Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 38

Anuvāka 5 Sühne- und Reinigungsformeln der Avabhṛtha: Befreiung von Vergehen durch Agni, Vāyu, Sūrya und Varuṇa, Abwaschen im Wasser und Bitte um Licht, Glanz und Wunscherfüllung.

yad devā devaheḍanaṃ devāsaś cakṛmā vayam |

Was wir, Götter, als Zorn (Unbill) gegen die Götter getan haben,

agnir mā tasmād enaso viśvān muñcatv am̐hasaḥ ‖

davon soll mich Agni befreien, von aller Schuld, von aller Bedrängnis. ‖

yadi divā yadi naktam enām̐si cakṛmā vayam |

Ob bei Tag, ob bei Nacht, Vergehen haben wir begangen,

vāyur mā tasmād enaso viśvān muñcatv am̐hasaḥ ‖

davon soll mich Vāyu befreien, von aller Schuld, von aller Bedrängnis. ‖

yadi jāgrad yadi svapna enām̐si cakṛmā vayam |

Ob wachend, ob schlafend, Vergehen haben wir begangen,

sūryo mā tasmād enaso viśvān muñcatv am̐hasaḥ ‖

davon soll mich Sūrya befreien, von aller Schuld, von aller Bedrängnis. ‖

yad grāme yad araṇye yat sabhāyāṃ yad indriye |

Was im Dorf, was im Wald, was in der Versammlung, was mit den Sinnen,

yac chūdre yad arya enaś cakṛmā vayam |

was am Śūdra, was am Ārya wir an Vergehen begangen haben,

yad ekasyādhi dharmaṇi tasyāvayajanam asi ‖

was in Bezug auf die Ordnung eines Einzelnen (geschah): dessen Sühne(-Opfer) bist du. [?] ‖

yad āpo aghnyā varuṇeti śapāmahe

Wenn wir, o Wasser, o Unantastbare (Kühe?), schwören: „Varuṇa!“ [?]

tato varuṇa no muñca

davon, Varuṇa, befreie uns.

avabhṛtha nicuṅkuṇa nicerur asi nicuṅkuṇas

Avabhṛtha [Anm.: das abschließende Untertauchen], Nicuṅkuṇa (der Niederdrückende); du bist der Nicera (Niederlassende), Nicuṅkuṇa. [?]

ava devair devakṛtam eno 'yāḍ ava martyair martyakṛtam

Ich habe die von Göttern verursachte Schuld mit den Göttern abgetan (abgeopfert), die von Sterblichen verursachte mit den Sterblichen. [?]

uror ā no deva riṣas pāhi ‖

Vor weit ausgreifendem Schaden schütze uns, Gott. ‖

samudre te hṛdayam apsv antas saṃ tvā viśantv oṣadhīr uptāpaḥ ‖

Im Meer ist dein Herz, in den Wassern drinnen; die Pflanzen sollen in dich eingehen und die ausgesäten Wasser. [?] ‖

sumitrā ṇa āpa oṣadhayo bhavantu

Freundlich sollen uns Wasser und Pflanzen sein;

durmitrās tasmai bhūyāsur yo 'smān dveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmaḥ ‖

feindlich sollen sie dem werden, der uns hasst und den wir hassen. ‖

drupadād iven mumucānas svinnas snātvī malād iva |

Wie von einem Pfosten losgelöst, wie ein Schwitzender, wie ein Gebadeter vom Schmutz,

pūtaṃ pavitreṇevājyam āpaś śundhantu mainasaḥ ‖

wie geläutertes Schmalz durch das Seihtuch: die Wasser sollen mich von der Schuld reinigen. ‖

ud vayaṃ tamasas pari paśyanto jyotir uttaram |

Aus der Finsternis empor, das höhere Licht schauend,

devaṃ devatrā sūryam aganma jyotir uttamam ‖

sind wir zu Sūrya, dem Gott unter den Göttern, gelangt, zum höchsten Licht. ‖

pratyasto varuṇasya pāśaḥ

Zurückgeworfen ist Varuṇas Schlinge,

pratiyuto varuṇasya pāśaḥ ‖

zurückgebunden ist Varuṇas Schlinge. ‖

edho 'sy edhiṣīmahi

Du bist Brennholz; möchten wir gedeihen.

tejo 'si tejo mayi dhehi ‖

Du bist Glanz; Glanz lege in mich. ‖

apo adyānvacāriṣaṃ rasena samaganmahi |

Die Wasser bin ich heute nachgegangen; mit dem Saft haben wir uns vereint.

payasvān agna āgamaṃ taṃ mā sam̐sṛja varcasā ‖

Milchreich bin ich gekommen, Agni; verbinde mich mit Lebenskraft (varcas). ‖

samāvavarti pṛthivī sam uṣās sam u sūryaḥ |

Es kehrt zusammen die Erde, zusammen die Morgenröte, zusammen die Sonne.

vaiśvānarajyotir bhūyāsaṃ vibhuṃ kāmaṃ vyaśnavai ‖

Möge ich Licht Vaiśvānaras sein; den umfassenden Wunsch möge ich erlangen. ‖