„Die Götter standen für die Götter, das Opfer vollziehend“ –

āśiṣām evaiṣa dohas

dies ist das Melken der Segenswünsche;

vimāna eṣa iti

„Dies ist das Ermessen“ [?] –

svargasyaivaiṣa lokasya vimānas

dies ist das Ausmessen der Himmelswelt.

ukṣā samudro aruṇas suparṇa ity aśmānam āgnīdhre sādayati

„Der Stier, das Meer, der Rötliche, der Schönbeschwingte“ – mit diesem (Spruch) setzt er den Stein im Āgnīdhra(-Raum) nieder.

anārambhaṇam iva vā etad anāyatanam iva yad antarikṣam

Ohne Halt (Anfassen) gleichsam, ohne Standort gleichsam ist der Luftraum;

antarikṣam āgnīdhram

der Āgnīdhra ist der Luftraum.

yad āgnīdhre sādayati

Dass er (den Stein) im Āgnīdhra niedersetzt,

āyatanam eva karoti

damit schafft er eben einen Standort.

madhye divo nihitaḥ pṛśnir aśmeti

„In der Mitte des Himmels niedergelegt ist der scheckige Stein“ –

annam evāvarunddhe

Speise also gewinnt er für sich.

dvābhyām̐ sādayati

Mit zweien setzt er (ihn) nieder;

dvipād yajamānaḥ

zweifüßig ist der Opferherr –

ṣaḍbhir āgnīdhrād yanti

Mit sechs gehen sie vom Āgnīdhra hinweg;

ṣaḍ vā ṛtavas

sechs sind nämlich die Jahreszeiten;

catasṛbhir ā pucchāt

mit vieren bis zum Schwanz;

catvāri vai chandām̐si

vier sind nämlich die Metren [?];

indriyam evāvarunddhe

Sinneskraft (Indriya) also gewinnt er für sich.

annaṃ vai vājās

die Vājas sind nämlich Speise;

annam evāvarunddhe

Speise also gewinnt er für sich.

anuṣṭubhā vaiśvadevyā yanti

Mit einem Anuṣṭubh-Vers an die Allgötter gehen sie (zum Altar).

vāg vā anuṣṭub

Die Rede ist nämlich die Anuṣṭubh;

vaiśvadevī vāk

die Rede gehört den Allgöttern;

sarvāṇi vā eṣā rūpāṇi

sie ist alle Gestalten;

sarvāṇi rūpāṇy agnau citye kriyante

alle Gestalten werden im zu schichtenden Agni gemacht;

tasmād etayā yanti

darum gehen sie mit diesem (Vers).

yajño vai sumnam

das Opfer ist nämlich Segen (Sumna);

yajñam evāvarunddhe

das Opfer also gewinnt er für sich.

vājasya mā prasavenodgrābhenodajīgṛbham iti

„Mit dem Antrieb der Kraft, mit dem Hochgreifen habe ich mich emporgehoben“ –

brahma vā udgrābho brahma nigrābhas

das heilige Wort ist nämlich das Hochgreifen (Udgrābha), das heilige Wort das Niederdrücken (Nigrābha).

asā āditya udyann udgrābha eṣa nimrocan nigrābhas

Jene Sonne ist beim Aufgehen der Udgrābha, beim Untergehen der Nigrābha.

brahmaṇaivātmānam udgṛhṇāti brahmaṇā bhrātṛvyam avagṛhṇāti

Mit dem heiligen Wort erhebt er sich selbst, mit dem heiligen Wort drückt er den Rivalen nieder.

athā sapatnān indrāgnī me viṣūcīnān vyasyatām iti

„Und die Nebenbuhler sollen Indra und Agni mir nach allen Seiten auseinanderwerfen“ –

ojo vai vīryam indrāgnī

Kraft und Manneskraft sind nämlich Indra und Agni;

ojasaiva vīryeṇa bhrātṛvyaṃ vinudate ‖

mit Kraft und Manneskraft also vertreibt er den Rivalen.