Quellen der Menschheit

Aitareya-Āraṇyaka

Kapitel 18: aitareyāraṇyakam · pañcamāraṇyakam · tṛtīyo 'dhyāyaḥ Buch 5, Adhyāya 3: Der Vāc-Hymnus, Abschluss des Mahāvrata und die Svādhyāya-Regeln (Schluss des Aitareya-Āraṇyaka)

Adhyāya 3 (3 Khaṇḍas), der letzte Abschnitt des gesamten Aitareya-Āraṇyaka, beginnt mit einer weiteren technischen Sāman-Verschränkungsanleitung (Khaṇḍa 1, 'ukthadohaḥ'), führt dann zum philosophischen Höhepunkt des ganzen Werkes: einem sechsversigen, Upaniṣad-nahen Preishymnus auf Vāc (die Rede) als kosmisches, mit Indra, Prajāpati und dem Brahman gleichgesetztes Prinzip, gefolgt von den abschließenden Riten des Mahāvrata (Khaṇḍa 2), und schließt mit einem ausführlichen Regelkatalog zum vedischen Selbststudium (Svādhyāya-dharma, Khaṇḍa 3), der in der berühmten Doppelformel 'brahma bhavati brahma bhavati' gipfelt und damit das gesamte Āraṇyaka beendet ('iti pañcamāraṇyakaṃ samāptam'). Übersetzung ohne Verwendung einer vorhandenen Übersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet; der Vāc-Hymnus (Khaṇḍa 2, Verse 1-6) wurde mit besonderer Sorgfalt als eigenständiges philosophisches Gedicht übersetzt, während bei den technischen Ritualanweisungen (insbesondere Khaṇḍa 1 und die Schlussriten in Khaṇḍa 2) wie im gesamten Buch 5 zahlreiche Fachbegriffe und Vers-Kürzel mit [?]/[Anm.] als unsicher gekennzeichnet bleiben.

ūrū | indrāgnī yuvaṃ su na ity etasyārdharcānāyatrīkāram uttaram uttarasyānuṣṭubkāraṃ prāguttamāyāḥ | pra vo mahe mandamānāyāndhasa iti nividdhānam | vane na vā yo nyadhāyi cākanyo jāta eva prathamo manasvānīti te 'ntareṇā yāhy avāṅ upa vandhureṣṭhā vidhuṃ dadraṇaṃ samane bahūnām ity etad avapadanam | daśatīnām aindrīṇāṃ triṣṭubjagatīnāṃ bṛhatīsapannānāṃ yāvatīr avaperaṃs tāvantīr ūrdhvam āyuṣo varṣāṇi jijīviṣet saṃvatsarāt saṃvatsarād daśato na vā | tyam u ṣu vājinaṃ devajūtam | indro viśvaṃ vi rājatīty ekapadā | indraṃ viśvā avīvṛdhann ity anuṣṭubham | tasya prathamāyāḥ pūrvam ardharcaṃ śastvottareṇārdharcenottarasyāḥ pūrvam ardharcaṃ vyatiṣajati pādaiḥ pādān anuṣṭubkāraṃ prāguttamāyāḥ pūrvasmāt pūrvasmād ardharcād uttaram uttaram ardharcaṃ vyatiṣajati prakṛtyā śeṣaḥ | pibā somam indra mandatu tveti ṣaṭ | yoniṣṭha indra sadana akarīty etasya catasraḥ śastvottamām upasaṃtyopottamayā paridadhāti | parihita uktha ukthasaṃpadaṃ japati | ukthavīryasya sthāna ukthadohaḥ || 1 ||

Die 'Schenkel' [ūrū, Name dieser weiteren Stotra-Gruppe]: 'Indra und Agni, ihr beide, uns wohl' – von diesem [Sūkta] macht man den vorderen Halbvers zum Anuṣṭubh, den hinteren zum Anuṣṭubh des nachfolgenden letzten [Verses]. 'Wir [rufen] euch zu, dem Großen, dem sich am Trank Berauschenden' ist die Nivid-[Formel]. 'Wie im Wald wurde er niedergelegt, der gern-wollende, kaum geboren schon der erste, gedankenvolle' – dazwischen 'komm herab zum Sitz auf dem Wagenkorb, zum Erschütterer, zum Zerreißer bei der Versammlung vieler' ist die Einlage[formel]. Von den zehnfachen indrischen [Versgruppen], triṣṭubh- und jagatī-metrisch, mit bṛhatī[-Versen] versehen, so viele man auswählt, so viele Jahre über [das übliche Maß] hinaus möge man zu leben wünschen – Jahr für Jahr zehnfach, oder auch nicht [Anm.: Zählung unsicher]. 'Jenen wohl, den kraftvollen, gottbewegten' [und] 'Indra beherrscht alles' ist ein einfüßiger [Vers]; 'sie ließen Indra überallhin wachsen' ist anuṣṭubh-metrisch. Von diesem [Vers] wird der vordere Halbvers des ersten [Sūkta] gepriesen, mit dem hinteren Halbvers des nachfolgenden [wird] der vordere Halbvers des darauffolgenden [verschränkt], Fuß um Fuß; die Anuṣṭubh-Bildung des letzten [Verses geschieht so, dass] man von Halbvers zu Halbvers immer den folgenden mit dem vorhergehenden verschränkt, der Rest bleibt naturgemäß [unverändert]. 'Trink den Soma, Indra, er möge dich berauschen' – sechs [Verse]. 'Hier ist dein Sitz, Indra, [den] du dir geschaffen hast' – von diesem [holt man] vier [Verse], preist sie, und umhüllt [sie] mit dem vorletzten und dem letzten [Vers]. Ist das Uktha [Lob-Lied] umhüllt, murmelt man die Vollendung des Uktha. [So ist] der Ort der Uktha-Kraft [zugleich] das 'Melken' des Uktha [Anm.: 'ukthadohaḥ' – letzte technische Sūddoha-verwandte Formel dieser langen Prayoga-Reihe].

Wort für Wort
ūrū
die 'Schenkel' (Name dieser Stotra-Teilgruppe, Fortsetzung der Körper-Metaphorik)
indrāgnī yuvaṃ su naḥ
Indra und Agni, ihr beide, uns wohl (Vers-Incipit)
daśatīnām aindrīṇāṃ triṣṭubjagatīnāṃ
von den zehnfachen indrischen Triṣṭubh-Jagatī-Versgruppen
parihita uktha ukthasaṃpadaṃ japati
ist das Uktha umhüllt, murmelt man die Vollendung des Uktha
ukthavīryasya sthāna ukthadohaḥ
der Ort der Uktha-Kraft ist das Melken des Uktha

mūrdhā lokānām asi vāco rasas tejaḥ prāṇasyāyatanam manasaḥ saṃveśaś cakṣuḥ saṃbhavaḥ śrotrasya pratiṣṭhā hṛdayasya sarvam || 1 || indraḥ karmāśritam amṛtaṃ vyoma ṛtaṃ satyaṃ vijigyānaṃ vivācanam anto vāco vibhuḥ sarvasmād uttaro jyotir ūdharaprativādaḥ pūrvam || 2 || sarvaṃ vāk parāgvāk pra salilaṃ dhenuṃ pinvati cakṣuḥ śrotraṃ prāṇaḥ satyasaṃmitaṃ vākprabhūtaṃ manaso vibhūtam hṛdayograṃ brāhmaṇabhartṛkam || 3 || annam śubhe varṣapavitraṃ gobhagaṃ pṛthivy uparaṃ varuṇavākvitamam | tapas tanv indrajyeṣṭhaṃ sahasradhāram ayutāntaram amṛtaṃ duhānam || 4 || etās ta uktha bhūtaya etā vāco vibhūtayaḥ | tābhir ma iha dhukṣvāmṛtasya śriyaṃ mahīm || 5 || prajāpatir idaṃ brahma vedānāṃ sasṛje rasam | tenāhaṃ viśvam āpyāsaṃ sarvān kāmān duhāṃ mahat || 6 || bhūr bhuvaḥ svas trayo vedo 'si | brahma prajāṃ me dhukṣva | āyuḥ prāṇaṃ me dhukṣva | paśūn viśaṃ me dhukṣva | śriyaṃ yaśo me dhukṣva | lokaṃ brahmavarcasam bhayaṃ yajñasamṛddhiṃ me dhukṣva iti vācayaty adhvaryur abuddhaṃ ced asya bhavati | omukthaśā yaja somasyety ājyai sampreṣito ye3 'yajāmaha ity āgūrya nityayaiva yajati vyavān yevānuvaṣaṭkaroti | uktaṃ vaṣaṭkāraanumantranam | āharaty adhvaryur ukthapātram atigṛhya sam aśamsam | bhadraṃ pratirohya hotā prāṅpreṅkhād avarohati | atha etaṃ preṅkhaṃ pratyañcam avabadhnanti yathā śaṃsitāraṃ bhaṃsayiṣyantaṃ nopahaniṣyasīti | preṅkhasya hy āyatanam āsīno hotā bhajayati | atha etad ukthapātraṃ hotopasṛṣṭena japena bhajayati | vāgdevī somasya tṛpyatu | somo me rājāyuḥ prāṇāya varṣatu | sa me prāṇaḥ sarvam āyur duhāṃ mahad iti | uttarād ābhiplavikāt tṛtīyasavanam anyad vaiśvadevān nividdhād asya vāmasya palitasya hotur iti salilasya dīrghatamasa ekacatvāriṃśatamāno bhadrīyaṃ ca tasya sthāna aikāhikau vaiśvadevasya pratipadanucarau | cyaveta ced racajñāyajīyam agne tava śravo vaya iti ṣaṭ stotriyānurūpau yad īḷānda bhūyasīṣu cet stuvīran nāgniṃ na svavṛttibhir iti tāvatīr anurūpāḥ | saṃpannaṃ mahāvrataṃ saṃtiṣṭhata idam ahar agniṣṭomo yathākālam avabhṛthaṃ prekṣaṃ hareyuḥ saṃdeheyur bṛsīḥ || 2 ||

1. Du bist das Haupt der Welten, der Saft der Rede, der Glanz, die Stätte des Atems, das Zusammensitzen des Denkens, das Werden des Auges, die Grundlage des Gehörs, das Herz von allem – das Ganze. 2. Indra ist das im Wirken gegründete Unsterbliche, der Weltraum, Ordnung [ṛta] und Wahrheit, der Siegreiche, das Streitgespräch; das Ende der Rede, alldurchdringend, höher als alles, das Licht, die erste Erwiderung des [göttlichen] Euters. 3. Alles ist Rede: die entfernte Rede lässt das strömende Wasser, die [Milch-]Kuh anschwellen; Auge, Gehör, Atemhauch; mit Wahrheit gemessen, aus der Rede hervorgegangen, aus dem Denken entfaltet, im Herzen mächtig, vom Brahmanen getragen. 4. Speise zum Heil, reinigender Regen, der Kühe Anteil, höher als die Erde, dem Wort Varuṇas am nächsten; die Askese des Leibes, deren Höchstes Indra ist, mit tausendfältigem Strom, unerschöpflichem Inneren, das Unsterbliche melkend. 5. Dies sind, o Uktha [Lob-Lied], deine Erscheinungsformen, dies sind der Rede Machtentfaltungen; durch sie melke mir hier den großen Glanz der Unsterblichkeit. 6. Prajāpati hat diesen Brahman-[Kern], den Saft der Veden, hervorgebracht; durch ihn möge ich das All durchdringen [und] alle Wünsche, das Große, melken. Bhūr, Bhuvaḥ, Svar – die drei Veden bist du! Melke mir das Brahman, die Nachkommenschaft; melke mir Lebenskraft und Atem; melke mir Vieh und Volk; melke mir Glanz und Ruhm; melke mir die Welt des geistlichen Glanzes, [vertreibe] die Furcht, [gib] Gedeihen des Opfers. So lässt der Adhvaryu-[Priester ihn] sprechen; ist er dabei unaufmerksam, so ist es [dennoch gültig für] ihn. 'Om, mit dem Uktha huldige, opfere dem Soma' – so vom Ājya[-Priester] angewiesen, 'wir opfern' rufend, opfert er stets in gleicher Weise; abwechselnd spricht er das 'Vaṣaṭ' aus. Genannt ist die Vaṣaṭ-Ruf-Anweisung. Der Adhvaryu bringt das Uktha-Gefäß herbei, es ergreifend, [und] besänftigt [es]. Nachdem er den heilvollen [Aufstieg] bestiegen hat, steigt der Hotṛ von der nach vorn [gerichteten] Schaukel herab. Dann bindet man diese Schaukel rückwärts fest, [mit den Worten]: 'Wie den Rezitierenden werde ich [dich] nicht erschrecken, nicht verletzen werde ich dich.' Denn der sitzende Hotṛ teilt der Schaukel ihren [Ruhe-]Sitz zu. Dann teilt der Hotṛ dieses Uktha-Gefäß durch das hinzugefügte Murmelgebet zu: 'Die göttliche Rede sättige sich am Soma. Soma, mein König, möge für Lebenskraft und Atem regnen. Er, mein Atem, möge das ganze große Leben melken.' Von der oberen Ābhiplavika-[Sequenz an ist] die dritte Pressung eine andere, den Viśvedevas [geweihte], mit der Nivid verbunden, [beginnend]: 'Dieses köstliche, greise [Wesen] des Hotṛ' – des Salila[?], des Dīrghatamas einundvierzigster [Vers], und 'Bhadrīya' ist dessen Stelle; zwei eintägige, den Viśvedevas zugehörige, [ihrer] Pratipad folgende [Riten]. Sollte man abweichen [vom festen Ablauf], [gilt]: 'O Agne, dein Ruhm, unser Reichtum' – sechs Stotriya- und Anurūpa-Verse; wenn man mit mehr [Versen] preisen möchte, [dann mit] 'nicht wie Agni, nicht nach eigenem Verhalten' – ebenso viele Anurūpa-[Verse]. Vollendet ist das Mahāvrata; an diesem Tag stellt man den Agniṣṭoma wieder her; rechtzeitig sollen sie das Abschluss-Reinigungsbad, die Betrachtung, vollziehen, und die Sitzmatten zusammenlegen. [Anm.: Der eröffnende Hymnus dieses Khaṇḍa (Verse 1-6) ist ein eigenständiges, Upaniṣad-nahes Preislied auf Vāc (die Rede) als kosmisches Prinzip, das mit Indra, Prajāpati und dem Brahman gleichgesetzt wird; er bildet den philosophischen Höhepunkt und Abschluss des gesamten Aitareya-Āraṇyaka, bevor der Text in die abschließenden technischen Anweisungen zur Beendigung des Mahāvrata-Rituals zurückkehrt. Mehrere Einzelbegriffe der Schlussriten (Ābhiplavika, Salila, Dīrghatamas-Zählung) bleiben unsicher.]

Wort für Wort
mūrdhā lokānām asi
du bist das Haupt der Welten
vāco rasas tejaḥ
der Saft der Rede, der Glanz
indraḥ karmāśritam amṛtaṃ vyoma
Indra ist das im Wirken gegründete unsterbliche Firmament
sarvaṃ vāk
alles ist Rede
prajāpatir idaṃ brahma vedānāṃ sasṛje rasam
Prajāpati hat diesen Brahman-Kern, den Saft der Veden, hervorgebracht
bhūr bhuvaḥ svas trayo vedo 'si
Bhūr, Bhuvaḥ, Svar – die drei Veden bist du
brahma prajāṃ me dhukṣva
melke mir das Brahman, die Nachkommenschaft
saṃpannaṃ mahāvrataṃ
vollendet ist das Mahāvrata

nādīkṣito mahāvrataṃ śaṃsen nāgnau na parasmai nāsaṃvatsara ity eke kāmaṃ pitre vācāryāya vā śaṃsed ātmano haivāsya tac chastaṃ bhavati | hotṛśāstreṣu ukthaśā yaja somasyety ekaḥ preṣaḥ sanārāśaṃseṣv anārāśaṃseṣu vā hotrakāṇām | ukthaśā yaja somānām iti | tad idam ahar nānantevāsine prabrūyān nāsaṃvatsaravāsine no evāsaṃvatsaravāsine nābrahmacāriṇe nāsabrahmacāriṇe no evāsabrahmacāriṇe nānabhiprāptāyaitaṃ deśam | na bhūyaḥ sakṛddadānād iridardanād rādyaiva | eka ekasmai prabrūyād iti ha smāha jātūkarṇyaḥ | na vatse ca na tṛtīya iti | na tiṣṭhaṃstiṣṭhate na vrajanvrajate na śayanaḥ śayanāya nopariāsīnāya upariāsīnāyādha evāsīno 'dha āsīnāya | nāvaṣṭabdho na pratistabdho nātivīto nāṅgaṃ kṛtvordhvajānur na paśrito 'dhīyeta | na māṃsaṃ bhuktvā na lohitaṃ dṛṣṭvā na gatāsuṃ nāvatyam ākramya nāktvā nābhyajya nonmardanaṃ kārayitvā na nāpitena kārayitvā na snātvā na varṇakenānulipya na svajam apinahya na striyam upagamya nollikhya nāvilikhya nedam ekasminn ahani samāpayed iti ha smāha jātūkarṇyaḥ | samāpayed gālavo yad anyatra pañcāśītibhyaḥ samāpayed eveti agnideveśyā yonyasmin deśe śamayamānā iti | yatredam adhīyīta na tatrānyad adhīyīta yatra tv anyad adhīyīta kāmam idam atrādhīyīta | nedam anadhīyaṃs tātako bhavati yad apy anyad dhy avedam anadhīyaṃs tātako bhavati | nāsmād adhītāt pramādyed anyasmāt pramādyen naivāsmāt pramādyet | asmāc cen na pramādet alam ātmaneti vidyāt | alaṃ satyaṃ vidyāt | nedaṃvidaṃ nindaṃvidā samuddiśen sahabhuñjīta na sadhamādī syāt | athāta svādhyāyadharmaṃ vyākhyāsyāmaḥ | upa purāṇenāpīte kaccodake pūrvāhne na saṃbhinnāsu chāyāsv aparāhne nādhyūḍhe meghe 'partau varṣaṃ trirātraṃ vaidikenādhyāyenāntariyān nāsmin kathāṃ vadeta nāsya rātrau cana cikīrtayiṣet | tad iti vā etasya mahato bhūtasya nāma bhavati yo 'syaitad devaṃ nāma veda brahma bhavati brahma bhavati || 3 || ity aitareyapañcamāraṇyake tṛtīyo 'dhyāyaḥ | iti pañcamāraṇyakaṃ samāptam ||

Ein noch nicht Geweihter soll das Mahāvrata nicht [vor anderen] rezitieren, nicht vor dem Feuer, nicht für einen anderen, nicht [nur] innerhalb eines Jahres [Übens] – so [lehren] einige; wenn er will, möge er es dem Vater oder dem Lehrer vorsagen, denn dann gilt es als für ihn selbst rezitiert. Bei den Hotṛ-Anweisungen [gibt es] den einen Befehl 'huldige mit dem Uktha, opfere dem Soma', gleich ob unter den [Priestern], deren Sprüche [gemeinsam] überliefert sind, oder unter denen, deren Sprüche nicht [gemeinsam] überliefert sind, [nämlich] den Hotraka-[Gehilfen]: 'Huldige mit dem Uktha, opfere den Soma-[Göttern].' Dies soll man an diesem Tag nicht einem Schüler vortragen, der [erst] weniger als ein Jahr [bei einem Lehrer] gewohnt hat, wohl aber einem, der ein volles Jahr [bei ihm] gewohnt hat; nicht einem, der nicht [als] Brahmacārin [Keuschheitsschüler lebt], wohl aber einem, der [wirklich als solcher] lebt; nicht einem, der diesen [heiligen] Ort noch nicht erreicht hat. Nicht mehr als einmal, [durch] Weitergabe – [dies gilt] eben, sowie: 'man soll es jedem Einzelnen [nur] einmal vortragen', so pflegte Jātūkarṇya zu sagen: 'nicht dem Kalb [d.h. dem noch zu Jungen] und nicht ein drittes Mal.' Nicht im Stehen [rezitiere man] zu einem im Stehen [Begriffenen], nicht im Gehen zu einem im Gehen [Begriffenen], nicht im Liegen zu einem im Liegen [Begriffenen], nicht [im Sitzen] zu einem, der höher sitzt, ist man höher sitzend zu einem niedriger Sitzenden; sitzt man selbst niedriger, [rezitiere man nur] zu einem [ebenso] niedriger Sitzenden. Nicht angelehnt, nicht zurückgelehnt, nicht mit übereinandergeschlagenen Beinen, nicht mit einem [Bein oder Arm in ungewöhnlicher Stellung], nicht mit hochgezogenem Knie, nicht angelehnt soll man rezitieren. Nicht nach dem Genuss von Fleisch, nicht nach dem Anblick von Blut, nicht nach [dem Anblick] eines Verstorbenen, nicht nach dem Betreten eines [Trauer-]Zuges, nicht ohne gebadet zu haben, nicht ohne sich gesalbt zu haben, nicht nachdem man [sich] hat einreiben lassen, nicht nachdem man [sich] vom Barbier hat bedienen lassen, nicht ohne gebadet zu haben, nicht ohne sich mit Farbstoff bestrichen zu haben, nicht nachdem man einen Kranz gebunden hat, nicht nachdem man sich einer Frau genähert hat, nicht nach dem [Zähne-]Reinigen mit Zahnstocher, nicht nach dem Kratzen [der Haut] – so pflegte Jātūkarṇya zu sagen: 'Man soll dies nicht an einem einzigen Tag zu Ende bringen.' Gālava [lehrte]: man solle es zu Ende bringen, außer bei den 'Fünfundachtzig' [Verssammlungen, d.h. den Tṛcāśīti-Reihen]; diese solle man eben zu Ende bringen, an einem [dafür] geeigneten Ort, den Agni-Gottheiten geweiht, [dort wo man] zur Ruhe kommt. Wo man dies [den Veda] studiert, dort studiere man nichts anderes; wo man aber etwas anderes studiert, dort mag man, wenn man will, auch dies [den Veda] studieren. Wer diesen [Veda] nicht studiert, ist kein [rechter] Sohn seines Vaters; und wer, obwohl er einen anderen [Veda-Teil kennt], diesen nicht studiert, ist [ebenso] kein [rechter] Sohn. Von diesem Studierten soll man nicht nachlässig werden; von einem anderen [Text] mag man nachlässig werden, von diesem aber keinesfalls nachlässig werden. Wenn man von diesem nicht nachlässig wird, soll man wissen: 'Genug für sich selbst.' 'Genug' soll man als Wahrheit erkennen. Man soll nicht einen, der dies nicht kennt, geringschätzend als Nicht-Kenner bezeichnen; man soll [mit einem solchen] gemeinsam essen, [aber] nicht [mit ihm] in ausgelassener Runde feiern. Nun wollen wir also die Regel des Selbststudiums [Svādhyāya] darlegen: Ist [gerade eben erst] altes Wasser wieder eingetreten [d.h. bei frisch aufgefülltem Wasserstand], am Vormittag, [rezitiere man] nicht; bei vermischten Schatten am Nachmittag [ebenfalls] nicht; wenn eine Wolke [ungewöhnlich] aufgezogen ist, [rezitiere man] nicht; bei unzeitigem Regen [unterbreche man das Studium für] drei Nächte durch [Rezitation nur] eines vedischen Lehrabschnitts; man führe über diese [Unterbrechungszeit] kein [gewöhnliches] Gespräch, man beabsichtige in ihrer Nacht überhaupt nichts [Weltliches] zu tun. 'Tad' [Jenes] – so lautet der Name dieses großen Wesens; wer diesen seinen göttlichen Namen kennt, wird [selbst zum] Brahman, wird [selbst zum] Brahman. — So endet der dritte Adhyāya im fünften Āraṇyaka des Aitareya[-Āraṇyaka]. So endet das fünfte Āraṇyaka. [Anm.: Mit diesem feierlichen 'brahma bhavati brahma bhavati' – einer für vedische Upaniṣad- und Āraṇyaka-Schlüsse typischen Doppelformel des Erkenntnis-Zieles – endet das gesamte Aitareya-Āraṇyaka. Der Khaṇḍa selbst enthält ein ausführliches Regelwerk zum vedischen Selbststudium (Svādhyāya): Vorschriften über Reinheit, Körperhaltung, angemessene Schülerbeziehung und die Zeiten, zu denen die Rezitation aus Witterungsgründen (Regen, auffällige Wolken- oder Schattenverhältnisse) auszusetzen ist – Regeln, die in ganz ähnlicher Form auch in anderen vedischen Anantevāsin-Ordnungen (etwa der Taittirīya-Schule) belegt sind. Mehrere Einzelheiten (insbesondere die genauen Körperhaltungs- und Reinheitsvorschriften) bleiben trotz sorgfältiger Analyse im Detail unsicher und sind entsprechend gekennzeichnet.]

Wort für Wort
nādīkṣito mahāvrataṃ śaṃsen
ein noch nicht Geweihter soll das Mahāvrata nicht rezitieren
eka ekasmai prabrūyāt
man soll es jedem Einzelnen nur einmal vortragen
na māṃsaṃ bhuktvā na lohitaṃ dṛṣṭvā
nicht nach dem Genuss von Fleisch, nicht nach dem Anblick von Blut
nāsmād adhītāt pramādyet
von diesem Studierten soll man nicht nachlässig werden
athāta svādhyāyadharmaṃ vyākhyāsyāmaḥ
nun wollen wir die Regel des Selbststudiums darlegen
aparāhne nādhyūḍhe meghe
am Nachmittag bei aufgezogener Wolke nicht [rezitiere man]
yo 'syaitad devaṃ nāma veda brahma bhavati brahma bhavati
wer diesen seinen göttlichen Namen kennt, wird Brahman, wird Brahman
iti pañcamāraṇyakaṃ samāptam
so endet das fünfte Āraṇyaka (Schluss des gesamten Aitareya-Āraṇyaka)

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