Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 21

Anuvāka 9 Sprüche beim Aufstieg zum Himmel, Spenden an Tag und Nacht, das Melken des Agni und die Vikaṅkata-, Śamī- und Śataghnī-Verse.

kramadhvam agninā nākam iti

„Schreitet mit Agni zum Nāka (dem Leidlosen)“ –

svargasya lokasyākramaḥ

dies ist das Hinaufschreiten zur Himmelswelt.

prācīm anu pradiśaṃ prehi vidvān iti

„Geh, wissend, der östlichen Himmelsrichtung nach“ –

devalokam evopāvartate

zur Götterwelt also kehrt er hin.

viśvā āśā dīdyad vibhāhīti

„Alle Himmelsgegenden erleuchtend, strahle auf“ –

tasmād agnis sarvā diśo vibhāti

darum erleuchtet Agni alle Himmelsrichtungen.

pṛthivyā aham ud antarikṣam āruham antarikṣād divam āruham iti

„Von der Erde bin ich zum Luftraum aufgestiegen, vom Luftraum zum Himmel bin ich aufgestiegen“ –

eṣām evaite lokānām̐ saṃkramās

dies sind die Übergänge dieser Welten;

svaryanto nāpekṣanta iti

„zum Himmel Gehende schauen nicht zurück“ –

svargasya lokasya samaṣṭyai

zur Erreichung der Himmelswelt.

agne prehi prathamo devāyatām iti

„Agni, geh voran als Erster unter den Götterstrebenden“ –

deveṣu caiva manuṣyeṣu ca cakṣur dadhāti

unter Göttern und unter Menschen also legt er das Auge (Blick, Ansehen) [in ihn].

iyakṣamāṇā bhṛgubhis sajoṣā iti

„Opfern wollend, im Einklang mit den Bhṛgus“ –

svargam evainaṃ lokaṃ gamayati

zur Himmelswelt also lässt er ihn gehen.

pañcabhir adhikrāmati

Mit fünf (Sprüchen) besteigt er (den Altar).

yāvān evāgnis tasmai namaskṛtyādhikrāmati ‖

soweit Agni reicht, dem Verehrung erweisend, besteigt er (den Altar).

naktoṣāsāgne sahasrākṣeti sam̐hitābhyāṃ juhoti

„Nacht und Morgenröte, Agni, Tausendäugiger“ – mit den (beiden) zusammengefügten (Versen) opfert er.

ahorātre eva saṃdadhāti

Tag und Nacht also fügt er zusammen;

tasmād ahorātre sam̐hite

darum sind Tag und Nacht zusammengefügt.

kṛṣṇāyāś śvetavatsāyā juhoti

(Milch) von einer schwarzen Kuh mit weißem Kalb opfert er.

ahnaivāsmai rātrīṃ pradāpayati

Durch den Tag also lässt er ihm die Nacht geben.

nānārūpā vai paśavo nānāvratās

Das Vieh ist nämlich von verschiedener Gestalt und verschiedenen Gewohnheiten.

ta etad eva prattim arūpayat

Diese (Tiere) gaben der Hingabe (Gabe) [?] eben diese Gestalt.

etad evainam abhisaṃjānānāḥ paśava upatiṣṭhante

Dies erkennend, treten die Tiere zu ihm hin.

dadhnā svayamātṛṇṇāyāṃ juhoti

Mit saurer Milch (Dickmilch) opfert er auf der Svayamātṛṇṇā.

asau vai svayamātṛṇṇorg dadhi

Jene (Himmelswelt) ist nämlich die Svayamātṛṇṇā, die Kraft die saure Milch.

amuṣyām evorjaṃ dadhāti

In jener (Himmelswelt) also legt er die Kraft nieder;

tasmād amuto 'rvācīm ūrjam upajīvanti

darum leben (die Menschen) von dorther herab von der Kraft.

suparṇo 'si garutmān iti gāyatryā sādayati

„Ein Schönbeschwingter bist du, Garutmat“ – mit einer Gāyatrī setzt er (ihn) nieder.

asyām evainam ākramayati

Auf dieser (Erde) also lässt er ihn ausschreiten.

bhāsāntarikṣam āpṛṇeti triṣṭubhā

„Mit Glanz erfülle den Luftraum“ – mit einer Triṣṭubh.

antarikṣam evainam ākramayati

Im Luftraum also lässt er ihn ausschreiten.

ājuhvānas supratīkaḥ purastād iti jagatyā

„Anrufend, schönantlitzig, von vorn“ – mit einer Jagatī.

amuṣyām evainam ākramayati

In jener (Himmelswelt) also lässt er ihn ausschreiten.

etābhir evainaṃ devatābhis sayujaṃ kṛtvā pratiṣṭhāpayati

Mit diesen Gottheiten ihn verbunden machend, stellt er ihn fest hin.

yāvān evāgnis taṃ pratiṣṭhāṃ gamayati ‖

soweit Agni reicht, dahin lässt er ihn zu festem Halt gelangen.

tām̐ savitur iti sāvitryādadhāti

„Jenen des Savitṛ“ – mit diesem Savitṛ-Vers legt er (das Brennholz) auf –

ūrg vā udumbaras

der Udumbara ist nämlich Kraft;

ūrjam evāsmā apidadhāti

Kraft also fügt er ihm hinzu.

agniṃ vā ha vā agnicid duhe 'gnir vāgnicitaṃ duhe

Den Agni melkt der Agni-Schichter, oder der Agni melkt den Agni-Schichter.

kaṇvo ha vā etasya śrāyaso dohaṃ vidām̐cakāra

Kaṇva Śrāyasa kannte das Melken dieses (Agni).

yathā gāṃ prattāṃ duha evam evaitayāgnim agnicid duhe

Wie man eine (frei) hergegebene Kuh melkt, so melkt der Agni-Schichter mit diesem (Vers) den Agni.

agne vidhema ta iti

„Agni, wir wollen dich verehren“ –

agner vai sṛṣṭasya vikaṅkataṃ bhā ārchat

Als Agni entlassen (geschaffen) war, ging der Glanz in den Vikaṅkata-Baum ein.

preddho agne dīdihi puro na iti śamīmayīm

„Entflammt, Agni, leuchte vor uns“ – (ein Holz) aus der Śamī.

eṣā vai sūrmī karṇakavatī

Dies ist die „Sūrmī mit Ohren“ [?].

etām̐ ha vai somadakṣaḥ kauśreyas sattriṇaḥ papraccha vida yūyam̐ sūrmī3ṅ karṇakavatī3m iti

Diese fragte Somadakṣa Kauśreya die Sattra-Opferer: „Wisst ihr die Sūrmī? Die Ohrenhabende?“

yaivāraṇye tāṃ vidmeti

„Die, die im Wald ist, die kennen wir“ [sprachen sie] [?].

paśavo vā etasyāḥ karṇaḥ

Das Vieh ist nämlich ihr Ohr;

paśūn evāvarunddhe ‖

Vieh also gewinnt er für sich.

etām̐ ha sma vai devā asurebhyo vajram̐ śataghnīm iyadbhyas tvety abhyavasṛjanti

Diese schleuderten die Götter auf die Asuras als Donnerkeil, als „Hundertfachtöterin“ (Śataghnī): „So viele (Feinde) für dich!“

vajram eva bhrātṛvyāva praharati

Den Donnerkeil also schleudert er auf den Rivalen.

sapta te agne samidha iti

„Sieben sind deine Brennhölzer, Agni“ –

sāptāny evaitayā prīṇāti

die Siebenheiten also erfreut er hiermit.

pūrṇayā srucā juhoti

Mit gefüllter Opferkelle (Sruc) opfert er.

yathā vatsāya jātāya stanam apidadhāty evam evāsmā etad bhāgadheyam apidadhāti

Wie man dem neugeborenen Kalb das Euter zuführt, so führt er ihm diesen Anteil zu.

dadhnā purastāj juhoty ājyenopariṣṭāt

Mit saurer Milch opfert er zuerst, mit Schmelzbutter darüber.

ūrg vai dadhi teja ājyam

Kraft ist nämlich die saure Milch, Glanz die Schmelzbutter;

ūrjaṃ caivāsmim̐s tejaś ca samīcī uttame dadhāti

Kraft und Glanz zusammen legt er als die beiden Höchsten in ihn.

atho ime evāsmai pradāpayati ‖

Und zudem lässt er ihm diese beiden (Welten) hergeben.