Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 21

Anuvāka 3 Ziegel Āyus, Vikarṇī und Vāyumatī; Jahresdeutung des Agni Vaiśvānara, Ṛtavyā-, Viśvajyotis-Ziegel und Sprüche zur Festigung der Schichtung.

āyos tvā sadane sādayāmīti

„Im Sitz des Lebens setze ich dich nieder“ – (mit diesem Spruch legt er den Ziegel).

āyur evottamaṃ dadhāti

Das Leben also legt er als das höchste (oberste) hin;

tasmād āyuḥ prāṇānām uttamam

darum ist das Leben das Höchste unter den Lebenshauchen.

svayamātṛṇṇā bhavati

Es ist die „von selbst Durchbohrte“ (Svayamātṛṇṇā, ein natürlich durchlochter Stein) –

prāṇānām utsṛṣṭyai

zur Freilassung (Entlassung) der Lebenshauche;

svargasya lokasyānukśātyai

zur Nachfolge [?] in die Himmelswelt.

prājāpatyo 'śvas

Das Roß gehört dem Prajāpati.

yad aśvam upaghrāpayati

Dass er das Roß (an den Ziegel) schnuppern lässt,

prajāpatinaivainaṃ cinute

so schichtet er ihn eben mit Prajāpati auf.

devānāṃ vā eṣā vikrāntir

Sie ist nämlich der Götter Ausschreiten (Vikrānti);

devānām evainaṃ vikrāntim anu vikramayati

lässt er ihn (den Opferherrn) dem Ausschreiten der Götter nachschreiten.

prāṇo vai vāyur āyus svayamātṛṇṇā

Der Lebenshauch ist nämlich Vāyu, das Leben die Svayamātṛṇṇā;

āyuś caivāsmin prāṇaṃ ca samīcī dadhāti

Leben und Lebenshauch legt er (mit den) beiden zusammengehörigen in ihn (den Opferherrn).

saṃ vā enam etad inddhe yac cinoti

Er entzündet ihn nämlich gleichsam, wenn er (den Altar) schichtet;

dīpayati vāyumatyā

er lässt (das Feuer) mit der Vāyumatī aufleuchten.

saṃvatsaramukhyaṃ bhṛtvāgniṃ cinvīta ‖

Nachdem er (sich) ein Jahr lang (als Träger des Feuers) gehalten hat, soll er den Agni schichten – die Jahreszeit als das Erste (Antlitz) [?].

saṃvatsaro vā agnir vaiśvānaras

Das Jahr ist nämlich der Agni Vaiśvānara;

tasyāhorātrāṇīṣṭakās

seine Ziegel sind Tage und Nächte.

āpteṣṭakam evainaṃ cinuta ṛdhnoti

Mit vollzähligen (erlangten) Ziegeln schichtet er ihn also auf; er gedeiht.

yan naivaṃ cinuyāt priyayainaṃ tanvā vyardhayet

Würde er nicht so schichten, so würde er ihn um den lieben Leib bringen;

priyayaivainaṃ tanvā samardhayati

damit versieht er ihn eben mit dem lieben Leib.

satanūr evaitad vaiśvānaraś cīyate

Leibhaftig also wird dieser Vaiśvānara geschichtet.

ṛtavyā upadadhāti

Die Ṛtavyā-Ziegel (Jahreszeiten-Ziegel) legt er nieder –

ṛtūnāṃ vidhṛtyai

zur Stützung (Auseinanderhaltung) der Jahreszeiten.

dvaudvau hy ṛtavas

denn je zwei (Monate) bilden eine Jahreszeit.

catasro madhyamāyāṃ cityām upadadhāti

Vier legt er in der mittleren Schicht nieder.

antarikṣam iva vā eṣā yā madhyamā citis

Dem Luftraum gleicht nämlich diese mittlere Schicht;

śithilam ivāntarikṣam

locker gleichsam ist der Luftraum.

dikṣv eva pratitiṣṭhati

in den Himmelsrichtungen also findet er Halt.

ṛtubhyo vā etā devā niramimata

Aus den Jahreszeiten nämlich bildeten die Götter diese;

tadṛtavyānām ṛtavyātvam

darin liegt der Ṛtavya-Charakter der Ṛtavyās.

āyantamāyantam ṛtuṃ pratitiṣṭhati ya evaṃ vidvān etā upadhatte ‖

Bei jeder herankommenden Jahreszeit findet Halt, wer so wissend diese niederlegt.

nānāprabhṛtayo bhavanti samānodarkās

Sie haben verschiedene Anfänge, aber gleiche Folgewirkung [?].

tasmāt samānasya saṃvatsarasya nānā rūpāṇi

Darum hat das eine und selbe Jahr vielerlei Gestalten.

avakām upadhāyeṣṭakām upadadhāti

Nachdem er Avakā-Pflanzen (Wasserpflanzen) daruntergelegt hat, legt er den Ziegel nieder.

agner vā eṣā vaiśvānarasya yonir yad avakā

Der Mutterschoß des Agni Vaiśvānara ist nämlich die Avakā;

sva evainā yonā upadadhāti

in seinem eigenen Schoß legt er diese also nieder –

śāntyā anuddāhāya

zur Beruhigung, zum Nichtverbrennen.

ṛdhnoti ya evaṃ vidvān etā upadhatte

Es gedeiht, wer so wissend diese niederlegt.

athaitā viśvajyotiṣaḥ

Nun diese: die Viśvajyotis-Ziegel (Allglanz).

prāṇabhṛto vā etā yajamānasya

Lebenshauch-Träger sind diese für den Opferherrn.

prāṇam eva prathamayā dādhāra vyānaṃ dvitīyayāpānaṃ tṛtīyayā

Den Einatem hat er mit dem ersten gestützt, den Zwischenatem (Vyāna) mit dem zweiten, den Ausatem mit dem dritten.

etā vai devatās svargyās

Diese sind Gottheiten, die zum Himmel taugen;

tābhir eva svargaṃ lokam eti

durch sie eben geht er zur Himmelswelt.

etā vai devatā jyotiṣmatīr

Diese Gottheiten sind lichthaltig:

agnir evāsyāsmiṃl loke jyotir bhavati vāyur antarikṣe sūryo divi

Agni wird ihm in dieser Welt zum Licht, Vāyu im Luftraum, Sūrya im Himmel.

sarve 'smā ime lokā jyotiṣmanto bhavanti

Alle diese Welten werden ihm lichtvoll.

adhipativatīr bhavanti

Sie sind mit einem Herrn versehen;

ādhipatyam evaitābhir gacchati

die Herrschaft erlangt er durch sie.

lokaṃ pṛṇa cchidraṃ pṛṇeti

„Fülle den Raum, fülle das Loch“ –

yad evāsyonaṃ yac chidraṃ tad āpūrayati

was an ihm mangelhaft ist, was ein Loch ist, das füllt er auf.

atho sīda dhruvā tvam iti

„Sodann setze dich, du Feste“ –

indrāgnī tvā bṛhaspatir iti

„Indra und Agni, Bṛhaspati (setzen) dich“ –

ojo vai vīryam indrāgnī

Kraft und Manneskraft sind nämlich Indra und Agni;

ojasaivainaṃ vīryeṇa cinute

mit Kraft und Manneskraft schichtet er ihn also auf.

tā asya sūdadohasa iti

„Diese ihm, die Saft-Melkerinnen“ –

tasmāt paruṣiparuṣi sūdas

darum ist an jedem Gelenk (jeder Stelle) ein Saft (sūda).

somam̐ śrīṇanti pṛśnaya iti

„Den Soma mischen die scheckigen (Kühe)“ –

annaṃ pṛśnī

Speise ist die Scheckige (Pṛśni);

annam evāvarunddhe

Speise also gewinnt er für sich.

triṣv ārocane diva iti

„In den drei Leuchträumen des Himmels“ –

trīṇi savanāni

die drei Preßungen (Savanas) sind gemeint;

savaneṣv evainaṃ cinute

in den Savanas also schichtet er ihn auf.

anuṣṭub anucarā bhavati

Die Anuṣṭubh ist Begleiterin (Anucarā);

prāṇo vā anuṣṭup

der Lebenshauch ist nämlich die Anuṣṭubh;

tasmāt prāṇas sarvāṇy aṅgāny anusaṃcarati

darum durchzieht der Lebenshauch alle Glieder.

vāg vā anuṣṭub

Die Rede ist nämlich die Anuṣṭubh;

yad evāsyātra na kriyate yan na cīyate tad vācā kalpayati tad bhiṣajyati ‖

was hier für ihn nicht (richtig) gemacht, nicht geschichtet wird, das richtet er mit der Rede zu, das heilt er.