Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 21

Anuvāka 7 Besprengung zur Besänftigung des Agni (Śuc), Froschzug, Spenden mit Kohle-Ritus und Regeln um Kṛṣṇājina und Sandalen; Sprüche beim Auf- und Absteigen.

aśmann ūrjaṃ parvate śiśriyāṇām ity adbhiḥ pariṣiñcati

„Im Stein die Kraft der im Berg (Wohnenden)“ – mit diesem (Spruch) besprengt er ringsum mit Wasser.

prajāpater vā eṣa raso yad āpaḥ

Das Wasser ist nämlich der Saft des Prajāpati;

prajāpater evainaṃ rasena tarpayati

mit dem Saft des Prajāpati also sättigt er ihn.

sa enaṃ tṛptaḥ prīto 'kṣudhyann upatiṣṭhate

Gesättigt, befriedigt, nicht hungernd, steht er ihm (dem Opferherrn) zu Diensten.

aśman te kṣud yaṃ dviṣmas taṃ te śug ṛcchatv iti

„Im Stein sei dein Hunger; den wir hassen, den soll dein Brennen (Schmerz) treffen“ –

yam eva dveṣṭi tam asya kṣudhā ca śucā cārpayati

wen er hasst, den lässt er so Hunger und Schmerz treffen.

triḥ pariṣiñcati

Dreimal besprengt er ringsum;

ebhya evainaṃ lokebhyaś śamayati

von diesen Welten her also besänftigt er ihn.

triḥ punar apariṣiñcan paryeti

Dreimal wieder geht er ringsum, ohne zu besprengen;

ṣaḍ vā ṛtavas

sechs sind nämlich die Jahreszeiten;

ṛtubhya evainam̐ śamayati

von den Jahreszeiten her also besänftigt er ihn.

yady abhicaret triḥ punar apariṣiñcan parītya yā dakṣiṇā śroṇis tasyāṃ prakṣiṇīyād idam aham amum āmuṣyāyaṇam amuṣya putraṃ prakṣiṇāmīti

Wollte er Schadenszauber üben, so soll er dreimal wieder ohne Besprengen herumgehen und an der rechten Hüfte (des Altars) hinwerfen (zerstören) [?]: „Dies zerstöre ich hier: den N.N., den Abkömmling des N.N., den Sohn des N.N.“

yaivāgnau śuk tām ādāya tayainam arpayati

Den Schmerz, der im Agni ist, nimmt er und lässt ihn damit (den Feind) treffen.

taṃ bhidyamānam anv ārtim ārchati

Wenn dieser (Feind) zerspalten wird, gerät ihm Not nach.

mūlam evāsya cchinatti ‖

damit schneidet er dessen Wurzel ab.

varuṇamenir vā eṣa saṃcitas

Der aufgeschichtete (Agni) ist nämlich Varuṇas Geschoss [?].

maṇḍūkena vikarṣati

Mit einem Frosch zieht er (das Wasser) auseinander [?];

maṇḍūkasyāyuṣā vyeti

mit des Frosches Lebenskraft geht er hinweg (verteilt es) [?].

na grāmyān paśūn hinasti nāraṇyān

Er verletzt weder die Haustiere noch die Wildtiere.

tasmād etaṃ vasantā ca prāvṛṣi cābhigacchati

Darum kommt (der Frosch) im Frühling und in der Regenzeit zu ihm [?].

śucā hy eṣa ṛtas

Denn dieser (Agni) ist vom Schmerz (Śuc) heimgesucht [?].

avakayā ca vetasaśākhayā ca vikarṣati

Mit Avakā-Pflanze und Rohrzweig zieht er (das Wasser) auseinander.

apāṃ vā etac charo yad avakāpām etat puṣyaṃ yad vetasas

Die Avakā ist nämlich das „Haupt“ der Gewässer, der Rohrzweig ihre Blüte [?].

śāntābhir evāsya śucam̐ śamayati

mit den beruhigenden (Wassern) also besänftigt er dessen Schmerz.

yāvān evāgnis tasya śucam̐ śamayati

soweit Agni reicht, dessen Schmerz besänftigt er.

prajāpatiḥ prajā asṛjata

Prajāpati erschuf die Geschöpfe.

tā abruvan no 'bhūd iti

Sie sprachen: „Uns ist es geworden.“ [?]

yat pāvakavatīr bhavanti

Dass sie „reinigungshaltig“ (Pāvakavatī-Verse) sind –

kam asmā agniś cikyānāya bhavati

Wohl (kam) wird ihm der Agni, der Schichtende, [Speise?] [?].

saptabhir vikarṣayati

Mit sieben zieht er (das Wasser) auseinander;

sapta vai chandām̐si

sieben sind nämlich die Metren;

cchandobhir evāsya śucam̐ śamayati

mit den Metren also besänftigt er dessen Schmerz.

aṣṭābhir vikarṣati

Mit acht zieht er es auseinander;

aṣṭākṣarā gāyatrī

die Gāyatrī hat acht Silben;

yāvān evāgnis tasya śucam̐ śamayati ‖

soweit Agni reicht, dessen Schmerz besänftigt er.

saṃlupyotkare 'dhyasyati

Nachdem er (die Erde) zusammengerissen hat, wirft er sie auf den Abfallhaufen (Utkara).

eṣā vā asyām̐ śuk

Dies ist nämlich der Schmerz an ihr (der Erde);

chucy evāsya śucaṃ dadhāti

in den Schmerz also legt er dessen Schmerz.

yaṃ dviṣyāt tam abhyasyet

Wen er hasst, auf den werfe er (den Erdbrocken) hin;

śucaivainam arpayati

mit dem Schmerz also lässt er ihn treffen.

pañcagṛhīta ājye pañca hiraṇyaśalkān avāsyati

In fünffach geschöpfte Butter wirft er fünf Goldsplitter.

tejo vai hiraṇyam āyur ghṛtam

Glanz ist nämlich das Gold, Leben die Butter;

tejasaivāsyāyur vyāghārayati

mit Glanz also begießt er dessen Leben.

atho paṅktyaivāhutyāgnim ālabhate

Zudem berührt er den Agni mit einer fünffachen Spende (paṅkti).

namas te harase śociṣa ity adhikrāmati

„Verehrung deiner Glut, deiner Flamme“ – mit diesem (Spruch) schreitet er hinauf.

namaskṛtya hi śreyām̐sam upacaranti

Denn den Höheren bedient man, nachdem man Verehrung erwiesen hat.

akṣṇayā vyāghārayati

Kreuzweise (quer) begießt er.

ajāmitvāya

Zur Vermeidung der Wiederholung (Ajāmitva).

nṛṣade veḍ iti

„Dem unter Männern Sitzenden – veṭ!“

hutādo vā anye devā ahutādo 'nye

Die einen Götter sind nämlich Verzehrer des Dargebrachten, die anderen Verzehrer des nicht Dargebrachten.

agnicid attvaitān ubhayān avarunddhe

Der Agni-Schichter gewinnt beide für sich, indem er isst;

yaj juhoti cāva cokṣati

was er darbringt und was er (nur) besprengt –

tān eva prīṇāti tān avarunddhe te 'syobhaye prītā yajñe bhavanti ‖

diese befriedigt er eben, diese gewinnt er für sich; beide sind ihm im Opfer befriedigt.

gurumuṣṭināvokṣati

Mit der schweren Faust besprengt er hinab.

sa hi prājāpatyatamas

Denn diese (Faust) ist am meisten Prajāpati zugehörig [?].

tenāsya na hutaṃ bhavati nāhutam

Dadurch wird ihm nichts dargebracht und nichts nicht Dargebrachtes (es ist weder Darbringung noch Nicht-Darbringung) [?].

kṛṣṇājinasyopānahau kurute

Aus dem Fell der schwarzen Antilope (Kṛṣṇājina) macht er ein Paar Sandalen.

brahmaṇo vā etad rūpaṃ yat kṛṣṇājinam

Das Kṛṣṇājina ist nämlich die Gestalt des Brahman (des heiligen Wortes).

brahmaṇaiva mṛtyor antardhatte

mit dem Brahman also schiebt er sich vor dem Tod hinweg (schützt sich).

antar mṛtyor dhatte

Er schiebt sich vor dem Tod hinweg.

antar annādyād anyatarām upānahaṃ kurvīta

Vor dem Speiseverzehr (Speisegenuss) soll er nur eine der beiden Sandalen anlegen.

avānnādyaṃ runddhe

den Speiseverzehr behält er (für sich) zurück [?].

prāṇair vā eṣa paśubhir vyṛdhyate yo 'gniṃ cinute

Wer den Agni schichtet, der wird nämlich (zeitweilig) der Lebenshauche und des Viehs verlustig.

taṃ prathamo 'dhikrāmati prāṇadā vyānadā iti

Ihn besteigt er zuerst (mit den Worten): „Lebenshauch-Geber, Zwischenatem-Geber“ –

prāṇair evainam̐ samardhayati

mit den Lebenshauchen also versieht er ihn.

varcodā varivodā iti

„Glanz-Geber, Raum-Geber“ –

prajā vai varcaḥ paśavo varivaḥ

Nachkommenschaft ist nämlich der Glanz, Vieh der Raum (Varivas);

prajayā caivainaṃ paśubhiś ca samardhayati

mit Nachkommenschaft und Vieh also versieht er ihn.

prāṇadā apānadā ity avarohati

„Lebenshauch-Geber, Ausatem-Geber“ – so steigt er herab.

rūpeṇaiva

Nur gemäß der (vorgeschriebenen) Gestalt.

dvipād yajamānaḥ

zweifüßig ist der Opferherr –