Quellen der Menschheit

Aitareya-Āraṇyaka

Kapitel 1: aitareyāraṇyakam · prathamāraṇyake prathamo 'dhyāyaḥ Das Mahāvrata: Ursprung, Praüga-Gesänge und Zahlenmystik des großen Gelübde-Tages (AiĀ 1,1)

Das Aitareya-Āraṇyaka gliedert sich in fünf Bücher („Āraṇyakas“ im engeren Sinn), jedes mit mehreren Adhyāyas. Dieses erste Buch (Adhyāya 1–5) behandelt das Mahāvrata, das „große Gelübde“-Ritual am Höhepunkt (vorletzten Tag) des einjährigen Gavām-ayana-Opfers, mit einem für die Brāhmaṇa-/Āraṇyaka-Literatur typischen Nebeneinander von Ritual-Begründungen, wörtlichen Zitat-Deutungen einzelner Praüga-/Ājya-Verse und dichter Zahlenmystik (Silben- und Gliederzahlen: 21, 25, 30 u.a., verknüpft mit den vedischen Versmaßen Gāyatrī, Uṣṇih, Anuṣṭubh, Bṛhatī, Paṅkti, Triṣṭubh, Jagatī). Adhyāya 1 (4 Khaṇḍas) erklärt den Namen „Mahāvrata“ aus dem Indra-Vṛtra-Mythos, ordnet die Praüga-Gesänge den Versmaßen und deren Wirkungen (Glanz, Lebenskraft, Kriegermacht u.a.) zu und deutet mehrere Anrufungsverse (an Vāyu, Indra-Vāyu, Mitra, die Aśvin, Indra, die All-Götter, Sarasvatī) durch wörtliche Umformulierung ihrer Schlüsselbegriffe, verbunden mit wiederholter Symbolzahl-Arithmetik der menschlichen Gliedmaßen (Finger, Zehen, Arme, Schenkel, Selbst). Übersetzung ohne Verwendung einer vorhandenen Übersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original (IAST-Transliteration der gescannten Devanagari-Druckausgabe) morphologisch erarbeitet; mehrere Stellen sind wegen der extremen sprachlichen und sachlichen Dichte mit [?] markiert.

oṃ || atha mahāvratam | indro vai vṛtraṃ hatvā mahān abhavad yan mahān abhavat tan mahāvratam abhavat tan mahāvratasya mahāvratatvam | dve etasyāhna ājye juryād iti haika āhur ekam iti tv eva sthitam | pra vo devāyāgnaya iti rāddhikāmaḥ | viśo viśo vo atithim iti puṣṭikāmaḥ | puṣṭir vai viśaḥ puṣṭimān bhavatīti | atithim iti padaṃ bhavati naitat kuryād ity āhur īśvaro 'tithir eva caritoḥ | tad u ha smāha kuryād eva | yo vai bhavati yaḥ śreṣṭhatām aśnute sa vā atithir bhavati | na vā asantam ātithyāyādriyante | tasmād u kāmam evaitat kuryāt | sa yady etat kuryād āgnaṃ vṛtrahantamam ity etaṃ tṛcaṃ prathamaṃ kuryāt | etad vā ahar īpsantaḥ saṃvatsaram āsate ta āgacchanti | ta ete 'nuṣṭupśīrṣāṇas trayas tṛcā bhavanti brahma vai gāyatrī vāg anuṣṭub brahmaṇaiva tad vācaṃ saṃdadhāti | abodhy agniḥ samidhā janānām iti kīrtikāmaḥ | hotājaniṣṭa cetana iti prajāpaśukāmaḥ || 1

Oṃ. Nun [die Lehre vom] Mahāvrata, dem „großen Gelübde“-Ritus. Indra, nachdem er Vṛtra erschlagen hatte, wurde groß (mahān); was groß wurde, das wurde zum Mahāvrata – dies ist die Mahāvrata-Eigenschaft des Mahāvrata [d. h. daher sein Name]. Zwei Ājya-Verse dieses Tages sollen [nach den einen Lehrern] verbraucht werden, so sagen die einen; nach anderen gilt nur einer als feststehend. [?] „Kommt her zu den Göttern, o Feuer“ [spricht], wer nach [rituellem] Gelingen verlangt. „Stamm um Stamm sei euch ein Gast“ [spricht], wer nach Gedeihen verlangt; denn Gedeihen bedeutet, dass der Stamm gedeihlich wird. Das Wort „Gast“ [in der Formel] hat seine Berechtigung; man solle dies nicht wörtlich ausführen, so sagen manche: ein Fürst allein sei der [wahre, umherziehende] Gast. Und doch soll man es eben tun. Denn wer [tatsächlich] der Beste [unter den Anwesenden] wird, der ist der Gast; einen, der es nicht ist, ehrt man nicht mit Gastfreundschaft. Deshalb soll man dies nur aus freiem Wunsch heraus tun. Wenn er dies tun will, soll er zuerst den Vers 'āgnaṃ vṛtrahantamam' [dem Feuer-, dem besten Vṛtra-Töter geltend] als ersten Dreiervers (tṛca) sprechen. Diesen Tag ersehnend verharren sie [die Priester gleichsam] ein [ganzes] Jahr; [dann erst] gelangen sie [zum Ziel]. [?] Diese [drei Verse], deren „Haupt“ die Anuṣṭubh ist, bilden drei Dreiverse; Brahman ist die Gāyatrī, [und] die Rede ist die Anuṣṭubh – eben durch das Brahman verbindet er jene Rede [mit dem Ritus]. „Erwacht ist Agni durch der Menschen Brennholz“ [spricht], wer nach Ruhm verlangt. „Geboren ward der Hotṛ-Priester, o Bewusstsein“ [spricht], wer sich Nachkommenschaft und Vieh wünscht.

Wort für Wort
mahāvratam
das große Gelübde [Ritus am Höhepunkt des Gavām-ayana-Opferjahres]
indraḥ vṛtraṃ hatvā mahān abhavat
Indra wurde, nachdem er Vṛtra erschlagen hatte, groß
tan mahāvratasya mahāvratatvam
das ist die Mahāvrata-Eigenschaft des Mahāvrata
dve etasyāhnaḥ ājye
zwei Ājya-Verse dieses Tages
pra vo devāya agnaye
kommt her zu den Göttern, o Feuer
rāddhikāmaḥ
wer nach [rituellem] Gelingen verlangt
viśo viśo vaḥ atithiḥ
Stamm um Stamm sei euch ein Gast
puṣṭikāmaḥ
wer nach Gedeihen verlangt
īśvaraḥ atithiḥ eva caritoḥ
ein Fürst allein sei der [wahre] Gast
yaḥ śreṣṭhatām aśnute sa vā atithir bhavati
wer der Beste wird, der ist der Gast
āgnaṃ vṛtrahantamam
dem Feuer, dem besten Vṛtra-Töter geltend [Versanfang]
tṛcam prathamam kuryāt
er soll den [ersten] Dreiervers sprechen
anuṣṭupśīrṣāṇaḥ trayaḥ tṛcāḥ
drei Dreiverse mit der Anuṣṭubh als Haupt
brahma vai gāyatrī vāk anuṣṭup
Brahman ist die Gāyatrī, die Rede die Anuṣṭubh
abodhi agniḥ samidhā janānām
erwacht ist Agni durch der Menschen Brennholz
kīrtikāmaḥ
wer nach Ruhm verlangt
hotā ajaniṣṭa cetanaḥ
geboren ward der Hotṛ, o Bewusstsein
prajāpaśukāmaḥ
wer sich Nachkommenschaft und Vieh wünscht

agniṃ naro dīdhitibhir araṇyor ity annādyakāmaḥ | agnir vā annādaḥ | cirataram iva vā itareṣv ājyeṣv agnim āgacchanty atheha mukhata evāgnim āgacchanti mukhato 'nnādyam aśnute mukhataḥ pāpmānam apaghnate | hastacyutī janayantīti jātavad etasmād vā aho yajamāno jāyate tasmāj jātavat | tāni catvāri chandāṃsi bhavanti catuṣpādā vai paśavaḥ paśūnām avaruddhyai | tāni trīṇi chandāṃsi bhavanti trayo vā ime trivṛto lokā eṣām eva lokānām abhijityai | te dve chandasī bhavataḥ pratiṣṭhāyā eva | dvipratiṣṭho vai puruṣaś catuṣpādāḥ paśavo yajamānam eva tad dvipratiṣṭhaṃ catuṣpātsu paśuṣu pratiṣṭhāpayati | tāḥ parāgvacanena pañcaviṃśatir bhavanti pañcaviṃśo 'yaṃ puruṣo daśa hastyā aṅgulayo daśa pādyā dvā ūrū dvau bāhū ātmaiva pañcaviṃśas tam imam ātmānam pañcaviṃśaṃ saṃskurute | atho pañcaviṃśaṃ vā etad ahaḥ pañcaviṃśa etasyāhnaḥ stomas tat samena samam pratipadyate tasmād dve eva pañcaviṃśatir bhavanti | tās triḥ prathamayā trir uttamayaikayā na triṃśan nyūnāc carā virāṭ | nyūne vai retaḥ sicyate nyūne prāṇā nyūne 'nnādyaṃ pratiṣṭhitam eteṣāṃ kāmānām avaruddhyai | etān kāmān avarundhe ya evaṃ veda | tā abhisaṃpadyante bṛhatīṃ ca virājaṃ ca chando yaitasyāhnaḥ saṃpattā atho anuṣṭubham anuṣṭubāyatanāni hy ājyāni || 2

„Die Männer [nähern sich] Agni mit Lichtstrahlen aus der Ferne“ [spricht], wer nach Speise verlangt; denn Agni ist der Speise-Esser. Länger dauernd gleichsam nähern sie sich Agni bei den anderen Ājya-Spenden; hier aber nähern sie sich Agni sogleich „vom Munde her“ [d. h. von vorn]; von vorn genießt man die Speise, von vorn stößt man das Übel ab. [?] „Die von der Hand bewegten [Löffel] erzeugen“ – so [gilt der Ritus] als „neugeboren“ (jātavat); denn dadurch wird der Opferherr gleichsam [neu] geboren, deshalb [der Ausdruck] „wie neugeboren“. Es sind vier Versmaße [beteiligt], denn vierfüßig sind die Tiere – zur Gewinnung der Tiere. Es sind drei Versmaße, denn dreifach [geschichtet] sind diese Welten – zur Eroberung eben dieser Welten. Diese zwei Versmaße [zusammen] bilden den festen Stand (pratiṣṭhā); denn zweifüßig-aufrecht ist der Mensch, vierfüßig die Tiere – eben den zweibeinig gegründeten Opferherrn gründet er damit auf die vierfüßigen Tiere. [?] Der Zahl nach [zusammengefasst] ergeben diese [Verse] fünfundzwanzig: fünfundzwanzigfach ist dieser Mensch – zehn Fingerglieder der Hände, zehn der Füße, zwei Schenkel, zwei Arme, das Selbst als Fünfundzwanzigstes; so gestaltet er sich selbst zum Fünfundzwanzigfachen. Und auch dieser Tag ist fünfundzwanzigfach; der Stoma dieses Tages trifft mit dem Zahlwert Fünfundzwanzig im Gleichmaß zusammen – deshalb sind es eben zwei [Gruppen von] Fünfundzwanzig. [?, Anm.: Die folgende metrische Konstruktion ist trotz sorgfältiger Analyse unsicher.] Diese [Verse ergeben]: dreimal beim ersten, dreimal beim letzten, mit einem einzigen nicht dreißig, um eines vermindert – das ist die Virāj. Denn in der Verminderung wird der Same eingegossen, in der Verminderung [gedeihen] die Atem-Kräfte, in der Verminderung ist die Speise gegründet – zur Gewinnung eben dieser Wünsche. Diese Wünsche gewinnt, wer dies so weiß. Diese [Zahlen] fügen sich zur Bṛhatī und zur Virāj zusammen, die die Vollendung dieses Tages [bilden]; ferner zur Anuṣṭubh, denn die Anuṣṭubh-Verse sind der angestammte Sitz der Ājya-Spenden.

Wort für Wort
agniṃ naro dīdhitibhiḥ araṇyoḥ
die Männer nähern sich Agni mit Lichtstrahlen aus der Ferne
annādyakāmaḥ
wer nach Speise verlangt
agniḥ vai annādaḥ
Agni ist der Speise-Esser
mukhataḥ eva agnim āgacchanti
sie nähern sich Agni von vorn
hastacyutī janayanti iti jātavat
'die von der Hand Bewegten erzeugen' gilt als 'neugeboren'
catvāri chandāṃsi, catuṣpādāḥ paśavaḥ
vier Versmaße, [denn] vierfüßig sind die Tiere
trīṇi chandāṃsi, trayaḥ trivṛtaḥ lokāḥ
drei Versmaße, [denn] dreifach geschichtet die Welten
dve chandasī pratiṣṭhāyāḥ eva
zwei Versmaße eben für den festen Stand
dvipratiṣṭhaḥ puruṣaḥ, catuṣpādāḥ paśavaḥ
zweifüßig der Mensch, vierfüßig die Tiere
parāgvacanena pañcaviṃśatiḥ bhavanti
der Zahl nach ergeben sie 25
daśa hastyāḥ aṅgulayaḥ, daśa pādyāḥ, dvā ūrū, dvau bāhū, ātmā
10 Finger, 10 Zehen, 2 Schenkel, 2 Arme, das Selbst [=25]
ahaḥ pañcaviṃśam, stomaḥ pañcaviṃśena samam
der Tag ist 25-fach, der Stoma trifft mit 25 zusammen
triḥ prathamayā triḥ uttamayā ekayā na triṃśat
dreimal erster, dreimal letzter, mit einem nicht dreißig
nyūnāt carā virāṭ
um eines vermindert: die Virāj
nyūne retaḥ sicyate
in der Verminderung wird der Same eingegossen
bṛhatīṃ ca virājaṃ ca, anuṣṭubham
[sie ergeben] Bṛhatī und Virāj, [ferner] die Anuṣṭubh
anuṣṭubāyatanāni hi ājyāni
die Ājya-Verse haben ja die Anuṣṭubh zum Sitz

gāyatraṃ praugaṃ kuryād ity āhus tejo vai brahmavarcasaṃ gāyatrī tejasvī brahmavarcasī bhavatīti | auṣṇihaṃ praugaṃ kuryād ity āhur āyur vā uṣṇig āyuṣmān bhavatīti | ānuṣṭubhaṃ praugaṃ kuryād ity āhuḥ kṣatraṃ vā anuṣṭup kṣatrasyāptyai iti | bārhataṃ praugaṃ kuryād ity āhuḥ śrīr vai bṛhatī śrīmān bhavatīti | pāṅktaṃ praugaṃ kuryād ity āhur annaṃ vai paṅktir annavān bhavatīti | traiṣṭubhaṃ praugaṃ kuryād ity āhur vīryaṃ vai triṣṭub vīryavān bhavatīti | jāgataṃ praugaṃ kuryād ity āhur jāgatā paśavaḥ paśumān bhavatīti | tad u gāyatram eva kuryād brahma vai gāyatrī brahmaitad brahmaṇaiva tad brahma pratipadyate | tad u madhucchandasam | madhu ha sma vā ṛṣibhyo madhucchandāś chandati tan madhucchandaso madhucchandastvam | atho annaṃ vai madhu sarvaṃ vai madhu sarve vai kāmā madhu tad yan mādhucchandasaṃ śaṃsati sarveṣāṃ kāmānām avarudhyai | sarvān kāmān avarundhe ya evaṃ veda | tad dvaikāhikaṃ rūpasamṛddhaṃ bahu vā etasminn ahani kiṃca kiṃca vāraṇaṃ kriyate śāntyā eva śāntir vai pratiṣṭhaikāhaḥ śāntyām eva tat pratiṣṭhāyām antataḥ pratitiṣṭhanti | pratitiṣṭhati ya evam veda yeṣāṃ caivaṃ vidvān etad dhotā śaṃsati || 3

„Man solle den Praüga-Gesang im Gāyatrī-Versmaß wählen“ – so sagen manche, denn Glanz und geistliche Macht (brahmavarcasa) [verkörpert] die Gāyatrī; glanzvoll und voller geistlicher Macht wird [so der Opferer]. „Man solle das Auṣṇiha-Praüga wählen“ – so sagen andere, denn Lebenskraft [verkörpert] die Uṣṇih; er wird lebenskräftig. „Man solle das Ānuṣṭubha-Praüga wählen“ – so sagen andere, denn die Kriegermacht (kṣatra) [verkörpert] die Anuṣṭubh – zur Erlangung der Kriegermacht. „Man solle das Bārhata-Praüga wählen“ – so sagen andere, denn Glanz und Fülle (śrī) [verkörpert] die Bṛhatī; er wird glanzvoll. „Man solle das Pāṅkta-Praüga wählen“ – so sagen andere, denn Speise [verkörpert] die Paṅkti; er wird speisereich. „Man solle das Traiṣṭubha-Praüga wählen“ – so sagen andere, denn Heldenkraft (vīrya) [verkörpert] die Triṣṭubh; er wird heldenkräftig. „Man solle das Jāgata-Praüga wählen“ – so sagen andere, denn Vieh [verkörpert] die Jagatī; er wird viehreich. Man solle jedoch eben das Gāyatra [-Praüga] wählen: denn Brahman [die geistliche Macht] ist die Gāyatrī, [und] dies ist Brahman – eben durch das Brahman gelangt man zu jenem Brahman. Dies ist das „Honigmaß“ (madhucchandas). Honig nämlich war es, den einst den Ṛṣis der [Sänger namens] Madhucchandas darreichte [wörtlich: „besang“] – daher [der Name] Madhucchandas, die Madhucchandas-Eigenschaft [des Verses]. [?] Und ferner: Speise ist Honig, alles ist Honig, alle Wünsche sind Honig; dass man den Vers des Madhucchandas rezitiert, geschieht zur Erlangung aller Wünsche. Alle Wünsche erlangt, wer dies so weiß. Dieser [Mahāvrata-Tag ist] reich an [wechselnden] Formen als Ein-Tags-Ritus; vielerlei, ja vielerlei wird an diesem Tag [an Riten] vollzogen – [und dies geschieht] eben durch Besänftigung (śānti); denn Besänftigung ist der feste Halt des Ein-Tags-Ritus; in eben dieser Besänftigung als festem Halt finden sie [die Riten] am Ende ihren festen Stand. Einen festen Stand erlangt, wer dies so weiß, und [ebenso] diejenigen, deren kundiger Hotṛ-Priester dies rezitiert.

Wort für Wort
gāyatraṃ praugaṃ kuryāt
man soll das Gāyatra-Praüga wählen
tejaḥ brahmavarcasaṃ gāyatrī
Glanz und geistliche Macht ist die Gāyatrī
āyuḥ uṣṇik
Lebenskraft ist die Uṣṇih
kṣatraṃ anuṣṭup
Kriegermacht ist die Anuṣṭubh
śrīḥ bṛhatī
Glanz/Fülle ist die Bṛhatī
annaṃ paṅktiḥ
Speise ist die Paṅkti
vīryaṃ triṣṭup
Heldenkraft ist die Triṣṭubh
jāgatāḥ paśavaḥ
Vieh ist die Jagatī
brahma vai gāyatrī
Brahman ist die Gāyatrī
madhucchandasam
das 'Honigmaß' [Name des ersten Ṛgveda-Dichters Madhucchandas]
annaṃ vai madhu, sarvaṃ vai madhu
Speise ist Honig, alles ist Honig
sarvān kāmān avarundhe ya evaṃ veda
alle Wünsche gewinnt, wer dies so weiß
dvaikāhikaṃ rūpasamṛddham
reich an Formen als Ein-Tags-Ritus
śāntiḥ pratiṣṭhā ekāhaḥ
Besänftigung ist der feste Halt des Ein-Tags-Ritus
pratitiṣṭhati ya evaṃ veda
einen festen Stand erlangt, wer dies so weiß

vāyav ā yāhi darśateme somā araṃkṛtā ity etad vā ahar araṃ yajamānāya ca devebhyaś ca | araṃ hāsmā etad bhavati ya evaṃ veda yeṣāṃ caivaṃ vidvān etad dhotā śaṃsati | indravāyū ime sutā ā yātam upa niṣkṛtam ity a vai niṣkṛtaṃ tat saṃskṛtam | ā hāsyendravāyū saṃskṛtaṃ gachato ya evaṃ veda yeṣāṃ caivaṃ vidvān etad dhotā śaṃsati | mitraṃ huve pūtadakṣaṃ dhiyaṃ ghṛtācīṃ sādhanteti vāg vai dhīr ghṛtācī | vācam evāsmiṃs tad dadhāti ya evaṃ veda yeṣāṃ caivaṃ vidvān etad dhotā śaṃsati | aśvinā yajvarīr iṣa ity annaṃ vā iṣo 'nnādyasyāvaruddhyai | ā yātaṃ rudravartanīty ā hāsyāśvinau yajñaṃ gachato ya evaṃ veda yeṣāṃ caivaṃ vidvān etad dhotā śaṃsati | indrā yāhi citrabhāno indrā yāhi dhiyeṣita indrā yāhi tūtujāna ity āhāhy āyāhīti śaṃsati | ā hāsyendro yajñaṃ gachati ya evaṃ veda yeṣāṃ caivaṃ vidvān etad dhotā śaṃsati | omāsaś carṣaṇīdhṛto viśve devāsa ā gatety āhāsya viśve devā havaṃ gachanti ya evaṃ veda yeṣāṃ caivaṃ vidvān etad dhotā śaṃsati | dāśvāṃso dāśuṣaḥ sutam iti yad āha daduṣo daduṣaḥ sutam ity eva tad āha | dadati hāsmai taṃ kāmaṃ devā yat kāma etac chaṃsati ya evaṃ veda yeṣāṃ caivaṃ vidvān etad dhotā śaṃsati | pāvakā naḥ sarasvatī yajñaṃ vaṣṭu dhiyāvasur iti vāg vai dhiyāvasuḥ | vācam evāsmiṃs tad dadhāti ya evaṃ veda yeṣāṃ caivaṃ vidvān etad dhotā śaṃsati | yajñaṃ vaṣṭīti yad āha yajñaṃ vahatv ity eva tad āha | tāḥ parāgvacanenaikaviṃśatir bhavanty ekaviṃśo 'yaṃ puruṣo daśa hastyā aṅgulayo daśa pādyā ātmaikaviṃśas tam imam ātmānam ekaviṃśaṃ saṃskurute | tās triḥ prathamayā trir uttamayā pañcaviṃśatir bhavanti pañcaviṃśa ātmā pañcaviṃśaḥ prajāpatir daśa hastyā aṅgulayo daśa pādyā dvā ūrū dvau bāhū ātmaiva pañcaviṃśas tam imam ātmānam pañcaviṃśaṃ saṃskurute | atho pañcaviṃśaṃ vā etad ahaḥ pañcaviṃśa etasyāhnaḥ stomas tat samena samam pratipadyate tasmād dve eva pañcaviṃśatir bhavanti bhavanti || 4 || ity aitareye prathamāraṇyake prathamo 'dhyāyaḥ ||

„Vāyu, komm her, sichtbar sind diese, bereitet sind die Soma-Tränke“ – dies [bedeutet]: bereit ist der Tag für den Opferherrn und für die Götter. Bereit wird ihm eben dies, wer dies so weiß, und [ebenso] denen, deren kundiger Hotṛ dies rezitiert. „Indra und Vāyu, kommt her, ihr beide, zu diesem Bereiteten (niṣkṛta)“ – „bereitet“ bedeutet eben „zurechtgemacht“ (saṃskṛta). Zum Zurechtgemachten kommen ihm Indra und Vāyu, wer dies so weiß... „Ich rufe Mitra, den reingesinnten, [und] die schmalzträufelnde, gelingende Dichtung“ – Rede ist die „schmalzträufelnde Dichtung“. Eben die Rede gründet er sich damit, wer dies so weiß... „Ihr Aśvin, opferreiche Erquickungen [bringend]“ – Speise ist „Erquickung“ (iṣas) – zur Gewinnung der Speise. „Kommt her, die ihr auf Rudras Pfaden wandelt“ – zum Opfer kommen ihm die beiden Aśvin, wer dies so weiß... „Indra, komm, du Glanzreicher; Indra, komm, von der Dichtung Angetriebener; Indra, komm, du Eilender“ – so spricht er [dreimal] „komm, komm“ als Ruf. Zum Opfer kommt ihm Indra, wer dies so weiß... „Ihr Helfer, die Stämme haltenden, all ihr Götter, kommt her“ – zu seinem Ruf kommen ihm alle Götter, wer dies so weiß... [?] „Der Freigebigen Trank des Freigebigen“ [heißt es] – „des Gebenden, des Gebenden Trank“ bedeutet eben dies. Ihm gewähren die Götter den Wunsch, welchen Wunsch er [mit diesem Vers] wünscht, wer dies so weiß... „Rein sei uns Sarasvatī, das Opfer wolle sie [gewähren], sie, die reich an Dichtung ist“ – Rede ist die „an Dichtung Reiche“. Eben die Rede gründet er sich damit, wer dies so weiß... „Sie wolle das Opfer“ [heißt es] – „sie möge das Opfer tragen“ bedeutet eben dies. Diese [Verse ergeben], der Zahl nach [zusammengefasst], einundzwanzig: einundzwanzigfach ist dieser Mensch – zehn Fingerglieder der Hände, zehn der Füße, das Selbst als Einundzwanzigstes; so gestaltet er sich selbst zum Einundzwanzigfachen. Diese [Verse ergeben]: dreimal beim ersten, dreimal beim letzten, fünfundzwanzig: fünfundzwanzigfach ist das Selbst, fünfundzwanzigfach ist Prajāpati – zehn Fingerglieder der Hände, zehn der Füße, zwei Schenkel, zwei Arme, das Selbst als Fünfundzwanzigstes; so gestaltet er sich selbst zum Fünfundzwanzigfachen. Und auch dieser Tag ist fünfundzwanzigfach; der Stoma dieses Tages trifft mit dem Zahlwert Fünfundzwanzig im Gleichmaß zusammen – deshalb sind es eben zwei [Gruppen von] Fünfundzwanzig. – So endet im Aitareya-Āraṇyaka, im ersten Āraṇyaka, der erste Adhyāya.

Wort für Wort
vāyo ā yāhi, araṃkṛtāḥ somāḥ
Vāyu, komm her, bereitet sind die Soma-Tränke
niṣkṛtam = saṃskṛtam
'bereitet' bedeutet 'zurechtgemacht' [etymologisierende Gleichsetzung]
mitraṃ huve pūtadakṣam
ich rufe Mitra, den reingesinnten
dhiyaṃ ghṛtācīm, vāk dhīḥ ghṛtācī
die schmalzträufelnde Dichtung ist die Rede
aśvinā yajvarīḥ iṣaḥ
ihr Aśvin, opferreiche Erquickungen
ā yātaṃ rudravartanī
kommt her, die ihr auf Rudras Pfaden wandelt
indrā yāhi citrabhāno / dhiyeṣita / tūtujāna
Indra, komm (dreifache Anrufung)
omāsaḥ carṣaṇīdhṛtaḥ viśve devāsaḥ ā gata
ihr Helfer, Stämme haltend, all ihr Götter, kommt
dāśvāṃsaḥ dāśuṣaḥ sutam
der Freigebigen Trank des Freigebigen
pāvakā naḥ sarasvatī yajñaṃ vaṣṭu
rein sei uns Sarasvatī, das Opfer wolle sie
dhiyāvasuḥ = vāk
'reich an Dichtung' [Beiname] = die Rede
parāgvacanena ekaviṃśatiḥ
der Zahl nach 21
daśa hastyāḥ, daśa pādyāḥ, ātmā ekaviṃśaḥ
10 Finger, 10 Zehen, das Selbst = 21
pañcaviṃśaḥ ātmā pañcaviṃśaḥ prajāpatiḥ
das Selbst ist 25-fach, Prajāpati ist 25-fach
iti aitareye prathamāraṇyake prathamo 'dhyāyaḥ
so endet im ersten Āraṇyaka der erste Adhyāya

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